Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der Brief an die Galater

Einleitung

Das Gesetz und die Propheten gehen bis auf Johannes (Lk 16,16). Von da an wurde (und wird bis heute) die Gute Botschaft vom Reich verkündigt. Damit kam etwas völlig Neues, das viele Juden nicht einfach so hinnehmen konnten. Zu tief waren sie in Traditionen “gewickelt”. Paulus, der Apostel der Nationen, brachte diese Wahrheit zu den Heidenvölkern und eröffnete ihnen, dass das Heil nicht “nur” für die Juden sei. Viele nahmen darauf Paulus’ Worte bereitwillig an und lebten nach dieser neuen Lehre.

Leider mischten sich unter diese gläubig gewordenen Christen solche, die gesetzliche Riten und Bräuche unter die neue Lehre mischen wollten. Letztere verträgt sich aber nicht mit Bräuchen aus dem Gesetz, welches nun ersetzt wurde. Wie man neuen Wein in neue Schläuche füllt, mischt man das Gesetz nicht mit dem Reich der Himmel auf. Zusammen gibt es nichts Brauchbares. Auch näht man keinen neuen Stoff auf ein altes Kleid – der Riss würde nur noch schlimmer werden.

Diese falschen Lehrer drohten nun, Paulus’ Werk zu zerstören und die Gemeinden auf Irrwege zu bringen. Paulus, der diese grosse Gefahr erkannte, schreibt nun den Betroffenen, den Galatern, diesen Brief, um klarzustellen, dass es ein fataler Irrtum ist, Gesetz mit Gnade zu vermischen, dass es nicht geht, Judentum und Christentum zu vermengen.

Kapitel 1

Verse 1-2

1 Paulus, Apostel, nicht von Menschen [her], auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat, 2 und alle Brüder, die bei mir sind, den Gemeinden von Galatien: Gal 1, 1 – 2

Vers 1

Paulus wusste um die Missstände bei den Galatern. Sie hatten sich durch Menschen, die sie von der Neuen Lehre in Christus abbringen wollten, beeinflussen lassen. Der Einfluss dieser Menschen war so stark, dass sich Paulus um die ganze Arbeit unter ihnen bangen musste. Aus diesem Grunde unterstrich er seine Berufung: Er hatte sein Apostelamt nicht von Menschen empfangen, sondern durch Gott. Und zwar nicht durch irgend einen Gott oder den Gott, den die Juden aus dem AT kannten. Natürlich ist der letztgenannte Gott auch unser Gott. Doch hatte er sich den Juden im AT nicht von dieser Seite gezeigt, wie er sich im NT geoffenbart hat. Das unterstrich Paulus, in dem er zwei Personen der Gottheit erwähnte: Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hatte. Diese beiden hatten ihn eingesetzt als Gesandter für die Nationen — der als Vater und Sohn geoffenbarte und doch einzige Gott. Dieser Gott hat das Neue Testament verkündigt in der Person von Jesus Christus. Was durch Mose gegeben war, sollte aufgehoben werden durch etwas für den Menschen Besseres.

Das Alte brauchte in den Anfängen bei den Galatern nicht mehr gelehrt zu werden, höchstens für die Veranschaulichung. Doch ist am Gesetz etwas göttlliches, das den unkundigen Christen interessieren könnte. Wenn nun religiöse Menschen aus Gottes alttestamentlichen Volk zu den Galatern kamen und die Beschneidung lehrten, die doch auch einmal von Gott gefordert wurde, war die Gefahr sehr gross, die galatischen Gemeinden verführen zu können.

Wie gesagt, Paulus wusste von dieser grossen Gefahr und ging hart an die Sache — im Einklang mit seinem Auftrag.

Vers 2

Um der Schwachheit der Menschen willen, die den Menschen vorwiegend auf die Seite der Mehrheit zieht, zeigt Paulus mit diesem Vers auf — obwohl er alleine die Klarheit gehabt hatte — dass er nicht alleine diese in diesem Brief geoffenbarte Zurechtweisung vertrat, sondern alle Brüder, die zur Zeit der Verfassung dieser Zeilen bei Paulus waren. Mit der Bemerkung seiner Berufung, die durch göttliche Autorität erfolgt ist und der Erwähnung, dass er mit seiner Ansicht nicht alleine stand, eröffnet Paulus in sehr weiser Art und Weise den Brief. Er mochte nicht den geringsten Zweifel über die Herkunft seiner Lehre lassen. Er hoffte damit die Menschen in Galatien, die den HERRN angenommen hatten aber zur Zeit des Briefes in Zweifel über die Lehre gekommen waren, voll zurückzugewinnen.

Bemerkung in eigener Sache:

Wie schön geht doch der HERR seinen verirrten Schafen nach! Sein Handeln in diesem Fall wurde zu einem Teil der Bibel! Was bist Du für ein lobenswerter HERR! Gepriesen seist Du in Ewigkeit! Amen!

Verse 3-5

3 Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus,
4 der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters,
5 dem die Herrlichkeit [sei] von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gal 1, 3 – 5

Vers 3

Hier vermittelt Paulus den Galatern den Segenswunsch. Wir finden ihn fast wortwörtlich am Anfang der Briefe des Paulus. Gnade und Friede wünscht Paulus den Gläubigen.

Die Gnade ist sehr wichtig, denn ohne Gnade kann niemand Gott sehen. Niemand konnte sich dieses Recht erarbeiten. Jeder Mensch braucht die Gnade Gottes!
Auch der Friede, den nur Gott geben kann, ist ein zentraler Punkt im Leben eines Gläubigen. Wenn der Friede nicht da ist, der innere im Menschen und der äussere um den Menschen, herrscht Unruhe vor. Letztere schadet uns. Es ist deshalb der Wille Gottes, dass wir in seinem Frieden leben können (1. Tim 2,2; äusserlicher Friede / Kol 3,15; innerer Friede).

Zu bemerken ist an dieser Stelle, dass es hier — trotz des Segenswunsches — um die kälteste Einleitung seiner Briefe handelt, wenn ich das so formulieren darf. Im Brief an die korinthische Gemeinde, in der doch so vieles im Argen lag, sehen wir warmherzigere Worte. Der Grund hierfür liegt im Problem der Galater. Sie drohten aus der Gnade Gottes zu fallen. An dieser Stelle galt es für Paulus nur noch die “Notbremse” zu ziehen. Beschönigende Worte wären hier völlig am falschen Platz gewesen. Wer aus der Gnade Gottes fällt, um auf dem Boden der Schuldigkeit zu gehen, ist dumm, da er sich auf verlorenem Posten bewegt. Dies hat Gott dem Menschen über Jahrhunderte hinweg bewiesen, in dem er dem Menschen die Möglichkeit durch das Gesetz gab, seine Rechtsforderung zu erfüllen. Die Geschichte hat dem Menschen aber deutlich aufgezeigt, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Natur des Menschen ist dazu schlicht nicht fähig.

Nach der Erfüllung dieser Periode brachte Gott einen neuen Plan, auch Haushaltung oder Ökonomie genannt, zu den Menschen. Dieser ist der Weg, durch den einfachen Glauben an Christus gerettet zu werden, allein durch die Gnade durch Jesus und nicht durch Werke.

Diese einzige und einmalige Chance mit etwas anderem zu ersetzen, wie beispielsweise mit einem Zurückgehen zum Gesetz oder irgendeiner eigenen Religion wäre äusserst fatal. Deshalb gibt es hier keinen Platz für beschönigende Worte.

Vers 4

Christus allein gelang das, was die Menschen über Jahrhunderte anzustreben versuchten: Er lebte ein Leben ohne Sünde! Weil der Tod nur für Sünder bestimmt ist, hätte er direkt zum Vater auffahren können, ohne sterben zu müssen. Aus diesem einfachen Grund konnte er im Garten Getsemane bei seiner Festnahme sagen, er könne mehr als zwölf Legionen Engel beim Vater ordern, die die Festnahme verhindert hätten (Mt 26, 53). Der gerechte Vater hätte sie ihm gestellt, denn er hätte nicht sterben müssen, ausser er hätte es völlig freiwillig für die Verlorenen vorgehabt. Dazu hatte er sich auch entschieden, um uns die Chance, Errettung zu erlangen, zu geben. Er nahm unsere Sünden am Kreuz auf sich, um den Schuldschein gegen den Menschen aufzuheben und ihn somit, aus der bösen, dem Gericht geweihten Welt, retten zu können.

Vers 5

Diesem Jesus, der unser Unvermögen auf sich lud, freiwillig und mitleidig, dem sei alle Ehre! Ihm gehöre all unsere Aufmerksamkeit, Liebe und Besitz. Er hat uns erkauft, damit wir immer ihm gehören sollen — weg vom Bösen, bestimmt für die Herrlichkeit!

An dieser Stelle könnte Paulus bei jedem Verständigen den Brief schliessen. Wie kann jemand mit dieser geoffenbarten Wahrheit noch versuchen, durch irgendetwas anderes selig zu werden, ausserhalb von Jesus Christus? — Leider konnte Paulus aber noch nicht aufhören zu schreiben, der Sauerteig dieser Irrlehrer hatte schon weit um sich gegriffen. So weit, dass Paulus noch 6 Kapitel hinzufügen musste.

Verse 6-7

6 Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium,
7 es kein anderes gibt; einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren. Gal 1, 6 – 7

Vers 6

Die Galater hatten sich nicht nur zu einem anderen Evangelium gewandt. Sie wendeten sich auch von Gott ab. Dies ist richtig zu verstehen:
Gott beruft Menschen durch Christus. Christus ist der einzige Weg zu Gott. Niemand kann gleichzeitig ohne Christus leben und sagen, Gott habe ihn berufen. Gott handelt so nicht mit dem Menschen, weil die Erlösung in Christus allein ist. Ein Mensch kann sich Gott auf eine andere Weise nicht nähern, ohne zu sterben. Wer sich von Christus abwendet, wendet sich von Gott ab.

Vers 7

Auch wenn das andere „Evangelium“, die andere „Gute Nachricht“ noch so plausibel und gut erscheinen mag, ist sie es nicht. Es gibt kein anderes, sagt uns die Bibel. Alles andere wäre eine Umkehrung des Evangeliums Christi, ein ungültig Machen der Worte Gottes. Keine andere Religion führt zu Gott und rechtfertigt den Menschen, ausser dem Glauben an Christus. Kein Rosenkranz, keine Heiligenverehrung, kein Gebet an irgendeine andere Person bringt uns Gott näher. Wenn wir meinen, wir würden Gott dienen, indem wir etwas – ach – noch so frommes Tun, ohne dass darin Christus die Hauptrolle spielt, ist es vergebens.

Verse 8-10

8 Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!
9 Wie wir früher gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht!
10 Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht. Gal 1, 8 – 10

Verse 8-9

Das Evangelium (die Gute Nachricht), von dem wir nun wissen, dass es nur ein einziges gibt, ist lebenswichtig für den Menschen. Wenn nun jemand käme, sei er noch so gross und würde uns dieser Wahrheit und Rettung rauben, indem er sie mit einer gefälschten vertauscht: er sei verflucht! Dies gilt für Menschen sowie Engel. Seien sie unsere Therapeuten oder Machthaber oder gar Engel – wer die Botschaft Gottes, die heilbringend für die Menschen ist, vertauscht, arbeitet direkt gegen Gott, dem HERRN DER HEERSCHAREN. Ein solcher wird ein übles Ende nehmen, denn er vergreift sich an den Worten Gottes, die an sein Eigentum gerichtet sind. Mit einer falschen Botschaft richtet er nicht nur Gottes Eigentum zugrunde, sondern erhebt er sich gegen seinen Schöpfer. Eine schauderhafte Tatsache!

V 10

Dieser Vers sagt aus, dass es als Knecht Christi nicht geht, Menschen zu gefallen. Wer hört schon gerne Dinge über Selbstverleugnung und Gehorsam? Welchem Menschen gefallen Worte, die sein eigenes Unvermögen aufzeigen?
Es ist eine traurige Tatsache, dass geistliche Menschen verfolgt werden (Gal 5,11; 6,12). Das Kreuz ist ein Ärgernis für viele Menschen. Nichts als das Kreuz und die Notwendigkeit des Opfers zeigt besser auf, dass der Mensch völlig versagt hat und total unfähig ist, vor Gott zu bestehen. Deshalb predigen wir die Erlösung durch das Kreuz Christi.
Wenn nun die Welt gut von uns spricht, müssen wir uns fragen, ob wir im Willen Christi leben, denn:

Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist gross in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren. Mt 5, 10 – 12

Paulus wusste, um was es ging. Vers 10b ist hart, doch er ist im Wort Gottes und somit die Wahrheit.

Verse 11-14

11 Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir verkündigte Evangelium nicht von menschlicher Art ist.
12 Ich habe es nämlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.
13 Denn ihr habt von meinem früheren Verhalten im Judentum gehört, dass ich die Gemeinde Gottes über die Massen verfolgte und sie zu vernichten suchte
14 und im Judentum mehr Fortschritte machte als viele Altersgenossen in meinem Volk; ich war ja für meine <überkommenen> väterlichen Überlieferungen in viel höherem Masse ein Eiferer. Gal 1, 11 – 14

Vers 11

Paulus bekräftigt hier nochmals seine Stellung als ein von Gott gesandter Mensch. Seine Botschaft ist keine psychologische. Es geht bei seinen Worten nicht um ein Motivations- oder Wohlfühlseminar, die auf menschlichen, psychologischen Auswertungen basieren. Seine Ausführungen hat er aus erster Hand, direkt von Gott erhalten. Sie sind nicht über Umwege, welche Gerüchte aufkommen lassen könnten, zu ihm gelangt.

Vers 12

Gott hat dem Paulus Christus gezeigt, wie sich Christus auch selbst dem Paulus geoffenbart (zu erkennen gegeben) hat (Apg 26,14) – Vater und Sohn haben direkt zu Paulus gesprochen. Sein Evangelium kommt nicht aus einer Überlieferung.

Verse 13-14

In diesen Versen blendet Paulus zurück: Vor diesen Offenbarungen handelte er völlig anders. Er bekräftigt dadurch weiter, dass ihm Gott etwas völlig Glaubwürdiges, aber auch Neuartiges gezeigt hatte. Es führte bei Paulus einen völligen Sinneswandel herbei. Er war im Praktizieren des Judentums weiter als viele Altersgenossen in seinem Volk und eiferte viel mehr fürs Gesetz als andere. Er eiferte so sehr dafür, dass eine neue Lehre sofort bekämpft werden musste – sogar bis aufs Blut.
Die Galater sollten erkennen, dass er denen, die für das Gesetz eintraten, im Wissen in nichts nachstand. Früher eiferte er noch mehr als diese dafür, indem er sogar die Gemeinde verfolgte. Doch jetzt ist die Zeit des Gesetzes vorbei und sie sollten durch seine Umkehr ein Beispiel haben, dass der Neue Weg durch Christus viel besser ist, als jener durchs Gesetz. Und dies sagte jemand, der es wissen musste: Paulus wurde, vor seiner Umkehr zu Christus, durch Gamaliel (Apg 22,3) im Gesetz unterwiesen. Und Gamaliel war ein bekannter und angesehener Gesetzesgelehrter (Apg 5,34).

Verse 15-16

15 Als es aber dem, der mich von meiner Mutter Leibe an ausgewählt und durch seine Gnade berufen hat, gefiel,
16 seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate; Gal 1, 15 – 16

Verse 15-16

Als Gott ihn rief, als der Zeitpunkt kam, dem Paulus Christus zu offenbaren, damit er ihn unter den Völkern predigte, ging Paulus nicht zu anderen Menschen, um sich raten zu lassen. Er ging nicht einmal zu den Aposteln nach Jerusalem.
Paulus sagt in diesen Versen, dass er einen klaren Auftrag von Gott erhalten habe. Diesen suchte er daraufhin sofort umzusetzen. – Reagieren wir auch so auf Gottes Aufträge? Oder gehen wir erst zu Freunden, um uns dazu raten zu lassen? – Wie oft wird beim Diskutieren der Aufträge Gottes deren Klarheit getrübt! Hat Gott tatsächlich solches zu Dir gesagt? Hast Du nicht erst grad geheiratet? Wolltest Du nicht einen Sprachaufenthalt machen? – All diese Fragen könnten aufgeworfen werden und uns unserer Sicherheit berauben!
Damit möchte ich nicht sagen, dass es im Allgemeinen nicht gut ist, wenn wir uns raten lassen. Nicht gut ist es, wenn wir einen klaren Auftrag bekommen haben. Klaren Aufträgen ist nichts hinzuzufügen. Lasst uns daher nach erhaltenen, klaren Aufträgen, auch wenn sie uns vielleicht nicht passen, nicht nach Meinungen anderer Menschen suchen, die uns vielleicht in unserem Ungehorsam bestärken! Lasst uns Gottes Willen sofort tun.

Verse 17-20

17 ich ging auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging sogleich fort nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück.
18 Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.
19 Keinen anderen der Apostel aber sah ich ausser Jakobus, den Bruder des Herrn.
20 Was ich euch aber schreibe – siehe, vor Gott! –, ich lüge nicht. Gal 1, 17 – 20

Vers 17

Paulus begann sein neues Leben in Damaskus. Er begann dort sofort den Auftrag Gottes auszuüben. Dazu brauchte er nicht erst den Rat oder die Vollmacht der anderen Apostel.

Verse 18-19

Persönlich war es für ihn trotzdem interessant, die anderen Apostel einmal kennenzulernen, so zog er doch eines Tages nach Jerusalem hinauf. Er verlor dabei aber nicht viel Zeit und versuchte dabei nicht, alle Apostel krampfhaft zu Gesicht zu bekommen. Er war zufrieden mit dem, was er vorfand. Dies zeigt, dass er in seiner Arbeit sicher war und er nicht nach einer demokratischen Wegweisung für sein weiteres Schaffen verlangte. Sein Auftrag, den Nationen das Evangelium zu verkündigen, war von Gott und brauchte daher nicht den zusätzlichen Segen von erschaffenen Geschöpfen.

Vers 20

Paulus musste ein Herz für die Galater gehabt haben. Er untermauert seine Glaubwürdigkeit ausserordentlich stark und mit vielen Worten. Sie sollen ihm doch um Himmels willen glauben und sich nicht von selbsternannten „Lehrern“ verführen lassen, mag er sich unter Tränen gedacht haben. Wir sehen im weiteren Verlauf des Briefes, dass er sogar um seine ganze Arbeit unter ihnen fürchtete. Wie bange muss es ihm gewesen sein!

Verse 21-24

21 Darauf kam ich in die Gegenden von Syrien und Zilizien.
22 Ich war aber den Gemeinden in Judäa, die in Christus sind, von Angesicht unbekannt.
23 Sie hatten aber nur gehört: Der, der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er einst zu vernichten suchte;
24 und sie verherrlichten Gott um meinetwillen. Gal 1, 21 – 24

Vers 21

Nach Auseinandersetzungen mit sogenannten Hellenisten in Jerusalem musste Paulus weiterziehen – er wurde von Brüdern nach Cäsarea und schliesslich nach Tarsus (Tarsus gehört in die Gegend von Zilizien) gesandt. Sie hatten nämlich erfahren, dass die Hellenisten, das sind Juden, die aus der griechisch sprechenden (hellenistischen) Mittelmeerwelt stammten, ihn umbringen wollten.

Vers 22

Paulus war der Apostel der Nationen (Apostel der Heiden), so lautete auch sein Auftrag. Daran hielt er sich auch treu und predigte fernab von seinem eigenen Fleisch und Blut, obschon er ein grosses Herz für sie (Israel) hatte (Rö 10,1).

Verse 23-24

Paulus wollte auch seinem Volk helfen, den richtigen Weg zu erkennen. Gott war ihm auch in diesem Punkt gnädig – er liess die Kunde von Paulus durch die jüdischen Gemeinden tragen – und sie verherrlichten dadurch Gott um seinetwillen.

Kapitel 2

Verse 1-2

1 Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit.
2 Ich zog aber einer Offenbarung zufolge hinauf und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predige, den Angesehenen aber besonders, damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen wäre. Gal 2, 1 – 2

Verse 1-2

Gott wollte, dass Paulus den Gläubigen in Jerusalem seine Arbeit vorstellte. Er gab Paulus eine Weisung diesbezüglich, so dass er sich auf den Weg machte. Er legte ihnen die Frohe Botschaft vor, wie er sie unter den Nationen predigte.

Über den Grund dieser Weisung kann ich nur mutmassen, doch die Tatsache liegt nahe, dass es den Israeliten immer noch schwer fiel, das Evangelium den Heiden zu predigen. Das Gesetz erlaubte den ihnen nämlich nicht, mit den Nationen Umgang zu haben. Der Neue Weg forderte sie aber dazu gerade heraus (Mt 28,19). Dies machte dem einen oder dem anderen bestimmt Mühe, wie wir es sogar bei Petrus sehen (Gal 2,12).

So durfte Paulus seine gesegnete Arbeit in Jerusalem vorstellen, den Angesehenen eingehend. Wir müssen annehmen, dass der Blick vieler Christen nach Jerusalem gerichtet war. Jerusalem war das Zentrum des wahren Glaubens. Dort starb Christus, stand der Tempel und war die erste christliche Gemeinde ansässig. Wäre Paulus’ Arbeit dort verworfen worden, hätte das zweifellos seine Arbeit aufs Äusserste behindert. Paulus braucht hier schon das Wort „vergeblich“. So schenkte Gott – auch um der Schwachheit der Christen, die sich auf Menschen fixierten willen – dass die Arbeit des Paulus, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen, von der Gemeinde in Jerusalem anerkannt wurde.

Verse 3-4

3 Aber nicht einmal Titus, der bei mir war, wurde, obwohl er ein Grieche ist, gezwungen, sich beschneiden zu lassen;
4 und zwar wegen der heimlich eingedrungenen falschen Brüder, die sich eingeschlichen hatten, um unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, zu belauern, damit sie uns in Knechtschaft brächten. Gal 2, 3 – 4

Verse 3-4

Die Gemeinden wurden von falschen Brüdern durchseucht, wie damals geschieht es auch heute: Es reihen sich Menschen unter die wahren Gläubigen, die vorgeben, es auch zu sein. Stattdessen verunreinigen und belasten sie die Geschwister mit Menschengeboten, welche der HERR nie erlassen hat. Oder sie versuchen, wie im obengenannten Vers 4, die Christen unter das Joch des Gesetzes zu bringen, indem sie etwas einführen möchten, das der HERR durch Christus abgeschafft hat (Heb 8,13).
Paulus war bestimmt erleichtert, dass die gesunde Lehre in der Gemeinde von Jerusalem noch die Oberhand innehatte und Titus nicht gezwungen wurde, sich beschneiden zu lassen. Die Beschneidung war ein Bestandteil des Gesetzes. Dieses Gesetz war der Mensch jedoch nicht imstande zu erfüllen. Genau aus diesem Grund wurde eine andere Lösung für den Menschen gesucht (Heb 8,7). Der Schlüssel für alle Probleme ist Christus! Und genau diesen Weg in die Freiheit wollen die eingeschlichenen Brüder nicht akzeptieren. Vielmehr bringen sie die freigewordenen Christen in Knechtschaft und Unfreiheit, indem sie – wo es ihnen gestattet wird – das mosaische Gesetz oder weitere Menschengebote lehren und einführen.

Verse 5-8

5 Denen haben wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe.
6 Von denen aber, die in Ansehen standen – was immer sie auch waren, das macht keinen Unterschied für mich, Gott sieht keines Menschen Person an – die Angesehenen haben mir nämlich nichts zusätzlich auferlegt,
7 sondern im Gegenteil, als sie sahen, daß mir das Evangelium für die Unbeschnittenen anvertraut war ebenso wie Petrus das für die Beschnittenen
8 – denn der, der in Petrus zum Apostelamt für die Beschnittenen wirksam war, war auch in mir für die Nationen wirksam – Gal 2, 5 – 8

Vers 5

Den Widersachern der reinen und guten Boschaft gab Paulus nicht nach. Er unterwarf sich unter keinen Umständen solchen Leuten. Es geht nicht an, das Wort abzuändern. Auch duldet der HERR keine Zusammenarbeit mit ungehorsamen Christen – solche Arbeitsgemeinschaften kann er nicht segnen. Das sehen wir klar aus Begebenheiten im Alten Testament. Die „Arbeitsgemeinschaft“ der Könige Ahab und Joschafat war überhaupt nicht gesegnet, obwohl beide aus dem Volke Gottes waren. Ahab lebte gottlos, Joschafat hingegen gottesfürchtig. Trotz des gottlosen Wandels Ahabs liess sich Joschafat auf ein Bündnis ein. Dafür wird er durch einen Propheten vom HERRN gerügt. Auch wurde – wie erwähnt – das gemeinsame Projekt nicht gesegnet. Joschafat kam vielmehr darin beinahe ums Leben.

Vers 6

Gott macht keinen Unterschied zwischen Menschen. Ob jemand im Ansehen steht oder nicht, kein Mensch kann sich besondere Rechte herausnehmen, nicht einmal Könige. Gott ist völlig unparteiisch. Wenn der Sklave gottesfürchtig lebt, wird er bei Gott mehr geachtet als der König, der im Ungehorsam lebt.
Weil Gott keinen Unterschied macht, machte Paulus auch keinen. Er wusste aber, dass die Menschen Unterschiede machen. Menschen schliessen sich gerne den Ansichten der Angesehenen an. Darum sah Paulus die Notwendigkeit, die Angesehenen besonders aufzusuchen, um sie von seinem Evangelium zu überzeugen.

Verse 7-8

Die Angesehenen hatten damals in der Gemeinde von Jerusalem grösstenteils noch Klarheit über Gottes Wege. Sie anerkannten den Geist in Paulus als den Geist Gottes und hatten auch Kenntnis über die Auftragsverteilung bei Petrus und Paulus. Petrus war mit dem Neuen Weg (Mt 9,17; Heb 8,13) zu den Juden gesandt, Paulus zu den Heiden. Diese Aufträge wurden durch denselben Gott gewirkt, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen.

Verse 9-10

9 und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben worden ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, damit wir unter die Nationen , sie aber unter die Beschnittenen.
10 Nur sollten wir der Armen gedenken, was zu tun ich mich auch befleissigt habe. Gal 2, 9 – 10

Vers 9

Derselbe Geist wirkte in Paulus, der auch in Petrus und Jakobus war. In Paulus offenbarte er sich mächtig im Predigen des Evangeliums, der Lehre, in Heilungen, in Zeichen und Wundern. Diese Gnadengabe in Paulus war nicht zu verbergen; wie hätten sich die anderen Apostel gegen diesen Mann Gottes stellen sollen? Schliesslich waren sie ja auch in der Mission Gottes unterwegs.
Darin gilt es, einander zu unterstützen und nicht zu bekämpfen.

Vers 10

Jesus sagte schon seinen Jüngern, dass es allezeit Arme geben wird (Joh 12,8).
Es gehört zum christlichen Grundauftrag, den Armen zu helfen. So hat Paulus sich auch befleissigt, diesem Mangel zu begegnen.

Verse 11-13

11 Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er verurteilt war.
12Denn bevor einige von Jakobus kamen, hatte er mit den Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete.
13 Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so daß selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde. Gal 2, 11 – 13

Verse 11-13

In diesen Versen wird uns ein Schwachpunkt Petri vorgestellt. Diese Darstellung dient nicht dazu, um ihn als Person klein zu machen. Er war ein Apostel aus dem engeren Kreis zu Jesus, er, Jakobus und Johannes (siehe auch Mk 5,37; 9,2; 14,33). Auch schillernde Figuren in der Bibel haben Fehler gemacht. Doch damit sollen wir nicht die unseren entschuldigen. Vielmehr können wir darin sehen, dass Jesus viel mit ganz ‚normalen’ Menschen erreicht und erreichen kann. Er braucht für sein Werk keine Übermenschen. Menschen wie sie und mich, liebe Leserin und lieber Leser, genügen für sein Werk vollauf, wenn der Wille da ist, seinem Wort und dem Wirken des Geistes Folge zu leisten. Das bestätigt uns auch der Vers im 5. Kapitel des Jakobusbriefes, welches uns zeigt, dass selbst Elia, welcher die Machtprobe zwischen 850 Baals- und Ascherapriestern und ihm selber, vor den Augen von ganz Israel, auf der ganzen Linie für sich entschied. Der Erfolg im HERRN ist eine Frage der Hingabe zu Gott.
Petrus, welcher auch Kephas genannt wurde, musste hier eine Zurechtweisung durch Paulus hinnehmen: Paulus verurteilte sein Verhalten, da er erst mit den Menschen ass, welche nicht Israeliten waren und sich anschliessend von ihnen zurückzog, als Israeliten hinzukamen (einige von Jakobus). Er fürchtete sich, von ihnen als schlechter Israelit bzw Täter des Gesetzes abgeurteilt zu werden, weil das Gesetz die Gemeinschaft mit Menschen aus anderen Nationen nicht erlaubte. In diesem Moment stand Petrus nicht für den Neuen Weg ein, welchen Jesus mit seinem Kommen brachte, dass alle Menschen das Heil in Gott finden können. Petrus verurteilte sich mit diesem Rückzieher selbst, denn er verleugnete in diesem Moment das, woran er selbst glaubte.

Verse 14-16

14 Als ich aber sah, daß sie nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben?
15 Wir von Natur Juden und nicht Sünder aus Nationen,
16 aber wir wissen, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Christus Jesus, haben wir auch an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt werden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird. Gal 2, 14 – 16

Vers 14

Paulus sprach daher in seiner Rüge an die Brüder zu Recht, dass Juden, die nun wie die Nationen leben, die Nationen nicht zwingen können, jüdisch zu leben. Das ergibt nämlich keinen Sinn. Die gläubig gewordenen Juden hielten sich zu Recht nicht mehr an die Riten und Bräuche ihrer Stammesgenossen. Das Gesetz des Moses währte nämlich nur bis zu Johannes, dem Täufer (Lk 16,16). Anschliessend kam der Neue Weg, Gottes Neue Testament. Im Matthäusevangelium, den Kapiteln 5-7, wird der Unterschied zum Alten Testament schön aufgezeigt. Nehmen wir ein Beispiel:

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen,… Mt 5, 43 – 44

Im Neuen Testament wird das Gesetz nicht aufgehoben, doch dessen Befolgung ändert sich. Die moralischen Grundsätze bleiben, sie werden sogar noch auf eine höhere Stufe gestellt, die Rituale und Opferbräuche hören auf.
Die gläubig gewordenen Israeliten haben demnach aufgehört zu Opfern und vorgeschriebene Feste zu halten. Sie lebten praktisch wie die Nationen (die moralischen Gesetze sollten sie natürlich noch halten, wie die Ehe nicht zu brechen, nicht zu lügen und stehlen, etc). Jemand aus den Nationen hielt das alles auch, wenn er nach seinem Gewissen lebte.
Wo Petrus sich in seinem schwachen Moment von den Nationen absonderte, sandte er falsche Signale aus. Die aus den anderen Völkern (Nationen) verwirrte er durch seine Haltung. Wie hätten sie sich denn nun verhalten sollen, wie Juden im Alten Testament oder wie Gläubige im Neuen Testament? Gott sei dank, war Paulus in diesem Moment klar in seinen Gedanken und stellte die Sachlage richtig.

Vers 15

Israel stammte vom beschnittenen Abraham ab. Daher konnte Paulus sagen, dass sie aus einem anderen, von Gott behandelten Geschlecht stammen würden, nicht so, wie die anderen Völker (Nationen). Das heisst natürlich nicht, dass sie (Israel) nicht auch Sünder waren. Gott gab ihnen aber einen Ausweg bezüglich der Sünde: Die Opfer. Diesen hatten die Nationen nicht, daher blieb die Sünde auf ihnen.

Vers 16

Paulus stellt an dieser Stelle klar, dass sie (Israel) es trotz des Alten Bundes nicht geschafft hatten, vor Gott gerecht zu werden. Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch gerechtfertigt. Deshalb führte Gott ein Neues Testament ein, welches für alle gilt, auch für die Nationen ausserhalb Israel. Israels Hoffnung ist nun dieselbe, wie jene für die Völker: Jesus Christus. Somit gibt es im Blick auf die Rettung einen gemeinsamen Weg: Der Glaube an IHN!
Petrus handelte demnach, wie erwähnt, falsch, indem er einen Unterschied machte und sich kurzzeitig von den Menschen aus den Nationen zurückzog.

Verse 17-21

17 Wenn aber auch wir selbst, die wir in Christus gerechtfertigt zu werden suchen, als Sünder befunden wurden – ist dann also Christus ein Diener der Sünde? Das ist ausgeschlossen.
18 Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter hin.
19 Denn ich bin durchs Gesetz Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt,
20 und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben <, und zwar im Glauben> an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.
21 Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz , dann ist Christus umsonst gestorben. Gal 2, 17 – 21

Vers 17

Wenn wir, die wir durch Christus gerecht gesprochen sein möchten, trotzdem noch Sünde tun, mag sich jemand denken, Christus würde nicht über die Sünde herrschen, um sie eindämmen zu können. Man mag meinen, die Sünde würde über Christus herrschen. Das ist aber nicht möglich, denn Christus hat nicht nur der Sünde, sondern der ganzen Begierde der Welt widerstanden. Er hat gekämpft und dabei überwunden (Joh 16, 33).

Vers 18

Wir sind die Übertreter, wenn wir wieder zu sündigen beginnen, was wir im Anfang unseres Laufes mit Christus begonnen haben zu lassen! Dafür können wir Christus nicht verantwortlich machen!

Vers 19

Der Mensch, der mit dem Gesetz in Kontakt kommt, stirbt, wie geschrieben steht:

Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf;
ich aber starb. Und das Gebot, das zum Leben , gerade das erwies sich mir zum Tod. Röm 7, 9 – 10

Das Gebot zeigt dem Menschen auf, dass er sündig ist. Denn ohne Gesetz (ohne Schranken) erkennen wir nicht, wo wir fehlen. Wenn aber eines da ist und dasselbe sogar noch gegen unsere natürlichen Triebe steht, bäumen sich diese dagegen auf. Wir erkennen dadurch, was in uns wohnt.
Paulus umschreibt diesen Umstand so im Römerbrief: „Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren!“

Doch – Gott sei Dank! – gab er uns einen Ausweg aus diesem Dilemma! Bereits im Gesetz wurde durch den HERRN ein Opfer angeordnet, dass an die Stelle des Sünders trat. Heute wissen wir, dass diese Opfer auf Christus hindeuten, welcher, an unserer Statt, die Sünde auf sich genommen hat und ans Kreuz ging, um stellvertretend für alle, die an ihn glauben, zu sterben.
Die alte Natur jedes Glaubenden, welche durch das Gesetz der Sünde überführt wurde und so nicht weiterbestehen konnte, wurde mit Christus am Kreuz beendet (Rö 7,4). Durch seine Auferstehung bekamen wir eine neue Natur, welche nicht sündigt (2. Kor 5,17).

Vers 20

Nun leben wir nicht mehr durch den alten, sündigen Menschen. Wir leben durch Gottes Natur, durch Christus.

Vers 21

Genau das Vorangegangene zeigt die grosse Gnade des HERRN. Das Gesetz zeigte uns auf, was in uns wohnt, bringt uns aber aufgrund unseres schlechten und sündigen Zustandes in Verlegenheit. Christus sprang in diese Bresche und schloss sie durch seinen Tod am Kreuz – er sei gelobt! So unterstreichen wir die Gnade, die uns Gott entgegengebracht hat, wir schätzen sie nicht gering ein. Sie ist es, die uns rettet! Christus ist somit nicht umsonst gestorben, sein freiwilliger Tod rettet uns Menschen das Leben! Kein Mensch kann – aufgrund seiner Natur – sich selbst erretten!

Kapitel 3

Verse 1-5

1 O unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen gemalt wurde?
2 Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens?
3 Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?
4 So Großes habt ihr vergeblich erfahren? Wenn es wirklich vergeblich !
5 Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens? Gal 3, 1 – 5

Vers 1

Im ersten Kapitel dieses Briefes, den Versen 6-10, wird das Problem der Galater angesprochen. Sie, denen Jesus Christus als gekreuzigt gepredigt wurde, liessen sich bezaubern, einer anderen „guten Nachricht“ (Evangelium) zu glauben.

Jesus wurde ihnen als Opfer für die Menschen dargestellt, als gekreuzigt. Diese Tatsache sagt sehr viel aus:

Ein vollkommener Mensch, welcher keine Sünde hatte, liess sich für die Menschen, die an ihn glaubten und noch glauben werden, opfern, damit die Strafe an den Glaubenden vorübergeht. Der Mensch war schliesslich nicht fähig, durch das Gesetz gerecht zu werden; er schaffte es nicht einzuhalten. Somit wäre er der Strafe und Verdammnis mit Sicherheit nicht entflohen. Doch durch Christus, welcher gekreuzigt wurde, schaffte Gott uns Glaubenden einen Ausweg! Was für eine herrliche Botschaft!

Genau diese Herrlichkeit wollten die Galater wieder mit dem Gesetz-Einhalten vertauschen. – Eine unaussprechliche Torheit!

Vers 2

Paulus bangt sehr um die Galater – hat er ihnen die Freiheit des Evangeliums vergeblich gepredigt (Gal 3, 4)? In diesem Vers holt er aber nochmals einen Anlauf und versucht die Wahrheit auf plastische Weise darzulegen, indem er sie fragt, ob sie den Heiligen Geist durch ihre Taten erhalten haben oder durch den Glauben an Christus?* *Jeder Mensch kann Christ (Kind Gottes) werden, indem er die gute Botschaft von Jesus Christus annimmt und an ihn glaubt – an den, der sich für uns ans Kreuz schlagen liess, um unsere Sünden wegzunehmen.

Vers 3

Die Galater haben richtig angefangen: Ihnen wurde der Glaube an Christus gepredigt und sie glaubten daran. Durch diesen Glauben erhielten sie den heiligen Geist und wurden zu Kindern Gottes. Alles war richtig und gemäss der Richtlinien Gottes geschehen. Leider kamen bei Ihnen Stimmen auf, die sie von diesem einfachen Glauben zu eigenen (fleischlichen) Werken verführten, indem sie den Galatern vorlogen, letzteres sei der Weg Gottes.
Dass eigene Werke Gott jedoch nicht zufriedenstellen, wissen wir schon aus den ersten Kapiteln der Bibel. Hatte Gott Freude am den Opfergaben Kains (1. Mo 4, 5)? Nein! Wie soll Gott etwas von jemandem annehmen, der sein Gesetz fortwährend bricht? Die Menschen können sein Gesetz nicht einhalten, wie kann er dann etwas vom Menschen annehmen? Nur Christi Werk war vollkommen, somit ist auch sein Opfer vollkommen und angenehm. So hat Gott denn nun verordnet: Wer an sein Opfer glaubt (an Christus), wird gerechtfertigt darin. Der Mensch muss und sollte nicht mehr selber Opfergaben bzw. eigene Werke darbringen.

Vers 4

Die Rechtfertigung des Menschen aus Glauben ist etwas sehr Grosses – zu schade, sollte es vergeblich gewesen sein.

Vers 5

Nochmals fragt Paulus, wie im Vers 2, ob Gott sich ihnen wegen ihrer Gesetzeswerken zuwandte oder es wegen ihres Glaubens tat. Wenn sie es prüften, hätten sie schnell merken müssen, dass Gott es aufgrund ihres Glaubens tat. Die bösen Zungen, die ihnen ein falsches Evangelium predigten, hätten sie so schnell verstummen lassen sollen.

Verse 6-9

6 Ebenso wie Abraham Gott glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde.
7 Erkennt daraus: die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne!
8 Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: »In dir werden gesegnet werden alle Nationen.«
9 Folglich werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Gal 3, 6 – 9

Vers 6

So, wie die Galater durch den Glauben den Heiligen Geist empfingen, wurde Abraham durch den Glauben gerechtfertigt. Dies ist ein geistliches Gesetz. Durch Glauben wird man selig, nicht durch gute Werke, die man in der Absicht, errettet zu werden, tut.

Vers 7

Abraham ist der Vater des Volkes Gottes. Er ist der Vater Israels, wie auch der Vater der Gemeinde (der Unbeschnittenen Gläubigen), wie wir in Römer 4, 11-12 erklärt bekommen. Auch dort wird wieder erläutert, wie der Mensch gerechtfertigt wird: Durch den Glauben! Somit sind wir, die wir durch den Glauben die Rechtfertigung suchen, seine Söhne und Erben der Verheissungen, die Abraham versprochen wurden.

Hierin sehen wir auch wieder, dass etwas Grosses mit dem Menschen geschieht, wenn er von Gott in die Nachfolge berufen wird: Der Mensch hat im ungläubigen Zustand einen anderen Vater. Einen Vater ohne Zukunft und ohne Verheissungen. Zusammengefasst steht er in einer auswegslosen Situation. Von dem Zeitpunkt an, wo er sich zu Gott wendet, ändert sich seine Herkunft grundlegend: Er kommt in die Nachkommenschaft Abrahams und wird dadurch automatisch zum Erben Gottes (Gal 3,29).

Verse 8-9

Es war von Anfang an geplant, dass die Nationen auch Teil des Heilsplans sein sollen – nicht nur Israel sollte daran partizipieren. Deshalb wurde schon dem Abraham verkündigt, dass alle, die glauben werden (d.h. „In dir…“, weil er der Vater der glaubenden Menschen ist), in ihm gesegnet werden. Er ist der Vater der Gläubigen. Wenn der Vater gesegnet wird, kommt es den Kindern auch zugute. Wer Abraham nicht zum Vater hat (d.h. wer nicht glaubt), wird auch nicht in diesen Segen mit eingeschlossen.

Verse 10-12

10 Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!«
11 Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn »der Gerechte wird aus Glauben leben«.
12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: »Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.« Gal 3, 10 – 12

Verse 10-11

Ein Mensch, welcher mit dem Gesetz Gottes konfrontiert ist, ist schuldig, das ganze Gesetz einzuhalten. Da er es seiner Schwachheit wegen nicht einhalten kann, ist er unter dem Fluch des Gesetzes (wer es einhalten kann, ist unter dem Segen).

Heute können wir mit Sicherheit sagen, dass es kein Mensch ausser Christus geschafft hat, das Gesetz einzuhalten (Vers 11). Dies bekannten auch die Apostel (Apg 15,10).

Vers 12

Das Gesetz fordert etwas vom Menschen: Dessen totale Befolgung. Wer das ganze Gesetz einhält, wird dadurch leben. Doch – wie schon oft erwähnt – schaffte das überhaupt niemand, ausser Christus selbst. Somit sollte jeder Mensch, der sich selbst erlösen möchte, endlich begreifen: Was viele Generationen nicht geschafft haben, will er schaffen? Was Gott lückenlos bewiesen hat (dass sich der Mensch nicht selbst erlösen kann), will er in Frage stellen und sich selbst erlösen? „Nun gut“, rufe ich dem aufgeblasenen Zweifler zu, „versuche es mit der Einhaltung des Gesetzes! Wisse aber, dass die Wiederkunft Christi nahe ist und für solche sinnlosen Experimente keine Zeit übrig bleibt!“

Vers 13

13 Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist – denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!« –, Gal 3, 13

Vers 13

Da das Gesetz von Gott kam, ist es natürlich gut (Rö 7,12). Weshalb wird dann so oft vom Fluch des Gesetzes gesprochen? Wenn das Gesetz so gut ist, wie geschrieben, weshalb bringt es mich unter einen Fluch, von dem ich im Nachhinein losgekauft werden muss?
Wäre das Gesetz gut, müsste es mir doch grossen Segen bringen? In diesem Vers steht jedoch, dass uns* Christus vom Fluch des Gesetzes hat loskaufen müssen (*die, welche an Christus glauben sind losgekauft). Wie ist das zu verstehen?

Das gute Gesetz wurde dem Menschen gegeben, um sich, seinen Charakter und sein Innerstes, kennen zu lernen. Das Gesetz zeigt Gottes Moral, es zeigt, was gut und was böse ist. Wenn ein Mensch nach diesem Gesetz wandeln würde, wäre er angenehm vor Gott: Er müsste nicht sterben. Sterben muss nur, wer sündigt, denn es heisst, dass der Lohn für die Sünde der Tod ist (Rö 6,23). Christus, der einzige Mensch, der ohne Sünde lebte, hätte nicht zu sterben brauchen – Gott hätte ihn aus der Bedrängnis gerettet, hätte er sich nicht freiwillig für uns hingegeben. Christus hätte bei seiner Festnahme im Garten Gethsemane bei seiner Festnahme die garantierte Hilfe seines Vaters in Anspruch nehmen können. Mehr als zwölf Legionen Engel hätten die Abgesandten der Hohenpriester, die Jesus gefangen nehmen wollten, bei Bedarf zu feinem Pulver verarbeitet. Jesus hätte nur das kleinste Zeichen geben müssen (Mt 26,53). Das sollte allen klar sein! Doch der HERR gab sich zu unserer Rettung freiwillig hin: Er sei dafür gelobt in Ewigkeit!

Bleiben wir aber noch einen Moment beim Gesetz. Das Volk Israel, das gerade der ägyptischen Knechtschaft entflohen und durch Gottes Gnade, nicht durch eigene Verdienste, auf dem Weg ins eigene Land war, sprach: “Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun!“ Israel dachte tatsächlich, sie wären selbst dazu befähigt, Gottes Moral und sein Gesetz einhalten zu können. Wieso sollten sie das damals nicht denken – zu dieser Zeit waren sie noch nicht unter Forderungen und wussten demnach auch nicht, ob sie ihnen gerecht werden konnten. Sie dachten – wie die modernen Menschen es auch tun – sie hätten einen guten Kern in ihrem Inneren. Damit sei es bestimmt zu schaffen.

Kurz darauf stellte sie Gott – auf ihr eigenes Verlangen hin – unter sein Gesetz. Wer es einhalten würde, sollte Leben erben (Rö 7,10). Doch es erwies sich für den Menschen zum Tod, obwohl das Gesetz selbst, wie erwähnt, gut war denn erst durch die Richtlinien Gottes sah der Mensch ein, dass das vermeintlich Gute in ihm nur böse war und ist. Heute wissen wir: Alles im Menschen ist gegen Gottes Richtlinien gerichtet (1. Petr 2,11; Rö 7,15-19).

Somit ist der grundsätzlich gegen Gottes Moral gerichtete und völlig unzulängliche Mensch unter dem Fluch des guten Gesetzes: Er ist nicht imstande es einzuhalten und übertritt es fortwährend. Wenn er anschliessend von Gott, dem gerechten Richter der Welt, beurteilt wird, muss er verdammt, in eine Gottesferne gestellt werden. Der Mensch steht völlig unter dem Fluch des Gesetzes.

Doch, Jesus sei Dank!, hat er uns losgekauft von diesem Fluch, indem er an unserer Stelle freiwillig zum Fluch wurde. So hat er unsere gerechte Strafe auf sich genommen und uns freigemacht! Ihm gebührt Ehre, Dank und Lob! Amen.

Vers 14

14 damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen. Gal 3, 14

Vers 14

Wie ich im Kommentar zu den Versen 7-9 zu erläutern versucht habe, kommen wir durch den Glauben an Christus zum Segen, der Abraham versprochen wurde. Durch Glauben hat Abraham die Verheissung erhalten, sehr gesegnet zu werden. Durch unseren Glauben kommen wir in die Nachkommenschaft Abrahams und werden somit Teilhaber dieses Segens. Dieser Segen ist nur „in Christus“ möglich. Christus hat durch seine Erlösungstat den Weg für die Glaubenden geebnet und ermöglicht uns, weil er unsere Schulden getilgt hat, zum himmlischen Vater zu kommen, wenn wir an ihn glauben.

Der Weg des Heils ist sehr einfach – mögen ihn noch viele Menschen ergreifen!

Verse 15-18

15 Brüder, ich rede nach Menschenart: selbst eines Menschen rechtskräftig festgelegtes Testament hebt niemand auf oder fügt etwas hinzu.
16 Dem Abraham aber wurden die Verheißungen zugesagt und seiner Nachkommenschaft. Er spricht nicht: »und seinen Nachkommen« wie bei vielen, sondern wie bei einem: »und deinem Nachkommen«, der ist Christus.
17 Dies aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das vierhundertdreißig Jahre später entstandene Gesetz nicht ungültig, so daß die Verheißung unwirksam geworden wäre.
18 Denn wenn das Erbe aus Gesetz , so nicht mehr aus Verheißung; dem Abraham aber hat Gott durch Verheißung geschenkt. Gal 3, 15 – 18

Vers 15

Paulus untermauert mit diesem Vers die Rechtsgültigkeit der Verheissung Gottes. Sie ähnelt einem menschlichen Testament, das weder aufgehoben, noch abgeändert wird. Somit ist diese Verheissung dem Abraham garantiert: Sie wird nicht zurückgezogen.

Vers 16

Christus wird die ganze Erde erben, durch ihn kommt der Segen zum Fliessen. Abraham machte es als unser Vater vor, dass wir Gott glauben sollen, um gerettet zu werden, Christus schaffte die Voraussetzungen dazu.

Verse 17-18

Wie bereits im Vers 15 erwähnt, ist die Verheissung Gottes mit einem Testament zu vergleichen, das weder abgeändert, noch zurückgezogen wird. Deshalb wurde daran auch nichts geändert, als das Gesetz 430 Jahre später kam. Die Verheissung an die Glaubenden bleibt bestehen. Das Gesetz diente dazu, uns aufzuzeigen, was ihn uns wohnt. Es wurde nicht zur Selbsterlösung gegeben. Hätten wir durchs Gesetz die Gerechtigkeit erlangen können, hätte Christus nicht zu sterben brauchen.

Verse 19-22

19 Was nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme käme, dem die Verheissung galt –, angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers.
20 Ein Mittler aber ist nicht von einem; Gott aber ist einer.
21 Ist denn das Gesetz gegen die Verheissungen Gottes? Das ist ausgeschlossen. Denn wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig machen könnte, wäre wirklich die Gerechtigkeit aus Gesetz.
22 Aber die Schrift hat alles unter Sünde eingeschlossen, damit die Verheissung aus Glauben an Jesus Christus den Glaubenden gegeben werde. Gal 3, 19 – 22

Verse 19-20

Bevor der Mensch unter Gesetz stand, konnte er argumentieren, er hätte unwissentlich Gottes Willen übertreten. Durch die genauen Anordnungen des Gesetzes wurde dies unmöglich. Das Gesetz stellt die Übertretungen der Menschen klar umrissen dar. Kein Mensch kann sich auf irgendeine Weise vor Gericht herausreden, denn jeder ehrliche Mensch muss bekennen, dass er mehrere Forderungen des Gesetzes klar übertreten hat. Das Gesetz lässt keinen Spielraum offen und das ist gut so. Es gibt immer wieder Menschen, die tatsächlich meinen, sie hätten einen guten Kern und könnten mit ihrer menschlichen, verdorbenen Natur Gottes Gesetz einhalten und würden seinen Moralvorstellungen entsprechen. Genau solche Menschen glauben auch, sie bräuchten nicht erlöst zu werden und lehnen Gottes Angebot der Erlösung dankbar ab – sie wissen buchstäblich nicht, was sie tun!

Der Mittler steht zwischen zwei Parteien. Gott ist die eine, der Mensch die andere Partei. Mose war der Mittler.

Vers 21

Das Gesetz ist, wie erwähnt, weder gegen die Verheissungen noch um sie zu ergänzen, gegeben worden. Vielmehr kam es dazu, um die Frage der Gerechtigkeit zu klären. Die Gnade ist verheissen, doch kein Mensch sollte glauben, er hätte sie verdient. So wurde das Gesetz hinzugefügt, welches offenbarte, dass der Wille des Menschen grundsätzlich gegen Gottes Richtschnur und Moral gerichtet ist. Es liess das Böse der menschlichen Natur voll zur Entfaltung kommen. Der Mensch musste durch das Gesetz erkennen, dass er im gerechten Gericht, anstelle der Verheissung Gottes, Verdammnis und Hölle verdient hat. Der Mensch mochte früher gedacht haben, dass er sich bessern könne – er sei zwar nicht ganz perfekt – doch er könne sich zur Perfektion hocharbeiten. So denken sogar heute noch viele Menschen. Auch Religionsführer beschäftigen sich mit diesem falschen Gedankengut und lehren so ihre Jünger. Wenn er sich aber mit dem Gesetz Gottes beschäftigen würde, würde der eitle Mensch erkennen, dass er im Blick auf die Moral eine unheilbare Krankheit in sich hat. Er besitzt eine unheilbare Natur, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Sein Zustand entspricht nicht einer grauen Färbung, wenn wir von Schwarz für Böse und Weiss für Gut ausgehen. Sein Zustand ist dunkelschwarz in allen Bereichen. Seine Natur ist in keinem Punkt in der Lage, Gottes Rechtsforderung im Gesetz zu erfüllen. Dafür war das Gesetz. Es gab dem Innern im Menschen klare Umrisse.

Jede verständige Person sollte mithilfe des Gesetzes erkennen, dass sie ohne Hoffnung ist, im Blick auf eine eigenmächtige Befreiung, vor Gottes Gericht. Die Schuld des Menschen lastet zu schwer auf ihm. Das Gesetz hat die Verschuldung sehr klar ans Tageslicht gebracht. Der Mensch muss jetzt erkennen, dass er einen Erlöser benötigt. Dieser Befreier, Jesus Christus, bietet jedem Menschen seine Hand dar – wer sie ergreift ist gerettet. Wer sie verwirft, leider machen das viele Menschen im vollen Bewusstsein ihrer Schuld, geht auf doppelt gerechte Weise verloren. Erstens, weil er seine Verantwortung vor Gott, indem er die Schuld einsieht und Gott zu suchen beginnt, nicht wahrgenommen hat. Zweitens, weil er das Gnadenangebot Gottes, Sündenvergebung ohne Gegenleistung, verworfen hat.

Vers 22

Gott möchte völlig klar stellen, wie wir, die glauben, in den Besitz der Verheissung kommen. Deshalb widmen sich so breite Teile der Schrift dieser Thematik. Alle sind unter der Sünde eingeschlossen und niemand kann diesem Gesetz entfliehen, noch es einhalten – deshalb der Begriff „eingeschlossen“. Die Verheissung kann nur an die christusgläubigen Menschen gehen – alle anderen Wege sind chancenlos. Jede Religion, die keinen makellosen Erlöser vorweisen kann, wird Gott nicht zufrieden stellen und den Menschen nicht rechtfertigen. Deshalb sagt die Schrift, dass im Namen Jesus Christus allein das Heil ist, in keinem anderen Namen können Sie es, liebe Leserin und lieber Leser, finden.

Verse 23-26

23 Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte.
24 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.
25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister;
26 denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus. Gal 3, 23 – 26

Vers 23

Es brauchte diese Verwahrung unter Gesetz. Der Mensch denkt von sich – wie schon etliche Male erwähnt – er könne sich, sinnbildlich gesehen, von dieser Verwahrung aus eigener Kraft befreien. Er denkt, er sei nicht eingeschlossen, da er meint, er stehe über dem Gesetz. Tatsächlich aber sind die Menschen unter Gesetz eingeschlossen. Sie sind darin sicher verwahrt und können unmöglich entfliehen. Sie müssen auf eine Rettung von aussen hoffen.

Vers 24

Das Gesetz diente dazu, etwas weiterzugeben. Der Mensch sollte dadurch etwas lernen, wie das heute durch Berufsausbilder, beispielsweise in der Arbeitswelt, geschieht. Es vermittelte dem Menschen auf eindrückliche Art, dass er Gott nicht zufriedenstellen kann und somit dringend einen Erlöser braucht. Es weist auf Christus hin, zeigt auf, dass der Mensch aus Glauben gerechtfertigt wird, da es bewiesen hat, dass es keine Rechtfertigung durch menschliche Taten geben kann. Die menschlichen Taten, so gut sie auch sein mögen, reichen um Meilen nicht an Gottes Forderung und Massstab. Der Mensch Jesus Christus allein, der auch erstgeborener Gottes Sohn ist, konnte diese Forderungen erschöpfend, ohne eine Ausnahme, und zur vollsten Zufriedenheit des Vaters erfüllen. Darüber hinaus tat er noch mehr: Obschon er für sich nicht zu sterben brauchte, sprang er in die Bresche zwischen dem übrigen Menschengeschlecht und Gott, starb freiwillig einen stellvertretenden Tod für uns, damit der Weg der Verheissung zu den glaubenden Menschen frei wurde. Somit ist die Verheissung nicht nur für den Samen Abrahams (Christus), sondern für alle Menschen, die an ihn und sein Erlösungswerk glauben. Diese Herrlichkeiten werden uns durch das Gesetz vermittelt. All die durch das Gesetz geforderten Opfer weisen, um nur einen Punkt zu nennen, auf Christus hin.
Was für ein Mensch ist doch unser Erlöser Christus! Wem ist er gleich? Ihm allein gebührt Ruhm, Ehre und Anbetung!

Verse 25-26

Jetzt sind wir nicht mehr unter diesem Ausbildner und Zuchtmeister, dem Gesetz. Christus hat uns herausgeführt. – Weil wir an Christus glauben, sind wir nicht nur frei vom Gesetz, wir sind sogar Söhne Gottes! Die Verheissung an Abraham beinhaltet dieses unvergleichliche Vorrecht.

Verse 27-29

27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.
28 Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
29 Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft nach Verheissung Erben. Gal 3, 27 – 29

Vers 27

Wir, die Gläubigen, vertrauen nicht mehr auf unsere Güte. Wir haben eingesehen, dass wir es von uns aus nicht schaffen, Gott zu gefallen. Deshalb legen wir symbolisch den alten Menschen ab, denn wir haben den neuen angezogen. Dieser neue Mensch, Christus, gefiel Gott in allen Dingen und wir wissen, dass wir Gott auch in allen Dingen gefallen, wenn wir in ihm wandeln. In Christus wandeln heisst, dass wir unser Leben und unsere Entscheidungen nicht mehr nach den Gelüsten unseres Ichs ausrichten. Wir richten unser ganzes Sein nach Gott aus.

Wenn wir das von ganzem Herzen aus tun, wird Gott es so führen, dass wir nach seinem Wohlgefallen durch das Leben gehen dürfen (Ps 37,23). Sein Leben in uns, welches wir durch den Glauben an Christus erhalten haben, wird uns dabei helfen. Dieses göttliche Leben kann nämlich nicht sündigen (1.Joh 5,8). So können wir Gott unser Leben lang gefallen. Sollten wir trotzdem einmal einen Fehltritt machen, weil wir uns vom alten Ich verleiten lassen, ist auch vorgesorgt: Wenn wir unsere Sünden bekennen, weil es uns leid tut, werden sie uns vergeben (1.Joh 1,9).

Vers 28

Die Abstammung des Menschen spielt bei Christen keine Rolle mehr, sie gehören durch ihren Glauben und ihre Wiedergeburt zur Familie Gottes. Wir sind sogar einer in Christus, weil wir zum Leib Christi hinzugefügt werden und zu seinen Gliedern werden. So eng dürfen wir Christen miteinander verbunden und verwoben sein!

Vers 29

Dieser Vers birgt eine herrliche Verheissung! Ein Nachkomme Abrahams, des Freundes Gottes, sein zu dürfen ist schon etwas, doch ein Kind der Verheissung zu sein, noch viel mehr! Nicht jeder Nachkomme Abrahams ist gleichzeitig ein Kind der Verheissung, wie wir bei Ismael und Isaak sehen (Gal 4,22-31). Doch in Christus sind wir verheissene Kinder Abrahams, Kinder aus der Linie des Glaubens und somit Erben der Verheissung.

Kapitel 4

Verse 1-4

1 Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist;
2 sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist.
3 So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der Welt versklavt;
4 als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, Galater 4, 1 – 4

Verse 1-2

An dieser Stelle bringt Paulus durch den Heiligen Geist – die ganze Schrift ist von Gott eingegeben – in Bildsprache zum Ausdruck, dass wir, obschon Erben (Gal 3,29), das Erbe nicht sofort antreten können. Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven. Es ist an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass wir jetzt, in diesem Zeitalter, nicht reich werden müssen oder danach trachten sollen, in irgend einem Bereich in der Welt Herrschaft auszuüben. Wem heute schon etwas gegeben ist, der soll es dem HERRN gemäss verwalten.

In diesem Zeitalter ist die Herrschaft über die Welt weder Israel noch den Christen gegeben. Im Moment schwingen die Nationen das Zepter der Regierungsgewalt (ihre Zeit begann mit dem Untergang Israels zur Zeit Nebukadnezars und endet bei der Wiederkunft Christi). Sie wird natürlich zusätzlich beeinflusst durch den Fürsten dieser Welt.

Der wahre Antritt der Erbschaft erfolgt erst zu Beginn des Tausendjährigen Reiches, wenn Christus in seiner Herrlichkeit, für alle sichtbar, zurückkommen wird. Zum Ende der Herrschaft der Nationen wird er die Welt richten und seine Gemeinde zu sich holen. Dann werden die Christen, welche würdig sind, ihren Bereich im Erbe Christi antreten.

An seiner Erbschaft lässt Christus nicht jeden Christen bzw. jede Christin zu gleichen Teilen teilhaftig werden, sie wird gerecht aufgeteilt, gemäss Treue (Mt 25,14-30) und Fleiss (Lk 19, 11-26). Jener Christ, der sein Leben im Eigendünkel lebte, ohne je nach Gottes Weisung zu fragen, wird kein Erbe antreten (1. Kor 3, 11-17) – er war für Gott, der ihn gerettet hat, eine Schande. Die Sohnschaft geht jedoch nicht verloren, sie ist durch eine Geburt gegeben, nicht wie ein Geschenk, das man zurücknehmen kann.

Menschen, die behaupten, Christen könnten wieder verloren gehen, verbreiten eine Irrlehre. Wer hingegen lehrt, dass ein Christ reich belohnt werden oder einen grossen Verlust einfahren kann, liegt in Übereinstimmung mit der Aussage der Heiligen Schrift. – Wer dies nicht anerkennen will, damit er tun und lassen kann, was er selbst will, wird ein hartes Urteil empfangen. Amen.

Verse 3-4

Obschon wir von Anbeginn der Welt zur Erbschaft bestimmt waren, mussten erst einige Dinge geschehen, die den Weg zu dieser Erbschaft ebneten. Wir mussten erst einmal Gestalt annehmen und in Wirklichkeit zur Welt kommen. Anschliessend nahm uns Gott in seine Familie auf: Er hob die erste Abstammung auf, indem er sie am Kreuz beendete und uns durch den Heiligen Geist zeugte, damit wir ein neues Leben mit neuer Natur empfangen und so zu seinen Nachkommen würden.
Als unmündige Kinder wussten wir uns aber noch nicht im Reich zu benehmen, deshalb sandte er Verwalter und Lehrer, um uns auszubilden. – Wenn wir diese Prozesse alle durchschritten haben, werden wir fähig sein, die Erbschaft anzutreten.

Am Ende des Verses 4 wird erwähnt, dass Jesus von einer Frau unter Gesetz geboren wurde. Wir wissen auch, dass seine Mutter bis zur Niederkunft Jesu Jungfrau war (Mt 1,24-25). Das beweist, dass Jesus Gottes Natur hatte (durch den Geist gezeugt, Mt 1,20). Zugleich war er auch völlig Mensch, weil er durch die Frau kam – er war durch diesen Umstand auch Sohn des Menschen (Mt 8,20;9,6 als Bsp.). Er konnte als Mensch für Menschen bezahlen, war zugleich aber Gott (Joh 1,1 und 14) und hatte somit die Kraft, uns zu retten (Jes 43,11) – es gibt nämlich keinen anderen Retter als Gott allein – für diesen Auftrag musste er auch Gott sein, was leider einige Sektengruppen leugnen.

Dass Jesus unter Gesetz geboren wurde, ist ebenfalls bezeichnend, als Mensch war er mit derselben Forderung des Gesetzes konfrontiert, wie alle anderen Menschen. Er allein schaffte es, als Mensch Gottes Gesetz völlig einzuhalten (Heb 4,15), was ihn wiederum im hellen Glanz erstrahlen lässt! Er sei gelobt!

Verse 5-8

5 damit er die loskaufte, unter Gesetz , damit wir die Sohnschaft empfingen.
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!
7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.
8 Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind; Gal 4, 5 – 8

Vers 5

Er war, wie erwähnt, auch unter Gesetz, konnte uns aber dadurch loskaufen, indem er für unsere Sünden bezahlte. Für sich selbst musste er nichts bezahlen, er war der einzige Mensch ohne Sünde. Kein anderer Mensch hätte das tun können, weil jeder für seine eigenen Vergehen sterben muss: Der Lohn für die Übertretung ist der Tod (Rö 6,23). Er gab jedoch sein Leben hin für uns, das ist der höchste mögliche Liebesbeweis, den jemand einem anderen geben kann (Joh 15,13).

Weil er auch Gott ist, durften wir die Sohnschaft empfangen, die Sohnschaft Gottes (Gal 3,26)! – Gibt es eine höhere Stellung im Universum?

Vers 6

Gott ist Geist und alles, was er tut ist geistlich (Joh 4,24). An derselben Stelle steht, dass wir ihn in Geist und Wahrheit anbeten sollen. Das geht nur, wenn wir seinen Geist haben. Als Söhne haben wir ihn. Die Nationen können ihn so nicht anbeten, da sie eine andere Natur haben, die Natur Adams. Wir haben Christi und somit Gottes Natur.

Vers 7

Diesen Vers sollten sich unsichere Christen verinnerlichen. Die neue Stellung ist gewaltig, auch wenn sie noch nicht sichtbar ist. Der Unterschied zu früher ist da und er wird gewiss offenbar werden.

Vers 8

So, wie es da steht, verhielt es sich mit uns. Wir machten uns zu Feinden Gottes, indem wir ihn, obschon seine Werke allen offenbar waren (Rö 1,18-19), nicht als Gott verherrlichten, sondern unser Leben auf andere Dinge ausrichteten. Dabei ist wichtig, nicht zu vergessen, dass er uns erwählt hat, nicht wir ihn (Joh 15,16).

Verse 9-12

9 jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden. Wie wendet ihr euch wieder zu den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr wieder von neuem dienen wollt?
10 Ihr beobachtet Tage und Monate und bestimmte Zeiten und Jahre.
11 Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.
12 Seid wie ich! Denn auch ich wie ihr, Brüder, ich bitte euch; ihr habt mir nichts zuleide getan. Gal 4, 9 – 12

Verse 9-10

Paulus fragt die Galater an dieser Stelle, wie es denn sein könne, dass ein Kind, welches von der höchsten Gewalt im Universum gezeugt wurde, ihr zugehörig ist und von ihr geliebt wird, von ihr weg auf armselige Dinge blickt und sich von ihnen leiten lässt. Sie drohten vom Schöpfer weg auf geschaffene Dinge zu blicken. Sinnbildlich gesprochen heisst das: Der Topf beobachtete einen anderen Topf und leitete sein Schicksal davon ab, stattdessen auf den Töpfer zu schauen, welcher alles tun kann.

Wenn die Nationen solches praktizieren, ist das fast normal, obschon sie es auch nicht tun sollten, denn Gott hat sich allen Menschen durch seine Werke (Schöpfung) offenbart (Rö 1). Doch leider richten sie ihr Leben nach den Sternen (Astrologie) und sonstigen, niedrigen Dingen, statt den Blick zu den Bergen zu erheben und den Schöpfer zu suchen (Ps 121).

Vers 11

Paulus nimmt an dieser Stelle kein Blatt vor den Mund. Er fragte sich, ob seine Arbeit bei ihnen vergeblich war. Wie konnte es denn sein, dass sie, die Galater, nach solchen Erklärungen des grossen Lehrers Paulus, sich wieder zu ihren Armseligkeiten wenden wollten?

Vers 12

Obschon dieser Vers kurz ist, sagt er viel aus. Paulus sagt von sich, er sei nichts besonderes, er sei wie sie. Die Galater sollten nicht denken, Paulus sei ein Übermensch und seine Lehre gelte nur für ihn oder speziell auserwählten Personen. Auch habe er keinen Grund, sie mit irgendetwas zu strafen, sie hätten ihm ja nichts zuleide getan. Sie durften getrost das von ihm gepredigte Wort annehmen, das er ihnen aus reinem Herzen, ohne Vorwände und Hintergedanken, gepredigt hatte.

Verse 13-15

13 Ihr wisst aber, dass ich euch einst in Schwachheit des Fleisches das Evangelium verkündigt habe,
14 und die Versuchung, die euch mein Fleisch verursachte, habt ihr nicht verachtet noch verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, wie Christus Jesus.
15 Wo nun eure Glückseligkeit? Denn ich bezeuge euch, dass ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet. Gal 4, 13 – 15

Verse 13-14

Paulus appelliert an die Erinnerung der Galater: haben sie früher, wo Paulus bei ihnen war, doch noch anders gedacht. Sie liessen sich nicht vom Umstand, dass Paulus von sich selbst aus nicht mächtig war, verleiten, glaubten damals seinen Worten und nahmen ihn mit einer beispiellosen Herzlichkeit auf.

Vers 15

Paulus erwähnt im 2. Korintherbrief (12,7) ein Gebrechen an seinem Leib. Durch das Sehen von ausserordentlichen Offenbarungen droht jedem Menschen, dem Hochmut zu verfallen. Paulus wurden mehr Offenbarungen zuteil, wie einem Durchschnittschristen (2. Kor 12,2). Er war in Gefahr, hochmütig zu werden und erklärt damit eines seiner Leiden.

An dieser Stelle erwähnt Paulus die Bereitschaft der Galater, einem Diener Gottes, ihm, zu helfen, egal, was es kostete. Sie hätten auf ihre Augen verzichtet, wenn es ihm geholfen hätte. – Diese Nächstenliebe macht sie zu glückseligen Menschen, denn sie wandelten in der von Gott höchst geschätzten Nächstenliebe. Glückselig waren sie in den Augen Gottes!
Leider muss Paulus an dieser Stelle fragen, wo denn diese Glückseligkeit geblieben war. Wenn sie sich von der Lehre des Paulus abgewendet hatten, so hatten sie auch ihn verworfen und in Folge dessen die Glückseligkeit vor Gott verloren. Sie drohten von einem guten Anfang in ein böses Ende zu geraten – eine ganz üble Sache. Paulus rang hier um ihr Wohlergehen, indem er bei ihnen erneut den Gesinnungswandel, zu Christus hin, anstrebte!

Verse 16-19

16 Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage?
17 Sie eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschliessen, damit ihr um sie eifert.
18 Gut ist aber, allezeit im Guten zu eifern, und nicht nur, wenn ich bei euch anwesend bin.
19 Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat – Gal 4, 16 – 19

Vers 16

Leider ist es so: wenn jemand von geistlicher Gesinnung zur fleischlichen wechselt, wird er erneut zu Gottes Widersacher, denn das Fleisch kann Gott nicht gefallen. Und es ist wie ein unheimliches Gesetz im Universum, der fleischlich Gesinnte verfolgt den geistlichen Menschen, auch wenn er noch so lange beteuert, er würde Gott glauben (Gal 4,29).

Vers 17

Jene Menschen, in der Gemeinde der Galater, welche die Geschwister mit falscher Lehre verführten und verwirrten, wollten, dass die Galater um sie eifern sollten. Sie wollten die „Schäfchen“ als Eigentum, anstatt sie zu Christus, dem wahren Eigentümer, zu führen. Paulus war ganz anders, er kannte seinen Auftrag und war ihm treu. Er wollte nicht Menschen in frevlerischer Weise für sich gewinnen, er führte sie zum wahren Erlöser, dorthin, wo es ihnen in Ewigkeit gut gehen darf.

Vers 18

Statt falschen Lehren oder Lehrern sollten die Galater vielmehr dem Guten und Gesunden nacheifern. Das sollte wiederum aus freien Stücken geschehen, nicht nur durch die Anwesenheit des Apostels. Paulus’ Wille war, dass die Galater nicht Menschen gefallen wollten, sondern Gott und dies so zum Ausdruck brächten.

Vers 19

Die Menschen, die Paulus massgeblich zu Christus führen und dessen erste Schritte im Glauben mit ansehen durfte, bezeichnet Paulus an dieser Stelle liebevoll mit „meine Kinder“. Statt Fortschritte im Wachstum zu erblicken, erlitt Paulus durch die Kunde ihres mangelhaften Glaubens und Wandels erneut „Geburtswehen“. Durch diese Aussage erwähnte er bildhaft seine Schmerzen und Enttäuschung über diesen Umstand. – Wie wichtig war ihm das Wohlergehen seiner Brüder!

Verse 20-23

20 ich wünschte aber, jetzt bei euch anwesend zu sein und meine Stimme zu wandeln, denn ich bin wegen euch im Zweifel.
21 Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht?
22 Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien;
23 aber der von der Magd war nach dem Fleisch geboren, der von der Freien jedoch durch die Verheissung. Gal 4, 20 – 23

Vers 20

Anwesend hätte Paulus das Ausmass der Unstimmigkeiten unter den Galatern besser beurteilen und seine Rede darauf einstellen können. Doch aus der Ferne gestaltete sich das viel schwieriger und er musste sich eher einer allgemeinen Ausdrucksweise bedienen, um seine Argumentation nicht unverhältnismässig erscheinen zu lassen. Gerne hätte er seine Stimme der genauen Lage angepasst. Doch das, was er von den Galatern hören musste, löste bei ihm Zweifel über ihren Zustand aus.

Vers 21

Paulus greift die Thematik aus dem dritten Kapitel nochmals auf, die Rechtfertigung aus Gesetz oder durch den Glauben. Paulus will sicher sein, dass die Galater vom falschen Weg abkommen. Den Umstand, dass er sie aus der Ferne belehren muss, nimmt Paulus zum Anlass, es mit doppeltem Nachdruck zu tun. Es sollte kein Zweifel über den Heilweg zurückbleiben.

Vers 22

An dieser Stelle bedient sich Paulus der Geschichte Abrahams, des Vaters der Gläubigen. Abraham bemühte sich einmal selbst um einen Nachkommen, damals, wo er völlig überzeugt war, dass er nicht mehr durch Sarah, seiner Frau, dazu kommen würde: er nahm eine Magd zur Nebenfrau und zeugte mit ihr einen Nachkommen, den Ismael (1. Mo 16). Ismael wurde somit durch die Magd geboren. Sarah, seine Frau, bekam schlussendlich doch noch einen Nachkommen, den Isaak. Das ist der Sohn der Freien.

Vers 23

Der Sohn der Magd war durch die Selbsthilfe des Menschen, nach dem Fleisch, geboren, der Sohn der Freien durch die Verheissung Gottes. Das Fleisch, das auch das Vermögen des natürlichen Menschen mit einschliesst, konnte den verheissenen Sohn nicht hervorbringen, da Sarah nie fruchtbar war und es ihr nicht mehr nach der „Frauen Weise“ erging. Sarahs biologische Uhr fürs Kinder kriegen, war bereits abgelaufen. Sie hatte die Wechseljahre hinter sich. Isaaks Geburt war demnach ein Wunder, sie wurde nur möglich, weil Gott es verheissen hatte.
Ismael war nach dem Fleisch, Isaak nach der Verheissung.

Verse 24-25

24 Dies hat einen bildlichen Sinn; denn diese bedeuten zwei Bündnisse: eines vom Berg Sinai, das in die Sklaverei hinein gebiert, das ist Hagar.
25 Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn es ist mit seinen Kindern in Sklaverei.
Gal 4, 24 – 25

Vers 24

Hagar gebiert bildlich in die Sklaverei. Wenn wir Gott durch unseren natürlichen Menschen dienen möchten, wie Abraham damals selbst der Verheissung nachhelfen wollte, kommen wir in totale Verlegenheit, wie Abraham in Verlegenheit kam, als es hiess, er solle diesen Sohn, Ismael fortschicken, da er nicht mit Isaak, dem Verheissenen erben sollte. Wie sehr durchbohrte Abraham sein Herz durch diesen Fehltritt (1. Mo 21,11)! Wie sehr bringen sich Menschen in Verlegenheit, wenn sie sich selbst erlösen möchten, indem sie annehmen, sie könnten Gottes Rechtsforderung erfüllen, ohne die Rechtfertigung durch Jesus Christus anzunehmen. – Derselbe Schmerz kann auch Christen widerfahren, wenn sie in einer gottgegebenen Situation nicht ausharren wollen und sich aus eigener Kraft einen vermeintlichen Ausgang oder ebensolche Linderung schaffen.

Vers 25

Hagar symbolisiert demnach den Berg Sinai, auf dem das Gesetz, das nachweislich kein Mensch einhalten kann, empfangen wurde. Sie entspricht auch dem damaligen besetzten Jerusalem, das von den Römern regiert und nicht frei war.

Durch dieses Bild sollten die Galater befähigt werden, eine intelligente Auswahl zu treffen. Sollte das Gesetz, so dargestellt, noch attraktiv sein? Sollten sie sich freiwillig in eine nicht endende Sklaverei hineinmanövrieren? – Paulus stellte, durch den Heiligen Geist, die Dummheit einer allfälligen Wahl des Gesetzes, anstelle jener der Gnade und Verheissung, in aller Klarheit dar. – Eine sehr beeindruckende Passage, wenn ich das so bemerken darf!

Verse 26-29

26 Das Jerusalem droben aber ist frei, das ist unsere Mutter.
27 Denn es steht geschrieben: »Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich aus und rufe laut, die du keine Geburtswehen erleidest! Denn viele sind die Kinder der Einsamen, mehr als derjenigen, die den Mann hat.«
28 Ihr aber, Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheissung.
29 Aber so wie damals der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist verfolgte, so auch jetzt. Gal 4, 26 – 29

Vers 26

Sarah symbolisiert hingegen das himmlische Jerusalem, welches frei ist. Sie ist die Mutter des Verheissenen. – Welchen weg möchten Sie wählen, liebe Leserin und lieber Leser? Den Weg des eigenen Willens, welcher Gottes Plan etwas „nachhelfen“ soll oder den Weg des Wartens auf Gott?

Vers 27

Bedenken Sie, dass der Weg des Wartens die grössere Frucht hervorbringt, da sie geistlich und nicht fleischlich gewirkt ist. Auch verhindert ein angebrachtes Warten Fehler vorschnellen Handelns, welche äusserst schmerzhaft sein können. Das Fortschicken der eigenen Leibesfrucht (Ismael) war sehr übel in Abrahams Augen. Hätte er auf Gottes Verheissung gewartet, ohne nachzuhelfen, wäre ihm das Ganze erspart geblieben.

Vers 28

Die Galater waren, wie Isaak, Kinder der Verheissung. Es spielte keine Rolle, ob sie es wussten oder nicht, sie waren es einfach durch die Auswahl Gottes. Mit Hilfe dieses Bildes, das Paulus vor ihre Augen malte, wussten sie nun, was das bedeutete. Sie waren in die Freiheit geboren (Gal 5,1; 5,13). Frei waren sie, frei sollten sie bleiben.

Vers 29

Kein Wunder, dass der fleischliche Mensch, sei es ein Christ, der fleischlich wandelt oder ein Ungläubiger, den geistlichen verfolgt.

Der geistliche Christ akzeptiert völlig, dass der alte Mensch gerichtet werden muss. Das alte Ich ist gegen Gott und kann Gott nicht gefallen (Rö 8,7). Daher legt es der geistliche Mensch zur Seite und verfolgt sein Leben weiter unter der Herrschaft Christi. Er zeugt durch seinen neuen Wandel gegen das alte Leben und sagt ohne Worte aus, dass das alte Ich weichen muss.

Dies passt den natürlichen Menschen natürlich nicht. Das Zeugnis des geistlichen Christen reizt sie gegen ihn auf. Das Ergebnis ist die Verfolgung. Situationsbedingt geht die Verfolgung so weit, dass man den geistlichen Menschen, auch wenn er nichts verbrochen hat, einfach tötet, um ihn aus den Augen zu haben. Den Umstand dieses Aufbegehrens des natürlichen Menschen erklärt Paulus mit den Worten „Ärgernis des Kreuzes“ (Gal 5,11). Das Kreuz ist ihm ein Ärgernis.

Andere Religionen geben dem alten Menschen die Möglichkeit, sich selbst zu verbessern. Dies passt dem Menschen, schliesslich meint er von sich, er könne Gottes Moral selbst erfüllen. Dass dies jedoch nicht möglich ist, bewies das Zeitalter des Gesetzes: Gott gab einem Volk unter den besten Voraussetzungen, es war völlig abgesondert von anderen Nationen und Einflüssen und hatte dabei sogar noch Gottes Gegenwart durch die Wolken- und Feuersäule sichtbar vor Augen, seine Moralvorstellungen als Richtlinien.

Wir kennen diese Geschichte aus den Büchern des Moses. Trotz dieser besten Voraussetzungen schafften sie es nicht, sein Gesetz einzuhalten und versagten auf der ganzen Linie.

Der geistliche Mensch hat aus der Geschichte gelernt, demütigt sich, nimmt Gottes Erlösung in Christus Jesus an und geht weiter, indem er sich fortan von Gott leiten lässt. Dem fleischlichen passt diese Notwendigkeit der Demütigung nicht, deshalb ärgert er sich über diesen Weg. Das Kreuz, wohin er zu kriechen hätte, zeigt ihm nämlich sein unverbesserliches Versagen auf. – Welcher Mensch von Welt will das zugeben? Viel lieber schreien sie: „Hinfort mit geistlichen Menschen!“ – So haben sie an Christus gehandelt und so werden sie es bei geistlich gesinnten Christen tun.

Verse 30-31

30 Aber was sagt die Schrift? »Stosse die Magd und ihren Sohn hinaus! Denn der Sohn der Magd soll nicht mit dem Sohn der Freien erben.«
31 Daher, Brüder, sind wir nicht Kinder einer Magd, sondern der Freien. Gal 4, 30 – 31

Vers 30

Hier geht es um die Erbschaft. Gottes Reich erben nur solche, die der Verfassung des Reiches der Himmel entsprechen. Sie steht im Matthäusevangelium, Kapitel 5–7, beginnend mit den Seligpreisungen, welche in der rechten Abfolge für unsere Leben stehen: 1. Busse erzeugt Armut im Geist, und da muss alles seinen Anfang haben (Mt 5,3). 2. Es folgen Trauer und Sanftmut, die aus wahrer Einsicht in das eigene Selbst hervorkommen (Verse 4-5). 3. Anschliessend ein Durst nach Gerechtigkeit, wie sie nur in Gott gefunden wird (Vers 6). 4. Dann, wenn diese Tugenden den Gläubigen erfüllen, offenbart sich in ihm Gottes eigener Charakter: Barmherzigkeit, Reinheit, Friede. (Verse 7-9). Wenn ein Christ meint, er erbe sowieso, ganz gleich, wie er sich verhält, irrt er sich gewaltig (Heb 12,12-17, u. viele andere Stellen). Wer gerettet ist, bleibt es auch, denn eine Geburt kann nicht rückgängig gemacht werden. Wer aber als Christ lebt, wie es ihm gefällt, wird nicht erben. Die Erbschaft ist klar an Bedingungen geknüpft.
Das Kind Gottes, welches dem verheissenen Sohn entspricht, der auf den Geist Gottes und nicht auf seine eigene Stärke setzte, wird wie Isaak erben. Das andere hingegen, welches auf die eigene Stärke setzte (Fleisch) und im Eigendünkel wandelte, wird nicht erben, auch wenn beide den gleichen Vater haben. Eine ernsthafte Warnung!

Vers 31

Paulus rief den Galatern voll Zuversicht zu: „Wir sind Kinder der Freien!“ Er hoffte, dass sie seinen Brief verstehen und sich neu ausrichten würden: nach Gott und nicht nach den Verführern.

Kapitel 5

Vers 1

1 Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten! Gal 5, 1

Vers 1

Durch die Sünde des ersten Menschen kam die ganze Menschheit in Sklaverei (Rö 5,12). Dieser Zustand wurde umso offenbarer, als das Gesetz hinzukam (Rö 7,21-24). Der Mensch möchte eigentlich nicht ausschliesslich das Böse tun, doch die Sünde im Innern des Menschen ist wie ein Antriebsmotor der Sünde. Das Gesetz deckt sie aber schonungslos auf (Rö 7,8-11).

Der Mensch wusste anfänglich nichts von seinen Begierden. Als das Gesetz in darauf hinwies, er solle nicht begehren, lebten die Gelüste voll auf (Rö 7,9). Der Mensch musste dadurch bekennen, dass er, im Lichte Gottes, nur böse ist und den Tod verdient hat.

Da brachte der Versuch, das Gesetz einzuhalten, nicht die gewünschte Wirkung, solange dieser Motor der Sünde im Menschen weiterlief und mit dem Gesetz Gottes weiter konfrontiert blieb. Alles leugnen und ignorieren dieses Sündenantriebes nützte nichts, es wäre gewesen, wie wenn jemand die Existenz der Armut geleugnet hätte: auch wenn er sich nur in reichen Ländern aufgehalten hätte, wäre sie trotzdem in ungebrochener Härte vorhanden gewesen.

Die Pharisäer versuchten diesen Sündenmotor zu übertünchen, indem sie sich spezielle Gewänder anfertigen liessen, welche eine besondere Gottesnähe darstellen sollten. Sie dachten tatsächlich, sie könnten durch Äusserlichkeiten diesen inneren Motor ausser Kraft setzen und seien, durch ihre eingeleiteten Massnahmen, besser als andere Menschen (Joh 9,34). Jesus deckte ihn (d.h. den inneren Antrieb) deshalb bei ihnen in schonungsloser Weise auf, in einer Härte, die er bei anderen Menschen nicht oder nur selten anwandte (siehe nachfolgender Bibeltext).

25 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äussere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit.
26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.
27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von aussen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind.
28 So scheint auch ihr von aussen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit. Mt 23, 25 – 28

Der Mensch kann lange die in ihm wohnende Sünde leugnen, sie ist trotzdem da. Wenn das Gesetz Gottes auf ihn einwirkt oder sich sein Gewissen bemerkbar macht, muss er seinen hoffnungslosen Zustand vor Gott, sowie den Umstand, in Sklaverei zu sein, bekennen. Wenn sich der Mensch trotz dieser Einsicht verhärtet, gibt es wenig Hoffnung für ihn. Er wird vor Gott nicht bestehen können. Demütigt er sich aber im Bewusstsein seines Zustandes und bittet dabei Gott um Gnade und Hilfe, wird er durch Christi Tat gerechtfertigt. Hierauf können Sie bauen, liebe Leserin und lieber Leser (siehe nachfolgender Bibeltext)!

13 Der Zöllner aber stand weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus… Lk 18, 13 – 14a

„Dieser ging gerechtfertigt hinab ins sein Haus!“ Was für eine Gnade! Wie lieb hat uns Gott, dass er den Weg aus dem Sündendilemma so einfach macht! Dank, Ehre und Preis sei Ihm!

Gehen wir nach diesem Exkurs wieder zur Betrachtung des ersten Verses im fünften Kapitel des Galaterbriefes: Christus hat uns aus diesem elenden Zustand befreit, indem er für alle, die an ihn glauben, seinen Tod wirksam werden lässt. Er richtet und beendet diesen Sündenmotor im Menschen, so dass er, obschon noch vorhanden, in den Augen Gottes kein Problem mehr darstellt (Rö 7). Doch das ist nicht alles, Christus lässt uns nicht in einem toten oder beendeten Zustand zurück, nein, er lässt uns auch an seinem Sieg teilhaben, indem er seine Auferstehung ebenfalls an uns wirksam werden lässt. Damit bekommen wir ein neues Leben in der Kraft Gottes, ein völlig zum alten gegensätzliches. Das neue Leben freut sich am göttlichen und nimmt Gottes Anweisungen gerne an und bringt sie zur Ausführung.

Der Mensch hat sich für oder gegen Christus zu entscheiden. Wo möchten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, die Zukunft verbringen? Bedenken Sie: Der Mensch ist für die Ewigkeit geschaffen.

Der Christ hat sich zu entscheiden, welchem Leben er den Vorrang geben möchte. Gibt er dem alten, bereits gerichteten Leben den Vorrang, wird er ein Sohn Gottes sein, welcher den himmlischen Vater verunehrt. Dazu lässt er sich wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten. – Gibt er jedoch dem neuen Leben den Vorrang und hält das alte in Schach, indem er den Blick auf Gott richtet, auf seine Wege achtet, regelmässig die Bibel liest und betet, ehrt er damit den Vater. Amen.

Vers 2

2 Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. Gal 5, 2

Vers 2

Dieser wunderbare Christus, welcher auf die Erde kam, um Verlorenes zu retten, wird den Menschen nichts nützen, wenn sie sich weiter selbst erretten wollen. Dieser Christus kam mit dem Wissen, dass der Mensch Jahrtausende lang, trotz seines Gewissens (Zeit von Adam bis Mose, Rö 5,14) und auch in der Folgezeit unter dem guten und göttlichen Gesetz (Lk 16,16), es nicht geschafft hat, vor Gott angenehm zu werden. Das Leben des Menschen blieb geprägt von Sünde und Sünden, von Lügen, Lieblosigkeit, Gottesferne, Hass, Ungerechtigkeit, Ehebruch und Mord. Es kam sogar noch schlimmer: Jene Sünden, über denen im Reich Gottes die Todesstrafe verhängt ist (Beispiele: Ehebruch und Mord), sind heute sogar salonfähig unter den Menschen. Ehebruch wird als Kavaliersdelikt bezeichnet und Mord, eine Erscheinungsform nennt man auch Abtreibung, geschieht täglich weltweit tausendfach, obwohl der Mensch aus dem Worte Gottes genau weiss, dass ein gezeugtes Kind von Anfang an ein Mensch ist, wie mindestens vier Mal geschrieben steht:

…wie auch im zweiten Psalm geschrieben steht: »Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.« Apg 13, 33b

Am ersten Tag, jenem der Zeugung, ruft Gott: „Mein Sohn!“ Doch die Menschen morden und metzeln in ihrer Gottlosigkeit weiter, als ob nie ein furchtbares Gericht über die, welche solches tun, gnadenlos hereinbrechen wird.

Christus kam auf die Erde, um den Menschen vor der völligen Vernichtung durch das kommende, gerechte Gericht zu retten. Die Errettung sollte, unter Berücksichtigung der Schwachheit des Menschen, sehr einfach werden. Der Mensch hat ja schliesslich über Jahrtausende bewiesen, dass er durch eigene Werke die Rechtfertigung vor Gott nicht erlangen kann. Deshalb sollte er – ohne neue Werke – nur durch Glauben an Christus allein, gerechtfertigt werden. Dieser Glauben muss allerdings echt sein, ein Schuldeingeständnis und das Wissen, völlig unzulänglich zu sein, muss vorhanden sein, ansonsten ist es ein inhaltsloser Glaube. Es wäre ein Glaube, wie eine Hülse ohne Inhalt, weil der Mensch dann immer noch an seine eigenen „guten“ Fähigkeiten glauben würde und nichts aus der jahrtausend alten Geschichte gelernt hätte.

Deshalb sagt Paulus an dieser Stelle: Christus nützt euch nichts, wenn ihr wieder durchs Gesetz (d.h. wenn ihr euch beschneiden lässt), gerechtfertigt werden wollt. Christus nützt nur diesem Menschen etwas, der seine Unzulänglichkeit einsieht, wenn er sein gottloses Leben bereut und sich voll Christus anvertraut. Lesen Sie hierfür die Stellen im Römerbrief (Rö 10, 8-13). Amen.

Können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, die Liebe Christi zum Menschen sehen?
Man bedenke: Von Menschen wurde er umgebracht, die durch ihn geschaffen wurden (Rö 11,36; Kol 1,16; Heb 2,10)! Er hätte nicht zu sterben brauchen. Hätte er so egozentrisch gedacht, wie der Mensch, hätte er den Weltkübel mit der Menschheit in die Hölle leeren und anschliessend ein neues Geschlecht schaffen können.

Doch er tat es nicht, um der Liebe zum Menschen willen, um ihm die Sünden abzuwaschen, ihn zu reinigen und wiederherzustellen. Er sehnte sich so nach Gemeinschaft mit seinem Geschöpf, dass er all diese Entbehrungen auf sich nahm. Wer sagt, Gott sei hart und lieblos, hat nun mal wirklich keine Ahnung.

Wer diese Liebe sentimental und schwächlich findet und zu stolz ist, seine Schuld vor Gott einzugestehen, wird sein Urteil schlussendlich tragen. Ein Urteil, das – ich möchte gar nicht daran denken – auf gerechter Basis ungefähr so ausfällt:

Böser Mensch, der du mein Gesetz völlig gebrochen hast und nur schon aufgrund dessen, den Tod verdient hast, hast das für dich vergossene Blut meines Sohnes mit Füssen getreten. Im Weiteren habe ich das Gericht nach hinten geschoben und mein Kommen lange verzögert, um dir Chancen zu geben. Ich, Christus, hätte nicht zu sterben brauchen, doch ich starb freiwillig aus Liebe zur dir. Diese Liebe hast du für nichts geachtet, hast dich vielmehr darüber lächerlich gemacht. – Dir geschehe jetzt gemäss deiner Taten. Ich bringe deine Bosheit auf deinen Kopf! (…)

Gott richtet nicht nach Gemütsbewegungen, er richtet völlig gerecht. Es ist nicht in seinem Sinn, die Welt zu verdammen. Wussten Sie das (Hes 18,23)? Die Tat seines Sohnes würde für die Sühnung der Sünden der ganzen Welt reichen, für alle Menschen, ganz gleich, in welcher Epoche sie lebten. Sehr gerne hätte er alle Menschen durch seine liebende Hand gerechtfertigt und zu sich aufgenommen.

Doch der Mensch hat nicht gewollt. Obschon viele die Rettung in Christus angenommen haben, beziehungsweise noch annehmen werden und sofort Gnade empfingen beziehungsweise empfangen werden, gibt es wiederum eine Menge von Leuten, die es partout nicht tun wollen. Diesen bleibt nicht anderes übrig, als gemäss Gottes Gerechtigkeit gerichtet zu werden, einer Gerechtigkeit, nach der sie zu Lebzeiten schrien, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlten.

Was haben Sie vor, zu tun?

Verse 3-4

3 Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist.
4 Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen. Gal 5, 3 – 4

Verse 3-4

Obschon Paulus es in diesem Brief mehrfach getan hat, bezeugte er an dieser Stelle der Wichtigkeit halber nochmals, dass eine Rückkehr zum Gesetz den Menschen voll verantwortlich macht, es gänzlich einzuhalten. Einzuhalten ist dann alles, nicht nur das, was einem gerade passt. Jener Mensch bewegt sich ausserhalb des Bereiches der Gnade, den Christus seinen Nachfolgern zur Verfügung stellt. Der Bereich der Gnade deckt alles Unvermögen des Menschen im Blick auf Gott und dessen Gerechtigkeit ab, solange der Mensch sein Versagen diesbezüglich eingesteht. – Menschen, die plötzlich meinen, sie hätten es ergriffen und könnten Gott ohne fremde Hilfe (Christi Hilfe) gefallen, verlassen den Bereich der Gnade und stehen auf einem Boden, wo sie auf sich alleine gestellt, Gottes ganze Gerechtigkeit erfüllen müssen. Dass das nicht geht, habe ich bereits mehrmals erläutert und der Mensch hat es über die Jahrtausende bewiesen. Kein einziger Mensch ausserhalb Christus, brachte es fertig, untadelig auf Gottes wegen zu gehen (1. Mo 6,5; Ps 14,3; 53,4; 143,2; Rö 3,12; 3,23; Pred 7,20; 1. Kö 8,46).

Wie selbstherrlich, verblendet oder unverständig (Gal 3,1) muss man sein, um aus dieser Gnade zu fallen, um sich auf verlorenem Boden wiederzufinden? – Paulus flehte die Galater an, zur Vernunft zu kommen. Wie sehr rang er mit Liebe um sie, obschon sie kein liebenswertes Verhalten beziehungsweise keine edle Haltung an den Tag legten.

In Paulus’ Liebe liegt viel Lernpotential für uns. Paulus setzt alles daran, die Galater aus ihrem schlimmen Zustand zu Christus zurückzuführen ohne Rücksicht auf eigene Interessen. Die Worte des Paulus scheinen hart zu sein. Durch sie hätte er persönlich viel verlieren können, wie moralische, soziale und finanzielle Unterstützung, hätte er sie einmal benötigt. Doch Paulus nimmt diesbezüglich lieber Entbehrungen in Kauf, als auf persönliche Bedürfnisse zu schauen. Er wäre niemals zufrieden mit „lieben“, jedoch vor Gott in Not geratenen Galatern.

Leider praktizieren heutzutage viele Menschen im Christentum eine andere, böse „Liebe“. Sie gehen im Geiste des Humanismus auf die Menschen zu, ohne sie in erster Linie zu Christus führen zu wollen. Sie lassen die Menschen auf eine oberflächliche Zufriedenheit blicken, welche im Grunde keine ist, da sie sich meistens ausserhalb des Gnadenbereiches Christi befindet. Der Humanismus lässt nicht zu, dass die Unzulänglichkeit des Menschen beleuchtet wird, auf dass der Weg zur Busse für ihn geebnet werden könnte, da von etwas Gutem im Menschen ausgegangen wird. Dass die Bibel etwas anderes lehrt, wird grosszügig ignoriert (Mk 10,18). Somit wird der Weg zum HERRN in einer bösen Art verschlossen und die Türe zum Bereich der Gnade zubetoniert. Und so etwas nennt man heutzutage vielerorts „Liebe“! Eine Liebe, die sich zur echten unterscheidet, wie sich der Tag von der Nacht sondert.

Wie lieben Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Lieben Sie so selbstlos wie Paulus? Steht bei Ihnen das echte Wohl des Mitmenschen im Mittelpunkt, auch wenn es dazu vielleicht einmal harte Worte braucht, wie sie bei den Galatern unvermeidlich waren? Riskieren Sie den Verlust eines geliebten Mitmenschen aufgrund einer wirklich notwendigen Rüge, welche die angesprochene Person aber verwerfen könnte und die Möglichkeit besteht, dass sie Ihnen, statt dankbar zu sein, böse sein wird?

Verse 5-6

5 Wir nämlich erwarten durch Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit.
6 Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern durch Liebe wirksame Glaube. Gal 5, 5 – 6

Vers 5

Wie Paulus im Römerbrief „die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird“ (Rö 5,2) erwähnt, schreibt er, wie es dazu kommt: „Durch ihn (Christus) haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade…“ Die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit ist vergleichbar mit der Hoffnung der Gerechtigkeit. Ein gerechter Mensch wird durch einen gerechten Gott nicht verdammt, er wird vielmehr in Gottes Reich aufgenommen, welches herrlich ist. Solche Menschen haben die Hoffnung der Herrlichkeit, sowie jene der Gerechtigkeit. Sie werden als „Gerechte“ in der Bibel bezeichnet, auch wenn sie die Gerechtigkeit nicht haben selber produzieren können. Sie haben ihre Schuld eingestanden und Gott um Rechtfertigung gebeten. So durften sie sie durch Christi Tat erlangen, denn die Tat Christi öffnete der Menschheit die Pforte zur Herrlichkeit Gottes.

Vers 6

Christus ist der Schlüssel zu allem, in ihm zählt nicht, welche Abstammung der Mensch hat. Ob er ein Jude ist oder seine Abstammung aus den Nationen hat, spielt keine Rolle. Relevant ist der Glaube, welcher durch die Liebe wirksam ist.

Verse 7-8

7 Ihr lieft gut. Wer hat euch gehindert, der Wahrheit zu gehorchen?
8 Die Überredung ist nicht von dem, der euch beruft. Gal 5, 7 – 8

Vers 7

Bei den Galatern geschah genau das, was in Gemeinden Gottes leider bis heute oft zugelassen wurde: Sie liessen sich verführen. Die Bibel verwendet dieses Wort, je nach Übersetzung, über dreissigmal. Immer wieder warnt Gott sein Volk vor der Verführung, welche den Menschen vom gesunden, heilbringenden Weg abkommen lässt.

Nehmen wir uns diesbezüglich ein Vorbild an den Gläubigen in Beröa, der Gemeinde Gottes, welche von der Schrift ausgezeichnet wird, da sie die Reden, welche ihr vorgetragen wurden, anhand der Heiligen Schrift täglich(!) prüfte (Apg 17,11).

Erinnern wir uns noch an die Worte des Paulus im ersten Kapitel dieses Briefes? Er wunderte sich, weshalb sich die Galater so schnell vom wahren Evangelium zu einem falschen „bekehren“ liessen. – Leider lässt sich der Mensch, welcher alles ungefiltert und ohne zu prüfen aufnimmt, schnell von guten Rednern überzeugen, auch wenn sie böse Lehren vertreten. Aus diesem Blickpunkt ist es einfach zu verstehen, dass viele Leute auf Menschen, welche antichristlich, esoterisch oder sonst in einer gottesfeindlichen Form eingestellt sind, hereinfallen, obschon die Bibel eindringlich davor warnt (2. Mo 23,33; 5. Mo 12,30; 1. Kö 16,19; Mt 24,5; Mk 13,6; Rö 16,18; 2. Tim 3,13; 1. Joh 2,26; und viele andere Stellen).

Vers 8

Alles, was sich nicht voll mit der Schrift deckt, ist nicht von dem, der die Gemeinde beruft. Die Prüfung von allem, anhand der Schrift, bewahrt den Menschen vor viel Unglück! Nehmen wir uns daher, wie bereits geschrieben, ein Beispiel an den oben erwähnten Beröern. Wenn ein Mensch auch nur haarscharf an der Schrift vorbeiredet, ist er nicht vertrauenswürdig. Die Schrift hat heute genau noch dieselbe Gültigkeit, wie vor 1000 und mehr Jahren (Mt 5, 17-20). Sollte daher jemand sagen, heute sei sie aufgrund anderer Kulturen nicht mehr oder nur beschränkt anwendbar, will er nicht Christus gefallen, sondern nur sich selbst.

Verse 9-10

9 Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.
10 Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn, dass ihr nicht anders gesinnt sein werdet. Wer euch aber verwirrt, wird das Urteil tragen, wer er auch sei. Gal 5, 9 – 10

Vers 9

Sauerteig wird in der ganzen Bibel immer als negatives Beispiel verwendet, auch in Mt 13,33. Als Sauerteig bezeichnet werden moralisch schlechtes Benehmen (1. Kor 5,6), Heuchelei (Lk 12,1), böse Einflüsse religiöser Systeme, welche feine Versammlungen zu nutzlosen, religiösen Gebilden verkommen lassen (Mt 13,33) und böse Lehren (Mt 16,12). – Ich glaube nicht, dass diese Aufzählung abschliessend ist.

Auch die Galater sollten es wissen: Jene Versammlung, welche Sauerteig in ihrer Mitte duldet, sei es auch noch so wenig, wird das Prädikat „kraftlos“, „unnütze“ oder „verdorben“ anstelle von „wohlgefällig“ hinnehmen müssen. – Sie waren im Begriff, den Sauerteig einer bösen Lehre, weg von Christus, unter sich zu etablieren, indem sie falsche Lehrer unter sich duldeten.

Wie steht es um Sie und Ihre Versammlung, liebe Leserin und lieber Leser? Ist das Salz noch würzig oder ist es nutzlos geworden und taugt nur noch hinausgeworfen zu werden (Mt 5,13)? Sehen Sie Parallelen zu Ihrer Versammlung beim Durchlesen der Beurteilung der Gemeinde Philadelphia, was übersetzt Bruderliebe heisst (Offb 3,7) oder finden sie sich in einer von Menschen geführten Versammlung, einer solchen, in der die Meinung der Menschen mehr zählt als die Vorgabe der Heiligen Schrift? Sollte letzteres zutreffen, werden Sie die Beschreibung Ihrer Gemeinde ein paar Verse weiter hinten finden, nämlich im Urteil Christi über Laodizea (Offb 3,11), was übersetzt bezeichnenderweise „Volksrecht“ bedeutet.

Vers 10

Paulus lässt die Hoffnung einer möglichen Umkehr der Galater nicht fahren. Er weiss, dass bei Gott alle Dinge möglich sind (Mk 10,27), auch wenn der Eindruck des menschlichen Auges bzw. Ohres ein völlig anderer war.

Eins sollte an dieser Stelle auch noch klargestellt werden: Sollte jemand Mitgliedern der Gemeinde Gottes oder ihr als Ganzes, etwas Böses antun, wird es ganz schlimm mit der erwähnten Person ausgehen, sollte sie nicht Busse tun und von ihrem bösen Weg umkehren. Lesen Sie hierfür bitte die Stellungnahme des HERRN zu diesem Thema im Matthäus 18,16 nach. Sie vermuten es richtig, es geht dort um den Mühlstein, der zur Versenkung im Meer an den Hals eines solchen Menschen gehängt werden soll. Amen.

Verse 11-12

11 Ich aber, Brüder, wenn ich noch Beschneidung predige, warum werde ich noch verfolgt? Dann ist ja das Ärgernis des Kreuzes beseitigt.
12 Meinetwegen können sie, die euch beunruhigen, sich auch verschneiden lassen. Gal 5, 11 – 12

Vers 11

Im Kommentar zu Galater 4,29 habe ich das „Ärgernis des Kreuzes“ näher beleuchtet: Alle Lehren, die auf eine Verbesserung des Menschen hinzielen, geben dem eitlen Menschen eine Möglichkeit sich zu verbessern, die im Blick auf Gott zwar keine rechtsgültige ist. Die Geschichte hat allzu deutlich gezeigt, dass dies nicht möglich ist. Der geistliche Mensch hat daraus gelernt, demütigt sich, nimmt Gottes Erlösung in Christus Jesus an und geht weiter, indem er sich fortan von Gott leiten lässt. Dem fleischlichen passt diese Notwendigkeit der Demütigung nicht, deshalb ärgert er sich über diesen Weg. Das Kreuz, wohin er zu kriechen hätte, zeigt ihm nämlich sein unverbesserliches Versagen auf. – Welcher Mensch von Welt will das zugeben? Viel lieber schreien sie: „Hinfort mit geistlichen Menschen!“ – So haben sie an Christus gehandelt und so werden sie es bei geistlich gesinnten Christen tun.

Würde Paulus die Beschneidung (das Gesetz) predigen, hätte ein irdisch, natürlich gesinnter Mensch die Möglichkeit, sich nach eigener Kraft zu verbessern. Dies geht zwar nicht, wie wir wissen. Dem Unwissenden eröffnet es aber einen Weg, auf dem er meint, er könne Gott aus eigener Kraft nahen und in der ganzen Unvollkommenheit ungeschoren vor den Allmächtigen treten. Solches gefällt dem natürlichen Menschen, er hat daher keinen Grund, einen Prediger der Beschneidung zu verfolgen.

Vers 12

Hier offenbart sich ein weiterer Teil Paulus’ Unmut über die Feinde Gottes, über jene, welche damals die Herde Gottes in Galatien zum Abfall verführen wollten: Sie, welche Abfall durch Beschneidung predigten, sollen sich doch selbst in Wirklichkeit verstümmeln, wenn sie schon die Dreistigkeit hatten, die Gemeinde Christi geistlich entstellen zu wollen.

Verse 13-14

13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur nicht die Freiheit als Anlass für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe!
14 Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Gal 5, 13 – 14

Verse 13-14

Die Freiheit, von der Paulus hier spricht, habe ich weiter oben näher beleuchtet (Kommentar zu Gal 5,1). Christus hat uns aus einer Todessituation gerettet. Wie könnten wir jetzt zurück in ein altes Verhaltensmuster fallen? Sollten wir uns über Christi Tat lustig machen? Wie böse wäre ein solcher Weg!

Wir schauen jetzt vielmehr weg von unserem alten Leben im Gefängnis, freuen uns, in der Freiheit leben zu dürfen und verhalten uns situationsangepasst. Ein situationsangepasstes Verhalten schliesst das Bewusstsein ein, Gutes von Christus empfangen zu haben. Dem tragen wir Rechnung, indem wir uns ihm zur Freude verhalten möchten.

Wir wissen, dass er sich an der Liebe zu Gott und dem Nächsten freut, somit ist es für uns selbstverständlich, dass wir unser Verhalten danach ausrichten. Wenn wir dies tun, wandeln wir gemäss seinen wunderbaren und heilsamen Vorgaben. So sind wir, bewusst oder unbewusst, durch ihn, Täter des Gesetzes und in seinen Augen sehr wohlgefällig! Amen.

Verse 15-17

15 Wenn ihr aber einander beisst und fresst, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet!
16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.
17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt. Gal 5, 15 – 17

Vers 15

Dieser Vers ist selbsterklärend. Ein Haus, das mit sich selbst entzweit ist kann erstens nicht bestehen (Mt 12,25) und zweitens ist die Atmosphäre darin sehr unangenehm. Schlussendlich ist als dritter Punkt das Zeugnis Gottes zunichte gemacht. Gott ist ein Gott der Liebe und der Ordnung. Wenn Christen das nicht repräsentieren, tun sie einen sehr schlechten Job.

Verse 16-17

Wer sich nach geistlichem ausstreckt (Gott ist Geist Joh 4,24), welches mit der Bibel im Einklang steht, sieht von seinem Ich weg zu Gott hin. So werden die im Menschen wohnenden Begierden nicht berücksichtigt und haben keinen Einfluss auf jenen Menschen.

Es ist wie bei einem Abteilungsleiter, der aufrichtige und böse Mitarbeiter hat. Will er beiden Gruppen gerecht werden, leiden beide, da die aufrichtigen den bösen mit einem Kompromiss Platz einräumen müssen. Die Situation wird so sehr unbefriedigend werden. Richtet dieser Abteilungsleiter seinen Blick und sein Interesse nur auf die aufrichtigen Mitarbeiter, so wird er diesen voll gerecht und die Bosheit bleibt machtlos in diesem Betrieb.

So verhält es sich in uns. Unser Wille hat völlige Entscheidungsfreiheit, wie dieser Abteilungsleiter. In uns Christen befinden sich nach wie vor das böse Fleisch und neu aber auch der gute Geist Gottes. Möchten wir beide berücksichtigen, werden sie niemals zufriedengestellt. Das Fleisch und der Geist möchten die volle Aufmerksamkeit. Wenn wir den Geist gewähren lassen und uns nach ihm ausstrecken, werden wir keine bösen Früchte durch das Fleisch produzieren.

Verse 18-21

18 Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter Gesetz.
19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen,
21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden. Gal 5, 18 – 21

Vers 18

Wer sich im Bereich der Gnade aufhält (siehe Kommentar Gal 5, 3-4), hat mit dem Gesetz nichts zu tun, denn das Gesetz ist gegen den natürlichen Menschen gerichtet, welcher nicht im vollen Bewusstsein einer dringend notwendigen und ganzheitlichen Umkehr lebt. Christen hingegen, die der natürlichen Natur abgesagt haben und sich dem Geist zuwenden, sind nicht unter Gesetz. Sie sind dem Gesetz gestorben (Rö 7).

Verse 19-21

Ob der Mensch es glauben will oder nicht: Als natürlicher Mensch produziert er genau solche Früchte, wie in dieser Aufzählung beschrieben. Seien Sie, liebe Leserin und lieber Leser, ehrlich zu sich. Waren Sie nie neidisch auf Ihren Nächsten in irgendeiner Sache? Hatten Sie nie einen unzüchtigen Gedanken oder waren in einer Sache selbstsüchtig? – Sogar Christen kämpfen mit diesen Dingen, wenn das Fleisch nicht im Tode gehalten wird, denn das Fleisch (d.i. die alte Natur) kann nichts anderes produzieren.

Verdammen Sie sich nicht, wenn Sie solche Auswüchse plagen. Lernen Sie zu verstehen, von woher sie kommen. Sie kommen von Ihrer alten Natur, von welcher Sie erst in der Herrlichkeit befreit sind. Jetzt haben Sie die Aufgabe, sie im Tode zu halten, das heisst, sie nicht zum Zuge kommen zu lassen.

Das ist nicht ohne Weiteres und ohne Anleitung möglich, vor allem nicht, wenn Sie sich auf die alte Natur konzentrieren. Sollte sich ein Abteilungsleiter (siehe Kommentar zu den Versen 16-17) immer auf das Böse in der Abteilung fokussieren, ermattet er schnell. – Sie würden mit dieser Praxis auch schnell ermüden. Lassen Sie daher Ihre alte Natur einfach links liegen, unbeachtet! Wenden Sie sich zum neuen Leben hin, indem Sie sich auf das konzentrieren, was dem neuen Leben dient: Lesen Sie täglich einige Zeilen in der Bibel, beten Sie zum Geber dieses Lebens, zu Christus und es wird Ihnen leicht fallen, mit Gottes Hilfe auf dem guten Weg zu wandeln.

Am Schluss des Verses 21 geht es wieder um die Erbschaft, nicht um die Frage der Sohnschaft. Dies macht einen grossen Unterschied, da dieser Brief an gläubige Menschen gerichtet ist. Somit ist die Frage der Sohnschaft geklärt, die Galater gehörten zur Familie Gottes. Das diese Tatsache allein die Erbschaft, bzw. die Berechtigung zu erben, nicht einschliesst, ist klar aus 1. Kor 3 und Lk 19 ersichtlich. Um zu erben wird ein gewisser Lebenswandel vorausgesetzt. Wer diesen nicht bringen will, erbt nicht. Wer auf das Fleisch baut und mit Heu und Stroh auf den gesetzten Grund, Christus, bauen möchte, wird zwar errettet, erbt aber, wie erwähnt, nicht (1. Kor 3, 11-15). – Eine ganz einfache, logische und gerechte Handhabung im Reich Gottes. Amen.

Verse 22-23

22 Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
23 Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese ist das Gesetz nicht . Gal 5, 22 – 23

Verse 22-23

Wie gegensätzlich ist doch die Frucht des göttlichen Lebens in uns? Statt Mord, Hader und Zank produziert der Geist nur für den Menschen und Gott Herrliches: Liebe, Freude und Friede, um nur einige Früchte zu nennen! Sollte es uns nun die Entscheidung, worauf wir unseren Blick richten möchten, auf das Fleisch oder den Geist, schwer fallen?

Menschen, die durch den Geist leben, kommen auch nie mit dem göttlichen Gesetz in Konflikt, wie sollten sie auch?

Verse 24-26

24 Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.
25 Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln!
26 Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, indem wir einander herausfordern, einander beneiden! Gal 5, 24 – 26

Verse 24-25

„Menschen, die sich zu Christus bekehrt haben, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt“, schrieb Paulus an die Galater. An die Römer schreibt er zum gleichen Thema: „Da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.“ (Siehe untenstehende Bibelstelle, Rö 6,5-8)

5 Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der Auferstehung sein,
6 da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.
7 Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.
8 Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden… Röm 6, 5 – 8

Wie ist das zu verstehen? Wie können wir diese Verse mit unserem Verstand ergreifen?
Als erstes müssen wir wissen, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird (Pred 3,14).
Als die Sünde in den Menschen kam (1. Kor 15,21), war es sehr schlecht um das Menschengeschlecht bestellt. Auf den ersten Blick sah es so aus, als ob Gottes Widersacher, der Teufel, es geschafft hatte, seine Schöpfung für immer zu ruinieren. Die Sünde kam in den Menschen, der für ewig geschaffen ist. Sein Fleisch, welches Gott enthalten sollte (1. Kor 6,19; wir sind als Gefässe geschaffen; Rö 9,21), ist durch den Sündenfall völlig unbrauchbar geworden für Gott, denn es kann seitdem nur dem Gesetz entgegen gerichtete Dinge produzieren: Mord und Ehebruch, Selbstsüchteleien, usw, wie in Mt 15,19 beschrieben ist.
Doch Gott wäre nicht der HERR, könnte er diesen schlimmen Umstand nicht in Ordnung bringen: Er wurde selbst ein Mensch, durch eine Jungfrau geboren, und starb schlussendlich am Kreuz. Er allein konnte als ewiger Gott diesem unheiligen und verdorbenen Menschengeschlecht ein Ende bereiten: Er beendete das Fleisch ein für allemal am Kreuz für jene, die es annehmen wollen. Danach gab er jedem, der an ihn glaubt, ein neues, geistliches Leben: eines, das nicht mehr sündigt.

Vers 25

Ein Christ lebt nun durch dieses neue Leben, nicht mehr durch das Fleisch. Das neue Leben ist jetzt die Quelle und der Antriebsmotor der Christen. Paulus fordert nun in diesem Vers auf, im Bewusstsein dieses Umstandes zu leben. Mit einen Gleichnis können wir es vielleicht so umschreiben: Vorher war der Mensch ein Auto mit einem völlig unkontrollierbaren, dreckigen und laut dröhnendem Motor. Jener trieb den Wagen nach belieben an, fuhr einhundert, wo fünfzig erlaubt war und dreissig, wo 150 gefordert waren. Als sich der Mensch zu Christus bekehrt hat, bekam er einen neuen Antrieb, welcher genau, sauber und vorschriftsgemäss läuft. – Welchen Antrieb soll der Mensch jetzt benützen, den neuen und guten oder soll er die Dreckschleuder wieder anwerfen, welche ihn alle Gesetze und Vorschriften brechen lässt und schlimme Unfälle produziert?

Wir funktionieren durch den guten Antrieb, lasst uns daher unseren Wagen dadurch beherrschen.

Vers 26

Wer durch den guten Antrieb, durch den Geist, wandelt, wird erkennen, dass ein gegenseitiges Herausfordern böse ist. Durch solche Herausforderungen und durch gegenseitiges Beneiden zeigen wir, dass wir nicht zufrieden mit Christi Gaben sind und dazu, dass wir uns über andere erheben möchten, wenn sie, durch unsere Reizungen, mal ungehalten reagieren.
Lasst uns vielmehr jene unterstützen, die willig sind, im Acker Gottes zu arbeiten! Das ist viel edler als müssig am Rande des Ackers zu stehen und faule Sprüche zu klopfen, selbst den Spaten aber nicht einmal mit dem kleinen Finger zu berühren!

Kapitel 6

Verse 1-4

1 Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht. Und dabei gib auf dich selbst acht, daß nicht auch du versucht wirst!
2 Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.
3 Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, während er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst.
4 Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk, und dann wird er nur im Blick auf sich selbst Ruhm haben und nicht im Blick auf den anderen; Gal 6, 1 – 4

Vers 1

So wie der Vers 26 das Kapitel 5 abschliesst, geht es im ersten Vers des Kapitels 6 weiter: Wir sollen aufeinander achten. Statt mit Scheuklappen herumzugehen und zu denken: „Was geht es mich an, was der andere tut, schliesslich ist jeder für sich selbst verantwortlich“, sind wir angehalten, aufeinander acht geben. Dies soll in Sanftmut geschehen. Im Hause Gottes ist kein Platz für Überheblichkeit, wie wir im Römer 11,32 nachlesen können.
Die Fehltritte von Geschwistern können mannigfaltig sein und auch Bereiche tangieren, worin wir selbst schwach sind und schnell fallen könnten. Daher sollten wir in der Ermahnung vorsichtig sein und nicht vorschnell nach vorne preschen. In manchen Fällen kann es besser sein, wenn wir andere Geschwister bitten, sich der Sache anzunehmen.

Vers 2

Das Gesetz des Christus kann in wenige Worte gefasst werden: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten! Daran hängen das ganze Gesetz und die Propheten (Mt 22,40). Wer sich daran hält, wird das Gesetz des Christus erfüllen.

Vers 3

Wir können uns an dieser Stelle fragen, weshalb Paulus sich hier zum geschätzten Selbstwert des Menschen wendet. Passt diese Stelle hierher? – Ja, freilich, denn Menschen, die meinen, sie seinen etwas Spezielles, neigen dazu, denjenigen, die in ihren Augen minderwertig sind, nicht zu helfen. Solche Menschen betrügen sich selbst, denn im Blick auf Gott ist unser aller Dienst mangelhaft (Lk 17,10). Wie kann man sich angesichts dieser Tatsache überheben?

Vers 4

Wie wir nicht speziell von uns denken sollen, ist es nicht statthaft, uns mit „fremden Federn“ zu schmücken. Ein jeder wird einzeln beurteilt (Mt 25,19; Lk 19,15). Wenn jemand Lob vom HERRN empfangen möchte, genügt es nicht, in einer guten Gemeinde zu sein und dabei selbst keinen Beitrag zu leisten.

Verse 5-8

5 denn jeder wird seine eigene Bürde tragen.
6 Wer im Wort unterwiesen wird, gebe aber dem Unterweisenden an allen Gütern Anteil!
7 Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.
8 Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Gal 6, 5 – 8

Vers 5

Von jeder gläubigen Person wird etwas verlangt, jede hat ihre eigene Bürde. Von der einen wird mehr verlangt, von der anderen etwas weniger, je nachdem, wie viel jemand tragen kann (Lk 12,48).
Dieser Vers wird mit dem Wort „denn“ eingeleitet, er ist mit Vers 4 verbunden. Das unterstreicht das im Vers 4 gesagte nochmals. Jeder soll in dem seinen Treu sein, niemand soll sich den Anteil des anderen ersehnen und den seinen in der Folge brach liegen lassen.

Vers 6

Menschen, die im Wort unterwiesen werden, haben eine bestimmte Macht. Sie könnten sich als Lehrer etablieren, indem sie Schriftteile recht auslegen. Wenn sie dabei wichtige Wahrheiten auslassen, können sie es so drehen – ohne lügen zu müssen –, dass ihnen von der Gemeinde eine besondere Position im Leib gegeben wird, obschon das nicht zulässig ist.
Geben sie jedoch die ganze Wahrheit weiter, ist solches ausgeschlossen.

Verse 7-8

Damit sie und alle anderen bei der vollen Wahrheit und sonst in allen Dingen treu bleiben, wird diese Warnung ausgesprochen. Gott gibt nichts, damit es zum persönlichen Vorteil genutzt werden kann. Er lässt sich nicht verspotten! Es kommt zurück, was ausgestreut wird. Wer fleischlich, auf sich selbst bezogen, wandelt, wird fleischliches ernten, wer auf den Geist hört und so austeilt, wird geistliches ernten. Amen.

Verse 9-10

9 Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.
10 Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens! Gal 6, 9 – 10

Vers 9

Durch den Geist werden alle guten Dinge gewirkt, wie wir wissen (Gal 5,22). Lasst uns darin bleiben! Auch wenn es manchmal durch böse äussere Umstände fast aussichtslos scheint, überhaupt noch etwas zu wirken, tun wir gut daran, im Gutestun zu bleiben. Der HERR vergisst nicht eine einzige Tat, welche durch oder für ihn gewirkt wird (Mt 12,36). Amen.

Vers 10

Bestimmt können wir uns nicht über mangelnde Gelegenheiten, Gutes zu wirken, beklagen. Dabei sollen wir das Volk Gottes, unsere Mitgeschwister so weit als möglich bevorzugen. Schliesslich helfen wir auch zuerst unserer eigenen Familie und anschliessend anderen Menschen. Die Familie ist uns gegeben, dass wir ihr gut vorstehen oder dienen. Vergessen wir das nicht!
Leider gibt es mancherorts Menschen, die sich um der Selbstbestätigung willen, zuerst um Fremde kümmern, da dort die Rückmeldung oft besser ist, als bei den Hausgenossen. – Doch wir sollen klar bleiben: Zuerst kommen die eigenen Leute in der Reihe der Aufmerksamkeit, dann die Fremden.

Verse 11-14

11 Seht, mit was für grossen Buchstaben ich euch mit eigener Hand geschrieben habe!
12 So viele im Fleisch gut angesehen sein wollen, die nötigen euch, beschnitten zu werden, nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden.
13 Denn auch sie, die beschnitten sind, befolgen selbst das Gesetz nicht, sondern sie wollen, dass ihr beschnitten werdet, damit sie sich eures Fleisches rühmen können.
14 Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Gal 6, 11 – 14

Vers 11

Damit unterstreicht Paulus die Wichtigkeit des Briefes. Es geht da nicht um Kleinigkeiten, die darin behandelt wurden.

Vers 12

Dieser Vers ist mit dem vorangegangenen verbunden. Es ist wichtig, die Lehren des Paulus, welcher die Lehre Christi weitergibt, anzunehmen, denn es gibt im Gegensatz auch falsche Lehren, denen man unbedingt widerstehen muss.
Die hier erwähnten Personen möchten gut dastehen, indem sie das Gesetz Moses predigen, anstatt die Lehre Christi zu vertreten. Dieses Gesetz erzeugt keine Verfolgungen, da es den natürlichen Menschen anspricht und ihm die Gelegenheit gibt, sich selbst gottgefällig darzustellen. Da aber kein Mensch durch das Gesetz gerechtfertigt werden kann, kam Christus und seine Lehre zu uns, welche das Gesetz ablöst (Heb 8,13; Rö 7,1-6; Rö 10,4). Diese Lehre stellt das Fleisch, den natürlichen Menschen, als völlig unfähig hin, Gott zu gefallen. Menschen, die dieser Lehre ungehorsam sind, werden durch sie aufgereizt, dagegen zu kämpfen. Dies tun sie mit subtilen aber auch offensichtlichen Mitteln, indem sie die Lehre verleugnen aber auch deren Nachfolger nachstellen und sie, wenn möglich, zum Schweigen bringen.

Vers 13

Hier bestätigt sich der Kommentar zum Vers 12: das Gesetz kann nicht befolgt werden, weil der natürliche Mensch zu schwach ist dazu (Apg 15,10). Trotzdem wollen sie, dass man sie in der Befolgung des Gesetzes nachahmt, damit sie sich rühmen können: als Lehrer, die sich Gehör verschafft haben, indem ihnen Anhänger folgen.

Vers 14

Ganz anders ist Paulus in dieser Angelegenheit. Der Apostel sucht nicht „paulinische“ Anhänger, er möchte sich nicht selbst verherrlichen. Paulus erhebt keinen Anspruch auf irgendwelche Ehre. Er rühmt sich nur des Kreuzes und dass er dadurch nicht mehr von der Welt ist und die Welt keinen Anteil mehr an ihm hat.

Verse 15-18

15 Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittensein gilt etwas, sondern eine neue Schöpfung.
16 Und so viele dieser Richtschnur folgen werden, Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!
17 In Zukunft mache mir keiner Mühe! Denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leib.
18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder! Amen. Gal 6, 15 – 18

Vers 15

Im viertletzten Vers dieses Briefes bringt Paulus das Problem der Galater nochmals auf den Punkt: weder die Beschneidung (Abstammung von Israel) noch das Unbeschnittensein (Abstammung aus irgendeiner Nation) ist von Bedeutung. Von Wichtigkeit ist allein die neue Schöpfung, die durch den Tod und die Auferstehung Christi Wirklichkeit wurde. Ganz gleich, welcher Abstammung ein Mensch ist, wenn er an Christus glaubt und sich taufen lässt, stirbt er der Welt. Seine Abstammung ändert sich: diejenige vom ersten Menschen (Adam) wird abgelegt. Sein neuer Vorfahre heisst von nun an Christus, wie es schön im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, dem Vers 45 erläutert wird.

Nicht das Einhalten des Gesetzes bringt die ersehnte Erlösung vor Gott. Allein der Glaube an Christus, welcher einen tadellosen Wandel auf Erden vollzogen, für unsere Sünden am Kreuz bezahlt hat und von den Toten auferstanden ist, bringt uns diese Erlösung. Amen.

Vers 16

Wer der von Paulus vorgegebenen Richtschnur folgen wird, soll Frieden und Barmherzigkeit empfangen. Wenn sich die Galater umwenden würden und sich in Zukunft durch Gnade (Erlösung durch einen Stellvertreter, Christus), nicht durch Gesetz (Selbterlösung), rechtfertigen, dann tun sie gut. Genau dasselbe gilt für das Israel Gottes. Nicht das allgemeine Volk Israel ist das Israel Gottes, sondern jene, die Gottes Willen tun (Joh 8,39). Für letztere ist auch Frieden und Barmherzigkeit bestimmt.

Verse 17-18

Die Galater sind angehalten, die Worte des Paulus ernst zu nehmen und sie umzusetzen. Der rechte Weg wurde jetzt mit viel Mühe und Liebe brieflich dargestellt. Paulus legt in diesem Vers seine Enttäuschung offen, wenn sie erneut vom Weg abkämen.

Mit dem Segensgruss schliesst Paulus seinen Brief und ich meine Kommentare dazu. Ich hoffe, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein wenig durch die Versbetrachtungen haben profitieren können.

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