Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Das Evangelium nach Markus

Einleitung

Das Evangelium nach Markus berichtet nichts über den Stand oder die Abstammung Christi in seiner Eigenschaft als Mensch. Im Gegensatz zum Matthäusevangelium, wo Er als König mit Stammbaum (Nachfolger Davids), Lukasevangelium, wo Er als vollwertiger Mensch und ebenfalls mit Stammbaum (Abstammung von Adam), Johannesevangelium, wo Er als allmächtiger Gott (ohne Anfang und Ende) dargestellt wird, erwähnt der Autor keine wunderbaren Worte Christi, wie sie in anderen Evangelien genannt werden. Es ist im Markusevangelium nicht die Rede von der Verfassung des Reiches der Himmel (Bergpredigt, Matth 5-7), seines sich über das Elend erbarmende menschliche Mitgefühl (Lk 7,11ff, wo Er ohne Bittstellung, durch alleinige Anteilnahme eingriff), der herrlichen Offenbarung Christi als allmächtiger Gott im Johannesevangelium (Joh 8,58; 10,17, Christus war seit jeher und kann sein Leben selbst wieder nehmen, was kein Mensch von sich aus sagen kann).

In diesem Buch knüpft der Heilige Geist seine Schwerpunkte in der Betrachtung der herrlichen Person Christi an andere Grössen. Dieses Evangelium spricht ausdrücklich von den ausgezeichneten Taten seines Dienstes. Herausgeschält wird sein perfekter Arbeit als Sklave Gottes. Das Wort „alsbald“ kommt je nach Übersetzung über 20-mal vor. In der Elberfelder-Bibel kommt das Wort „und“ in diesem Buch sogar über 550-mal vor und zwar sehr oft am Satzanfang, um – wie beim Wort „alsbald“ – eine neue Begebenheit anzukündigen und damit zu zeigen, dass alles im Leben des Gottes-Knechtes Jesus Schlag auf Schlag ging. Der HERR ist darin beständig am Werk, Er geht von einem Dienst zum nächsten. Er gönnt sich keine Auszeiten und verwickelt sich nicht in die „Beschäftigungen des Lebens“ (2. Tim 2,4); Er bleibt beständig im Willen des Vaters, in jedem Werk.

Dieses Evangelium eignet sich für willige Christen unter anderem hervorragend als Anleitung zum Dienst. So dem Vater hingegeben, wie es Christus war, sollen wir es auch halten. Der Sklave ist nicht grösser als sein Herr (Joh 13,16). Was Christus, der unbestritten unser Herr ist, tat oder eben unterliess zu tun, soll unsere Anleitung für den rechten Dienst im Reich Gottes sein. Wir sind nicht grösser als Er. Mit selbstbestimmten Werken schiessen wir am Ziel vorbei. Nur mit Werken, die mit Ihm im Einklang stehen, sind wir für Ihn und das Wohl der Menschen nützlich. Amen.

Kapitel 1

Vers 1

Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes;  Mk 1,1 

Hiermit beginnt das Evangelium nach Markus. „Evangelium“ bedeutet übersetzt: „Frohe Botschaft“ oder „gute Nachricht“. Es handelt sich also um die frohe Botschaft bzw. die gute Nachricht Gottes an die Menschen.

Hierbei geht es nicht um eine gewöhnliche gute Nachricht, wie beispielsweise die Geburt eines Kindes. Es ist für den Menschen die gute Nachricht schlechthin. Es ist die Nachricht, auf die jeder Mensch insgeheim hofft, die Botschaft Gottes, die nicht zeitlich sondern ewig ist und nicht überschattet werden kann.

Die Geburt eines Kindes kann durch Krankheit oder Tod überschattet werden. Das Evangelium Gottes kann nicht überschattet werden, weil es über allem Übel steht. Kein schreckliches Ereignis, weder Teufel noch Atomkrieg kann diese frohe Botschaft trüben. Sie steht sogar über der Endlichkeit, dem Tod des Menschen!

Es handelt sich hierbei um Jesus Christus, der diese Botschaft ermöglichte und auch deren Inhalt ist. Er ist der Sohn Gottes, des Allmächtigen. Durch Christus hat Gott uns eine Botschaft zu erzählen, die lebensrettend, freude- und segenbringend sowie ewig ist. Amen.

Vers 2

wie in dem Propheten Jesaja geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird.«   Mk 1,2 

Obschon dieses Evangelium unseren HERRN in der Eigenschaft als Diener* (*siehe Einleitung) darstellt, eignet es sich auch gut, die Lehre der sogenannten „Zeugen Jehovas“ zu widerlegen, welche besagt, Jesus gehöre nicht zur dreieinen Gottheit. Die Lehre der „Zeugen Jehovas“ leugnet die Tatsache, dass Jesus Christus – wie der Vater selbst – Gott der Allmächtige ist.

Dieser Vers beschreibt die Erfüllung einer Prophetie; etwas das vor Jahrhunderten durch Jesaja vorausgekündigt wurde, trat durch Christi Auftritt und dem Vorausgehen von Johannes dem Täufer ein (Jes 40,3). Dass die Erfüllung eintreten wird, war für den Gottesfürchtigen immer klar und der Gottlose findet hingegen seine Gründe, um sie einfach zu leugnen. Doch an dieser Stelle sei nochmals festgehalten, dass kein Strichlein der Heiligen Schrift unerfüllt bleiben wird (Mt 5,18). Auch der Prophet Maleachi sprach, wie Jesaja zuvor, nochmals prophetisch vom Kommen des HERRN und kündigte es ebenfalls an (Mal 3,1). Diese Prophetien sprechen eindeutig davon, dass Johannes der Täufer vor dem allmächtigen Gott hergesandt ist. Jesaja spricht: „Ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott.“ Maleachi doppelt nach: (Gott spricht:) „Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite.“ – Johannes der Täufer ebnete also den Weg bzw. war vor dem ewigen und allmächtigen Gott hergesandt.

Das Markusevangelium stellt damit klar: Johannes der Täufer kündigte die Ankunft Gottes in der Person von Jesus Christus an! Somit ist Jesus nicht irgendwer* (*ein guter Mensch bzw. ein Prophet, o.ä.), sondern Christus ist Gott selbst, wie Er auch schön als solcher im ganzen Johannesevangelium dargestellt wird. Amen.

Vers 3

»Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade gerade!«   Mk 1,3  

Dieser Vers ist die Aussage aus dem Propheten Jesaja (40,3). Der Ausspruch gilt dem HERRN, dem allmächtigen Gott. Die Erfüllung dieser Vorausschau (Prophetie) kam durch die Worte Johannes‘ des Täufers, als er von Jesus Christus sprach. Damit weist uns der Heilige Geist bereits durch die ersten Verse dieses Evangeliums auf die Tatsache hin, dass Jesus Christus ein Teil dieses dreieinen Gottes ist. Wenn wir von Christus reden, sprechen wir vom allmächtigen Gott, wie wenn wir vom Vater sprechen. In der Eigenschaft als Mensch, von der Maria geboren, steht Christus unter dem Vater (Lk 22,42); in der Eigenschaft als Gott (Joh 8,58) steht Er auf gleicher Ebene. Das kann auch mit dem griechischen Wort für „bitten“ im Johannesevangelium verifiziert werden. Wenn Christus den Vater etwas bittet, steht dasselbe Wort für „bitten“, das verwendet wird, wenn ein Gleichrangiger einen Kollegen um etwas bittet (Joh 14,16). Beim Menschen, wenn der Mensch Gott um etwas bittet, wird das griechische Wort verwendet, das aussagt, dass ein hierarchisch tiefer Gestellter einen höher Gestellten um etwas bittet (Joh 15,7). – Wer es fassen kann, der fasse es. Amen.

Vers 4

Johannes trat auf und taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Busse zur Vergebung der Sünden.   Mk 1,4 

Johannes der Täufer trat also auf, wie in den Anfangsversen mit den Verweisen zu den Propheten angekündigt, taufte in der Wüste und predigte die Taufe der Busse zur Vergebung der Sünden. Seine Taufe unterschied sich von derjenigen des Christus. Das sehen wir in der Tatsache, dass sich das Volk, das von Johannes getauft wurde, nochmals von Christus taufen liess. Seine Taufe war zur Vergebung der Sünden, die Taufe Christi offenbart die Tatsache, dass beim Gläubigen der alte Mensch tot ist und ein neuer geboren wurde (Joh 3). Die Taufe des Johannes war lediglich die Vorbereitung, Gott in der Person von Christus zu begegnen.

Die echte Taufe (nicht die Kinder – „Taufe“) beendet etwas. Wer ganz von Wasser umhüllt ist (z.B. Sintflut), kann nicht überleben. Wer sich von Johannes taufen liess, zeigte im Gleichnis seinen Willen, mit dem alten (sündigen) Leben abzuschliessen und die Bereitschaft zur Umkehr vom sündigen Wandel, welche Johannes predigte. Auf diese Weise bereitete Johannes die Menschen auf die Begegnung mit Christus vor: Er veranlasste, dass die Menschen Gott mit aufgeräumtem Herzen begegnen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, auch für unsere Leben.

Der Mensch kann nicht vor Gott erscheinen, wie es ihm gerade passt. Dies tun wir nicht einmal vor potentiellen Arbeitgebern: Wir präsentieren uns bei Bewerbungsgesprächen nicht in unseren ältesten Kleidern. Das sollen wir Christen uns zu Herzen nehmen. Obschon grundsätzlich ein Kind immer und ohne Vorbehalte vor den Vater treten kann, ist der Vater nicht beeindruckt, wenn der Sprössling von einer zügellosen Partynacht mit unbussfertigem und rebellischem Herzen vor ihn tritt. Der Vater wird ihn dafür nicht erheben, vielmehr wird er ihn massregeln. Genauso können wir nicht als rebellische Kinder mit unbussfertigen Herzen vor den himmlischen Vater treten.

Wenn wir merken, dass unsere Gebete nicht mehr erhört werden und die Beziehung getrübt zu sein scheint, sollten wir uns überlegen, woran das liegen könnte. Vielleicht halten wir uns nicht mehr an die Hausordnung des Vaters und gieren Dingen nach, die uns die Welt durch ihre Medien anbietet? Auf jeder News-Seite im Internet oder fast jedem TV-Kanal werden die Angebote dieser Welt, nackte Haut und sonstige weltliche Begehrlichkeiten vor unsere Augen geführt. Die „Welt“ total in unseren Wohnzimmern, die wir nicht lieben sollen, weil sie vom Feind geprägt ist (1. Joh 2,15). Sie wecken in uns den Hochmut, die Begierde des Fleisches und trüben den Blick auf die Erwartung der Welt Gottes. Die jetzige Welt bietet die Frucht des falschen Baumes. Sie ist schön anzusehen und scheint gut zu schmecken, nimmt dem Menschen aber das Leben. Der falsche Baum gefiel Adam und Eva, die Frucht schien ebenfalls zu gefallen, doch am Ende wurden sie deswegen aus dem Garten vertrieben und waren in der Folge sterblich. Innerhalb des Tages Gottes (das sind 1000 Jahre) starben sie. Dies galt fortan auch für die Nachkommenschaft: Selbst der älteste Mensch starb innerhalb eines solchen Tages; er wurde lediglich 969 Jahre alt (1. Mo 5,27).

Kommen wir zurück zu Johannes: Dass Gott einen Mann von diesem bis hierher unübertroffenen Kaliber vor sich her sandte, ist bezeichnend (Mt 11,11). Wenn die Menschen nicht zubereitet worden wären bei seiner Ankunft, hätte Er das Land mit dem Bann (der Vernichtung) schlagen müssen. Daher spricht Er so über die Rolle Johannes‘ des Täufers:

23 Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der grosse und furchtbare.  
24 Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.   Mal 3,23.24 

Mit diesem „Elia“ war Johannes der Täufer gemeint (Mt 11,14). – Wie treten wir vor den HERRN? Ist unser Herz frei von dem, was die Bibel „Welt“ nennt (1. Joh 2,16)? Wenn wir in Ordnung sind und so vor den Vater treten, werden unsere Gebete nicht „an der Decke enden“, sie werden vielmehr erhört werden (Joh 14,13). Amen.

Vers 5

Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Einwohner Jerusalems, und sie wurden im Jordanfluss von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.   Mk 1,5

Dieser Vers beschreibt die Menge der Menschen, die sich von Johannes taufen liessen. Aus derselben Personengruppe liessen sich aufgrund der Pfingstpredigt nochmals viele, diesmal im Namen Christi, taufen (Apg 2,41). Dadurch kann der Bibelleser sich von der Tatsache überzeugen, dass die Taufe des Johannes sich von jener Christi unterschied. Die letzten Zweifel bezüglich der Unterschiede der Taufen sollten die Verse aus Apg 19,3-5 ausräumen. Dort geht es um Jünger, die von Johannes getauft worden waren und trotzdem, durch Paulus, in die Taufe auf den Namen Jesu Christi gingen.

Johannes‘ Dienst zeigte äusserliche Wirkung. Die Menschen kamen und zeigten Willen, vom Bösen umkehren zu wollen. Dass ihre Haltung bei vielen nur oberflächlich war, offenbarte Christus mit den Worten:

Ich sage euch aber, dass Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden.   Mt 17,12 

Johannes wurde nicht als Vorläufer Gottes betrachtet, sonst hätten die Menschen Gott in der Person von Christus ja erkannt, den Johannes durch sein Wirken ja ankündigte. Es blieb bei vielen nur ein besseres Lippenbekenntnis; immerhin liessen sie sich von Johannes taufen. – Dieser oberflächlichen Haltung begegnen wir heute auch überall. Die Menschen finden, vor allen in Zeiten des Innehaltens und des Rückblicks, wie beispielsweise in Tagen wie Silvester und Neujahr, dass diese oder jene schlechte Angewohnheit weichen muss und im Gegensatz die persönliche Gottesfurcht zunehmen soll. Manche würden sich auch darin Hilfe bieten lassen, wie jene, die Johannes als Zeugen benutzten. Wenn es aber später um ein standhaftes Bekenntnis vor anderen Menschen geht, fallen viele ab und offenbaren damit ihren leider nur sehr oberflächlichen Glauben.

Lassen Sie sich nicht durch oberflächliche Bekenntnisse reinlegen. Viele christliche Gruppen lassen sich von Präsidenten täuschen, wenn diese mal ein Gebet sprechen und Gottesfurcht heucheln. Einen echten Menschen Gottes erkennt man an seinem beständigen Wandel im HERRN (über Jahre). Ein kurzes Gebet oder Ritual (sich taufen lassen) lässt keine zweifelsfreien Rückschlüsse zu. Prüfen Sie zudem Ihr eigenes Bekenntnis auf dessen Wert! Amen.

Vers 6

Und Johannes war mit Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lende bekleidet; und er ass Heuschrecken und wilden Honig.   Mk 1,6 

Gottes echte Diener sind situationsgerecht gekleidet; sie treten angemessen auf. Heute glauben unwissende Zeitgenossen, Gottes Diener seien etwas verwahrloste Menschen, mit Wollpullover und Sandalen. - Das dies nicht so ist, liegt auf der Hand. Als Israel der Kopf der Nationen war, beispielsweise zur Zeit Davids, waren die Diener Gottes mit prachtvollen Kleidern bekleidet. Die Priester waren bereits in der Wüste herrlich angezogen. Später mutierte Israel jedoch durch den Ungehorsam zum Schwanz der Völker. Sie hatten es nicht geschafft, Gott zu dienen und das Gesetz half diesbezüglich auch nicht, weil das Fleisch kraftlos war (Rö 8,3). Gott verurteilte in der Folge das Fleisch in Ewigkeit (Mt 21,19) und erfand den Zustand auf der Welt als böse (Eph 5,16).

Es gab zur Zeit Johannes‘ nichts, worin sich der Mensch Gottes im Blick auf die Welt hätte freuen können, wie es auch heute im Bereich ausserhalb von Christus ist. Diesem Zustand entsprechend trat Johannes auf, nicht in weichen Kleidern, sondern so wie im Vers beschrieben, um die Ernsthaftigkeit des Zustandes auch äusserlich darzustellen. Keine Herrlichkeit der bösen Welt sollte an ihm gefunden werden, solange er mit dieser Botschaft der Ankunft Gottes und des folgenden Gerichts* (*gilt bis heute verbindlich für Menschen, die nicht hören wollen) betraut war.

Für uns bedeutet das, dass wir auch unseren Aufgaben gemäss auftreten sollen. Wir können nicht Nächstenliebe predigen und zugleich im Reichtum schwelgen, während auf anderen Erdteilen Menschen hungern und darben. Es geht auch nicht an, anderen schwere Lasten aufzuladen, sie selbst aber überhaupt nicht mittragen wollen (Mt 23,4). Diesbezüglich sind Gehorsam und Authentizität (Natürlichkeit, Echtheit) gefragt. Amen.

Vers 7

Und er predigte und sagte: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht würdig, <ihm> gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen.   Mk 1,7

Der grösste Mensch seit Adam und Eva war Johannes der Täufer, kein grösserer, in Bezug auf die Rangfolge vor dem HERRN, gab es neben ihm, wie wir aus Mt 11,11 wissen. Dieser Johannes sagt von sich selbst, dass er beim Kommenden, Jesus Christus, den er durch seinen Dienst ankündigte, nicht würdig ist, vor Ihm gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen. – Eine erstaunliche Aussage, die für einen Eingeweihten aber völlig einleuchtet, den Unglauben aber beschämt. Beschämt werden die Menschen, die in Jesus nur irgendeinen guten Menschen sehen. Neben einem gewöhnlichen guten Menschen würde ein Elia oder Elisa oder ein König, der Heldentum definierte, wie David, weit hervorstechen. Johannes der Täufer, der grösser ist als Abraham, der Freund Gottes, ist unwürdig für den kleinsten Dienst an Jesus? Johannes der Täufer, der grösser ist als Joscheb-Baschebet, der achthundert Feinde auf einmal erschlagen hatte, ist unwürdig für den kleinsten Dienst an Jesus? Johannes der Täufer, der grösser ist als Noah, Daniel und Hiob, die mehrfach explizit vom Heiligen Geist als dem HERRN nahestehende Personen erklärt werden (Hes 14,14.20), ist unwürdig für den kleinsten Dienst an Jesus? – Wer behauptet, Jesus sei einfach ein gewöhnlicher Prophet gewesen, offenbart damit gleichzeitig seinen Unverstand.

Jesus Christus ist und war seit Ewigkeit. Er ist Gott, der Allmächtige, wie sein Vater. Zusammen mit dem Heiligen Geist bilden Sie den dreieinen Gott. Kein noch so grosser natürlicher Mensch ist würdig, Ihm gebückt den Riemen seiner Sandalen zu lösen! Amen!

Vers 8

Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.   Mk 1,8 

Johannes spricht hier ebenfalls von den unterschiedlichen Taufen. Seine Taufe war ausschliesslich mit Wasser; jene Christi mit Heiligem Geist. Obschon Christus bzw. seine Jünger auch mit Wasser tauften, taufte bzw. tauft Christus die Seinen zusätzlich mit Heiligem Geist. Es ist zu beachten, dass Christus in der Eigenschaft als vollkommener Mensch (das wurde Er durch die Jungfrauengeburt, Joh 1,14) sowie in der Eigenschaft als Gott wirken kann (Joh 1,1).

Niemand verfügt über Gott. Nur Gott selbst verfügt über sich. Somit kann nur Gott selbst über den Heiligen Geist bestimmen. Weil Christus Gott ist, kann er davon geben, wem er will (z.B. Joh 20,22).

Vers 9

Und es geschah in jenen Tagen: Jesus kam von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes im Jordan getauft.   Mk 1,9

Der angekündigte und herrliche HERR kam in jenen Tagen zu Johannes und liess sich ebenfalls taufen. – Er hatte die Taufe der Busse doch nicht nötig, wo Er bis zum Ende ohne Sünde und Verfehlung lebte (Joh 8,46)! Weshalb liess Er sich dann taufen? – Er wurde uns in allem als Vorbild gleich. Er deutete das Ende der Natur Adams mit der Taufe an, obwohl er selbst sündlos war. Das war der markanteste Unterschied zwischen denen, die sich aus dem Volk taufen liessen und Jesus, der sich selbst in die Taufe des Johannes begab. Das Volk begab sich hingegen in die Taufe, um öffentlich zu zeigen und zuzugeben, dass es angebracht war, sich vor Gott zu demütigen und Busse zu tun.

Jesus kam von der Stadt, in der Er aufgewachsen war. Er wurde in Bethlehem geboren (Mi 5,1); seine ersten Jahre verbrachte Er in Ägypten (Mt 2,13), um schlussendlich in Nazareth aufzuwachsen (Mt 2,23).

Vers 10

Und sobald er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herabfahren. Mk 1,10

Nach der symbolischen Beendigung der Natur des Urvaters der Menschheit, das ist Adam, welche sie an die ganze Nachkommenschaft der menschlichen Rasse vererbte bzw. heute noch vererbt, kam der Heilige Geist für alle sichtbar auf Christus. Eine Nachkommin Adams war ja auch Maria, die Mutter Jesu. Sie gab Ihm ebenfalls die Natur Adams weiter, doch ohne Sünde, denn sie war Jungfrau. Näher auf die Jungfrauengeburt einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Christus stoppt diese Natur und beendet sie durch seinen Tod, den er unter anderem an dieser Stelle andeutete. Nach der Taufe repräsentierte Er den neuen Menschen aus Gott, der eine göttliche Natur und von dem Heiligen Geist hat; Christus symbolisierte damit den geistlichen Menschen, der nicht von der Erde her, sondern vom Himmel her kommt. – Was hat das für uns zu bedeuten? – Es bedeutet nichts weiter, als dass wir unseren Ursprung in Gott haben, wie Christus, nicht im Urvater Adam, wie natürliche Menschen. Daher ist es töricht, uns nach einer „Heimat“ auszustrecken, von welcher wir glauben, sie in der Welt zu haben (Gal 6,14). Wir haben mit der Welt glücklicherweise nichts mehr am Hut, nachdem wir als Kinder Gottes aufgenommen worden sind. Nicht umsonst heisst es, dass wir auf das sinnen sollen, was droben ist (Kol 3,1, siehe auch Gal 4,26).

Vers 11

Und eine Stimme kam aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.   Mk 1,11 

Betrachten wir Christus in seiner Eigenschaft als vollkommener Mensch, als Nachfahre Marias: Er ist der Mensch, der sich völlig dem Gehorsam gegenüber Gottes Wort verschrieben hat; Er tat bzw. tut genau das, was Gott vom Menschen erwartete bzw. erwartet:

22 Denn ich habe nicht mit euren Vätern <darüber> geredet und ihnen nichts geboten über das Brandopfer und das Schlachtopfer an dem Tag, da ich sie aus dem Land Ägypten herausführte;  
23 sondern dieses Wort habe ich ihnen geboten: Hört auf meine Stimme, dann werde ich euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein! Und geht auf dem ganzen Weg, den ich euch gebiete, damit es euch wohlgeht!   Jer 7,22.23

Dies tat Christus, deshalb hat Ihn Gott auch hoch erhöht (Phil 2,9). Auch Daniel war ein von Gott geliebter Mensch (Dan 9,23). Daniel suchte Gott mit beten und flehen. Auch er wollte Gottes Anweisung hören und befolgen.

Im Hinblick auf diese Menschen ist es nicht erstaunlich, wenn Gott zu jemandem spricht: „Die bist mein geliebter Sohn!“, wenn dieser doch nach dem Willen Gottes fragt und mehr als nur die Bereitschaft in sich trägt, ihn auch ausführen zu wollen. – Merken wir uns: Wenn sich jemand der Liebe Gottes nicht mehr sicher ist, soll Er sich fragen, ob er die Kriterien von Jeremia 7,23 erfüllt. Erfüllt sie ein Mensch, kann er sich der Liebe Gottes jederzeit sicher sein.

Vers 12

Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus.  Mk 1,12 

Hier sticht der Charakter dieses Buches hervor, wie in der Einleitung beschrieben. Markus geht nicht lange in Details ein, er zeigt die jederzeitige Bereitschaft von Jesus gegenüber dem Willen Gottes. Der Dienst Christi hat angefangen -, sogleich tut er dies und alsbald jenes. Jesus predigte nie Wasser und trank Wein; Er ging in allen Dingen als Vorbild voraus. Jesus hörte stets auf den Geist Gottes und fragte nie danach, ob dieser im Einklang mit dem eigenen Willen steht. Er tat einfach, was der Vater Ihm durch den Geist auftrug.

Wie sieht es diesbezüglich in unseren Leben aus? Bleiben wir in den Werken, die Gott von Anbeginn der Welt geschaffen hat, damit wir in ihnen bleiben?

Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.   Eph 2,10   

Zögern wir noch wochenlang mit langen Überlegungen, auch wenn wir bereits tief in uns wissen, dass diese oder jene Sache ansteht, sie zu tun? Oder verdrängen wir gar Aufforderungen des Geistes? – Das wären alles üble Verhaltensweisen, die am Ende unser Lebensresultat stark herabgesetzt haben werden (Phil 2,12), wenn wir unser Leben in eitler Selbstbestimmung leben bis der HERR zurückkommt.

Vers 13

Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht; und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.   Mk 1,13 

Gemäss dem Charakter dieses Buches, das Christus als Diener darstellt bzw. seine diesbezügliche allzeitige Bereitschaft herausschält, geht es in seinem Dienst Schlag auf Schlag. Markus geht nicht lange auf Details ein, wogegen andere Evangelisten diverse Zeitabschnitte seines Wirkens ausführlicher beschrieben. Wo Matthäus und Lukas zu dieser Thematik über zehn Verse aufwendeten, packte Markus alles in einen einzigen Satz.

Sehen wir in unserer Selbstbeurteilung als Diener Christi Parallelen zu seinem Dienst? Dienen wir ebenso bereitwillig oder muss uns Gott jeweils besonders um einen Gefallen bitten? – Lassen Sie uns nicht wie faule Kinder gegenüber ihren Eltern auftreten oder wie solche, die nur helfen wollen, wenn es ihnen selbst gefällt. Lassen Sie uns Gott mit Fleiss dienen, sodass „ein Markus“ genügend Informationen hätte, in gleicher Weise ein Buch über unseren Dienst zu schreiben. Amen.

Vers 14

Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes   Mk 1,14

Schlag auf Schlag geht es weiter mit dem Dienst Christi. Jesus machte nicht selbstbestimmt Urlaub, um sich von Strapazen zu erholen. Er wusste, dass sein Vater keinen Diener überfordert. Auch wich er nicht vom Auftrag ab im Dienst: Obschon ein Grösserer als David soeben ins Gefängnis geworfen wurde – Johannes der Täufer war ja bekanntlich der Grösste vor Gott, der je von einer Frau geboren wurde, diente Christus weiter im Willen des Vaters. Christus ging nicht seinen Wünschen nach. Da Ihm der Vater keine Anweisung in Bezug auf Johannes gegeben hatte, führte er weiter treu den Dienst der Wortverkündigung aus, obschon es Ihm sehr leid um Johannes tat und Er ihn am liebsten mit seiner autoritären Macht aus dem Gefängnis des gesetzlosen Herodes hätte holen wollen. Schon das Herz Davids war Gott sehr lieb – viele Psalmen hatte er zu Gottes Ehren geschrieben! -, wie viel musste Ihm das Herz Johannes‘ wert sein, der im Gefängnis schmorte, währenddem Ihm nichts weiter verordnet war, als die gute Botschaft zu predigen!

Doch Jesus Christus blieb treu im Gehorsam Gottes. Er wusste, dass Gott dem Recht zum Sieg verhelfen wird, wenn auch noch nicht zu jener Stunde. Er half als Mensch nicht nach, sondern vertraute voll dem Vater und zweifelte keinen Augenblick an den väterlichen Ratschlüssen. – Was ist diesbezüglich mit uns? Setzen wir unsere Grenzen selbst? Sagen wir, wann wir Ferien brauchen oder wann es Zeit ist zu dienen und wann nicht? Verlassen wir unseren angewiesenen Platz, wenn wir nach menschlichem Ermessen dringend glauben, etwas anderes tun zu müssen? – Lassen Sie uns bitte Christus in allen Lebenslagen zum Vorbild nehmen! Lassen Sie uns die gleiche Entscheidung treffen wie Er, Gott in jeder Lebenslage bedingungslos zu dienen. Amen!

Vers 15

und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Busse und glaubt an das Evangelium!   Mk 1,15

Die Gute Nachricht ist einfach und für jeden Menschen verständlich. Ihre Botschaft ist: Es wird nicht ewig so bleiben, dass der Mensch weiterhin unbehelligt schalten und walten kann, wie es ihm gerade passt, dazu steht die Aussage: „Die Zeit ist erfüllt.“ – Dem ungerechten Reich des Teufels wird ein Ende gesetzt, es muss dem Reich eines Stärkeren Platz machen, dies vermittelt Christus mit den Worten: „Das Reich Gottes ist nahe gekommen.“ – Im Reich Gottes herrscht eine andere Ordnung, welche nicht mit dem Wesen des Fleisches (der alten Natur des Menschen) in Übereinstimmung ist. Menschen, die ins Reich wollen, müssen das bedenken und vom alten und bösen Weg umkehren, daher kommt der Aufruf Christi: „Tut Busse!“ – Es ist nur auf einem einzigen Weg möglich zur Überwindernatur und zur Tilgung der Schulden zu kommen, die wir uns im alten Leben aufgehäuft haben. Christus erklärt uns, wie das geht: „Glaubt an das Evangelium!“

Nur in Christus Jesus sind die für das Reich zwingend benötigten Elemente zu finden; es gibt nur einen Namen, der das Heil verkörpert (Apg 4,12; 10,43). Amen.

Vers 16

Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, im See die Netze auswerfen, denn sie waren Fischer.   Mk 1,16

Ganz im Zeichen des Dienstes – nicht einfach so nach Lust und Laune – ging der HERR am See von Galiläa entlang. Er hatte nicht nur den Auftrag, das Evangelium zu predigen, es war auch seine Sache, Diener des Evangeliums zu berufen und auszubilden. Diesen Auftrag erfüllte Er ebenso in Vollkommenheit mit Fleiss.

Wieder können wir im Blick auf unsere Leben einen Vergleich zur Verbesserung ziehen: Verfolgen wir in jeder Lebenssituation den Auftrag Gottes, wie Christus? Oder klinken wir uns an gewissen Zeiten völlig aus, indem wir – ohne Rücksprache mit dem Vater – sagen: Diese Zeit gehört mir ganz allein!

Lassen Sie mich dazu ein kleines Beispiel aus meinem Leben mitteilen: Eigentlich bin ich ein Nachtmensch und neige dazu, Dingen bis in die Nacht hinein nachzugehen. Nachdem ich von Gott beauftragt worden bin, an gewissen Tageszeiten Dienste aufzunehmen, unter anderem auch in den frühen Morgenstunden, kann ich es mir nicht mehr leisten, um diese Dienste nicht einzuschränken, mich abends allzu spät schlafen zu legen. Ansonsten bin ich am Morgen nicht bereit für den Dienst des HERRN. Oder zumindest könnte ich nicht aufmerksam genug bei der Sache sein. Daher richte ich meinen Tag nach dem Dienst.

Beim Dienen geht es bekanntlich nicht darum, Übermenschliches zu leisten. Verlangt wird lediglich Aufmerksamkeit, Fleiss und die richtige Einstellung. Halbherzigkeit und stetige Ablenkung in Dingen Gottes führen nicht zu guter Qualifikation des Dieners und dazu zu schlechten Resultaten. – Lassen Sie uns kurz innehalten, um unseren Dienstplan im HERRN zu überdenken sowie unsere diesbezügliche Einstellung. Amen.

Vers 17

Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen!   Mk 1,17

Auf diese Weise beginnt der Dienst für den HERRN. Christus beruft und wir sollten folgen ohne zurückzuschauen. Wer die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist nicht tauglich für das Reich (Lk 9,62).

Wir haben den HERRN in den Eingangsversen in Bezug auf seine Grösse und hierarchische Stellung kennen gelernt. Wie wir nicht auf unseren alten Arbeitsplatz zurückblicken würden, wenn uns unsere Landesregierung mit hoher Mission beauftragt, sollen wir es nicht tun, wenn uns die überhaupt höchste Persönlichkeit bzw. Autorität beruft.

Vers 18

Und sogleich verliessen sie die Netze und folgten ihm nach.   Mk 1,18

Die Jünger taten genau das Richtige. Wie im vorausgehenden Kommentar beschrieben, zögerten sie nicht mit Zurückblicken. Sie gingen sofort mit dem HERRN. Es gab zwar eventuell einen kleinen Einbruch von der geraden Linie in ihrem Leben der neuen Berufung, nachdem Jesus gekreuzigt worden war. Da gingen die Jünger nicht sofort Menschen fischen, sondern wieder Fische (Joh 21,3). Unmittelbar darauf hatten sie eine Begegnung mit ihrem HERRN, der dem Simon Petrus nochmals den Auftrag eines Apostels (Gesandten) darlegte. Er bestätigte ihn nicht als Fischer von Fischen, sondern als Fischer und Hirte von Menschen (Joh 21,15ff), gemäss der Aussage des vorausgehenden Verses 17.

Wenn wir nach einem gewissen Wandel und einer gewissen Ausbildung mit dem HERRN plötzlich nicht mehr weiter wissen; - auch dann sollen wir nicht zurückblicken. Der HERR beruft nicht, um uns nachher wieder im Bilde gesprochen nach Ur (Abraham), Ägypten (Israel) oder zurück zu den Schafen (Moses) zurückkehren zu lassen. Wen der HERR beruft, beruft Er für immer, da der Berufene am alten Ort keine bleibende Heimat hat. Diese Welt geht durch die Sünden zugrunde und unser alter Mensch ist vollständig gerichtet. Bildlich gesprochen gibt es keinen Weg zurück nach Ägypten, wie das Volk Israel damals hierüber instruiert worden war. Es gibt keinen Weg zurück in alte Gewohnheiten für Christen. Was wir damals, vor unserer Bekehrung, im Fleische lebten, war böse und willkürlich. Was wir in der neuen Berufung im Geiste leben, ist gottgefällig und fruchtbringend. Darin sollen wir bleiben und nie mehr zurückblicken! Amen.

Vers 19

Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den <Sohn> des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes, auch sie im Boot, wie sie die Netze ausbesserten; Mk 1,19 

Obschon es hier fast den Eindruck erwecken mag, dass Jesus quasi „Vorübergehende“ bzw. im Vorübergehen jeden in Dienst stellte, war es nicht so. Seine Auswahl war genau die, die Ihm der Vater nannte (Joh 17,24). Alles andere wäre im Widerspruch zum Wort, denn in den Sprüchen heisst es:

Ein Schütze, der alles verwundet, so ist, wer einen Toren in Dienst nimmt und Vorübergehende in Dienst nimmt.   Spr 26,10

Wer Vorübergehende in Dienst stellt, handelt unverantwortlich. Jesus handelte nie so in der Vollkommenheit, die er verkörperte. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Wenn wir in der Versammlung nicht alle notwendigen Dienste abgedeckt haben und es schauen Neuankömmlinge herein, dürfen wir ihnen nicht ohne Weiteres Dienste anbieten, egal, ob die zu verrichtenden Tätigkeiten hoch oder niedrig sind; die Gemeinde ist nicht unser Leib, sie ist derjenige Christi. Wir sind Teile dieses Leibes aber nicht das Haupt. Das müssen wir uns zu Herzen nehmen. Der HERR ist in jedem Fall zu fragen.

Vers 20

und sogleich rief er sie. Und sie liessen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern im Boot und gingen weg, ihm nach.   Mk 1,20 

Wenn Gott ruft, ruft eine dem leiblichen Vater übergeordnete Macht. Der Gerufene soll kommen, um nicht etwas Gewaltiges zu verpassen. Ausserdem ist der Himmlische Vater grösser als der irdische. Und weiter zu beachten ist, dass Gott sich nicht widerspricht und Er von den Söhnen des Zebedäus kein respektloses Verhalten ihrem Vater gegenüber forderte, indem Er sie vom Vater weg in die Nachfolge rief. Das „den Vater und die Mutter ehren“ wurde mit dieser Berufung nicht aufgehoben. Vielmehr stellt diese Begebenheit für die Familie des Zebedäus eine Ehre dar, dass seine Söhne an den Königshof berufen wurden und eine weit bessere Stellung bekleiden durften, als die allgemeine Menschheit.

Es ist der Wunsch eines jeden Vaters, dass es den Kindern gut geht. In diesem Sinne sprach Barsillai für seinen Sohn Kimham vor dem König David (2. Sam 19,32ff) und erreichte damit, dass Kimham am Königshof, unter der Elite des Landes, leben und wirken durfte. Christliche Eltern sollten sich freuen, wenn ihr Kind im Reich in einen von Gott angewiesenen Dienst treten darf. Ein von Menschen ausserhalb Gottes Willen aufgestellter Dienst im Reich Gottes ist hiermit nicht gemeint. Die Berufung muss von Gott kommen. Ansonsten ist der Mensch besser dran, wenn er in der Wirtschaft tätig und frei von der Illusion ist, er diene Gott.

Vers 21

Und sie gehen nach Kapernaum hinein. Und sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und lehrte. (Mk 1,21)

Der HERR hatte sich mit Leib und Seele dem Dienst verschrieben: Sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Er erkundete nicht erst die Ortschaft bezüglich der Architektur und suchte nicht erst die Stadtverwaltung auf, um seine Wichtigkeit zu unterstreichen. Er widmete sich ganz dem Dienst, den Ihm der Vater übertragen hatte. Sogleich verkündigte Er am Ort, der vom Volk als Stätte der religiösen Zusammenkunft angesehen wurde, das war damals die Synagoge, die gute Botschaft des Reiches Gottes, das jenes des Teufels (Lk 4,6) ablösen wird. Kein einziger noch so plausibler Grund sollte seinen wichtigen Dienst für die Menschen beeinträchtigen bzw. schmälern!

Vers 22

Und sie erstaunten sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.   Mk 1,22  

Die Schriftgelehrten konnten in zweifacher Weise nicht überzeugen: Sie erzählten Dinge, welche sie weder selber taten (Lk 11,46) noch glaubten (Mt 21,25). Dazu waren sie von Gott nicht beauftragt, zu tun, was sie glaubten, ausführen zu müssen. Vielmehr haben sie die geistliche Führung mit Gewalt an sich gerissen (Mt 23,2). Was konnte da wirklich Überzeugendes aus ihrem Mund kommen? Jesus Christus handelte demgegenüber voll im Auftrag und der Vollmacht des Vaters (Joh 8,16).

Ein Glaube, dass es heutzutage anders ist, wäre sehr naiv. Auch heute drängen sich viele Menschen, die sich „geistlich“ nennen lassen, in Schlüsselpositionen des Reiches. Eine nicht kleine Zahl davon sind nicht einmal wiedergeboren, weshalb auch? Die Welt hat heute einen so grossen Einfluss auf die Kirche, dass sie, nicht die Bibel, die Massstäbe für die Diener setzt. Nicht die Berufung Gottes ist in der kirchlichen Landschaft, besonders den Landes- und Freikirchen, von Bedeutung, sondern lediglich der Abschluss der theologischen Fakultät eines anerkannten Instituts.

Vers 23

Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist; und er schrie auf   Mk 1,23

Es ist so unverständlich und doch treffen wir es überall an: Die Menschen sind so verblendet, dass sie, selbst wenn Gott vor ihren Augen offensichtliche Wunder tut, ihrer Blindheit wegen nichts erkennen. Gott hat die Welt wunderbar gemacht, abgesehen davon, dass der Mensch sie herunterwirtschaftet, doch der Mensch glaubt an einen Urknall in seinem atheistischen Denken. Neben Christus können sich die unreinen Geister nicht verborgen halten; es passieren übernatürliche Dinge – haben Sie schon einmal einen unreinen Geist schreien gehört? – doch die Menschen, die von Christus wussten, dass Er Täter des Guten war, brachten Ihn am Ende um! Ihrer Blindheit wegen legten sie Hand an Christus, den sie aufgrund der Wunder hätten als Retter erkennen sollen! Christi Gegenwart allein löste die für uns übernatürlichen Schreie eines unreinen Geistes aus, wie gross waren die Bosheit, die Verblendung und die Dunkelheit jener Menschen, dass sie dem nicht Rechnung trugen! Doch wie es damals war, ist es auch heute.

Der natürliche Mensch ist Weltmeister im Heucheln. Doch das Wort Gottes hat ihn längst durchschaut und verurteilt: Das Herz des natürlichen Menschen ist böse! Und die Psychologie, die behauptet, es stecke Gutes im Menschen, ist es im genau gleichen Masse!

Lassen Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser, nicht durch das Säuseln und die Einflüsterungen der Welt weichkochen! Die Lage des natürlichen Menschen vor Gott ist so ernst, dass er nicht weniger als Gottes Sohn persönlich benötigt, den fähigsten Menschen überhaupt, der zugleich Gott ist, um die Menschen zu retten. Ohne diese Rettung hiesse der gerechte Urteilsspruch im Gericht Gottes: „Endstation Hölle!“ So sieht die ungeschminkte Wahrheit aus und nicht so, wie sich der natürliche Mensch gerne sähe und sich hierfür mit heuchlerischen Taten als „Gutmensch“ und „Wohltäter“ versucht darzustellen, Gottes Autorität und Ansprüche aber keinesfalls anerkennt.

Der natürliche Mensch soll doch versuchen, sich vor Gott gerecht sprechen lassen, von mir aus unterstützt mit einem Heer von hochbezahlten Anwälten, wenn Gott mit seinen Heerscharen von mächtigen Engeln kommt, um die Erde zu richten mit grossen Erdbeben, Feuer und äusserster Bedrängnis. – Dieser Gedanke wäre amüsant, wenn es diesbezüglich nicht buchstäblich um Leben und Tod gehen würde!

Vers 24

und sagte: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes.   Mk 1,24 

Weshalb kannte die Geisterwelt den Sohn des Menschen? – Sie kannte ihn, weil Gott von Ihm sprach und sein Wohlwollen Ihm gegenüber kommunizierte. Dies tat Gott zum Beispiel bei seiner Taufe (Mk 1,11) sowie auf dem Berg der Verklärung (Mt 17,5). Das tut Gott bei allen Menschen, die nach seinem Willen leben, das ist eine Regel. Wir sehen dieses Prinzip auch bei Paulus: Gott machte ihn in der geistlichen Welt bekannt:

Der böse Geist aber antwortete und sprach zu ihnen: Jesus kenne ich, und von Paulus weiss ich. Aber ihr, wer seid ihr?   Apg 19,15  

Wie erwähnt erkennt der Geist die Diener Gottes, wie wir im angeführten Vers sehen. Die Namen der natürlichen Menschen, die im Eigenwillen leben, sind hingegen nicht bekannt, selbst wenn sie in der Welt schillern und glänzen. Die Schrift ist konsistent: Der Name der Gottlosen fault (Spr 10,7) und was hoch ist in der Welt, ist ein Gräuel vor Gott (Lk 16,15).

Einen weiteren Beweis für die Regel, dass der Gottesfürchtige geehrt wird (und somit sein Name bekannt gemacht wird) sehen wir im Ausspruch Jesu, wo er sagte, dass Gott die wiederum ehrt, die Ihn ehren, indem sie Ihm dienen (Joh 12,26).

Vers 25

Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm!   Mk 1,25

Manchmal betrachten wir diese Befreiungstaten des HERRN in sehr begrenzter, anstelle umfassender Art. Ja, wir sehen darin die uneingeschränkte Macht des HERRN, das ist zweifellos so. Keine andere Kreatur, sei sie vom Himmel, der Erde oder dem Hades (Totenreich) kann dem HERRN wirksam entgegentreten. Es hat schlicht kein Wesen einen Hauch einer Chance gegen Ihn. – Wir können aber, umfassend betrachtet, noch mehr in der Handlung des HERRN sehen: Der HERR liess aus Liebe zum Menschen nicht zu, dass böse Geister Menschen beherrschen. Der Geist musste den Menschen freigeben. Das ist eine weitere, menschenfreundliche Herrlichkeit in der Handlung Jesu, welche seine Zuneigung beweist. Auf Machttaten ausserhalb der direkten Hilfe für den Menschen verzichtete Er. Sogar während dem Hochzeitsfest zu Kana, wo er Wasser in Wein verwandelte, half er Menschen in ihren Bedürfnissen.

Christus unterstrich damit, dass Er lieber auf alles andere verzichtete, um möglichst vielen Menschen zu helfen, als „unnötige“ Wunder zu tun, um sich selber gross zu machen. Das ist wiederum eine absolut herrliche Facette seines Charakters!

Vers 26

Und der unreine Geist zerrte ihn und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus.   Mk 1,26

Dieser Vers sagt den „aufgeklärten“ Menschen, die nur an sich selber glauben, ins Gesicht, wozu Geistwesen imstande sind. Erstens gibt es sie und zweitens haben sie grosse Kräfte und können Menschen in Beschlag nehmen.

Im Übrigen sollen wir wissen: Die Täuschungen des Teufels passen sich ständig dem weltlichen Gedankengut an. Wer glaubt, es gäbe keine Geistwesen, wird auch nie damit konfrontiert. Ihre Einflüsterungen werden so als die eigenen Gedanken eingestuft. Die Wesen, die den Menschen zu manipulieren suchen, bringen dann „nur“ antigöttliche Inspirationen, ohne sich zu offenbaren. Sie propagieren Ehebruch, sexuelle Ausschweifung, Homosexualität, Pädophilie, Lüge, Diebstahl, Ungehorsam gegenüber den Eltern und so weiter. Sie unterstützen die Neigungen des Fleisches vom natürlichen Menschen, welche durchs Band böse sind. So fühlt sich der natürliche Mensch voll bestärkt in seiner – ach – so gelobten „Selbstverwirklichung“ und weiterhin im Atheismus bestätigt.

Andernorts, wo Geisterkult betrieben wird, wie es beispielsweise in Süditalien der Fall war (ob es sich heute noch so verhält, entzieht sich meiner Kenntnis), geschahen teilweise übernatürliche Dinge; die Geister verhalten sich dem Volksglauben entsprechend, dass die Verführung – weg von Gottes Wort – perfekt wird.

Doch diesen geistigen Manifestationen zum Trotz: Wenn Christus auftaucht – selbst wenn das völlig leise und unscheinbar geschieht, hört deren Kraftmeierei auf. Selbst wenn sie zerren und schreien: Sie müssen ausnahmslos weichen! Es gibt keine einzige Begebenheit in der Bibel, wo Gott Mühe im Kampf gegen sie bekunden musste. Vielmehr mussten sie immer aus einer klar untergeordneten Position aus um Gnade flehen, weil sie wissen, dass sie nicht einmal versuchen sollen, auf Konfrontationskurs dem HERRN zu begegnen. Dies weiss selbst ihr Anführer, der Teufel, sehr genau. Er weiss sehr präzise, wenn seine, die ihm gewährte Zeit abläuft (Offb 12,12).

Vers 27

Und sie entsetzten sich alle, so dass sie sich untereinander befragten und sagten: Was ist dies? Eine neue Lehre mit Vollmacht? Und den unreinen Geistern gebietet er, und sie gehorchen ihm.   Mk 1,27 

Das Volk nahm die im Vers beschriebene Tatsache zur Kenntnis: Sie sahen, dass Christus nicht nur einer aus Tausenden war. Er war und ist viel mehr. Wo oder wann gab es so etwas, dass ein Mensch unreinen Geistern gebot und sie ihm gehorchen? Etwa bei den Söhnen von Pharisäern (Apg 19,15.16)? An ihrem Beispiel sehen wir vielmehr, wie es gewöhnlich geht: Der Mensch unterliegt den Geistern.

Bei Christus war alles anders. Er gebot den Geistern und sie wichen sofort. Sie mussten Ihm aufs Wort gehorchen. – Das Volk nahm das zwar zur Kenntnis, doch leider nur in einer sehr oberflächlichen Art und Weise. Hätte es sich nur ein bisschen Mühe gegeben, etwas mehr Interesse für ihren Schöpfer-Gott gezeigt und seinen Worten geglaubt, hätte es sofort erkennen müssen, dass es sich hier um den verheissenen Christus handeln musste, der in Bethlehem zur Welt kam – warum haben sie nicht gefragt? -, aus Ägypten gerufen und Nazoräer genannt wurde.

Mit sich selber beschäftigt und die Zeichen der Zeit nicht deutend, drang die Gegenwart des Allmächtigen nicht in die verschlossenen Herzen des Volkes, obschon dergleichen noch nie dagewesen war. Was damals für Israel galt, gilt auch heute: Leider heben die Nationen eher unmoralische Politiker in Regierungsämter, als dass sie Christus als höchste Autorität anerkennen, selbst wenn Er vor ihren Augen Wunder tut! Dieser Umstand bestätigt die Worte Abrahams:

29 Abraham aber spricht: Sie haben Mose und die Propheten. Mögen sie die hören!  
30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so werden sie Busse tun.
31 Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.   Lk 16,29-31

Wer dem Schriftwort nicht glaubt, wird sich auch nicht überzeugen lassen, wenn es durch Wunder unterstrichen wird. Verschwenden Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht kostbare Zeit ihres Lebens mit Menschen, die Ihnen signalisieren, dass sie Gott ablehnen. Sie müssen ihretwegen nicht Gott um Wunder anflehen; Gott gibt dem verkehrten Geschlecht keine Wunder, weil es schlicht nichts nützt und es verschwendeten Kostbarkeiten gleichkäme. Perlen wirft man nicht vor die Schweine.

Vers 28

Und die Kunde von ihm ging sogleich hinaus überall in die ganze Umgebung Galiläas.   Mk 1,28

Sensationen verbreiten sich schnell, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Durch die Wunder Jesu wurden nicht wenige Menschen angelockt. Die einen aus Begierde, die Machttaten Christi mit eigenen Augen zu sehen, andere aus anderen Beweggründen. Wieso die Menschen kamen, spielte eine untergeordnete Rolle. Ausschlaggebend war der Punkt, ob sie sich von der Botschaft Christi dazu bewegen liessen, sich Gott zuzuwenden oder nicht. Wer wieder im gleichen Zustand heimkehrte wie er gekommen war, war ohne Hoffnung, weil ein solcher Gott zwar sah, sich aber nicht zu Ihm bekehrte.

Leider pilgern viele in dieser Art, der Lust, etwas Grosses zu sehen oder zu erfahren, an Kultstätten wie Lourdes, die Vatikanstadt in Rom, Mekka aber auch Stonehenge in Südwestengland. Wer sich in derselben Art mit der Bibel befasst, wird nie zum Ziel kommen. Wer Gott aus gleichem Antrieb sucht, den man hat, um Kultstätten zu bereisen, wird Ihn nicht finden. Gott und sein Wort sind keine Erfahrungsstätten für unsere Augen, die Begierden des Fleisches oder um Hochmut zu unterstützen. Christus kam um Menschen zu retten, die das Machtgefälle Gott / Mensch anerkennen und die Vergehen des Menschen an Gottes Wort erkennen. Menschen mit der Bereitschaft also, sich zu demütigen und Busse bezüglich des alten, selbstherrlichen Lebens zu tun.

Vers 29

Und sobald sie aus der Synagoge hinausgingen, kamen sie mit Jakobus und Johannes in das Haus Simons und Andreas'.   Mk 1,29

Nach den Begebenheiten in der Synagoge geht es Schlag auf Schlag weiter, ganz nach dem Charakter dieses Buches in Bezug auf Christus. Wer Christus  in der Eigenschaft als Diener betrachtet, wird schnell herausfinden, dass Er im Dienst nie Nachlässigkeit zuliess. Christus war stets bereit, die Aufgaben für den Vater auszuüben.

Eine solche Bereitschaft geht sehr viel weiter, als lediglich der Gedanke, dass man einem gelegentlichen Ruf Gottes folgen will. Bei vielen Menschen bleibt es beim Gedanken, der nicht in wirkliche Taten umgesetzt wird. Sonst wäre der Jakobusbrief notwendigerweise nicht geschrieben worden, welcher darauf hinweist, dass Glauben ohne Werke ein toter (nichtsnutziger) Glaube ist. Dazu kommt: Gott ruft nicht „gelegentlich“. Der Auftrag eines Priesters ist ein beständiger. Das Haus Gottes muss in Ordnung gehalten werden. Sinnbildlich müssen die Türen des Tempels geöffnet werden, die Schaubrote auf dem Tisch liegen sowie alle Geräte gereinigt und in Ordnung aufgestellt sein. Durch die Opfergaben soll Speise für die Bediensteten da sein. Die Arbeit um und im Tempel gleicht einem gewerblichen Betrieb, in dem ebenfalls immer etwas am Laufen ist, damit die Arbeit nicht zum Erliegen kommt und er infolge dessen schliessen muss.

Weiter ist zu bemerken, dass, je anspruchsvoller die Arbeit wird, desto abgesonderter der Arbeiter von Nebentätigkeiten sein muss. Jemand, der lediglich in einem Saal Staub wischen soll, kann sich nebenbei noch mit vielen anderen Dingen beschäftigen und seine restliche Denkkapazität mit Hobbies auslasten. Bei erwachsenen Dienern Gottes geht das nicht mehr. Der HERR lässt die erwachsenen Diener mit immer umfangreicheren bzw. verantwortungsvolleren Aufgaben umgehen, die den ganzen Menschen fordern. Wer nebenbei noch vielen Hobbies frönt, wird diese nicht zur Zufriedenheit ausführen können: Denken wir nur schon an die Anforderungen an verantwortungsvolle Eltern! Unmotivierte Diener, nennen wir sie an dieser Stelle „oberflächlich“, weil sie für den Dienst des HERRN nur wenige Prozente ihrer Kapazitäten bereithalten, können demnach nur mit einfachen Diensten betraut werden. Grössere Aufgaben gibt der HERR Dienern bzw. kann der HERR nur Dienern geben, die sich ganz zur Verfügung stellen, da ansonsten ein gutes Resultat ausbleiben wird.

Auch hierin ist die Bibel konsistent: Wer gute Arbeit leistet, wird hochstehende bzw. verantwortungsvolle Arbeiten ausführen dürfen; ein solcher arbeitet für „Könige“. Wer für Gott nur wenig gibt, weil er sich beispielsweise durch tausend andere Sachen ablenken lässt, wird sozusagen tun müssen, was noch an niederen Tätigkeiten übrig bleibt, wie geschrieben steht:

Siehst du einen Mann, der gewandt ist in seinem Geschäft, – vor Könige wird er hintreten, er wird nicht vor Niedrige hintreten.   Spr 22,29

Die Hand der Fleissigen wird herrschen, aber die lässige <Hand> muss Zwangsarbeit tun.    Spr 12,24 

Liebe Leserinnen und Leser! Sie sehen, Sie haben es in der Hand! Amen.

Vers 30

Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sofort sagen sie ihm von ihr.   Mk 1,30

Im Haus lag Simons Schwiegermutter krank danieder. Es gab also ein Problem. Sofort brachten sie es vor den HERRN. – So sollen wir handeln: Wenn es ein Problem bei uns oder in unserem Umfeld gibt, sollten wir es beachten und sofort vor den HERRN bringen, anstatt es zu verdrängen. Das gilt auch für Menschen, die nicht in einem Problemlösungsumfeld aufgewachsen sind. Ich selbst weiss aus eigener Erfahrung, wie sich das anfühlt, wenn die Erzieher sowie die darauffolgenden Vorgesetzten Probleme einfach ignorieren. Selber lernt der Mensch in solchen Umfeldern nur schwer zu glauben, dass Probleme angepackt und nicht einfach nur hingenommen werden sollen. Der König David wartete in einem Fall viel zu lange zu, bis er sich damit zu Gott wandte. Erst nach drei Jahren Hungersnot fragte er, weshalb es sich so verhält (2. Sam 21,1); aus der Art der Antwort des HERRN ist nicht ersichtlich, dass der HERR damit lange auf sich warten liess.

Mit diesen Worten möchte ich Sie ermutigen, liebe Leserinnen und Leser, Probleme und Anliegen sofort vor den HERRN zu bringen und sie nicht solange zu hüten, bis die Not noch viel grösser ist. Amen.

Vers 31

Und er trat hinzu, ergriff ihre Hand und richtete sie auf; und das Fieber verliess sie, und sie diente ihnen.   Mk 1,31  

Kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, eine vor den HERRN gebrachte Not, auf die Er nicht heilend bzw. rettend antwortete? – Ich kenne keine. Sogar der Ausländerin half Er, obschon Er in erster Linie zu den Kindern seines Volkes gesandt war (Mt 15,21). Dass sich seine Gnade auch auf die Nationen erstrecken würde, war damals noch nicht so offenbar wie heute.

Darin können wir die herrliche Wahrheit erkennen, dass der HERR bereitwillig jedem Menschen hilft, der in angemessener Haltung auf der Suche nach echter Hilfe zu Ihm kommt. Hochmütigen widersteht Er, aber Demütigen gibt Er Gnade (2. Sam 22,28). Hätte sich Naaman (2. Kö 5,10ff) nicht gedemütigt, wäre ihm keine Hilfe zuteil geworden.

Bringen Sie Ihre Anliegen vor den HERRN! Der HERR ist gütig und barmherzig. Amen.

Bedenken wir dazu: Unser Dienst kann erst nach einer erfolgten Heilung erfolgen. Nicht im alten und kranken Fleisch können wir Gott dienen, sondern erst in der neuen Natur, nachdem uns der HERR ganzheitlich geheilt hat. Zuerst dient Er uns, bis wir Ihm dienen können. Das Fieber verliess zuerst die kranke Schwiegermutter, erst dann konnte sie dem HERRN dienen, das bedeutet – symbolisch auf uns angewendet – das im Voraus Gesagte.

Vers 32

Als es aber Abend geworden war und die Sonne unterging, brachten sie alle Leidenden und Besessenen zu ihm;  Mk 1,32  

Wer würde es den Menschen damals nicht gleichtun? Auch ich würde leidende Angehörige nehmen und sie zu diesem Menschen bringen, der wirklich helfen kann. Jesus trat nicht auf als Scharlatan, der sich als Heiler ausgibt. Jesus, durch den alles Erschaffene war und ist, ist die Quelle des Lebens und der Wiederherstellung aller Dinge. Dies bewies Er durch seine Taten, denn nicht jeder Israelit war schriftgelehrt und hätte Ihn nur anhand der Empfängnis seiner Mutter, seines Geburtsorts, seines Aufenthalts in Ägypten und der Ortschaft Nazareth, in der Er aufwuchs, als Messias erkannt. In Gnade offenbarte Er sich zusätzlich durch Machttaten, den Menschen zur Hilfe und Linderung, damit auch Ungelehrte seine Göttlichkeit erkennen sollten. In Wahrheit waren nicht wenige dadurch beeindruckt, wogegen die Gelehrten völlig blind dastanden (Joh 9,30ff).

Vers 33

und die ganze Stadt war an der Tür versammelt.  Mk 1,33

Dieser Vers ist sehr interessant im Hinblick auf die Stadt Kapernaum, in der sich der HERR aufhielt (V21) und sogar darin wohnte (Mt 4,13). Der Unglaube in Kapernaum war trotzdem sehr gross, wie wir wissen:

Und du, Kapernaum, <meinst du,> du werdest etwa bis zum Himmel erhöht werden? Bis zum Hades wirst du hinabgestossen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag.   Mt 11,23

Die Stadt Sodom wurde im Gericht Gottes (1. Mo 19,13) durch einen Regen aus Feuer und Schwefel dem Erdboden gleichgemacht wegen der Anzahl von Sünden (1. Mo 13,13). Obschon bereits die Sodomiter als „sehr böse“ vor dem HERRN klassifiziert wurden und dem Feuer- und Schwefel-Gericht verfielen: Die Menschen in Kapernaum waren noch schlechter. Hätten die Sodomiter gesehen, was Jesus in Kapernaum tat, hätten sie Busse getan und wären verschont worden.

Daher ist es ein Zeichen der Gnade, dass der HERR es so fügte, dass sich die ganze Stadt vor der Türe des Hauses versammelte, in dem Jesus Wunder tat. Gott rief damit jedem einzelnen Bewohner zu: „Sieh her, ich bin da und begegne euch, die ihr böse seid, in Gnade und Wahrheit. Tut Busse und glaubet an das Evangelium!“, denn Jesus predigte das Heil Gottes oft zusätzlich in der städtischen Synagoge (z.B. Mk 1,21) und es war über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, was Jesus in Kapernaum wirkte (Lk 4,23).

Nun, wenn Sodom, die Stadt – die besser war als Kapernaum, mit einem Regen von Feuer und Schwefel dem Erdboden gleichgemacht wurde, was geschieht denn mit Kapernaum und den Einwohnern dieser Stadt? Was geschieht mit dieser sündigen Welt am Tag des Gerichts? Was für ein Gericht erwartet die Welt, die alles hochhält, was Gott verboten hat? Vorsätzlicher Mord durch vergiessen von unschuldigem Blut ist heute unter dem Wort „Abtreibung“ völlig normal und straffrei in vielen Ländern. Dass solches Verhalten aber von Gott äusserst scharf gerichtet werden wird, wissen wir von seiner Einstellung zu Mord und vorsätzlicher Tötung: Er fordert in seiner Gerechtigkeit das Blut der Täter! Sie sollen dem getöteten Menschen gleichgemacht werden! Mit dem Thema „Mord“ allein kratze ich nur an der Oberfläche der menschlichen Abgründe. Wir wissen alle, dass Mord nur ein Mosaiksteinchen der vollen Bosheit ist und wir von Ehebruch, Unzucht, Lüge, Übervorteilung, Lästerungen, Diebstahl, Ungehorsam gegenüber Eltern und jeglicher Autorität im Beispiel gesprochen haben.

Seien Sie nicht erstaunt über die Gerichte, von denen Sie in der Offenbarung lesen, die über die Welt kommen werden. Die Umkehrung Sodoms und die Vernichtung Gomorras werden dann im Vergleich nur wie kleine Feuerchen erscheinen! Es erscheint doch angesichts dieser Tatsachen völlig nachvollziehbar, dass bei der Heimsuchung der Menschen ihr Blut bis an den Zaum der Pferde reichen und 300 km weit fliessen wird (Offb 14,20).

Jeremia predigte die Gnade Gottes über zwei Jahrzehnte. Wer nicht darauf hörte, kam unter das vernichtende Gericht der Stadt Jerusalem. – Wenn wundert es nach solch einer langen, gewährten Zeit der Gnade? – Heute wird Christus seit 2000 Jahren gepredigt und von den Nationen trotzdem verspottet. Wenn nach einer einhundertfach verlängerten Gnadenzeit ein einhundertfach schlimmeres Gericht losbricht; ist das nicht völlig normal? Warum sollte sich jemand darüber wundern?

Vers 34

Und er heilte viele an mancherlei Krankheiten Leidende, und er trieb viele Dämonen aus und liess die Dämonen nicht reden, weil sie ihn kannten.   Mk 1,34   

Der HERR trieb Dämonen aus. Heute können wir uns das nicht mehr wirklich vorstellen. Wir sagen eher: Teufelsaustreibungen gehören doch zu den unaufgeklärten Menschen aus dem Mittelalter! Dazu kommt die Tatsache, dass heute bei so genannten „Teufelsaustreibungen“, wo noch welche geschehen, die scheinbar Besessenen gefoltert und anstatt die Menschen befreit, sie oftmals im Ritual getötet werden. – Vergessen Sie daher, was Sie über „Teufelsaustreibungen“ von der Welt wissen; die Märchen der Welt haben nichts mit der Befreiung von Menschen, wie wir sie durch Christus kennen, zu tun. Christus schlug bei Austreibungen den zu befreienden Menschen nicht; Er packte das Übel an der Wurzel, indem Er die Dämonen direkt ansprach und sie weg wies. – Hinweis: Solches können wir Christen nicht ohne Weiteres nachahmen, dazu gehört eine Bevollmächtigung Gottes durch ein entsprechendes Leben, sollte es nicht in einem Fiasko enden (Apg 19,15.16).

Es lag völlig auf der Hand, dass die Dämonen den HERRN kannten. Christus war seit jeher, seine Existenz begann nicht im Jahre Null in Betlehem, wie Er selber erklärte (Joh 8,58). Die geistige Welt kannte Ihn sehr gut; Er war schon da, als sie anfing, selber zu existieren.

Unser Vers zeigt weiter, wie wenig aufgeklärt die Welt heute ist, welche sagt, sie sei wissend. Vor 2000 Jahren kannte der Mensch zwar anzahlmässig weniger Galaxien im Weltraum, doch, im Gegensatz zu heute, anerkannte er die geistliche Welt. Heute, wo viele nur an sich selber glauben, wie von vielen gesagt wird, kann der Teufel mit seiner angeblicher Nicht-Existenz noch mehr Schaden anrichten. Der immer mehr atheistisch* (*Atheismus = Überzeugung, dass es keinen Gott/Götter gibt) ausgerichtete Mensch kann ihn bzw. seinen Einfluss überhaupt nicht mehr erkennen.

Im Weiteren erklärt der Vers, dass der HERR nicht zuliess, dass Er durch Dämonen bezeugt wird. Er hatte bzw. hat es überhaupt nicht nötig, vom Feind bezeugt zu werden. Die Menschen sollen Ihm und seinen Dienern glauben. Die böse Seite hat gar nichts in Ihm und bekommt auch von Ihm nichts ab. Gott lässt die unvorstellbare Möglichkeit nicht zu, dem Feind einmal für etwas danken zu müssen. Amen.

Vers 35

Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort.   Mk 1,35 

Christus schaffte sich aktiv Freiräume für die Gemeinschaft mit dem Vater. Sein Dienst in der Öffentlichkeit liess Ihm tagsüber keine Ruhe, das Volk bedrängte Ihn fortwährend, was auch völlig einleuchtet. Bei Ihm gab es Heilung für den Leib, die Seele und den Geist. Er konnte die Menschen ganzheitlich von jeder Plage heilen, wovon heute noch ganze Teams von Spezialisten aus Ärzten, Psychiatern und Seelsorgern nur träumen können.

Schaffen wir uns auch aktiv Freiräume für die Gemeinschaft mit dem Vater? Oder entschuldigen wir unsere Verweigerung, indem wir auf das grosse Arbeitspensum unseres Tages hinweisen? Wenn wir keine Zeit für die Gemeinschaft mit dem Vater und das Gebet einräumen, woher wissen wir, was für Aufgaben im Reich anstehen? – Wer keine Gemeinschaft mit Gott pflegt, wurstelt einfach irgendetwas im Reich, wenn überhaupt. Der Weg einer solchen Person ist nicht zielführend.

Lassen Sie uns daher den Vater jeden Tag aktiv suchen, wie es uns unser HERR vorgemacht hat.

Vers 36

Und Simon und die, die mit ihm waren, eilten ihm nach;   Mk 1,36

Simon und seine Nächsten eilten Ihm nach. Sie waren noch sehr in den Kinderschuhen in Bezug auf die Wege mit Gott. Sie dachten, sie müssten damit dem allwissenden HERRN wichtige Dinge mitteilen, wie wir im nächsten Vers sehen werden.

Zweifelsfrei waren Simon und die anderen Jünger auf der irdischen Seite bewährte Berufsmänner. Sie kannten die Zeiten zum Fischen sowie jene, in denen der Fang zu verkaufen war. Wer diese Zeiten nicht einhält, würde bzw. wird keinen Erfolg haben; das war ihnen wohlbekannt. In der im Vers beschriebenen Situation offenbarten sie aber noch Unwissenheit bezüglich der Ordnungen im Reich. Wenn Christus die Gemeinschaft mit dem Vater für den anstrengenden, neuen Tag sucht, geht diese dem wartenden Volk vor, das am Vortag schon die ganze Zeit über bedient worden war. Der Diener entscheidet nicht selber aufgrund einer Situation, was zu tun ist; der Diener fragt den stets seinen Herrn, was er zu tun gedenkt. Der Vorgesetzte kann in zwei gleich gelagerten Situationen unterschiedlich darauf antworten wollen.

Vers 37

und sie fanden ihn und sagen zu ihm: Alle suchen dich.  Mk 1,37

„Alle suchen dich“, sagten die Nächsten des HERRN zu Ihm. – Als ob er das nicht schon wusste! Der HERR kannte die Menschen. Er wusste, wie die Menschen funktionierten bzw. funktionieren. Wenn es was zu holen gab, standen sie da, doch wenn Gottes Ehre Gegenstand der Diskussion war, scherten sie sich keinen Deut darum, gerade die Menschen in Kapernaum. Sogar die bösen Sodomiter hätten an der Stelle der Menschen von Kapernaum Busse getan (Mt 11,23). Jesus wusste, was im Menschen war (Joh 2,25), dass es – entgegen der Weltmeinung – keinen guten Kern in ihm gibt (Mt 15,19).

Jesus liess sich nicht von Umständen blenden. Wir wären vielleicht geschmeichelt, wenn es heisst: „Alle suchen dich!“ Den HERRN beeindruckte dieser Umstand nicht. Er wusste, dass das Einzige was zählte und worauf Er bauen konnte, die Anweisung seines Vaters war, welcher die Liebe selbst verkörpert. Gott ist Liebe (1. Joh 4,8). Wenn jemand den Menschen liebt, ist es Gott. Nicht Gutmenschen lieben Menschen; Gott ist es, der das Wohl der Menschen sucht. Gutmenschen suchen durch Heuchelei gut dazustehen, doch sind sie nicht, was sie vorgeben, da sie das gar nicht vermögen. Die Bibel definiert, was im natürlichen Menschen ist: In dieser Definition bleibt kein Platz für den Wortzusatz „Gut“.

Lassen Sie sich nicht blenden von den Menschen, liebe Leserinnen und Leser! Wenn Sie der Teufel durch mögliches Rampenlicht ablenken will: Achten Sie nicht darauf! Sie helfen Ihren Nächsten ausschliesslich durch das Tun des Willens dessen, der die Liebe ist! Sie helfen Ihren Nächsten nicht, indem Sie sich durch die Erwartung der Menschen beeinflussen lassen. Die Liebe weiss, was dem Menschen effektiv etwas nützt. Tun Sie dazu ausschliesslich den Willen der Liebe, denn diese kümmert sich in Wahrheit um das Wohl der Menschen! Sie gab dafür den eingeborenen Sohn, damit die Menschen zum Leben finden! – Gelobt sei der Gott der Bibel, der die Welt erschaffen hat! Amen.

Vers 38

Und er spricht zu ihnen: Lasst uns anderswohin in die benachbarten Marktflecken gehen, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen.   Mk 1,38 

Wir sehen durch die Handlungen des HERRN, dass Er in der Herrlichkeit seines Charakters nur Arbeiten vollzieht, die dem Menschen in allen Punkten dienen. Kein Mensch handelt so sachbezogen und effektiv wie der HERR. Christus liess alle Tätigkeiten aus, die Ihn zwar verherrlichen, aber das Fleisch, die alte verdorbene Natur des Menschen, reizen konnten. Er tat keine Wunder vor den Augen sensationslustiger Menschen (Mt 16,4). Wunder, vor allem die grössten davon, blieben seinem allerengsten Kreis vorbehalten (Beispiele: Mt 17,1; Mk 5,37; Lk 8,57). Diesen musste Er nichts beweisen, sie wussten, wer Er war. So konnte er den Menschen vollumfänglich helfen, ohne die Gefahr aufkommen zu lassen, dass sie Ihm nur aufgrund der Wunder nachfolgten. Aus diesem Grund hielt Er sich – wie erwähnt – bei den Ungläubigen mit übernatürlichen Machttaten zurück. Keinem Menschen wäre mit Wundern geholfen worden, wenn diese nur aufgrund der Stillung der Begierde seiner Augen getan worden wären; solche Individuen hätten sich aufgrund von Sensationen doch nicht bekehrt, wie wir wissen (Lk 16,27).

Die Gefahr ist leider gross, schnell vom reinen Auftrag abzuschweifen und zu versuchen, mit einem Herumzeigen unserer göttlichen Segnungen Menschen zu beeindrucken. Das tat Hiskia in seiner nicht rühmenswerter Handlung vor der Gesandtschaft von Babel (2. Kö 20,12ff). Das Zeigen aller Segnungen war unnötig und barg das Risiko, dass sich die Menschen nur zu Gott wandten, um – ihrer natürlichen Gier entsprechend – etwas von Ihm zu erhalten.

Wir sollen aus den herrlichen Charakterzügen Christi erkennen, dass nur Dinge zur Ausführung kommen, die dem Menschen helfen, wie die Fürbitte für Kranke, Einsame, Benachteiligte und so weiter. Lasst uns im Tun von Gutem nicht müde werden. Prahlerei – auch im gut gemeinten Sinn, indem wir damit Menschen für die Sache Gottes anlocken wollen, zieht die falschen an, nämlich die, die nur kommen, wenn es etwas Ausserordentliches zu sehen gibt.

Vers 39

Und er ging und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.   Mk 1,39  

Christus liess somit diejenigen zurück, von denen die Jünger gesagt hatten: „Alles suchen dich!“ – Würden wir unseren Fanclub zurücklassen, uns von Menschen abwenden, die anerkennend von uns sprechen?

Da ist geistliches Unterscheidungsvermögen wichtig! Christus weist niemanden ab und stösst keinen Menschen hinaus, wie wir wissen (Mt 11,28; Joh 6,37). Diese Leute liess er aber zurück, Menschen, die ihn scheinbar alle suchten. – Die Qualität der Gottesfurcht haben wir betreffend die Einwohner von Kapernaum bereits beleuchtet: Sie war miserabel, sogar schlechter als diejenige der Einwohner von Sodom, der Stadt, die Gott dem Erdboden gleich machte. Hiermit ist es unschwer nachzuvollziehen, dass Christus sich von diesen weg und sich zu anderen Leuten wandte. Ausserdem hatte Er den Auftrag, die frohe Botschaft in weiteren Gegenden zu verbreiten.

Während seiner Mission befreite Er die Menschen von den Plagen und Dienern des Gegners, des Teufels und machte damit offenkundig, welche Seite die stärkere war. Diese Seite wird es auch in Ewigkeit bleiben, wie wir aus anderen Schriftstellen wissen.

Vers 40

Und es kommt ein Aussätziger zu ihm, bittet ihn und kniet nieder und spricht zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich reinigen.   Mk 1,40 

Solche Verse werden gerne im allgemeinen Sinn erklärt, dass das Volk durch die Gottesferne krank wurde und Christus für den Heilungsprozess steht, was nicht falsch ist.

Es erscheint mir wichtig, dass wir an dieser Stelle aber den Zweck des Kommens Christi und seiner Vorgänge eigehender beleuchten: Da kommt jemand, der eine Not hat, zu Christus. Er kommt nicht, um für etwas in der Welt hoch Angesehenes zu bitten. Er bittet nicht um etwas für die Lust der Augen, des Fleisches oder den Hochmut des Lebens. Er bittet für ein echtes menschliches Bedürfnis, wofür Christus gekommen war. Er kam, um den Menschen in ihrer Not zu helfen. Er kam nicht für den hochmütigen Geist der Welt, noch für die Lüste des Fleisches, der gefallenen alten Natur. – Wird Christus auf sein Bitten eingehen? Christus ging schliesslich nicht auf jede Bitte oder jedes Vorhaben ein; Er half beispielsweise dem Erben nicht das Erbe zu teilen (Lk 12,14). Auch kam er nicht, um die Augen von sensationshungrigen Menschen zu befriedigen (Mt 12,39). Er widerstand in einer Sache Petrus (Mk 8,33) sowie den Söhnen des Zebedäus bei einer anderen Begebenheit (Lk 9,54).

Wer begriffen hat, wozu Christus gekommen ist und für welche Bedürfnisse Er bereitwillig einspringt, kann viel entspannter durchs Leben gehen, da ein solcher Mensch weiss, wie er leben und bitten soll.

Lassen Sie uns dieses Thema im Kommentar zum nächsten Vers noch näher betrachten.

Vers 41

Und er war innerlich bewegt und streckte seine Hand aus, rührte <ihn> an und spricht zu ihm: Ich will. Sei gereinigt!   Mk 1,41 

Wir sehen in diesem Vers zwei zentrale Punkte: Christi Mitgefühl, ein weiterer herrlicher Charakterzug seiner Person, und die korrekte Haltung des Bedürftigen und Gott gegenüber schuldigen Menschen. Dieses Zusammenspiel passt. Wenn jemand zu Gott kommt, welcher selbst die Liebe und voll mitfühlend ist und der Bittende dazu die rechte Haltung einnimmt, indem er nicht in seiner Schuld frech etwas von Gott fordert, sondern weiss, dass er nur durch Gnade etwas empfangen kann; warum sollte ihm Gott den Wunsch nicht erfüllen? Im betrachteten Fall kommt dazu, dass der Bittende nicht um etwas bat, das der Gier der Welt entsprach; er bat wegen seiner menschlichen Not. Aussatz und überhaupt jede Hautkrankheit waren und sind echte Plagen.

Wenn wir uns das eben Erwähnte als Gebetsgrundsatz verinnerlichen, tun wir gut. Dabei ist aber noch hinzuweisen, dass Gott nicht verpflichtet ist, in dieser Art betenden Menschen jeglichen Wunsch der Heilung zu erfüllen. Gott lässt sich seine Souveränität nicht nehmen, gleichwohl Er sein Mitgefühl und seine Liebe nie verleugnet. Wir sehen aber beispielsweise bei Paulus, dass Er auf Paulus‘ Gebet in Bezug auf persönliche Heilung nicht erhörte. – Weshalb nicht? – Weil Paulus‘ Plage einen erzieherischen Grund hatte. Paulus war eine sehr starke Persönlichkeit, der es schwer gefallen wäre, schwach zu sein, damit Christus in seinem Leben mächtig wurde, wie geschrieben steht:

7 … . Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe.  
8 Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablassen möge.  
9 Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn <meine> Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.  
10 Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.   2.Kor 12,7-10

Paulus bat bezüglich seiner menschlichen Not, wurde aber nicht erhört. Den Grund habe ich angegeben und er ist auch aus dem Bibeltext ersichtlich. Daher sollten wir nie eine Gebetserhörung erzwingen wollen. Wenn der HERR unser Gebet nicht erhört und wir aber nicht in Sünde oder unter Zucht stehen, steht es uns weiter frei, nach dem Grund zu fragen. Wir sehen, dass der HERR dem Paulus bereitwillig geantwortet hatte. – Mit diesem Hinweis wollte ich aber nicht die Gründe, weshalb es sein kann, dass der HERR ein Gebet nicht erhört, in den Mittelpunkt stellen. Ich will damit beleuchten, dass die Chancen grundsätzlich immer gut stehen, wenn ein Kind den himmlischen Vater etwas bittet. Nur soll es in der rechten Haltung geschehen und die Bitte soll nicht nach weltlicher Art sein, also weder frech noch gierig.

Vers 42

Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er war gereinigt.   Mk 1,42

Vielleicht überliest der Mensch einen solchen Vers gedankenlos. „Sogleich wich der Aussatz von ihm, und er war gereinigt.“ Ja, das kann aufgenommen werden, wie die Feststellung: „Und es wurde Tag.“ Dass damit aber die Macht Gottes und die Stärke seines Armes offenbar werden, kann im Kontext der geschichtlichen Ereignissen unbeachtet bleiben. – Denken wir einmal an die Zeit vom König Hiskia. Der Assyrer fiel in das Land Juda ein und eroberte einige Ländereien. Hiskias Reich war faktisch schon ganz in der Hand von Sanherib, dem assyrischen König, welcher mit seinem gewaltigen Heer bereits alle umliegenden Königreiche unterworfen hatte. Es schien nur eine Frage der Zeit, dass dieser mit seiner gewaltigen Heeresmacht Jerusalem, die Königsstadt, überfallen und ganz Juda einnehmen wird. Sein Knecht, der Rabschake, spottete Hiskia bereits und ging Wetten ein, dass Hiskia nicht einmal 2000 Reiter wird aufstellen können (Jes 36,8). Dazu zog Sanherib mit einem riesigen Heer umher und verwüstete alle Länder, die er sich zu unterwerfen gedachte.

Während dieser Zeit zerschmolz Hiskias Herz und er fürchtete sich vor dem Assyrer. Woher sollte Hilfe kommen? Wie sollte der HERR helfen, wenn alles Offensichtliche dafür sprach, dass es keine natürliche Hilfe für Hiskia gab?

Kommen wir zu unserem Vers zurück. Aussatz war nicht heilbar. Alles sprach dafür, dass dieser Aussätzige für den Rest seines Lebens dahinsiechen wird. Doch da trat der HERR – Er wird nicht umsonst „HERR“ genannt – auf den Plan und „sogleich wich der Aussatz von ihm …“ Was denken Sie, geschah in der Geschichte Judas, wo Sanherib die Tore Jerusalems einzunehmen drohte? Konnte der HERR etwas ausrichten? – Natürlich konnte Er das! Er wäre sonst nicht der HERR! Er sandte einen einzigen Diener, um das Heer Sanheribs auszuschalten (Jes 37,36).

Die Schlussfolgerung daraus ist: Selbst wenn alles gegen eine mögliche Wendung im Sinne Gottes spricht: Nichts kann Gott aufhalten. Er tut, was Ihm gefällt, in jeder Hinsicht und in jedem Bereich. Vertrauen Sie auf Ihn; bei Ihm allein haben Sie wahren Schutz! Warten Sie nicht solange, bis Er es nochmals vor aller Welt beweist, wenn Er die Armeen der Welt in der Schlacht gegen Jerusalem vernichten wird, wie geschrieben steht (Sach 14,12; Offb 14,18). Vertrauen Sie heute schon auf den, der allein würdig ist, „HERR“ genannt zu werden. Amen.

Vers 43

Und er bedrohte ihn und schickte ihn sogleich fort   Mk 1,43

Jesus bedrohte den Geheilten und schickte ihn sogleich fort. Die Übersetzung von „bedrohte“ ist „anfahren“, „schelten“ oder „unwillig sein gegen jemanden“. Es mag uns erstaunen, dass der gütige Christus jemanden bedroht und das vermeintlich ohne ersichtlichen Grund. – Weshalb Er es tun musste, liegt jedoch bei näherer Betrachtung auf der Hand: Christus kannte die Gesinnung dieses Aussätzigen. Er glaubte zwar so, dass er geheilt werden konnte, doch er hegte einen sehr starken Eigenwillen, der nachfolgend offenbar wird. Christus sah diesen Eigenwillen und wusste, dass dieser Mensch Ihm nach der Heilung Schwierigkeiten bereiten werden wird. Jesus heilte ihn trotzdem.

Herrlicher HERR, den wir haben! Obwohl Christus von allen Schwierigkeiten wusste, die auch wir Ihm noch im Laufe des Lebens bereiten werden, nahm Er uns auf und heilte uns von der gefallenen Natur. Danach taten wir als Geheilte immer noch viel im Eigendünkel und erschwerten so die Ausbreitung des Zeugnisses. – Lassen Sie uns nach bestem Wissen und Gewissen alles in der Abhängigkeit Christi tun. So vermeiden wir unnötige Risiken in der Verbreitung des Reiches Gottes! Amen.

Vers 44

und spricht zu ihm: Sieh zu, sage niemand etwas! Sondern geh hin, zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zu einem Zeugnis!   Mk 1,44 

Wir wissen durch andere Schriftstellen, dass es nicht immer angebracht ist, das christliche Gut weiterzugeben. Wir sollen beispielsweise unsere Perlen nicht vor die Schweine werfen (Mt 7,6). Christi Anweisung zum Verhalten in verschiedenen Lebenssituationen kann unterschiedlich sein. Manchmal will Er, dass wir seine Wunder öffentlich machen (Mk 5,19). An anderen Stellen sehen wir, dass Er genau das verbietet. Die Gründe dafür sind vielschichtig und sollten von uns niemals angezweifelt werden. Wir haben nicht den Überblick über die materielle und geistliche Welt. Wir können uns in unseren Überlegungen völlig täuschen, selbst wenn wir uns auf Bibelstellen berufen, wie zum Beispiel jene, in der der HERR gesagt hat, dass wir das Evangelium aller Kreatur predigen sollen (Mk 16,15). In unserem 44. Vers war es eben für diesen Menschen nicht statthaft, die Reinigung vom Aussatz öffentlich auszuposaunen, weil ein höherer Grund dagegen sprach: Die Gegenwart Christi. Nachfolgend werden wir aus dem Text erkennen, dass der Ungehorsam dieses Geheilten Christus in seinem Wirkungskreis einschränkte und somit der vom Aussatz Gereinigte der Verbreitung der Gnade Gottes (bestimmt ungewollt) zum Widersacher wurde. Solches bringt unser Eigenwille zustande!

Lassen Sie uns Christus in allen Dingen fragen, das Richtige zu wirken; wir sehen aus dieser Geschichte, dass wir mit den besten Vorsätzen zu Störenfrieden im Reich werden, auch dann, wenn die Gesinnung in uns genau das Gegenteil beabsichtigt. Ohne die göttliche Abhängigkeit (Joh 15,5) können wir nichts (göttlich Wirksames) tun.

Wenn Sie in die am besten aufgestellte Gemeinde gehen, mit dem frömmsten Partner verheiratet sind und die liebsten Kinder haben -, wenn die göttliche Abhängigkeit dem eigenen Erwägen von biblischen Glaubenssätzen zu Handlungen im Alltag weichen muss, sind Sie auf dem Weg, der Gott entgegensteht.

Der Gereinigte – weshalb gehorchte er Christus nicht? – hätte lediglich nach dem Gesetz zum Priester gehen und den Priestern Zeugnis vom Wunder Gottes abgeben sollen, welche ihn dann bestimmt gefragt hätten, wie es zur Heilung kam. Er war als Zeuge für die leitende Klasse bestimmt, welche als erste ihren Gebieter hätte erkennen sollen. Sehen Sie nachfolgend selbst, als Warnung für mich und für Sie, wie der Gereinigte den Auftrag verpatzte.

Vers 45

Der aber ging weg und fing an, die Sache eifrig zu verkünden und auszubreiten, so dass er nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draussen an einsamen Orten, und sie kamen von allen Seiten zu ihm.   Mk 1,45 

Der Geheilte folgte nicht dem Gebot des HERRN, der zu ihm gesagt hatte: „Sieh zu, sage niemand etwas!“ – Was war die Folge davon? – Christus, der Retter, wurde durch diesen menschlichen Eigenwillen in seinem Wirkungskreis eingeschränkt! Was gibt es Schlimmeres, als dem Retter der Welt im Weg zu stehen?

Liebe Leserinnen und Leser! Diese Begebenheit ist sehr ernsthaft, auch für mich, ungeachtet dessen, dass ich schon Jahrzehnte im Glauben stehe! Sie ruft mir wieder unmissverständlich ins Bewusstsein, dass gute christliche Meinungen bzw. Vorsätze und Handlungen ohne Absprache mit dem HERRN oder aus der Beziehung mit Ihm nur wertlos sind. Sie können sogar aktiver Widerstand gegen Ihn sein, wie wir in dieser Begebenheit sehen.

Christus konnte nicht mehr öffentlich in die Stadt und musste draussen an einsamen Orten wirken. Auch an Gott interessierte Menschen hatten es dadurch beschwerlicher, zu Ihm zu kommen. – Wir sehen, wie die „gutgemeinte“ Handlung dieses geheilten Aussätzigen äusserst fatale Auswirkungen hatte. Kranke und Gelähmte konnten nur noch mittels Tragbahren und kräftigen Helfern zu Gott kommen, wogegen Jesus vor dem Sabotieren seitens des Geheilten ohne weiteres in die Häuser der Stadt gehen konnte. Kranke und Elende mussten nicht mühsam aufgenommen und beschwerlich zu Ihm transportiert werden.

Kapitel 2

Vers 1

Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum hinein, und es wurde bekannt, dass er im Hause sei.  Mk 2,1

Erst nach einigen Tagen, nachdem sich die Aufregung wegen des Herumposaunens der Heilung des vom Aussatz Geheilten gelegt hatte, kehrte Christus in die Stadt zurück, in der Er wohnte oder zumindest bis zum öffentlichen Auftritt gewohnt hatte (Mt 4,13). Der HERR war dort durch seine Botschaften und Machttaten stadtbekannt.

Leider waren die Einwohner von Kapernaum aber auf dem geistlichen Auge blind und auf jenem Ohren taub, so sehr, dass die Bewohner Sodoms und Gomorras im (End-) Gericht besser dran sein werden (Mt 10,15), dessen Städte wegen ihrer grossen Sünden dem Erdboden gleichgemacht wurden. – Daraus können wir lernen, dass Menschen, die eine Aufregung oder ein Aufsehen um Christus machen, nicht zwingend an Ihm interessiert sein müssen. Man drängt sich aus Sensationslust oder um der eigenen Interessen willen um Ihn, um die eigenen Begehrlichkeiten zu stillen. Aber sonst ist vielen herzu gelaufenen Menschen Christus völlig gleichgültig. Sobald es um Nachfolge, Unterordnung oder Leiden geht, wenden sie sich ab und gehen wieder auf dem Weg des eigenen Willens, - ohne Gott (Joh 6,60.66; Mt 13,22)!

Vers 2

Und es versammelten sich viele, so dass sie keinen Platz mehr hatten, nicht einmal vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.   Mk 2,2

Der HERR nutzte jede Gelegenheit, den Menschen die Gedanken Gottes mitzuteilen. Sie sollten Gott kennen lernen und unter seinen Flügeln Schutz finden. Er selbst stellte sich nicht grossartig hin, obschon Er sich mit den Machttaten hätte feiern lassen können. Er tat nur Wunder, wenn sie zur Heilung oder den Glauben notwendig waren, niemals aber, um sich selbst gross zu machen. – Doch obschon Gott hiermit Kapernaum persönlich besucht hatte, glaubten viele nicht an Ihn, Christus, der sich für Sünder ans Kreuz schlagen liess, ob sich doch irgendjemand - auch noch im Nachhinein – doch vor Gott demütigen möge, solange der Himmel dafür noch offen ist!

Vers 3

Und sie kommen zu ihm und bringen einen Gelähmten, von vieren getragen. Mk 2,3

Ein Gelähmter ist im wörtlichen sowie im sinnbildlichen Sinn körperlich nicht einsetzbar. Er kann weder Mauern aufrichten noch Botengänge ausführen, denn er ist gelähmt und somit unfähig, sich zu bewegen. Mit seiner Körperverfassung stellte dieser Mensch den offensichtlichen Zustand von Israel und besonders von Kapernaum dar. So konnte die Eigenschaft der Einzelpersonen sowie diejenige der Allgemeinheit umschrieben werden. Dieser schlechte moralische Zustand der Bevölkerung Israels war bester Nährboden für solche gelähmten Einzelpersonen. Der Verfall der Sitten und die allgemeine Gottlosigkeit rückte die Nation in eine derart weite Gottesferne, welche für die Menschen eine völlige Unfähigkeit, sich Gott zu nahen, nach sich zog. Sie mussten am Ende eingestehen, dass sie nicht nur einen, sondern vier Helfer brauchten, um nur schon in die Richtung Jesu Christi transportiert zu werden.

Gottes Wort beinhaltet keine unnützen Aussagen. Nichts steht im Widerspruch zu den Aussagen des Allmächtigen. Sonst würde Er nicht unnütze Worte der Menschen unter Strafe stellen (Mt 12,36), wenn Er selbst leere Worte von sich geben würde. Daher ist die Anzahl der Träger auch zu beachten! – Wie erwähnt, brauchte der Gelähmte nicht eine, sondern vier Personen, um nur in die Nähe des HERRN zu kommen!

Hüten wir uns daher bei unserem Leben, böse Auswüchse unter uns zu dulden, die zu moralischem Zerfall führen und uns in eine derartige Gottesferne bringen können! Amen.

Vers 4

Und da sie <ihn> wegen der Volksmenge nicht zu ihm bringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war; und als sie es aufgebrochen hatten, lassen sie das Bett hinab, auf dem der Gelähmte lag. Mk 2,4  

In der totalen Dunkelheit, welche für die moralische Haltung der Einwohner von Kapernaum stand (Mt 11,23), gab es wenigstens eine Hand voll Menschen, die um jeden Preis vor Christus kommen wollten, weil sie an die Zeichen glaubten, die er tat. Ob sie Ihn als Retter der Menschen sahen, ist uns nicht bekannt. Mit ihrer Tat trat lediglich ihr Glaube an seine heilende Kraft hervor. Dass Jesus weit mehr konnte, als „nur“ Lahme gehend zu machen offenbart sich in den nächsten Versen.

Vers 5

Und als Jesus ihren Glauben sah, spricht er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind vergeben.  Mk 2,5

Entgegen aller Erwartung der Volksmenge vollbrachte der HERR ein grösseres Wunder. Jesus Christus heilte den Mann nicht einfach nach seiner Gewohnheit. Er sprach Grösseres aus. Menschen zu heilen, tangiert die Gottesbeziehung nicht, die Sündenvergebung schon.

Nur Gott persönlich kann über Verfehlungen gegen Ihn entscheiden; Er allein behält oder erlässt die Sünden. Das wusste bereits damals jeder Mensch, der sich nur minimal mit der Gottesbeziehung auseinandersetzte. Deshalb murrten die Pharisäer über die Aussage Jesu, wie wir nachfolgend sehen. Sie glaubten nicht, dass Jesus dafür autorisiert war. Christus betrat mit der Sündenvergebung, wie erwähnt, die höchst mögliche Ebene; Er nahm damit einen Platz ein, wie ihn kein Gottesmann bisher einnehmen konnte: Er machte sich damit Gott gleich und erzeigte damit die unermessliche Gnade, die Er als Gott den Menschen entgegen hielt: Den kostenlosen Sündenerlass durch Leid und Tod eines Stellvertreters, nämlich seiner selbst. Damit zeigte Er die Bereitschaft, in die Bresche zu springen, welche die Menschen in die Gottesbeziehung geschlagen hatten und den Entschluss, alle Dinge wiederherzustellen. Was Ihn das kostete, um die Gerechtigkeit nicht anzutasten und die Menschen zu erretten, wusste nur Er allein, kein Mensch konnte es nur ansatzweise erahnen.

Vers 6

Es sassen dort aber einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihren Herzen: Mk 2,6

Ja, was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, was könnten die Schriftkenner überlegt haben? Sie dachten vielleicht an den Vers im Propheten Jesaja (43,11), dass es ausser Gott keinen Retter gibt. Sodann mussten sie sich fragen, wie denn dieser Jesus aus Nazareth ohne Weiteres Sündenvergebung – was die Kluft zwischen Gott und Mensch wegnimmt – aussprechen konnte. Gemäss der Worte Gottes im Gesetz und der Propheten musste Jesus ein Scharlatan, Gotteslästerer oder tatsächlich Gott selbst sein. Doch in Jesus Christus den Allmächtigen zu sehen, wollten sie nicht wahrhaben, wie es die Ungläubigen und die Zeugen Jehovas heute nicht wahrhaben wollen, obschon sich Jesus plausibel erklärte (Joh 10,38). Daher blieben sie – wie jene heute – ohne die Vergebung (Joh 9,41).

Vers 7

Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben ausser einem, Gott?   Mk 2,7 

Die Schriftkenner kamen zum vermuteten und richtigen Schluss: „Wer kann Sünden vergeben ausser einem, Gott?“ Nicht richtig waren sie in der Einschätzung der Person Christi. Sie dachten, Er sei ein reiner Mensch, ein Prophet im äussersten Fall, aber sicher nicht Gott persönlich, im Fleisch gekommen (Joh 1,1). Deshalb dachten Sie, Er würde lästern, indem Er sich zu etwas machten würde, was nicht den Tatsachen entspräche.

Wären sie die Sache seriöser angegangen, hätten sie Ihn leicht als den von Gott verheissenen Messias erkennen können. Sie hätten Ihn nur nach seinem Leben fragen müssen, wie beispielsweise den Geburtsort (Mi 5,1; Mt 2,1), weitere Aufenthaltsgebiete (Hos 11,1; Mt 2,5) und die Stadt, in der Er aufwuchs (Mt 2,23).

Weil die ganze Gottheit leibhaftig in Ihm wohnte, konnte er mehr als lediglich Menschen heilen. Er konnte die Sünden vergeben, wem er wollte und sie denen behalten, die sich für das Leben als unwürdig qualifizierten.

Vers 8

Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich überlegten, und spricht zu ihnen: Was überlegt ihr dies in euren Herzen?   Mk 2,8 

Wie konnte dem Allmächtigen auf Erden etwas entgehen? „Sogleich erkannte Jesus in seinem Geist …“, heisst es im biblischen Bericht. Er erkannte es nicht erst nach einer Weile; Er erkannte „sogleich“.

Gott ist souverän, Er weiss zu jeder Zeit alles und kann zu jeder Zeit tun, was Ihm gefällt. Er kann mehr, als wir uns überhaupt ausdenken können. Er hat solche Kapazitäten, dass Er auch für uns Unwichtiges, wie die Anzahl der Haare auf jedem Haupt der Menschen, zu jeder Stunde weiss. Milliarden von Menschen haben jeden Tag einer veränderte Anzahl von Haaren auf dem Haupt. Sie können Gott diesbezüglich abfragen; Er käme bei keiner Person in Verlegenheit bezüglich der Summe; solches gehört zu seinen leichtesten Aufgaben. Bei scheinbar schwereren Angelegenheiten, zum Beispiel wenn sich alle Intelligenz des Universums zusammen tut und gegen Israel ziehen wird, wie vorausgesagt, also das geistliche Lager des Widersachers und alle Armeen der Welt mit ihrer Feuerkraft, welche die Erde mehrfach auslöschen kann – lassen Sie mich bitte das Schmunzeln verkneifen – denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, Gott käme dadurch eine halbe Sekunde lang in Bedrängnis? Kam Er je in der Vergangenheit in ausweglose Situationen? Wusste Er bei der Schöpfung der Erde plötzlich nicht, wie die Bahn des Jupiters zu berechnen ist? Oder war Er bezüglich der Energiefrage ratlos? Hatte Er keine Lösung für die Sonne betreffs der Materialien und ihrer Zusammensetzung, da sie Jahrtausende hindurch wärmen und leuchten soll? – Die aufgeworfenen Fragen sind lächerlich! Gottes Wille geschieht überall, auch wenn der Teufel manchmal die Oberhand zu haben scheint. Der Teufel kann ohne die Zustimmung Gottes gar nichts tun. Selbst er durfte nicht respektlos vor Gott treten und Ihm fluchen (Hiob 1,6), wenn er nicht riskieren wollte, auf der Stelle frühzeitig in die Hölle geworfen zu werden, die ihm und seinen Engeln bereitet ist (Mt 25,41).

Vers 9

Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Steh auf und nimm dein Bett auf und geh umher?   Mk 2,9

Was sagen Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Was ist leichter? Jemanden zu heilen, das heisst, etwas Gutes tun oder Sünden zu vergeben, was heisst, die Schuld des Menschen gerecht auszugleichen?

Für den alles vermögenden Christus, Ihm gehört die Macht und der Reichtum des ganzen Universums, ist es ein Klacks, jemandem etwas Gutes zu tun. Wie ein schwerreicher Mensch keinen Vermögensverlust merkt, wenn er jemandem ein Mittagessen in der Gaststätte bezahlt, so wird Christi Reichtum nicht weniger, wenn Er jemandem Gesundheit schenkt. Solche Geschenke kann Christus „verschmerzen“! Die zu geben habe Ihn auch nie in Angst versetzt.

Bei der Sündenvergebung sieht es völlig anders aus: Die Sünden fordern das Blut dessen, der sie begangen hat oder jenes eines Stellvertreters. Diese Tatsache ist Thema in der ganzen Bibel:

… und ohne Blutvergiessen gibt es keine Vergebung.   Hebr 9,22b

Wie wir wissen, stellte sich Christus als Stellvertreter für die Menschen für die Sündenvergebung freiwillig zur Verfügung. Er gab sein Leben für seine Schafe. Er nahm damit die Schuld der Menschen auf sich. Das hatte zur Konsequenz, dass Ihn auf Grund der Gerechtigkeit die volle Härte des Gerichts traf. Im Bewusstsein dieses harten Gerichts durchlebte Er die grössten Nöte und Ängste:

Und als er in Angst war, betete er heftiger. Es wurde aber sein Schweiss wie grosse Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen.   Lk 22,44

Die Frage, was nun leichter ist, jemanden zu heilen oder jemandem die Sünden zu vergeben, ist damit einfach zu beantworten. Jemandem die Sünden zu vergeben, setzt voraus, diese auf sich selber zu nehmen und damit das furchtbare Gericht dieser Verfehlungen erdulden zu müssen, was natürlich sehr viel schwerer ist, als als schwerreiche Person jemanden etwas vom Überfluss abzugeben. Wir lesen nirgendwo von ausgestandenen Ängsten Christi, bevor Er jemanden heilte. Wir lesen aber von seinen Ängsten vor der Sühnung der Sünden.

Anbetungswürdiger HERR! Er ging den ganzen Weg des Vaters. Er spielte sich nicht als Wohltäter der Menschen auf, wie es viele Reiche tun, indem sie von ihrem Überfluss mal hier und mal dort etwas abgeben und sich dafür feiern lassen. Was ist schon daran, wenn ich was abgebe, das mich praktisch nichts kostet? Mit der Sündenvergebung ging Christus den Weg, der Ihn alles kostete, nämlich sein ganzes Leben! Würden Sie das als vermögende Person tun? Würden Sie alles für den Nächsten geben; alles, was Sie haben? Christus hat das für Sie und mich getan! Amen.

Vers 10

Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – spricht er zu dem Gelähmten:   Mk 2,10

Die Menschen sollten wissen und erkennen, dass Christus dieselben Kompetenzen hatte wie derjenige, den sie Gott nannten und der im Himmel thront. Christus war befugt, Sünden zu vergeben. Christus war und ist Gott, der Allmächtige (Jes 9,5), wie sein Vater im Himmel. Sie sind eine Einheit, zusammen mit dem Heiligen Geist.

Vers 11

Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus!   Mk 2,11

Christus belegte damit seine Souveränität. Er konnte tun und lassen, was Er wollte. Tod und Teufel konnten nichts gegen Ihn unternehmen – auch nicht, um beispielsweise die Krankheit am Gelähmten haften zu lassen und so die Überlegenheit Christi zu Fall zu bringen. Christus konnte sich so frei bewegen, wie es nur Gott tun kann. Das sehen wir auch in der Begebenheit, wo die wütende Volksmenge Ihn von einer Anhöhe in den Tod stossen wollte: Er ging einfach weg, ganz ohne weiteres, ohne Sondereinsatzkommando und ganz ohne Hubschrauber.

29 Und sie standen auf und stiessen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so hinabzustürzen.
30 Er aber schritt durch ihre Mitte hindurch und ging weg.   Lk 4,29.30 

Selbst als seine Stunde da war, für die Er gekommen war, war in den Häschern selbst keine Kraft, Ihn zu greifen:

Als er nun zu ihnen sagte: Ich bin es, wichen sie zurück und fielen zu Boden.   Joh 18,6 

Christus musste sich in seiner Autorität stark zurücknehmen, damit sie Ihn überhaupt greifen konnten. In völliger Verblendung führten Ihn die Häscher in der Folge ab und misshandelten Ihn, obwohl sie zuvor vor Ihm zu Boden fielen.

Unser Himmlischer Vater und Christus sind also völlig souverän; Gott kann in jeder Situation unmittelbar Einfluss nehmen, sofort und zu jeder Zeit. – Wie gern hätte der Teufel das Zeugnis Christi beim Gelähmten durchkreuzt. Wenn Christus ihn nicht hätte heilen können, wäre der Triumph des Teufels perfekt gewesen. Mit der Heilung des Gelähmten bewies Christus aber seinen Feinden ins Angesicht, dass Er stärker ist als sie alle zusammen.

Vers 12

Und er stand auf, nahm sogleich das Bett auf und ging vor allen hinaus, so dass alle ausser sich gerieten und Gott verherrlichten und sagten: Niemals haben wir so etwas gesehen!   Mk 2,12   

Auf das Wort Gottes folgt immer, es gab noch nie eine Ausnahme, die Verwirklichung dieser Worte. Die Situationen, in die Gott redet, mögen einfach, komplex oder unmöglich sein: Es geschieht immer genau das, was Er sagt.

Hier war die Situation unmöglich für Menschen: Wie soll ein Gelähmter wieder gehen können? – Durch das Wort Gottes! – Christus sprach und es geschah so: „Und er stand auf.“

Vers 13

Und er ging wieder hinaus an den See, und die ganze Volksmenge kam zu ihm, und er lehrte sie.   Mk 2,13 

In engen Verhältnissen, wie in Häusern, gab es zu wenig Platz für alle. Jesus verkündigte daher auch im Freien. Sehr viel Zeit verbrachte Jesus mit der Vermittlung der Lehre. Das wissen wir durch viele Bibelstellen. – Weshalb? – Weil Er ein grosser König ist (Joh 8,37) und die Rechte seiner Verfassung vermittelt haben will, damit es dem Volk gut geht und Er es durch die herrschende Gerechtigkeit im Reich nicht schelten, züchtigen oder gar verwerfen muss.

Christus gibt seinen königlichen Stand nicht auf. Temporär verzichtete Er zwar auf alle seine Rechte, sonst wäre das Werk der Erlösung nicht zustande gekommen. Der Mensch war und ist bekanntlich nicht fähig, sich selbst in Ordnung zu bringen. Er wäre unter dem Zorn geblieben und ausnahmslos in die ewige Verdammnis geraten.

Der HERR nutzte bereits die Zeit, in der Er auf seine Rechte verzichtete und den grossen Widerspruch der Menschen erduldete, die Verfassung seines Reiches zu verkündigen. Die Menschen sollten im Anschluss – wenn die Erlösung geschehen war – durch seine Worte befähigt sein, sich an diese Verfassung zu erinnern und zusammen mit seiner Kraft auf dem rechten Weg zu gehen.

Wir sollten uns da nichts vor machen. Jesus wendete diese Zeit nicht auf, damit das Volk dann doch tun und lassen kann, was es will.

Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag.   Joh 12,48

Ein diese Worte missachtender Mensch wird ganz sicher gerichtet werden! Manchmal scheinen die Umstände für einen Menschen zwar so verzwickt und verworren, dass es plausibel erscheint, mal beide Augen im Blick auf das Wort zuzudrücken. Als Saul in grosser Bedrängnis war, Samuel auf sich warten liess und Saul unbedacht anfing zu opfern; kam es damals gut, wo Er – trotz viel Verständnis für seine Situation – das Wort übertrat (1. Sam 13,13)? Es kam nicht gut, vielmehr enthob er sich damit selbst seines Amtes. Der Mensch ist nicht für das Gesetz geschaffen, sondern das Gesetz für den Menschen (Lk 6,4). Die Begebenheit mit David und den Schaubroten im erwähnten Vers vom Lukasevangelium und die darin von Christus erläuterte Sabbatfrage sind völlige Ausnahmen, wo der HERR der Schwachheit der Menschen wegen Ausnahmen zulassen kann. Wer solche Sonderregelungen für seine Wünsche mutwillig missbraucht, lädt Sünde auf sich.

Vers 14

Und als er vorüberging, sah er Levi, den <Sohn> des Alphäus, am Zollhaus sitzen. Und er spricht zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.   Mk 2,14 

Menschen, die der Vater als für die Nachfolge würdig erachtete und Er demzufolge Jesus darauf hinwies, forderte Jesus ohne Ausnahme auf, Ihm nachzufolgen. Christus berief keine Jünger nach seiner eigenen Willkür, die Auswahl gründete auf der Anweisung des Vaters (Joh 17,9.24; 18,9).

Die Welt wählt anders als Gott. Sehen Sie sich beispielsweise in der Welt der Personalfachleute um. Die Menschen können nur das Äusserliche sehen. Wenn jemand äusserlich mit guten Zeugnissen und Ausbildungsabschlüssen glänzt, wird er eingestellt und als fähig beurteilt, die offene Vakanz gut zu besetzen. Bei Banken ist zurzeit der Trend, Personen mit „sehr gutem Hochschulabschluss“ zu suchen, wie wir es in den Stelleninseraten einiger Unternehmen entnehmen können. Die jeweiligen Personalabteilungen denken sich dabei, dadurch die Besten der Besten für das Unternehmen zu gewinnen. Ob diese „Besten der Besten“ am Arbeitsplatz schlussendlich pflichtbewusst für das Unternehmen arbeiten oder sich selber eine Statue setzen, wird nicht geprüft. Ich weiss nur aus eigener Erfahrung, dass viele hohe Führungskräfte in dieser Branche und auch anderweitig, die äusserlich als die Besten der Besten glänzten, nur auf sich selber schauen und bei ihnen die Nachhaltigkeit des Geschäfts und der Kundenbeziehungen in der Rangfolge erst nach allen eigenen (persönlichen) Bedürfnissen kommen. Wie schädlich das für das Unternehmen ist und wie ineffizient die so nicht gut überwachten Arbeitsabläufe bei dieser egoistischen Haltung der Verantwortlichen sind, muss ich an dieser Stelle nicht weiter erörtern.

Wie gesagt, Gott rekrutiert seine Leute nicht nach der Weise der Welt. Gott wählt die Menschen nach dem Zustand des Herzens. Menschen, die wir als für fähig erachten, verwirft Er. Andererseits wählt Er gerade solche, die in unseren Augen gering erscheinen. Die Geschichte der Wahl des gottesfürchtigen Königs David bestätigt uns das sehr anschaulich:

6 Und es geschah, als sie kamen, sah er den Eliab und meinte: Gewiss, da steht sein Gesalbter vor dem HERRN!  
7 Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und auf seinen hohen Wuchs! Denn ich habe ihn verworfen. Denn <der HERR sieht> nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz.   1.Sam 16,6-7 

Levi, der Zöllner und Mann aus der damals verhassten Berufsgattung, war von Gott erwählt – vor vielen Edlen der Welt.

Wie wir wissen, verwerfen die meisten der Welt-Elite die Heilige Schrift. Die Welt und ihr Fürst, der Teufel, gibt den Seinen ihren Anteil. Sie sollen sich ihm gemäss auf ihrem falschen Weg in Sicherheit wiegen. Gott wählt anders, sogar oft das Schwache und Unedle dieser Welt. Den Armen und Schwachen wird das Reich einst gehören (1. Kor 1,28).

Vers 15

Und es geschieht, dass er in seinem Hause zu Tisch lag, und viele Zöllner und Sünder lagen mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch, denn es waren viele, und sie folgten ihm nach.   Mk 2,15

Lassen Sie mich vor der Erläuterung dieses Verses einen Umstand erklären: Die Welt hat auch ihr System. In der Welt herrscht nicht das totale Durcheinander, auch wenn es an gewissen Orten so scheint. Der Teufel, dem die Welt zurzeit anvertraut ist (Lk 4,6), will systematisch erreichen, dass Gott verunehrt oder vergessen wird. Um die letzten Zweifler auch mit ins Boot zu nehmen, gibt er den Menschen viele Rechtfertigungen, die das Gewissen beruhigen sollen.

Wie im Lukasevangelium (4,6) beschrieben, gibt der Teufel von den weltlichen Herrlichkeiten, wem er will. Vielleicht erstaunen Sie sich über böse Menschen, die sogar eigene Geschäfte haben und die trotz ihrer Überheblichkeit und ihrem schlechten Kundendienst florieren (Hiob 9,24; Ps 73,3, Pred 8,14). Dies erklärt auch die letzte Verserwähnung. Betrachten wir diese noch näher:

Es gibt etwas Nichtiges, das auf Erden geschieht: Da sind Gerechte, denen es nach dem Tun der Ungerechten ergeht, und da sind Ungerechte, denen es nach dem Tun der Gerechten ergeht. Ich sagte: Auch das ist Nichtigkeit.   Pred 8,14

Manchmal erscheint uns, dass es Gottesfürchtigen so ergeht, als müssten sie die Strafe der Gottlosen tragen. Dazu sehen wir Ungerechte und Gottlose, denen es so ergeht, wie wenn sie gerecht wären. – Wie kann das sein, wenn doch die Schrift sagt, dass Gott den Gottlosen fern ist (Spr 15,29)? – Die Gottlosen leben gut durch die Unterstützung ihres Gottes, des Teufels. Er belohnt seine Leute, die ihn und seine Philosophie, die Lüge und die Gottlosigkeit, verherrlichen. Dieser Lohn des Teufels für die Ungerechtigkeit spornt seine Nachfolger an, weiter gemäss dieses eingeschlagenen Weges voranzugehen, denn diese Richtung verspricht ihnen Erfolg und Glück. Ich weiss von nicht wenigen Personen, mit denen es anfänglich nach Ehebruch und Betrug aufwärts ging, was sie natürlich bestärkte, ihren gottlosen Pfad weiter zu verfolgen.

Demgegenüber sieht man Gerechte, denen auf Erden nichts als Leiden widerfahren. Das steht in unserem Rechtsverständnis im Widerspruch, doch nur so lange, bis wir das Ende der Gottlosen begreifen lernen. Dazu könnte man noch viel sagen, es würde aber hier den Rahmen sprengen. Lesen Sie hierzu Psalm 73, er behandelt dieses Thema ausführlich.

Im Vers, den wir hier betrachten, wo Levi, seine Kollegen und Jesus gemeinsam tafeln, sehen wir den HERRN mit in Sünde verstrickte Menschen, die nicht aktiv mit weltlichen Herrlichkeiten durch den Teufel bei Laune gehalten werden mussten. Sie waren lediglich in ihrer Sünde gefangen und waren dadurch in einen Stand gedrängt, aus dem sie nicht von alleine herauskamen. Selbst wenn sie als einzige nicht mehr Zolleinnahmen forderten, wie von der Obrigkeit vorgegeben war, war ihr Berufsstand verachtet, da zu viele ihrer Kollegen ungerechtem Gewinn nachjagten.

Sie waren wie wir vor unserer Bekehrung oder wie Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wenn Sie Christus noch nicht angenommen haben: In Sünde verstrickt, aus der man ohne Hilfe von oben nie herauskommt. Und selbst wenn ein Herauskommen möglich wäre, wer tilgt Ihre Sünde bis zu diesem Zeitpunkt, wo Sie es herausgeschafft haben? Wessen Blut soll dafür fliessen? – Sie sehen also, dass Sie keine Möglichkeit ohne Christus haben, sich reinzuwaschen. Folglich werden Sie im Gericht ohne Ihn zwingend verurteilt werden; Ihre Sünde kann nicht auf eine andere Art, wie durch Selbstgerechtigkeit, aus der Welt geschafft werden.

Levi und seine Sünder-Kollegen hatten das erkannt und hielten sich daher an Ihn. Damit wurden sie gerettet und frei von Sünde. Die damalige Elite, die Pharisäer, die der Widersacher in der Hand hatte, und die nach der Philosophie ihres Vaters, des Teufels (Joh 8,44), funktionierten, wendete sich nicht an Christus und blieb in der Sünde. Diese hielt ihr Vater bei Laune, indem er ihnen Schlüsselpositionen und Ehrenplätze vergab. Nach aussen sah es dann aus, wie im vorausgehend zitierten Vers aus dem Buch des Predigers (8,14). Es schien, als ob es den Gottlosen nach der Gerechtigkeit des Gerechten ergeht und den Gerechten nach der Gottlosigkeit der Übeltäter. Es mag widersprüchlich aussehen auf den ersten, kurzsichtigen Blick. Wer Gott kennt, weiss, dass das gerechte Gericht für den Gottlosen nicht ausbleiben und die gerechte Belohnung für die Gottesfürchtigen ganz gewiss kommen wird. Amen.

Vers 16

Und als die Schriftgelehrten der Pharisäer ihn mit den Sündern und Zöllnern essen sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Mit den Zöllnern und Sündern isst er?   Mk 2,16

Natürlich warfen die Schriftgelehrten der Pharisäer, sie kannten das Wort Gottes, diese Frage auf. Wie kann es sein, dass jemand, der sich Gott zugehörig nennt, mit Zöllnern und Sündern essen? Das Wort Gottes verlangt die Absonderung von allem Unreinen. – „Wie kann denn jemand, der von sich sagt, er sei rein, sich mit Unreinen an einen Tisch setzen? Damit verletzt er ja Gottes Wort! Wie kann ein solcher glaubwürdig sein?“, mögen sie sich gefragt haben.

In ihrem Verständnis hatten sie Recht. Gottes Wort verlangt die Absonderung von allem Unreinen und den Ausschluss von jeglicher Sünde. Deshalb gibt ihnen Jesus darauf Antwort. Christus liess sie, vielleicht gab es ja noch einen demütigen Pharisäer unter ihnen, nicht in Unkenntnis bei plausiblen Fragestellungen.

Vers 17

Und Jesus hörte es und spricht zu ihnen: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.   Mk 2,17 

Jesus erklärt den Grund, weshalb er mit Zöllnern und Sündern isst. Er kam in der Eigenschaft als Arzt, als Retter der Menschen. Er öffnete seine Hände jedem Sünder, der sie Ihm entgegen streckte. Levi tat das, sonst hätte er kein Gastmahl für Ihn bereitet. Er akzeptierte den Ruf Jesu zur Nachfolge. Was die Pharisäer nicht taten, wie sie sich auch nicht von Johannes taufen liessen (Mt 21,32). Die Pharisäer glaubten nach wie vor in den Schriften, also im Buchstaben allein, das Heil zu finden. Sie dachten an eine Selbsterlösung, wenn sie sich an die Regeln der Schrift hielten. Sie erkannten aus der Schrift nicht, dass sie von einem Gesalbten sprach, den es anzunehmen galt und aus dem, also aus seiner lebendigen Person, das Heil kommt.

39 Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen;  
40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.   Joh 5,39.40  

Da in keinem anderen Namen das Heil Gottes zu finden ist – vor allem nicht im eigenen, sündigen – hätten es die Pharisäer den Zöllnern gleich tun sollen: Christus annehmen. Wie Jesus sagte, hätten sie wissen müssen, dass es keine Gerechte gibt. Die Bibel bestätigt ja selber, dass es nur Sünder gibt. Da sie aber in ihrem Wahn bei sich dachten, bereits auf dem Weg des Heils zu gehen, verwarfen sie den Arzt der Menschen, obwohl sie auch krank waren, denn niemand war und ist, wie erwähnt, ohne Sünde, ausser Christus allein (Heb 4,15).

Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.   Ps 14,3

Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht! Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.   Ps 143,2

Denn kein Mensch auf Erden ist <so> gerecht, dass er <nur> Gutes täte und niemals sündigte.   Pred 7,20 

Das hätten die Pharisäer auch wissen sollen, da diese Wahrheit doch mehrfach in den alten Schriften steht (sie steht heute auch im NT, z.B. Rö 3,23). Sie hätten sich auch nach demjenigen ausstrecken müssen, der sie vor dem ewigen Richter hätte rein waschen können. Doch sie verwarfen Christus in übler Weise, so sehr, dass sie ihn lieber tot als lebendig sehen wollten. Der Welt war er gleichgültig, sie liess Ihn grundsätzlich leben, ausser Pilatus in seiner Ungerechtigkeit auf Druck der Pharisäer und des verführten Volkes. – Was haben die Selbstgerechten da angerichtet! Was haben sie da für eine Schuld auf sich geladen!

Wie steht es um Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Wie steht es um uns (ich schliesse mich da ein)? Leben wir ein Leben in Selbstgerechtigkeit, indem wir sagen, wir seien schon in Ordnung? Oder strecken wir uns nach demjenigen aus, der für uns die Schuld getragen hat? Suchen wir unser Heil im Buchstaben der Schrift, indem wir buchstabengemäss unseren Plan zur Selbsterlösung schmieden? Oder suchen wir in den Worten der Bibel die lebendige Person, die dahinter steckt, Christus Jesus, den Allmächtigen (Offb 1,8,17.18)?

Vers 18

Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?   Mk 2,18

Johannes der Täufer wies seine Jünger an und sogar die Pharisäer sahen es für notwendig an, zu fasten. Jesu Jünger fasteten hingegen nicht; Christus hatte ihnen bis zum Zeitpunkt kein Fastengebot erteilt.

Das biblische Fasten hat mit essentieller Verweigerung von Irdischem, nämlich mit Nahrungsverweigerung zugunsten des Betens und Flehens zu tun. Mit „Irdischem“ meine ich nicht „Weltliches“, das nach dem Geist der Welt ist. Irdisches ist nicht per se schlecht. Nahrung und Kleidung sind beispielsweise irdisch und gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

Weshalb fasten gottesfürchtige Menschen? – Sie verstärken damit ihr Flehen zu Gott und untermauern den dringenden Wunsch um Gebetserhörung, wie zum Beispiel Ester im gleichnamigen Buch der Bibel (Est 4,16). Mit dem Fasten kann auch eine ganzheitliche Orientierung, eine Ausrichtung auf Gott mit „jeder Faser“ des Menschen herbeigeführt werden. Christus bereitete sich so in Zusammenarbeit mit dem Vater auf die Versuchung des Teufels vor (Mt 4,2). Die Menschen von Ninive äusserten mit dem Fasten ihre Entschlossenheit zur Umkehr mit der gleichzeitigen Bitte an Gott, sie nicht zu vernichten (Jon 3,7ff). Mit dem Fasten können wir auch unserer Trauer Ausdruck verleihen, dass die Erde noch unter böser Herrschaft und Christus noch nicht verherrlicht ist und uns auf diese Weise ganzheitlich mit Christi Gefühlen und Wünschen eins machen. Das ist ein schönes Zeichen des Mitleidens an Gott. Wie Esters Gefährtinnen und Gefährten mit ihr fasteten und der gemeinsam getragenen Not einen starken und glaubwürdigen Ausdruck verliehen, können wir tun, um Christus oder auch notleidenden Christen zu zeigen, dass wir die Not voll mittragen und mitempfinden. Damit greife ich gedanklich schon etwas vor, wo Christus sagt, dass seine Jünger auch fasten werden, wenn Er nicht mehr sichtbar unter ihnen weilt. Wie können wir notleidenden Christen sagen, wir seien eins mit ihnen, wenn wir es uns gut gehen lassen, während dem sie in der Klemme sitzen? Wie können wir zuhause mit unseren Lieben feiern, Wein trinken, fröhlich sein und uns an Gutem laben, wenn zeitgleich ein Glied Qualen leidet? Ist das das Prinzip des Leibes und ist das der Grundsatz der Versammlung? – Ein ratloses Achselzucken, man könne ja nicht helfen, solange einem die Hände für Hilfeleistungen gebunden sind, legitimiert nicht für Gleichgültigkeit und Genuss des Lebens.

Weil Christus wusste, dass seine Versammlung noch durch Leiden gehen muss, sprach Er im Mitgefühl eine fortwährende Abstinenz zum Wein aus, der doch Gott und Menschen erfreuen soll (Ri 9,13), bis die Versammlung in die Ruhe eingehen kann. Gefeiert wird, wenn es Zeit ist, wie auch getrauert werden sollte, wenn die Zeit es erfordert (Pred 3,1ff). Wie handeln Sie, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie eins in allem mit Ihren Nächsten? Oder lassen Sie es sich einfach gut gehen, indem Sie sich nach der gleichgültigen Weise der Welt sagen, sie stünden sich selbst am nächsten?

Vers 19

Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.   Mk 2,19

Solange ein offizielles und legitimes Fest andauert, soll nicht gefastet werden. Wenn Freude herrscht und die beieinander sind, die zusammen gehören, wird gefeiert, nicht gefastet.

Was Christus tat, war immer legitim, nie verletzte Er ein Gebot des Vaters. Die Seinen hatte Ihm sein Vater gegeben und Er selbst war treu zu jedem Einzelnen von ihnen (Joh 18,9). Somit war die Gemeinschaft mit Ihm immer ohne Makel und vom Vater gewollt. Festfreude war daher angesagter als Trauerminen; letztere passten nicht in die Gesellschaft der Jünger, solange sie mit dem Bräutigam, dem HERRN, zusammen waren. In dieser Konstellation zu fasten wäre so fehl am Platz gewesen, wie es unangebracht ist, wenn ein nahestehendes Familienmitglied im Sterben liegt und wir dabei feiern würden. Dazu zitiere ich die Worte Jesu nochmals: „Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.“

Vers 20

Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, an jenem Tag, werden sie fasten.   Mk 2,20 

Christus verwendet hier explizit den Begriff „Bräutigam“. Das Gegenüber des Bräutigams ist die Braut, sie gehört zu ihm, wie die Finger zur Hand gehören. Ohne die Braut ist der Bräutigam kein solcher; er wäre dann schlicht nur ein gewöhnlicher Mann. Die Braut Christi ist die Gemeinde (2. Kor 11,2). Die Gemeinde gehört untrennbar zu Christus. Der HERR sei gelobt dafür!

Wenn der Bräutigam der Braut weggenommen ist, „dann, an jenem Tag, werden sie fasten.“ Deutlicher könnte der Hinweis nicht sein, dass die heutigen Tage ohne den Bräutigam böse sind (Eph 5,16) und die Zeit der Freude aussteht (2. Kö 5,26). Wie Elisa damals seinem Diener sagen musste, dass die Zeit der bleibenden Freude bis zur Wiederherstellung aller Dinge aussteht, muss man sich heute ebenfalls fragen: Ist es jetzt für die Braut an der Zeit zu feiern, wo der Bräutigam noch von ihr genommen ist? Beginnt das (Hochzeits-) Fest nicht erst nach der Ankunft des Bräutigams (Mt 25,10)?

Wer heute als Christ so lebt, als ob ihm nichts fehlt -, wartet ein solcher auf Christus? Fehlt einem solchen Menschen das notwendige Gegenüber wirklich oder hat er es vergessen?

Echte Christen nach dem Herz des Bräutigams werden trauern und dieser Trauer auch mit Zeiten des Fastens Ausdruck verleihen, wie geschrieben steht. Amen.

Vers 21

Niemand näht einen Flicken von neuem Tuch auf ein altes Gewand; sonst reisst das Eingesetzte von ihm ab, das neue vom alten, und ein schlimmerer Riss entsteht.   Mk 2,21

Weshalb Christus dieses Gleichnis zur Veranschaulichung bringt, liegt auf der Hand: Im Alten Testament waren viele Feste und Festversammlungen verordnet, denn unter dem Gesetz und vor allem unter der Einhaltung des Gesetzes war Israel zum Kopf, also zur Herrschaft über die Nationen bestimmt, wie es unter Salomo war (5. Mo 28,13). Damit waren herrliche Zeiten angesagt, wo Feiern legitim und angebracht waren. Israel hatte aber unter Gesetz kläglich versagt und wurde statt zum Kopf zum Schwanz (5. Mo 28,48). Israel wurde der Prophetie und ihren Taten gemäss eingenommen, zuerst von den Babyloniern. Zur Zeit Christi waren die Römer die Besatzungsmacht; nach wie vor war Israel gedemütigt und unter fremder Herrschaft.

Der Neue Weg, der durch Christus gepredigt wurde, war eine neue Lehre. Er predigte die Selbstverleugnung und die Beiseitesetzung aller Rechte bis zum zukünftigen Zeitpunkt der Verherrlichung (Mt 5-7, besonders Mt 10,39). Sie entspricht nicht mehr derjenigen des Alten Testaments. Sie enthält auch nicht mehr die Verheissung der Herrschaft über die Erde vor Christi Wiederkunft. Daher gibt es derzeit keinen Grund, bezüglich der aktuellen Weltordnung und der gegenwärtigen Abwesenheit Christi zu feiern. Vielmehr ist momentan Trauer angesagt.

Mit dem erwähnten Gleichnis sagt Christus aus, dass er etwas Neues brachte. Er flickte die Lehre des Alten Testaments nicht, was nicht geht. Jene Lehre war vollkommen (Rö 7,12), doch im Blick auf den schwachen Mensch nützte sie ihm nichts. Somit musste etwas völlig Neues kommen, der Mensch kann das Gesetz nicht einhalten; er schafft es nicht, die alttestamentliche Verordnung zu erfüllen. Die Menschen sollten das verstehen und das Alte loslassen, um sich voll auf das Neue fokussieren zu können.

Nebenbei erwähnt, taten sich die Menschen in Israel schwer, das Alte loszulassen (Lk 5,39), da jenes ihnen immer noch die theoretische Möglichkeit gab, wieder als Nation zum Kopf zu werden. Wer die Geschichte Israels aber übersah, hätte erkennen sollen, dass die Jahrhunderte, die vom Niedergang zeugten, eigentlich als Beweis genügten, dass etwas Neues zwingend kommen musste. Ein weiteres Vertrauen auf das Gesetz war daher zwecklos. Verständige Menschen hätten Christus als den verheissenen und dringend notwendigen Retter erkennen müssen.

Vers 22

Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche; sonst wird der Wein die Schläuche zerreissen, und der Wein und die Schläuche verderben; sondern neuen Wein <füllt man> in neue Schläuche.  Mk 2,22

Der HERR belässt es nicht bei einem Gleichnis: Mit einem zweiten bekräftigt Er die Tatsache, dass der Mangel des Gesetzes, nicht mit etwas Neuem repariert werden kann. Der HERR brachte den Neuen Weg, den Er grundsätzlich mit der Bergpredigt (Mt 5-7) darlegte. Dieser Neue Weg kam auch in einer ihm entsprechenden neuen „Verpackung“, Er kam vom unerschaffenen, ewigen Gott (in Christus Jesus) persönlich, wogegen der Alte Weg lediglich durch geschaffene Mittler verkündigt wurde (Heb 1,1.2).

Beide Wege lassen sich nicht vermischen. Wir dürfen nicht vom Gesetz nehmen und es den neutestamentlichen Geboten beimischen. Leider wird gerne aus dem Wort Gottes „gepickt“, was einem gerade passt. Wohlstandsevangelisten predigen Christen von Wohlstand, indem sie sich auf das Alte Testament berufen und daraus entsprechende Stellen zitieren. Was damals passte, geht heute nicht mehr. Im Neuen Testament ist uns nur Nahrung und Kleidung versprochen. Aber keinesfalls Wohlstand. Im Alten gehörte Wohlstand zum normalen Leben, wenn das Gesetz gehalten wurde. Gottesfürchtige Könige erweiterten ihr Heer und Gebiet. Die beiden Haushaltungen (Altes und Neues Testament) müssen zwingend auseinander gehalten werden. Ansonsten produziert man das totale Chaos. Neuer Wein geht nicht zusammen mit alten Schläuchen!

Nebenbei gesagt ist konsequenterweise die Bezeichnung „messianischer Jude“ nicht in Ordnung und irreführend. Ein jüdischer Mann ist entweder Jude oder er ist durch den Glauben an Christus ein Christ. Jüdische Christen gibt es nicht, wie schon die Schrift sagt (Kol 3,9-11). Auch ein gläubiger Jude hat den alten Menschen ausgezogen. Ein solcher ist ein Christ, wie ein christusgläubiger Italiener Christ ist. Da gibt es keinen Unterschied.

Vers 23

Und es geschah, dass er am Sabbat durch die Saaten ging; und seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken.  Mk 2,23   

In diesem Vers liegt die Betonung auf dem Wort Sabbat. An gewöhnlichen Tagen wäre keine Diskussion darüber entstanden. Denn es war von Gottes Seite erlaubt, beim Vorbeigehen auf fremden Feldern Ähren mit der Hand abzupflücken. Die Sichel durfte man bei fremdem Eigentum natürlich nicht anlegen. Doch – wie erwähnt – war von Hand im Vorbeigehen abzupflücken erlaubt (5. Mo 23,26). Es war nun aber Sabbat, wo Jesus durch die Saaten ging und seine Jünger Ähren abpflückten. Der Sabbat wurde als Ruhetag gegeben, sechs Tage soll der Mensch arbeiten, doch am siebenten soll er ruhen, wie Gott von seinem Werk ruhte:

aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst <an ihm> keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore <wohnt>.   2.Mose 20,10

Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhen; <auch> in der Zeit des Pflügens und in der Ernte sollst du ruhen.   2.Mose 34,21 

Diese Ruhe soll der Mensch unbedingt halten, sie ist zu seinem Wohl; die Arbeiter sollen Atem schöpfen können (2. Mo 23,12). Sogar in der Zeit des Pflügens und in der Ernte soll nicht gearbeitet werden! Wer das nicht beachtete, konnte – von Gott angeordnet – mit dem Tod bestraft werden (4. Mo 15,32)!

Nun ging Gott in der Person von Jesus Christus durch die Saaten, und seine Jünger pflückten im Gehen die Ähren. – Obschon am Sabbat zu Essen erlaubt war, konnten sich die Pharisäer die Frage im nächsten Vers nicht verkneifen. Am liebsten hätten sie wohl die Umstehenden folgendermassen gefragt bzw. aufgewiegelt, da sie ja auf der Suche nach Fehlern bei Jesus waren (Mt 22,15): Ist das nicht eine krasse Missachtung des Sabbats? Lässt der HERR ein (eventuell) todeswürdiges Vergehen zu? Wirft Er die Vorbildfunktion ohne weiteres weg und lässt die Jünger im Tun des Bösen gewähren?

Vers 24

Und die Pharisäer sagten zu ihm: Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist?   Mk 2,24  

Die Pharisäer rangen sich soweit durch, Christus zu sagen: „Sieh, was tun sie am Sabbat, das nicht erlaubt ist?“ – Abgesehen davon, dass hier nicht unbedingt ein Verstoss gegen das Sabbatgebot bestand, weil die Jünger nur erstens im erlaubten Umfang Ähren pflückten und zweitens sie direkt assen, um den Hunger zu stillen – auch die Pharisäer assen jeweils an den Sabbaten – eröffnet uns die Antwort Christi wichtige Erkenntnisse bezüglich Gottes Herzen.

Christus antwortet so, wie wenn die Pharisäer im Punkt Recht hatten, dass das Abpflücken der Ähren mit Sammeln von Essen zu tun hatte, was eigentlich an den sechs Werktagen gemacht werden sollte und nicht am Sabbat. Christus anerkennt mit seiner Antwort den Punkt der Pharisäer im Blick auf das Sabbatgesetz. Und doch entlarvt Er die Haltung der Pharisäer als böse und kann aufzeigen, dass seine Jünger trotzdem nichts Falsches taten.

Vers 25

Und er spricht zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel hatte und als ihn und die, die bei ihm waren, hungerte?  Mk 2,25  

Christus legt an dieser Stelle auf herrliche Art die Liebe Gottes offen, welche hinter dem Gesetz steht. Weltliche Menschen beurteilen das Gesetz als hart und lieblos. Einen Menschen zu töten, der am Sabbat nur Holz zusammenlas, könne nur von einem bösen Gott angeordnet werden, argumentieren sie. Dabei lassen sie ausser Acht, dass das Gesetz den Menschen nicht nur nach dem Äusseren beurteilt; das Gesetz beurteilt den Menschen auch nach dem Inneren. Das Gesetz ist heilig, gerecht und gut (Rö 7,12) und deckt viel mehr auf, als wir darin zu sehen glauben. Nach dem Gesetz wird nur verurteilt, wer innen und aussen unrein ist.

Gottes Gesetz ist daher nicht ohne Weiteres nach dem Urteilsvermögen des natürlichen Menschen anzuwenden. Die Menschen sehen erstens darin einen harten Gesetzgeber und zweitens das Gesetz als dem Menschen übergeordnet, besonders die Pharisäer damals. Wer den Gesetzgeber auf diese Weise sieht, hat Ihn überhaupt nicht verstanden. Die Pharisäer, die ihrem bösen Herz gemäss dachten, wollten die Jünger durch eine für sie offensichtliche Gesetzesübertretung belangen, da sie solches am Sabbat in ihrer Selbstgerechtigkeit nie getan hätten. Peinlich genau hielten sie die Gebote, die sie als für relevant hielten, missachteten aber die weicheren und schwerer beurteilbaren Gebote, wie die Liebe, welche im Gewicht vor Gott über allen anderen Geboten steht. Sie waren wie übertünchte Gräber, voll Unrat, schienen äusserlich aber perfekt (Mt 23,27). Sie glänzten wie von aussen gereinigte Becher, gefüllt waren sie aber mit Gift und Galle (Mt 23,25). Solche Menschen gibt es viele, sie sind wie Aale, zu glatt und zu schlüpfrig, um sie festhalten zu können. Gerne verurteilen solche die Christen, wenn sie kleine Fehler an ihnen entdecken und werfen ihnen Heuchelei vor. Selber legen sie äusserlich einen perfekt scheinenden Wandel hin, sind innerlich aber voll Bosheit und Unrat. Wehe solchen Menschen! Was in ihnen ist, wird sowieso offenbar, bereits das alttestamentliche Gesetz vermochte das innere des Menschen an die Oberfläche zu schöpfen; der Neugierige brauchte nur die Menschen etwas zu beobachten und ihr Verhalten mit den Forderungen des Gesetzes zu vergleichen.

Was tat David für sich und seine Männer, als er in Not war und was hat das zu bedeuten? – Gerne will ich in der Betrachtung der nächsten Verse näher darauf eingehen.

Vers 26

Wie er in das Haus Gottes ging zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und die Schaubrote ass, die ausser den Priestern niemand essen darf, und auch denen gab, die bei ihm waren?   Mk 2,26

Wie vorausgehend schon erwähnt, sieht das geistliche Auge im Gesetz die Liebe Gottes. Die Pharisäer dachten  hingegen sogar, dass Gott die Einhaltung des Gesetzes und den reinen Buchstaben über das menschliche Leben stellt. So will der Teufel Gott Lieblosigkeiten andichten. Auch heute denken leider viele Menschen so über Gott.

Als David in echter Not war und nur noch die Schaubrote im Hause Gottes vorhanden waren, ass David diese und gab davon seinen Gefährten. Dass diese Brote nach dem Gesetz nur für die Priester bestimmt waren, wusste er und falls nicht, hätte es ihm der Priester Abjatar gesagt. David kannte aber das Herz Gottes; er wusste, dass Gott all das Unvermögen der Menschen auffängt. Wie Gott das tut und wie Er die Gerechtigkeit und den Frieden in Einklang bringt, wusste er nicht mit Sicherheit. David wusste aber, dass es Gott schaffen wird, wie es in einem Psalm erwähnt ist (Ps 85,11). Im Mangel nahm David die Schaubrote und verletzte, äusserlich gesehen, das Gebot Gottes, denn Gott sah die Brote nur für die Priester vor, wie es der Allmächtige in der Person von Christus an dieser Stelle selber bestätigte (siehe auch 3. Mo 24,9).

Nach dem Inneren gesehen, stimmte Davids Herz; er hätte nie davon genommen, wenn er nicht in Not gewesen wäre. Daher steht seine Tat nicht als Präjudiz (Musterfall) dafür, dass der Mensch es mit der Einhaltung des Gesetzes nicht so genau nehmen sollte. Für die Gesetzesübertretung, die nach dem Buchstaben genommen geschah und welche Gottes Feinde als Anlass nehmen, Gott als ungerecht darzustellen (wenn er sie nicht ahndet), steht Gott persönlich mit seinem eigenen Leben ein. Dafür springt Christus in die Bresche und lässt für jeden seine Gnade fliessen, die Er durch den Kreuzestod freisetzen kann. Das ist ein grosses Geheimnis, welches auch durch den oben zitierten Psalm angedeutet wird. Der Psalm lautet folgendermassen:

Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst.   Ps 85,11 

Die Welt kann nicht vollbringen, was Gott tun kann: Gott schafft es, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird und trotzdem Frieden (für den Menschen) herrschen darf. Das muss selbst den Teufel verblüfft haben, denn nachdem die Schlange den Menschen in den Abfall verführt hatte, sah es so aus, als ob die Schöpfung Gottes für immer verloren ist. Die Gerechtigkeit Gottes verhinderte nämlich weitere Gemeinschaft mit dem Menschen. Der Teufel hatte es fertiggebracht, Gottes Plan zu durchkreuzen und Gottes Wohlgefallen zu nehmen. So schien es zumindest äusserlich gesehen. Dann tat Gott das Unmögliche: Er brachte den Frieden auf Erden, ohne das Gesetz zu verletzen, obschon das Gesetz Rache und den menschlichen Tod forderte. Indem Er am Kreuz allen menschlichen Mangel auf sich nahm und damit der Gerechtigkeit vollauf Genüge tat, schaffte Er dies.

Leider nehmen viele die Gnadentat Gottes auf die leichte Schulter und sündigen leichtfertig, indem sie denken, Gott sei wie sie, also auch böse und rechne ihnen die Schuld nicht zu, weil Er ja aus ihrer Sicht (auch) ungerecht ist (Ps 50,21). – Das das auf keinen Fall geht, sollten wir jetzt erkannt haben; Gott springt durch Liebe für den Mangel des Menschen ein, nicht für etwaige gewollte oder geduldete innere Bosheit. Daher wird die Sünde des Menschen ohne folgende Reue nicht getilgt; es wird ihm dafür keinen Frieden angeboten (Heb 10,26).

Vers 27

Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um des Sabbats willen;   Mk 2,27   

Der Sabbat und somit das ganze Gesetz, wenn wir auch die Schaubrote in Betracht ziehen, wurde speziell um des Menschen willen geschaffen. Nicht der Mensch soll dem Sabbat dienen; was würde es dem Sabbat bringen? Der Sabbat ist kein Geschöpf mit Leben, dass es ihm etwas bringen würde. Der Sabbat ist lediglich eine Leitlinie, damit der Mensch und sein Vieh eine Zeit zum Ausruhen finden, wie geschrieben steht:

aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst <an ihm> keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore <wohnt>, damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du.   5.Mose 5,14

Der Mann, der wegen Holzauflesens am Sabbat getötet wurde (4. Mo 15,32ff), wurde nicht wegen des Sabbats getötet. Er wurde getötet, weil er die anderen Menschen damit in Gefahr brachte, sich nicht mehr an die Ruhe zu halten. Das hätte den Menschen sehr geschadet.

Der HERR hat alles zum Wohle des Menschen eingerichtet. Der Mensch ist es, der alle Leitlinien Gottes zu seinem eigenen Unglück niederreisst. Gott geht sogar soweit, dass Er, der Schwachheit des Menschen wegen, die Leitlinien zeitweise aufhebt, wie bei David und den Schaubroten. – Was tut der Mensch aber? Er sagt sich, Gott soll alles aufheben, damit er seinem eigenen Willen (und seinem Unglück) freien Lauf geben kann.

Vers 28

somit ist der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbats.  Mk 2,28 

Damit macht der HERR klar, dass Er der Gesetzgeber ist. Er kann es in Kraft setzen, Er kann das Gesetz aufheben; Jesus Christus steht über dem Gesetz und damit über dem Sabbat.

Der HERR hebt das Gesetz auf und springt in die Bresche, wenn der Mensch aus grosser Not den Verpflichtungen nicht nachkommen kann; Er wendet es aber mit Härte an, wenn demgegenüber jemand aus Fahrlässigkeit und Eigenwillen es mit Füssen tritt.

Kapitel 3

Vers 1

Und er ging wieder in die Synagoge; und es war dort ein Mensch, der eine verdorrte Hand hatte.  Mk 3,1

Wieder in der Synagoge, was andeutet, dass Er dort ein- und ausging, begegnete Er einem Menschen, der eine verdorrte Hand hatte; eine Behinderung, die ihm nicht erlaubte, frei zu sein und das Leben uneingeschränkt zu leben.

Dieser Mensch hatte unheimliches Glück, dem HERRN zu begegnen. Für ihn sprach ausserdem, dass er Gott an einer entsprechenden Stätte suchte. Er begegnete dem HERRN nicht im Hurenhaus oder in einem Spielcasino. Er hatte die Begegnung mit Christus dort, wo man Ihn am ehesten vermuten konnte: Dort wo das Volk pflegte, Gott zu suchen.

Die Synagoge war keine aus dem Gesetz entnommene Begegnungsstätte mit Gott. Es war ein Haus der Menschen, das für Gebete, Schriftlesungen und sonstige Begegnungen mit dem Höchsten erbaut worden war; schliesslich konnte nicht jeder Israelit zu jeder Zeit nach Jerusalem zur gottgegebenen Anbetungsstätte pilgern. Christus anerkannte die Synagogen als Begegnungsstätten, las darin vor und lehrte in diesen Gebäuden.

Liebe Leserin und lieber Leser! Wo suchen Sie den HERRN? – Wir werden Ihm nicht in Spielbanken begegnen, auch nicht in lauten Vergnügungsvierteln. Der HERR ist nicht ohne Weiteres überall zu finden, das weiss der wahrhaftig suchende Mensch. Sollten Sie sich in Trübsal befinden, suchen Sie nicht Trost in der Flasche oder der Ablenkung. Ablenkung vom Elend kann kurzfristig hilfreich sein, das Elend aus der Welt schaffen kann aber nur der HERR, der aufrichtig gesucht werden will (1. Chr 28,9; 2. Chr 15,2; Jer 29,12ff; Mt 7,8). Wenn Sie Ihn gefunden haben, wird er Ihnen echter Trost sein. Er allein kann so trösten, dass das Elend wirklich weichen muss. Sie sind bei Ihm nicht nur für eine kleine Zeit abgelenkt, um nachher wieder der unverminderten Härte des schrecklichen Schicksals ausgesetzt zu sein.

Vers 2

Und sie lauerten auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten.   Mk 3,2 

Hier lesen wir völlig Unglaubliches! Sie lauerten auf Ihn, um einen Anklagegrund zu finden! Sie lauerten dem auf, der ihre eigene Rettung – ja, ihr eigenes Leben! war. Christus gab aller Menschheit den Odem, durch ihn wurde alles geschaffen und hat heute noch alles Bestand, durch Ihn allein (Kol 1,17)!

Aber so sind die Menschen. Wer jemanden weg haben will, beobachtet diesen ganz genau. Wenn dieser dann einmal einen (kleinen) Fehler macht, nimmt der böse Beobachter den Patzer als Aufhänger, um die Person als völlig böse hinzustellen. Der Mensch sucht eben Rechtfertigungen für seine eigene Bosheit. Wenn den Menschen jemand begegnet, der Gott durch einen guten Lebenswandel Zeugnis ablegt, so suchen sie diesen zu verunglimpfen, weil dieser durch seinen guten Wandel die Gottlosen verurteilt. Deshalb soll ein solcher böser dargestellt werden, als die Heiden (die Nationen) selber sind.

Bei Christus, der keinen einzigen Fehler machte (1. Petr 1,19), hatten die Beobachter natürlich ihre liebe Mühe, Ihm etwas anzuhängen. Weil sie nichts Konkretes anführen konnten, mussten sie plausible Gründe finden, zumindest für das in Sachen Gottes ungebildete Volk (Hos 4,6), um Christus anzuschwärzen.

Vers 3

Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf <und tritt> in die Mitte!   Mk 3,3

Christus wusste genau vom bösen Spiel seiner Ankläger. Er hatte längst Kenntnis davon, dass sie Ihm auflauerten, sonst wäre Er nicht so vorgegangen, wie wir nachfolgend sehen. Mit der Handlung in diesem und den folgenden Versen stellt Er ihnen ihre Bosheit vor Augen. Alle sollten sehen und hören, wie vermessen sie gegen ihren Schöpfer-Gott handelten, damit sie sich ernsthafte Gedanken zur Umkehr machen konnten.

Wer in der Zurückhaltung Gottes, der Gnadenzeit, Böses tut, aber noch rechtzeitig aufrichtig umkehrt, wird doch noch gerettet werden. Wer aber fortwährend von der Busse absieht, obschon ihm seine Taten von Gott so deutlich vor die Augen geführt werden, der wird seine Schuld tragen müssen, und das wird furchtbar sein (Heb 10,31)! Amen.

Vers 4

Und er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen.   Mk 3,4   

Die mögliche gute Tat Gottes steht jetzt im Zentrum; Christus forderte den Mann auf, in die Mitte zu stehen. Dann forderte er diejenigen auf, die Ihm auflauern und richtete den moralischen Scheinwerfer auf ihre Herzen mit der Frage: „Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten oder zu töten?“ – Interessant ist in der Frage der Umstand, dass Christus das Unterlassen der Hilfeleistung als böse taxiert, denn das wird von den Menschen oft vergessen. Lieber hätten die ach so frommen Juden – auch wenn sie heilen gekonnt hätten – den Mann krank sein lassen, da sie sich im frommen Wahn sagten, sie dürften am Sabbat nichts Gutes tun. Umgekehrt tolerierten sie der Aussage Christi gemäss, am Sabbat Böses zu tun, indem sie vor den Elenden und Kranken die Augen verschlossen hätten. Für einen geistlich sehenden Menschen ist klar, dass die Liebe Gottes niemandem aufgrund eines speziellen Tages (z. B. wegen eines Sabbats) darben lässt. Das sehen wir am Beispiel Christi, welcher den Menschen an allen Tagen Gutes zukommen liess.

Wie verblendet kann der Mensch sein? Ist das nicht erstaunlich? Kein Wunder spricht der HERR bei Sehenden von Blinden (Mt 15,14). Selbstgerechte Menschen wie jene stolpern wie Blinde über die klar und offen vor ihnen liegenden Wahrheiten. Obschon sie da sind und unmittelbar vor den Augen liegen, können sie sie nicht erkennen.

Wir sind nicht besser, wenn wir uns nicht vom HERRN leiten lassen. In der Gottesferne kann uns der Teufel geistlich so erblinden lassen, dass wir gar nichts mehr so sehen, wie es gesehen werden sollte. Dann sind wir imstande, genau das Gegenteil des Geforderten zu tun, ob wir es glauben oder nicht, und sind dabei noch der Ansicht, wir seien vor Gott in Ordnung. – Ich könnte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, darüber einige Geschichten von ehemals gottesfürchtigen und guten Werkzeugen des HERRN erzählen, die heute nutzlos und eine Last für die Gemeinde sind. Aber das ist gar nicht nötig, die Bibel führt genügend Beispiele an, um vor solcher Blindheit zu warnen. Als Beispiel führe ich den weisesten König, der je lebte, das ist Salomo, an, welcher geistlich erblindete, wo er sich durch seine vielen Frauen zum Götzendienst hin verführen liess.

Vers 5

Und er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die Verhärtung ihres Herzens, und spricht zu dem Menschen: Strecke die Hand aus! Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt.   Mk 3,5

Mit berechtigtem Zorn blickte Christus auf sie, welcher in der Absicht kam, für die Unzulänglichkeiten der Menschen sein Leben zu lassen. Da standen nicht Menschen mit lediglich einigen Schwächen; da standen Menschen, die vorsätzliche Bosheit pflegten und sich dabei noch im Recht dünkten. Diese Menschen waren nicht einfach nur kraftlos und von Natur aus unfähig, das Gesetz zu halten. Hier hatte Er es mit solchen zu tun, die auf ihren Vater, den Teufel, hörten und damit seine üble Natur in sich festigten (Joh 8,44). Damit wurde ihr Herz hart und lieblos. Dem Halten des Gesetzes widmeten sie sich äusserlich, doch im Herzen hätten sie beispielsweise den Menschen mit der kranken Hand am Sabbat kaltherzig ignoriert und damit die Nächstenliebe mit Füssen getreten. Ihr Gottesdienst war vergeblich, weil sie äusserlich den Anschein von Frömmigkeit annahmen, innerlich aber böser waren als das übrige Volk, das es nicht nötig hatte, sich als Heuchler zu tarnen. Das Neue Testament bestätigt im Übrigen die alttestamentlichen Propheten (Jes 66,3; Hag 2,14):

Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist vergeblich.   Jak 1,26 

Gott sei Dank, dass Christus immer wieder am Sabbat heilte! Er zeigt damit die Gnade Gottes und die Wahrheit, dass das Gesetz für den Menschen und nicht der Mensch für das Gesetz ist. Der Mensch ist nicht für Gott dazu geschaffen, das Gesetz – wie die Uhr die Zeit – abzuspulen. Der Mensch ist da, um zu leben und das Gesetz soll ihm eine Hilfe dazu sein. Dort, wo es zu hoch ist, hilft Gott dem Menschen, dass es trotzdem klappt.

Danach schritt Christus zur Tat und wurde uns auch im Punkt zum Vorbild, dass die innere Einstellung Taten zur Folge haben sollte. Wir können nicht Nächstenliebe predigen und uns verhalten wie die Pharisäer damals. Wir können nicht von Mitgefühl reden, wenn wir das Leid unbeachtet lassen. Wir können uns nicht Diener Christi nennen, wenn wir den Priesterdienst (z. B. die Fürbitte) unverrichtet lassen.

Vers 6

Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten mit den Herodianern sofort Rat gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten.   Mk 3,6

Anstatt Gott und die Zeichen der Zeit zu erkennen, hielten die Pharisäer sofort Rat mit den Anhängern eines weltlichen Machthabers, wie sie Christus umbringen könnten! Die religiöse Elite des Volkes Gottes wollte Ihn, der Fleisch wurde, nicht nur verwerfen; nein, sie wollte Ihn töten und dabei sogar keine Zeit verlieren! – Mir fehlen die Worte, um diese abgrundtiefe Bosheit zu umschreiben! Und trotzdem darf ich mich nicht allzu sehr darüber ereifern, weil ich weiss, was in mir wohnt! Würde ich der alten Natur in mir freien Lauf lassen, und würde ich ihr erlauben, sich voll und ungehindert zu entfalten, so würde ich den Pharisäern gleich werden, denn die alte Natur ist gegen Gott gerichtet, wie wir es im Brief an die Römer vermittelt bekommen (z. B. Rö 7,18; Rö 8,8; siehe auch Gal 5,17; 1. Petr 2,11).

Obschon die Pharisäer peinlich genau auf die Reinhaltung achteten und sich deshalb fernab von Menschen mit fremder Abstammung hielten (Joh 18,28), kamen ihnen, ungeachtet dessen, die Anhänger der Welt (die Herodianer waren Anhänger des ungerechten Herodes) gerade recht, sich mit ihnen zu verbünden, um Christus zu Tode zu bringen.

Vers 7

Und Jesus entwich mit seinen Jüngern an den See; und es folgte eine grosse Menge von Galiläa und von Judäa  Mk 3,7 

Christus Jesus, durch den das ganze Universum wurde, wich seinen Verfolgern aus, obschon Er ihnen mit total überlegener Kraft voll ins Angesicht hätte widerstehen können (Mt 26,53). Wie Er sagte, hatte Er hienieden keinen Platz, wo Er sein Haupt hat hinlegen können (Mt 8,20). Von Anfang an war Er auf seiner Erde unerwünscht. Man hasste Ihn ohne Ursache (Ps 119,161).

Seine Anziehungskraft blieb aber ungebrochen gross. Die Menschen spürten seine Kraft, die Er gerne mit seinen Geschöpfen teilte: Wer immer einen Mangel hatte, wusste, dass eine Begegnung mit Christus allumfassend heilend war (Lk 8,43ff).

Vers 8

und von Jerusalem und von Idumäa und <von> jenseits des Jordan und <von der Gegend> rings um Tyrus und Sidon, eine grosse Menge; da sie hörten, wieviel er tat, kamen sie zu ihm.   Mk 3,8

Galiläa, das Land, das im vorausgehenden Vers erwähnt wird, liegt westlich vom See Genezareth. Judäa und Idumäa lagen nordwestlich bzw. westlich vom Toten Meer. Die Menschen kamen aber auch von Osten, also von jenseits des Jordans sowie aus der Gegend von Tyrus und Sidon, welche nordwestlich vom See Genezareth lagen. Der Heilige Geist zeigt uns mit diesen präzisen Ortsangaben, dass die Menschen von allen Seiten zu Christus strömten. Sie kamen aus jüdisch bevölkerten Gebieten wie auch aus von Heiden bewohnten. In Galiläa waren beispielsweise Menschen aus fremden Nationen ansässig, da nach der Deportation von Menschen aus den nördlichen Stämmen Israels sich dort Heiden ansiedelten.

Vers 9

Und er sagte seinen Jüngern, dass ihm wegen der Volksmenge ein Boot bereitgehalten werden sollte, damit sie ihn nicht drängten.    Mk 3,9

Alles was Jesus tat, war perfekt, auch die Sache mit dem Boot. Er war nicht einfach ein grosser Prophet; die Menschen der Stadt Nain hatten recht, als sie sagten: „Gott hat sein Volk besucht (Lk 7,16).“ – Wir Menschen können in einigen Punkten besser sein als in anderen, je nach unseren Fähigkeiten und Talenten. Manchmal wird Jesus von den Menschen auch so „gemessen“ bzw. beurteilt. Eine solche Beurteilung grenzt an Gotteslästerung oder offenbart zumindest totale Unkenntnis über seine Person. Christus, durch den Flora und Fauna – überhaupt das ganze Universum wurde, ist Gott. Daher hat Gott sein Volk besucht, als Er unter den Menschen wandelte! Daran gibt es überhaupt nichts zu zweifeln (Joh 1,1 u. v. a.)!

Dieser Vers zeigt uns ein kleines praktisches Beispiel, wo Er die orthographischen Verhältnisse – im Beispiel den See – nutzte, um freier sprechen zu können, ohne vom Volk gedrängt zu werden.

Vielleicht finden Sie dieses praktische Beispiel zu banal und einfach. Erlauben Sie mir an dieser Stelle aber noch zu bemerken, dass Christus seine Herrlichkeit stark zurückhielt. Er offenbarte auf der Erde lediglich Gottes Herrlichkeit in moralischer Hinsicht (Joh 13,31). Schliesslich musste Er sich zurückhalten in Sachen der Herrlichkeit; die Menschen hätten Gottes Glanz und Reinheit im vollen Ausmass nicht ertragen können! Wer hätte dann am Leben bleiben können (2. Mo 33,20)? – Wenn Gott sich später im vollen Umfang zeigt, wie Er ist, wird jeder Mensch zustimmen, dass Gott in allem perfekt ist! Amen.

Vers 10

Denn er heilte viele, so dass alle, die Leiden hatten, sich auf ihn stürzten, um ihn anzurühren.   Mk 3,10 

Anbei haben wir die nähere Erklärung, wozu Er ein Boot brauchte. Viele von den Leidenden, von denen die meisten Christus nicht kannten, konnten nur so weit denken: „Ich muss ihn anrühren, egal wie!“ Schlussendlich war in ihrem Interesse an allererster Stelle der Wunsch, die Leiden loszuwerden. Ohne Boot hätte Christus daher nicht frei sprechen und in Würde den Dienst Gottes ausüben können. Vielmehr hätten sich um Ihn herum Szenen des Chaos abgespielt. So nahm Christus ein Boot, liess sich einige Meter vom Land wegfahren und konnte souverän lehren und Kranke heilen, ohne dass sie sich auf Ihn stürzten, einen nach dem anderen. Er heilte sie sowieso; Er heilte alle, die zu Ihm kamen (Mt 8,16; Mt 12,15; Lk 4,40; 6,19). Deshalb brauchte bzw. braucht es heute noch bei Ihm weder ein Drängeln, noch Angst, mit leeren Händen fortgeschickt zu werden.

Vers 11

Und wenn die unreinen Geister ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes.   Mk 3,11 

Was hätten die unreinen Geister vor der himmlischen Majestät anderes tun sollen? – Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Irgendjemand hätte sie überredet, gegen einen ihm feindgesinnten Gegner zu kämpfen. Sie gehen mit dieser Person aufs Schlachtfeld und stehen plötzlich vor dem Gegner, der so mächtig ist, dass der Himmel und die Erde vor Ihm entfliehen (Offb 20,11). Dann werden Sie sich gewahr, dass man Sie überredet hat, mit einer Steinschleuder ausgerüstet gegen eine Panzerdivision zu kämpfen. Oder Sie sollten mit einem Ruderboot und einem Stock bewaffnet, gegen einen Flugzeugträger mit anderen Begleit-Kampfschiffen im Konvoi antreten. – Sie werden, wenn Sie die Kampfkraft des Gegners sehen, auf den Knien um Ihr Leben betteln, wobei diese Beispiele immer noch sehr untertrieben sind im Blick auf die Stärke des HERRN! Der Himmel und die Erde müssen nicht fliehen, auch wenn alle Armeen der Welt auffahren; vor der Herrlichkeit und Stärke des HERRN werden sie es aber tun müssen (Offb 20,11)!

Was haben wir für einen erhabenen HERRN! Was ist Er für ein mächtiger Kämpfer! – Ja, Er wird sich bei seiner Wiederkunft nicht mehr in Windeln gewickelt sein und sich später nicht mehr ans Kreuz schlagen lassen. Er wird mit seinen Widersachern abrechnen, da sie seine Gnade verworfen haben! Und niemand wird sich Ihm in den Weg stellen, sondern jeder muss bekennen, wer und was Er ist!

Wenn Sie den HERRN noch nicht so gekannt haben, liebe Leserin und lieber Leser, dann hoffe ich, dass ich Ihnen mit dieser schwachen Veranschaulichung etwas von der Stärke und Majestät des HERRN habe darstellen können. Es würde mich freuen, wenn Ihnen das etwas hilft, Ihr ganzes Vertrauen in Ihn zu setzen (Ps 26,1; Ps 62,9; Ps 84,13; Ps 112,7; Spr 16,20; Spr 29,25; Jes 26,4; Jer 17,7; u. v. a.). Amen.

Vers 12

Und er bedrohte sie sehr, dass sie ihn nicht offenbar machten.   Mk 3,12 

Die Geister konnten nichts anderes machen, als vor Ihm zu schreien und zu betteln (Lk 8,31). Durch diese Begegnungen deckten sie seine wahre Identität auf, ob Er damit einverstanden war oder nicht. Der HERR offenbart sich nämlich nur dem, dem Er sich offenbaren will, nicht jedermann. Ausserdem hatte Er es überhaupt nicht nötig, dass Ihn die falsche Partei ankündigt bzw. verkündigt. Die Bösen unter den Menschen sollten verblendet bleiben, da sie einer Rettung nicht würdig waren (Mt 13,15). Um daher die Offenbarung seiner Person weiter selber zu kontrollieren, bedrohte Er die Geister, dass sie in Bezug auf Ihn schweigen mussten.

Vers 13

Und er steigt auf den Berg und ruft zu sich, die er wollte. Und sie kamen zu ihm;   Mk 3,13

An dieser Stelle steht, dass Er die rief, die Er wollte. An einer anderen Stelle heisst es, dass Er die annahm, die Ihm sein Vater gegeben hat (Joh 17,6). Dies widerspricht sich in keiner Weise, denn in der Eigenschaft als vollwertiger Mensch erhielt Er die Jünger vom Vater zugewiesen, in der Eigenschaft als Gott wählte Er sie selber aus. Er und der Vater sind eins.

Vers 14

und er berief zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu predigen   Mk 3,14 

Seine engsten Mitarbeiter sollen nicht nur predigen, „damit sie bei ihm seien“ wird vorangestellt. Oft wird dieser Aspekt zu wenig gewichtet. Das der Mitarbeiter predigen soll, ist den Christen bekannt und auch richtig (Mt 28,18ff). Aber dass wir nicht nur für die Verkündigung allein berufen werden, wird manchmal vergessen. Der Heilige Geist stellt an dieser Stelle das „damit sie bei ihm seien“ vor den Missionsbefehl. Und wir sehen, dass die wahren Mitarbeiter wirklich dort sind, wo Christus ist.

Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach! Und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein. Wenn mir jemand dient, so wird der Vater ihn ehren.   Joh 12,26 

Wirkliche Diener haben erkannt, um was es geht. Sie laufen nicht einfach drauflos, sie warten, bis Christus sich aufmacht und gehen dann mit Ihm, damit sie in erster Linie das „bei ihm seien“ wahrnehmen. Der Missionsbefehl wird im Gleichschritt mit Christus dann mehr oder weniger automatisch wahrgenommen.

Vers 15

und Vollmacht zu haben, die Dämonen auszutreiben.   Mk 3,15  

Die Zwölf hatten gewisse Vorzüge. Sie wurden vom Meister persönlich unterwiesen. Auch waren sie besonders befähigt; was ihnen gegeben war, dürfen wir nicht als uns ebenfalls gegeben betrachten. Die Apostel konnten Zeichen und Wunder tun (Apg 5,12). Wer das nicht konnte, galt nicht als Apostel bzw. konnte als falscher entlarvt werden, denn die Apostel wurden auch dadurch als solche bestätigt, wie wir im 2. Korintherbrief nachlesen können (2. Kor 12,12).

Mit dieser Feststellung will ich heute besonders befähigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinesfalls die Gaben absprechen. Ich sage damit nur, dass die Apostel die Gabe zu Machttaten hatten. Die Christen nach ihnen können diese nicht zwingend für sich beanspruchen. Der Geist teilt die Geistesgaben den Geschwistern so aus, wie Er will (1. Kor 12,11). Nicht jeder wird wie die Apostel zu Machttaten befähigt.

Vers 16

Und er berief die Zwölf, und er gab dem Simon den Beinamen Petrus;   Mk 3,16 

Jesus berief also nun die Zwölf, seine Apostel. Dem Simon gab Er den Beinamen Petrus. Petrus bedeutet übersetzt Stein. Gerne wird Petrus mit Fels übersetzt. Einige wollen dahinter einen gewaltigen Felsen sehen, auf dem die Kirche festgegründet steht und denken daran an die Stelle im Mt 16,18 um die Theologie der Katholischen Kirche zu stützen:

Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.   Mt 16,18  

Die katholische Lehre irrt sich jedoch. Auch in diesem Vers bleibt Petrus der Stein (nicht der Fels). Der Fels, der tatsächlich im Vers erwähnt wird, ist Christus selber. Christen sind lebendige Steine, die das Haus Gottes ausmachen. Dieses Haus steht auf der Grundlage Christi, das ist Gottes. Durch sein Fundament steht das Haus sicher, es steht nicht sicher auf der Grundlage eines einzigen Steines. Der im Vers erwähnte Stein, Petrus, fehlte selbst mehr als einmal und ich bin überzeugt, dass uns der HERR das offenbart hat, damit wir den Unterschied zwischen einem Stein und dem ewigen Felsen machen können. Petrus verleugnete Christus in dessen schwersten Stunde. Nicht einmal verleugnete er Ihn, sondern dreimal. Dazu kam, dass er im entsprechenden Umfeld bzw. Atmosphäre erneut umkippte (siehe Gal 2,12ff).

Die Gemeinde braucht Christus, den Felsen, als Fundament. Auf dieses Fundament wird mit Steinen, lebendigen Steinen gebaut. Die ersten waren die Apostel, doch auch wir sind solche lebendige Steine, die Gott für den Bau seines Hauses verwendet (1. Petr 2,5). Diese Aussage kommt sogar aus dem Mund des Petrus selbst, der inzwischen genau wusste, wie Gott baut und es in der Folge so in seinem Brief weitergab.

Vers 17

und Jakobus, den <Sohn> des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und er gab ihnen den Beinamen Boanerges, das ist Söhne des Donners;   Mk 3,17

Diese drei ersterwähnten Apostel, Petrus und die Söhne des Donners, repräsentieren die Überwinder unter den Christen. Obschon sie auch Schwächen hatten, wurden sie als einzige für würdig befunden, auch in besonderen Situationen dabei zu sein. Sie allein waren mit Christus auf dem Berg der Verklärung (Mt 17,1ff). Die anderen neun standen im Unvermögen unten am Fusse des Berges (Mt 17,16). Auch durften nur die drei aus den Jüngern dabei sein, als der HERR die Tochter des Synagogenvorstehers aufweckte (Lk 8,51). Und sogar in der Stunde seiner grossen Angst, suchte Christus die Gemeinschaft zu ihnen besonders (Mk 14,33).

Daraus ist ersichtlich, dass die Mehrzahl der Christen im Unvermögen, ja sogar im latenten Abfall wandeln. Nur wenige setzen alles auf Christus, genau wie im Beispiel vom Volk Israel, das uns über Jahrhunderte nichts anderes im Bild erzählt. Immer war es nur ein kleiner Überrest, der wirklich zum HERRN stand. Andere beteuerten zwar lautstark die Zugehörigkeit zu Gott, wenn sie dann aber diesbezüglich getestet wurden, fielen sie ab. Das beste Beispiel dazu liefern die nördlichen Stämme, wo es um David geht, welcher sinnbildlich für Christus steht. Zuerst stritten sie sich mit denen aus dem Stamm Juda, wem denn er König zu grösseren Teilen gehören sollte. Dann kam der Test Gottes: Ein zufällig dastehender Unbewährter, das war Scheba, ein ruchloser Mann (David war hingegen bewährt für Israel), rief sich selbst als Leiter aus, worauf ihm die nördlichen Stämme sofort nachfolgten und David im selben Augenblick vergassen (2. Sam 19,42 – 2. Sam 20,2). Wie die nördlichen Stämme „sehr“ an David hingen, hängen heutzutage leider viele Christen nur mit einem seidenen Faden am HERRN. Viele fallen bei zufällig aufkommenden und dazu üblen Gelegenheiten einfach ab.

Christus ist indessen auf der Suche nach dem bewährten Überrest. Das ist in der Offenbarung deutlich ersichtlich. Immer wieder spricht er das Überwinden der Welt an und gibt zugleich spezielle Verheissungen für solche, die sein Wort bis ans Ende bewahren (Offb 2,7.11.17.26; 3,5.12.21; 21,7). Wer nicht überwindet, wird grosse Einbussen und Schmach hinnehmen müssen, dass er nicht geglaubt hat (1. Kor 3,15) und wird als Strafe unter die äussere Vollstreckung des Urteils über die Welt kommen (1. Kor 11,32).

Vers 18

und Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den <Sohn> des Alphäus, und Thaddäus und Simon, den Kananäer,   Mk 3,18

In der zweiten Aufzählung werden die allgemeinen Jünger erwähnt, welche noch eher durch Unglauben auffielen (z. B. Joh 20,24ff). Die ersten drei verhielten sich zwar auch nicht immer vorbildlich, trotzdem stachen sie hervor und stehen symbolisch für die Überwinder. Ich verneine damit nicht, dass die anderen acht Jünger (Judas ausgenommen) effektiv zu Überwindern wurden; dies kann sehr wohl angenommen werden, weil Christus sie unter die zukünftig Mitherrschenden zählt (Mt 19,28). Symbolisch stehen sie aber für die breite Masse der Christen, welche zurzeit in einem sehr schlechten Zustand ist und die Annahme gerechtfertigt ist, dass diese die Belohnung aus den Händen gegeben hat (Offb 3,11).

Vers 19

und Judas Iskariot, der ihn auch überlieferte.   Mk 3,19 

Zum Schluss – sehen Sie, wie der Heilige Geist die moralischen Zustände klar trennt? – kommt die Erwähnung Judas‘, welcher Ihn überlieferte. Judas ist der Letzte in der Aufzählung, wie er das auch im Blick auf die Beziehung zu Christus war. Wie gegensätzlich war Johannes im Blick auf Judas, welcher nicht von Jesu Seite wich (Joh 13,23), während Judas in seinem Herzen vorgenommen hatte, seinen Herrn für läppische 30 Silberlinge zu verraten.

Vers 20

Und er kommt in ein Haus. Und wieder kommt die Volksmenge zusammen, so dass sie nicht einmal Brot essen konnten.   Mk 3,20

Christus, der Diener Gottes, hatte nicht einmal Zeit für seine persönlichen Bedürfnisse. Nach der Berufung der Jünger ging es Schlag auf Schlag weiter; es blieb nicht einmal Zeit zu essen.

Obschon Ihm bereits extremer Unglaube und böse Einstellungen der Volksführer entgegen schlugen, blieb Er dem Auftrag des Vaters in allen Punkten treu. Er sagte nicht: „Einverstanden, wenn ihr nicht wollt, habt ihr gehabt. Ich werde nichts mehr für euch tun.“ Deshalb wird hier erläutert, dass Er weiterhin Hausbesuche machte. Er legte um unserer Rettung willen alle seine erhabenen Rechte beiseite und liess sich für das undankbare und böse Menschengeschlecht, das sind wir, noch weiter herab.

Vers 21

Und als seine Angehörigen es hörten, gingen sie los, um ihn zu greifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.   Mk 3,21

Die Angehörigen Jesu urteilten gemäss der Weise der Welt, nicht geistlich rational. Wer nicht an Gott und seinen Plan mit der Welt und das Gericht glaubte; - für einen solchen Menschen machte Christi Auftritt überhaupt keinen Sinn. Weshalb sollte Er sich diese Mühen machen? Die Menschen wissen ja schon, wie zu leben ist? Was will denn dieser die Menschen lehren? So dachten Ungläubige damals und so glauben Ungläubige heute.

Wir, die glauben, wissen, weshalb Er sich diese Mühen machte. Christus wusste genau, dass die Menschen auf dem Weg in den Abgrund waren und setzte alles ein, um sie zu retten. Die Menschen mussten zur Einsicht ihres üblen Weges kommen und zum Glauben an den, der sein Leben für sie als Kaufpreis aufgab.

Leider waren sogar seine nächsten Angehörigen ungläubig, wie wir wissen (Joh 7,5). Sie wollten ihn greifen und vor „Schaden“ bewahren. Wie sie damals, wollen uns ungläubige Angehörige zur „Vernunft“ bringen, wenn sie sehen, dass wir uns durch den Glauben an Gott im Beruf oder in der Gesellschaft mögliche Nachteile einfahren, obschon wir im Leben des echten Glaubens den Menschen nur Gutes zukommen lassen. Ein wahrer Christ heiligt keinen Krieg gegen die Ungläubigen. Er wendet sich vielmehr für sie auf, denn er wandelt in den Spuren Christi. Was die katholische Kirche beispielsweise mit den Kreuzzügen tat, entbehrte jeglicher biblischen Grundlage. Menschen, die meinen, andere mit Waffengewalt bekehren oder „umpolen“ zu müssen, haben keine gottgegebene Basis. Gottes Ruf an die Menschen war seit jeher lieblich. Sein Gericht ist jedoch furchtbar! Amen.

Vers 22

Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.   Mk 3,22

Die Vorsteher der Juden, die Pharisäer und Schriftgelehrten – vor allem jene aus Jerusalem, dem religiösen Zentrum – interessierten sich ebenfalls für die Tätigkeiten Christi, die Er in Gottes Namen vollbrachte. Denn noch nie konnte ein Prophet Dinge tun, wie sie Christus tat. Christus liess Johannes dem Täufer selbst ausrichten, dass Er Gott ist, der kommen wird (Mt 11,2-6).

4 Sagt zu denen, die ein ängstliches Herz haben: Seid stark, fürchtet euch nicht! Siehe, <da ist> euer Gott, Rache kommt, die Vergeltung Gottes! Er selbst kommt und wird euch retten.  
5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet.   Jes 35,4.5

Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren nicht dumm. Sie konnten Herodes schriftgemäss sagen, dass der Christus aus Betlehem kommen wird (Mt 2,4.5).

Mit demütigem Herzen hätten sie schnell erkannt, mit wem sie es hier zu tun hatten. Ihr Problem war der Neid. Das Volk hängte mehr an Ihm als an ihnen. Das hielt ihnen Christus auch vor mit dem Gleichnis der Weingärtner (Mt 21,38), indem Er ihnen offen sagte, dass sie wussten wer Er war, Ihn jedoch nicht als das anerkennen wollten.

An dieser Stelle verunglimpften sie Ihn zum ersten Mal in diesem Buch bereits aufs Übelste. Anstatt Ihm die Gottheit zuzugestehen, machen sie Ihn zum Verbündeten von Beelzebul, dem Obersten der Dämonen.

Vers 23

Und er rief sie zu sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann Satan den Satan austreiben?  Mk 3,23

Trotz der infamen Beleidigung seitens der Schriftgelehrten aus Jerusalem, nahm Er sich Zeit für sie, indem Er ihnen ihre Aussage reflektierte. „Wie kann Satan den Satan austreiben?“, fragte Er sie. – Soll eine Armee im Kampf gegen eine andere eigene Reihen im Bruderkrieg ausdünnen? Sollen Flugzeuge der Navy den eigenen Flugzeugträger beschiessen? – Beides würde das Ende der sich selber bekämpfenden Kriegspartei bedeuten.

Die Schriftgelehrten scheuten sich nicht, Christus mit solch absurden Behauptungen zu verleumden. Trotzdem gab Er ihnen eine Chance und verwarf sie vorerst nicht, obschon ihre Bosheit die Grenzen des Erträglichen längst überschritten hatten. Blenden wir zurück: Christus vollbrachte eine Wohltat an der anderen, weckte sogar Tote auf, um die Menschen zu trösten. Dann kommen Besserwisser aus dem religiösen Zentrum, das war Jerusalem, und unterstellten Ihm einen Pakt mit dem Teufel, der ein Menschenmörder ist (Joh 8,44).

Vers 24

Und wenn ein Reich mit sich selbst entzweit ist, kann dieses Reich nicht bestehen.   Mk 3,24  

Im vorausgehenden Kommentar habe ich die Aussage Jesu bereits vorweggenommen; so absurd die Behauptung der Schriftgelehrten war, so klar kommt die Antwort Christi darauf: Ein mit sich selbst entzweites Reich kann nicht bestehen. – Wer hätte besser darauf antworten können? Christus, ohne den nichts erschaffen wurde, kennt alle Zusammenhänge im Universum am besten!

Vers 25

Und wenn ein Haus mit sich selbst entzweit ist, wird dieses Haus nicht bestehen können.  Mk 3,25  

Der HERR führt das Thema noch weiter aus. Es ist im Kleinen, wie im Grossen: Ein entzweites Haus kann nicht bestehen. Es verhält sich wie beim entzweiten Reich. In einem Haus, wo der Vater gegen die Mutter ist oder die Mutter gegen den Vater; schauen Sie sich solche Häuser an, sie haben keinen Bestand. Deren Kinder werden ohne Fundament und ohne soziales Vermögen ins Leben geschickt; in ihrer Erinnerung haben sie nur Zerrüttung, Egoismus und Streit, was ihnen ein verzerrtes Bild des Lebens vermittelt.

Vers 26

Und wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und <mit sich> entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende.  Mk 3,26

Christus lässt an seiner Erklärung keine offenen Fragen. Wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und mit sich selbst entzweit ist, hat er ein Ende. Ich wiederhole die Feststellung Jesu: Dann hat er ein Ende. Das bedeutet, dass es unmöglich ist, mit Beelzebul, dem Obersten der Dämonen, böse Geister auszutreiben.

Die Schriftgelehrten aus Jerusalem sollten das wissen und das herumstehende Volk sollte auf keinen Fall irre geleitet werden.

Vers 27

Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht vorher den Starken gebunden hat, und dann wird er sein Haus berauben.  Mk 3,27

Ab diesem Vers schwenkt Jesus Christus in seinem Gleichnis zu einem weiteren Punkt. Zuerst beleuchtete Er die Unmöglichkeit, mithilfe von Beelzebul die Gestalten der Finsternis auszutreiben. Hiermit zeigt Er auf, dass Er als völlig abgeschiedene gegnerische Macht auftreten muss bzw. auftritt. Der Starke verteidigt sein Haus nämlich mit allem, was er hat. Der Teufel verteidigt seine Grenzen mit aller Macht, auch mit Beelzebul, welcher auf seiner Seite steht. Wenn Christus nun gegen das Reich des Teufels auftritt, behilft Er sich nicht mit Satans Soldaten bzw. Offizieren. Christus tritt mit seiner eigenen Macht auf und plündert ausschliesslich mit ihr das Reich des Teufels.

Vers 28

Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden und die Lästerungen, mit denen sie auch lästern mögen;   Mk 3,28 

Das ist einer der am meisten entlastenden Verse für Menschen mit Sündenbewusstsein in der Schrift. Wenn ein Mörder, der vorsätzlich mordete, sich echt zu Gott bekehrt und seine Sünden genau so echt bereut, wird ihm vergeben werden. Solange ein Mensch lebt, gibt es theoretisch keinen Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt; der Weg zum Retter-Gott bleibt solange offen. Ich schreibe „theoretisch“, weil dem Menschen nicht gegeben ist, diesbezüglich berechnend zu handeln. Wir können uns nicht sagen, dass wir nach dem siebzigsten Altersjahr zu Gott gehen werden, vorher aber bewusst die mit vielen Sünden behaftete Welt geniessen. Wer weiss schon, wie alt er wird? Viele erreichen nicht einmal vierzig Lebensjahre! Ausserdem wäre eine Bekehrung nach Berechnung nicht echt, da wahre Reue unmittelbar kommt, wenn der Mensch wirklich eine Tat bereut; sie kommt nicht auf einen berechneten Tag. Reue, die auf einen festgesetzten Tag Gott vorgetragen wird, kann Er unmöglich vergeben, weil sie geheuchelt ist. Echte Reue sehen wir im folgenden Vers:

13 Der Zöllner aber stand weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!  
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.   Lk 18,13.14

Solche Aussagen, wie diese des Zöllners, kommen spontan und nicht auf einen von uns dafür berechneten Tag.

Um ein Sündenbewusstsein zu erhalten, müssen wir nicht vorher als Auftragsmörder, Prostituierte oder Bankräuber agiert haben. Auch das immer lächelnde, ältere und brave Mütterchen im Nachbarhaus steht ohne Christus am Gerichtstag mit einem völlig von Sünden besudelten Kleid vor Gott und wird nichts zu ihrer Rechtfertigung sagen können, wie Sie es ohne Christus nicht tun werden können. Kein einziger Mensch kann ohne Fürsprecher, das ist Christus, im Sündengereicht vor Gott bestehen, wie die Schrift ausdrücklich sagt! Oder waren Sie noch nie feige (Offb 21,8)? Oder haben Sie in Ihrem ganzen Leben noch nie gelogen (Offb 22,15)? Kein Mensch ist ohne Sünde (Übertretung des Gesetzes Gottes), wie uns die Schrift sagt (Ps 53,4; Rö 3,10-12). – Dieser Vers schliesst jede Art von Sünde in eine mögliche Vergebung ein, wenn wir in echter Reue darum bitten! So herrlich und barmherzig ist unser Gott! Amen.

Vers 29

wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig; –   Mk 3,29 

Die Sünde wider den Geist ist nichts Mystisches bzw. Unerklärbares. Sie wird schlicht durch eine grundüble Haltung begangen. Wer sagt, dass das Göttliche vom Teufel ist, wie die herangereisten Schriftgelehrten aus Jerusalem, der verbaut sich selber jegliche Möglichkeit zur Vergebung. Wie gesagt, sogar Mord und Lästerungen können vergeben werden; jedoch kann eine solch eingenommene Haltung nicht vergeben werden, weil man sich damit selbst die Tür zur Reue verbarrikadiert.

Jemand, der das Ziehen des Geistes und seine Wirkungen als vom Teufel abtut; wie kann ein solcher zur Vergebung kommen (Mk 4,12)? Ohne Reue gibt es keine Vergebung, diesen Grundsatz finden wir im Kontext (Zusammenhang) der ganzen Bibel. Gott ist kein Allversöhner, der bewusst sündigenden Personen vergibt wie solchen vor Ihn tretenden Menschen, die Ihn in Demut und der Bereitschaft, das Sündigen zu lassen, um Vergebung bitten. Denen wird Er nicht vergeben, die sündigen wollen und das Göttliche als teuflisch abtun – sie lästern über die Wirkungen des Geistes -, wogegen Er denen bereitwillig und gerne vergibt, die Ihn in Demut und echter Reue darum bitten. Amen.

Vers 30

weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.   Mk 3,30 

Blenden wir kurz zurück: Die herangereisten Schriftgelehrten aus Jerusalem sagten, Christus treibe mit dem Beelzebul, dem Obersten der Dämonen – also einem unreinen Geist -, die Dämonen aus. Sie schrieben damit die Wirkungen des Heiligen Geist Gottes dem Teufel zu.

Wem so denkt und handelt, kann nicht vergeben werden, ohne das Wort Gottes als härter erklären zu wollen, als es in Wirklichkeit ist. Wie im vorausgehenden Kommentar beschrieben, verbarrikadieren sich so wie diese Schriftgelehrten eingestellte Menschen die Tür zur Vergebung selbst. Es verhält sich mit ihnen dem entsprechend:

die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten haben den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos gemacht, indem sie sich nicht von ihm taufen liessen.   Lk 7,30  

Wenn Gott etwas wirkt oder ein Mittel zur Busse und folglich der Reinigung von Sünden und zum Heil bereitstellt und einige Menschen schreiben das nicht dem Allmächtigen sondern der anderen, bösen Seite zu, wie die Pharisäer und Gesetzesgelehrten die Taufe Johannes‘ als nicht von Gott verachtet hatten, so machen sie den Ratschluss Gottes (der die Hilfe für die Menschen beinhaltet) für sich selbst wirkungslos. Sie bleiben ohne Hilfe und folglich ohne Vergebung. Wer ohne Vergebung bleibt, bleibt ohne die Reinigung der Sünden.

Sie sehen also, liebe Leserin und lieber Leser, dass die Lästerung des Geistes nichts Mystisches oder Unerklärbares ist. Diese Bibelstelle wird zwar viel diskutiert im Christentum und es herrschen viele Meinungen darüber, wie über ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei braucht es kein aussergewöhnliches Verständnis, um diese Sünde zu verstehen bzw. zu erklären. Es handelt sich um einen gewöhnlichen und natürlichen Vorgang in die falsche Richtung, so leicht erklärbar, wie die Gefährlichkeit einer Geisterfahrt auf der Autobahn leicht ausführbar ist. Es handelt sich dabei schlicht um ein grobfahrlässiges, sehr leichtsinniges und überaus schweres Vergehen.

Vers 31

Und es kommen seine Mutter und seine Brüder; und sie standen draussen, sandten zu ihm und riefen ihn.   Mk 3,31

Diese Begebenheit eröffnete eine für uns bemerkenswerte Aussage Jesu. Der HERR erklärte aufgrund dieser, wen Er als Verwandte ersten Grades, also wie eine Mutter bzw. wie Brüder anerkannte (siehe folgende Verse).

Im 21. Vers sehen wir ausserdem, dass seine Verwandten Ihn greifen wollten, da sie dachten, Er sei von Sinnen. Zum Zeitpunkt brachten sie weder geistliches Verständnis auf noch glaubten sie an Ihn.

Vers 32

Und eine Volksmenge sass um ihn her; sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draussen suchen dich.   Mk 3,32

Die aus der Volksmenge waren selber Menschen mit Familien. Die einen hatten eine eigene Familie, andere waren ein Teil davon. Sie anerkannten die besonderen Verwandtschaftsgrade mit den dazugehörigen Vorrechten. Ein Verwandter ersten Grades soll in der Beziehung zum anderen Verwandten Vorzüge gegenüber weniger bekannten Menschen geniessen dürfen.

Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.   1.Tim 5,8  

Die Heilige Schrift spricht diesbezüglich Klartext, wie wir beispielsweise im erwähnten Vers aus dem Timotheus Brief sehen (1. Tim 5,8). Dies wird im Vers durch das Wort „besonders“ ausdrücklich hervorgestrichen.

Vers 33

Und er antwortete ihnen und spricht: Wer sind meine Mutter und meine Brüder?   Mk 3,33

Mit dieser rhetorischen Frage bereitete Er die Gedanken der Zuhörerschaft auf die Antwort vor, die Er nachfolgend selber gab. – Natürlich wusste Christus, wer seine einzige leibliche Mutter war und wer seine leiblichen Brüder! – Im Folgenden erklärt Christus unsere Möglichkeiten anhand der Veranschaulichung mit der Beziehung zu Verwandten ersten Grades. Damit erläutert Er uns, wen Er in Wirklichkeit als mit Ihm so eng verwandt anerkennen wird.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Er seine engsten Vertrauten nicht einfach als irgendetwas anerkennen wird, Er wird sie sogar als Verwandte ersten Grades anerkennen. Aus anderen Stellen wissen wir, dass wir seine Freunde sein dürfen, wenn wir tun, was Er gebietet (Joh 15,14). Ein Freund zu sein, heisst schon sehr viel, ist aber überhaupt nicht zwingend mit einer Erbschaft verknüpft. Bei engsten Verwandten liegt es am Verwandtschaftsgrad, nicht an der Sympathie, wer erbt und wer nicht (5. Mo 21,15ff). Glückselig die Menschen, die zu den Freunden und engsten Verwandten Christi gerechnet werden!

An vielen Beispielen in der Bibel erklärt uns Gott ausdrücklich, dass die Freundschaft mit Ihm fakultativ (freigestellt) ist. Fakultativ ist für Ihn auch die Übergabe der Erbschaft, wenn wir sie so töricht aus der Hand geben wie Esau (1. Mo 25,32). Grundsätzlich müssen beide Voraussetzungen in der Beziehung zu Ihm erfüllt sein, um in den Status „engster Verwandter“ und „Freund“ kommen zu dürfen, nämlich das Trachten nach diesem Verwandtschaftsgrad (trachten nach dem Reich; siehe auch Heb 11,26) und dem Tun des Willen Gottes (Joh 15,14).

Vers 34

Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder!  Mk 3,34

Spätestens nach der Kenntnisnahme dieser Aussage Jesu wissen wir nochmals bestätigt, dass wir nicht „nur“ seine Freunde werden dürfen. Aus vielen anderen Bibelstellen geht auch hervor, dass Gläubige in die Familie Gottes aufgenommen werden (Rö 8,16.17) und somit zu Erben werden.

Dieser Vers bestätigt das ebenfalls. Er beleuchtet im weiteren den Sachverhalt der allernächsten Verwandtschaft im Zusammenhang der vollen Mündigkeit der Erbberechtigten. Wenn andere Stellen von Kindern Gottes sprechen, also von unmündigen nächsten Verwandten, spricht diese Stelle von deren Mündigkeit. Wenn von Brüdern und Mütter die Rede ist, werden die Betroffenen in etwa derselben Altersstufe oder gar älter angesehen. Christus ruft damit die ganz sicher Eintretende Verteilung des Erbbesitzes in Erinnerung; das Erbe wird kommen und den Berechtigten ausgeteilt werden (Apg 20,32; 26,18; Rö 8,17; Gal 4,7; Eph 1,11; Kol 1,12; Tit 3,7; Heb 9,15; Jak 2,5; Offb 21,7). Kinder Gottes bleiben nicht für immer unmündige Kinder. Sie wachsen zu mündigen Söhnen heran.

Vers 35

Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und <meine> Schwester und <meine> Mutter.   Mk 3,35 

Zusammengefasst bestätigt Christus dem Vater gehorsame Menschen als Brüder und Schwestern, solche, die an seinen Namen glauben. Sie sind Verwandte ersten Grades. Dazu anerkennt Christus uns als seine Freunde, wenn wir tun, was der Vater gebietet. Kind Gottes zu sein berechtigt nicht ohne weiteres zum Status „Freund sein“. Eltern können ihre Sorgen nicht in der Weise mit den (Klein-) Kindern teilen, wie sie das mit echten Freunden tun können, die sie verstehen. Bei erwachsenen Kindern kann sich das zwar ändern, muss es aber nicht. Wir wissen das aus eigener Erfahrung.

Der himmlische Vater hat alles so eingerichtet, dass wir die Möglichkeit haben, Kind und Freund (Jak 2,23) der Gottheit zu werden! Das ist ein unbezahlbares Vorrecht, das allein den Seinen vorbehalten ist! Ungläubige haben weder Teil noch Anrecht noch Gedenken im Reich (Neh 2,20). Amen.

Kapitel 4

Vers 1

Und wieder fing er an, am See zu lehren. Und es versammelt sich eine sehr grosse Volksmenge zu ihm, so dass er in ein Boot stieg und auf dem See sass; und die ganze Volksmenge war am See auf dem Land.   Mk 4,1

Nach diesen lehrreichen Begebenheiten – kaum hatte der HERR seinen Standort geändert – blieb Er dem Auftrag des Vaters treu und fuhr andernorts mit dem Lehren weiter, diesmal am See. Damit Er nicht vom Volk bedrängt wurde und Ihn alle besser hören und verstehen konnten, fuhr Er im Boot wenige Meter weg vom Ufer und lehrte auf dem See sitzend.

Seine Anziehungskraft war weiterhin ungebrochen gross; eine sehr grosse Volksmenge versammelte sich zu Ihm.

Vers 2

Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und er sprach zu ihnen in seiner Lehre:   Mk 4,2 

In seiner vollkommenen Weisheit vermittelte Er die Lehre nicht nach den besten Mitteln weltlicher Bildungskunst. Er vermittelte sie so, dass würdige Menschen seine Worte verstehen konnten und sie demgegenüber bei jenen, die aufgrund ihrer Gesinnung nicht für eine Heilung vorgesehen waren, unverstanden blieben, wie geschrieben steht:

denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.«   Mt 13,15  

Dazu waren die Menschen, die nicht verstanden, in der Regel besser ausgebildet und daher möglicherweise auch schneller im ganzen Denken, da sie höhere Posten belegten und täglich mit komplexeren Aufgaben konfrontiert waren. Die Botschaft des Reiches ist aber für die armen und unedlen Menschen dieser Welt (1. Kor 1,28).

Kein weltlicher Lehrer kann auf die Art so etwas vermitteln, dass Aufnahemeschwächere verstehen und gedanklich Geübte nicht.

Vers 3

Hört! Siehe, der Sämann ging hinaus, um zu säen.    Mk 4,3 

Der HERR wirft den Menschen nicht einfach gleichgültig Lebensregeln hin, so quasi nach dem Motto: „Wenn Du das befolgst, hast Du Glück, wenn nicht, hast Du halt kein Glück in und mit deinem Leben!“ – Der HERR will, dass alle Menschen gerettet werden (Hes 18,23). Aus diesem Anlass spricht Er: „Hört!“ Der Mensch soll auf seine Worte hören. Sie werden nicht einfach als Empfehlungen abgegeben; sie sind die Richtschnur zum Leben! Der Mensch soll sie unbedingt beachten, so dass er nicht verloren geht.

Darauf führt unser HERR das Gleichnis mit dem Säemann aus. Hören wir darauf, und erzählen wir es unseren Nächsten weiter! Es steht da, damit der Mensch daraus seine Lebensentscheidungen ableitet, dass der Mensch die richtigen Vorsätze umsetzt während seiner kurzen Zeit auf dieser Erde. Es wurde nicht gegeben, um nur das Bibelbuch zu füllen!

Vers 4

Und es geschah, indem er säte, fiel das eine an den Weg, und die Vögel kamen und frassen es auf.  Mk 4,4  

Bei Gleichnissen müssen wir beachten, dass sie eine Bildrede darstellen. Es wird ein Sachverhalt anhand eines Beispiels erklärt. Der Erzähler bzw. Lehrer sagt damit: „Schaut her, die Gegebenheit kann man so darstellen, wie wenn ...!“

Wie wir später in der Erklärung Jesu zum Gleichnis sehen werden, ist der Säemann der, der das Wort Gottes austeilt (sät). In aktuellen Fall war es der HERR selbst. Der Säemann schliesst nicht alle anderen Verkündiger aus. Wer das Wort Gottes verkündigt, ist ein Säemann. Es geht nicht um die Person, es geht um die Tat. Wer Gottes Wort verkündigt, ist ein Säemann, wie gesagt.

Als weiteres sollen wir wissen, dass sich die Bibel immer selbst auslegt oder der HERR selber erklärt ein Gleichnis persönlich, wie Er es im Anschluss zu diesem Gleichnis tut. Wenn wir beginnen, die Schrift nach eigenem Gutdünken zu interpretieren, führen wir in der Gemeinde eine üble und von Gott trennende Volksherrschaft (Demokratie) ein. Die Gemeinde in Laodizea zeugt von einer solchen Ordnung, wie ihr Name schon andeutet (Offb 3,14ff). Laodizea heisst übersetzt Volksrecht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie in der Beurteilung des HERRN äusserst schlecht abschneidet. Der HERR muss sie sogar ausspeien.

Was in der weltlichen Politik die Regel ist, ist für die Gemeinden Christi nicht angemessen, im Gegenteil. Christus ist der HERR in seinem Reich. Sein Reich ist eine Monarchie, wenn wir es so nennen dürfen. Er allein ist in jedem Fall der Gesetzgeber und Richter. Wenn der HERR ein Gleichnis nicht persönlich auslegt, müssen wir es anhand der Schrift erklären. Auf die Selbstauslegung der Schrift kann ich vielleicht in den folgenden Kommentaren eingehen, sollte es erforderlich sein.

Vers 5

Und anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte.  Mk 4,5

Eine Bildrede, die einen Sachverhalt anhand eines gut bekannten Beispiels aus dem Leben erklärt, wird so schnell nicht vergessen. Die Lehre ist damit nicht völlig fremd, von der der Mensch nur wenig auf ein Mal aufnehmen kann. – Jedermann weiss, was ein Säemann tut. Genauso weiss auch jeder Zuhörer, dass sich der Samen auf ungeeignetem Boden nicht oder nur sehr begrenzt entfalten kann: Das Prinzip des Säens und Erntens ist allen klar. Ein Lehrer, der mit solchen Veranschaulichungen arbeitet, hat viel mehr Erfolg als jemand, der sich selber gefallen will und mit hochtrabenden Worten Wissen vermittelt.

Vers 6

Und als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.
  Mk 4,6

Bildliche Ausdrücke, auch Metaphern genannt, eignen sich – wie erwähnt – hervorragend, Wissen erfolgreich zu vermitteln, vor allem dann, wenn als Sinnbilder Dinge herangezogen werden, die wir tagtäglich vor Augen haben.

Einst wuchs an meinem Wohnort aus einer Ritze, zwischen einer Aussentreppe und einer Terrasse, ein Kraut hervor. Als ich es entfernte, erstaunte ich über die unterdimensionierte Wurzel. Es hatte dort nicht tiefe Erde und das Kraut konnte nur mit dieser für Beständigkeit unbefriedigender Situation existieren. Wenn die Sonne heiss an solche Pflanzen scheint, können sie den Wasserverlust mit kümmerlichen Wurzeln und wenig Erde, die selbst schnell austrocknet, nicht wettmachen. Sie müssen also verdorren.

Vers 7

Und anderes fiel unter die Dornen; und die Dornen sprossten auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.  Mk 4,7

Wer kann bildlich so gut eine Lebenssituation veranschaulichen, wenn nicht der HERR? Diese Darstellung könnte es nicht besser treffen: Unter die Dornen gefallene Saat; was hat sie für eine Chance? – Wir wissen das aus dem Leben, dass so etwas nicht zum Erfolg führt. Daher sagte der HERR: „ … und es gab keine Frucht.“

Vers 8

Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aufsprosste und wuchs; und es trug eines dreissig-, eines sechzig- und eines hundert<fach>.   Mk 4,8

Zum Schluss erwähnt der HERR noch den Samen, der auf guten Boden fällt. Wie erwartet, bringt dieser Frucht. Der HERR offenbart dabei noch mehr: Wie es sich in der Natur verhält, trägt der eine mehr, der andere weniger Frucht.

Was dies alles bedeutet, erklärt der HERR im Anschluss den Seinen offen, ohne weitere Bildrede.

Vers 9

Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!   Mk 4,9   

Alle Worte Gottes sind geläutert, siebenmal gereinigt (Ps 12,7) und sind daher sehr zu befolgen. Sie weisen uns den Weg des Lebens, um an jenem des Todes vorbei zu kommen. Sie beinhalten weder Unnützes noch Unvollkommenes.

An gewissen Stellen unterstreicht der HERR diese Tatsache explizit und appelliert an die Hörer: Wenn sie hören können, sollen sie hören! In diesem Zusammenhang heisst das, dass der Hörer auch so tun sollte, wie er gehört hat, nämlich gemäss der Weisung des HERRN. Wer hört, aber nicht danach tut, hat der Rede Gottes nicht wirklich beachtet.

Vers 10

Und als er allein war, fragten ihn die, die um ihn waren, samt den Zwölfen nach den Gleichnissen.  Mk 4,10

Als Ihn die Volksmenge verlassen hatte, fragten Ihn seine engsten Freunde und Bekannten in dieser Atmosphäre der Vertrautheit um genauere Erklärungen seine Rede betreffend. Der HERR kam diesem Wunsch bereitwillig nach, wie wir nachfolgend sehen. So handelt Er bei allen seinen Vertrauten heute noch.

Nehmen Sie sich die Freiheit, den HERRN um genauere Ausführungen in Bezug auf sein Wort zu fragen, wenn Sie sich über etwas nicht ganz im Klaren sind. Er offenbart sich in der Schrift als äusserst geduldiger (langmütiger) HERR und Gott (2. Petr 3,9).

Vers 11

Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die draussen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil,   Mk 4,11  

Dieser Vers kann zusammen mit dem folgenden nur mit einer ungetrübten christlichen Sicht verstanden werden. Er sagt aus, dass Gott nahestehenden Personen das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben ist. Vor der übrigen Weltbevölkerung liegt es verschlüsselt vor, für jene unbegreiflich also.

Der HERR schlägt damit lehrmässig zwei Fliegen mit einer Klappe. Seine Nächsten verstehen das Geheimnis noch besser, weil sie die Gleichnisse begreifen und sie anhand von diesen beste bebilderte Anleitungen für das Reich in der Hand haben.

Jenen aber, die draussen sind, das sind jene, die nicht schriftgemäss an Gott glauben – sie können sich dem Namen nach Christen nennen, sind es aber nicht wirklich – bleibt das Geheimnis des Reiches verborgen. Das alles hat seinen wichtigen Grund und zeigt klar auf, dass Gott sich nicht zuerst Unrecht tun lässt und im Anschluss Menschen im unbussfertigem Zustand, das ist eine selbstgerechte Haltung, trotzdem in sein Reich aufnimmt.

Gott will zwar alle Menschen unbedingt retten, doch seine Gerechtigkeit teilt die Menschen in Gruppen auf. Die eine heisst „Würdig“ die andere „Nicht Würdig“. Die Menschen in der Gruppe „Würdig“ haben sich im Leben zu Gott hingewendet, indem sie ihre Sünden bekannten und den Weg Gottes für ihr Leben anerkannt haben. Das sind die Menschen, die Gott nahestehen und die Gleichnisse verstehen dürfen. Die anderen Menschen, jene der Gruppe „Nicht Würdig“, sind grundsätzlich von der Natur her nicht schlechter als jene der Gruppe „Würdig“. Der Unterschied ist der, dass sie (die Nichtgläubigen) sich von ihrer Selbstgerechtigkeit täuschen lassen, welche der Sündenerkenntnis im Wege steht. Sie denken, sie seien in Ordnung vor Gott und bräuchten keine völlige Erneuerung und Reinigung durch das Opfer Christi. Sie bleiben in der vor Gott aufgehäuften Schuld und es kann ihnen somit nicht vergeben werden. Es kann ihnen nicht vergeben werden, weil sie sagen, ihr unordentliches Leben im Brechen der Gesetze Gottes erfordere keine voll einsichtige Busse, die ein totales Schuldeingeständnis und die Bitte an Gott um die Rettung in Christus beinhaltet. Daher wird ihnen das Geheimnis des Reiches nicht offenbart. Sie sind der Rettung nicht würdig. Amen.

Vers 12

»damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde«.    Mk 4,12 

Das Reich Gottes ist für die Welt ein grosses Geheimnis. Es kann mit Milliardeninvestitionen in die Forschung nicht gelüftet werden. Ohne die Offenbarung durch Gott ist ein Blick hinter den Vorhang völlig unmöglich. Und Gott behält sich die Auswahl strikte vor, welchen Personen Er Einblicke gewährt und welchen nicht (Mt 11,25).

Personen, die sich partout nicht vom selbstherrlichen zum demütigen und gottesfürchtigen Wandel wenden wollen, werden „hörend hören und nicht verstehen.“ Dies geschieht, damit sich solche nicht „zufällig“, also in einem unpassenden, unbussfertigen Zustand bekehren können. Dies wäre regelwidrig und nicht gemäss der Gerechtigkeit Gottes. Böse Menschen, die zugleich intelligent sind, würden so auf den rechten Weg setzen, analog finanzstarken (Geld-) Anlegern, jedoch ohne vom Unrecht zu lassen. Ja, wenn ihnen die Existenz des Reichs so klar wäre, würden sie an dessen Wirklichkeiten und den rettenden Glauben in Christus glauben. Böse Menschen glauben ja auch sonst an reale Dinge. Doch unbussfertige Menschen dürfen sich nicht bekehren; es wäre auch den demütig glaubenden Personen gegenüber ein Affront; wie könnte Gott ihnen vergeben, wenn sie ohne Sinneswandel das Sündigen nicht lassen? Christi Tat und das Reinhalten der Knechte Gottes wären völlig umsonst und ausserdem wäre die Gerechtigkeit mit Füssen getreten!

Gott lässt den unbussfertigen Gottlosen ihre Bosheit zweifach: Er verschliesst ihnen den Weg zur Bekehrung und lässt sie zudem genau ihrem Bosheitsgrad entsprechend in Sünde fallen (Spr 22,14). So empfangen sie ganz gewiss das, was sie gesät und verdient haben. Sonst wäre folgende Regel unwirksam. Gott wacht fest darüber: Wer mehr Böses sät, wird desto mehr Übles ernten (Gal 6,7). Es wird nicht so sein, dass ein übler Mensch am Ende seines Lebens „zufällig“ – gemäss eines freundlichen Schicksals – mehr Gutes als Böses getan hat und Gott dadurch das durch sie heraufbeschworene Strafmass gezwungenermassen reduzieren oder gar aufheben müsste (Ps 75,9); auch wird kein geschicktes Ausweichen oder Herausreden möglich sein (Jes 25,10.11). Amen.

Vers 13

Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie wollt ihr all die Gleichnisse verstehen?  Mk 4,13

Mit dieser Frage deutete der HERR auf die Notwendigkeit des geistlichen Verständnisses: Wenn diese Bildrede vom Säemann des HERRN zu schwer für die Jünger war, wie sollten sie all die noch folgenden geistlich richtig deuten? Es ist daher für uns Christen wichtig, die Reden des HERRN zu verstehen. Wem Erkenntnis mangelt, bitte den HERRN darum (Jak 1,5). Es darf nicht sein, dass wir die Bibel nach unserem Gutdünken auslegen oder mit noch vielen offenen elementaren Fragen zur Seite legen.

Wir wissen ja nun, dass der HERR das Geheimnis des Reiches Gottes teilweise verschlüsselt brachte, in Gleichnisse verpackt, damit es nicht von allen verstanden wird. Selbst wenn einer anfängt, die Bibel zu kommentieren, um den Lesern das Verständnis noch einfacher zu machen, ist es für den HERRN ein Leichtes, den Unwürdigen das Begreifen des Inhalts zu verunmöglichen. Der HERR lässt sich nicht verspotten, sein Name ist heilig!

Vers 14

Der Sämann sät das Wort.   Mk 4,14

Von dieser Stelle an beginnt der HERR mit der Erklärung des Gleichnisses. Der Sämann ist also eine Figur, die das Wort Gottes ausstreut, sei es durch Predigt oder sei es in schriftlicher Form. Sie ist nicht näher definiert und muss es auch nicht sein, da es im Gleichnis keine Rolle spielt, wer das Wort Gottes ausstreut. Der Fokus liegt auf dem, was mit dem ausgesäten Samen (Wort) passiert, nicht darauf, wer ihn streut.

Vers 15

Die an dem Weg aber sind die, bei denen das Wort gesät wird und, wenn sie es hören, sogleich der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in sie hineingesät worden ist.  Mk 4,15  

Von hier an erklärt der HERR, wie das Wort bei den Menschen ankommt. Es geht jetzt um den Kern des Gleichnisses, nämlich um das, was mit dem ausgesäten Samen passiert, wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt.

Es gibt Menschen, die sich so weit gehen lassen, dass der Satan grossen Einfluss auf ihr Leben gewinnt. Er hat am Ende mehr oder weniger die Kontrolle über ihr Leben. Ihr Zustand muss bereits so traurig bzw. das Gericht Gottes so weit fortgeschritten sein, dass der Teufel sogleich das gehörte oder gelesene göttliche Wort entfernen kann.

Ängstliche Menschen sollen an dieser Stelle wissen, dass solches keinesfalls von Gott zugelassen wird, wenn der Mensch den HERRN aufrichtig sucht. Wir haben dafür seine Verheissung. Suchenden offenbart Er sich mit Sicherheit. Da kann der Teufel nicht dazwischen funken. Die an dieser Stelle erwähnten Menschen haben bereits schon viele falsche Abzweigungen auf ihrem Lebensweg genommen, ohne sich gross mit Gott zu beschäftigen.

Vers 16

Und ebenso sind die, die auf das Steinige gesät werden, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen,   Mk 4,16

Es gibt weitere Menschengruppen bzw. Charaktere, wie wir es auch nennen mögen. Man kann die Menschen mit Farben (grün, gelb, rot und blau) einstufen oder mit Begriffen wie Melancholiker, Sanguiniker, Choleriker und Phlegmatiker umschreiben, was durchaus seine Berechtigung für die Grundzüge des jeweiligen Typs hat. In der Nachfolge Christi verschwindet die jeweilig extreme Ausprägung, welche auch als Schlagseite im negativen Sinn betrachtet werden kann. Sie steht oft der ausgeglichenen Beständigkeit im Wandel mit dem HERRN im Wege.

Der HERR will nicht gleichgestrickte Menschentypen, sonst hätte Er sie von Anfang an so schaffen können. Ihm gefällt die Vielfalt. Er nimmt jeden Menschen der Nachfolge Christi und wandelt dessen Seele zum Guten um (Joh 15,2). Damit verlieren die verschiedenen Menschen ihre jeweilige Schlagseite. Melancholiker sind danach weniger fatalistisch; Sanguiniker, also Menschen des Augenblicks, werden beständiger. Der HERR wandelt Choleriker (Züge wie Paulus) nicht zu Sanguinikern (Teile davon hatte Petrus) um. Die Charaktergrundzüge bleiben die gleichen, wir werden den jeweiligen Menschen auch nach der Umwandlung an seiner Art erkennen, doch in der Perfektion und ganz ohne die Kehrseiten des angeborenen Charakterzugs.

Der HERR beleuchtet an dieser Stelle den sogenannten Sanguiniker, den gelben Typ Mensch. Er ist der Mensch des Augenblicks und kann sich wahnsinnig für eine Sache begeistern, auch für das Wort des HERRN. Dem Schein nach vorbildlich, nimmt er es sogleich mit Freuden auf.

Vers 17

und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind <Menschen> des Augenblicks; wenn nachher Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen entsteht, ärgern sie sich sogleich.   Mk 4,17

So schnell sich Menschen des Augenblicks für eine Sache begeistern können, lassen sie sie wieder fallen. „Sogleich“ ärgern sie sich. So erläutert es uns der allwissende HERR. Solange eine Sache in den Augen des Menschen des Augenblicks gut ist, gefällt sie ihm – er denkt nicht an morgen oder übermorgen -, wenn sie ihm zu mühsam wird, wirft er sie sogleich von sich.

Menschen, deren Schlagseite des Charakters unbehandelt ist, handeln ausnahmslos schlecht. Kein Mensch ist gut vor Gott und ohne Sünde. Auf diese Stellen habe ich in meinen Schriften schon mehrmals hingedeutet. Wir sollen uns ja nichts einbilden. Es ist ein Grundsatz, dass aus dem Herzen (dem inneren des Menschen) Böses hervor geht:

Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen;   Mt 15,19 

Einige sehen ihre Widersacher gerne tot. Andere würden sich gerne mit der Frau des Nächsten vergnügen und gestohlenes Wasser ist süss (Spr 9,17). Unbeobachtet und zufällig gefundenes fremdes Eigentum; warum sollte ich das nicht behalten, da das Schicksal es doch bis jetzt nicht so gut mit mir meinte? Und selbst Lüge scheint für viele nicht schlimm zu sein. Ja, und der Name Gottes!, wer hat sich nicht schon einmal daran vergriffen?

Aber zurück zum Thema: Wehe dem unbehandelten Menschen des Augenblicks! Weil er nur im „Hier und Jetzt“ lebt, denkt er nicht an den Ausgleich Gottes für gerechte Menschen. Wenn er von Gott nicht immer und sofort das kriegt, was er im Augenblick will, fällt er vom Weg ab und sucht sich sein eigenes Glück. Er denkt dabei nicht über seine Nasenspitze heraus und daran, dass er sich damit Gottes Erbe verspielt.

Vers 18

Und andere sind die unter die Dornen Gesäten, es sind die, die das Wort gehört haben,   Mk 4,18

Von diesem Vers an widmet sich der HERR anderen Charakteren zu. Die Schlagseite des Menschen des Augenblicks in Bezug auf das Wort Gottes erklärte Er mit den Versen 16 und 17. Er befasst sich jetzt mit den Auswüchsen von menschlichen Wesen, die weiter als bis zur Nasenspitze bzw. dem „Hier und Jetzt“ denken. Er spricht jetzt von Menschen, welche die Umgebung, die Einflüsse und die möglichen Wirkungen auf ihr Leben betrachten und verfolgen. Auch hier ist es für uns demütigend zu sehen, wie viele von uns negativ mit dem guten, von Gott dargereichten Gut umgehen, wie wir es im nachfolgenden Vers erkennen werden.

Vers 19

und die Sorgen der Zeit und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht.   Mk 4,19

Menschen die weitsichtig denken, sind gleichwohl Gefahren ausgesetzt, wie jene, die lediglich im Augenblick leben. Solche können sich durch wirtschaftliche, familiäre und sonstigen allgemeinen Sorgen so sehr ablenken, dass das göttliche Wort keine Gestalt in ihnen annimmt. Sie ersticken es durch die erwähnten Einflüsse wörtlich. Selbst der angenehm scheinende Reichtum macht es nicht besser. Bei Reichen ist die Ablenkung gross; wer koordiniert die Erhaltung und den Schutz all ihrer vielen Güter? Er ist betrügerisch, wie der HERR sagt. Viele Reiche glauben von sich, weise zu sein, weil sie es augenscheinlich weiter gebracht haben als andere Menschen (Spr 28,11). Dabei erkennen die Reichen nicht, dass der Mensch von sich aus nichts nehmen kann (Mt 5,36). Er bekommt die Güter entweder vom Teufel (Lk 4,6) oder von Gott (Mt 7,11).

Dazu kommen die Begierden. Jeder Mensch kennt sie. Die einen sagen sogar, sie seien ihnen von Anfang an ausgeliefert gewesen, was ein Schwachsinn ist, denn Gott gibt jedem Menschen die gleiche Chance. Daher ist niemand mit einem Nachteil in Bezug auf die Ewigkeit ins Leben gestartet. Begierden können das Denken und Trachten des Menschen so sehr auslasten, dass im jeweiligen Individuum kein Platz mehr für das Wort Gottes gefunden wird. Der eine Gedanke ruft den anderen. Wenn die Objekte der Begierde ein Sportwagen, mehr Ferien oder ein kostspieliges Hobby sind, dann braucht es je nachdem sehr viel Organisation und demnach noch mehr Gedanken daran, um auf dieses (meist völlig unnötige) Ziel hin zu steuern. Die Ermahnung des Wortes Gottes zu Nüchtern- und Wachheit im Blick auf sein Reich kann dabei als sehr störend empfunden werden. Und was in unserem Leben die Oberhand hat, verdrängt das andere. So bleiben auch sorgenvolle, reiche und begierige Menschen ohne Frucht.

Vers 20

Und die auf die gute Erde Gesäten sind jene, die das Wort hören und aufnehmen und Frucht bringen: eines dreissig- und eines sechzig- und eines hundert<fach>.   Mk 4,20

Und zum Schluss gibt es noch das Geheimnis der Menschen, die es schaffen, tatsächlich Früchte hervorzubringen. Natürlich geht das nicht von ihnen aus, wie es selbst das Gleichnis darstellt, der Mensch stellt lediglich den Boden zur Verfügung. Für den Menschen ist es unmöglich, Gott zu gefallen (Mt 19,26; Mk 10,27; Lk 18,27). Wichtig für den Menschen ist, sich fern von allen Einflüssen zu halten, die den Boden für die Pflanzung Gottes unbrauchbar machen. Unbearbeiteter Boden, sei er steinig oder mit Unkraut übersät, ist keine Voraussetzung für eine fruchtreiche Ernte bzw. überhaupt eine Ernte. Jeder Landwirt – ja, nur schon jeder Hobbygärtner! – wird Ihnen bestätigen, was Sie selber schon wissen, liebe Leserin und lieber Leser! Der HERR spricht mit seiner Veranschaulichung einfach und für alle verständlich.

Im zweiten Teil des Verses offenbart der HERR, dass nicht jeder Mensch Gottes gleichviel Frucht bringt. Erstens bringt jeder nach seiner Fähigkeit Früchte hervor (Mt 25,15). Darauf kann der Mensch Gottes keinen Einfluss nehmen. Wem wenige Talente zur Verfügung stehen, kann nicht so viel damit erreichen, wie jemand, der bereits am Start über das Doppelte verfügt. Deshalb erhält bei dieser Stelle jeder treue Knecht das Erbe Gottes, also jeder das gleiche Los, ausser demjenigen, der mit Gottes Dingen nichts anzufangen wusste.

Und trotzdem ist der Ertrag des Christen an den Fleiss gekoppelt. Aus dem Blickwinkel des Fleisses haben alle gleich viel Startkapital (Lk 19,13). Aus diesen je erhaltenen gleichen Teilen macht der eine mehr, der andere weniger. Der eine trägt dreissig-, der andere sechzig- der dritte hundertfach. Aus dem Blickwinkel des Fleisses fällt auch das Lob des HERRN dementsprechend völlig gerecht aus. Der Fleissigste bekommt am meisten, der Zweite auch gemäss seiner Arbeit und nach diesem Prinzip geht die Abrechnung weiter.

Vers 21

Und er sprach zu ihnen: Kommt etwa die Lampe, damit sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt wird? Nicht damit sie auf das Lampengestell gestellt wird?   Mk 4,21  

Sogleich folgt das nächste Gleichnis. Der HERR fragt seine Jünger darin mit anderen Worten: „Ist die Lampe dazu da, um unter ein Gefäss oder unter das Bett gestellt zu werden? Wäre sie damit nicht völlig zweckentfremdet? Ist sie nicht vielmehr dazu da, auf das Lampengestell gehoben zu werden?“

Vers 22

Denn es ist nichts Verborgenes, das nicht offenbar gemacht werden soll, auch ist nichts Geheimes, das nicht ans Licht kommen soll.   Mk 4,22

Die Ehre der Könige ist eine Sache zu erforschen; Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen (siehe auch Spr 25,2). Gott verbirgt vieles. Der Spötter soll es nicht sehen; es geht ihn nichts an. Doch all das Verborgene, sei es von Gott oder von Menschen, wird aufgedeckt, spätestens vor dem Grossen Weissen Thron. Nichts von Menschen wird vor Gott im Geheimen bleiben und Gott offenbart den Menschen bei seiner Rückkehr die geistliche Realität.

Unsere Christwerdung sollen wir spätestens ab heute nicht im Geheimen lassen. Unsere angezündete Lampe soll auf dem Lampengestell vor den Menschen leuchten. Unter ein Gefäss stellen sie Christen, wenn sie Sorgen an erster Stelle tragen. Ihr Zeugnis Gottes kann so nicht wahrgenommen werden. Solche bezeugen Gott nicht, sie sprechen nur von ihren oder möglichen Problemen. – Christen die ihre Lampe unter das Bett stellen, ruhen sich in Vergnügungen aus. Sie schauen, dass sie ihre eigene Ruhe und ihren eigenen Frieden finden. Für Gott zu zeugen ist ihnen zu mühsam; lieber stellen sie ihr von Gott entzündetes Licht unter das Bett, was eine völlige Zweckentfremdung ist. Wir haben einen Auftrag! Und genau das Licht zu verdunkeln ist nicht unser Auftrag.

Es wird so oder so an den Tag kommen, ob wir unser Licht verdunkelt haben oder nicht. Vor dem Richterstuhl Christi werden wir keine erfundenen Geschichten erzählen können. Alles ist dazu da, irgendwann ans Licht zu kommen. Selbst Gott wird all sein Verborgenes offenbaren. Spätestens bei seiner Rückkehr werden wir die geistliche Welt sehen. Amen.

Vers 23

Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre!   Mk 4,23 

Dieser Ausspruch Christi kommt mehrfach vor. Christus unterstreicht damit die Wichtigkeit des Gesagten. An dieser Stelle ist dieser Ausspruch aber noch nicht der Abschluss des Themas in der Rede Christi. Im nächsten Vers erklärt uns Christus auf diesen Vers bezogene Regeln und Abhängigkeiten.

Im Leben sehen wir fast ausnahmslos Gesetzmässigkeiten und Prozesse mit Abhängigkeiten. Wir sind selbst abhängig von der Sonne, der Luft, dem Wasser und Gott natürlich, der alles schenkt. Das gehört zu unserem Lebensprozess. Wenn in diesem ein Element entfernt wird, zum Beispiel die Sonne, dann leiden alle davon abhängigen weiteren Elemente. Der Prozess käme zum Stillstand und das Leben würde aussterben. Bei den Gesetzmässigkeiten verhält es sich ähnlich: Die Höhe der am Anfang definierten Eingabe, definiert gleichzeitig die Höhe des Ausstosses bzw. der Ernte. Als Beispiel möchte ich die Stelle im 2. Korinther 9 anführen:

Dies aber <sage ich>: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten.   2.Kor 9,6 

Wer am Anfang entscheidet, wenig für das Reich einzusetzen, erhält nur einen kleinen Ausstoss, eine kleine Ernte. Ein kleiner Einsatz ergibt im Regelfall ein kleines Ergebnis. – So verhält es sich auch im Reich. Der zitierte Vers (2. Kor 9,6) bestätigt lediglich, was wir schon aus dem Leben wissen.

Vers 24

Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört! Mit welchem Mass ihr messt, wird euch gemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden.   Mk 4,24  

Wie vorausgehend erwähnt, knüpft der HERR an den Vers 23 an: Wir sollen sehen, was wir hören! In welchem Mass wir das tun, wird uns hinzugefügt oder weggenommen* werden (*siehe nächster Vers). Wir können uns mit Interesse dem Worte Gottes widmen und unser Hören im grossen Masse darauf ausrichten. Demgegenüber haben wir durch unseren freien Willen die Möglichkeit, das Hören der Worte Gottes auf ein Minimum zu beschränken bzw. sie überhaupt nicht zu suchen.

Gemäss der Regel „grosser Einsatz ergibt grosse Ernte“ oder „sparsamer Einsatz ergibt sparsame Ernte“ werden unsere Sammelkörbe bei der Wiederkunft Christi gefüllt werden. Die der einen werden die Ernte kaum fassen können, wogegen bei anderen die wenigen Früchte ihres Ertrags den Boden des Korbes nicht einmal decken werden.

Wir richten unsere Ohren innerhalb eines Tages auf sehr viele Dinge. Wir hören stundenlang die Nachrichten, Fussballresultate und die Tonspur der Filme und Reportagen im Fernsehen.

Liebe Leserinnen und Leser! Welchen Platz nehmen die Worte Gottes in unseren Leben ein? Wie viele Minuten oder gar nur Sekunden widmen wir ihnen täglich? – Gemäss dem Mass, das wir für Gottes Worte einsetzen, werden wir auch entschädigt werden! Amen.

Vers 25

Denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von dem wird auch, was er hat, genommen werden.   Mk 4,25 

Bei jedem Ausspruch Christi betreffend das Mass, z. B. wie wir richten (Mt 7,2), wieviel wir in Nächstenliebe investieren (Lk 6,38) und wie wir die Worte Gottes aufnehmen (Mk 4,24), gibt es zwei Seiten: Wer darin investiert, ist im Wohlgefallen Gottes und Gott fügt dem Mass des jeweiligen Menschen zusätzlichen Segen hinzu. Ein solcher Mensch erntet also noch über das erwartete Mass hinaus. Wer hingegen nur spärlichen Einsatz in die Interessen Gottes leistet oder hart richtet, der wird eine dementsprechende magere Ernte bzw. ein dementsprechendes Gericht erhalten. Hierbei ist zu beachten, dass derjenige Christ, der keinen Einsatz leistet, am Ende geistlich völlig mittellos da stehen wird. Der vom HERRN anvertraute Einsatz wird ihm gänzlich wieder genommen werden. Dieses Wort ist absolut zuverlässig und die Wirklichkeit dieser Vorausschau wird nicht ausbleiben.

Vers 26

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft   Mk 4,26  

Um des Menschen willen nie müde werdend, fährt der HERR mit weiteren Belehrungen fort.

Im Reich Gottes durchläuft vieles vorgegebene Wachstumsabläufe, wie wir sie aus unserer Umwelt kennen. Was mit einem Samen beginnt, kommt erst nach einem gewissen Wachstums- und Reifeprozess zur Vollendung.

In diesem Gleichnis erklärt der HERR dieses Prinzip im Reich mit einer entsprechenden Veranschaulichung. Wir tun gut daran, diesen Grundsatz zu kennen, dann minimieren wir die Gefahr, am Wachstumsziel vorbeizugleiten (Heb 2,1).

Vers 27

und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same spriesst hervor und wächst, er weiss selbst nicht, wie.   Mk 4,27

Die Frucht im Reich Gottes beginnt mit dem Samen, der durch die Tat Christi vervielfacht wurde (Joh 12,24). Die vielen Samenkörner werden ausgestreut (siehe Gleichnis vom Sämann). Wie wir selbst nicht wissen, wie die Pflanzen wachsen oder wir zumindest das Wachstum selber nicht im Griff haben, höchstens begünstigen können, wachsen die Früchte heran.

Wir erzählen also von Christus und streuen so die Worte Gottes aus. Dabei gehen wir täglich zur Arbeit, legen uns schlafen und gehen wieder zur Arbeit. Wir wissen nicht, was mit den ausgestreuten Körnern geschieht. Die Früchte wachsen, wenn auch geheimnisvoll, wie die Pflanzen dieser Welt.

Vers 28

Die Erde bringt von selbst Frucht hervor, zuerst Gras, dann eine Ähre, dann vollen Weizen in der Ähre.   Mk 4,28

Die Frucht wächst von alleine. Wie wir die Vorgänge in unserem Leib nicht steuern können, sie sind vorgegeben, so wachsen Früchte. Die Planung ist perfekt und durch Gott aufgesetzt, nur dass der Mensch die Sünde hereinkommen liess.

Der HERR spricht in diesem Beispiel vom Weizen. Dieser steht für die Frucht des Reiches Gottes im Gegensatz zum Unkraut. Der Weizen im Reich wächst ganz normal: Zuerst kommt Gras, dann eine Ähre, dann voller Weizen in der Ähre.

So entwickeln sich die Gläubigen im Reich. Zuerst sind sie Samenkörner, die durch Christi Tod freigesetzt wurden (Joh 12,24). Am Ende werden sie zu vollen Weizen. Diese verschiedenen Wachstumsstände können wir selbst bei uns verfolgen. Am Anfang waren wir wie unmündige Kinder unter Christen. Wir sollen aber nicht unmündig bleiben, wir sollen werden, wie Er ist, Ihm gleich (1. Joh 3,2). Das setzt einen Prozess voraus. Das ist der Wachstumsprozess der Heiligen.

Vers 29

Wenn aber die Frucht es zulässt, so schickt er sogleich die Sichel, denn die Ernte ist da.   Mk 4,29 

Dieser Vers steht manchmal im Widerspruch mit unserer gefühlten Zeit. In gewissen Situationen denken wir, dass die Wiederkunft Christi schon längstens hätte stattfinden sollen; schlussendlich grassiert die Gottesferne unter den Menschen. Der Fokus ist an dieser Stelle auf die Ernte gerichtet und ist nicht abhängig von Grad der der Gottlosigkeit der Nationen. Unabhängig von den Heidenvölkern schickt Gott die Sichel, wenn die Ernte reif ist. Dies tut Er sogleich, ohne Verzögerung. Wir sollen getrost sein und das wissen; Er lässt reife Frucht nicht so lange stehen, bis sie verdirbt. – Würde es sich anders verhalten, stünde es hier nicht so explizit, vor allem nicht mit dem Zusatz „sogleich“.

Wenn Gottes Volk zubereitet ist, holt es Gott zu sich nach Hause. Wir dürfen getrost sein! Amen.

Vers 30

Und er sprach: Wie sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen?   Mk 4,30

Wir dürfen an dieser Stelle sehr gespannt sein. Christus schickt sich hiermit an, einen Einblick ins Reich Gottes zu gewähren.

Allfällige Sensationslust sollte sich jedoch in engen Grenzen halten. Christus tut mit seinen Erläuterungen nicht gross, obschon er Könige jederzeit ins Staunen versetzen könnte. Seine Erklärungen dienen dem Menschen zur Hilfe für den rechten Wandel auf Erden. Daher erzählt Er nicht vom Gold des Reiches und dessen Smaragden; seine Ausführungen dienen dazu, dass der Zuhörer das Auge nicht von den heilsamen Dingen Gottes abwende.

Vers 31

Wie ein Senfkorn, das, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle <Arten von> Samen, die auf der Erde sind;  Mk 4,31

Alle Schrift ist gegeben, dass der Mensch zu jedem guten Werk befähigt sei (2. Tim 3,16.17). Christus könnte das Reich Gottes auch als um ein Vielfaches herrlicher darstellen als Salomos Reich, das so viel Gold beinhaltete, dass das Silber damals als überhaupt nichts geachtet wurde (1. Kö 10,21). Das Reich Gottes und dessen Schätze werden nicht vergleichbar mit irgendeinem Weltreich sein, es wird alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Christus spricht bewusst an dieser Stelle nicht von der Herrlichkeit des Reiches, welche dem Zuhörer im heutigen Zeitalter nicht weiter hilft. Christus erklärt mit diesem Gleichnis ein Prinzip des Reiches. Diese Regel hilft demjenigen weiter, der sie verstehen darf.

Das Reich Gottes beginnt völlig unscheinbar in der Welt zu wachsen. Die Menschen nehmen es nicht wahr; es beginnt so klein, kleiner als jedes andere Reich (kleiner als jeder gleichartige Gegenstand der Veranschaulichung, wie im Beispiel die Samenkörner).

Vers 32

und wenn es gesät ist, geht es auf und wird grösser als alle Kräuter, und es treibt grosse Zweige, so dass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.   Mk 4,32   

Aus einem Senfkorn erwächst gewöhnlich ein Senfstrauch, kein Senf-Baum. In diesem Gleichnis sagt der HERR, dass das auf die Erde gesäte Reich Gottes in ungewöhnlicher Art wächst. Anstatt so zu wachsen, wie Gott es für jede Art vorgesehen hat, wird aus dem vorgesehenen Strauch ein Baum (siehe Mt 13,32), der grosse Zweige treibt.

Bitte beachten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass es nicht zulässig ist, die Bibel nach eigenem Gutdünken auszulegen. Nicht weil es sich hier um eine göttliche Sache handelt, wächst die Pflanze ungewöhnlich stark. Auch im Reich Gottes hält sich alles an die Schöpfungsordnung. Das Reich bringt unter den Geschöpfen keine Monster bzw. unter Pflanzen kranke Triebe hervor. Aus Trauben werden keine Melonen; alles wächst nach seiner Art, gemäss der Schöpfungsordnung. Und das ist gut so.

Und die Erde brachte Gras hervor, Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art, und Bäume, die Früchte tragen, in denen ihr Same ist nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.   1.Mose 1,12 

Aus dem Samen, der zu einem Strauch mit würziger Frucht hätte werden sollen, wird aber auf Erden eine widernatürliche Pflanze mit so grossen Zweigen, dass die Vögel des Himmels Brutstätten darin finden. Bei diesen im Gleichnis erwähnten Vögeln des Himmels kommt eine weitere Bibel-Erklärungsregel zur Anwendung: Ein Gleichnis ist nicht die Wirklichkeit selbst, nur eine Andeutung davon. Daher sind mit den Vögeln im Gleichnis nicht echte Vögel gemeint, wie der widernatürliche Baum eine sinnbildliche Darstellung des Reiches und kein eigentlicher Baum ist. Die Regel erfordert von uns, dass wir ein Gleichnis vollumfänglich als Sinnbild wahrnehmen, nicht ist etwas daraus wörtlich und etwas anderes sinnbildlich gemeint, ansonsten wäre es ja kein Gleichnis. Echte Vögel sind die gefiederten Tiere am Himmel, Wunder der Schöpfung. Vögel in Gleichnissen stehen als Sinnbilder für das Böse, als Sinnbilder für Werkzeuge des Teufels, und „picken“ den gestreuten Samen weg, das Wort Gottes, damit der Mensch ohne Weisung sei (Mk 4,4).

Auf Erden wird das Reich Gottes vergewaltigt. Was Christus angefangen hat und was klein und würzig hätte bleiben sollen, wurde zu einem widernatürlichen und grossen Gebilde in dem das Böse nicht nur Platz hat, sondern sich gar entwickeln kann. Als ein Beispiel von vielen möchte ich an dieser Stelle die katholische Kirche nennen, welche mit ihren Morden in den Kreuzzügen damals und mit ihrem Gebaren auch heute überhaupt nicht einen kleinen Senfstrauch mit würziger Frucht darstellt. Sie stellt vielmehr einen grossen Baum dar, der mit der schriftwidrigen Heiligenverehrung und vielen anderen selbstgemachten Gesetzen dem Bösen Unterschlupf und Entwicklung gewährt. Es gibt einige ähnliche Institutionen sowie auch Einzelpersonen, welche mit ihrem Verhalten die von Christus gepredigte Hausordnung des Reiches leugnen, wenn nicht gar lästern.

Christus wusste von Anfang an, wie sich das Reich während seiner Abwesenheit entwickeln wird und sagte es voraus, damit sich niemand darüber wundern sollte. Bei seiner Rückkehr übt er grosse Gerichte an ihm und der Welt und stellt die Dinge in allen Bereichen wieder her, wo sie sich der Ordnung entgegen entwickelt haben. Amen.

Vers 33

Und in vielen solchen Gleichnissen redete er zu ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten.  Mk 4,33 

Bildrede kann sich der Mensch viel leichter merken, als wenn ihm etwas völlig Neues ohne Vergleich zu etwas  Bekanntem vermittelt wird. Wenn ich meinem Sohn von einem Suchschweinwerfer erzähle, der mit 1,1 Milliarden Candela (das ist eine Masseinheit für Helligkeit) leuchtet, kann er sich nicht viel darunter vorstellen. Wenn ich ihm aber sage, dass der Scheinwerfer bei direkter Einstrahlung so gleissend hell wie die Sonne scheint und wegen seiner Grösse einen ganzen LKW Anhänger für sich beansprucht, dann hat mein Sohn eine Ahnung von der Lichtstärke und weiss, dass er so hell scheint, dass kein Mensch ohne Augenschutz direkt ins Licht blicken kann. Die Bildrede kann er sich merken und damit seine Freunde beeindrucken, wogegen er die technischen Daten und die Masseinheit nach dem ersten Mal Hören schnell wieder vergessen hätte.

Den Schöpfer der Menschheit muss niemand lehren. Er weiss, wie der Mensch zu hören vermag und wie wirklich effektiv gelehrt wird. Gemäss dem Vermögen der Jünger, lehrte Er sie. Gemäss unserem Vermögen lehrt Er uns. Er sei gepriesen!

Vers 34

Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; aber seinen Jüngern erklärte er alles besonders.   Mk 4,34

Für das Sprechen in Bildreden des HERRN gibt es zwei besondere Gründe, der erste ist im vorausgehenden Kommentar erwähnt: Sie dienen dem besseren Verständnis. Der zweite Grund ist: Sie dienen auch der Verschlüsselung des Inhaltes. Dies scheint nun ein Widerspruch zu sein, für einmal dienen sie dazu, dass man den Inhalt leichter versteht und einmal, dass er verschlüsselt ist und verborgen bleibt? Wie soll dies verstanden werden? – Ganz einfach: Wem es gegeben ist, ein Gleichnis zu verstehen, der versteht es und kann sich an die Bildrede anlehnen und damit den Inhalt gut behalten. Wem es nicht gegeben ist, kann das Bild nicht ins Leben, die Wirklichkeit, übertragen. Für solche Menschen bleibt die Rede Christi abstrakt, wie es der HERR selbst angeordnet hat:

11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben, jenen aber, die draussen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil,  
12 »damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde«.   Mk 4,11.12

Was diese Verse im Detail bedeuten, ist im jeweiligen Kommentar erläutert. An dieser Stelle möchte ich lediglich bemerken, wie der HERR zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Den Würdigen helfen die Gleichnisse zum Verständnis, bei den Unwürdigen dienen sie der sicheren Verschlüsselung der Reden Gottes. – Wiederum muss ich ausrufen: Was haben wir für einen herrlichen HERRN! Wer ist IHM gleich? Wer kann einen Inhalt so verpacken, dass er ohne Vergabe von Zugriffsrechten oder Barrieren für Berechtigte zugänglich ist und für Unbefugte hingegen fest verschlossen bleibt? Wer kann Wissen so verpacken, dass es dem einen im Vorankommen hilft, für den anderen aber völlig nutzlos ist, obschon die Worte offen vor den Menschen liegen?

Vers 35

Und an jenem Tag sagt er zu ihnen, als es Abend geworden war: Lasst uns zum jenseitigen Ufer übersetzen!   Mk 4,35

Gleichentags am Abend entschied sich Jesus, den See zu überqueren. Diese Überfahrt wird uns weitere Lebensweisheiten lehren. Der HERR füllte die kurze Zeit mit den Jüngern aus; sie sollten von Ihm maximal profitieren können und für alle Eventualitäten des Lebens gerüstet sein!

Vers 36

Und sie entliessen die Volksmenge und nehmen ihn im Boot mit, wie er war. Und andere Boote waren bei ihm.  Mk 4,36 

Nach der grossen Versammlung ging alles „normal“ vonstatten. Die Volksmenge musste zuerst auf gewöhnlichem Weg entlassen werden. Und danach fuhren sie mit dem Boot weg. Und wie bei einem Bootsplatz üblicherweise nicht ein einziges Boot liegt, waren natürlicherweise noch andere Boote da.

So banal es klingt, es ist sehr erwähnenswert. Einige Menschen glauben, die Dinge um Jesus seien mystisch und dem natürlichen Leben fremd. Dieser Vers und viele andere beweisen das völlige Gegenteil. Im Regelfall verhält das Leben unter Christen völlig natürlich. Die Volksmenge wurde normal entlassen und nicht auf Lichtwellen oder auf fliegenden Teppichen durch die Luft nach Hause befördert. Nur in Ausnahmefällen, wie bei der übernatürlichen Speisung der Volksmenge (z. B. Mk 6,37ff) oder der Auferweckung des Lazarus (Joh 11,43ff), wies der HERR auf seine unumschränkte Macht hin. Er will damit aber unsere Herzen gewinnen, nicht Sensationslust befriedigen.

Liebe Leserin und lieber Leser! Stellen Sie sich bitte nicht weltfremd ein als Christ. Selbstverständlich dürfen Sie sich jeden Tag aufs Neue der Kraft Christi erfreuen (Jes 40,29). Aber ein Tag als Christ vergeht nicht ohne viele natürliche Tätigkeiten, wie das Arbeiten für das tägliche Brot (1. Mo 3,19) und die Besorgung des Haushalts, es geht auch bei ihm in vielen Sachen schlicht um die Führung eines normalen, menschlichen Lebens. Und trotzdem unterscheidet sich das Leben als Christ von demjenigen des Weltmenschen, weil nach unterschiedlichen Werten gelebt wird. Der Weltmensch tut, was ihn recht dünkt, der aufrichtige Christ orientiert sich am Willen Gottes. Der Weltmensch glaubt an seine eigene Kraft und an die fremder Einflüsse (Sterne, besondere Ereignisse, Vogelgeschrei, usw.); er glaubt an sich und fremde Götter. Der aufrichtige Christ glaubt hingegen an die Kraft seines einzigen Erlösers, an die des allmächtigen Gottes. Er betet allein zu Ihm.

Vers 37

Und es erhebt sich ein heftiger Sturmwind, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass das Boot sich schon füllte.   Mk 4,37

Neben der natürlichen Welt gibt es die geistliche, worin sich Geistwesen bewegen. Gottes Engel und jene des Teufels halten sich vorwiegend darin auf. Beide Lager können Einfluss auf die natürliche Welt nehmen, wie wir beispielsweise an dieser Stelle sehen (weitere Bsp. 1. Mo 19,1; 4. Mo 22,31; Joh 20,12; Offb 12,9). Die böse Seite der geistlichen Welt will Jesus und seiner Gefolgschaft schaden und nicht nur das. Am liebsten soll Er für immer von der Bildfläche verschwinden.

Christus war nach einem seiner sehr ausgefüllten Tage müde und legte sich im Boot schlafen, wie uns der folgende Vers sagt. Dies war der gelegene Zeitpunkt für die bösen Mächte. Er war auf dem Wasser, im Blick auf den Landweg also auf einem unsichereren Verkehrsweg. Dazu musste Er sich im Fokus auf seine Eigenschaft als vollwertiger Mensch auch einmal ausruhen. Diese Gelegenheit wollten die bösen Mächte voll ausnutzen und mobilisierten ihre Kräfte in der Absicht, das Boot samt Inhalt auf den Grund des Sees zu befördern.

Vers 38

Und er war hinten im Boot und schlief auf dem Kopfkissen; und sie wecken ihn auf und sprechen zu ihm: Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen?   Mk 4,38 

Dass die Jünger bei Jesus Hilfe suchten, war korrekt. Die Formulierung ihrer Frage aber nicht. Bei ihnen stand das Umkommen bereits im Vordergrund. Dies offenbart einen kleinen Glauben an die Macht Christi.

Objektiv gesehen waren die Kräfteverhältnisse zwischen dem Fischerboot mit Jesus und der aufgebrachten Macht des Teufels folgendermassen, in einer Veranschaulichung dargestellt: Ein Frachter mit einer Handvoll bewaffneter Banditen wollte ein friedliches Fischerboot kapern, welches aber mit einer kompletten Atom-U-Boot-Division als Begleitschutz unterwegs war. – Ein verängstigter Fischer hätte nur dem Besitzer und Anführer dieser Division, der sich gerade bei seinen Freunden im Fischerboot aufhielt, Bericht über die Lage abgeben müssen. Es wäre lächerlich gewesen, wenn die Fischer zum Kommandanten gesagt hätten: „Kümmert es dich nicht, dass unser Boot gekapert wird?“ Selbst wo dieser geschlafen hatte, war allen Bootskommandanten der Division unter Wasser längst bekannt, was sich über Wasser abspielte und der räuberische Frachter war schon längst in sämtlichen Fadenkreuzen der tödlichen Bordwaffen dieser gewaltigen Kampfgeräte. Es hätte lediglich eines davon auftauchen müssen und die Banditen hätten sich vor dieser millionenfach überlegenen Feuerkraft ohne eine einzige Schussabgabe ergeben und um ihr Leben gebettelt! – Dies war die Situation, in sehr abgeschwächter Form dargestellt, denn hier nahmen es böse Mächte mit einem Fischerboot auf, auf dem der Sohn Gottes mitfuhr, welcher das Universum, wovon die Milchstrasse ein Teilchen davon ist, geschaffen hat (Kol 1,16)!

Die Frage der Jünger – selbst wenn sie teilweise rhetorisch war – war im Angesicht des Kräfteverhältnisses völlig falsch formuliert, wie erwähnt. Eine einfache Berichterstattung wäre angemessen gewesen, wie beispielsweise: „Herr, das Wetter macht uns grosse Mühe!“

Wie reagieren Sie als Christ in der Anfeindung, liebe Leserinnen und Leser? Beten Sie zum HERRN wie die Jünger damals oder beten Sie voll Zuversicht zu Ihm, wie zu einem übermächtigen Retter?

Vers 39

Und er wachte auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See: Schweig, verstumme! Und der Wind legte sich, und es entstand eine grosse Stille.   Mk 4,39

Hierzu kann bemerkt werden, dass Christus lediglich seinem Unwillen über den Sturm Ausdruck gab. Der Feind musste sofort all sein Vorhaben aufgeben und ohne eine einzige „Schussabgabe“ vom Wüten lassen. Stellen Sie sich vor, die Gegenspieler hätten nicht aufgeben wollen und hätten eine Eskalation gegen denjenigen provoziert, aus dessen Gefolge ein einziger Engel genügt, den Verführer der ganzen Welt zu binden (Offb 20,1.2)?

Um zur Veranschaulichung zurückzukehren: Nicht einmal der dümmste Bandit auf dem Frachter hätte Angesichts der befehlshabenden Person im Fischerboot eine Eskalation provoziert. Ein einziger konventioneller Raketenabschuss eines dieser Atom-U-Boote hätte den Frachter in Splitter gebombt und die Banditen zerfetzt.

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, eine Vorstellung davon, wer Sie in die Nachfolge berufen hat? Ist es ein alternativ angehauchter und weltfremder Individualist in Sandalen, Strickpullover und mit langen Haaren, wie Christus von der Welt dargestellt und verhöhnt wird? Oder ist Er der Allmächtige, wie Er von der Heiligen Schrift beschrieben wird, der zum Nichts spricht: „Es soll werden!“, und sofort Materie entsteht? Ist es nicht der Gott, der Heerscharen befehligt, aus der ein einziger Engel die Streitmacht der USA und darüber hinaus jedes Verteidigungsbündnis vernichten könnte, wie der Beweis schon einmal an einer führenden Macht erbracht wurde (2. Kö 19,35). Liebe Leserinnen und Leser! Wir reden hier von einem einzigen Engel der himmlischen Streitmacht! Christus muss nicht mit Mühe und grossen Verlusten gegen das Böse kämpfen! Er wacht und steht auf und spricht lediglich kurz: „Wenn ihr nicht sofort damit aufhört, dann …!“ – „Und es entstand eine grosse Stille.“

Der römische Hauptmann in Kapernaum (Mt 8,5ff) hatte eine Ahnung von der Stellung Christi. Er war selber Anführer einer Truppe. Doch er sagte in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit: „Ich bin nicht würdig, dass du unter mein Dach trittst (Mt 8,8).“ – Was ist schon ein Hauptmann neben Christus! Was war der Kaiser neben unserem Retter! Und was sind die heutigen Präsidenten neben dem, der den Geist gibt, ohne den sie nicht leben würden! – Wie beschrieben, hatte der römische Hauptmann etwas von Christi Befehlsgewalt erkannt, ganz im Gegensatz zu Israel, wie Christus selber erwähnt (Mt 8,10).

Was ist Christus für Sie in der Eigenschaft als Befehlshaber? Wie viel Vertrauen setzen Sie in IHN?

Vers 40

Und er sprach zu ihnen: Warum seid ihr furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?  Mk 4,40

Die Jünger mussten sich die Frage Christi gefallen lassen. Sie hatten tatsächlich nicht in der vorausgehend beschriebenen Dimension erkannt, mit wem sie es zu tun hatten.

Wie reagieren wir in Extremsituationen in Bezug auf den Glauben? Wird darin unser Kleinglauben blossgestellt oder werden wir ehrenvoll, unseren HERRN verherrlichend und als der Wirklichkeit glaubend offenbar?

Vers 41

Und sie fürchteten sich mit grosser Furcht und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, dass auch der Wind und der See ihm gehorchen?   Mk 4,41

Die Jünger wussten, wer der Kaiser war, das Oberhaupt römischen Besatzungsmacht, und auch kannten sie seine Grossen. Sie wussten daneben auch von den religiösen Führern, den Schriftgelehrten und Hohepriestern und wozu sie fähig waren. Die einen waren mächtig genug, jemanden zu Tode zu bringen oder aus dem sozialen Leben zu verbannen. Eine solch ausgeprägte Macht, mit der Jesus bekleidet ist, war ihnen aber bis zum Zeitpunkt völlig unbekannt. Dass Gott zu solchem fähig ist, war damals schon bekannt; wer war aber dieser Mensch Jesus, der anfing, in Machtdimensionen Gottes zu wirken?

Kapitel 5

Vers 1

Und sie kamen an das jenseitige Ufer des Sees in das Land der Gerasener.  Mk 5,1 

Von Kapernaum aus gesehen, lag auf der gegenüberliegenden Seite des Sees das Land der Gerasener oder Gadarener (Mt 8,28), wie es in den jeweiligen Evangelien genannt wird, nach den entsprechenden Städtenamen Gadara bzw. Gerasa, die sich im genannten Kreis befanden.

Christus besuchte durch seine Gnade auch dieses Gebiet, obwohl es eigentlich ausserhalb des verheissenen Landes war. Es war der Wille des Vaters, dass alle Kinder satt werden sollten (Mk 7,27), selbst wenn sie sich schon in den Anfängen den Platz ausserhalb des wirklichen Erbes gewählt hatten. Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse blieben bei der Landnahme leider durch ihren Eigenwillen auf der dem Land der Verheissung gegenüberliegenden Seite des Jordans.

Lassen Sie uns in den folgenden Versen die in der Anwendung in unser Leben so wichtige Belehrung aus der Begegnung Christi mit den dort Ansässigen betrachten. Bereits an dieser Stelle kann gesagt werden, dass die Wahl eines Weges ausserhalb des Plans Gottes nach und nach die Gottesferne verstärkt bis sie in die totale Ablehnung des Schöpfers mündet.

Vers 2

Und als er aus dem Boot gestiegen war, begegnete ihm sogleich von den Grüften her ein Mensch mit einem unreinen Geist.   Mk 5,2

Das erste, was dem HERRN begegnete, war ein Besessener. Dies geschah im Land, wo sich die zweieinhalb Stämme im Eigenwillen niedergelassen hatten. Das ist bezeichnend! Diese Darstellung ist zu unserer Belehrung festgehalten (2. Tim 3,16)!

Was lehrt uns die Schrift? – Sie sagt damit aus, dass wir uns auf eigenen Wegen nicht zum Guten entwickeln werden. Vielmehr gehen wir darauf auf Wegen des Todes (Spr 14,12). Dies kann – wir würden es nicht glauben, wenn es nicht hier stünde – soweit führen, dass wir Christus nach einer gewissen Weile im Eigenwillen sogar völlig ablehnen würden, selbst bei einer positiven und wohlwollenden Begegnung mit Ihm, wie nachfolgend beschrieben ist.

Vers 3

der seine Wohnung in den Grabstätten hatte; und selbst mit Ketten konnte ihn keiner mehr binden,  Mk 5,3

Der Mensch, der Jesus begegnete, war so fremdgesteuert, dass er nicht mehr bei den Lebenden wohnen konnte. Er lebte dort, wo die Toten hingetragen wurden. Ausserdem war sein Zustand so schlecht, dass die Welt ihn nicht mehr zur Vernunft bringen konnte. Nicht einmal sein Handlungsspielraum konnte eingeschränkt werden. Das Böse hatte in ihm volle Freiheit, zu tun und zu lassen, was es wollte. Dieser Besessene war völlig und für Menschen irreversibel in der Hand des Schlechten.

Im übertragenen Sinn sehen wir in ihm das geistliche Ende der zweieinhalb Stämme, die im Eigenwillen angefangen hatten: Ein bisschen Eigenwille im privaten Bereich, ein wenig Eigendünkel im finanziellen Gebiet und etwas Sturheit in geschäftlichen Aufgaben und die Verhärtung des Herzens gegenüber dem Willen Gottes wird perfekt. Sie wird so vollkommen, dass sie am Ende nicht mehr umkehrbar ist, zumindest nicht für Menschen. – Das ist eine sehr tiefgreifende Belehrung für uns! Wer ebenso handelt, wird darin geistlich umkommen. Dazu muss sich ein solcher Mensch sagen lassen, dass sein Eigenwille ihn versklavt und unter fremde Herrschaften gebracht hat. Selbst wenn er sich am Ende davon losreissen will: Er hat keine Chance dazu!

Meines Erachtens lässt der Heilige Geist die Evangelisten Markus und Lukas mit dem Blick auf die Auswirkungen des Eigendünkels schreiben. Matthäus spiegelt den geschichtlichen Ablauf an dieser Stelle etwas genauer: Insgesamt waren es zwei Besessene. Da aber für Markus‘ und Lukas‘ Aussagen die Anzahl nicht relevant ist, berichten sie nur von einer besessenen Person.

Vers 4

da er oft mit Fussfesseln und mit Ketten gebunden worden war und die Ketten von ihm in Stücke zerrissen und die Fussfesseln zerrieben worden waren; und niemand konnte ihn bändigen.  Mk 5,4 

Die Strategie des Feindes hat sich in den Jahrtausenden gewandelt. Er handelt immer so, wie es ihn am effizientesten erscheint, um die Menschen von Gott wegzutreiben. Wo die Menschen öffentlich sehr spirituell aktiv sind, offenbart er sich dementsprechend, wo sie sich als „aufgeklärt“ betrachten, wie heutzutage in Europa und Nordamerika, hält er sich im Hintergrund. Auf diese Weise kann er den Atheismus (Überzeugung, dass es keinen Gott gibt) stärken. Heute sehen wir deshalb in Gebieten, die sich am Atheismus orientieren, keine offensichtlich Besessenen mehr, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Würde der Teufel heute öffentlich auftreten, würde der grassierende Glaube an die antichristliche Evolutionslehre von Darwin in Frage gestellt. Dann würde sich der Spiritismus wieder etablieren und die Frage nach Gott verstärkt aufkommen. Deshalb hält sich der Widersacher in den sogenannt „aufgeklärten“ Regionen mit übernatürlichen Offenbarungen im Hintergrund und lässt so die Menschen in ihrem falschen Glauben.

Es ist einfach festzustellen, ob Sie sich in einer „aufgeklärten“ Region befinden. Wenn Sie christliche Moral hochhalten und die Antwort darauf lautet: „Hallo? Wir leben in einem neuen Jahrtausend, in welchem lebst du?“, dann wissen Sie ganz gewiss, dass Sie ein Zeitgenosse „aufgeklärter“ Menschen sind. Ihre Mitmenschen dünken sich „gescheiter“ als jene vor hundert Jahren. Sie glauben, weil die Technologie Fortschritte gemacht hat, rechtfertige dies auch einen moralischen Wandel zu antichristlichen Werten. Sie nennen diesen moralischen Zerfall ebenfalls „Fortschritt“.

Der Teufel manifestiert sich also nicht mehr auf diese Art, wie im zitierten Vers. Der Vers zeigt auf, dass es keine Hilfe mehr für diesen Mann gab. Er war völlig fremdgesteuert. Selbst wenn ihn die Menschen mit allen erdenklichen Hilfsmitteln im Handeln stoppen wollten: Es war zwecklos, wie erwähnt.

Vers 5

Und allezeit, Nacht und Tag, war er in den Grabstätten und auf den Bergen und schrie und zerschlug sich mit Steinen.  Mk 5,5

Der Teufel kann nicht aus seiner Haut. Und was die Bibel sagt, ist immer voll zutreffend, wie:

Jener [gemeint ist der Teufel] war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.   Joh 8,44b  

Der Teufel und seine Gefolgschaft handeln so, wie sie von der Bibel beschrieben werden: Als Feinde und Mörder des Menschen. Obschon die Geister eine Behausung suchen (Mt 12,43), zerstören sie diese, wenn sie eine gefunden haben. Sie können nicht anders. Das Böse reisst nieder, das Gute erhält hingegen. Die bösen Geister reissen ihrer Natur gemäss ihre eigene Behausung nieder, sie treiben den „besetzten“ Menschen, den sie in ihre Gewalt genommen haben, an menschenunwürdige Orte und veranlassen ihn, sich selbst zu vernichten. Das soll jeder wissen, der sich Hilfe in falschen Quellen sucht. Der Teufel bietet als Köder „Hilfe“ an – schauen sie sich mal in Zeitungen oder besonders in Klatschheften die Hilfe versprechenden Inserate an. Die meisten Inserenten arbeiten mit Astrologie oder parapsychologischen und esoterischen Mitteln, deren Quelle niemals aus unserem guten Gott ist. Die Schrift warnt schon seit Jahrtausenden davor (5. Mo 4,19; 17,3; 2. Kö 17,16; 2, Chr 33,3; Jer 8,2; Zef 1,5)!

Und wenn die Quellen nicht vom allmächtigen Gott sind, von welchen (illegalen) Göttern sind sie denn? Wenn sie nicht aus dem Guten schöpfen können, müssen sie es ja aus dem Bösen tun; Gott gibt niemand anderem die Ehre (Jes 42,8)! Und wenn sie es aus dem Bösen tun, ist die versprochene „Hilfe“ ja nur ein Köder, um den suchenden Menschen zu fangen und nachher zu vernichten!

Machen wir uns da nichts vor, liebe Leserinnen und Leser! Vertrauen wir nur auf den HERRN, nicht auf Menschen, und schliessen wir vor allem keinen Pakt mit dem Bösen! Sie sehen es am Beispiel des Besessenen. Wenn die Türe dem Bösen einmal geöffnet wird, gibt es kein Zurück, ausser Gott erbarmt sich und greift übernatürlich ein, wie wir nachfolgend sehen.

Vers 6

Und als er Jesus von weitem sah, lief er und warf sich vor ihm nieder;  Mk 5,6

Dieser Mann war, wie erwähnt, völlig fremdgesteuert. Was er tat, kam von der Macht aus, die in ihm wohnte, das waren Dämonen. Sie kamen also und warfen sich vor Jesus nieder. – Das ist ein Grundsatz im Universum: Gott lässt sich nicht verspotten. Es gibt grundsätzlich keine Showdowns (Kräftemessen) zwischen Ihm und den Gegenspielern. Die Verlierer eines allfälligen Showdowns sind von Anfang an klar. Der Teufel weiss, dass er nur eine von Gott festgesetzte Frist hat und dass es daran nichts zu rütteln gibt (Offb 12,12). Auch seine Gefolgschaft ist in voller Kenntnis darüber (Mt 8,29).

Als über Christi Leben dunkle Wolken schwebten, kurz vor und auf Golgatha, war es eine dem Teufel gegebene Stunde (Lk 22,53). Es war nicht so, dass der Teufel in jener Stunde, wie in einem Krieg zwischen gleich starken Gegnern, die Machtzentralen im Himmel erobern konnte und Gott aus dem Thronsaal geworfen hatte, um Christus ans Kreuz bringen zu können. Das ist ein völlig absurder Gedanke. Der Teufel kann sich keine Stunde im Eigenwillen erobern, nicht einmal einen Augenblick. Er kann lediglich so weit gehen, wie ihm gewährt wird. Gottes Allmacht war keine Sekunde lang eingeschränkt. Auch in jener Stunde konnte Gott tun und lassen, was Er wollte. Wer hierüber noch keine Sicherheit hat, lese bitte Jesaja 14,27. Wie das Machtgefälle zwischen Gott und dem Teufel ist, habe ich im Kommentar zu Mk 4,38 versucht, veranschaulicht darzustellen.

Die Dämonen, die oft über Menschen triumphiert haben, sehen sich an dieser Stelle plötzlich mit Jesus konfrontiert. – Was passiert nun? – Sofort kommen sie in Ergebung und betteln darum, nicht gequält zu werden, wie wir im folgenden Vers lesen.

Vers 7

und er schrie mit lauter Stimme und sagt: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!   Mk 5,7 

Es war nicht der Mensch, der das sagte, sondern der Dämon bzw. die Dämonen (siehe nächster Vers). Sie bettelten um Gnade; es kam von Anfang an nicht zu einem für sie völlig aussichtslosen Kräftemessen. Die Dämonen wussten, dass sie keine Chance hatten gegen Christus, den Gesalbten Gottes. Wie eindrücklich ist Jesu Hoheit und Souveränität nochmals dargestellt!

Vers 8

Denn er sagte zu ihm: Fahre aus, du unreiner Geist, aus dem Menschen!    Mk 5,8 

Die Geister wussten, dass sie dem Befehl Jesu unbedingten Gehorsam zu leisten hatten. Da Christus die im Raum stehende unausgesprochene Frage: „Wohin sollen wir fahren?“, in Bezug auf die Dämonen noch offen liess, bettelten sie für einen für sie erträglichen Ort. Christus hätte sie sofort und unwidersprochen in den Abgrund schicken können, was sie unbedingt vermeiden wollten (Lk 8,31). Den Menschen hatten sie aber unbedingt zu verlassen, das war der Befehl des HERRN, gegen den niemand etwas entgegnen kann, wie mehrmals erwähnt. Der Mensch ist schliesslich nicht geschaffen, um fremdgesteuert zu werden und fremden Geistern Wohnung zu bieten. Der Mensch ist gemacht, um Gott zu enthalten (Eph 2,21) und um wirklich frei zu sein (Joh 8,36).

Vers 9

Und er fragte ihn: Was ist dein Name? Und er spricht zu ihm: Legion ist mein Name, denn wir sind viele.  Mk 5,9

Christus zeigt sich hier als Eingeweihter. Er wusste, dass die Geschöpfe in der geistlichen Welt auch Namen haben. Schliesslich wurde durch Christus alles geschaffen (Kol 1,16). So fragte Er ohne zu zögern nach dem Namen.

In diesem Vers sehen wir aber auch seine Einschränkung in der Eigenschaft als Mensch: Er war unter die Engel erniedrigt (Heb 2,7). In der Eigenschaft als Gott wusste Er alles und vermochte alles. Darin konnte er sogar seinen Todeszeitpunkt selber festsetzen (Joh 19,30). Wann Er wollte, übergab Er seinen Geist. Er übergab ihn; der Geist wurde nicht von ihm genommen, wie es beim Menschen der Fall ist. In der Eigenschaft als Mensch war Er hingegen vom Vater abhängig, wie wir es sind. Als Mensch erfuhr Er die Begrenztheit und Abhängigkeit von Gott am eigenen Leib. Er versteht uns in jeder Hinsicht voll und ganz, wie geschrieben steht:

17 Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen;  
18 denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.   Hebr 2,17.18

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise <wie wir> versucht worden ist, <doch> ohne Sünde.   Hebr 4,15

Dies soll uns zum Trost dienen! Amen.

Vers 10

Und er bat ihn sehr, dass er sie nicht aus der Gegend fortschicke.  Mk 5,10 

Die Gegend war sehr gottesfeindlich, die ansässigen Leute wollten mit Christus nichts zu tun haben, wie wir in diesem Kapitel noch aufgeklärt werden. Ein Paradies und Lagerstatt für die Feinde Gottes! Und da sich Christus (noch) nicht anschickte, die Dämonen vorzeitig in die ewige Strafe zu verbannen; wozu sollten sie aus „ihrem“ Gebiet vertrieben werden? Daher flehte der Wortführer unter der dämonischen Legion, im Gebiet bleiben zu dürfen.

Ist das nicht bezeichnend? – So bezeichnend es ist, so plausibel ist es. Wo Gott verworfen wird, häuft sich das Böse, wie geschrieben steht:

Ein Herrscher, der auf Lügenrede achtet, dessen Diener sind alle gottlos.  Spr 29,12 

Um gottlose Herrscher sammeln sich gottlose Menschen. Ist es ein Wunder, wenn sich in solchen Häusern, Gegenden und Ländern auch Flüche (Lk 10,6) und Dämonen sammeln?

Liebe Leserinnen und Leser! Halten Sie sich zu den Frommen! Haben Sie nichts zu tun mit den ungerechten Werken der Finsternis (Eph 5,11)! Halten Sie sich fern vom Bösen (Spr 16,17), um nicht selber darin zu fallen! Unterstützen Sie die Guten und arbeiten Sie für das Reich, damit es Ihnen wohl geht (Spr 19,23)! Amen.

Vers 11

Es war aber dort an dem Berg eine grosse Herde Schweine, die weidete.  Mk 5,11 

Was hatte eine grosse Herde von Schweinen im Gebiet zu suchen, wo sich zweieinhalb Stämme vom Volk Gottes niedergelassen hatten? Waren Schweine im göttlichen Gesetz nicht als unreine Tiere klassifiziert (3. Mo 11,7; 5. Mo 14,7.8)? – Klar, man kann argumentieren, dass die Leute dort nur Schweine hielten, um sie den aus den Nationen, also Nicht-Israeliten, zu verkaufen. – Weshalb hielten sie Tiere, die bei schlechter Nachfrage nicht selber genutzt werden durften? Assen sie sie wirklich nicht selber auch?

Inzwischen wissen wir ja, dass dort, wo sich das Gottlose massiert, also an Menge häuft, der Abfall vom HERRN immer grösser wird. Kein Wunder weideten dort Schweine, obgleich vom Gesetz her reine Tiere als Alternative zugelassen waren. Die reinen Tiere konnte der Mensch auch für die gottesdienstlichen Opfer einsetzen, aber niemals Schweine und Schweineblut!

War der Wunsch nicht dämonischer, antigöttlicher Natur, innerhalb der Stämme des Volkes Gottes Schweine zu halten, obgleich genügend reine Tierarten erlaubt waren? – Zu beachten ist auch die Tatsache, dass dort die unreinen Tiere nicht nebenbei, quasi als Hobby und wenige an der Zahl, gehalten wurden. Nein, sie hielten sich eine grosse Herde Schweine!

Bitte beachten Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie weit der Mensch sich von Gott entfernt, wenn er anfängt „kleine Sünden“ zu dulden! Angefangen hat der Niedergang dieser zweieinhalb Stämme bereits vor dem Einzug ins gute Land. Vor der Jordanüberquerung entschieden sie sich im Eigenwillen, dort zu bleiben, anstatt in das vom HERRN vorgesehene Gebiet zu ziehen. Das Resultat am Ende war traurig: Das erste, was dem göttlichen Menschen Jesus im besagten Gebiet begegnete, war ein dämonisch besessener und völlig versklavter Mensch unter Zeitgenossen, die für Gott und ihre eigene Nahrung völlig ungeeignete Tiere hielten. Es waren am Ende Menschen, denen der HERR nicht nur gleichgültig war, vielmehr lehnten sie Ihn sogar ab, obwohl Er ihre Angehörigen von dämonischen Zwängen heilte und das Unreine aus den Augen schaffte, wie wir nachfolgend sehen.

Vers 12

Und sie baten ihn und sagten: Schicke uns in die Schweine, damit wir in sie hineinfahren!  Mk 5,12

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich illegal auf fremdem Territorium breit gemacht haben, jedoch vom übermächtigen Besitzer überrascht werden, wie könnten Sie es anstellen, doch noch eine Bitte erfüllt zu bekommen? Wie würden Sie vorgehen, wenn Sie die Wahl zwischen der Verwahrung im Abgrund als Endstation oder einer etwaigen Alternative hätten? – Korrekt, Sie bieten dem rechtmässigen Besitzer an, mit Ihrem Weggang die Gegend auch gleich zu säubern, die Sie verunstaltet haben!

Auf diese Weise taten es die Dämonen, welche wussten, dass Schweine unter Gottes Volk nichts zu suchen hatten. Sie boten Christus an, gleich mit den Schweinen zu verschwinden. Diese Bitte fand Gehör beim rechtmässigen Besitzer des ansässigen Volkes.

Vers 13

Und er erlaubte es ihnen. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See, etwa zweitausend, und sie ertranken in dem See.  Mk 5,13  

Damit waren gleich beide Probleme gelöst. Der Besessene war frei und das Land gesäubert. Die Möglichkeit für den Menschen, unreines Fleisch zu essen oder dem HERRN darzubringen, war beseitigt. Die Menschen und das Gebiet waren äusserlich wiederhergestellt und die Möglichkeit, Gott zu dienen, war wieder offen. Für diese Leute bestand eine zweite Chance vom HERRN, ins Vaterhaus zurückzukehren. Selber hätten sie es nicht gekonnt, auch wenn sie sich das einbildeten. Dies gilt im Übrigen für alle Menschen:

Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weisst nicht, dass die Güte Gottes dich zur Busse leitet?   Röm 2,4 

Manchmal denkt der Mensch tatsächlich allen Ernstes, dass er bestimmen kann, ab welchem Zeitpunkt im Leben er sich Gottes Dingen widmet. Er sieht nicht, dass er durch Selbstbestimmung, wie die zweieinhalb Stämme Israels, immer weiter in den Abfall Gottes gerät und am Ende fremdbestimmt und völlig unfähig, eigene Entscheidungen für das Gute zu treffen, der Hölle entgegenschlittert.

Was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, packten die dort ansässigen Menschen ihre zweite Chance, die ihnen Gott persönlich, in der Person von Jesus Christus, vor Ort anbot?

Vers 14

Und ihre Hüter flohen und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land; und sie kamen, um zu sehen, was geschehen war.   Mk 5,14

Das Geschehene war selbstverständlich sehr furchteinflössend. Da kam ein Mensch mit Vollmacht über den Teufel und dessen Gefolgschaft mit dem Boot an Land, den weder die Legion Dämonen noch das durch die grosse Herde Schweine verunreinigte Land aufhalten konnte. Beide Missstände wurden sofort und in einem „Aufwisch“ behoben.

Nie wurde vorher ein Mensch mit solcher Befehlsgewalt gesehen. Diese Tatsache und die Ereignisse waren absolute Sensationen für die Hüter! Es war kein Wunder, dass sie sich sofort aufmachten, die Geschehnisse im ganzen Land zu verkündigen. Und dass darauf die Leute kamen, um zu sehen, was geschehen war, ist auch leicht nachvollziehbar. Wir würden ebenso handeln.

Vers 15

Und sie kommen zu Jesus und sehen den Besessenen, der die Legion gehabt hatte, bekleidet und vernünftig sitzen, und sie fürchteten sich.    Mk 5,15

Die einheimischen Leute, die durch die Verkündigung der Schweinehüter gekommen waren, fürchteten sich verständlicherweise vor dem, der mit einem einzigen Wort der Macht vollbringen konnte, was sie im Kollektiv und mit Fussfesseln sowie eisernen Ketten nicht geschafft hatten. – „Was muss das für ein Mächtiger sein?“, werden sie sich gedacht haben. Sie fanden alles so vor, wie es die Hüter beschrieben hatten und stellten auch fest, dass Christus wirkungsvoll und nachhaltig agierte. Der Besessene war nicht lediglich beruhigt worden, um nachher noch wilder zu tun. Er war vollständig frei von der Besatzungsmacht und das Land gesäubert, obgleich der Unrat darauf gross war.

Vers 16

Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie dem Besessenen geschehen war und das von den Schweinen.  Mk 5,16

Die Augenzeugen erzählten der herzugekommenen Volksmenge nun im Detail, was geschehen war. – Wie erwähnt, kam die Volksmenge durch die Verkündigung der Schweinehüter an diesen Ort, welche nicht zwingend von allem wussten. Bei Christus wurde die Volksmenge von den Augenzeugen über alles eingeweiht: Alle Herzugekommenen erfuhren, dass Christus ein überaus Mächtiger war. Sie wurden aber auch in Kenntnis gesetzt, dass Er für die Menschen war, indem Er Gefangene befreite. Er kam heilend und rettend, selbst wenn die Leute anfänglich vielleicht dachten, Er habe sie um ihr Essen, damit meine ich die Schweineherde, gebracht.

Was das Ergebnis dieses strahlenden Glanzes Gottes angeht, der mit der Heilung des Besessenen und der Säuberung des Landes von Dämonen und Schweinen einherkam, wird im nächsten Vers erläutert.

Vers 17

Und sie fingen an, ihn zu bitten, dass er aus ihrem Gebiet weggehe.   Mk 5,17

Das Ergebnis des eigenen Rechts ist völliger und unheilbarer Abfall von Gott und bleibende Ablehnung gegen Ihn. Sein Volk bittet Ihn, wegzugehen.

Ich behaupte nicht, dass durch die Durchmischung der Völker, die früh begann, im Norden bereits zur Zeit Hiskias, ausschliesslich Israeliten bei Jesus standen und Ihn zu gehen baten. Wir wissen aber, dass dort, um Jerusalem und in der weiteren Umgegend, Israeliten wohnten. Nach der Deportation nach Babel kehrten unter dem Machthaber Kyrus wieder Juden dorthin zurück.

Niemand trat dazwischen, der Ratschluss war einmütig und erschreckend: „Jesus, geh bitte fort, verschwinde aus unserem Gebiet!“ – Wer Gottes Rettungsanker verwirft, gleicht einem Fallschirmspringer, der sich beim Sprung des Schirms entledigt und in den sicheren Tod springt.

Mich lässt diese Darstellung erschaudern. Das ist das Ergebnis des Eigenwillens. Der Mensch driftet nach eigenwillig gefällten Entscheidungen immer weiter vom geraden Pfad Gottes ab; soweit, bis sein Bekenntnis nur noch hohl und leer ist. Selbst wenn einem solchen Menschen Christus persönlich begegnet, erkennt er Ihn nicht als den Schöpfer-Gott! Man will diese Person, die Gottes Gerechtigkeit bringt, weg haben. Sie wird als störend empfunden und steht dem Lauf der menschlichen Selbstverherrlichung im Weg.

Vers 18

Und als er in das Boot stieg, bat ihn der, der besessen gewesen war, dass er bei ihm sein dürfe.   Mk 5,18

Einzig der Geheilte wollte beim HERRN bleiben; wen wundert es? Er war durch Christus von fremder Knechtschaft befreit worden, wie auch von der daraus resultierenden Selbstzerstörung. Obleich dieser Wunsch nicht einmal der Norm entsprach, wenn wir die Begebenheit mit den zehn Aussätzigen im Lukas 17, 11ff lesen. Die Undankbarkeit unter den Menschen gegenüber Gott ist sehr gross.

Vers 19

Und er gestattete es ihm nicht, sondern spricht zu ihm: Geh in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, wieviel der Herr an dir getan und <wie er> sich deiner erbarmt hat.  Mk 5,19 

Anhand dieses Verses sehen wir nochmals deutlich vor Augen geführt, wie weit die Gnade Gottes geht. Obschon Christus durch die Zurückweisung das Gebiet dem endgültigen Fluch hätte übergeben können, hinterlässt er diesen undankbaren Menschen ein „Gewissen“ in Form eines Zeugen. Dieser geheilte Mensch soll als glaubwürdiger Botschafter zumindest unter seiner Verwandtschaft Zeugnis von Gottes Herrlichkeit und Gnade abgeben. Christus gab den Ansässigen auf diese Art eine weitere Chance, doch noch Sündenvergebung durch Umkehr zu erhalten und einem sehr harten Gericht zu entfliehen.

Stellen Sie sich das Gericht für sündenbeladene Menschen vor, welche die ausgestreckte Hand Christi, des Retters aller Menschen, zurückweisen, indem sie Ihn sogar bitten, aus ihrem Gebiet zu verschwinden! – Eine absolut schauderhafte Begebenheit, die uns da erläutert wird!

Vers 20

Und er ging hin und fing an, im Zehnstädtegebiet auszurufen, wieviel Jesus an ihm getan hatte; und alle wunderten sich.   Mk 5,20   

Der Geheilte tat noch mehr, als ihm aufgetragen wurde. Er rief im ganzen Gebiet dieser zweieinhalb Stämme, die sich vor der Jordanüberquerung bereits niedergelassen hatten, aus, was der HERR wirken kann bzw. was Er an ihm gewirkt hatte.

Christus hinterliess in seiner Gnade, trotz der bösen Verwerfung der ansässigen Leute, einen mächtigen Zeugen und Botschafter, um ihnen die Chance für den Himmel offen zu lassen. Dies tat Er ohne persönliche Rachegedanken für die ganze Zeitspanne, die Er vom Vater erhalten hatte. Er stellte seine persönlichen Verletzungen hinter den Wunsch des Vaters, alle Menschen retten zu wollen (Hes 18,23).

Vers 21

Und als Jesus in dem Boot wieder an das jenseitige Ufer hinübergefahren war, versammelte sich eine grosse Volksmenge zu ihm; und er war am See.  Mk 5,21 

Am jenseitigen Ufer, im von Gott versprochenen Land also, wurde Er zumindest nicht als Erstes von einem Besessenen empfangen. Auch wenn die Schwach- und Bosheit der neuneinhalb Stämme auf der richtigen Seite des Jordans gross war, erschien letztere nicht mit der ausgeprägten Hässlichkeit der Gadarener bzw. der Gerasener. Sie standen der Wahrheit doch näher, und Gott belohnt jeden Schritt in die richtige Richtung. Im „Empfangskomitee“ standen Menschen, die noch nicht völlig vom Bösen überwältigt waren, im Gegensatz zum Besessenen auf der anderen Seite des Sees.

Vers 22

Und es kommt einer der Synagogenvorsteher, mit Namen Jaïrus, und als er ihn sieht, fällt er ihm zu Füssen  Mk 5,22

Es gab einige Israeliten, die ansatzweise sahen, was Jesus zu tun vermochte. Christus stellte aber keinem von ihnen ein solches Zeugnis aus, wie Er es dem römischen Hauptmann zugestand (Mt 8,10). Immerhin unterwarf sich dieser gutgestellte Israelit unter Christus; er fiel vor Ihm nieder. Die Haltung dieses Synagogenvorstehers spricht für ihn. Die Chancen standen gut, von Christus erhört zu werden.

Leider vermochte sich der Glaube des Volkes Gottes bei keinem in dieselbe Höhe desjenigen des römischen Hauptmannes zu schwingen. Und jener war lediglich ein Ausländer ohne den fleischlichen Ursprung in Abraham. Das ist wirklich eine sehr erstaunliche Tatsache.

Vers 23

und bittet ihn sehr und sagt: Mein Töchterchen liegt in den letzten Zügen. Komm, und lege ihr die Hände auf, damit sie gerettet wird und lebt!   Mk 5,23

Um an eine Heilung zu glauben, wollte dieser Synagogenvorsteher – im Unterschied zum römischen Hauptmann – Taten Christi sehen: Christus sollte zu ihm nach Hause kommen und der Tochter die Hände auflegen, dann – immerhin glaubte er das – würde sie gerettet werden.

Der römische Hauptmann erkannte hingegen viel mehr von der Herrlichkeit Christi. Er wusste, dass Christus nicht einmal vor Ort kommen muss, um zu heilen. Ausserdem wusste der Hauptmann, dass er als sündiger Mensch und Ausheimischer gar nicht würdig war, eine so hochgestellte Person zu empfangen.

Wo stehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, im Wissen über Christus?

Vers 24

Und er ging mit ihm, und eine grosse Volksmenge folgte ihm, und sie drängten ihn.   Mk 5,24

Einige sehen diesen Vers ausschliesslich positiv. Viel Volk folgt Jesus. Das Interesse an Ihm ist so gross, dass Er gedrängt wird. – Diese Betrachtungsweise ist ziemlich naiv. Es scharen sich heute auch haufenweise Leute um „Stars“ und „Sternchen“, weltliche Berühmtheiten also, die geistlich überhaupt nichts und der Welt nichts als Sünde bringen. Dasselbe Volk, das sich um Christus scharte, die Israeliten, liess sich von der Führerschaft überreden mitzuhelfen, den HERRN ans Kreuz zu bringen, indem es einmütig vor Pilatus schrie: „Kreuzige ihn!“

Die Ansicht, dass so viel Volk dort war, um Sensationen und völlig aussergewöhnliche Dinge zu sehen, ist eher zutreffend. Natürlich gab es unter dem Volk auch Menschen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten. Der nachfolgende Vers liefert diesen Beweis.

Vers 25

Und <es war> eine Frau, die zwölf Jahre mit einem Blutfluss behaftet war   Mk 5,25 

Der Heilige Geist lenkt unsere Aufmerksamkeit nun auf eine hoffnungslos erkrankte Frau. Zwölf Jahre lang dieselbe Plage zu haben, kann auf ein lebenslanges Leiden hindeuten. An dieser Stelle ist durch die Vollzahl symbolisch eine ewige (also eine irdisch und himmlisch unheilbare) Plage dargestellt. Die Zahl Zwölf wird von Bibellehrern als Vollzahl in himmlischen Dingen betrachtet, die Zahl Sieben als Vollzahl in irdischen Dingen.

Wer zwölf Jahre lang krank ist, ist sinnbildlich im „vollen Ausmass“ krank, nicht nur im Blick auf sein irdisches Sein. Ohne eine Berührung Gottes gibt es in solchen Fällen weder Hoffnung noch Heilung, denn ein verlorener Mensch ist nicht „nur“ im Wandel auf Erden krank und benachteiligt (Joh 3,36). Nach dem Tod und dem Endgericht bleibt ein solcher – anders formuliert – für ewig „krank“ (Mk 9,48; Offb 14,11).

Vers 26

und vieles erlitten hatte von vielen Ärzten und alle ihre Habe aufgewendet und keinen Nutzen davon gehabt hatte; es war vielmehr schlimmer mit ihr geworden.  Mk 5,26

Jegliche irdische Hilfe, die sich die Frau geholt hatte, machte ihr Leiden schlimmer statt besser. Die Welt ist mit ihren Methoden, im Blick auf die uneingeschränkten Fähigkeiten des HERRN, sehr schwächlich.

Es ist aber interessant zu beobachten, wie die Menschen – auch Christen – sich zuerst in der Welt Hilfe holen oder auf die eigene Kraft vertrauen. Beobachten wir uns mal selber: Wo wird Zeit abgezweigt, wenn wir wegen eines hohen Arbeitsanfalls glauben, keine zu haben? Schnell mutiert man zu einem „Saul“, der in Anbetracht von Zeitnot von den Dingen des HERRN abliess (1. Sam 14,19).

Dieses Verhalten ist genau der Norm entgegengesetzt. Wer besondere Unterstützung braucht, soll sich die Zeit dafür nehmen, den HERRN darum zu bitten. Es ist völlig unlogisch, sich genau dann von der Quelle der Hilfe abzuwenden, wenn sie am dringendsten benötigt wird!

Wenden wir uns nach diesem Abstecher über die Quelle der Kraft zum aktuellen Vers zurück. Wir tun gut daran, alle unsere Wege von Anfang an dem HERRN anzubefehlen, wie es uns diese Frau mit Glaubenswerken vormachte, nachdem sie von Jesus gehört hatte.

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen. Ps 37,5  

Doch allein dabei soll es nicht bleiben. Auch bei unvorhergesehenen Situationen, in denen uns die Situation plötzlich in Not bringt oder uns die Zeit davon rennt, sollte unsere Kraftquelle der HERR bleiben. Gedanken, dass der Moment für einen Hilferuf nicht reicht, sind vom Bösen. Amen.

Vers 27

Als sie von Jesus gehört hatte, kam sie in der Volksmenge von hinten und rührte sein Gewand an;   Mk 5,27

Das Gerücht über Jesus genügte dieser Frau, eine Glaubenstat zu vollbringen. Wie Rut im gleichnamigen Buch des Alten Testaments nur schwach etwas über den Gott Israels gehört hatte, sich aber nichtsdestotrotz an diesen Gott hielt, suchte diese Frau bei Jesus Hilfe, von dem sie nur gehört hatte, Ihn aber nicht persönlich kannte.

Wie ihr Einsatz, an Christus – trotz drängender Volksmenge – heranzukommen und Ihn zu berühren, belohnt wurde, sehen wir nachfolgend.

Vers 28

denn sie sagte: Wenn ich nur sein Gewand anrühre, werde ich geheilt werden.   Mk 5,28 

Auch diese Frau hatte eine ziemlich reife Sicht im Blick auf die Macht Christi. Obschon Christus seine Herrlichkeit sehr zurückhielt, um die Herzen der Menschen ganz zu gewinnen und die Zuneigung nicht auf geheuchelter Ehrerbietung fussen zu lassen, glaubte diese Frau an grosse Fähigkeiten in der Person Christi. Sie sah es als völlig ausreichend an, nur sein Gewand berühren zu müssen, um von ihrer Plage befreit zu werden, die kein Arzt der Welt heilen konnte.

Vers 29

Und sogleich vertrocknete die Quelle ihres Blutes, und sie merkte am Leib, dass sie von der Plage geheilt war.  Mk 5,29 

Nach der Berührung vertrocknete die Quelle ihres Blutes nicht irgendwann, sondern sogleich. Die Frau durfte aufgrund ihres erwiesenen Glaubens in den Genuss der Erhörung ihrer Bitte an Gott kommen. Die Gottlosen werden hingegen im Blick auf ihre Wünsche mit leeren Händen fortgeschickt. Vielmehr ernten die Gottlosen das, wovor ihnen graut.  

Wovor dem Gottlosen graut, das wird über ihn kommen, aber der Wunsch der Gerechten wird gewährt.   Spr 10,24 

Der Gottlose stösst bei Gott zu Lebzeiten auf taube Ohren; seine Hoffnung wird mit zunehmendem Alter kleiner und kleiner, bis seine trügerische Erwartung mit seinem Tod endgültig verloren ist.

Mit dem Tod eines gottlosen Menschen geht <seine> Hoffnung verloren, und die trügerische Erwartung ist verloren.   Spr 11,7  

Bedenken wir: Selbst wenn Gottlose um uns zu blühen scheinen -, Gott ist ihnen fern, wie geschrieben steht!

Fern ist der HERR von den Gottlosen, aber das Gebet der Gerechten hört er.   Spr 15,29  

Die Frau im aktuellen Vers setzte ihren Glauben an Gott in die Tat um. Trotz des Gewühls um Christus hielt sie unbeirrt auf Ihn zu, bis sie Ihn berühren konnte, wie es ihrem Glauben entsprach.

Vers 30

Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, wandte sich um in der Volksmenge und sprach: Wer hat mein Gewand angerührt?   Mk 5,30 

Gott bleibt gar nichts verborgen und Jesus merkte es selbst in seiner Eigenschaft als Mensch. Gott liess aufgrund von Glauben Kraft fliessen. Der Glaube an irgendetwas heilt nicht allein, wenn nicht Gott die Kraft fliessen lässt. Setzen Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich einmal hin, und glauben Sie fest daran, dass Sie in einer Woche so viele Güter bekommen, dass Sie lebenslang nicht mehr auf eine Arbeit angewiesen sind. Das kann glauben wer will; wer es tut, glaubt an Märchen und auch daran, dass der Storch die Kinder bringt. Selbst bei weniger eigennützigen Themen gilt: Wenn Gott nicht die dazu nötige Kraft fliessen lässt, kann der Mensch glauben und hoffen, so lange er will. Es wird einfach nichts passieren, wie bei den Priestern auf dem Berg Karmel, die sich mit äusserster Kraft gewünscht hatten, dass ihr Opfer doch angenommen werden würde.

Vers 31

Und seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst, dass die Volksmenge dich drängt, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?   Mk 5,31

Wie schnell ein Jünger Christi wieder in die ungute Logik der Welt fällt, zeigt dieses Beispiel auf. Die Jünger sagten damit, Christus stelle eine dumme oder mindestens überflüssige Frage, es sei doch klar, dass es im Gedränge immer wieder zu Berührungen kommt. Sie hatten das Gespür nicht, dass die Frage Christi einen geistlichen Hintergrund haben könnte.

Weil die Frau glaubte, liess Gott Kraft fliessen. Diesen Kraftfluss spürte Christus, selbst in der Eigenschaft als Mensch, wogegen sich die Jünger geistlich als völlige Anfänger outeten.

Vers 32

Und er blickte umher, um die zu sehen, die dies getan hatte.  Mk 5,32   

Christus überblickt in seinem Reich alles, es kann Ihm nichts verborgen bleiben. Auch teilt Er nicht mal hier etwas Kraft aus und etwas Segen dort, ohne den persönlichen Kontakt zu suchen. Wenn jemand auf diese herrliche Weise Kraft empfängt, wie diese Frau, hat Christus Interesse am Menschen, der so gewiss auf Ihn vertraut. Deshalb erwähnt der Heilige Geist diese Begebenheit, mag sie in den Augen des Lesers anfänglich nicht erwähnenswert sein. Für Christus ist ein auf diese Art glaubender Mensch es wert, persönlich durch Ihn angesprochen und getröstet zu werden, wie wir nachfolgend sehen werden.

Haben Sie im Übrigen in diesem Satz den Hinweis auf die Allmacht Christi bemerkt? – Christus blickt umher, um „die“ zu sehen, „die“ das getan hat, nicht um „den“ zu sehen, „der“ das getan hat. Er suchte also bereits nach einer Frau, nicht nach einem Mann, weil Er alles weiss. – Vertrauen wir Ihm! Er kann alle unsere Bedürfnisse stillen und uns in Allem helfen! Er sei gelobt! Amen.

Vers 33

Die Frau aber fürchtete sich und zitterte, da sie wusste, was ihr geschehen war, kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.   Mk 5,33 

Die Frau wollte ihre Glaubenstat ohne viel Wirbel vollziehen. Als sie sich darüber im Klaren war, dass sie (heimlich) Heilung erhalten hatte und nun vom Geber gesucht und gerufen wurde, fürchtete sie sich und zitterte. Sie kannte Gott nicht in der Tiefe und wusste damit auch nicht, was nun geschehen würde. Sie tat aber das einzig Richtige und wies damit auch auf ihre Erkenntnis hin, dass ein Mächtiger mit ihr sprach, indem sie vor Ihm nieder fiel und die ganze Wahrheit erzählte.

Christus rief sie nicht, um sie einzuschüchtern. Er gab ihr sogar noch eine Verheissung mit, wie wir nachfolgend sehen.

Vers 34

Er aber sprach zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage!   Mk 5,34 

Die Begegnung eines schriftgemäss glaubenden Menschen mit Christus ist in der Regel stets angenehm. Auch hier tröstet Christus die Frau mit der schönen Anrede und der Verheissung bzw. der Versicherung, dass die Plage nicht nur temporär von ihr hat weichen müssen. Christus bestätigte ihr die definitive Heilung. Dazu anerkennt Er sie als Tochter, wie Gott die wahren Nachkommen Abrahams als Söhne und Töchter anerkennt. – Was für tröstende und herrliche Worte!

Vers 35

Während er noch redete, kommen sie von <dem Haus> des Synagogenvorstehers und sagen: Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Lehrer noch?   Mk 5,35

Die Situation mit der Tochter des Synagogenvorstehers hatte sich nun so entwickelt, dass jegliche menschliche Hilfe versagte. Selbst die heutige Spitzenmedizin, die einigen todkranken Menschen von damals hätte helfen können, ist machtlos, wenn sie mit dem bereits eingetretenen Tod konfrontiert ist. In dieser Situation hörte leider auch der Glaube der Menschen auf: Im Vers legen sie mit ihren Worten offen, dass Jesus in ihren Augen zwar ein echter Wunderheiler (im positiven Sinn) war, aber keine Macht über den Tod hätte. Deshalb sagten sie: „Was bemühst Du den Lehrer noch?“ – Was aber sagt die Schrift aus Gottes Blickwinkel über den Tod?

»Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?«    1.Kor 15,55

Dieser Vers wird von Paulus zitiert. Er stammt aus dem Buch Hosea (Hos 13,14). – Die Zeit war für die Menschen reif, Christus in seiner uneingeschränkten Macht kennen zu lernen. Was für den Menschen unmöglich war und heute noch ist, ist für Gott möglich (Mk 10,27). Daher war es gut, dass die Tochter des Vorstehers gestorben war. Es war sogar sehr gut. Die Menschen sollten wirklich mal erkennen, mit wem sie es zu tun hatten, um Ihm die gebührende Ehre zu bringen und demgemäss entsprechende Heilung zu erfahren.

Vers 36

Jesus aber überhörte das Wort, das geredet wurde, und spricht zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht; glaube nur!   Mk 5,36

Jesus überhörte das Wort des Unglaubens derer, die vom Haus des Synagogenvorstehers kamen. Obschon sie damit seine herrliche Person beleidigten, stellte Er sich zurück und kümmerte sich einzig um das verzweifelte Herz des Synagogenvorstehers. – Wie hoch ist doch der HERR zu preisen! Amen!

Vers 37

Und er erlaubte niemand, ihn zu begleiten, ausser Petrus und Jakobus und Johannes, dem Bruder des Jakobus.   Mk 5,37 

Dies ist eine lehrreiche Stelle. Die besondere Auswahl Christi beruht nicht auf einem Zufall; wir sehen dieselbe auf dem Berg der Verklärung (Mt 17,1). Diese drei genannten Jünger nahmen eine besondere Stellung ein, welche nicht auf Sympathie oder Antipathie gründete, da Gott ohne Ansehen der Person die Auswahl trifft.

Die drei Jünger hatten eine bevorzugte Stellung. Sie symbolisieren die überwindenden Christen, welche Christus in allen Bereichen den Vorzug geben und im Gegenzug von Christus mit besonderer Ehre gewürdigt werden. Wer Gott ehrt, wird von Ihm wiederum geehrt werden. Das ist ein Prinzip im Universum (1. Sam 2,30b). – Glückselig sind Sie als Christ, wenn Sie nur schon Frucht bringen! Schlecht ergeht es denen, die mit völlig weltlichem Wandel keine bringen, obschon alles für gutes Gedeihen von Gott vorbereitet wurde (Jes 5,4 u. v. a.). Doch Frucht bringen bedeutet noch lange nicht, alles für den HERRN geben. Es kann sich auch jemand weit ins Reich hinein schicken und trotzdem einen Bereich in seinem Leben selber bestimmen. Israel ging auch den Weg Gottes durch die Wüste; und doch waren nicht alle mit dem Herzen ungeteilt im Willen des HERRN. Nicht wenige schleppten trotz all den Wundern und Heilstaten zusätzlich eigene Götter mit (Am 5,25.26). Der HERR war davon nicht sehr beeindruckt, wie wir sehen.

Vers 38

Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers, und er sieht ein Getümmel und Weinende und laut Heulende.   Mk 5,38   

Das Volk hatte Christus bewiesenermassen nicht erkannt. Er stand zwar da, wurde aber in dieser scheinbar hoffnungslosen Situation nicht als Retter wahrgenommen, sonst hätten die Anwesenden aufgehört zu heulen und hätten auf sein Heil gewartet. Die Menschen waren hingegen von der Endgültigkeit des Todes überzeugt. Sie dachten ihren Taten gemäss in etwa so: Jetzt kann dieser Wunderheiler auch nichts mehr ausrichten.

Christus reagiert und spricht darauf der Situation entsprechend. Nachfolgend sehen wir durch seine Feststellung im vollen Masse, dass seine der Wahrheit entsprechende Sicht der Dinge in den Augen der Menschen lächerlich erschien. Der Unglaube an die unumschränkte Macht Christi seines eigenen Volkes wird damit voll erfasst und steht mit dieser Aufzeichnung unentschuldbar da.

Vers 39

Und er geht hinein und sagt zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft.  Mk 5,39

Die Sicht der Dinge Christi entsprach seiner Aussage. Wenn Er da steht, was gibt es da zu lärmen? Wenn Er da steht, was gibt es da zu weinen? Wenn Er da steht, sind Tote nicht tot, sondern schlafen nur, denn Er kann sie jederzeit ins Leben rufen. Sollte dem Allmächtigen eine Sache zu wunderbar sein (Jer 32,27)?

Mit dieser Aussage wurde ihr Glaube getestet. Sahen die Umstehenden diese Macht in Ihm?

Vers 40

Und sie lachten ihn aus. Als er aber alle hinausgetrieben hatte, nimmt er den Vater des Kindes und die Mutter und die, die bei ihm waren, mit und geht hinein, wo das Kind war.  Mk 5,40 

Christus testete ihren Glauben an Ihn, wie vorausgehend erwähnt, denn alles musste damals, wie es auch heute noch ist, offenbar werden, damit es keinen Platz für Ausreden gibt. – Was war die Reaktion der Menschen, welche Christus ja bereits kannten (Lk 8,40), als Er die wahre Sichtweise, dass das Kind vor Ihm nur schläft, erläuterte? – Genau, sie lachten Ihn aus, denn der Glaube an seine Allmacht, dass Er alles vermag und selbst über dem Tod stand, wie es sich auch heute noch verhält, war in ihnen nicht vorhanden. Sie glaubten also nicht, dass Er das Kind ohne weiteres aufwecken konnte. Sie glaubten nicht, dass seine Macht allumfassend war (und ewig ist). Hätten sie das geglaubt, hätten sie bei seiner Ankunft aufgehört zu weinen und zu lärmen und hätten gespannt auf Ihn geschaut, was Er jetzt wohl tun würde. Doch angesichts des Todes nahmen sie Ihn vor lauter Heulen und Jammern nicht einmal richtig wahr. – Wie verhält es sich bei uns angesichts sehr übler Umstände? Handeln wir dann ohne Christus einfach drauf los, bzw. – wenn wir nicht handeln können – jammern und lärmen wir dann, wiederum ohne Christus, drauf los?

Christus hatte die Hilfe von Menschen nicht nötig; auch hatte Er das Bedürfnis nicht, vor den Augen von Ungläubigen Wunder zu tun. So nahm Er nur die Eltern und die drei Jünger mit in den Raum, wo das Kind war.

Die ungläubige Masse wird in der Regel vor dem Eingriff Gottes vom Ort des Geschehens entfernt. Gott ist kein Zirkusclown, der zum Vergnügen der Zuschauer Wunder wirkt. Gott ist ein mächtiger König, dem es Respekt zu zollen gebührt. Amen.

Vers 41

Und er ergriff die Hand des Kindes und spricht zu ihm: Talita kum! Das ist übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!   Mk 5,41  

Was haben Sie erwartet von einem so gnädigen und mächtigen Gott? Dass Er aufgrund der Sünde der Eltern die Tochter nicht heilt? Hätte Er sagen sollen: „Das ist das Ergebnis Eures Wandels; das habt ihr nun davon!“, wo sie Ihn doch im Glauben um Gnade angefleht hatten? Oder zweifeln Sie daran, dass Er nicht hätte heilen können, wo doch Er alle Dinge geschaffen hat und gar nichts zu schwer ist für Ihn? Oder glauben Sie, dass Er für eine Totenauferweckung viele Stunden und Kraft investieren muss, wie sie Herzchirurgen für eine Transplantation benötigen? – Der HERR bewies den Umstehenden, dass Er in seiner Eigenschaft als Gott die Tote so einfach „wecken“ konnte, wie wir Menschen eine schlafende Person wecken. Genau so einfach, im Vorübergehen quasi, fiel es Ihm, den toten Jüngling bei der Stadt Nain aufzuwecken (Lk 7,14). Deshalb sagte Er an dieser Stelle: „Das Kind schläft.“

Liebe Leserin und lieber Leser! Nennen Sie mir bitte angesichts dieser Wahrheiten einen Grund, in der Gegenwart Christi zu heulen, zu lärmen oder unnütze Werke anzureissen, selbst wenn die Situation aussichtslos erscheint! Es ist vielmehr eine demütige Bitte an Ihn zu richten, der alles vermag. Amen.

Vers 42

Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie erstaunten sogleich mit grossem Erstaunen.   Mk 5,42

Dass die Leute dieses Geschehnisses wegen erstaunten, war einerseits klar, weil Solches noch nie da gewesen war; andererseits wussten sie von Jesus. Ob es dann nötig war, mit „grossem“ Erstaunen zu erstaunen, sei dahingestellt. Dass das Erstaunen gross war, ist ein weiterer Indikator des (leider) grossen Unglaubens.

Das Aufwecken eines Toten ist für Christus eine solche Kleinigkeit, dass im aktuellen Fall das Mädchen sogleich umher gehen konnte, obschon es vorher mehr als schwerstkrank war. Es war tot. Nicht ein einzelnes Organ musste sich für eine Rückkehr ins Leben erholen. Sämtliche Organe waren bei dieser Zwölfjährigen bereits für den Verwesungsprozess freigegeben. All das musste rückgängig gemacht werden und noch viel mehr: Der Geist musste in den Leib zurückkehren, sowie die Seele aus dem Totenreich. Wenn der Tod eintritt, geht der Geist zu Gott zurück (Pred 12,7). Die Seele wird bis zur gegebenen Zeit (des Endgerichts) im Hades aufbewahrt, was im Lukasevangelium erläutert wird (Lk 16,19). Hinweis: Bereits der Hades in zwei Teile aufgeteilt, einen für die würdigen und einen für die unwürdigen Seelen.

Die Heilungen Christi waren nicht so, wie die von Menschen gemachten, wie wir es hier durch die Heilige Schrift sehr scharf umrissen dargestellt bekommen. Der Herztransplantationspatient kommt nach der Operation zuerst auf die Intensivstation, wo er unter genauer Überwachung nach und nach von den Hilfsapparaturen abgekoppelt werden kann. Danach beginnt eine längere Rehabilitationsphase, in der er sich langsam erholt und an die neue Situation gewöhnen muss. Dabei ist nicht einmal garantiert, ob er je wieder gänzlich hergestellt sein wird. – Sehen Sie den Unterschied zwischen einer Heilung durch Christus und einer durch menschliche Spitzenmedizin gewirkte?

Vers 43

Und er gebot ihnen dringend, dass niemand dies erfahren solle, und er sagte, man solle ihr zu essen geben.   Mk 5,43   

Wie bereits erwähnt, spielt Gott nicht den Clown im Zirkus, um die Anwesenden zu unterhalten. Wer nicht an Ihn glaubt, soll seine Herrlichkeit nicht sehen. – Den Menschen ausserhalb des Zimmers der Auferweckung dieser Zwölfjährigen wurde zwar gewahr, dass sie wieder lebte, doch sie durften beim Wunder nicht dabei sein. Auch sollte der Vorgang geheim bleiben und nicht an die Öffentlichkeit gelangen; er war den engsten Mitarbeitern Christi vorbehalten.

Gepriesen sei unser HERR! Wie Er kein Allversöhner ist, bewahrt Er den Seinen viele Privilegien auf! Nicht umsonst werden wir uns zu seinen Gunsten verleugnet haben, wenn Er offenbar werden wird. Schon in dieser Zeit schlägt der Wandel mit Gott in geistlichem Erfolg nieder, wieviel mehr bei seiner Offenbarwerdung!

Und wie auch schon erwähnt, war für Christus diese Auferweckung wie immer ein Klacks. Während die Umstehenden nicht aus dem Staunen heraus kamen, dachte Er bereits an das weitere Wohl des Mädchens. Es war ganz gesund und benötigte keine Rehabilitationsphase. Als Zwölfjährige war sie im natürlichen Wachstum und brauchte bei all dieser Aufregung und diesem Volksauflauf etwas zu essen. Christus wusste, dass sie im Anschluss von allen Leuten belagert werden würde, die ihr viele Fragen stellen wollten.

Kapitel 6

Vers 1

Und er ging von dort weg und kommt in seine Vaterstadt, und seine Jünger folgen ihm nach.   Mk 6,1

Mit dem neuen Kapitel endet die Begebenheit im Haus des Synagogenvorstehers. Christus ging von dort weg in seine Vaterstadt, das ist Nazareth. Er wurde ja bekanntlich in Betlehem geboren (Mi 5,1; Lk 2,4ff). Danach flüchteten seine Eltern mit Ihm nach Ägypten vor Herodes (Mt 2,15). Nachdem Tod des Herodes zogen sie nach Nazareth, der Stadt Josephs, wo Jesus aufwuchs (Mt 2,23).

Vers 2

Und als es Sabbat geworden war, fing er an, in der Synagoge zu lehren; und viele, die zuhörten, erstaunten und sagten: Woher <hat> der das? Und was ist das für eine Weisheit, die dem gegeben ist, und solche Wunderwerke geschehen durch seine Hände?   Mk 6,2 

Jesus wuchs in Nazareth auf. Da erlernte Er das Handwerk des Zimmermanns (siehe nächster Vers). Die Menschen in seiner Vaterstadt betrachteten Ihn lediglich als Zimmermann ohne Bezug zu seiner Eigenschaft als Gott. Daher verwunderten sie sich wegen seiner Weisheit und wegen der Wunderwerke, die durch seine Hände geschahen. Hätten Sie Ihm geglaubt, so wären seine auf Erden offenbarten Taten völlig selbstverständlich gewesen und seine nur im geringem Mass offenbarte Herrlichkeit korrekterweise als ein schwacher Abglanz von dem, was Er in Zukunft haben wird, betrachtet worden.

Vers 3

Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.   Mk 6,3

Wie vorausgehend erwähnt, wurde Jesus nur als der Zimmermann, der Sohn der Maria und als Bruder der weiteren Söhne und Töchter des Ehepaars Josef und Maria betrachtet. Sein hoher Stand wurde nicht wahrgenommen. Und da sich Jesus nicht in den üblichen Bahnen eines Zimmermanns und Sohn einer Handwerkerfamilie bewegte, nahmen sie Anstoss und anerkannten Ihn nicht als das, was Er alles in allem war.

Vers 4

Und Jesus sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, ausser in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus.   Mk 6,4

Warum ein Prophet in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus nichts gelte, darüber können wir mutmassen, jedoch können wir sicher sein, dass es sich so verhält; es ist die Aussage Gottes.

„Weshalb soll dieser etwas Besonderes sein, wo ich doch mit ihm im gleichen Sandkasten gespielt und die gleiche Schulbank gedrückt habe?“, mag sich sein Bruder fragen. Oder die Eltern fragen sich, wieso ihr Sohn besonderer Ehre gewürdigt werden sollte, wo sie ihn doch vor kurzer Zeit regelmässig noch wickeln mussten! Und die Jahrgänger des Dorfes fragen sich, wieso der betreffende Zeitgenosse von Gott eine besondere Aufgabe erhalten haben sollte, wo er doch wäre, wie sie. Schliesslich hätten die gleichen Voraussetzungen für ihn vorgeherrscht, wie auch für sie.

Vers 5

Und er konnte dort kein Wunderwerk tun, ausser dass er wenigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte.   Mk 6,5 

Wie schon vorausgehend erläutert: Wo Unglaube vorherrscht, soll keine deutliche Offenbarung Gottes erwartet werden, wie beispielsweise zu Zeiten Elis:

Und das Wort des HERRN war selten in jenen Tagen; ein Gesicht war nicht häufig.   1.Sam 3,1b  

Elis Söhne, das waren Hofni und Pinhas (1. Sam 2,12ff), waren üble Gesellen, welche das Gesetz des HERRN vergewaltigten. Und das taten sie als Priester! – Nur schon der Gedanke daran ist schauderhaft! – Es ist deshalb überhaupt nicht verwunderlich, dass zu jenen Zeiten „ein Gesicht“, das bedeutet: eine göttliche Offenbarung, nicht häufig war. Es verhielt sich bei Eli wie bei Jesus in seiner Vaterstadt Nazareth: Der Unglaube war so gross, dass Gott keine Wunder tun konnte.

Das ist eine allgemeine Gesetzmässigkeit: Wenn der Unglaube der Annahme des Wortes Gottes im Wege steht, nützt eine Machttat gar nichts, sie wäre völlig verschwendet. Und Gott vergeudet seine Zeit nicht mit völlig Nutzlosem oder gar Bösem und wirft das Heilige nicht vor die Hunde (Mt 7,6). Wie die Brüder des reichen Mannes nicht geglaubt hätten (Lk 16,30.31), wenn sogar Tote aufgestanden wären, hätte die Bevölkerung in Nazareth nicht an Ihn geglaubt, wenn Er vor ihren Augen Machttaten vollbracht hätte.

Vers 6

Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und er zog durch die Dörfer ringsum und lehrte.   Mk 6,6  

Ja, ist es nicht verwunderlich, dass sich trotz der sicht- und fühlbaren Schöpfung sogar der Atheismus, das ist die Lehre, es gebe keinen Gott, etabliert? – Niemand würde anhand der vorhandenen Bauten leugnen, dass in der durch den Atomreaktorunfall restlos evakuierten Stadt Tschernobyl nie Menschen gelebt haben. Anhand des Sichtbaren weiss man, dass einmal Menschen in Tschernobyl wohnten. Ebenfalls könnte kein Mensch behaupten, die Stadt sei alleine, durch reinen Zufall und ohne Zutun von Menschen, entstanden. Selbst wenn es jemand behaupten würde: Man würde ihn verlachen, obschon die Stadt jetzt völlig menschenleer ist. – Auch wenn Gott heute nicht sichtbar ist, ist Er es trotzdem durch sein grosses Werk, die Schöpfung!

Doch bei Gottes wunderbaren, komplexen und extrem weitläufigen Schöpfung verleugnet der Mensch Gott in sehr törichter Weise, ohne gross nachzudenken. Die tote Materie ist ja schon schön geordnet, wieviel mehr Überlegungen und Berechnung brauchte es, damit Menschen leben und einen geeigneten Platz zum Leben haben! – Ein Zufall? – Unmöglich!

Daher ist es völlig normal, dass sich Jesus wunderte über den grassierenden Unglauben. Er lief als vollkommener Mensch und vollkommener Sohn Gottes umher, tat Zeichen und Wunder und niemand, ausser einigen Wenigen, wollte an seine himmlische Herkunft glauben, wogegen die Menschenmassen irgend selbsternannten Anführern blind und wiederum in sehr törichter Weise einfach so hinterher liefen (2. Sam 20,1ff) und auch in Zukunft hinterher laufen werden. Sogar dem Teufel, der offensichtlich ein Menschenmörder ist (Joh 8,44), werden viele nachfolgen (Offb 12,9). Gott hingegen, der mit freundlicher und sanfter Stimme die Rettung anbietet, verwerfen leider viele Menschen. Lieber gehen sie in die ewige Qual, statt ins Leben hinein. Das ist doch sehr, sehr verwunderlich?

Vers 7

Und er ruft die Zwölf herbei; und er fing an, sie zu zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister.   Mk 6,7

Wir sehen in diesem Evangelium erste selbständige Schritte der Jünger Christi auf Geheiss ihres Meisters. Darin widerspiegeln sich – wen wundert es – biblische Wahrheiten. Christus sendet sie je zu zweien aus, den zwei sind besser dran als ein Einzelner (Pred 4,9-12). Eine weitere biblische Wahrheit ist: Wenn Christus jemandem eine Aufgabe überträgt, befähigt Er diese Person auch, sie ausführen zu können. An dieser Stelle rüstet Christus die Jünger mit Macht aus, um ihrer Aussage mit Zeichen und Wundern Nachdruck zu verleihen.

Vers 8

Und er gebot ihnen, dass sie nichts mit auf den Weg nehmen sollten als nur einen Stab; kein Brot, keine Tasche, keine Münze im Gürtel,   Mk 6,8

Im Dienst des HERRN geht es nicht immer an, aus eigener Vorsorge auszukommen. Wer dem HERRN dient, beschäftigt sich grundsätzlich nicht mit den Dingen des Lebens (2. Tim 2,4). Dies gebot Er wiederum aus der Gesetzmässigkeit heraus, dass Gott seine Diener versorgt (Mt 6,33).

Paulus sorgte zwar selbst für seinen Unterhalt, obschon er sich von Christus aus hätte versorgen lassen dürfen. Es ist recht und billig, wenn man einem geistlichen Arbeiter irdische Dinge darreicht. Die geistliche Arbeit steht über dem irdischen. Paulus hatte also volles Anrecht auf eine einem Diener Gottes angemessene Versorgung (1. Kor 9,4-11), er verzichtete aber darauf, um niemandem zur Last zu fallen.

Vers 9

sondern Sandalen untergebunden. Und zieht nicht zwei Unterkleider an!  Mk 6,9 

Der HERR sandte seine Jünger ohne Vorräte ins erste Tätigkeitsfeld. Dies kann verschiedene Gründe haben. Israel wurde im Weg durch die Wüste ebenfalls nicht gestattet, Vorräte zu horten. Wenn die Israeliten unter der Woche etwas vom Manna über Nacht aufbewahrten, entwickelten sich Würmer im Essen und es wurde stinkend (2. Mo 16,20). Gott wollte, dass das Vertrauen seines Volkes auf Ihm allein gründete. Eigens angelegte Reserven helfen leider oft mit, sich von Gott etwas abzukoppeln. Wenn die eigenen Vorratsschränke voll sind -, wer achtet dann auf die Hand Gottes, die gerne Speisen austeilt?

So verhält es sich nicht nur in Bezug auf Speisen. Vorräte aller Art lassen den Menschen glauben, unabhängig zu sein. Im Dienst Gottes ist dieser Gedanke jedoch völlig fehl am Platz. – Stellen Sie sich vor, liebe Leserin und lieber Leser, wie sich das verhielte, wenn in einer Einheit der Armee jeder unabhängig vom Anderen funktionieren würde. Ein solcher „Haufen“ wäre überhaupt nicht einsatzbereit und würde vom Feind sofort überrollt werden. Dies sage ich für den Menschen als Diener im Blick auf die Beziehung zu Gott. Nicht besser wird es mit einer geglaubten Unabhängigkeit des Menschen in Bezug auf die enge Beziehung als Familienangehöriger in Gottes Haus. Ungehorsame Kinder machen Eltern Mühe. Und eine ungehorsame oder gar abtrünnige Frau ist nichts anderes als eine Schande! Dies sage ich betreffs der Eigenschaft des Volkes Gottes in der sehr engen Bindung an Ihn, welche mit einer Eheverbindung verglichen wird (Gott ist der Mann, Jes 54,5). Im Neuen Testament wird die Gemeinde ebenfalls sinnbildlich als die verlobte Frau bezeichnet (2. Kor 11,2). Sollte sich nun die verlobte oder verheiratete Frau von Gott losgelöst bewegen, sich ohne ihren Mann ins Leben stürzen? Ist solches nicht ganz und gar schändlich für sie?

Wenden wir uns wieder zum Text: Nicht immer verlangt der HERR einen Dienst ohne jeglichen Vorratsproviant. Eine Schiffsreise wäre beispielsweise ohne Essensvorrat gar nicht möglich. Daher sind alle Dinge, auch die Thematik betreffend die Vorsorge, mit Ihm vorgängig abzusprechen. Amen.

Vers 10

Und er sprach zu ihnen: Wo ihr in ein Haus eintretet, dort bleibt, bis ihr von dort weggeht!  Mk 6,10 

Gottes Anordnungen sind in jedem Punkt perfekt. Sie sind es für seinen Diener sowie für dessen Gastgeber. Wenn Diener Gottes in eine Ortschaft oder Versammlung kommen und daselbst von einer Person bzw. Familie aufgenommen werden, so sollen sie dort bleiben, bis sie in die nächste Stadt ziehen oder zurück an ihren Ort gehen. Diese Anweisung Christi gibt eine grosse Ruhe in den Gemeindebesuch. Zieht der Diener hingegen in der Ortschaft von Haus zu Haus – es gibt weitere Menschen, die ihn auch gerne im Haus haben -, fühlen sich diese benachteiligt, falls es dem Diener dann nicht reicht, auch noch bei ihnen einzukehren. Auch kommt der Diener Gottes auf diese Art nicht zur Ruhe, wenn er sich immer neu einrichten und seine Lebensgeschichte in jedem Haus neu aufrollen muss. Junge Christen mögen vielleicht noch spannend finden, in möglichst viele Familien bzw. Häuser schauen zu dürfen. Dieser Vers betrifft aber einen Christ im Dienst Gottes. Ein solcher befindet sich nicht auf einer Ferientour. Der Kontakt zu Gott muss im Dienst auch stets gewährleistet sein, was ein gewisses Mass an Ruhe voraussetzt.

Den Anweisungen des HERRN ist immer Folge zu leisten. Ob deren Hintergründe nachvollzogen werden können oder sie nicht nachvollzogen und verstanden werden können, spielt dabei überhaupt keine Rolle. Wem das eine spielt, hat nicht begriffen, dass der HERR in Liebe und Zuneigung handelt. Ein Zweifler, der Gottes Rat nicht umsetzt, ist ein Mensch, der den besten Rat für sich in den Wind schlägt und an dessen Stelle Entscheidungen für sein Leben trifft, die ihm am Ende mehr schaden als nützen. Amen.

Vers 11

Und welcher Ort euch nicht aufnehmen und wo man euch nicht anhören wird, von dort geht hinaus und schüttelt den Staub ab, der unter euren Füssen ist, ihnen zum Zeugnis!   Mk 6,11  

Wo Gottes Wort nicht willkommen ist – was für ein schrecklicher Gedanke! – ist der Diener des Wortes bzw. des Höchsten ebenfalls unerwünscht: Er wird weder angehört noch aufgenommen werden.

Auch hier gibt der HERR klare Anweisungen, was sein Diener in der Folge zu tun hat: Er soll sich von diesem Ort abwenden und mit einer klaren Geste deutlich machen, was die Menschen dieser Ortschaft gewählt haben, nämlich Abstand von Gott und Abstand vom Geber des Lebens!

Es verhält sich nicht so, wie bei fahrenden Verkäufern, die man an der Türe abweist, wenn schon ein ihrem Sortiment entsprechendes Produkt im Haus vorhanden ist. Einen Verkäufer abzuweisen ist legitim, jeder darf selber entscheiden, was er ins Haushaltsinventar einkaufen möchte und was nicht. Wer aber den lebendigen Gott abweist, wenn Er an die Türe klopft oder im Zentrum der Ortschaft zu sich rufen lässt, ist sehr töricht. Einem solchen wird mit dieser Geste klargemacht, wie klar sich Gott auch von ihm distanziert. Gott drängt sich nicht auf. Von einer solchen Ortschaft soll nicht einmal der Staub an den Füssen der Diener Gottes haften! Und dass die Verwerfung dann gegenseitig ist, sollen die Einwohner dieser Ortschaft ganz gewiss erkennen! Amen.

Vers 12

Und sie zogen aus und predigten, dass sie Busse tun sollten;   Mk 6,12   

Wenn dem natürlichen (unbekehrten) Menschen Gott verkündigt wird, ist zuerst ein Schuldbewusstsein zu wecken und eine Umkehr zu predigen (Mt 3,7; 4,17; Apg 2,38 u. v. a.). Der Mensch kann nicht einfach so vor Gott erscheinen. Leider ist bereits vielen Versammlungen diese Regel nicht mehr präsent. Sie treten mit Freizeitangeboten an die Bevölkerung, um ihnen Christus „schmackhaft“ zu machen. – Das ist nicht der richtige Ansatz für Menschen, die ihrer Schuld wegen unterwegs zur Hölle sind. Sie versuchen auch nicht mit irgendwelchen „Zückerchen“ jemanden zu stoppen, der mit Kopfhörern Musik hörend und mit einem Buch in der Hand voll abgelenkt auf einen unbewachten Bahnübergang mit herannahendem Zug dem sicheren Tod entgegen geht. Vielmehr packen Sie einen solchen am Arm und machen ihn unmissverständlich auf die Gefahr aufmerksam.

Vers 13

und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.   Mk 6,13 

Korrektes Vorangehen im Reich wird vom HERRN entsprechend mit Hilfe belohnt. Gott unterstützt in seiner Eigenschaft als der HERR aber keine eigenmächtigen Projekte. Wer Heilungen erzwingen will und dafür „Heilungsgottesdienste“ anordnet, muss sich nicht wundern, wenn darin gar nichts Entsprechendes passiert. Gott lässt sich nicht zum Handeln zwingen oder gar erpressen. Er ist der HERR und Er sagt, wo es lang geht.

An dieser Stelle ist unbedingt zu erwähnen, dass der HERR die Jünger ausgesandt hatte. Sie taten nicht einfach irgendetwas, das dann vom HERRN ohne Weiteres unterstützt wurde. Sie taten im aktuellen Fall das Befohlene. Daher ist die spezielle und effektive Hilfe bzw. Manifestation des HERRN auch nichts völlig Aussergewöhnliches.

Vers 14

Und der König Herodes hörte <von ihm> – denn sein Name war bekannt geworden – und sie sagten: Johannes der Täufer ist aus den Toten auferweckt worden, und deswegen wirken die Wunderkräfte in ihm.   Mk 6,14 

Es ist amüsant zu beobachten, wie der Mensch schnell Erklärungen für übernatürliche Dinge bereit hat. Schnell werden Annahmen getroffen, selbst wenn die Dinge Gottes für Fleisch und Blut zu wunderbar sind. Was weiss der Mensch über die geistliche Welt? Wer hat ihn darin ausgebildet?

Von den Menschen aus Ninive, die Stadt einer starken Nation, sagt Gott:

Und ich, ich sollte nicht betrübt sein wegen der grossen Stadt Ninive, in der mehr als 120 000 Menschen sind, die nicht unterscheiden können zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken, und eine Menge Vieh?   Jona 4,11

Der ungläubige Professor an einer renommierten Universität kann in geistlichen Dingen nicht zwischen Rechts und Links unterscheiden, weil Geistliches geistlich, nicht fleischlich beurteilt wird.

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.   1.Kor 2,14 

Besprechen Sie geistliche Dinge nicht mit Ungläubigen! Sie haben keinen Schimmer von dem, was sie darüber sagen und glauben. Besprechen Sie Geistliches mit Geschwistern und dem HERRN! Amen.

Vers 15

Andere aber sagten: Es ist Elia; andere aber sagten: <Es ist> ein Prophet wie einer der Propheten.   Mk 6,15  

Über Christus wird von denen, die in geistlichen Dingen weder zur Rechten noch zur Linken unterscheiden können, gesagt, er sei Johannes, Elia oder ein Prophet wie einer der Propheten.

Keine einzige Annahme oder Behauptung stimmte; die natürlichen Menschen hatten nicht die leiseste Ahnung von dem, was sie sprachen und behaupteten. Geistlichen Menschen sind hingegen viele Dinge aus dem Reich erklärt. Gott lässt seine Freunde, die Täter des Wortes, nicht im Ungewissen. Die Dienerin bzw. der Diener Gottes wissen, was sich in der geistlichen Welt bewegt (Bsp.: Lk 2,26ff). Der natürliche Mensch weiss diesbezüglich gar nichts. Zu den Seinen spricht Gott früh, niemand wird fehlgeleitet, ausser der Christ wählt bewusst den bösen Weg.

Und ich habe alle meine Knechte, die Propheten, zu euch gesandt, früh mich aufmachend und sendend,    Jer 44,4a

Seinen Freunden offenbart der HERR, was Er tun will. Die Freundesbeziehung ist nicht wie ein Verhältnis zu einem Knecht. Der Knecht wird nicht in die Pläne seines Herrn eingeweiht, der Freund hingegen schon. Dieses Prinzip sehen wir bei Abraham, dem Freund Gottes (Jak 2,23), angewendet: Der Allmächtige offenbarte ihm, was er mit den Städten Sodom und Gomorra vorhatte und liess noch mit sich über das Vorgehen verhandeln. Auch Daniel, dem „vielgeliebten“ Mann (Dan 10,11), wurde der Vorhang in Bezug auf die Zukunft angehoben.

Niemals hat Gott Gottlosen vertrauliche Informationen zukommen lassen. Gemäss den Psalmen lässt Er nur Gerechte im Kreise seines Rates sitzen. Es ist deshalb töricht, wenn ein Christ anfängt, sein Leben mit Ungläubigen zu analysieren und zu diskutieren. Wie sollten Ungläubige einem geistlichen Menschen einen wertvollen Rat in Bezug auf das Reich Gottes und den guten Weg geben? Ungläubige raten diesbezüglich, wie die Welt rät; wenn es anscheinend nicht mehr weitergehen soll im Leben eines Menschen, kommen schnell von ihnen Beeinflussungen zu Scheidung, Ehebruch und anderen gotteslästerlichen Praktiken.

So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz vom HERRN weicht!   Jer 17,5 

Wollen Sie verflucht sein? Soll Ihr Herz vom HERRN weichen? – Lassen Sie sich nicht auf den bösen Weg führen! Halten Sie fest, was Sie haben, damit Ihnen niemand den Siegeskranz wegnehme (Offb 3,11)!

Vers 16

Als aber Herodes es hörte, sagte er: Johannes, den ich enthauptet habe, der ist auferweckt worden.  Mk 6,16 

Es ist wie bereits vorausgehend erwähnt: Der natürliche (unbekehrte) Mensch hat keine Ahnung von den Dingen Gottes, egal ob er gelehrt ist oder nicht. Dies weiss ich aus der Schrift, aber auch aus persönlichen Begegnungen. Als junger Mann wunderte ich mich darüber, dass mein Gegenüber von damals, ein dipl. Physiker ETH – ein Mensch mit einer Ausbildung als Physiker an einer renommierten Hochschule – keinen Schimmer von Gott hatte, obwohl er seine Werke betrachtet und studiert hatte!

Welcher Landesführer, welcher Ministerpräsident könnte Ihnen die Schrift erklären? Welcher Gewaltige dieser Welt sitzt im Rat Gottes? – Wie es damals war, ist es heute; wie Herodes in allen Annahmen über Gottes Dinge mit seiner Einschätzung daneben lag, liegen die natürlichen Menschen heute daneben, selbst die Grossen und Gelehrten! Amen.

Vers 17

Denn er, Herodes, hatte hingesandt und den Johannes greifen und ihn im Gefängnis binden lassen, um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte.   Mk 6,17    

Der grosse Machthaber der Region war ein Ehebrecher. Darin wird die Schrift erfüllt, welche sagt:

Denn was unter den Menschen hoch ist, ist ein Greuel vor Gott.   Lk 16,15b  

So verhält es sich neben den Grossen in der Politik und Wirtschaft auch mit den Musikidolen. Mehr als Unzucht, Alkohol und Drogen werden sie dem HERRN im Gericht nicht vorweisen können. Sie sind gemäss Gottes Gesetz mehrfach des Todes schuldig. – Trotzdem sind es diese, denen die ganze Welt hinterherläuft und welche, die von den Massen verehrt werden.

Als Gottes Wille durch Johannes zu Herodes kam, wusste sich dieser als Schuldiger nicht besser zu helfen, als den gerechten Johannes ins Gefängnis werfen zu lassen. – Halten wir für eine kurze Zeit inne, dann merken wir, dass es auch heute ist, wie es damals war! Wenn ein Weltmensch die Möglichkeit hat, einen von Gott gesandten Diener, der auf Missstände hinweist, kaltzustellen, so tut er es im Regelfall.

Vers 18

Denn Johannes hatte dem Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.   Mk 6,18 

Johannes der Täufer, der Grösste in der Rangfolge vor Gott aus den von Frauen geborenen Männern (Mt 11,11), wies den ungläubigen Herodes zurecht, der in der Welt zwar hierarchisch höher stand als er, vor Gott aber lediglich ein Ehe- und Gesetzesbrecher war. Herodes kam zum Bösen, dass er schon verübt hatte, nichts Besseres in den Sinn, als den vor Gott hierarchisch höchsten Menschen neben Jesus Christus, Johannes, ins Gefängnis zu werfen und ihm nachher den Kopf abschlagen zu lassen. So nützte er rücksichtslos die ihm von oben gegebene Machtposition aus, um nicht auf die Zurechtweisung Gottes zu hören und vergrösserte seine (Tod-) Sünden weiter mit ungerechter Haft und anschliessendem Mord. Vielerorts wird das Volk Gottes von den - ach - so gebildeten und aufgeklärten Menschen verachtet. Doch sind wir mal ehrlich, lieber Weltmensch, was habt Ihr Gott vorzuzeigen, wenn Ihr und Eure Spitzenleute durch die Schrift als ungerecht befunden und teilweise gar in Herodes zusammengefasst werdet (Mt 20,25; Mk 10,42; Rö 1)? Denkt Ihr wirklich, Ihr könntet dem kommenden furchtbaren Gericht entfliehen? Wie soll das denn gehen, vor dem Allmächtigen zu fliehen?

Wehe allen, die von Gott in Schlüssel- bzw. Machtpositionen eingesetzt sind und dabei nur für sich schauen, anstatt für das ihnen anvertraute Gebiet und die darin lebenden Menschen zu sorgen! – Der Mensch bedenke, dass Gott von jeder Einsetzung in ein Amt weiss und damit einverstanden sein muss. Sonst kommt sie schlicht nicht zustande. Es kann nichts zustande kommen, ohne dass Gott davon weiss und die Sache billigt (Pred 7,13; Hiob 12,14). Niemand kann sagen, er nähme eine von Gott weggeschlossene Sache an sich, auch Herodes konnte das in Bezug auf seine Position nicht. Doch obschon sich das seit jeher so verhielt, nutzte er die ihm gegebene Macht aus, um sich illegal eine verbotene (bereits verheiratete) Frau zu nehmen!

An diesem Beispiel sehen wir auch, dass weltlicher Stand überhaupt nichts aussagt in Bezug auf das Ansehen vor Gott. Übelste Kriminelle und moralisch völlig verwerfliche Menschen können in der Welt hohe und höchste Stellungen besetzen. Lassen Sie sich nicht von Menschen in hohen Positionen und mit angesehenen weltlichen Titeln blenden! Positionen und Titel sagen in Bezug auf das Reich Christi gar nichts aus.

Vers 19

Die Herodias aber trug <es> ihm nach und wollte ihn töten, und sie konnte nicht;   Mk 6,19 

Die Herodias konnte die Zurechtweisung durch Johannes in Bezug auf ihr treuloses Verlassen ihres Ehemannes Philippus und das illegale Zusammenkommen mit Herodes nicht hinnehmen. Es genügte ihr nicht, Gott mit ihrem Ehebruch ins Angesicht gesündigt zu haben! Sie wollte die Stimme des Ermahners für immer verstummen lassen; sie wollte Johannes seiner Warnung wegen umbringen.

Soviel Moral berichtet die Schrift über die Frau des dortigen Machthabers; auch in ihrem Herzen fanden sich lediglich Dinge der Welt: Ungerechtigkeit, Ehebruch und Mord!

Vers 20

denn Herodes fürchtete den Johannes, da er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und er beschützte ihn; und wenn er ihn gehört hatte, war er in grosser Verlegenheit, und er hörte ihn gern.   Mk 6,20 

Gott hat dafür vorgesorgt, dass der Mensch ganz grundsätzliche Dinge erkennen kann. Niemand soll eine Entschuldigung haben im Gericht. Jeder Mensch weiss, dass er eines Tages Rechenschaft vor dem Höchsten abgeben muss. Jeder weiss das, auch wenn er es verleugnet, die Schrift kann nicht aufgelöst werden:

Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, dass die, die so etwas tun, des Todes würdig sind, üben sie es nicht allein aus, sondern haben auch Wohlgefallen an denen, die es tun.   Röm 1,32 

Selbst dem grössten Atheisten ist das wohlbekannt, wenn er mit sich selber ehrlich ist. Sie, gemeint sind die Nationen, erkennen Gottes Rechtsforderung. Dafür hat Gott ihnen auch das Gewissen gegeben.

Herodes kam in Verlegenheit, wenn er Johannes gehört hatte, denn Johannes sagte ihm das, was er selber schon durch sein Gewissen wusste: Er war vor Gott tief in die Sünde gefallen, vor allem auch dadurch, dass er die Ehe zwischen Herodias und Philippus gebrochen und sich dessen Frau genommen hatte. – Leider wollte er vom bösen Weg nicht lassen und behielt Johannes daher (völlig illegal) in Gewahrsam. Da ihn aber sein Gewissen schlug, wollte er nicht zu allem Übel auch noch Hand an Johannes legen lassen. Herodias war vorerst mit ihrem Wunsch blockiert, Johannes zu töten.

Vers 21

Und als ein geeigneter Tag kam, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Großen und den Obersten und den Vornehmsten von Galiläa ein Gastmahl gab,   Mk 6,21   

Mit dem hier erwähnten „geeigneten Tag“ wird der Tag angedeutet, der für Herodias die Gelegenheit brachte, Johannes zu ermorden. Achten Sie auf die Umstände in der Erläuterung der Schrift, welche kompromisslos aufdecken, wie dieser Mächtige mit grosser Schwachheit behaftet war. An ihm ist nichts zu sehen vom beispielhaften Heldentum der Dreissig, die um David herum waren (2. Sam 23,8ff). Er knickte bei der kleinsten Befürchtung um einen Imageverlust ein und nahm dafür in Kauf, übelste Ungerechtigkeiten auszuüben. Die Dreissig waren hingegen mutige und aufrichtige Männer, die Gott in allem ehrten. Im Vergleich war Herodes lediglich ein kläglicher Gesetzesbrecher.

Vers 22

kam ihre, der Herodias, Tochter herein und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Und der König sprach zu dem Mädchen: Bitte mich, um was du willst! Und ich werde es dir geben.  Mk 6,22  

Die ausgeprägte Rückgratlosigkeit des Herodes‘ wurde ihm zur Falle und zu der Gelegenheit für Herodias. Die Tochter der Herodias, welche jung und aber auch töricht in der Auswahl eines Geschenks war, kam herein und beeindruckte die Gesellschaft durch eine wohl gut gelungene Tanzdarbietung. Die folgende Euphorie der Anwesenden verleitete den Herodes zu einer folgenschweren und völlig unüberlegten Aussage, indem er wegen lediglich dieser Tanzdarbietung einem Mädchen oder jungen Frau alles darbot, sogar bis zur Hälfte seines Reiches!

Im Folgenden sehen wir, wie sich das Mädchen keinen wirklichen Nutzen daraus zog, Herodes sich gezwungen sah, etwas anzuordnen, das gänzlich gegen seinen Willen war und Herodias die Gelegenheit voll für ihren teuflischen und egoistischen Plan ausnutzte.

Vers 23

Und er schwor ihr: Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches.   Mk 6,23 

Wie fatal die Kombination Gruppendruck und Selbstverliebtheit, gepaart mit Hochmut, sein kann, sehen wir in dieser Aussage. Die Macht, die Herodes besass, konnte er anhand von Geschenken demonstrieren, die bis an die eigene Schmerzgrenze gingen. Er allein in diesem Saal war in der Lage, ein Geschenk in diesem Umfang an irgendeine Person zu machen. Die Gelegenheit der Tanzvorführung – es bot sich anscheinend keine bessere – nutzte er für eben diese Machtdemonstration. Welche Gefahr solche durch fleischlichen Impuls ausgelösten Handlungen bergen, sehen wir in den nächsten Versen.

Vers 24

Und sie ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Um was soll ich bitten? Die aber sprach: Um das Haupt Johannes' des Täufers!  Mk 6,24 

Vielleicht war die Tochter der Herodias noch so jung, dass sie mit Herodes‘ Angebot völlig überfordert war und deshalb ihre Mutter um Rat fragte. Weshalb sie zu ihr ging, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Fakt ist, dass die Mutter diese Gelegenheit im vollen Egoismus, welcher in die Kategorie „Gottlosigkeit“ fällt, ausnutzte. Weder mit fürsorglichen Gedanken die Gelegenheit für ihre Tochter zu nutzen, ergriff sie sie, um Johannes, der die Worte Gottes redete, in widergöttlicher und absolut boshafter Weise, umbringen zu lassen. War es ihr denn nicht genug, ihn (illegal) im Gefängnis zu wissen? Was konnte er ihr dort anhaben? Weshalb kümmerte sie sich nicht als Mutter um ihre Tochter? Die Tochter hätte reich und für ihr ganzes Leben in finanzieller Hinsicht völlig unabhängig sein können.

Aber nein – weshalb sollte ein selbstsüchtiger Mensch verhältnismässig denken? – sie handelte lediglich, um ihren niederen Trieb zu befriedigen! Sogar solche einzigartigen Gelegenheiten verschwenden derart gelagerte Menschen nur für die eigene Ansicht von Rache, wie Herodias es in ihrer Anschauung nach teuflischer Genugtuung begehrte! Wie niedrig sind doch die Beweggründe egoistischer Menschen! Und wie töricht und gottlos handeln doch selbstsüchtige Menschen! Für manche wäre es besser – vor allem bei solchen, die in ihrer Bosheit Christen bedrängen -, wenn sie mit einem Mühlstein um den Hals in die Tiefe des Meeres versenkt würden, wie der HERR es gesagt hat (Mt 18,6).

Vers 25

Und sie ging sogleich mit Eile zu dem König hinein und bat und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers gibst!   Mk 6,25  

So nahm das Unheil seinen Lauf. So rebellisch und ungehorsam Kinder auch sein können; hier hörte die Tochter im Bösen auf alles, was die Mutter sagte. Auch in der Ausführung zögerte sie keinen Augenblick: „Mit Eile“ ging sie zum König hinein und verlangte „sofort“ nach dem Haupt Johannes‘. – Was waren das für üble Begebenheiten!

Vers 26

Und der König wurde sehr betrübt; doch um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, wollte er sie nicht zurückweisen.   Mk 6,26

Mit dieser Aussage wird die Rückgratlosigkeit Herodes‘, also seine Schwäche als Person, aufgedeckt. Obschon die Bitte des Mädchens unmoralisch und gegen Gottes Gesetz  war – sie hätte von Herodes ohne Weiteres aufgehoben werden dürfen -, wollte er sich (im niveaulosen irdischen Denken) des Eides und der Umstehenden wegen daran halten.

Salomo, mit göttlicher Weisheit ausgestattet, handelte in einer ähnlichen Situation ganz anders. Obschon er seiner eigenen Mutter gesagt hatte, er wolle ihre Bitte nicht abweisen (1. Kö 2,20), trat er danach doch nicht auf sie ein, weil deren Inhalt völlig unangebracht war. Seine Mutter wurde von Adonija eingespannt, um um die Hand der persönlichen Dienerin des König Davids anzuhalten. Adonija war aber kurz davor vom König Salomo begnadigt worden und es stand ihm keinesfalls an, um diese Frau zu bitten und überhaupt beim König noch etwas zu begehren, wo ihm doch für seine grobe Untat das Leben verschont wurde.

Vers 27

Und sogleich schickte der König einen Henker und befahl, sein Haupt zu bringen. Und der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis.  Mk 6,27

Der Gruppendruck und die Furcht um das Ansehen brachten Herodes zu dieser falschen und bösen Entscheidung, die Bitte des Mädchens sofort zu erfüllen. – Wie ungerecht ist die Welt! Eine einfache Tanzvorführung eines Mädchens reichte aus, den vor Gott hierarchisch höchsten Menschen ohne Gerichtsverfahren zu ermorden, wie dreissig Silberlinge ausreichten, Gottes Sohn in die Hände von Mördern zu überliefern!

Wer immer noch der völlig verkehrten Überzeugung ist, im Menschen wohne etwas Gutes, ist wirklich ein Träumer (Mk 10,18b; Lk 18,19b). Ein Mensch auf dem Prüfstand, konfrontiert mit dem Gesetz Gottes, welches die Messlatte der Gerechtigkeit auf Erden ist, versagt immer und ausnahmslos auf der ganzen Linie. Dafür haben wir den Beweis aus der jahrhundertelangen Prüfung des Volkes Israel (1. Kor 10,6.11), das die besten Umstände für ein gottgefälliges Leben genoss. Israel versagte völlig, sodass Gott das Volk von seinem Angesicht hat entfernen müssen.

Vers 28

Und er brachte sein Haupt auf einer Schüssel und gab es dem Mädchen, und das Mädchen gab es ihrer Mutter.   Mk 6,28

Wie nichtig und gottlos ist das Resultat der fleischlichen menschlichen Begierde! – Jetzt durften Herodias und ihre Tochter sich am vom Leib getrennten Kopf ergötzen; sie hatten nun, was sie wollten: Einen vollendeten Mord!

Hätte Herodias Muttergefühle gehabt, hätte sie Herodes‘ Angebot tausendmal besser verwertet und damit die Zukunft der Tochter gesichert!

Vers 29

Und als seine Jünger es hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in eine Gruft.    Mk 6,29

Die Jünger vergalten Johannes die gute Unterweisung während dessen Lebzeiten und ehrten ihn mit einem anständigen Begräbnis. Wie wir angehalten sind, unseren Eltern im Alter das Gute zu vergelten (1. Tim 5,4), dass wir als Kinder empfangen haben, so taten es seine Jünger vorbildlich.

Vers 30

Und die Apostel versammeln sich zu Jesus; und sie berichteten ihm alles, was sie getan und was sie gelehrt hatten.   Mk 6,30

Mit diesem Vers wechselt das Thema. Der HERR hatte ja die Jünger zu zweien ausgesandt. Diese Stelle berichtet über ihre Rückkehr. Die Apostel waren voller Eindrücke ihres ersten Dienstes im Reich und wollten sie natürlich ihrem HERRN mitteilen.

Vers 31

Und er sprach zu ihnen: Kommt, ihr selbst allein, an einen öden Ort und ruht ein wenig aus! Denn diejenigen, die kamen und gingen, waren viele, und sie fanden nicht einmal Zeit, um zu essen.   Mk 6,31 

Christus sprach damit seine Jünger an. Sie allein sollen an einen öden Ort kommen und dort ausruhen. An einem öden Ort bestand eher die Möglichkeit, für sich allein zu sein; ein öder Ort ist nicht anziehend für Menschen. Schlussendlich kamen seine Jünger gerade vom einem besonderen Dienst zurück und arbeiteten gleich weiter, wie wir sehen. Es war ein Kommen und Gehen, dass nicht einmal Zeit zum Essen verblieb.

Vers 32

Und sie fuhren in einem Boot allein an einen öden Ort;  Mk 6,32

Der HERR zieht für seine Gefolgschaft durch, was Er als für sie notwendig erachtet. Wenn sie ausruhen soll, dies aber der Umstände wegen nicht zu gehen scheint, ordnet Er die Umstände so, dass sein Wille, der immer auch das Notwendige einschliesst, zustande kommt. – Viele weltliche Verantwortungsträger, angefangen bei Eltern bis hin zu Staatsführern, lassen leider geplante Massnahmen allzu oft einfach wieder fallen, wenn sich deren Umsetzung als schwieriger als erwartet erweist.

Um die Jünger in die Ruhe zu bringen, war an dieser Stelle etwas Aufwand erforderlich: Er musste sich und seine Jünger von den Volksmengen losreissen, indem Er die Masse verabschiedete und musste über das Wasser einen Weg zum Ziel wählen, der es der Menge verunmöglichte, ohne Weiteres zu folgen.

Vers 33

und viele sahen sie wegfahren und erkannten sie und liefen zu Fuss von allen Städten dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor.   Mk 6,33  

Mit dieser Stelle wird vom Heiligen Geist aufgezeigt, wie gross das Bedürfnis der Menschen nach der himmlischen Begegnung und Lehre war. Die Welt gibt nicht wirkliche Nächstenliebe und schon gar nicht eine alle Menschen erreichende Unterstützung. Christus hingegen heilte jede Person, die ihn darum bat.

Obschon es aussah, dass die Jünger durch diese neuen Umstände doch nicht zur angekündigten Ruhe kommen konnten -, Christus vermochte ihnen Ruhe zu geben, wie erwähnt. Das kenne ich aus eigener Erfahrung und ausserdem ist bekannt, dass noch gar nie ein Wort Christi bzw. Gottes auf den Boden gefallen ist.

Vers 34

Und als Jesus aus <dem Boot> trat, sah er eine grosse Volksmenge und wurde innerlich bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing an, sie vieles zu lehren.   Mk 6,34

Christus wollte die Menschen nicht manipulieren noch Macht über sie ausüben, was hier ganz klar aufgezeigt wird. Seine Motivation, den Menschen den guten Weg für sie und ihr Zusammenleben als Gesellschaft aufzuzeigen, war lauter und rein. Er begann damit, weil er innerlich über sie bewegt war. Er sei gepriesen!

Die Aussage „sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ lässt keinen Zweifel an der Notwendigkeit, dass die Menschen sich an der Richtschnur der Bibel, also an den Worten Gottes, zu orientieren hat.

Heute wird zwar gelehrt, dass die Freiheit der Einzelnen das höchste Gut sei. Die Gesellschaft müsse die maximale Freiheit jeden Individuums anstreben. So heisst es beispielsweise, dass Männer, die lieber Frauen wären, als Frauen behandelt und respektiert werden sollen. Solche, die die Ehe brechen oder ihre Familie im Stich lassen, werden nicht mehr geächtet, sondern vielmehr teilweise sogar in ihrem Entscheid bekräftigt. Niemand stellt noch die Schuldfrage, wenn jemand seinen Ehepartner verlässt, weil er einen vermeintlich besseren Partner gefunden hat. Jeder Mann, jede Frau und jedes sich geschlechtslos fühlende Wesen darf tun und lassen, was er, sie oder es will, solange damit nicht andere offensichtlich gefährdet werden. Mord und Folter sind verpönt, aber anvertraute, schutzbefohlene Kinder im Stich zu lassen, ist bereits wieder völlig in Ordnung. So meinen wir, wir würden jedem Menschen optimal zu seiner Entfaltung verhelfen. Aber was empfindet der HERR? „Sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“

Die völlige Freiheit führt in die Orientierungslosigkeit und ins Chaos.
Der Abbau sozialer Regeln und Kontrollen dient dem Menschen nicht, sondern gefährdet ihn. Ein Schaf ohne Hirte mag zwar frei sein zu tun und zu lassen, was es will, aber es ist allen möglichen Gefahren auch völlig schutzlos ausgeliefert. Wo kein Hirte ist, kann der Wolf ungehindert reissen. Wo kein Hirte ist, wird ein Schaf nicht zum Wasser oder zu grünen Auen geführt. Ach, die Welt verspricht so vieles und preist die Vorzüge ihrer eigenen Erfindungen in den schönsten Farben an, aber es ist alles nichts als Lug und Trug! Wer völlig frei tun und lassen kann, was er will, wird immer die Freiheit seiner Nächsten beschneiden. Kinder wachsen nicht mehr in intakten Familien auf, Frauen werden von ihren Männern verlassen und müssen schauen, wo sie und allenfalls ihre Kinder bleiben, während sich die Männer mit anderen Frauen im Bett vergnügen und auch diesen das Herz brechen, Frauen betrügen ihre Männer aus Langeweile oder aus anderen nichtigen Gründen und niemand darf etwas dazu sagen. Zurück bleiben nicht glücklichere Menschen, sondern vielmehr enttäuschte, misstrauische und zerbrochene Herzen und Seelen.

Im mosaischen Gesetz steht deshalb nicht aus Spielverderberei, dass Ehebruch ein todeswürdiges Verbrechen sei. Mit dieser drakonischen Strafe hat der HERR verhindern wollen, dass Menschen bis in ihr Innerstes mit unheilbaren Wunden verletzt werden. Irren Sie sich nicht, liebe Leser: Dieses Gesetz ist nie aufgehoben worden. Es heisst vielmehr, dass nicht ein Strichlein der Schrift vergehen wird. Heute, im so genannten Zeitalter der Gnade, ist einfach die Urteilsvollstreckung aufgeschoben und den Menschen entzogen worden. Der HERR selbst wird das Urteil vollstrecken, lässt den Menschen aber noch eine Zeit der Gnade, um vorher zur Besinnung zu kommen und um Gnade zu bitten.

Die von den Menschen so hoch gepriesene Freiheit ist ein schwarzes Loch, das alle Menschen, die sich ihr nähern, mit Haut und Haar verzehren wird. Jeder wird daran zugrunde gehen. Die Gesellschaft als Ganzes wird ins Chaos versinken, wenn wir diesen Weg weiter beschreiten.
Die Welt kann sich noch so lange gegen den Willen Gottes aufbäumen, sie schadet sich nur selbst. Jeder Christ, der vom Gesetz Gottes abweicht und der Welt auf den Leim geht und – sei es auch nur ganz wenig und nur in kleinen Punkten – die Freiheit des Individuums von Gott propagiert, ist ein blinder Leiter von Blinden, der zusammen mit den Blinden in die Grube stürzen wird. Wehe allen, die beginnen, die Sache mit Gottes Geboten etwas lockerer zu sehen! Wehe!

Vers 35

Und als es schon spät am Tag war, traten seine Jünger zu ihm und sagen: Der Ort ist öde, und es ist schon spät am Tag.   Mk 6,35

Die Jünger kommen an dieser Stelle zu ihrem Meister und wollen Ihn auf eine wichtige Tatsache hinweisen, als ob Er nicht schon selbst Kenntnis davon gehabt hätte.

Im natürlichen Leben sind wir, im Blick auf den HERRN, immer von schwächeren Vorgesetzten umgeben, welche manchmal froh sind, wenn sie auf kommende Ereignisse aufmerksam gemacht werden. Sie können nicht alles selber im Blickfeld haben. In einem Projekt sind sie beispielsweise froh, wenn sie von der der „rechten Hand an ihrer Seite“, also eine sie unterstützende Person, auf kommende Termine aufmerksam gemacht werden. Das ist völlig normal, niemand kann, wie erwähnt, an alles denken.

Die Jünger dachten an dieser Stelle auch noch in dieser dem Menschen angepasste Dimension. – Sie dachten, der HERR müsse auf die einbrechende Dunkelheit hingewiesen werden, da Er doch zum Zeitpunkt gedanklich mit dem Lehren der Volksmenge abgelenkt war.

Vers 36

Entlass sie, damit sie auf die umliegenden Höfe und in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!  Mk 6,36 

Die Jünger agierten wie die weltlichen Berater, sie konnten die Gottheit in Christus noch nicht so recht erkennen. Deshalb glaubten sie, Ihn beraten und sagen zu müssen, es sei doch jetzt an der Zeit, aufzuhören zu lehren und die Volksmenge aufzufordern, sich auf den Abend bzw. die Nacht vorzubereiten.

Vers 37

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sagen zu ihm: Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brot kaufen und ihnen zu essen geben?   Mk 6,37  

Die Jünger werden hier mit der Gottheit Christi konfrontiert. Die Welt macht sich Sorgen um Nahrung und Kleidung, was völlige Klein- und Nebensächlichkeiten für den HERRN sind. Sie gehören zwar auch beim HERRN für die Seinen zu den täglichen Notwendigkeiten, sonst hätte Er sie nicht in das „Unser Vater“ Gebet eingeschlossen. Mit „Klein- und Nebensächlichkeiten“ möchte ich nicht andeuten, Essen und Trinken sei beim HERRN gering geachtet; ich möchte damit beleuchten, dass das Herbeiführen von Nahrung (und Kleidung) für den HERRN kein Problem darstellt. Dazu kommt noch, dass Er uns diese Alltagsdinge zu bekommen verheissen hat, solange wir nach dem Reich trachten (Lk 12,31).

Vers 38

Er aber spricht zu ihnen: Wieviel Brote habt ihr? Geht hin, seht nach! Und als sie es festgestellt hatten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische.   Mk 6,38   

Christus liess feststellen, was an Esswaren vorhanden war. – Wie wir später sehen werden, ist wichtig, dass etwas vorhanden ist, wieviel spielt eine untergeordnete Rolle.

Er fragt seine Jünger, wieviel Brote sie haben; Er fragt nicht die Volksmenge im Gesamten an. Die echte Speise geht am Ende ausschliesslich von Christus und seinen Zugehörigen aus, das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt.

Vers 39

Und er befahl ihnen, dass sie sich alle nach Tischgemeinschaften auf dem grünen Grase lagerten.    Mk 6,39

Nun begann eine für Menschen nicht nachvollziehbare Vorbereitung. Eine Vorbereitung für die Erwartung von etwas völlig Übernatürlichem. – Oder wieso hätte man eine riesengrosse Volksmenge in Tischgemeinschaften aufteilen sollen? Wegen fünf Broten und zwei Fischen etwa? Hätten die fünf Brote überhaupt für eine einzige Tischgemeinschaft ausgereicht?

Wie sehen wir uns in für uns irrationalen Situationen? Was tun wir, wenn wir vom HERRN in eine für uns unverständliche und unmögliche Situation geführt werden? Was sagen wir, wenn der HERR uns, als Bild betrachtet, befiehlt, angesichts von fünf Broten und zwei Fischen, eine riesengrosse Volksmenge in Tischgemeinschaften aufzuteilen? Würden wir einen solchen Befehl überhaupt befolgen oder würden wir ihn angesichts der scheinbaren Sinnlosigkeit ignorieren?

Schauen wir, um diese Fragen beantworten zu können, was danach geschehen ist. Führte die Anweisung des HERRN zum Erfolg oder war Er lediglich ein kläglicher Versager, wie es der natürliche Mensch in der gleichen Situation war bzw. heute ist? Oder war und ist Er tatsächlich der unfehlbare, allmächtige und ewige Gott, wie er auch im Propheten Jesaja beschrieben wird (Jes 9,5 u. v. a.), der Menschen in völlig ausweglosen Situationen in eine absolut herrliche Rettung führt (2. Mo 14)?

Vers 40

Und sie lagerten sich in Gruppen zu je hundert und je fünfzig.   Mk 6,40

Wenn auch die bevorstehende Speisung übernatürlicher Art war, waren es die Vorbereitungen dazu nicht. Das Volk wurde in ganz gewöhnliche Tischgemeinschaften aufgeteilt.

Viele Dinge laufen in Bezug auf den Menschen gewöhnlich ab, so wie wir sie in unserem Leben von Anfang an kennen gelernt haben. Wir sollen da nicht in Illusionen leben. Was übernatürlich ablaufen kann, ist die Lebenserhaltung der Geschöpfe des HERRN. Gott zeigt unter anderem seine Herrlichkeit darin, dass er uns immer und überall zu versorgen vermag, weit über die Möglichkeiten der Welt hinaus.

Vers 41

Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte er unter alle.   Mk 6,41  

Christus hatte fünf Brote und zwei Fische vor sich, angesichts der vielen Tischgemeinschaften war das eine völlig unzureichende Menge an Speisen, dankte dem himmlischen Vater und gab sie den Jüngern, um sie dem Volk auszuteilen. Auch die zwei Fische teilte Er durch die Jünger unter alle.

Während die Jünger austeilten, glich der himmlische Vater den Mangel an Speise aus. An dieser Stelle schuf der Vater nicht einfach aus dem Nichts Speise. Er vermehrte lediglich die bereits vorhandenen Esswaren. Daher sagte ich eingangs (V 38), dass es unter uns Christen Speise im Reich geben sollte. Wir tun gut daran, nach Vermögen das Gott Zustehende auf die Seite zu schaffen (Geistliches und Materielles), damit etwas vorhanden ist in der „Scheune Gottes“. Sollte das Vorhandene bei einem besonderen Anlass nicht ausreichen, kann es Gott immer noch vermehren.

Was ich in der Schrift nirgends gefunden habe ist Lohn für Faulheit. Wenn selbstverschuldet nichts da ist, also nicht einmal das Wenige, das die Jünger damals hatten, belohnt Gott solches Tun nicht. Wieso sollte er einen Menschen oder eine Gruppe mit einem Wunder ehren, wenn dieser Mensch oder die besagte Gruppe gar nicht im Reich arbeitet?

Vers 42

Und sie assen alle und wurden gesättigt.   Mk 6,42

Wenn der HERR Essen austeilt, essen alle und es reicht für alle bis zur völligen Sättigung. Gott segnete das Vorhandene derart, dass es für alle ausreichte.

Vers 43

Und sie hoben auf an Brocken zwölf Handkörbe voll und von den Fischen.   Mk 6,43

Manch einer glaubt, Gott segne nur knapp, wenn überhaupt. Diese Denkweise ist ein Antrieb von vielen Menschen, um aus eigener Kraft Vorsorge zu treiben (d. h. ohne mit Gott zu rechnen), obschon die an dieser Stelle dargestellte Segnung eine völlig andere Sprache spricht. Sie beschreibt einen deutlichen Überschuss; niemand musste zugunsten anderer weniger essen. Alle wurden gesättigt. Und selbst wenn jemand anfänglich zögerlich vom Essen nahm, konnte er spätestens nachdem alle satt waren, nochmals kräftig zulangen. Gott ist nicht ein Gott des Mangels; Er ist ein Gott der Fülle!

Vers 44

Und diejenigen, die die Brote gegessen hatten, waren fünftausend Männer.   Mk 6,44 

Durch die Schriften ist offenbar, dass jeweils auch Frauen unter den Menschenansammlungen waren (Mk 5,24ff; Lk 11,27). Wenn die Menge nun fünftausend Männer zählte -, wie viele Seelen waren insgesamt anwesend? Der HERR teilte sie ja in Gruppen zu je hundert oder fünfzig auf. Dies hätte nur mit den Männern allein fünfzig Gruppen zu einhundert Leuten gegeben oder einhundert Gruppen zu fünfzig Personen. Wenn mit den Frauen und Jugendlichen die doppelte Menge anwesend war -, was hätte es bei Gottes Allmacht in Bezug auf die Menge der Speisen geändert? Dann wären durch den Segen Gottes zehntausend Menschen mit diesen fünf Broten und den zwei Fischen satt geworden. Wenn Gott schon das ganze Volk Israel in der Wüste zu speisen vermochte, war das hier Beschriebene eine sehr leichte Aufgabe für Ihn. Was für Gott immer noch ein Leichtes ist, ist für den Menschen aber bereits unmöglich zu bewerkstelligen.

Vers 45

Und sogleich nötigte er seine Jünger, in das Boot zu steigen und an das jenseitige Ufer nach Betsaida vorauszufahren, während er selbst die Volksmenge entlässt.   Mk 6,45 

Die Jünger hatten nach der übernatürlichen Speisung wieder ein Beispiel, dass Christus alles vermag. Nun war es für sie an der Zeit nach Betsaida vorauszufahren. Christus wollte die Volksmenge selber entlassen.

Alles was der HERR tut, hat einen Sinn, selbst wenn wir ihn nicht ergründen können. Es hatte seinen Zweck, dass beispielsweise die Jünger beim Wunder der Speisung dabei waren, das sehen wir nachfolgend bei der Begebenheit im Boot, wo die Herzen beurteilt wurden. Der HERR ist fähig, alles sinnvoll zu verknüpfen, die Ausbildung zusammen mit den Segnungen und noch viel mehr.

Vers 46

Und nachdem er sie verabschiedet hatte, ging er auf den Berg, um zu beten.   Mk 6,46 

Christus suchte nach dieser anstrengenden Begegnung mit dem Volk die ganz bewusst gewollte Gemeinschaft mit dem Vater. Dazu stieg er auf den Berg.

Unser HERR hatte natürlich schon vor dem Aufstieg Gemeinschaft; Er war in beständiger Verbindung mit dem Vater, ausser während der schlimmen Zeit der Trennung am Kreuz, wo Er für uns zur Sünde gemacht wurde (Mt 27,46) und in welcher Er unsere Sünden trug. Die beständige Gemeinschaft wurde beispielsweise deutlich durch das Gebet vor dem Austeilen der Speise. Christus dankte in ihr dem Vater (Mk 6,41), was schon, wie erwähnt, eine Verbindung aufzeigt. Die beständige Verbindung besteht auch im Alltagsgeschehen. Sie ist allerdings nicht so intensiv, wie eine dafür ganz bewusst gesuchte Zeit der völlig ablenkungsfreien Anbetung.

Durch diesen Vers werden wir von unserem Vorläufer gelehrt, dass Momente gefragt sind, wo sich der Anbeter ganz bewusst Zeit für den Vater reservieren soll. Darin soll er sich völlig beabsichtigt zum Vater hinwenden. Der Christ soll dafür einen dazu geeigneten Ort aufsuchen, wo er völlig ungestört und nicht eingeengt ist. Eine ruhige Anhöhe eignet sich dafür ganz besonders. Darauf kann der Gläubige in völliger Freiheit zu Gott beten, ganz so, wie der Geist es gibt.

Im Neuen Testament sind für das Gebet keine besonderen Orte wie im Judentum vorgeschrieben. Jerusalem war im Alten Testament im Blick auf den Gottesdienst in besonderer Stellung. Wie erwähnt, ist das heute nicht mehr so; wir können Gott von jedem Ort aus anbeten (Joh 4,21). Wir tun gut, wenn wir das regelmässig ganz bewusst von einem geeigneten Platz aus tun, in einer dafür extra reservierten Zeit. Amen.

Vers 47

Und als es Abend geworden, war das Boot mitten auf dem See und er allein auf dem Land.  Mk 6,47

Wie wir wissen, fuhren die Jünger mit dem Boot nach Betsaida voraus. Christus war, da Er zum Vater gebetet hatte, immer noch an Land.

Vers 48

Und als er sie beim Rudern Not leiden sah, denn der Wind war ihnen entgegen, kommt er um die vierte Nachtwache zu ihnen, indem er auf dem See einherging; und er wollte an ihnen vorübergehen.  Mk 6,48

Der HERR sah seine Jünger Not leiden. Wie das ging, entzieht sich unserer Kenntnis, wir wissen aber, dass Er sowohl Sohn des Menschen (Jes 7,14; Mt 11,19 u. v. a.) als auch Gott ist (Joh 1,1.14). Es war mitten in der Nacht und die Jünger mitten auf dem See. Wie der HERR die Lage in diesen Umständen so präzise einschätzen konnte, war bestimmt nicht menschlicher Art.

Gottes Geist kann natürliche Menschen, wie beispielsweise den Philippus, problemlos und gänzlich ohne irdische Transportmittel von einem Ort zum anderen befördern (Apg 8,39.40). Auf diesem Weg hätte sich Christus auch nach Betsaida überführen lassen können. Er sah jedoch davon ab; Er schaute nicht lediglich für sich, um gut am Ort des Willens des Vaters anzukommen. Er kümmerte sich in der Ausführung des väterlichen Willens stets auch um die Seinen. So ging er auf dem stürmischen See zu ihnen, was im Blick auf seine Möglichkeiten der viel beschwerlichere Weg war.

Wir sehen in dieser Begebenheit, dass sich der HERR herablässt, seine Jünger bei feindlichen Angriffen zu stützen. Der HERR ist so erhaben, dass Er sich nicht zu bewegen bräuchte, wenn sündige Menschen vom Bösen angegriffen werden.

Bekommen die Sünder damit nicht einfach, was ihnen sowieso zusteht, nämlich Strafe und Tod? – Nein! Wen der HERR aufgenommen hat, um den kümmert Er sich in seiner Familie (Joh 10,28.29). Der HERR ist nicht wie ein Elternteil, das die Zügel schleifen lässt. Er sieht jede veränderte Situation und geht hin, sie genau zu begutachten. Sollte Hilfe erforderlich sein, ist Er stets da.

Vers 49

Sie aber sahen ihn auf dem See einhergehen und meinten, es sei ein Gespenst und schrien auf;  Mk 6,49

Die Gedanken an ein Gespenst waren für die Jünger plausibler als jener, dass das der HERR sein könnte. – Nun, ich masse mir ganz sicher kein Urteil an -, ich hätte ganz bestimmt nicht anders reagiert, und doch ist es fraglich, ob es für Jünger des Höchsten passend ist, in ungewöhnlichen Situationen immer das Schlimmste zu vermuten. Sollten Christen auch in schwierigeren Situationen etwas zuversichtlich sein? Dürfen wir nicht wie der Psalmist sagen: „In Frieden werde ich, sobald ich liege, schlafen; denn du, HERR, lässt mich, <obschon> allein, in Sicherheit wohnen (Ps 4,9).“

Vers 50

denn alle sahen ihn und wurden bestürzt. Er aber redet sogleich mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid guten Mutes! Ich bin es. Fürchtet euch nicht!   Mk 6,50

Der HERR lässt die Jünger keine Sekunde länger in Angst, indem Er sogleich mit ihnen redete und ihnen sagte, dass Er es sei, der da über das Wasser ging. Auch sprach Er das „Fürchtet euch nicht“ zum wiederholten Male aus, ganz nach der Freundlichkeit Gottes, die bereits im AT diese Worte zum Volk sprach (z. B. 5. Mo 20,3; Sach 8,15b).

Vers 51

Und er stieg zu ihnen in das Boot, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich sehr über die Massen;   Mk 6,51

Christus machte sich den Jüngern wieder gleich, indem Er nicht weiter in wunderbarer Weise über den See ging. Er stieg zu ihnen in das Boot. Der Wind legte sich dabei; schlussendlich war die Absicht Christi, seinen notleidenden Jüngern zu helfen, da Er noch an Land sah, wie sie auf dem Wasser Not litten. In dieser Not begegnete Er ihnen mit effektiver Hilfe. In derselben Weise können sich die „Winde“ in unseren Leben legen, wenn wir eine Begegnung mit Ihm haben dürfen.

Dass sich die Jünger darüber entsetzten, hat an dieser Stelle nichts mit Herrlichkeit zu tun, wie wir im nächsten Vers sehen.

Vers 52

denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, sondern ihr Herz war verhärtet.   Mk 6,52 

Die Bibel spricht bei Ungehorsam und Uneinsichtigkeit gegenüber Gott von verhärteten Herzen (Ps 95,8; Spr 28,14; Mk 3,5) und verhärteten Nacken (Jer 7,26 u. v. a.). Sie warnt uns eindringlich vor Hartherzigkeit:

verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste,  
Hebr 3,8

Die Verhärtung des Herzens ist eine sehr ernstzunehmende Sache. Wer das ernsthaft tun will, soll wissen, dass ein Rufen zum HERRN in der Not danach zwecklos sein wird.

12 Und sie machten ihr Herz zu Diamant, um die Weisung nicht zu hören, noch die Worte, die der HERR der Heerscharen durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten; so kam ein großer Zorn auf beim HERRN der Heerscharen.  
13 Und es geschah: Wie er gerufen und sie nicht gehört hatten, so werden sie rufen, und ich werde nicht hören, spricht der HERR der Heerscharen.   Sach 7,12.13

Weshalb das Herz der Jünger verhärtet war -, darüber kann ich nur mutmassen. Die Welt gibt mir ihrer Ungerechtigkeit den Ausschlag, die Herzen zu verhärten. Daher glaube ich, dass sie noch verhärtet waren und nicht in jüngster Vergangenheit in diesen Zustand kamen. Dies spielt aber, wie allgemeine Mutmassungen betreffend die Heilige Schrift, eine völlig untergeordnete Rolle.

Wir sollen unser Herz auch weich werden lassen, sollte das noch nicht der Fall sein und uns davor hüten, es danach wegen möglichen bösen Einflüssen wieder zu verhärten. Sonst sind wir nicht offen für Gottes Weg und bleiben im Ungehorsam oder kommen erneut hinein.

Der Vers zeigt auch auf, dass es sehr viel brauchen kann, bis verhärtete Herzen weich werden. Das grosse Wunder der Speisung der grossen Volksmenge mit einem winzigen Bruchteil der tatsächlich benötigten Speise reichte allein nicht aus, die verhärteten Herzen der Jünger weich zu machen. Es ist also leichter, mehr als fünftausend Menschen übernatürlich zu speisen, als verhärtete Herzen weich zu machen. – Für mich ist das eine sehr bemerkenswerte Sache!

Hartherzige Menschen „entsetzen sich über die Massen“ bei Einblicken in das herrliche Reich Christi, wie wir im vorausgehenden Vers lesen. Sie rechnen niemals damit und sind mit ihrem Bewusstsein so weit vom herrlichen Reich entfernt, dass sie sich „entsetzen“, wenn der Vorhang etwas angehoben wird.

Vers 53

Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth und legten an.   Mk 6,53

Nach der Überfahrt kamen sie auf der gegenüberliegenden Seite in Betsaida an, eine Ortschaft im Land Genezareth. Dieses Gebiet gab dem See den Namen „See Genezareth“.

Was nun unseren HERRN auch sehr herrlich macht, ist die Tatsache, dass Er nicht wie die natürlichen Vorgesetzten es sagen würden sagt: „Meine lieben Jünger! Ich hatte grosse Hoffnungen in euch gesetzt und Euch mehr sehen lassen, als es je ein Gewaltiger auf Erden tun kann. Und doch habt ihr eure Herzen nicht für mich passend gemacht, wo doch alle Menschen sofort irgendjemandem nachlaufen, wenn dieser ruft (2. Sam 20,1.2). Nun, weil ihr über die Norm begriffsstutzig seid, verwerfe ich euch und suche mir andere, selbst, wenn ich sie neu erschaffen müsste!“

Der HERR sprach so zu seinen Jüngern nicht! Er hegte und pflegte sie weiter, bis sich diese praktisch hoffnungslosen Pflänzlein endlich zu wachsen bequemten. Dies sage ich absichtlich etwas plakativ; ich sage es aber nicht als einer, der sich als fortschrittlicher oder besser als die damaligen Jünger betrachtet. Ich sage es deshalb, damit wir in unseren Tiefpunkten die Hoffnung nicht aufgeben und nicht anfangen zu glauben, wir seien so schlecht, dass dem HERRN doch unseretwegen längst der Geduldsfaden gerissen ist. Der HERR bewies im Umgang mit seinen Jüngern, dass seine Gnade sehr weit geht, viel weiter, als wir in unserer Not von ihr denken. – Der HERR spricht zu seinem Volk:

Denn die Berge mögen weichen und die Hügel wanken, aber meine Gnade wird nicht von dir weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht der HERR, dein Erbarmer.   Jes 54,10

Seien Sie daher getrost, liebe Leserin und lieber Leser, der HERR nimmt sich auch Ihrer an, wenn Sie das wollen. Amen.

Vers 54

Und als sie aus dem Boot stiegen, erkannten sie ihn sogleich   Mk 6,54 

Am Ufer bei Betsaida angekommen, wurde der HERR von den ansässigen Leuten sogleich erkannt und sie fingen sofort mit den notwendigen Schritten an, die zu tun sind, wenn ein alles vermögender Mann erscheint, wie wir im nächsten Vers sehen werden. Sie begannen, alle Kranken zu Ihm zu tragen.

Im Nehmen ist der Mensch schnell; wie ist er aber im Gehorchen? Wenn sich Gott als Heiler offenbart, werden seine Heilungen gerne angenommen, sobald er aber einen legitimen Besitzanspruch als Schöpfer und grosser König anmeldet, wird Er verspottet, verlacht und gelästert. Dies geschieht spätestens dann, wenn im eigenen Leben nicht alles so läuft, wie der Mensch es von Gott (Ton es vom Töpfer; Jes 45,9) erwartet.

Vers 55

und liefen in jener ganzen Gegend umher und fingen an, die Kranken auf den Betten hierhin und dorthin zu tragen, <von> wo sie hörten, dass er sei.   Mk 6,55

„Gesundheit ist das höchste Gut!“, sagt der Volksmund. Ein kranker Mensch kann sein Leben nicht geniessen, wie wenn er gesund wäre; er ist durch die Krankheit eingeschränkt. Eingeschränkt ist auch sein Umfeld. Deshalb ist es verständlich, dass eine Heilung zuoberst auf der Wunschliste rangiert.

Bei Christus fanden die Menschen Heilung für alle ihre Gebrechen (Joh 9), selbst der Tod konnte seine Seelen nicht zurückbehalten (Lk 7,14.15), doch das ist längst nicht alles. Christus kann mehr als das; Er kann den Menschen in allen Bereichen heilen. Christus heilt nicht nur den Leib, Christus heilt auch die Seele und den Geist; Er heilt ganzheitlich. Er kann jede und jeden in den Zustand versetzen, der es dem Menschen möglich macht, völlig in Ordnung vor dem Allmächtigen zu erscheinen, völlig gesund und ohne Sünde. Wer ist sonst dazu imstande? Wer hat das Recht, Sünden zu vergeben, wenn nicht der allein, der sündlos für uns zur Sünde gemacht wurde? – Christus sei gepriesen für seine Tat und die Barmherzigkeit, jedem, der Ihn sucht und an Ihn glaubt, diesen vollen Segen zukommen zu lassen!

Vers 56

Und wo auch immer er in Dörfer oder Städte oder in Gehöfte hineinging, legten sie die Kranken auf den Marktplätzen hin und baten ihn, dass sie nur die Quaste seines Gewandes anrühren dürften; und alle, die ihn anrührten, wurden geheilt.    Mk 6,56 

Dieser Vers offenbart die unumschränkte Macht des HERRN sowie seine ebenso uneingeschränkte Fürsorge und Gnade. Er musste sich nicht spezieller Riten behelfen und damit für jedes Einzelschicksal viel Zeit verlieren. Eine einzige Berührung genügte völlig, auch ein Wort von Ihm reichte aus, wie wir an anderen Stellen sehen, um die Leute ganz gesund zu machen. Dabei heilte Er die Menschen nicht von lediglich einem Schnupfen. Er heilte Lahme, Blinde und Taube und weckte sogar bereits Verstorbene auf. Die Berührung der Quaste seines Gewandes war völlig ausreichend, todkranke Menschen zu heilen! Über was für eine Macht unser herrlicher HERR verfügt! Er sei gepriesen!

Weiter sehen wir im Vers, wie angedeutet, dass Er reich für alle war. Er selektierte während seines Gnadenangebots nicht zwischen Guten und Bösen, jeder sollte die Chance erhalten, eine Berührung mit Gott zu haben. Deshalb wurden „alle, die ihn anrührten“ gesund gemacht.

Kapitel 7

Vers 1

Und es versammeln sich zu ihm die Pharisäer und einige der Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren;    Mk 7,1 

Nun wendet sich der Fokus im Text von der absoluten Herrlichkeit unseres HERRN weg und beleuchtet das irdisch-teuflische Denken der damaligen Elite. Nehmen wir nun also den „Fahrstuhl“ nach unten, der uns in den sehr tiefstehenden Bereich des menschlich unverständigen und religiösen Denkens führt.

Sehr zu Ungunsten der Pharisäer und Schriftgelehrten sei an dieser Stelle noch angeführt, dass sie extra aus Jerusalem angereist waren, um dem HERRN und dem im Schatten des HERRN gesegneten Volk ihre Ergüsse der Bosheit vorzutragen. Sie hielten sich nicht einfach nur passiv im Hintergrund; sie waren derart verblendet, dass sie glaubten, trotz des so krassen moralischen Gegensatzes und ihrer derart offensichtlichen Bosheit, das Recht auf ihrer Seite zu haben. Allen Ernstes und ohne Reisestrapazen zu scheuen dachten sie offensichtlich, dem Gesetz gegenüber unserem herrlichen HERRN zum Recht verhelfen zu müssen! – Den Grad ihrer Verblendung kann ich nicht in Worte fassen, nicht einmal der Ausdruck „vollendete Perversion“ drückt aus, was sie sich hier geleistet hatten, da sie allen Ernstes dachten, der in allem perfekte Gott sei und handle böse.

Vers 2

und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen, Händen Brot essen sahen –    Mk 7,2

Die Pharisäer suchten „gefundene Fressen“, also Gelegenheiten, in denen sie Gesetzesverstösse zu sehen glaubten, um unserem in allem perfekten HERRN zu verunglimpfen und sein Werk zu zerstören. Im Licht der Bibel verstiess jedoch nur eine Seite gegen das Gesetz: Die Pharisäer und die Schriftgelehrten (Joh 7,19). Christus kam hingegen, es zu erfüllen (Mt 5,17).

Wie erwähnt, rangierten die Pharisäer und die Schriftgelehrten auf tiefstem moralischem Niveau, wogegen der HERR in allem, was Er tat, eine für Menschen noch nie dagewesene Messlatte setzte. Er setzte die der Perfektion Gottes.

Bemerkenswert ist die Art und Weise, der Mechanismus, der die Menschen verblendet. Die Pharisäer dachten ja tatsächlich, dass sie vor Gott gut da stünden. Sie verführten sich damit, in dem sie sich selbst viele menschliche Gesetze auftrugen, die einen gottesfürchtigen Touch hatten. Damit konnten sie angeben und hatten etwas, das sie vom normalen Volk separierte. Das selbst bequeme normale Volk anerkannte sie als Führer und ihre Riten und bestärkten sie in ihrer falschen Haltung. Die (einfachen) eigenen Gebote hielten sie eifrig, um die göttlichen Gebote, die Demut voraussetzen, zu ignorieren. Denn Barmherzigkeit und Selbstverleugnung hätte ihrem Ego mehr abverlangt und es viel mehr geschwächt, wogegen es durch die eigenen Gebote gestärkt wurde. Das Erfüllen der eigenen Gebote hob sie auf einen Sockel, das Halten der Gebote Gottes hätte ihren Eigendünkel entlarvt und ihr Ego geschwächt, wie erwähnt.

Das Ziel der Pharisäer war, die eigene Ehre zu vergrössern, nicht Gott zu ehren. Gott verachteten sie nachweislich, indem sie seine Gebote ignorierten. Der HERR entlarvte ihre Heuchelei mit voller Härte. Lesen Sie nachfolgend einen Auszug aus Gottes Beurteilung über die Pharisäer und Schriftgelehrten (aus Mt 23,13-36)

So scheint auch ihr von aussen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.   Mt 23,28

Dieses Urteil wird jeden Menschen treffen, der Gottes Gesetz ignoriert, sich aber mit eigenen Gesetzen und Geboten als gottesfürchtig darstellt.

Vielleicht nickt der eine oder andere Leser zustimmend zum Gedanken, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten üble Zeitgenossen Christi waren und merkt dabei nicht, dass er selbst und sein Umfeld in der gleichen Haltung, die lediglich durch andere Praktiken zum Ausdruck kommt, Gottes Forderungen ignoriert und er sich selber rechtfertigt. Wer anstatt in der Demut zu wachsen in eine Art der Selbstverwirklichung kommt, muss sich ernsthaft fragen, welchen Weg er beschreitet, den guten oder den bösen.

Vers 3

denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht sorgfältig die Hände gewaschen haben, indem sie die Überlieferung der Ältesten festhalten;  Mk 7,3 

Die Überlieferung der Ältesten ist nichts anderes, als die Überlieferung von menschlichen Geboten. Sie hat nichts mit Gottes Gesetz zu tun, das beim rauchenden Berg von Gott über Mose gegeben wurde.

Die Pharisäer und Juden hatten zu den Geboten Gottes sehr viele eigene hinzugefügt. So dachten sie, sich, dem Gesetz noch viel eifriger folgend als von Gott erwartet, präsentieren zu können. Christus entlarvte aber diese ganze Heuchelei als solche und bewies, dass sie, zugunsten dieser vor Gott wertlosen Menschengeboten (Mt 15,9), das Gesetz Gottes überhaupt nicht beachteten (Mt 7,8).

Vers 4

und vom Markt <kommend>, essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen haben; und vieles andere gibt es, was sie zu halten übernommen haben: Waschungen der Becher und Krüge und Kupfergefäße –   Mk 7,4 

Im Gesetz Gottes sind auch Waschungen vorgeschrieben, aber nicht die, welche die Ältesten als menschliche Zusätze überliefert haben. Nachfolgend sind zwei Versangaben für legitime Waschungen aus der Schrift angegeben: Für Menschen führe ich als Beispiel 2. Mo 30.19 und für Gefässe 3. Mo 6,21 auf. Legitimationen für die zusätzlichen Waschungen der Pharisäer gibt es keine in der Schrift.

Seien wir vor Hinzufügungen gewarnt. Wer Worte zu den letzten Aussprüchen Christi hinzufügt, werden die im letzten Bibelbuch beschriebenen Plagen hinzugefügt werden (Offb 22,18).

Vers 5

fragen ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen?   Mk 7,5 

Die Verblendung der Pharisäer liess sie zu der Frage hinreissen, wieso Jesus die Jünger nicht in den Überlieferungen der Ältesten unterwies und lehrte. Diese Überlieferung machten die Pharisäer den Heiligen Schriften gleicht, die Hände der Jünger waren in ihren Augen vor Gott unrein. Sie verwenden dasselbe Wort, das Gott für kultische Unreinheit gegeben hat.

Sehen Sie den Verblendungsgrad der Pharisäer und Schriftgelehrten, liebe Leserin und lieber Leser? – Wundern Sie sich nicht über Verhaltensweisen von Menschen, die für Sie absolut unverständlich sind und ahmen sie sie auf keinen Fall nach. Es gibt Menschen, die einen anfänglich sehr gottesfürchtigen Wandel nach Jahren in einen gottlosen verwandeln. Auch wenn man das durch die Warnungen der Schrift nicht für möglich hält bei erwachsenen Menschen (Heb 10,26), - gibt es immer wieder Individuen, die Gottes Gebote im Laufe der Zeit verwerfen. Schon der weiseste Mann auf Erden, Salomo, verfiel im Alter der Torheit und warf sich vor Götzen nieder, wie geschrieben steht:

4 Und es geschah zur Zeit, als Salomo alt geworden war, da neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern zu. So war sein Herz nicht ungeteilt mit dem HERRN, seinem Gott, wie das Herz seines Vaters David.  
5 Und Salomo folgte der Astarte nach, der Göttin der Sidonier, und dem Milkom, dem Scheusal der Ammoniter.  
6 Und Salomo tat, was böse war in den Augen des HERRN, und er folgte dem HERRN nicht so treu nach wie sein Vater David.  
7 Damals baute Salomo eine Höhe für Kemosch, das Scheusal der Moabiter, auf dem Berg, der Jerusalem gegenüber<liegt>, und für Moloch, das Scheusal der Söhne Ammon.  
8 Ebenso machte er <es> für all seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern Rauchopfer und Schlachtopfer darbrachten.  
9 Da wurde der HERR zornig über Salomo, weil er sein Herz von dem HERRN, dem Gott Israels, abgewandt hatte, der ihm zweimal erschienen war  
10 und ihm in dieser Sache geboten hatte, nicht anderen Göttern nachzufolgen. Aber er hatte nicht beachtet, was der HERR <ihm> geboten hatte.    1.Kön 11,4-10  

Lassen Sie uns mit offenen und wachsamen Augen durchs Leben gehen! Lassen wir uns nicht durch ehemals fromme Menschen täuschen oder verführen. Wer abgefallen ist, hat Gottes Zeugnis nicht mehr, denn er ist abgefallen. Orientieren Sie sich nicht weiter an Abgefallenen, selbst wenn Sie durch solche früher zum Glauben kamen. Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Wer an Ihm festhält, lebt im Wohlgefallen; wer Ihn verlässt, zieht sich den Fluch und ein Gericht für Gottlose zu. Amen.

Vers 6

Er aber sprach zu ihnen: Treffend hat Jesaja über euch Heuchler geweissagt, wie geschrieben steht: »Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir.   Mk 7,6 

Der HERR deckte mit seiner Antwort ihre Bosheit und Heuchelei schonungslos auf. Ihr Herz war nicht auf Gottes Seite, sonst hätten sie Jesus respektiert. Sie sprachen zwar in ihrer Heuchelei von Gottes Dingen, ihr Herz hing aber voll an der Welt.

Sie mussten entlarvt werden, sonst machte ihr Beispiel Schule. Wenn sich eine bekannte Persönlichkeit das Leben nimmt, steigen die Anfragen bei den sogenannten „Sterbehilfeorganisationen“ sprunghaft an. Wie Selbstmord bekannter Persönlichkeiten seine Nachahmer findet, verführten die Pharisäer die Gläubigen zum Bösen. Wenn ein Suchender sich bei ihnen orientiert hätte, wäre er zum Schluss gekommen, dass Geldliebe (Lk 16,14), Egoismus (Mk 12,39) und Kaltherzigkeit (Mk 7,11-13) beim HERRN anerkannt wäre. Deshalb stellte sie der HERR öffentlich bloss, sie waren eine Gefahr für die Menschen im Blick auf den Weg ins Reich.

Die gleiche Gefahr stellen Gläubige, die den Weg der Welt gehen. Wenn Suchende solche beobachten, erscheint es legitim, im Reich so zu leben, wie die Weltmenschen es tun. Es erscheint den Beobachtern dann, dass Ehebruch, sexuelle Ausschweifung und alle üblen Dinge der Welt im Reich Bestand hätten. Dass es aber nicht so ist, wird von der Bibel klar erläutert (1. Kor 6,9.10; Gal 5,21). Deshalb geht der HERR verständlicherweise hart gegen solche Verführungen vor, wie Er mit den Pharisäern nicht zimperlich umging (Apg 5; 1. Kor 11,30). Folgen Sie niemandem, der sich als Christ ausgibt oder ausgab, sich aber vom guten Pfad abgewendet hat. Amen.

Vers 7

Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.«   Mk 7,7 

Denken Sie nie von Menschen, die Gottesfurcht heucheln oder sich vom guten Pfad entfernt haben – selbst wenn diese im Wohlstand leben – sie würden im Segen Gottes ruhen. Der Allmächtige spricht in diesem Kontext klare Worte, denn ihre Heuchelei oder ihre Abtrünnigkeit wird von Gott als solche erkannt. Alles was sie für den HERRN tun, ist vergeblich; ihre Werke werden von Ihm keineswegs akzeptiert, im Ungehorsam ist dem Menschen alles unrein (Tit 1,15). Es besteht eine Kluft zwischen ihnen und Gott in Bezug auf den Wohlgefallen bei Ihm, denn sie leben in der Erhebung gegen Gott.

In was für einem furchtbaren Zustand sich diese Menschen doch befinden! Gott kann sich selber helfen, der abhängige Mensch hingegen nicht. Wenn er den Draht zu Gott verloren hat, hat er alles verloren. So schlimm und aussichtslos die Angelegenheit ist, - trotzdem lassen sich immer wieder Christen zum Abfall verleiten.

Vers 8

Ihr gebt das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der Menschen fest.   Mk 7,8

Die Selbstverständlichkeit beim Hinweis der Pharisäer auf das überlieferte menschliche Gebot zeigt mindestens, dass sie dieses auf die gleiche Ebene setzten, wie ein göttliches. Mit diesem Vers offenbart der HERR aber noch Kläglicheres: Sie gaben das Gebot Gottes preis, am menschlichen hielten sie jedoch fest.

Sie kehrten sich vom Wort Gottes ab und zogen die mit in ihr Unglück, die ihnen folgten, wie schon Jahrhunderte im Voraus festgestellt wurde:

29 Weil sie die Erkenntnis hassten und die Furcht des HERRN nicht erwählten,
30 meinen Rat nicht wollten und all meine Zurechtweisung verschmähten,
31 darum sollen sie  essen von den Früchten ihres Wandels und satt werden an ihren Ratschlägen.
32 Denn den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod, und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um; Spr 1,29-32 

Wie erwähnt, ging eine grosse Gefahr von den Pharisäern aus. Sie waren diejenigen, die Gottlosigkeiten im Reich salonfähig machten. Christus tolerierte das in keinem Punkt. Wie in der zitierten Bibelstelle aus den Sprüchen bringt Abkehr (vom geraden Weg Gottes) den Tod. Da die Pharisäer eine Vorbildfunktion hatten, brachten sie den Tod nicht nur auf sich selber, sondern auf alle, die sich an ihnen orientierten. – Dass der HERR dies mit besonderer Härte ahndet, ist beschrieben und liegt auch auf der Hand.

Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.   Mk 9,42

Jeder Christ hat eine gewisse Vorbildfunktion, vor allem dann, wenn er schon eine Weile mit dem HERRN unterwegs war. Wehe einem solchen Christen, wenn er abfällt und dadurch Gottes Gebote mit Füssen tritt und sich mit weltlichen Weisheiten entschuldigt. Er ist ein Fallstrick für alle Kleinen und Schwachen.

Vers 9

Und er sprach zu ihnen: Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung haltet.   Mk 7,9 

Andere Bibelübersetzer beginnen den Vers so: „Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot ausser Kraft … ."

Heuchler wie die Pharisäer und andere setzen Gottes Gebot ausser Kraft, um an den eigenen Überlieferungen festzuhalten. Und dies machen sie sehr geschickt. Kein Heuchler sagt gerade heraus: „Ich halte Gottes Gebot nicht!“, sonst wäre er ein offenkundig Ungehorsamer. Ein Heuchler heuchelt Gottesfurcht vor, ist aber genauso ungehorsam wie jemand, der Gottes Gesetz offen ablehnt. Ein Heuchler lehnt es vor Menschen lediglich geschickter ab. Er lässt die Menschen im Glauben, er wäre für das Gute und Göttliche, obschon er in Wirklichkeit gegenteilig und weltlich denkt.

Vers 10

Denn Mose hat gesagt: »Ehre deinen Vater und deine Mutter!« und: »Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben.«   Mk 7,10 

Christus wirft den Pharisäern nicht einfach Unfähigkeit und Bosheit vor, um sich selbst zu rechtfertigen, wie es viele Weltmenschen machen. Christus war und ist in allem völlig rein, ohne Fehler und Flecken (1. Petr 1.19). Er konnte jede seiner Feststellungen untermauern und bewies anhand konkreter Beispiele, weshalb die Feinde des Reiches heuchlerisch, böse und gottlos waren (Joh 8,44), obschon sie sich als fromm ausgaben.

An dieser Stelle führt Er Gottes Gebot an und in den nächsten Versen bringt Er den Beweis, wie die Pharisäer dieses Gebot verwarfen. Und die Verwerfung der Gebote Gottes geschah nicht offensichtlich; geschickt verstanden es die Pharisäer, sich fromm zu stellen, obschon sie es überhaupt nicht waren.

Mose sagte in Bezug auf die Eltern nicht lediglich „Ehre Vater und Mutter“. Christus erklärt mit diesen angeführten beiden Stellen, dass das Gesetz viel weiter ging. Vater und Mutter sollten so in Ehren gehalten werden, dass bereits eine üble Bosheit mit den Lippen, ein Fluch, für das Todesurteil ausreichte. Nicht einmal eine Tätlichkeit war nötig, um unter dieses Gericht zu kommen. – Dagegen standen die heuchlerischen Pharisäer, die mit dem menschlichen Korban-Gebot hilfsbedürftige Eltern leer fortschickten, indem sie sagten, dass ihnen Zustehende hätten sie Gott geweiht. Dieses menschliche Gebot der Pharisäer war im Lichte des Gesetzes so übel, dass es gar kein Gewicht hatte vor Gott. Gott sagte viel mehr, dass sie damit sein Gebot gänzlich aufhoben und es nicht lediglich nur schmälerten (indem sie einen Teil Gott abgaben). Gott akzeptierte im Lichte seiner Fürsorge für die Menschen diese Opfergabe überhaupt nicht, Er sah sie vielmehr als Bekenntnis des Bösen und rechnete sie den Pharisäern als Schuld an.

Vor den Menschen dachten die Pharisäer aber, besonders fromm zu sein, weil sie in ihrer Überlieferung eine zusätzliche Opfergabe für Gott hatten, wogegen die anderen Menschen „nur“ die mosaischen Gebote Gottes besassen. So verkauften sich die Pharisäer als besonders fromm. Mit diesen üblen Machenschaften hielten sie sich an der Spitze unter den geistlichen Führern. Das Volk konnten sie in einem gewissen Mass für dumm verkaufen, der HERR durchschaute sie jedoch völlig und sagte in jeder Situation genau das Richtige. So sagte Er den Pharisäern: „Sehr geschickt setzt ihr Gottes Gebot ausser Kraft!“

Wer also seinen Ehepartner fortschickt, um so „ganz“ Gott zu gehören oder irgendetwas tut, um etwas Göttliches aufzuheben und etwas vermeintlich Grösseres an dessen Stelle zu setzen, soll jetzt ganz genau wissen: Das wird demjenigen voll als Bosheit und grobe Sünde angerechnet! Das vermeintlich Grössere hebt nämlich in solchen Fällen Gottes Gebot zugunsten eines üblen menschlichen Wunsches auf. Wie sollte damit Gott verherrlicht werden? – Es ist ganz gewiss, wie oben beschrieben: Gott wird mit Heuchlern und mit solchen, die seine Gebote aufheben, nicht zimperlich umgehen! Oder haben Sie nicht erkannt, dass der HERR mit den heuchlerischen Pharisäern am härtesten umgegangen ist und kein Verständnis für sie hat aufbringen können (Mt 13,13-36, wobei der letzte Vers das beschlossene Gericht besiegelt)?

Vers 11

Ihr aber sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter spricht: Korban – das ist eine Opfergabe – <sei das>, was dir von mir zugute gekommen wäre,  Mk 7,11  

Mit dieser Stelle (und der folgenden) hält der HERR den Pharisäern ihre vermeintliche Klugheit vor. Den Allmächtigen konnten sie nicht täuschen; vor Ihm lag und liegt seit jeher alles offen da. Er brauchte nur eine einzige – ach so fromme – menschliche Überlieferung der Pharisäer zu nehmen, um ihre Bosheit blosszustellen. Und wie viele gab es davon! Die Pharisäer haben nachweislich sehr viele menschliche Gebote entwickelt (Mk 7,13b), um möglichst fromm zu wirken. Bereits im Propheten Jeremia steht in Bezug auf den Umgang mit dem Worte Gottes:

Wie könnt ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz des HERRN ist bei uns? In der Tat! Siehe, zur Lüge hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht.   Jer 8,8  

Liberale Kreise mögen nun vielleicht anfangen zu suchen, wie diese harten Worte gegen Heuchler und Selbstgerechte abgeschwächt werden könnten, doch ich muss an dieser Stelle alle sich selber rechtfertigenden Menschen enttäuschen. Es sind die eindeutigen und unmissverständlichen Worte des HERRN. Wenn ich davon wegnehmen würde, um Menschen zu gefallen, würde ich mir selber Schuld aufladen. Spätestens hier zieht der gerne von liberalen Christen zitierte Spruch, „Soll aus einer Frohbotschaft eine Drohbotschaft werden?“, nicht mehr, da die Fragestellung völlig falsch ist. Das unendlich gnädige Angebot des HERRN steht nach wie vor: Sünder, also Gesetzesbrecher, bekommen bei ihrer Busse und Reue und dem Glauben an Christus neues Leben in Ihm. Wer aber danach wie ein Hund zum eigenen Gespei zurückkehrt (2. Petr 2,22), von dem steht, dass es besser wäre, er hätte den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt! – Was für ein Wort des Neuen Testaments! Und davon fällt rein gar nichts auf den Boden (um nicht in Erfüllung zu gehen)! Amen.

Vers 12

lasst ihr ihn nichts mehr für Vater oder Mutter tun,   Mk 7,12 

Die Weise der Pharisäer entsprach nicht einmal der Weise der Heiden. Sogar die Ungläubigen versorgten ihre Eltern besser. Wer seine Hausgenossen nicht versorgt, ist schlechter als ein Ungläubiger (1. Tim 5,8). Der heuchlerische Gläubige bringt es aber so weit, sich als fromm auszugeben, obschon er in Wahrheit das moralisch tiefste menschliche Niveau erreicht hat.

Vers 13

indem ihr das Wort Gottes ungültig macht durch eure Überlieferung, die ihr überliefert habt; und ähnliches dergleichen tut ihr viel.   Mk 7,13 

Die Bewährung eines Menschen fängt im Kleinen an. Wer im Kleinen nicht treu ist, ist im Grossen auch nicht treu (Lk 16,10). Daher ist es nicht verwunderlich, dass der HERR von vielen Vergehen der Pharisäer spricht, indem Er sagt: „… und ähnliches dergleichen tut ihr viel.“ Sie hatten schliesslich bewiesen, dass sie nicht einmal in den offensichtlichsten Dingen dem Worte Gottes gegenüber treu waren. Sonst hätten sie beispielsweise in Bezug auf Jesus mit einfachsten Mitteln herausfinden können, ob Jesus der Christus sei und sich im Anschluss Ihm unterwerfen können, statt Ihn zu bekämpfen! Hätten sie Ihn nur einmal gefragt, wo Er auf die Welt kam (Mi 5,1), wo Er seine Kindheit verbracht hat (Hos 11,1) und wo Er aufgewachsen ist (Mt 2,23)! Doch da die Pharisäer schon ungenau mit den Schriften umgingen, wen wundert’s, dass sie im Grossen auch liederlich waren? Deshalb waren sie blind für Gott, obschon Er in der Person von Jesus Christus vor ihren Augen auf der Erde umher ging.

Nehmen Sie die Worte Gottes bitte nicht auf die leichte Schulter, liebe Leserinnen und Leser! Auch gleichgültiger Umgang mit der Schrift bringt Sie nicht weiter. Die Gebote des HERRN sollten Ihre Richtschnur sein. Sind sie es nicht, tun Sie in Wahrheit nur das, was Sie recht dünkt. Und das ist der Weg des Guten nicht (Spr 14,12; 16,25).

Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber zuletzt sind es Wege des Todes.   Spr 16,25

Die Regel ist: Wenn Sie die Worte Gottes nicht kennen, so haben Sie keine göttlichen Leitplanken; Sie leben dann den weltlich eingestellten Menschen gleich oder ähnlich, auf die wegen der krummen Pfade ein hartes Gericht wartet. Weil die Pharisäer liederlich mit Gottes Worten umgingen, kamen sie auch nicht in die Wahrheiten und Geheimnisse Gottes hinein. Es nützt nichts, wenn man die Worte Gottes zitiert, mit ihnen herumprahlt oder sie einfach in der Tasche in Buchform herumträgt. – Nur wer Gott und seinen Willen in den Heiligen Schriften sucht, wird die Wahrheit finden, die es zu finden gilt (Joh 5,39.40). Sie wird den Suchenden frei machen. Ein solcher hat Leitplanken im Leben, die ihn vor gefährlichen Abgründen schützen (Spr 2,1-8). Wer die Gebote Gottes nicht hat, geht in die Irre.

Vers 14

Und als er die Volksmenge wieder herbeigerufen hatte, sprach er zu ihnen: Hört mich alle und versteht!   Mk 7,14

Nachdem der HERR mit den Pharisäern fertig war, rief Er alle zu sich, die ganze Volksmenge. Die nachfolgenden Worte waren für alle von grosser Bedeutung. Die vorausgehenden galten vor allem den Heuchlern.

Das Volk (alle Menschen) sollen verstehen, was die Aussprüche des HERRN sind. Damit war der HERR – wie könnte es anders sein? – völlig im Einklang mit der Heiligen Schrift, welche sagt:

1 Ruft nicht die Weisheit? Die Einsicht, lässt sie nicht ihre Stimme erschallen?  
2 Oben auf den Höhen am Weg, da wo die Pfade sich kreuzen, hat sie sich <wartend> aufgestellt.  
3 Neben den Toren, am Zugang zur Stadt, am Eingang der Pforten schreit sie:  
4 An euch, ihr Männer, ergeht mein Ruf, und meine Stimme an die Menschenkinder.  
5 Lernt Klugheit, ihr Einfältigen, und ihr Toren, bringt <euer> Herz zur Einsicht!  
6 Hört zu! Denn Vortreffliches rede ich, und das Öffnen meiner Lippen ist Aufrichtigkeit.
7 Denn Wahrheit verkündet mein Gaumen, und ein Greuel ist meinen Lippen die Gottlosigkeit.  
8 In Gerechtigkeit <ergehen> alle Worte meines Mundes; nichts in ihnen ist verschlagen oder falsch.
9 Sie alle sind recht dem Verständigen und redlich für die zur Erkenntnis Gelangten.  
10 Nehmt an meine Zucht und nicht Silber, und Erkenntnis lieber als auserlesenes Gold!  
11 Denn Weisheit ist besser als Korallen, und alle Kleinode kommen ihr nicht gleich an Wert. –
12 Ich, die Weisheit, bin die Nachbarin der Klugheit, und besonnene Erkenntnis finde ich.
13 Die Furcht des HERRN <bedeutet>, Böses zu hassen. Hochmut und Stolz und bösen Wandel und einen ränkevollen Mund, <das> hasse ich.   Spr 8,1-13

Manche Menschen lassen sich vom Teufel einreden, Gott halte sich versteckt. Dabei haben wir alle seine Werke vor unseren Augen, jeden Tag. Dazu sagt die Schrift, dass sich die (göttliche) Weisheit wartend aufgestellt hat, sie schreit sogar und ruft den Menschenkindern zu!

Wer die Gotteserkenntnis von sich fernhält, muss das bereits aktiv tun und sich der Tor- und Tollheit hingeben. Es gibt sie auch; wer sich ihr hingibt, liebt den Tod:

13 Frau Torheit ist leidenschaftlich im Verführen, sonst kann sie nichts.  
14 Und sie sitzt an der Tür ihres Hauses, auf einem Sitz auf den Höhen der Stadt,
15 um einzuladen, die des Wegs vorübergehen, die geradehalten ihre Pfade:
16 Wer unerfahren ist, der kehre hier ein! – Wer ohne Verstand ist, zu dem spricht sie:  
17 Gestohlenes Wasser ist süss, und heimliches Brot schmeckt lieblich. –  
18 Und er weiss nicht, dass dort die Schatten sind, in den Tiefen des Scheol ihre Geladenen.   Spr 9,13-18 

Liebe Leserinnen und Leser! Wählen Sie das, wonach Ihnen ist (Offb 22,10): Torheit zum Tod oder Weisheit zum Leben! Amen. – Wie die Weisheit ruft, so rief der HERR das Volk zu sich, um es in Weisheit zu lehren.

Gelobt sei der HERR!

Vers 15

Da ist nichts, was von ausserhalb des Menschen in ihn hineingeht, das ihn verunreinigen kann, sondern was aus dem Menschen herausgeht, das ist es, was den Menschen verunreinigt.   Mk 7,15 

Bei diesem Vers sind wir wieder einmal bei einer Stelle der Schrift angelangt, wo selbst Christen Gott als einen Lügner bezeichnen, zumindest einige machen es so, wenn auch unbewusst, indem sie weiter an das Gute im Menschen glauben wollen, wie Kleinkinder an den Storch und den Weihnachtsmann glauben. Die Welt verleugnet diese im Vers etablierte Wahrheit gänzlich, selbst die Fachleute in der Psychologie.

Hier steht nichts anderes, als dass aus dem Menschen das Böse herauskommt. Was herauskommt, verunreinigt das menschliche Umfeld. Herauskommen tut das, was im Herzen des Menschen ist, wie geschrieben steht:

18 Was aber aus dem Mund herausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen.  
19 Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen;  
20 diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen, aber mit ungewaschenen Händen zu essen, verunreinigt den Menschen nicht.   Mt 15,18-20 

Der Mensch ist böse, es findet sich nichts Gutes in ihm. Das hat das Gesetz zu Tage gefördert. Das Gesetz verlangte – im Blick auf die Verfassung des Reiches der Himmel (Mt 5-7) – noch viel tiefere moralische Werte. Doch nicht einmal diese tiefergestellte Messlatte vermochte ein einziger Mensch einzuhalten ausser Christus allein (Joh 7,19; Rö 7,18; Rö 8,3)!

Sie sind auf eine Lüge des Teufels hereingefallen, wenn sie noch an das Gute im Menschen glauben! Nur Menschen mit Christi Leben, die das Fleisch (altes Ich) im Tode halten und nach dem neuen Menschen wandeln, bringen Gott angenehme und gute Früchte. Der von Gott losgelöste Mensch kann gar nichts Gutes wirken, nicht einmal ein Christ (Joh 15,5).

Was die sogenannt moderne Gesellschaft mit ihren Milliardeninvestitionen in die Forschung nicht herausgefunden hat, wusste vor Jahrtausenden schon ein von Gott mit Weisheit ausgestatteter Mensch:

Das ist ein Übel in allem, was unter der Sonne geschieht, dass einerlei Geschick allen zuteil wird. Auch ist das Herz der Menschenkinder voll Bosheit, und Irrsinn ist in ihrem Herzen während ihres Lebens; und danach <geht es> zu den Toten.   Pred 9,3

Und noch früher, nämlich 1500 Jahren nach Adam und Eva, musste Gott feststellen, dass der Mensch durch und durch böse ist. Der Ausspruch Gottes schliesst jede Möglichkeit aus, noch etwas Gutes im Menschen zu finden. Lesen Sie selbst:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.   1.Mose 6,5 

Alles Sinnen war nur böse. Und es war den ganzen Tag böse, nicht nur dreiviertel davon. Jegliche Möglichkeit, etwas Gutes im Menschen zu finden, war und ist, wie erwähnt, völlig ausgeschlossen. Lassen Sie sich nicht irritieren dadurch, dass Sie Ihren Kindern Gutes tun wollen oder Ihnen Ihre Nachbarn Weihnachtsgeschenke machen. Das macht den Menschen nicht besser, weil nicht unser Massstab zählt sondern Gottes. Gottes Messschnur ist das Gesetz, das kein einziger Mensch tut. Der Mensch qualifiziert sich deshalb für das übelste Urteil im Universum. Dies ist frei übersetzt: „Seine Bosheit ist gross und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.“ Dies war das Urteil vor der Sintflut. Und danach blieb es dabei, wie wir im Prediger sehen, welcher danach lebte (siehe auch Mt 7,11).

Vers 16

Mk 7,16

Hinweis zum Vers 16: Spätere Handschriften fügen hinzu: „Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre!“ - Da die Überlieferung nicht ganz gesichert war, wurde diese Passage in dieser sehr genauen Übersetzung der Bibel nur erwähnt, wurde aber nicht als eindeutig identifizierter Urtext übernommen.

Vers 17

Und als er von der Volksmenge weg in ein Haus eintrat, befragten ihn seine Jünger über das Gleichnis.  Mk 7,17 

Die Jünger begriffen dieses Gleichnis nicht auf Anhieb, ein so vernichtendes Urteil über den Menschen wird nicht so leicht verstanden, angenommen bzw. verdaut. Vielleicht haben Sie selbst noch Zweifel betreffend den vorausgehenden Kommentar, obschon die zitierten Stellen eine klare Sprache sprechen. – Das kann ich verstehen.

Schwer zu glauben, dass der Mensch durch und durch böse ist – sind die kleinen Lichtblicke, die wir jeweils zu sehen glauben, nicht der Beweis, dass doch etwas Gutes im Menschen wohnt? Das Weihnachtsgeschenk des oder an den Nachbarn beispielsweise – zeugt es nicht von Gutem im Menschen? Oder die grosszügigen Gaben, die wir unseren Kindern abgeben, sind die nicht Ausdruck eines guten Kerns im Menschen? – Auf keinen Fall! Oder waren die Diktatoren gut, die Millionen von Menschen auf dem Gewissen haben, ihren Geliebten aber ab und zu rote Rosen schenkten? Bleibt im Blick auf das Gesamturteil ihrer Taten noch das Prädikat (Qualität) „gut“ im Blick auf die Massenmorde? – Nein, auf gar keinen Fall hebt ein Strauss Rosen das Böse auf, das so schwer wiegt, wie der Mount Everest auf einem Korn Weizen. Auch hebt des Menschen Weihnachtsgeschenk an den Nachbarn das üble Ignorieren des Gesetzes des Höchsten keinesfalls auf, wie auch die Gaben an unsere Kinder die Verwerfung der Rechtssprüche des Allmächtigen in keinem Fall aufwiegen können. Ein Autofahrer kann unmöglich seinen Fahrausweis behalten, selbst wenn er jeweils korrekt auf die Autobahn einfährt, dafür aber rücksichtslos und mit über 100 Sachen durch belebte Dorfstrassen rast. Sein korrektes Einfahren auf die Autobahn ist gar nichts im Gegensatz zum sehr schwerwiegenden und üblen Verhalten in den belebten Dorfstrassen. So wiegen die Gaben an die Nachkommen und allfällige Geschenke an die Nachbarn gar nichts auf im Gesamtverhalten des Menschen gegenüber Dem, der ihn formte und Dem, der der Kreatur Leben eingehaucht hat.

Vielleicht denkt nun jemand, ich würde Extrembeispiele nehmen, um eine Theorie zu etablieren. Das ist so nicht korrekt. Beispiele mit extremen Gegensätzen veranschaulichen eine Tatsache nur viel besser. Das Verleugnen des Gesetzes durch die Menschen geschieht in der Regel nämlich viel subtiler. Die Menschen führen sich Gott gegenüber meistens nicht offensichtlich böse auf. Sie fahren, im übertragenen Sinn ausgedrückt, nicht mit 100 km/h durch stark frequentierte Gassen.

Diese Zusammenhänge und Tatsachen mussten den Jüngern offenbar weiter ausgeführt werden. Der allmächtige HERR unterwies sie glücklicherweise geduldig in allen Dingen. Denn viel raffinierter sündigt der Mensch gegen Gott. Lassen Sie mich ein ziemlich aktuelles Beispiel anführen:

Andersgläubige kritisierten kürzlich ein christliches Freizeitprogramm. Das von Christen angebotene gemeinsame Fussballspiel könnte bei andersgläubigen Jungen grosse Probleme auslösen. Wenn diese sich nämlich in die christliche Gruppe einfügen und gar deren Werte annehmen würden, kann das in der Familie der Andersgläubigen eine (Zitat:) „Traumatisierung“ erfolgen. Die Aussage dieser Menschen ist voll gegen den Missionsbefehl Christi, der vom höchsten Gott im Universum kommt und lautet mit anderen Worten: „Lieber gehen Familien zusammen in Gottlosigkeit zum für sie verderblichen Endgericht, als dass das Licht Gottes in der Gestalt von Jesus Christus zur Errettung in die Familie scheinen darf.“ Weltliche Ränke und psychologische Tricks werden angewendet, um das Christentum in einem sogenannt christlichen Land niederzuhalten, während dem die Gottlosigkeit und die Lieblosigkeit aufkommen. Wehe diesen „Bewahrern der gesellschaftlichen Strukturen“, wenn sie sich für den psychologisch ausgeklügelten aber voll antichristlichen Widerstand vor dem HERRN verantworten werden müssen! Ihre gutmenschlichen Taten werden von ihrem Mount Everest der Sünde, der Rebellion gegen den Höchsten, erdrückt sein.

Diese subtilen Formen der Gottlosigkeit – sie sind für Sorglose praktisch nicht wahrnehmbar – machen die Gottlosigkeit der Menschen aber für geistliche Menschen trotzdem mess- und fühlbar. Suchen Sie nicht zu weit, liebe Leserinnen und Leser, beinahe schon in jedem Fernsehfilm wird der Ehebruch als normal dargestellt. Das Gesetz, das in moralischer Hinsicht im Neuen Testament keinesfalls aufgehoben ist, es ist vielmehr auf eine noch höhere Stufe gestellt – lediglich die symbolischen Andeutungen der Wahrhaftigkeit durch Riten wurden durch die Wahrheit ersetzt – spricht bei Ehebruch von einer Todsünde. Und Unzucht (aussereheliche sexuelle Praktiken) ist längst nicht einmal mehr ein Kavaliersdelikt in der Gesellschaft. Jeder soll mit jeder dürfen, schliesslich würden wir ja nicht mehr im Mittelalter leben, wird argumentiert. Das stimmt, wir leben nicht mehr im Mittelalter. Doch das Gesetz, das nicht aufgelöst ist, spricht bei Unzucht auch von einer Todsünde. Diese Vergleiche mit dem Tun des natürlichen Menschen im Blick auf Gottes Willen könnte man noch Seitenweise anstellen; es würde an der Tatsache nichts ändern: Der natürliche Mensch ist vor Gott des Todes, Gottes Zorn liegt auf ihm (Rö 1,32 u. a. wie Joh 3,36; Rö 1,18; 2,5.8; Eph 5,6; Kol 3,6; Offb 6,6). Wer nicht Busse tut und sich nicht zu Gott hinwendet, erlangt die Erlösung in Christus nicht. Er wird eines Tages ohne Sühnung ganz alleine in seinen Übertretungen vor dem gerechten Richter stehen. Und dieser Richter wird ganz gerecht richten; die Zeit des Gnadenangebots im Stellvertreter Jesus Christus wird dann vorbei sein. Die Menschen, die Gott von sich stiessen und seine Gebote mit Füssen traten, werden die Ewigkeit auch ohne Gott verbringen. Und dort an ihrem wüsten Ort werden keine Eisenbahnzüge verkehren, wo sie ihren ewigen Leiden mit einem Sprung vor die Lokomotive ein Ende setzen könnten (Jes 66,24). Amen.

Vers 18

Und er spricht zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was von aussen in den Menschen hineingeht, ihn nicht verunreinigen kann?  Mk 7,18 

Alle Speisen kommen von oben, also alles, was die Natur hergibt, ist von Gott. Der Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn von oben gegeben (Joh 3,27). Gott reicht gute Gaben dar; Er reicht der Kreatur nichts Verderbliches dar.

Die Speisen, welche ausserhalb des Menschen sind, verunreinigen ihn nicht, das ist vom Allmächtigen bestätigt. Das den Menschen Verunreinigende muss also anderswo lauern. Und ja, wie Sie jetzt richtig vermuten und ich in den beiden vorausgehenden Kommentaren habe zu erläutern versucht, es verhält sich so: Das Böse steckt im Menschen selbst. Wenn er sich regt und redet, häuft er Zielverfehlung an Zielverfehlung (Sünde) und verunreinigt andere mit seinen Worten und Taten, anstatt zu segnen und zu reinigen, wie es im Gegensatz der HERR zu tun pflegt. Es gibt keine wirklichen „Gutmenschen“. Wer sein Unvermögen mit guten Taten übertüncht und sie noch vor sich her posaunen lässt, mag das tun. Es ändert gar nichts an seinem bösen Herzen im Blick auf Gottes Gesetz. Nur der sich selber verleugnende, geistliche Mensch, der durch die Kraft Jesu Christi wirkt, wirkt wirklich Gutes und Reines, das die Prüfung Gottes problemlos besteht.

Vers 19

Denn es geht nicht in sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den Abort. <Damit> erklärte er alle Speisen für rein.   Mk 7,19 

Was der Mensch an Nahrung aufnimmt, das ist gemeint mit: „Da ist nichts, was von ausserhalb des Menschen in ihn hineingeht, das ihn verunreinigen kann.“ Nahrung beeinflusst den Menschen nicht im Denken und Handeln. Die Speise geht in den Bauch und wird wieder ausgeschieden, sie verunreinigt den Menschen nicht.

Das Christus damit alle Speisen für rein erklärte, bedeutet, dass von diesem Zeitpunkt an und weiter die von Gott im Gesetz als kultisch unrein deklarierten Speisen nicht mehr als kultisch unrein galten. Gott hob damit diese Verordnung auf. – Nun könnte sich die Frage erheben, ob das Gesetz, das nicht aufgelöst werden kann (Lk 16,17), doch teilweise aufgelöst wurde, da es fortan erlaubt war, vom Schwein zu essen, was vorher strikt verboten war. – Das Gesetz wird damit nicht tangiert, weil die kultisch unreinen Tiere nur sinnbildlich für etwas standen. Sie deuteten auf eine Tatsache hin. Sie waren nicht der wirklich unreine Gegenstand, sie symbolisierten ihn lediglich. Im Neuen Testament wird dieser Gegenstand beim Namen genannt, deshalb sind die Symbole hinfällig geworden und können fortan als rein gelten. Die unreinen Tiere symbolisierten die Welt und ihre Auswürfe. Mit „Welt“ sind nicht die schönen Alpen- oder Seelandschaften gemeint. Mit „Welt“ spricht die Bibel vom bösen Geist, der die Welt beherrscht. Weltliches Denken ist gegen Gott gerichtetes und somit böses Denken. Dies ist durch das Neue Testament offenkundig (Rö 12,2; 1. Kor 3,19; 2. Kor 4,4 gemeint ist der Teufel, siehe auch Eph 2,2; Gal 1,4; Kol 2,8; Tit 2,12; Jak 1,27; Jak 4,4; 2. Petr 1,4; 2,20; 1. Joh 2,15.16; 4,3; 5,19). Es braucht die dafür stehenden Symbole nicht mehr. So konnte der HERR alle Speisen für rein erklären, sie verunreinigen den Menschen nicht. Andere Dinge verunreinigen den Menschen.

Gott entwickelte mit den reinen und unreinen im Gesetz erwähnten Dingen die Wahrheit, dass nicht alles gut ist für den Menschen, der in der Beziehung zu Gott stehen will. Im Neuen Testament wird das Böse bei seinen verschiedenen Namen genannt: Der Widersacher Gottes, dem die Erde (noch) gegeben ist, beherrscht sie mit seinem Geist. Alles, was durch diesen Geist beherrscht ist, ist für den gläubigen Menschen unrein. Kurz umschrieben ist die Welt, das, was der Baum der Sünde für Adam und Eva war: Eva sah, dass die Frucht gut war (1. Mo 3,6), der Baum begehrenswert war, Einsicht zu geben (1. Mo 3,6); die Welt ist folglich:

denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt.   1.Joh 2,16 

Was Ihre Begierde der Augen und bei Ihnen den Hochmut des Lebens ausmacht, - das ist die Welt für Sie. Der durch den Sündenfall verdorbene Mensch wird auch getrieben durch die Begierde seines (gefallenen) Fleisches (Jak 1,14). – Sie werden in der Gemeinschaft mit Gott merken, was für Sie unrein, die Welt, ist. Halten Sie sich davon unbefleckt, wie wir durch die Bibel ermahnt werden (Jak 1,27b). Amen.

Vers 20

Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen.   Mk 7,20 

Nach dem Sprichwort: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über!“, erklärt uns der HERR, wie Menschen verunreinigt werden. Scharf ausgedrückt heisst das: Wer andere mit Ergüssen seines Herzens „zumüllt“, verschmutzt sie. Reines Gut verunreinigt die Umgebung nicht, doch umhergestreuter Dreck lässt alle, die damit in Kontakt kommen, schmutzig werden.

Selbsternannten Gutmenschen mögen diese Passagen wohl zu hart erscheinen. Beachten Sie bitte, dass es hier um den Massstab Gottes geht, an dem der Mensch gemessen wird. An diesem Massstab scheitern auch die Gutmenschen dieser Welt. – Seien Sie ehrlich mit sich und probieren Sie es aus: Setzen Sie sich nur einmal mit den Zehn Geboten auseinander, welche noch weit unter der im Neuen Testament geforderten Moral liegen. Haben Sie noch nie gelogen, begehrt oder Gottes Name gelästert? Wenn nicht, haben Sie gut getan. Haben Sie dazu auch nie einer anderen Macht vertraut, als nur dem Allmächtigen? Oder hatten Sie doch einmal einen anderen Gott in Ihrem Leben? Haben Sie Vater und Mutter immer die ihnen zustehende Ehre dargebracht und dazu nie jemandem etwas Zustehendes weggenommen oder in der Steuererklärung vorenthalten? Waren Sie immer „sauber“? – Ganz sicher nicht, das hat noch kein Mensch ausser Jesus Christus fertiggebracht. Das heisst, dass jeder Mensch unter das Urteil „Gesetzesbrecher des göttlichen Gesetzes“ fällt (Ps 14,3; Rö 3,10-12).

Lassen Sie sich nicht täuschen von unbelehrbaren Schönrednern. Es ist so ernst, wie es der HERR im ewigen Wort dargelegt hat. Wer Gottes Rechtsforderung nicht anerkennt und sich nicht um die Sündenvergebung in Jesus Christus kümmert, wird verurteilt werden. Gottes Zorn befindet sich auf solchen Menschen!

Vers 21

Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord,   Mk 7,21 

Nicht die Vögel des Himmels zwitschern: „Mensch, ermorde deinen Nächsten!“ Auch steht nicht ohne äussere Einwirkung auf den Baumrinden: „Mensch, bestehle deinen Nachbarn!“ Auch formieren sich Kieselsteine in der Natur nicht selbständig zu einem gut leserlichen Schriftzug: „Mensch, treibe ausserehelichen oder widernatürlichen Verkehr, treibe Unzucht!“

Wir wissen, woher all die bösen Gedanken kommen, wir werden nicht von aussen zum Bösen angeleitet. Es verhält sich vielmehr so: Wir produzieren die bösen Gedanken selber, sie kommen aus unserem Inneren. – Aus dieser Warte ist es noch viel einfacher zu verstehen, dass wir das Gesetz des Untadeligen völlig gebrochen und folglich die gerechte Strafe dafür verdient haben.

Vers 22

Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit;   Mk 7,22

Wie sieht es mit unserem Innern aus in Bezug auf Habsucht? – Ich spreche hiermit nur Leserinnen und Leser an, die mit sich selber ehrlich sind. – Trachtet das Innere des Menschen nicht danach, dass sich die Zahlen auf der Habenseite des Bankkontos jeden Monat verdoppeln? Was ist mit der Ausschweifung (Zügellosigkeit)? Die Welt bietet Plattformen dafür, den Karneval zum Beispiel. Oder die Bierkneipe, in der ausgeschenkt wird, bis der zügellose Gast sprichwörtlich vollgelaufen ist. Und ja, der Hochmut. Dem begegnen wir sowieso überall. Dagegen scheint kein Kraut gewachsen zu sein. Und ja, natürlich bietet die Welt auch beim Hochmut jede mögliche Plattform dafür. Nicht selten schweben die Menschen nach einer Anstellung in einem schillernden Unternehmen, nach einer Beförderung oder nach einem Studienabschluss über dem Rest der Welt. Und manch ein Reicher glaubt hochmütig, er sei schlauer als all seine ärmeren Zeitgenossen (Spr 28,11). Und wie es mit dem Neid, der Lästerung und der Torheit steht, das wissen Sie selbst, wenn Sie, wie erwähnt, ehrlich zu sich selbst sind. In all diesen bösen Dingen bietet die Welt Hand, in dem nicht mehr unterschieden wird zwischen Bösen und Guten; es heisst lediglich, dass jedem die nötige Freiheit eigeräumt werden soll, solange sie die Allgemeinheit nicht tangiert, die aber wiederum dem Individuum, im Blick auf Gottes Rechtsforderung, ein völlig zügelloses Leben erlaubt. Auch zwischen Fleiss und Faulheit darf nicht mehr unterschieden werden. „Sich gut abgrenzen können“ hat sich als Redewendung in der falschen Art als Ersatz für den Begriff „Faulheit“ schon gut etabliert. Der Geist der Welt fördert die Gottlosigkeit im vollen, möglichen Ausmass. Dies alles war Verständigen schon vor 2000 Jahren völlig klar:

Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur <offenbart es sich nicht>, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist;  2.Thess 2,7 

Die Gesetzlosigkeit hat ein Geheimnis, das die Namen „Heuchelei“ und „Lüge“ trägt. Kein Böser tritt auf und sagt gerade heraus: „Ich bin wie der Teufel und arbeite mit aller Kraft auf die Vernichtung der Menschen und die Verhöhnung des Allmächtigen hin!“ Das wäre viel zu plump und damit wäre die Gesetzlosigkeit selbst für Menschen viel zu offensichtlich. Die Masse der Nachfolger wäre dann nicht so gross, es gibt immer noch Menschen, die denken können. Wenn die Gesetzlosigkeit sich aber als Gerechtigkeit verkleidet und ihr Anführer, der Teufel, als Engel des Lichts (2. Kor 11,14), dann laufen die Menschenmassen blindlings auf diesem bösen Weg mit, welche die Bosheit ja selbst im Fleisch (das ist die alte Natur) mittragen, und dünken sich dabei auf einem guten Pfad (Spr 16,25).

Deshalb gilt es, liebe Leserinnen und Leser, aufmerksam und wach zu sein. Wenn wir den Blick auf Christus richten, können wir getrost sein, dass Er uns auf dem guten Pfad bleiben lässt und voranbringt. Nicht wir können von uns aus darauf bleiben; Er muss unsere Schritte stützen und Er wird es auch tun (Ps 37,23; 1. Petr 5,10).

Vers 23

alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen.   Mk 7,23 

So schwierig es im heutigen Umfeld und neben dem Glauben der Nationen anzunehmen ist: Der HERR hat den wahren Sachverhalt durch den Heiligen Geist mit diesen und anderen Stellen klar genug erläutert. Der Mensch ist seiner Natur gemäss gottlos und böse. Der natürliche Lauf wäre der zur Hölle. Lediglich das aktive und unnachgiebige Eingreifen des HERRN verhindert, dass alle Menschen verloren gehen.

Vers 24

Von dort aber brach er auf und ging weg in das Gebiet von Tyrus; und er trat in ein Haus und wollte, dass niemand es erfahre; und er konnte nicht verborgen sein.   Mk 7,24  

Nach diesen aufschlussreichen Belehrungen an die geistliche Elite der Juden, welche aus Jerusalem gekommen war, ging unser HERR in das Gebiet von Tyrus. Die Grenze des Stammes Asser ging bis zu dieser Stadt. Tyrus selbst gehörte – auch unter der grossen Ausdehnung des Reiches zur Zeit von Salomo – nicht zu Israel. Hiram war König von Tyrus und Zeitgenosse des Königs Salomo. Christus befand sich in der Beschreibung demnach in einem stark mit Heiden durchmischten Gebiet.

Israel war in Teilgebieten bereits von Heiden besiedelt, diese Durchmischung fand ihren Hauptursprung vor allem durch die Einnahme des Nordreiches durch die Assyrer. Geistlich beurteilt wies diese Tatsache auf den schlechten moralischen Zustand des Gottesvolkes hin. Hätte Israel Gott mehr Glauben geschenkt, wäre es nie so weit gekommen; das waren im Gesetz verankerte Verheissungen!

Nun war es aber so. Christus wollte im Weiteren kein Aufsehen erregen. Weshalb Er verborgen bleiben wollte, kann ich daraus nicht genau erkennen. Offensichtlich ist, dass Er zuerst die verlorenen Schafe Israels zurückbringen wollte, bevor der Segen Gottes zu den Nationen gelangen sollte (Mt 10,6).

Vers 25

Aber sogleich hörte eine Frau von ihm, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte, kam und fiel nieder zu seinen Füssen;   Mk 7,25 

Der Heilige Geist gibt uns hier einen weiteren Einblick, wie stark Menschen aus den Heiden an Gott glauben können. Beim römischen Hauptmann gab es gar einen Vergleich mit Israel, woraus das Gottesvolk – trotz der von Gott exklusiv gegebenen Bräuche und Riten – schlecht wegkam (Mt 8,10).

Diese hier beschriebene Frau war aus den Heiden, also nicht aus dem Volk Gottes. Sie war also eine Frau aus den Nationen, wie es in der Zeit der Richter die Moabiterin Rut war, nach der ein ganzes Bibelbuch benannt ist (Buch Rut im AT).

Es gab immer wieder Menschen aus den Heiden (Nationen), deren Wendung zu Gott hin beispielhaft war, wogegen das eigene Volk im ständigen Versagen glänzte und am Ende dessen Bosheit in der Kreuzigung des eigenen HERRN gipfelte. Auch die Samariterin, die Frau am Brunnen (Joh 4), reagierte sehr offen für Gott, indem sie öffentlich zugab, dass der HERR ihren (üblen) Wandel entlarvt hatte (Joh 4,29).

Vielleicht war unsere erste Liebe zum HERRN herrlich. Vielleicht ist sie es heute auch noch, was sehr zu wünschen wäre. Wir Christen sollten sowieso von Zeit zu Zeit kurz zurückblenden und uns regelmässig überprüfen. In welchem Zustand ist unsere Liebe und unser Glaube heute, wo wir (vielleicht schon lange Zeit) zum Volk gehören? Hat uns die Gewohnheit im negativen Sinn „satt“ werden lassen? Müssen wir durch die Dankbarkeit von Neulingen beschämt werden? Oder „hängen“ wir immer noch an den Lippen unseres HERRN, wenn er Weisung gibt, indem wir wissen, dass sie uns auf dem guten Pfad bewahrt (Ps 119,9; Spr 19,16; Hes 18,19)? Oder sind wir Ihm zurzeit gar ein Ärgernis? – Gesegnet ist jedes Glied des Gottesvolkes, das bis zum Ende beim HERRN ausharrt! Amen.

Vers 26

die Frau aber war eine Griechin, eine Syro-Phönizierin von Geburt; und sie bat ihn, dass er den Dämon von ihrer Tochter austreibe.  Mk 7,26 

Eine Nicht-Israelitin bittet an dieser Stelle den HERRN um Gnade für ihre Tochter. Dies tat sie, bevor die Gnade Gottes offiziell auch zu den Nationen gehen sollte (Apg 10,9ff). – Das war eine sehr spezielle Sachlage und dabei ist es sehr spannend zu lesen, wie der HERR darauf reagiert hat.

Die natürlichen Menschen hatten es schon einmal total versaut mit ihrem Schöpfer. Sie brachten es tatsächlich soweit, dass kein einziges Haar mehr an ihnen gut war. Sie waren in jedem, wirklich jedem Ding nur schlecht, was der folgende Vers nicht besser ausdrücken könnte:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.   1.Mose 6,5

Die Antwort Gottes auf diese absolute Bosheit war die totale Vernichtung dieses natürlichen Menschen, ausserhalb der Familie Noahs, deren Anzahl Glieder die symbolträchtige Zahl 8 ausmachten. Später sonderte Gott aus Noahs Nachkommen, nach erneutem korrigierendem Eingreifen (Sprachverwirrung), einen Mann aus, um sich ein abgesondertes Volk zu gewinnen, das war Abraham, denn die Nationen blieben gottlos. Der HERR erzeigte sich herrlich an diesem von Grund auf neu entstandenem Volk. Er erlöste es auch aus der Knechtschaft der Nationen. Der HERR erlöste so, wie erwähnt, sein Volk aus der damals namhaften Nation Ägypten, welche in der Bibel als Symbol für die allgemeine Welt steht, und führte sie in das gute Land. Im guten Land, dem Land Israel, verwarf aber seine eigene Nation ihren Retter, wie es die Nationen vor Noah und auch danach taten sowie sie es auch heute noch tun.

Im Vers unserer Betrachtung war der HERR mit Israel noch nicht fertig; Er warb immer noch um seine abtrünnig gewordene Frau (Jes 54,5). Was glauben Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, wie reagierte der HERR auf die Bitte dieser Griechin, dieser Frau aus den Nationen, welche es bereits bewiesenermassen zweimal mit Ihm total versaut hatten? Sollte Er jemanden dieses Geschlechts nochmals gnädig anblicken?

Wie hätten Sie nach all dem Bösen reagiert, wenn es Ihnen wiederholt angetan worden wäre, während dem Sie immer nur das Gute gewollt hätten? Bedenken Sie dabei, dass der Gerechtigkeit auch Rechenschaft getragen werden muss! Unter den Tisch konnte und kann solches in keinem Fall einfach gekehrt werden!

Vers 27

Und er sprach zu ihr: Lass zuerst die Kinder satt werden, denn es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.   Mk 7,27

Israels Bosheit währte noch nicht so lange, wie jene der Nationen, die bereits 1600 Jahre nach Adam das Mass Gottes vollgemacht hatten und auch nach der Sintflut Übel an Übel reihten. Deshalb spricht unser sehr gnädiger HERR bei Israel noch von „Kindern“, wogegen Er die Nationen bereits als „Hunde“ bezeichnete. Mit diesem Ausdruck wollte Er die Frau nicht beleidigen, Er sagte ihr damit lediglich, dass die Nationen sich weit vom Ursprung entfernt hatten. Der Mensch sollte Gottes Ebenbild sein. Im Blick Gottes hatten sich die Menschen bereits so gewandelt, dass sie bereits wie Tiere waren, die nur dem Instinkt folgen. Sie hatten im Blick auf die Moral die Koppelung vom Gewissen mit der Denkfähigkeit aufgegeben, wie es auch heute ist. Die Nationen folgen nur ihrem Instinkt: Was gefällt, tut man. Die meistbekannte Regel lautet einfach: Was dem Gemeinwohl nicht schadet, ist erlaubt. So verkehren im Bett Männer mit Männern, Frauen mit Frauen und Menschen mit Tieren (Sodomie). Es wird in Steuererklärungen gestohlen und gelogen und man begehrt des Nächsten Gut. Der Name Gottes wird gewissenlos gelästert und missbraucht, denken Sie nur an den neuen Jugendslang „OMG“, was „Oh, mein Gott“ bedeutet. So wird der Name Gottes immer wieder zu Nichtigem verwendet. Nach dem bösen Instinkt im Menschen wird nichts ausgelassen, was die Gebote Gottes verletzt. Das Zusammenspiel mit dem Gewissen und dem Verstand ist in Bezug auf Gottes Moralvorgaben, wie erwähnt, bei den meisten Menschen ausgeschaltet.

Der Mensch lebt zudem heute im Wahn, dass, sollte es doch einen Gott geben, dieser alles vergeben werden wird. Dass dem nicht so ist, sagt uns die Bibel in klarer und nicht interpretationsbedürftiger Weise. Jeder Mensch kennt die Begriffe Himmel und Hölle. Und, einfach gesagt, weiss auch jeder, dass die Guten in den Himmel kommen und die Bösen in der Hölle schmoren werden, was im Grundsatz völlig biblisch ist. Diesbezüglich auf Feinheiten einzugehen, würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen und die Gesamtaussage zum Vers in keiner Weise verändern.

Gott ist sehr barmherzig und gnädig. Seine Gnade reicht sehr, sehr weit; sie reicht viel weiter als die menschliche Geduld (Ps 36,6). Dass diese Gnade aber auch Grenzen kennt, hat Gott mehrfach bewiesen. Anbei einige Beispiele, um nur wenige von sehr vielen Punkten zu nennen, die auf ein Ende von Gottes Langmut hindeuten: Die Sintflut, wegen der Bosheit der ersten Menschen und das voll gewordene Mass der Gottlosigkeit und Freigeisterei der Nationen in Kanaan, die beim Auszug Israels aus Ägypten lebten, die es gerade wegen dieser Handlungen auszurotten galt (5. Mo 9,4; 18,12). Auch beim Volk Gottes gibt es ein Ende der Geduld auf der Seite Gottes. Das Nordreich Israels wurde wegen ständigem Ungehorsam durch die Assyrer verwüstet, das Südreich durch die Babylonier.

Um zum Vers zurückzukommen: Im Kontext ist es sehr einfach zu verstehen, weshalb Jesus die Nationen mit dem Ausdruck „Hunde“ betitelte. Wer von ihnen noch in die Gunst Gottes kommen wollte, musste seinen wirklichen Stand anerkennen, sonst wäre eine angemessene Busse nicht möglich gewesen. Eine halbherzige Busse findet bei Gott keine offenen Ohren. Wenn ein gewissenloser und lediglich durch den üblen Instinkt getriebener Mensch zu Gott kommt und um etwas bittet, muss er seinen wirklichen Stand vor Gott kennen. Andernfalls ist eine Berichtigung der Herzenshaltung nicht gewährleistet. Gott ist kein Wunschautomat, der jedem alle Wünsche gewährt. Die Erfüllung des Wunsches dieser Frau konnte nur geschehen, wenn sie vor Gott ihre von den Nationen eingenommene Position er- und bekannte. – Interessant ist nun, wie die Frau darauf reagierte. Ging sie, als „Hund“ betitelt, beleidigt weg? Fing sie an, sich zu rechtfertigen? Oder akzeptierte sie ihre Stellung und bat sie als das, zu was sich der Mensch selbst reduziert hatte?

Vers 28

Sie aber antwortete und spricht zu ihm: Ja, Herr; auch die Hunde essen unter dem Tisch von den Krumen der Kinder.  Mk 7,28 

Von dieser Griechin könnte sich manch ein Gläubiger eine Scheibe abschneiden! Sie stand mit beiden Beinen in der Realität und nicht im gutmenschlichen oder falschen sozialen Denken. Sie anerkannte den Hinweis, dass die Nationen dem Instinkt nach leben und in Bezug auf Gottes Moral jeweils den Verstand ausschalten oder sie bewusst mit Füssen treten. Dazu war sie demütig genug, diesen Zustand bei sich selber anzuerkennen und drückt es mit derselben Bildrede aus, die Christus gebrauchte: Wenn sie doch als Hund nur etwas von den Krumen des Segen Gottes abbekommen würde! Eine Krume des reichen Segens Gottes würde ausreichen, ihre Tochter zu heilen!

Ich muss den Glauben und die Weisheit dieser Frau lobend anerkennen; sie hatte etwas, was leider vielen Israeliten fehlte, nämlich Demut und eine klare Sicht der Dinge. Leider kann heute festgestellt werden, dass auch immer mehr Christen die geradlinige biblische Sicht verlieren.

Vers 29

Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin! Der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren.  Mk 7,29 

„Um dieses Wortes willen geh hin!“, bedeutet, dass es für eine Gebetserhörung dieser Worte bedurfte. Christus hätte die Tochter der Bittstellerin nicht bedingungslos geheilt. Diese Begebenheit stellt uns die Ernsthaftigkeit einer demütigen Nachfolge klar vor Augen. Wie in vorausgehenden Kommentaren erwähnt, ist Christus nicht ein Wunschautomat, der jedem Bittsteller gefügig ist. Gerne erinnere ich daran, dass der Gehorsam und die Demut auf der Seite des Bittstellers vorhanden sein müssen, nicht umgekehrt. Gott ist zwar sehr gnädig; Gott ist aber auch völlig souverän. Er hat niemanden nötig und muss überhaupt nichts tun. Vielmehr könnte Er aufgrund seiner Gerechtigkeit noch allerlei weitere Plagen und Tod auf die Menschen legen. Gemäss der Gerechtigkeit gibt es überhaupt keinen Grund, den Menschen zu helfen, welche sein Gesetz und Recht mit Füssen treten.

Im Matthäusevangelium ist zu dieser Begebenheit noch erwähnt, dass Christus diese Frau aus den Nationen, die Gott zu dieser Zeit bereits seit 4000 Jahren verunehrten oder gar verleugneten, anfänglich nicht einmal ein Wort erwiderte. Christi Haltung zeigt uns ganz deutlich auf, dass sich Gott nicht zum Clown der Menschen machen lässt. Wer nicht antwortete, als Gott rief, soll auch keine Antwort erhalten, wenn er selbst ruft, dies spricht die Weisheit Gottes (Spr 1,21-32). Wieso sollte Gott noch auf die Bitte von Menschen aus den Nationen hören? Gott hört lediglich, wenn die Menschen sich ihres Zustandes bewusst sind und deshalb um Gnade flehen. Wer aber frech auftritt und dazu noch glaubt, im Recht zu sein, soll keine Gebetserhörung erwarten.

Vers 30

Und sie ging weg in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen und den Dämon ausgefahren.   Mk 7,30 

Der HERR steht diskussionslos zu seinem Wort! Da können wir getrost sein! Wir dürfen uns stets an seinen allgemeinen Verheissungen orientieren. Sie werden alle eintreffen, wie alle an Bedingungen geknüpften Versprechungen eintreffen, sobald alles dazu Erforderliche erfüllt ist. Diese Frau hatte die Bedingungen für rechtes Bitten erfüllt, deshalb gewährte Ihr der HERR den Wunsch. Hätte sich die Frau aufgrund der Aussage des HERRN beleidigt abgewandt, wäre die Erhörung ausgeblieben.

Die Begebenheit mit dieser Griechin in diesem Kapitel ist sehr, sehr eindrucksvoll. Eindrücklich sehen wir, dass sich der HERR nicht einfach benutzen oder gar verspotten lässt, ohne Konsequenzen daran zu hängen. Wie widerspricht das dem Bild, das die Welt von Gott hat. Er ist kein seniler Greis, dem man auf der Nase herumtanzen kann. Leider haben auch viele Kirchen ein verzerrtes Bild von Ihm. Seine bedingungslose Vergebung ist nicht in jedem Fall anwendbar. Grundsätzlich muss seine Vergebung zwar bedingungslos sein, da wir Ihm gar nichts dafür anbieten können. Sie ist es auch, wenn das Herz des Bittenden in der richtigen Verfassung ist. Ist es das aber nicht, müssen wir gar nichts von Ihm erhoffen, wie geschrieben steht:

ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.   Jak 4,3 

Keinesfalls werden Bitten von Menschen im falschen moralischen Zustand erfüllt, wie es hier eindrucksvoll steht.

Manchmal wollen wir zuvorkommender sein wie Gott, der die Liebe selbst ist. Diese Art des Zuvorkommens ist immer übel, da wir nicht wissen, wer würdig ist, seinen Segen zu empfangen und wer nicht. Die Bibel gibt nicht umsonst auch diesbezüglich klare Weisung: Wir sollen nicht vorschnell Hände auflegen (1. Tim 5,22). Was wissen wir von dem Menschen, dem wir die Hände zum Segen auflegen wollen? Wenn wir Hände auflegen, wo es gilt, keine aufzulegen, dann schaden wir unserem Ruf nur selber, wenn Gott nicht dahinter steht und unser Auflegen der Hände nichts bewirkt. Dann offenbaren wir uns als nicht verbunden mit Gott und somit als unverständig. Wie kann jemand, der nicht mit der Quelle verbunden ist, Segen an andere Menschen weitergeben? Das ist schlicht unmöglich. – Lassen Sie uns Gottes Sichtweise immer besser verstehen, so können wir immer genauer nach seinem guten Willen handeln, ohne über das Ziel hinauszuschiessen.

Vers 31

Und er verliess das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Zehnstädtegebiet.   Mk 7,31  

Sidon liegt nördlich von Tyrus und das Zehnstädtegebiet westlich des Sees von Galiläa, das ist der See Genezareth. Dieses Gebiet sollte ja ursprünglich nicht zu Israel gehören, doch weil sich der halbe Stamm Manasse, Ruben und Gad dort niederliessen, war es auch von Israeliten besiedelt. Christus suchte die Kinder des Reiches somit auch an Plätzen, wo für sie anfänglich kein Aufenthalt geplant war. Er sei gepriesen dafür! Auch uns hat er dort abgeholt, wo wir eigentlich nicht hingehörten, nämlich in der Gottlosigkeit. Dank seiner Erniedrigung konnten wir aus diesem Sumpf herausgezogen werden, Er sei gepriesen dafür!

Vers 32

Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und bitten ihn, dass er ihm die Hand auflege.   Mk 7,32

Auch diese Menschen hofften auf die Gnade Christi, deren Anfangshandlungen bereits falsch waren, indem sie vor der Jordanüberquerung sesshaft wurden, also von Jerusalem aus gesehen im Land jenseits des Jordans wohnten.

Wird sie der HERR anhören bzw. auf ihre Bitten eingehen? Wird Er diesem Tauben helfen, der natürlich nur mit Mühe redete, obschon Er dieses Gebiet gar nicht hätte besuchen müssen, wenn sich alle von Israel von Anfang an am rechten Ort niedergelassen hätten?

Vers 33

Und er nahm ihn von der Volksmenge beiseite, legte seine Finger in seine Ohren und berührte mit Speichel seine Zunge;   Mk 7,33    

Der HERR heilte hier nicht mehr öffentlich; Er nahm den Mann beiseite und half ihm unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es gibt verschiedene Ansichten für diese Handlungsweise des HERRN. Eine davon ist, dass Er zu diesem Zeitpunkt Israel bereits am Verwerfen war und nur noch einzelne Würdige daraus heilte.

Da Er aber eben noch von „Kindern“ in Bezug auf Israel gesprochen hatte, erscheint mir plausibler, dass Er die dort ansässigen Leute nicht öffentlich mit göttlichen Zuwendungen in ihren Entscheiden bestärken wollte. Sie waren bereits am falschen Ort ansässig, der HERR kam nicht, um ihnen dafür noch zu gratulieren.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, jemandem helfen, der offensichtlich einen schlechteren Weg neben dem besten gewählt hat, dann tun sie das lieber hinter vorgehaltener Hand. Sonst könnten Sie noch mit dem Vorwurf konfrontiert werden, Sie würden den schlechteren Weg dieses Menschen noch unterstützen. Ist es nicht so?

Vers 34

und er blickte zum Himmel, seufzte und spricht zu ihm: Hefata! Das ist: Werde geöffnet!   Mk 7,34 

Der HERR seufzte an dieser Stelle und im Kapitel 8, wo die Pharisäer in der Gegend von Dalmanuta Ihn versuchten (Kap 8,12). Das Seufzen des HERRN war ein Seufzen des Gerechten über die Ungerechtigkeiten, wie das Seufzen der Gerechten im Buch Hesekiel (Hes 9,4), welche wegen der Gottlosigkeiten seufzten.

Darin gab Christus seinen Gefühlen Ausdruck: Er war betrübt über die Versklavung seines Volkes durch den Teufel. Dieser hatte schon viele gebunden (Lk 13,16). Er war auch betrübt über das Unverständnis seines Volkes, das Ihn versuchte, statt sich über Ihn zu freuen (Kap 8,12).

Vers 35

Und sogleich wurden seine Ohren geöffnet, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.  Mk 7,35  

Durch das Wort Gottes wurde alles erschaffen; Gott sprach und es stand da (Ps 33,9). Durch sein Wort kommt nicht nur Neues hervor, es tritt auch die Wiederherstellung von Beschädigtem ein. Was aus der Ordnung gefallen ist, kann durch sein Allmachtswort wieder in die Ordnung zurückkehren. Für Gott ist keine Aufgabe zu schwer (1. Mo 18,14; Sach 8,6). Gott schuf das nicht zu erforschende Universum und dazu alle Herrlichkeiten auf der Erde. Zudem offenbarte Er die Zukunft im Voraus. Der Teufel konnte diese mit all seiner Macht nicht verändern; keine einzige Verheissung Gottes konnte und kann der Satan aufheben, obschon Gott seine Pläne offenlegte und damit scheinbar angreifbar wurde. Kein Feldherr offenbart vor dem Kampf seine Strategie um dem Feind die Planung von Gegenmassnahmen und Sabotage zu ermöglichen. Gott kann wegen seiner totalen Überlegenheit all seine Strategie offenbaren. Was Er tun will, führt Er aus. Daran kann Ihn niemand hindern (Jes 14,24; 46,10b.11; 48,3; Ps 33,11). Es ist müssig, etwas völlig Selbstverständliches mit vielen Worten weiter zu bekräftigen; Christus sprach: „Werde geöffnet!“, und der Taubstumme war erwartungsgemäss wiederhergestellt. Amen.

Vers 36

Und er gebot ihnen, dass sie es niemand sagen sollten. Je mehr er es ihnen aber gebot, desto mehr machten sie es über alle Massen bekannt;   Mk 7,36 

Wieder stellt sich hier die Frage, wieso Christus an dieser Stelle wollte, dass seine Wunder nicht bekannt wurden. Dafür konnten viele Gründe in Frage kommen. Wenn zum Beispiel jemand, der irgendeiner Sache bedarf – er aber vor Gott (noch) nicht in den korrekten Ordnungen wandelt – zu schnell in seinem Bedarf satt wird, macht er sich keine Gedanken mehr über die Wege Gottes. Schnell denkt der Mensch, dass sein Wandel gut ist und ihm gerade deshalb die guten Dinge widerfahren. Dies entspricht der Geschichte Israels; als sie nach den Strapazen der Wüstenwanderung im Guten Land sesshaft wurden, vergassen sie den Allmächtigen (Ri 3,7; 1. Sam 12,9; Ps 78,11; 106,13.21; u. v. a.).

Das Alte Testament lehrt uns, dass Gottes Volk leider erst wieder nach Gott fragte, nachdem Er sie sich selber überliess und es dem Volk in der Folge schlecht ging. Hätte Gott das Volk auch auf dessen üblen Wegen unterstützt, wären die Menschen daraus nicht zu Ihm zurückgekehrt (z. B. Ri 3,7-9), vielmehr hätte sie die göttliche Unterstützung bestärkt, eben gerade nicht umzukehren.

Zur Zeit Christi war Gottes Volk wieder in einem schlechten Zustand. Es benötigte einen Vorläufer, der sie auf Gott hinwies, das war Johannes der Täufer. Trotzdem blieben sie wankelmütig, so sehr, dass sie am Ende – nachdem sie ihren König mit „Hosianna“ gepriesen und willkommen geheissen hatten – Christus, welcher der König Israels ist, der Kreuzigung preisgaben.

Um zum Text zurück zu kommen: Christus musste auf diese erwähnten Umstände der ansässigen Menschen Rücksicht nehmen. Er offenbarte seine Macht somit nicht immer in der gleichen Stärke, sondern immer richtig dosiert. An Orten mit viel Unglauben liess Er wenige Wunder geschehen (Mt 13,58), wogegen Er andernorts vor den Augen vieler Tote aufweckte (Joh 11,43.44).

Es war im Übrigen nichts Ausserordentliches, dass die Leute die Wunder über die Massen bekannt machten. Wenn bei in der Niederlage lebenden Menschen etwas Grosses passiert, muss es „herumposaunt“ werden. Es scheint den aktuellen schlechten Wandel zu rechtfertigen; der Mensch könnte denken: „Gott erzeigt sich gnädig, weil unsere Wege gut sind.“ Wirkliche Diener Gottes, die in seiner Ordnung lebten, rannten nach durch Wunder gewirkte Segnungen nicht von Haustür zu Haustür, um damit zu hausieren oder gar zu prahlen. Oder glauben Sie, Elisa tat solche Dinge, als er beispielsweise ein Eisen im Wasser schwimmen liess (2. Kö 6)? Ich bin voll überzeugt: Er tat es nicht, denn Wunder und Gebetserhörungen sind normale Produkte des gottesfürchtigen Lebenswandels.

Vers 37

und sie gerieten in höchstem Mass ausser sich und sprachen: Er hat alles wohlgemacht; er macht sowohl die Tauben hören als auch die Stummen reden.   Mk 7,37 

Im höchsten Mass ausser sich bekannten die Menschen, welche mit Jesus zusammentrafen: Er hat alles wohlgemacht! – Christus brachte die Ihn betreffenden Prophetenworte zur Erfüllung (z. B. Jes 7,14; 35,4.5; u. v. a.), was die neiderfüllten Pharisäer der Missgunst wegen so nicht gelten lassen wollten. Mit den Lügengeschichten ihres Vaters, des Teufels (Joh 8,44), brachten sie sogar das Volk am Ende – das objektiv bekennen musste, dass Christus alles wohlgemacht hatte – auf ihre üble Seite, sodass dieses gar die Kreuzigung verlangte (Mk 15, 9-15).

Wir sehen anhand dieses Beispiels, wie anfällig und wenig standhaft Menschen sind. Grundsätzlich mussten alle ausrufen: Er hat alles wohlgemacht! Weil die Oberschicht (die Pharisäer und Schriftgelehrten) des Neides wegen (Mt 27,18) sich gegen Jesus Christus aussprach und seinen Anhängern mit Sanktionen drohte (Joh 9,22), negierten die Menschen am Ende die Wohltaten Christi, wie erwähnt. Sie forderten gar seinen Tod, wie es bei Schwerverbrechern üblich war. So schlecht sind Menschen, genau so, wie die Bibel den natürlichen Menschen beschreibt und das Gute in seiner Natur völlig ausschliesst. Aber die Welt, die das Gegenteil der Bibel behauptet, sagt: Im Menschen steckt Gutes.

Kapitel 8

Vers 1

Als in jenen Tagen wieder eine grosse Volksmenge da war und nichts zu essen hatte, rief er seine Jünger zu sich und spricht zu ihnen:   Mk 8,1

In den folgenden Versen wird die Speisung der Viertausend erwähnt. Nach dieser Speisung setzt sich Jesus ins Boot und fährt in die Gegend von Dalmanuta, die bei Magdala (Migdal) vermutet wird. Wir können davon ausgehen, dass sich der HERR zur Zeit der Speisung der Viertausend immer noch im Zehnstädtegebiet aufhielt. Ein weiterer Hinweis ist auch die Zeit, die mit „in jenen Tagen“ angegeben wird. „In jenen Tagen“, also damals, wo Christus den Taubstummen im Zehnstädtegebiet jenseits des Jordans heilte, hat sich die Speisung der Viertausend angebahnt. Also dort, wo sich zwei Stämme und ein halber in Eigenregie niedergelassen hatten. Hier bekam das Volk nach der Unterweisung durch Christus die Gelegenheit, Speise auf übernatürliche Art und Weise zu erhalten, aber allerdings erst nach drei Tagen. Gott bekannte sich somit trotzdem zu seinem Volk, obschon es sich nicht am von Ihm angewiesenen Platz vorfand. – Was auf der einen Seite Trost spendet, hebt auf der anderen die Verantwortlichkeit des Volkes nicht auf. Das Erbarmen Gottes ist kein Indiz dafür, dass Er Verfehlungen ungeahndet lässt. Gott richtet sein Volk barmherzig aber auch gerecht. Dort, wo im Volk kein Selbstgericht oder gar Vorsatz zum falschen Verhalten vorherrscht, hört selbst bei Gott die Nachsicht auf.

Vers 2

Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge, denn schon drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen;   Mk 8,2 

Die Israeliten im Zehnstädtegebiet zeigten offensichtlich den Willen sich für Gottes Plan zu interessieren bzw. ihn sich zumindest mal vortragen zu lassen. Bereits dieser schwache Wille – vor Pilatus fiel ja bekanntlich die Mehrheit von Gott ab – löste bei Christus Gefühle für diese Menschen aus, obschon Er den Ausgang seines Wandels auf Erden und die böse Reaktion seines Volkes kannte. Er sagte zu den Jüngern, dass Er innerlich bewegt über die Volksmenge sei.

Man stelle sich diese Volksmenge vor, die bis dahin ohne Hirte war und nur von blinden Führern von Blinden angeführt wurde (Mt 23,24). Da waren sehr viele Männer, Frauen und Kinder, die dringend Wegweisungen für ihr Leben brauchten.

Vers 3

und wenn ich sie hungrig nach Hause entlasse, so werden sie auf dem Weg verschmachten; und einige von ihnen sind von weit her gekommen.   Mk 8,3 

Der HERR ist in Bezug auf seine Schöpfung sehr barmherzig und gnädig. Er weiss, dass ein kleines Zurückziehen seinerseits den Menschen verschmachten lässt. In Jesaja 57,16 lässt der HERR den Menschen wissen, dass die Kreatur verschmachten würde, wenn der HERR mit ihr ständig rechtete.

An dieser Stelle steht der HERR in Gnade vor seinem Volk. Er offenbart damit sein Mitgefühl. Er will Menschen grundsätzlich nicht verschmachten lassen, sodass Er – falls nötig – den Menschen sogar mit Wundern hilft. Verstockt sich der Mensch aber mit der Verhärtung des Herzens, so soll der Mensch wissen: Gott kann dich, Mensch, verschmachten lassen, wenn du Ihn von dir stösst (3. Mo 26,16). Amen.

Vers 4

Und seine Jünger antworteten ihm: Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Brot sättigen können?   Mk 8,4  

Wie tödlich für das geistliche Leben sind unsere nicht geläuterten Gedanken und Vernünfteleien (2. Kor 10,4)! Vernünfteleien sollen sogar zerstört werden! Dazu ermahnt uns die Heilige Schrift. Wie selten sind wir mit Vernünfteleien im Willen Gottes! Wenn der Allmächtige sagt, Er wolle das Volk nicht hungrig entlassen und die Seinen dann anfangen, anhand von vernünftigen Überlegungen daran zu zweifeln, - treffen diese Überlegungen dann Gottes Willen?

Wie oft zweifeln gerade Intellektuelle an Gottes Ratschluss! Heute, wo alles im bösen Sinn „im Gesamtkontext“ betrachtet und „differenziert“ bzw. „aus mehreren Richtungen" angeschaut werden muss, ist eine Festsetzung der Lehre praktisch unmöglich geworden. Die Leute mögen es grau, nicht schwarz/weiss. Grau lässt alle möglichen Varianten zu, schwarz/weiss umreisst hingegen eine Aussage absolut. Absolute Aussagen will der Mensch nicht hören, sonst müsste er noch jemandem Tribut zollen, Gott beispielsweise. Aber auch das einfache Volk möchte sich im Gesamten nicht der Gottesherrschaft unterwerfen; es liegt in der Natur des Menschen, besonders des „aufgeklärten“ Menschen, auf Gedeih und Verderben zu tun, was gerade gefällt, ohne jegliche Rücksicht auf Verluste in Bezug auf den göttlich abgesteckten Rahmen.

Vers 5

Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben.   Mk 8,5 

„Was habt ihr dabei?“, fragte Jesus seine Jünger. Der HERR fragte nach dem Vorhandenen. – Im Folgenden sehen wir, dass Christus die Menge mit genau diesen Broten sättigte. Er nahm nicht Speise aus dem Nichts, obschon Er das problemlos hätte tun können. Er vermehrte lediglich das, was bei seinen Jüngern verfügbar war.

Wenn wir uns in den heiligen Dingen ausbilden lassen, haben wir etwas in unseren Vorratsbeuteln, das Christus dann zur Vermehrung und zum Segen für andere dienlich ist. Haben wir nichts, so kann uns Christus auch nicht zum Segen setzen.

Seien wir nicht naiv: Christus könnte viel bessere Werkzeuge für das Evangelium, die Lehre, die Anbetung mit Musik und für jeglichen weiteren Dienst einsetzen, als Menschen aus seinem Volk. Engel zum Beispiel, die grösser sind an Macht und Stärke. Er tut es aber nicht, denn unser Dienst ist auch eine sehr gute Anwendung unserer Ausbildung. Diese Anwendung möchte Christus nicht auslassen, das heilige Wort und die Lehre werden damit gut im Menschen verankert.

Vers 6

Und er gebietet der Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie vorlegten; und sie legten der Volksmenge vor.   Mk 8,6

Ohne wie vielleicht erwartet Feuer oder Wasser vom Himmel zu rufen, gebietet Christus ganz einfach gewöhnliche logistische Dinge. Die Volksmenge sollte sich so lagern, dass das Austeilen des Essens und ein gemütliches Beieinandersein möglich waren. Dann gab Er seinen Jüngern den Auftrag, das Essen auszuteilen, wie wir diesen im übertragenen Sinn in Bezug auf geistliche Speise auch haben (Mt 24,45; siehe auch 13,52).

Vers 7

Und sie hatten einige kleine Fische; und er segnete sie und liess auch sie vorlegen.  Mk 8,7

Die sieben Brote waren für viertausend Menschen natürlich viel zu wenige und der Heilige Geist erwähnt, dass die Fische klein waren. Es waren keine Seegiganten, die pro Stück für zwanzig Leute ausreichten. Aus dieser Begebenheit dürfen wir wissen, dass der HERR mit wenig Vorhandenem so viel machen kann, dass es für alle reicht. Die Geschichten mit den Speisungen lehren uns aber auch, dass Er Früchte bei seinen Nahestehenden sehen möchte und Er davon nimmt.

Der HERR nimmt nicht davon, weil Er umsonst Gaben erhalten möchte, vielmehr nimmt Er davon, weil Er, wie erwähnt, die Frucht bei uns sucht. Die Geschichte lehrt uns ferner auch, dass das Vorhandene so verschwindend klein war, dass es vernachlässigt hätte werden können. Christus hätte diese „Almosen“ gar nicht nötig gehabt. Dass Er davon nahm, ehrte die Geber. Der HERR sah die Gabe nicht als zu gering an. Er, unser herrlicher HERR, liess also auch die kleinen Fische vorlegen und schloss sie in die Vermehrung mit ein. Er sei gepriesen für seine gute und weise Art all seiner Handlungen! Amen.

Vers 8

Und sie assen und wurden gesättigt; und sie hoben auf, was an Brocken übrigblieb, sieben Körbe.   Mk 8,8 

Wie bei der Speisung der Fünftausend blieb auch hier viel Essen übrig. Der HERR zeigt uns damit auf, dass Er fähig ist, weit über das Notwendige hinaus zu segnen!

Vers 9

Es waren aber etwa viertausend; und er entliess sie.  Mk 8,9 

Es waren viertausend Menschen. Das ist eine stattliche Anzahl! – Wäre etwas vom Essen übriggeblieben, wenn es vierzigtausend dort gewesen wären? Oder was wäre bei vierhunderttausend passiert? Wäre der HERR an seine Grenzen gestossen? – Was für ein lächerlicher Gedanke, wenn man bedenkt, dass der HERR zuvor zirka zwei Millionen Leute, das Volk Israel, vierzig Jahre lang in der Wüste ernährt hatte! Und das tat Er Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr!

Vers 10

Und er stieg sogleich mit seinen Jüngern in das Boot und kam in die Gegend von Dalmanuta.  Mk 8,10 

Wie es ein fleissiger Diener des Reiches tut, stieg der HERR „sogleich“ mit seinen Jüngern in das Boot und fuhr zur nächsten Aufgabe. Dies tat Er als Vorbild für uns, obgleich Er seit jeher Gott ist und somit auch über allen Dienern steht.

Nach dem Erfüllen einer für sie grossen Aufgabe lehnen sich leider viele Jünger Christi zurück und verordnen sich Urlaub von der Arbeit im Reich und verweilen monatelang, einige gar jahrelang!, untätig im Reich. Sie sonnen sich in einer gut erfüllten Aufgabe, - leider aber viel zu lange! Es gibt sogar Individuen, die sehen in einem gelungenen Werk sogar ihre Lebensaufgabe erfüllt und machen gar nichts weiter im Reich. Ist Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nicht auch schon aufgefallen, dass einige Menschen immer von derselben alten Geschichte oder von derselben alten Angelegenheit erzählen, die eine einst erfüllte Aufgabe im Reich beschreibt? Und leider haben sie nachher nichts weiter erlebt mit dem HERRN. Und dies geschah nicht, weil sie der HERR nicht mehr einsetzen wollte, vielmehr geschah nichts mehr, weil sie sich im selbstverordneten Urlaub aufhielten, abseits der Arbeit im Reich. – Lassen Sie uns bitte in allem nach dem Vorbild unseres HERRN wandeln; der Diener steht nicht über dem HERRN (Mt 10,24).

Der HERR war an dieser Stelle wieder zurück im Land der Verheissung, in Dalmanuta. Diese Gegend wird bei der Stadt Migdal vermutet, das ist westlich vom See Genezareth.

Vers 11

Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, indem sie von ihm ein Zeichen vom Himmel begehrten, um ihn zu versuchen.   Mk 8,11

Die Pharisäer wollten, dass Gott ihrem Begehren nachgibt. Statt in der Abhängigkeit Gottes zu leben, versuchten sie Gott.

Was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie begegnete Jesus dieser Forderung? Gab Jesus um des Friedens willen nach? Gab Er ihnen ein Zeichen? Oder widerstand Er ihnen, selbst wenn der Streit dadurch programmiert war? Wo sind die Grenzen zu ziehen, Frieden zu bewahren oder zu Gunsten des Willens Gottes unnachgiebig zu sein? Die Bibel sagt nicht, dass der zwischenmenschliche Friede über allem steht. Natürlich sind wir Christen nicht angehalten, mit Waffen für Gott zu kämpfen. Unsere Botschaft unterscheidet sich grundlegend von denjenigen der Religionen. Das Evangelium der Bibel bietet Frieden an, das Angebot ist der Friedensschluss Gottes mit den Menschen aufgrund der einzig möglichen Grundlage, welche die Person von Jesus Christus ist. Erklären die Menschen Gott den Krieg, dann weicht der Diener Gottes zurück, wie Gott auch während dieses Zeitalters seines Friedensangebots zurückweicht. Am Ende dieses Zeitalters, wenn Christus zurückkommt, gibt es kein Zurückweichen Gottes mehr. Es wird Krieg geben, wobei nicht die Christen zu den Waffen greifen werden. Unser Gott ist stark genug, um für sich selber zu kämpfen. Er wird die Panzer der Nationen zerquetschen und die Flugzeuge vom Himmel klatschen, wie man Schmeissfliegen mit der Klatsche wegklatscht. Bevor sich die Nationen an Gottes Grenzen vergreifen könnten, verfault ihr Fleisch, ihre Zunge im Mund und die Augen in den Höhlen. Das wird ihnen bei lebendigem Leib geschehen (Sach 14,12). So wird das Ende der Herrschaft der Nationen verlaufen.

Bis dahin wird den Schweinen oder den Hunden, wie der HERR in einem Vergleich die unbussfertigen und Gott herausfordernden Menschen bezeichnet (Mt 7,6), nicht eine einzige Perle des Reiches vor die Füsse geworfen, um diese nicht zu verschwenden. Ob es wegen der unerfüllten Forderung der unbussfertigen Menschen Streit gibt oder nicht, spielt keine Rolle, obschon zu bemerken ist, dass ein solcher Streit bis zu Christi Wiederkunft nie von Christi Seite her angefacht wird. Christen sind auch nicht angehalten, Streit anzufangen, sie sollen lediglich das Heilige nicht vor die Hunde oder die Perlen vor die Schweine werfen. – Wie denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie hat Christus auf die Bitte der streitsüchtigen und unbussfertigen Pharisäer reagiert? Hat Er ihnen um des Friedens willen ein himmlisches Wunder gegeben? Hat Er ihnen vom Heiligen gegeben? Hat Er ihnen eine Perle des Reiches dargereicht? – Wenn Er das getan hätte, wäre das nicht im Widerspruch des Wortes gewesen? – Wie Er darauf reagiert hat, sehen wir im nächsten Vers.

Vers 12

Und er seufzte auf in seinem Geist und spricht: Was begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Nimmermehr wird diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden!   Mk 8,12 

Christus war in allem völlig klar. Er wusste, dass bei boshaften Leuten ein Entgegenkommen gar nichts bringt. Wenn diese Streit suchen, suchen sie den auch, wenn ihnen entgegengekommen wird. Er wusste, dass Er diese Menschen nicht mit Milde für das Reich gewinnen konnte. Sie hatten sich sowieso selbst ausgesperrt und waren eine Gefahr für solche, die ins Reich gehen wollten, wie geschrieben steht:

Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschliesst das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr <auch> nicht hineingehen.   Mt 23,13 

Deshalb sagte Er nicht zu ihnen: „Ich gebe euch später vielleicht ein Zeichen.“ Auch sagte Er nicht: „Haltet euch doch bitte an das Wort!“ Er begegnete ihnen vielmehr so, wie es ihre boshafte und gottlose Haltung erforderte. Er sagte ihnen mit dem Wort „Wahrlich“, dass sie ganz gewiss darüber sein sollten, dass es so werden wird, wie Er sagte: Ganz bestimmt auf gar keinen Fall (Nimmermehr) wird diesem Geschlecht ein Zeichen – damit war eine Manifestation des Reiches, der Autorität Christi gemeint – gegeben werden!

Leider wandeln viele Christen nicht in derselben Klarheit, wie der HERR wandelte. Viele können zwischen Schwachheit und (vorsätzlicher) Bosheit bei den Nächsten nicht unterscheiden. Bei Schwachheit handelte Christus immer in Gnade. Bei vorherrschender Bosheit widerstand Er dieser in vollster Entschiedenheit: „Nimmermehr wird diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden!“

Christus ist unser Lehrer. Haben wir diese Lektion der Unterscheidung gelernt? Oder fallen wir auf boshafte Heuchler herein und werfen diesen in einer falschen gutmenschlichen Haltung Perlen des Reiches vor die Füsse, um danach groben Schaden zu leiden, wenn sie uns in der Folge verhöhnen und öffentlich vorführen (Mt 7,6)?

Vers 13

Und er liess sie <stehen>, stieg wieder ein und fuhr an das jenseitige Ufer.  Mk 8,13 

Was für eine Demonstration Gottes gegen üble und herausfordernde Menschen! Was für eine Lektion für die heutige Christenheit!

Christus war gerade erst in dieser Gegend angekommen. Kurz darauf kamen die üblen und herausfordernden Menschen zu Ihm. Ihnen erklärte Er in aller Entschiedenheit, dass sie in Bezug auf eine Manifestation des Reiches von Ihm gar nichts bekommen werden; Er würde „nimmermehr“ auf ihr Begehren eintreten. Doch damit liess Er es nicht bewenden, der HERR zeigte ihnen demonstrativ, dass Er diesem Hochmut voll widersteht und ihnen ganz bestimmt nicht noch lange gut zureden wird (Jak 4,6; 1. Petr 5,5). Deshalb stieg Er wieder ins Boot, obschon erst gerade angekommen, und fuhr ab. Dabei fuhr Er nicht einfach dem Ufer entlang zu einem nahen Anlegeplatz; Er fuhr stracks auf die gegenüberliegende Seite des Sees, also so weit weg von diesem bösen und herausfordernden Geschlecht, wie es nur möglich war.

Diese Lektion Gottes ist bei vielen Menschen seines Volkes nicht angekommen. Noch viel zu viele machen sich völlig lächerlich, indem sie mit ausgestreckten Armen auf im Vorsatz boshafte Menschen zugehen, obschon sie von diesen lediglich belächelt, bemitleidet und voll ausgenutzt werden. So verschwenden viele Christen die kurze Zeit, die uns noch verbleibt, bis der HERR wiederkommt. Dabei bleibt die Arbeit im Reich liegen, die getan werden sollte, weil Christen auf solche vom Widersacher aufgestellte Menschen (Joh 8,44) hereinfallen und sich mit Leerläufen und Peinlichkeiten abgeben.

Vers 14

Und sie vergassen, Brote mitzunehmen, und ausser einem Brot hatten sie nichts bei sich auf dem Boot.  Mk 8,14 

Die Jünger Christi waren nicht auf diese schnelle Abreise vorbereitet und hatten keinen Nahrungsvorrat bei sich. Dies führt zur nächsten lehrreichen Lektion des HERRN.

Den Menschen aus den Nationen, wie manchmal sogar auch den Christen, steckt die Lüge des Teufels tief, Gott sei unbarmherzig und streng. Selbst die Jünger gingen nachfolgend davon aus, dass Christus sie wegen des fehlenden Vorrates tadelte. Dabei war ihr HERR lediglich daran, sie vor der Bosheit von halsstarrigen und überheblichen Menschen zu warnen. Er, unser HERR, der gelobt ist, war lediglich daran, seine Jünger für die Zukunft zu stärken. Er tadelte sie nicht wegen fehlenden Broten.

Christi Absicht war und ist immer, sein Volk aufzubauen; es ist seine Absicht nicht, es zu beschweren und es mit schweren Abgaben zu belasten, wie es die Herrscher der Nationen zu tun pflegen. Das ist der erste Punkt der lehrreichen Lektion. Als zweiten Punkt sollten wir berücksichtigen, dass die Gemeinde stets als sehr flexibler Organismus funktionieren sollte. Israel war es gegeben, ansässig zu werden, der Gemeinde ist es bis zur Wiederkunft Christi nicht gegeben. Daher sollen wir Christen uns vor Ballast hüten (Heb 12,1; 2. Tim 2,4), der uns bei Lageveränderungen (Dislokationen) nur beschweren würde.

Vers 15

Und er gebot ihnen und sprach: Seht zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes!   Mk 8,15  

Mit dieser Aussage teilte der HERR den Jüngern folgendes mit: Hütet Euch von allem, was nicht rein ist der Pharisäer und des Herodes. Mit „nicht rein“ sind die Lehre und der Lebenswandel der Pharisäer und des Herodes gemeint. Und mit dem Wort „Sauerteig“ umschreibt der HERR alles, was vor Ihm nicht tauglich bzw. als rein im Reich Gottes klassifiziert wird. Sauerteig wird von Gott im Gesetz in der Bildsprache für alles Üble verwendet; wer Sauerteig mit Gottes Sachen in Verbindung brachte, dessen Seele sollte aus dem Volk ausgerottet werden. Im 2. Buch Mose (2. Mo 12,15) setzt der HERR diese Verordnung mit dem Sauerteig in Kraft. Wer Sauerteig in Verbindung mit dem Passahlamm (das ist Christus, 1. Kor 5,7) bringt, disqualifiziert sich für das Reich Gottes.

Die Pharisäer waren daran, das Volk mit böser Lehre zu durchsäuern und Herodes war daran, Gottes Volk zu verweltlichen. Christus nahm die vorausgegangene üble Begegnung mit den Pharisäern als Anlass, die Jünger gegen deren Lehre zu impfen bzw. sie diesbezüglich zu sensibilisieren.

Vers 16

Und sie überlegten miteinander: <Das sagt er,> weil wir keine Brote haben.  Mk 8,16

Wer voreingenommen ist, kann Jesu Worte nicht verstehen. Im Kommentar zum Vers 14 erwähne ich die Voreingenommenheit gegenüber Gott. In vielen Menschen steckt die Lüge des Teufels noch tief, Gott sei unbarmherzig. – Weshalb vermuteten die Jünger eine Rüge Christi wegen vergessener Brote, wenn Er von etwas völlig anderem sprach und zweimal hintereinander bewiesen hatte, dass fehlende Speise kein Problem für Ihn darstellt, selbst dann nicht, wenn tausende Menschen gespeist werden sollten?

Vers 17

Und er erkannte es und spricht zu ihnen: Was überlegt ihr, weil ihr keine Brote habt? Begreift ihr noch nicht und versteht ihr nicht? Habt ihr euer Herz verhärtet?   Mk 8,17 

Wer geistliche Worte nicht aufnehmen kann, hat ein verhärtetes Herz. – An dieser Stelle könnte man im gutmenschlichen Denken die Rede Christi mit dem Vorwurf der verhärteten Herzen als etwas wenig emphatisch taxieren. Welcher Jünger hört schon gerne einen solchen Vorwurf Christi, nach einer gemeinsam zurückgelegten Wegstrecke? Was konnten die Jünger denn dafür, dass sie Christi Rede (noch) nicht begreifen konnten? – Nun, sie hatten immer noch ein verhärtetes Herz, wie es der Heilige Geist nach der Speisung der Fünftausend feststellen musste (Mk 6, 52). Ihr Herz war in einem unguten Zustand, der durch die Schrift nicht beschönigt wurde.

Christus heuchelte seinen Jüngern nicht Zufriedenheit vor, solange ihr Zustand zu wünschen übrig liess. Er wendete sich ihnen aufrichtig und teilnahmsvoll zu und liess sie nicht einen trügerischen Frieden „geniessen“, wie es chronisch wohlwollende Führer tun. Letztere wollen nur den Menschen gefallen und kümmern sich deshalb nicht um sie. Wenn dann die Menschen wegen ihres Zustandes in ein hartes Gericht Gottes kommen, nützte die Heuchelei der (üblen) Führer nichts. Es ist viel besser, wenn ein Aufseher das Übel stets beim Namen nennt, auch wenn sich manchmal hier und da Mitglieder brüskiert fühlen. – Was ist besser, in der Gnadenzeit zurechtgebracht zu werden oder bei der Offenbarung Christi als Übeltäter bzw. fauler Knecht dazustehen?

Vers 18

Augen habt ihr und seht nicht? Und Ohren habt ihr und hört nicht? Und erinnert ihr euch nicht,   Mk 8,18 

Christus lässt nichts aus, ihnen ihren Zustand ganzheitlich darzustellen. – Haben die Jünger denn nichts gesehen, bzw. sind sie nicht verständig geworden durch die Wunder, die sie miterlebt hatten? Haben Sie durch die vorgetragene Lehre Christi, welche sich durch die Wunder manifestierte, doch nichts verstanden? Drangen seine Worte nicht bis zu ihrem Verständnis? Haben sie alles Erlebte schon wieder vergessen? Helfen ihnen zusammengefasst weder die Augen, die Ohren noch das Erinnerungsvermögen? – Ihr Zustand war sehr bedenklich; es tat not, dass Christus diese Männer in allem Ernst ermahnte und ihnen ein schlechtes Zeugnis als Momentaufnahme ausstellte. Die Jünger sollten sich nach all dem Erlebten ja nicht weise dünken, ihr Zustand zeugte überhaupt nicht vom Niveau, das nach all der Lehre aus dem Mund des Höchsten und den Wundern hätte erreicht sein sollen.

Beim Blick in die heutigen Gemeinden herrscht vielerorts auch ein ungenügender Bildungsstand. Im Hause Gottes wird nicht entsprechend gelehrt. Dieser mangelhafte Bildungsstand geht meist Hand in Hand mit ungenügender Moral. – Wenn die Vorsteher solcher Gemeinden nach dem Zustand der Versammlung gefragt werden, geben sie diesen jedoch als „gut“ an. Viele Vorsteher dünken sich selber weise oder wollen nicht zugeben, dass die ihnen anvertrauten Seelen (Heb 13,17) wie auch sie selbst vor Gott in einem bedenklichen Zustand sind.

Vers 19

als ich die fünf Brote unter die Fünftausend brach, wie viele Handkörbe voll Brocken ihr aufgehoben habt? Sie sagen zu ihm: Zwölf.   Mk 8,19 

Zwölf Handkörbe voll blieben nach der Speisung der Fünftausend! – Und jetzt machten sich die Jünger Sorgen, weil die vergessen hatten, sich mit Brot einzudecken. Der HERR erinnert sie an seine Kraft, sehr viele Menschen speisen zu können. Christus erklärte ihnen hiermit, dass die Apostel das mit Ihm Erlebte mit dem Glauben verknüpfen sollten.

Wenn die Schrift sagt, dass Gott nicht wetterwendisch sei (Jak 1,17), dann sollten die Jünger das Erlebte zusammen mit den Aussagen der Schrift nehmen und ihre Gottesvorstellung entsprechend anpassen. Gott bleibt derselbe. Wer Gott nachfolgt, wird mit dem Nötigen versorgt. Die Jünger folgten Jesus ja nach; sollte Er sie nun sich selbst überlassen?

Als die Fünftausend Hunger hatten, gab ihnen Christus ohne Anstrengung Speise im Übermass. Sollte Christi Kraft nun bei seinen Jüngern nicht mehr ausreichen, lediglich für wenige Menschen Speise zu schaffen? Oder sollte Er es sich plötzlich anders überlegt haben und sich von mildtätig zu herzlos gewandelt haben und somit seinen Allernächsten nicht zu Speise verhelfen? Entspricht das den Aussagen der Schrift?

Vers 20

Als <ich> die sieben unter die Viertausend <brach>, wie viele Körbe voll Brocken habt ihr aufgehoben? Und sie sagen: Sieben.   Mk 8,20 

Die Jünger sollten sich noch weiter mit dem bereits Erlebten auseinander setzen. Jesus fragte weiter, wie es denn war, als Er die sieben Brote unter die Viertausend brach. Blieb vom Überfluss nicht wieder entsprechend viel übrig?

Christus sagte das, weil die Jünger die Lehre über den Sauerteig falsch interpretierten. Mit dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes wies Christus auf die Heuchelei der Pharisäer und des Herodes hin (Lk 12,1). Die Jünger dachten aber, dass Christus damit auf den aktuell geringen Essensvorrat blicken lassen wollte. Darauf musste der HERR korrigierend erwähnen, dass Sorgen um den Nahrungsvorrat für Menschen, die eng mit Christus wandeln bzw. seine Kinder allgemein, völlig unnötig seien (Mt 6,32). Auch rief Er den Jüngern in Erinnerung, dass seine Gegenwart völlig ausreichend war, um tausende von Menschen in einer herrlichen, übernatürlichen Weise und mit Überfluss zu speisen.

Vers 21

Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr noch nicht?  Mk 8,21

Die Bibel wendet vier Verse auf, zu zeigen, dass Jesus die Jünger verständnisvoll, aber auch ausführlich, zielgerichtet und ohne Heuchelei unterrichtete aber auch, wo nötig, zurechtwies.

Nach all den plausiblen Ausführungen hakte Jesus noch einmal nach, um nach dem Verständnis zu fragen. – Das ist in den Gemeinden heutzutage vielerorts nicht mehr die Norm. Lieber heuchelt man vor den Gemeindegliedern Zufriedenheit und Frieden vor, statt verständnisvoll, aber auch ausführlich, zielgerichtet und ohne Heuchelei zu unterrichten aber auch, wo nötig, zurechtzuweisen. Bei offensichtlicher Schieflage der Gemeinde fängt man dann hintenherum böse über andere Mitglieder zu reden. Dies hat zwar einen legitimen äusserlichen Anstrich, weil es aussieht, als ob man Missstände erkannt hat und sie beim Namen nennt. Das hintenherum Reden ist aber durch die Bibel als böse eingestuft (Jak 4,11), weil es nur nötig ist, wenn man vorneherum heuchelt und den Fehlbaren nicht direkt auf den Missstand hinweist. – Und, ist es nicht auch so, dass man aufgrund der Angst, zahlende Mitglieder zu verlieren, oftmals schweigt, um die überteuerten Versammlungs- (Kirchen-) Gebäude tragen zu können? Das ist ein ganz verwerflicher Beweggrund, weil er zulässt, dass zur Wahrung von äusserlichem Glanz die Gemeinde im inneren Zustand buchstäblich vor die Hunde geht. Solchen Aufsehern ist ein sehr schweres Gericht garantiert! Sie haben die Gemeinde Christi dem Verfall preisgegeben! Wehe ihnen! Amen.

Vers 22

Und sie kommen nach Betsaida; und sie bringen ihm einen Blinden und bitten ihn, dass er ihn anrühre.   Mk 8,22 

Auf der anderen Uferseite – in demonstrativer Ferne der heuchlerischen Pharisäer, die Ihn in Dalmanuta versucht hatten – kamen sie nach Betsaida. Die dort ansässigen Menschen brachten einen Blinden zu Christus und baten Ihn um Heilung.

Es war schon beachtlich, was die Menschen Christus zutrauten, um Ihn am Ende doch zu verwerfen. Dinge, die sonst noch nie geschehen sind, waren durch Christus tatsächlich möglich. Keine Aufgabe war Ihm zu schwer.

Im Blick auf die Macht hebt sich Christus völlig von magisch-esoterischen Kräften ab, überhaupt von jeder erdenklichen Autorität. Kein Zauberkünstler, Hypnotiseur, Magier, Zeichendeuter und kein sonstiges Medium kann, was Christus vermag. Denn irgendwo hört jede Macht eines besonders begabten Menschen auf, selbst wenn dieser von allen Teufeln unterstützt wird. Christus kam nie vor einer Aufgabe in Verlegenheit, kein einziges Mal. Wer ausser Christus konnte jemals Tote ins Leben zurückholen, bei denen der Tod schon seit vier Tagen eingetreten und der Verwesungsprozess voll im Gange war (Joh 11, 39-44)? Und wer hat die Fähigkeit, plötzlich sichtbar im Weltgeschehen zu erscheinen und die Weltherrschaft ohne Weiteres aufzurichten, obschon sich kein Land kampflos wird ergeben wollen (Mt 24,30; Offb 11,17)? Dabei wird nie die Frage aufgeworfen, ob Christus die Weltherrschaft wird übernehmen können. Die Übernahme der Weltherrschaft durch Ihn ist so selbstverständlich, dass die Bibel in Matthäus 25 lediglich beschreibt, wie Christus dabei vorgehen wird (Mt 25,31.32). – Wer will Ihn daran hindern? Sollte ein Militärbündnis Gottes Pläne durchkreuzen, wo doch Gott die Nationen wie Tropfen am Eimer achtet?

Siehe, Nationen gelten wie ein Tropfen am Eimer und wie Staub auf der Waagschale. Siehe, Inseln hebt er hoch wie ein Stäubchen.   Jes 40,15 

Nur weil sich Christus in grosser Langmut bis heute hat verspotten lassen, ist das noch lange kein Anzeichen von Schwäche. Er wartet um der Seelen willen zu, die noch gerettet werden müssen. – Am Ende wird Christus über alles triumphieren; Er – das ist unser HERR! – sei gelobt! Amen.

Es ist amüsant und traurig zugleich, dass die Nationen mit Waffengewalt ein Kräftemessen mit Gott herausfordern werden. Amüsant deshalb, weil sie dabei nicht die geringste Chance haben; traurig deshalb, weil einem solchen Verhalten ein ungeheuerlicher Verblendungsgrad und Irrtum zugrunde liegt.

Vers 23

Und er fasste den Blinden bei der Hand und führte ihn aus dem Dorf hinaus; und als er in seine Augen gespien <und> ihm die Hände aufgelegt hatte, fragte er ihn: Siehst du etwas?   Mk 8,23   

Dieser Vers birgt interessante Wahrheiten. Wieso heilte Christus diesen Blinden nicht im Dorf vor den Augen aller Welt? Weshalb nahm Er ihn heraus in die Felder und heilte Er ihn in zwei Etappen? Christus konnte Tote aufwecken, Christus kann alles, wie wir wissen. Umso interessanter ist die Frage, wieso er diesen Menschen in zwei Etappen heilte, nicht auf einen Schlag und nicht vor den Augen aller Welt im Dorf.

Deutete Er damit nicht symbolisch den Weg des Menschen, der zur wahren Sicht Gottes, zur wahren Erleuchtung kommt? Ging es uns nicht auch so auf dem Weg mit Gott?

Zuerst nahm Er uns an der Hand und führte uns weg vom Treiben der Welt. In der Abgeschiedenheit dieses Treibens, als wir fähig wurden, Göttliches aufzunehmen, öffnete Er uns in Geduld die Augen. Wir sahen zwar seine Macht, doch undeutlich, wie die Jünger, die Er vor dieser Begebenheit ermahnen musste. Zum Glück für uns liess der HERR nicht locker und hakte bzw. hakt immer wieder nach, bis wir deutlich sehen.

Vers 24

Und er blickte auf und sagte: Ich sehe die Menschen, denn ich sehe sie wie Bäume umhergehen.  Mk 8,24 

Manchmal begegnen wir dem HERRN und machen dabei eine schöne Erfahrung und doch sehen wir am Ende geistlich noch nicht klar. In manchen Dingen glauben wir hartnäckig, dass sie nur richtig sind, wie sie von der Welt dargestellt werden. Zu wenig Vorrat ergibt zum Beispiel nicht für alle ausreichend Speise. Das ist ein Gesetz, das in Stein gemeisselt ist. Zumindest für Menschen ohne Gott.

Obschon Christus den Jüngern zweimal bewiesen hatte, dass zu wenig Vorrat mit Gott trotzdem für alle ausreichte, machten Sie sich kurz darauf im Boot dennoch wieder Sorgen wegen der Nahrung. Sie sahen zwar, dass Jesus etwas Besonderes war; sie konnten seinen Charakter aber noch nicht richtig erkennen. Sie erkannten geistlich die Dinge erst schattenhaft, Menschen erschienen ihnen noch „wie Bäume“.

Vers 25

Dann legte er wieder die Hände auf seine Augen, und er sah deutlich, und er war wiederhergestellt und sah alles klar.   Mk 8,25  

Gelobt ist unser HERR, der bei der Heilung nicht locker liess. Ob der Mann zu wenig Glauben hatte und die Jünger (zu) lange verhärtete Herzen, spielte im Blick auf seine Macht und Barmherzigkeit eine untergeordnete Rolle. Wer sich zu Christus hinwendet und bei Ihm bleiben will, kann geistlich noch so beschädigt sein, Christus kann Tote aufwecken, Christus kann jeden Mann und jede Frau geistlich tadellos werden lassen (Kol 1,22). Der Mensch soll nur danach trachten und allezeit bei Christus bleiben wollen, wie David im Psalm 27 schreibt (Ps 27,4). Deshalb kam es so, wie es kommen musste, der Mann blieb ja bei Christus und folgte Ihm aus dem Dorf: „Und er sah deutlich, und er war wiederhergestellt und sah alles klar.“ – Gelobt sei unser HERR, der bei der Heilung nicht locker lässt! Amen!

Vers 26

Und er schickte ihn nach seinem Haus und sprach: Auch nicht ins Dorf sollst du gehen!   Mk 8,26

Der endlich klar sehende Mann sollte in sein Haus gehen. Die unmissverständliche Botschaft, nicht ins Dorf zu gehen, ist zwar beeindruckend, kommt aber nicht überraschend. Betsaida war gottlos, wie uns die Schrift bestätigt (Mt 11,21). Jesus hatte dieses Dorf mindestens zweimal besucht (Mk 6,45; Mk 8,22). Trotzdem blieben die Einwohner in der Beurteilung Gottes böse, sodass Betsaida im Gericht schlecht wegkommen wird. Der HERR rief über dieses Ort aus: „Wehe dir, Betsaida (Mt 11,21)!“

Wenn unsere Botschaft vom Evangelium Gottes nicht angenommen wird, müssen wir uns nicht hintersinnen; oft liegt es nicht an der Qualität der Verkündigung. Wir sollen anhand dieser Erzählung über die Evangelisation dieses Dorfes durch den am allerbesten befähigten Mann lernen, dass es Einzelpersonen, Gruppen und sogar ganze Siedlungen, Dörfer und Städte gab, die Ihn verwarfen. Diese Menschen wurden von Gott selbst evangelisiert. Und sie verwarfen Ihn trotzdem. Wundern wir uns nun, wenn sich Gott von diesen Menschen zurückzieht und uns sagt, dass wir bei vorsätzlicher Bosheit ebenso handeln sollen (Mt 7,6 bei Ungläubigen; Mt 18,17 innerhalb der Gemeinde)?

Wenn die Zuhörer nicht wollen, wollen sie einfach nicht. Da hilft die beste Darstellung der Person Christi und die seiner Liebe rein gar nichts. Jesus verlieh seinem Wort durch die Krankenheilungen und Wunder so viel Gewicht, wie es kein anderer Mensch je tun konnte. Unter diesen gewaltigen Eindrücken gefiel es trotz alledem vielen Menschen mehr, dem Eigendünkel oder einfach nur ruchlosen Menschen zu folgen und den Edelmann Jesus Christus zu verwerfen.

Wie unwahrscheinlich einfach sich die Menschen verführen lassen, sehen wir in der mehrfach erwähnten Geschichte des Scheba, der Menschen zum Abfall von David verführte, obschon David Israel vor den Feinden errettet hatte und Scheba im Vergleich ein Niemand war (2. Sam 20,1.2). Er wird vom Heiligen Geist selbst als „ruchlos“ bezeichnet. – Das ist eine sehr ernst zu nehmende Sache!

Vers 27

Und Jesus und seine Jünger gingen hinaus in die Dörfer von Cäsarea Philippi. Und auf dem Weg fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Was sagen die Menschen, wer ich bin?   Mk 8,27 

Von Betsaida brach Christus nördlich nach Cäsarea Philippi auf und bereitete mit diesen Worten die Jünger auf die Frage vor, ob sie denn wüssten, wem sie folgten. Zuerst fragte Er sie, was denn die Leute über Ihn sagten, wer Er sei. So hatten die Jünger eine Auswahl. Sie konnten sich der am häufigsten Vorkommenden Meinung des Volkes anschliessen oder ihre eigene Meinung kundtun.

Vers 28

Sie aber antworteten ihm und sagten: Johannes der Täufer; und andere: Elia; andere aber: einer der Propheten.   Mk 8,28 

Durch die Übergabe aller Macht vom Vater, wusste Christus natürlich, was die Menschen von Ihm dachten, wer Er sei (Mt 28,18). Danach hätte Er nicht fragen müssen. Trotzdem stellte Christus diese Frage den Jüngern. Er wollte von ihnen wissen, ob es ihnen bekannt war, wem sie denn überhaupt nachfolgten.

Nur wenn ein Jünger weiss, wem er folgt, kann er sich dementsprechend richtig verhalten. Wenn jemand einem edlen Menschen folgt, kann er diesem Menschen den gebührenden Respekt zollen. Wenn jemand aber Gott in der Person von Jesus Christus folgt, so darf er Christus anbeten, weil Christus Gott und seit jeher ist (Joh 8,58). Auch war Christus vor Johannes, obschon Elisabeth 6 Monate vor Maria schwanger war und demnach auch vor Maria gebar (Lk 1,24 ff.). Johannes der Täufer kam also vor Jesus Christus zur Welt. Mit diesen sechs Monaten lässt die Bibel keine Spekulationen zu, sollte selbst Elisabeth übertragen haben.

Wie erwähnt, wollte Christus die Jünger nicht in Unkenntnis darüber lassen, mit wem sie es zu tun hatten. Sie sollten nach seinem vollendeten Dienst wissen, wen sie verkündigten. Nur wenn sie Gott verkündigten, würden die Menschen Errettung erfahren, wenn sie bloss von einem hochgestellten Menschen erzählten, hätte das im Blick auf die Errettung der Menschen rein gar nichts genützt, denn Gott spricht, dass Er sich die Ehre von niemandem nehmen lässt, Menschen zu erretten (Jes 43,11; Hos 13,4). Gott allein rettet die Menschen und ausser Ihm niemand. Wenn Sie von Christus denken, Er sei lediglich ein Prophet, so wird Ihnen Ihr Glaube nichts nützen. Christus muss Gott sein, wenn in seinem Namen die Errettung liegen soll. Und sie liegt in seinem Namen (Apg 4,12)! Amen.

Vers 29

Und er fragte sie: Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin? Petrus antwortet und spricht zu ihm: Du bist der Christus.   Mk 8,29 

Durch die vorausgehenden Fragen waren die Jünger vorbereitet auf die entscheidende Frage: „Ihr aber, was sagt ihr, wer ich bin?“ Dies musste geklärt werden, ansonsten hätten die Jünger nicht einmal gewusst, wem sie nachfolgten oder wen sie verkündigten. Und wenn sie das nicht gewusst hätten, hätten sie auch keine Kenntnis darüber gehabt, wozu die Verkündigung überhaupt gut war.

So verhält es sich auch bei uns. Wenn wir etwas für Gott tun, einfach etwas christliches, und dabei nicht wissen, wozu es gut ist, dann tappen wir im Dunkeln. Wie können wir dann auf Anfrage unser Tun erklären? Weshalb sollte sich uns jemand anschliessen, wenn wir nicht einmal einen Grund dazu nennen können?

Petrus gab die richtige Antwort: „Du bist der Christus.“ Christus (= der Gesalbte) ist der kommende König und Priester Gottes, der Nachkomme Davids, des Königs von Israel. Es ist nicht ein Priester oder ein König oder ein Nachkomme Davids. Christus ist der Priester, der König und der Nachkomme Davids; Er ist der spezielle und einzigartige Priester, König und Nachkomme Davids. Nach Ihm kommt kein zweiter (1. Kor 15,45). Er ist der Same Abrahams (Einzahl, 1. Mo 22,18), Er ist der von seinem Volk erwartete Erlöser, dem ewige Priesterschaft (Heb 7,24) und ewiges Königtum (Dan 2,44) gehören. Dies durfte Petrus durch die Offenbarung des Vaters erkennen:

Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.   Mt 16,17

Simon Petrus erkannte das nicht von alleine oder durch andere Menschen. Die Offenbarung Christi erhielt er von Gott, wie geschrieben steht. „Der Christus“ beinhaltet so vieles gleichzeitig, hier zusammenfassend vier Hauptpunkte:

- Er ist Gott, denn ausser Gott gibt es bekanntlich keinen Retter für die Menschen
- Er ist hundertprozentig auch Mensch, denn Er ist von einer Frau geboren und konnte deshalb für Menschen sühnen
- Er ist gesalbter Priester in Ewigkeit (nach der Ordnung Melchisedeks, ohne Anfang und Ende, Heb 7)
- Er ist gesalbter König (Mt 25,31 ff., besonders Vers 34, u. v. a.)

Wissen wir nun, liebe Leserin und lieber Leser, die Antwort auf die allfällige Frage Christi: „Du aber, was sagst Du, wer ich bin?“ – Ich hoffe, dass wir nach dieser Betrachtung die Antwort auf diese Frage nie vergessen! Amen.

Vers 30

Und er redete ihnen ernstlich zu, dass sie mit niemandem über ihn reden sollten.   Mk 8,30 

Dieses herrliche Geheimnis, das Gott über Jahrtausende hütete und erst vor 2000 Jahren seinen auserwählten Aposteln offenbarte (Kol 1,26.27; Eph 3,3-11), sollte ernstlich bewahrt werden. So wies Christus die Jünger an. Auf keinen Fall durfte es vor die Schweine und Hunde kommen (Mt 7,6). Die Welt war und ist böse und gegen Gott gerichtet, wie sie es in jedem Punkt bewiesen hat, als sie Christus – trotz erwiesener Unschuld – dem grausamen Tod preisgegeben hat. Auch die Religion ist böse, die zwar den Anschein von Gottesfurcht trägt, aber Gott gegenüber im Grundsatz feindlich eingestellt ist. In ihrer höchsten Form brachte sie es zustande, Christus den Henkern auszuliefern. Dies geschah ebenfalls völlig ungerechtfertigt. Die Motivation dazu war der Neid (Mt 27,18; Mk 15,10). Neid kommt aus dem Schlechten des Menschen (Mk 7,22), seiner Natur, dem „Fleisch“, wie die Bibel die Natur des natürlichen Menschen bezeichnet.

Vers 31

Und er fing an, sie zu lehren: Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.   Mk 8,31  

Obwohl die Jünger eigentlich vom ersten Tag an wussten, wer Er war (Joh 1,44), fing der HERR nach diesen Begebenheiten an, die nahe Zukunft über Ihn genau zu schildern. Es ist nämlich offenbar, dass man die eigenen Glaubensgrundsätze verwirft, wenn diesbezüglich ein scheinbarer grosser Widerspruch aufkommt. Sogar dem für das Zeugnis Christi geborene und ausgebildete Johannes der Täufer kamen für kurze Zeit Zweifel auf im Gefängnis des Herodes, nachdem Er Christus öffentlich als das bezeugt hatte, was Christus war. Der scheinbare Widerspruch wuchs ihm für eine kurze Zeit über den Kopf; warum musste er im Gefängnis sein, obschon sich draussen der lebendige Gott, im Fleisch gekommen (Joh 1,14), aufhielt?

Christus wusste, dass ein grosser Widerspruch in den Köpfen der Jünger aufkommen würde, wenn sie Ihn scheinbar machtlos den Pharisäern und Römern ausgeliefert sehen würden, die dann mit Ihm tun konnten, was sie wollten, auch wenn es gegen alle göttlichen Gebote verstiess. All das würde nach einem Widerspruch aussehen.

Der Starke in den Händen von Menschenkindern? Weshalb konnten die Menschen Macht über Christus haben? Wie konnte der Heiland und kommende König so etwas zulassen? „Ist Er es am Ende doch nicht?“, mochten sich die Menschen in der grössten Anfechtung fragen, wenn sie einen derartigen (vermeintlichen) Widerspruch sahen. Diesem Denken hielt der HERR entgegen, indem Er die kommenden Ereignisse prophezeite. Die Jünger sollten wissen, dass es so kommen muss.

Vers 32

Und er redete das Wort mit Offenheit. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihn zu tadeln.  Mk 8,32   

Christus redete das Wort mit Offenheit, es gab keinen Zweifel an den kommenden Ereignissen. – Im Folgenden kommt etwas, aus dem wir uns die daraus resultierende Lehre merken sollten.

Ein Mensch mischt sich in den Ratschluss Gottes hinein und fängt diesen an zu beurteilen. Durch die Offenheit Christi haben die Jünger zwar auf Anhieb verstanden, um was es geht. Petrus findet diesen Weg dennoch unnötig oder zu krass. Deshalb nimmt er Christus beiseite und fängt Ihn an zu tadeln. Mit anderen Worten können wir sagen, dass Petri Aussage die folgende war: Lieber Jesus, die Gottheit hat dieses eine Mal mit Ihrem Ratschluss nicht richtig entschieden. Die Beschlussfassung war diesmal nicht perfekt. Warum sollst Du als guter und hilfsbereiter Mensch diesen schweren Weg gehen müssen? Diesbezüglich muss ich dich tadeln! – Es so zu sehen ist beinahe amüsant, ein Mensch sagt dem Urheber des Universums, des Lebens und der geistlichen Welt, was richtig und was falsch ist. Doch so unpassend es auch war, nicht selten tun wir es dem Petrus gleich!

Wenn uns Leiden widerfahren oder sonstige Dinge, die wir nicht gern haben und wir dabei anfangen zu murren, zweifeln wir da nicht an Gottes Ratschluss? – Murrten wir nicht, zweifelten wir nicht! Murren wir, zweifeln wir und glauben, es gäbe bessere und leichtere Wege für uns.

Die Lehre daraus ist, die Wege so von Gott anzunehmen, wie sie dargereicht werden und nicht selbst immer vermeintlich bessere Alternativen vorzubringen, wie es Lot im Beispiel tat (1. Mo 19,18 ff.). Amen.

Vers 33

Er aber wandte sich um und sah seine Jünger und tadelte Petrus und sagte: Geh weg hinter mich, Satan! Denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.  Mk 8,33 

Zu beachten ist, dass Petrus Jesus zur Seite nahm, um Ihn zu tadeln. Jesus löste sich aus dieser Absonderung und antwortete bewusst so, dass es alle hörten. Das Vorgehen Petri konnte nicht im Gehen nebenbei geklärt werden; das ging gar nicht. Die Heftigkeit der Antwort unseres barmherzigen HERRN zeigt, wie gefährlich falsch Petrus lag. Menschen sind böse:

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!   Mt 7,11

Die Natur des natürlichen Menschen ist böse, das haben wir schon sehr oft betrachtet und daran gibt es nichts zu rütteln (Mt 15,19). Der geistliche Mensch sind auf das, was Gottes ist, der natürliche nicht. Petrus sprach aus der Natur des natürlichen Menschen zu Christus. Er gab sich als Gutmensch, wie es die sozial eingestellten Menschen heute geben und tadelte Christus, dass sein eingeschlagener Weg zum Tod am Kreuz nicht gut sei, wie die Gutmenschen es halt tun. Gutmenschen kümmern sich keinen Deut um das Reich Gottes, sie haben lediglich das irdische Wohl des Menschen im Auge, ob es im Einklang Gottes ist oder nicht. So dürfen auch arbeitsscheue Menschen Sozialhilfe beziehen, denn in ihren Augen darf jeder Mensch so leben, wie es ihm beliebt, solange er nicht andere gefährdet. Dass die Bibel sagt, wer nicht arbeite, soll auch nicht essen, kümmert keinen. So setzt sich die Ungerechtigkeit im Schutzmantel der Menschenwürde durch. Dem setzt Christus einen klaren und unmissverständlichen Riegel indem Er sich der Situation aufmerksam stellt und den Petrus für alle unmissverständlich massregelt:

Geh weg hinter mich, Satan! Denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.  Mk 8,33b 

Das Wort „Satan“ bedeutet „Widersacher“. Petrus eröffnete durch diese Meinungsäusserung einen antigöttlichen Zug, weil er in dieser Thematik noch im Geist des natürlichen Menschen dachte. – Dieses Denken ist sehr böse, da gibt es keine schwächeren Titel von Gott für so denkende Menschen im Reich. Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn Christus die Erlösung am Kreuz nicht durchgezogen hätte. Wir wären alle ohne Hoffnung!

Gehen Sie aus diesem Grund nie eigenwillige Wege; weshalb sollte Sie Gott als „Widersacher“ betiteln? Oder wollen Sie zum Feind des Reiches mutieren?

Vers 34

Und als er die Volksmenge samt seinen Jüngern herzugerufen hatte, sprach er zu ihnen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach!    Mk 8,34   

Nach dieser Begebenheit mit Petrus und der anschliessenden Belehrung aller Apostel rief Er alle Menschen herbei, die in der Nähe waren, die Volksmenge und seine Jünger und erklärte allen Anwesenden, was echte Nachfolge beinhaltet: „Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach!“ – Was bedeutet das im Einzelnen? – Es bedeutet als Erstes, dass, wenn jemand Christus wirklich folgen will und es nicht beim Lippenbekenntnis allein bleibt, dieser Mensch sich selbst verleugnen soll. Selbstverleugnung fängt mit der Zurückstellung von allen eigenen Wünschen hinter diejenigen dessen, dem man nachfolgen will. Er, Christus, soll das Los des Nachfolgers festsetzen. Der Nachfolger schreibt Christus in keinem Lebensbereich etwas vor, vielmehr nimmt er alles aus der Hand dessen, dem er nachfolgt. Ein solcher Jünger verzichtet auf jeden Komfort des Flachlandes, wenn Christus sich sinnbildlich im Gebirge aufhält. Selbstverleugnung ist das Gegenteil von Selbstverwirklichung. Letzteres streben die Menschen ohne Gott an. Selbstverleugnung ist das Zurückstellen der eigenen Wünsche zugunsten eines anderen. Selbstverleugnung im Reich Gottes ist das Zurückstellen der eigenen Wünsche zugunsten Christi Willen.

Als Zweites kommt der aktive Teil der Nachfolge. „Er nehme sein Kreuz auf sich!“, heisst es. Wer nimmt schon gern ein Kreuz auf sich, das letztendlich den Tod bringt? – Niemand macht das gerne einfach so. Wer das Kreuz auf sich nimmt, verleugnet sich nicht lediglich passiv. Ein solcher Mensch tut aktiv Dinge, die dem Fleisch – unserer alten Natur – zuwiderlaufen. Die alte Natur hat so gar nichts mehr, um Gott zu verunehren und um im Eigenwillen aufzugehen. Sie stirbt ab, während die neue Natur aufkommt.

Als Drittes heisst es, dass man Christus nachfolgen soll. Es nützt nichts, irgendetwas Christliches ohne den Auftrag Christi zu tun. Der Mensch kann alles geben, sein ganzes Geld. Wenn es in einer guten Meinung geschieht, kann es genauso falsch sein, wie Petrus mit seiner Attacke auf den Willen Gottes es war.

Vers 35

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, wird es retten.   Mk 8,35 

Wer seinen Verstand einsetzt, um sein Leben zu retten, wird es verlieren. Ein solcher Mensch agiert nach dem eigenen Willen und Urteilvermögen und handelt unabhängig vom Willen Gottes. Alles, was nicht im Willen Gottes geschieht, ist Zielverfehlung. Zielverfehlung ist Sünde. Wer Sünde tut, erntet den Tod (Rö 6,23); ein solcher Mensch verliert das verheissene Leben.

Wer sich selber verleugnet, lebt nicht sein eigenes Leben, denn ein solcher lebt das Leben dessen, für den er es verleugnet. Lebt jemand in Wahrheit für Christus, stellt er seine Wünsche zurück und verliert ein selbstgestaltetes Leben. Man muss nicht zwingend den Märtyrertod sterben, um für Christus sein Leben zu verlieren. Man verliert es auch durch die Selbstverleugnung, da man dadurch nicht mehr sich selber lebt und die eigenen Wünsche zurückstellt.

Christus sagt uns an dieser Stelle, dass uns als Belohnung wahres Leben bereitstehen wird, wenn wir für Ihn leben. Christus lebte ein Leben für den Vater in der totalen Selbstverleugnung. Obschon Er König war, lebte Er als Knecht. Obwohl Er nicht des Todes war und schadlos hätte zum Vater zurückkehren können (Mt 26,53), ging Er den Weg der Verherrlichung des Vaters. Deshalb wird Ihm der höchste Platz im Universum eingeräumt (Phil 2,9) und das bedeutet, dass Christus in Glanz und Gloria leben werden wird: Er hat sein Leben gefunden, wenn ich das in Rücksicht auf unsere Schwachheit so sagen darf.

Uns widerfährt es wie Ihm, wenn wir im Willen Gottes bleiben. Wer sich selbst verleugnet, sein Kreuz (aktiv) auf sich nimmt und jeweils dort ist, wo Er ist, wird sein Leben finden. Das Leben findet ein solcher Mensch nicht sofort, sondern erst nach der Offenlegung seiner Absicht, also nach der kurzen irdischen Lebensspanne, in der er Treue beweist. Wer sich aber in vermeintlicher Klugheit von Gott abwendet und seine Wege selber wählt, wird – und das ist unmissverständlich – sein Leben verlieren.

Zur Debatte stehen ein kurzes Leben im Eigenwillen, das ohnehin nur sehr begrenzt beeinflusst werden kann, mit anschliessender Beschämung und dem Vorwurf, Gottes Willen widerstanden zu haben oder ein Leben in seinem Willen und danach ein von Gott überreichlich gesegnetes Leben in der Zukunft. Seien wir klug, liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie uns jeden Tag seinen Willen suchen! Amen.

Vers 36

Denn was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und sein Leben einzubüssen?   Mk 8,36

Selbst wenn der Mensch in der Hand hätte, es zu Lebzeiten bis zum Besitz der ganzen Welt zu bringen, würde es ihm nichts nützen. Nur der Ungläubige mag da widersprechen, weil dessen Weltanschauung beim Tod endet. Der Gläubige weiss, dass die kurze Lebensspanne im Fleisch nur eine Zeit der Herzensprüfung ist, wenn ich das mal so umschreiben darf. Darin wird offenbar, wie der Mensch in jeder Hinsicht eingestellt ist. Zu wieviel Weltbesitz man es darin bringt, ist für Christen überhaupt nicht bedeutsam oder gar richtungsweisend.

Was würden Sie nehmen, wenn sie sofort ein einfaches Essen haben könnten – das steht sinnbildlich für das Aufgehen in der Welt – und danach durch die falsche Wahl Bestrafung oder nach einer gewissen Wartezeit, der Verleugnung der Welt und Bewährung im Reich grossen Besitz, der unter vielen anderen Annehmlichkeiten sehr viele üppige Mahlzeiten beinhaltet? Also für mich ist klar, ich entscheide mich für die zweite Option. Esau entschied da anders, er verwarf Gottes Erbe und tauschte es mit einem einfachen Essen ein, mit dem, was die Welt anbietet (1. Mo 25,29 ff.). In Gottes Augen ist sogar der Besitz der ganzen Welt während der Lebensspanne im Fleisch so viel wert wie eine einfache Mahlzeit – erinnert sich jemand noch daran, nach 100‘000 Jahren? Und auch wenn, dann gelten längst andere Werte. Die Lebensspanne erstreckt sich heute nur über eine kurze Zeit, während die Ewigkeit danach für immer andauert. Deshalb gilt: Das wahre Leben kommt nachher und echten Besitz geniessen wir in der Auferstehung.

Vers 37

Denn was könnte ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben?    Mk 8,37

Das ist eine ganz ernsthafte Frage. Versuchen wir sie einmal zu beantworten. Es gibt viele Menschen und Institutionen, die sich aus misslichen Lagen freikaufen konnten bzw. können. Zurzeit ist aktuell, wie sich Finanzinstitute, die in der Vergangenheit unsauber gearbeitet haben und den Kunden zur Steuerhinterziehung oder mindestens zur -verschleierung halfen, sich mit grossen Summen vor tiefgreifenderen staatlichen Untersuchungen freikaufen. Reiche Menschen tun es den vermögenden Instituten gleich, wenn sie sich etwas zuschulden haben kommen lassen. Sie versuchen sich freizukaufen, bevor sie voll zur Rechenschaft gezogen werden.

Der vorausgehende Vers sagt aus, dass ein Mensch, der die ganze Welt gewonnen hat, sein Leben trotzdem einbüssen kann. Ist er schuldig, kann er sich auch mit dem Besitz der ganzen Welt nicht freikaufen. Um ein schuldbeladenes Leben vor Gott freizukaufen, braucht es sehr viel mehr als umfangreichen irdischen Besitz. Ein heiliges und völlig reines Opfer ist dazu nötig, das niemand von sich aus bringen kann. Und selbst wenn man zum bösen Entschluss kommen würde, einen männlichen Säugling für sich zu opfern, wie es Menschen für den Gott Moloch zu tun pflegten und Menschen in Geheimbünden es offensichtlich heute noch tun, würde das dem Opfernden überhaupt nichts nützen. Menschen, sie solches tun, häufen sich lediglich noch sehr viel mehr vom Zorn Gottes an für den Tag des Gerichts. – Wir sehen also, weder viel Besitztum noch irgendein menschlicher Stellvertreter kann uns vor dem Zorn Gottes freikaufen. Das ist auch die Antwort auf die Frage im aktuellen Vers. Auf jeden Fall können wir uns mit nichts erkaufen, was unsere Hand erreichen kann, selbst wenn wir im Besitz der ganzen Welt wären. Es braucht vor Gott viel mehr Lösegeld für unsere Seele.

Nun, darüber müssen wir nicht verzweifeln, wir wissen ja, dass Gott dieses Lösegeld selbst aufgebracht hat. Jesus Christus, der einzige Mensch, der ohne Sünde war und ist, hat sich dafür entschieden, mit seinem Leben für uns zu bezahlen, welches den Wert dieser ganzen Welt weit übersteigt. Wer dieses Leben als Lösegeld annimmt, ist freigekauft, denn die Summe ist hoch genug. Wer es nicht annimmt, bleibt beständig unter dem Todesurteil, ganz unabhängig davon, wieviel Geld er in der Absicht zurückstellt, sich freizukaufen.

Vers 38

Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.   Mk 8,38 

Der Mensch soll es ganz genau wissen: Auf dieser Welt leben Menschen mit der gefallenen Natur Adams. Diese Natur kann Gott nicht gefallen, denn sie ist sündig. Die Menschen sind ehebrecherisch und halten sich nicht an Gottes Vorgaben.

Wer in dieser von Gott als böse eingestuften Welt aufgeht und sich Christi Worte schämt, die diese Welt verurteilen und als verloren erklären, soll wissen, dass sich Gottes Sohn auch dessen schämen wird, wenn Er die Herrschaft antreten wird.

Wie muss sich Christus über einen solchen Menschen schämen, der sich der herrlichen Worte Christi wegen gesetzlosen, untreuen und ehebrecherischen Leuten geschämt hat, Partei für Ihn zu ergreifen!

Nicht selten schliessen Menschen, die in der Welt vorankommen möchten, Kompromisse zu Lasten der Wahrheit Christi. Würden sie die Wahrheit Christi bedingungslos verkündigen oder in gleicher Weise zu ihr stehen, wären ihnen mehr Menschen nicht mehr so freundlich gesinnt, denn das Wort Gottes entlarvt die angesprochenen natürlichen Menschen als gesetzlos und ehebrecherisch. Der Mensch soll daher wissen: Es geht um seine Herzenshaltung, nicht um die Summe, die er in das Reich einzahlt. Wer reich werden kann, weil er sich nicht zu Christus stellt und dafür mehr ins Reich einzahlt, um das Gewissen zu beruhigen, sei gewarnt: Er kann die ganze Welt als Lösegeld anbieten, wenn Christus zurückkommt und der HERR wird trotzdem überhaupt nicht beeindruckt sein. Vielmehr wird sich der HERR seiner schämen, weil sich dieser Mensch nicht zu Ihm gestellt hat. Und das wegen unsauberen, gesetzlosen und ehebrecherischen Leuten! Wer so handelt und Gesetzlose höher achtet als den HERRN, soll ja nicht denken, der HERR würde ihn bei der Wiederkunft euphorisch in die Arme schliessen! Das Gegenteil wird der Fall sein. Amen.

Kapitel 9

Vers 1

Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen.   Mk 9,1  

Der HERR liess in seiner Fürsorge nichts aus, um die Jünger entsprechend zu stärken. Petrus der dabei sein durfte, wie der HERR auf dem Berg der Verklärung in der Herrlichkeit mit einem verstorbenen und einem entrückten Heiligen, das waren Mose und Elia, zusammentraf, sprach nachher so von dieser Erfahrung:

17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, als von der erhabenen Herrlichkeit eine solche Stimme an ihn erging: »Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.«  
18 Und diese Stimme hörten wir vom Himmel her ergehen, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.  
19 Und so besitzen wir das prophetische Wort <um so> fester, und ihr tut gut, darauf zu achten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht,   2.Petr 1,17 - 19 

Petrus wusste ganz genau, von was er sprach. Die Herrlichkeit würde mit Sicherheit kommen und wir täten gut, darauf zu achten. – Wie barmherzig ist unser HERR, dass Er die engsten drei Jünger diese Erfahrung zur Bekräftigung seiner Worte machen liess.

Vers 2

Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes mit und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen umgestaltet;   Mk 9,2 

Christus nahm die drei engsten Jünger, Petrus und Jakobus und Johannes, mit und führte sie für sich allein auf einen hohen Berg. Es ist sehr bedeutsam, dass der HERR bei ganz speziellen Anlässen nur seine engsten Mitarbeiter dabeihaben wollte (Mk 5,37). Die Auswahl war immer gewollt, nicht zufällig, auch in seinem tiefsten Leid. Seine grosse Bestürzung wollte Er nur mit diesen drei Jüngern teilen, die anderen schienen noch nicht reif genug zu sein, ihn wirklich zu verstehen (Mk 14,33). Thomas glaubte ja nicht einmal an die Auferstehung und liess sich erst überzeugen, als Jesus ihn die Narben betasten liess (Joh 20,27). Wie hätte ein Thomas an den tiefsten Gefühlen Christi vorher echte Anteilnahme nehmen können?

Was schon bei den Jüngern Tatsache war, ist beim Volk Gottes genau gleich. Lediglich eine Minderheit ringt kompromisslos darum, dahinzukommen, wo Christus ist. Viele andere lassen sich ablenken, träumen von einem bequemen Leben oder essen und trinken mit den Heiden. Und letzteres tun sie oft nicht zu Evangelisationszwecken, sondern einfach so.

Vers 3

und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiss, so wie kein Walker auf der Erde weiss machen kann.    Mk 9,3 

Die drei Jünger durften in ihrer herrlichen Erfahrung den HERRN in einer Art sehen, die ihren Glauben enorm festigte. Allen anderen Menschen, sogar den anderen Jüngern!, blieb dies vorenthalten. Die drei Jünger sahen Ihn im Reich der Kraft in einer völlig übernatürlichen Weise. Kein Walker, also kein Weissmacher von Kleidern, gab es auf der Erde, mit dem man die Szene hätte nachstellen können. Und nicht nur die Kleider wurden aussergewöhnlich glänzend weiss, sondern auch der HERR wurde umgestaltet, wie wir es im vorausgehenden Vers lesen.

Die Jünger erfuhren nun das, was der HERR angekündigt hatte: Es gab unter ihnen Menschen, die vor ihrem Tod das Reich Gottes in Kraft sehen würden. Eigentlich hatten schon alle Jünger etwas vom Reich gesehen; dazu mussten sie lediglich Jesus anschauen. Und doch hatten es nicht alle in dieser aussergewöhnlichen Kraft gesehen.

Vers 4

Und es erschien ihnen Elia mit Mose, und sie unterredeten sich mit Jesus.  Mk 9,4  

Die Offenbarung der aussergewöhnlichen Kraft lag auch darin, dass der längst verstorbene und begrabene Mose zusammen mit dem entrückten Elia anwesend waren. Dies zeigt uns den Sieg Gottes über alle Pläne der Finsternis, des Todes und des Teufels, die Gott in seiner eigenen Gerechtigkeit fangen wollten. Der Plan des Teufels schien perfekt zu sein; er wusste, dass er im direkten Kampf gegen Gott keine Chance hätte, daher musste eine andere Strategie her. Mit dem Einzug der Sünde in den Menschen konnte er einen Bruch zwischen Gott und seiner Schöpfung herbeiführen. Dabei verhalf der Satan auch dem Tod zur Herrschaft über alles Fleisch. Gottes Gerechtigkeit verlangt schliesslich eine Trennung zwischen heilig und unheilig und zwischen rein und unrein. Der Widersacher Gottes dachte, auf diese Weise am Ende über Gott zu triumphieren.

Dass Mose, ein Verstorbener, und Elia, ein Mensch mit gleichen Gemütsbewegungen, wie wir sie haben (Jak 5,17), im ewigen und absolut reinen Reich Gottes mit einem verherrlichten HERRN sprechen durften, bedeutet die Lösung des Sündenproblems, das der Teufel anzettelte. Gott muss dem Reich also eine solche Kraft verleihen, dass dessen Gesetze den Sieg über den Tod und den Teufel ermöglichen und zudem die Gerechtigkeit Gottes nicht einschränken, was absolut unmöglich erschien, bis Christus offenbar wurde, der mit seiner Tat diesen Widerspruch auflöste und alle Widersacher beschämte.

Vers 5

Und Petrus begann und sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind; und wir wollen drei Hütten machen, dir eine und Mose eine und Elia eine.   Mk 9,5

Mose und Elia sind grosse Männer und von Gott als solche bestätigt. Durch Mose kam Gottes Wort zum Volk; er war ein grosser Prophet. Auch Elia war mächtig in Wort und Tat. Durch sein Gebet regnete es für Jahre nicht mehr auf die Erde. Er rief Feuer vom Himmel und wurde am Ende von Gott direkt in die Himmel entrückt. Dies veranlasste Petrus, die beiden auf die gleiche Stufe zu stellen, wie Christus. Sein Vorschlag mit den drei Hütten – obschon die Rede unbedacht war – lässt den unangepassten Gedanken dahinter vermuten, Petrus sähe alle drei hierarchisch auf derselben Stufe, also Mose und Elia in der Rangfolge auf demselben Platz wie Christus. Selbst wenn er beide erschienenen Männer nur nahezu auf derselben Stufe stehen sah, war das noch nicht die richtige Wahrnehmung der Dinge. Christus ist in der Eigenschaft als Gott seit jeher, also unerschaffen. Durch Ihn wurde alles, wie wir es im Kolosserbrief vorgestellt bekommen:

16 Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;  
17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn.  Kol 1,17.16  

Obschon ich dies schon mehrfach in meinen Schriften erwähnt habe, erwähne ich es immer wieder gerne. Noch immer sehen viele Menschen in Christus lediglich ein Prophet, also als auf der Stufe des Moses und des Elias stehend. Christus thront als Gott weit über ihnen, nämlich als Schöpfer und als derjenige der Allem Bestand gibt: „Alles besteht durch ihn“, steht geschrieben. Das ist sehr wichtig zu sehen, liebe Leserin und lieber Leser, es gibt genug Kirchen, die Christus weit unter seiner Würde erklären. Wenn Christus im gleichen Zug genannt wird, wie die sogenannte „Mutter Gottes“, Maria, ist das ein grober Darstellungsfehler. Maria ist nicht die Mutter Gottes, denn Gott ist Marias Erschaffer. Maria ist die Mutter Jesu, und das gilt lediglich in Bezug auf seine Eigenschaft als Mensch. Amen.

Vers 6

Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte, denn sie waren voller Furcht.   Mk 9,6

Petrus sprach unbedacht. Bei unbedachten Reden kommt oft das heraus, was man bei klarem Verstand – wegen Abwägen von Worten aus politischen, religiösen, ethischen oder sonstigen eigennützigen Gründen – nicht sagen würde, selbst wenn es wahr wäre. In einer Rede zur Lage der Nation vor einem bösen Herrscher wird man sich hüten, Kritik an dessen Regierungswegen anzubringen, selbst wenn damit alles gut erklärt wäre.

Bei Menschen, die in Situationen reden, wo durch Überwältigung Zeit und Kraft fehlen, die Rede zu filtern, kommt eher heraus, was die Person in Wahrheit beschäftigt. Bei Petrus kann daher, wie erwähnt, stark angenommen werden, dass er auf dem Berg der Verklärung den grossen Unterschied zwischen Jesus und den Propheten noch nicht in der ganzen Klarheit erkannt hatte.

Vers 7

Und es kam eine Wolke, die sie überschattete; und eine Stimme kam aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört!   Mk 9,7

Gott stellte darauffolgend klar, wer in der Führung war und auf wen fortan zu hören sei. Selbst wenn Mose dastand, auf den Israel jahrhundertelang hörte – durch ihn kam das Gesetz zu ihnen -, stand nun Christus hier, der höher ist als Mose und jeder andere Prophet.

3 Denn er ist grösserer Herrlichkeit gewürdigt worden als Mose, insofern grössere Ehre als das Haus der hat, der es erbaut hat.  
4 Denn jedes Haus wird von jemand erbaut; der aber alles erbaut hat, ist Gott.  
5 Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu – zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte –,
6 Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.   Hebr 3,3 - 6

Auf wen zu hören ist, ist ein wichtiger Punkt. Es gibt immer noch Christen und sogar ganze Versammlungen, die aus der Verkündigung Moses und jener Christi einen Mix machen. Solches zu tun ist nicht erlaubt. Christus brachte etwas völlig Neues (Heb 8,6.7), die gute Botschaft der Erlösung durch Ihn selbst. Mose brachte das Gesetz, dessen unter anderem hauptsächliche Punkte waren, die Sünde (Rö 7,13) und die Unfähigkeit des Menschen (Rö 7,18 ff.), sündlos zu leben, zu entlarven.

Wenn Gott heute durch seinen Sohn spricht, ist unbedingt darauf zu hören. Bereits die Worte des Moses zu verwerfen, bedeutete den Tod, wieviel schlimmer wird es für die enden, welche die Worte Christi verwerfen!

1 Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten,  
2 hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat;   
 Hebr 1,1.2

Die Aussage auf dem Berg der Verklärung ist ernst zu nehmen. Sie gilt uns heute genauso, wie den drei Jüngern damals. Amen.

Vers 8

Und plötzlich, als sie sich umblickten, sahen sie niemand mehr bei sich ausser Jesus allein.  Mk 9,8 

Die Offenbarung des Reiches in seiner Kraft endete damit, dass sich die Jünger wieder allein mit Jesus fanden. Zuvor erschallte aber noch die Stimme des Vaters, sie sollen auf Ihn, Christus, hören. Das Gesetz und die Propheten reichen bekanntlich bis zu Johannes dem Täufer (Lk 16,16). Danach kommt Christus und die Botschaft des Reiches. Dies wurde den Jüngern sehr schön dargestellt.

Im Vers waren sie wieder allein mit der von nun an relevanten Person, Jesus Christus, und hatten das, was Mose und Elia verkörpern, nicht mehr nötig. Auch wussten sie durch die Stimme, wie erwähnt, auf wen fortan zu hören sei (Heb 1,1).

Diese Tatsachen sind für die neutestamentliche Lehre richtungsweisend; Neuer Wein gehört nicht in alte Schläuche und ein neuer Flicken nicht auf ein altes Kleid. Wir müssen das beherzigen und Altes nicht mit Neuem vermischen. Unser Leben soll nach der Lehre des Neuen Testaments ausgerichtet sein. Das Alte Testament weist schattenhaft auf diese Gebote hin. Viele Schlüsse können daraus gezogen werden, weil sie nun mit dem Neuen Testament abgleichbar sind. Wir feiern nicht mehr Passa, sondern feiern Abendmahl; das Passa weist schattenhaft auf eine Befreiung hin, weil das Volk nach dem Passa nicht unter das Gericht des Todesengels kam und erst noch die ägyptische Herrschaft abschütteln durfte. Wir haben das Abendmahl als Symbol für die echte und ewige Befreiung vor dem Weltgericht und durften durch die Tat Christi auf ewig von der Knechtschaft des Fleisches und der Welt Abschied nehmen. Was im Alten Testament zeitlich und begrenzt war, ist im Neuen Testament ewig und uneingeschränkt. Es ist daher ein Trauerspiel, wenn Menschen behaupten, das Schwache sollte mit dem Starken vermischt werden oder das Schattenhafte sei mit dem Vollkommenen gleichzusetzen.

Hören wir auf, alttestamentliche Gesetze zu beachten und halten zu wollen! Was aus dem Alten Testament nach wie vor gilt, ist die Moral Gottes; bei Gott gibt es keine Veränderung des Charakters. Ehebruch bleibt auch im Neuen Testament Ehebruch und Lüge bleibt Unwahrheit. Beides ist vor Gott in beiden Testamenten und Zeitperioden verwerflich. Und wer Vater und Mutter nicht ehrt, ist schlimmer als ein Heide. Vater und Mutter zu ehren war ein alttestamentliches Gebot, das nach wie vor Gültigkeit hat (1. Tim 5,8). Es kann also nicht das Alte Testament per se ignoriert werden, auf gar keinen Fall! Amen.

Vers 9

Und als sie von dem Berg herabstiegen, gebot er ihnen, dass sie niemand erzählen sollten, was sie gesehen hatten, ehe nicht der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei.   Mk 9,9  

Für dieses Gebot an die drei Jünger gibt es eine plausible Erklärung. Der HERR sprach vor der Verklärung von der Offenbarung des Reiches „in Kraft“ (Mk 9,1). Irdisch gesinnte Menschen denken irdisch. So gesehen bedeutet eine Offenbarung eines anderen Reiches in Kraft das Kommen eines anderen Reiches mit vielen eisernen Wagen. Es kommt in Kraft, sodass niemand standhalten kann. Ist dabei Gott involviert, will man auch Feuer vom Himmel fallen sehen, wie bei Elia auf dem Berg Karmel.

Den drei Jüngern wurde das Reich aber in geistlicher Weise offenbart. Die Szene auf dem Berg hätten irdisch eingestellte Menschen nicht so verstanden, wie es hätte verstanden werden sollen und hätten es somit auch nicht würdigen können. Sie hätten all die eisernen Wagen und feurigen Pferde vermisst, welche die Gegner überrollen sollten.

Die Szene auf dem Berg zeigte aber viel mehr als eine unbesiegbare Heeresmacht hätte allein aufzeigen können. Ein geistlicher Mensch kann das sehen. Die Szene mit Mose und Elia schliesst den totalen Sieg über die Widersacher ein, wie es die normalste Sache der Welt wäre, ohne dabei mit Säbeln zu rasseln. Ein auferstandener Mose zeigt mehr als eine besiegte irdische Macht; er weist auf den Sieg über die viel stärkeren Engel als Menschen der Gegenpartei des Guten. Mose zeigt auf, dass der Teufel und der Tod, beide zusammen, besiegt sind. Elia zeigt auf, dass das scheinbar Unmögliche eingetreten ist, nämlich, dass eine unverletzte Gerechtigkeit Gottes, zusammen mit der Gnade, einhergehen können: Elia, der für das Gesetz steht, spricht mit Jesus, der für die Gnade steht. Die Szene auf dem Berg war wahrlich „in Kraft“. Der Mensch, der geistlich noch nicht soweit ist, kann das hingegen nicht fassen. Es sagt ihm schlicht nichts aus. Er will – wie erwähnt – Panzer, Flugzeugträger, modernste Kampfjets und Soldaten ohne Zahl sehen, wenn es um die Offenbarung eines Reiches in Kraft geht. Dass all dieses Kriegsgerät gegen den Tod und den Teufel nichts ausrichten kann und es noch viel mehr Kraft dazu braucht, die Widersacher völlig auszuschalten, hat ein irdisch eingestellter Mensch nicht verstanden. Dazu braucht es einen unbesiegbaren Held, einen mächtigen Kämpfer, der noch viel mehr ist, als der Held Joscheb-Baschebet, der allein achthundert Gegner auf einmal! erschlagen hat (2. Sam 23,8). Dieser Held ist Christus. Ihn allein konnte der Tod nicht zurückhalten, Er allein hat den Teufel und den Tod überwunden! Er sei gepriesen! Amen.

Die drei Jünger, denen der HERR bereits mehr anvertrauen konnte, sollten mit der Erzählung von den Begebenheiten auf dem Berg zuwarten, bis sie auch von den anderen verstanden werden konnten.

Vers 10

Und sie hielten das Wort fest und besprachen sich untereinander: Was ist das: aus den Toten auferstehen?   Mk 9,10

Die Jünger hatten uns in den Anfängen nichts voraus. Sie waren Menschen wie wir, wie es auch von Elia geschrieben steht (Jak 5,17). Die Frage der Jünger offenbarte ihre Unkenntnis in den Anfängen mit Jesus. Wer sich fragt, was aus den Toten auferstehen sei, obschon der Satz selbst schon viel aussagt. hört das womöglich wirklich zum ersten Mal.

Was die drei trotz ihrem Unwissen gut machten war: Sie hielten das Wort fest. Wer Christi Wort festhält, macht das Richtige. Es spielt keine Rolle, wieviel man über das Reich weiss, man sollte einfach jedes Wort von Christus in einer Art aufnehmen, die es dem Teufel nicht möglich macht, es wieder wegzunehmen. Er will das gesäte Wort wegnehmen, das ist altbekannt (Mk 4,15). Dies kann der Teufel leicht bei denen tun, die Menschen des Augenblicks sind. Die Verse 16 und 17 beschreiben die Menschen des Augenblicks. Sie sind genauso wie diejenigen, bei denen an den Weg gesät ist. Diese sind Feuer und Flamme für etwas, das sie morgen wieder vergessen haben. – Bewahren wir das gehörte oder gelesene Wort Christi auf! Geben wir es nicht durch weltliche Ablenkung der Vergessenheit preis! Das wäre fatal! Denn alles wird eintreffen, was Er gesagt hat. Es wäre sehr nachlässig, durch das Vergessen seiner Gebote unvorbereitet das Ende des Zeitalters und dessen Ereignisse erleben zu müssen! Amen.

Vers 11

Und sie fragten ihn und sprachen: Warum sagen die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse?   Mk 9,11

Aufgrund dieser Offenbarung des Reiches und der Hinweise von Christus auf die Auferstehung aus den Toten erinnerten sich die Jünger an die Aussage der Schriftgelehrten in Bezug auf die Endzeit. Diese sagten, dass, gemäss der Heiligen Schrift, vor dem Ende zuerst Elia kommen müsse, wie geschrieben steht:

23 Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der grosse und furchtbare.  
24 Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.   Mal 3,23-24 

Wenn der HERR die Frage, wann das sein wird, nicht selber beantwortet hätte, könnte man über den Zeitpunkt des Kommens Elias munkeln. Elia könnte schliesslich einer der zwei Zeugen sein, die in der Endzeit kommen werden (Offb. 11). Christus offenbarte aber, dass mit dem Propheten Elia, der kommen sollte, von welchem im Buch Maleachi die Rede ist, Johannes der Täufer gemeint war:

10 Und die Jünger fragten ihn und sprachen: Was sagen denn die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse?  
11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elia kommt zwar und wird alle Dinge wiederherstellen.  
12 Ich sage euch aber, dass Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden.  
13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen sprach.   Mt 17,10-13

Im Buch Maleachi steht, dass dieser Elia vor dem grossen und furchtbaren Tag des HERRN kommen wird. Er kommt, die Herzen der Zuhörer umzuwenden, damit Gott das Land nicht mit dem Bann schlagen muss. – Spötter können jetzt einwenden, dass Elia vor zweitausend Jahren in der Person von Johannes gekommen ist und seither der Tag des HERRN nicht gekommen ist. Somit sei die biblische Aussage nicht ernst zu nehmen. Diesen Menschen sei gesagt, dass ein menschliches Leben um die siebzig Jahre lang dauert. In dieser kurzen Zeit tut der Mensch gut, Gott von ganzem Herzen zu suchen, als ob der Tag des HERRN unmittelbar bevorstünde. Dann reicht die Zeit aus, um ein einsichtiger Jünger Christi zu werden. Deshalb ist es die Gnade des HERRN, die auf diese eindringliche Weise warnt. Selbst wenn es noch zehntausend Jahre bis zum furchtbaren Tag des HERRN gehen sollte; die Anzahl unserer Lebenstage verändert sich nicht und sie muss ausreichen, um aus uns willige und gute Diener zu machen. Für uns steht der Tag des HERRN daher unmittelbar bevor, denn nach unserem Tod ist die nächste Station die Beurteilung unseres Lebens durch Gott, selbst wenn wir heute erst zwanzig Jahre alt sind und glauben, es ginge noch Ewigkeiten, bis wir uns vor dem HERRN werden verantworten müssen.

Vers 12

Er aber sprach zu ihnen: Elia kommt zwar zuerst und stellt alle Dinge wieder her. Und wie steht über den Sohn des Menschen geschrieben? Dass er vieles leiden und verachtet werden soll.   Mk 9,12

Johannes der Täufer kam und stellte die Lehre Gottes wieder vollständig her, die ständig durch Besserwisserei vergewaltigt wurde. Selbst der gute Gideon, ein von Gott ernannter und aufgebotener Richter Israels (Ri 6,11 ff.), gab dem Volk einen Anlass zu huren (Ri 8,27). Von Johannes hören wir nichts Derartiges. Vielmehr wird ihm ein makelloses Zeugnis ausgestellt; es sei kein grösserer von Frauen Geborener vor ihm aufgestanden (Mt 11,11). Das bedeutet, dass es kein grösserer natürlicher Mensch vor ihm lebte, er war grösser als Mose, Hiob, David und Elia. Mose stellte Gott nicht in jedem Punkt so dar, wie er es hätte tun sollen (5. Mo 32,50.51). Hiob rechtete in seiner Erniedrigung mit Gott und von David wissen wir um die Sache mit Batseba. Elia liess für eine kurze Zeit den Mut sinken (1. Kö 19,2 ff.) Obschon uns die Suche nach einem Makel bei den erwähnten und sehr grossen Männern vor dem HERRN nicht ansteht, ist hier eine kurze Erwähnung vonnöten, um einen Vergleich zu Johannes ziehen zu können. Die Heilige Schrift stellt ihm ein sehr gutes Zeugnis aus, selbst wenn auch er im Gefängnis für eine kurze Weile etwas zu zweifeln anfing (Lk 7,19), was nur bestätigt, dass kein einziger natürlicher Mensch gänzlich perfekt ist (Ps 53,4, u. a.). Und doch muss Johannes einen solchen Stellenwert vor Gott gehabt haben, dass man ihm quasi Perfektion attestieren konnte, soweit das für einen natürlichen Menschen überhaupt möglich ist. Denn selbst diese Perfektion ist nur eine annähernde, weil ein Nachkomme Adams eine vor Gott gefallene Natur hat und Gottes Ansprüche niemals erfüllen kann. Ein Gottloser ist aber gegenüber eines Gottesfürchtigen nachweislich leichter auf der Waage Gottes (Dan 5,27) und steht auf der Werteskala des Allerhöchsten tief unten (Spr 10,20). Nicht so Johannes der Täufer, der als Nachkomme Adams in der Rangfolge an erster Stelle stand und als würdig erfunden wurde, vor Gott (Christus) herzulaufen und den Weg des Retters zu ebnen. Deshalb spricht Christus, dass Johannes alle Dinge wiederhergestellt hat. Er führte den ganzen Willen Gottes aus, soweit es, wie erwähnt, überhaupt für einen natürlichen Menschen möglich war. Johannes lehrte die Gebote Gottes unverfälscht; in seinen Worten sahen die Menschen Gott am korrektesten dargestellt. Johannes stellte alles wieder richtig, was durch Lehrverzerrungen in Schieflage gekommen war. Hinweis: Christus ist in diesem Vergleich natürlich immer ausser Konkurrenz, an Christus kommt schlicht niemand heran, auch nicht Johannes, der das selber bezeugte (Mk 1,7; Lk 3,16; Joh 1,27).

Nach dieser Feststellung über Johannes kommt Christus auf sich selber zu sprechen. Er wies die Jünger darauf hin, dass sein Leben nicht ruhmreich verlaufen wird. Sie sollten das wissen, um nicht zu zweifeln. Denn was in der Welt ruhmlos ist, wird nicht als hoch angesehen. Wäre Christus ein weltlicher Gewaltiger gewesen, so hätte Er in Ruhm und Glanz die Welt erobert. Er wäre zugleich Heeresoberster einer gewaltigen Streitmacht gewesen. Niemand hätte dann an seiner Grösse gezweifelt. Zweifel haben aufkommen können, weil Ihn quasi die ganze Welt abgelehnt hat und Er, weltlich betrachtet, arm bzw. mittellos war. Um die Zweifel an seiner Grösse auszuräumen, eröffnete Christus seinen Jüngern die diesbezüglichen Schriftstellen und zeigte ihnen auf, dass dies sein gegebener Weg war und alles in der furchtbaren Realität der Welt und dessen Norm, aber im Willen des Vaters ablief.

Vers 13

Aber ich sage euch: Auch Elia ist gekommen, und sie haben ihm getan, was sie wollten, so wie über ihn geschrieben steht.   Mk 9,13

Elia der Tischbiter war ein gewaltiger Mann. Der HERR liess auf seine Reden hin Feuer vom Himmel fallen. Das Volk tat aber dennoch weiter, was böse war. Ahab, der König, bekehrte sich nicht zu Gott und Isebel, die Frau Ahabs, wollte Elia sogar töten lassen. – Sie haben ihm wirklich getan, was sie wollten, obschon er ein Prophet war, dessen Reden jeweils von Gott und für alle sichtbar bestätigt wurden.

Als Johannes kam, wiederholte sich die Geschichte. Die Elite des Volkes Gottes liess sich nicht einmal taufen und die weltlichen Leute, die das Sagen hatten, wie Herodes, machten auch mit Johannes, was sie wollten. Herodes warf ihn in den Kerker und Herodias veranlasste, dass er ermordet wurde. Interessant ist der Hinweis, dass Herodes genau wusste, dass Johannes ein heiliger und gerechter Mann war (Mk 6,20). Trotzdem liess er ihn in den Kerker sperren und anschliessend, um seines Ansehens willen und auf Geheiss der Herodias, umbringen. Johannes ging es so, wie es bereits über Elia stand. Alle wussten, dass es ein Mann Gottes war und trotzdem trachtete man ihnen nach dem Leben! – Soviel zum Respekt der Menschen gegenüber den Dienern Gottes, was im gleichen Zug ihren Respekt gegenüber Gott spiegelt.

Vers 14

Und als sie zu den <übrigen> Jüngern kamen, sahen sie eine grosse Volksmenge um sie her und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten.   Mk 9,14 

Hier stiessen Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes nach der Begebenheit auf dem Berg zu den übrigen neun Jüngern. Eine grosse Volksmenge hatte sich um die Jünger gebildet und Schriftgelehrte stritten mit ihnen.

Blicken wir kurz zurück: Christus kündigte an, einigen das Reich in Kraft kommend zu zeigen. Nicht allen Jüngern wurde zuteil, diese exklusive Anschauung zu erleben. Dies ist für uns bezeichnend und lehrreich. Das „Warum“ haben wir bei den die Verklärung betreffenden Stellen erörtert. – Drei Jünger waren also dabei, neun Jünger mussten unten am Berg auf die Rückkehr Jesu und der drei engsten Jünger warten. In der Zwischenzeit versammelte sich dort eine grosse Volksmenge und Schriftgelehrte verwickelten die neun auf Jesus wartenden Jünger in Streitgespräche.

Vers 15

Und sobald die ganze Volksmenge ihn sah, erstaunte sie sehr; und sie liefen herbei und begrüssten ihn.  Mk 9,15  

Als Jesus Christus dazu stiess, fokussierte sich die ganze Aufmerksamkeit der Volksmenge auf Ihn. Die Menschen erstaunten sich, liefen herbei und begrüssten Ihn.

In Christus sah man den Vater, dies sagte Er selbst von sich (Joh 14,8.9). Schon in Johannes dem Täufer sah man Gerechtigkeit und Heiligkeit, dies fiel sogar gottlosen Menschen auf (Mk 6,20). Wieviel mehr göttliches schien durch Christus, dem Sohne Gottes, auf die Menschen!

Obschon sie viel vom Ihm gehört hatten: Als Er kam, erstaunte sich die Volksmenge sehr. Sein Erscheinen musste mächtig Eindruck gemacht haben, sodass sie herbeiliefen und Ihn begrüssten.

Vers 16

Und er fragte sie: Worüber streitet ihr mit ihnen?  Mk 9,16 

Unser Leiter, Jesus Christus, unterscheidet sich in herrlicher Art und Weise von den weltlichen Führern. Sehr viele weltliche Führer kümmern sich in völlig unzureichender Weise um die ihnen untergebenen Personen. Wir kennen das alle. Sei es der Teamleiter im Geschäft oder der Vorsteher einer Behörde; viele von diesen Führern glauben, sie seien zu diesem Posten gekommen, weil sie doch mindestens dazu würdig seien. Oft beweisen sie mit einem schlechten Leistungsausweis aber genau das Gegenteil. Gallio ist ein Paradebeispiel von einem schlechten Führer, einer Persönlichkeit, die ihre Verantwortung nicht wahr nahm und nur die Annehmlichkeiten eines Oberen genoss. Zudem sprach er in völlig überheblicher Weise:

12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaja war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf und führten ihn vor den Richterstuhl  
13 und sagten: Dieser überredet die Menschen, Gott entgegen dem Gesetz zu verehren.  
14 Als aber Paulus den Mund öffnen wollte, sagte Gallio zu den Juden: Wenn es ein Unrecht oder eine böse Handlung wäre, o Juden, so hätte ich euch vernünftigerweise ertragen;
15 wenn es aber Streitfragen sind über Worte und Namen und das Gesetz, das ihr habt, so seht ihr selbst zu, über diese Dinge will ich nicht Richter sein.  
16 Und er trieb sie von dem Richterstuhl weg.
17 Alle aber ergriffen Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl; und Gallio bekümmerte sich nicht um dies alles.   Apg 18,12-17

Wie erwähnt, handelte Christus völlig anders und souverän. Die Schriftgelehrten waren bei seiner Ankunft am Streiten mit den übrigen neun Apostel. Das war Christus überhaupt nicht egal; er schaltete sich diesbezüglich sofort ein und ging der Ursache auf den Grund. Er fragte unmittelbar nach seiner Ankunft persönlich nach der Ursache der Streitigkeiten.

Gott interessiert sich für sein Volk, selbst dann, wenn sich das Volk nicht um Ihn kümmert. Dies beweist Er immer wieder. Zum Beispiel, als Bileam das Volk hätte verfluchen sollen, wendete Gott das Vorhaben von Flüchen weg in Segenssprüche. Daran sollen wir denken (Mi 6,5). Auch im Buch Ester, wo das Volk in der Wegführung hat ermordet werden sollen, wendete Gott das Blatt zugunsten des Volkes, obschon dies nicht durch Gehorsam glänzte. Wäre der Gehorsam einwandfrei gewesen, wäre es gar nicht verschleppt worden.

Trotz der Mangelhaftigkeit seines Volkes gab der HERR immer wieder offene Türen und Auswege.

Vers 17

Und einer aus der Volksmenge antwortete ihm: Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der einen stummen Geist hat;   Mk 9,17

Ein Mensch wollte seinen Sohn in der Hoffnung auf Heilung zu Christus bringen. Da Christus mit den Jüngern auf dem Berg war, stiess dieser Mann unten zuerst auf die neun Apostel, die von Christus noch nicht als würdig eingestuft waren, das Reich in Kraft kommend zu sehen. Sie waren schlicht noch nicht so weit.

Erwartungsgemäss wirkten sie auch noch nicht auf Christi Niveau, sie waren noch weit von dem entfernt, was ihr Meister konnte. Es musste daher so kommen, wie wir es im nächsten Vers sehen werden.

Vers 18

und wo er ihn auch ergreift, zerrt er ihn zu Boden, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich sagte deinen Jüngern, dass sie ihn austreiben möchten, und sie konnten es nicht.   Mk 9,18  

Die neun Jünger am Fusse des Berges konnten den Geist nicht austreiben. – Hätten sie es denn können müssen? – Ja, sie hätten. Denn im folgenden Vers lesen wir von der öffentlichen Schelte Christi an die Adresse der neun Jünger. Christus schalt nicht in erster Linie das Volk, das herbeigekommen war, um Gott zu suchen. Er schalt seine Jünger, mit denen Er schon viel Zeit verbracht hatte. Daher stellte Er die rhetorische Frage, wie lange Er denn noch bei ihnen sein müsse (bis sie endlich das erforderliche Niveau erreichen würden). Das Volk, das durch Johannes, der am Jordan getauft und auf Christus hingewiesen hatte, glänzte zwar auch sehr durch Unglauben. Denken wir nur an all die Städte, über die Wehrufe Christi ausgestossen wurden (Mt 11,20 ff.). Es schadete somit keinem aus dem Volk, wenn er die rhetorische Frage Christi auch als an sich gerichtet betrachtete.

Wie lange ist es her, seit Christus Ihnen begegnet ist, liebe Leserin und lieber Leser? Wachsen Sie seitdem stets in der natürlichen Art, wie Menschen gewöhnlich heranwachsen, oder stagniert Ihr Wachstum? Ein stagnierendes Wachstum ist unnatürlich, denn das Wachstum in Christus wird in der Bibel mit dem Wachstumsprozess bei natürlichen Menschen verglichen. Ohne äusserliches Dazutun der Eltern wachsen die Kinder heran. Das ist der natürliche Wachstumsprozess. Wenn jemand im Stand eines Fünfjährigen stehen bleibt, gilt das als unnatürlich, es entspricht nicht dem normalen Wachstumsprozess bei Menschen.

Die Zeit, in der Gott in Jesus Christus mit den Jüngern zusammen war, hätte klar ausreichen sollen, damit diese dem Mangel der Menschen hätten begegnen können. Zumindest die neun an dieser Stelle erwähnten Apostel konnten dem Mangel nicht entsprechend begegnen. Anstatt über diesem Mangel zu stehen, wurden sie dadurch beschämt. Dies veranlasste Christus, sie zu schelten, denn sie liessen offensichtlich Dinge zu, die ihr normales Wachstum behinderten.

Vers 19

Er aber antwortete ihnen und spricht: O ungläubiges Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir!    Mk 9,19  

Christen, die sich nicht normal entwickeln, sind am Ende in der gleichen Weise behindert, wie es Menschen mit einem gestörten Wachstum sind. Letztere können gar nichts dafür und ich benutze sie nicht, sie zu verunglimpfen. Ein im Wachstum oder im Geist behinderter Mensch kann wirklich nichts für seinen Zustand, wie erwähnt. Sein Zustand lässt ihn viele Dinge nicht tun, welche ein Mensch mit gesundem Wachstum tun kann. Nicht selten können Menschen mit einer Behinderung das Leben alleine nicht bewältigen; sie sind auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen.

Anders verhält es sich bei Menschen aus dem Volke Gottes im geistlichen Wachstum. Wer geistlich nicht gesund wächst, ist in jedem Fall selber schuld. Christus lässt im Matthäus 25 und im Lukas 19, wo es um die anvertrauten Talente und Pfunde geht, nicht eine vierte Personengruppe zu, die durch eine Behinderung, wofür sie nichts kann, nicht zum Ziel kommt. Wer also geistlich eingeschränkt bleibt, ist dafür voll verantwortlich. Es wird vor dem Richterstuhl Christi bei solchen kein Pardon geben, also keine Entschuldigung gelten.

Unnatürlich zurückgebliebene Menschen aus dem Reich Gottes behindern nicht nur sich selber, sie sind auch für andere ein Fallstrick. Hoffnungsvoll zu Gottes Stätte geströmtes Volk können sie nicht in den Anliegen bedienen und vermitteln ein kraftloses Reich, das nicht einmal den Mächten der Welt gewachsen ist, denn die Mächte der Welt bringen mit Magie und Wahrsagerei immerhin kleine Wunder zustande (2. Mo 7,22).

Für die Sache Christi sind solche Menschen ein echtes Ärgernis. Christus kann sie nicht ins Feld schicken, damit die wenigen, die darin arbeiten, Entlastung finden. Auch kann Er sie nicht weiter in der Erkenntnis ausbilden, sie würden es nicht verstehen und gar falsch deuten oder die Perlen Gottes vor die Hunde und Schweine werfen. In der Gemeinde behindern diese treu arbeitende Christen mit unangebrachten Bemerkungen und mit Einmischung in Dinge, die ihnen zu wunderbar sind. Manchmal muss Christus so weit gehen, dass ein treuer Diener aus dem Reich Gottes zu Weltmenschen gesandt wird, um Hilfe zu erfahren, und nicht zum eigenen Volk. Das ist als eine sehr, sehr grosse Beschämung des Volkes Gottes zu betrachten. In den Gemeinden gibt es aber immer wieder Situationen, wo Christus treue Diener nicht durch die eigenen Geschwister stärken kann, denn diese würden selbst Hilfe brauchen. So muss Gott seine Treuen in auswärtige „Herbergen“ schicken, wofür Gott noch Kosten übernehmen muss, wie es bei Elia der Fall war (1. Kö 17,10 ff.), der Speise für das Haus versprach und am Ende auch noch den Sohn seiner Gastgeberin von den Toten aufwecken musste. Tadelnd muss Christus seinem Volk diese Begebenheit vorwerfen und macht damit deutlich, dass damals niemand aus dem Volk Gottes als würdig erfunden wurde, den Diener Elia aufzunehmen:

25 In Wahrheit aber sage ich euch: Viele Witwen waren in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen war, so dass eine grosse Hungersnot über das ganze Land kam;  
26 und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt als nur nach Sarepta in Sidon zu einer Frau, einer Witwe.  
27 Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel, und keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naaman, der Syrer.  Lk 4,25-27  

Christus sagte damit, dass zur Zeit Elias und Elisas Ausländer würdiger waren, einen Mann Gottes zu beherbergen oder Heilung zu erfahren als Menschen aus dem auserwählten Volk Gottes!

Das sind sehr ernste Worte, liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie uns so vorangehen, dass wir geistlich natürlich wachsen und anderen zum Segen und nicht zum Sturz gesetzt werden können. Amen!

Vers 21

Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, dass ihm dies geschehen ist? Er aber sagte: Von Kindheit an;  Mk 9,21

Wir wissen, dass Sünde Krankheit und Flüche nach sich ziehen kann (3. Mo 26,14 ff., wie auch Stellen im NT). Dieser Junge wurde aber nicht wegen allfälliger Sünden von diesem Geist beherrscht; ein Kind ist noch nicht verantwortlich vor Gott, zumindest nicht im ganzen Umfang. Die volle Verantwortung hatten die Israeliten erst ab 20 Jahren zu tragen. Wer zwanzig Jahre und darüber war, musste wegen des Unglaubens in der Wüste sterben (4, Mo 24,19); von zwanzig Jahren an beginnt demnach die biblische Verantwortlichkeit, das Erwachsenenalter in den Augen Gottes. – Nun gibt es, wie erwähnt, Krankheiten wegen vorhandener Sünden, es gibt aber auch unangenehme Dinge bei Menschen, damit durch dessen Heilung Gott verherrlicht wird, wie geschrieben steht:

Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden.   Joh 9,3

Auch an diesem Kind konnten die Werke Gottes offenbar werden. Es ist nur wichtig, dass bei solchen Menschen ein Mann Gottes vorübergeht, der die Leiden heilen kann. Paulus konnte heilen, sowie Petrus. Christus als Gottes Sohn und Lehrer aller konnte es gar aus eigener Kraft. Die neun zurückgebliebenen Jünger hätten heilen können sollen, konnten es aber offensichtlich nicht. An diesem Beispiel sehen wir, dass am falschen Platz stehende oder sonst kleingläubige Christen anderen weniger oder sogar überhaupt keinen Segen Gottes weitergeben können. – Wo stehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Wie steht es bei Ihnen in der Weitergabe von Segen? – Sagen Sie nicht: Ich bin nicht oder noch nicht zum Segen gesetzt, denn die Schrift sagt:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen.  Joh 7,38

Wer glaubt, wie er glauben sollte, tränkt andere mit lebendigem Wasser. Dies tut er nicht mit einem Rinnsal von trübem Wasser, sondern mit Strömen lebendigen Wassers!

Der Vers ist ein guter Gradmesser unseres Standes. Wenn von uns aus kein Wasser oder nur ein Rinnsal fliesst, glauben wir nicht oder nur sehr eingeschränkt. Der HERR muss dann leider dasselbe zu uns sagen, wie Er es den neun Jüngern damals vorwerfen musste. Fliessen aber andererseits Ströme lebendigen Wassers aus Ihrem Leib, liebe Leserin und lieber Leser, glückselig sind Sie dann!

Vers 20

Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, zerrte er ihn sogleich; und er fiel zur Erde, wälzte sich und schäumte.  Mk 9,20  

Die Helfer des Feindes räumen das Feld nicht kampflos, sogar dann, wenn es völlig sinnlos ist, Widerstand zu leisten. Dies zeigt uns, wie der Feind seine Armeen instruiert hat: Kämpfen bis es nicht mehr geht, auch dann, wenn es der sichere Untergang bevorsteht. Mit dieser Strategie fuhr der Feind nicht immer schlecht. Oft konnte er damit das Volk Gottes zurückdrängen und ins Unglück bringen. Ich denke da zum Beispiel an die Nationen im Land Kanaan, die sich partout nicht vertreiben lassen wollten. Obschon keine Stadt dem Volk Israel standhalten konnte, wenn es geschlossen und entschlossen angriff. Wenn das Volk Israel aber zurückwich oder sich einschüchtern liess, behielten die Feinde frech ihr Territorium, obschon das Land Israel von Gott zugesprochen war.

So verhält es sich auch in der geistlichen Welt. Wir müssen entschieden handeln, wenn uns Gott Bereiche verspricht, selbst wenn sie schon besetzt sind. Der Feind wird sie nicht kampflos überlassen. Dies tat er nicht einmal bei Christus persönlich.

Vers 22

und oft hat er ihn bald ins Feuer, bald ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Aber wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!  Mk 9,22 

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass der böse Geist den Jungen umbringen wollte. Wir wissen von den zwei Lagern in der geistlichen Welt. Das gute Lager Gottes und das den Menschen feindliche des Teufels. Der Teufel ist ein Menschenmörder (Joh 8,44). Sein Gefolge ist so mörderisch, wie er ist. Deshalb verwundert es keinesfalls, dass der Geist, der sich ohne zu fragen des Kindes bemächtigt hat, den Jungen umbringen wollte.

Die nächste Aussage des Vaters dieses Jungen zeigt seinen Glaubensstand. Irgendetwas zog ihn zu Christus, sonst wäre er nicht hierhergekommen, doch er kannte Christus nicht so, wie Er tatsächlich war. Er wusste nicht wirklich, wer Er war und dass Ihm alle Macht gegeben war.

Wir kennen Christus am Anfang unserer Laufbahn auch nicht wirklich. Zuerst müssen wir die Charakterzüge Gottes in der Bibel erforschen, um zu erkennen, ob Gott beispielsweise vorbehaltlos vergibt oder nicht. Wir wissen in den Anfängen gar nichts von Ihm, sollten Ihn aber unbedingt kennen lernen wollen und unser Möglichstes dazu beitragen.

Vers 23

Jesus aber sprach zu ihm: Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich.   Mk 9,23 

Das ist eine weiterführende Information des HERRN. Wie erwähnt, kennt niemand den HERRN am Anfang der Laufbahn mit Gott wirklich. Oft glaubt der Mensch auch nicht an die allumfassende Souveränität Gottes. Selbst grosse Männer, wie Abraham beispielsweise in der Sache mit Hagar, dachten dem HERRN in besonderen Situationen helfen zu müssen. Abraham glaubte nicht mehr, dass seine betagte Sara einen Nachkommen hervorbringen wird, so „half“ er in jener Zeit Gott, indem er einen Nachkommen mit Hagar zeugte. Mit zunehmender Erfahrung weichen bei Gottes Nachfolgern die Zweifel aber immer mehr: Als Sara doch schwanger wurde, erkannte Abraham, dass Gott selbst in Stein gemeisselte Naturgesetze einfach übersteuern kann, wie es Ihn gerade beliebt.

Christus möchte, dass wir in angemessener Weise glauben. Es ist kein angemessener Glaube, wenn wir nur auf Gott vertrauen, solange die Situation auch für Menschen noch lösbar ist, wenn Gott in unseren Augen für uns nur unterstützend wirken und lediglich das Zünglein an der Waage ein wenig in die gewünschte Richtung bewegen kann. Angemessener Glaube weiss, dass Gott alles, wirklich alles vermag. Angemessener Glaube weiss, dass Gott genau dann „aufdrehen“ kann, wenn jegliche Hoffnung bei Menschen gewichen ist, wie beispielsweise beim eingetretenen Tod von Menschen. Kein Mensch kann einen Toten aufwecken, was für Gott hingegen eine leichte „Übung“ ist.

In unlösbaren Situationen geht es bei uns nicht immer gerade um tote Menschen. Oft sind Situationen im Geschäft, in der Familie oder der Gemeinde unlösbar für uns oder allgemein für die Menschen. Da soll unser Glaube nicht aufhören, denn Gott kann wirklich alles. Deshalb konnte Christus dem Glaubenden alle Möglichkeiten in Aussicht stellen. Wenn es nicht so wäre, hätte Er das nicht gesagt. Für den Glaubenden ist deshalb wirklich alles möglich, auch dass ein Tag wortwörtlich mehr als 24 Stunden hat, wie Gott einmal auf das Gebet Josuas hin einen Tag um viele Stunden verlängerte (Jos 10,13). Ein solches Wunder ist theoretisch gar nicht möglich: Die Erddrehung, wie sollte sie einfach so gestoppt und nach wenigen Stunden wieder angestossen werden? Und doch geschah es. – Glauben wir das? Wenn Gott solches tun kann, sind meine und Ihre Anliegen doch reiner Kinderkram im Blick auf das, was Gott wirklich vermag?

Vers 24

Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!   Mk 9,24  

Mit der Frage Jesu an die Adresse des Vaters dieses Jungens verflog auch der letzte falsche Stolz dieses Mannes, der ihn hinderte, das volle Machtgefälle Mensch – Gott zu sehen bzw. anzuerkennen. „Wenn du etwas kannst“, bei Gott vorzubringen ist völlig unangebracht. Der Mensch stellt sich damit auf eine zu hohe Stufe vor Gott und spricht Ihn auf eine völlig unpassende Art an.

Die Sonne ist beispielsweise nicht greifbar für den Menschen, Gott hingegen hat sie geschaffen. Er hat die Macht, sie zu betreiben oder auszulöschen, wogegen der Mensch über die extreme Energie nur aus der weiten Ferne staunen kann. Im Disput mit Gott ist die Hand auf den Mund zu legen mehr angebracht als die Bemerkung, „Wenn du etwas kannst“. Die Bibel folgendermassen, damit der Mensch im Reden mit Gott nicht übermütig wird:

Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde; darum seien deine Worte wenige.   Pred 5,1

Lassen Sie uns im Wissen, dass Gott alles kann, vor Ihn treten und dabei darauf achten, was wir sagen. Wir sollen bitten, nicht herausfordern! Letzteres wäre nichts anderes als frech. Amen.

Vers 25

Als aber Jesus sah, dass eine Volksmenge zusammenläuft, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir: fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein!  Mk 9,25

Wir sehen, dass es Christus nicht darum ging, gefeiert zu werden, sondern um Ordnung und die Befreiung des Kindes, sonst hätte Er noch mit der Geisteraustreibung zuwarten können, bis der hinterste und letzte angereiste Mensch seine Machttat hätte aus nächster Nähe miterleben können. Jesus sah, dass das Volk zusammenlief und beeilte sich darum, das für den Frieden der Menschen fremde Element, den Geist aus dem bösen Lager des Feindes, auszutreiben.

Der HERR befreite diesen Jungen auf Dauer: Er gebot dem Geist zusätzlich, auch in Zukunft nicht mehr in ihn hineinzufahren. Der HERR sei gelobt!

Vers 26

Und er schrie und zerrte <ihn> heftig und fuhr aus; und er wurde wie tot, so dass die meisten sagten: Er ist gestorben.   Mk 9,26

Die Armee des Feindes geht bis zum Letzten, wie schon erwähnt. Viele Angehörige dieser Armee sind Engel, die an Kraft und Stärke weit über dem Menschen stehen. Wenn uns diese Armee entgegensteht, verhält es sich so, wie damals vor dem Zug ins Land Kanaan. Die Nationen im Land waren von Gott anerkannt stärker als Israel, das Volk Gottes:

dann wird der HERR alle diese Nationen vor euch vertreiben; und ihr werdet Nationen vertreiben, grösser und stärker als ihr.   5.Mose 11,23

Um einen stärkeren Feind zu überwinden, benötigt man die Hilfe von einer noch stärkeren Kraft. Diese stellt Gott seinem Volk gegen gottlose Mächte zur Verfügung, wenn es in seinem Willen bleibt und nicht selbst gottlos wird. Das ist der Grund, weshalb die Apostel später, als Menschen gegen viel stärkere Engel, haben überwinden können.

Nach einem Kräftemessen mit dem feindlichen Lager durften die von Christus Ausgesandten jubeln, wie wir nachfolgend lesen:

17 Die Siebzig aber kehrten mit Freuden zurück und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen.  
18 Er sprach aber zu ihnen: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.  
19 Siehe, ich habe euch die Macht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch schaden.   Lk 10,17-19

„Über die ganze Kraft des Feindes“ kann man in Christus stehen. Es war nicht so, dass der Feind beim Kräftemessen seine stärksten Waffen nicht einsetzen konnte, weil sie zum Zeitpunkt anderswo im Einsatz war. Wenn Gott mit Ihnen ist, wer kann gegen sie stehen, wie Kaleb und Josua es wussten:

Nur empört euch nicht gegen den HERRN! Und fürchtet doch nicht das Volk des Landes, denn unser Brot werden sie sein! Ihr Schutz ist von ihnen gewichen, und der HERR ist mit uns. Fürchtet sie nicht!   4.Mose 14,9

Der stärkere Feind wird wie unser tägliches Brot, das wir schon zum Frühstück verzehren, wenn unser Gott mit uns ist. So sprachen Josua und Kaleb zum Volk, das die Worte Gottes nicht annehmen wollte. Auch im Neuen Testament sagt die Bibel das Gleiche aus:

Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?   Röm 8,31 

Wir sollen niemals zurückweichen, wenn uns Gott sendet. Wir lernen aus dieser Begebenheit, dass der Feind mit den Säbeln rasseln wird, solange er kann, in der Hoffnung, dass wir den Mut sinken lassen und anfangen zu zweifeln.

Vers 27

Jesus aber nahm ihn bei der Hand, richtete ihn auf, und er stand auf.   Mk 9,27

Wenn Jesus jemanden bei der Hand nimmt, spielt es keine Rolle in welchem Zustand sich die Person befindet. Gott versagt nie. Gott macht keine Fehler, nie ist Ihm ein Fehler unterlaufen; Er ist in jedem Punkt perfekt. Ausserdem kann Er alles, das ist altbekannt. Deshalb braucht es zu diesem Vers keine weiteren Ausführungen, denn der Vers beginnt mit „Jesus nahm ihn bei der Hand“; ein von Jesus bei der Hand genommener Mensch kann nicht liegenbleiben! Selbst Tote konnten nicht liegenbleiben (Lk 7,12 ff.). Amen.

Vers 28

Und als er in ein Haus gegangen war, fragten ihn seine Jünger allein: Warum haben wir ihn nicht austreiben können?   Mk 9,28

Die Frage der Jünger drängte sich natürlich auf. Jesus hat sie ja zurechtgewiesen, weil sie noch nicht konnten, was für sie angemessen war.

Selbst wenn die Frage für sie demütigend war, sie konnten nur weiterkommen, wenn sie der Sache auf den Grund gingen, auch wenn sie damit noch eine Schelte des HERRN riskierten. – Und wie wir im nächsten Vers sehen, blieb die Schelte des HERRN aus. Auch Ihre Frage wurde ihnen beantwortet. – Manchmal sind wir auch in der Niederlage anstatt im Sieg. Dann sollten wir auch den HERRN fragen, warum es sich so verhält, wie die Jünger es taten, ansonsten kommen wir nicht voran.

Vers 29

Und er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch Gebet.    Mk 9,29 

Christus erklärt den Jüngern, dass diese Art von Geistern nur durch Gebet ausgetrieben werden können. Konkret handelte es sich um einen stummen, tauben und besitzergreifenden Geist.

Wir dürfen aufgrund anderer Hinweise nicht davon ausgehen, dass ein Christ einfach vor einen Besessenen stehen, ein Gebet sprechen kann, und der böse Geist darauf die Flucht ergreift. Das ist zu einfach. Die Jünger hatten bestimmt durch ihren Meister viel gebetet bis zum damaligen Zeitpunkt. Wir sehen auch, dass Christus nicht ein spezielles Gebet vor dem Geist sprach. Er gebot ihm einfach auszufahren. All dies gibt uns zu beachtende und weiterführende Hinweise. Ein Mensch muss durch entsprechende Gemeinschaft mit Gott zuerst in der geistlichen Welt eine bestimmte Grösse erreicht haben, bis er Geistern gebieten kann. Diese Grösse erreicht er mit viel Gebet, indem Er entsprechend Zeit mit Gott verbringt und im Gegenzug von Gott wiederum geehrt wird.

Gott vergibt die Ränge in der geistlichen Welt. In Apg 19,15 sehen wir deutlich, dass Autoritäten in der geistlichen Welt kommuniziert und bekannt sind. Die sieben Söhne des jüdischen Hohenpriesters Skevas glaubten die Autorität Christi mit der Nennung seines Namens zu erlangen; sie dachten, die Autorität stünde einfach so in der Nennung des Namens bereit. Die Reaktion des Geistes offenbarte ihren Irrtum, an den leider heute leider noch viele Christen glauben.

Geistliche Vollmacht bzw. Autorität können wir uns nicht in Eigenregie holen, wie aus einer Ablage. Geistliche Autorität zu vergeben, behält sich der Höchste vor. Ohne Autorität sind wir für die Genossen des Feindes lediglich Lachnummern, wie es die sieben Söhne waren. Da können wir vor Besessenen mit Kruzifixen herumfuchteln und den Namen „Jesus“ herausrufen, wie wir wollen. Solange die Autorität Gottes nicht auf uns gelegt wurde, werden wir mit solchem Gebaren gar nichts erreichen! Amen!

Vers 30

Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, dass es jemand erfuhr.  Mk 9,30  

Manchmal stehen im Reich Aufgaben an, die durch das öffentliche Interesse gestört, nicht durchführbar oder nur teilweise durchführbar wären. Sie kennen das selbst, liebe Leserin und lieber Leser. Für gewisse Arbeiten braucht der Mensch Ruhe, sei er allein oder sei er mit einer Gruppe unterwegs. Selbst Staatsverträge, die am Ende alles etwas angehen, werden zuerst in verschlossenen Kammern entworfen. Wer sich einer Aufgabe nur zu 50% widmen kann, bringt nicht dasselbe Ergebnis zustande, wie bei voller Konzentration. – Der nächste Vers gibt den schönen Grund an, weshalb der HERR diese Anordnung gab.

Vers 31

Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird überliefert in der Menschen Hände, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen.   Mk 9,31 

„Denn er lehrte seine Jünger …“, das war der Grund, weshalb Er hier keine äusserlichen Einflüsse zuliess. So herrlich ist der allmächtige Gott! Obschon Er an höchster Stelle im Universum thronte, erniedrigte Er sich bis auf die Ebene des Menschen. Und weiter lehrte Er, der das höchste Lehramt innehat, sehr kleine Grüppchen, gab sogar Einzelunterricht und achtete dabei aufmerksam darauf, dass dies in ungestörter Atmosphäre geschehen konnte bzw. kann.

Hier lesen wir, was der Inhalt seiner Rede war. Er offenbarte den Jüngern prophetisch über die Ihn betreffende Zukunft. Er wollte, dass die Jünger sich nicht werden irritieren lassen, wenn all diese Dinge kommen würden.

Vers 32

Sie aber verstanden die Rede nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.   Mk 9,32 

Die Rede Christi war völlig unverschlüsselt. Trotzdem wurde sie von den Jüngern nicht verstanden. Es verhielt sich genau gleich wie damals, als Christus den Jüngern eröffnete, den verstorbenen Lazarus aufzuwecken. Christus sagte frei heraus, dass Lazarus gestorben wäre und Er hingehen wolle, ihn aufzuwecken. Thomas erwiderte in völlig unpassender, ja fast wirrer Weise: „Lasst auch uns gehen, damit wir mit ihm sterben.“ – Es ist fast unglaublich, wenn Menschen einfachen Dingen nicht folgen können: Christus sprach von Lazarus‘ Auferweckung, Thomas erwiderte darauf einfach irgendetwas Wirres (Joh 11,11-16).

Wir wissen, dass Christus die Ausbildner der Experten beispielsweise am CERN in Genf mit einem Vortrag über Teilchenbeschleunigung sehr leicht überfordern könnte; wurde nicht die ganze Welt durch Ihn? Er würde Theologieprofessoren in helles Erstaunen versetzen, wenn Er ihnen den geistlichen Vorhang etwas öffnete. Der Mensch hat keine Ahnung gegenüber Gott, es gibt keine Weisheit auf der menschlichen Seite, wenn der Ton dem Töpfer gegenüber steht. Neben Christus sind Spitzenmediziner im Wissen wie kleine Schuljungen. Welcher von ihnen kann Verstorbene aufwecken? Die Bibel bestätigt das:

Es gibt keine Weisheit und keine Einsicht und keinen Rat gegenüber dem HERRN.   Spr 21,30 


Christus, der den Massstab alles Wissens setzt, widmete seine Zeit nicht den Weisen der Welt, die Ihm viel verständiger geantwortet hätten als seine Jünger. Christus investierte in das Niedere der Welt. Seine Herrlichkeit scheint so noch glänzender, die einfachen Leute waren und sind Ihm nicht zu gering. Wenn jemand von diesen anfängt, Gott zu suchen, offenbart sich unser herrlicher HERR dieser Person, ganz gleich, welchen Stand sie einnimmt und fängt an, in sie zu investieren und mit ihr Gemeinschaft zu pflegen! – Was für einen herrlichen HERRN wir doch haben! Amen!

Vers 33

Und sie kamen nach Kapernaum, und als er im Hause war, fragte er sie: Was habt ihr unterwegs besprochen?   Mk 9,33 

Zurück in Kapernaum, der Stadt, in der Christus auch für eine Zeit wohnte (Mt 4,13), fragte Er seine Jünger über ihre unterwegs geführte Unterredung. Dies tat Er nicht, um sie auszuhorchen; Er fragte sie, um sie über einen weiteren wichtigen Punkt aufzuklären, was wir in den nächsten Versen sehen werden.

Vers 34

Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Weg untereinander besprochen, wer der Grösste sei.   Mk 9,34

Die Jünger schämten sich, auf die Frage Christi zu antworten, denn sie hatten sich gefragt, wer unter ihnen der Grösste sei. Zur Auswahl standen bestimmt Petrus, Jakobus und Johannes; nur sie durften bekanntlich speziellen Anlässen beiwohnen, wie beispielsweise der Offenbarung des Reiches auf dem Berg der Verklärung. Bestimmt waren die anderen Jünger auch ambitioniert, weiterzukommen und hatten sich zweifellos überlegt, wie sie allfällige Rückstände aufholen könnten. Sie wussten, dass es auch im Reich Hierarchien (Rangordnungen) gibt, wie damals bei den Helden Davids beispielsweise (2. Sam 23,8 ff.), die Gott durch den Heiligen Geist in der ewigen Schrift erwähnt.

Es ist ein Bedürfnis des Menschen, in einer Gruppe nicht der letzte bzw. der nutzloseste unter Seinesgleichen zu sein. Die Besprechung innerhalb der Gruppe der Jünger kam daher nicht zufällig.

Der HERR tat den Wunsch nach Erfolg nicht ab, Er erklärte nachfolgend geduldig, was die Anforderung für eine hohe Stellung im Reich Gottes ist. Die Anforderung ist für jeden Menschen erreichbar, wie wir sehen werden. Jeder also, der im Reich vorankommen will, kann und darf dies tun.

Vers 35

Und er setzte sich, rief die Zwölf, und er spricht zu ihnen: Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein.   Mk 9,35 

Christus geht mit seiner Antwort auf das Bedürfnis der Jünger ein. Er gibt an, was im Reich Gottes für Werte gelten. Im Reich Christi gilt nicht was in der Welt gilt. Gross wird vor Gott nicht der Egozentriker oder der Rücksichtslose. Grösse vor Gott geniessen Menschen, die sich in den Dienst von anderen stellen.

Im Dienst für die anderen geht es nicht um Idiotendienste, wo Menschen hilfsbereite Christen ausnützen. Unser Meister liess sich niemals ausnützen, obschon er aller Diener wurde. Ein Diener Gottes greift den Menschen dort unter die Arme, wo sie alleine unmöglich weiterkommen können. Ein Diener der Menschen bietet nicht reichen Menschen Fahrdienste an, die schon drei Autos in der Garage stehen haben und auf einen privaten Chauffeur greifen können (Spr 22,16b). Der Diener der Menschen dient dort, wo wirklich Not herrscht.

Ich weiss von einem Menschen, der einige Jahre für einen chaotischen Unternehmer, der auch Christ war, gearbeitet hatte. Das Pflichtbewusstsein des Arbeiters machte ihn unter den chaotischen Zuständen krank. Am Ende war dieser Mensch, der dachte, dem chaotischen Unternehmer mit ausserordentlichen Anstrengungen Stabilität bieten zu müssen, durch die überlastungsbedingte Krankheit nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Er nützte der Wirtschaft und dem echten Dienst an Menschen nicht mehr wirklich viel.

Was christlicher Dienst ist, ist noch nicht bei allen richtig angekommen. Gehen Sie einer geregelten und moralisch einwandfreien Arbeit nach. Denken Sie nicht, irgendjemandem in der voraus beschriebenen Art helfen zu müssen, wie es der Mensch im Beispiel für den Chaoten gemacht hatte. Halten Sie sich die arbeitsfreie Zeit für christliche Dienste offen und lassen Sie sich nicht von der Arbeit in der Wirtschaft unnötig auffressen. Die Arbeit muss gewissenhaft, fleissig und bei voller Präsenzzeit getan werden, dafür kriegen wir unseren Lohn. Wir entziehen uns aber der Arbeit vom höhergestellten Arbeitgeber, von Gott, wenn wir uns selbst über das übliche Pensum mit Aufgaben eindecken und uns damit der Arbeit im Reich entziehen. Vor dem Richterstuhl Christi wird nicht ihr ehemaliger Chef für sie eintreten. Sie werden sich selber verantworten müssen.

Echter Gottesdienst, was unter anderem Waisen und Witwen besuchen umfasst definiert sich auch mit folgenden Worten:

Ist nicht <vielmehr> das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht?   Jes 58,6  

Menschen zum Essen einladen, um nachher wieder eingeladen zu werden, ist nichts Spezielles, das tun die Ungläubigen auch. Wir wissen, dass wir im Dienst solche einladen sollen, die uns die Wohltat nicht vergelten können. Tun wir es nicht, sind wir nicht wirklich im Dienst. Mit Freunden geniessen wir lediglich unsere Freizeit. Das ist nicht verboten; Gemeinschaft mit Gleichgesinnten soll gepflegt werden, doch wir sollen dabei nicht meinen, dies zähle zum Dienst, den der HERR in diesem Vers andeutet. Wir sollen lernen zu unterscheiden, was Dienst und was Freizeit ist.

Vers 36

Und er nahm ein Kind und stellte es in ihre Mitte; und er nahm es in seine Arme und sprach zu ihnen:  Mk 9,36

Mit dieser Veranschaulichung untermauert der HERR seine Lehre über richtigen Gottesdienst auf sehr eindrückliche und herrliche Art, wie wir es im folgenden Gesamtkontext sehen werden. Die methodisch-didaktische Weise des HERRN ist einzigartig und unübertrefflich. Erfolgreich sind alle Wissensvermittler, die sich dieser Art versuchen anzunähern. Der HERR brachte es wie kein anderer fertig, Lebensweisheiten und –regeln so darzustellen, dass sie einfach verständlich sind. Professoren, die nach der besten Art des Zusammenlebens von Menschen forschen, reden vielfach über die Köpfe von einfachen Menschen hinweg. Ferner lassen sich auf der anderen Seite Akademiker meist nicht von einfachen Worten über das Zusammenleben beeindrucken und stehen sich so selber im Weg.

Sind wir uns einig, liebe Leserinnen und Leser, dass Salomo der weiseste Mann war, der auf Erden lebte und somit mit seinem (Bibel-) Buch der Sprüche die besten Erkenntnisse über das Zusammenleben von Menschen untereinander und mit Gott lieferte (1. Kö 3,12)? Dem gegenüber sagt die Schrift über die Präsenz Christi: „… mehr als Salomo ist hier (Mt 12,42; Lk 11,31).“

Kein Mensch, der Gott nur ansatzweise kennt, wird behaupten wollen, dass es auf der Welt irgend ein Lehrinstitut gibt, sei es eine Universität oder eine Fachhochschule, die an die Lehrmethodik Christi herankommt, wenn Christus mehr ist als der weiseste Mensch, der je auf der Erde lebte.

An dieser Stelle ist es wohl überflüssig zu erwähnen, dass wir sehr gut tun, wenn wir sorgfältig auf seine Worte achten und sie befolgen! Amen.

Vers 37

Wer eins von solchen Kindern aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf; und wer mich aufnehmen wird, nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.  Mk 9,37  

Der Gesamtzusammenhang ist dieser: Die Jünger hatten sich gefragt, wer der Grösste unter ihnen sei. Der HERR geht mit dieser Veranschaulichung auf sie ein. Diese zeigt einmal mehr auf, dass nicht der wirkliche Grösse hat, der Städte bezwingt. Gross vor Gott ist der besonnene Mensch, wie geschrieben steht:

Besser ein Langmütiger als ein Held, und besser, wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.   Spr 16,32  

Der Besonnene erkennt in der rechten Art, was im Reich Gottes wichtig ist und was nicht. Was in der Welt gross ist, ist nicht nur ein Gräuel vor dem HERRN (Lk 16,15), sondern auch für die, die Gottes Willen verstehen. Erfolgreiche Filmakteure, denen der Ruhm sehr schnell in den Kopf steigt, werden von der Welt als „Stars“ betitelt und verehrt. Für die Welt sind sie wie Sterne am Himmel, obschon für alle offensichtlich ist, dass sie Gottes Werte mit Füssen treten. Gottes Werte wie Ehe, Treue, Enthaltsamkeit, Sittsamkeit sind in deren Leben meist überhaupt nicht erkennbar. Es wird geprasst, die Ehen werden am Laufmeter geschieden, Unzucht wird regelrecht gefeiert und Drogenkonsum gehört schon zur Etikette. Das sind Gräuel vor Gott und auch für besonnene Diener. Gott hat andere Werte für sein Reich definiert, nämlich Reinheit und Besonnenheit. Die Reinheit vergreift sich nicht an seinem Willen und die Besonnenheit achtet darauf, dass die Abläufe im Hause Gottes in den von Ihm gewünschten Bahnen bleiben. In seinem Hause gibt es deshalb keinen Grund für Aufgeblasenheit und weltlichen Stolz. Erfahrene und von Gott geehrte Geschwister (Joh 12,26b) sonnen sich nicht wie die weltlichen „Stars“ in ihrem Ruhm, sondern sie kümmern sich als die grossen Geschwister selbstlos um die Kleinen, damit diese uneingeschränkt gedeihen können.

Es spielt keine Rolle, ob Sie ein solches Kind (z. B. ein Waisenkind) wortwörtlich in Ihr Haus aufnehmen und es aufziehen und damit sehr viel von Ihrer Zeit opfern oder ob Sie sich in der gleichen Art um einfache und kleine Geschwister kümmern, obschon Sie durch die Ehre des Vaters (Joh 12,26b) vor einflussreichen Gremien sprechen könnten, weil Sie der Vater geistlich zu einer sehr fähigen Person hat werden lassen.

Sie werden gesegnet sein, wenn Sie diese Lektion Christi anwenden und Sie, statt sich der eitlen Ruhmsucht hinzugeben, den Nachwuchs fördern, die Schwachen stärken, die Kranken besuchen und um die Kinder bekümmert sind. Dann wird Ihr Name gross sein im Reich Gottes. Amen.

Vers 38

Johannes sagte zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt.   Mk 9,38 

Gott hat überall seine Leute. Plötzlich tauchen sie auf und oft verlieren wir sie wieder aus den Augen. Das ist ganz natürlich; wie könnten wir weltweit alle unsere Geschwister kennen?

Wenn wir solchen begegnen, sollten wir besonnen handeln und sie vor allem nicht an ihrer Arbeit hindern. Johannes ging von einem Irrläufer aus und wehrte diesem Menschen, zusammen mit anderen Aposteln. Dass dies nicht richtig war, sehen wir in der Antwort Christi.

Irrläufer empfangen das, was ihrem Tun entspricht automatisch. Gott hat es so eingerichtet. Die sieben Söhne des Hohepriesters, welche Dämonen austreiben wollten, es aber nicht vermochten, wurden von der besessenen Person zusammengeschlagen. Andere empfangen Schande ebenfalls dadurch (an sich selbst, Rö 1,27), da sie sich nicht an Gottes Willen halten (3. Mo 18,22). Es gibt im Reich auch eine Selbstregulierung, wie wir sehen. Diese entbindet uns aber unserer Aufgaben nicht. Sie hat eine unterstützende Aufgabe.

Die Jünger sagten an dieser Stelle nichts anderes aus, als dass sie einen fähigen Arbeiter in der Arbeit behinderten. Er trieb tatsächlich Dämonen aus, was sie selbst sahen. Dies war ein klares Zeichen Gottes, dass dieser Mensch in göttlicher Autorität handelte. Daher hätten sie ihn nicht behindern dürfen, was der HERR im nächsten Vers auch sagt. Dieser Mensch war weiter als sie selbst, zumindest weiter als die neun von ihnen, die am Fusse des Berges den stummen Geist nicht austreiben konnten.

Vers 39

Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von mir reden kann.   Mk 9,39

Wie bereits erwähnt, die Jünger hätten dem Menschen nicht wehren dürfen. – In diesem Punkt versagten sie doppelt: Warum haben Sie den HERRN in dieser möglicherweise folgenschweren Weisung nicht gefragt? Sie fragten erstens nicht nach Weisung des HERRN und befahlen zweitens etwas, das sie nicht hätten tun dürfen. In dieser Sache handelten Sie wie damals Josua, der den HERRN betreffend die Gibeoniter nicht um Rat gefragt hatte (Jos 9,14).

Obschon die Jünger einmal mehr völlig versagt hatten, antwortete der HERR nicht aufbrausend. Er war da, um sie geduldig auszubilden. Er stellte lediglich klar, dass sie nicht so hätten tun sollen und – anstatt sie zu schelten – unterwies Er sie in einem weiteren Punkt: Es ist niemand, der ein Wunder in Christi Namen tun und bald darauf schlecht Ihm reden kann. Christus unterstützt nur völlig loyale (treue) Mitarbeiter mit der Fähigkeit, echte Wunder in seinem Namen zu tun.

Vers 40

Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns.   Mk 9,40 

Mit diesem Wort wirkt der HERR auch gegen pseudo-elitäres Christentum. Die Anforderungen an Geschwister sind zwar hoch, viel höher als in „eingeschlafenen“ Gemeinden kommuniziert. Menschliche Massstäbe haben in der Skala Gottes aber gar nichts zu suchen.

Es gibt sehr harte Menschen, die eine unglaubliche Disziplin an den Tag legen. Sie rauchen und trinken nicht, essen nur einmal am Tag und arbeiten 17h täglich. Sie sind in ihrer Leistung einfach bewundernswert und vielen ein Vorbild, denn sie stützen das christliche Bild vom fleissigen Diener (Spr 12,27). Jerobeam I., der Israel zur Sünde verführte, war auch sehr tüchtig (1. Kö 11,28). Tüchtigkeit allein ist kein Hinweis auf geistliche Kompetenz. Jerobeam I. wurde zum Inbegriff eines Verführers.

Elitäre Christen, die es auf menschlicher Basis sind, blenden den Beobachter lediglich. Christus wirkt mit diesem einfachen Satz dagegen, wie erwähnt. Er sagt, dass nicht sieben 17 Stunden-Tage die Woche braucht, um bei Ihm akzeptiert zu sein. Er sagt lediglich, dass diejenigen, die für Ihn und sein Volk sind, nicht dagegen wirken.

Damit will ich den Fleiss überhaupt nicht relativieren. Fleiss ist eine Tugend. Ich sage damit nur, dass wir nicht blind auf die scheinbar Eifrigsten setzen sollten. Ich habe in der Geschäftswelt Menschen gesehen, wie wirklich wie Maschinen arbeiten können. Ihr Wirken ist aber dadurch überhaupt nicht zwingend angenehm vor Gott. Der Einsatz ist eine Seite der Medaille, das Ergebnis die zweite. Wirklich gut sind diejenigen, die es auf die Reihe kriegen, ihren (fleissigen) Dienst mit Gott zu koordinieren. Amen.

Vers 41

Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken geben wird aufgrund dessen, dass ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: er wird seinen Lohn gewiss nicht verlieren.   Mk 9,41 

Mit dieser Aussage definiert Christus den tiefst möglichen Stand gegenüber Gott, der dem Menschen doch noch Lohn bringt. Er sagt damit sogar, dass es für Heiden möglich ist, Lohn von Gott zu erhalten, selbst wenn sie sich zeitlebens nicht zu Christus bekehren.

Wer einem Christen einen Becher Wasser zu trinken gibt – im Bewusstsein, dass er ihm die Wohltat tut, weil der Empfänger Christ ist – wird seinen Lohn dafür bekommen.

Vielleicht können wir diesen Vers nicht ganz verstehen, weil wir irrtümlich annehmen, dass grundsätzlich alle Heiden zur Hölle fahren werden müssen. Oder wir denken vielleicht, was denn Besonderes daran ist, einem Menschen etwas Wasser abzugeben. Wieso soll diese kleine Handreichung schon Gotteslohn bringen? Wenn das schon Lohn bringt, wird jedem Menschen reichlich vergolten? Muss bei dieser Handhabung mit dem Lohn überhaupt noch jemand in den Feuersee? – Natürlich werden trotzdem einige ihre ewige Zukunft dort verbringen, selbst wenn das Niveau für Lohn Gottes so tief angesetzt ist.

Christen werden mit dem Heranrücken des Zeitalterendes je länger, je mehr verfolgt werden. Auch dort wo es anfänglich „nur“ mit Spott und Häme angefangen hat, endet es am Ende mit harter Nachstellung, wie es geschrieben steht, auch in der Schweiz, in Deutschland und Österreich. Die Verfolgung wird weltumspannend sein, zumindest in den dreieinhalb Jahren vor der für alle sichtbaren Wiederkunft Christi. Besonders wenn sich dann jemand aus den Heiden mit einer einfachen Hilfeleistung bei Christen exponiert, begibt er sich in Todesgefahr. Ein solcher Mensch kommt in Gefahr wie damals ein Deutscher, der Juden vor den Nazis verbarg und sie mit Wasser und Brot versorgte. Deshalb wird eine solche einfache Handreichung von sehr grosser Bedeutung sein und Ungläubigen den Lohn bringen, von dem Christus im Mt 25 spricht, beim Gericht über die Lebenden aus den Heiden:

31 Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen;  
32 und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.  
33 Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.  
34 Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an!  
35 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf;  
36 nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.  
37 Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken?
38 Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich?
39 Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir?
40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.   Mt 25,31-40

Dieser Zusammenhang macht es uns sehr leicht, Mk 9,41 zu verstehen. Amen.

Vers 42

Und wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.   Mk 9,42 

Mit dieser Aussage erklärt der HERR die von Ihm eingestufte Wichtigkeit seiner Jünger, seien sie noch so klein und unscheinbar. Auf seiner Werteskala stehen seine Nachfolger ganz oben, wehe dem, der sie antastet. Ein solcher wird sein Tun bitterböse bereuen! Er wird nicht einfach angeschrien werden, er wird voll kontrolliert und irreversibel ins Unglück gestürzt werden, in ein Unglück, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Diese Worte Christi sind ein schönes neutestamentliches Bekenntnis, eine Wiederholung des alttestamentlichen aus dem Bibelbuch Sacharia:

Denn so spricht der HERR der Heerscharen, nachdem die Herrlichkeit mich ausgesandt hat, über die Nationen, die euch geplündert haben – denn wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an –:   Sach 2,12 

Wer Gottes Volk antastet, vergreift sich am Augapfel Gottes. So etwas kann nicht gut kommen. Freuen Sie sich, liebe Schwester und lieber Bruder! Der HERR stellt sich voll zu uns!

Vers 43

Und wenn deine Hand dir Anlass zur Sünde gibt, so hau sie ab! Es ist besser für dich, als Krüppel in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer.  Mk 9,43

Mit diesem Vers ist folgendes gemeint: Die Sünde ist ein so ernsthaftes Problem, wie unkontrolliertes offenes Feuer in unserer Wohnung. Wer das Feuer nicht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft, fackelt seine eigene Wohnstätte ab und verbrennt letztendlich selber darin. Die Sünde ist wie das Feuer, ein Krebsgeschwür, das unkontrolliert um sich greift und alles zerstört, bis der Tod den krebsleidenden Menschen endlich erlöst. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der HERR ein so überaus starkes Bild für eine entschiedene Handlungsweise gegen die Sünde gebraucht: „Hau deine Hand ab, wenn sie dich zur Sünde verführt!“, ruft uns der HERR zu. Lieber haben wir in unserem Leben in gewissen Bereichen eine krasse Einschränkung und leben unser Leben ohne „unkontrolliertes offenes Feuer“, sprich: ohne unkontrolliert um sich greifende Sünde.

Wenn wir uns vor uns selbst schützen, damit ist gemeint: wenn wir uns selbst vor den Lüsten unserer alten Natur schützen, empfinden wir unser Leben vielleicht nicht so amüsant, wie wir glauben, es ohne Einschränkungen in Lust und Freuden leben zu können. Der HERR belehrt uns dazu folgendermassen: „Es ist viel besser, wenn du dir durch die Einschränkungen (um Sünde zu vermeiden) wie ein Krüppel vorkommst. Komm lieber mit all diesen Einschränkungen in das Leben hinein (wo alles hundertausendfach kompensiert werden kann). Es nützt dir gar nichts, die Sünde ohne Einschränkungen gewähren zu lassen und dafür das Feuer der Hölle zu schmecken!“

Der HERR wird uns unserem inneren Wunsch gemäss führen und helfen, Sünden zu vermeiden, wie wir es verdienen. Für Menschen, die echt kompromisslos dem HERRN gefallen wollen, kann Gottes dementsprechender Schutz vor Sünde sehr hart vorkommen. Sie können sich fragen, was sie denn überhaupt noch zu melden bzw. zu bitten haben, wenn offensichtlich kein Gebet Erhörung findet. So ging es Paulus in seiner kompromisslosen Ausbildung. Seine Plage wurde nicht weggenommen (2. Kor 12,7) und die Fesseln blieben auch, die er sich zwar selber aufgebürdet hatte, weil er – trotz geistlicher Warnungen – stur nach Jerusalem reiste. Ohne Weiteres hätte der HERR ihm Erleichterung geben können; Er tat es aber nicht. Dies tat der HERR nicht ohne Fürsorge. Der HERR plagt niemanden leidenschaftlich. Alles, was für wahre Gläubige geschieht, hat einen guten Zweck:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach <seinem> Vorsatz berufen sind.   Röm 8,28 

Je höher jemand im Reich steht, desto höher sind auch die Anforderungen. Mose wurde vor dem Auszug aus Ägypten fast vom HERRN persönlich getötet, „nur“ weil er seinen Sohn nicht beschnitten hatte (2. Mo 4,24). Hätte der HERR diesen Massstab bei allen Israeliten angewendet, hätten nur sehr wenige überlebt. – Wessen Herz völlig für den HERRN und sein Volk schlägt, den bildet der HERR auch entsprechend einer hohen Position im Reich aus. In einer solchen Stellung haben Regungen des Fleisches, der alten Natur, überhaupt nichts mehr zu suchen; sie muss völlig im Tode gehalten werden. Dies wird vom betroffenen Christen in der intensiven Ausbildung nicht als positiv empfunden. Er fühlt sich hier und dort sehr eingeengt und beschnitten (Ps 73,14).

Diese Ausbildung hat aber jeder zu durchlaufen, der es im Reich zu etwas bringen will. Der HERR zwingt aber niemanden zu seinem Glück. Wer nicht im Weinberg arbeiten will, wird nicht am Kragen gepackt und dorthin geschleift. Gott lässt sehr viel freien Willen zu. Wer seinem eigenen Weg folgen will, kann das auch als Mitglied des Volkes Gottes problemlos tun, wir sehen das anhand des alttestamentlichen Vorbildes: Israel befand sich mehr im Eigendünkel als im Willen Gottes. Die Einzelnen, die mit Gott vorangehen wollten, nahm Gott aber an der Hand, bildete sie aus und entwickelte sie zu namhaften Persönlichkeiten, die fähig waren, im Reich grosse Aufgaben zu übernehmen ohne durch etwas Widerstand sogleich in die Knie zu brechen.

Lassen wir uns also, wenn wir vorankommen wollen, nicht durch diese göttliche Ausbildung vergrämen (Heb 12,5). Lassen Sie uns vielmehr auf das Ende blicken, das sehr herrlich sein wird (Heb 12,11; Jak 5,11). Amen.

Vers 45

Und wenn dein Fuss dir Anlass zur Sünde gibt, so hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Füssen in die Hölle geworfen zu werden.   Mk 9,45

Liebe Leserinnen und Leser! Weil der HERR die Gefährlichkeit der Sünde mit so unmissverständlichen Bildern beschreibt, sollten wir bei jedem „ja, aber“ des Teufels und dem Locken unserer fleischlichen Lust (Jak 1,14; aber auch Heb 13,9) völlig unbeeindruckt bleiben. Wir sollten die Warnschilder des HERRN als solche sehen und sie nicht durch teuflische Einflüsterungen zu Empfehlungsschildern herabstufen.

Wo der HERR auf unserer Lebensstrasse die Schilder „Todesgefahr bei Weiterfahrt“, „völlig verseuchtes Gelände, das in kürzester Zeit zu schwersten gesundheitlichen Schäden führt“ und „Autobahn zur Hölle“ aufstellt, da versucht der Teufel Zusatzschilder unten anzubringen. Auf den Schildern des Teufels steht dann „gilt nur zwischen 12:00 – 12:30 Uhr“. So weicht der Teufel die Gebote Gottes auf. Beim Schild Gottes „Nach dem Ehebruch kommt der Abgrund (Spr 2,8; 9,18 u. v. a.)“ bringt der Teufel das Schild „gilt in deinem Fall nicht, weil dein Ehepartner deiner nicht würdig war“ oder ähnliche Lügen an und versucht so, die Warnhinweise Gottes aufzuheben.

Glücklicherweise funktioniert das bei eng geführten Christen nicht. Das sind solche, die den innigen Wunsch haben, nahe beim HERRN bleiben zu dürfen. Diese werden wunschgemäss eng geführt und tappen nicht in die Fallen des Satans.

Vers 44

Spätere Handschr. fügen hinzu: wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt (Elb.)

Vers 46

Spätere Handschr. fügen hinzu: in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt (Elb.)

Vers 47

Und wenn dein Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,   Mk 9,47 

Auch wiedergeborenen Menschen, also Nachfolgern Christi, gelten diese Verse. Sie können sich auch durch Missachtung der Warnschilder in Bezug auf Sünde schwere und schwerste Schäden zufügen. Sünde bleibt Sünde, wie Feuer Feuer bleibt. Es ist zur Gemeinde gesagt, dass deren Mitglieder durch unsachgemässe Handhabe des Abendmahls, bei geduldeter Sünde, sterben können (1. Kor 11,30). Geduldete Sünde tötet Christen wie auch Nichtchristen. Es geht sogar noch weiter: Der Lohn der Sünde ist nicht nur der Tod, sondern auch das Schmecken des Höllenfeuers.

Nun werden Christen sagen, dass das Höllenfeuer für sie nicht bestimmt ist. Korrekt ist: Die Hölle ist nicht für die Christen vorgesehen und bestimmt, das Feuer zu schmecken ist allerdings möglich. Dies lesen wir in der Offenbarung, Kapitel 2:

Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod.   Offb 2,11  

Die Rede ist vom Sprechen an die Gemeinden, nicht an Nichtchristen. Es ist gemäss dem Vers 11 für Christen möglich, vom zweiten Tod, das ist der Feuersee, Schaden zu erleiden. Das ist zweifelsfrei. Es hat aber nichts mit dem sogenannten „Fegefeuer“ der katholischen Lehre zu tun.

Wer Offb 2,11 kritisieren möchte, mag das tun, alles was real ist, kann zwar verleugnet werden, aber längst nicht mit einer sauberen Beweisführung. Die Wahrheit bleibt dennoch wie das Matterhorn stehen, auch wenn man versucht, sie wegzuschreien. Jeder, der Worte des HERRN angreift, schafft sich vielmehr gewaltige Probleme (Offb 22,18.19). Amen.

Vers 48

»wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt«.   Mk 9,48

Es ist nicht lediglich im Alten Testament festgehalten, dass Gott kein Allversöhner ist und es deshalb eine Hölle gibt. Es steht auch im Neuen Testament und wurde direkt vom HERRN persönlich kommuniziert. Die Endstation für das unbelehrbare und unverbesserliche Böse ist der Ort, wo das Feuer „nicht erlischt“. Es erlischt nicht nach fünftausend Jahren. Es erlischt nie und die bösen Seelen vergehen darin nie gänzlich. Das können Sie den absolut zuverlässigen Worten der Heiligen Schrift glauben. Nur wer denkt, der Heilige Geist sei so unzuverlässig wie Menschen, gibt diesen Worten Interpretationsspielraum.

All diese Worte sagte der sanftmütige HERR, der über die Unbussfertigkeit seines Volkes weinen musste (Lk 19,41).

Vers 49

Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden.   Mk 9,49 

Jeder Mensch wird mit Feuer gesalzen. Der Ausgang ist so, wie wir vermuten: Bei den einen verhilft dieser Prozess zur Gerechtigkeit, bei anderen zum Gericht.

Wir alle kennen das Feuer Gottes: Es läutert (zum Guten) oder vernichtet (im Gericht). Das Salz würzt und verhindert Verderben.

Dieser Vers zeigt auf, dass beide erwähnten Dinge, das Feuer und das Salz, in diesem Kontext zusammen einhergehen. Das Feuer sondert die Schlacken aus (Jes 1,25) und das Salz würzt und verhindert weiteres Verderben. Das unverbesserliche Böse wird vor Gott zur Schlacke. Schlacke ist das ist der Abfallprodukt im Läuterungsprozesses (siehe auch Hes 22,19).

Es gibt Menschen, die in der Läuterung die Schlacke abgeben; unverbesserliche Böse werden als Ganzes zur Schlacke.

Vers 50

Das Salz ist gut; wenn aber das Salz salzlos geworden ist, womit wollt ihr es würzen? Habt Salz in euch selbst, und haltet Frieden untereinander!   Mk 9,50  

Das Zeugnis Gottes in Menschen kann selbstverständlich nur bei Gottes Volk gefunden werden. Wo soll es sonst gesucht werden, etwa bei natürlichen Menschen, deren alle Gedanken („alle“ schliesst einen guten aus) den ganzen Tag lang (schliesst eine besonnene Minute aus) antibiblisch denken? Hinweis: Wer glaubt, dieses Urteil sei von mir oder sonst übertrieben und bibelfremd, sei diesbezüglich bitte mit der folgenden Aussage der Schrift wieder im Einklang mit Gottes Gedanken:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.   1.Mose 6,5 

Christen sollten Salz in sich haben und so dem Verderben und dem Verfall entgegen wirken. Nun gibt es aber leider Christen die es noch schlimmer treiben als die Heiden. Die Heiden leben auch in gewissen Ordnungen. Diese Ordnungen stehen zwar unter dem Gericht Gottes, weil sie nicht seiner Gerechtigkeit entsprechen. Aber doch schenkt der HERR Gnade, dass die Welt noch nicht in der Anarchie versinkt. Es gibt also noch gewisse Ordnungen unter den Heiden, wie erwähnt.

Leider gab es immer wieder Menschen aus dem Volk Gottes, die ihr Salz fade werden liessen. Der Christ, der das ebenfalls tut, tut nichts Neues, Israel verhielt sich schon dementsprechend böse, wie geschrieben steht:

23 Und es geschah, nach all deiner Bosheit – wehe, wehe dir! spricht der Herr, HERR –  
24 bautest du dir einen Hurenaltar und machtest dir <dein> Hochlager auf jedem freien Platz;  
25 an jeder Strassenecke bautest du dein Hochlager. Und du machtest deine Schönheit zu einem Greuel und spreiztest deine Beine für jeden, der vorbeikam, und machtest deine Hurerei gross.  
26 Du hurtest mit den Söhnen Ägyptens, deinen Nachbarn, mit dem grossen Fleisch; und du machtest deine Hurerei gross, um mich zu reizen.  
27 Und siehe, ich streckte meine Hand gegen dich aus und kürzte deinen Anteil<, der dir bestimmt war>. Und ich gab dich der Gier derer hin, die dich hassen, der Töchter der Philister, die sich vor deinem unzüchtigen Weg schämen.  
28 Und du hurtest mit den Söhnen Assurs, weil du <noch> nicht satt warst; und du hurtest mit ihnen und wurdest auch nicht satt.  
29 Und du vermehrtest deine Hurerei zum Händlerland Chaldäa hin; aber selbst davon wurdest du nicht satt.
30 Wie fieberheiss ist dein Herz, spricht der Herr, HERR, wenn du dies alles tust – das Tun eines selbstherrlichen Hurenweibes –,  
31 wenn du deinen Hurenaltar an jeder Strassenecke baust und dein Hochlager auf jedem freien Platz machst! Dabei warst du nicht <einmal> wie eine <gewöhnliche> Hure, <denn> du verschmähtest <sogar> den Lohn.  
32 Die ehebrecherische Frau nimmt statt ihres Mannes fremde <Männer>!  
33 Allen Huren gibt man Geschenke; du aber gabst deine Liebesgeschenke all deinen Liebhabern, und du beschenktest sie, damit sie von ringsumher zu dir kämen wegen deiner Hurereien.   Hes 16,23-33 

Wenn Gottes Volk oder einzelne daraus anfangen zu huren, dann wird es schlimmer getrieben als unter den Heiden! Die Hure fordert Hurenlohn, Abgeirrte aus dem Volk werben mit Geschenken, dass sie huren können. Dies tun sie bei solchen, die nicht einmal einen geistlichen oder wirklichen Hurendienst suchen, geschweige denn dafür bezahlen!

Was musste der HERR und muss Er heute noch alles über sich ergehen lassen! Und womit soll man würzen, wenn es nicht einmal mehr Salz unter den Christen gibt?

In der Abhängigkeit Gottes und der dementsprechenden Achtsamkeit auf unseren Weg haben wir Salz in uns. Wenn wir tun, was wir wollen, verhalten wir uns aber wie die Heiden; wir verbreiten Verderben, anstatt es in uns zu verhindern.

Und weiter sollen wir noch etwas tun: Halten wir Frieden untereinander, wie es der HERR gebietet! Amen!

Kapitel 10

Vers 1

Und er brach von dort auf und kommt in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordan. Und wieder kommen Volksmengen bei ihm zusammen, und wie er gewohnt war, lehrte er sie wieder.   Mk 10,1

Christus liess sich nicht nieder, um auszuruhen. Wenn Er an einem Ort fertig war, zog Er an einen anderen, um während seiner ganzen Wirkungszeit auf der Erde das beste Beispiel für seine Nachfolger abzugeben. Er handelte wie ein krasses Gegenbild zum reichen Mann in einer seiner bildhaften Darstellungen. Der HERR erklärte bei einer anderen Gelegenheit, dass ein sich zur Ruhe setzen in diesem Zeitalter, wo alles im Argen liegt, für einen Christen nicht statthaft ist. Oder sollen uns all die unbekehrten Menschen egal sein, solange es uns zur Hauptsache gut geht? Keinesfalls war das die Haltung Christi, der seinen herrlichen Platz beim Vater verliess, um die Verlorenen zu suchen!

Das nachfolgende Gleichnis spricht von einem Mann, der sich im bösen Zeitalter zur Ruhe setzen wollte, wo Ungerechtigkeiten am Laufmeter passieren. Er dachte von seinem Geld, dass er genug davon besässe.

15 Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht! Denn <auch> wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seiner Habe.  
16 Er sagte aber ein Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein.
17 Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll.
18 Und er sprach: Dies will ich tun: ich will meine Scheunen niederreissen und grössere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln;
19 und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich!  
20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?  
21 So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.   Lk 12,15-21

Die Haltung Christi war eine edle, keinesfalls eine so egozentrische wie die angedeutete des reichen Mannes im Gleichnis. Wenn jemand das Bedürfnis nach etwas Ruhe haben durfte, dann war das Christus allein, der während seines Dienstes keine Ruhe fand (Lk 9,58).

Vers 2

Und es traten Pharisäer zu <ihm> und fragten ihn, um ihn zu versuchen: Ist es einem Mann erlaubt, <seine> Frau zu entlassen?   Mk 10,2 

Liebe Leserin und lieber Leser! Sehen Sie, was hier gesellschaftlich gar nicht geht? Auf der einen Seite sehen Sie Christus, der seinen erhabenen und herrlichen Platz – einen solchen hatte nicht einmal Salomo in seinem Thronsaal – verlassen hatte und im unermüdlichen Dienst am Menschen stand und im Begriff war, für diese Menschen zu sterben, die oft nur halbherzig kleine Schrittchen auf Ihn zumachten. Von aussen und als völlig neutrale Partei betrachtet, kann gesagt werden: Er war bereit, sein Leben für ein undankbares Pack hinzugeben!

Auf der anderen Seite sehen Sie die Spitze der von Bosheit erfüllten Menschen, die damaligen (ist es heute besser?) religiösen Führer. Diese, die hätten weit weg stehen sollen, traten wie selbstherrliche Huren (Hes 16,30) vor den HERRN und wagten Ihm gegenüber nicht nur das Maul aufzureissen. Sie rissen es auf, um Ihn zu versuchen!

Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, zum ersten Mal Markus 10,2 lesen, können Sie normalerweise die ganze (bodenlose) Frechheit der geistlichen Elite nicht sehen. Sie schütteln vielleicht den Kopf darüber und das war es dann schon. Wenn Sie den HERRN aber in einigen seiner herrlichen Facetten haben kennen lernen dürfen und auch die Bosheit des Menschen (der alten Natur, die selber in mir und Ihnen steckt) haben kennen lernen müssen, dann ist es nur schon Herrlichkeit und sehr grosse Gnade, dass der HERR, der den üblen Antrieb dahinter sofort erkannt hatte und in seiner herrlichen Person gleichzeitig zutiefst verletzt wurde, nicht einen Kriegsengel aus der geistlichen Welt hat hervortreten und diesen Abschaum hat ins ewige Feuer werfen lassen.

Betrachten wir nun noch die Frage der „geistlichen Elite“, der Pharisäer. Sie fragen Ihn, ob Scheidung statthaft sei. Sie stützten sich auf den Passus im Gesetz, wo Mose die Möglichkeit der Ehescheidung eingeräumt hatte. Sie wollten damit Christus entlocken, dass Er sagt, dass Ehescheidung nicht statthaft sei. Dann hätten die Pharisäer dem herrlichen HERRN Gotteslästerung vorgeworfen, weil Er damit in ihren verfinsterten Augen das Gesetz aufgehoben hätte. Dabei sprach Gott, der Allmächtige, bereits in ihrem Gesetz davon, wie sehr Er Ehescheidung hasst:

Denn ich hasse Scheidung, spricht der HERR, der Gott Israels, ebenso wie wenn man sein Gewand mit Unrecht bedeckt, spricht der HERR der Heerscharen. So hütet euch bei eurem Leben und handelt nicht treulos!   Mal 2,16 

Gott sagte schon im Alten Testament, dass die bösen Menschen ihr kümmerliches Leben in Todesgefahr bringen, wenn sie sich scheiden lassen oder ihr Gewand mit Unrecht bedecken, wobei ich nicht zu erwähnen brauche, dass der Ehebrecher gleich beide Tatbestände erfüllt und dem Tod durch den HERRN näher steht als dem Leben!

Mit dieser Frage haben sich die Pharisäer gleich zweifach disqualifiziert. Sie offenbarten damit, dass sie von Gottes Gedanken rein gar nichts begriffen hatten und stützten sich auf den Buchstaben im Gesetz, der aus Sondergründen hinzugefügt wurde.

Mit etwas Menschenkenntnis könnte diese zwischenmenschliche Konstellation (Jesus – religiöse Führer) bei der Betrachtung belustigend sein, weil sie den Menschen als unverbesserlichen, sehr dreisten und völlig verblendeten Irrläufer entlarvt. Sie ist aber nicht belustigend, weil damit die herrlichste Person im Universum von verlorenen Menschen, die sich wie Tiere verhalten (Ps 49,21), verspottet wird.

Vers 3

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?   Mk 10,3 

Aus dem Aspekt der absoluten Erhabenheit Christi betrachtet, neigte sich Christus mit dieser Frage an die Adresse der Versucher (=Pharisäer) sehr, sehr weit zu ihnen herab. Er gab jedem Menschen, selbst dem, der in vorsätzlich gelebter Bosheit wandelte, eine oder zwei echte Chancen zur Umkehr. Wie im vorausgehenden Kommentar bereits erwähnt, ist es sehr grosse Gnade, dass sich der HERR temporär zu Menschen hinwandte, von denen Er wusste, dass sie Ihn nur in eine Falle locken wollten.

Der HERR liess sich aber auch nicht als Tölpel behandeln und gibt diese Anordnung durch die geistgehauchte Schrift weiter. Wir sollen nicht dem Humanismus gemäss alle Menschen bauchpinseln. Wer zweimal ermahnt wurde und trotzdem nicht umkehren will, den soll man in der Folge abweisen und nicht mehr in Bezug auf das Reich berücksichtigen (Tit 3,10).

Wenn man Menschen, die partout ihre Wege gehen wollen, auf die Bibel hinweist,- was bringt es? Was bringt es Ihnen, wenn Sie eine unverbesserliche Ehebrecherin auf den korrekten Weg hinweisen? Wird sie auf Sie hören? – Ganz sicher nicht. Die Schrift entlarvt solche entsprechend ihrer Sturheit:

So ist der Weg einer ehebrecherischen Frau: Sie isst und wischt ihren Mund und sagt: Ich habe nichts Unrechtes getan!   Spr 30,20 

Unverbesserliche Gesetzesbrecher ändern ihre Meinung nicht und sagen dem Bösen „Gutes“ und dem Guten „Böses“. Sie leben einfach ihr Leben völlig locker weiter und tun so, als ob alles in bester Ordnung wäre, obschon sie im Begriff sind, sich den Fluch Gottes zuzuziehen. Sie sagen dem Ermahner ins Gesicht, dass sie schon wüssten, was statthaft sei und was nicht. Da müsse ihnen niemand reinreden.

Im grassierenden Humanismus ist eine kilometerweite Zielverfehlung im Blick auf Gottes Weisungen leider nicht so krass in den Augen aller weichgekochten Gutmenschen und in denen von vielen Christen. Wie hätte sich sonst Ehebruch und Homosexualität in den Gemeinden etablieren können? Ganz sicher nicht durch die Wirkung des Heiligen Geistes!

Es gibt nur sehr wenige, die dem Bösen noch richtig entschieden entgegentreten können oder wollen. – Wie reagieren Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihnen Böses begegnet?

Vers 4

Sie aber sagten: Mose hat gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen.   Mk 10,4  

Christus wusste das natürlich selber. Mit der Frage im Vers 3 holte Er die Pharisäer lediglich an einen gemeinsamen Startpunkt für das Gespräch. Die Pharisäer erläuterten Ihm darauf, was Mose über Ehescheidung geschrieben hatte (5. Mo 24).

Christus behandelte dieses Thema bereits in der Bergpredigt, wo Er auf einem Berg die „Verfassung des Reiches der Himmel“, das Fundament der neutestamentlichen Lehre, darlegte. Diese Verfassung (Mt 5-7) löste das Gesetz Moses ab und ist heute genauso gültig wie damals; sie wurde nicht durch Gott revidiert. Christus spricht in der Bergpredigt folgendermassen über den mosaischen Scheidebrief und streicht ihn sogleich aus der Verfassung des Reiches der Himmel, welche höher steht als das mosaische Gesetz:

31 Es ist aber gesagt: Wer seine Frau entlassen will, gebe ihr einen Scheidebrief.  
32 Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlassen wird, ausser aufgrund von Hurerei, macht, dass mit ihr Ehebruch begangen wird; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.   Mt 5,31-32 

Das Fundament der neutestamentlichen Lehre, manchmal auch „die Verfassung des Reiches der Himmel“ genannt, setzt viel höhere moralische Anforderungen als das mosaische Gesetz. Beim Gesetz war der Tatbestand des Ehebruchs erst erfüllt, wenn der Beischlaf mit einem verbotenen Partner vollzogen war. Im Neuen Testament ist er bereits erfüllt, wenn eine fremde Frau angesehen wird, sie zu begehren. Auf einer sehr viel höheren Stufe steht das neutestamentliche Gebot gegenüber dem alttestamentlichen Gesetz.

Die Pharisäer stellten sich auf ihren fleischlichen Standpunkt, der es erlauben sollte, den Ehepartner zu verlassen, wenn man seiner überdrüssig geworden ist. Nur schon dies zeugte von einer gottesferne und einer Ignoranz gegenüber Gottes Willen. Hätten sie ihr Ego beiseite gesetzt, hätte ihnen klar werden müssen, dass die Regelung mit dem Scheidebrief nicht dem Willen Gottes entsprach, welcher spricht, dass Er Scheidung hasst (Mal 2,16).

Die Frage der Pharisäer diente ja offensichtlich dazu, Christus zu versuchen, das steht ganz klar im Vers 2 dieses Kapitels. Hätte Christus auf die Frage geantwortet, Scheidung sei nicht statthaft, so hätten sie dem herrlichen Herrn den Vers mit dem Scheidebrief sinnbildlich um die Ohren schlagen wollen, um Ihm damit Schriftverfälschung vorzuwerfen. Hätte Christus auf die Frage geantwortet, Scheidung sei erlaubt, so hätten sie die Bergpredigt kritisiert, welche einen sehr hohen moralischen Standard fordert.

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle einen von Menschen gegen Gott angezettelten Rechtsstreit. – Was Christus den Pharisäern entgegnete und wie absolut souverän Er in jeder Lage war (und heute noch ist, Jes 41,11) sehen sie im Folgenden.

Vers 5

Jesus aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärtigkeit hat er euch dieses Gebot geschrieben;  Mk 10,5 

Ist unser HERR nicht bewundernswert? – Ich staune immer wieder über die Balance, die Er an den Tag legte. Auf der einen Seite demaskierte Er offene Bosheit knallhart, ohne ein einziges beschönigendes Wort (siehe Joh 8,44), auf der anderen Seite liess Er wegen der menschlichen Schwachheit Dinge zu, die Er verpönt und für sich persönlich nie in Anspruch genommen hätte.

Obschon Scheidung in Gottes Augen das Letzte ist und Gott Scheidung hasst, gab Er den Menschen im Alten Testament diese Möglichkeit. Er wusste: Böse Menschen können sich über die Jahre zerfleischen, daher bringt es nichts, wenn sie lediglich aufgrund eines für sie unerreichbaren Standards zusammen bleiben. Sie sollen dann besser – weil sie Härte in ihrem Herzen haben aufkommen lassen – die Möglichkeit des Scheidebriefs in Betracht ziehen.

Der Scheidebrief wurde aber, dass kann nicht genug betont werden, nur wegen der Härte einiger menschlichen Herzen gegeben; er war nie von Gott als Bestandteil seiner herrlichen Gebote vorgesehen und deckt sich überhaupt nicht mit seinem Willen. – Wer den Scheidebrief als Legitimation Gottes für seinen Ehebruch oder seinen Wunsch nach Ehescheidung anführt, soll wissen, dass er sich nur schon mit dem Wunsch nach Scheidung völlig im Blick auf das christliche Zeugnis disqualifiziert hat und weit vom Weg Gottes, Ihn zu verherrlichen, abgekommen ist. Statt zur Verherrlichung Gottes steht ein solcher als Schandfleck und als ein negatives Mahnmal in der christlichen Landschaft.

So legte der HERR ihnen ihr verdrehtes Denken und im Gegenzug Gottes vollendete Herrlichkeit dar. Der Versuch des Menschen, Gott in die Falle zu locken, endete in des Menschen völliger Blossstellung und einer umfassender Offenlegung seiner niederträchtigen Gedanken. Auf diese Weise endet übrigens jeder Rechtsstreit mit Gott. Was masst sich der Mensch überhaupt an, mit dem Höchsten ins Gericht zu gehen?

Vers 6

von Anfang der Schöpfung an aber hat er sie <als> Mann und Frau geschaffen.   Mk 10,6

Mit diesem Vers untermauert der HERR wiederum den Zweck der Ehe: Es ist nicht gut, dass der Mann allein sei (1. Mo 2,18). Auf diesen Ausspruch des HERRN schuf der HERR die Frau. Der Mensch wurde von Gott als Mann und Frau geschaffen (1. Mo 1,27). Gott schuf sie, setzte sie so zusammen und sprach am Ende, dass das Ergebnis seiner Schöpfung sehr gut sei, das schliesst auch die Zusammensetzung des Menschen als ewiges Paar von einem Mann und einer Frau ein.

Und es geschah so. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.   1.Mose 1,31 

Gott sprach nie davon, dass eine Zusammensetzung von Menschen gemäss ihrem eigenen Willen gut sei. Der menschliche Eigenwille bringt gotteslästerliche Früchte, wie gleichgeschlechtliche Paare und Eheleute, die ihre Partner fort schicken und sich neue nehmen. Ehebruch, Unzucht, Homosexualität, Kinderschändung, Pädophilie und Sodomie standen im Alten Testament unter sofort durch Menschen zu vollstreckender Todesstrafe. Im Neuen Testament, wo die Weltherrschaft bis zur Wiederkunft Christi noch den (heidnischen) Nationen übertragen ist, wird das Gericht durch Gott selber vollzogen. Es ist den Menschen nicht mehr gegeben, Gottesgerichte auszuüben, selbst wenn Exponenten einiger Religionen glauben, ihrem Gott so helfen zu müssen. Die Nationen heissen bereits die ersten drei Punkte in der vorausgehenden Aufzählung gut, trotz des unermesslichen Leides, die sie mitbringen! Der Zerfall der Moral schreitet gegen das Ende dieses Zeitalters immer schneller voran. Selbst die letzten drei Punkte der Aufzählung werden bereits teils schon verharmlost!

Das göttliche Gericht geschieht in der Regel zeitversetzt; es wird am Ende des Zeitalters vollzogen. Es findet nicht unmittelbar nach den gotteslästerlichen Handlungen statt, sondern in den meisten Fällen erst, wenn Christus wiederkommt. Vereinzelt kann es doch vorkommen, dass Gott sofort richtet und die Fehlbaren ohne Zutun von Menschenhand völlig überraschend sterben lässt, so wie Hananias und Saphira, denen Gott wegen ihrer Lüge in der Gemeinde ein vorgezogenes Lebensende anordnete (Apg 5,1 ff.).

Vers 7

»Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen,   Mk 10,7 

Christus erläutert einen natürlichen Verlauf im Leben des Menschen, welchen Er als Mann und Frau erschaffen hat. Er hat ihn nicht als Mann und Mann oder als Frau und Frau, geschweige denn als Mann und Tier (Sodomie!) geschaffen.

Die Beziehung des Menschen soll so innig werden, dass der Mensch die durch die eigenen Eltern beschützte und behütete Umgebung aufgibt und für den Rest seines Lebens seiner (einzigen) Frau anhangen wird.

Inzwischen wissen wir auch, dass die natürliche Beziehung unter den Menschen die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde vorschattet (Eph 5,32). Damit vermittelt der HERR geistlichen Menschen Herrlichkeit über Herrlichkeit, wovon der natürliche Mensch in seinem Eigendünkel und seiner Aufgeblasenheit rein gar nichts versteht, wie schriftlich festgehalten ist:

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.   1.Kor 2,14 

Natürlichen Menschen, seien sie noch so gebildet, ist Gottes Plan eine Torheit, ein in ihren Augen dummer Plan. Sie können nichts daraus herauslesen, sie verstehen nichts davon, selbst Professoren nicht. Wer den Geist zur Aufschlüsselung nicht hat, kann Geistliches einfach nicht einordnen! Amen.

Vers 8

und die zwei werden ein Fleisch sein«; daher sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.   Mk 10,8

Der Mensch ist so geschaffen von Gott, alles andere ist nicht gottgewollt und der Schöpfung entsprechend:

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.  1.Mose 1,27 

Diese Einheit „Mensch“ soll eine so innige Beziehung pflegen, dass sie nicht mehr durch zwei einzelne Körper dargestellt wird, sondern zu einem einzigen verschmilzt. Und das geschieht, wenn sich der Mensch als solcher findet, wenn also ein alleinstehender Mann eine alleinstehende Frau trifft und diese für sich entscheiden, für den Rest des Lebens zusammenbleiben zu wollen. Dieses Zusammenkommen ist so natürlich und gottgewollt und voller Gefühle, dass es Herrlichkeit ist.

Man muss sich ernsthaft fragen, wieso einige Christen unnatürliche Regeln zum ehelichen Verkehr hinzufügen wollen. Einige gingen oder gehen heute noch sogar soweit, dass sie sagen, der eheliche Verkehr soll sich nur auf das effektive Zeugen von Kindern beschränken. Damit zerstören sie das herrliche Bild der beständigen Einheit des Menschen, also vom Mann und seiner Frau.

Die Freude am Ehepartner soll gross sein; Gott verordnete deshalb im Alten Testament auch eine einjährige Befreiung von jeglicher Verpflichtung, insbesondre von jeglichem Kriegsdienst (5. Mo 24,5). – Erinnern wir Verheirateten uns nicht an die ersten Monate unserer Ehe, die wir keusch haben starten dürfen? Hätte uns da ein fensterloses Kämmerlein als Bleibe etwas ausgemacht, wenn unser geliebter Ehepartner zugegen war? Im Neuen Testament werden die Eheleute angehalten, den innigen Verkehr nicht zu verkürzen oder gar auszusetzen, ausser für eine bestimmte Zeit mit Gott. Alles andere gibt dem Teufel ein geöffnetes Einfallstor, wie es in der entsprechenden Stelle festgehalten ist.

Ganz anders und viel niedriger denken die ungläubigen Menschen von Gott und seiner gegebenen und gewollten Ehe. Vielerorts wird die Ehe als überholte Institution angeschaut und ein lebenslanges Zusammensein von Mann und Frau für nicht mehr möglich betrachtet, da heute die Partner wirtschaftlich nicht mehr so abhängig voneinander sind wie früher. Aus der Sicht des Stifters werden damit von den Nationen gotteslästerliche Partnerschaften praktiziert und gebilligt. Es wird vielerorts gar mit brachialer Gewalt – sogar mit staatlicher Unterstützung – das Etablieren von unnatürlichen Partnerkonstellationen vorangetrieben. Das Unnatürliche soll Natürlich werden, das ist die Parole obschon allen klar ist, dass, selbst wenn wir Kopf stehen, die Sonne vom Menschlein nicht zum Mond gemacht werden kann oder umgekehrt. Die Sonne wie der Mond haben ihre Bestimmung, wie der Mensch, der als Mann und Frau geschaffen ist, seine Bestimmung hat.

Ich habe im Kommentar zum Vers 6 in diesem Kapitel erwähnt, dass Gott persönlich richten wird. Das Gericht über die Verbrechen in Bezug auf sein Gesetz hält Er allein; es ist nicht Menschen gegeben. Aus meiner Warte kann ich nur davor warnen und sagen, dass es diesbezüglich furchtbar sein wird, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Heb 10,31).

Vers 9

Was nun Gott zusammengefügt hat, soll <der> Mensch nicht scheiden.   Mk 10,9 

Lassen wir uns bitte nicht beirren und halten wir bitte zwei Dinge auseinander. Das eine ist die Schöpfung, das andere ist der Ist-Zustand auf der Erde. Der Ist-Zustand entspricht zurzeit nicht demjenigen der Schöpfung zur Zeit von Adam und Eva. Alles was Gott geschaffen hat, war perfekt, denn Er sagte zu allen geschaffenen Dingen:

Und es geschah so. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.   1.Mose 1,31a

Was Gott tut, das tut Er in Perfektion. Es kann nicht besser kommen. Niemand kann im Rat Gottes zu Ihm sagen: „Das würde ich anders machen, dann kommt es besser!“ – Was ist der Mensch im Blick auf Gott? Der Mensch wird sofort zur Lachnummer, wenn er Gott helfen will.

Auf der einen Seite gibt es die perfekte Schöpfung. Auf der andern Seite sehen wir den Ist-Zustand unserer Umstände und Begebenheiten. Dieser Ist-Zustand ist natürlich nicht perfekt. Wir wohnen in einer Welt, die sprichwörtlich „zum Teufel“ geht. Satan, Gottes Gegenspieler, ist ja der Fürst der Welt (Joh 12,31). Der Heilige Geist bezeichnet ihn auch als Vater der Lüge (Joh 8,44). Daher ist es nicht verwunderlich, dass es zurzeit nicht gemäss der perfekten Schöpfungsordnung abläuft.

Wenn wir nur anhand der Umstände Entscheide treffen, können wir in Dingen, die ausschliesslich unter die perfekte Schöpfungsordnung fallen, völlig falsch liegen. Lassen Sie mich dazu ein Beispiel machen: Betrachten wir ein Ehepaar, dass es gemeinschaftlich nicht mehr so gut hat. Anhand der Umstände zu urteilen, könnte man schlussfolgern, dass es das Beste wäre, wenn sich das Paar scheiden liesse.

Da die Ehe aber nicht im Kontext von aktuellen Umständen zu betrachten, sondern ein Bestandteil der perfekten Schöpfung ist, müssen wir sie als Schöpfungsbestandteil beurteilen – sie gehört definitiv nicht zu Produkten oder Anordnungen für die heutigen Umstände im geistlichen „Kriegsgebiet“ zwischen dem Himmel und Reich des Teufels. Schöpfungsbestanteile gehören ausschliesslich zu den perfekten Erzeugnissen Gottes. Die perfekten Produkte Gottes sind unantastbar, niemand kann sagen: Gott, Du hast die Schöpfung mangelhaft gestaltet, schau, ich helfe Dir beispielsweise die Verordnungen über die Ehe anzupassen bzw. zu verbessern. Deshalb liegt es klar auf der Hand: Was Gott zusammengefügt hat (in der Schöpfungsordnung), soll der Mensch nicht scheiden! Diese Aussage Christi, also Gottes, muss das Ende jeder Diskussion sein. Wer es besser weiss als Gott, manövriert sich in übelster Weise ins Aus.

Auf dieser Erde, dem „Kriegsgebiet zwischen dem Himmel und dem Reich Satans“ läuft es ab, wie es in Krisengebieten die Norm ist. Vielleicht müssen wir uns mit einem rostigen Fahrrad begnügen, um an einen anderen Ort zu kommen. Das Fahrrad ist lediglich ein Mittel zum Zweck. Würde es in die perfekte Schöpfung fallen bzw. daraus kommen, wäre es nicht rostig, sondern gemäss der herrlichen Weisheit Gottes in perfekter Art hergestellt. – Lernen wir also zu unterscheiden: Die Ehe ist nicht ein Mittel zum Zweck, um beispielsweise im Krisengebiet zu überleben. Die Ehe ist ein Bestandteil der Schöpfungsordnung, der perfekten Ordnung also und muss somit als solche betrachtet werden. Wer von der falschen Seite her kommt und die Ehe als temporäre Einrichtung betrachtet, bleibt diese Institution betreffend im völligen Irrtum. Da die Ehe perfekt ist, soll uns die Möglichkeit einer Scheidung nicht einmal in den Sinn kommen! Vielmehr sollen wir sie mit allen Mitteln bewahren! Das ist Christi Aussage. Der Mensch soll sie nicht scheiden! Amen.

Vers 10

Und im Hause befragten ihn die Jünger deswegen noch einmal;   Mk 10,10

Was der HERR betreffend die Ehe – ein Thema das alle interessiert – erläutert hatte, liess die Jünger nicht los, sodass sie es im Hause noch einmal aufgriffen. Der Vorteil der Jünger war dabei die Nähe zum HERRN. Weil sie Ihn jederzeit alles fragen konnten, hatten sie eine sehr komfortable Stellung. Erinnern wir uns nur wieder an die Stelle im Mk 9,28, wo die Jünger den HERRN fragten, warum sie den Dämon nicht haben austreiben können.

Wie erwähnt, hatten sie unerreichbare Vorteile durch diese Nähe zum HERRN, im Gegensatz zu denen, die draussen waren. Wir profitieren heute ebenfalls von diesen Vorteilen; der HERR hält die Verbindung durch den Heiligen Geist zu der Gemeinde aufrecht. Er liess die Jünger und lässt somit auch uns nicht verwaist zurück, wie Er es im Johannes 14,15-18 versprochen hat. – Er sei gelobt!

Vers 11

und er spricht zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie.   Mk 10,11 

Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Die Frau, die ihren Mann entlässt (um anderen nachzuhuren), begeht genauso Ehebruch. Das sind einfach die Fakten. Wer sich dagegen stellen will, mag das tun; ein solcher stellt sich gegen keinen Geringeren als den, der die Ehe gestiftet hat.

Da hilft es einfach nicht, wenn man sagt: Unsere Ehe war sowieso am Ende, da bot sich halt der andere Partner an. – Frevel und Unglaube! – Dem Allmächtigen ins Gesicht zu spucken, der auch Ehestifter ist, kommt niemals gut. Nur schon wer weltlichen Autoritäten flucht, kommt in Ungnade, wie viel mehr eine Person, die dem Schöpfer durch sein Verhalten ins Gesicht spuckt!

Liebe Leserinnen und Leser! Distanzieren Sie sich vom aufkommenden Trend in den Gemeinden, wo Ehen nach weltlichen Massstäben beurteilt werden. In liberalen aber vermehrt auch in konservativen Gemeinden ist man schon so weit, zu sagen, dass man es, sollte es nicht mehr gehen, der Welt gleichtun soll: Das von Gott Zusammengefügte dürfe in antigöttlicher, ungehorsamer und böser Art auseinandergerissen werden, um der Lust nach einem neuen Partner Platz zu machen!

Vers 12

Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.  Mk 10,12   

Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, kann die Frau ebenfalls Urheberin des Ehebruchs sein. Mit zunehmender Tendenz sind es die Frauen, die es den gottlosen Männern gleich tun. Wenn die Frau ihren Mann mit den Worten „ein weiteres Zusammenleben mit dir ist ausgeschlossen“ aus dem heiligen und von Gott gestifteten Ehebund wirft und danach mit einem anderen beginnt zu huren, dann begeht sie Ehebruch. Für die Ehebrecherinnen steht warnend das Urteil über das ehebrecherische Israel:

45 Aber gerechte Männer, die werden sie richten nach dem Recht für Ehebrecherinnen und nach dem Recht für solche, die Blut vergiessen; denn sie sind Ehebrecherinnen, und Blut ist an ihren Händen. – 
46 Denn so spricht der Herr, HERR: Man führe eine Versammlung gegen sie herauf, und gebe sie der Misshandlung und der Plünderung preis!   
47 Und die Versammlung soll sie steinigen und sie mit ihren Schwertern zerhauen; ihre Söhne und ihre Töchter soll man erschlagen und ihre Häuser mit Feuer vernichten!   
48 Und so werde ich die Schandtat aus dem Land wegschaffen, damit alle Frauen sich warnen lassen und nicht nach eurer Schandtat handeln.   
49 Und sie werden eure Schandtat auf euch bringen, und die Sünden<, die ihr mit> euren Götzen <begangen habt,> werdet ihr tragen. Und ihr werdet erkennen, dass ich der Herr, HERR, bin.     Hes 23,45-49 

Der Herr wird die Schandtat aus dem Land wegschaffen! Die Frauen sollen sich warnen lassen!

Liebe Leserinnen und Leser! Lassen sich die Menschen warnen, sei es Mann oder Frau? – Persönlich glaube ich das immer weniger. Jeder tut gerade, was ihn recht dünkt, wie es die Israeliten zur Richterzeit taten. Wie sie sich dort in eine Orientierungslosigkeit manövrierten, freveln (leider nicht wenige!) Christen in der selben Art.

Dem Beobachter erscheint dies alles zwar völlig irrational, denn nur schon wer 1+1 zusammenzählen kann, kennt das Ergebnis. Diese Rechnung kann sich schon ein sehr junges Kind machen. Das Volk Gottes tut aber trotzdem was es will, obschon die Geschichte mit vielen Beispielen erklärt, dass Sünde + Herrschaftsbereich Gottes zu einem sehr harten Ergebnis (Gericht) führen, vor allem dann, wenn vorsätzlich oder trotz Ermahnungen gesündigt wird. Amen.

Vers 13

Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrührte. Die Jünger aber fuhren sie an.  Mk 10,13

Nach dieser privaten Unterredung zwischen den Jüngern und Christus kamen Menschen herbei, die Kinder zu Christus brachten, was dem Wunsch aller Eltern entspricht. Jeder Vater und jede Mutter möchte, dass besonders die eigenen Kinder in der Gunst und unter dem Segen des Höchsten stehen.

Die Jünger nun, die gerade wichtige Erwachsenenthemen erklärt bekommen haben, fuhren die Menschen an, welche mit den Sprösslingen eintrafen. Die Jünger mochten gedacht haben, was denn jetzt dieser Kindergarten soll, wo doch der HERR vor sehr viel wichtigeren Aufgaben stand, als dafür, Kinder anzurühren.

Das Denken der Jünger war noch sehr irdisch, weltlich geprägt. Ein weltlicher Herrscher gibt sich nicht mit Kinderkram ab. Zu seinen Nächsten gehören seine Minister und Menschen in hochkarätigen Gremien. Die Kinder sollen zur Schule gehen und schauen, dass später einmal etwas aus ihnen wird. Die Jünger waren voll überzeugt, dass das gar nicht geht, dass Menschen hier mit den Kindern anfangen einzutrudeln, um dem HERRN die Zeit zu stehlen. Sie mussten so sehr davon überzeugt gewesen sein, dass sie die Ankommenden nicht mehr freundlich behandelten. Die Jünger sahen es als gerechtfertigt an, die Leute für diese „Dreistigkeit“ anzufahren.

Vers 14

Als aber Jesus es sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen! Wehrt ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes.     Mk 10,14  

Christus, der Schöpfer der Menschen – alles wurde ja durch Ihn (Kol 1,16), ist ein Menschenfreund. Die Menschen dürfen alle zu Ihm kommen, seien sie gross oder klein, Er freut sich über jeden, der zu Ihm kommt oder zu Ihm gebracht wird.

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch anführen, was ein echter Menschenfreund ist. Göttliche Menschenfreundlichkeit hat überhaupt nichts mit der Humanität (= Menschenfreundlichkeit) zu tun, wie sie von der Welt dargestellt wird. Im weltlichen Humanismus (= Haltung zur Menschenfreundlichkeit, Streben nach Menschlichkeit) soll jedes Individuum sich frei entfalten können, solange es die Allgemeinheit nicht beeinträchtigt. Ob dabei die Regeln des höchsten Gottes über Bord geworfen werden, spielt überhaupt keine Rolle. Humanisten gewähren straffälligen und vorsätzlich üblen Charakteren, selbst wenn diese ihren Helfern ins Gesicht spucken, immer noch alle Möglichkeiten. In der Schweiz kommt es vor, dass renitente Menschen, selbst wenn sie jahrelang am Tropf des Staates hingen, doch noch alle rechtlichen Wege bis hin zum höchsten Gericht, dem Bundesgericht, beschreiten dürfen und so weitere eklatante Kosten zu Lasten der Allgemeinheit generieren.

Im Folgenden möchte ich dem Leser anhand eines Vergleichs eine Hilfestellung bieten, zu sehen, wie verdreht der weltliche Humanismus ist. Er eignet sich hervorragend zwischen weltlichem und göttlichem Humanismus zu unterscheiden und stellt dazu die Menschlichkeit Gottes in strahlend helles Licht:

In der jüngsten Vergangenheit (Jahr 2014 / 2015) beschäftigte der sogenannte „Carlos-Fall“ die Gerichte in der Schweiz. Einem männlicher Straftäter mit dem Pseudonym „Carlos“ wurde für über 20‘000.- CHF/Mt. – das sind 240‘000.- CHF im Jahr – ein sogenanntes Sondersetting vom Staat bereitgestellt, unter anderem mit Sozialarbeitern, die ihn rund um die Uhr betreuten. In Verlauf dieser skandalösen Geschichte klagte „Carlos“ den Staat ein, und verpasste damit seinem Versorger einen Faustschlag ins Gesicht. Dies geschah so quasi als Dank gegen den, der ihm das tägliche Brot und Hobbys (Kampfsportunterricht!) finanzierte. Der ehemalige Straftäter, der nur Gutes vom schweizerischen Staat erhalten hat, klagte vor Bundesgericht gegen ebendiesen!

Solches dürfen heute undankbare und renitente Individuen in vom weltlichen Humanismus durchsäuerten Gesellschaften mancherorts tun, selbst wenn man ihnen alle erdenklichen Möglichkeiten zur sozialen Integration dargereicht hat. So funktioniert der Humanismus bzw. die Menschenfreundlichkeit der Welt. Weltlicher Humanismus verdient den Namen nicht, weil er ungerecht ist.

Der HERR ist ein echter Menschenfreund. Bei Ihm geschient dazu alles in Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Gnade. Er gibt aus Liebe zum Menschen sogar sein Leben hin, was weltliche Humanisten tunlichst bei fremden und straffälligen Menschen vermeiden würden. Wenn ein böser Mensch die Liebe des HERRN aber nur für seine Bosheiten ausnutzt, dann wendet sich das Blatt schnell! Die Welt zeigt sich in solchen Situationen hingegen als handlungsunfähig oder, wie erwähnt, als völlig ungerecht.

Menschenfreundlichkeit in der Bibel besteht aus Liebe und Gnade. Wird diese jedoch lediglich ausgenutzt, um den eigenen üblen Trieben zu folgen, kommt, wie erwähnt, Gottes Gerechtigkeit zur Anwendung und unterbindet jeglichen Wildwuchs. Diese Gerechtigkeit markiert einen klaren Unterschied zwischen den für Menschenfreundlichkeit würdigen Menschen und den gottlosen, bösen Menschen. Gott stösst die Guten nicht vor den Kopf, indem Er die Bösen gleich behandelt. Der HERR vergewaltigt niemals seine Gerechtigkeit.

Das angekündigte Gegenbeispiel zum weltlichen Fall „Carlos“ sehen Sie im folgenden Bibeltext. Lernen wir, wie im Reich Gottes in derselben Situation umgegangen wird. Das Gegenbeispiel von Carlos ist im biblischen Beispiel ein Königssohn Davids, Adonija, der durch einen Streich an die Macht kommen wollte, obschon das Königtum durch den HERRN für einen anderen Königssohn, Salomo, bestimmt war. Als sein Streich scheiterte, er aber Gnade empfing und nicht für diesen Frevel getötet wurde, setzte er seine Dreistigkeit fort. Anstatt sich ruhig und dankbar zu verhalten, kam er mit erneuten Forderungen.

Sehen Sie die Parallelen zu „Carlos“? „Carlos“ wurde im Blick auf seine kriminelle Energie grosse Gnade zuteil, mehr als an der Mehrzahl der in der Schweiz geborenen Kinder. Dazu wurde ihm noch sein Wunschhobby finanziert, was mit der ganz „dicken Rührkelle“ mit einem persönlichen Trainer geschah, ohne Rücksicht auf ein vernünftiges Budget. Seine „Dankbarkeit“ dafür erzeigte „Carlos“ darin, dass er den Staat, der ihm alles zahlte, vor dem höchsten Gericht einklagte. So verhielt sich Adonija, was ein perfektes Beispiel abgibt, um weltlichen Humanismus mit dem göttlichen zu vergleichen.

Das ist die Einleitung zur Geschickte Adonijas: Der für seinen üblen Staatsstreich begnadete Adonija stellt trotz aller erfahrenen Gnade eine dreiste Forderung und platziert diese bei seiner Mutter, die sie bei dem neu amtierenden König Salomo vorbringen sollte. Er forderte eine Frau, aber nicht irgend eine Frau, er forderte die damals schönste Frau in Israel, welche auserkoren worden war, den alt gewordenen König David zu pflegen (1. Kö 1,1-4). Adonija spricht zur Mutter des Königs:

16 Jetzt aber möchte ich eine einzige Bitte von dir erbitten. Weise mich nicht ab! Da sagte sie zu ihm: Rede!
17 Und er sagte: Sprich doch zum König Salomo, denn er wird dich nicht abweisen, dass er mir Abischag, die Schunemiterin, zur Frau gebe!   
18 Darauf sagte Batseba: Gut, ich selbst will deinetwegen mit dem König reden.   
19 So ging Batseba zum König Salomo hinein, um mit ihm wegen Adonija zu reden. Und der König erhob sich, <kam> ihr entgegen und beugte sich vor ihr nieder. Dann setzte er sich auf seinen Thron und liess einen Thron für die Königinmutter aufstellen; und sie setzte sich zu seiner Rechten.
20 Dann sagte sie: <Nur> eine einzige kleine Bitte möchte ich von dir erbitten. Weise mich nicht ab! Und der König sagte zu ihr: Bitte, meine Mutter, denn ich werde dich nicht abweisen.
21 Und sie sagte: Möge Abischag, die Schunemiterin, deinem Bruder Adonija zur Frau gegeben werden!
22 Da antwortete der König Salomo und sagte zu seiner Mutter: Warum bittest du um Abischag, die Schunemiterin, für Adonija? Bitte doch gleich um das Königtum für ihn, denn er ist ja mein älterer Bruder, und zu ihm <hält> der Priester Abjatar und Joab, der Sohn der Zeruja!   
23 Und der König Salomo schwor bei dem HERRN und sprach: So soll mir Gott tun und so hinzufügen! Um <den Preis> seines Lebens hat Adonija dieses Wort geredet!   
24 Und nun – so wahr der HERR lebt, der mich bestätigt hat und mich auf den Thron meines Vaters David gesetzt und der mir ein Haus gemacht hat, wie er geredet hat – fürwahr, heute <noch> soll Adonija getötet werden!   
25 Und der König Salomo sandte hin zu Benaja, dem Sohn Jojadas, der stiess ihn nieder. So starb er.   1.Kön 2,16-25 

Sie lasen soeben, wie im Reich Gottes mit Menschen verfahren wird, die ihre Begnadigung nicht wertschätzen oder sie gar mit Füssen treten. Wenn begnadete Menschen die totale Undankbarkeit mit neuen Forderungen vor den bringen, der sie begnadigt hat, ist „der Ofen aus“, wie man so schön bei unmöglichen Dingen sagt. Gott hat dafür kein Verständnis mehr. – Lassen Sie uns das mit einem Text im Neuen Testament bestätigen:

29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«   
31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!    Hebr 10,29-31 

Es kommt nicht gut, wenn der Mensch, zuerst erlöst und geheiligt durch Christus – der die Menschen im Gegensatz zu den Humanisten so sehr liebt, dass Er sein Leben für sie hingibt – im Anschluss mit frechen Forderungen kommt, die letztendlich eine niederträchtige Haltung offenbaren! Zum Glück kommt es dann nicht gut; es gibt also noch ein Reich, in dem die Gerechtigkeit regiert!

Der echte Menschenfreund wies daher die Kinder nicht zurück, sie sollten immer vor Ihn kommen dürfen! Amen!

Vers 15

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, wird dort nicht hineinkommen.    Mk 10,15 

Hiermit erklärt Jesus den Weg ins Reich Gottes. Dieser Erklärungsblickwinkel gilt vor allem Menschen, die glauben, in sich selbst klug zu sein. Solche Menschen gehen einfach so ihren Weg, dünken sich auf dem richtigen Pfad, selbst wenn sie höchste Gebote sträflich missachten. Achten Sie bitte darauf, wie die Bibel zum Beispiel das Gebaren einer Ehebrecherin beschreibt, die bereits unter dem Urteil der Ehebrecherinnen bzw. Mörderinnen steht:

So ist der Weg einer ehebrecherischen Frau: Sie isst und wischt ihren Mund und sagt: Ich habe nichts Unrechtes getan!    Spr 30,20 

Trotz vollbrachter ärgster Sünde spricht sie einfach so: „Ich habe nichts Unrechtes getan!“ – Schuldbeladen gehen Menschen dieses Schlages offenen Auges in ihren Tod und das folgende Gericht hinein. – Ein solches Verhalten ist weder rational, noch sonst wie erklärbar. Ich weiss nur aus dem Leben und der Schrift, dass es dieses Phänomen gibt und es immer öfter auftritt.

Kommen wir zum Vers zurück. Wer sich nicht im Vertrauen zu Gott an seine Worte hält, wie ein Kind den Worten des eigenen Vaters glaubt, wird nicht in das Reich hineinkommen. Ein Solcher kommt aus dem einfachen Grund nicht dort hinein, weil er auf seinen Verstand und seinen eigenen Weg vertraut. Er glaubt niemanden, er glaubt nur an sich allein, wie es viele Menschen in Anzeigen oder Bewerbungen im Punkt „Selbstportrait“ und der Unterrubrik „Ich glaube an“ von sich offenbaren. Damit offenbaren sie der ganzen Welt ihren eigenbrötlerischen Weg.

Es ist nun mal eine Gesetzmässigkeit, dass die Wege des Menschen den göttlichen entgegengesetzt sind. Der natürliche Mensch lebt in Feindschaft gegen Gott und es ist für ihn bei unbelehrbarer Haltung unmöglich, ins Reich der Gerechtigkeit zu kommen (Rö 8,7). Amen.

Vers 16

Und er nahm sie in seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie.    Mk 10,16 

Der einzig wahre Menschenfreund, Jesus, nahm die Kinder in seine Arme und erzeigte ihnen damit seine Liebe. Doch es blieb nicht nur dabei, Er setzte sich deutlich für sie ein. Für alle sichtbar nutzte Er seine Autorität und Macht, die Kinder unter den göttlichen Schutz zu stellen.

Und genau das ist die einzige Befriedigung des Menschen, nämlich in der Gunst Gottes zu stehen. Keine Weltreise und kein dicker Sportwagen kann einen solchen Seelenfrieden bescheren, wie das reale Bewusstsein, im Wohlwollen Gottes zu ruhen (Ps 42,6.12; 43,5)!

Diese vollständige Beruhigung und dieses vollständige Zufriedenstellen der Seele gibt der HERR denen, die sich nach einem wirklichen Freund, Bruder und Gegenüber sehnen. Es ist erstaunlich, wie viele Christen sich mit viel weniger abfinden, als möglich ist. – Der HERR sei gelobt für seine zärtliche Fürsorge! Amen.

Vers 17

Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herbei, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe?     Mk 10,17

Als Jesus auf den Weg hinausging und wieder in der Öffentlichkeit war, warf sich jemand vor Ihm auf den Boden, um nach dem Weg Gottes zu fragen. – Diese Art der Motivation, vor Gott zu treten, ist viel weitsichtiger als es die ständigen Bitten nach dem irdischen Wohlergehen sind. Gerne kamen die Menschen vor Gott, um sich von allerlei Krankheiten heilen zu lassen. Zu wenig ist die viel edlere Frage nach dem rechten Weg biblisch dokumentiert. Jeder will gesund und vermögend sein auf Erden, wogegen sich längst nicht jeder um den Willen Gottes kümmert, was den HERRN viel mehr erfreut.

Natürlich, Gott ist barmherzig und kümmert sich um unsere täglichen Bedürfnisse; für diese zu sorgen, hat Er uns explizit bestätigt (Mt 6,26 ff.). Wir sehen aber, wie Gott sich freute, als Salomo für eine gute Führung für das Volk und nicht einfach für seine eigenen Interessen bat. Gott belohnte diese Haltung äusserst grosszügig (1. Kö 3,11 ff.).

Lernen wir von diesen Begebenheiten! Denken wir doch zuerst an die anderen (Mk 10,43) und erst danach für uns. Gott wird uns nicht zu kurz kommen lassen! Nach diesem Prinzip handelte Salomo und wurde dabei sehr, sehr gross. Amen.

Vers 18

Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott.

Mk 10,18

Für Menschen, die in Christus die Gottheit noch nicht sahen, durfte auf keinen Fall ein falscher Glaube aufkommen. Niemand durfte nur schon den leisesten Verdacht haben, es gäbe gute Menschen. Das gilt auch für heute.

Es ist mir durchaus bewusst, dass eine solche Feststellung in der heutigen Zeit sogar unter Christen Unverständnis auslöst. Bedenken wir aber bitte, dass die vorherrschende Meinung der Menschen stets gegen den Willen Gottes war; es ist müssig, hier wieder einen Beweis dazu aufzuführen. Gott musste im Alten schon die ganze Erde im Gesamten, also inklusive aller „lieben“ Menschen, durch die Sintflut richten. Und Gott richtet gerecht. Wo waren bzw. sind also die lieben Menschen, die Gottes Gebote hoch halten? – Die Welt steht heute wieder vor einer furchtbaren gesamtheitlichen Strafe, nämlich dann, wenn der HERR zurückkommt. Wie erwähnt, muss der Mensch also böse sein, dass solches kommen muss.

In Kommentaren zu anderen Versen habe ich schon mehrfach auf die Aussagen Gottes hingewiesen, dass rein gar nichts Gutes im Menschen wohnt (Mt 7,11 u.v.a.). Wer an etwas Gutes im voll gegen Gott gerichteten natürlichen Menschen glaubt, kann sich im Evangeliumsdienst und auch sonst nicht bewähren, da er nicht im vollen Ausmass erkennt, wie dringend notwendig eine vollständige Errettung durch Gott für jeden Menschen ist und dass ohne die Annahme der erlösenden Tat Christi jeder Mensch diskussionslos des Todes ist.

Christus war und ist gut, das ist unbestritten, denn alles Gute kommt vom Himmel, wie Jakobus geschrieben hat (Jak 1,17). Sonst wäre ja eine Gabe Gottes schlecht, denn Christus ist von Gott und gehört zur Gottheit. – Unser Vers stellt unmissverständlich klar, dass wir uns der Ernsthaftigkeit und Tragweite von falschen Gedanken wie, es gäbe einen guten Kern im Menschen, bewusst sein sollen. Solches Gedankengut kommt von der falschen Seite, um das Evangelium zu lähmen und die lebensnotwendige Entscheidung für Christus als eine nicht dazu zwingende Anforderung zu betrachten.

Vers 19

Die Gebote weisst du: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis reden; du sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter!« Mk 10,19 

Nach der Klarstellung zum menschlichen Denken betreffend das Böse im Menschen kommt der HERR zu einer Antwort auf die Frage des Menschen aus dem vorausgehenden Vers 17. Mit seiner Antwort weist der HERR darauf hin, dass die Gebote Gottes keine Empfehlungsschreiben sind. Sie sind dazu da, um unbedingt eingehalten zu werden.

Gottes Gebote erhalten die Menschen auf dem guten Pfad, sie weisen den Weg zum Leben und führen dann in den Genuss der Schönheit des Lebens. Das ist die Einleitung der Antwort Christi auf die Frage dieses Menschen. Wer die Gebote Gottes, wie erwähnt, lediglich als Empfehlungen anstatt als Richtlinien betrachtet, braucht Gott nicht um Weisung zu fragen, eine solche Frau bzw. ein solcher Mann tun sowieso nur, was sie bzw. er will. Solche Menschen gleichen denen, die Jeremia mit Fragen bemühten, die Antworten Gottes aber in der Folge verwarfen, wie geschrieben steht:

1 Da traten heran alle Heerobersten und Johanan, der Sohn des Kareach, und Jesanja, der Sohn des Hoschaja, und das ganze Volk, vom Kleinsten bis zum Grössten,   
2 und sagten zum Propheten Jeremia: Lass doch unser Flehen vor dich kommen und bete für uns zum HERRN, deinem Gott, für diesen ganzen Rest – denn <nur> wenige sind wir, die von vielen übriggeblieben sind, wie deine Augen sehen –,   
3 dass der HERR, dein Gott, uns den Weg mitteilt, auf dem wir gehen, und die Sache, die wir tun sollen!   
4 Und der Prophet Jeremia sagte zu ihnen: Ich habe es gehört. Siehe, ich will zum HERRN, eurem Gott, beten nach euren Worten. Und es soll geschehen, jedes Wort, das der HERR euch antwortet, werde ich euch mitteilen; ich werde euch kein Wort vorenthalten.     Jer 42,1-4

Als Jeremia die Antwort Gottes erhalten hatte und sie dem Volk vorbrachte, reagierten die Fragesteller völlig irrational, nämlich folgendermassen:

1 Und es geschah, als Jeremia zum ganzen Volk alle Worte des HERRN, ihres Gottes, zu Ende geredet hatte, mit denen ihn der HERR, ihr Gott, zu ihnen gesandt hatte, alle jene Worte,   
2 da sagte Asarja, der Sohn des Hoschaja, und Johanan, der Sohn des Kareach, und alle frechen Männer, – sie sagten zu Jeremia: Du redest Lüge! Der HERR, unser Gott, hat dich nicht gesandt und gesagt: Ihr sollt nicht nach Ägypten ziehen, um euch dort als Fremde aufzuhalten! –   
3 sondern Baruch, der Sohn des Nerija, hetzt dich gegen uns auf, um uns in die Hand der Chaldäer zu geben, damit sie uns töten oder uns nach Babel gefangen wegführen.      
4 Und so hörten Johanan, der Sohn des Kareach, und alle Heerobersten und das ganze Volk nicht auf den Befehl des HERRN, im Land Juda zu bleiben.   
5 Und Johanan, der Sohn des Kareach, und alle Heerobersten nahmen den ganzen Überrest von Juda, die aus allen Nationen, in die sie vertrieben worden, zurückgekehrt waren, um sich im Land Juda aufzuhalten:   
6 die Männer, die Frauen, die Kinder und die Königstöchter und alle Seelen, die Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, bei Gedalja, dem Sohn Ahikams, des Sohnes Schafans, zurückgelassen hatte, und auch den Propheten Jeremia und Baruch, den Sohn des Nerija.   
7 Und sie zogen nach Ägypten, denn sie hörten nicht auf die Stimme des HERRN. Und sie kamen nach Tachpanhes.     Jer 43,1-7

Ein Bestandteil der Antwort Gottes war: „Zieht nicht hinab nach Ägypten (Jer 42,9 ff.)!“ – Wie unglaublich die völlig entgegengesetzte Reaktion der Fragesteller doch war, finden Sie nicht?

Jeremia war ein mehrfach von Gott bestätigter Prophet. Alle seine Verheissungen trafen vollumfänglich ein, einige sogar innert Jahresfrist (Jer 28,16.17). Die Prophezeiungen über die Einnahme Jerusalems und die Verschleppung nach Babel waren die Krönung. Trotz alledem, wie irrational doch Menschen handeln!, hörten sie weiterhin nicht auf seine Stimme. Sie befragten zwar den Mann Gottes. Wenn ihnen die Antwort aber nicht passte, ignorierten sie sie in einer Art, als ob man gegen Gott Kämpfe gewinnen könnte. Sie verachteten die Weisung in einer Ignoranz, die nicht mit Worten kann beschrieben werden!

Heute handeln die Christen, die es den Zeitgenossen Jeremias gleich tun, noch schlimmer. Die Zeitgenossen Jeremias hatten die Warnungen nicht, die wir haben. Wir haben diese Warnungen (1. Kor 10,6 ff.), und einige von uns handeln trotzdem in derselben Vermessenheit, indem sie das immer zu 100% eintreffende Wort verwerfen! Ich kann Ihnen das aus eigenen Erfahrungen bestätigen! Nächststehende Personen handeln so, wie die Alten damals in ihren Irrtümern. Und dies tun sie, ich wiederhole mich, trotz aller Warnungen! Für solche Menschen gibt es Beschreibungen, lassen Sie mich dazu die Schrift zitieren, ich brauche da gar nicht selbst etwas auszuführen:

11 Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams völlig hingegeben, und in dem Widerspruch Korachs sind sie umgekommen.   
12 Diese sind Flecken bei euren Liebesmahlen, indem sie ohne Furcht Festessen mit <euch> halten und sich selbst weiden; Wolken ohne Wasser, von Winden fortgetrieben; spätherbstliche Bäume, fruchtleer, zweimal erstorben, entwurzelt;   
13 wilde Meereswogen, die ihre eigenen Schändlichkeiten ausschäumen; Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist.   
14 Es hat aber auch Henoch, der siebente von Adam an, von ihnen geweissagt und gesagt: »Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Myriaden,   
15 Gericht auszuüben gegen alle und alle Gottlosen zu überführen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten <Worten>, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.«   
16 Diese sind Murrende, die mit dem Schicksal hadern und nach ihren Begierden wandeln; und ihr Mund redet stolze Worte, und sie bewundern Personen um des Vorteils willen.     Jud 1,11-16 

Soweit die Beschreibung dieser hochgradigen Irrläufer. Möge der HERR uns und die Versammlung vor solchen Menschen bewahren!

Zum Vers zurückkommend möchte ich nochmals auf die Worte Christi hinweisen, dass das Wort zu befolgen ist, um auf dem Weg zu bleiben. Eigene Dynamik lässt einen von der göttlichen Richtschnur abweichen. Es ist auch festzuhalten, dass es nichts nützt, wenn man auf dem frevelhaften Weg anfängt, Gott Fragen zu Links oder Rechts zu stellen. Zuerst muss man sich an die allgemeinen Gebote Gottes halten, erst danach sind weitere an Gott gerichtete Fragen statthaft. Vorher wird der HERR Abtrünnigen immer nur antworten: „Bring dich zuerst in Ordnung, bevor du mir Fragen zum Leben stellst!“ Mit genau diesem Prinzip arbeitet Christus, indem Er sagte: „Die Gebote kennst du!“ Amen.

Vers 20

Er aber sagte zu ihm: Lehrer, dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an.     Mk 10,20 

Dieser Mann, es war ein vermögender Mann, wie wir im Vers 22 nachlesen können, war bereits in einer sehr guten Ausgangslage. Er war nicht wie Jeremias Zeitgenossen, die Gott zwar befragten, sich aber nicht an seine Aussagen hielten. Wir sehen hier genau das Gegenteil: Da steht ein rechtschaffener Mann vor Gott, um Ihn zu befragen. Die Antwort Gottes fällt somit auch ganz anders aus als eine für Menschen, die Gott nur aus einer Pseudo-Frömmigkeit hinaus Fragen stellen aber grundsätzlich nicht bereit sind, alles zu tun, was sie hören werden.

Vers 21

Jesus aber blickte ihn an, gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eins fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib <den Erlös> den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach!     Mk 10,21 

Wer Gott liebt, hält seine Gebote. Wer Gott nicht liebt, hält seine Gebote nicht. So einfach und so schwarz/weiss darf die Unterscheidung gemacht werden, denn die Bibel gibt sie vor (Joh 14,21 für weiss; 1. Joh 2,4 für schwarz). Über Menschen, die Gottes Gebote halten, steht dieser herrliche Wortlaut:

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren.    Joh 14,21 

Dass Jesus (Gott) diesen Mann lieb gewann, hat mir der Tatsache zu tun, dass dieser Mann durch das Halten der Gebote Gottes echte Liebe zu Gott erzeigte. Die Liebe wurde ihm daher von Gottes Seite erwidert!

Im zweiten Teil des Verses folgt zwar eine sehr hohe Anforderung, die dem unkundigen Leser suggerieren könnte, dass der HERR die Messlatte immer höher setzt, sodass ein wohlgefälliges Leben mit Ihm gar nicht vorstellbar bzw. möglich ist. – Die Forderung Christi ist aber nicht als beziehungsvernichtend zu betrachten, auf keinen Fall. Sie zielt in eine völlig andere Richtung, nämlich in jene des zweiten Teils des folgenden Verses:

Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.     Joh 15,2 

Wer bereits Frucht bringt, erhält die Chance, noch höher hinauf ins Reich zu steigen. Dies ist wieder fakultativ, also freiwillig, der HERR drängt niemanden zu seinem Glück. – Der Mensch, der Jesus um Wegweisung fragte, war viel besser unterwegs, als es viele Glieder des Volkes Gottes waren. Im Blick auf die anderen hätte er zurücklehnen und sagen können, dass er in Ordnung sei. Er wollte aber Gott in allen Dingen gefallen und fragte nach mehr, da er das Gesetz ja bereits befolgte. Was hätte er denn noch weiter von sich aus machen können, ausser Gott über einen noch besseren Weg zu befragen?

Jesus trägt diesem Wunsch Rechnung und sagt ihm lediglich, was er noch machen kann, wenn er beim HERRN deutlich obenaus schwingen möchte, also in Allem für ihn Möglichen treu sein wollte. Wir wissen ja nur zu gut, dass wir es bei unterschiedlichem Engagement für den HERRN belassen können und dementsprechend belohnt werden (Lk 19,11 ff.).

Wer also in Ordnung ist vor dem HERRN und nach mehr fragt, dem eröffnet der HERR den Weg zum Maximum. Wer nicht in Ordnung ist vor dem HERRN, sollte sich dringendst zuerst in Ordnung bringen, bevor er Ihm anfängt Fragen zu stellen! Amen!

Vers 22

Er aber ging, entsetzt über das Wort, traurig weg, denn er hatte viele Güter.     Mk 10,22 

Die Möglichkeit der totalen Hingabe zum HERRN besteht nach wie vor bis zum heutigen Tag. Ich spreche hier nicht von der Möglichkeit einer teilweisen Hingabe; hier ist die Rede von totaler Hingabe.

Der Mann, der den HERRN nach dem Weg fragte, war bereits sehr gut unterwegs, indem er die Gebote von Jugend auf befolgte. Damit erzeigte er dem HERRN Liebe und wurde dadurch von Ihm wiedergeliebt.

Auf seine Frage hin zeigte der ihm der HERR den vollkommenen Weg, indem ihm der HERR sagte, er solle sich doch seinem Gott gänzlich hingeben. Diese Hingabe ist mit einer Ehegemeinschaft zu vergleichen. Je mehr sich die Partner einander hingeben, desto tiefer wird ihre Beziehung. Ein maximal geliebter Partner steht im Genuss einer Person, die alles für ihn geben würde, sogar ihr Leben, sollte es nötig sein.

Kommen wir zurück zum Vers, welcher auch offenbart, dass dieser Mann reich war. Je mehr Güter ein Mensch hat, desto grösser ist das Opfer für den maximalen Weg in der Nachfolge. Es verwundert daher nicht, dass der Mann über diese Darstellung des besten Weges traurig wurde. Zumindest wurde er das vorerst. Wir wissen nicht, ob er sich später für den HERRN doch noch von allem getrennt hat, um seiner Liebe zu Ihm den maximalen Ausdruck zu geben. Persönlich sehe ich das als sehr wahrscheinlich an. Denn nur schon das Halten der Gebote war eine Leistung damals im mehrheitlich abtrünnigen Israel.

Zu erwähnen ist auch, dass Christus zu ihm sprach: „Eins fehlt dir.“ Dem Mann fehlte nicht alles, er war nicht tot vor Gott, wie es ein abtrünniger Christ ist (Lk 15,24). Der HERR sagte damit lediglich mit anderen Worten: Wenn Du vollkommen auf dem Weg Gottes sein willst, dann tue noch das Folgende!“ Das wird in einem anderen Evangelium bestätigt, wo geschrieben steht:

Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib <den Erlös> den Armen! Und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!    Mt 19,21 

„Wenn du vollkommen sein willst“, und „Eins fehlt dir noch“, diese beiden Aussagen Christi deuten auf die vollkommene Hingabe zum HERRN hin. Sie ist also möglich und wird von Gott als solche wahrgenommen. Gott wird am Ende einen Unterschied bei Menschen machen, je nachdem, wie sehr sie sich Ihm hingegeben haben (Lk 19,11) und auch, ob sie Ihm überhaupt gedient haben (Mal 3,17.18). – Gelobt sei der Name des HERRN! Amen.

Vers 23

Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes hineinkommen!     Mk 10,23 

Viele irdische Güter haben bei den allermeisten Menschen einen negativen Einfluss auf ihr Verhalten im Reich. Diesen Trend können wir bereits in der Geschichte Israels beobachten. Wenn es dem Volk damals nicht so gut ging, hingen sie eher am HERRN, als wenn es ihnen gut ging. Nicht umsonst mussten sie deshalb vor dem trügerischen Reichtum der Welt gewarnt werden, der das Herz fett werden und den Draht zu Gott kappen lässt, wie geschrieben steht:

11 Hüte dich, dass du den HERRN, deinen Gott, nicht vergisst, indem du seine Gebote und seine Rechtsbestimmungen und seine Ordnungen, die ich dir heute gebe, nicht hältst! –   
12 dass nicht, wenn du isst und satt wirst und schöne Häuser baust und bewohnst   
13 und deine Rinder und deine Schafe sich vermehren und dein Silber und Gold sich mehren und alles, was du hast, sich mehrt,
14 <dass dann nicht> dein Herz sich erhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausführte;   
15 der dich wandern liess in der grossen und schrecklichen Wüste, <wo> feurige Schlangen und Skorpione sind, in dem dürren Land, wo kein Wasser ist; der dir Wasser aus dem Kieselfelsen hervorbrachte;   
16 der dich in der Wüste mit Man speiste, das deine Väter nicht kannten, um dich zu demütigen und um dich zu prüfen, damit er dir am Ende wohltue   
17 und du <dann nicht> in deinem Herzen sagst: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen verschafft!   
18 Sondern du sollst an den HERRN, deinen Gott, denken, dass er es ist, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen; – damit er seinen Bund aufrechterhält, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie <es> heute <ist>.   
19 Und es wird geschehen, wenn du je den HERRN, deinen Gott, vergisst und andern Göttern nachläufst und ihnen dienst und dich vor ihnen niederwirfst, <so> bezeuge ich heute gegen euch, dass ihr ganz gewiss umkommen werdet.   
20 Wie die Nationen, die der HERR vor euch umkommen lässt, so werdet ihr umkommen, dafür dass ihr auf die Stimme des HERRN, eures Gottes, nicht hört.     5.Mose 8,11-20 

Bei vielen Reichen geht es entsprechend ab, wie hier beschrieben. Man wird sich gewahr, dass man wohlhabend ist. Dieser Reichtum wird irrtümlich als Segen Gottes ausgelegt und suggeriert, dass man somit vor Gott völlig in Ordnung sein muss, sonst wäre dieser Segen ja nicht da.

Wie realitätsfremd dieses Denken ist, liegt völlig auf der Hand. Viele Reiche haben verderblich gehandelt und zeigten damit, dass sie keineswegs unter dem Segen Gottes standen – trotz ihres irdischen Wohlstandes! Reichtum bedeutet somit nicht Segen Gottes aufgrund von guten Taten. Gott verbündet sie nie und nimmer mit Gottlosen!

Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass Reichtum die Sicht blendet. Der Reiche dünkt sich weise, er sagt sich: „Aufgrund meiner Weisheit bin ich zu Reichtum gekommen!“ So fährt der Reiche in Einbildungen daher, wie geschrieben steht:

Weise in seinen Augen ist der Reiche, aber ein Geringer, der verständig ist, durchschaut ihn.    Spr 28,11

Der Mensch Gottes soll immer, ob reich oder arm, an seinen Gott denken, dass Er es ist, der ihm Kraft gibt, Vermögen zu schaffen. Denn es wird ansonsten geschehen, dass der HERR persönlich sein Gesicht gegen einen überheblichen Menschen wendet, um diesen im Stolz zu erniedrigen.

Die Geschichte hat leider gezeigt, dass sich der Mensch allgemein sehr schwer tut, sich an Gott zu halten. Wenn schon viele arme Menschen Mühe haben, auf dem geraden Pfad zu bleiben, ist für Reiche der gute Weg zu beschreiten noch viel schwerer.

Vers 24

Die Jünger aber erschraken über seine Worte. Jesus aber antwortete wieder und spricht zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes hineinzukommen!    Mk 10,24 

Für die Jünger waren die Worte Christi sehr erschreckend und glauben Sie mir, für mich waren sie es auch! Der Weg ins Reich ist schmal, breit ist der Weg ins Verderben.

Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.   Mt 7,14 

Wenn Sie das, liebe Leserin und lieber Leser, noch nicht bemerkt haben, sind Sie im Glauben noch jung oder darin stehen geblieben. Wenn in Ihrer Gemeinde alles rund läuft, dann wurde sie noch nicht der Glaubensprüfung Gottes unterzogen oder sie lässt weltliches Gebaren zu.

Was denken Sie in dieser Sache, liebe Leserin und lieber Leser? Salomo, der weiseste Mann auf Erden, dem Gott nicht einmal, sondern zweimal erschienen war, schaffte es nicht, auf dem geraden Weg zu bleiben (1. Kö 11,4). Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Meine treuesten und allerengsten Weggefährten, die mit mir gemeinsam Glaubenskämpfe ausgefochten hatten und für die ich mein Leben hingegeben hätte, haben mich verlassen und geniessen heute in vollen Zügen die Welt! Wie Salomo haben sie den schmalen Pfad verlassen.

Solche Dinge holen den Menschen schnell aus der Traumwelt in die Realität und das Bewusstsein vom Krieg, der zwischen den geistlichen Fronten tobt.

Denken Sie nicht von sich, es gehe schon irgendwie gut, ohne die Verbindung zum HERRN zu bewahren. Fangen Sie nicht an zu träumen, sonst sind Sie schneller überwältigt, als es Ihnen lieb ist. Welcher Kriegsmann läuft einfach nach Gutdünken los, ohne dass er sich zuvor Informationen über die Lage beschafft hat? Ein gedankenloses Loslaufen könnte ja seinen sicheren Tod bedeuten, denn er könnte sich vor den feindlichen Gewehrlauf begeben, ohne dass er es merkt.

Gedankenloses Verhalten ist selbst in der stärksten Armee völlig fahrlässig. Fragen sie einmal einen amerikanischen Offizier, ob er – im Wissen der aktuell stärksten Armee zu dienen – im Krieg gegen einen bedeutend schwächeren Feind einfach vor die feindlichen Linien stehen und grosse Worte führen würde? – Ganz schnell hätte dieser Offizier ein (Einschuss-) Loch zwischen den Augen!

Wie die amerikanischen Soldaten für ihren Einsatz, haben wir Christen Sorgfaltspflichten in unserem Dienst zu befolgen. Befolgen wir sie nicht, sind wir leichte Beute für den Feind, selbst wenn wir, wie erwähnt, im Dienst der stärksten Armee stehen. Auch in dieser sterben die Fahrlässigen! Die Klugen schützen sich selber und andere, können aber die Torheit von vielen nicht insgesamt auffangen.

Was im Alten Testament etabliert wurde, setzt sich im Neuen Testament fort. Den Alten ist gesagt:

Glücklich der Mensch, der auf mich hört, indem er wacht an meinen Türen Tag für Tag, die Pfosten meiner Tore hütet!     Spr 8,34 

Die Pforten unseres Glaubens müssen Tag für Tag bewacht werden. Ein Schutz für 364 Tage pro Jahr reicht nicht aus. Der Dieb wird das Gebäude am einzigen unbewachten Tag plündern. Im Neuen Testament gilt immer noch die gleiche Vorsicht:

35 Eure Lenden sollen umgürtet und die Lampen brennend sein!   
36 Und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich öffnen.
37 Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.   
38 Und wenn er in der zweiten Wache und wenn er in der dritten Wache kommt und findet sie so – glückselig sind jene!   
39 Dies aber erkennt: Wenn der Hausherr gewusst hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht erlaubt, dass sein Haus durchgraben würde.   
40 Auch ihr, seid bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint.   
41 Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
42 Der Herr aber sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen wird, um <ihm> die zugemessene Speise zu geben zur <rechten> Zeit?   
43 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!
44 In Wahrheit sage ich euch, dass er ihn über seine ganze Habe setzen wird.   
45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit dem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,   
46 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiss, und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Ungläubigen.
47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen <Schlägen> geschlagen werden;   
48 wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist – viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.     Lk 12,35-48 

Kommen wir zurück zum Vers: Es ist schwer in das Reich hineinzukommen. Lassen Sie sich bitte aufwecken, wenn Ihnen der Weg leicht erscheint. Denn es gibt keinen leichten Weg ins Reich! Amen.

Vers 25

Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Öhr der Nadel geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.    Mk 10,25 

Mit dieser Aussage knüpft der HERR an den vorausgehenden Vers 24. Die Aussage ist: Es ist ohnehin für jeden Menschen schwer, durch die schmale Pforte ins Leben zu finden, doch es ist noch viel schwerer für Leute, denen es in der Welt bequem ist!

Reiche Menschen können es sich bequem machen in der Welt. Und wer komfortabel eigerichtet ist, für was sollte ein solcher eine enge Pforte mit folgendem unbequemen Weg suchen? Es ist somit völlig plausibel, dass es leichter ist, dass ein Kamel durch das Öhr einer Nadel geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.

Vers 26

Sie aber gerieten ganz ausser sich und sprachen zueinander: Und wer kann <dann> errettet werden? Mk 10,26  

Angesichts dieser Tatsachen war klar, dass die Jünger sich darüber entsetzten. Für wen gibt es denn eine Chance, gerettet zu werden?

Menschen, die Gott suchen, bekommen durch diese Verse Angst und suchen den HERRN noch mehr. Abtrünnige nehmen sie als Anlass für ihre Gottlosigkeiten, indem sie sprechen: Es ist ohnehin nicht zu schaffen, somit kann jeder tun und lassen, was er will.

Die Gottesfürchtigen kommen in der Suche nach dem Retter-Gott zur Erkenntnis, dass die Errettung nicht in ihren Werken liegt. Sie liegt anderswo, nämlich dort, wo Abtrünnige nicht hingelangen können. Gottesfürchtige können dorthin gelangen, weil der HERR sie dorthin trägt. Abtrünnige haben eigene Wege gewählt und stehen mit besudelten Kleidern fernab der heiligen Stätten.

Vers 27

Jesus aber sah sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich.     Mk 10,27 

Gott bringt zustande, was kein Mensch schaffen kann, nämlich die Gnade und die Gerechtigkeit gleichzeitig voll zu befriedigen, was allein durch Christi Opfer möglich wurde. Dies gilt aber nicht für abtrünnige Christen, weil diese das Blut des HERRN für sich unwirksam machen, wie wir es im Hebräerbrief lesen (Heb 6,4-8). Dieses Prinzip, dass die Beleidiger Gottes nicht ungeschoren davon kommen, ist uralt. Lassen Sie es mich an einem Beispiel von vielen erklären:

37 Denn sie haben Ehebruch getrieben, und Blut ist an ihren Händen, und mit ihren Götzen haben sie Ehebruch getrieben; und sogar ihre Kinder, die sie mir geboren hatten, haben sie ihnen zum Frass durch <das Feuer> gehen lassen.   
38 Und dies haben sie mir noch <dazu> angetan: Sie haben am selben Tag mein Heiligtum unrein gemacht und meine Sabbate entweiht.   
39 Denn wenn sie ihre Söhne für ihre Götzen schlachteten, dann kamen sie am selben Tag in mein Heiligtum, es zu entweihen; und siehe, so haben sie es mitten in meinem Haus getrieben.   Hes 23,37-39 

Wenn jemand Gottes Gebote mit Füssen tritt und dann aber trotzdem – wie wenn nichts wäre (Spr 30,20) – im Hause Gottes erscheint und vor dem HERRN eine Bitte vorbringt, entweiht zu den üblen Sünden, die er begeht, das Haus des HERRN; ein solcher entweiht das Heiligtum. Dass sich das der HERR auf keinen Fall gefallen lässt, liegt auf der Hand. Wer‘s nicht glaubt, soll sich doch hiermit belehren lassen:

Ja, indem ihr eure Gaben darbringt und eure Söhne durchs Feuer gehen lasst, macht ihr euch unrein bis heute an all euren Götzen! Da sollte ich mich von euch befragen lassen, Haus Israel? So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich von euch befragen lasse!   Hes 20,31 

Gott lässt sich auf keinen Fall zum Clown machen. Er lässt durch den gottesfürchtigen Hesekiel den herzugekommenen Männern ausrichten, dass Er keine Bitten von Menschen erhört, die das Recht mit Füssen treten und danach heuchlerisch zum Propheten kommen, um Ihn zu befragen. Die Verneinung einer Antwort an Abtrünnige ist von Gott mit der bekannten Schwurformel untermauert, welche in krassen Fällen zur Anwendung kommt.

Wenn bei Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, keine Gebetserhörungen mehr eintreffen, dann prüfen Sie sich bitte. Es ist eine Gesetzmässigkeit im Reich Gottes, dass Er sich (willentliche) Sünder nicht anhört.

Vers 28

Petrus begann und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.    Mk 10,28 

Petrus brachte hier die Feststellung an, die sich nach den vorausgehenden Reden Christi aufdrängte. Petrus erwähnte die Entbehrungen der Jünger, welche im Raum standen; es nun aber für die Jünger fraglich war, ob diese denn überhaupt anerkannt würden bei Gott, wo doch Christus eben gesagt hatte, dass es für den Menschen nicht möglich ist, Gott derart zu gefallen, um dafür (durch Eigenleistung) Eingang ins Reich zu bekommen.

Würden denn alle Entbehrungen der Jünger für das Reich in irgendeiner Art bei Gott überhaupt anerkannt werden oder wurde bzw. wird von Gott eine solche Hingabe nicht honoriert und als völlig selbstverständlich betrachtet?

Vers 29

Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Da ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen,  Mk 10,29  

Christi Rede aufgrund der Feststellung Petri ist sehr beruhigend, wie wir in diesem und im nächsten Vers sehen werden. Was hier erwähnenswert ist, ist Folgendes:

Wenn uns die Entbehrungen zugerechnet werden sollen, müssen sie erstens um Christi oder um des Evangeliums willen geschehen sein. Wer wegen irgendeiner Ideologie zu leiden hatte, bekommt deshalb noch lange kein Erbe des HERRN. Zweitens müssen die Entbehrungen um Christi oder um des Evangeliums willen stets in Übereinstimmung des Willens Christi gestanden haben. Wer auf „seine Weise“ für das Evangelium zu leiden hatte, kommt auch nicht in den Genuss des Lobes Gottes bzw. des Erbes, wie geschrieben steht:

22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan?   
23 Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!     Mt 7,22.23  

Wer seiner Vorstellung gemäss für das Evangelium gelitten hat, aber dabei nicht im Willen Christi gestanden ist, wird von Christus nicht anerkannt werden. Ein solcher benutzte das Evangelium nur für seinen eigenen Willen und seine Religion und stand nie im Einklang mit den Anordnungen Christi.

Drittens verfällt die Erbschaft bei Menschen, die jahre- oder jahrzehntelang sehr gut unterwegs waren, sich aber plötzlich vom guten Weg abgewendet haben. Gar nichts davon wird ihnen angerechnet werden, weil sich ihr Herz zum Bösen gewendet hat, wie geschrieben steht:

Wenn aber ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit umkehrt und Unrecht tut nach all den Greueln, die der Gottlose verübt hat – tut er es, sollte er leben? –: An all seine gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden. Wegen seiner Untreue, die er begangen, und wegen seiner Sünde, die er getan hat, ihretwegen soll er sterben.     Hes 18,24   

Auch wenn ein Mensch sich jahrzehntelang zum HERRN gehalten hat, er sich dann aber in Untreue vom Guten abwendet, werden seine gerechten Taten ausgelöscht: „An all seine gerechten Taten, die er getan hat, soll nicht gedacht werden.“

Zusammenfassend ist leicht zu erkennen, dass die Erbschaft Gottes nur Menschen bereitsteht, die erstens (mit Gottes Hilfe) untadelig, zweitens treu (im Willen des HERRN) und drittens beständig (in der Ausführung des Willens) waren. – Das ist ein Ausspruch des HERRN! Amen.

Vers 30

der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.    Mk 10,30

Wie im Kommentar zum vorausgehenden Vers erwähnt, ist diese Rede Christi sehr beruhigend für Menschen, die auf dem Weg Gottes gehen. Es ist nicht nur eine „Rede Christi“, der zweite Vers seines Ausspruchs offenbart sie als eine Verheissung Gottes. Christus (Gott) verheisst den Menschen, die seinen vorgegebenen Weg beschreiten und dabei um seinetwillen und um des Evangeliums Willen Verluste einfahren, einen hundertfachen Ausgleich, nicht nur einen einfachen. Dieser Ausgleich ist bereits für das aktuelle Leben versprochen, nicht erst für dasjenige nach seiner Wiederkunft. – Das Christus seine Verheissungen immer und in jedem Fall eintreffen lässt, ist unumstritten und muss nicht durch meine Erfahrung untermauert werden. Und doch möchte ich dem HERRN die Ehre geben und bezeugen, dass es sich so verhält.

Je mehr sich meine Hasser in völliger Übereinstimmung mit dem Psalm 83 zusammentun und gegen mich (anwaltlich und richterlich) vorgehen, desto mehr Herzen wenden sich mir und meinen Kindern zu und gleichen die Verluste sprichwörtlich hundertfach aus, wie in einem Märchen. Ich befinde mich aber nicht in einem Märchen, sondern in der realen Welt, die einem nichts schenkt. Deshalb lobe ich den HERRN für das Wirksamwerden seiner Verheissung! Amen.

Vers 31

Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.     Mk 10,31

Im Kontext zum Vers 26, „Wer kann denn errettet werden“, erzählt der HERR vom Guten, das seinen Getreuen widerfahren wird. Jeder Christ ist auf eine Weise unterwegs im Reich, die einen in der Prüfung durch das Wort besser, die anderen schlechter. Dass der momentane äusserliche Schein die Rangfolge im Reich keinesfalls wiederspiegelt, stellt Christus durch diesen Vers klar.

Es gibt erfolgreiche Christen denen viel gelingt und von denen man sagt, sie seien gut unterwegs. Dann gibt es Brüder und Schwestern im Reich, die unscheinbar aber auch durch viel Pech im Leben verfolgt sind. Von diesen sagen vorschnelle Zungen, sie hätten ihr Leben halt nicht so richtig im Griff und sie seien eher als die Problemfälle in der Gemeinde zu betrachten. – Wie erwähnt, stellt der HERR mit diesem Vers klar, dass die äusserliche Situation der Menschen im Reich keinesfalls die tatsächliche Rangfolge im Reich abbildet. Vor dem Richterstuhl Christi werden sich viele Christen wundern, wenn das Urteil Christi über jeden Jünger gesprochen ist. Es wird offenbar werden, dass vermeintliche Siegertypen die Letzten im Reich sein werden, wogegen Geschwister, die man als „Verlierer“ bezeichnet hatte, vom HERRN als die Ersten in vorderste und sehr ehrenvolle Positionen ehoben werden.

Vers 32

Sie waren aber auf dem Weg und gingen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging vor ihnen her; und sie erschraken. Die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm wieder die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte:     Mk 10,32 

Dieser Vers zieht den Leser wieder zu den damaligen Geschehnissen. Die Nachfolger Christi waren unterwegs nach Jerusalem. Dabei erschraken sie und zurück blieb Furcht. Es blieb nicht wie bei einem unbegründeten Schrecken, von dem man sich schnell wieder erholt, wie es bei einem falschen Alarm der Fall ist. Langsam mussten auch sie begriffen haben, dass die Reise nach Jerusalem für Christus ein Weg zum Tod sein musste. Es war sprichwörtlich der Weg in die „Höhle des Löwen“, in die vom Volk Gottes dem Teufel verkaufte Hochburg der Religion, welche dieser ganz bestimmt nicht kampflos aufgeben wollte.

Christus sagte es den Jüngern mindestens zum dritten Mal, was Ihm wiederfahren sollte. Es musste ihnen zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sein, dass es, wie erwähnt, der Weg des Todes war.

Diesen Weg hätte Christus leicht umgehen können. Er war ohne jede Sünde. Der gerechte Vater hätte auf sein Bitten hin den Tod am Kreuz bewiesenermassen (Mt 26,53) niemals zugelassen; es gab weder ein todeswürdiges Vergehen bei Christus noch sonst irgendeine noch so kleine Übertretung.

Selbst wenn es derart schien, hatte der Teufel niemals die Oberhand, das müssen wir wissen. Der Teufel kann nicht willkürlich im Reich Gottes wüten, das lehrt uns der Bericht über Gottes Knecht Hiob im gleichnamigen Bibelbuch unmissverständlich. Der Satan durfte bei Hiob Gottes Grenze keinen Millimeter übertreten. Christi Tod kam auch nicht einfach so, weil der Teufel seine Truppen für einen Moment strategisch besser positioniert gehabt hätte. Christus entschied sich aus völlig freiwilligem Antrieb durch die Liebe Gottes für seinen Tod, der die Erlösung herbeiführte. Andernfalls hätte Er ja auf dem Weg nach Jerusalem umkehren können. Und in Jerusalem selbst, im Garten Gethsemane, hätte Christus seine Festnahme völlig entspannt mit einem vernichtenden Schlag seiner Engel verhindern können (Mt 26,53). - Bei solchen Gelegenheiten weise ich jeweils gerne auf die militärische Stärke der Truppen Christi hin. Ein einziger Engel Gottes reicht nachweislich (2. Kö 19,35) aus, um 185‘000 Mann in einer einzigen Nacht zu töten. Was denken Sie, hätten die sofort vom Vater gestellten mehr als zwölf Legionen Engel bei einem Befehl zum Angriff mit den Knechten der Hohepriester gemacht? Was wäre von diesen nach einer Konfrontation mit Christi Streitmacht noch übrig geblieben? - Dies zeigt den herrlichen Charakter Christi im schönsten Glanz! Er ging aus Liebe zu seiner Kreatur aus völlig reinem Antrieb ans Kreuz; nie – aber auch gar nie! – musste Er etwas tun, weil die Macht der Menschen oder die des Teufels Ihn zu irgendetwas gezwungen hätte!

In eigener Sache: Dafür liebe ich meinen HERRN! Er hat mich von Anfang an geliebt, als ich Ihn noch nicht einmal kannte, und Er entschied sich, mit dem Preis seines Lebens meine Sünden auszulöschen, damit mich die Sünde im späteren Gericht nicht in eine ewige Trennung von Gott bringt. Diese sichere in Aussicht stehende Trennung wollte Christus nicht für mich; Er wollte und will mich bei sich haben! Und dafür verliess Er seinen Platz im Himmel, liess sich misshandeln und ging völlig freiwillig ans Kreuz, im Wissen, dass nur auf diesem Weg eine Sündenvergebung für mich erwirkt werden kann. Deshalb liess Er auch seine Armee, die Ihn überall hätte sprichwörtlich „raushauen“ können, in den „Kasernen“ und starb für mich. – Dafür bin ich Ihm ewig dankbar! Es soll mir nie in den Sinn kommen, Ihm mutwillig, frevlerisch und untreu ins Gesicht zu sündigen, wie es heute bei vielen Erlösten an der Tagesordnung ist! Amen!

Vers 33

Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden; und sie werden ihn zum Tod verurteilen und werden ihn den Nationen überliefern;    Mk 10,33 

Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, schickte sich Christus, im vollen Wissen über den Ausgang der Dinge, in das Erlösungswerk hinein, damit Er seine Geliebten erretten kann. – Wenn das Sterben für einen anderen im Allgemeinen vom ewigen Wort bereits als maximale Liebe taxiert wird, was ist das denn das für eine nicht mit Worten zu beschreibende Liebe, die Christus dazu veranlasste, sein reines und königliches Leben unter widrigsten Umständen für total mit Sünde besudelte Menschen auszuschütten?

Vers 34

und sie werden ihn verspotten und ihn anspeien und ihn geisseln und töten; und nach drei Tagen wird er auferstehen.    Mk 10,34 

Damit sagte der HERR den Jüngern voraus, was mit Ihm in Jerusalem geschehen würde. Angesichts dieser Ungerechtigkeit kann nur ausgerufen werden: Die natürlichen Menschen, ob aus Israel oder aus den übrigen Nationen, sind die letzten, die seines Lebens und der Erlösung in seinem Namen würdig sind. Die Juden und die Repräsentanten aus den Nationen haben ihn völlig ungerechtfertigt umgebracht! Sie fanden keinen Makel an Ihm, sowohl vor dem Hohen Rat als auch vor Pilatus nicht. Die Juden, Menschen aus seinem eigenen Volk, handelten noch übler als die Nationen. Sie liessen falsche Zeugen auftreten, um endlich einen Anlass für eine Verurteilung zum Tode zu bekommen, auch wenn diese Vorgehensweise vollkommen illegal war. Im Gericht vor Pilatus, also vor dem Gericht der Nationen, kam heraus, dass es Pilatus voll akzeptierte, einen nachweislich unschuldigen Menschen ermorden zu lassen. Das Waschen seiner Hände (in angeblicher Unschuld) entband ihn keinesfalls von seiner Verantwortung. Ihm war die Macht über Leben und Tod gegeben, er hatte für ein gerechtes Gericht zu sorgen. Dafür war Pilatus in diese Position gesetzt worden. Diese Verantwortung nahm er in keinster Weise wahr; um des Friedens willen lieferte er lieber einen völlig unschuldigen Menschen grausamen Mördern aus.

Mit der Ermordung Christi offenbarten die heuchlerischen Schwätzer in der Religion und der Welt, das waren die jüdische Elite und die römischen Machthaber, was sie wirklich von Gott und der Gerechtigkeit hielten: Rein gar nichts! – Anstelle demütig vor Gott zu wandeln, wurden viel lieber geschwollene Reden gehalten, die nichts anderes als leere Worthülsen waren, ohne jeden Inhalt. So verhält es sich auch heute, auch unter vielen Menschen, die sich „gottesfürchtig“ nennen.

Wehe solchen Menschen, wenn Gott aufsteht, um persönlich Gericht zu halten! Haben sie noch nichts gelernt? – Du heuchlerischer Religionsfanatiker und Lügner, hast du nichts aus der Geschichte gelernt? Die Pharisäer riefen, Christi Blut soll auf sie und ihre Kinder kommen! Forsche nach und sie, dass es genau so und in furchtbarster Weise gekommen ist. Und du aus den Nationen, denkst du, ihr Nationen werdet nie gerichtet werden? Das ganze Blut der wahren Heiligen Gottes, das ihr vergossen habt, und alle eure Ungerechtigkeiten werden in der Offenbarung Jesu Christi auf euren Kopf kommen, wenn ihr nicht umkehrt vom bösen Weg! Amen.

Kommen wir zum zweiten Teil des Verses: All die Verbündeten des Teufels, die religiöse Elite wie auch die Auslese der Nationen, konnten bzw. können Gott rein gar nichts anhaben. Christus führte alle seine Feinde vor und stand als Sieger – zusätzlich auch als Überwinder des Todes – nach drei Tagen einfach wieder auf, genau in der Art, wie Er es vorausgesagt hatte.

Vers 35

Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sagen zu ihm: Lehrer, wir wollen, dass du uns tust, um was wir dich bitten werden.  Mk 10,35 

Jakobus und Johannes gehörten wie Petrus zum kleinen Kreis der Jünger, denen allein besondere Einblicke Gottes gewährt wurden. Sie allein durften mit auf den Berg der Verklärung sowie einer auserlesenen Totenauferweckung beiwohnen.

Inzwischen wissen wir auch, dass Gott (mutwillige) Sünder nicht erhört. Die Jünger hatten also im Gegensatz mit ihren Bitten bei Christus sehr gute Chancen auf Erhörung. Zumindest liess Christus Bitten von so engen Mitarbeitern an sich herantragen und gab Antworten darauf, wogegen Ihm Bitten von Gottlosen ein Gräuel sind. Auch die Opfer von Gottlosen sind für Ihn total verwerflich, so sehr, wie es Schweineblut im Zeitalter des Gesetzes war (Jes 66,3.4)!

Vers 36

Er aber sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?     Mk 10,36  

Christus wendete seinen engsten Mitarbeitern die ganze Aufmerksamkeit zu. Er fragte sie sogar aktiv, um was sie denn bäten. – Dies steht im krassen Gegensatz zu Gottes Interesse, wenn Ihn ungetreue Menschen aus seinem Volk um etwas bitten. Warum sollte Er bei solchen hinhören? Und bei Frevlern verbürgt sich Gott sogar mit einem Schwur, dass er ganz bestimmt nicht auf deren Gebet eintreten wird (Hes 20,3).

Vers 37

Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit!  Mk 10,37  

Für Jakobus und Johannes war es ja offensichtlich, dass sie zusammen mit Petrus privilegierte Jünger waren, wie wir schon betrachtet haben. Vielleicht veranlasste sie das, nach der höchstmöglichen Position im Reich zu bitten.

Ihre Bitte war etwas unbescheiden, das steht ausser Frage. Sie wird aber von Christus nicht als arrogant abgetan, wie wir nachfolgend sehen, denn die Schrift selbst spornt und ja zu guten und besten Leistungen an und stellt dafür grosse Belohnungen in Aussicht. Wenn im Einklang mit der Schrift eine konkrete Vorstellung die Belohnung betreffend formuliert wird -, weshalb soll der HERR etwas dagegen haben? Zur Veranschaulichung: Wenn sich jemand durch die Arbeit im Reich ein Auto verdient hat, weshalb sollte der HERR etwas dagegen haben, wenn der verdiente Arbeiter einen Farbwunsch für das versprochene Auto beim HERRN platziert? Der HERR offenbart sich als Belohner (Heb 11,6), Er teilt gerne aus, weshalb also sollte der HERR einen Farbwunsch unberücksichtigt lassen, selbst wenn eine teure Perlmuttlackierung gewünscht wird?

Den Jüngern war kommuniziert, dass sie auf Thronen sitzend Israel richten würden (Mt 19,28). Selbst Christus wird dann auf seinem Thron sitzen. So betrachtet wirkt die Bitte von Jakobus und Johannes nicht mehr ganz so dreist, wenn überhaupt noch. Sie baten lediglich darum, dass ihre Throne, die ihnen ja schon versprochen waren, neben demjenigen Christi stehen dürften.

Vers 38

Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?     Mk 10,38  

Christus musste den Jüngern trotzdem sagen, obschon sie zweifellos verdiente Diener waren, dass diese Bitte nicht fertig gedacht sei. Die Schrift ist voller Menschen, die alles für Gott hingegeben haben, angefangen von Abel über Noah, Daniel und Hiob. Die beiden Jünger konnten unmöglich abschätzen, ob sie mit ihrem Leben die höchstmögliche Hingabe beweisen würden, damit sie am Ende, vor all den erwähnten Gotteshelden, ihre beiden Throne links und rechts neben denjenigen Christi stellen dürfen. Deshalb sprach Christus: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.“

Auch die Belohnung Gottes wird sauber und gerecht verteilt werden. Schlampige Christen werden nicht mit Gütern überschüttet werden, wobei hingebungsvolle ihr volles und gerütteltes Mass bekommen werden. Die Stelle mit dem Pfunden im Lukas 19 führt uns das sehr schön in Bezug auf den Fleiss vor Augen. Andere Stellen deuten auf eine Belohnung, die der Hingabe gemäss erfolgen wird (Joh 12,25, siehe auch Lk 7,47).

Da Christus durch seine maximale Hingabe zum Vater die erste Stelle im Reich erhalten wird und die Jünger nach der zweithöchsten trachteten, fragte sie Christus konsequenterweise, ob sie denn wie Er seinen sehr harten und entbehrungsvollen Weg gehen könnten.

Vers 39

Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden;     Mk 10,39 

Jakobus und Johannes waren – obschon sie zum Zeitpunkt den Umfang ihrer Bitte nicht abschätzen konnten – vernünftige Jünger. Ihnen war es ernst mit der Nachfolge Christi. Sie investierten sich so in das Reich, dass sie zweifellos eine hohe von Gott angebotene Position werden zukünftig bekleiden können. Die Entschiedenheit der beiden war eine fest beschlossene Sache; sie wollten tragen, was für eine entsprechende Stellung nötig war. Deshalb erwiderten sie so auf die Frage Christi, ob sie seine Leiden auch würden tragen können: „Wir können es.“

Christus machte ihnen mit seiner Aussage über den Kelch, den sie wie Er trinken werden, eine schöne Zusage, obschon der Inhalt des Kelches Christi an dieser Stelle symbolisch nur für Leid und Verfolgungen steht. Er kam damit mit dem Versprechen ihren Erwartungen entgegen, indem Er ihnen mit anderen Worten zusagte, ihnen die Voraussetzungen für eine maximal mögliche Belohnung zu schaffen: Wer sich dem Vater so hingibt, wie Christus es getan hat, wird erstens an seinem Tisch essen und zweitens wird ein solcher am besagten Tisch nicht am untersten Platz sitzen. Er wird hoch hinauf zu Christus hin rücken dürfen. Da Gott nichts dem Zufall überlässt, war diese Zusage für die Jünger sehr wichtig. Von da an wussten sie, dass ihr HERR alles veranlassen werden wird, damit sie wunschgemäss im Reich vorankommen werden. Christus machte Jakobus und Johannes den Weg frei; von den Jüngern waren lediglich noch der Fleiss und die Treue zu ihren Aufgaben die Voraussetzungen zum Erfolg.

Bei uns verhält es sich gleich. Wenn wir im Reich Gottes wunschgemäss vorankommen wollen, führt Er uns auf entsprechende Pfade. Nur sollen wir in allem treu sein.

Vers 40

aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken zu vergeben, steht nicht bei mir, sondern <ist für die>, denen es bereitet ist.  Mk 10,40 

Wie ist der HERR hoch zu loben! Was für einen herrlichen Charakter Er doch offenbart! Wie extrem unparteiisch Er doch ist! – Das kommt mit folgender Betrachtung schön ans Licht: Es ist unbestritten, dass Er den Johannes (besonders) lieb hatte, weil dieser Umstand mehr als einmal speziell in der ewigen Schrift festgehalten ist (Joh 13,23; 20,2). „Speziell festgehalten“ sage ich darum, weil es sowieso offenbar ist, dass Er die Seinen lieb hat. Wenn die Liebe zu einer Person in der Schrift zusätzlich noch explizit erwähnt wird, ist es eben besonders, wie es im Alten Testament beim Propheten Daniel der Fall war (Dan 9,23).

Trotz der Konstellation, dass Johannes anwesend war und dagegen grosse, aber bereits verstorbene Männer nicht, liess sich Jesus durch die Gefühlswelt nicht zu einer Aussage hinreissen, welche die Gerechtigkeit Gottes hätte antasten können. Die damals aktuelle Situation hätte bei anderen Regenten dazu führen können, dass sie einer ihnen nahestehenden und aktuell anwesenden Person mehr Würde zugesagt hätten, als einer ihnen ebenfalls nahestehenden, aber nicht anwesenden Person, welche aber noch viel mehr Würden verdient hätte.

Wie erwähnt, Christus lässt und liess sich nie beirren, auch in noch so plausiblen Situationen nicht. Somit stellte Er die Situation klar. Dies tat Er mit völlig passenden Worten, die seine Jünger in keiner Weise kränkten. Seine Aussage in seiner Eigenschaft als Mensch war, dass die Vergabe nicht bei Ihm stand. Die Vergabe konnte nur durch den alles überblickenden Gott geschehen, der Er zwar in seiner göttlichen Eigenschaft selber auch war, Er aber in dieser Situation nicht (vordergründig) als solcher zu seinen Jünger sprach.

Vers 41

Und als die Zehn es hörten, fingen sie an, unwillig zu werden über Jakobus und Johannes. Mk 10,41  

Was hätte man anderes erwartet in dieser Situation als das Murren der übrigen Zehn? Zwei Mitglieder einer bestehenden Gemeinschaft mit dem gleichen Ziel gehen zum Meister, um einen Wunsch für Sonderprivilegien zu platzieren. Wenn die beiden Plätze links und rechts neben Christus besetzt sind, gibt es für die anderen offensichtlich keine weiteren Möglichkeiten für eine gleichwertige Ehrung durch Gott. Da alle im „gleichen Boot“ sassen – alle hatten ja ihre angestammten Plätze in der Welt auf den Ruf Christi hin verlassen – war es völlig normal, dass sich die anderen Zehn von diesen zwei Jüngern hintergangen fühlten.

Weshalb mussten die Zwei eine so grosse persönliche Bitte vor dem HERRN bringen, wo sie doch gemeinsam als Gruppe gemeinsam unterwegs waren?

Vers 42

Und Jesus rief sie zu sich und spricht zu ihnen: Ihr wisst, dass die, welche als Regenten der Nationen gelten, sie beherrschen und ihre Grossen Gewalt gegen sie üben.     Mk 10,42 

Christus setzt auch als Friedensstifter den von keinem Mensch jemals erreichten Massstab. Er löst die Missstimmung unter den Jüngern auf herrlichste Art, wie wir es von Ihm gewohnt sind. Gleichzeitig verurteilt Er aber ein Trachten nach hohen Plätzen im Reich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil, obschon die Missstimmung deshalb zwischen Jakobus, Johannes und den anderen Jüngern aufgekommen war.

In seiner Erläuterung lehrt Er die rechte Vorgehensweise, die zu solchen Ehren im Reich Gottes führt. Demgegenüber erklärt Er das Verhalten der Regenten in der Welt, welches im krassen Gegensatz zur göttlichen Anleitung für das Trachten nach einer hohen Position steht. Die Regenten, die unter den Nationen als solche gelten – das sind die Präsidenten, Könige und die Diktatoren, die der jeweiligen Nation vorstehen -, beherrschen das jeweilige Volk und üben zusammen mit den übrigen Regierungsmitgliedern Gewalt gegen es aus. Dazu lassen sie sich „Wohltäter“ nennen (Lk 22,25).

Wir kennen die Vorgehensweisen der Machthaber und haben sie auch allezeit vor Augen. Menschlich gesehen ist deren Regierungsverhalten im Vergleich mit demjenigen Gottes überhaupt nicht beeindruckend. Die irdischen Machthaber kommen darin sogar sehr, sehr schlecht weg, vor allem in moralischen Disziplinen.

Vers 43

So aber ist es nicht unter euch; sondern wer unter euch gross werden will, soll euer Diener sein;    Mk 10,43 

Der Weg eines Christen, der gross werden will, muss sich total vom Gebaren der Regenten dieser Welt unterscheiden. Der christliche Anwärter auf hohe Ämter soll sich wahre Führungsqualitäten aneignen und sich nicht wie die weltlichen Machthaber als Wohltäter feiern lassen.

Betrachten wir gute Führer im Kleinen: Ein Teamchef hält beispielsweise seinem Team den Rücken frei, damit es ungehindert die anfallenden Arbeiten erledigen kann. Der Chef geht in allem voraus, ist die meiste Zeit anwesend und kümmert sich um die Problemstellungen des Teams. Er geht nicht von einer (unnötigen) Sitzung zur anderen, um sich wichtig zu fühlen, weil das eines seiner Privilegien ist. Er beruft lediglich Sitzungen ein, wenn diese notwendig sind und die Problemstellung nicht mit einem kurzen Telefonat erläutert und erledigt werden kann. Kurz gesagt: Der Chef dient allen Untergebenen, damit sie möglichst ungehindert arbeiten können. Dies soll auch ein Vater bei seiner Familie tun. Er dient ihr, damit sie so gut wie möglich gedeiht. Beide, der Chef und der Vater müssen sich aber in keinem Fall den Untergebenen bzw. den Schutzbefohlenen versklaven und ihrem Willen unterworfen sein. Das wäre vollkommen falsch. Ein Chef bzw. ein Vater gibt bekanntlich am Ende der höheren Instanz, das ist Gott, Rechenschaft ab. Wie soll er das tun, wenn er sich versklaven lässt, als Sklave von Untergebenen kann er die Verantwortung gar nicht übernehmen.

Das korrekte Prinzip des Dienens kann bis in die höchsten Hierarchiestufen angewendet werden. Ein Präsident setzt sich für das Volk ein, wenn er seine Minister in all den guten Aufgaben, die sie für das Volk wahrnehmen, unterstützt und motiviert. Gottes Prinzip funktioniert bei direkter und indirekter Führung. – Nach diesem Gebot handelte der HERR. Er war auf dem Weg, als Mensch gross zu werden und hatte im Kleinen bereits eine Führungsposition inne. Diese nützte Er nicht aus, um arbeitsfrei zu glänzen; vielmehr diente Er seinen Jüngern und unterstützte sie Tag und Nacht, damit sie von Auszubildenden zu Meistern wurden. Das tat unser HERR -, machen wir es Ihm gleich! Er sei gelobt! Amen.

Vers 44

und wer von euch der Erste sein will, soll aller Sklave sein.     Mk 10,44 

Christus benutzt nicht umsonst diese scharfe Darstellung mit dem Wort „Sklave“. Im - ach - so stolzen Menschen kommt viel zu schnell der Hochmut auf. Wer plötzlich in einer Versammlung etabliert und akzeptiert ist, muss sehr aufpassen, dass er sich nicht überhebt. Sobald andere Menschen anfangen, an einem hochzusehen, steht es schlecht um die betreffende Person, wenn sie nicht vorher gelernt hat, demütig zu sein. Viel zu schnell denkt man hoch von sich selber, obschon ein solches Denken komplett falsch ist, denn im Reich Gottes hat das eigene Ich, das in all den Tests über Jahrtausende vor Gott voll versagt hat, keinen Platz mehr. Ein Christ, der hoch von sich denkt, ist bereits in der Niederlage. Er disqualifiziert sich selbst. Denn unseren Eintritt ins Reich haben wir nur aufgrund der Grundlage des Blutes Christi. Und im Reich selber hat nur das geistlich Gewirkte einen Wert. Gott muss stets korrigierend eingreifen, wenn jemand glaubt, sich überheben zu müssen. Dazu steht geschrieben:

Der Hochmut eines Menschen erniedrigt ihn; der Demütige aber erlangt Ehre.    Spr 29,23  

Kommen wir zurück zum Vers: Wer nach hoher Position trachtet, soll aller Sklave sein. Diese Aussage soll alle hochmütigen Christen davor abhalten, hohe Positionen zu begehren. Welcher Hochmütige will schon ein Sklave sein und welcher Prahler die Drecksarbeit erledigen? Die Aussage Christi – wer hat etwas anderes erwartet – trifft den Nagel auf den Kopf! Gesucht werden wahre Führer, solche, die für das Wohl der anderen besorgt sind.

An dieser Stelle muss wiederum gesagt werden, dass Christus Sklaven als Führer sucht, nicht versklavte Führer. Damit ist gemeint, dass sich die Führer nicht von den übrigen Geschwistern versklaven lassen dürfen. Gott erwartet, dass sie als Sklaven Christi den anderen fleissig dienen.

Vers 45

Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.    Mk 10,45

Unser herrlicher HERR ist nicht als König gekommen, um bedient zu werden. Sein Kommen war zum Zweck, die Menschen zu retten. Dafür musste Er ein Erlösungswerk vollbringen, ein Werk, das die Menschen trotz jahrhundertelangen Anstrengungen auszuführen nicht geschafft haben, auch nicht die edelsten unter ihnen, wie beispielsweise ein Mose, ein Hiob oder ein Daniel.

Christus konnte sich daher unmöglich in irgendeinem Werk der Menschen sonnen, als Er auf die Erde kam. Er kam und vollbrachte das alles entscheidende Werk trotz widrigster Umstände, ohne zurückzublicken. Hätte Er aufgegeben, weil Ihm keine Liebe entgegenkam, wären wir alle verloren gegangen. Hätte Er aufgegeben, weil Er keine Anerkennung bekam, wären wir alle verloren gegangen. Hätte Er aufgegeben, weil die zu rettenden Menschen Ihm ins Gesicht spuckten, wäre wir alle verloren gegangen. Hätte Er aufgegeben, weil Er genau wusste, dass Ihn die zu rettenden Menschen rücksichtslos und brutal ermorden werden, wären wir alle verloren gegangen.

Zu bemerken ist, dass Christus die gleichen Gefühle in sich hatte, wie wir, nur waren seine vollkommener Art. Wie krass wurden diese jeweils verletzt und vergewaltigt! Dass Er trotz all dieser Widerwärtigkeiten den Willen des Vaters bis ins Letzte ausführte -, dafür sei Er gelobt in Ewigkeit! Amen.

Vers 46

Und sie kommen nach Jericho. Und als er und seine Jünger und eine grosse Volksmenge aus Jericho hinausgingen, sass der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg.   Mk 10,46 

Dieser Vers wendet sich wieder geschichtlichen Ereignissen zu. Christus stattete Jericho einen Besuch ab, einer Stadt, deren Wiederaufbau mit einem Fluch belegt war (Jos 6,26; 1. Kö 16,34).

Mit diesem Besuch erzeigte der HERR einmal mehr seine herrliche Gnade, die jedem eine Chance gibt, der da zu Ihm kommen will, sei er aus einer mit einem Fluch belegten Stadt oder sei er ein einzeln oder ein kollektiv Verfluchter. Es gab einzeln Verfluchte (5. Mo 23,3) und ganze Völker, denen gesagt war, dass sie nie und nimmer in die Versammlung des HERRN kommen dürften. Ein verfluchtes, von der Versammlung des HERRN ewig ausgeschlossenes Volk war beispielsweise Moab (5. Mo 23,4); es war gesagt, dass nie und nimmer eine Person moabitischer Abstammung in die Versammlung des HERRN kommen dürfe. Und doch wurde Rut in die Versammlung des HERRN aufgenommen und sogar mehr als das.

Damit zeigt uns der HERR, dass Er jedem Menschen, so schlecht seine Voraussetzungen auch sein mögen, eine Chance gibt. Die Voraussetzung zur Aufnahme in das Reich ist die Aufgabe der alten, verfluchten Abstammung. Die Moabiterin Rut handelte so und wurde deshalb in die Versammlung des HERRN aufgenommen, sogar mehr als das, wie erwähnt. Gottes Gnade fügte es so, dass sie in die direkte Linie der Vorfahren Christi kam, denn sie gebar in Verbindung mit Boas den Obed, welcher der Grossvater des König Davids war.

Als unser gnadenreicher HERR die durch seinen Besuch gesegnete Stadt Jericho verlassen hatte, begab es sich, dass Er sich auf dem Weg dem blinden Bartimäus näherte, der bettelnd am Weg sass.

Vers 47

Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!    Mk 10,47 

Als Bartimäus vernommen hatte, dass Jesus, der Nazarener in möglicher Hörweite war, tat er alles Menschenmögliche, um mit Ihm in Kontakt zu kommen. Bartimäus liess das Leben nicht an sich vorüberplätschern. Obwohl er selbst durch seine Augen nicht lesen konnte, musste er die Schriften gekannt haben. Wie er sich dieses Wissen angeeignet hatte, wissen wir nicht, möglicherweise besuchte er fleissig die Schriftlesungen in den umliegenden Synagogen. Durch die Kenntnis der Schriften war im sofort klar, wer Jesus ist, der Nazarener genannt wurde, wie geschrieben steht:

und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: »Er wird Nazoräer genannt werden.«     Mt 2,23 

Bartimäus musste gewusst haben, dass ein Wundertäter, aus Nazareth stammend, all seine Probleme lösen würde, wenn er Ihn lediglich darum bäte. Er wusste mehr als das. Er wusste, dass dieser Mann aus Nazareth, wie Er ihm angezeigt wurde und der für Aufsehen sorgte, viel mehr war, wie wir an dieser Stelle sehen, denn Bartimäus rief nicht: „Mann aus Nazareth, erbarme Dich meiner!“ Bartimäus wusste ohne weitere Erklärungen, dass dieser Mann aus Nazareth der königliche Nachfahre Davids war. Dieser angezeigte königliche Nachfahre würde die Welt retten, wovon das Volk Gottes durch die barmherzigen Wohltaten täglich Zeugnis erhielt.

Es gab daher für Bartimäus keine Alternative als – alles andere um sich ignorierend – diesen Jesus aus Nazareth irgendwie auf sich aufmerksam zu machen. Die Gelegenheit war einmalig und sehr wahrscheinlich nie wieder kommend.

Daher tat Bartimäus, was für ihn zu tun war: Er begann nach Kräften zu schreien, damit dieser Mann aus Nazareth ja nicht vorüberging, ohne Notiz von ihm zu nehmen.

Vers 48

Und viele bedrohten ihn, dass er schweigen sollte; er aber schrie um so mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!   Mk 10,48 

Verhält es sich jeweils nicht so? Wer aus dem Machtbereich des Teufels in denjenigen Gottes wechseln möchte, wird sofort mit Drohungen konfrontiert. Diese Drohungen haben äusserlich gesehen keine plausiblen Gründe, sie kommen einfach. Der Grund dafür ist einfach erklärbar: Der Teufel lässt niemanden einfach so ziehen. – Warum konnten die umstehenden Leute die Ereignisse nicht einfach dem Zufall überlassen? Warum konnten sie nicht einfach die Reaktion des Mannes aus Nazareth abwarten und Christus die Entscheidung überlassen, ob Er mit Bartimäus sprechen will oder nicht? Den Umstehenden konnte es ja wirklich völlig egal sein, ob dieser Blinde es bis zu Christus schafft oder nicht. Eine Begegnung mit Christus gab der Volksmenge eine weitere Gelegenheit einem Wunder beizuwohnen, sie brauchten ihn deshalb überhaupt nicht zu bedrohen. Dass er aber bedroht wurde, hat mit dem Kampf in der Himmelswelt zu tun (Eph 6,12), welcher die Menschen dazu veranlasste. Der Teufel benutzt die Menschen, die ihm (meistens unbewusst) zu Willen sind. Diese reizt er dann gegen Gott suchende Zeitgenossen auf, indem er dem Umfeld die übelsten Gedankenkombinationen eingibt. Der Idealfall schafft es der Teufel, einen völlig unberechenbaren Mob gegen Gottesfürchtige zu bilden. So kam es in der Begebenheit mit Bartimäus auch soweit, dass viele den blinden Mann bedrohten.

Glücklicherweise war Bartimäus‘ Glaube stärker als die Widerwärtigkeiten, die dagegen schlugen. Viel zu gut wusste er, dass diese Gelegenheit auf keinen Fall ungenutzt vorübergehen durfte. Deshalb schrie er noch mehr (in völliger Übereinstimmung der Wahrheit): „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“

Es war damals schon offenbar, dass Davids Thron dem Retter der Menschen bestimmt war (2. Sam 7,16; Jes 9,6). Der Messias musste ein im Stammbaum direkter Nachfolger Davids sein, was alles auf Christus zu traf. Bartimäus musste voll davon überzeugt sein, dass er sich nicht beirren bzw. sich nicht durch die Drohungen einschüchtern liess.

Vers 49

Und Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes! Steh auf, er ruft dich!    Mk 10,49  

Nachdem Bartimäus alles für ihn Mögliche getan hatte und sich auch nicht durch den Widerstand hatte beirren lassen – er suchte den HERRN mit ganzen Herzen und mit aller Kraft – trat dies ein, was Gott verheissen hat:

Dann werdet ihr von dort aus den HERRN, deinen Gott, suchen. Und du wirst ihn finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst.     5.Mose 4,29 

Bartimäus hatte getan, was er tun konnte, wie erwähnt. Unmittelbar darauf trat Gott in den Plan des Lebens dieses blinden Mannes. Dies geschah mit der Anordnung, ihn zu rufen. Schon in dieser einfachen Anordnung Christi lag Herrlichkeit: Er beauftragte die Menge, Bartimäus zu Ihm zu bringen, welche den Blinden vorher bedrohte und die Begegnung mit dem Retter verhindern wollte. Darin sehen wir die Souveränität Gottes: Er kann ohne weiteres Menschen, die eben noch gegen seine Pläne agierten, seinem Willen entsprechend beauftragen.

Vers 50

Er aber warf sein Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus.   Mk 10,50 

Bartimäus sprang auf, ohne sich gross um seine Habseligkeiten zu kümmern. – Sollte er etwa beim Ruf des HERRN wegen seines Gewandes noch Zeit verlieren?

Es ist wünschenswert, dass jeder versteht, was uns Bartimäus lehrt: Nach dem Ruf des HERRN sollte es auch auf unseren Wegen kein Wenn und Aber geben. Viel zu oft sind wir wegen Vergänglichem bekümmert. Viel zu oft halten wir an Dingen fest, die uns hindern, dem ganzen Ruf des HERRN Folge zu leisten. Der HERR ruft die Menschen, um sie in die Ruhe zu bringen. Viele Menschen ziehen aber die Unruhe vor. Sie sind lieber um viele Dinge bekümmert, statt die Ruhe in Christus zu suchen.

Zu beachten ist, dass für Eingeweihte neben Christus irdische Sachen im Wert als so gering erscheinen, dass sich der Mensch so richtig lächerlich macht, wenn er ihnen mehr Zeit einräumt, als er für Christus aufzuwenden gewillt ist.

Im Blick auf Christus achtete Bartimäus seinen (letzten) Schutz gegen Wind und Kälte für nichts, er warf ihn einfach ab, denn – so glaubte er – bei Christus würde er die Erfüllung finden. Amen.

Vers 51

Und Jesus antwortete ihm und sprach: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde.    Mk 10,51 

Die Menschen waren zur Zeit Bartimäus‘ mindestens so klar im Kopf wie wir und dazu viel weniger abgelenkt. Sie hatten den Kopf frei, um beträchtlich tiefer über Themen nachdenken, als wir es in unserer rasanten Zeit können. Bei uns jagt eine Nachricht die andere. Was gestern war, ist für uns uralt und nicht mehr interessant, nur was gerade in den Schlagzeilen ist, ist aktuell. Und die ändern stündlich. Unser am Morgen gelesener Bibeltext wird schon auf der Fahrt zur Arbeit durch die Gratiszeitungen in den Hintergrund gedrängt und bleibt durch die Informationsflut nicht mehr abrufbar, wenn wir gedankenlos in den Tag hinein leben.

Bartimäus war nicht einfach ein unverbesserlicher Individualist, der an Wunder glaubte, selbst wenn sie unmöglich waren. Bartimäus wusste genau, dass zuvor noch nie einem Blinden die Augen geöffnet wurden und dass seine Hoffnung zu sehen, gleich Null war. Er wusste aber auch, dass der Messias wird blinde Augen öffnen können. Bartimäus war deshalb kein unverbesserlicher Schwärmer. Sonst wären ja alle bibelgläubigen Menschen hoffnungslose Fanatiker. Bartimäus hielt sich einfach an das Schriftwort im Propheten Jesaja (Jes 42,1-7), besonders an die Verse 6 und 7:

6 Ich, der HERR, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen,   
7 blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen <und> aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen. –   Jes 42,6-7 

Da stand Bartimäus nun vor Christus und durfte seinen Glauben in Worte fassen, als Christus ihn fragte: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Voller Glauben drückte er seinen Wunsch aus. Im vollen Wissen, dass Christus alle Dinge möglich sind, sprach er: „Rabbuni, dass ich sehend werde.“

Glauben wir auch so, wie Bartimäus, an die Macht Christi oder sprechen wir lediglich wehmütig von den Geschichten aus dem Worte Gottes, ohne an ein mögliches, unmittelbares Eingreifen zu glauben? Marta stand in der Gefahr, in Bezug auf ein direktes Eingreifen Christi zu zweifeln (Joh 11,1 ff; besonders ab Vers 20). Sie gab Jesus ihrem Glauben an eine bessere Zukunft Ausdruck, jedoch ohne zu glauben, dass der anwesende Christus alles vermochte bzw. heute noch vermag, sonst hätte sie Ihn ohne zu zögern, um die Auferweckung ihres Bruders gebeten. Sie sagte zwar noch, sie würde daran glauben, dass Gott Ihm alles geben würde, um was Er auch immer bäte. Trotzdem formulierte sie den aktuell sehnlichsten Wunsch nicht, ihren Bruder wiederzubekommen. Stattdessen hielt sie lediglich fest, dass ihr Bruder Lazarus bei Jesu Anwesenheit nicht an seiner Krankheit gestorben wäre. Soweit glaubte sie, an ein direktes Eingreifen über den Tod hinaus aber noch nicht. Sie wusste zwar, dass Gott am letzten Tag die Menschen aufwecken wird, sah aber die bereits voll an Christus übertragene Macht (noch) nicht in Ihm.

Vers 52

Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt! Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm auf dem Weg nach.    Mk 10,52 

Natürlich kam es so, wie es gemäss Bartimäus‘ herrlichem Glauben kommen musste: Er wurde sogleich sehend, nicht irgendwann sehr viel später in der Auferstehung nach dem jüngsten Tag. Christus stand ja höchstpersönlich da; auf wen hätte Bartimäus noch warten sollen? Was hätte ein Zuwarten für die Heilung noch gerechtfertigt?

Ist es nicht so, dass wir dem HERRN schon oft hätten begegnen können und wir Ihm auch begegnet sind, doch dabei unser Glaube und unsere Hoffnung nur bis zu den Veränderungen reichten, die nach dem jüngsten Tag kommen werden? Oft erhebt sich unser Glaube einfach nicht auf den Gipfel des Möglichen; der Glaube will es häufig einfach nicht fassen, dass ein sehr barmherziger und gnädiger HERR heute schon direkt und unmittelbar in die Leben der Kinder seines geliebten Volkes einwirken will und kann! Wie gross das Wunder zu sein braucht, spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle. Es kann von Krankenheilung bis zur Erweckung von Toten reichen. Amen.

Kapitel 11

Vers 1

Und als sie sich Jerusalem, Betfage und Betanien gegen den Ölberg hin nähern, sendet er zwei seiner Jünger     Mk 11,1 

An dieser Stelle werden uns mit einem umfangreichen Einblick die Vorbereitungen für den schriftgemässen Einzug in Jerusalem vorgestellt. – Was für ein Segen das doch ist! Ich fühle mich geehrt, dass mir der HERR durch sein Wort aufdeckt, wie Er ein Schriftwort hat kommen lassen und was es dafür an sorgfältigen Vorbereitungen bedurfte. Der Prophet Sacharia sagte durch den Geist Gottes voraus, der König Jerusalems würde auf einem Eselsfüllen, dem Jungen einer Eselin, in Jerusalem einziehen (Sach 9,9). Und so geschah es auch. Das zeigt uns die totale Souveränität Gottes. Obschon Er vieles in Bezug auf Christus um des Glaubens der Menschen willen offen gelegt hatte, konnte der Feind in keinem Punkt ein einziges Schriftwort vereiteln. Gott sei gepriesen dafür! Amen.

Wie herrlich ist doch unser HERR! Wir Menschen lassen viele Vorhaben wieder fallen, wenn unsere Kraft nicht für alle ausreicht, der Widerstand dagegen zu gross wird oder sich plötzlich Desinteresse breit macht. Beim HERRN verhält es sich völlig gegenteilig: Obschon Er in sehr grosser Bedrängnis war und gerade dem unausweichlichen und grausamen Tod in die Augen blickte, liess Er auf gar keinen Fall zu, dass ein Strichlein vom Worte Gottes auf den Boden fiel (Mt 5,18; 24,35). So kümmerte Er sich gewissenhaft darum, dass der Einzug in Jerusalem schriftgemäss auf einem Eselsfüllen zustande kam.

Dies alles geschah ohne besondere Wunderwerke. Er hielt sich an die menschlichen Möglichkeiten, um aufzuzeigen, dass die menschlichen Möglichkeiten der treuen Diener vollkommen ausreichen, ein schriftgemässes und somit gottgefälliges Leben führen zu können. Die menschlichen Werke sollen einfach in der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist geschehen, in derselben Verbindung zum Vater, die Christus uns vorlebte.

Vers 2

und spricht zu ihnen: Geht in das Dorf, das euch gegenüberliegt! Und sogleich, wenn ihr dort hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch kein Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es her!  Mk 11,2 

Christus war im Begriff, Sacharia 9,9 in Erfüllung zu bringen. Er war der Profi, der in der Eigenschaft als Mensch die viel stärkeren Gegenspieler aus der Engelswelt überwand. Daneben erschienen seine Jünger noch schwach. Sie dachten zwar schon an Ruhm und Ehre, wie wir in der Begebenheit mit Jakobus und Johannes sehen, die ihre Throne links und rechts neben Jesu Thron aufstellen wollten. Bis zur vollen Mündigkeit hatten sie aber noch einige Lektionen vor sich. Christus bildete sie geduldig weiter aus, bis sie zu Meistern wurden.

Vers 3

Und wenn jemand zu euch sagt: Warum tut ihr dies? so sagt: Der Herr braucht es und sendet es gleich wieder hierher.  Mk 11,3 

Ein im Dienst stehender Jünger erhält klare Anweisungen. Der HERR gibt klare und deutliche Anweisungen, welche sich immer mit dem Talent und dem Vermögen des Betreffenden vertragen. Und wie es im Alten Testament die Möglichkeit gab, freiwillige Gaben darzureichen, gibt es die auch im Neuen Testament. Im Alten Testament war ein Levit ab 50 Jahren frei von der Verpflichtung, an der Stiftshütte zu dienen. Der HERR gab aber den willigen Leviten die Möglichkeit, ihre Brüder weiterhin im Dienst zu unterstützen. Dieser Dienst war aber klar als freiwillig deklariert (4. Mo 8,25.26).

Wenn Sie vom HERRN dazu verpflichtet werden, jeweils am Samstag für eine definierte Zeit Traktate zu verteilen, und Sie finden noch übrige Zeit, freiwillig und ohne Zwang, dann dürfen Sie diese dazu verwenden; Sie sündigen nicht, wenn Ihr freiwilliger Dienst ohne Zwang und mit fröhlichem Herzen geschieht. Wenn Sie sich dabei aber etwas erhoffen, rate ich Ihnen, den Zusatzaufwand bleiben zu lassen. Viel zu schnell begibt sich der Mensch auf den Boden der Gerechtigkeit und beginnt dabei (wenn auch unbewusst) etwas von Gott zu fordern, weil er doch etwas für Gott gemacht hat. – Wir können von Gott aber nichts fordern, selbst wenn wir unser Leben für Ihn dahin geben würden, denn wir haben gesündigt und waren bereits auf dem Weg zur Hölle. Die Tat Christi, wo Er sein heiliges und tadelloses Leben für uns dahingegeben hat, ist viel zu herrlich, als dass wir mit unserem wiederhergestellten Leben von uns aus etwas für Gott tun könnten, das uns zu einer Forderung berechtigt. Wir bleiben auf immer in der Gnade und seine Schuldner, selbst wenn Er uns vergeben und uns als seine Kinder voll angenommen hat. Die Tatsache bleibt: Wir können bei Ihm nichts auf der Grundlage „Ich habe etwas für dich getan“ fordern. Das bleibt ausgeschlossen. Wir dürfen Ihn um Dinge bitten, die Er uns gerne gibt, aber – ich wiederhole mich – fordern können wir rein gar nichts.

Weiter sehen wir im Vers, dass ein Auftrag Christi in der dargestellten Art zum Erfolg führt. Bei Misserfolgen müssen wir uns sofort fragen, ob wir in seinem Willen sind.

Der Evangeliumsdienst ist, äusserlich gesehen, natürlich nicht so erfolgreich. Das Evangelium soll aller Kreatur gepredigt werden, doch längst nicht alle nehmen es auf. Da müssen wir scheinbare Misserfolge in Kauf nehmen. Aber ein wie im Vers beschriebener Dienst muss zum Erfolg führen. Wenn der HERR sagt, tue dies und du findest dabei das und das vor, dann ist es immer so, wie Er sagt.

Zum Vers ist noch zu erwähnen, dass der HERR selbst in seiner Erhabenheit und sehr grossen Aufgabe an die Besitzrechte der Geringen dachte, obschon Ihm die ganze Welt gehörte bzw. gehört. Deshalb liess Er ausrichten: „Der Herr braucht es und sendet es gleich wieder hierher.“ Nach dem herrlichen Einzug in Jerusalem liess Er das Fohlen wieder zurückbringen. So ist unser HERR! Er sei gepriesen! Amen.

Vers 4

Und sie gingen hin und fanden ein Fohlen angebunden an der Tür draussen auf dem Weg, und sie binden es los.  Mk 11,4   

Natürlich fanden die Jünger es genauso, wie es von Jesus beschrieben war, das war und ist überhaupt keine Frage. Die Jünger banden es los, sie hatten den Auftrag Christi ohne Wenn und Aber verstanden.

Verstehen wir die Aufträge Christi auch so, wie wir sie empfangen? – Oder kommen uns Bedenken hoch, wenn wir das Eselsfüllen losbinden und wir uns argwöhnisch beobachtet fühlen? Glauben wir den Worten Christi plötzlich nicht mehr, dass es gut kommt bzw. genau so kommt, wie vorausgesagt, selbst wenn wir wie die Jünger in der betrachteten Angelegenheit die Zusage Gottes haben?

Lassen Sie uns wie die Jünger auch jeweils den ganzen Auftrag Christi ausführen. Lassen Sie uns nicht in der Hälfte innehalten. Amen.

Vers 5

Und einige von denen, die dort standen, sagten zu ihnen: Was tut ihr, dass ihr das Fohlen losbindet? Mk 11,5  

In solchen Situationen, das sind ganz gewöhnliche Alltagssituationen, sollte der Auftrag des HERRN für den Jünger klar bleiben. Der Jünger soll auf Anfrage genau wissen, was und wieso er etwas tut und darüber Auskunft geben können.

Wenn wir im Eigendünkel leben, wird es für uns schwierig, auf eine solche Frage zu antworten, weil unsere Taten aus unseren eigenen Schlussfolgerungen entspringen. Wir müssten dann zugeben, dass wir genau gleich geschaltet sind, wie die Nationen die keinen HERRN haben und lediglich tun, was sie als richtig ansehen.

Vers 6

Sie aber sprachen zu ihnen, wie Jesus gesagt hatte. Und sie liessen sie <gewähren>.  Mk 11,6   

Sehr wichtig an dieser Stelle ist zu sehen, dass die Jünger genau den Grund für das Losbinden des Fohlens angaben, der ihnen der Herr Jesus genannt hatte. Sie versuchten nicht, ihr Tun noch mit vielen weiteren Worten zu rechtfertigen. Wir handeln richtig, wenn wir uns einfach auf Schriftworte stützen, wenn wir über unsere Ausrichtung oder das „Woher“ und das „Wohin“ der Menschheit gefragt werden. Eigene Philosophie bringt uns und unsere Zuhörerschaft nicht weiter. – Diese Lektion sollten wir aus diesem Vers ziehen.

Dass die Umstehenden die Jünger gewähren liessen, war eigentlich von Anfang an klar, denn Christus hatte es so vorausgesagt. – Manchmal hindern uns aber möglich aufkommende Zweifel trotzdem an den uns übertragenen Aufgaben. Wenn wir das Beispiel auf uns übertragen, könnten wir darin in folgende Zweifel kommen: Wenn über 50 Personen beim Fohlen herumstehen würden, könnten wir denken, dass Jesus nur an sehr viel weniger Herumstehende gedacht hat. Wir könnten dann meinen, die Worte Christi würden vor dieser Anzahl Menschen als Grundangabe nicht ausreichen, obschon sie es tun.

Es ist daher wichtig, dass wir ausschliesslich mit der Schrift argumentieren, nicht mit unserer Philosophie. Die Welt ist voller Philosophen und oft hat ein Zuhörer die bessere Lösung als wir im Blick auf weltliche Weisheit. Wenn wir uns mit eigenen Worten in eine solche Situation manövriert haben, können wir im Nachhinein nicht mehr mit Bibelworten kommen. Dann ist der Kampf verloren und vorbei. Wer aber von Anfang an mit der Schrift argumentiert, kommt nie in Verlegenheit, denn ein solcher argumentiert ausschliesslich mit Gnade, Wahrheit und Recht. Die Zuhörerschaft kann die Worte nur ablehnen oder annehmen; die Worte selbst bleiben unangefochten, auch dann, wenn sie abgelehnt werden. Die Schriftworte sind und bleiben Wahrheit.

Vers 7

Und sie bringen das Fohlen zu Jesus und legen ihm ihre Kleider auf, und er setzte sich darauf.    Mk 11,7  

Auf diese fast zu gewöhnliche Weise für eine Schrifterfüllung kam das Fohlen zu Jesus, was aber trotz der Normalität sehr, sehr herrlich ist. Denn an dieser Stelle schenkt der HERR einen Einblick in seine souveränen Regierungswege. Er öffnet den Vorhang für einen Einblick in seine Geheimnisse. An dieser Stelle öffnete Er ihn dafür, wie das Schriftwort im Propheten Sacharia (Sach 9,9) zur Erfüllung kam.

Als Ehrerbietung legten Ihm die Jünger ihre Kleider darauf, was in Bezug auf seine Herrlichkeit das Mindeste war, was sie tun konnten.

Vers 8

Und viele breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere aber Zweige, die sie auf den Feldern abschnitten;    Mk 11,8  

Die Jünger und alle übrigen Nachfolger taten, was sie gerade als maximale Ehrerbietung tun konnten. Mit dem Ausbreiten der Kleider auf dem Weg gaben sie ihrem Glauben Ausdruck, dass dieser auf dem Eselsfohlen reitende König so erhaben und würdig ist, dass es für die Umstehenden sogar eine Ehre war, wenn sie Ihre Kleider als Unterlage für sein Reittier ausbreiten durften.

Dass die Jünger und die übrigen Nachfolger damit richtig lagen, sehen wir in der Auseinandersetzung Christi mit den Pharisäern, welche im Lukasevangelium festgehalten ist (Lk 19,39.40). Das Herz der Pharisäer war so verblendet, dass sie den HERRN nicht als das erkennen konnten, was Er wirklich war. Sie dachten offensichtlich, die Jünger seien mit Christi Lob im Unrecht und müssten sofort zurechtgewiesen werden. Christus bestätigte ihnen jedoch ins Angesicht, dass seine Nachfolger genau das Richtige taten, nämlich das, was beim Einzug des grössten Königs in Jerusalem mindestens angemessen war. Er unterstrich diese Notwendigkeit explizit mit der Aussage, dass sonst die Steine schreien würden, wenn das Lob seiner Jünger ausbliebe.

Wie krass verblendet die Pharisäer doch waren! Gott persönlich war in ihrer unmittelbaren Nähe, und die – ach – so frommen Religionsführer und Gelehrten der heiligen Schriften erkannten ihn nicht, obschon sie Ihn anhand der Schriftkenntnis ohne weitere Erklärungen hätten erkennen sollen! Nur schon aufgrund der Erfüllung von Sacharia 9,9 hätten die Pharisäer hellhörig werden sollen.

Vers 9

und die Vorangehenden und die Nachfolgenden riefen: Hosanna! Gepriesen <sei>, der da kommt im Namen des Herrn!    Mk 11,9 

Der HERR ist so erhaben, dass es seine damalige Gefolgschaft nicht beim Kleider und Zweige Ausbreiten belassen konnte. Die Nachfolger hatten ja noch die Möglichkeit, die Ehrerbietung mit ihrem Mund steigern, was sie auch taten. So priesen sie Gott und taten damit nach Psalm 111 und vielen anderen Stellen, indem sie den HERRN von ganzem Herzen priesen, denn ein Niederlegen von Zweigen und Kleidern allein offenbart nicht zwingend ein von Liebe überströmendes Herz.

Zwar bauen viele Religionsgemeinschaften dem Gott der Bibel prunkvolle Gebäude und Altäre, und sogar ertönt darin auch Lobgesang, nach der jeweilig örtlichen und traditionellen Gottesdienstordnung. Ich wage aber zu bezweifeln, dass Gott heute von allen Menschen in den erwähnten Anbetungsstätten mit diesem reinen, echten und hingebungsvollen Herzensantrieb verehrt wird. Vieles ist leider nur Schein und entspricht folgendem Bibelwort, das schon damals galt:

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir.     Mt 15,8  

Wie loben Sie den HERRN? – Lassen Sie es damit beruhen, wenn Sie durch Ihre Taten tagsüber, welche von Hingabe zum HERRN zeugen, dem HERRN Ehre dargebracht haben, was im übertragenen Sinn das Niederlegen der Kleider und Zweige ist? Oder fliesst Ihr Herz abends noch von Dankbarkeit über, um den HERRN nach getaner Arbeit aus freiem Antrieb zu loben und zu preisen?

Vers 10

Gepriesen sei das kommende Reich unseres Vaters David! Hosanna in der Höhe!     Mk 11,10 

Die Worte des Lobpreises der Nachfolger waren in völliger Übereinstimmung mit Gottes Willen. Der HERR lehrt uns im „Unser Vater“ Gebet in gleicher Weise zu beten, um in Übereinstimmung seines Willens zu bitten, nämlich mit den Teilen „dein Reich komme“ und „dein Wille geschehe“.

Wer das kommende Reich preist, der wünscht es sich auch herbei. Damit anerkennt man logischerweise auch den Willen des darin regierenden Herrschers.

Vers 11

Und er zog in Jerusalem ein, in den Tempel. Und als er über alles umhergeblickt hatte, ging er, da es schon spät an der Zeit war, mit den Zwölfen nach Betanien hinaus.     Mk 11,11 

Christus zog in Jerusalem ein, in seine Stadt, die bereits seinem Vorgänger gehörte, nämlich dem König David. Nach dem Fleisch ist Christus sein Sohn, der Anrecht auf die Stadt hat. Nach dem Geist ist Christus Gott, der Israel erlöst und erkauft hat. Er hat doppelten Anspruch auf die Stadt und das Volk.

Er zog nicht in den Königspalast, sondern in das Haus Gottes, den Tempel. Es war noch nicht die Zeit, den Regierungssitz zu beziehen. Vorher musste noch das Geistliche geregelt werden.

Christus wird ein aufmerksamer König sein. Er ist nicht nur voller Liebe, barmherzig und gerecht, er ist auch sehr aufmerksam. Er wird nicht erst handeln, wie die Welt erst handelt, wenn die längst angezeigte Gefahr eine Katastrophe herbeigeführt hat. Er wird sein Reich aktiv überblicken. Die kleinste Ungereimtheit wird Ihm nicht entgehen. Es heisst nicht, „als er umhergeblickt hatte“, es heisst, „als er über alles umhergeblickt hatte“. – Er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen.

Vers 12

Und als sie am folgenden Tag von Betanien weggegangen waren, hungerte ihn.    Mk 11,12 

Mit diesem Vers leitet uns der HERR in eine weitere geistliche Wahrheit. Er steht für die Einführung in ein neues Thema. Nachdem Christus alles Gute für sein Volk gewirkt hatte – jeder der da nur wollte, wurde geheilt, ganz egal in welchem Zustand er war* - und durch die Schriften als von Gott bestätigter König in die Hauptstadt seines Volkes eingezogen war, hungerte ihn. Er litt Hunger, denn sein Volk enthielt sich Ihm. Er hatte in keinem Punkt das bekommen, was Ihm zustand, weder als Gott, noch als Erlöser; weder als König, noch als Bräutigam. Das Volk enthielt sich Ihm, um Ihn in jedem Bereich hungern zu lassen, wie eine untreue Frau sich dem Mann entzieht und verweigert, um diesen in Sachen Ehre, Hilfe, Zuneigung und Zärtlichkeiten hungern zu lassen.

*Christus entzog sich niemandem, Er heilte alle, die um Heilung baten. Das sehen wir bei den zehn Aussätzigen, von denen nur ein Einziger Dankbarkeit zeigte. Obschon Christus die Zukunft kannte, heilte er alle zehn, nicht nur den Dankbaren. Er offenbarte sich als perfektes Gegenüber für Israel, was Ihm Israel mit Untreue „verdankte“.

Vers 13

Und er sah von weitem einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände, und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen.    Mk 11,13 

Der Feigenbaum symbolisiert bekanntlich ja Israel (als Bsp: Hos 9,10). Auch Joel 1,7 beschreibt Israel als Feigenbaum:

Sie hat meinen Weinstock zu einer Wüste gemacht und meinen Feigenbaum zerknickt; sie hat ihn völlig abgeschält und hingeworfen, seine Ranken sind weiss geworden.    Joel 1,7  

Die fleischliche Generation hatte in allen Punkten versagt, dieses Sündenfleisch musste deshalb – öffentlich, wie es vor aller Augen versagt hatte – öffentlich beendet werden. Dies tat Jesus sinnbildlich, indem er den Feigenbaum verfluchte und verdorren liess. Damit zeigte Christus an, dass Er in Ewigkeit keine Frucht mehr von einer fleischlichen Nation erwartete. Es war in jeder Lebenslage tausendfach bewiesen, dass das Fleisch Gott nicht gefallen kann.

Der natürliche (fleischliche) Mensch hatte in Israel die beste Voraussetzung, Gottes Gesetz zu erfüllen. Dazu wurde er in diesem Volk von allen anderen Völkern abgesondert, um nicht verführt zu werden (Jos 23,12). Doch auch unter diesen idealsten Umständen schaffte es der Mensch nicht, sich nur annähernd Gottes Rechtsordnung und moralischer Erwartungshaltung gemäss zu verhalten. Der natürliche Mensch bewies durch die Verwerfung Christi, dass er unter Selbstherrschaft in der Einzahl und unter Demokratie (Volksherrschaft) in der Mehrzahl das Gute nicht sieht bzw. fassen kann, selbst wenn ihm Gott mit einem „Scheunentor“, nicht nur mit dem berühmten „Zaunpfahl“, zuwinkt. Der Mensch versagte in jedem Punkt völlig. Er gab Göttern die Ehre, die keine sind und verwarf den lebendigen Gott. Er liess den allerbesten König, der zugleich sein Schöpfer war, Hunger leiden; der Mensch kam Ihm in keinem Punkt entgegen und verweigerte sich ihm gänzlich. Selbst das, was ein Unkundiger vielleicht als „Gottesdienst“ hätte bezeichnen können, geschah in völlig emotionaler Ferne. Darüber klagte Gott unter anderen Stellen auch im Matthäusevangelium, wie auch schon zitiert:

Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir.    Mt 15,8  

Deshalb verurteilte Jesus das Fleisch für immer, indem Er zum Feigenbaum sagte, dass nie mehr in Ewigkeit Frucht daran sein soll. Mit anderen Worten bedeutet das, dass Christus die Arbeit mit dem natürlichen Menschen hiermit abschloss. Er erwartet vom fleischlichen Menschen fortan keine Früchte mehr.

Der Zeitpunkt für diese Aussage mit diesem Gleichnis war perfekt; Christus stand kurz vor der Freisetzung der neuen Natur für die wirklich hoffenden Menschen. Das über Jahrhunderte getestete Fleisch, das wie erwähnt in jedem Punkt versagt hat, wurde damit auf ewig verurteilt; fortan würde nie mehr Frucht von ihm gefordert werden, und es musste die neue, göttliche Natur an die Stelle der alten treten, ansonsten würde Gott nie im Menschen ein befriedigendes Gegenüber finden.

Vers 14

Und er begann und sprach zu ihm: Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen! Und seine Jünger hörten es.      Mk 11,14 

Mit dieser Aussage verurteilte der HERR die Frucht des Fleisches, auch des am besten umsorgten Fleisches (Israel), für alle Ewigkeit, wie im vorausgehenden Kommentar bereits ausführlich beschrieben. Die Frucht des Fleisches soll in Ewigkeit niemandem mehr zur Speise dienen! Das Fleisch ist bewiesenermassen unverbesserlich! Es erzeugte bzw. erzeugt trügerische Speise, wenn überhaupt; auf jeden Fall liess es Christus hungern. Das Volk konnte sich Ihm nicht hingeben, vielmehr verweigerte es sich dem HERRN völlig. Wenn es „Früchte“ brachte, waren diese nicht hungerstillend, sondern schlicht ungeniessbar.

Vers 15

Und sie kommen nach Jerusalem. Und er trat in den Tempel und begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stiess er um.    Mk 11,15 

Nach dieser eindrucksvollen Belehrung über das unheilbare Fleisch kehrte Christus mit seinen Jüngern nach Jerusalem zurück. Was Er nach dem Einzug in Jerusalem beim genauen Beobachten im Tempel alles an Unordnung gesehen hatte, begann Er nun aufzuräumen.

Wir haben Gott als barmherzig und gnädig kennen gelernt; Er ist geduldig und gibt den Menschen Zeit, sich eines Besseren zu besinnen. So stiess Er die Taubenverkäufer und sonstigen Kaufleute bei seinem Einzug in Jerusalem nicht sofort aus dem Tempel. Er zeigte ihnen aber, dass Er alles registriert hat. Es war wie bei einem Überraschungsbesuch bei uns, in unseren Räumlichkeiten, wenn Unordnung herrscht. Wenn wir beim ersten Besuch wach sind, werden wir aufräumen, dass Christus beim nächsten Besuch nicht wieder Dreck bei uns vorfinden wird.

Die Händler im Tempel hatten damals ihre Hausaufgaben jedoch nicht gemacht. In ihrer geistlichen Blindheit glaubten sie tatsächlich, alles wäre in Ordnung gewesen, sonst hätten sie nach dem Besuch Christi aufgeräumt. Ihr Begehren, gute Geschäfte mit ihren Opfertieren zu machen, war ihnen offensichtlich wichtiger, wie ein aufgeräumtes Haus Gottes. Das Gesetz Gottes nutzten sie nur für ihr Geschäft. Ihr Herz war aber weit von demjenigen Gottes entfernt, sonst hätten sie das Haus als Bethaus respektiert und ihre Dienste draussen angeboten. Daher musste der HERR mit harten Massnahmen Ordnung herstellen.

Vers 16

Und er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug.     Mk 11,16  

Vor der Aufräumaktion war eine Marktsituation im Tempel Gottes. Es herrschte ein Getümmel mit Taubenverkäufern, Geldwechslern und sonstigen Händlern, die den Menschen Opfertiere verkauften. Danach durfte nicht einmal mehr ein Gerät durch den Tempel getragen werden, ein sehr krasser Gegensatz, der vom grossen Unverständnis der Israeliten zeugte. Sie hatten nicht verstanden, dass das Haus Gottes ein Haus der Ruhe und der Begegnung mit Gott war; jegliche Bewegung, die hätte ablenken können, war nicht gestattet. Wenn sie das begriffen gehabt hätten, hätten sie diesen Markt im Tempel nie zugelassen. Der Mensch musste im Hause Gottes jederzeit die völlig ablenkungsfreie Möglichkeit haben, Gott zu begegnen und Ihn zu hören. Diese heilige und notwendige Atmosphäre stellte Christus wieder her.

Im Getümmel unter Menschen, die nicht nach Gott ausgerichtet sind, können selbst Christen nicht ohne weiteres Kontakt zu Gott aufnehmen. Wir sehen das klar bei Elisa, der sich in der unheiligen Allianz des Königs von Juda mit dem gottlosen König des Nordreiches befand. Als er zu Gottes Willen befragt wurde, musste er nach einem Saitenspieler verlangen (2. Kö 3,15). Erst damit schuf er eine Situation, die es ihm im Getümmel des Heerlagers ermöglichte, Gott wieder zu hören.

Was können wir daraus lernen? – Viel in jeder Hinsicht. Wer sich den ganzen Tag einer Geräuschkulisse und Ablenkungen eines Marktgetümmels mit den Pendlerzeitungen, den Kopfhörern in den Ohren und rege benutzten Smartphones aussetzt, kann Gott nicht hören bzw. sich nicht geistlich ausrichten. Ein solcher Mensch ist zwar äusserlich gesehen sehr aktiv, schläft aber geistlich. Christus ist davon nicht beeindruckt. Er möchte, dass in seinem Hause, das sind im Neuen Testament wir selbst, Ruhe herrscht. Wer sich in unheilige Allianzen oder sonstigen Verbindungen mit Ungläubigen begibt, wird es auch sehr schwer haben, von Gott etwas zu hören, falls dort überhaupt eine Möglichkeit besteht.

Der damalige Tempel wurde zerstört. Das neutestamentliche Haus Gottes ist nicht mehr aus Holz und Stein gebaut, denn es heisst:

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?      1.Kor 3,16  

Und wiederum steht geschrieben:

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?     1.Kor 6,19  

Das Prinzip der Tempelruhe gilt heute wie für damals. Wer den Tempel, das ist unser Leib, verdirbt oder damit Unzucht treibt, den wird Gott verderben; Gottes Haus darf nicht zum Marktplatz oder zur Müllhalde zweckentfremdet werden, denn Gottes Haus ist heilig. Halten Sie bitte ihren Leib frei von marktplatzähnlicher Unruhe und benützen Sie ihn bitte nicht dazu, den üblen Begierden des Fleisches zu folgen und um sie zu vollbringen (Gal 5,16), denn sie sind böse (Mk 7,21).

Vers 17

Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: »Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen«? Ihr aber habt es zu einer »Räuberhöhle« gemacht.     Mk 11,17 

Damit bestätigt Christus den vorausgehenden Kommentar. Gottes Haus ist ein Ort der Begegnung mit Ihm. Der Mensch betet darin zu Gott. Er spricht darin mit Gott. Die Israeliten – allen voran die geistliche Elite in den Personen der Pharisäer und der Schriftgelehrten – hatten aber eine Räuberhöhle daraus gemacht. Denn die Absicht der Händler war keinesfalls, den Menschen zu einer Beziehung zu Gott zu verhelfen. Sie sahen im Gesetz Gottes lediglich eine Geschäftsidee mit dem Handel von Opfertieren. Die Respektlosigkeit Gott gegenüber machten die Händler damit offenbar, dass sie den Handel in das Haus Gottes hinein legten und ihn nicht auf Aussenplätzen abwickelten. Und die geistliche Elite machte die Respektlosigkeit Gott gegenüber damit offenbar, dass sie dieses Treiben im Hause Gottes zuliessen.

Vers 18

Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; sie fürchteten ihn nämlich, denn die ganze Volksmenge geriet ausser sich über seine Lehre.   Mk 11,18 

Die geistliche Elite wollte den Christus Gottes töten, so weit her war es mit ihrer echten Gottesfurcht. Sie waren vollkommene Heuchler, wie die Händler im Tempel, die doch – ach so fromm – dem Volk zu Opfertieren verhalfen. Dazu waren die Pharisäer und Schriftgelehrten Lügner, denn sie schützten  Menschenfreundschaft vor, obschon sie beschlossen hatten, Christus zu töten. Als Christus ihre Absicht vor dem Volk, dass selbst am Ende dem Wunsch der Pharisäer folgte, offenlegte, wurde er scheinheilig gefragt, wer ihn denn töten wolle (Joh 7,19.20). Dazu wurde Ihm als Krönung noch unterstellt, einen Dämon zu haben. Soviel zur Heuchelei des Gottesvolkes; wie es damals war, ist es auch heute. Viele Christen verachten Gott im Herzen, obschon sie im Gottesdienst mit ihren Lippen Lob heucheln, im Herzen führen Sie aber Gedanken der Untreue, des Ehebruchs und der Lüge. Die gleichen Worte gelten für die Unlauteren des Gottesvolkes, wie sie damals für David galten (2. Sam 12,9a), das sind Worte des unbedingten Gerichts, wegen der Verwerfung der Worte Gottes.

Die Pharisäer handelten genau nach dem Gleichnis, dass der HERR ihnen gegeben hatte, um ihren üblen gefassten Vorsatz zu beschreiben:

9 Er fing aber an, zu dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und reiste für lange Zeit ausser Landes.
10 Und zur bestimmten Zeit sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben; die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn leer fort.
11 Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht; sie aber schlugen auch den und behandelten ihn verächtlich und schickten ihn leer fort.   
12 Und er fuhr fort und sandte einen dritten; sie aber verwundeten auch diesen und warfen ihn hinaus.   
13 Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn senden; vielleicht, wenn sie diesen sehen, werden sie sich scheuen.   
14 Als aber die Weingärtner ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: Dieser ist der Erbe; lasst uns ihn töten, dass das Erbe unser werde.   
15 Und als sie ihn aus dem Weinberg hinausgeworfen hatten, töteten sie ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun?   
16 Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Als sie aber <das> hörten, sprachen sie: Das sei fern!   
17 Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, was geschrieben steht: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden«?   
18 Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen er aber fallen wird, den wird er zermalmen.   
19 Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten zu dieser Stunde die Hände an ihn zu legen – und sie fürchteten das Volk – denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis auf sie hin gesagt hatte.     Lk 20,9-19  

Obschon die Pharisäer erkannt hatten, dass Christus damit sie und ihre Absicht beschrieben hatte, besannen sie sich nicht eines Besseren. Vielmehr festigten sie ihre maximal böse Absicht, den Gesalbten Gottes umzubringen.

Vers 19

Und wenn es Abend wurde, gingen sie zur Stadt hinaus.    Mk 11,19  

Obschon dieser Vers auf den ersten Blick nur eine einfache Begebenheit erläutert, ist er bedeutungsvoll. Kein Wort der Heiligen Schrift ist überflüssig oder nur schwach zu gewichten. Christus ging zur Stadt hinaus, in der der Tod für Ihn gesucht wurde und in der ein Volk wohnte, dass ihn zwar äusserlich verehrte, aber in Kürze dem angezettelten Aufruhr der Pharisäer folgen würde. Als die Pharisäer anfingen: „Kreuzige ihn!“, zu schreien, folgte ihnen dieses wankelmütige Volk im bösen Werk. Es ging so weit, dass es auch den Tod ihres HERRN forderte, welcher nichts anderes als Wohltaten und Heil unter sie gebracht hatte.

Kommen wir an dieser Stelle zu den Gefühlen des HERRN. Wie Er durch den Propheten Hesekiel seinen unbeschreiblichen Schmerz über die untreue Ehefrau Israel kund tat (Hes 23), so musste Er an dieser Stelle wieder die gleiche Ablehnung erdulden, welche unseren gefühlvollen HERRN zu folgendem Ausruf bewegte:

34 Jerusalem, Jerusalem, das da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihm gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!   
35 Siehe, euer Haus wird euch überlassen. Ich sage euch aber: Ihr werdet mich nicht sehen, bis es geschieht, dass ihr sprecht: »Gepriesen <sei>, der da kommt im Namen des Herrn!«     Lk 13,34-35  

Wieder schlug Gott in seinen Liebesbemühungen um seine geliebte Frau, sie steht im übertragenen Sinn für sein Volk, nichts anderes als die pure Bosheit entgegen. Nicht einfach nur Gleichgültigkeit schlug Ihm entgegen, sondern die aktive Suche danach, dass Er getötet wird. Deshalb kam plötzlich die Zeit, wo er definitiv aus der Stadt hinausging und den Juden ihr Haus, gemeint ist der Tempel, öde zurückgelassen wurde. Sie konnten das Gemäuer zwar noch aufsuchen, fanden Gott aber nicht mehr darin vor.

Vers 20

Und als sie frühmorgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum verdorrt von den Wurzeln an.    Mk 11,20  

Der von Christus „beendete“ Feigenbaum, das im übertragenen Sinne beendete Fleisch, die alte Natur, war von den Wurzeln an verdorrt. Normalerweise verdorrt ein Baum nicht komplett innert weniger Stunden von den Wurzeln an. Dass dieser es aber war, zeigt die Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit des Willens Christi: Völlig entschieden wollte Er nie mehr Frucht der alten Natur sehen, die Ihm nur Bitterböses statt des erwarteten Süssen darreichte.

Vers 21

Und Petrus erinnerte sich und spricht zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. (Mk 11,21)

Es ist wesentlich, dass wir uns an die Aussagen und Machttaten Christi erinnern, wie sich Petrus erinnerte. Damit konnte Petrus   an einen wichtigen Punkt anknüpfen und erhielt dabei noch weitere bedeutende Belehrungen als sehr wertvolle Lebenshilfen des HERRN.

Geistlich eingeschlafene oder in bewusster Sünde lebende Christen können im Schlaf Christi Werke nicht erkennen noch als Sklaven ihrer Sünde an sie herankommen, denn wer Sünde tut, ist der Sünde Knecht.

Nachfolgend sehen wir die herrlichen Erklärungen des HERRN an seine Jünger, angestossen durch den Jünger, der nicht schlief und sich an die Machttaten des HERRN erinnerte.

Vers 22

Und Jesus antwortete und spricht zu ihnen: Habt Glauben an Gott!     Mk 11,22 

Mit diesem Vers leitet der HERR die im vorausgehenden Kommentar angekündigte Belehrung ein. Diese weist zum Glauben an Gott und die daraus resultierenden Wirkungen hin.

Lassen Sie mich, bevor wir die Glaubenswirkungen in den nächsten Versen betrachten, noch etwas zum Thema erläutern. Der Glaube an Gott ist nichts Abgehobenes oder Weltfremdes. Ein echter Gläubiger betrügt sich nicht selber durch selbst erdachte Annahmen, wie es viele Weltmenschen mit der Lehre des „Positiven Denkens“ tun. Ein wirklich gläubiger Mensch glaubt nicht, dass alles gut kommt, wenn die Zeichen in eine andere Richtung weisen. Lassen Sie mich dazu ein Beispiel zur Veranschaulichung anführen:

Als Jerusalem durch die Babylonier bedrängt wurde, gab es keine Zusage Gottes für die Rettung der Stadt. Vielmehr sprach Gott durch den Propheten Jeremia, dass man zu den Babyloniern überlaufen soll, wenn man sein Leben retten wolle und dass die Stadt ganz bestimmt eingenommen werde. Für die Einwohner von Jerusalem war jeder Glaube an die Rettung der Stadt und des darin stehenden Tempel Gottes ein Irrglaube.

Gerne gebe ich noch ein Beispiel ab, in dem uns ein Mensch korrekten Glauben vorstellt, selbst wenn dieser Glaube aus dem Schicksal dieses Gläubigen gesehen als völlig illusorisch erscheint. Trotz der schieren Aussichtslosigkeit erfüllte sich der Glaube dieses Mannes:

Bartimäus, der blinde Mann, der glaubte, dass dieser Mensch Jesus Christus ihn heilen könne, glaubte richtig, weil sich sein Glaube auf Zusagen Gottes stützte. Er glaubte gemäss dem Willen Gottes und nicht einfach an irgendetwas selbst Erdachtes. Rational und weltlich gesehen war Bartimäus ein Schwärmer, denn es kam seit Anbeginn der Menschheit nie vor, dass einem Blinden die Augen geöffnet wurden. Er war aber in Wahrheit kein Schwärmer sondern ein Mensch, der alle Aussagen Gottes für bare Münze nahm. Dies hatte zur Folge, dass er in seinem Glauben nicht beschämt wurde.

Beschämt wurden hingegen die Schwärmer, die nach der Lehre der Welt „alles würde gut kommen“, dachten, die Babylonier würden wieder unverrichteter Dinge von der Stadt Jerusalem abziehen, obschon Gott Unheil über Jerusalem beschlossen hatte und es durch seine Propheten hat verkündigen lassen. Ein wirklich gläubiger Einwohner von Jerusalem verblieb daher nicht in der Stadt, sich auf eine wahnwitzige Hoffnung stützend, sondern lief gemäss den Prophetenworten zu den Babyloniern über.

Echter Glaube steht nicht auf dem Boden des eigenen Wunschdenkens. Echter Glaube steht auf der Grundlage der unumstösslichen Aussagen Gottes, der kein einziges seiner Worte auf den Boden fallen lässt.

Liebe gläubige Leserin und lieber gläubiger Leser! Haben wir diesen Glauben an Gott! Amen.

Vers 23

Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, dass geschieht, was er sagt, dem wird es werden.    Mk 11,23  

Das ist die Belehrung Christi zu echtem Glauben: Wer nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, dass es geschieht, was Er sagt, dem wird es werden.

Liebe Geschwister! An diesem Punkt muss ich sagen, dass wir meistenorts bei der Grundlagenlehre sind und noch nicht in der Umsetzung. Wenden Sie daher ihre Augen weg von den allgemeinen Gotteserfahrungen des Volkes Gottes bis zum heutigen Tag, denn viele Christen leben in der Niederlage, im Kleinglauben, ohne das Wahrwerden dieses Verses erlebt zu haben, denn diese Lektion ist nicht überall angekommen und nicht von allen verstanden.

Versuchen wir bitte Altes zu vergessen, was uns zur Aufnahme dieser Worte hindern könnte. Viele Umstände versuchen uns davon zu überzeugen, dass, selbst wenn alles andere wahr ist in der Schrift, wenigstens diese eine Passage nicht der Wahrheit entspricht. Viele Lebensverläufe unserer Geschwister oder auch unser eigener selbst entsprechen nicht den Erwartungen, die wir einmal an unser Leben hatten. Das will uns weismachen, dass Jesus eben genau dieses eine Mal übertrieben bzw. gelogen hat, wo Er sprach, dem Glaubenden sei alles möglich.

Die einen von uns haben Familienangehörige durch Unfälle verloren, andere stehen mit ihrer Ehe vor einem Scherbenhaufen, den sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und viel Gebet und Flehen vor dem HERRN haben verhindern wollen. Wiederum andere haben ihr Leben lang mit bösen Krankheiten oder Geldsorgen zu kämpfen. Und dann plötzlich konfrontiert uns der HERR mit dieser bedeutungs- und hoffnungsvollen Passage, die ich gerne nochmals zitiere:

Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, dass geschieht, was er sagt, dem wird es werden.    Mk 11,23  

Aus meiner Erfahrung mit dem HERRN, also so wie ich Ihn kenne, ist jedes einzelne Wort der Bibel wahr. Auch dieser Vers in Mk 11,23. Wer noch nicht in dieser Erfahrung ist, sollte das mit dem HERRN besprechen. Amen.

Vers 24

Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.    Mk 11,24  

Es ist selbstverständlich, dass das Gebet des Glaubens eine Übereinstimmung mit Gottes Willen voraussetzt. Wir können als verheiratete Menschen Gott beispielsweise nicht um einen anderen Partner bitten! Solche Gebete unterstützt Er niemals. Wer dennoch übel bittet, dem sei durch Jakobus folgendes gesagt:

2 Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet;   
3 ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.   
4 Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes.   
5 Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst rede: »Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen liess«?   
6 Er gibt aber <desto> grössere Gnade. Deshalb spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.«   
7 Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen.   
8 Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen!
9 Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und <eure> Freude in Niedergeschlagenheit!    Jak 4,2-9 

Gebete ausserhalb der Ordnung Gottes oder in Bezug zu Freundschaft mit der Welt werden vom Gott der Bibel nicht erhört, das ist völlig klar. Weshalb sollte Er Bitten erhören, die dazu da sind, es sich im Verbund mit der Welt, in der der Teufel Fürst ist, vermeintlich besser gehen zu lassen? – Nein, liebe Geschwister, solche Gebete werden nicht erhört, Christus hat solche Bitten von Anfang an ausgeschlossen.

Nun kann die Frage aufkommen, ob das Beten denn eine Farce ist, ob Gott uns zwar zum Gebet ermuntert, aber doch nur eintreten lässt, was Er ohnehin schon vorhatte. – Das ist nicht so. Er geht auf individuelle Wünsche ein. Beim König David sagte Er zum Beispiel, dass, hätte David noch etwas gefehlt, wie eine weitere sehr schöne Frau zum Beispiel, hätte David sie bekommen. Er hätte seinen Wunsch nur anzeigen müssen. Aber dass David sich eine vergebene Frau genommen hatte, kam bei Gott ganz schlecht an und hat zudem ewige Konsequenzen (Spr 6,33). Davids Ehebruch und sein Mord an Uria ist seitdem im ewigen Wort für alle Zeiten festgehalten.

Mit diesem Vers zeigt Gott an, dass Er bereit war, auf Bitten der Menschen hin auf individuelle Wünsche einzutreten. Die auf diesen Abschnitt folgenden Verse sind wie eine Zusammenfassung zum Thema. Davids Tat, die entgegen des Willens Gottes war, kam bei Gott gar nicht gut an. Das zeigt auch an, dass Gebete in diese Richtung selbstverständlich nicht erhört werden, wie erwähnt. Doch es wird auch im folgenden Text klar, dass individuelle Gebete von Gott gehört und umgesetzt werden, wie ich nach dem folgenden Bibeltext weiter ausführe.

7 Da sagte Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König über Israel gesalbt, und ich habe dich aus der Hand Sauls errettet,   
8 und ich habe dir das Haus deines Herrn gegeben und die Frauen deines Herrn in deinen Schoss und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben. Und wenn es zu wenig war, so hätte ich dir noch dies und das hinzugefügt.   
9 Warum hast du das Wort des HERRN verachtet, indem du tatest, was böse ist in seinen Augen? Uria, den Hetiter, hast du mit dem Schwert erschlagen, und seine Frau hast du dir zur Frau genommen. Ihn selbst hast du ja umgebracht durch das Schwert der Söhne Ammon.    2.Sam 12,7-9 

Der Vers 8 zeigte bereits im Alten Testament auf, dass individuelles Gebet und damit individuelle Wünsche bei Gott auf Gehör stossen. Nur soll der Mensch sich innerhalb der Leitplanken Gottes bewegen. Innerhalb dieser Leitplanken ist er sicher und kann stets die an dieser Stelle verheissene Erhörung seiner Gebete erwarten. Als bei David das Verlangen nach einer Frau mit der Schönheit Batsebas aufgekommen war, hätte er Gott um eine solche Frau bitten dürfen und wäre erhört worden, wie Gott im Vers 8 bestätigt. David hätte Gottes Wort nicht zu verachten, die Ehe zu brechen und Uria umzubringen brauchen und hätte völlig legal ans Ziel seines Wunsches kommen können. Weil er aber seinen eigenen Weg durchgesetzt hat, hat er seinen schönen Lebenslauf mit sehr wüsten Flecken auf ewig besudelt. Und je länger er sich gegen ein Sündenbekenntnis wehrte, desto schlimmer machte er es. Das Wort Gottes besteht ewig und somit auch die Erinnerung an seine Schandtaten.

Lassen Sie uns unsere Bitten innerhalb des Willens Gottes vor Ihm kund werden! Vertrauen wir auf die Erhörung der Bitten, wie Christus es hier verheisst! Amen!

Vers 25

Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe.    Mk 11,25  

Mit dieser wichtigen Aussage schliesst der HERR die Erläuterungen zum Gebet des Glaubens.

Die Vergebung ist ein zentraler Bestandteil des Charakter Gottes. Wer anderen nicht vergeben kann oder will, ignoriert Gottes Willen, Grundlagen des Glaubens und des Unser Vater Gebets. Und Menschen, die sich ausserhalb des von Gott gegebenen Rahmens befinden, haben keinen Anspruch auf Gebetserhörung. Deshalb ist diese Aussage Jesu so wichtig und mit der Lehre über das Gebet des Glaubens verknüpft. Wer das eine will, das andere aber ignoriert, wird ohne Erhörung Gottes auskommen müssen.

Lassen Sie uns Vergebungsbereitschaft üben, damit wir in die Herrlichkeit des vollen Genusses von Gebetserhörungen kommen! Amen!

Vers 27

Und sie kommen wieder nach Jerusalem. Und als er in dem Tempel umherging, kommen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm  Mk 11,27

Nach dieser ausführlichen Belehrung über das Gebet des Glaubens kommen sie wieder nach Jerusalem. Dort setzte sich die leidige Geschichte mit der jüdischen Religionselite fort, die jegliches geistliche Verständnis verloren hatte. In Christus hatten die Religionsführer die Erfüllung der Haupt-Prophezeiungen vor Augen, die sie aber trotz ihrer Schriftkenntnis nicht erfassen konnten. Sie sagten zwar von sich selber, sie sähen. Nebenbei tun das im Übrigen alle, die ihre Übertretungen nicht anzeigen wollen (Spr 30,20). Nach aussen gaben sich die Pharisäer und Schriftgelehrten als Sehende, indem sie in ihren Augen unwissendere Menschen scharf verurteilten, wie wir lesen können:

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren, und du lehrst uns? Und sie warfen ihn hinaus.  Joh 9,34 

Christus sagte ihnen gerade heraus, dass deshalb ihre Sünde auf ihnen bliebe; es wurde ihnen nichts vergeben. Sie legten ihre Übertretungen nicht offen, und gaben vor – total in Verstössen gegen Gottes Wort verstrickt -, sie seien in Ordnung und könnten somit verantworten, was sie tun!

Über Menschen, die vor Gott umkehren, sagt Christus, dass sie nicht ins Gericht (der Welt) kommen. Denen, die jedoch vorgeben, sie wüssten, wie es im Reich läuft und trotzdem sündigen, sei von Christus gesagt, dass Er zum Gericht in die Welt gekommen sei.

39 Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden.
40 Einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind?
41 Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. <Daher> bleibt eure Sünde.     Joh 9,39-41

Es verhält sich so: Wer in Unwissenheit tut, was Gott nicht gefällt, kommt nicht unter dasselbe Urteil wie jemand, der trotz Ermahnung und Aufklärung sündigt, wie geschrieben steht:

Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde.  Joh 15,22  

Wie die Religionsführer von damals durch die Aufklärung Christi keinen Vorwand, also keine Entschuldigung für ihre Sünde hatten, so haben die Christen heute keine Entschuldigung für ihre Sünde, denn Christen haben einen in ihnen wohnenden Geist, der in der Entsprechung zum Worte Gottes ermahnt oder entlastet. Wer (vorsätzlich) sündigt, sündigt trotz dieser durch den Geist erfolgten Ermahnungen und steht, ohne Möglichkeit zur Vergebung, in der Erwartung des vollen Gerichtes Gottes da. Ein solcher Mensch befindet sich in einer sehr schlechten Ausgangslage, denn es heisst:

26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,
27 sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.
28 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.
29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«
31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!    Hebr 10,26-31

Liebe Geschwister! Lassen wir es bitte in unseren Leben nie so weit kommen, dass wir durch den Geist als solche, wie in diesen Versen erwähnt, bezeichnet werden! Gemeint ist mit „bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig“, dass das Opfer Christi bei mutwillig sündigenden Menschen nicht zur Anwendung kommt. Solchen Menschen bleibt ihre Sünden anhaften. Das sind Worte des Neuen Testaments und haben volle Gültigkeit in unserer Zeit! Wieviel schlimmere Strafe als den Tod durch zwei Zeugen wartet demnach auf jemand, der den Sohn mit Füssen getreten (d. h. seine Weisungen verworfen) hat! Amen!

Vers 28

und sagen zu ihm: In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dass du diese Dinge tust?    Mk 11,28  

Menschen, die sich nicht verändern wollen, sprechen gerne und viel über unausweichliche Themen. Sie scheinen sie anzugehen, haben es aber auf keinen Fall im Sinn. Auch die Elite unter den Juden beschäftigte sich zwar mit Christus, hatte aber lediglich Interesse an Ihm, um Ihn umzubringen. Auf keinen Fall wollte sie sich Ihm unterordnen (Lk 19,14)! Ihr angebliches Interesse nach seiner Vollmacht war nichts weiter als ein weiterer Versuch, Ihn mit Worten zu fangen und vor dem Volk schlecht darzustellen.

Der HERR durchschaute ihre Bosheit sofort, beantwortete ihre Frage nicht und stellte die der Frage zugrunde liegenden Hintergedanken bloss. Wie herrlich Er doch ist! Niemand kann den HERRN täuschen!

Gott kennt alle Gedanken der Menschen. Mit dieser Begebenheit zeigt der HERR das bereits wirksame Prinzip an: Was heute im Verborgenen gesprochen wird, wird morgen von den Dächern ausgerufen! Glückselig der Mensch, der Gottes Wort einfach Glauben schenkt! Schade für jedes Individuum, das dieses Prinzip der totalen Offenlegung aller Motivationsgründe und aller Taten (nach Lk 12,3) erst nach einer wirklichen Erfahrung und vielen Schmerzen wird anerkennen müssen. Amen.

Vers 29

Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch ein Wort fragen. Antwortet mir! Und ich werde euch sagen, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue:  Mk 11,29

Christus stellte eine Antwort auf die Frage der Schriftgelehrten, Pharisäer und Ältesten in Aussicht, aber Er stellte ihr eine Frage voran, von der Er mit Nachdruck eine Antwort erwartete. Zu genau wusste Er, dass die Motivation der Religionsführer rein böser Natur war.

Christus liess sich nicht für dumm verkaufen. Er warf die Perlen des Himmelreichs nicht vor die Hunde und die Schweine (Mt 7,6). Wir sollen es auch nicht tun. Die Forderung Gottes, barmherzig zu sein, ist keine, die dummes und naives Verhalten von uns verlangt. Ziehen Sie sich zurück, wenn sie mit Bosheiten angegangen werden. Wenn Sie die Kraft und Reife haben, zu widerstehen, dann antworten Sie mit dem Schwert, dem Worte Gottes (Eph 6,7). Was will Ihnen dann noch ein Mensch entgegnen, der Sie lügnerisch verleumdet, wenn Sie mit Gottes Wort das schwer mit Todsünden beladene Gewissen ihrer Widersacherin oder ihres Widersachers treffen?

Vers 30

War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir!  Mk 11,30  

Jetzt sollten die Ältesten, Pharisäer und Schriftgelehrten antworten! Was das mit Johannes dem Täufer vom Himmel oder von Menschen? Christus forderte seine Gegenpartei heraus! Das würde offenbaren, ob sie nur etwas gegen Ihn hätten oder generell gegen Gott seien.

Wir wissen, dass sie generell etwas gegen Gott hatten, sonst hätten sie seinen Gesalbten akzeptiert. Die Ältesten, Pharisäer und Schriftgelehrten wanden sich vor den Menschen und gaben vor, Gott zu in allem zu respektieren und nur etwas gegen Christus zu haben.

Christus forderte sie aber mit dieser Frage zu einer generellen Antwort auf, den Fokus von seiner Person abgewendet, denn Gott sandte auch Johannes den Täufer. Würden sie nun Johannes Auftrag als von Gott gegeben verleugnen, so wäre offenbar, dass sie generell gegen Gott sind.

Wer etwas gegen eine von Gott gegebene Person hat, sich aber selbst Gottesfurcht bescheinigt, wird schnell überführt werden, dass er eine gottesfeindliche Haltung eingenommen hat. Man kann nicht etwas gegen von Gott zugeteilte Menschen haben und dabei glauben, Gott zu fürchten und Ihn in Ehren zu halten. Entweder hält man auch die von Gott gegebenen Personen in Ehren oder man gibt zu, seine Weisungen zu verachten. Wer seine Weisungen verachtet, verachtet auch den, der sie gegeben hat. Amen.

Vers 31

Und sie überlegten miteinander und sprachen: Wenn wir sagen: vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt?     Mk 11,31

Auf die entlarvende Frage Christi beginnen sich die Verführer des Volkes Gottes zu winden. Es durfte auf keinen Fall vor den Herumstehenden heraus kommen, dass sie statt gute Ratgeber nur böse Ungläubige waren. Deshalb kam auf diese Frage Christi seitens der Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten Psychologie und irdisch-böse Weisheit zur Anwendung.

Liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie sich nicht durch andere Menschen täuschen, die vorgeben, fromm zu sein! Oder wollen Sie als Verführte in die Geschichte eingehen, was nicht nur sehr peinlich sondern viel mehr zu Ihrem generell grossen Schaden wäre? Äusserlich noch so fromme Menschen sind nichts anderes als Widersacher Gottes, wenn sie Ihnen schriftabweichende Ratschläge vermitteln. Die Ratschläge sind nicht nur wertlos, sie sind vielmehr teuflisch, weil sie Sie in den Abfall von Gott bringen. Noch gar nie ist vorgekommen, dass sich Gott von einer seiner Weisungen distanziert hat! Wenn Ihnen nun ein – ach – noch so frommer Mensch Untreue, Habsucht, Ehebruch, Ausschweifung oder sonst irgendeine schriftwidrige Handlung legitimiert, entlarvt er sich als Widersacher Gottes und Ihnen gegenüber als Feind, der sie mit Schmeichelworten in den Abgrund lockt! Hören Sie ja nicht auf solche Menschen! Sie werden von der Bibel so beschrieben:

8 Ebenso aber beflecken auch diese als Träumende das Fleisch, die Herrschaft aber verachten sie, Herrlichkeiten aber lästern sie. 
9 Michael aber, der Erzengel, wagte nicht, als er mit dem Teufel stritt und Wortwechsel um den Leib Moses hatte, ein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr schelte dich!
10 Diese aber lästern alles, was sie nicht kennen; alles, was sie aber von Natur aus wie die unvernünftigen Tiere verstehen, darin verderben sie sich. 
11 Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams völlig hingegeben, und in dem Widerspruch Korachs sind sie umgekommen. 
12 Diese sind Flecken bei euren Liebesmahlen, indem sie ohne Furcht Festessen mit <euch> halten und sich selbst weiden; Wolken ohne Wasser, von Winden fortgetrieben; spätherbstliche Bäume, fruchtleer, zweimal erstorben, entwurzelt; 
13 wilde Meereswogen, die ihre eigenen Schändlichkeiten ausschäumen; Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist. 
14 Es hat aber auch Henoch, der siebente von Adam an, von ihnen geweissagt und gesagt: »Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Myriaden,
15 Gericht auszuüben gegen alle und alle Gottlosen zu überführen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten <Worten>, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.«
16 Diese sind Murrende, die mit dem Schicksal hadern und nach ihren Begierden wandeln; und ihr Mund redet stolze Worte, und sie bewundern Personen um des Vorteils willen.
17 Ihr aber, Geliebte, gedenkt der von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus vorausgesagten Worte! 
18 Denn sie sagten euch, dass am Ende der Zeit Spötter sein werden, die nach ihren gottlosen Begierden wandeln.
19 Diese sind es, die Trennungen verursachen, irdisch gesinnte <Menschen>, die den Geist nicht haben.     Jud 1,8-19 

Ihnen gleich wird jeder Mensch, der auf sie hört, wie eine wilde Meereswoge, die ihre eigene Schändlichkeit ausschäumt, was eine sehr treffende Beschreibung ist.

Wenn Sie nun glauben, liebe Leserinnen und Leser, sie hätten nicht so böse Leute um sich, dann täuschen Sie sich gewaltig. Denken Sie nicht von sich, klüger als der Teufel zu sein. Wenn Sie nicht täglich Gottes Weisung abholen, verkommen Sie zum Freiwild für die Gegenseite. Der Teufel verpackt seine Leute so, dass sie wie Engel und superfromm erscheinen. Sie reden geschwollen über Teile der Bibel, führen Verse an und reden hochtrabende Worte, sodass sich das Volk dorthin wendet, um Wasser zu schlürfen. Wirklich fromme Menschen machen sie mundtot und werfen ihnen Gesetzlichkeit  und krankhaftes Verhalten vor. Dass diese verkleideten Abgesandten des Teufels aber selbst böse und gottesfeindlich sind, erscheint im Umgang mit ihnen fast unglaublich, denn diese bringen scheinbar Farbe in den Versammlungsalltag, wo Nüchternheit und Wachsamkeit gefordert ist. Was sie aber hinterlassen ist Tod und Elend, in der Gleichheit wie es der Fuchs beim Besuch eines offenen Hühnerstalls oder der Wolf beim Besuch einer unbeaufsichtigten Schafherde hinterlassen. – Hören Sie nicht auf solche Ohrenbläser! Verwerfen Sie alle Worte von solchen Menschen. Prüfen Sie bei Unsicherheit alle dargereichten Worte! Untreue, Ehebruch, Ausschweifung und alles Böse wird nie und nimmer legitimiert, auch wenn die das letztendlich fest behaupten.

Diese Menschen sind nicht so töricht, Ehebruch zum Beispiel als erstrebenswert zu propagieren. Es genügt ihnen völlig, die verbotene Tür einen kleinen Spalt zu öffnen. Sie sagen dann lediglich, Ehebruch oder Untreue seien zwar nicht toll, können aber vorkommen und wir haben ja einen gnädigen Gott, der vergibt. Dann ist das Unheil schon angerichtet, weil das gegen Gottes Weisung geredet ist. Es sind dann zwar nicht sie, die am Ende ihre Zuhörer schlagen, Gott schlägt sie in der Folge, wenn sich sein Volk nicht an seine Worte hält. So sind diese Ohrenbläser doppelt gerissen: Sie stehen beim Unglück des Gottesvolkes scheinbar mit völlig weisser Weste da und ihre Bosheit wird nicht mal offenbar, solange sie nicht von geistlichen Menschen aufgedeckt wird. Und dass geistliche Menschen nicht zum Zuge kommen, dafür ist gesorgt. Da stehen die Abgesandten des Teufels wie Absalom vor dem Sitz der wirklich Geistlichen, fangen die Ratsuchenden in ihren Anliegen ab und geben ihnen Recht in ihren Begehren. So stehlen sie die Herzen des Volkes, wie es Absalom getan hatte (2. Sam 15,2-6).

Die teuflischen Taktiken der Menschen, die das Volk zu Gottlosigkeiten verführen und untreue Menschen stärken, sind wirklich altbekannt, wie oben erwähnt. Bileam gab dem König Balak den erfolgreichen aber bösen Rat, Israel in Sünde fallen zu lassen. Dann würden sie in Ungunst bei Gott fallen und der Segen würde von ihnen weichen. Sein Rat kostete insgesamt vierundzwanzigtausend Israeliten das Leben durch eine Plage von Gott, der diese Sünde ahndete. Bileam und Balak konnten sich dabei mit scheinbar weisser Weste ins Fäustchen lachen, da sie selbst keinen Finger für den Tod dieser zigtausend Israeliten krümmen mussten.

Hören Sie nie auf Menschen, die wie die Schlange im Garten Eden haarscharf an der Wahrheit vorbeireden. Wenn sie ein „sollte Gott tatsächlich gesagt haben“ oder ein „glaubst Du wirklich, dass Gott es so haben will“ hören, sollten Ihnen sofort die Alarmglocken läuten! Der Teufel spricht durch die Verführer und versucht Sie, in Sünde fallen zu lassen. Wenn Sie in Sünde gefallen sind, muss er nichts weiter tun, als hämisch lachend fortzugehen. Dann stehen Sie mit einem Sündenproblem vor Gott, der Teufel ist ja sowieso schon gerichtet und will nur noch so viele wie möglich mit in das Unglück reissen.

Es sei an dieser Stelle nochmals gesagt: Es gibt keine Legitimation für Untreue, Unzucht, Ehebruch, Habsucht und alle anderen bösen Dinge, die das Fleisch hervorbringt. Wer sich trotzdem dazu überreden lässt, fällt ins Unglück.

Vers 32

Sollen wir aber sagen: von Menschen? Sie fürchteten die Volksmenge. Denn alle meinten, dass Johannes wirklich ein Prophet sei.     Mk 11,32 

Wollen Sie auf solch blinde Führer von Blinden hören (Mt 15,14); auf Menschen, die den grössten je von Gott gesandten Propheten (Johannes, Mt 11,11) nicht erkannt und an dieser Stelle den Gesalbten Gottes persönlich vor sich stehen hatten und Ihn verworfen haben? Wollen Sie wirklich auf Menschen hören, die das Unglaubliche, Unbeschreibliche und Unsägliche getan haben, auch wenn sie äusserlich top-religiös und in der Einhaltung Gottes Worte in den Augen des Volkes als tadellos erschienen sind? Wer auf solche hört, qualifiziert sich selber als Blinder, denn er kann nicht zwischen geistlich und teuflisch unterscheiden; ein solcher sieht nicht, wenn es Tag und wenn es Nacht ist. Dazu lässt er sich von Blinden leiten, von solchen, die keine Ahnung haben. Die Leitung durch Blinde wird den Geleiteten auf Pfade führen, die nicht gut sind. Amen.

Vers 33

Und sie antworten und sagen zu Jesus: Wir wissen es nicht. Und Jesus spricht zu ihnen: So sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich diese Dinge tue.  Mk 11,33 

„Wir wissen es nicht“, antworteten die Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten berechnend. Sie waren die Leute, die Menschen segneten, aber Häuser der Witwen für ihre „Dienste“ raubten, wie geschrieben steht:

38 Und er sprach in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüssungen auf den Märkten
39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern <lieben>;   
40 die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten! Sie werden ein schwereres Gericht empfangen.     Mk 12,38-40

In diesem Psalm werden sie auch treffend beschrieben:

Sie planen nur, ihn von seiner Höhe zu stossen; sie finden Gefallen an der Lüge; mit ihrem Mund segnen sie, doch in ihrem Innern fluchen sie. Ps 62,5

Das die Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten so handelten, ist offenbar. Vor den Leuten segneten sie, verlangten aber viel Geld und verschlangen so die Häuser der Witwen. Ihre Motivation war nicht rein. Und als der Sohn dessen erschien, zu dem sie jeweils zu beten vorgaben, brachten sie ihn ans Kreuz. Sie waren Heuchler, die dieser Bezeichnung alle Ehre gaben. Hören Sie nicht auf solche Menschen! Amen.

Christus gab ihnen deshalb auf ihre Frage auch keine Antwort, weil sie seine Frage aus berechnenden Gründen nicht beantworten wollten. Nehmen wir uns auch daran ein Vorbild. Er liess sich nicht für dumm verkaufen. Auch wir sollten auf keine Anfragen eingehen, die unlauter sind. Verschwenden Sie mit Menschen, die Sie nur ausforschen wollen, keine unnötige Zeit.

Kapitel 12

Vers 1

Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und setzte einen Zaun darum und grub einen Keltertrog und baute einen Turm; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste ausser Landes. Mk 12,1

Hier beginnt Christus mit einem die Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten völlig entlarvenden Gleichnis. Es stellt ihre Bosheit, Gottesfeindschaft und Mordlust sehr gut beschrieben dar.

Bitte bedenken Sie, dass auch heute in den Menschen, die vorgeben gottesfürchtig zu sein, das selbe böse Potential steckt, nämlich dann, wenn die Gottesfurcht nur vorgegeben, aber nicht echt ist.

Zum Inhalt dieses Gleichnisses: Der Mensch, der den Weinberg pflanzte, ist Gott. Er kehrte alles Notwendige vor mit dem Zaun, dem Keltertrog und dem Turm. Der Weinberg ist Israel, sein Volk, das sinnbildlich als Weinberg oder Feigenbaum dargestellt wird (Joel 1,7). Die Pächter sind die Hüter bzw. Verwalter Israels, die Richter, Propheten und Könige, also alle Menschen, die einen massgebenden Einfluss auf Israel hatten, wie auch die Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten.

Vers 2

Und er sandte zur bestimmten Zeit zu den Weingärtnern einen Knecht, um von den Weingärtnern von den Früchten des Weinbergs zu empfangen. Mk 12,2

Den Weingärtnern, also den Leuten, die einen massgebenden Einfluss auf Israel hatten, war der Weinberg nur verpachtet, er gehörte nicht ihnen. Der Weinberg gehört Gott, der somit Anrecht auf die Früchte hat. Gott sandte daher zur bestimmten Zeit einen Knecht, um Früchte zu empfangen. Die im Gleichnis erwähnten Knechte symbolisieren die gottesfürchtigen Diener des HERRN, wie beispielsweise ein Samuel, der zur Zeit Sauls lebte. Die wirklich gottesfürchtigen Diener suchten immer nur das Beste für Israel. Wenn es Israel in der Beziehung zu Gott gut ging, fehlte es auch nicht an Früchten. Gott fordert nie etwas, was der Mensch nicht bringen kann.

Vers 3

Sie aber nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort. Mk 12,3

Die Weingärtner im Gleichnis, also die Personen mit einem massgebenden Einfluss in Israel, gebarten sich so, als ob ihnen der Weinberg selbst gehörte. Als der rechtmässige Besitzer, das ist Gott, durch einen gesandten Knecht seine Früchte verlangte, handelten die Weingärtner sehr vermessen. Sie weigerten sich nicht nur Früchte abzugeben, sie misshandelten den Abgesandten des HERRN zusätzlich.

Dieses Gebaren der damaligen Religionsführer ist nicht neu. Die Kirchengeschichte zeugt mit traurigen Beispielen bis heute, dass auch die christliche Religionselite vielerorts tatsächlich glaubt, das Reich Gottes gehöre ihr selbst. Wenn Gott von seinem christlichen Volk Früchte verlangt, stellen sich viele quer; sie haben aus der Geschichte nichts gelernt, obschon im Neuen Testament mehrfach hingewiesen wird, daraus zu lernen und es besser zu machen (1. Kor 10,6.11; Heb 3,7 ff.).

Vers 4

Und wieder sandte er einen anderen Knecht zu ihnen; und den verwundeten sie am Kopf und beschimpften ihn. Mk 12,4

Ungeachtet dessen, dass der Höchste Anspruch auf seinen Weinberg erhob und diesen durch seine Knechte vermittelte, schlugen die Pächter die angekommenen Knechte rücksichtslos. Ob die Schläge den Kopf der Abgesandten trafen oder nicht, war den bösen Pächtern völlig egal; sie nahmen schliesslich auch den Tod dieser Diener in Kauf, was wir im nächsten Vers sehen. Dazu gehörten auch üble Beschimpfungen. Schon David, der Knecht des HERRN, musste Verleumdungen und Verfolgungen erdulden, von denen er unter anderem im Ps 56 schreibt:

Sie verdrehen meine Worte den ganzen Tag; auf mein Verderben geht ihr ganzes Sinnen. Ps 56,6

Das Neue Testament sagt uns, dass einem wirklich gottesfürchtigen Knecht Verfolgung widerfahren wird; ja, dass sie bei solchen sogar zwingend kommen wird (2. Tim 3,12). Sich selbst bestimmende Christen können es nämlich nicht sehen, wenn jemand sein Vertrauen voll auf Gott setzt, denn die sich selbst bestimmenden Christen sind durch einen solchen Gläubigen verurteilt. Die sich selbst bestimmenden Christen sehen an dem, der all sein Vertrauen auf Gott setzt, dass er im Gegensatz zu ihnen bibeltreu lebt. Das reizt die sich selbst bestimmenden Christen gegen diesen Menschen auf, sie wollen sein Zeugnis nicht vor ihren Augen haben. So beginnen sie ihn zu verunglimpfen oder gar richtig zu verfolgen. Durch sein Zeugnis stellt er nämlich auch die Rechtsforderung Gottes, die Früchte verlangt, dar, die sich selbst bestimmende Menschen nicht hören bzw. sehen wollen, da sie sonst in ihren Leben aufzuräumen hätten. Sie müssten in der Folge das Reich, von dem sie glauben, es gehöre ihnen, Gott zugestehen.

Vers 5

Und er sandte einen anderen, und den töteten sie; und viele andere; die einen schlugen sie, die anderen töteten sie. Mk 12,5

Wie es im vorausgehenden Kommentar erwähnt ist: Die einflussreichen Leute in Israel zögerten nicht, die Abgesandten des HERRN zu misshandeln und sogar zu töten. Sie handelten wie gesagt so, als ob sie Selbstbestimmungsrechte über die Sache Gottes hätten. Dazu muss erwähnt werden, dass ihre Selbstbestimmung eine ganz üble Moral mit sich zog. Es hätte ja in ihrer Selbstbestimmung völlig ausgereicht, wenn sie die Abgesandten des HERRN einfach nur leer fortgeschickt hätten. Das reichte den Führern Israels aber nicht. Sie misshandelten oder töteten gar die Knechte des HERRN, als ob Gott als Rächer ihrer Sache nicht existieren würde.

Abfall von Gott bringt leider auch Abfall von guten Manieren. Wie oft konnte man beobachten, wie die Moral der Menschen, die Gott den Rücken zugekehrt haben, zerfiel. Der König Saul fing auch gut an mit dem HERRN. Als er aber anfing, eigene Wege zu gehen, ging es mit ihm tiefer und tiefer in den Pfuhl der Sünde, bis er am Ende selbst Diener des HERRN umbringen liess (1. Sam 22,18). Ich will an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass Sauls Abfall von Gott geahndet wurde. Die Todsünde, im Friedenszeiten ohne Ursache zu töten, liess Gott nach der Gesetzmässigkeit von „was man sät, das erntet man“ auf ihn zurückfallen. Statt mit dem Volk Gottes im Sieg zu leben, wurde Saul von unbeschnittenen Philistern geschlagen und starb auf dem Schlachtfeld mit allen, die ihm die Hände stärkten. So geht es jedem, der mit Saul das Beispiel teilen will.

Vers 6

Noch einen hatte er, einen geliebten Sohn, den sandte er als letzten zu ihnen, indem er sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Mk 12,6

Nachdem es Gott mit Knechten erfolglos versucht hatte, Israel für sich und den guten Weg zu gewinnen – wie sehr musste er dieses Volk lieb haben -, sandte Er ihnen seinen einzigen und geliebten Sohn, indem Er sprach: „Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.“

Gott liess wirklich gar nichts aus, um sein Volk zu retten, indem Er es zur Abkehr vom bösen Weg bat. Zuerst sandte Er allerlei Knechte, wie Richter und Propheten, schenkte unter anderen immer wieder gottesfürchtige Könige, wie beispielsweise David, Joschafat, Hiskia und Josia, um einige zu nennen. Diese Knechte vermochten aber nicht eine nachhaltige Rückkehr des Volkes zu Gott zu bewirken. Wir können leider in der Geschichte Israels immer wieder von ihnen selbst bestimmte Wege erkennen, die sie in der Unabhängigkeit Gottes verfolgten.

Trotz alledem hörte das Werben Gottes nicht auf. Gott verwarf sein Volk nicht, ohne vorher alles Erdenkliche zu versuchen, es zurückzugewinnen, und obschon das Volk mörderisch war, nahm Er sogar den Einsatz seines Sohnes in Kauf.

Vers 7

Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein. Mk 12,7

Augenscheinlich ist hier die kriminelle Energie. Die Weingärtner erkannten den Sohn als solchen und dachten, wenn sie ihn umbrächten, ginge ihr übler Plan auf. – Christus hielt den Religionsführern ihr Vorhaben vor Augen: Sie wollten ihn umbringen, um unbehelligt weiter die ersten Plätze einnehmen (Mk 12,39) und die Witwen ausrauben zu können (Mk 12,40). Kurz gesagt wollten sie den Sohn weg haben, um weiter sehr böse im Reich Gottes zu agieren.

Für mich ist sehr bezeichnend, wie Christus alles offen legte, vor allem auch den Umstand, dass sie in Wahrheit wussten, wer Er war. Sie taten in der Frage über Johannes den Täufer gegenüber Christus unwissend (Mk 11,33), konnten aber dem Herodes über den Geburtsort Christi ganz genau Auskunft geben (Mt 2,4-6). Sie waren genau so, wie sie von Christus beschrieben wurden: Sie waren gesetzlose Heuchler (Mt 23,28) und glichen übertünchten Gräbern, die von aussen zwar schön scheinen, innen aber voller Totengebeinen sind (Mt 23,27).

Vers 8

Und sie nahmen und töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus. Mk 12,8

Wie Christus ihre Bosheit vorausgesagt hatte, liessen die Pharisäer am Ende Christus ergreifen und töten. Die Pharisäer dachten tatsächlich, vor den Augen des gerechten Gottes auf diese böse und illegale Art das Reich an sich reissen zu können.

Es ist unglaublich, wie verblendet Menschen sein können. Solange Gott sanft um die Menschen wirbt und mit dem Durchsetzen der Gerechtigkeit zuwartet, denken Menschen tatsächlich, ihre üblen Wünsche mit Ungerechtigkeiten und Bosheiten straffrei durchdrücken zu können. Die solches tun, haben überhaupt keine Ahnung von Gott, der zwar sehr gnädig ist, aber üblen Starrsinn immer und unbedingt ahndet. Gott handelt so:

Deshalb spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.« Jak 4,6b 

Es ist nichts, was im Verborgenen geschieht, das nicht offenbar werden wird (vgl. Mk 4,22). Das bedeutet, dass sich Gott mit jeder Sache beschäftigen und sie ganz nach seiner Gerechtigkeit richten wird. Hätte die Verblendung der Pharisäer ihren Verstand nicht ganz ausgeschaltet, so hätte sie die Furcht vor diesem Gericht vom Töten des Sohnes Gottes abgehalten. Aber eben, wer keine Ahnung von Gottes Charakter hat und in der Verblendung lebt, der denkt tatsächlich beim Ausführen von Gesetzbruch, dass Gott blind sei oder das Böse durchgehen liesse oder machtlos sei, etwas zu tun.

Gott widersteht dem Hochmut der Menschen. Die eigenwilligen Menschen werden das spätestens erfahren, wenn sie vor der Himmelstür stehen und anklopfen.

Vers 9

Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Mk 12,9

„Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“, antwortete das ganze israelitische Volk dem Pilatus, als es den Tod Christi forderte. Das war ein sehr, sehr grosser Fehler, ein sehr übles Verbrechen, das sie da begingen.

Kein Wunder, dass sie übel umgebracht wurden -, war es nicht vorausgesagt? Die Nation hatte in der Folge aufgehört zu existieren und sie wurden in alle Länder versprengt. Unter vielen bösen Herrschern hatten sie zu leiden und den Tod zu finden. Wenn man nur an die Leichenberge der Judenverfolgung im sogenannten Dritten Reich denkt, die mit Bulldozern in Gruben geschoben und zugescharrt wurden. Alles, wonach sie verlangt haben, ist gemäss ihrer bösen Tat am völlig gerechten und schuldlosen Christus auf ihren Kopf gekommen.

Wer denkt, Gott sei ein alter verkalkter Allversöhner und nicht Busse tut, wird sich wundern, wenn Gott dessen Sünden vor sich stellt und die Abrechnung mit voller Härte beginnt: Der Herr des Weinbergs wird persönlich kommen und ohne Gnade agieren. Seine Überlegenheit wird Ihm helfen, mit harter Vergeltung dem Recht zum Sieg zu verhelfen, selbst wenn sich alle Weingärtner gegen Ihn zusammen tun. Ganz Israel hatte selbst als Nation keine Chance, die Rache Gottes zu vereiteln.

Vers 10

Habt ihr nicht auch diese Schrift gelesen: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden; Mk 12,10

Die Bauleute bzw. die Weingärtner, also die, denen der Bau oder der Weinberg anvertraut war, haben das wichtigste Element verworfen: Das ist Jesus Christus, den sie so gering geachtet hatten, dass sie Ihn ans Kreuz schlagen liessen. Gott hat seinen Plan nicht aufgegeben oder abgeändert. Der Mann, der als Retter eingesetzt ist, bleibt der Retter der Welt, kein anderer kommt an seine Stelle. Christus bleibt der Eckstein, auch wenn es den Bauleuten nicht passt. Gott hat das letzte Wort, nicht der Mensch. Selbst wenn nun jemand sagt: „Dann interessiert mich dieser Eckstein halt einfach nicht; selbst wenn Ihn Gott als Eckstein betrachtet, verwerfe ich Ihn oder achte Ihn nicht!“, wird er mit diesem Eckstein konfrontiert werden, denn betreffend diesen Stein heisst es auch:

Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; aber auf wen er fallen wird, den wird er zermalmen. Mt 21,44

Die Botschaft ist klar: An Christus kommt niemand vorbei. Wer Ihn verwirft, hat gemäss Mt 21,44 massivste Probleme. Glückselig ist, wer Gottes Plan so annimmt, wie er gegeben ist.

Gott spricht das letzte Wort, nicht der Mensch! Amen.

Vers 11

vom Herrn her ist er dies geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen«? Mk 12,11

Vom HERRN her ist Christus zum Eckstein geworden. Der Höchste hat Ihn dazu eingesetzt. Der Mensch kann die Auswahl ablehnen, ignorieren oder annehmen, der Beschluss des HERRN bleibt derselbe. Es gibt sogar Menschen, die dem König Jesus symbolisch eine Gesandtschaft hinterher senden, um Ihm mitzuteilen, dass sie Ihn keinesfalls als König wollen. Das erklärt der HERR in den Versen von Lk 19,14.

Wie sehr sich doch der Mensch gegen Gott und seine Beschlüsse auflehnt! Die Menschen jenseits des Sees Genezareth baten den HERRN, der den mit vielen Dämonen Besessenen geheilt und das Land von den Schweinen gereinigt hatte, wegzugehen. Lieber hätten sie Schweine und Dämonen im Land gehabt und Menschen, die durch die bösen Geister zugrunde gehen. Aber den HERRN, der alles in Ordnung gebracht hatte, den baten sie, dass Er aus dem Gebiet weggehen möchte (Mk 5). So lieben die Menschen den Gesetzbruch mehr als den Willen Gottes zu tun.

Gott sieht diesem Treiben sehr lange zu; Er ist sehr, sehr langmütig. Irgendwann findet aber auch die Langmut Gottes ein Ende. Deshalb predigt Paulus in Athen mit folgenden Worten:

30 Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Busse tun sollen,
31 weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten. Apg 17,30.31

Der Tag des Gerichts naht schnell. Selbst wenn nun seit der Aussage des Paulus‘ zweitausend Jahre ins Land gezogen sind: Der Tag kommt. Er ist von Gott bestimmt und somit nicht eine Erdichtung eines geblendeten „Weltuntergangspropheten“. Seit zweitausend Jahren „gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Busse tun sollen!“ Amen.

Vers 12

Und sie suchten ihn zu greifen und fürchteten die Volksmenge; denn sie erkannten, dass er das Gleichnis auf sie hin gesprochen hatte. Und sie liessen ihn und gingen davon. Mk 12,12

Kaum hatte der HERR im Gleichnis fertig angedeutet, dass die religiösen Führer böse und mörderisch waren, wollten sie das, was schliesslich tatsächlich in ihnen war, umsetzen, indem sie ihn greifen wollten. Sie hatten erkannt, was der HERR ihnen vorwarf und verneinten es nicht, sondern wollten Ihn vielmehr gleich aus dem Verkehr ziehen. In Anbetracht der Volksmenge sahen sie aber ein, dass sie Ihn, der dem Volk ausschliesslich wohl tat und dessen Gebrechen heilte, vor dem Volk nicht ohne wirklichen Grund festhalten konnten.

Vers 13

Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen. Mk 12,13

Irgendwie muss es den fleischlichen und bösen Menschen gewaltig wurmen, wenn er nichts gegen den geistlichen ausrichten kann, sonst würde nicht so viel kriminelle Energie freigesetzt werden. Die Religionselite wollte ja den HERRN greifen, konnte es aber nicht tun. Sogleich musste ein anderer Plan her, es lässt dem bösen Menschen keine Ruhe; er kann den geistlichen nicht einfach in Ruhe lassen. Der fleischliche Mensch stört sich solange an dem geistlichen, bis er ihn nicht mehr sieht.

Da sie Ihn nicht greifen konnten, versuchten sie Ihn in der Rede zu fangen. Sie wollten, dass Er sich in einen Widerspruch verstrickte, um Ihn danach vor dem Volk als Lügner darzustellen.

Vers 14

Und sie kommen und sagen zu ihm: Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und dich um niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf die Person der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben? Mk 12,14

Die Heuchelei und Bosheit des Menschen kennt wirklich keine Grenzen! – Warum hat Christus den Menschen nicht einfach vernichtet? Er wusste ja von der ganzen Bosheit! – Da schmieren die Pharisäer und Herodianer dem HERRN Honig ums Maul in der Hoffnung, dass Er ihnen auf den Leim kriecht. Zuerst attestieren sie Ihm Parteilosigkeit und Wahrhaftigkeit in der Erklärung des Weges Gottes. Auf diese Art wollten sie bei Ihm Vertrauen wecken und hofften mit der anschliessenden Frage, ob man weltliche Machthaber unterstützen solle, auf eine negative Antwort, um Ihn als Aufwiegler gegen die Staatsgewalt darstellen zu können.

Vers 15

Da er aber ihre Heuchelei kannte, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn sehe! Mk 12,15

Die Heuchelei der Pharisäer und Herodianer hätte den allermeisten Menschen geschmeichelt und wäre nicht als solche wahrgenommen worden. Christus liess sich nicht von gefallenen Kreaturen beeindrucken, von denen Er zugleich wusste, dass sie Ihn in eine Falle locken wollten. Er sagte ihnen gerade heraus, dass Er Kenntnis von ihrem Anschlag hatte. Darüber hinaus zeigte Er ihnen, dass Er sich vor ihren Fragen nicht scheute. Vielmehr zeigte Er ihnen in der Beantwortung ihrer Frage seine Herrlichkeit und Souveränität.

Vers 16

Sie aber brachten ihn. Und er spricht zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? Sie aber sagten zu ihm: Des Kaisers. Mk 12,16

Christus liess sich einen Denar zeigen. Auch verlangte er von den Heuchlern, die Ihn versuchten, die Erklärung des Bildes und der Aufschrift. Christus involvierte sie voll in das Thema. Sie sollten voll mitbeteiligt sein und nicht von Ferne eine Antwort an den Kopf geworfen bekommen, die sie dann an sich abprallen lassen.

Der HERR sei gepriesen! – Niemand kann wie Christus lehren und überführen! Keine Akademie dieser Welt hat für jede erdenkliche Situation die perfekte Lernmethodik. Gott hingegen hat sie. Christus hatte sie und hat sie heute noch. Und der Heilige Geist, der dritte Teil der dreieinen Gottheit, kann uns in perfekter Art und Weise an die gerade für die aktuelle Situation passenden Worte Christi erinnern, um uns zu helfen oder uns weiterzubilden.

Vers 17

Jesus aber sprach zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie verwunderten sich über ihn. Mk 12,17

Die Menschen, die Christus versuchen wollten, hatten selber gesagt, dass auf dem Denar die Aufschrift und das Bild des Kaisers zu sehen ist. Die Antwort Christi lag so nahe: „Gebt jedem, was ihm gehört!“ Mit dieser einfachen Antwort stellte Christus die Versucher nicht nur bloss (sie hätten selber darauf kommen können), sondern ermahnt sie und ganze die Zuhörerschaft gleichzeitig. Sie und die Umstehenden mussten sich fragen, ob sie Gott geben, was Gott gehört, was nämlich nicht der Fall war. Das hatte Christus mit dem Gleichnis der bösen Weingärtner schon offengelegt: Die Weingärtner wollten dem Besitzer nichts von den Früchten abgeben.

Vers 18

Und es kommen Sadduzäer zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung; und sie fragten ihn und sprachen: Mk 12,18 

Nachdem Christus den Pharisäern und den Herodianern den Mund gestopft hatte, kamen Sadduzäer zu Ihm, das war eine religiöse Partei, die nicht an die Auferstehung glaubte und hatten ausgerechnet eine Frage zum Leben nach dem Tod, nämlich wie im Leben geschlossene Ehen eines Mannes nach dem Tod geregelt seien.

Die Bibel lässt offen, ob das eine Fangfrage war. Anhand der Antwort Christi denke ich, es war keine Frage, um Jesus zu versuchen. Die Sadduzäer wollten einfach wissen, wie sich der Sachverhalt ihrer Frage gemäss der Lehre Christi in der Auferstehung präsentiert.

Vers 19

Lehrer, Mose hat uns geschrieben: Wenn jemandes Bruder stirbt und lässt eine Frau zurück und hinterlässt kein Kind, dass sein Bruder seine Frau nehme und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecke. Mk 12,19 

Was die Sadduzäer da vorbrachten, stimmt. Das ist ein Bestandteil des Gesetzes Gottes. Dieser Brauch war keine Überlieferung der Ältesten, sondern die Überlieferung Gottes.

Der Allmächtige wollte, dass der Name eines kinderlosen Israeliten in Israel nicht ausgelöscht werde und gebot deshalb die Schwagerehe (5. Mo 25,5.6). Diese sollte durch den Schwager oder den nächsten jüngeren Bruder des Schwagers vollzogen werden. Der erste Nachkomme aus einer solchen Ehe wurde dem kinderlos Verstorbenen zugerechnet. Dies gebot Gott in seiner unumschränkten Gnade, damit keines Israeliten Name verloren gehen bzw. in Vergessenheit geraten sollte, denn Gott ist auch ein Gott der Zukunft. Er plante von Anfang an die Auferstehung nach den Toten. Ein ewiges Ende durch den Tod ist beim Gott der Lebendigen, dem Gott der Bibel, ausgeschlossen. Gott wollte nicht, dass der Familienstammbaum durch den Tod eines Israeliten, der kinderlos blieb, aufhöre. Dies gebot Gott mit Nachdruck, wer die Schwagerehe bei bestehendem Bedarf nicht eingehen wollte, bekam – ebenfalls durch das Gesetz – einen unehrenvollen Titel (5. Mo 25,7 ff.). Ich erachte es noch als wichtigen Punkt und möchte es daher nicht unerwähnt lassen, dass für die Erzväter bereits vor der mosaischen Gesetzgebung die Schwagerehe zur gesellschaftlichen Norm gehörte (1. Mo 38,6). Sie erkannten schon früh Schachverhalte durch Gott, die erst später von Gott durch die Gesetzgebung allen zugänglich wurden.

Vers 20

Es waren sieben Brüder. Und der erste nahm eine Frau; und als er starb, hinterliess er keine Nachkommenschaft; Mk 12,20

Die Sadduzäer schöpften mit ihrer Frage aus dem Vollen. Sie nahmen nicht einen Standardfall einer ohnehin wohl eher selten vorkommenden Schwagerehe. Wenn dieser exzellente Lehrer schon mal da war, nutzten sie die Gelegenheit, das Thema Schwagerehe mit „sieben Brüder“ voll auszureizen. Dieses Thema hatten sie bestimmt schon mit den Pharisäern diskutiert. Die Sadduzäer glaubten ja nicht an die Auferstehung nach dem Tod und forderten von den Pharisäern glaubwürdige Erklärungen zu den Behauptungen, welche die Pharisäer behaupteten. Die Pharisäer predigten aber offensichtlich nicht in der Vollmacht, die Christus hatte (Mt 7,29). Das war dem Volk offenbar. Daher lag bestimmt – trotz des negativen Sadduzäerbekenntnisses zur Auferstehung – eine gewisse Erwartungshaltung in ihrer Frage.

Vers 21

und der zweite nahm sie und starb und liess keine Nachkommenschaft zurück; und der dritte ebenso. Mk 12,21 

Wie erwähnt, die Sadduzäer wollten es vom etablierten Lehrer im Detail wissen, wie es dem Gesetz gemäss in der Auferstehung aussehen wird, wenn die Schwagerehe voll ausgereizt wird. Durch ihre Frage offenbarten die Sadduzäer ihr irdisches Denken und Christus musste den Menschen einmal mehr sagen, dass ihr Denken völlig verdreht ist. – Lassen Sie uns das in der Betrachtung der nächsten Verse noch detaillierter anschauen.

Vers 22

Und die sieben hinterliessen keine Nachkommenschaft. Zuletzt von allen starb auch die Frau. Mk 12,22

Es ist lehrreich zu sehen, wie der natürliche Mensch Gottes Gesetz auffasst. Am Ende dieser Betrachtung betreffend Markus 12,18-27 werden wir weitere Hinweise dazu haben, dass der natürliche Mensch Gottes die wohlwollenden Gedanken im Normalfall nicht erkennt und nicht einmal unverschlüsselt dargelegte Sachverhalte, wie in diesem Fall die Schwagerehe, so versteht, wie sie zu verstehen sind.

Die verschlüsselten Reden Gottes werden vom natürlichen Menschen sowieso nicht verstanden, denn von den codierten Sachverhalten im Neuen Testament, die Christus in Gleichnissen, also in Bildreden, vorgebracht hatte, ist durch Gott explizit erwähnt, dass sie mit bestimmter Absicht verschlüsselt sind, damit sich nämlich nicht etwa unwürdige Menschen bekehren und geheilt werden (Mk 4,11.12).

Vers 23

Wessen Frau von allen wird sie in der Auferstehung sein, wenn sie auferstehen werden? Denn die sieben haben sie zur Frau gehabt.  Mk 12,23

Dieser Vers offenbart menschliches Denken: Die Menschen sahen die Schwagerehe als nicht ausgereift an, da in ihr offenbar die Regelung fehle, wem die Frau nach dem Tod gehört. Durch dieses Gesetz war es ja möglich, dass am Ende sieben Männer nacheinander dieselbe Frau gehabt haben. Sollte man nach dem Tode wieder auferstehen, was die Sadduzäer grundsätzlich ja nicht glaubten, sollte die Frage nach einer Partnerin geklärt sein, wie man sie im irdischen Leben geordnet haben will. Das wollten die Sadduzäer nun vom HERRN geklärt haben.

Der Mensch denkt tatsächlich immer wieder, Gott habe Fehler und Lücken in seinen Plänen und ist oft so überzeugt von einer einzigen Lösung, nämlich der, die er aus dem Leben kennt oder die er sich gerade noch vorstellen kann. Damit wägt er Gottes Möglichkeiten ab. Die Sadduzäer nahmen in dieser Art die irdische Ehe als Mass für die Zeit nach der Auferstehung. Ihre Frage sah keine andere Option vor.

 

Vers 24

Jesus sprach zu ihnen: Irrt ihr nicht deshalb, weil ihr die Schriften nicht kennt und nicht die Kraft Gottes? Mk 12,24

Christus sagte den Sadduzäern gerade heraus, wo das Problem lag: Sie kannten die Schriften nicht und erwogen die Kraft Gottes nicht in ihren Überlegungen. Sie sprachen lediglich aus ihrer Sicht bzw. ihrem irdischen Verständnis.

Sie vermochten nicht zu erfassen, dass die Schwagerehe nicht dazu da war, dass in der Auferstehung sich die verstorbenen Männer um die Zugehörigkeit der Frau fragen müssten, welche im Beispiel alle gehabt hatten.

Die Schwagerehe war dazu da, das Volk aufzubauen. Jeder einzelne Israelit sollte sich daran beteiligen können. Jeder war wichtig, der Gedanke Gottes beschränkte sich nicht nur auf das Kollektiv, das Volk. Er dachte nicht: „Die Hauptsache ist, das Volk vermehrt sich, egal wie!“ Er hatte Sorge um jeden Einzelnen. Wer es nicht schaffte, Nachkommen mit seiner Frau hervorzubringen, dem sollte sogar nach seinem Tode noch dazu verholfen werden! Dazu wurde die Schwagerehe angeordnet. Sie zeigt einmal mehr die zärtliche Fürsorge Gottes auf, die aber vom natürlichen Menschen als unvollkommener Plan dargestellt wurde. Wir lernen daraus: Der natürliche Mensch kann Geistliches nicht erfassen.

Hätten die Sadduzäer an die Kraft Gottes geglaubt, hätten sie auch drauf kommen können, dass Gott nicht die Schwagerehe anordnet, ohne sie zu segnen. Bei Gott gibt es nicht Konstellationen, wo sein Gebot befolgt wird und der Segen auf die Dauer ausbleibt. Die Kraft Gottes ist gross genug, dass es nicht sieben Brüder braucht, um dem Verstorbenen einen Sohn hervorzubringen. Und wir wissen aus der Geschichte Israels, dass auch unfruchtbare Frauen durch Gottes Kraft zu Mutterfreuden kamen.

Die Sadduzäer hatten wirklich überhaupt keine Ahnung, von dem sie sprachen. – Bei uns ist es nicht viel anders mit dem Kenntnisstand, wenn wir versuchen, die Bibel ohne den Geist zu verstehen. Dann beginnen wir zudem auch, wie die Pharisäer die Mücke zu sehen, das Kamel aber zu verschlucken (Mt 23,24). Dann sieht man die Schwäche eines Bruders, bricht aber selber die Ehe oder sieht die Unzulänglichkeit einer Schwester, redet aber selber übel über die Verordnungen und die Knechte Gottes. So ist jeder, der im Denken den Geist ausschaltet, nach dem weltlichen Sprichwort: „Er spricht ohne das Hirn einzuschalten!“ Die Tüchtigkeit eines Christen muss unbedingt von Gott kommen (2. Kor 3,4.5), nicht aus ihm selber, denn die eigene Kraft qualifiziert nicht für die Arbeit im Reich (Joh 6,63)! Amen!

Vers 25

Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel in den Himmeln. Mk 12,25

Christus stellt mit dieser Stelle klar, dass in der Auferstehung – wen wundert es? – einiges anders laufen wird als heute.

„Zum Glück wird im Reich vieles anders laufen!“, können wir da nur sagen. – Es gibt zwar einige, die dieser Aussage wegen heute schon der irdischen Ehe nachtrauern. Diesen sei aber gesagt, dass Gott, wenn er für etwas einen Ersatz stellt, immer etwas Besseres an die Stelle der verschwindenden Dinge setzt.

Freuen Sie sich auf die Zukunft! Sammeln Sie zugunsten des Reiches noch so viel ein wie möglich, die verbleibende Zeit ist nur noch sehr kurz! Amen!

Vers 26

Was aber die Toten betrifft, dass sie auferweckt werden: Habt ihr nicht im Buch Moses gelesen, wie Gott beim Dornbusch zu ihm redete und sprach: »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«? Mk 12,26

Christus belässt es betreffend die Schwagerehe nicht einfach bei der Beantwortung der Frage der Sadduzäer. Die Sadduzäer hatten bekanntlich ein echtes Glaubensproblem. Sie waren so verblendet, dass sie bereits nicht mehr an die Auferstehung glaubten, obschon grundsätzlich jeder Mensch wusste bzw. weiss, dass er sich vor oder nach dem Tod vor dem Allmächtigen verantworten muss, selbst solche, die sich noch so zum Atheismus bekennen (Rö 1,32). Christus erläuterte ihnen deshalb aufbauend, wie falsch sie lagen. Gott sprach zu Moses von sich als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, als Gott von Männern also, die zur Zeit Moses längst verstorben waren. Gäbe es keine Auferstehung, würde die Aussage Gottes keinen Sinn machen. Abraham, Isaak und Jakob waren ja zu Lebzeiten Moses schon lange tot und ihre Leiber waren längst zu Staub zerfallen. Ein Bekenntnis Gottes zu Staub macht keinen Sinn; in der Sichtweise Gottes schlafen Verstorbene bekanntlich nur. Das Aufwecken von Toten bereitet Ihm so viel Mühe, wie uns das Aufwecken von Schlafenden Mühe bereitet, nämlich gar keine.

Vers 27

Er ist nicht der Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt sehr. Mk 12,27 

Die Sadduzäer irrten sich sehr durch ihren Unglauben an die Auferstehung, wie vorausgehend erwähnt. Gott bezeichnet sich als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, weil diese Menschen für Ihn am Leben sind. Die einen „schlafen“ zwar im Totenreich bis zur Auferstehung, sind aber keineswegs völlig passiv. Samuel sprach noch nach seinem Tod prophetisch (1. Sam 28,15 ff.), wie auch Elia und Mose längst nach ihrem Tode sich mit dem HERRN auf dem Berg der Verklärung unterredeten (Mt 17,3), obschon die Auferstehung bis heute (2015 n. Chr.) noch nicht stattgefunden hat. Der HERR kann jederzeit und völlig nach Belieben Menschen aus ihrem „Schlaf“ aufwecken, wie Er es auch in Jerusalem geschehen liess (Mt 27,52.53).

Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Und eines Tages holt Er alle Verstorbenen ganz zurück, die einen zum Leben die anderen zum Gericht. Amen.

Vers 28

Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu, und da er wusste, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Mk 12,28 

Dieser fragende Schriftgelehrte war offensichtlich nicht so, wie die anderen Streithähne seiner Art, die aus Neid nichts Besseres wussten, als Christus herauszufordern oder mit Ihm zu streiten (Mk 3,2; 8,11). Offensichtlich hatte er gelernt zu differenzieren und das Weiterkommen in der göttlichen Lehre über persönliche Interessen zu stellen. Er sah, dass Christus in der guten Art redete, wie er sie selbst aus dem Gesetz kannte. Er stellte zwar auch eine Testfrage, wie es augenscheinlich ist (Mk 12,32). Seine Art, wie er sie stellte, veranlasste Jesus, ihm trotzdem zu antworten, ohne ihn unbeachtet stehen zu lassen.

Vers 29

Jesus antwortete ihm: Das erste ist: »Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; Mk 12,29

Das Wort „ein“ (in der Kombination „ein Herr“) steht für die Zahl Eins. Damit ist gemeint, dass Gott nicht ein Gott aus vielen Göttern ist, wie die Griechen beispielsweise in ihrer Göttermythologie an die Existenz mehrerer Götter glaubten.

Das Gebot, dass es nur einen Gott gibt und wir keine anderen Götter neben ihm haben sollen, steht an allererster Stelle und diese Reihenfolge ist willentlich gewählt. Alle anderen Gebote erhalten damit viel mehr Gewicht, weil dieser alleinige und einzige Gott das Gesetz erlassen hat. Das Gesetz ist somit kein Empfehlungsschreiben irgendeines Gottes; es ist vielmehr in Stein gemeisselt und die Grundlage, auf der sein Gericht und dessen Urteilsbegründungen stehen werden. Es steht:

- Du sollst keinen anderen Gott neben mir haben
- Du sollst dir kein Bildnis machen (um es anzubeten)
- Du sollst Gottes Namen nicht missbrauchen
- Du sollst den Sabbat heiligen
- Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren
- Du sollst nicht töten
- Du sollst nicht ehebrechen
- Du sollst nicht stehlen
- Du sollst nicht lügen
- Du sollst nicht begehren, was dein Nächster hat (seine Frau oder seine Güter)

Wie erwähnt, steht das erste Gebot nicht umsonst an erster Stelle. Es gibt allen nachfolgenden Geboten sehr grosses, ja maximales Gewicht, denn dieser alleinige Gott somit alleiniger Gesetzgeber, dessen Richtlinien voll respektiert werden müssen.

Vers 30

und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!« Mk 12,30 

Erst jetzt kommt die unter Christen viel zitierte Stelle, dass die Liebe zu Gott und zu den Menschen das höchste Gebot oder dass das die höchsten zwei Gebote sind. Wer die Definition dieser Liebe nicht kennt, zählt böse und heuchlerische Liebe auch zum von Gott Erwünschten und gibt sich damit einen Freipass unter dem Deckmantel dieser „Liebe“, die aber nicht die Liebe ist, von welcher Christus an dieser Stelle spricht.

Menschen, die die hier von Christus zitierte Liebe nicht richtig definieren, glauben an von sich selbst erdachte Vernünfteleien und denken, diese Vernünfteleien seien ein Teil dieser Liebe, die alles rechtfertigt. Mit dieser selbst definierten Liebe, die also reine Vernünftelei ist, ist dem Menschen vermeintlich alles erlaubt, sogar das Stehlen, das Lügen und das Ehebrechen. Das Stehlen ist dann in den Augen der (selbsternannten) Gutmenschen legitim, weil der Bestohlene vielleicht sowieso genug Geld hat und nichts von einem allfälligen kleinen Diebstahl merkt, das Lügen ist dann legitim und vernünftig, weil die Wahrheit die Menschen vielleicht in Entsetzen bringen würde und das Ehebrechen ist dann legitim, weil es angeblich schwierige Zeiten beenden und beiden Parteien neue Chancen eröffnen würde. – So verblendet, heuchlerisch und sehr übel rechtfertigen sogar einige Christen ihr Tun.

Da Christus von dieser Gefahr der Falschinterpretation wusste, fing Er in der Antwort nicht als erstes mit dem Gebot der Liebe an, die Er an diesen Schriftgelehrten und die Zuhörer richtete. Zuerst stellte Er klar, dass es nur einen Gesetzgeber gibt und die Gebote daher voll verbindlich sind. Wenn eine Weisheit der Welt dagegen steht, ist sie illegal und böse, auch wenn sie von der weltlichen Lehre und Vernunft im besten Licht dargestellt werden will. – Wer Gott liebt, tut seine Gebote. Wer Gott nicht liebt, tut sie nicht. Er liebt im zweiten Fall weder Gott noch den Mitmenschen, auch wenn er das beteuert, wie geschrieben steht:

Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; Joh 14,15

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. Joh 14,21

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Joh 14,23

Wer die Gebote nicht einhält, ist ein Lügner und ein Heuchler und ist lieblos. Amen!

Vers 31

Das zweite ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« Grösser als diese ist kein anderes Gebot. Mk 12,31

Es ist zweifelsfrei: Im richtigen Kontext gesehen ist das Gebot der Liebe das höchste für den Menschen. Gott hat es auch für sich selbst über alle anderen gestellt, denn Er hat, motiviert durch die Liebe, einen Ausweg für die böse Menschheit gesucht. Die Liebe steht damit offensichtlich über der Eifersucht und all den negativen Gefühlen, die durch die Kränkungen der Menschen hervorgerufen werden. Sonst hätte sich Gott durch all die Kränkungen der Menschen für alle Ewigkeiten von uns abgewendet.

Gäbe es die Liebe nicht, wäre die logische Konsequenz, dass die Rechtsforderung des Gesetzes voll umgesetzt wird. Das würde einfach heissen, alle Menschen in die Hölle zu werfen, wenn auch nicht alle im gleichen üblen Vorsatz gehandelt haben. Alle Menschen haben gesündigt und Gottes Gebote übertreten und damit Ihn geschmäht und die Rechtsforderung des Gesetzes bringt für jeden Menschen das Urteil, auf ewig von Gott getrennt zu sein.

Vers 33

und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Mk 12,33

Auch wenn der Schriftgelehrte den HERRN nicht als das erkannt hatte, was Er tatsächlich war, begann er zumindest eine grosse Wahrheit der Schrift zu erkennen.

Es ist müssig, alles richtig machen zu wollen bzw. den geistlichen Anspruch zum Perfektionismus zu pflegen. Wer nicht liebt, könnte sich sogar für den HERRN verbrennen lassen, und es wird ihm gar nichts nützen, wie geschrieben steht:

Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts. 1.Kor 13,3

Der Mensch kann das Gesetz umsetzen wie ein Josia, von dem geschrieben steht, dass niemand so konsequent war wie er:

Vor Josia gab es keinen König wie ihn, der zu dem HERRN umgekehrt wäre mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Kraft nach dem ganzen Gesetz des Mose. Und nach ihm ist seinesgleichen nicht aufgestanden. 2.Kön 23,25

Lesen Sie bitte in diesem Zusammenhang das Kapitel 23 im 2. Buch der Könige. So kompromisslos und einer solchen Feuerwalze und Wucht des Gerichts agierte kein König vor Josia und kein König nach ihm. Er donnerte wie ein unzerstörbarer Panzer Gottes präzise, alles erreichend und absolut vernichtend über alles Böse, das Israel über all die Jahre hat aufkommen und wuchern lassen. Es ist herrlich zu lesen, wie Josias Eifer für Gott eiferte! Und doch stellt diese absolut kompromisslose Haltung noch nicht die höchste für den Menschen zu erreichende Stufe dar. Wer wie ein Josia agiert, aber dabei ohne Liebe bleibt, dem ist es umsonst. Diese Wahrheit sah der Schriftgelehrte, der mit Jesus sprach. Er war dem Reich viel näher als die Pharisäer, die sich selbst rechtfertigten und in der Einhaltung des Gesetzes in allen Punkten so genau wie Josia sein wollten, aber dennoch vom HERRN als sehr böse Menschen und als Kinder des Teufels kategorisiert wurden (Joh 8,44). Der Schriftgelehrte sah im Gegensatz ein, dass die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen einen viel höheren Stellenwert hat als ein emotionslose Halten des Gesetzes (= Erbringung der Schlachtopfer). Diese Erkenntnis war entscheidend, dass er vom HERRN nicht abgewiesen wurde und ihm der HERR die noch fehlende Einsicht durchgehen liess.

Wer versteht, dass Gott den Gehorsam fordert, gleichzeitig aber keine „Schlachtopfer“ will und die Liebe nicht ausser Acht gelassen werden darf, ist dem Reich nicht fern. Grundsätzlich ist es einfach zu verstehen. Für Menschen, denen die Einsicht dazu fehlt, bleibt es eine ewige Knacknuss. Unverständige taxieren ein gutmenschliches Verhalten als die Liebe, die Gott fordert und über allem Anderen stehen soll. Solche Menschen sind am weitesten von der rechten Erkenntnis entfernt, weil sie vernünftiges Verhalten bereits als Eintrittsticket für das Reich anschauen. Was aber göttliche Liebe als solche definiert, ist allein die Heilige Schrift, nicht die menschliche Interpretation. Menschen, die denken, weltliche Vernünfteleien seien die Liebe Gottes, sind für den geistlichen Menschen schnell entlarvt, denn sie tun Christi Willen nicht. Beobachten Sie solche für eine Weile und Sie werden schnell sehen, dass sie lediglich Dinge behaupten, die nicht den Tatsachen entsprechen. Christi Gebote in Wahrheit zu halten und zu tun, das sind echte Ausdrücke und Beweise, dass Gottes Liebe im betreffenden Menschen ist. Die Liebe Gottes im Menschen geht immer zusammen mit der Einhaltung der Gebote, wie geschrieben steht:

Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. Joh 14,21

Es gilt zu unterscheiden, wie man die Gebote hält. Stellen Sie die selbstgerechten Pharisäer einem wirklich gottesfürchtigen Menschen gegenüber. Der Pharisäer hält die Gebote um sich selbst aufzubauen und gross zu machen. Dann denkt er, er geniesse Sonderrechte und zieht sich sogar entsprechend an, so dass er sich vom „gemeinen“ Volk abhebt (Mt 23,5). Das normale Volk soll ihm zudem gefälligst Ehre erbieten; für ihn ist es selbstverständlich, dass er an die besten Plätze geführt wird oder ihm diese zustehen (Lk 14,7). Ein solcher dient Gott umsonst, er hat nicht begriffen, dass er sich kein Recht vor Gott erarbeiten kann, da er – selbst wenn er im Fleiss alle übertrumpfen würde – nur wegen der Gnade Gottes noch am Leben ist und er sich nicht aus eigener Kraft aus seiner Schuld kaufen kann (Mt 16,26). Für diesen steht geschrieben: Mensch, ich will keine Schlachtopfer (in dieser Art), ich will Demut (Ps 51,19)! – Blicken wir für den Gegensatz auf den gottesfürchtigen Menschen: Dieser weiss um die Gnade, die ihm jeden Tag wiederfährt und dass er sich durch keine Tat einen Vorteil bei Gott schaffen kann. Er sieht, dass Gott in der Tat Christi seine Gerechtigkeit ist und er selbst gar nichts dazu beitragen kann. Dieser Umstand bewahrt ihn vor selbstgerechter Einstellung. Er beginnt Gott zu lieben, weil Gott ihm alle Sünden vergeben und einen Ausweg vor der sicheren Endstation „Hölle“ geschaffen hat. Diese Liebe sehnt sich, Gott zu gefallen, wie man einem lieben Menschen gefallen möchte. Nicht aus Zwang, sondern völlig freiwillig tut er die Dinge, die Gott gefallen und befolgt ebenso freiwillig und ungezwungen seine Anweisungen.

Da ist ein sehr grosser Unterschied im Antrieb und dem Verhalten zwischen dem Pharisäer und dem gottesfürchtigen Menschen! Mensch, bedenke:

- Wenn Du also von Dir denkst, Du würdest deine Nächsten lieben, wie man lieben soll, hältst aber die Gebote nicht, so bist Du ein Lügner und hast die Liebe Gottes nicht in Dir. Du lebst ein Leben ohne Perspektive, weil Du vor Gott in der falschen Art lebst.
- Wenn Du eifrig die Gesetze und Gebote Gottes einhältst und dabei merkst, dass Du hochmütig wirst und andere kategorisierst und Nächste nicht so liebst, wie dich selbst, hast Du die Liebe Gottes auch nicht in Dir. Du lebst ein Leben ohne Perspektive, weil Du vor Gott in der falschen Art lebst.

Vielleicht muss man Dich anders ansprechen, Mensch!

- Wenn Du Mitmenschen, welche die Gebote Gottes halten, als Pharisäer abstempelst, gehörst Du zu der Kategorie von Menschen, welche die Liebe selber definieren. Du hängst Vernünfteleien nach und sagst von ihnen, sie seien die Liebe Gottes. Du verhältst dich aber nicht anders als ein weltlicher Gutmensch. Du lebst ein Leben ohne Perspektive, weil Du vor Gott in der falschen Art lebst.
- Wenn Du für Menschen eiferst, die möglichst alle Gesetze halten wollen, sich selbst kasteien und, völlig farb- und lustlos oder überheblich durch das Leben gehen, bist Du ein Pharisäer oder im Begriff, einer zu werden. Du lebst ein Leben ohne Perspektive, weil Du vor Gott in der falschen Art lebst.

Prüfe Dich selbst, Mensch! Wo stehst Du in deinem Leben? – Die Zeit bis zur Wiederkunft Christi ist nur noch kurz! Amen.

Vers 34

Und als Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und es wagte niemand mehr, ihn zu befragen. Mk 12,34

Die Aussage des Schriftgelehrten war sehr gut. Ach, wenn nur alle Geschwister diese Erkenntnis hätten; die Gemeinden wären viel gesünder! – Zwar ist die Liebe „viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer“ (Mk 12,33). Und doch geht diese Liebe mit dem Halten der Gebote einher. Wie das in der korrekten Art geschehen kann, weiss nur der geistliche Mensch, der Mensch, der Gott liebt. Der Pharisäer hält die Gebote, liebt aber Gott nicht. Der Gutmensch nach weltlicher Art definiert die Liebe nicht nach Gottes Massstab und hält die Gebote nicht. Er übt nicht die Liebe Gottes aus.

Mit anderen Worten können wir sagen, dass sich die Ablehnung Gottes für Schlacht- und Brandopfer nur auf diejenigen bezieht, die aus eigener Kraft und eigener Unabhängigkeit kommen. Das hat uns Gott mit dem Opfer Kains schon am Anfang der Bibel aufgezeigt, doch nur wenige haben offensichtlich die Botschaft wirklich begriffen. Wer sagt (auch unbewusst): „Weil ich unabhängig bin, opfere ich Gott, wann immer ich will!“, und er es auch sehr fleissig tut, der tut es in der falschen Art. Dann hat der Mensch geopfert und der Mensch gesagt, wann und wieviel. Das stärkt den Menschen, was falsch ist, denn die Unabhängigkeit des Menschen stärkt sein Ego, das böse ist. In der selbständigen Art wird der Mensch immer grösser (aufgeblähter) und bestimmt nicht besser. Er wird ein Pharisäer. Pharisäer wurden von Christus als Kinder des Teufels und des Vaters der Lüge kategorisiert.

Ganz anders verhielt es sich mit Abel, der anders opferte als Kain. Abel symbolisiert einen Christen, der Gott liebt. Dieser Christ bringt auch Brandopfer und Schlachtopfer. Er bringt sie aber nicht in der Art, wie sie der unabhängige Mensch, das ist im übertragenen Sinn der Pharisäer, bringt. Der Gott liebende Mensch bleibt nämlich nicht fruchtleer; er liebt nicht nur und bleibt untätig. Wie wir aus dem vorausgehenden Kommentar wissen, tut er den Willen des Vaters und hält die Gebote und Verordnungen eben auch.

Und das ist der Prüfstein für uns. Wir sollen lernen, zu unterscheiden, richtig zu unterscheiden. Wenn sie Christen begegnen, die andere, welche die Gebote halten, als Pharisäer abstempeln, dann achten sie auf deren Leben! Wenn diese andere verurteilende Christen dann nur von Liebe faseln, die Gebote aber nicht halten, so haben sie nicht verstanden, von welcher Liebe Christus spricht. Sie haben sie weder verstanden noch ergriffen.

Vers 35

Und Jesus begann und sprach, als er im Tempel lehrte: Wie sagen die Schriftgelehrten, dass der Christus Davids Sohn sei? Mk 12,35

Jesus schränkte den Glanz seiner Herrlichkeit stets auf ein Minimum ein. Gott sucht Menschen, die aufgrund des Wortes glauben, nicht aufgrund sichtbarer Wunder. Christus hätte jedem ohne weiteres das Maul stopfen können, wenn er nur etwas „aufgedreht“ hätte. Das Universum wurde durch Ihn geschaffen (Kol 1,16.17). Er könnte den Wissenschaftlern am Cern* in Genf (*das ist eine hochkomplexe Anlage für Forschungszwecke) Fragen stellen, auf die sie Ihm nicht eine einzige Antwort geben können. Nur schon die Frage, die Gott an Hiob richtete, würde ausreichen, ihnen ihr Unwissen bewusst zu machen:

Wo warst du, als ich die Erde gründete? Teile es mit, wenn du Einsicht kennst! Hiob 38,4

Es lohnt sich, den ganzen Text im Buch Hiob in diesem Zusammenhang zu lesen. Die Schriftgelehrten dachten hoch von sich, weil sie die Schrift studiert hatten. Das führte unter anderem auch zu Überheblichkeit. – „Was sollte uns der Sohn eines Zimmermanns schon sagen können?“, mochten sie gedacht haben.

An dieser Stelle sprach Christus im Tempel für einmal zum Intellekt des Volkes, gemäss Matthäusevangelium zu jenem der Pharisäer (Mt 22,41). Mit anderen Worten fragte er alle Zuhörer, auch die, welche hoch von sich dachten, sie sollen doch mal plausibel erklären, wie es möglich ist, dass man Christus den Söhnen Davids zurechnen könne oder mit anderen Worten, weshalb die Schriftgelehrten sagen würden, Christus sei Davids Sohn. Er spielte damit die Stelle aus Psalm 110 an, wo es heisst:

Spruch des HERRN für meinen Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde gemacht habe zum Schemel deiner Füsse! Ps 110,1

David nannte Christus bereits einen Herrn. Welcher Vater muss sich dem Sohn unterwerfen. Sind es nicht die Söhne, welche die Väter ehren sollen, was einem aus den 10 Geboten entspricht? So beschreibt der Evangelist Matthäus die damalige Begebenheit (Mt 22,41-45). Das Volk hörte ihn gern, doch die Schriftgelehrten hätten sich – wenn sie ehrlich zu sich selbst waren – eingestehen müssen, dass sie Ihm in keinem Punkt das Wasser reichen und auch diese Frage nicht erschöpfend beantworten konnten.

Vers 36

David selbst hat im Heiligen Geist gesagt: »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füsse lege!« Mk 12,36

Das ist, wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, eine geistliche Knacknuss, die ohne Offenbarung von Gott rational nicht erschöpfend beantwortet werden kann. Mit diesem kleinen Zitat von David brachte Christus die – ach – so wissenden Gesetzeslehrer bereits zum Schweigen. Hätte der HERR mit seiner Erkenntnis so richtig aufgedreht, wären sie so platt wie eine Flunder aus dieser Diskussion gekommen.

Christus ging es aber überhaupt nicht darum, seine totale Überlegenheit zu demonstrieren. Problemlos hätte Er das tun und den Vorhang zum Himmel eine Handbreit öffnen können, was die Pharisäer in Sachen Erkenntnis wie Babys hätte aussehen lassen. Er hätte ihnen im Garten Gethsemane bei seiner Festnahme alles heimzahlen können, all die Bosheiten, die sie Ihm angetan hatten, wenn Er nur die bereitstehenden 12 Legionen Engel herbeibefehligt hätte (Mt 26,53).

Christus handelte in allem in Gnade, um die Menschen zu retten. Er wollte bzw. will sich nicht feiern lassen noch totale Überlegenheit demonstrieren, solange die Welt im Begriff ist, zur Hölle zu fahren. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, an dem ich kurz innehalten möchte. – Manchmal werden wir schikaniert, ungerecht behandelt und vielleicht in der gleichen ungerechten Art gedemütigt. Nach Monaten oder Jahren eröffnet uns sich vielleicht eine Gelegenheit, uns an unseren Peinigern zu rächen. Bevor wir es dann tun, sollten wir uns unbedingt überlegen, ob unser Vorhaben im Sinne Christi ist. Wir sollten uns die Frage stellen, ob es seinem Willen entspricht, wenn wir dreinfahren und denen zurückgeben, was sie uns angetan haben. Die Situation ist ja von vorneherein klar: Wenn wir (zu Unrecht) gepeinigt wurden, waren unsere Peiniger sowieso im Begriff, sich selbst Sünde über Sünde anzuhäufen. Gottes Zorn und die Sünden dieser Menschen lasten daher sowieso schon sehr schwer auf ihnen. Die Rache Gottes ist viel schlimmer, als sie ein Mensch ausführen könnte, weil Gott über den Tod hinaus strafen kann. Der Mensch kann nur den Leib verderben, weiterführende Sanktionen sind ausserhalb seiner Reichweite. Es bringt also niemandem etwas, wenn Sie sich bei eintretender Gelegenheit rächen; sie bringen lediglich zu früh ein Gericht und Verderben auf den betreffenden Mitmenschen, der statt betrübt zum Heil geführt werden sollte. Wenn der Peiniger diesen Weg zum Heil nicht findet, wird es ihm – wehe ihm dann! – durch Gottes Interventionen sehr schlecht gehen, sehr viel schlechter, als Sie es durch Ihre Rache bringen könnten!

Vers 37

David selbst nennt ihn Herr. Und woher ist er sein Sohn? Und die grosse Volksmenge hörte ihn gern. Mk 12,37 

Christus fährt fort mit seiner Frage. Mit anderen Worten fragt Er: „Wie ist es möglich, dass Christus Davids Sohn ist, wenn David Christus bereits „Herr“ nennt?“ – Welcher Vater sagt zu seinem Sohn „Herr“ und welcher Sohn ist schon so weit, dass der Ur-Vater David, der schon Generationen vor Christus lebte, einen seiner Ur-Enkel „Herr“ nennen muss? Wie kann David einen Enkel „Herr“ nennen, den er nie zu Gesicht bekommen hat? Zur Zeit von Josef und Maria mit Christus war David ja bekanntlich schon hunderte von Jahre tot.

Matthäus beschreibt in seinem Evangelium, dass die Pharisäer sich auf diese Frage nicht mehr getraut hatten, etwas zu sagen. Mit weiteren solchen Fragen Christi wäre ihre Verlegenheit und Unkenntnis vor dem Volk nur noch offenbarer geworden (Mt 22,46), Christus beliess es aber bei dieser Frage, denn es ging ihm nicht darum, bestaunt zu werden. Er kam die Welt zu retten, nicht um vor Menschen zu glänzen.

Vers 38

Und er sprach in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüssungen auf den Märkten Mk 12,38

An dieser Stelle warnt der HERR nicht die geistliche Elite. Er warnt vor ihr. Er warnt vor den Menschen, die sich selbst fromm darstellen, indem sie in langen Gewändern einhergehen und es lieben, sich auf den Märkten grüssen zu lassen.

Hüten wir uns vor solchen Menschen! Es gibt auch in unserer Zeit unzählige davon, die, wie die Schriftgelehrten, Pharisäer und die Ältesten damals, Schlüsselpositionen in den Kirchen für sich beanspruchen. Teils ziehen sie sich auch heute noch in vom Volk abgehobener Kleidung an; sie sind es ja, die den beschwerlichen Weg über die Universität gewählt und Theologie studiert haben! Trotz all dieser Mühen können sie vielfach nicht einmal einfache Fragen über die geistliche Welt beantworten und tappen wie Blinde als Führer von ebenfalls Blinden im Dunkeln, um gemeinsam in die Grube zu fallen. Der HERR ist selten unter Menschen zu finden, die sich selber gefallen wollen.

Die „geistliche Elite“ unter unseren Zeitgenossen soll sich gar nichts vormachen. Ihr Gottesdienst ist vergebens, denn was sie vorgeben, können sie vor Gott nicht umsetzen und sie können schon gar nicht einen herrlichen Platz im Reich ausfüllen. Gott lässt sich nur durch von Ihm gereinigte und geheiligte Menschen dienen, wie geschrieben steht:

Meine Augen sind auf die Treuen im Lande gerichtet, damit sie bei mir wohnen. Wer auf vollkommenem Weg wandelt, der darf mir dienen. Ps 101,6 

Die „geistliche Elite“ war und ist heute eine Gruppe von Blendern. Sie wandeln nicht auf vollkommenem Weg! Sie geben Frömmigkeit vor, morden aber wirklich Gläubige, wie die „Elite“ damals Christus umgebracht hat. Vordergründig heuchelte sie aber Frömmigkeit, indem sie sogar die Küchenkräuter verzehntete! – Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, nicht naiv durch die Welt gehen! Die „geistliche Elite“, die sich teilweise noch speziell anzieht, um wirklich fromm dazustehen, die bei Beginn einer Predigt eine künstliche ernst-fromme Miene aufsetzt, ist in Wahrheit vor Gott nicht einmal zum Gottesdienst zugelassen! So besagt es dieser Psalm. Und ich zweifle nicht am Worte Gottes! Ich hoffe, Sie tun es auch nicht. Amen.

Vers 39

und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern lieben; Mk 12,39

Es ist einfach menschlich, irdisch: Nach gewissen Anstrengungen in der Ausbildung glaubt der Mensch plötzlich, Sonderrechte geniessen zu dürfen. Dieser Lust erlagen die Pharisäer damals, dieser Lust erliegen viele Kirchenführer heute. Es bleibt damit alles beim Alten unter der Sonne (Pred 1,9).

Anstatt diese Leute zu loben, wie sie es erwarten würden, warnt der HERR eindringlich vor ihnen! Sollten Sie so ein Religions- oder Kirchenführer sein, dann bitte ich Sie ernsthaft die Worte im Matthäus 3,7 und im Matthäus 23,27 ff. lesen und ernst zu nehmen; wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Der Stand der religiösen Elite vor Gott ist heute nicht besser wie damals.

Lassen Sie sich durch Christi Worte warnen vor der religiösen Elite! Sie repräsentieren Gott und sein Reich nicht korrekt mit der Art, wie sie es vorleben (Lk 20,47). Sie bekommen demnach durch solche Menschen ein falsches Bild von Gott und fangen an, unberechtigt schlecht vom Allmächtigen zu denken.

Vers 40

die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten! Sie werden ein schwereres Gericht empfangen. Mk 12,40

Beim Gericht Gottes verhält es sich so: Wer unwissentlich tut, was der Strafe wert ist, erhält eine mildere Strafe als jemand, der wissentlich die Gebote übertritt (Lk 12,48). – Die Pharisäer und Schriftgelehrten mussten in weiten Teilen ihres Wirkens gewusst haben, wie es die religiöse Elite heute in der gleichen Weise weiss, dass sie mit ihren Handlungen am Willen Gottes vorbei gleiten, ja sogar vorsätzlich böse agierten. Ihren Vorsatz zum Bösen legte der HERR mit dem Gleichnis der Weingärtner offen (Mt 21,38).

Der religiösen Elite wurde deshalb ein schwereres Gericht prophezeit, weil sie durch ihre Schriftkenntnis wusste, dass ihre Heuchelei völlig schriftwidriges Verhalten darstellte. Sie machte nicht einmal halt davor, Häuser von Witwen durch ihre heuchlerischen „Dienste“ zu verschlingen. – Leider muss an dieser Stelle festgehalten werden – lassen Sie sich nicht durch Gutmenschen täuschen! – dass viele Menschen in kirchlichen Schlüsselpositionen den Charakter nicht geändert haben. Fleisch bleibt Fleisch, nur die Kleider verändern sich, nach dem Sprichwort: „Der Wolf ändert vielleicht sein Fell, aber niemals seine Gewohnheiten!“ Amen.

Vers 41

Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte; und viele Reiche legten viel ein. Mk 12,41

Mit dieser Stelle leitet der Heilige Geist ein neues Thema ein: Das Almosen geben. Der Grundsatz dabei ist die absolute Freiwilligkeit. Wer murrend Almosen gibt, soll es lieber bleiben lassen, Gott möchte, dass alle unsere Taten von Herzen kommen bzw. mit der Herzenseinstellung der Freigiebigkeit übereinstimmen, wie wir im 2. Brief an die Korinther nachlesen können:

6 Denkt daran: Wer spärlich sät, wird nur wenig ernten. Aber wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte.
7 Jeder soll so viel geben, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat. Es soll ihm nicht leid tun, und er soll es auch nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber!
8 Er hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt.
9 Dann gilt von euch, was in den Heiligen Schriften steht: »Grosszügig gibt er den Bedürftigen; seine Wohltätigkeit wird in Ewigkeit nicht vergessen werden.« 2.Kor 9,6-9 

Die Stelle im Markus 12,41 beschreibt, wie Christus dasitzt und die Menschen beim Einlegen der Gaben beobachtet, womit der Heilige Geist auch andeutet, dass im Himmel alles aufgezeichnet wird. Es gibt rein gar nichts, das vor Gott verborgen ist. Nichts kann man vor Ihm verstecken. Auch gerät nichts in Vergessenheit; niemand muss Angst haben, dass sich Gott vielleicht nicht mehr an Wohltaten gegenüber Mitmenschen erinnert (Offb 14,13), die der Mensch während seines Lebens erbracht hat. Für die Verstorbenen, überhaupt für alle Menschen heisst es: „Denn ihre Werke folgen ihnen nach.“

Vers 42

Und eine arme Witwe kam und legte zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. Mk 12,42 

Da kommt eine Witwe, um etwas einzulegen. Vom Allerhöchsten ist bestätigt, dass sie arm war. Sie legte etwas ein, das neben den anderen Gaben praktisch gar nichts wert war. Neben dem Vielen, das die Reichen einlegten, merkte man am Ende des Tages bzw. beim Leeren des Schatzkastens in Zahlen ausgedrückt nichts von ihrer Gabe. Tausend Euro und ein Cent oder tausend Euro und null Cent -, kann man damit mehr oder weniger kaufen? Und wenn die Witwe schon arm war, verlangte Gott, dem alle Schätze der Welt gehören, diesen winzig kleinen Geldanteil dieser Frau, die ohnehin nichts hatte? Hätte sie das Geld nicht vernunftgemäss zurücklegen sollen, um für sich selbst zu sorgen oder zumindest den Willen dazu zu zeigen? Wollte sie vielleicht fromm erscheinen, um anderen nachher auf der Tasche zu liegen?

Sind die Fragen nicht berechtigt, die man sich betreffend die Handlung der Witwe stellt, ob sie zusammenfassend ökonomisch (volkswirtschaftlich) und vernunftgemäss korrekt mit ihrem Geld verfuhr und ob sie vielleicht schon vermessen und heuchlerisch (wie die Pharisäer) nach aussen glänzen wollte?

Vers 43

Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. Mk 12,43

Christus sagt weder, dass die Witwe ökonomisch noch vernunftgemäss falsch gehandelt hat. Er lobt sie sie vielmehr, weil sie alles dem HERRN gegeben hatte, nämlich alles, was noch vorhanden war.

Wieso ist das lobenswert? Wieso sagte Er nicht, dass sie finanzielle Rücklagen hätte machen sollen?
Christus sagt das, weil es im Hause Gottes mit der Welt verglichen völlig anders zu und her geht. Rein weltlich gesehen, hätte die Witwe Rücklagen machen müssen, weil in der Welt einem nicht geholfen wird. Im Reich haben wir es mit dem alles vermögenden Vater zu tun, dem viel mehr an unserem Herz liegt, als an einem in jedem Punkt korrekten Verhalten. Die Witwe hing von ganzem Herzen am himmlischen Vater, sie signalisierte mit ihrer Einlage, dass sie ihr Schicksal voll in die Hände Gottes legte und nicht einmal die zwei Scherflein für sich beanspruche. – Was für eine Lektion für den Leser dieser Bibelpassage!

Vers 44

Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt. Mk 12,44

Im vorausgehenden Kommentar habe ich etwas vorgegriffen, indem ich schon gesagt habe, dass die Gabe der Witwe alles war, was sie hatte. An dieser Stelle bestätigt das der HERR.

Wir sehen hier, wie gerecht der HERR den Wert einer Gabe beurteilt. Er beachtet nicht den tatsächlichen Wert des Geldes, sondern Er sieht die Grosszügigkeit eines jeden Einzelnen. Wenn jemand von verfügbaren eintausend Euro einhundert abgibt, so hat er den zehnten Teil abgegeben. Gibt jemand von verfügbaren fünfzig Euro fünfundzwanzig ins Reich, hat er die Hälfte gegeben, auch wenn die Kaufkraft von den fünfundzwanzig Euro unter derjenigen von einhundert liegt. Derjenige der von seinen insgesamt fünfzig Euro die Hälfte abgegeben hat, hat vor Gott mehr abgegeben, wie der, der die einhundert gespendet hat.

Kapitel 13

Vers 1

Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude! Mk 13,1

Von der Betrachtung des Gebens wendet sich mit dieser Stelle das Thema der Endzeit zu. Der HERR trat zum Tempel hinaus und ein Jünger wies Ihn dabei auf das Bauwerk des Tempels hin.

Vers 2

Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese grossen Gebäude? Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. Mk 13,2

Christus antwortet dem Jünger prophetisch. Obschon alles schön und gut aussah und es sich um den Tempel des HERRN handelte, der auf das Geheiss des Allerhöchsten wieder aufgebaut worden war, würde Gott es zum zweiten Mal zulassen, dass dieser Tempel zerstört werden wird, was Gott um das Jahr 70 nach Christus durch die Römer kommen liess.

Damit erinnerte Christus die Jünger an die Tatsache, dass Gott – trotz seiner unendlichen Gnade – sich nicht zum Clown seiner Schöpfung machen lässt. Gott ist der Lebens- und Gesetzgeber. Es steht Ihm nicht an, sich durch seine Schöpfung dirigieren zu lassen. Das wäre in etwa so, wie unsere Werke, die weit unter unserem Wert sind, uns sagen würden, was wir zu tun hätten. Ein lächerlicher Gedanke …

Seine Schöpfung und besonders sein Volk hatten Ihn verspottet und Christus nicht als den verheissenen Messias anerkannt. Trotzdem wollten Sie den Genuss der göttlichen Vorrechte nicht missen und betrachteten den Tempel als unumstösslichen und ewigen Beweis, dass ihnen nichts widerfahren könnte, wie die Einwohner von Jerusalem zur Zeit des Königs Zedekia.

Das war ein fataler Trugschluss! Wir wissen, dass es Gott reuen kann, seinem Volk oder Einzelpersonen Zusagen gemacht zu haben, wie beispielsweise geschrieben steht:

Darum spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe allerdings gesagt: Dein Haus und das Haus deines Vaters sollen ewig vor mir einhergehen! – aber nun spricht der HERR: Das sei fern von mir! Denn die mich ehren, werde auch ich ehren, und die mich verachten, sollen wieder verachtet werden. 1.Sam 2,30

Gott sprach zu Aaron und seinem Geschlecht (2. Mo 29,9), das Priesteramt solle auf ewig in der Familie bleiben. Diese Verheissung hebt Er beim Priester Eli allerdings wieder auf, weil Eli und besonders seine Söhne die Verordnungen Gottes verachteten.

Den gleichen Trugschluss zogen die Israeliten und ziehen viele Christen betreffend ihren Tempel. Sie sagen, das Land um das Haus Gottes herum könne nie verheert werden. Die Israeliten sagten sich, Jerusalem könne nicht geschlagen werden, weil der Tempel dort stand (Jer 7,4). Viele Christen sagen sich, es könne ihnen nichts passieren, weil der Geist Gottes bekanntlich im Christen wohnt und der Christ demzufolge nun mal der Tempel Gottes ist, was biblisch gesehen durchaus stimmt (1. Kor 3,16).

An dieser Stelle ist zu bemerken, dass Gott nicht davor zurückschreckt, sein Haus den Plünderern zu überlassen. Dreimal hat es Gott mit seinem Heiligtum bewiesen. Trotz des Heiligtums in Silo liess Er es verloren gehen (Jer 7,1). Trotz des Salomonischen Tempes in Jerusalem wurde die Stadt eingenommen und samt dem Tempel niedergebrannt. Trotz des Zweiten Tempels in Jerusalem wurde die Stadt 70 n. Chr. total verwüstet, wiederum einschliesslich des Tempels. – Wie Gott ein solches Gericht über die Priesterschaft oder seine Heilige Stadt kommen lassen kann, schreckt Er nicht zurück, es über Christen kommen zu lassen. Ihre Stellung als Tempel Gottes kann das Gericht keinesfalls aufhalten, wenn sie es mit Unglauben und sonstigem Fehlverhalten heraufbeschwören. Wer Gott verspottet, muss sein Urteil tragen. In diesem Sinn übergab Paulus das fehlbare Glied der Gemeinde in Korinth dem Teufel, damit er es verwüsten soll (1. Kor 5,5), also zum Verderben des Fleisches dieses Menschen.

Zusammenfassend sehen wir durchgehend diesen Grundsatz: „Denn die mich ehren, werde auch ich ehren, und die mich verachten, sollen wieder verachtet werden.“ Haben Sie von Gott Zusagen bekommen? – Das ist sehr schön! Doch ich kann Ihnen sagen, dass sich Gott wieder davon distanzieren wird, wenn Sie anfangen, sich in Sicherheit zu wiegen und dazu anfangen, Ihn zu verachten. Amen.

Vers 3

Und als er auf dem Ölberg dem Tempel gegenübersass, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas für sich allein: Mk 13,3

Die prophetischen Worte Christi veranlassten die Jünger, Ihn weiter über endzeitliche Vorkommnisse zu fragen. Es ist schön zu sehen, dass nicht nur der engste Kreis der Jünger daran Interesse zeigte, sondern auch Andreas.

Wir sehen in der Haltung der Jünger die schöne Haltung Marias, die der HERR höher einstufte als Marthas Haltung. Marthas Haltung war auch gut, denn die Schrift unterstützt den Fleiss voll und ganz (Spr 6,6). Aber solange der grosse Lehrer zur Verfügung stand, war es besser, sich durch Ihn ausbilden zu lassen, Ihn also zu hören! Das war und ist heute noch die bessere Wahl, als um viele Dinge bekümmert zu sein.

Vers 4

Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen, wann dies alles vollendet werden soll? Mk 13,4

Die Jünger stellen damit dem HERRN die Frage, die sich wohl jeder Christ einmal stellt: „Wann wird der Herrschaft des Teufels auf dieser Erde ein Ende gesetzt? Wann richtet Gott sein Reich für alle sichtbar auf? Wann kann das Seufzen der Schöpfung aufhören? An was für Zeichen werden wir sehen, dass sich die von der Schöpfung ersehnte Wiederkunft Christi bald abzeichnen wird?“

Vers 5

Jesus aber begann zu ihnen zu sprechen: Seht zu, dass euch niemand verführe! Mk 13,5

Christus geht voll auf die Frage der Jünger ein, wie wir sehen werden. Er beginnt mit dieser sehr viel sagenden Einleitung: „Seht zu, dass euch niemand verführe!“ – Christus warnt vor Verführungen, welche kommen werden und von den auch schon gekommen sind, wie wir es in der Zwischenzeit alle auch beobachtet haben. Es wurden unterdessen so viele Glaubensrichtungen gestreut, dass die Verwirrung unter den Ungläubigen perfekt ist. Nur die wahren Kinder Gottes, jene also, die auf seine Stimme hören, können auf dem einzigen und geraden Weg in Christus Jesus bleiben.

Leider „hängen“ sich selbst die wahren Christen nicht alle voll an den HERRN, dass selbst sie verführt werden. Beachten wir bitte, dass sich Christus mit der Warnung vor Verführungen an seine Jünger wendet. Er wendet damit nicht zu den Heiden (den Nationen). Jene sind schon verführt. Behalten wir bitte diese Warnung in unserer ständigen Erinnerung, wenn wir zu den weiteren Versen kommen, es geht uns Kinder Gottes etwas an! Wir sollen zusehen, dass wir nicht verführt werden! Wir können verführt werden, wie es ja schon sehr oft vorgekommen ist, was die wirklich Getreuen unter Tränen in den Augen immer wieder feststellen müssen. Amen.

Vers 6

Viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin's! Und sie werden viele verführen. Mk 13,6

Noch nie fiel ein Wort des HERRN auf den Boden, was so viel heisst, dass das Wort des HERRN immer in Erfüllung gegangen ist. Das bedeutet, dass die hier angekündigte Verführung mit absoluter Sicherheit kommen wird. Und sie ist schon gekommen: Wie wir wissen, sind schon viele Menschen beispielsweise durch Sektengurus verführt worden. Auch die weltliche Gutmenschen-Philosophie verführt und gibt Menschen, die ihr folgen, einen Grund, in jedem Gutmenschen eine Art Heiland zu sehen. Auch haben sich Menschen als Mittler zu Gott (also als das, was Christus ist) dargestellt und damit viele Menschen um sich geschart und so in die Ferne des rechtmässigen Hirtens gebracht. Mit diesen Praktiken haben Gurus viele Menschen verführt, denn wer macht, dass ein Mensch einem anderem nachfolgt, frevelt. Es ist nur statthaft, Gott als solchem nachzufolgen, nach dem Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Amen.

Vers 7

Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, so erschreckt nicht! Es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Mk 13,7

Die an dieser Stelle vom HERRN angekündigten Kriege und Kriegsgerüchte sind gekommen. Vor Jahren konnte man eher noch erschrecken, wenn von Kriegen und Kriegsgerüchten die Rede war. Heute gehören Bombardements zum Alltag des Weltgeschehens; durch die Medien und die zunehmende Gewalt sind kriegerische Auseinandersetzungen Teile des Wochentages des Erdenbürgers. Man erschreckt inzwischen nicht mehr darüber und kann einfach nur hoffen, dass einen das Schwert eines Krieges nicht erreicht.

Im Zweiten Weltkrieg konnten die einen oder anderen gedacht haben, das sei das Ende, weil fast die ganze Erde brannte. Der HERR betont aber an dieser Stelle, dass Kriege und Kriegsgeschrei allein nicht die einzig ausschlaggebenden Indikatoren für das Ende sind. Sie müssen zwar kommen – sie gehören klar zum Endzeitbarometer -, sie sind aber nur ein Bestandteil davon. Der HERR erklärt damit, dass ein Indikator allein nicht ausreicht, um das definitive Ende anzudeuten.

Vers 8

Denn es wird sich Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben; es werden Erdbeben sein an verschiedenen Orten, es werden Hungersnöte sein. Dies ist der Anfang der Wehen. Mk 13,8

Damit erwähnt der HERR zwei weitere Indikatoren (= Anzeiger), die für das bevorstehende Ende stehen, das sind Erdbeben an verschiedenen Orten und Hungersnöte. Auch diese Indikatoren sind inzwischen so stark ausgeprägt, dass sie von Zeitgenossen als „normales Weltgeschehen“ gedeutet und nicht als göttliche Hinweise erkannt werden (Mt 16,3).

Kriege, Kriegsgeschrei, Erdbeben und Hungersnöte haben den Anfang der Wehen angezeigt. Als sie aufkamen, wusste der achtsame Mensch: Die Wehen, die das Ende des Zeitalters gebären werden, haben angefangen! Inzwischen sind diese Anzeigen für das Ende so stark, dass sie zum Alltag gehören, wie erwähnt. Der vorsichtige Mensch erkennt damit, dass die Wehen schon lange eingesetzt haben und dass der Zeitpunkt vom Anfang der Wehen schon lange hinter uns liegt. Amen.

Vers 9

Ihr aber, seht auf euch selbst! Euch werden sie an Gerichte überliefern, und in den Synagogen werdet ihr geschlagen werden, und ihr werdet vor Statthalter und Könige gestellt werden um meinetwillen, ihnen zu einem Zeugnis; Mk 13,9

Obschon wir die Indikatoren haben, sollen diese uns nicht in eine Untätigkeit oder gar Starre versetzen. Wir sollen auch auf uns schauen, wie der HERR sagt. Wir sollen wissen, dass wir der Menschheit noch bis zum Ende Zeugnis abgeben sollten.

Die Moral der Menschheit nimmt ab, wobei die Herzenskälte zunimmt. Wir werden vor Gerichte gestellt werden, lassen wir uns da ja nicht beirren, selbst wenn wir glauben, in einer geschützten Ecke der Welt zu wohnen; das Wort des HERRN wird weiter in der gewohnten Genauigkeit und Sicherheit eintreffen.

Vers 10

und allen Nationen muss vorher das Evangelium gepredigt werden. Mk 13,10

Das Ende wird also durch Kriege und Kriegsgeschrei, Hungersnöte und Erdbeben angezeigt. Das ist geschehen, wir haben den Zustand, dass diese Anzeigen beständig „leuchten“. Früher flackerten sie, heute leuchten sie beständig.

Zu alldem thematisiert der HERR ab dem Vers 9 das Zeugnis, das in dieser Zeit abzulegen ist. Christen werden überall auf der Welt vor Gerichte gezerrt, wo sie Zeugnis vom HERRN ablegen. Das geschieht zurzeit ebenfalls fortwährend auf der Welt. Aber nicht nur vor den Gerichten muss Christus bezeugt werden; die frohe Botschaft über die alleinige Errettung durch Christus Jesus muss zudem allen Völkern vor dem Ende verkündigt worden sein. Unser gerechter Gott gibt jedem Menschen die gleiche Chance, sich zu bekehren.

Alle diese Indikatoren zeigen an, dass die Wehen für das Ende eingesetzt haben. Bei einer Schwangerschaft bleibt es zunächst monatelang ruhig. Wenn die Wehen einsetzen, müssen die Geburtshelfer umgehend informiert werden, denn es bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Wehen forcieren die Geburt; durch sie wird die Geburt eingeleitet. Die Wehen für das Ende haben voll eingesetzt. Es wird durch die vom HERRN erwähnten Umstände intensiviert herbeigeführt! Die Wiederkunft Christi ist somit eingeleitet.

Bleiben wir unbeirrt und wach! Retten wir noch, was uns der HERR zu retten beauftragt hat! Amen.

Vers 11

Und wenn sie euch hinführen, um euch zu überliefern, so sorgt euch vorher nicht, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet! Denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Heilige Geist. Mk 13,11

In allem was der HERR tut steht Gnade dahinter. Dass seine Wiederkunft durch all die schlimmen Geschehnisse eingeleitet wird, um die Erde zu beruhigen und den Menschen Ruhe zu bringen, - das steht für Gnade. Dass der HERR uns volle Unterstützung des Heiligen Geistes vor Gericht zusagt, - das steht für Gnade.

Wir kennen ja den Psalm 33,4: „Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“, Er steht zu seinem Wort!

Sind Sie um seinetwillen vor Gericht geladen? – Bleiben Sie ruhig; Sie können getrost sein, der HERR wird durch Sie sprechen; Sie müssen kein grosser und gewandter Redner sein! Amen.

Vers 12

Und es wird der Bruder den Bruder zum Tod überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich gegen Eltern erheben und sie zu Tode bringen. Mk 13,12

Als weiterer Endzeitindikator steht die Anzeige der Lieblosigkeit. Aufgrund von Gesetzlosigkeit wird die Liebe erkalten, wie wir in der Parallelstelle im Matthäusevangelium nachlesen können (Mt 24,12). Die Lieblosigkeit wird immer ausgeprägter werden, sodass sie nicht einmal vor der eigenen Familie halt macht. Wo früher die Grenze der Lieblosigkeit beim Gartenzaun bzw. der Wohnungstüre aufhörte, ist sie heute gänzlich aufgehoben, sie dringt sogar bis in den innersten Kreis der Familie vor, wie erwähnt. Finden Sie es utopisch, liebe Leserin und lieber Leser, dass es Ehefrauen und Mütter plötzlich völlig egal ist, was mit ihren Männern und ihren Kindern passiert? Finden Sie es utopisch, dass sich Ehemänner und Väter nicht mehr um ihren Bereich kümmern? – Vielleicht hatten Sie das Glück, in einem warmen und intakten Wohlfühlbereich aufzuwachsen, wo Sie von liebevollen Eltern umsorgt wurden. Das ist heutzutage längst nicht mehr so; wer das nicht gemerkt hat, muss ziemlich einfältig sein. Heute ist sich jeder selbst der Nächste; gemäss dem Sprichwort, das man heute sehr oft hört und nach dem sich die Menschen auch tatsächlich verhalten. In vielen Familien kümmert man sich nicht einmal mehr um Verwandte ersten Grades, wie die eigenen Kinder oder die eigenen Eltern. Bei dieser Herzenskälte verwundert es den Beobachter nicht mehr, wenn Menschen ihre Allernächsten bedenken- und gewissenlos den Henkern ausliefern.

Auch dieser äusserst erschreckende Endzeitindikator leuchtet; wir wurden alle schon mit dieser Gefühlskälte konfrontiert. Wer das nicht am eigenen Leib erfahren musste, kann zumindest aus dem Medien Notiz davon nehmen.

Vers 13

Und ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Mk 13,13

Die Welt hasst Christus, weil er davon zeugt, dass ihre Werke böse sind (Joh 7,7). Christus sagte uns voraus, dass es uns nicht besser ergehen würde. Wir (echten) Christen gehören zu Ihm. Die Welt hasst Ihn ganzheitlich, also mit allem, was zu Ihm gehört. Somit hasst Sie auch uns, wie geschrieben steht:

Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. Joh 15,19

Zur endzeitlichen Gefühlskälte der Welt kommt noch der „natürliche“ und vorausgesagte Hass gegen die Christen. Lassen Sie sich nicht durch den Humanismus täuschen, mit dem die Welt den Hass zu kaschieren sucht. Der Humanismus, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt, blendet Gut und Böse aus und suggeriert, dass es im Grunde keine bösen Menschen gibt und allfällige als böse einzustufende Taten aus einer Vergangenheit gewirkt werden, für die der Mensch nichts kann. Damit wird auch die Verantwortlichkeit des Menschen ausgeblendet bzw. geleugnet.

Der Humanismus ist teuflisch, weil er die Bibel als Buch der Lügen bezichtigt. Die Bibel sagt im Gegensatz zum Humanismus, dass es gute sowie böse Taten gibt, für die der Mensch zur Verantwortung gezogen werden wird. Weil die heutige weltliche Strömung das aber abstreitet, welche ihre Wurzeln im Humanismus hat, kommt sie vom Teufel. Die weltliche Philosophie ist voller Lügen und wer, was denken Sie, ist der Vater der Lüge?

Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Joh 8,44

Deshalb sage ich, dass die weltliche Philosophie, welche das Gute und Böse sowie die Verantwortlichkeit negiert, vom Teufel ist. Es gibt gute und schlechte Menschen und am Ende werden alle vor dem Gesetzgeber, das ist Gott, stehen und mit allen daraus resultierenden Konsequenzen Rechenschaft über ihr Leben ablegen müssen. Amen.

Vers 14

Wenn ihr aber den Greuel der Verwüstung stehen seht, wo er nicht sollte – wer es liest, merke auf! – dann sollen die in Judäa auf die Berge fliehen, Mk 13,14

Bis hierher sprach der HERR von Indikatoren allgemeiner Art. Kriege, Kriegsgerüchte, Erdbeben und Hungersnöte wurden als Anzeigen angeführt. Weitere allgemeine Anzeigen sind die Bezeugung Christi durch Gläubige vor Gerichten und Statthaltern, die Verbreitung des Evangeliums zu allen Völkern sowie eine Gefühlskälte unter Menschen, die bis in die innersten Reihen von Familien dringt.

Von diesen äusseren, allgemeinen Umständen in der Zeit der Wehen, die ihrer Natur gemäss das Ende sehr schnell werden kommen lassen, erwähnt der HERR plötzlich völlig konkrete Dinge; Er spricht vom Gräuel der Verwüstung, der dort aufgestellt wird, wo er nichts zu suchen hat. Dieser wird im Buch Daniel erstmals erwähnt. Diesen Gräuel finden Sie unter anderen Stellen im Buch Daniel bei den Stellen 11,31 und 12,11 namentlich erwähnt. Die letzte Jahrwoche dieses Zeitalters, also eine Woche von Jahren, das sind sieben Jahre, fängt für Israel anfänglich gottesdienstlich gut an. In der Hälfte der Woche, also nach dreieinhalb Jahren, wird der Gottesdienst unterbunden und ein Gräuel ins Heiligtum gestellt. Dort hat solches nichts zu suchen!

Ab diesem Zeitpunkt fängt die Grosse Drangsal an (Dan 11,31; 12,1; Mt 24,21), das ist eine Zeit einer noch nie dagewesenen Bedrängnis für den Menschen, wie es sie noch nie gegeben hat und wie es sie nie wieder geben wird. Grosse und übernatürliche Gerichte Gottes kommen auf die Erde! – Die Menschen in Judäa sollen daher sofort in die Berge fliehen.

Vers 15

wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen und nicht hineingehen, um etwas aus seinem Haus zu holen; Mk 13,15 

Vor ungefähr 2‘600 Jahren liess Gott durch den Propheten Daniel kommende Ereignisse aufschreiben, darunter auch endzeitliche Geschehnisse und nahm diese ins ewige Wort auf. 600 Jahre später nahm Christus persönlich die Endzeitthematik bezugnehmend auf das Buch Daniel nochmals auf. Wiederum wurden diese themenspezifischen Worte im ewigen Wort festgehalten. Und wir wissen: Was der HERR gesagt hat, trifft mit absoluter Sicherheit und mit höchster Präzision ein. Die Drangsal wird mit der Entweihung des Heiligtums Gottes eintreten und es wird darauf keine Zeit übrig bleiben, das Haus zu bestellen. Damit ist gesagt, dass keine Zeit verbleiben wird, um Vorkehrungen zu treffen, Gott wird unmittelbar danach mit dem Weltgericht anfangen. Dessen soll sich jeder Mensch in Judäa besonders gewiss sein und – wenn dies alles geschieht – ohne zu zögern in die Berge fliehen, damit er nicht im offenen Land umkommt. Glückselig ist, wer diese Worte des HERRN beherzigt; es geht hier rein um das Wohl jedes einzelnen Menschen in Judäa, es geht weder um das Zeugnis Gottes noch um Christus persönlich. Das ist eine von allem losgelöste Anleitung zur Rettung des eigenen Lebens vor dem Gröbsten, wie eine Wegleitung der Feuerwehr für den Brandfall.

Vers 16

und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Mk 13,16

Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, wird keine Zeit bleiben, Vorkehrungen für das Leben oder das Haus zu treffen, wie man sie umsetzt, wenn man kurz verreist. Wenn das Heiligtum entweiht wird, spielt es keine Rolle mehr, ob der Haupthahn bzw. der Hauptschalter für den Kochherd geschlossen ist oder ob noch Wäsche zu falten wäre. Unmissverständlich zeigt der HERR in diesen Versen die Dringlichkeit der sofortigen Flucht an! Der Mensch in Judäa, der mit eigenen Augen die Entweihung des Heiligtums sieht oder es aus den Medien hört, soll aufstehen und zusehen, dass er wegkommt! Er soll sofort in die Berge fliehen!

Vers 17

Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Mk 13,17

Wer die Ernsthaftigkeit dieser Worte bis jetzt locker genommen hat, sollte spätestens bei diesem Vers aufhorchen. Die Tage werden so schlimm sein, dass es sie zu überleben fast unmöglich werden wird, wenn man nicht körperlich auf der Höhe oder körperlich zusätzlich belastet ist, wie mit einer Schwangerschaft oder dem Stillen von einem oder mehreren Kindern.

Erinnern wir uns? – Die grosse Drangsal oder die grosse Trübsal, wie sie genannt wird, wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie noch nie auf die Erde gekommen ist. Das sagt das ewige Wort. Und der Heilige Geist hat sich nie geirrt. Er wusste vom Schwarzen Tod, der Pest, die um das Jahr 1350 Europa entvölkerte; die Bedrängnis wird viel heftiger sein. Er weiss um das viele in der Schlacht von Solferino vergossene Blut; die Bedrängnis wird viel heftiger sein. Er weiss von der Hölle von Stalingrad im Zweiten Weltkrieg; die Bedrängnis wird viel heftiger sein.

Vers 18

Betet aber, dass es nicht im Winter geschehe! Mk 13,18 

Auch dieser Vers macht die Schwere der kommenden grossen Drangsal deutlich. Jedes mögliche Hindernis für eine hastige Flucht unter bittersten Umständen – sei es noch so klein – soll wenn möglich ausbleiben; zumindest soll man dafür bitten. Es wird leichter sein, wenn die Flucht in wärmeren Jahreszeiten geschieht als im Winter. Vielleicht kann sich der Flüchtende dann noch von wilden Früchten ernähren und muss bei Übernachtungen im Freien nicht frieren. Zu kaufen und zu verkaufen wird es für die, die das Zeugnis Gottes haben, nicht mehr möglich sein (Offb 13,17; 14,11). Kein Supermarkt und keine Herberge wird für sie geöffnet haben.

Vers 19

Denn jene Tage werden eine Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt nicht gewesen ist und nicht sein wird. Mk 13,19

Wie erwähnt ist alles auf die Erde gekommene Übel leichter als das, was kommen wird. Wer sich das nicht als glaubhaft vorstellen kann, den möchte ich bitten, sich zu fragen, ob Gott lügt bzw. die Bibel jemals Falschaussagen gemacht hat.

Es wird eine Zeit kommen, in der man den Tod richtiggehend suchen wird, um den Kelch des Grimmes Gottes nicht trinken zu müssen. Doch es ist vorgesorgt: Der Sünder, der auch immer sein Leben lang ausweichen konnte -, in der grossen Bedrängnis wird das nicht mehr funktionieren. Auch ein selbstgewählter Tod kommt dann nicht in Frage, die Leiden werden auf die Menschen kommen und sie werden die bestimmte Zeit zwingend darin bleiben müssen, wie geschrieben steht:

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. Offb 9,6

In der Gnadenzeit, das ist das jetzige Zeitalter, hat der HERR sehr viel von menschlichem Eigenwillen zugelassen. Anders als unter Gesetz wurde das Gericht über Verfehlungen nach hinten verschoben, also zum Ende des Zeitalters. Gott nahm es zudem aus den Händen der Menschen und stellte es in seinen persönlichen Aufgabenbereich. Die Menschen setzten das Gericht im Gesetz nämlich nicht immer um, weder Eli züchtigte seine Söhne nach dem Gesetz noch andere, selbst grosse Persönlichkeiten.

Die Geschichte zeigte, dass Gott allein fähig ist, es voll umzusetzen, auch unter den ungehorsamsten unserer „Artgenossen“. Um die Gerechtigkeit durchzusetzen, hat es Gott so eingerichtet, dass – wenn die Menschen im Gericht als Ausweg auf den Tod zugreifen wollen – dieser vor ihnen fliehen wird. Das heisst, dass sich kein Mensch während dieser Zeit selber wird umbringen können, selbst wenn er ein funktionsfähiges Gewehr, stromführende Steckdosen oder einen prall gefüllten Medikamentenschrank besitzt. – So wird der Gerechtigkeit zum Sieg verholfen! Amen.

Vers 20

Und wenn nicht der Herr die Tage verkürzt hätte, würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er die Tage verkürzt. Mk 13,20

Sogar im härtesten Gericht für die Erde kommt die Gnade Gottes zum Zug. Der HERR berücksichtigt auch darin die Schwachheit des Menschen. Damit zeigen sich zwei Tatsachen: Nicht einmal Auserwählte halten am HERRN bis über die Erträglichkeitsgrenze fest, wenn die Leiden wie gesagt für sie zu gross werden. Das ist die erste Tatsache. Es ist so: Wenn die Strafe des Gerichts für das Individuum als zu hart empfunden wird, fällt es ab. Dabei ist es egal, ob der betreffende Mensch David, Hiob oder Daniel heisst, der Treueste würde abfallen. Jeder Mensch hat eine Verträglichkeitsgrenze. Wird diese überschritten, fällt er vom Glauben ab. Diese biblische Feststellung sollte Christen, die grosse Treueschwüre machen, etwas demütiger werden lassen.

Gott überschreitet zweitens die Grenze des Erträglichen nie; wenn Er es während der schwersten Zeit nicht macht, macht Er es in leichteren Zeiten ohnehin nicht. Gemäss der Rechtsforderung Gottes im Blick auf die angehäuften Sünden der Menschen müsste die Zeit des Gerichts länger anhalten, sonst wäre nicht von „um der Auserwählten willen die Tage verkürzt“ die Rede. Der HERR lässt sogar in der übelsten Zeit des Gerichts etwas Gnade walten, obschon Er dabei durch gottloseste Geschöpfe, die das Heiligtum entweihen und zudem seine Heiligen umbringen, aufs Übelste beleidigt wird.

Damit beweist Gott, dass Er nie jemanden über sein Vermögen prüft, wie sein Wort sagt. Daher lügt jeder Mensch, der sich selber und ausserhalb Gottes Willens aus Situationen „gerettet“ hat und sich danach mit den Worten zu rechtfertigten sucht, er hätte es sonst nicht mehr ausgehalten. Ein solcher versucht mit dieser Aussage lediglich die üble Motivation seines Eigenwillens zu verdecken.

Vers 21

Und wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! Siehe dort! so glaubt nicht! Mk 13,21

Obschon Christus klare Weisungen gegeben hat, schaffen es immer wieder Diener des Teufels, Christen zu verführen oder zu blenden. Sie treten als Gläubige auf, wie geschrieben steht:

14 Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an;
15 es ist daher nichts Grosses, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen; und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen. 2.Kor 11,14-15

Und manchmal ist es sehr schwer, falsche Gläubige zu entlarven, vor allem dann, wenn sie es geschafft haben, wichtige Ämter in der Gemeinde zu bekleiden. Wer will da einen Anklagepunkt gegen beispielsweise einen Ältesten erheben, wo doch schon durch die Schrift gesagt ist, dass man dabei vorsichtig sein soll (1.Tim 5,19)? – Und trotzdem sollen wir alles prüfen. Die Brüder in Beröa waren edler als die in Thessalonich, weil sie das Gehörte täglich anhand der Schriften prüften (Apg 17,11). Verführungen gibt es heute schon genug, wieviel schwerer wird es sein, wenn in den letzten Tagen auch von der Gegenseite echte Zeichen und Wunder getan werden (Offb 13,15)!

Diese Feststellung ist aber keinesfalls ein Grund für Verzweiflung! Es gibt weiterhin nicht vom Teufel infiltrierte Versammlungen, nämlich solche, die sich an die Versammlungsordnung halten. Nur schon die Versammlungsordnung alleine reicht aus, die Versammlung rein zu halten, aber auch, sie gründlich zu reinigen. Die Versammlungsordnung ist zwar für sensationshungrige Menschen nicht so populär; sie ist aber sehr heilsam.

Führen Sie besonders das Abendmahl wieder ein; vielerorts fristet es nur noch ein Mauerblümchendasein. Der HERR sagt, jeder Christ solle vom Brot nehmen und aus dem Kelch trinken; es ist ausschliesslich für sein Volk bestimmt. Ein Vorübergehenlassen des Mahls liegt nicht drin; wer es vorübergehen lässt, möchte seine Sünde nicht richten bzw. bekennen. Darin ist ein solcher Mensch bereits verurteilt. – Der eingeschlichene Mensch der Teufelspartei will hingegen nicht auffallen und nimmt vom Mahl des HERRN, was ihn automatisch ausscheiden lässt, denn es heisst, dass Menschen, die das Mahl unwürdig nehmen, krank werden und sogar sterben können (1. Kor 11,30). Bei Dienern der Finsternis verhält es sich so: Sie nehmen das Mahl des HERRN, verspotten Ihn aber innerlich. Das ahndet der HERR persönlich; wir müssen uns da überhaupt keine Sorgen machen, verdeckte „Spione“ nicht zu entlarven. Sie disqualifizieren sich von alleine und scheiden ebenfalls ohne unser Dazutun aus, wie erwähnt.

Der Teufel hat es zusammen mit der Liederlichkeit von Christen soweit gebracht, dass das Abendmahl nicht mehr in jeder Versammlung, sei es auch zum Gebet oder zum Wortstudium, eingenommen wird. Je mehr wir die Ordnungen des HERRN, darunter auch Kontrollmechanismen der Versammlung ausschalten, desto mehr tummeln sich Eingeschlichene in der Versammlung, die Ihre Heimat sein sollte, liebe Leserin und lieber Leser. Die Botschafter des Teufels haben bei „abgeschalteter Alarmanlage“ ungehinderten Zutritt bis hinein in die Leitung. – Lassen Sie es nie so weit kommen! Sie sehen es den falschen Christen nicht auf die Stirn geschrieben. Oft bringen solche „Leben“ in die Versammlung und zementieren damit ihre Daseinsberechtigung mit Lehren, die zu 98% wahr sind, aber bewusst haarscharf am Ziel vorbeizielen.

Achten Sie auch auf das Leben der Versammlungsmitglieder und hören Sie nicht auf solche, wenn deren Wandel nicht in Übereinstimmung mit der Schrift ist (2. Kor 11,15b).

Um auf die Aussage des Verses zu kommen: Christus wird am Ende von allen gesehen und als solcher erkannt werden. Wenn jemand sagt: „Komm, ich weiss, wo Christus ist!“, sollten Sie keinesfalls mitgehen! Es spricht dann einer von den vielen Verführern zu Ihnen.

Vers 22

Es werden aber falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten zu verführen. Mk 13,22

Die Bibel sagt es klar und unmissverständlich: Es werden Personen von der Gegenseite, der Seite des Teufels, aufstehen und echte Zeichen und Wunder tun, also Dinge, die echt und wirklich geschehen.

Um die perfekte Verführung vorzubereiten, hat der Teufel schon viel Vorarbeit geleistet: Zuerst liess er viele Scharlatane auftreten, Menschen, die nichts wirklich konnten. Sie orakelten teils sogar am TV und hinterliessen Botschaften in der Form von Horoskopen, die alle irgendwie und mit genügend Phantasie ins Leben des Fragenden passen. Die Allgemeinheit lacht über diese Hellseher, sie können nicht wirklich etwas bewirken und haben ihr Fach für die normal denkenden Menschen ins Land der Märchen driften lassen. Wenige glauben noch an Dinge, die weder Hand noch Fuss haben. Damit erreichte der Teufel, dass immer mehr Menschen nur noch glauben, was sie sehen. Die geistliche Welt ist für sehr viele in der westlichen Welt lebenden Menschen nur noch etwas für das Reich der Märchen, wie oben angedeutet. Die Menschen sind damit vorbereitet, nur noch an das übernatürlich und mit echten Wundern Daherkommende zu glauben. Wenn dann tatsächlich Übernatürliches eintrifft, ist es so überwältigend, dass niemand mehr nach der Herkunft fragt. Der natürliche Mensch wird nicht mehr unterscheiden, ob das aus dem Lager des Teufels oder aus jenem Gottes kommt. Der Mensch wird sagen: „Was ich hier sehe hat jetzt endlich Hand und Fuss, es ist nicht unverständliches Gemurmel von selbsternannten Totenbeschwörern, sondern eine echte Manifestation der geistlichen Welt durch dieses konkrete Wunder, das ich vor Augen habe!“ – Die Verführung wird perfekt sein, doch nicht für alle! Die Auserwählten Gottes wissen von der geistlichen Welt. Sie wissen, dass der Teufel im Rahmen seiner gesetzten Grenze schon zur Zeit Moses echte Wunder hat kommen lassen (2. Mo 8,3).

Vers 23

Ihr aber, seht zu! Ich habe euch alles vorhergesagt. Mk 13,23 

Wenn sich ein Kind an der heissen Herdplatte verbrennt, weil es nicht hören wollte -, das kann wahnsinnig wehtun. Noch schlimmer ist es noch für eine Frau, die per Autostopp reist. Wenn sie vergewaltigt wird, war das Ignorieren der polizeilichen Empfehlungen traumatisch, wenn sie dabei getötet wird, ist die Tragödie perfekt.

Weise Ratschläge zu ignorieren kann schmerzhaft sein. Weise Ratschläge zu ignorieren kann tödlich enden. Der HERR spricht da eine völlig klare Sprache: „Ihr aber, seht zu! Ich habe euch alles vorhergesagt.“

Es ist gesagt, dass die Seite des Teufels mit Macht und Wunderwerken kommen wird. Sie ist bereits damit gekommen, bis in die Gemeinden hinein. Was vielerorts als „Manifestation des Heiligen Geistes“ bezeichnet wird, ist nichts anderes als die Manifestation einer Macht, die unbiblische Dinge geschehen lässt. Eine der bekanntesten Bewegungen ist der sogenannte „Toronto Segen“, eine üble Versammlungsart die ihren Anfang in Toronto (Kanada) hatte, in der die Teilnehmer anfingen, sich wie Tiere zu verhalten, also tierische Laute von sich gaben, rumhüpften und auf dem Boden herumlagen, was jeglicher biblischen Grundlage entbehrt, denn die Bibel sagt, dass ein Unkundiger der Test ist für die Gemeinde (1. Kor 14,23). Wenn ein Unkundiger hereinkommt und sagt: „Diese Leute sind von Sinnen!“, hat sich keinesfalls der Heilige Geist manifestiert. Der Heilige Geist arbeitet nie gegen das von Ihm inspirierte Wort!

Die Toronto Bewegung bewies, dass sich sehr viele Christen leicht und gerne verführen lassen, was einen sehr bedenklichen Zustand der Christenheit zu Tage fördert. Obschon das eigentlich nichts Neues ist; die Bibel sagt schon aus, dass Paulus sogar von den Gemeinden selbst, die er im Auftrag Christi gegründet hat, verlassen wurde (2. Tim 1,15), da sie sich den Fabeln hingewendet hatten.

Die Konsequenzen vom Ignorieren des Wortes Gottes werden schlimmer sein als jene der heissen Herdplatte, die man trotz anderslautender Weisung anfasst. Die Konsequenzen vom Ignorieren des Wortes Gottes werden schlimmer sein als jene die folgen, wenn man leichtsinnig als Frau per Autostopp reist. Nachfolgend sind die Konsequenzen aufgeführt, die man zu tragen hat, wenn man die Manifestation der Kraft des Teufels akzeptiert.

9 Und ein anderer, dritter Engel folgte ihnen und sprach mit lauter Stimme: Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Malzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine Hand,
10 so wird auch er trinken vom Wein des Grimmes Gottes, der unvermischt im Kelch seines Zornes bereitet ist; und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm.
11 Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt.
12 Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren. Offb 14,9-12

Christus sagte es uns voraus. Glaubt nicht, wenn jemand sagt, hier oder dort ist Christus! Christus wird am Ende für alle sichtbar kommen (Mk 13,26). – Bitte, liebe Geschwister, lassen wir uns nicht verführen! Helfen wir einander doch, die Bibel zu lesen und sie zu verstehen! Dann können wir bei allen neu eintreffenden Ereignissen die Lage richtig beurteilen und erinnern uns an die Worte Jesu: „Ihr aber, seht zu! Ich habe euch alles vorhergesagt.“ Amen!

Vers 24

Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben; Mk 13,24

Damit beginnt Christus seine zweite Ankunft zu beschreiben. Nach der Zeit der maximalen Bedrängnis dieser Erde wird seine Wiederkunft folgendermassen anfangen auszusehen: Die Sonne wird verfinstert werden und der Mond wird seinen Schein nicht geben. – Obschon dann praktisch die ganze Erde in Trümmern liegt, das in der Schlacht um Jerusalem vergossene Blut bis an das Zaumzeug eines Pferdes reicht (Offb 14,20) und die Menschheit wegen ihrer Gesetzlosigkeit durch den Ausbruch des Zornes Gottes stark dezimiert ist und in der Erwartung kommender Dinge zittert und bangt (Lk 23,30; Offb 6,16), wird es weitere Zeichen am Himmel geben. Es wird eine spezielle Zeichenfolge sein, welche die Wiederkunft des HERRN ankündigt.

Vers 25

und die Sterne werden vom Himmel herabfallen, und die Kräfte in den Himmeln werden erschüttert werden. Mk 13,25

Ich weiss nicht, was „die Sterne werden herabfallen“ genau bedeutet. Dass damit etwas nie Dagewesenes und Furchtbares angekündigt ist, liegt aber auf der Hand. Ich weiss aber auch mit Sicherheit, dass der Vater die Ungerechtigkeit, mit der die Menschen seinen Sohn verspottet, geplagt, ausgepeitscht und am Ende grausam umgebracht haben, den unbussfertigen Menschen zurück auf ihren Kopf vergelten wird. Deshalb bereitet der Vater seinem in allen Dingen gehorsamen Sohn eine Wiederkunft, die sich „gewaschen“ hat! Er wird nicht den geringsten Zweifel an der totalen Übermacht und Wut seines Sohnes über die bis heute anhaltende Ungerechtigkeit übrig lassen; die Menschen werden trotz ihrer gebunkerten Atomwaffen zittern vor dem Zorn des Lammes. Es wird ihnen nicht in den Sinn kommen, angesichts der göttlichen Offenbarung an Verteidigung zu denken!

Bildlich gesprochen wird es so ablaufen: Es wird so sein wie in Filmen, wo sich am Ende die Gerechtigkeit mit aller Wucht durchsetzt. Zuvor wütete ein Krimineller mit Mord und Totschlag und führte die Staatsgewalt an der Nase herum. Doch am Ende wacht er in seinem Bett auf und blickt dabei direkt in den Lauf einer Schrotflinte. Der Polizist, der sie durchgeladen und mit einem nervösen Finger am Abzug auf ihn richtet, sieht die Pistole des Kriminellen auf dem Nachttisch liegen und ruft dem Bösewicht zu: „Denke nicht einmal daran!“ Der Kriminelle schaut sich um und wird sich gewahr, dass in seiner ganzen Wohnung Leute der gefürchtetsten Spezialeinheit der Polizei die Läufe ihrer Maschinenpistolen auf ihn gerichtet haben. Von aussen zielen die Laser auf den Zielfernrohren der Scharfschützengewehre auf seine Stirn und sein Herz. Ihm wird gewahr, dass eine kleine, aber falsche Bewegung von ihm auslöst, dass er sekundenbruchteile später von über hundert Kugeln durchsiebt blutüberströmt zusammensacken werden wird.

Denken Sie, das sei eine übertriebene Darstellung endzeitlicher Geschehnisse? – Genau mit der gleichen Sicherheit werden die Menschen bei der Offenbarung Jesu Christi wissen, wie es um ihre Chancen bei allfälligem Widerstand gegen das „Lamm“ steht. 2000 Jahre lang der Stimme Christi zu widerstehen haben das Mass der Bosheit vollgemacht! Sie werden nicht einen Augenblick an Widerstand denken, wie der nachfolgende Vers offenbart:

und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Offb 6,16

Es ist interessant, dass die Bibel im Blick auf Christus und seine gewaltige Erscheinung in der Offenbarung seiner selbst an dieser Stelle noch vom „Lamm“ spricht. Man kann an dieser Stelle eher Züge von einem gewaltigen Krieger oder von einer Feuerwalze erkennen; man sieht wenig von Eigenschaften eines Lammes.

Für die Nationen war Christus aber bis zu diesem Zeitpunkt das „Lamm“; sie kannten Ihn nur in dieser Eigenschaft, da Er – ohne die Gerechtigkeit durchzusetzen – abgewartet hat, damit allen Menschen die Möglichkeit zur Errettung offen stünde.

Hier wird nun dargestellt, dass Christus auch anders kann. Es wird erklärt, was für Potential in Christus seit jeher schlummerte und dass Er sein uneingeschränktes „Atomwaffenarsenal“ bzw. seine Ihm zur Verfügung stehende Armee (Mt 26,53) stets zurückhalten musste, um die Errettung für die Menschen zu ermöglichen. Hätte Er sich nicht zurückgenommen, wo Er ungerecht behandelt worden ist, wo Er verspottet worden ist, wo Er ausgepeitscht und verhöhnt worden ist (Mk 15,15-20), hätte kein einziger Mensch errettet werden können! Dann gälte es, dem Endgericht entgegen zu zittern um danach im feurigen Pfuhl, im ewigen Verderben für immer zu versinken. Ohne die Eigenschaft des Lammes wäre Er nie und nimmer ans Kreuz gegangen, sondern hätte bereits vor 2000 Jahren mit seinen Widersachern abgerechnet. Wie hoch zu loben ist Er für die Gnade, die Er auf diese Weise freisetzte!

Leider haben sehr viele Menschen die Gnade mit Füssen getreten und den Zorn Gottes richtiggehend herunterbeschworen. Der Zorn des Lammes wird so heftig sein, dass die Menschen, auch die Präsidenten von Atommächten, zu den Bergen sagen werden: Fallt auf uns! Sie werden nicht einen Bruchteil einer Sekunde an Verteidigung denken, um nicht zusätzlich – zu allen Leiden – sprichwörtlich zu Pulver verarbeitet zu werden! Stellen Sie sich ein Mensch vor, der vor dem wutentbrannten und scheltenden Gott nochmals die Hand gegen Ihn erhebt!

Leider wollen auch viele Christen den HERRN nur als Lamm erkennen. Wüssten sie von allen seinen Eigenschaften, gäbe es keinen Rechtsbruch, keine sexuelle Zügellosigkeit, keine vorzeitig beendete Ehen und so weiter in den Gemeinden des HERRN! – An dieser Stelle rufe ich nochmals in Erinnerung, dass wir Christen einmal vor dem Richterstuhl Christi stehen werden (2. Kor 5,10)! Auf diesem Richterstuhl wird Christus nicht in der Eigenschaft eines Lammes sitzen, sondern der Herr über sein Haus wird gerecht urteilen und sich nicht scheuen, Christen „entzwei zu schneiden“, wie wir es im Matthäusevangelium nachlesen können (Mt 24,51). Sehen wir uns vor, liebe Geschwister!

Vers 26

Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in Wolken mit grosser Macht und Herrlichkeit. Mk 13,26

Dann werden alle den Sohn des Menschen, Christus, kommen sehen mit grosser Macht und Herrlichkeit. Er kommt für alle sichtbar, vergessen wir das nicht, wenn es in der dazu vorlaufenden Zeit heisst: „Siehe, hier ist Christus!“ Das wären dann ausschliesslich Lügen, denn Christus kommt für alle sichtbar.

Wie erwähnt, kommt Er nicht mehr als Baby oder in der Eigenschaft als Lamm. Er kommt, um Gericht zu halten. Und sein Zornbecher ist voll aufgefüllt mit schäumendem Wein! – Nun, stellen Sie sich vor, Ihnen wäre widerfahren, was Ihm widerfahren ist. Sie hätten den geschützten und herrlichsten Platz im Universum verlassen, um Menschen zu helfen, die selbstverschuldet ins Elend gekommen und vor dem Höchsten in Ungnade gefallen sind. Vom ersten Tag an wäre Ihnen die Ungerechtigkeit und Kälte der Welt entgegengestanden. Sie hätten als höchster König in einem Stall zur Welt kommen müssen; die Welt hätte ihnen bzw. ihrer hochschwangeren Mutter nicht einmal eine menschenwürdige Unterkunft angeboten. Darauf, kaum hätten Sie das Licht der Welt erblickt, wäre als erstes der Mordbefehl Herodes‘ gekommen, um Ihnen den Garaus zu machen, ohne Rücksicht darauf, dass Sie noch ein hilfloses Baby waren. Ihre Eltern hätten nach Ägypten fliehen müssen. Erst nach dem Tod des Mörders Herodes, hätten Sie ins Land zurückkehren können. Sie wären – immer noch um der Errettung der undankbaren Menschheit willen (ich würde sagen: des undankbaren Packes willen) – einen tadellosen und von der Welt abgesonderten Lebenswandel gegangen. Dann wären Sie in den öffentlichen Dienst für die Menschen getreten und hätten angefangen, sie zu heilen und ihnen den rechten Weg aufzuzeigen. Die Menschen hätten die Heilungen zwar angenommen; sie hätten Sie aber abgelehnt. Die Elite der Menschheit hätte Sie verleumdet und am Ende den Beschluss gefasst, Sie umzubringen. Im Gericht hätte man Sie mit vorsätzlichen Mordabsichten illegal abgeurteilt. Das hätte Ihr Eigentumsvolk gemacht. Die Nationen, die die Macht hatten, zu töten oder am Leben zu lassen, hätten Sie auch ungerecht verurteilt, ausgepeitscht, verhöhnt und hätten Ihnen mit einem Rohr auf den Kopf geschlagen. Am Ende hätte man Sie auf brutalste Weise am Kreuz verrecken lassen. – Verwundert es Sie, wenn Christus nun zornig ist? Wären Sie nicht zornig?

Wenn Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nicht über eine lange Zeit totale Ungerechtigkeit widerfahren ist, können Sie das nicht verstehen. Dann ist Christus für Sie lediglich eine Figur, die Sie nicht einordnen können und Sie nicht genau wissen, wieso Sie Ihn am Sonntag in der Kirche besingen. Wenn Ihnen aber die totale Ungerechtigkeit in absoluter Bosheit und Gesetzlosigkeit über Jahre widerfahren ist und Sie das Wutpotential sehen und spüren können, das damit ausgelöst werden kann – nur schon in einem einzigen Punkt, dem der Eifersucht, wenn sie als treuer Ehepartner frech betrogen worden wären -, dann wissen Sie zu einem kleinen Prozentsatz, was man Christus in Wahrheit angetan hat und wie Er als Mensch darüber denken und fühlen muss und wie extrem herrlich Er ist, dass Er – der ständig die Möglichkeit sich sofort zu rächen hatte (im Gegensatz zu uns) – nicht zurückgeschlagen hat und dass Er nicht die göttliche Atombombe gezündet hat, welche die Erde in einem Augenblick aus der Existenz in die Nicht-Existenz gebombt hätte.

Dieser Christus, der der Verlockung des Teufels in der Versuchung widerstanden hat und selbst in der totalen Reizung der Eifersuchts- und Wutgefühle seinen Geist stets im Griff hat und uns, die Glaubenden, damit vor der Hölle errettet hat, dem sei Ehre und Lob in Ewigkeit! Wer das fassen kann, kann Ihn noch mehr in Wahrheit anbeten und preisen.

Vers 27

Und dann wird er die Engel aussenden und seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Mk 13,27

Danach wird Er seine Auserwählten einsammeln. Gemeint sind die Auserwählten, die Ihn bis zur Zeit der Grossen Drangsal nur als „Lamm“ haben sehen wollen. Wer in Ihm nur eine Eigenschaft sieht, jene des Lammes, ist vom Teufel verführt. Christus ist vollwertiger Mensch (Sohn des Menschen) und vollwertiger Gott (Er ist das Wort und das Wort ist Gott, Joh 1,1). Der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Gott hat mehr als eine Eigenschaft. Er ist zwar sehr geduldig (wie ein Lamm), Er kann aber auch eifersüchtig sein (wegen der abtrünnigen Ehefrau Israel im Buch Hesekiel als Beispiel), Er kann Gefühle für Gerechtigkeit haben und dementsprechend handeln (wie ein unbestechlicher Richter); Gott hat viele Facetten. – Schauen wir einmal auf uns, die wir ein Abbild Gottes sind. Wir können auch liebevoll, geduldig, grosszügig, eifersüchtig, zornig und unerbittlich sein.

Josia, der gute König von Juda, war diesbezüglich nicht verführt. Er sah in Gott nicht nur das Lamm. Josia erkannte sofort, nachdem er die zuvor verlorengegangenen Worte des Gesetzes gefunden hatte, dass Gott aufgrund der Gesetzlosigkeit im Land sehr, sehr zornig sein musste. Gott bestätigte ihm diesen Zorn sofort:

10 Und der Schreiber Schafan berichtete dem König weiter: Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben. Und Schafan las es dem König vor.
11 Und es geschah, als der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, da zerriss er seine Kleider.
12 Und der König befahl dem Priester Hilkija und Ahikam, dem Sohn Schafans, und Achbor, dem Sohn Michajas, und Schafan, dem Schreiber, und Asaja, dem Knecht des Königs, und sagte:
13 Geht hin, befragt den HERRN für mich und für das Volk und für ganz Juda wegen der Worte dieses aufgefundenen Buches! Denn gross ist der Zorn des HERRN, der sich gegen uns entzündet hat, dafür, dass unsere Väter auf die Worte dieses Buches nicht gehört haben, nach allem zu tun, was unsertwegen aufgeschrieben ist. 2.Kön 22,10-13

16 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil über diesen Ort bringen und über seine Bewohner: alle Worte des Buches, das der König von Juda gelesen hat.
17 Weil sie mich verlassen und anderen Göttern Rauchopfer dargebracht haben, um mich zum Zorn zu reizen mit all dem Machwerk ihrer Hände, so wird mein Zorn sich gegen diesen Ort entzünden und wird nicht erlöschen. 2.Kön 22,16-17

Die Auserwählten, die sich zeitlebens haben verführen lassen und von Christus gedacht haben: „Das Lamm wird uns nichts tun, auch dann nicht, wenn wir Gottes Wort lediglich als Empfehlungsschreiben betrachten, das nicht befolgt werden muss“, werden spätestens in der Drangsal merken, wie sehr sie damit Christi Gefühle verletzt haben, sie werden am Ende zu der Kategorie von Auserwählten gehören, die ihre (besudelten) Kleider in der Drangsal haben waschen müssen, wie geschrieben steht:

13 Und einer von den Ältesten begann und sprach zu mir: Diese, die mit weissen Gewändern bekleidet sind – wer sind sie, und woher sind sie gekommen?
14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weisst es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der grossen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiss gemacht im Blut des Lammes. Offb 7,13-14

Christen, die in Jesus Christus den ganzen Menschen und den erhabenen Gott sehen und dementsprechend handeln, werden nicht durch die Drangsal gehen müssen, der HERR hat das seiner treuen Gemeinde versprochen. Kein Diener Gottes muss sich deswegen Sorgen machen; selbst wenn er in entlegensten Gebieten wohnt oder hinter dicksten Gefängnismauern verwahrt wird: Gott wird ihn rechtzeitig von dort weg zu sich holen (Mal 3,17)! Ein Vater, dem die Kinder gedient und nicht zur Weissglut gereizt haben, schickt seine Kinder nicht in eine Drangsal, damit sie darin den Gehorsam lernen. Ungehorsame hingegen und solche, die sich haben verführen lassen, gehen durch die grosse Drangsal.

Vers 28

Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. Mk 13,28

Israel gab der HERR klare Anhaltspunkte. Es ist ein irdisches Volk mit irdischem und sichtbarem Gottesdienst. Wenn in Juda dies und das passiert, sollen die in Juda – nicht die in Los Angeles, Stuttgart oder St. Petersburg – in die Berge fliehen. Die in Juda sollen in die Berge fliehen! Christus gab Israel naturgemässe irdische Weisungen.

Der Gemeinde gibt Er ebenfalls naturgemässe Weisung. Diese sind himmlischer Art. Er spricht in Gleichnissen, weil es der Gemeinde gegeben ist, Gleichnisse, das sind Bildreden, zu verstehen. Denen, die nicht zur Gemeinde gehören, also denen, die „draussen“ sind, ist es nicht gegeben.

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben; Mt 13,11

So wie der HERR vorher dem irdischen Volk Weisung betreffend die Endzeit gegeben hat, gibt Er sie in diesen folgenden Gleichnissen der Gemeinde.

Kommen wir zurück zum Vers Mk 13,28: Mit dem Feigenbaum wird Israel symbolisch dargestellt (Joel 1,7). Israel war zur Zeit der Aussage Christi eine von der römischen Besatzungsmacht beherrschte Nation, die 135 n. Chr. ganz zu existieren aufhörte. Dem Land wurde der Name Palästina gegeben, die Juden wurden unter alle Nationen versprengt. Der Feigenbaum war also, wie in Joel 1,7 beschrieben, „zerknickt“. Wenn dieser zerknickte Feigenbaum plötzlich weich wird und anfängt, Blätter hervorzutreiben, dann sollen wir wissen: Der Sommer ist nahe!

Was hier beschrieben ist, geschah 1948, als Israel wieder zu einer Nation wurde. Der „Sommer“ war nahe. Heute leben wir in einer Zeit, wo die Wiederkunft Christi kurz bevorsteht! Der Feigenbaum hatte einen langen „Winter“, die Zerstreuung der Juden überdauerte Jahrhunderte! Aber der Winter ist jetzt definitiv vorüber, Frühlingserwachen kam 1948 in diesen Baum. Damals war der Sommer nahe; das war von heute (2015) aus betrachtet vor 67 Jahren. Die Erwartung einer unmittelbar bevorstehenden Erfüllung der Offenbarung Christi ist völlig berechtigt. Seien wir bereit! Amen.

Vers 29

So sollt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, erkennen, dass es nahe vor der Tür ist. Mk 13,29

Was Christus da vor 2000 Jahren angekündigt hat, ist vor 67 Jahren eingetreten. Wir zählen heute das Jahr 2015 n. Chr. und 1948 n. Chr. wurde Israel wieder zu einer Nation. – Seien wir nicht blind und träge, Christus kommt bald. Halten wir uns bereit!

Vers 30

Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dies geschehen ist. Mk 13,30  

Ungefähr 100 Jahre nach Christi Himmelfahrt hörte die Nation Israel äusserlich auf zu existieren. Der Staat verschwand von der Landkarte und die Einwohner wurden in alle Nationen zersprengt. Einige Machthaber versuchten mit ihrer ganzen zur Verfügung stehenden Staatsgewalt, dieses kleine Volk völlig auszurotten, wie zum Beispiel Adolf Hitler.

Dahinter kann man den kläglich gescheiterten Versuch des Teufels sehen, eine Verheissung Gottes hinfällig zu machen. Wenn Gott spricht, dies und das werde passieren, dann lässt Er es geschehen, da können sicht- und unsichtbare Mächte wüten, soviel sie wollen; Gottes Wille wird sowieso und genau so eintreten, wie er kommuniziert und dargestellt wurde. Christus (Gott) sprach: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles geschehen ist.“ Darauf wurde in einer Zeitspanne von fast 2000 Jahren versucht, Israel auszurotten. Die Widersacher können sich nicht über zu wenig Zeit für ihr Vorhaben beklagen. 1948 liess Gott, allen Widersachern ins Angesicht, die Nation Israel wieder erstehen. – Sollte für Ihn irgendeine Sache zu wunderbar sein (1. Mo 18,14)?

Vers 31

Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. Mk 13,31

Es gibt Dinge, die wir uns sehr schwer vorstellen können. Dass der Himmel und die Erde vergehen könnten, zum Beispiel. Viel leichter können wir uns vorstellen, dass im Gegensatz die Worte einer Person hinfällig werden, besonders in der heutigen Zeit, wo die Menschen untereinander viele Reden halten, die nur leere Worte beinhalten.

Bei Christus ist es aber so, wie Er sagt. Kein einziges seiner Worte ist hohl und einfach so dahingeredet. Sein ganze uneingeschränkte Macht und Autorität stehen dahinter. Er kann jedes seiner Worte schützen und jedem einzelnen zum Durchbruch verhelfen, was Er auch in jedem Fall tun wird. Deshalb ist es viel leichter, dass der Himmel und die Erde vergehen, als eines seiner Worte. – Vertrauen Sie darauf!

Vers 32

Von jenem Tag aber oder der Stunde weiss niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater. Mk 13,32

Obschon dieser Vers völlig klar da steht, tun sehr viele so, als ob er nicht da stünde. Wie viele konkrete Daten für den „jüngsten Tag“ wurden trotzdem schon festgelegt! Dabei wurden die „Propheten“ durch das Nichteintreten dieses Tages beschämt, was sie aber nicht davon abhielt, neue Daten zu kommunizieren. Erstaunlicherweise blieben solchen „Propheten“, die offensichtlich keine richtigen waren, viele ihrer Jünger treu, um zusammen mit ihren blinden Führern in die Irre zu gehen (Mt 15,14).

Es ist offensichtlich, dass wir in der Endzeit sind, soviel gab uns der HERR preis. Die Zweige Israels treiben seit 67 Jahren wieder. Wir können die Wiederkunft des HERRN wirklich erwarten; wir dürfen aber keinesfalls ein Datum festsetzen und sagen: „Dann und dann kommt der HERR!“ – Durchaus ist mir bewusst, dass es noch mehr Hinweise gibt, dass wir in der Endzeit sind, wir haben dafür nicht nur das Gleichnis vom Feigenbaum. Der Hinweis Gottes, dass ein Tag Gottes wie eintausend Jahre für Menschen ist, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die im Hebräerbrief erklärte Sabbatruhe kurz bevor steht (Heb 4,1 ff.). Sechs Tage arbeitete Gott und am siebenten Tag ruhte Er. Seit Adam und Eva sind sechs Arbeitstage, also Tage ohne Ruhe, vergangen, das sind 6000 Jahre. Der siebente Tag steht unmittelbar vor der Türe, das ist das Millennium, das Tausendjährige Reich Christi, worin der Satan gebunden sein wird und Ruhe auf die Erde kommt. – Dann gibt es verschiedene astronomische Konstellationen, solche mit den sogenannten Blutmonden zum Beispiel, auf die auch gerne von Endzeitpropheten hingewiesen wird.

Die Hinweise darauf sind nicht verwerflich. Konkrete Daten daraus abzuleiten jedoch schon. Ich hörte, dass der eben verflossene Oktober 2015 auch so ein auf dreissig Tage erweitertes Datum darstellen sollte (dabei wurde der Jüdische Kalender zur Berechnung herangezogen). Nun ist der besagte Monat verflossen, heute ist der 04. November 2015, und doch ist nichts von dem Erwarteten geschehen.

Ich erwarte das Reich Gottes auch und würde mich freuen, wenn es sofort anbricht und freue mich mit jedem Menschen, der es erwartet. Doch wir sollen uns auch in der Erwartung des Tages strikt an das Schriftwort halten, selbst wenn sich die Erkenntnis betreffend die Rückkehr Christi mehrt, wie schon Daniel vorausgesagt hat (Dan 12,4). Trotz des breiteren Wissens über die Endzeit ist eine Datumsangabe sinnlos. Die Zeichen der Zeit dürfen auf jeden Fall gedeutet werden, sonst hätte uns Christus darüber nicht aufgeklärt. Wenn der HERR aber sagt, das Datum sei nicht bekannt, dann sollen wir uns davor hüten, eine Jahres-, Monats- oder gar Wochenzahl seiner Wiederkunft anzugeben!

Vers 33

Seht zu, wacht! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit ist. Mk 13,33

Es gibt ein sehr schönes Schriftwort über das Wachen. Wir können für uns wach bleiben, wie es uns der HERR anordnet. Glückselig sind wir schon, wenn wir wenigstens das tun!

Wir können aber noch einen Schritt weitergehen und (in einer Erweiterung) über den HERRN wachen. Damit meine ich selbstverständlich nicht, dass wir auf Ihn aufpassen müssen. Er passt auf uns auf, nicht umgekehrt. Wir können über seine Sachen wachen, wie beispielsweise sein Haus in Ordnung halten oder einfach alles, was uns anvertraut ist, in bester Bereitschaft und bestem Zustand bewahren.

Wer den Feigenbaum hütet, wird seine Frucht essen; und wer über seinen Herrn wacht, wird geehrt werden. Spr 27,18

Dann tun wir einen guten Dienst und wachen gewissermassen über den HERRN, zumindest über seinen uns anvertrauten Bereich. Dieses Wachen ist mit einer Verheissung verknüpft: Jemand, der über seinen Herrn wacht, wird geehrt werden.

Vers 34

Wie ein Mensch, der ausser Landes reiste, sein Haus verliess und seinen Knechten die Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter einschärfte, dass er wache, Mk 13,34

Dies ist das nächste Gleichnis, mit dem der HERR Christen ein Geheimnis mitteilt. Unbefugten bleibt es verschlüsselt, Befugte verstehen hingegen ganz genau, was es bedeutet. Es geht darin um einen Menschen, der, wegen den erwähnten Knechten, sicherlich nicht arm war und der ausser Landes reiste.

Nun, dieses Gleichnis ist noch einfach zu verstehen. Es eignet sich gut, etwas in die Bibelauslegung (Exegese) einzuführen. Wer nicht den Regeln gemäss mit der Schrift umgeht, tut am Ende doch nur, was er will und biegt die Worte Gottes so, dass sie sein Tun in jedem Fall rechtfertigen. Ein solcher Umgang mit der Schrift ist nicht zulässig. Die Bibel sagt uns etwas, sie lehrt uns den geraden Weg; sie ist nicht dazu da, unsere eigenen Wege zu rechtfertigen. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt in der Schriftauslegung ist der, dass sich die Schrift selber auslegen muss. Wir dürfen nicht etwas zusammen fabulieren, ansonsten haben wir in einem Raum mit fünf Bibellesern fünf verschiedene Auslegungen bzw. Erklärungen zu einer Schriftstelle. Dabei kann es sogar sein, dass darunter nicht einmal die göttlich-korrekte Erklärung ist, weil alle lediglich etwas zusammengedichtet haben.

Kommen wir zur Auslegung dieses Verses: Wo finden wir einen Menschen, der Knechte hat, sein Haus und sogar das Land verlässt? Hinweis: Ein Mensch der das Land verlässt, ist nicht ohne weiteres erreichbar. Er ist für die Zurückgebliebenen nicht erreichbar, ein solcher kann nicht um die Ecke gehen und sogleich auf diesen Reisenden treffen.

Und lassen Sie mich noch eine Bemerkung zur Auslegung machen: Ein Gleichnis hat immer eine Begrenzung, es gleicht lediglich der Wirklichkeit, entspricht ihr aber nicht in allen Punkten, sondern deutet nur auf einen Faktor oder einige Faktoren hin.

Als Beispiel sei das Passahlamm angeführt, von dem die Bibel selber sagt, dass es ein Gleichnis oder Bild für Christus ist (1. Kor 5,7). Obschon Christus als Lamm dargestellt wird, hat er weder eine tierische Natur, noch lässt Er nicht immer mit sich machen, was seiner Umwelt gerade so in den Sinn kommt. Soviel sei noch zur Begrenzung eines Gleichnisses gesagt. Das Lamm als Bild für Christus weist unter anderem auf seinen Gehorsam zum Vater hin, dass Er sich dem Vater gegenüber wie ein Lamm verhalten hat: Er führte den ganzen Willen des Vaters aus, ohne ein einziges Mal zu widersprechen. Sogar in der höchsten Not, im Garten Gethsemane, haderte Er nicht mit der Entscheidung des Vaters; Er machte dem Vater keinen einzigen Vorwurf.

Kommen wir nach diesem Exkurs wieder zur Auslegung. Es geht also um einen Reisenden, einen nicht armen Reisenden, der weit weg reist, sodass er von den Zurückgebliebenen nicht in Persona gefunden wird. Jetzt müssen wir andere Stellen finden, in der dasselbe ausgesagt wird, zum Beispiel in Parallelstellen von anderen Evangelien. Wir finden ein und dieselbe Geschichte im Matthäus 25, Vers 14. In diesem Gleichnis im Matthäusevangelium wird erwähnt, dass dieser Reisende am Ende mit den Knechten bei seiner Wiederkunft abrechnet. Auch Markus lässt durchblicken, dass es nicht in Ordnung ist, wenn er bei seiner Ankunft die Knechte schlafend findet.

Der Verdacht liegt nun nahe, dass mit diesem Reisenden Jesus Christus gemeint ist, was ich im nächsten Kommentar noch näher erörtern möchte. Auch möchte ich die Weise, wie sehr sorgfältig mit der Schrift umgegangen werden sollte, noch weiter ausführen.

Vers 35

so wacht nun! Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, Mk 13,35

Lassen Sie mich das Thema Bibelauslegung weiter erklären, bevor wir diesen Vers beleuchten. Es liegt zwar nahe, dass es sich beim Reisenden im Gleichnis um Christus handeln muss, doch so ohne Weiteres bleibt es schlicht eine Annahme. In der Offenbarung gibt es auch einen Vers, von dem angenommen wird, dass damit Christus gemeint ist.

1 Und ein grosses Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond unter ihren Füssen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.
2 Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen (und soll) gebären.
3 Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: und siehe, ein grosser, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte;
4 und sein Schwanz zieht den dritten Teil der Sterne des Himmels fort; und er warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor der Frau, die im Begriff war, zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen.
5 Und sie gebar einen Sohn, ein männliches , der alle Nationen hüten soll mit eisernem Stab; und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und zu seinem Thron. Offb 12,1-5

Im Text gebiert eine erhabene Frau ein männliches Kind, das die Nationen hüten, also beherrschen soll. Wir wissen, dass Christus im Tausendjährigen Reich die Erde regiert. Deshalb haben gute und beste Bibellehrer gelehrt, dass mit diesem männlichen Kind Christus gemeint ist. Es kann aber nicht Christus sein, da dieses männliche Kind nicht das Erstgeborene ist. Es sind nämlich zuvor schon Kinder von dieser Frau geboren worden (Offb 12,17). Es muss also eine andere Erklärung für dieses hier erwähnte männliche Kind geben. Und die gibt es auch. Darauf einzugehen würde aber an dieser Stelle den Rahmen sprengen, denn dieser Sachverhalt ist nicht mit wenigen Zeilen zu erklären.

Beleuchten wir jetzt den hier aktuellen Vers 35. Es geht um den Herrn des Hauses, der plötzlich kommt. Kann der Verdacht, dass damit Christus gemeint ist, erhärtet werden? – Ja, die Vermutung kann erhärtet werden. Der folgende Vers zeigt Ihn als Haupt über Israel. Weitere bestätigen, dass er auch Haupt der Gemeinde ist.

Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt. Apg 2,36

Wir sollen zuverlässig wissen, dass Gott Jesus zum HERRN als auch zum Christus (= der Gesalbte) gemacht hat. Er ist der HERR über sein Volk, sei es Israel oder die Gemeinde. Bei der Gemeinde wird es mit anderen Bildern zusammen sehr deutlich, denn es heisst, Christus sei das Haupt des Leibes, der die Gemeinde ist (Kol 1,18).

Nun müssen wir uns fragen, ob dieser HERR denn auch derjenige Herr ist, der plötzlich, also ohne Ankündigung, kommt. Das steht so nämlich im Vers (Mk 13,35). – Ja, Christus kommt plötzlich, was wiederum darauf hinweist, dass Er dieser im Gleichnis erwähnte Herr ist, wie geschrieben steht:

Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen und jener Tag plötzlich über euch hereinbricht Lk 21,34

Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt umhergehe und man nicht seine Schande sehe! – Offb 16,15

Der Tag des HERRN kommt plötzlich, schlagartig, wenn man es nicht erwartet, bricht er an. Nun, das alles trifft auf Christus zu, doch trifft auch zu, dass Er in die Ferne reisen muss? – Ja, das finden wir in folgender Bibelaussage:

1 Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!
2 Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten?
3 Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. Joh 14,1-3

Christus geht also weg, weit weg, Er ist in Persona nicht zu finden. Er kommt aber wieder zurück. Wenn wir dieses Gleichnis betrachten, muss Christus folgende Punkte erfüllen, jeden einzelnen, sonst ist Er nicht die erwähnte Person im Gleichnis. Ich bin nicht auf jeden einzelnen nachfolgenden Punkt eingegangen, sehen Sie selbst, was alles auf Christus in Bezug auf das Gleichnis zutreffen muss.

Christus

- hat Knechte (ist nicht arm)
- hat die Befugnis, Weisungen zu geben (hat die Autorität über sein Haus)
- kann Vollmachten weitergeben (Mt 10,1)
- geht ausser Landes
- kommt wieder zurück
- wird unangekündigt, plötzlich zurückkehren

Wir sehen, dass alle Punkte bei Ihm zutreffen und können durch diese grosse Beweislast und mit der Zustimmung des Geistes zweifelsfrei sagen, dass im Gleichnis von Christus die Rede ist. Ein Ungläubiger kann das nicht sagen, denn die letzte Bestätigung, die des Geistes, fehlt einem solchen. Wie erwähnt, ist das Verständnis der Gleichnisse der Gemeinde vorbehalten.

Vers 36

damit er nicht, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend finde. Mk 13,36

Die Weisung Christi ist klar und deutlich: Schlafen liegt nicht drin; das wird von Christus keinesfalls akzeptiert werden.

Wir können auf vielerlei Arten schlafen. Schlafen können wir richtig nachts im Bett regenerierend oder wir können geistlich gesehen schlafen. Wer richtig schläft, wenn er wach sein sollte (Mt 26,38), schläft zudem auch geistlich. Die Jünger hätten mit Christus im Garten Gethsemane wachen sollen, liessen sich aber vom Schlaf übermannen und liessen damit Christus allein in seiner Angst.

Wenn wir andere Geschwister in ihren Nöten alleine lassen, haben wir das Prinzip des Leibes nicht verstanden. Wir machen es uns dann gemütlich, während unsere Nächsten vor Angst zittern. Da ist dann die Rede vom geistlichen Schlafen. Die Ablenkung geht in die gleiche Richtung. Wer sich ablenken will, hat tausend Möglichkeiten dazu. Eine Möglichkeit: Das überall abrufbare Internet bietet für ständige Zerstreuung genügend Informationen. Das Fernsehen steuert seinen Teil bei, ebenfalls ständig und praktisch von überall her abrufbar. Der Mensch kann seine Verantwortung jederzeit beiseitelegen, indem er sich in der immer bereitstehenden Informationsflut zerstreut. Diese beschäftigt ihn dann immerfort und er ist frei von Verantwortung Gott, der Gesellschaft und sich selber gegenüber; das bildet sich der Mensch dann zumindest ein. Christus entbindet ihn keinesfalls von seiner Verantwortung. Bei seiner Rückkehr will Er keinen sehen, der schläft.

Vers 37

Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wacht! Mk 13,37 

Christus belässt den Aufruf zum Wachen nicht in der verschlüsselten Botschaft im Gleichnis allein. Er ruft es an dieser Stelle offen als Weisung, als Befehl aus.

Dieser Befehl gilt für alle, nicht nur für seine engsten Jünger. – Das Thema ist zu lernen, es ist von allen Christen zu lernen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir im Zustand des geistlichen Schlafens Zeit vertrödeln. Das ist Zeit des Dienens, die dem HERRN gehört. Die zugeteilte Arbeit darf nicht liegen bleiben, sie sollte in jedem Fall getan werden. Es bleibt nicht nur die Arbeit auf der Strecke, unser Vorankommen erleidet auch Stillstand, was uns nicht dienlich ist. Wir wissen schliesslich, dass wir mit den anvertrauten Talenten (Mt 25,14 ff.) handeln und sie vermehren sollen. Wenn wir nicht wachen, sondern schlafen, liegen die Talente brach herum. Wenn wir unsere Monate und Jahre mit Fernsehschauen und Zeitung lesen verschwenden, haben wir am Ende genau so viel, wie am Anfang. Der vom HERRN anvertraute Geldbetrag hat uns nicht einmal Zinsen gebracht, weil wir ihn vor lauter Ablenkung nicht einmal auf die Bank gebracht haben (Mt 25,27).

Versetzen Sie sich einmal in die Lage des HERRN und seine Enttäuschung über faule Knechte! Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Geschäft und hätten den Angestellten verschiedene Aufgaben gegeben. Dann treten Sie nach einer Auslandreise unverhofft in die Räumlichkeiten ihres Geschäftes und sie sähen ihre Angestellten beim Kartenspiel, bei Videogames oder einem Nickerchen. So wie Sie davon nicht beeindruckt wären, wird es der HERR auch nicht sein, wenn Er uns schlafend findet!

Führen Sie aus, was Ihnen aufgetragen ist! Jeder weiss, was ihm vom HERRN aufgetragen ist, keiner soll sagen: „Ich habe keinen Auftrag!“ Wer die Augen offen hält, sieht die Arbeit, wer schläft, weiss nicht einmal, ob es Tag oder Nacht ist. Amen!

Kapitel 14

Vers 1

Es war aber nach zwei Tagen das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List greifen und töten könnten; Mk 14,1

Das Passah und das Fest der ungesäuerten Brote standen kurz bevor. Diese Zeitangabe wird vom Heiligen Geist erwähnt, deshalb möchte ich das kurz kommentieren. Es ist wichtig, Christi Tod im Zusammenhang mit dem Passah zu sehen. Das Passah steht für die Erlösung des Volkes Gottes (2. Mo 12). Das Blut des Passahlammes an den Türpfosten der Häuser liess das Gericht an den Menschen im Haus vorübergehen. Der verderbenbringende Engel trat nicht in die mit Blut bestrichenen Häuser ein. In die Häuser der Ägypter trat er sehr wohl ein und tötete deren Erstgeburt. Die Ägypter verfügten nicht über das rettende Opfer.

Christus wurde zum wahren Passahlamm für die Menschheit (1. Kor 5,7). Er wurde es nicht nur für die Juden allein, Gott weitete die Erlösung auf alle Menschen aus, für jeden, der sich unter den Willen demütigt und das Opfer Gottes annimmt. Heute darf jeder das rettende Opfer annehmen, nicht die Juden allein. Leider finden es immer noch viele Menschen besser, es nicht in Anspruch zu nehmen. Die Konsequenz daraus ist, dass sie einmal ohne rettenden Anwalt und Stellvertreter vor Gott werden erscheinen müssen. Im Gericht werden sie betreffend ihre Sünden in einen argen Argumentationsnotstand kommen. Dann kommen sie unter das Urteil, Gottes Gesetz mit Füssen getreten zu haben, es gibt keinen Menschen, der sich nicht am Gesetz vergriffen hat (Rö 2,1).

Weiter sehen wir die traurige Geschichte von Gottes Volk, das den rechtmässigen HERRN zu töten suchte, welcher nur das Beste für das Volk suchte. Die religiöse Elite fand die Ruhe nicht, ehe sie Ihn getötet hätten.

Vers 2

denn sie sagten: Nicht an dem Fest, damit nicht etwa ein Aufruhr des Volkes entsteht. Mk 14,2 

Wie im vorausgehenden Vers (Vers 1) angedeutet ist, kommt die Bosheit nicht immer offensichtlich daher. Bösewichte denken sich ausgefeilte Pläne aus, um möglichst unauffällig ihre Widersacher aus dem Weg schaffen können. Diese Wahrheit wollen viele „liebe“ Christen nicht sehen und verhalten sich demgegenüber realitätsfremd, indem sie Menschen, die sich boshaft verhalten, immer wieder in Schutz nehmen und ihr Verhalten entschuldigen.

Die religiöse Elite wollte Christus töten. Sie wusste aber, dass das Volk ihn gern hatte und nicht aus heiterem Himmel ihren Mordplänen folgen würde, denn Christus heilte die Kranken aus dem Volk. Würden die Pharisäer Christus beim Fest einfach so festnehmen, würde das Volk kein Verständnis dafür aufbringen und anfangen zu protestieren. Das berücksichtigten die Pharisäer, Schriftgelehrten und die Ältesten in ihrem üblen Plan. Die Bosheit war so ausgeprägt, dass sie für die Ausarbeitung ihres ausgeklügelten Mordplans den ganzen Verstand einsetzten. Sie handelten voll wissentlich. Sie handelten im vollen Vorsatz. Sie handelten planmässig.

Vers 3

Und als er in Betanien war, in dem Hause Simons des Aussätzigen, kam, während er zu Tisch lag, eine Frau, die ein Alabasterfläschchen mit Salböl von echter, kostbarer Narde hatte; sie zerbrach das Fläschchen und goss es aus auf sein Haupt. Mk 14,3 

Christus befand sich bei dem aussätzigen und unfreundlichen Gastgeber Simon. Von einer allfälligen Heilung Simons ist nirgends die Rede, man muss annehmen, dass er zu stolz war, Christus darum zu bitten. Simon bot Ihm nicht einmal das damals übliche Wasser für die Füsse an, um sie von der staubigen Strasse zu waschen (Lk 7,44), was den Verdacht über seinen grossen Unglauben und seine abschätzige Haltung erhärtet. Christus befand sich in feindlicher Atmosphäre, unter Mördern, denn Simon war ein Pharisäer (Lk 7,36 ff.; Vers 40 offenbart den Namen dieses Pharisäers).

In diese bleierne Atmosphäre dringt plötzlich das Licht der Frau, die Christus Gutes tat. Die Frau goss Öl auf das Haupt Christi. Mit Öl wurden Könige gesalbt. Die Frau musste von Christi Erhabenheit etwas geahnt haben. Der Pharisäer war im Gegensatz dazu Christi Person betreffend in jeglicher Hinsicht blind.

Vers 4

Es waren aber einige bei sich selbst unwillig: Wozu ist diese Verschwendung des Salböls geschehen? Mk 14,4

Das ist die natürliche Reaktion der Menschen, die Christi Erhabenheit nicht kennen. Die Menschen sehen zwar in Christus etwas Besonderes, haben aber keine wirkliche Ahnung, wer Er ist. Der römische Hauptmann ahnte etwas und handelte in die richtige Richtung, indem Er Christus in der Rangfolge weit über sich einordnete (Mt 8,8).

Die Menschen die an Simons Tisch waren, hätten Ihr ganzes Hab und Gut verkaufen und damit Christus eine Wohltat machen können; es wäre nichts verschwendet gewesen. Nicht einmal ihre Habe zusammen hätte der ganzen Würde Christi entsprochen; es wäre noch viel zu wenig gewesen. Aber die Leute am Tisch sagen: „Wozu diese Verschwendung?“ – Sie hätten etwas „Besseres“ mit diesem Salböl angefangen, das glaubten sie zumindest.

Wie steht es mit uns? – Reut es uns, für Christus die beste Zeit des Tages zu opfern? Sehen wir Christus auch als so klein an, wie es ein normaler Mensch gegenüber Gott ist, selbst wenn der betreffende Mensch etwas Besonderes ist? Oder sehen wir in Christus Gottes Sohn, der Sohn des Höchsten, dem alle Gewalt gegeben ist? – Ich denke nicht. Wenn das so wäre, würde man ihm viel mehr Ehre geben. Dann kämen einem nicht folgende Gedanken in den Sinn: „Wozu diese Verschwendung (selbst wenn es für Christus ist)?“

Merken wir uns: An Christus kann man nichts verschwenden, selbst alle Jahre unseres Leben nicht (Lk 2,37). Christus ist so erhaben!

Vers 5

Denn dieses Salböl hätte für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können. Und sie fuhren sie an. Mk 14,5

Die Anwesenden fuhren die Frau an, die dem sehr erhabenen Christus, an den die ganze Welt verschwendet werden könnte, eine Wohltat geschehen liess.

So, wie diese Menschen, agieren Gutmenschen und Humanisten, die keine Ahnung von Gott haben. Sie drücken zu ihrer nicht nachvollziehbaren Weltanschauung ihren Eigendünkel der Umgebung auf, sie können nicht einfach neutral und für sich bleiben. Sie geben sich zwar als Gutmenschen aus, sind es aber keinesfalls. Auch die Leute am Tisch Simons glänzten nicht, wie angedeutet. Vielmehr liessen sie diese Frau in voller Härte spüren, als was für eine krasse Dummheit sie ihre Tat an Christus einstuften. Der Einwand kam gemäss der Stelle im Matthäus sogar von den Jüngern.

Die Jünger hatten ihren Lernprozess auch noch nicht abgeschlossen. Dazu begünstigte die schlechte Atmosphäre, wie sie bei Simon vorherrschte, unüberlegte Äusserungen, wie sie dort gemacht wurden.

Vers 6

Jesus aber sprach: Lasst sie! Was macht ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan; Mk 14,6 

Christus akzeptierte die Wohltat voll und ganz und verteidigte die Frau sogar. Keinesfalls akzeptierte Christus das Verhalten seiner Umgebung immer, wie in diesem Fall die Salbung mit Öl. Er akzeptierte nichts, solange es mit seinem Auftrag nicht vereinbar war, selbst wenn Ihn die Menschen in höhere Positionen setzen wollten. Ich denke da zum Beispiel an die Situation mit dem Erbstreit, wo die Menschen Ihn gerne als Richter gesehen hätten. Diesen Wunsch sowie die damit verbundene Anerkennung stiess Er sofort zurück (Lk 12,14).

Christus bejahte lediglich dem Reich angemessene Handlungen und lobte nur in Bezug auf die Wahrheit völlig zutreffende Aktionen, wie die des römischen Hauptmannes, der bekannte, dass er nicht würdig war, dass Christus unter sein Dach träte (Mt 8,8). Dass Christus diese Frau dazu noch verteidigt und sie für ihre Tat zusätzlich im ewigen Wort verewigt (Vers 9), ist sehr erwähnenswert. Solch tiefgehende Zeugnisse der Anerkennung Gottes bekommen nur wenige ausgewählte Leute. Abraham zum Beispiel (1. Mo 22,16 ff.), Daniel (9,23; 10,11) und Rut, welche in die Linie der Vorfahren Christi kam (Rut 4,17 ff.), waren solch speziell geehrte Gottesmenschen, um einige zu nennen.

Die Chance, bei Gott zu Ehren zu kommen, steht für jede Frau und für jeden Mann offen. Wer Ihn ehrt, indem er Ihm dient, wird wiederum geehrt werden. Es ist versprochen, dass der Vater die ehren wird, die dem Sohn dienen (Joh 12,26). Diese herrliche Verheissung, von Gott persönlich Ehre zu bekommen, steht also allen vorbehaltlos offen!

Vers 7

denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Mk 14,7

Christus musste wegen der Schwachheit der Menschen die Tat der Frau in umschreibender Form rechtfertigen. Seine Zuhörer waren noch so unreif, dass sie in Ihm nicht das erkannten, wer Er tatsächlich war. Deshalb umschrieb Er seine Majestät und Herrlichkeit nur mit den Worten: „Mich habt ihr nicht allezeit.“ Das war ein versteckter Hinweis auf seine für Menschen so bedeutende Wichtigkeit.

Mit anderen Worten ausgedrückt heisst das: Christus, der Schöpfer und Retter der Welt, steht in der Rangfolge um Welten vor allen anderen Menschen. Die Gelegenheit, den Armen zu helfen, hat man jederzeit. Die Möglichkeit, Ihm persönlich auf Erden eine Wohltat zu schaffen, beschränkte sich auf etwas mehr als drei Jahre, was die Zeit war, in der Er wirkte. Deshalb sagte Er: „Mich habt ihr nicht allezeit.“

Die Unreife seiner Nächsten drückte sich damit aus, dass sie angefangen hatten, wegen der Wohltat gegen die Frau zu murren.

Vers 8

Sie hat getan, was sie konnte; sie hat im voraus meinen Leib zum Begräbnis gesalbt. Mk 14,8 

Christus umschrieb ihre herrliche Tat auch als (symbolische) Salbung zum Begräbnis. Er machte offenbar, dass Er wusste, bald von Menschen getötet zu werden. Weshalb Er das in dieser dunklen Atmosphäre offenlegte, entzieht sich meiner Kenntnis. Normalerweise hielt Er sich bei vorherrschendem Unglauben mit weitergehenden Offenbarungen zurück und liess Zeichen ganz ausbleiben (Mk 8,12). Christus kannte die Herzen aller Anwesenden. Er verschwendete seine Worte nicht, wie Er uns auch diesbezüglich angewiesen hat. Es musste also einen Grund für diese Äusserung gegeben haben; vielleicht kam jemand von den Anwesenden später, beeindruckt durch das Vorwissen Christi, zum Glauben.

Zugunsten eines Menschen rückte Er sich an dieser Stelle in den Hintergrund. Aus sich selbst hätte Er in dieser Ihm entgegen gerichteten Atmosphäre wohl nichts weiter von sich preisgegeben. Die Frau veranlasste Ihn aber zu handeln. So verteidigte Er sie in jeder Hinsicht. Er sprach, sie habe getan, was sie konnte und führte weiter aus, dass Ihre Handlung gerade passte, wo er ja im Begriff war, für die Menschheit zu sterben.

Vers 9

Aber wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch von dem, was sie getan hat, geredet werden zu ihrem Gedächtnis. Mk 14,9

An dieser Stelle zeigt Christus, der Sohn Gottes, was es für Konsequenzen hat, wenn Er sich für die Segnung eines Menschen entscheidet. Dazu sollen wir wissen, dass Christus es nie nötig hatte, reaktiv, also durch Umstände getrieben, zu wirken. Das hat sich bis heute nicht geändert. Gott setzte von Anfang an einen Plan auf, den Er konsequent verfolgt. Dieser kann von niemandem geschmälert, abgeändert oder gar aufgehalten werden. So souverän und herrlich ist Gott.

Diese Herrlichkeit lassen seine Entscheidungen noch glänzender erscheinen, denn sie sind alle voll geplant und gewollt und somit sehr viel wertvoller, als es durch Umstände erzeugte Entscheidungen sind. Seine Entscheidung für einen Menschen fällt Er nie durch äussere Einflüsse anderer, wie erwähnt. Sein Wille wird nicht durch Mächte, Umstände oder sonstige Begebenheiten beeinflusst; Er verfolgt seine Ziele konsequent und völlig unbeirrt. Die Menschen fällen im Gegensatz viele Entscheidungen, die durch Umstände gewirkt sind. Das hat zur Folge, dass sie lange nicht in jedem Fall gerechtfertigt sind. Ein ranghoher Entscheidungsträger befördert vielleicht die zweite oder gar dritte Wahl seiner Kandidaten, weil sie sich am entscheidenden Tag aufdrängen. Damit Ruhe ist, gibt der besagte Entscheidungsträger nach und lässt den erstplatzierten Kandidaten ungerechtfertigt leer ausgehen.

So etwas geschieht bei Gott nie. Seine Wahl ist immer perfekt. Gerne erwähne ich es nochmals: Er fällt seine Entscheidungen nie einer Gefälligkeit wegen. Er fällt seine Entscheidungen nie eines Drängens wegen. Er fällt seine Entscheidungen nie impulsiv. Er fällt seine Entscheidungen immer ohne Rücksicht auf irgendeine Macht oder Gewalt!

Wenn wir mit diesem Hintergrundwissen betrachten, wie Er diese Frau ehrt, dann erscheint die Ehrung in herrlichstem Glanz! Der Höchste spricht im vollen Willen und Wohlwollen aus: Wegen ihrer Tat wird (nicht nur: soll) mit der Verkündigung des Evangeliums ihrer überall gedacht werden!

Was sind das für herrliche Worte! Was ist das für eine voll geplante, bewusst entschiedene, ins ewige Wort aufgenommene und von aussen unbeeinflusste Ehrung seitens des HERRN! Der HERR ehrt einen Menschen in vollkommener Schönheit, trotz dieser düsteren und Ihm feindlich gesinnten Umgebung, die ein klares oder zumindest neutrales Denken praktisch verunmöglichte.

Was bedeutet das für uns? – Es bedeutet, dass wir voll wachsam und neutral bleiben sollen. Der Feind schafft viele üble Situationen. Wenn wir uns durch diese niederdrücken lassen, trübt das unsere Sinne. Herrlichkeiten erkennen wir nicht mehr als solche an und wir fallen in Gefahr, ungerechte Beurteiler zu werden. Unser Lobpreis wird verstummen, da wir die Herrlichkeit des HERRN auch nicht mehr erkennen. In guten Zeiten entlohnen und würdigen wir vielleicht bereits halbherzig begangene Taten, wogegen wir in schlechten Zeiten sehr gute Taten nicht einmal richtig wahrnehmen. Wer so handelt, handelt nicht Gottes Charakter gemäss. Lassen Sie uns zum Ziel setzen, jederzeit gemäss Gottes Charakter zu handeln! Amen!

Vers 10

Und Judas Iskariot, einer von den Zwölfen, ging zu den Hohenpriestern hin, um ihn an sie zu überliefern. Mk 14,10 

Wenn man diese Zeilen liest und den äusserlichen Gesamterfolg Christi im Dienst am Menschen sowie jenen der Gemeinde betrachtet, mag er sehr dürftig erscheinen. Christus hatte wankelmütige Jünger; nicht einmal die engsten drei vermochten im Garten Gethsemane mit Ihm zu wachen (Mt 26,38-40). Seine Nächsten in seiner Vaterstadt Nazareth wollten Ihn in den Tod stürzen (Lk 4,29) und am Ende tat sich seine ganze Nation zusammen, um Ihn ans Kreuz auszuliefern.

Was fehlte Judas Iskariot noch an Offenbarung, die er in der Zeit mit Jesus nicht hatte bekommen können? Christus ging umher, Zeichen und Machttaten Gottes begleiteten Ihn und alle Prophetie auf den Erlöser hin traf voll und ganz auf Ihn zu: Er wurde in Bethlehem geboren, musste nach Ägypten fliehen und wuchs in Nazareth auf. Nur schon diese drei Begebenheiten geben dafür ein starkes Zeugnis ab. Aber das sind keinesfalls die einzigen erfüllten Prophetien über ihn, da gibt es noch sehr viel mehr! Er war der Gesalbte Gottes! Was hatte Judas da verpasst in der Nachfolge!

Jesus lehrte ja bekanntlich oft, den Jüngern mussten bereits sehr viele Tatsachen über Ihn klar geworden sein, gerade auch diese, dass Er Gottes Sohn ist! Trotzdem – es ist nicht zu verstehen, aber doch immer wieder zu beobachten – verfällt ein wissendes Mitglied seiner Jünger dem Götzendienst, wie in diesem Fall Judas, der geldgierig war.

Wir dürfen uns aber keinesfalls von allfällig ausbleibendem äusserlichen Erfolg entmutigen lassen. Christus liess sich im Plan Gottes auch nicht beirren und kam zum höchsten Ziel: Kein einziger Mensch hat erreicht, was Christus erreicht hat. Etwas unter die Engel erniedrigt (körperlich also schwächer als Satan), besiegte Er trotzdem Hölle, Tod und Teufel in der Kraft Gottes. Das hat kein Mensch vermocht. Niemand konnte sich nur schon aus eigener Kraft aus dem Reich der Toten befreien. So etwas konnte nur Christus erreichen. Er zerriss wie sein Schattenbild Simson den übermächtigen Angreifer in der Luft (Ri 14,5.6), als ob es sich beim jungen Löwen um ein von altem Stoff rissiges Plüschlöwenbaby gehandelt hat. Diesem Schattenbild gemäss erledigte Christus die feindliche Armee. Er sei gelobt! Amen.

Vers 11

Sie aber freuten sich, als sie es hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben; und er suchte, wie er ihn zu gelegener Zeit überliefern könnte. Mk 14,11

Natürlich freute es die Widersacher damals sehr, als sie einen „Maulwurf“, also einen Verräter, für sich gewinnen konnten. Gerne lässt man bekanntlich für die Erfüllung seiner Wünsche auch etwas springen, daher versprachen sie Judas Geld. Und Geld schaltet bei Habgierigen (das sind Götzendiener, Kol 3,5) den Verstand aus.

Wie viele Auserwählte konnte der Feind schon mit Geldködern in ihrem Lauf stoppen! Ich will die genaue Anzahl gar nicht kennen! Wir können da nur unter Tränen ausrufen: Lassen Sie Ihr Werk durch kein Geld zerstören. Gehen Sie auf dem Feld, wo es ohnehin schon wenig Arbeiter gibt (Mt 9,37), unbeirrt weiter in den von Gott gegebenen Aufgaben. Keine Bestechungssumme von Euros, Dollars oder Franken kann den Verlust einer nicht erreichten Menschenseele aufwiegen! Erkennen Sie, wie übel es ist, wenn Sie für Geld die Hände auf dem Acker Gottes sinken liessen. Misstrauischeren Christen wird der Teufel sein Bestechungsgeschenk als eine von Gott kommende Segensgabe deklarieren. Seien Sie daher sehr vorsichtig, wenn ihnen etwas angeboten wird, vor allem dann, wenn Sie durch das Angebot Abstriche im Werk Gottes hinnehmen müssten. Wenn eine vermeintlich gute Sache Ihren Lauf zu stoppen droht, dann tun Sie gut, die Finger davon zu lassen! Amen.

Vers 12

Und am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, als man das Passahlamm schlachtete, sagen seine Jünger zu ihm: Wohin willst du, dass wir gehen und bereiten, damit du das Passahmahl essen kannst? Mk 14,12

Für die Jünger Christi war klar: Es war nicht die Frage, ob sie das Passah halten würden, die Frage war nur wo es stattfände. Die Jünger wussten genau, dass Christus nichts von den Worten des Vaters auslassen würde.

Heute ist das leider nicht mehr überall so. Es ist bei einigen Christen Sitte, sich zu fragen, ob sie am Sonntag überhaupt in den Gottesdienst gehen sollen; ich nenne sie an dieser Stelle „liberale Christen“. Liberale Christen lassen tatsächlich die Möglichkeit offen, unregelmässig in der Gemeinde zu erscheinen. Ihre Frage ist nicht mehr, wie man christliche Anordnungen ausführt, sondern, ob man sie überhaupt noch ausführt.

Lassen Sie für uns keine Frage sein, ob wir christliche Anordnungen befolgen, wie es unter den Jüngern auch keine Frage war. Und lassen Sie uns alle dazu ermutigen, das Wort des HERRN zu befolgen und ermattete Knie und herabgesunkene Hände zu stärken. Amen.

Vers 13

Und er sendet zwei seiner Jünger und spricht zu ihnen: Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der einen Krug Wasser trägt. Folgt ihm! Mk 14,13

Wenn das Einhalten von Gottes Anordnungen für uns keine Frage ist und wir in Wahrheit erkannt haben, dass Gott der HERR in seinem Hause ist und Er die Herrschaft nicht aus der Hand gibt, dann werden wir seine Anordnungen nicht irgendwie und in irgendwelcher Qualität ausführen. Wir werden Ihm vielmehr in seiner Eigenschaft als HERR begegnen. Das führt dazu, dass wir seine Wünsche abholen werden, ohne kopflos draufloszurennen und einfach irgendetwas zu tun, was uns dazu gerade so in den Sinn kommt. Gott, der unsere Münder und Sprachen geschaffen hat, kann selber auch reden und von uns, in der Erwartung einer Antwort, befragt werden.

Unser Lehrer, Christus, machte es uns vor, wie man im Hause Gottes in angemessener Weise vorgeht: Der Hausherr ist zu ehren, indem man Ihn fragt. Vor der Auserwählung der zwölf Jünger betete Er eine ganze Nacht hindurch (Lk 6,12.13). Er wollte die Wahl der Jünger nicht dem Zufall, sondern der väterlichen Auswahl überlassen. In dieser Haltung sollen wir Gott als den Hausherrn in Gemeindebelangen fragen.

Vers 14

Und wo er hineingeht, sprecht zu dem Hausherrn: Der Lehrer sagt: Wo ist mein Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passahmahl essen kann? Mk 14,14

Wer den Vater um Weisung fragt, wird entsprechende erhalten. Die Weisung des Vaters lässt uns am Geschehen im Reich teilhaben, wie wir in diesem Vers sehen: Der Hausherr musste eine Verbindung zu Gott haben. Entweder hatte er von Ihm empfangen, er solle sein Gastzimmer für das Passah nicht für sich selbst reservieren, da es noch gebraucht werden würde oder der Hausherr hatte selbst den Wunsch vor dem himmlischen Schöpfer dargebracht, im Reich doch irgendwie nützlich sein zu dürfen, zum Beispiel mit der Bereitstellung des Gastzimmers, um Durchreisenden die Feier des Passah zu ermöglichen. Beide Fälle setzten eine bestimmte Portion Demut dieses Hausherrn voraus; der Himmlische Vater beansprucht nicht Besitz von Gottlosen für derart heilige Veranstaltungen mit Personen ersten Ranges.

Offensichtlich ist jedenfalls durch die vom HERRN den Jüngern vorgegebene Frage, dass der Hausherr, der über dieses Gastzimmer verfügte, vorinformiert war. Die Frage ist eine Frage, die man in dieser Form nur Eingeweihten stellt. Dieserart Frage stellt man nicht einer Person, die von gar nichts weiss; sie hätte sich darüber erstaunen oder sich verärgern können.

Daraus lernen wir, dass uns der Himmlische Vater in das Netzwerk mit seinen engen Mitarbeiter einbindet, wenn wir selbst durch den Gehorsam zu engen Mitarbeitern mutieren. Er führt uns dann von einer Kontaktstelle zur anderen oder lässt uns von Zeit zu Zeit selbst zu einer solchen werden. Und wir werden sehen: Es ist herrlich, so im Reich zu arbeiten! – Ungläubige können das nicht verstehen. Die aber den HERRN suchen, verstehen alles (Spr 28,5).

Vers 15

Und er wird euch einen grossen Obersaal zeigen, mit Polstern ausgelegt und fertig. Und dort bereitet es für uns! Mk 14,15

Die Jünger hatten die Anweisung, jemandem zu folgen, der einen Wasserkrug trug. In dem von diesem Diener im Anschluss aufgesuchten Haus sollten die Jünger den Hausherrn nach dem Gastzimmer fragen, worauf der Hausherr, wie darauf vorbereitet, den grossen Obersaal zeigen würde. Dort sollten sie das Passah vorbereiten.

Zweifelsfrei konnte sich dieser Hausherr sehr glücklich schätzen, dass der HERR, der das ganze Universum geschaffen (Kol 1,16) und alle Gewalt inne hat (Mt 28,18), ausgerechnet bei ihm einkehrte. Das war ein gewaltiges Vorrecht, das viele gerne gehabt hätten.

Uns ist dieses herrliche Angebot wieder zugänglich, der HERR kommt zu uns, wenn wir uns in der Mehrzahl zu Ihm hin versammeln. Das tut er zwar noch nicht so, dass wir Ihn sehen und anfassen können. Er sagt aber, dass es zweifelsfrei so ist (Mt 18,20), was wir getrost glauben können, da sich kein einziges seiner Worte als falsch erwiesen hat. Das ist ein unglaublicher Segen, der, wenn man sich umschaut, in der Tiefe von vielen noch nicht verstanden ist.

Vers 16

Und die Jünger gingen hinaus und kamen in die Stadt und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte; und sie bereiteten das Passahmahl. Mk 14,16

Vom HERRN wunderbare Anweisung zu bekommen, die sich dann – wie könnte es anders sein – bewahrheitet, ist herrlich. Aber es ist nicht nur das. Es ist auch sehr entlastend. Wenn der HERR nichts gesagt hätte, so hätten die Jünger zur Zeit des Passahfestes, wo sich ganz Israel in Jerusalem versammelte, in Eigenregie schauen können, einen für dreizehn Personen geeigneten Platz zu finden. Das hätte sich leicht zu einer unmöglich zu erfüllenden Mission entwickeln können.

Vers 17

Und als es Abend geworden war, kommt er mit den Zwölfen. Mk 14,17

Am Abend kam Er selbst mit den Seinen an diesen Ort um selbst das Passah zu halten. Er, das wahre Befreiungsopfer der Menschheit, feierte das Passah. Er ist die Erfüllung des Passah. Das Passah schattete Ihn lediglich voraus. Denn wer das Passah vor dem Auszug aus Ägypten hielt und das Blut des Lammes an die Türpfosten strich, blieb verschont vom Todesengel. In Häuser mit nicht mit dem Blut des Lammes bestrichenen Türpfosten trat der Engel ein und richtete Verderben an. Der erste Korintherbrief bestätigt uns, dass Christus die Erfüllung dessen ist, was mit dem Passah angedeutet wurde:

Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid! Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. 1.Kor 5,7

Das Passahlamm durfte absolut keinen Makel haben und es wurde geschlachtet, damit Menschen nicht unter das Gericht des Todesengels kamen. Christus hatte absolut keinen Makel (1. Petr 2,22) und wurde ebenfalls für Menschen geschlachtet, damit sie nicht unter das Gericht der Hölle kommen.

Wie vorausgehend erwähnt kam, um alles zu erfüllen, das wahre Lamm Gottes (Offb 7,17 u. v. a.) und hielt mit seinen Jünger Passah, um nachher selbst als wahres Passahlamm geopfert zu werden, zum Leben für alle Gläubigen.

Vers 18

Und während sie zu Tisch lagen und assen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern, der, welcher mit mir isst. Mk 14,18

Christus sprach die Auswahl seiner Jünger mit dem Vater ab. Er betete eine ganze Nacht hindurch (Lk 6,12.13), bevor Er seine Jünger erwählte. Es war offensichtlich, dass Er wusste, unter den Jüngern einen Maulwurf, also einen Verräter, zu haben, was Er an dieser Stelle offen ansprach. Die Bibel spricht von unbewährten Jüngern und dass Gott solche zulässt, damit die bewährten offenbar werden. Zwischen Bewährten und Unbewährten, zwischen guten und faulen Bäumen gibt es eine Scheidung, in der es für alle offenbar sein wird, wer wirklich für den HERRN war und wer nicht, wie geschrieben steht:

Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden. 1.Kor 11,19

Bewährte wie Unbewährte kann man als Vorbilder heranziehen, um damit positive oder negative Beispiele anzuführen. Grundsätzlich will niemand im Reich mit Judas Iskariot oder ähnlich unbewährten Jüngern verglichen sein, vielmehr will man in die Aufzählung der Bewährten im Hebräer 11 gereiht werden.

Wir sollen mit grösster Sicherheit wissen, dass der Teufel von seinen Leuten einige in die Gemeinden hineinschleust (Mt 13,36 ff.). Dies tut er in der Hoffnung, sie zugrunde zu richten, was auch passiert, wenn darin keine Bewährten aufpassen. Es gibt sie, die „schwarzen Schafe“, die heuchlerisch Bibelverse daher sagen, aber im Herzen böse Absichten hegen. Viele landes- und freikirchliche Gemeinden sind wegen solcher Leute geistlich eingeschlafen.

Achten wir auf unsere Heimat, auf die Gemeinde, in die uns der HERR gestellt hat, um diese negativen Beispiele gemäss Mt 18,15 ff. auf ihre Wege aufmerksam zu machen und die Gemeinde heilig zu erhalten. Wer Mt 18 nicht anwendet, fördert den Zerfall seiner Heimat. Selbst wenn er den Zerfall „nur“ durch rein passives Verhalten kommen lässt, fällt er unter das Urteil, das Wort des HERRN verworfen zu haben.

Vers 19

Sie fingen an, betrübt zu werden und einer nach dem anderen zu ihm zu sagen: Doch nicht ich? Mk 14,19

Judas Iskariot wusste, dass er der Verräter war. Bei den anderen sorgte ihr intaktes Gewissen für eine gesunde Portion Unsicherheit. Deshalb fragten sie: „Doch nicht ich?“

Es ist besser, wenn wir uns selbst üble Dinge zutrauen, als eine zu gute Meinung von uns zu haben. Ohne den Schutz des HERRN (Ps 37,23) können wir schnell in eine Falle unserer Begierden tapsen (1. Petr 2,11). Diese können mächtig sein, selbst Barnabas war nicht immer davor nicht gefeit (Gal 3,13). Die alte und sehr böse Natur trägt selbst der wiedergeborene Mensch immer noch mit sich herum, bis er stirbt. Die Bibel fordert uns solange auf, diese üble Natur im Tode zu halten, was bedeutet, sie nicht hochkommen bzw. sie nicht an die Schaltzentralen unseres Willens kommen zu lassen (Rö 6,11.13).

Demütige Christen wissen von ihren Unzulänglichkeiten und führen kein selbstherrliches Leben. Sie sind nicht von sich so überzeugt, keine Sünde mehr zu tun, vielmehr sind sie sich ihrer Schwachheiten bewusst. Die Jünger waren so eingestellt und schlossen daher nicht aus, zu weiteren Fehlern fähig zu sein

Vers 20

Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir das Brot in die Schüssel eintaucht. Mk 14,20

Christus wusste als Gottes Sohn, dem alle Gewalt übergeben war, der selbst die ganze Erde geschaffen hatte (Kol 1,16), alles im Voraus. Damit zeigte Er eine Facette seiner Allmacht. Es war und ist Ihm heute noch nichts verborgen.

Um der Schwachheit der Menschen willen legte Er offen, dass Er – völlig freiwillig und im Bewusstsein des Übels, der Bosheit und der Gottesablehnung, die in den Menschen wohnen – den Weg für die Lösung des Sündenproblems gehen wollte, um die Menschen zu retten, die bei Gott Zuflucht suchen und an seinen heiligen Namen glauben. Er wusste alles von der Ablehnung der Menschen, welche zu seiner eigenhändigen Schöpfung gehören. Er wusste von den Qualen, die Ihm die Menschen weiterhin bereiten würden. Niemand sollte denken, das Schicksal habe Ihm einfach übel mitgespielt, wogegen Er sich nicht hätte wehren können.

Was Er tat, geschah völlig freiwillig, aus reiner Retterliebe zu den Menschen und, wie erwähnt, im völligen Bewusstsein über die Bosheit der Menschen, die fähig sein würden, ihn ans Kreuz zu schreien (Mk 15,13.14; Lk 23,21; Joh 19,6.15), obwohl Er das Volk, überhaupt die ganze Menschheit geschaffen und ihr nur Gutes getan hatte.

Die Jünger sollten wissen, dass Er alles wusste, auch vom Verrat Judas‘, und dass Er dabei bequem hätte eine Befreiungsarmee bestellen und dadurch ebenso locker und völlig unversehrt zum Vater hätte zurückkehren können (Mt 26,53).

Vers 21

 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht. Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre. Mk 14,21

Durch diese Aussage wissen wir, dass Judas – nach drei Jahren Jüngerschaft mit dem HERRN – sich selbst das gerechte Urteil der Hölle aufgeladen hat (Offb 19,20). Solches wissen wir durch die Schrift nur noch vom Teufel, dem Tier, dem falschen Propheten, dem Tod und dem Hades und von denen, die das Malzeichen annehmen werden. Aber einen weiteren Vers, der einen menschlichen Kandidaten für die Hölle so namentlich erwähnt, kenne ich keinen. Wir können aber berechtigterweise annehmen, dass es allen Zornbeispielen Gottes wie Judas Iskariot ergehen wird, wie beispielsweise dem Pharao in Ägypten, der den Kindermord angeordnet hatte.

Weiter zeigt diese Feststellung Jesu unmissverständlich auf, dass das Urteil für die Hölle irreversibel ist. Es wird nicht nach tausend oder zehntausend Jahren aufgehoben, um den verurteilten Menschen dann doch noch in die ewige Herrlichkeit aufzunehmen. Sonst würden die anschliessenden Millionen von Jahren in der Herrlichkeit die Strafe verblassen lassen. Christus sagt aber: „Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre.“ Dies sagt aus, dass Judas Iskariot in ein so krasses Gericht kommt, dass eben besser gewesen wäre, wenn er nicht geboren wäre. Es kommt nie wieder gut für diesen Menschen, auch nach einer Milliarde von Jahren nicht, sonst würde er ab dann doch noch in den ewigen Genuss des Reiches kommen. Das wird aber durch die Aussage Christi explizit ausgeschlossen.

Täuschen wir uns nicht, liebe Geschwister! Die Sachlage ist sehr ernst. Wenn Sie evangelisieren, hat das nichts mit einem Spiel zu tun. Am Ende werden Menschen zum ewigen Leben antreten. Am Ende werden aber auch Menschen zur ewigen Strafe antreten (siehe auch Jud 1,7).

Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben. Mt 25,46

Wenn Sie Jünger ermahnen, dann retten Sie sie vielleicht vor sehr krassen Gerichten!

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, Hebr 10,26

Lassen Sie uns treu in der Nachfolge bleiben und keinesfalls mit dem Feuer spielen! Es gibt sie nämlich, die Menschen, die den Bogen überspannt haben. Israel musste sich beispielsweise ernsthaft fragen, ob sie es waren, die nach ihrer Verwerfung den Bogen überspannt hatten (siehe auch Hes 24,13; Jer 14,19):

Oder solltest du uns endgültig verworfen haben, allzu zornig sein über uns? Klgl 5,22 

Weiter sollen wir wissen: Sei ein Mensch gottesfürchtig oder sei ein Mensch gottlos, beide kann der HERR für seine Zwecke benutzen: Er setzt den Gottesfürchtigen als Gnadenbeispiel, den Gottlosen als Zornbeispiel, wie den Pharao in Ägypten. Der Pharao hatte mit dem Befehl zur Ermordung der israelitischen Knaben den Bogen überspannt.

Da gebot der Pharao seinem ganzen Volk: Jeden Sohn, der geboren wird, sollt ihr in den Nil werfen, jede Tochter aber sollt ihr am Leben lassen! 2.Mose 1,22

Gott benutzte den Pharao danach als Zornbeispiel; Gott verhärtete sein Herz so sehr, dass der Pharao sich nicht mehr zu Gott wenden konnte.

Das ist eine sehr ernstzunehmende Warnung! Wir sollen nicht denken: „Kommt, lasst uns drauflos sündigen, damit die Gnade zunehme!“ Es ist mir durchaus bewusst, dass sich dieses Denken in vielen Kirchen, Freikirchen eingeschlossen, breit gemacht hat, in dessen Kontext man Gottlose in ihrem Tun stärkt (Jer 23,14). Statt sich von Ehebrecherinnen, Ehebrechern und allen weiteren vorsätzlich sündigenden Christen zu distanzieren, stärkt man ihre Hände sogar noch, indem man pauschale Gnade predigt, was für die Fehlbaren und dessen „Betreuer“ fatalste Folgen haben wird. Wenn der Bogen einmal überspannt ist, ist er überspannt, dann gibt es schon zu Lebzeiten kein Zurück mehr, wie es bei Judas Iskariot schon zu Lebzeiten bereits kein Zurück mehr gab!

Vers 22

Und während sie assen, nahm er Brot, segnete, brach und gab es ihnen und sprach: Nehmt, dies ist mein Leib! Mk 14,22

Wir lesen hier, wie Christus an jenem Passah, das Herrenmahl (oder auch Abendmahl) einsetzte. Das Herrenmahl sollte fortan von seinen Nachfolgern eingenommen werden, Er spricht unmissverständlich: „Dies tut (Lk 22,19)!“ Die Christenheit soll das Herrenmahl zu seinem Gedächtnis zelebrieren (Lk 22,19). Das Herrenmahl wird auch gefeiert, um die Einheit der Christen zu demonstrieren. Christen sind nicht so verbunden, wie es Parteikollegen derselben Partei sind. Christen sind es viel mehr, sie sind in den Leib Christi eingewoben. Wie das Brot und der Wein vom Körper aufgenommen wird und daraus nicht mehr extrahiert werden kann, haben wir Christus in unsere Leben aufgenommen und Er uns in seinen Leib, wie geschrieben steht (siehe auch Eph 1,23):

so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander. Röm 12,5

Mit dem Abendmahl bringen wir zum Ausdruck, dass wir an seinem Tisch, dem Tisch des grossen Königs sitzen dürfen; der zweite Teil des nachfolgenden Verses 21 aus dem Korintherbrief drückt das analog den Evangelien ebenfalls aus. Der nachfolgende Vers deutet zudem auf eine geforderte Entscheidung und Reinheit hin.

Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilnehmen und am Tisch der Dämonen. 1.Kor 10,21

Der Tisch des HERRN ist in Anstand und Ordnung einzunehmen, wer unordentlich als Christ lebt, lädt sich Gerichte auf, wenn er das Abendmahl nicht zelebriert, da es angeordnet ist und/oder wenn er sich durch ein Lotterleben unwürdig gemacht hat, am Tisch des HERRN gesehen zu werden, wie geschrieben steht:

28 Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.
29 Denn wer isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib des Herrn nicht richtig beurteilt.
30 Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen.
31 Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. 1.Kor 11,28-31

Liebe Geschwister, lasst uns das Abendmahl regelmässig in jeder Versammlung halten, sei es zum Gebet, zum Bibelstudium oder zur Hauptversammlung. Es ist ein grosses Vorrecht, am Tisch des HERRN zu sitzen und das Herrenmahl zu zelebrieren. Amen!

Vers 23

Und er nahm einen Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Mk 14,23 

Zum Brot gehört der Wein. Die Kirche, die den Jüngern den Wein versagt, handelt anmassend. Christus hat die alttestamentliche Hierarchie der Priesterschaft abgeschafft (Mt 23,8-10). Was Christus abgeschafft haben, haben Menschen, die es besser wissen als Gott selber, wieder eingeführt: Eine priesterliche Klasse, welche von Christus verabscheut (wörtlich: gehasst) wird, da sie auf illegaler Basis steht (Offb 2,6). In einigen kirchlichen Organisationen wird, wie erwähnt, der Abendmahlswein den Jüngern vorenthalten und ist nur zur Einnahme für die selbsternannten Priester vorgesehen, was in keinem Fall auf einer göttlich-legalen Basis steht. Da kann man sich erklären, wie man will, die Rechtfertigung dazu, sei sie komplex oder einfach, bleibt illegitim.

Wie Christus angeordnet hat, nahmen alle Jünger vom Brot und vom Wein, auch Judas Iskariot, wie es aus dem Kontext von Lukas hervorgeht (Lk 22,20.21); der Textfluss dieser Verse zeigt, dass sie im chronologischen Zusammenhang stehen. Judas war somit der erste Jünger, der unwürdig vom Mahl genommen hat, was den Tod zur Folge haben kann (1. Kor 11,29.30). Kurz darauf war Judas tot. Er starb mit dem irreversiblen Urteilsspruch der Hölle, obschon er reumütig das Geld seines Verräterlohnes zurück in den Tempel brachte. Trotz seiner langen Jüngerschaft hat er nicht kapieren wollen, um was es ging.

Wie Christus ihm das Mahl nicht verwehrt hat, sollen wir es niemandem, der sich Jünger nennt, verwehren. Jeder Jünger darf es eigenverantwortlich einnehmen. Wir dürfen nicht über andere entscheiden, wer zum Mahl zugelassen ist, solange sich jemand zu Christus bekennt (1. Kor 11,28). Gott richtet jene, die in Sünde leben wollen. Bei Ungläubigen ist die Sachlage klar: Diese haben selbstverständlich keinen Zutritt zum Mahl des HERRN.

Vers 24

Und er sprach zu ihnen: Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Mk 14,24

Beim Brot sagte Er: „Dies ist mein Leib.“ Beim Wein sagt Er: „Dies ist mein Blut.“ Damit unterstrich der HERR mit dem neu eingeführten Abendmahl, was Er im Johannes 6 bereits gesagt hatte:

53 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag; Joh 6,53.54

Bereits Israel ass in der Wüste symbolisch Christus mit dem Brot, das vom Himmel herab kam (Joh 6,58a). Da es sich nur um ein Schattenbild handelte, hatte es nicht die Wirkung, die Christus persönlich ausübt. Daher starben die Israeliten trotz des Essens dieses Schattenbildes (Joh 6,58b).

Der Mensch ist aus Ton gemacht; Gott hat als Töpfer das Material für den Menschen von der Erde genommen. Das Tongefäss Mensch soll Gott vollständig in sich aufnehmen (essen). Wer das tut, hat gemäss der Aussage in Johannes 6 ewiges Leben. Wer diese Anweisung Christi nicht befolgt, hat das Leben nicht. Eine solche Person lässt sich vielmehr als Tongefäss von allerlei Unrat füllen, denn was geistlich ist, aber nicht von Gott kommt, das kommt von der Gegenseite. Wir wissen, dass die Gegenseite stets bemüht ist, den Menschen antichristliche Dinge ins Herz zu streuen (Joh 13,2) und darauf erpicht ist, die göttlichen wegzunehmen (Lk 8,12).

Vers 25

Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, da ich es neu trinken werde im Reich Gottes. Mk 14,25

Christus sehnte sich mit grosser Sehnsucht danach, das hohe Fest Gottes im Kreise seiner Jünger zu feiern (Lk 22,15). Nachdem Er in den Genuss dieses Festes gekommen war und wusste, dass jetzt eine sehr lange Trennung anstand, nämlich eine Trennung von 2000 Jahren bis zu seiner Wiederkunft und der glücklicherweise damit verbundenen Auferstehung seiner Jünger, brachte Er auf schönste Art zum Ausdruck, dass Er die Jünger in der Zwischenzeit sehr vermissen werde. Dies brachte Er in seiner feinen Art mit diesem Satz zum Ausdruck. Er sagte damit aus, dass Er keine Lust haben werde, sich zurückzulehnen und seiner Seele zu sagen: „Lehne Dich zurück, habe Frieden und geniess die Zeit im Königspalast!“ Er wolle sich nicht am Wein laben, bis alle Glieder seiner Familie nach Hause gekommen sind, ist die Aussage! Er liebt seine Jünger, das sagt Er offen heraus! Und dafür sei Er gepriesen in Ewigkeit! Amen.

Vers 26

Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus zum Ölberg. Mk 14,26

Gotteslob ist ein zentrales Element im Leben eines Gläubigen. Wer Gott ehrt, wird wiederum geehrt werden. Auch ist jemandem, der lobpreist, Hilfe zugesichert, wie die Schrift sagt (Ps 18,4; Ps 37,4). Christus wendete selbst den Lobpreis an und lehrte darin seine Jünger.

Gemäss Lukas 22,39 gehörte es zur Gewohnheit Christi, beim Aufenthalt in Jerusalem, Zeit auf dem Ölberg zu verbringen. Der Ölberg war also ein den Jüngern bekannter Aufenthalts- bzw. Rückzugsort Christi, was Judas für seinen Verrat ausnutzte.

Vers 27

Jesus spricht zu ihnen: Ihr werdet euch alle ärgern, denn es steht geschrieben: »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden.« Mk 14,27

Christus sagt in diesem Vers nochmals die Zukunft betreffend seine Person voraus. Wenn der Hirte (der Schafe) geschlagen wird (ans Kreuz gebracht wird), dann werden die Jünger vor der aufkommenden Verfolgung und angesichts der Schächer der Hohepriester und der römischen Soldaten nicht standhaft sein werden. Dies drückt der HERR mit dem Wort „ärgern“ aus, was übersetzt „Anstoss nehmen“ oder „einen Anlass zur Sünde nehmen“ bedeutet.

Wie wir wissen, nahmen sie den Anlass zur Sünde und zersprengten sich. Alle flohen und standen nicht zum HERRN, obschon sie das vorher lautstark beteuert hatten (Mk 14,31).

Vers 28

Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen. Mk 14,28

Wieder eine Prophezeiung des HERRN über die damals kurz bevorstehenden Dinge. Und wie jede einzelne Prophezeiung eingetroffen war, traf auch diese ein. Kein einziges Wort des HERRN, ich habe es bereits an mehreren Stellen erwähnt, schlug fehl. Alles, was Er sagt, wird wahr. Ob er Ereignisse voraussagt oder Materie ins Sein ruft oder lebendige Wesen erschafft: Es wird alles Wirklichkeit. Gott ist die Spitze der Souveränität: Er tut, was Ihm wohlgefällt, Er kann und vermag alles! Amen!

Nach seiner Auferstehung ging Jesus den Jüngern voran nach Galiläa, wie es geschrieben steht (Mk 16,7):

16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.
17 Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten.
18 Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Mt 28,16-18

Jedes einzelne Wort des HERRN wurde zu 100% wahr. Kein einziges wurde nur zu 95% wahr. Es traf immer alles genau so ein, wie Er es sagte und wollte. Das ist Macht! Das ist Souveränität! Das ist Herrlichkeit!

Fassen Sie Vertrauen in den HERRN. Fassen Sie Vertrauen in den allmächtigen Gott! Amen!

Vers 29

Petrus aber sprach zu ihm: Wenn sich auch alle ärgern werden, ich aber nicht. Mk 14,29

Viele Menschen kennen ihre eigenen Grenzen nicht und überschätzen sich. Jeder Christ meint anfänglich, er würde in jedem Fall für seinen HERRN sterben. Wird er dann aber mit einer wirklichen Todesgefahr konfrontiert, kommt zutage, was er in Wahrheit tut.

Petrus griff zwar zur Verteidigung des HERRN zum Schwert, doch am Ende floh er auch und verleugnete den HERRN dreimal vor den Umstehenden im Hof des Hohepriesters. Einmal tat er das sogar mit einem Eid (Mt 26,72).

Wir tun gut, wenn wir Jakobus 1,19 beherzigen:

Ihr wisst doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn! Jak 1,19

Wir sollen langsam zum Reden sein. In der Welt gibt es viel zu viele geschwollene Reden, in denen das Meiste nicht mehr als „heisse Luft“ ist; meist sind es nur leere Worthülsen auf die keine Taten folgen. Lassen Sie uns als Christen weiser sein und aus der Geschichte des Apostels Petrus lernen. Hätte sich Petrus mit seinen versichernden Worten zurückgehalten, würde seine Verleugnung Christi seine falsche Selbsteinschätzung nicht so markant beleuchten.

Vers 30

Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, dass du heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, mich dreimal verleugnen wirst. Mk 14,30

Obschon Christus im Blick auf die bevorstehende Kreuzigung ganz andere Sorgen hatte, kümmerte Er sich weiter fürsorglich um seine Jünger (Joh 13,1b). Er hätte sich voller Sorgen von Petrus, dem in seiner grössten Angst untreuen Jünger – der im Begriff war, Ihn zu verleugnen – abwenden oder ihn zumindest hart schelten können. Dies tat Er aber nicht. Er wusste von der unendlichen Schwachheit der Menschen, die sich oftmals hinter starken Worten verbirgt, welche wiederum, wie erwähnt, nur leere Worthülsen sind.

Christus verniedlichte Petrus‘ Zustand aber keineswegs. Er sagte ihm geradeheraus, wie falsch er sich in den kommenden Stunden als Jünger verhalten werde.

Vers 31

Er aber sprach nachdrücklich: Wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso aber sprachen auch alle. Mk 14,31

Wer sich selbst überschätzt, belässt es selbst dann dabei, wenn er von jemandem ermahnt wird, der es bestimmt besser weiss. Das können ältere Geschwister bestätigen. Da sieht man Junge, die sich in voller Euphorie dem HERRN verschreiben, ohne jegliche Kostenschätzung zu machen, wie geschrieben steht:

28 Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe?
29 Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten,
30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden. Lk 14,28-30

Sich bereits in jungen Jahren voll dem HERRN zu verschreiben, ist sehr gut. Trotzdem sollte der Mund nicht allzu voll genommen werden. Die Jünger wussten alle, dass Christus nie einen Fehler gemacht hat. Trotzdem widersprachen sie Ihm.

In welchem Punkt getrauten sie sich, Ihm zu widersprechen? – Im Punkt, ihre Person betreffend, widersprachen sie. Christus sagte ihnen lediglich, dass sie sich nicht so gut verhalten werden, wie sie es von sich glaubten, es zu tun. Obschon die Jünger die Allwissenheit des HERRN hätten kennen sollen, verneinten sie seine Aussage.

Vers 32

Und sie kommen an ein Gut mit Namen Gethsemane, und er spricht zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, bis ich gebetet habe! Mk 14,32

Was jetzt folgt, ist nicht in Worte zu fassen. Zumindest ist es für Menschen nicht zu beschreiben, die solche Freunde um sich haben, wie Christus sie auf dem Weg zum Kreuz um sich hatte. Könige oder Präsidenten, die in die Entscheidungsschlacht ziehen, haben Heerführer und Generäle in der Gefolgschaft, die sich zusammen mit ihrem Oberhaupt die Nächte um die Ohren schlagen. Die Nächsten der Könige und der Präsidenten wachen mit ihnen. Das gehört sogar zur selbstverständlichen Ordnung dieser (bösen) Welt.

In den nachfolgenden Versen sehen wir die Reaktion der Jünger Christi, ihr Verhalten auf seinem Weg in eine für sündige Menschen unmögliche und alles fordernde Mission, dem Showdown zwischen Licht und Finsternis, der abschliessenden und entscheidenden Schlacht zwischen der Übermacht der Engel (Teufel und seinem Gefolge) und dem Menschenopfer (Christus).

In dieser Schlacht ging es nicht um beispielsweise die Normandie im Zweiten Weltkrieg. Es ging nicht um ein Teilgebiet dieser Welt bzw. um Sieg oder Niederlage eines Volkes oder einer Allianz gegen ein anderes Volk oder gegen ein anderes Bündnis. Es ging um viel mehr: Alles oder nichts stand auf dem Spiel, die ganze Schöpfung lag symbolisch gesprochen als Einsatz auf dem Tisch. Es ging um den Triumph des Teufels über Gott oder den Triumph Gottes über den Teufel.

Der Teufel hatte äusserlich gesehen seit dem Fall Adam und Evas den scheinbaren Sieg in der Tasche. Er plante, Gott mit den eigenen Waffen zu schlagen, nämlich mit der unbiegsamen göttlichen Gerechtigkeit. Der Teufel setzte daher alles daran, den Menschen vor Gott in Ungnade zu bringen, dass diese Gerechtigkeit ins Spiel komme. Der Mensch sollte in seinen Augen das Gesetz Gottes brechen und damit in Sünde fallen. Dann müsste Gott den Menschen gerechterweise verurteilen und hätte damit seine Schöpfung insgesamt verloren, die an die Krone derselben, den Menschen, gebunden ist.

Der Plan des Teufels schien aufzugehen. Er brachte den Menschen durch die Übertretung des damals einzigen Gebotes Gottes, nicht vom verbotenen Baum zu essen, in Übertretung und somit unter die Sünde. Obschon Gott allen Menschen das Gewissen und später seine Moralvorgaben in Form des Gesetzes (dem Volk Israel) übermittelte, beweist uns die Geschichte, dass sich der gefallene Mensch vor Gott nicht so verhalten konnte, wie er es hätte tun sollen, dass er am Leben geblieben wäre. Der Mensch wurde Sklave der Sünde und unterlag dem Feind Gottes, dem Tod. Der Tod gehört zu den Feinden Gottes, denn es war nie Gottes Absicht, die Menschen sterben zu lassen. Gott warnte den Menschen deshalb explizit vor der Übertretung und führte ihm die Konsequenzen ungeschminkt vor die Augen (1. Mo 2,17).

Der Mensch versagte aber und starb. Und all seine Nachkommenschaft starb, trotz Gewissen und Gesetz. Der Sieg schien der des Teufels zu sein. Doch dann kam der durch die ganze Schrift im Voraus angekündigte Messias, der Retter der Menschen und somit der Retter der Schöpfung und der Ehre Gottes. Geboren in Betlehem (Mi 5,1), geflüchtet nach Ägypten (Mt 2,15), aufgewachsen in Nazareth (Mt 2,23), kam Christus und blieb im Willen des Vaters, um in der abschliessenden und entscheidenden Schlacht, nach diesem Aufenthalt in Gethsemane, alle bösen Mächte des Gegenspielers Gottes im totalen Sieg öffentlich vorzuführen und zur Schau zu stellen (Kol 2,15).

In den folgenden Versen werden wir, wie eingangs erwähnt, sehen, wie sich seine Nächsten in seiner schwersten Stunde, der Stunde vor der alles entscheidenden Schlacht, verhalten hatten.

Vers 33

Und er nimmt den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an, sehr bestürzt und geängstigt zu werden. Mk 14,33

Seine drei engsten Jünger: Petrus, Jakobus und Johannes – nur sie allein hatten Zutritt bei besonderen Ereignissen (Mt 17,1 ff.; Mk 5,37) – hätten Ihm in seiner grössten Angst beistehen dürfen, wenn sie die Gelegenheit ergriffen hätten. Die anderen Jünger durften das nicht, sie waren zu unreif dafür. Den Unterschied zwischen den Jüngern, den Jesus da gemacht hatte, ist sehr aufschlussreich: Nicht jedem Christen steht alles einfach so offen. Nicht jeder darf ohne Weiteres in die Nähe des HERRN kommen und in die Geheimnisse des Reiches Einblick haben. – Wer darf dem HERRN dienen? – Die Schrift macht da klare Aussagen:

Wer auf vollkommenem Weg wandelt, der darf mir dienen. Ps 101,6b

Im Reich gibt es verschiedene Personengruppen unter den wiedergeborenen Menschen, den echten Christen also. Die sich nur dem Namen nach so nennen, berücksichtige ich an dieser Stelle nicht, denn das sind gewöhnliche Menschen aus den Nationen, die nicht an die Erlösung in Christus glauben. Von denen sagt die Heilige Schrift, dass sie Menschen sind, die Holz und Stein dienen.

Echte Christen sind Menschen, die Christus in Wahrheit angenommen haben. Auch diese Gruppe von Menschen ist sehr vielschichtig. Darin gibt es Menschen, die den Namen des HERRN in allem zieren, aber auch solche, die den Namen des HERRN in den Dreck ziehen, indem sie Ihn durch ein Lotterleben als Lügner hinstellen. Durch ein böses Leben behaupten letztere, der HERR sei ungerecht und lasse am Ende Böse und Gute gleichermassen ins Reich hinein. Deshalb dürften sie tun und lassen, was sie wollen. – Wer dermassen agiert, wird in ein übles Gericht kommen (Rö 3,8).

Als weitere Gruppe gibt es noch die Christen, die ihr Leben lang nicht so richtig in die Gänge kommen. Durch zu viele Sachen lassen sie sich immer wieder vom Vorhaben, dem HERRN richtig zu dienen, ablenken. Leider taugen solche nicht dazu, in die Arbeit und in tiefere Geheimnisse des Reiches eingeführt zu werden. Ihr Leben plätschert so dahin, ohne ein markantes Wachstum im Geist. Es ähnelt jenem der neun Jünger am Fusse des Berges, die trotz ihres Wandels mit dem HERRN noch nichts zustande bringen konnten (Mk 9,18.19). Christus konnte mit ihnen weder Grosses, noch Geheimnisse des Reiches, geschweige denn seine innersten Gefühle teilen. Sie waren einfach nicht fähig, Schweres zu verdauen bzw. zu tragen, und somit unwürdig, Tiefgründiges zu sehen.

Christi Auswahlmöglichkeit war ohnehin schon sehr klein, Menschen zu finden, die bereit und würdig waren, mit Ihm zu leiden. Es blieben ihm nur Petrus, Jakobus und Johannes. Dass selbst diese mit der Aufgabe überfordert waren, zeigen die folgenden Verse.

Vers 34

Und er spricht zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht! Mk 14,34

Christus wendet sich nun an seinen innersten Kreis. Er offenbarte den drei Jüngern seine Gefühle, die Er keinem Gleichgültigen und schon gar nicht einem Widersacher geoffenbart hätte, um nachher enttäuscht oder gar verlacht zu werden.

Die Seele eines Gotteskindes sollte nicht betrübt sein, denn Gott kümmert sich um seine Kinder (Mt 6,32). Und schliesslich war Christus ja sein Sohn. Doch die Mission, die Ihm bevorstand, war keineswegs in irgendeinem Aspekt menschlich. Damit die 100-prozentige Gerechtigkeit Gottes befriedigt werden konnte, durch die nach dem teuflischen Plan des Widersachers die Menschheit für immer von Gott getrennt werden sollte, musste nämlich ein Mensch ohne Fehler und Flecken sterben und den ganzen durch die Übertretung hervorgerufenen Zorn Gottes, sein Gericht über die Sünde, über sich ergehen lassen. Nur ein würdiges stellvertretendes Opfer würde die Gerechtigkeit befriedigen. Das war eine sehr, sehr schlimme Mission, zu der kein einziger Mensch überhaupt zugelassen war. Jeder war dazu durch die eigene Sünde bereits disqualifiziert. Nur Christus allein war würdig, dieses Werk zu vollbringen. Er hatte keinen Fehler und keinen Flecken an seiner Person.

Christi Wunsch war an dieser Stelle, dass seine drei engsten Jünger mit Ihm zusammen wach blieben, während dem Er in seiner Angst zum Vater flehen wollte.

Vers 35

Und er ging ein wenig weiter und fiel auf die Erde; und er betete, dass, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe. Mk 14,35

Jesus Christus, Gottes Sohn also, bittet seinen Vater, der Ihn liebt (Mt 3,17), dass, wenn es möglich sei, die Stunde an Ihm vorübergehe. – Stellen Sie sich diese Situation bitte vor! – Der geliebte Sohn Gottes, der keine Sünde getan hat (1. Petr 2,22), sondern stets im ständigen Wohlgefallen Gottes gelebt hat, bittet seinen Vater, der Ihn liebt, darum, dass, wenn es möglich sei, die Stunde an Ihm vorübergehe. – Wie sehr sich da nur schon irdische Väter darum gemüht hätten, ihre Söhne zu verschonen! Wieviel mehr wollte der himmlische Vater seinen geliebten Sohn, der frei von jeder Schuld war, nicht am Kreuz hängen sehen!

Jeder, der eigene Kinder hat, weiss: Wenn es nur irgendeine Möglichkeit für einen Ausweg gegeben hätte, so hätte ihn jeder Vater für seinen einzigen, treuen und untadeligen Sohn genommen! Und spätestens auf diese innige Bitte des Sohnes hin, hätte jeder liebende Vater mit aller Kraft danach Ausschau gehalten!

Dass Christus diesen Weg zur Rettung beschreiten musste, wenn auch freiwillig (Mt 26,53), zeigt uns in einer gewaltigen Art auf, dass es im ganzen Universum, im sichtbaren und im unsichtbaren Raum, absolut keine andere Möglichkeit für die Rettung der Menschen gegeben hatte und sich auch keine alternative Möglichkeit in der Zukunft eröffnet hätte. Es ist also wahr, dass das Heil in keinem anderen Namen ist, als im Namen Jesus Christus allein. Sonst hätte der Vater jede Gelegenheit genommen, seinen Sohn zu verschonen, wie erwähnt! Wenn es zum Beispiel damals im Fernen Osten eine rettende Religion gegeben hätte oder es damals zumindest sicher war, dass zukünftig noch eine derartige aufkommen wird, die die Menschheit hätte retten können, oder wenn überhaupt irgend eine Religion sonstwo auf der Welt die Gerechtigkeit Gottes hätte damals oder zukünftig befriedigen können, um die Erlösung für die Menschen zu schaffen, so, glauben Sie mir, hätte der Vater seinen Sohn Christus sofort in Sicherheit gestellt, um Ihm diesen völlig unverdienten und qualvollen Weg zu ersparen!

Gerne widerhole ich mich diesbezüglich: Unser Vers zeigt unmissverständlich auf, dass die Errettung nur im Namen Christi möglich war und sie es ist und sie es bleiben wird, wie geschrieben steht:

Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen. Apg 4,12

Sollten Sie diesen und einzigen Erlöser noch nicht angenommen haben, so tun Sie es heute, wenn Sie seine Stimme hören (2. Kor 6,2; Heb 3,7). Lesen Sie hierzu im Neuen Testament die Anleitung im Römerbrief:

8b Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen,
9 dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.
10 Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil. Röm 10,8b-10

Suchen Sie sich echte Christen auf, die dem HERRN nachfolgen, um dabei Unterstützung zu bekommen und freuen Sie sich danach mit Ihnen an der geschenkten Errettung und der Gemeinschaft! Suchen Sie nicht solche auf, die nur dem Namen nach Christen sind, denn diese kennen den Weg zur wahren Erlösung nicht wirklich, sonst würden sie ihn selbst beschreiten. Amen!

Vers 36

Und er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir weg! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Mk 14,36

Christus, der beste Sohn den es gibt, der kein einziges Wort des Vaters übertreten und nur in seinem Wohlgefallen gelebt hatte, trägt eine Bitte zum Vater: „Abba, Vater (lieber Vater), alles ist Dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir weg!“

Liebe Leserin und lieber Leser! Die Lebenslektion aus diesen Versen heisst: Es gab und es gibt keine andere Möglichkeit für die Rettung der Menschen, als dass Gott Fleisch wurde und als völlig reines Opfer stellvertretend an unserer statt starb. – Hätte es eine Möglichkeit gegeben, so hätte der Vater seinen Sohn in jedem Fall verschont!

Das bedeutet: Keine Religion auf dieser Erde kann leisten, was Gott getan hat, um die Menschen zu erretten! Wenn Sie sich irgendwie nach menschlicher Art retten wollen und sich dazu eine Religion aussuchen, wird Sie das nichts nützen. Es wird dann einmal offenbar werden, dass Sie sich damit haben verführen lassen.

Der Grund: Die Gebote Gottes sind in den Menschen gelegt, jeder Mensch weiss, dass lügen, ehebrechen und stehlen zu den bösen Handlungen gehören. Und doch hat jeder Mensch eines der Zehn Gebote verletzt und ist damit vor Gott in Sünde gefallen. Wer sündigt muss sterben; ein solcher hat das ewige Leben verspielt (Rö 1,32). Dieser Mensch kann sich nicht mit Geld oder Riten frei kaufen. Seine Sünde ist schon vollendet. Er ist schon unter dem Urteil „schuldig“, auch wenn es noch nicht rechtskräftig bzw. umgesetzt ist. Am Urteil gibt es nichts mehr zu rütteln. Es ist wie im wahren Leben: Wenn ein Mörder gefasst wird, kann er sich nicht mit speziellen Riten vor der Justiz schützen. Er wird sich als Mörder vor Gericht verantworten müssen, auch wenn das Verfahren auf erst in zwei Jahren angesetzt ist. Dem Mörder nützt es nichts, wenn er in diesen zwei Jahren religiöse Vorschriften hält. In zwei Jahren geht es um den Mord, den er begangen hat. Die Ankläger werden lachen, wenn er sie auf die in diesen zwei Jahren praktizierten Riten hinweisen würde. – Sie machen sich auch lächerlich, wenn Sie ihre Übertretungen, die Sie vor Gottes Augen ausgeführt haben, herunterspielen und Gott auf religiöse Riten hinweisen, die sie täglich vollbringen. Diese Riten werden Sie nicht retten. Entweder haben Sie einen Stellvertreter vor dem Gericht Gottes oder Sie verantworten sich selber. Wenn Sie sich selber verantworten, so kennen Sie das Urteil schon vor dem Ende der Gerichtsverhandlung. „Des Todes schuldig!“, wird am Ende verkündigt werden, denn der Tod ist der Lohn der Sünde (Rö 6,23).

Obschon das jeder Mensch weiss, versuchen viele Menschen auf allerlei Arten (Religionen) perfekt zu werden (vor dem richtenden Gott). Bei allen Arten von Religionen ist es schon von Anfang an klar, dass diese Sünden nicht tilgen können. Ohne ein absolut reines Menschenopfer, das stellvertretend und freiwillig an unserer statt stirbt, gibt es keine Vergebung der Sünden (Heb 9,22). Selbst wenn jemand in jungen Jahren sich von der Welt abschotten würde und von dem Tag der Abschottung sündlos leben würde, was in der Praxis nie und nimmer funktioniert (Rö 6), da es mit unserer geerbten Natur von Adam (Rö 5,19) wegen Erblasten gar nicht funktionieren kann, so wären seine Jugendsünden trotzdem nicht behandelt. Wegen diesen müsste er dennoch sterben, auch nach 50 Jahren Enthaltsamkeit und Selbstkasteiung. Wir sollten bedenken, dass Gottes Gerechtigkeit perfekt ist, wie Gott selber. Sie erkennt jede Sünde als solche und winkt keinesfalls eine Übertretung durch, auch dann nicht, wenn der Mensch spendenfreudiger Milliardär, ein bekannter, sich für Benachteiligte einsetzender Schauspieler oder sonst ein passionierter Wohltäter ist.

Lassen Sie mich an dieser Stelle nochmals auf das reine Menschenopfer kommen. Einige Menschen, die etwas weiter gedacht und erkannt haben, dass die Gerechtigkeit Gottes nur durch einen würdigen Stellvertreter befriedigt werden kann, haben mit dem bösen Irrtum angefangen, kleine Kinder zu opfern. Dass Menschen schon seit Urzeiten diese Praxis anwenden, ist schon in der Bibel erwähnt, wie zum Beispiel, dass der Gott „Moloch“ Menschenopfer forderte, was der wahre Gott der Bibel, unser Schöpfer, aufs Schärfste verurteilt. Ein derartiges Menschenopfer kann uns nicht erlösen, weil es unfreiwillig getötet wird (sich gar nicht aus freien Stücken für den Opfernden zur Verfügung stellt; es ist ein gestohlenes Opfer) und weil es, selbst als Kleinkind, nicht qualifiziert ist, Sünden zu tragen. Selbst ein Kleinkind wäre vor Gott nicht rein genug, da es von sündigen Eltern abstammt. Das wird uns im Römerbrief erschöpfend erklärt, auch mit dieser Stelle:

Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten versetzt werden. Röm 5,19

Durch die Übertretung Adams sind wir in die Stellung von Sündern versetzt worden (erster Versteil). Wer an Christus glaubt, kommt aus dieser Spirale des Todes heraus (zweiter Versteil). Das ist eine Tatsache, die sich nicht leugnen lässt. In diesem Leib der Sünde können wir von uns aus kein gottgefälliges Leben leben. Die Gerechtigkeit Gottes kann nur durch einen völlig sündlosen Menschen befriedigt werden. – Wer ist nun würdig, diese Gerechtigkeit zu befriedigen? Ein Säugling etwa? – Niemals! Denn wer einen Menschen opfert, der tötet und sündigt sehr. Mord gehört in der Bibel zu den Todsünden. Dem Gott der Bibel, dem Allmächtigen, kam es niemals in den Sinn, dass wir Menschen andere Menschen opfern sollen, wie geschrieben steht:

Und sie haben die Höhen des Tofet gebaut, das im Tal Ben-Hinnom ist, um ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich nicht geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist. Jer 7,31

und die Höhen des Baal gebaut, um ihre Kinder als Brandopfer für den Baal im Feuer zu verbrennen, was ich nicht befohlen noch geredet habe und was mir nicht in den Sinn gekommen ist: Jer 19,5

Und sie haben die Höhen des Baal gebaut, die im Tal Ben-Hinnom stehen, um ihre Söhne und ihre Töchter für den Moloch durch das Feuer gehen zu lassen – was ich nicht geboten habe und mir nicht in den Sinn gekommen ist, dass sie solche Greuel verüben sollten –, um so Juda zur Sünde zu verleiten. Jer 32,35

Gott wurde aus diesem Grund persönlich Fleisch (Mensch) und wohnte unter uns, um dann stellvertretend für seine eigene Schöpfung zu sterben. Er allein hatte es als sünd- und fleckenloses Opfer in der Hand, die Errettung zu erwirken. Wer das noch nicht erkannt hat, soll sich einmal Gedanken über die Religionen machen und versuchen zu erklären, wie diese das allgegenwärtige Sündenproblem lösen und auch die Jugendsünden tilgen und die unvollkommene Natur des Menschen in die absolute Perfektion bringen. Wer mit sich selber ehrlich ist, wird ein entsprechendes Rettungspaket nur im Evangelium Gottes, in der Person von Jesus Christus finden. Amen!

Vers 37

Und er kommt und findet sie schlafend, und er spricht zu Petrus: Simon, schläfst du? Konntest du nicht eine Stunde wachen? Mk 14,37

Es verhielt sich, wie ich in vorausgehenden Kommentaren schon erwähnt habe: Der engste Kreis Christi hatte noch nicht wirklich eine Ahnung, was in jener Stunde wirklich los war, obschon Christus mindestens dreimal (Mt 16,21; 17,22; 20,17 ff.) auf seine kommenden Leiden hingewiesen hatte. Wenngleich die Jünger, ausser Judas Iskariot natürlich, höchste Positionen im Reich bekleiden werden (Mt 19,28), wachten sie zu jener Zeit nicht einmal so über ihren HERRN, wie es weltliche Gefolgsleute getan hätten bzw. tun würden. Christus findet sie in seiner grössten Angst und vor der überhaupt schlimmsten Aufgabe, die je einem Menschen gestellt war, schlafend!

Dies bestätigt den Vers im ersten Korintherbrief, dass Gott mit dem Schwachen der Welt das Starke überwinden wird (1. Kor 1,27). Damit zeigt Er einmal mehr, dass es auf seine Kraft ankommt und dass das eigene Mass der menschlichen Stärke völlig irrelevant ist (Ps 33,17; Spr 21,31b). Denn der HERR schafft es, die Welt zu überwinden mit solchen, die zum Schwachen der Welt gehören. Nicht sie überwinden also, sondern der Sieg kommt allein durch die Unterstützung des HERRN. Amen.

Vers 38

Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach. Mk 14,38 

Anstatt die Jünger vernichtend zu schelten, dass sie nicht einmal ein weltliches Minimum an Solidarität aufzubringen vermochten, sprach der HERR sanft mit ihnen. Der HERR kannte ihre Kapazitäten, dass sie eigentlich für Ihn waren, aber durch das schwache Fleisch nicht als wirkliche Unterstützer glänzen konnten.

Christen, die schon längere Zeit mit dem HERRN unterwegs sind, sollten sich immer mehr an dieser Milde des HERRN orientieren. Vielleicht nerven uns junge Geschwister, die vollmundig ihre Treue zum HERRN herumposaunen. Wir tun dies inzwischen nicht mehr, da wir unsere Grenzen und Schwachheiten viel besser kennen. Das Bekenntnis der Jungen zum HERRN ist zwar schön, wir Alten wissen aber, dass sich viele Junge dabei (masslos) überschätzen. Wenn der Test kommt, schlafen sie wie die Jünger, als diese es nicht hätten tun sollen.

Bei solchen Geschwistern sollten wir versuchen, in der Milde Christi zu bleiben. Ihr Geist ist willig, Christus nachzufolgen, sie überschätzen sich aber noch sehr, weil sie die Schwäche des Fleisches nicht im vollen Ausmass kennen. Es hat keinen Sinn, mit solchen (zu) hart umzugehen, sie würden unsere Reaktion nicht verstehen, da ihnen die Erfahrung fehlt. Einige Junge denken in argloser Art tatsächlich, dass sie aus eigener Willensentscheidung die Welt überwinden könnten und dass sie den Willen Christi steht ausführen werden. Da sollen wir Älteren, wie erwähnt, ihnen gegenüber milde bleiben, die Jungen müssen die Erfahrung selber machen, wir können sie ihnen nicht mit Worten aufdrücken. Den Weg und seine Regeln sollen wir ihnen selbstverständlich erklären, gehen müssen sie ihn selber. Natürlich stehen wir ihnen zur Seite und helfen, wenn die Jungen Hilfe brauchen. So helfen wir uns gegenseitig ins Reich.

Nehmen wir folgendes mit: Wir Alten sollten in der Grundhaltung milde sein, als junge Menschen waren wir nicht besser bzw. erfahrungsreicher als es die Jungen heute sind.

Vers 39

Und er ging wieder weg, betete und sprach dasselbe Wort. Mk 14,39

Es ist völlig legitim, mehrmals für die Abwendung einer Sache zu bitten, die zu bewältigen unmöglich erscheint. Christus bat selbst in seiner Angst mehrmals um einen Ausweg. Im Fall der Erlösung gab es aber keinen Ausweg, sonst hätte ihn der Vater genommen, um seinen Sohn zu schonen. Keine Religion bot bzw. bietet sich als stark genug an, um die völlige Erlösung erwirken zu können.

Kommen wir an dieser Stelle zu weiteren Belehrungen für uns. Wenn wir in unserer Erziehung von Gott vor sehr grosse Aufgaben, die uns zu schwer erscheinen, gestellt werden, so ist es legitim, zwei bis dreimal zu fragen, ob Er nicht doch von ihnen absehen wolle. Wenn Gott die Aufgaben aber erledigt sehen will, sollten wir uns dran machen und nicht zwanzig Mal um Erlass fragen oder gar anfangen, zu murren. Dies würde in die Sünde führen.

Im Unterschied zu Christus müssen wir schwere Lebenssituationen nie alleine durchmachen. Christus lässt uns nie alleine, wie Er uns zugesichert hat (Joh 14,16). Auch Israel musste als Nation nicht jeden Kampf selber kämpfen, die Nation erhielt manchmal Alternativen Gottes. Israel hatte Kriege, in denen die Nation von Gott beiseite genommen wurde, weil der HERR die Aufgabe des Volkes voll und ganz übernahm.

Es gibt also Aufträge, wo Gott allein der Ausführende ist. Wenn Gott die Ausführung nicht voll und ganz alleine übernimmt, steht Er dem Menschen bei, wie erwähnt. Die Geschichte liefert uns solche Beispiele, die Einzelpersonen oder das ganze Volk betrafen. Am Ende einer Glaubensprüfung ersah der HERR für den Abraham ein anderes Opfer anstelle seines Sohnes Isaak. Abraham kam, wie es für jeden irdischen Vater bestimmt ist, darum herum, seinen Sohn opfern zu müssen; er musste die gestellte Aufgabe nicht bis zum bitteren Ende durchziehen:

Und Abraham gab diesem Ort den Namen »der HERR wird ersehen«, von dem man heute noch sagt: Auf dem Berg des HERRN wird ersehen. 1.Mose 22,14

Dies konnte geschehen, weil Gott am Ende voll und ganz in die Bresche sprang. Wir müssen heute, wie Abraham damals, nicht einmal einen Teil eines Familienmitgliedes wegen dem Sündenproblem hergeben. Gott fängt unser Unvermögen in der Person von Christus voll und ganz auf.

Auch als Jerusalem zur Zeit Hiskias vom assyrischen Machthaber mit unabwendbarem Krieg konfrontiert wurde (2. Kö 18,17 ff.), übernahm Gott alle gestellten Aufgaben. Gott verlangte nicht vom jüdischen König Hiskia, dass er sich mit seiner Gefolgschaft dem assyrischen König und seinem Heer entgegenstellt. Gott erhörte das Gebet Hiskias und löste das Problem der Bedrohung ganz ohne ihn, indem Er einen einzigen Engel sandte, der das Heer des Assyrers in einer Nacht ausschaltete, über 180‘000 Mann. Hiskias Bitte wurde stattgegeben, er musste nicht durch die vor ihm liegende Aufgabe hindurch, wie Abraham in der Sache mit dem Opfer auf dem Berg Morija auch nicht hindurch musste. Gott ersah in beiden Fällen eine Lösung völlig entlastender Art.

Zusammenfassend können wir sagen, dass Menschen, die dem Willen Gottes entsprechen, nie völlig alleine durch schwierige Aufgaben hindurch müssen. Es ist auch legitim, Gott um Entlastung zu bitten, wie Hiskia um Entlastung vor Krieg gebeten hatte.

Wer hingegen nicht wie die gläubigen Menschen entlastet werden konnte, war Christus, der allein durch die ganze Forderung des Gesetzes hindurch musste. Auch musste dies freiwillig geschehen, wie ich schon oft erwähnt habe, da erpresstes oder gestohlenes Lösegeld von einem gerechten Gericht nicht als solches akzeptiert werden kann. Christus wusste: 1. Er musste den Gang nicht antreten, er war freiwillig. 2. Er musste den Gang antreten; die Menschheit konnte ansonsten tun und lassen, was sie wollte, sie war auf ewig verdammt. Durch die Sünde stand das Urteil für alle Menschen schon fest.

Christus entschied sich zu gehen, um uns zu retten. Wir haben dazu rein gar nichts beisteuern können. Das lässt mich ausrufen: Christus ist die herrlichste Person im ganzen Universum! Er sei gelobt! Er hat all unser Lob verdient! Amen.

Vers 40

Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren beschwert; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Mk 14,40

Was hätten Ihm die Jünger antworten sollen? Hatten sie eine Antwort auf die Frage, weshalb sie immer dann schliefen, wenn geistlich was Maximales abging? Sie schliefen ja auch am Ort, wofür andere ein Königreich dafür gegeben hätten, um dabei zu sein, nämlich auf dem Berg der Verklärung, wo der verstorbene Mose und der entrückte Elia sich mit dem HERRN über den Ausgang in Jerusalem unterhielten, wie es uns der Evangelist Lukas übermittelt (Lk 9,32).

Mit Mose und Elia konnte der HERR über den Brennpunkt seines Wandels auf Erden diskutieren, die Jünger begriffen es hingegen noch nicht richtig, wenngleich der HERR mit den Jüngern darüber gesprochen hatte (Mt 16,21). Leider schliefen die Jünger im Garten Gethsemane wieder, wie auf dem Berg der Verklärung, obschon alles eintraf, was Jesus mehrfach vorangekündigt hatte.

Das zeigt, dass das Fleisch zu nichts zu gebrauchen ist. Der irdische Mensch ist für das Reich Gottes in keinem Punkt zu gebrauchen. Deshalb ist der irdische Mensch ohne die Wiedergeburt keinesfalls für den Eintritt ins Reich zugelassen (Joh 3,3). Die Jünger waren noch nicht wiedergeboren, in Auferstehung, im Leben Christi. Irdische Dinge konnten sie diskutieren, wer der Grösste sei, zum Beispiel (Mk 9,34). Das Geistliche aufzunehmen ist für einen fleischlichen Menschen nicht möglich. Das sehen wir auch in der christlichen Landschaft sehr gut. Wenn wir anfangen, biblische Dinge zu diskutieren, langweilt das die Zuhörer, ausser man spricht von Sensationen, die irdischen Höhepunkten ähnlich sind. Da sind alle wach und für das Aussergewöhnliche empfänglich. Wenn es aber um Christus, seine Verwerfung in der Welt und die Tatsache geht, dass wir uns mit Ihm eins machen sollten, wenden sich die Menschen ab, auch viele Nachfolger, wie geschrieben steht:

Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Joh 6,66

Um unsere geistliche Laschheit zu kaschieren, finden wir selbst Ablenkung und gibt uns die Gegenseite viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Statt das zu tun, was gerade ansteht, tun wir lieber andere, teilweise sogar strengere Arbeiten, die wir aus eigener Kraft schaffen. Statt beispielsweise mit einer Person den Frieden in der Beziehung wieder herzustellen, gehen wir lieber in ein Heim, um dort auszuhelfen. Letzteres ist zwar nicht völlig verkehrt. Es ist nicht falsch, wenn wir Gutes tun. Es ist aber völlig falsch, wenn wir es anstelle des wirklich Geforderten tun. Bildlich gesprochen streichen wir lieber die ganze Wohnung, als lediglich die von Gott geforderte Haustüre.

Gott fordert manchmal wenig von uns, wie zum Beispiel die Haustüre zu streichen. Weil diese Handlung für uns aber vielleicht unangenehm ist, schlagen wir Gott vor, lieber die ganze Wohnung neu zu streichen und machen uns – ohne Absprache natürlich – sofort dran. Dabei glauben wir sogar noch, Gott einen Gefallen zu tun.

In der Psychologie nennt man das das Tun von Ersatzhandlungen. Ein Christ will ja nicht grundsätzlich faul sein und zieht es nicht vor, sich auf der Couch zu räkeln. Er tut vergleichsweise noch mehr, als von Gott überhaupt verlangt ist. Als Christ geht man evangelisieren, hilft Bedürftigen und so weiter. Die Motivation dazu kann sein, um nicht die verlangte, kleine Sache (endlich) ausführen zu müssen. Man richtet es sich so ein, dass gerade für die Aufgabe, die man erledigen sollte, keine Zeit mehr übrig bleibt. So funktioniert unser Fleisch. Wo es gross rauskommt, setzt es sich ein. – An dieser Stelle muss gesagt sein: Gott akzeptiert niemals eine Ersatzhandlung, die von Christen anstelle des Verlangten abgeliefert wird. Sie wird vielmehr als Sünde angerechnet werden (1. Sam 15,14 ff.).

Auch im Reich Gottes glaubt das Fleisch, grosse Töne spucken zu müssen (Mk 14,29). Christus zeigt uns aber mit dem Berg der Verklärung und mit Gethsemane, dass das Fleisch völlig versagt, wenn geistlich wirklich etwas auf dem Spiel steht. Unsere alte Natur taugt rein gar nichts für das Reich Gottes, in keinem Punkt (Joh 6,63). Wir Christen sollten daher mit dem Halten der Gemeinschaft (beten) und mit dem Lesen der Bibel (der Mensch lebt nicht vom Brot allein; Mt 4,4) das neue Leben in uns stärken. Die fleischliche Natur muss abnehmen, sie nützt nichts. Der geistliche Mensch in uns muss zunehmen, dann werden wir auch nicht schlafen, wenn wir wachen sollten. Amen!

Vers 41

Und er kommt zum dritten Mal und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus! Es ist genug; die Stunde ist gekommen, siehe, der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert. Mk 14,41

Beim dritten Mal, wo Er sie wieder schlafend fand, blieb für sie nur die Bemerkung übrig, dass es zu schlafen nur schon wegen den kommenden Ereignissen nicht mehr möglich ist. Die Jünger hatten in Gethsemane die Zeit verpasst, mit Christus zu wachen; jetzt mussten sie sowieso aufstehen, weil seine Gefangennahme unmittelbar bevor stand.

Was können wir daraus lernen? – Es gibt Zeiten, in denen wir freiwillig dienen dürfen. Es gibt aber auch Zeiten, in denen der Christ unter Druck kommt. Wer unter Druck gehorcht, tut es gezwungenermassen, wer hingegen schon in Zeiten der freien Wahl Christus fröhlich gedient hat, wird herrlicher dastehen.

Vers 42

Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich überliefert, ist nahe. Mk 14,42

Nun war es vorbei mit dem Schlafen und der Wahl, freiwillig mit Christus zu wachen oder nicht mit Christus zu wachen. Die Jünger hatten das Wachen verschlafen, das konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Jetzt diktierte das Leben wieder, was zu tun war.

Wie schon so oft stellte Christus in seiner Allwissenheit im Voraus fest, was ablaufen wird. Das gab den Jüngern im Nachhinein die Sicherheit, an den rechten Gott und Heiland zu glauben; es war für sie später beim Aufrollen der Ereignisse ein weiterer Mosaikstein des sicheren Ankers, den sie in Christus hatten.

Wir können daraus mitnehmen, dass Christus einfach alles wusste; Er war bzw. ist der fleischgewordene allmächtige Gott.

Vers 43

Und sogleich, während er noch redet, kommt Judas, einer der Zwölf, heran und mit ihm eine Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und den Ältesten. Mk 14,43

Es hiess, dass sich nach der Versuchung Christi in der Wüste der Teufel für eine Zeit lang fern hielt (Lk 4,13). Jetzt war seine Stunde wieder da. Im direkten Dialog mit Christus war der Teufel chancenlos. Deshalb musste eine andere erfolgsversprechende Taktik her: Er versuchte Christus auf der menschlichen Ebene so zu reizen, dass Er in Schuld falle. Der Teufel wusste durch die Erfahrung mit dem wirklich sehr gottesfürchtigen Hiob, dass ein maximaler Reizpegel auch sanftmütige und edle Menschen in Sünde fallen lässt. Er wusste auch, dass er Christus nur zur kleinsten Sünde bringen musste, um das ganze Erlösungswerk zunichte zu machen. Hiob verhielt sich nicht immer astrein in seiner riesigen Bedrängnis und doch war er um Welten besser als seine Zeitgenossen. Aber sein Verhalten hätte ihn für das Erlösungswerk disqualifiziert, selbst wenn er vorher völlig sündlos (auch im Blick auf die Erbsünde) gewesen wäre. Gott spricht von Hiob, dass er vor seinen Freunden recht geredet hatte. Trotzdem musste Gott ihm etwas zeigen, es stimmte noch nicht ganz alles in seinem Leben, was auf Zielverfehlung (Sünde) hinweist, wenn es sich wohl auch nur um eine leichte Zielverfehlung handelte.

Genau auf eine solche (wenn auch leichte) Zielverfehlung hoffte der Teufel. Zur Erinnerung: Das kleinste Vergehen hätte das Erlösungswerk zunichte gemacht. Und ein solches Vergehen sollte nun durch perfideste Gemeinheiten bei Christus provoziert werden. Doch der Teufel hatte sich die Rechnung ohne den heiligen und perfekten Menschen Jesus Christus gemacht, der alle Bosheiten geduldig erduldete, um sünd- und fleckenlos an unserer statt zu sterben. Er sei gelobt in Ewigkeit! Amen.

Vers 44

Der ihn überlieferte, hatte ihnen aber ein Zeichen gegeben und gesagt: Wen ich küssen werde, der ist es. Den greift, und führt ihn sicher fort! Mk 14,44

Judas hatte mit den Schächern ein Zeichen vereinbart. Wen er küssen werde, den sollen sie ergreifen. Sein Lohn dafür waren 30 Silberlinge.

Judas‘ Aktion war geprägt von seiner Geldgier. Er fällt schon im Johannesevangelium sehr negativ auf:

4 Es sagt aber Judas, der Iskariot, einer von seinen Jüngern, der ihn überliefern sollte:
5 Warum ist dieses Salböl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben worden?
6 Er sagte dies aber nicht, weil er für die Armen besorgt war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und beiseiteschaffte, was eingelegt wurde. Joh 12,4-6

Judas war ein Dieb. Sein Hang zur Gesetzlosigkeit machte ihn am Ende auch zum geeigneten Werkzeug Satans. Für den Teufel war es nicht möglich, beispielsweise den Petrus zu rekrutieren. Petrus war in sich selber zwar auch schwach, sein Wunsch, Gott zu gefallen, wurde durch Gott aber unterstützt, dass er in der Bewahrung bleiben durfte. Selbst vollbrachte Petrus keine Heldentaten, wie wir es bei der Leugnung Christi sehen. Im Unterschied zu Judas wollte Petrus aber mit dem HERRN wandeln. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, seinen HERRN für Geld Mördern zu verraten. Petrus verleugnete Christus aus Angst und Schwachheit (Mt 26,33 ff.). Er tat es ungeplant, fahrlässig und ohne daraus Profit ziehen zu wollen. Judas tat es geplant, willentlich, im Vorsatz. Er verkaufte den Sohn Gottes wegen 30 Silberlingen an Mörder.

Einige haben versucht, den heutigen Wert von 30 Silberlingen zu berechnen und kommen auf den Wert von umgerechnet demjenigen eines Kleinwagen im untersten Segment, so um die 10‘000 CHF. Für einen einfachen Arbeiter ein hübsches Sümmchen.

Wir sollten das Böse verabscheuen (Rö 12,9). Wer sich dem Bösen öffnet, wird darin geübt und gestärkt. Zuerst stahl Judas „nur“ Geld aus der Kasse, was noch keine Todsünde war. Es hätte vergeben werden können. Doch dann, als das Böse in ihm zur Vollendung kam, lieferte er bewusst einen unschuldigen Menschen Mördern aus und machte sich damit selbst zu einem Mörder. Vorsätzlicher Mord wird von der Schrift als Todsünde geführt. Judas lieferte das Opfer Gottes Mördern aus, der für seine Sünden bezahlt hätte. Statt diesen anzunehmen, verwarf er Ihn nicht nur, er war einer der Hauptverantwortlichen, dass Jesus ans Kreuz kam.

Das Opfer Christi wurde für ihn nicht wirksam, weil er mit den Füssen danach trat. Wir wissen es ja aus erster Hand, dass Judas keine Gnade erhalten sollte (Mk 14,21). Jesus sagte es ihm vor seiner Tat. Er war eindringlich gewarnt! Trotzdem ging er mit vollem Wissen in die verhängnisvolle Aktion, den Meister zu überliefern. – Was für ein schauderhafter Bericht!

Wir wissen weiter aus Lukas 22,31, dass der Satan sich der Jünger bemächtigen wollte. Jesus betete für sie, liess allen aber den freien Willen. Wir lernen daraus, dass wir uns nicht vor ungewollter Sinnesänderung fürchten müssen, solange wir dem HERRN nachfolgen wollen. Er schützt uns vor Abfall (Ps 37,23). Wer sich aber willentlich aus der Gnade begibt, muss mit fatalen Konsequenzen rechnen, selbst ein wiedergeborener Christ, wie geschrieben steht:

28 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.
29 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
30 Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«
31 Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Hebr 10,28-31

Diese Aussage ist klar an Christen gerichtet, denn es steht „(Das Blut), durch das er geheiligt wurde“. Ein Ungläubiger ist bzw. wurde nicht geheiligt. Ein Christ wurde geheiligt, reingewaschen von Sünde und Schuld. Fällt ein solcher in die Welt zurück, wertschätzt er das Blut Christi keineswegs, da er wieder drauflossündigt. Ein solcher schmäht den Geist der Gnade. Die Schrift sagt uns, dass die Menschen bei Todsünden im AT mit der Todesstrafe leichter weggekommen sind. Nach dem Tötungsakt durch das Volk war es für sie mit der Strafe getan. Vers 29 vom zehnten Kapitel im Hebräerbrief sagt uns, dass für geheiligte Christen eine schlimmere Strafe bereitsteht. Wenn also ein Christ den Sohn Gottes anfängt, mit Füssen zu treten, was heisst, wenn ein solcher anfängt, bewusst in der Sünde zu verharren, steht eine härtere Strafe bereit. Der Vollzug der Strafe ist im Neuen Testament ausschliesslich Gottes Sache. Menschliche Strafhandlungen sind von der Schrift her völlig ausgeschlossen. Für Christen gibt es keine Legitimation für heilige Kriege (im Kollektiv) oder für Teufelsaustreibungen oder sonstige Züchtigungen (im Einzelfall). Den Kreuzzügen fehlte beispielsweise, wie jedem anderen Krieg unter christlicher Flagge, jegliche Genehmigung der Bibel und somit Gottes.

Vers 45

Und als er kam, trat er sogleich zu ihm und spricht: Rabbi! und küsste ihn. Mk 14,45

In diesem Vers sehen wir die Heuchelei in Perfektion. Die Person aus den eigenen Reihen, die zum Mördergehilfen, Gefäss Satans (Lk 22,3) und somit zum totalen Gegenspieler Christi wurde, ging stracks auf Ihn zu und küss