Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der Brief an die Hebräer

Einleitung

Im Brief an die Hebräer werden die alttestamentlichen Schriften sehr schön im Blick auf Christus hin geöffnet. Er schlüsselt auf, was die Erfüllung der alttestamentlichen Vorbilder ist und erklärt facettenreich, was uns Christus durch Sein Kommen im Gegensatz zum Gesetz gebracht hat.

Er enthält auch viele Ermahnungen, welche die Christen, die das Ziel etwas aus den Augen verloren haben, wirkungsvoll wieder auf Zielkurs bringen. Auch ist er denen eine grosse Hilfe, die eventuell aus dem Judentum kommen oder für solche, die sich sehr für jüdische Gebräuche interessieren. Er stellt den Neuen Weg in Christus dem Alten Testament gegenüber und lässt bezüglich dem besseren Weg keine Zweifel offen.

Die menschliche Betrachtungsweise ist unerheblich: Gott hat diesen Brief in den Kanon der Bibel aufgenommen. Er gehört also zum gehauchten Wort Gottes, welches zur Lehre, Überführung, Zurechtweisung und zur Unterweisung in der Gerechtigkeit dient. Daher ist es recht und billig, wenn wir diesem Brief ebenfalls grosse Aufmerksamkeit schenken.

Kapitel 1

Vers 1

Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten,    Hebr 1,1

Schnörkellos beginnt der Autor des Hebräerbriefs, welcher nicht eindeutig identifiziert ist, dieses Bibelbuch. Auch ohne gänzliche Klarheit über den Autor bleibt die Tatsache bestehen, dass auch der Brief an die Hebräer göttlich inspiriert ist (2. Tim 3,16).

Gott habe „vielfältig und auf vielerlei Weise“ zu den Vätern geredet. Halten wir an diesem Punkt kurz inne und fragen uns: Welcher uns vorgesetzte Mensch gibt uns auf so viele verschiedene Arten dieselben Instruktionen? Sind Ihre Vorgesetzten, liebe Leserinnen und Leser, beeindruckt, wenn sie Ihnen wichtige Themen zehnmal neu erklären müssen? Oder was tun die Chefs, wenn der relevante Sachverhalt gar nach zwanzigmal nicht sitzt? – Ich kann es Ihnen sagen, liebe Leserinnen und Leser: Bereits nach dem vierten Mal fühlen sich Vorgesetzte veräppelt und werden anfangen, an der Rekrutierung des neuen Mitarbeiters, der anscheinend begriffsstutzig ist, zu zweifeln.

Gottes Volk hat aber die Meinung, Gottes Anliegen könne mit wenig Interesse begegnet werden. Gott, der viel mehr Geduld aufbringt wie menschliche Vorgesetzte, hat die Kernbotschaft auf vielerlei Weise gelehrt, „täglich(!) früh sich aufmachend und sendend (Jer 7,25)“. Für den Tatsachenbeschrieb und die Wegleitung, dass das Fleisch nichts Gottgewolltes hervorbringt bzw. eigene Werke nichtig sind (1. Mo 4,5) und der Mensch dringend einen Retter benötigt, bräuchte es nur wenige Seiten. Die Bibel könnte wohl mit fünf bis zehn Seiten auskommen, hätte sie schnörkellos bleiben sollen.

Da es Gott aber ein sehr grosses Anliegen ist, die Menschen alle zu retten (Hes 18,23), spricht Er vielfältig und auf vielerlei Weise. Lassen Sie uns Ihn nicht durch unnatürliche Begriffsstutzigkeit zum Zorn reizen. Lassen Sie uns hören, verstehen und bereitwillig umsetzen. Amen.

Vers 2a

hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, Hebr 1,2a   

Den Reden der Propheten (Jer 43,1.2), der Richter (1. Sam 8,19) und sonstigen Knechten Gottes wurde kein Gehör geschenkt. Die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung verhinderte aber vorderhand ein schlimmes Dreinfahren durch den Allmächtigen, mit welchem Er dem Odem der Menschen den Garaus macht. In der Hoffnung, dass die Menschen doch noch hören, sandte er am Ende jener Tage, wo sich das Zeitalter des Gesetzes zu jenem der Gnade wandelte, seinen eigenen Sohn. Es verhielt sich wie im Gleichnis mit den Weingärtnern:

33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und eine Kelter darin grub und einen Turm baute; und er verpachtete ihn an Weingärtner und reiste ausser Landes.   
34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte zu empfangen.   
35 Und die Weingärtner nahmen seine Knechte, einen schlugen sie, einen anderen töteten sie, einen anderen steinigten sie.   
36 Wiederum sandte er andere Knechte, mehr als die ersten; und sie taten ihnen ebenso.   
37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen! Mt 21,33-37  

Wir kennen den Ausgang dieses Gleichnisses: Auch dem Sohn wird keine Beachtung geschenkt, jedenfalls nicht von der priesterlichen Klasse, dem schriftwidrigen Klerus; weder in frühen Zeiten noch heute. – Achten wir auf uns, dass wir es den Halsstarrigen nicht gleich tun, auch der stärkste Geduldsfaden reisst irgendwann. Gott kommunizierte uns seine Ordnungen schon früh, nach Seinem herrlichen Prinzip, „täglich sich früh aufmachend und sendend“:

38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Dieser ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen!   
39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.
40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun?
41 Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit.     Mt 21,38-41  

Es ist klar kommuniziert, dass Gott nicht dulden wird, dass der gottlose Zustand der Menschen für immer so weitergehalten werden kann. Das Gericht wird kommen und es wird sehr übel ausfallen. – Scheuen wir uns umso mehr vor dem Sprechen Gottes, das wir jetzt als direkt aus dem Mund des Sohnes kommend kennen. – Freuen wir uns aber auch, dass die Liebe Gottes Ihn dazu bewog, die Kommunikation zum Menschen zur Chefsache werden zu lassen, dass er sich herablässt, uns persönlich die Gute Nachricht zu verkündigen! Amen.

Vers 2b

den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat;    Hebr 1,2b 

Gott hat Christus zum Erben aller Dinge eingesetzt. Durch Christus wurde alles geschaffen (siehe auch Kol 1,15.16). Christus ist der Abdruck Seines Wesens (Kol 1,19; 2,9). Durch das Wort Seiner Macht (d.h. der Macht Christi) bleibt alles bestehen. Christus trägt also alle Dinge durch das Wort seiner Macht (bitte Kol 1,17 nachlesen). Das sind Informationen, die vielleicht nicht ohne Weiteres einleuchten. – Wie ist es zu verstehen, dass Christus von Gott zu etwas eingesetzt wird (zum Erben) und gleichzeitig wurde alles durch Ihn geschaffen und in der Folge am Leben erhalten (Er ist Gott)? – Das Erben hat eine menschliche Komponente und das Erschaffen des Universums und dessen Erhaltung eine göttliche. Christus ist also ein vollwertiger Mensch, wie auch eine Person des dreieinen Gott. Er ist also auch – verzeihen Sie mir den Ausdruck – vollwertiger Gott.

Einige Sekten wollen bezüglich der Gottheit Christi einen Unterschied machen und diskriminieren unseren Herrn, indem sie Jesus Christus bloss auf der Stufe des Menschen sehen wollen. Solche Sekten schneiden sich ins eigene Fleisch, weil sie den Christus-Gott, in dessen Name* allein die Rettung ist, verleugnen (*Sach 10,12; Mt 1,23); Gott band die Rettung der Menschen an sich, die Gottheit (Jes 43,3; 43,11; Hos 13,4), nicht an einen Menschen, wobei wiederum nur ein Mensch für Menschen büssen kann. Wer also Jesus das Gott-Sein abspricht, hat keinen Retter mehr, weil nur der allmächtige Gott Retter der Menschen ist. Wer Jesus das Mensch-Sein abspricht, hat kein Opfer mehr, das seine Sünden tilgen könnte, da nur im Namen Christi die Sünden vergeben werden (Apg 4,12). Sekten und Bibelkritiker können es drehen oder wenden, wie sie wollen: Wer Christus eine Komponente abspricht, bleibt ohne Retter. Sie werden in ihren Sünden sterben und die Strafe im furchtbaren Gericht darüber tragen müssen.

Vers 3

er, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens ist und alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt, hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat;     Hebr 1,3

Die erste Hälfte des Verses ist im vorausgehenden Kommentar eingebunden. – Christus hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. Doch zuvor hat Er die Reinigung von den Sünden bewirkt. Es gefiel Christus nicht, untätig bezüglich uns Menschen beim Vater in der Herrlichkeit zu bleiben, während die Erde sich auf dem Weg zur Hölle befand. Er, der vor Abraham war (Joh 8,58) und in der Herrlichkeit thronte, entschloss sich, Knechtsgestalt anzunehmen und sich bis zum Tod am Kreuz zu erniedrigen (Phil 2,8). Heute sitzt er wieder zur Rechten der Majestät in der Höhe, als Sieger über Tod und Teufel. Zwar hätte Er Tod und Teufel in der Eigenschaft als Gott schon vor der Fleischwerdung längst vernichten können, doch welcher Mensch hätte davon profitiert? Hätte Christus auf diese Art den Teufel erledigt, wäre die Hölle trotzdem die Endstation der Menschheit gewesen, da der Mensch sich selbst nicht retten kann. Das Urteil war schon über ihn gesprochen, denn er sündigte von Anfang an, seit dem Fall im Garten Eden.

Durch die Tat Christi sind nicht „nur“ der Tod und der Teufel besiegt, auch dem Menschen wurde damit der Weg aus der ausweglosen Situation freigemacht. Amen! – Gelobt sei der HERR!

Vers 4

und er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, wie er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat.     Hebr 1,4   

Der Sohn ist so sehr höher gestellt als die Engel, wie sein Name höher steht, als der der Engel. Der Name des HERRN ist so herrlich und erhaben! – Wie erhaben ist er? – Ich will Ihnen diesbezüglich eine Angabe machen:

Und er trägt auf seinem Gewand und an seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.     Offb 19,16 

Bitte lesen Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch die anderen Verse diesbezüglich nach: Hier zwei weitere Beispiele: Offb 1,5; 17,4. Die Bibel lässt keine Zweifel über die Person Christi offen. Christus ist der ewige Gott (Jes 9,5) und der Erste aller Schöpfung und von den Menschen (Kol 1,15) und hat in Allem den Vorrang (Kol 1,18; Offb 1,5). Es gibt also kein höher gestelltes Wesen neben Christus. Er steht auf der Stufe Gottes des Allmächtigen!

Vers 5

Denn zu welchem der Engel hat er jemals gesagt: »Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt«? und wiederum: »Ich werde ihm Vater und er wird mir Sohn sein«?     Hebr 1,5 

Zu keinem Engel wurde das gesagt, denn Engel sind erschaffene Wesen. Christus ist nicht erschaffen; Christus ist seit jeher (Joh 8,58). Das sehen wir auch in den Evangelien. Dort, wo Christus als Gott dargestellt wird, im Johannesevangelium, ist kein Stammbaum abgebildet: Christus ist ewig. In der Eigenschaft als Mensch nahm sein Anfang in der Linie von David, als Königssohn. Er erbt Davids Hinterlassenschaft, Israel. Darüber hinaus löst er die Herrschaft aller Machthaber der Welt ab, wie geschrieben steht:

44 Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das ewig nicht zerstört werden wird. Und das Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden; es wird all jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber wird es ewig bestehen:   
45 wie du gesehen hast, dass von dem Berg ein Stein losbrach, <und zwar> nicht durch Hände, und das Eisen, die Bronze, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. Ein grosser Gott lässt den König wissen, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist zuverlässig und seine Deutung zutreffend.     Dan 2,44.45  

Christus wurde in der Eigenschaft als Mensch nicht auf die gleiche Weise erschaffen, wie Adam erschaffen wurde. Adam wurde von der Erde genommen. Christus wurde hingegen vom ewigen Gott gezeugt. Das macht einen grossen Unterschied aus. Alle anderen Wesen haben den Ursprung in der Schöpfung, sie wurden erschaffen. Christus wurde nicht erschaffen; Er wurde - wie erwähnt - von Gott gezeugt. Gott hat sich also völlig mit dem Menschen eins gemacht, indem Er seine Erbinformationen zur Zeugung Christi einsetzte. Gott selbst wurde Fleisch, wie geschrieben steht (Joh 1,14). So etwas ist nie zuvor geschehen; es war aber lange im Voraus angekündigt worden (Jes 7,14; Mt 1,23), nach dem herrlichen Prinzip Gottes, das wir inzwischen sehr gut kennen: „Täglich früh mich aufmachend und sendend (Jer 7,25).“

Vers 6

Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt, spricht er: »Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!«     Hebr 1,6    

Wenn dieser Erstgeborene aller Schöpfung, Jesus Christus, zurückkommt, wird sich nicht nur jedes menschliche Knie vor Ihm beugen, auch die Engel Gottes sollen Ihn anbeten! Dies zeigt die überragende Grösse Jesu Christi.

9 Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist,   
10 damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen,   
11 und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.     Phil 2,9-11

Diese Tatsache zu beleuchten ist insbesondere für Menschen wichtig, die aus dem Judentum kommen, welches sich am Alten Testament orientiert. Solche Menschen kennen den allmächtigen Gott, die Engel und die grossen Männer des Alten Testaments. Christus ist zwar darin angekündigt, doch sie kennen Ihn nicht so wie solche, denen das Neue Testament bekannt ist. Deshalb legt der Heilige Geist gerade in diesem Buch grossen Wert auf Vergleiche zum Alten Testament: Christus ist grösser als jeder Mensch. Er ist grösser als Mose, David, Elia und die sonst namentlich erwähnten Leute Gottes. Dazu ist Er grösser als jeder Engel, sei er gut oder böse. Er ist grösser und viel mächtiger als Gabriel oder gar Michael, der Kriegsengel. Er ist auch bei weitem mächtiger als Satan, der Macht hat, die ganze Welt zu schrecken. Er ist grösser als die Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen.

Aus diesem Grund erging Befehl des Allmächtigen an die gesamte Schöpfung: „Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!“ Amen.

Vers 7

Und von den Engeln zwar spricht er: »Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme«,     Hebr 1,7  

Der Heilige Geist fährt fort mit Vergleichen von Christus mit Figuren, die man bereits aus dem Alten Testament kennt. Die Offenbarung Christi ist etwas Neues in den Schriften; mit Ihm begann ein neues Zeitalter und das Neue Testament in der Bibel. Christus lehrte eine neue Verfassung in der Bergpredigt (Mt 5-7).

Menschen, die im Alten Testament unterwiesen sind, tun sich oft schwer, sich davon zu lösen und Bekanntes legt man ungern gegen etwas Neues ab, das nicht so erforscht ist. Sogar Petrus brauchte eine Extralektion von Gott (Apg 10,10ff), damit er mit dem Evangelium zu den Nationen ging, obschon bereits im Alten Testament angedeutet war, dass die Gnade auch zu ihnen fliessen wird (vergleichen Sie Jes 11,10 mit Mt 12,21). Im Alten Testament war es Israel nicht erlaubt, mit den Nationen zu verkehren; Petrus tat sich, wie erwähnt, im Neuen schwer damit und sogar Paulus fiel zeitweise in überholte Riten (Apg 21,26).

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, dass es für israelstämmige Menschen und solchen, die Gott in den alten Schriften suchen, wichtig ist, Christus so dargestellt und mit grossen Figuren aus dem Alten Testament verglichen zu bekommen. Unser und der nachfolgende Vers machen nochmals klar, dass Christus über solch Mächtigen steht, über die steht: „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme.“ Ein Engel ist so effektiv wie Feuer, das – wenn es entfesselt ist – vor nichts halt macht. Ein (Verderber-) Engel reichte aus, um sämtliche Erstgeburt in Ägypten zu töten. Ein solcher reichte ebenfalls aus, um 70 000 Mann in kurzer Zeit zu töten (2. Sam 24, 15.16). Und dennoch: Christus ist grösser als die Engel!

Es lohnt sich also für alle, auch für eingeschworene Anhänger des Alten Testaments, das Neue Testament zu erforschen und den Sinneswandel zum neuen Weg (Mt 5-7) zu vollziehen.

Vers 8

von dem Sohn aber: »Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches;     Hebr 1,8  

Zu wem kann Gott sprechen: „Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit?“ Kann Er das zu irgendeinem Geschöpf sagen? Nicht einmal von Christus in der (isolierten) Eigenschaft als Mensch kann er das sagen, weil Christus nicht seit Ewigkeiten im Fleisch ist. Doch Christus ist seit jeher und somit viel mehr als ein Mensch, der im Jahre Null angefangen hat zu existieren (Joh 8,58). Christus ist so, wie er unter anderem im Propheten Jesaja beschrieben ist:

Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens.     Jes 9,5 

Und damit ist nicht genug. Viele Verse, die eindeutig auf den ewigen Gott hindeuten, hat Christus erfüllt. In Jesaja 40,3 wird ausgesagt, dass ein Wegbereiter vor dem allmächtigen Gott herziehen wird, was sich mit Johannes dem Täufer erfüllte. Johannes der Täufer gibt dieses Zeugnis selber ab:

21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin's nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein.   
22 Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? Damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?
23 Er sprach: Ich bin die »Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn«, wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat.     Joh 1,21-23 

Die Stimme des Rufenden in der Wüste, der den Weg des allmächtigen Gott bereiten soll, erscholl in der Stimme Johannes‘ des Täufers und bezog sich auf Christus. Wenn Christus nicht Gott in Person wäre, so hätte sich die Prophezeiung nicht erfüllt. – Das ist ein Beispiel von vielen, welche die Gottheit Christi und seine überragende Grösse bestätigen. Es gibt keine Zweifel, Christus ist eine Person des dreieinen Gottes; Er ist Gott der Allmächtige, „dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches.“ Amen.

Vers 9

du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl vor deinen Gefährten.«     Hebr 1,9 

Christus liebte die Gerechtigkeit und hasste die Gesetzlosigkeit beispiellos. Kein Anderer vor Ihm tat es in der absolut perfekter Form wie der HERR. Deshalb hat Ihn Gott vor allen anderen Kindern Gottes ausgewählt.

Christus lebte das Leben nicht so, wie es der moralisch beste Mensch tun könnte. Der moralisch beste Mensch würde nur eine Bestmarke auf einer Skala der Unvollkommenheit setzen. Das heisst, dass selbst ein solcher es nicht zur Perfektion schaffen würde, denn selbst der beste Mensch ist ein Abbild Adams, der in Sünde fiel. Christus fiel hingegen nicht in Sünde, lebte das perfekte Leben und opferte sich für die Sache des Vaters, indem er die Rettung für die Welt aufrichtete.

Es fehlen mir angemessene Worte, um das zu beschreiben, was Christus vollbrachte. Dass Christus seinen Platz im Himmel verliess, um sich von seiner eigenen Schöpfung verspotten zu lassen und ohne Widerrede – wie ein Lamm – zur Schlachtbank ging, das zeichnet Ihn in allen Punkten derart aus, dass Ihm das Lob in Ewigkeit gebührt! Amen!

 

Vers 10

Und: »Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände;  Hebr 1,10  

Liebe Leserinnen und Leser! Bitte beachten Sie an dieser Stelle, dass dieser Vers eine Fortsetzung der Aussprachen Gottes über den Sohn ist. Die Erde wurde durch den Sohn geschaffen. Durch den Sohn ist sie entstanden; sie ist das Werk Seiner Hände, wie geschrieben steht:

15 Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung.   
16 Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;   
17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn.     Kol 1,15-17   

Können wir uns vorstellen, was das heisst? – Der Sohn eines Zimmermanns sollte das alles geschaffen haben? – Die Welt spottet dem HERRN, Akademiker sowie einfache Leute. Die Schriftgelehrten erstaunten über das Wissen des zwölfjährigen Jesus (Lk 2,47). Ob wir Jesus in der Eigenschaft als Gott oder als Mensch betrachten; Er war es, der es den Schriftgelehrten zu Leben ermöglichte. Er erfand die Gravitation und ordnete die interstellaren Gleichgewichte. Er schuf die Seele der Menschen genauso wie ihren Lebensraum. Und nun spottet die Wissenschaft über „den Mann, der in kein Schema passte“, wie Er einmal umschrieben wurde. Er passt tatsächlich nicht in Schemas von Würmern; er passt nicht in ein kleinkariertes menschliches Schema. Er, der im Anfang die Erde gründete und dessen Werk die Himmel sind; - mit wem ist Er zu vergleichen? – Er sei gelobt! Jeder Mensch, gebildet oder nicht, werfe sich vor Ihm nieder! Amen.

Vers 11

sie werden untergehen, du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Kleid,     Hebr 1,11 

Im Gegensatz zum Vergänglichen hebt sich Christus völlig ab: Er gehört zum unvergänglichen Gott. Er ist der unvergängliche Gott. Das Vergängliche ist der Zeit unterworfen, Christus nicht.

Der Heilige Geist führt Punkt für Punkt aus, wie erhaben und herrlich Christus ist. In diesem ersten Kapitel wird bis zum aktuellen Vers erläutert, dass Christus

- Der Erbe aller Dinge ist (Vers 2)
- Die Zeitalter geschaffen hat (Vers 2)
- Abdruck des Wesens Gottes ist (Vers 3)
- Das Gleichgewicht des Universums in Seiner Hand hält (Vers 3)
- Zur Rechten des Vaters sitzt (Vers 3)
- Die Reinigung der Sünden bewirkt hat (Vers 3)
- Viel erhabener ist als die Engel (Vers 4)
- Auch in der Eigenschaft als Mensch von Gott (dem Vater) gezeugt ist, d.h. mit ewigem Samen gezeugt ist (Vers 5)
- Den Engeln befohlen ist, Ihn anzubeten (Vers 6)
- Er ein unerschütterliches Königtum bekommt und Er gerecht herrschen wird (Vers 8)
- Er wegen seiner Gerechtigkeit den ersten Platz vor allen sowie als Gesalbter König- und Priestertum erhält (Vers 9)
- Durch Ihn die Welten geschaffen wurden (Vers 10)
- Er – wie eingangs erwähnt – als Ewiger der Vergänglichkeit nicht unterworfen ist (Vers 11)

Es ist gut, wenn wir diese Eigenschaften Christi auswendig lernen. Sie könnten uns in Stunden der Verzagtheit helfen, Vertrauen in Ihm zu gewinnen. – Der HERR sei gelobt! Amen.

Vers 12

und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Kleid, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht aufhören.«     Hebr 1,12 

In der Offenbarung wird das Gericht über diese Welt beschrieben. Wenn der Zorn des Lammes Gottes losbricht (d.i. Christus; Offb 17,4), wird’s ungemütlich. Seit 2000 Jahren wurde Er von den Menschen verspottet. Er hielt sich aber mit dem Gericht zurück, damit alle Auserwählten die Zeit für ihre Rettung und den Glauben an Ihn fanden bzw. finden. Überhaupt sollten alle Menschen gewonnen werden, da Gott nicht will, dass jemand verloren geht (Hes 33,11).

Das Lamm Gottes hält also den Zorn aus diesen Gründen noch zurück. Wenn es aber soweit ist, dass die Erde gerichtet wird, kommen grosse Übel auf die Erde, sodass die Nationen sagen werden:

16b Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes!   
17 Denn gekommen ist der grosse Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen?     Offb 6,16b.17

Christus beweist dann den stolzen Menschen, dass er das Universum geschaffen hat und Er der ist, der die Kräfte im Gleichgewicht hält. Wenn Er zürnt, gerät alles aus den Fugen „und der Himmel schwand dahin wie ein Buch, das zusammengerollt wird, und jeder Berg und jede Insel wurden von ihren Stellen gerückt (Offb 6,14).“ – Dieses Zitat steht in der Vergangenheitsform, da es eine fest beschlossene Sache bei Gott ist. Sie wird mit dieser Sicherheit eintreffen, dass Er es sich leisten kann, sie als schon geschehen niederzuschreiben. Oder was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, wird Gott noch jemanden um Erlaubnis fragen müssen?

Damit wird Christus noch einmal verherrlicht, denn Er wird ausführen, was andernorts als Handlung Gottes (in allgemeiner Form) angedeutet ist (Hos 10,10). Während der grössten Schmach Christi, auf dem Weg zum Kreuz, zitiert Christus diese Stelle aus dem Propheten Hosea (Lk 23,30; Hos 10,8b; Offb 6,16). In diesen Versen in Klammern steht ein und dieselbe Aussage, welche Gott im Alten Testament niederschreiben lässt. Christus zitiert sie auf dem Weg zum Kreuz und in der Offenbarung ist Er der Ausführende! Was für eine Gewalt, die Christus auf sich vereint! Was ist er für ein herrlicher Erretter! Was ist er für ein Gott! – Fallen wir lieber jetzt anbetend vor Ihm nieder, jetzt, wo die Zeit der Gnade noch anhält! Amen.

Vers 13

Zu welchem der Engel aber hat er jemals gesagt: »Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füsse«?     Hebr 1,13    

Der Heilige Geist – die Bibel ist bekanntlich gottgehaucht – vergleicht die Stellung der Engel noch einmal mit derjenigen Christi (vgl. Vers 5). Im ersten Vergleich ging es um die Sohnschaft, die Gott keinem Engel zugestehen kann. An dieser Stelle geht es um Position und Ehrerbietung. Der Vater spricht zum Sohn: Nimm neben mir Platz! Zusätzlich werde ich dir den Dienst erweisen und mir die Mühe machen, dir deine Feinde zu unterwerfen! – Eine solcher Ehrenplatz und eine solche Bedienung steht niemand anders zu als Christus allein. Denn für bestimmte Ehren müssen auch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Ein unfähiges Wesen darf nicht genommen und mit Königswürde ausgezeichnet werden; es würde den eingenommenen Platz nicht Gottes Wunsch gemäss ausfüllen.

Christus kommt dieser hohe Platz nur zu, weil Er allein fähig ist, solche Anforderungen zu erfüllen. Er ist beispielsweise der Einzige, der in Frage kommt, ein bestimmtes Buch zu öffnen -, andere sind nicht einmal würdig, es anzublicken (!):

1 Und ich sah in der Rechten dessen, der auf dem Thron sass, ein Buch, innen und auf der Rückseite beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt.   
2 Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter Stimme ausrief: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?   
3 Und niemand in dem Himmel, auch nicht auf der Erde, auch nicht unter der Erde konnte das Buch öffnen noch es anblicken.   
4 Und ich weinte sehr, weil niemand <für> würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen noch es anzublicken.   
5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.    Offb 5,1-5   

Gott besetzt offene Stellen nicht einfach irgendwie. Gott besetzt Vakanzen mit dazu befähigten Leuten. Ich spreche hier nicht über Positionen in Landes- und Freikirchen, welche häufig falsch besetzt sind. Dort finden Sie sehr häufig Menschen, die von Menschen eingesetzt wurden, ohne dass je der Wille Gottes abgefragt wurde.

Ich spreche von leeren Plätzen im Reich, die durch von Gott beauftragte Menschen besetzt werden. An solche kommen nur von Gott ausgerüstete und befähigte Leute, damit Gottes Willen in allem kompetent durchgesetzt werden kann.

Für das höchste Amt im Universum kommt aber nur ein einziger in Frage: Jesus Christus. Er bekommt diese Stellung nicht einfach, weil er Sohn ist. Er ist in Wahrheit auch der Einzige, der sie ausfüllen kann. Amen! – Gelobt sei der HERR!

Vers 14

Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen?     Hebr 1,14 

Dieser Vers gibt in eindrücklicher Weise an, wozu Gott Engel geschaffen hat: Es sind dienstbare Geister, welche um derer willen ausgesandt sind, die das Heil erben sollen. Engel sind zu unseren Gunsten – zum Vorteil der Christusgläubigen also – ausgesandt. Selbst die kleinsten von uns haben solche dienstbaren Geister (Mt 18,10), welche an Stärke den Menschen um ein Mehrfaches überlegen sind. Ein Engel des HERRN genügt, um 185 000 Mann zu töten:

Und es geschah in dieser Nacht, da zog ein Engel des HERRN aus und schlug im Lager von Assur 185 000 Mann. Und als man früh am Morgen aufstand, siehe, da <fand man> sie alle, lauter Leichen.  2.Kön 19,35 

Solche Krieger haben wir zur Seite! Der HERR lässt uns nicht verwaist; welcher Vater tut das mit seinen Kindern? Zudem steht der Vers in Mt 18,10 nicht in der Einzahl. Es besteht also die Möglichkeit, dass jedem gläubigen Menschen mehr als ein Engel zur Seite steht.

Das Erbe Gottes steht aber nur der von Gott gezeugten Familie zu. Dazu müssen Rahmenbedingungen erfüllt sein. Die Natur der Erben muss göttlich sein. Gott muss der leibliche Vater sein. Sonst wären wir keine echten Söhne, höchstens Adoptivkinder. Durch die Wiedergeburt wurden wir zu Kindern Gottes, des Allmächtigen. Wir haben zwar im Fleisch noch unsere alte Natur, die wir bis zur endgültigen Verwandlung mit uns tragen. Wenn wir davon befreit sind, sind wir ganzheitlich rein und vollendete Kinder des HERRN, fähig das Erbe anzutreten, sofern wir den Vater an uns arbeiten lassen (Joh 15,2).

Kapitel 2

Vers 1

Deswegen müssen wir um so mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa <am Ziel> vorbeigleiten. Hebr 2,1

Nach der herrlichen Darstellung Christi im ersten Kapitel wird im zweiten die erste und ernste Ermahnung festgehalten. Der Grund dieser Ermahnung ist simpel und sehr einfach zu verstehen. Wir müssen umso mehr darauf achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbeigleiten. Wenn schon auf die Missachtung des Wortes der Propheten der Tod die Folge sein konnte, was wird bei der Missachtung des direkt von Gott (Christus) ausgesprochenen Wortes sein? Was ist, wenn die Weingärtner, welche nicht auf die abgesandten Knechte gehört haben, auch nicht auf den Sohn hören (Mt 21,38ff)? Wer vorsätzlich handelt, wird dieses Gericht treffen:

Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihrer Zeit. Mt 21,41

Obschon dieses Gleichnis auf die Pharisäer abzielte, kann es dem Prinzip nach auf alle Menschen angewendet werden. Der Vorsatz beim Sündigen zieht schwere Konsequenzen nach sich. – Im Weiteren kommen Personen die nicht vorsätzlich, jedoch gleichgültig handeln, ebenfalls nicht zum Ziel. Der Ruf Gottes erfordert eine Reaktion unsererseits. Gleichgültiges bzw. widerspenstiges Schulterzucken (Sach 7,11) lässt jeden Menschen am Ziel vorbeigleiten. Es gibt im Reich keine Zufallstreffer. Entweder geht der Christ den Weg des HERRN entschieden und erreicht mit Seiner Hilfe das Ziel oder er verfehlt es. Die Bibel ist da unmissverständlich. Achten wir also umso mehr auf das Wort des HERRN, das seit 2000 Jahren durch Christus selbst verkündigt wird (Heb 1,2).

Vers 2

Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfing,     Hebr 2,2 

Das Gesetz wurde von Gott gegeben und durch Engel angeordnet (Gal 3,19). Überbracht hatte es Moses, der Mittler (5. Mo 5,5). Es ist im Vergleich zum neuen Weg, der durch Gottes Sohn persönlich verkündigt wurde (Mt 5-7), nicht so herrlich. Und obschon das Gesetz längst nicht so erhaben ist, empfing jeder Mensch für jede Übertretung und für jeden Ungehorsam gegenüber diesen Geboten gerechte Vergeltung. Schlimme Übertretungen wie gleichgeschlechtlicher Verkehr, Verkehr mit Tieren, Mord, Zauberei (vgl. 2. Mo 22,17ff) und Gotteslästerung wurden sogar mit dem Tod geahndet.

Was wird wohl geschehen, wenn wir den neuen Weg, das Evangelium Jesu Christi, verwerfen oder dazu nur müde mit dem Kopf nicken und es wagen, die Worte des HERRN in den Wind zu schlagen, wenn auch „nur“ in Teilen davon? Diese rhetorische Frage stellt der Heilige Geist im nächsten Vers. Ich bin der Ansicht, dass wir sie jetzt schon beantworten können, liebe Leserinnen und Leser. Viele Gesetzesübertreter haben auch „nur“ einen kleinen Teil des Gesetzes gebrochen und kamen trotzdem um, wie jener, der es wagte, den Ruhetag des HERRN zu entweihen (4. Mo 15,32ff). Sollen wir nun Christus zwar annehmen, den restlichen Weisungen des HERRN aber nur wenig Beachtung schenken?

Vers 3

wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so grosse Rettung missachten? Sie ist <ja>, nachdem sie ihren Anfang <damit> genommen hatte, dass sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben,     Hebr 2,3  

Israel war auch Gottes Volk. Sie hatten die rechte Abstammung von Isaak. Und sie hatten die Satzungen Gottes. Im Vorangegangenen haben wir gesehen, dass diese Satzungen weniger erhaben sind, wie das direkte Sprechen des HERRN über den neuen Weg, den Weg des Evangeliums. Und doch waren die Satzungen Israels bereits sehr herrlich:

Dem HERRN hat es gefallen um seiner Gerechtigkeit willen. Er macht das Gesetz gross und herrlich.    Jes 42,21 

So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.     Röm 7,12  

Das Gesetz Gottes für Israel ist sehr herrlich und viel gerechter in jeder Hinsicht als die Verfassungen der Nationen. Diese Herrlichkeit wurde auch sehr gut bewacht, lesen wir den Abschnitt dazu aus erster Hand:

6 Und die Priester brachten die Lade des Bundes des HERRN an ihren Platz in den Hinterraum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim;   
7 denn die Cherubim breiteten die Flügel aus über den Platz der Lade, und die Cherubim beschirmten die Lade und ihre Stangen von oben her.  1.Kön 8,6.7 

Das herrliche Gesetz wurde durch zwei mächtige Engel bewacht. Sie breiteten die Flügel über den Platz der Lade und beschirmten sie und ihre Stangen von oben her. Auch wenn es sich hier um Statuen handelte: Der HERR lässt kein Strichlein von Seinem Gesetz verloren gehen (Mt 5,18), das symbolisieren die zwei Cherubim über der Lade des Gesetzes.

Kommen wir zurück zu unserem Vers: Wenn das Gesetz bereits so erhaben und prominent vor dem Allmächtigen ist, wie herrlich sind dann die alles erfüllenden Worte Jesu Christi? Was für eine Herrlichkeit beinhaltet dann das Evangelium? – Ich kann es nicht in Worte fassen; es ist zu herrlich. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Aussage von Hebräer 2,3 entsprechend hart ausfällt. Auf grobe Verletzungen des Gesetzes hin konnte schon jemand aus Gottes Volk sein Leben verlieren -, was wird wohl passieren, wenn wir nun das Evangelium, die heiligen Worte aus dem Mund Christi für gering achten und nur wie als „Empfehlungen eines Wanderpredigers“ klassifizieren? – Ich kann Ihnen, liebe Leserinnen und Leser sagen, wie es herauskommt: Der HERR wird überhaupt nicht erfreut oder gar beeindruckt sein. Israel hatte keine warnenden Vorbilder wie wir (1. Kor 1,6). Wir haben erhabenere Worte und die Vorbilder. Wenn wir also trotz all dieser Warnungen geringschätzig mit dem Wort Gottes umgehen, wird es uns auch dementsprechend übel ergehen.

Viele Gläubige leben so mehr oder weniger nach dem Prinzip „Hauptsache gerettet, die restlichen Worte Christi sind nicht ‚heilsnotwendig‘ und somit nicht strikte zu befolgen“. Für solche Christen habe ich nur einen Rat: Befolgen Sie unbedingt das ganze Evangelium! Lassen Sie sich taufen, nehmen Sie an den Versammlungen teil und üben Sie den Priesterdienst mit Gebet und Flehen füreinander aus! Treffen Sie sich zum Mahl des HERRN und fürchten Sie den, der nicht nur Macht über den Leib hat. Derjenige hat auch Macht über Ihre Seele und kann Sie an einen Ort bringen, wo Sie weinen und mit den Zähnen knirschen werden (Mt 13,42). Damit spreche ich keinem Christen die Errettung vor der Hölle ab; ich sage damit nur, dass – wie bei der Missachtung des Gesetzes niemand ungeschoren davon kam – ein solcher hart gezüchtigt werden wird, wenn er die heiligen Worte Jesu Christi gering achtet, welche im Vergleich noch viel herrlicher und erhabener sind. Solche Christen werden, umgangssprachlich ausgedrückt, ihr „blaues Wunder“ erleben, das sehr schmerzhaft und beschämend sein wird.

Mein Appell an alle Geschwister ist deshalb: Leben Sie nach den Worten Christi! Nehmen Sie sie als Richtschnur Gottes; sie sind kein Empfehlungsschreiben. Sie sind zu befolgen! Amen.

Vers 4

wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen.     Hebr 2,4 

Blenden wir zum vorausgehenden Vers zurück. Unsere Rettung begann, „nachdem sie ihren Anfang damit genommen hatte, dass sie durch den Herrn verkündet wurde (Mt 5-7), uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben (u.a. Apostelgeschichte, Petrusbriefe, Johannesbriefe) wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder (Apg 3,6 u.v.a.) und mancherlei Machttaten (Apg 13,11) und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen (Joh 20,22).“

Die Rettung durch das direkt durch Gottes Mund ausgesprochene Evangelium kam nicht im Dunkel des Berges Sinai (2. Mo 19,9-12). Der HERR kam mit Gnade und Wahrheit (Joh 1,17) zu uns Menschen. Gott neigte sich in Jesus Christus viel tiefer herab als am Horeb, wo das Gesetz gegeben wurde. Die Herrlichkeit der Bergpredigt ist viel höher als die Übergabe des Gesetzes. Und der Weg Christi, der diese Gnade und Herrlichkeit überhaupt ermöglichte, war ausserordentlich schwerer.

Unser HERR, der dies alles vollbracht hat, Ihm gebührt die Ehre und Ihn wollen wir anbeten! Amen.

Vers 5

Denn nicht Engeln hat er den zukünftigen Erdkreis unterworfen, von dem wir reden;  Hebr 2,5  

Die Erde wird zukünftig einer gerechten menschlichen Herrschaft unterworfen sein. Gott bringt seinen Willen immer zum Tragen. Bereits der erste Mensch hätte über die Welt regieren sollen (1. Mo 1,26), doch er liess sich von einem gefallenen Engel betören und fiel in Sünde. So triumphierte der Engel über den Menschen und riss die Herrschaft an sich -, bis zum heutigen Tag. Der Teufel herrscht als Fürst über diese Welt (Joh 12,31; 16,11). Die Herrschaft dieses Planeten ist (noch) in falschen Händen.

Wie bereits gesagt, muss Gott niemanden bitten. Selbst wenn das klügste Wesen in Gottes Pläne funkt, bleibt es nur ein Versuch eines geschaffenen Wesens gegen eine schon ewig dagewesene, uneingeschränkte und für immer bestehende Macht. Diese Macht hat beschlossen, dass der Mensch, nicht Engel, über die Erde herrschen soll. Adam fiel in Sünde und gab die Herrschaft aus der Hand. Der letzte Adam, Christus, fiel nicht in Sünde. Auch gibt Er das Heft nicht aus der Hand. Er behält die Herrschaft über die Erde und wird sie bei seiner Wiederkunft aufrichten, indem Er unter anderem den momentanen Herrscher in Ketten legt (Offb 20,1.2) und jeden sonstigen Machthaber entthront (Dan 2,35).

Gott sei Dank verpflichtet sich Christus zur Herrschaft über die Welt. Christus ist nicht wie ein Königssohn, der nur seine Rechte geltend macht und es sich nur gut gehen lässt, wie es leider in dieser Welt viele tun. Christus weicht vor viel Arbeit nicht zurück und wird durch gute Organisation, Gerechtigkeit und weiser Arbeitsverteilung die Erde wieder zum Blühen bringen. Jeder Mensch wird bekennen: In der Weise zu herrschen, dass es allen Menschen in allem gut geht und die Gerechtigkeit in keinem Punkt vergewaltigt wird; das hat noch nie ein Machthaber fertiggebracht. – Er sei gelobt!

Vers 6

es hat aber irgendwo jemand bezeugt und gesagt: »Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, oder des Menschen Sohn, dass du auf ihn achtest?     Hebr 2,6 

Gott hat tatsächlich vor, auch wenn wir es in Demut nicht wirklich glauben können, dem Menschen die Herrschaft der Erde zu übergeben, obschon die Engel stärker sind an Kraft. Schnell krebsen wir anhand ihrer Fähigkeiten zurück und fänden es legitim, wenn sie über die Erde herrschen, wenigstens die, welche auf der Seite Gottes stehen. Doch die Herrschaft über die Erde ist selbst für sie zu komplex. Oder brachte es der Teufel fertig – er weiss durch die Schrift, dass ein Thron nur durch Gerechtigkeit fest bleibt (Spr 16,12) – soweit zu kommen? Auch wenn wir über die Absichten des Teufels geteilter Meinung sein können; wäre es ihm nicht lieber, ewig über die Erde zu herrschen als von Ewigkeit zu Ewigkeit im Feuersee zu schmoren (Offb 20,10)? Auch Engel sind fehlbar, wie wir wissen (Jud 1,6).

Die Erde gerecht zu beherrschen ist also nicht von der Kraft allein abhängig. Es braucht eine Weisheit, die sehr, sehr gross ist. Eine Weisheit, die es schafft, dass sich Gerechtigkeit und Frieden küssen (Ps 85,11). Die Weisheit muss es fertig bringen, dass etwas geschieht, was geschaffene Wesen nicht fertigbringen. Wie sind Gerechtigkeit und Frieden in einer (noch) unvollständigen Schöpfung vereinbar? Für ungerechte Geschöpfe verlangt das Gesetz Strafe, nicht Frieden! Nur Gott konnte in diesem (noch) vorherrschenden Durcheinander eine Atmosphäre der Versöhnung und des möglichen Friedens schaffen.

Der Mensch wird diese Erde beherrschen können, doch nur in der Abhängigkeit dieser Weisheit, der Weisheit Gottes, des Allmächtigen (Joh 15,5). Diese Weisheit kam und machte Wohnung inmitten der Menschen (2. Chr 5,14), ja, heute macht sie es sogar im Menschen (Joh 14,23; 1. Kor 6,19)! So ist es nicht verwunderlich, dass wir mit Ihm etwas erreichen, was unmöglich erscheint (Ps 18,30). Der Mensch, der eigentlich im Kontext der Schöpfung klein und schwach ist, sodass die Frage im Raum steht: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, oder des Menschen Sohn, dass du auf ihn achtest?“, wird es in der richtigen Abhängigkeit schaffen, die Erde gerecht zu regieren und den Frieden zu bewahren!

Vers 7

Du hast ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt;    Hebr 2,7  

Momentan ist der Mensch unter die Engel erniedrigt. Der Mensch ist schwächer und eingeschränkter als die Engel. Die Engel schauen Gott (Mt 18,10), der Mensch glaubt an Gott; er sieht Ihn nur in den Werken, die von Ihm zeugen. Doch ein Mensch steht bereits über den Engeln: Christus. Seinem Willen ist die ganze Kraft Gottes unterworfen; sie steht zu seiner Verfügung (Mt 28,18). Er ist weit mächtiger als Engel; Ihm untersteht eine uneingeschränkte Gewalt.

Auch wir werden einst Engel richten (1. Kor 6,3); der Wille und der Plan Gottes, welche alle vorbereitenden Schritte wie die Gotteskindschaft und göttliche Ausbildung beinhalten, werden uns dazu befähigen.

 

Vers 8

du hast alles unter seine Füsse gelegt. »Denn indem er ihm alles unterwarf, liess er nichts übrig, das ihm nicht unterworfen wäre; jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen    Heb 2,8  

Dass wir Christus noch nicht alles unterworfen sehen, hat mit der Tatsache zu tun, dass der Vollzug der Gesetzesforderungen noch in einigen Teilen nicht angewendet wurde. Der ausstehende Vollzug hat nichts mit mangelhaften Grundlagen oder gar Nachlässigkeit zu tun. Eine Führerscheinabgabe kann beispielsweise auch zeitlich versetzt stattfinden: Ein Schnellfahrer wird in seinem Tun erwischt und einer dreimonatigen Führerscheinabgabe verurteilt. Der Richter kann nun darüber befinden, wann der Führerschein tatsächlich eingezogen wird. Mit dem Urteilsspruch wurde die Grundlage gelegt, dass der Führerschein abgegeben werden muss. Wann das zeitlich zu geschehen hat, kann auch der Richter entscheiden.

Gott hat als Machthaber in Gerechtigkeit entschieden, dass Christus alles unter die Füsse gelegt wird. Nichts liess Gott übrig, das Ihm nicht unterworfen wäre. Das Urteil steht also, das Christus mit seiner herrlichen Tat ermöglicht hat. Gott ist damit frei zu entscheiden, Recht, Gnade oder Strafe durchzusetzen. Wann das geschehen soll, ist Gottes Sache.

Manchmal ist es besser, mit dem Vollzug eines Urteils zu warten, vor allem in Bezug auf Menschen. Hätte Christus seine Königsherrschaft aufgerichtet wo es die Juden erwarteten, hätte Er als gerechter Richter selbst seine Jünger verurteilen müssen; auch sie waren nicht ohne Sünde. Gott wartete glücklicherweise mit Gericht und Vollstreckung zu, bis die Rechtsgrundlage für die Gnade durch das Kreuz stand. Der HERR ist perfekt in allem was Er tut! Amen!

Nun sehen wir Ihm noch nicht alles unterworfen, obschon das Urteil steht. Dies hat wiederum mit der Tatsache zu tun, dass es triftige Gründe gibt, zuzuwarten. Der HERR macht keine Fehler! Er sei gelobt!

Vers 9

Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte.   Hebr 2,9 

Christus war für eine kurze Zeit niedriger als die Engel. Er nahm sogar als Mensch den letzten Platz ein, indem er ausnahmslos auf alle seine Rechte und Ansprüche verzichtete. Hätte Er auf seine Rechte gepocht – was er durchaus hätte machen können -, gäbe es für uns kein Entrinnen. Wir hätten kein Opfer an unserer statt und somit keinen stellvertretenden Erlöser. Wir müssten selbst für unsere Vergehen am Gesetz Gottes geradestehen. – Glauben Sie mir; es ginge für uns nicht gut aus.

Weil Christus das getan hat – er erfüllte damit Gottes Wunsch nach dem Frieden mit den Menschen – hat ihn Gott mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.

Vers 10

Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden vollkommen zu machen.   Heb 2,10  

Der Mensch Jesus Christus, der viele Söhne zur Herrlichkeit führte, sollte vollkommen werden. Ein vollkommener Mensch! - Christus ist ja bekanntlich seit jeher und dazu ist Er Gott. Als Er Fleisch wurde und in der Funktion als Mensch waltete, war es angemessen, dass Er dies in der gewohnten und göttlichen Vollkommenheit tat. Der Urheber unserer Rettung sollte nicht einfach wie eine hochgestellte Persönlichkeit aus der Antike sein, die beispielsweise Länder befreite. All die grossen Männer hatten selbst eigene Fehler und Sünden. Gott entschied, dass unser Vorbild perfekt sein muss. Wir stammen also, von dieser Seite betrachtet, nicht von Abraham oder Mose ab. Wir stammen von jemandem ab, der ein Leben ohne Fehl und Tadel lebte und schlicht in allen Dingen vollkommen war. Auf so einen Vorfahren dürfen wir blicken! So einen mächtigen Vorläufer haben wir!

Der Umstand, diesen Vorläufer, Christus, durch Leiden vollkommen zu machen, mag hart erscheinen. Es erscheint einem, als ob das beim HERRN doch nicht notwendig war; er war doch Gottes Sohn! – Und doch musste Er leiden. Ob dieser Weg aufgrund unserer Schwachheit gewählt wurde, damit wir in allem ein Vorbild haben, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass Christus durch sein herrliches Leben für alle unsere Unzulänglichkeiten einen Ausgang schaffte! Und das stellt Ihn so herrlich dar, dass es nicht in Worte allein gefasst werden kann! Amen.

Vers 11

Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem; aus diesem Grund schämt er sich nicht, sie Brüder zu nennen,   Hebr 2,11  

Weil Gott Christus auf diese für uns sehr herrliche Weise in den Erdkreis eingeführt hat, kann von Ihm gesagt werden: In der Eigenschaft als Mensch ist er genau gleich von Gott, wie wir es sind. Daher schämt Er sich nicht, uns Brüder zu nennen!

Und doch gibt es eine beachtenswerte Nuance: Er ist es der uns heiligt. Christus ist der, der durch den Priesterdienst macht, dass wir in der Absonderung der Welt für Gott leben können. Er heiligt uns. Das ist ein dynamischer Prozess, welcher nicht durch unsere Wiedergeburt zum Abschluss kam. Er dauert weiter an; wir sind täglich in Gefahr, uns durch die Welt und ihr gottloses und egozentrisches Gedankengut, welches wir selbst in unserer alten Natur noch mit uns herumtragen, zu verschmutzen. Christus hat sich um unseretwillen zum weiteren Priesterdienst verpflichtet und das mit einer Zuverlässigkeit, dass Er sich bis zu unserer Vollkommenheit als dazu Abgesonderter von Freuden und Annehmlichkeiten trennt, sogar von kleinen. Das sollen wir mit grosser Sicherheit zu unserem Trost wissen, damit wir uns seines Schutzes und Mitleidens immer sicher sein können. Demzufolge liess es der Heilige Geist auch nicht zweimal, sondern dreimal in den Evangelien festhalten (Mt 26,29; Mk 14,25; Lk 22,18).

Uria gab einen schönen Schatten dieser herrlichen Eigenschaft Christi ab, als er in der Funktion als Übermittlungssoldat vom Schlachtfeld kam und in Jerusalem übernachtete. Er war so sehr mit seinen Soldatenkameraden verbunden, dass er auch in Abwesenheit gänzlich für sie abgesondert blieb. Obschon der damalige König David ihn dazu ermunterte, nach Hause zu gehen und sich an seiner Frau zu erfreuen, lehnte er ein solches Vorgehen vehement als ungehörig ab. Seine Antwort war so entschieden, dass er damit eine Eigenschaft Christi herrlich abbildete. Er sprach in Bezug auf das legitime und sogar vom König angebotene Vergnügen (2. Sam 11,8b): „So wahr du lebst und deine Seele lebt, wenn ich das tue!“ Dass David dabei sein Vergehen vertuschen wollte, tut nichts zur Sache; was hätte Uria zum Zeitpunkt davon wissen können?

Auf diese Weise verwendet sich Christus für uns, der uns in allem gleich wurde, und liess – wie erwähnt – dreimal versichern, dass er sich von Freuden distanzieren wird, bis wir vollzählig bei Ihm sind. Erst dann will er feiern. – So herrlich ist Christus. So herrlich ist unser König, Bruder und HERR.

Vers 12

indem er spricht: »Kundtun will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Gemeinde will ich dir lobsingen.«   Hebr 2,12  

Unser Bruder, Christus, spricht in der Eigenschaft als Mensch so von Gott, dem Allmächtigen: „Kundtun will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Gemeinde will ich dir lobsingen.“

Christus tat die Herrlichkeit des Vaters nicht nur mit Worten kund, Er lebte sie auch. Sein ganzes Leben war die Verherrlichung Gottes, indem Er in allem im Willen des Vaters blieb. Philippus hatte diesen Umstand damals noch nicht erkannt; deshalb sprach er einst zu Christus:

8 Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.
9 Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater?   Joh 14,8.9  

In allem, was Christus tat, sehen wir den Vater. So ist der Vater, sein Charakter, seine Fürsorge, Liebe zum Menschen und seine Herrlichkeit. Er ist langmütig, gross an Gnade (2. Mo 34,6), ein grosser König (Mt 5,35) und Er will nicht, dass ein einziger Mensch verloren geht (Hes 18,23). Die Herrlichkeit und Fürsorge Gottes sind nicht mit zwei Sätzen zu beschreiben. Viel zu herrlich ist Er. Sein Wesen ist wunderbar, dass es – obschon es zwar etwas in Worten beschrieben werden kann – besungen werden muss. Christus beabsichtigte deshalb seinen Namen inmitten seiner Brüder zu besingen, wie Er es auch tat (Mt 26,30; Mk 14,26).

Vers 13

Und wiederum: »Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen.« Und wiederum: »Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.«   Hebr 2,13  

Und wiederum spricht Christus in der Eigenschaft als Mensch, dass er sein Vertrauen auf Gott setzen will, wie Er es in allen Dingen auch getan hat. Dann spricht er von den Kindern, die Gott Ihm gegeben hat. – Der Gedanke ist einfach herrlich, auch wenn er uns schon bekannt ist, dass wir einem solchen HERRN gegeben sind, der sein Leben für die seinen hingibt!

Der zweite Teil von Hebr 2,13 ist die erste Vershälfte im Buch des Propheten Jesaja (8,18). Damit werden wir im Blick auf das Zeugnis unter Gottes Volk zusammen mit Christus erwähnt. „Ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat“, bedeutet, dass uns der HERR in der Arbeit für das Reich voll anerkennt und miterwähnt. Obschon Christus derjenige ist, der uns heiligt und am Leben erhält, führt Er uns im gleichen Satz an, in dem er als Zeuge genannt ist: „Ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.“

Wie lieb muss uns der HERR haben, dass er uns schwache Geschwister auf eine so hohe Stufe stellt? – Er sei gelobt! Amen.

Vers 14

Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran Anteil gehabt, um durch den Tod den zunichte zu machen, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel,    Hebr 2,14     

Der Teufel hat die Macht des Todes; das wird hier klipp und klar festgehalten. Wir sind als Kinder des Blutes und des Fleisches teilhaftig. Weil wir das sind, wurde Er es auch, um uns in allem gleich zu werden, ausser in Bezug zur Sünde.

Eindrücklich ist, dass der HERR gerade durch das Instrument des Teufels, den Tod, den Satan zunichte gemacht hatte. Die eigene Waffe, mit der der Teufel als Mörder mordete (Joh 8,44), wurde zu seinem eigenen Ende (1 Joh 3,8).

Wer hätte das gedacht? – Wir sorgen uns um so viele Dinge während unserer kurzen Zeit des Daseins und doch hätten wir es mit allen Sorgen und Umgehungsplänen nicht fertiggebracht, den für uns übermächtigen Teufel zu vernichten. Er hatte uns dort festgenagelt, wo es kein Entrinnen mehr gab: Er legte die Sünde in uns hinein. Er verdarb uns von innen heraus und machte uns zu seinen Sklaven. Am Ende des Lebens ernteten wir die Früchte der Sünde, die in uns wohnte, nämlich den Tod.

Mit diesem übermächtigen Problem legte sich unser Held, Christus, an, gegen das ein Mensch in Fleisch und Blut gewöhnlich nicht den Hauch einer Chance hat. Er kämpfte als Über-Joscheb-Baschebet (2. Sam 23,8) oder als Über-Simson (Ri 14,5) gegen den Teufel und alle seine Strategen und Gehilfen und kam als alleiniger Sieger hervor. – Da soll noch jemand sagen, Jesus war einfach ein Individualist oder Denker, der seiner Zeit voraus war. Was wäre das für eine kümmerliche Darstellung vom HERRN! Jesus ist der Held Gottes, der einzige Admiral und General, der in Bezug auf Streitkräfte diesen Namen verdient. Deshalb setzt Ihn der gerechte Gott auch an die Spitze; Christus ist der einzige, der den ersten Platz verdient! Amen!

Vers 15

und um alle die zu befreien, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren.  Hebr 2,15 

Schlussendlich setzte und setzt sich Christus, nachdem er Tod und Teufel besiegt hatte, für die ein, die während ihres ganzen Lebens durch das Wissen, sterben zu müssen, versklavt waren bzw. sind. Der Mensch weiss, dass es nach einer kurzen Frist des Daseins aus ist mit ihm. Deshalb versucht er in wenigen Jahrzehnten etwas aufzubauen, um zum Beispiel wenigstens einen Teil des Lebens etwas geniessen oder zurücklehnen zu können. Andere scheffeln Geld, um die Kraft zu haben, mögliche Wirtschaftsflauten zu überwinden. Alle Menschen tun Dinge, die sie glauben im Blick auf das kurze Leben tun zu müssen. Christus kam und bot den Menschen als Retter-Gott eine echte Befreiung an, indem Er die Verantwortung für den Menschen übernimmt und ihm dazu ewiges Leben schenkt. Kein geretteter Mensch muss als Sklave des alten und nichtigen Lebens Dinge tun, die er früher getan hätte, da für ihn vorher mit dem Zeitpunkt des Todes das eigene Wirken aufhörte.

Errette Menschen müssen im Blick auf die Endlichkeit des menschlichen Lebens gar nichts tun. Die Vergänglichkeit ist verschwunden; sie wissen, dass es für sie mit der Wiederkunft Christi erst recht los geht. Sie durften die Sklaverei ablegen und gehen als Freie im Reich Gottes ihren Aufgaben nach.

Das alles tat Christus, der gepriesen ist in Ewigkeit! Amen.

Vers 16

Denn er nimmt sich doch wohl nicht der Engel an, sondern der Nachkommenschaft Abrahams nimmt er sich an.    Hebr 2,16  

Dieser Vers soll unsere Hoffnung im Herzen ganz fest machen: Er nimmt sich ganz gewiss derer an, die nach dem Vorbild des Glaubens, Abraham, voranschreiten. Denen ist verheissen, das Reich zu erben. In Römer 4 steht ausdrücklich, dass selbst Abraham in sich selbst nichts zu rühmen hatte vor Gott (Rö 4,1.2). Abraham ist von Gott ausgezeichnet, weil er glaubte. So ist er allen Gläubigen zum Vater geworden. Wir können somit sagen, dass alle, die vom Glaubensvater abstammen, d.h. solche, die glauben wie Abraham, von Gott angenommen werden. Diese Verheissung gilt nicht Engeln oder den Grossen der Erde. Diese Verheissung gilt den Glaubenden, die ihre Hoffnung auf Gott in Jesus Christus setzen. Amen.

Vers 17

Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen;   Hebr 2,17  

Deshalb, weil Gott sich der Nachfahrens Abrahams annimmt, musste Christus diesen gleich werden. Er musste nicht Engeln oder Nachfahren Ismaels gleich werden. Die Linie Davids, dessen Nachkomme Christus im Fleisch ist (Mt 1,6), geht von Abraham über Isaak und Jakob.

Im Neuen Testament sehen wir, dass die geistliche Linie ebenfalls über Abraham geht und alle miteinschliesst, die Gott im richtigen Sinn glauben (Rö 4,11). Abraham ist somit der Vater der Beschneidung sowie jener der Unbeschnittenen, sobald sie an Christus glauben.

Da sich Gott nun den Nachfahren Abrahams im obenstehenden Sinn annimmt, musste Christus konsequenterweise diesen und keinen anderen in allem gleich werden. So konnte bzw. kann Er sich in der Folge mit ihnen eins machen und ihnen in allen ihren Belangen nachfühlen. Er ist – wie es Aaron war – ein Hoherpriester aus dem eigenen Volk, aus dem eigenen Fleisch.

Vers 18

denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.   Hebr 2,18  

Was beinhaltet dieser Vers für einen Trost! Was für eine von Gott verordnete Barmherzigkeit! Christus ging den schwersten Weg der Leiden, damit Er allen, die selbst in Leiden oder sonst schwierigen Situationen im Leben stecken, in allem helfen kann! – Was hier geschrieben steht, tönt alles gut und recht, doch es wird oft nicht geglaubt; selbst von grossen Figuren in der Bibel konnte es nicht von Anfang an so gesehen und angenommen werden!

Obadja kannte den HERRN noch nicht so, wie er tatsächlich war, indem er Elia offenkundig machte, dass er dem HERRN nicht traute (1. Kö 18,8ff). Obadja dachte, der HERR suche einen Anlass, ihn zu Fall zu bringen, obschon Obadja den HERRN fürchtete. Obadja kannte den HERRN nicht nach dem Psalm 37, indem unter anderem steht:

und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt.   Ps 37,4   

Obadja kannte den HERRN auch noch nicht so, wie wir Ihn im Hebräer 2,18 vorgestellt bekommen. Vielmehr dachte er vom HERRN, Er sei wie ein trügerischer Bach: mal so, mal anders. Selbst Jeremia, der grosse Prophet, sah den HERRN während seiner Zeit des Lernens als eine willkürlich agierende Person:

Warum ist mein Schmerz dauernd <da> und meine Wunde unheilbar? Sie will nicht heilen. Ja, du bist für mich wie ein trügerischer Bach, wie Wasser, die nicht zuverlässig sind. –  Jer 15,18 

Mit dem Vers 18 vom zweiten Kapitel im Hebräerbrief stellt der Heilige Geist den Charakter des HERRN herrlich und richtig dar, so, wie Er tatsächlich ist: Voll Barmherzigkeit und Mitleid für den Menschen.

Christus kam nicht einfach in der Art, wie es die Könige und Präsidenten der Menschen vom bequemen Regierungssitz aus tun und grosse Worte des Mitleids und Mitgefühls von sich geben. Machthaber wollen sich teils bewusst mit dem Leid der Menschen profilieren, indem sie Punkte und Stimmen sammeln, wenn sie bei Katastrophen schnelle Hilfe versprechen. Auch wenn es einige zum Teil sogar ernst meinen mit ihren Äusserungen: Sie fühlen das in Wirklichkeit empfundene Leid der Bevölkerung nicht vom herrlichen Regierungspalast aus. – Christus ist nicht wie ein wetterwendischer und egoistischer weltlicher Machthaber. Christus ist voll Mitgefühl und Barmherzigkeit. Er ging mehr durch Leiden als alle Menschen vor und nach Ihm, um denen angemessen helfen zu können, die sich darin befinden.

An dieser Stelle ist nochmals zu betonen, dass kein Mensch so stark gelitten hat wie Christus, weder in der Seele noch am Körper. Christus musste seelische Leiden tragen, die wir nicht nachempfinden können: Schliesslich wurden wir nie von der eigenen Schöpfung verspottet und angespuckt und hätten dabei die Macht gehabt, sie in einem Augenblick zu vernichten. Auch hingen wir nicht am Kreuz und ertrugen zu den natürlichen Schmerzen das Gericht Gottes über die Welt. Christus trug hingegen beides. Wenn jemand qualifiziert ist, Leid und Unglück nachzuempfinden, dann ist es allein Christus, der gepriesen ist in Ewigkeit!

Seien Sie sich des Mitleids des HERRN sicher, Er hat mehr gelitten als wir alle und kann Sie in jeder Lebenslage, sei sie noch so hart oder schwierig, vollkommen verstehen. Er ist allein befähigt, Ihnen vollkommen zu helfen und Ihnen Hilfe in einer Art zukommen zu lassen, wie es kein Mächtiger dieser Welt vermag. Amen.

Kapitel 3

Vers 1

Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus,   Hebr 3,1  

Wie schön ist doch diese Anrede! Der Heilige Geist, der die Bibel inspiriert hat, betitelt christusgläubige Menschen als „Heilige Brüder“ und „Teilhaber der himmlischen Berufung“! Was sind das für aussagekräftige und herrliche Bezeichnungen! In diesen Stand hob uns der HERR durch seine Tat!

Wir sollen den Abgesandten (Apostel) und Hohenpriester unseres Bekenntnisses betrachten, das ist Jesus, unser HERR. – Natürlich wollen wir das, denn er ist unser Vorbild in allem. Er definierte das gottgefällige Christenleben durch seinen dem Vater völlig hingegebenen Wandel. Er setzte auch Massstäbe im Heldentum, indem er eine dem Menschen überlegene Kreatur, den Teufel, überwand. Er setzte in allem die Marke auf der Skala beim obersten und nicht mehr weiter überflügelbaren Punkt. Christus ist perfekt, wie sein Vater. Dieser unser herrlicher Gott liess dazu noch in seiner Liebe niederschreiben, wir seien heilige Brüder und Teilhaber der himmlischen Berufung!

Vers 2

der treu ist dem, der ihn <dazu> gemacht hat, wie auch Mose in seinem ganzen Hause!   Hebr 3,2  

Wir sollen den betrachten, der dem treu ist, der Ihn zu dem gemacht hat, was Er ist; d.h. wir sollen unsere Augen auf Christus richten, der Gott in allem treu ist. Wie Mose mit seinem Hause dem HERRN treu war, so ist es Christus.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass dieser Brief an Leute geschrieben wurde, die sehr viel von Mose hielten. Mose war wahrscheinlich die wichtigste menschliche Figur in den ihnen bekannten Schriften, denn durch sie wurde das Gesetz gegeben, welches ihre Leben bestimmte. Es ist daher um dieser Menschen willen an dieser Stelle angemessen, Christus mit Mose zu vergleichen, obschon wir heute wissen, dass Christus weit herrlicher ist als Mose. Diesem Umstand wird im nächsten Vers Rechnung getragen.

Vers 3

Denn er ist grösserer Herrlichkeit gewürdigt worden als Mose, insofern grössere Ehre als das Haus der hat, der es erbaut hat.   Hebr 3,3   

Wenn jemand ein schönes Haus baut, wird der Erbauer des Hauses mehr geehrt als das Haus selbst, welches nur vom Talent des Erbauers zeugt. So lobt man den Bildner mehr als das Werk, das durch ihn geworden ist. Christus ist grösserer Herrlichkeit gewürdigt worden als Mose. – Weshalb? – Weil zum Werk Christi auch Mose gehört. Christus, durch den die Welten wurden, hat also auch die Grundlage für Mose selbst gelegt. Mose ist ein Teil seines Werkes. Unser Heiland steht also weit über Mose.

Vers 4

Denn jedes Haus wird von jemand erbaut; der aber alles erbaut hat, ist Gott.   Hebr 3,4  

Wie ich zum Vers 3 geschrieben habe, dass zum Werk Gottes auch Moses Haus gehört, wird es mit diesem Vers bestätigt: „Der aber alles erbaut hat, ist Gott.“ Und Gott erbaute alles durch Christus, wie geschrieben steht:

Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. Joh 1,3  

Und wiederum:

   Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht. Joh 1,10

Und wiederum:

Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;   Kol 1,16       

Und wiederum:

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt der »Amen«, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:    Offb 3,14  

Diese Verszusammenstellung ist nicht abschliessend. So herrlich ist unser Gott. So herrlich ist Christus. Schade, dass es Sekten gibt, die Ihm die Gottheit absprechen. – Es ist eine Tragödie und folgenschwerer Irrtum für deren Anhänger!

Vers 5

Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu – zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte –,   Hebr 3,5 

Mose war dem treu, was verkündigt werden sollte; er als Diener, Christus als Sohn, wie wir im nächsten Vers sehen werden. Der Heilige Geist offenbart hier die grossen Unterschiede; nicht um Mose kleiner zu machen, sondern Christus umso grösser.

Mose wird von Gott durch die Schrift bereits herrlich dargestellt; er hat vor Gott sehr viel erreicht, wenn nicht eine der höchsten Marken, die je ein ehemals gefallener Mensch erreichen kann. Im 4. Mo 12,3 steht beispielsweise, dass Mose demütiger war, als alle Menschen, die auf dem Erdboden lebten. Auf dem Berg der Verklärung (Mt 17) erschien er dem HERRN zusammen mit Elia. Auch das ist eine sehr grosse Ehre, die ihm Gott erwies. In diesem Buch, dem Hebräerbrief, wird Mose aufgrund seines Glaubens sehr schön dargestellt (Heb 11,23.24).

Moses Herrlichkeit wird nie angezweifelt. Es wird in diesen Stellen über Christus schlicht gezeigt, wie herrlich Christus sein muss, wenn er diesen sehr auserlesenen Mose bei weitem überflügelt. – Christus sei gelobt in Ewigkeit! Amen.

Vers 6

Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.    Hebr 3,6 

Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, ist Christus der Sohn des Hausherrn, nicht ein Diener, wie Mose es war. – Im und vor dem Haus Gottes gibt es nun viele Menschen. Einmal den Sohn, Christus, der gepriesen ist in Ewigkeit!, der Erste im Haus. Dann gibt es die Menschen, die Zugang zum Haus Gottes haben. Als dritte Gruppe jene, die draussen bleiben müssen. Denen, die Zugang zum Haus haben, ist sogar gesagt, dass sie gar Teile des Hauses sind, daher heisst es: „Sein Haus sind wir.“ Aus dem Studium der Schrift haben wir erfahren, dass sich Christus mit den Seinen völlig eins macht, zu einem mit sich selbst organisch verbundenen Leib. Diese Ankündigung gilt aber nicht für alle Christen.

Bereits im Alten Testament wird durch den Gemeindeausschluss bei Krankheiten angedeutet, dass diese innige Gemeinschaft nur für die Gesunden gilt bzw. möglich ist, wobei es in diesen Vorbildern in der Übertragung ausschliesslich um geistliche – nicht körperliche! – Gesundheit geht. Ein körperlich kranker Mensch ist trotzdem Teil des Hauses Gottes und Teil des Leibes Christi, solange er „die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft“ festhält. Der zweite Teil des hier betrachteten Verses ist wie eine Vertragsklausel, die bei Nichterfüllung des Vertrages Inhalte davon ausschliesst. Nicht der ganze Vertrag Gottes wird nichtig; es werden aber, wie erwähnt, Teile davon ausgeschlossen. – Was wird ausgeschlossen? – Was ausgeschlossen wird ist nicht unerheblich; die Vertragsklausel schliesst bei Nichterfüllung des Vertrages die Erbschaft und nahe Gemeinschaft Christi aus. Im folgenden Teil des dritten Kapitels und im ganzen vierten wird das nochmals durch die Gnade Gottes ausführlich dargelegt, obschon wir die Elemente des Ausschlusses aus den Evangelien, den anderen Briefen sowie der Offenbarung und des gesamten Alten Testamentes kennen sollten. Nicht der ganze Vertrag wird zwar nichtig, doch die Punkte, die in der Christenheit heutzutage durch die böse Aussage, „diese und jene Elemente aus der Schrift sind nicht heilsnotwendig“, als gering und somit vernachlässigbar klassifiziert werden, werden für den Menschen sehr schwer wiegen. Sie sind so erheblich, dass man sie mit Weinen und Zähneklappern ersehnen wird, selbst dann noch, wenn der Zugang zu ihnen bereits fest verschlossen ist.

Vers 7

Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört,   Hebr 3,7  

„Deshalb“ bedeutet, es gibt einen Grund, dass wir etwas tun sollen, wenn wir die Stimme Gottes hören. Was ist der Grund für dieses „deshalb“?

Wie wir wissen, kann ein Sprechen überhört und ignoriert werden, sogar dann, wenn Gott persönlich spricht. Das ist nichts Neues auf der Erde. Schon als Noah das Gericht Gottes predigte, konnte er nur seine Familie retten, alle anderen, das ist die übrige Weltbevölkerung von damals, ertrank im Gericht. Das geschah, weil sie dem Wort Gottes, das über Noah zu ihnen kam, keinen Glauben schenkte. Doch auch Gottes Volk ignoriert das Sprechen ihres Schöpfers in einer erschreckenden Regelmässigkeit. Israel brachte es durch das Ignorieren des Sprechen Gottes so weit, dass Gott die ganze Nation wegen ihres Ungehorsams deportieren liess. Israel, das Volk Gottes, handelte so:

Aber sie verhöhnten die Boten Gottes und verachteten seine Worte und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des HERRN gegen sein Volk <so> stieg, dass es keine Heilung mehr gab.    2.Chr 36,16

Ihr (ständiges) Nicht-Hören-Wollen brachte das Gericht der Verschleppung über sie. – Diese sehr harte Sanktion der Deportation unter die Nationen, nach Babylon und nach Assyrien, schloss bei ihnen in der Folge den Gedanken nicht mehr aus, für ewig verworfen zu sein.

Oder solltest du uns endgültig verworfen haben, allzu zornig sein über uns?  Klgl 5,22

In den Klageliedern offenbart der Autor eine klare Unsicherheit bezüglich einer möglichen Wiederherstellung. Israel reizte Gott durch Schwerhörigkeit in Bezug auf sein Sprechen so sehr heraus, dass Er sie verwarf und den Völkern „zum Frass“ hinwarf. Bedenken wir, dass die Gerichte furchtbar waren, dass unter anderem zugelassen wurde, dass Schwangere unter Gottes Volk aufgeschlitzt wurden (Hos 14,1).

Im Neuen Testament spricht Gott über den Sohn direkt zu den Menschen, auch zu seinem Volk. Die Bibel beinhaltet nicht „nur“ das Evangelium, sie übermittelt auch die Hausordnung, welche aufklärt, wie sich der Christ im Hause Gottes zu verhalten hat.

Wie damals Israel sich aber nicht gross um das Sprechen Gottes kümmerte, scheren sich heute sehr viele Christen und ganze Gemeinden nicht darum. Das Christentum ist zu einer wüsten Stätte und schlimmen Zersplitterung verkommen, wo der Eigendünkel vorherrscht. Die priesterliche Klasse, die ausschliesslich ins Alte Testament gehört, wurde auch wieder eingeführt. Die Verteilung der Ämter geschieht in der Weise Jerobeams (1. Kö 12,31), der jedem, der da wollte, die Hände füllte, ohne die Autorisierung seitens des HERRN zu prüfen. Es kümmert heute niemanden mehr wirklich, ob geistliche Autorität vorhanden ist. Weltliche Position und ein ungeprüftes Lippenbekenntnis genügen dem illegal eingesetzten Klerus für die Nominationen im Hause Gottes. – Was ich hier sage, betrifft nicht nur die katholische Kirche, dieses Verhalten zieht sich durch die ganze christliche Landschaft, bis weit in die Freikirchen hinein. Der traurige Zustand des Christentums zeugt nicht von einem Gericht über das Christentum, das Gericht über die Christen ist noch ausstehend, wie wir wissen (Rö 14,10; 2. Kor 5,10). Der momentane Zustand ist erst die Folge der eigenen Wege.

Die Frage, die sich nun stellt ist: Hören die Christen auf das Sprechen Gottes oder wiederholt sich die Geschichte Israels bei den Christen? Kommt wieder ein schlimmes Gericht über das neutestamentliche Volk, wie eines über das alttestamentliche hereinbrach? – Anhaltspunkte für diese Annahme gibt es ja mehr als genug, zwei dieses Thema ansprechende Stellen im 1. Korintherbrief (1. Kor 10,6.11) sprechen Klartext.

Nun denn, gehen wir in den nächsten Versen näher darauf ein, wieso denn an dieser Stelle eine Grundangabe, ein „deshalb“ steht, wieso es einen Einfluss hat, wenn der Heilige Geist spricht.

Der HERR sei gelobt für sein Sprechen! Amen.

Vers 8

verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste,    Hebr 3,8 

Wir sollen also „deshalb“, weil die Hoffnung bis zum Ende standhaft festgehalten werden muss (V6), unser Herz nicht verhärten, wie es unsere Vorbilder, die Israeliten, in der Wüste verhärtet hatten. Ansonsten kommt Gericht anstelle von Jubel und Freude. Israel war für eine zweijährige Wüstenwanderung bestimmt, um nach der Ausbildung und dem Bau der Stiftshütte ins verheissene Land zu kommen. Stattdessen kam kein Erwachsener vom Volk Israel, ins Land, das Gott Abraham verheissen hatte, sie widersetzten sich nämlich fortwährend dem Befehl des HERRN (u.a. 5. Mo 9,23). Alle von zwanzig Jahren an und darüber kamen in den folgenden 38 Jahren in der Wüste um, ausser der bei dieser Betrachtung vernachlässigbaren Minderheit (wie Kaleb und Josua). Die Kinder der Erwachsenen blieben somit allein am Leben und zogen schlussendlich unter Josua in ihr von Gott versprochene Land.

Es spielt ebenso wenig eine Rolle, ob mit dem hier angesprochenen Tag der Prüfung (Versuchung) in der Wüste das Ereignis in 2. Mo 17,2, jenes in 5. Mo 9,22 oder Vers 23 bzw. sonst eine Begebenheit des Ungehorsams, welche die Grundhaltung Israels gegenüber Gott spiegelte, gemeint ist. Bedeutend ist für die Betrachtung die ständige Halsstarrigkeit Israels gegenüber Gott, die in der Wüstenwanderung wie auch sonst vorherrschte. Die Gemeinde glaubte Gott nicht.

Die Ermahnung an dieser und den folgenden Stellen ist: Wir sollen beim Sprechen Gottes unsere Herzen nicht verhärten, um dem Gericht nicht zu verfallen. Die Hoffnung des HERRN muss bis ans Ende standhaft festgehalten werden. Wenn eine Prüfung kommt, ist das Herz nicht zu verschliessen. Aus diesem Grund, „deshalb“ (mit diesem Wort beginnt Vers 7), sollen wir mit der Bereitschaft des Herzens, Gottes Willen zu tun, hören, was Gott uns sagt. Amen.

 

Vers 9

wo eure Väter <mich> versuchten, indem sie <mich> auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke    Hebr 3,9 

Die Israeliten sahen die Werke Gottes von Anfang an. Mose besuchte sie in Ägypten als Abgesandter Gottes und tat mehrere Wunder vor den Augen aller. Die ersten konnten die Zauberer nachmachen, doch als der Schwierigkeitsgrad anstieg, mussten selbst sie bekennen, dass der, welcher Mose beauftragt hatte, stärker war als ihre Götter. Später sah Israel, wie sich die Wasser des Roten Meeres teilten und sie auf dem Trockenen hinübergehen konnten. Die Zeit reichte genau für sie, die verfolgenden Ägypter wurden durch völlige Vernichtung abgeschüttelt. Dann beleuchtete Gott als Feuersäule des Nachts ihren Weg bzw. das Lager und manifestierte seine Präsenz des Tages durch die Wolkensäule. Er speiste sie jeden Tag durch übernatürliche Speise aus dem Himmel und liess sie Wasser aus dem geschlagenen Felsen trinken. Gott offenbarte sich ihnen also täglich mit Macht- und Wundertaten. – Was nützte es ihnen? – Die Frage ist etwas provokativ, doch durchaus berechtigt. Wieso brachte sie die Gegenwart und Überlegenheit Gottes (im Blick auf die Feinde) nicht in eine Ruhe und sicheren Glauben an Ihn? Tat Er denn mit all diesen Wundern zu wenig? Was fehlte Israel denn noch von Gottes Seite, um zu glauben? Weshalb stellten sie Gott auf die Probe, indem sie immer wieder behaupteten, er habe sie herausgeführt, um sie in der Wüste sterben zu lassen? War das Wunder des Roten Meeres zu wenig, um zu zeigen, dass Er die Kraft hatte, sie in allem zu beschützen?

All diese Begebenheiten sind als Vorbilder für uns niedergeschrieben. So frage ich uns nun: Haben wir aus der Geschichte gelernt? Oder wiederspiegelt sich Israels Unglauben ebenso bei den Christen, damit ein ähnliches Gericht über uns hereinbrechen muss?

Wir haben jetzt in Christus Gott selbst als Abgesandten; Israel hatte nur Mose. Wir haben anstelle von irdischen Wundern geistliche. Wir wurden wiedergeboren, ohne zuerst sterben zu müssen; auf übernatürliche Weise fügte uns Gott in die Linie seiner Nachkommen ein. Wir essen geistliche Speisen durch die Aufnahme des Wortes Gottes. Dazu haben wir, wie erwähnt, die Geschichte Israels als Vorbild und Warnung gleichzeitig. Nützt uns das etwas? – Wenn nicht, müssen wir zumindest eingestehen, dass dann ein noch härteres Gericht wie das sehr harte Israels über die Christen gerechtfertigt sein wird.

Vers 10

vierzig Jahre. Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen. Sie aber haben meine Wege nicht erkannt.    Hebr 3,10  

Israel sah die Werke Gottes während der ganzen Zeit der Wanderung, wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt. Zudem ging Er als Wolken- bzw. Feuersäule vor ihnen her. Doch, wie auch schon bemerkt, gingen sie irre mit dem Herzen und erkannten die Wege des HERRN, die offen vor ihnen lagen, nicht. Meines Erachtens waren sie jedoch ganz klar kommuniziert:

6 Darum sage zu den Söhnen Israel: Ich bin der HERR; ich werde euch herausführen unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg, euch aus ihrer Arbeit erretten und euch erlösen mit ausgestrecktem Arm und durch grosse Gerichte.  
7 Und ich will euch mir zum Volk annehmen und will euer Gott sein. Und ihr sollt erkennen, dass ich der HERR, euer Gott, bin, der euch herausführt unter den Lastarbeiten der Ägypter hinweg.  
8 Dann werde ich euch in das Land bringen, um dessentwillen ich meine Hand <zum Schwur> erhoben habe, dass ich es Abraham, Isaak und Jakob geben will, und ich werde es euch zum Besitz geben, ich, der HERR.    2.Mose 6,6-8  

Der HERR kommunizierte durch Mose, dass er sie aus dem Elend herausführen und in ein gutes Land bringen will. Der Anfang dieses Planes begann mit Wundern in Ägypten, der Teilung des Meeres und der wundersamen Speisung mit dem Himmelsbrot. Israel offenbarte ihr Unverständnis durch das Zurückkehren-Wollen nach Ägypten, wo ihnen Übles angetan und sogar ihre männlichen Säuglinge durch die Ägypter in den Nil geworfen wurden (2.Mo 1,22). Auch sagten sie immer wieder durch Unverstand, Gott habe sie herausgeführt, um sie in der Wüste umkommen zu lassen (z.B. 2. Mo 14,12).

Verwundert es Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, dass Gott diesem Geschlecht zürnte? – Mich verwundert es nicht! – Würde Sie es wundern, wenn Gott den Christen zürnt, die das Vorbild Israels haben und dessen ungeachtet, also trotz doppelter Warnung, Gottes Wege nicht oder nur halbherzig beschreiten? Und wenn es so ist, hat Gott irgendwo gesagt, er habe sich verändert (Heb 13,8) und würde den Ungehorsam seines Volkes im Neuen Testament nicht ahnden?

Ich weiss durch den HERRN, dem ich diene, dass es für Christen, die eigene Wege gehen, sehr übel herauskommen wird. Ich weiss aber auch, dass die Mehrheit der Christen nicht auf Warnungen hören wird; die Geschichte Israels wird sich auf tragische Weise unter den Christen wiederholen, weil sie Lügenpredigern mehr Glauben schenken, als dem Wort Christi.

Trotzdem möchte ich dem mir aufgetragenen Wort, das mit der Aussage der Schrift einhergeht, treu bleiben. Der HERR will die Seinen warnen und möglichst viele vor dem kommenden Übel retten. Dafür widmet er bereits am Anfang vom Hebräerbrief eineinhalb Kapitel neben vielen anderen Schriftstellen, nämlich die Hälfte des dritten und das ganze vierte Kapitel. – Er sei gelobt für sein frühes Sprechen (Jer 25,4)! Amen.

Vers 11

So schwor ich in meinem Zorn: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!«   Hebr 3,11 

Für das Thema, das wir in den erwähnten anderthalb Kapiteln ansprechen, ist das eine Hauptaussage: Es ist möglich, dass das Volk Gottes nicht in die vorgesehene Ruhe hineinkommt ausser einer zahlenmässig vernachlässigbaren Minderheit, wie viele Stellen in der Schrift darauf hinweisen. Kaleb und Josua waren die zahlenmässig lächerliche Minderheit, die es in die Ruhe schaffte. Unter den Jüngern waren es Jakobus, Johannes und Petrus, die im Vorbild darauf hindeuten: Drei Jünger hatten das Privileg, mit dem HERRN auf dem Berg der Verklärung eine übernatürliche Begegnung zu machen; während dem die dreifache Mehrheit der Jünger am Fusse des Berges durch Unglauben glänzte (Mt 17). Es gab – heute ist es nicht anders – nur wenige unter Gottes Volk, die durch besondere Hingabe Gott und sein Zeugnis verherrlichten. Zur Zeit Samuels war er einer der Einzigen, der so für Gott war, wie es angemessen ist; das Volk forderte hingegen einen König. In Zeiten des geteilten Reiches Israel gab es nur wenige Könige, die Gott von Herzen folgten, in Juda mehr als in Israel. Die Zeiten waren im Grunde durchwegs böse. Ein Gericht Gottes musste dem anderen folgen. – Besserte der Zustand zur Zeit Christi? – Ich glaube, dass sich auf diese Frage eine Antwort erübrigt. Auch wenn sich Nachfolger finden liessen, verfielen sie schnell dem Eigendünkel, so schrieb Paulus Timotheus, einem übriggebliebenen treuen Diener:

Du weisst dies, dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben; unter ihnen sind Phygelus und Hermogenes.    2.Tim 1,15  

Beachten Sie bitte an dieser Stelle, dass die Regel ist, dass die Mehrheit abfällt. Es ist nicht die Rede von einigen „schwarzen Schafen“. Es sind durchwegs nur wenige, die bis zum Schluss treu bleiben. Die Bibel spricht da von den überwindenden Kindern Gottes. In Zeiten des Niedergangs stechen jeweils die sogenannten Überwinder (z.B. Offb 2,7) hervor, wie sie von einigen Geschwistern genannt werden. Das sind die letzten treuen Knechte des HERRN, die seine Interessen von Herzen wahren. Sie bilden den Teil vom Volke Gottes, denen der Eingang in die Ruhe vorbehalten ist. Die restlichen, denen Gott zu Recht zürnen muss, werden nicht in die Ruhe Gottes kommen.

Was genau diese Ruhe umfasst und dass mit ihr nicht die Errettung vor der Hölle gemeint ist, wird im Folgenden erläutert. Amen.

Vers 12

Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott,    Hebr 3,12  

Durch das heutige „Liebmenschen-Gehabe“, das echte Liebe unter Geschwistern vortäuschen soll, wie es in vielen Gemeinden angewendet wird, gibt es oberflächlich gesehen keine Geschwister mit bösen Herzen des Unglaubens.

Liebe Leserinnen und Leser! Ich bin seit bald dreissig Jahren in der christlichen Landschaft unterwegs! Ich durfte in vieles Einblicke gewinnen, was sich christlich nennt. Und: So viele Benennungen es auch gibt, eines haben sie gemeinsam: Die Fassade muss christlich gewahrt bleiben, auch wenn es in den Herzen anders aussieht! Wie oft ist mir z.B. beim Einkaufen aufgefallen, dass ein Gemeindeglied, das gerade eben einen müden und verbitterten Eindruck machte, ein „strahlendes Lächeln“ aufsetzte, wo es mich, also ein Mitglied der Gemeinde, bemerkte. Es täuschte Frieden vor, obwohl es im Herzen keinen verspürte.

Nach der heutigen Auffassung des christlichen Glaubens, begegnet die Christenheit solchen Versen wie Heb 3,12 mit Unverständnis. Die unausgesprochene Aussage ist: „So etwas kann es bei uns nicht geben, da müssen wohl die Heiden gemeint sein!“ – Da die Bibel aber nicht oberflächlich ist, deckt sie Missstände auf. Und da die Brüder angesprochen sind und die Wörter „jemandem von euch“ eingebaut sind, bedeutet dieser Vers mit anderen Worten so viel wie: „Seht zu ihr Brüder, dass ihr nicht ein böses Herz des Unglaubens in euch herum trägt; ein Herz das vom lebendigen Gott abgefallen ist!“ Die Herzen der Heiden sind nicht von Gott abgefallen, weil sie Gott gar nie zugeneigt waren. Die Herzen der Geschwister können allein von Gott abfallen; sie haben sich einst Gott zugewendet, zumindest bei der Bekehrung.

Die Aussage der Schrift ist heute also: „Passt auf, Geschwister, dass ihr nicht von Gott mit Unglauben abfällt! Es ist durchaus möglich, dass solches passieren kann!“ – Was die Konsequenzen eines Abfalls sind, ist durch Israels Geschichte bereits offen gelegt. Die Gnade Gottes verwendet zusätzlich  und schon am Anfang des Hebräerbriefes anderthalb Kapitel für eine erneute Warnung! Lassen Sie uns bitte aufmerksam auf die Erläuterungen des Geistes achten! Amen. Gelobt sei der HERR für seine Gnade!

Vers 13

sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es »heute« heisst, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!    Hebr 3,13   

Niemand von den Geschwistern, die Rede ist an die „Brüder“ (V12), soll sich durch den Betrug der Sünde verhärten. Die Sünde betrügt die Menschen. Die Übertretung des Wortes Gottes verführt ihn zum Besitz von Dingen, die ihm durch die Befolgung des Wortes verwehrt wären, weil sie dem Stand eines Christen unpassend sind. Ein Mann auf Reisen kann sich durch eine fremde Frau eine vermeintliche Freude holen, wie auch umgekehrt. Verlorenes Gut, das ein Vorübergehender findet, kann diesen zum Dieb machen, indem er es einfach behält und denkt: „Es wird von niemandem bemerkt werden.“ Solche Umstände und Gelegenheiten gibt es fast täglich, wie beispielsweise die Gelegenheit, zu seinem Vorteil zu lügen. Die Sünde lockt und behauptet, der HERR wolle die Menschen durch Regeln an einer sehr kurzen und unvorteilhaften Leine anbinden.

Das Ende der bösen Früchte, welche die Sünde ausschliesslich hervorbringt, auch wenn der Ehebruch oder das gestohlene Gut für den Moment süss erscheint, ist immer sehr bitter und übel. Die Sünde bringt Tod hervor (Rö 6,23). Das ist ihr Lohn.

Wer dem Betrug der Sünde verfällt, verhärtet sich gegenüber Gott und seinen folgsamen Kindern. Ein solcher wird uneinsichtig gegenüber dem wahrhaftigen Wandel und kann Gott gar beschuldigen, hartherzig zu sein. Diese Denkweise legte auch der unnütze Knecht an den Tag, indem er sprach:

24 Es trat aber auch herbei, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;
25 und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine.   Mt 25,24-25 

Wiederspiegelt diese böse Aussage das Herz Gottes, das langmütig und voller Gnade ist? – Nein, sie zeigt vielmehr auf, dass es ohne weiteres möglich ist, als Christ üble und hartherzige Gedanken zu hegen.

Lassen Sie uns deshalb diesen Vers zu Herzen nehmen, einander jeden Tag zu ermuntern! Seien wir einander Stützen für den Weg ins Reich! Amen.

Vers 14

Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.   Hebr 3,14  

Dieser Vers hat zwei Seiten, ein das-Gegenteil-leugnen-Wollen ist nicht möglich. Dass wir Teilhaber des Christus geworden sind, steht in absoluter Form, klar und unmissverständlich. Danach folgt aber ein „wenn“, eine Bedingung also. Wir haben es in der Hand, ob wir dieses Status‘ verlustig gehen möchten oder nicht. Die Bedingung zur Besitzstandswahrung ist beschrieben: „… wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.“ Wenn wir sie nicht festhalten, verlieren wir das Teilhaber-Sein. Damit ist nicht der Verlust der Errettung vor der Hölle gemeint. Gemeint ist, wie erwähnt, das Teilhaber-Sein. Es verhält sich wie bei Mitinhabern einer Firma. Wenn eine Firma fünf Teilhaber hat, würde sie bei einer Liquidation in fünf Teile aufgesplittet werden. Jeder bekäme dann seinen Anteil. Es geht bei der Teilhaberschaft um die Erbschaft, die Christus, der bis zum Ende standhaft an der Zuversicht festhielt, antreten wird.

Wer nun bis zum Ende standhaft an seiner Berufung als Botschafter Gottes festhält, behält seinen Anteil an der Erbschaft. Wer nicht daran festhält – und da bleibt kein Interpretationsspielraum – der wird nicht erben; ein solcher verliert seinen Anteil. Diese Lehre korrespondiert voll mit dem Gleichnis der Talente im Mt 25. Wer mit der Gabe Christi nicht handelt und sie von sich entfernt (in die Erde vergräbt), wird am Ende nicht einmal das haben, was er zu besitzen glaubte. Auch im Lukasevangelium wird diese Thematik (mehrfach) angeschnitten:

Seht nun zu, wie ihr hört! Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst, was er zu haben meint, genommen werden.    Lk 8,18   

Gelobt sei unser HERR, Christus, der uns detailliert über die zukünftige Verteilung des Erbes informiert. Amen.

Vers 15

Wenn gesagt wird: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung«,    Hebr 3,15  

Heute spricht Gott, da Gott jeden Tag durch das Wahrgenommene redet. - Was ist die Konsequenz bei Nichtbefolgung seiner Worte? Was ist, wenn der Bruder oder die Schwester das Herz verhärten? Die Stimme Gottes wird ja bekanntlich seit Erschaffung der Welt gehört! Sie flüstert nicht, sie schreit vielmehr (Spr 1,20; die Weisheit ist Gottes, s. Dan 2,20). Der letzte Vers dieses Kapitels spricht bezüglich der Konsequenz noch einmal Klartext (V19).

Lassen Sie sich nicht durch das Gesülze der es-kommt-schon-gut-Christen verführen, welche ihre „positive persönliche Lebenseinstellung“ als Deckmantel für ihren Eigendünkel gebrauchen! Es kommt gut, es kommt auf jeden Fall gut, wenn Sie den bedingungslosen Weg des HERRN wählen. Es kommt schlecht, es kommt auf jeden Fall schlecht, wenn Sie denen folgen, die eigenwillige Wege gehen, auch dann, wenn sie mit Lügenworten Frieden ansagen. Letztere sind Verführer, die bereits von Jeremia beschrieben wurden:

und sie heilen den Bruch der Tochter meines Volkes oberflächlich und sagen: Friede, Friede! – und da ist doch kein Friede.    Jer 6,14

Sie haben den HERRN verleugnet und gesagt: Er ist nicht da. Kein Unglück wird über uns kommen, Schwert und Hunger werden wir nicht sehen.    Jer 5,12  

Lassen Sie auf keinen Fall zu, dass Sie jemand in eine falsche Sicherheit und somit in Gefahr bringt. Falsche Propheten, die nach dem Mund ihrer Zuhörer und Sponsoren schwatzen, gibt es genug. Wie oft leisteten solche es-kommt-alles-gut-Christen erbitterten Widerstand gegen die echten Propheten des HERRN. – Wie oft habe ich mitansehen müssen, dass solche, die sich Christen nannten, denen, welche die Gemeinde ermahnten und dadurch auf dem guten Weg erhalten wollten, über den Mund fuhren. Wie oft habe ich hören müssen, dass sie ihren beliebten und fromm tönenden Satz für ihre eigenen Wege missbrauchten und zum Ermahner sagten: „Ist es recht, wenn du aus einer Frohbotschaft eine Drohbotschaft machst?“ Nun denn, alle, die den Beauftragten des HERRN so etwas sagen, sollen wissen, wie gut ihre „gute Gesinnung“ im Himmel ankommt. Amos musste seinem Widersacher im Namen des HERRN sagen:

16 Und nun höre das Wort des HERRN: Du sagst, du sollst nicht weissagen über Israel und sollst nicht reden über das Haus Isaak.  
17 Darum, so spricht der HERR: Deine Frau wird zur Hure werden in der Stadt, und deine Söhne und deine Töchter werden durchs Schwert fallen, dein Land wird mit der Messschnur verteilt werden, und du selbst wirst in einem unreinen Land sterben; und Israel wird gewiss aus seinem Land gefangen wegziehen.    Am 7,16.17  

Nach diesen Worten bleibt nur zu sagen: Liebe Geschwister! Verhärten wir unsere Herzen nicht! Amen.

Vers 16

welche haben denn gehört und sich aufgelehnt? <Waren es> denn nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren?    Hebr 3,16 

War es nicht so, dass Gott in jedem „Heute“ durch seine sichtbare Präsenz zu Israel sprach: „Hier bin ich, vertraut mir!“? War er nicht in der Wolken- bzw. Feuersäule zu sehen? Wer hat also das Wort gehört und es verworfen? – Und sie haben es nicht nur verworfen, sie haben sich vielmehr in schwerster Weise dagegen aufgelehnt. Israel ignorierte nicht „nur“ ihren Gott, sie bauten sogar vor dessen Angesicht einen abscheulichen Götzen, das goldene Kalb (2. Mo 32).

Die Heiden haben ihre Götter und eigenen Philosophien, die sie glauben lassen, dem kommenden Zorn zu entfliehen. Sie dienen dem echten Gott sowieso nicht. – Krass ist der Gedanke, dass es Gottes Volk, Israel, war, das sich widerspenstig erzeigte, wie es heute die Gemeinde ist, welche nicht hört. Dieser Vers beleuchtet den Zustand des Volkes Gottes, das sich gegen die Worte ihres Schöpfers auflehnt; die Nationen (Heiden) haben ohnehin keinen Bezug zum HERRN.

 

Vers 17

Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen?   Hebr 3,17 

Wir sehen weiterhin klar und „doppelt genäht“: Der Heilige Geist spricht hier wiederum nicht von den Nationen (Ungläubigen), denen Gott zürnt; der Heilige Geist spricht vom Volk Gottes. Dazu kommt, dass diese Textstelle im Neuen Testament steht und für unsere Zeit niedergeschrieben ist. Das ist keine bedeutungslose Erzählung einer überlieferten Begebenheit. Die Geschichte wird angeführt, damit wir es Israel nicht gleich tun und unter die gleichen bzw. noch schwereren Gerichte fallen. Wir haben ihr Vorbild zur Warnung, das sehr ausführlich ist, Israel hatte hingegen kein so anschauliches.

Gott zürnte seinem Volk und liess die Leiber seines Volkes in der Wüste fallen. – Unser Weg soll nicht zu einer bedenkenlosen Fahrt auf der Autobahn des eigenen Willens verkommen. Wer sich darauf befindet, widersetzt sich Gott. Es wird einem solchen Christen gleich bzw. schlimmer ergehen, als es Israel ergangen war.

Wer das nicht einordnen kann, hat noch nicht erkannt, dass es nicht allen Christen gegeben sein wird, vor der kommenden Zeit der Trübsal entrückt zu werden. In ihr wird es Christen haben, also solche mit dem Zeugnis Jesu, die sich inmitten dieser schlimmen Wehen befinden (Offb 12,7). Demgegenüber steht Philadelphia, die Gemeinde, welche übersetzt „Bruderliebe“ heisst. Sie wird vor dieser schrecklichen Zeit von der Erde genommen (Offb 3,10).

Wo werden Sie stehen, liebe Leserin und lieber Leser, wenn entschieden ist, wer aus dem Volk Gottes zu Philadelphia gehört und wer für die Zeit der Trübsal auf der Erde zurückbleibt?

Vers 18

Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren?    Hebr 3,18 

Liebe Leserinnen und Leser! Nach diesem Vers sollten wir uns ernsthaft fragen, wieso der Heilige Geist so beharrlich darauf hinweist, dass Gottes Volk unter schlimme Gerichte fallen kann! Bereits mit dem ersten Vers dieses Kapitels beginnt Gott mit einem hieb- und stichfesten Argument, indem Er spricht: „Daher, heilige Brüder, … !“ Es gibt einen triftigen Grund, weshalb wir, die Christen, aufmerken sollen! So geht es weiter, ab Vers sieben spricht er unmissverständlich und ausschliesslich in jedem folgenden Vers zum Volk Gottes. Ihm, dem Volk Gottes, wird es schlecht gehen, wenn es seine Worte missachtet. Dass die Heiden unter ein schlimmes Gericht kommen, ist ohnehin klar, jedoch in diesen Versen nicht das Thema. Gegenstand dieser Verse ist die Ermahnung des Volkes Gottes zum Gehorsam in Tat und Wahrheit gegenüber seinem Wort.

Um zum Vers zu kommen: Welchen schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten? Israel, seinem Volk, schwor er das. Sie waren widerspenstig und schenkten seinem Wort keinen Glauben (4. Mo 14), obschon Er sich vor ihnen durch die Teilung des Meeres und der Vernichtung ihrer Verfolger mächtig erzeigt hatte (2. Mo 14,21ff). – Es wird chronologisch bald so ablaufen: Christen, die das Wort Christi im Glauben annehmen und umsetzen, reifen in der Persönlichkeit zu Menschen heran, die den HERRN und ihre Geschwister lieben. Sie werden im übertragenen Sinn zu Gliedern der Gemeinde, die Philadelphia (=Bruderliebe) hiess. Dieser Gemeinde ist verheissen, dem kommenden Gericht zu entfliehen; sie werden vom HERRN weggenommen werden (Offb 3,10). Die übrigen Geschwister aus dem Volk Gottes werden auf der Erde zurückbleiben, wie die Heiden und das heutige Israel, währendem die furchtbaren Gerichte der Trübsalszeit über den Erdkreis ziehen.

Vers 19

Und wir sehen, dass sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten.    Hebr 3,19

Gottes Volk kam des Unglaubens wegen nicht an den Bestimmungsort. Das sehen wir ganz eindrücklich geschildert. Zur Zurechtbringung handelte Gott zwar weiter mit ihnen -, doch in was für Umständen geschah dies! Unter Tod, zwischen Wüstensand, beissenden Schlangen (5. Mo 8,15) und Hitze gewöhnte Gott dem Volk das Murren und die Widerspenstigkeit ab, damit sie in der Auferstehung zubereitet sein werden.

Wie viel schöner und bequemer hätten sie im Gehorsam leben können! Sie hätten in eine Ruhe kommen können, in einem Land, in dem Milch und Honig floss! Wie viel Leid taten sie sich im Blick darauf selbst an! Dabei müssen wir verstehen, dass Gott Widerspenstigkeit nicht zulassen durfte. Böse und ungerechte Wege sind nicht passend für Menschen, die der Weltbevölkerung  vorstehen werden (Offb 2,26). Solches geht auf gar keinen Fall und würde Gottes Name entweihen!

Entscheiden wir uns heute, wie wir zubereitet werden wollen! Wir dürfen wählen zwischen der Gnade des HERRN oder seiner Härte. Wie möchten Sie den Vater erleben, als freundlich und unterstützend oder scheltend und sanktionierend? – Es liegt in Ihrer Hand! Auch entscheiden Sie durch Ihre Einstellung und Werke, ob Gott Sie in die kommende Ruhe nimmt oder nicht.

Kapitel 4

Vers 1

Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa – da die Verheissung, in seine Ruhe einzugehen, noch aussteht – jemand von euch als zurückgeblieben erscheint.    Hebr 4,1 

Bei Verheissungen ist es so, dass Gott etwas verspricht, das auf jeden Fall die Person bekommt, welche im Glauben bleibt. Die Verheissung ist also an eine Glaubensbedingung geknüpft und nicht im gleichen Kontext mit der Errettung und Aufnahme in Gottes Familie zu sehen. In Gottes Familie wird der Mensch hineingeboren. Er wird zum Kind Gottes ohne irgendwelches Dazutun. Wie Menschenkinder ohne geringste Eigenleistung zur Welt kommen, wird der Mensch in die Familie Gottes hineingeboren; der Mensch kann sich nicht selbst durch den Geist Gottes zeugen. Diese Kindschaft kann nicht rückgängig gemacht werden; es ist kein Gegenstand, den jemand besitzen oder verlieren kann.

Verheissungen haben hingegen mehrheitlich mit Gaben zu tun, Geschenken, die man bekommt oder eben nicht, je nachdem, wie man sich verhält. Israel war das Land verheissen, durch Unglauben konnte die erste Generation des Auszuges nicht hineinkommen. Sie haben die ausstehende Verheissung nicht erlangt. Das Land war ihnen zwar verheissen, doch ihr Unglaube hinderte sie daran, die Verheissung zu ergreifen.

Hier ruft uns der Heilige Geist zu: „Volk Gottes aus dem Neuen Testament! Euch ist verheissen, in Gottes Ruhe zu kommen! Setzt alles daran, diese Verheissung zu erlangen! Fürchtet Euch davor, als zurückgeblieben bzw. als unreif und unwürdig zu erscheinen, wenn der Zeitpunkt der Verheissung da ist! Ihr werdet wie Eure Vorbilder nicht in die Verheissung kommen, wenn Ihr Euch verhaltet wie sie!“

Mit dieser Botschaft wurde ich leider unter Christen verlacht, besonders in einer Freien Evangelischen Gemeinde, deren Leiter mich „freundlich“ hinauskomplimentierten und betonten, sie könnten die Verantwortung für die Nichtbefolgung meiner Worte gut übernehmen, wie Jeremia nicht ernst genommen wurde, als er sagte, dass Jerusalem gewiss durch die Heiden eingenommen werden wird, gleichwohl sich das Heiligtum Gottes zum damaligen Zeitpunkt in der Stadt befand. – Heute bin ich benennungsunabhängig. Ich halte mich zu Christen, die der Bibel folgen, ohne gewisse Ansichten falsch zu gewichten.

Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa – da die Verheissung, in seine Ruhe einzugehen, noch aussteht – jemand von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, als zurückgeblieben erscheint! Amen.

Vers 2

Denn auch uns ist eine gute Botschaft verkündigt worden, wie auch jenen; aber das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband.    Hebr 4,2    

Was nützt ein gehörtes Wort, wenn es nicht geglaubt wird? Was bringt uns die Mitteilung Gottes, er würde uns lieben, wenn wir von Ihm denken, Er täte in Bezug auf uns gar nichts (siehe auch Zef 1,12)? – Israel wurde bereits beim Auszug vermittelt, dass Gott sie in ein gutes Land führen möchte. Durch ihr Murren und ihre Äusserungen zu glauben, in der Wüste sterben zu müssen, offenbarten sie den Unglauben gegenüber Gottes Verheissungen. Sie nahmen Gott nicht ernst in seinen Aussprüchen. So kam es soweit, dass Gott ihren eigenen Glauben Wirklichkeit werden liess.

Uns ist auch verheissen, das Land zu besitzen. Das Land, auf dem wir stehen, egal wo wir stehen, soll einmal uns gehören. Das ist die Erbschaft Christi; Er wird die ganze Welt erben, nicht nur das Land Israel, östlich ans Mittelmeer grenzend. An dieser Erbschaft will Er uns teilhaben lassen, wir sollen miterben, „ … , wenn wir wirklich mitleiden, … (Rö 8,17)“. Wenn wir jedoch Verse wie diese in der Klammer (Rö 8,17; Gal 4,7; Tit 3,7) zwar hören, aber nicht mit Glauben verbinden, nützt uns das Gesagte nichts. Auch 2. Tim 2,12 bringt es auf den Punkt:

wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen;   2.Tim 2,12 

Wenn wir ausharren, werden wir mitherrschen; wenn wir verleugnen, wird auch Er uns verleugnen. Wenn es um die Auslosung der Erbschaft geht, wird Er die Namen der Vorherbestimmten nicht mehr kennen, die Ihm keinen Glauben schenkten. Amen.

Vers 3

Wir gehen nämlich in die Ruhe ein als die, die geglaubt haben, wie er gesagt hat: »So schwor ich in meinem Zorn: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!« obwohl die Werke von Grundlegung der Welt an geschaffen waren.    Hebr 4,3  

Dieser Vers bringt etwas Ruhe in allzu ängstliche Herzen. Der Geist sagt darin – und das ist Gottes Wunsch -, dass die Gemeinde in die Ruhe eingeht und nicht durch Unglauben auf der Strecke bleibt. Die Ruhe ist von Anfang an geschaffen, sie war es bei jenen, wie sie es auch bei uns ist. Im Glauben müssen wir nicht darum zittern. Im Rö 8,37 steht ausdrücklich, dass wir in Christus „mehr als Überwinder“ und somit für den Eingang qualifiziert sind.

Den Überwinder-Status kann der Christ nur verlieren, wenn er ihn sich durch sträfliche Nachlässigkeit oder sturem Eigendünkel rauben lässt. Im Folgenden möchte ich auf die Nachlässigkeit eingehen. Der Eigendünkel war schon oft Thema.

Nachlässige Menschen gleichen Personen, welche die Wohnungstür ihrer Stadtwohnung über Nacht nicht abschliessen. Sie haben den Bezug zur Realität verloren oder ignorieren sie einfach, obschon draussen Räuber und Diebe umher schleichen. Eine kurze Drehung am Schlüssel würde genügen, um ungebetenen Gästen den Zutritt zu verwehren. Dabei kommt mir die Geschichte eines Bruders im HERRN in den Sinn, der sich in jungen Jahren das Fahrrad immer wieder stehlen liess, weil er nicht lernen wollte, es mit einem Schloss zu sichern. Selbst der HERR griff damals nicht ein und liess ihn die Lektionen lernen, wenigstens in einem Mindestmass auf die persönlichen Gegenstände aufzupassen.

Im Geistlichen verhält es sich mit dem Sichern der Güter wie in der Welt mit den Dieben, die auf ihr umhergehen: Der Teufel schleicht wie die Diebe und Räuber umher und schaut, wenn er verschlingen oder zumindest berauben kann:

Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.    1.Petr 5,8    

Wer diese Tatsache ignoriert und wie ein Einfältiger sorg- und gedankenlos nach dem Motto „Es kommt schon gut“ in der Weltgeschichte herumspaziert, setzt sich unweigerlich grossen Gefahren aus. Es gibt aus den erwähnten Gründen auch weitere Verse, wie jene im Epheserbrief, die von einer anzuwendenden Sicherheitsausrüstung sprechen:

Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt!   Eph 6,11  

Wer diese Worte nicht beherzigt, kann vom Satan leicht überrumpelt werden (siehe auch 2. Kor 2,11).

Fazit: Überängstlichkeit ist fehl am Platz, wer den Weg des HERRN geht, wird mit Sicherheit in die Ruhe kommen. Wer hingegen nach den Gedanken „Mir passiert schon nichts“ arrogant oder gedankenlos und fahrlässig sich durch das Weltgeschehen wurstelt, ist schlecht beraten. Ein solcher gibt aus der Hand, was ihm eigentlich gehören würde. Er gleicht jemandem, der seinen Laptop, seine Fotoausrüstung und seine persönlichen Ausweise im offenen, fensterlosen Jeep weit oben am Strand abstellt, um unten in der abgelegenen Bucht baden zu gehen. – Wird er bei seiner Rückkehr noch etwas davon vorfinden?

Achten Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser auf Ihren Überwinder-Status? Gehen Sie damit sorgsam um?

Vers 4

Denn er hat irgendwo von dem siebten <Tag> so gesprochen: »Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken.«    Hebr 4,4  

Der Heilige Geist weist hiermit auf die Ruhe Gottes hin. Gott etablierte sie mit dem siebten Tag in der Anfangsgeschichte der Menschheit. Da ruhte Er von seinen Werken. Verbunden mit den anderen Stellen in diesen beiden Kapiteln sehen wir, dass die Ruhe Gottes mit der erwarteten Ruhe des Tausendjährigen Reiches gleichzusetzen ist. Während der Schöpfung wirkte Gott sechs Tage, am siebten ruhte Er. Seit der Erschaffung des Menschen wirkt Er (Joh 5,17); nunmehr sind es sechstausend Jahre. Das siebente Jahrtausend steht unmittelbar vor der Türe. Wir wissen weder Tag noch Stunde und doch gibt uns Gott Kenntnis darüber, dass Er darin zur Ruhe kommen wird. Der Satan wird gebunden sein und Christus wird über die ganze Welt regieren. Es wird der Erde und ihren Bewohnern darin sehr gut gehen, denn die Herrschaft wird gerecht ausgeübt werden.

Vers 5

Und an dieser <Stelle> wiederum: »Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!«    Hebr 4,5  

Der gestrige Abend war für mich sehr interessant. Der HERR liess mir keine Ruhe im Geist, bis ich mich hinsetzte und Er mich bezüglich der kommenden Ruhe für sein Volk auf weitere Verse hinweisen konnte. Für mich bedeutet das, dass trotz dieser überragenden Klarheit aus dem Hebräer- und Korintherbrief weiter von Spöttern eine mögliche Zugangssperre für Christen zur Ruhe Gottes zu zerreden versucht wird. Auch der Teufel wird seine Möglichkeiten, sie zu leugnen, voll ausschöpfen.

Gut, betrachten wir den heutigen Vers. Wem schwor Gott, „Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!“? Schwor Er das den Ägyptern? Den Kanaanitern? Den Ammonitern? – Nein, Er schwor es seinem widerspenstigen Volk, wie wir nun wirklich schon einige Male betrachtet haben. Der Wichtigkeit wegen füge ich entsprechende Verse nochmals ein. Diesmal aus einem anderen Bibelbuch, den Psalmen, um den Spöttern den Mund zu stopfen, die sagen, ich würde die Lehre Gottes durch einige wenige Verse, mit denen ich eine Sonderlehre aufzubauen versuchen wolle, verzerren. Die Bibel ist in allen Büchern konsistent und widerspricht sich nie! Widersprechen tun sich die Spötter und ihre Lehre ist sehr böse und wird ganz gewiss sehr übel bestraft werden, auch wenn heute noch die Sonne über ihren Dächern scheint und sie in schönen Häusern wohnen. – Ich bitte die treuen Geschwister um Nachsicht, dass ich mich der heutigen Verwirrung im Christentum wegen wiederholen muss. Wenden wir uns nun zu den angekündigten Versen aus den Psalmen:

21 Sie vergassen Gott, der sie errettete, der grosse Dinge getan in Ägypten,  
22 Wunder im Lande Hams, Furchtbares am Schilfmeer.  
23 Da gedachte er, sie auszurotten, wäre nicht Mose gewesen, sein Erwählter. Der trat in die Bresche vor ihn, um seinen Grimm vom Verderben abzuwenden.  
24 Und sie verschmähten das köstliche Land, glaubten nicht seinem Wort.  
25 Sie murrten in ihren Zelten, hörten nicht auf die Stimme des HERRN.  
26 Da erhob er seine Hand gegen sie, um sie niederzuschlagen in der Wüste,    Ps 106,21-26   

Betrachten wir nun anschliessend das kommende Zeitgeschehen aus dem Lukasevangelium, wie es mir der HERR gestern Abend aufgetragen hatte:

29 Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Seht den Feigenbaum und alle Bäume!
30 Wenn sie schon ausschlagen, so erkennt ihr von selbst, da ihr es seht, dass der Sommer schon nahe ist.
31 So erkennt auch ihr, wenn ihr dies geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist.  
32 Wahrlich, ich sage euch, dass dieses Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles geschehen ist.
33 Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.  
34 Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen und jener Tag plötzlich über euch hereinbricht  
35 wie ein Fallstrick! Denn er wird über alle kommen, die auf dem ganzen Erdboden ansässig sind.  
36 Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!    Lk 21,29-36  

All diese Worte sprach Jesus zu seinen Jüngern, nicht zu einer gemischten Volksmenge, die in Gläubige und Ungläubige geteilt werden kann:

3 Als er aber auf dem Ölberg sass, traten seine Jünger für sich allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?  
4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführe!    Mt 24,3-4 

Die Jünger traten für sich allein zum HERRN und empfingen diese Worte: „Seht zu, dass euch niemand verführe!“ Der HERR hat damit sinngemäss auch gesagt: „Lasst euch eure Krone nicht wegnehmen. Bewahrt sie sicher. Geht nicht fahrlässig mit meinen Worten um!“, wie ich mit einigen Anschauungsbeispielen versucht habe, einprägsam darzustellen. Die Jünger, niemand anders!, sollen imstande sein, der Drangsalszeit, die geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen! Dieser Vers ist konsistent mit der Aussage zur Gemeinde Philadelphia, dass nicht alle Christen würdig sein werden, um die Zeit der Rache herum zu kommen (Offb 3,10).

Den Menschen die das leugnen und Christen eine Ruhe vermitteln, die keine ist, soll hiermit gesagt sein, dass sie ein besonderes Gericht erwartet, denn solche fügen der Schrift illegal Worte hinzu. Sie erwartet Folgendes:

Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind;    Offb 22,18 

Amen. So spricht der HERR!

Vers 6

Weil es nun dabei bleibt, dass einige in sie eingehen und die, denen zuerst die gute Botschaft verkündigt worden ist, des Ungehorsams wegen nicht hineingegangen sind,    Hebr 4,6 

Es bleibt nun dabei, bei diesem Prinzip – wieso sollte Gott aufgrund des Ungehorsams des Menschen seine Pläne aufgeben? – werden weiter Menschen in seine Ruhe eingehen.

Wie ist es möglich, die Ruhe Gottes zu finden? Israel hatte das Land, die damalige Ruhe Gottes, ja bereits eingenommen, wurde aber durch den Ungehorsam in der Folge verworfen und verschleppt. Viele Israeliten leben heute zwar teilweise wieder dort, jedoch in Unruhe. Der jetzige Zustand kann nicht als „Die Ruhe Gottes“ betrachtet werden. Auch gibt es ja nun zusätzlich die Christen, deren Ziel nicht das Land Israel ist. Wo sollen wir Christen nun die Ruhe Gottes finden?

Diesen Themen widmen sich die nächsten Verse. Sie dürfen gespannt darauf sein, liebe Leserinnen und Leser!

 

Vers 7

bestimmt er wieder einen Tag: ein »Heute«, und sagt durch David nach so langer Zeit, wie vorhin gesagt worden ist: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!«    Hebr 4,7   

Die Botschaft ist klar. Mit dem Land Israel wurde die Ruhe Gottes vorgeschattet. Die Nachkommen der Generation des Auszugs kamen damals in die Ruhe. Der betroffenen Generation selbst schwor Gott, sie nicht in die Ruhe kommen zu lassen.

Nach diesen Ereignissen bestimmte Gott explizit einen neuen Tag der Ruhe, ein „Heute“. Dieser neue Tag ist schon seit langem bestimmt. Er liess diesen Tag bereits durch den König David kundwerden.

Liebe Leserinnen und Leser! Es ist mir wohlbekannt, dass im Christentum diese Wahrheit praktisch unerwähnt ist oder diese Kapitel im falschen Zusammenhang angeführt werden. Dass die Sabbatruhe Gottes, welche auch für die Seinen gelten soll, nicht eine Erfindung meiner Gedanken ist, steht nirgends so klar, wie in diesen Versen. Auch die beiden folgenden sprechen von dieser unwiderlegbaren Tatsache. – Wollen Sie in die Ruhe kommen? Halten Sie an Ihrem Überwinder-Status fest? Kennen Sie das schlechte Beispiel von Esau, der lieber im Hier und Jetzt sofort geniessen wollte und die Erbschaft Gottes verwarf und dafür von Gott gehasst wurde (Rö 9,13)?

Vers 8

Denn wenn Josua sie in die Ruhe gebracht hätte, würde er danach nicht von einem anderen Tag geredet haben.    Hebr 4,8 

Wäre das Land Israel die definitive Ruhe Gottes gewesen, würde Gott nicht von einer weiteren Ruhe reden, wie Er das im Hebräerbrief niederschreiben liess. Das verheissene Land schattete, wie erwähnt, ein Zur-Ruhe-Kommen des Volkes Gottes vor. Dass es nicht die definitive Ruhe Gottes sein konnte, ist heute offenbar, denn in den Grenzen Israels ist zu wenig Platz für Israel und die Gemeinde zusammen. Es muss also eine Ruhe kommen, wo der Mensch Gottes wirklich mit dem HERRN zusammen zur Ruhe kommen kann ohne durch Platzknappheit bedrängt oder durch Widersacher aufgescheucht zu werden. Somit muss der Teufel auch von der Bühne der Welt entfernt werden, was im folgenden Zeitalter auch der Fall sein wird (Offb 20,2). Die Ruhe Gottes wird keine trügerische sein. Sie wird auch keinen Schatten mehr für die Wirklichkeit werfen; die kommende Ruhe ist die echte, angekündigte Ruhe, wo Gott und die als dazu würdig erfundenen Menschen (Luk 21,36) in vollen Zügen geniessen werden.

In 2. Kö 5,26 erklärt Elia seinem Diener Gehasi, dass es für einen Menschen Gottes nicht statthaft ist, in für Gott üblen Zeiten zu feiern oder in Luxus zu schwelgen. Dies führte uns Uria auch in bemerkenswerter Weise durch sein Haltung am Palast des Königs David vor, als er sich nicht mit seiner Frau vergnügen wollte, während dem das Heerlager Gottes sich draussen im Krieg befand (2. Sam 11,11). Deshalb entsagte sich unser herrlicher HERR auch den Wein, welcher gemäss Richter 9,13 Gott und Mensch erfreut. – Im nächsten Zeitalter ist die Herrschaft in guten Händen; dann ist sie in der Hand des Herrn Jesus, welcher der Bosheit und Ungerechtigkeit den Garaus machen wird. Dann ist es Zeit zum Feiern. Die Zeit des Fastens und der Entbehrungen wird vorüber sein. Unser HERR wird wieder Wein trinken, was auch symbolischen Charakter hat. Es zeigt, dass dann die Zeit des Genusses offiziell anbricht. Dieser Genuss wird jedoch nur für die sein, die mit dem HERRN mitgelitten haben. Amen.

Vers 9

Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig.    Hebr 4,9 

Es bleibt dem Volk Gottes eine Sabbatruhe übrig. Josua hat Gottes Volk nicht in die definitive Ruhe gebracht. – Schön zu wissen! Und jetzt, für was ist die Information? Uns wurde ja mitgeteilt, dass wir ins Reich eingehen werden! Für was also die vielen Worte über die Sabbatruhe? – Weil der Christ sich durch Ungehorsam diese Ruhe verspielen kann. Deshalb der Vers am Anfang dieses Kapitels, den ich hiermit nochmals in Erinnerung rufe:

Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa – da die Verheissung, in seine Ruhe einzugehen, noch aussteht – jemand von euch als zurückgeblieben erscheint.    Hebr 4,1  

Der HERR führte Israel unvoreingenommen aus dem Land Ägypten, um sie nach seinem Vorsatz ins Land Kanaan zu bringen. Es war ihnen gegeben, unter normalen Umständen und unter normalem Verhalten ins Land zu kommen. Gott änderte seine Meinung diesbezüglich erst, nachdem die Israeliten vorsätzlich und auf Dauer böse handelten. Damit verspielten sie sich die anfängliche Verheissung, ins gute Land zu kommen. Nach dem Bau des abscheulichen Götzen hatte Gott seine Meinung über die Verheissung noch nicht geändert, obschon sie in dieser Sache sehr übel handelten (2. Mo 32). Erst nachdem sich die unglaubliche Halsstarrigkeit manifestierte und sie nach vielen weiteren Wundern und der täglichen Präsenz Gottes, nach zweijähriger Ausbildung in der Wüste, durch Unglauben nicht ins Land ziehen wollten, fasste Gott untenstehenden Beschluss:

»Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!«    Hebr 4,5b   

Die Konsequenz davon war, dass alle Israeliten in der Verantwortung, also alle, die über zwanzig Jahre alt waren, in den folgenden Jahren starben, ausser Kaleb und Josua. – Genau so läuft es mit uns: Wir werden Christen und sind für die Kindschaft und die neue Sabbatruhe bestimmt. Während unserer Ausbildung schaut Gott glücklicherweise auch mal über Unzulänglichkeiten hinweg, sogar über gröbere. Sobald wir aber durch Unglauben glänzen, uns durch Halsstarrigkeit profilieren, unseren Willen über die Bibel stellen und eigenwillige, gottlose Beschlüsse fassen, ist auch mal Gottes Geduld am Ende. Solche Menschen aus Gottes Volk, wiedergeborene Christen also, werden nicht in die Sabbatruhe Gottes kommen. Amen.

Vers 10

Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken wie Gott von seinen eigenen.    Hebr 4,10 

Christen, die mit Gott wandeln, also solche, die dort stehen, wo Christus steht (Joh 12,26), sind beständig im Dienst für Gottes Haus, weil Christus es auch ist. Sie beanspruchen für sich keine Ruhe, weil es im Feindesland keine gibt. Diejenigen hingegen, die während dieser üblen Zeit – wo die Welt im Begriff steht, zur Hölle zu fahren – es sich gut gehen lassen, stehen weit neben dem ihnen angewiesenen Platz. Letztere werden – Gott bewahre sie davor – von der Ruhe Gottes ausgeschlossen werden. Sie vergnügten sich, währenddem Christus und seine engen Mitarbeiter im Kampf gegen den Teufel und seiner Gefolgschaft hart arbeiteten.

Gott will sich selber und der Schöpfung eine Ruhe gönnen, wie Er es mit dem siebten Tag seines Werkes offenbarte. Deshalb schafft Er eine neue, die ganze Erde umfassende Ruhe, welche nicht eingeschränkt ist, wie es jene damals durch die Grenzen des Landes Israel war.

Wer im Werk Gottes und somit dem Willen Christi steht, wird die Ruhe mit Ihm geniessen können. Wer dagegen nur tut, was ihn gut dünkt, läuft grosse Gefahr, nicht in die Ruhe Gottes zu kommen. So eingestellte Christen haben sich ihre „Ruhe“ bereits selbst eingeholt.

Vers 11

Lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams falle!    Hebr 4,11

Wieder kommt die Aufforderung des Heiligen Geistes, dass wir eifrig(!) danach trachten sollen, es in die Ruhe zu schaffen, um nicht nach demselben Beispiel Israels durch Ungehorsam zu fallen! – Worin bestand denn der Ungehorsam Israels im Detail? Kann das aufgelistet werden oder ist es eine diffuse Aussage, die uns nicht weiterhilft? – Der Ungehorsam kann im Detail aufgelistet werden und er wurde es schon von Gott. Lassen Sie uns diese Liste bezüglich Israel genau betrachten und sie mit uns Christen vergleichen. Sollten wir dann Parallelen zu unseren Verhaltensweisen sehen, werden wir erkennen, dass uns diese beiden Kapitel vor sehr schlimmen Gerichten bewahren können, wenn wir sie nur umsetzen! Beginnen wir mit der Auflistung der Sünde Israels, so, wie sie von Gott zusammengefasst wird. Israel verspielte sich die Gunst beim HERRN aus folgenden Gründen:

7 Und das geschah, weil die Söhne Israel gesündigt hatten gegen den HERRN, ihren Gott, der sie aus dem Land Ägypten hatte heraufkommen lassen aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten, und weil sie andere Götter fürchteten  
8 und in den Ordnungen der Nationen lebten, die der HERR vor den Söhnen Israel vertrieben hatte, und <in den Ordnungen> der Könige von Israel, die <diese> eingeführt hatten.  
9 Und die Söhne Israel ersannen gegen den HERRN, ihren Gott, Dinge, die nicht recht waren; und sie bauten sich Höhen in all ihren Städten, vom Wachtturm bis zur befestigten Stadt.  
10 Und sie errichteten sich Gedenksteine und Ascherim auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum,  
11 und sie brachten dort auf allen Höhen Rauchopfer dar wie die Nationen, die der HERR vor ihnen gefangen weggeführt hatte. Und sie taten böse Dinge, um den HERRN zum Zorn zu reizen.  
12 Und sie dienten den Götzen, von denen der HERR ihnen gesagt hatte: So etwas sollt ihr nicht tun!  
13 Und der HERR hatte Israel und Juda durch alle Propheten <und> jeden Seher gewarnt und hatte gesagt: Kehrt um von euren bösen Wegen und bewahrt meine Gebote, meine Ordnungen, dem ganzen Gesetz gemäss, das ich euren Vätern geboten und das ich euch durch meine Knechte, die Propheten, gesandt habe!  
14 Aber sie hörten nicht, sondern verhärteten ihren Nacken gleich dem Nacken ihrer Väter, die dem HERRN, ihrem Gott, nicht geglaubt hatten.   2.Kön 17,7-14

Lassen Sie uns diese Auflistung Gottes näher betrachten:

Vers 7: Gott errettete Israel vor dem sehr bösen Pharao und Mörder ihrer Knaben, welche er in den Nil werfen liess. Dass Israel darauf jedem anderen Gott sofort nachlief, wie dem gegossenen Kalb, war sehr übel. – Uns hat Gott vor dem Teufel, der ein Menschenmörder ist, errettet, indem Er uns aufnahm und durch die Taufe aus dem Machtbereich Satans herausriss. Trotzdem vertrauen viele von uns auf weltliche Rezepturen im Blick auf das Leben und die Wohlfahrt. Vielfach ist uns jede irgendwie dahergekommene Lehre willkommen, wie das Positive Denken oder die hinduistisch angehauchte Lehre über das Leben im Hier und Jetzt. Kann uns positives Denken erretten, wenn wir uns in schlimmeren Geschehen befinden, wie es der Zweite Weltkrieg am übelsten Ort war und die Menschheit den Tod suchen, jedoch nicht finden wird (Offb 9,6). Wird uns dann positives Denken helfen, wenn es gar nichts mehr Positives gibt?

Vers 8: Israel lebte in den Ordnungen der Nationen und in den Ordnungen ihrer (bösen) Könige. Die Ordnungen der Nationen sind ungerecht. Mörder werden nicht mehr getötet, dem Bund mit Noah gemäss; sie werden verwahrt, was gegen Gottes Willen ist. Wer das befürwortet, stellt sich gegen Gottes Wort. Die Ordnungen der Nationen befürworten den Schwangerschaftsabbruch oder zumindest erlauben sie ihn. Wer das als Christ befürwortet, sagt ja zu einer Ordnung des Menschenmörders. Die Nationen erlauben mit sehr tiefen Hürden Ehescheidungen und sexuelle Unordnung. Die Nationen haben Unzucht salonfähig gemacht. Wer Ehescheidung nicht hasst (Mal 2,16) und sexuelle Entgleisungen liebt, liebt das, was der Fürst dieser Welt den Nationen verordnet. Das beginnt schon im Kleinen; es beginnt mit den philosophischen Weltanschauungen. Es müssen nicht immer die groben Entgleisungen sein. Alles, was vom Schöpfer weg in die Unabhängigkeit gegenüber Gott führt, ist teuflisch.

Verse 9-12: Israel verehrte zwar Gott, jedoch nicht so, wie Er es vorschrieb. Wenn Ihnen Ihr Chef am Arbeitsplatz sagt, sie sollen aus der Betriebskasse 200 Euro nehmen und es Armen spenden und Sie nehmen in der guten Absicht 3000 Euro und spenden das Geld in der Meinung, es würde ihren Betrieb vor anderen noch glänzender darstellen -, was denken Sie, wird der Chef seine Freude an Ihrer Handlung haben? Was wissen Sie überhaupt, ob sich das ein Betrieb mit zwei Angestellten leisten kann? Oder ob Ihr Chef noch anderweitig investieren oder spenden wollte? Vielleicht wollte er den Kranken noch etwas abgeben?
Israel hatte die Anweisung, nicht auf den Höhen zu opfern, sondern da, wo der Altar der Stiftshütte bzw. des Tempels stand. Wie steht es mit uns? Fügen wir den Verordnungen Gottes noch selbst erdachte hinzu? Israel handelt aktiv im Dienst an den Göttern der Nationen. Tun wir es auch, indem wir ihre „Lebensseminare“ besuchen?

Verse 13–14: Obschon der HERR sie anflehte: „Tut doch nicht so etwas!“, schlugen sie seine Warnungen in den Wind! Was machen wir? Handeln wir nicht genauso, wenn wir die Ermahner in der heutigen Zeit verlachen und aus der Gemeinde stossen?

Liebe Leserinnen und Leser! Sehen Sie auch, dass sich im Christentum die Geschichte Israels 1:1 wiederholt? Gott hat uns aus dem Bösen errettet. Wir erweisen Ihm dafür „Dank“, indem wir Ihm ins Angesicht sündigen und nur das tun, was uns passt, nicht das, was Er verordnet hat. Im 2.Kön 17,8b wird auch erwähnt, dass Israel sich nach dem Gottesdienst richtete, den die Könige eingeführt hatten. Jerobeam I führte zum Beispiel einen illegalen Gottesdienst in Bethel und in Dan ein, um Israel von Jerusalem, das in Juda lag, fernzuhalten. Obschon das ein offensichtliches Vergehen gegen Gott darstellte – Gott wollte, dass ganz Israel periodisch nach Jerusalem zog -, befolgten die Untergebenen Jerobeams diesen bösen Gottesdienst und hurten sprichwörtlich im geistlichen Sinne. Es bestand zwischen ihnen und fleischlich Unzüchtigen kein Unterschied, weil sie sich mit voller Hingabe dem Bösen, wie es in sexuellen Handlungen bezüglich Hingabe der Fall ist, zureichten. Wie sie damals akzeptieren wir heute die Ordnungen unserer Leiter in den Kirchen, auch wenn Hierarchien eingeführt werden, um im Volk des Herrn Jesus einen Unterschied und das Gros mundtot zu machen.

Liebe Leserinnen und Leser! Gehen uns diesbezüglich immer noch nicht die Augen auf? Fragen wir uns tatsächlich noch, weshalb der Heilige Geist so viel Platz in der Schrift für die Sabbatruhe aufwendet? Fragen wir uns immer noch, wo wir doch jetzt viel über die Sabbatruhe geschrieben haben, weshalb durch den nachfolgenden Vers heute wieder ermahnt wird?

Lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams falle!    Hebr 4,11  

Es ist zu hoffen, dass wir uns diesbezüglich nicht mehr fragen und uns viel mehr befleissigen, in die Ruhe zu kommen! Amen!

Vers 12

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens;   Hebr 4,12 

Das Wort Gottes ist lebendig. Es kann individuell zum Hörer oder zum Leser sprechen und die Betonung genau auf das legen, was beim betreffenden Menschen noch zu tun ist. Zudem ist es wirksam; es kommt nicht ohne Einfluss zurück, auch wenn es der Mensch verwirft und als wirkungslos einstuft. Tritt dieser Fall ein, so wird ihn das gehörte Wort am Gerichtstag zur härteren Strafe führen, da dieser Mensch zwar gehört, aber nicht umgesetzt hat. Durch das Hören des Wortes kommt der Mensch in eine noch grössere Verantwortung zu derjenigen, die er durch die herrlichen Offenbarungen Gottes in der Schöpfung ohnehin schon hat. Das Wort ist zudem sehr scharf in der Unterteilung. Es scheidet das Gute nicht diffus vom Bösen. Das Wort trennt das Böse scharf vom Guten, wie gleissendes Licht vom Dunkel trennt.

Vers 13

und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloss und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.    Hebr 4,13  

Dieser Vers sagt aus, dass kein Mensch vor Gott etwas verbergen kann. Menschen kann man anlügen, Gott nicht. Wer bei Menschen durch seine Wohltaten hoch geehrt ist, ist es nicht bei Gott, wenn sie aus Berechnung zustande kommen.

Heutzutage gibt es viele Prominente, die sich unterweisen lassen bezüglich Verhalten zur Akzeptanz. Sobald ihr Image angekratzt ist, spenden sie hier und dort für einen guten Zweck, was in der Regel bei den Menschen gut ankommt.

Gott sieht nicht auf nichtige Äusserlichkeiten. Gott sieht die Beweggründe im Herzen eines jeden Individuums. Er sah neben einer armen Frau, die einen sehr geringen Betrag einlegte, viele Reiche hohe Beträge in den Schatzkasten des Tempels einlegen und unterschied den Wert der Gaben sofort in Gerechtigkeit (Mk 12,41-44). Wer also glaubt, Gott täuschen zu können und den Egoismus und Eigendünkel hinter oberflächlichen Almosen oder einer Scheinfrömmigkeit zu verstecken sucht, soll wissen: Solches funktioniert vielleicht vor Menschen, vor Gott funktioniert es nicht.

Vers 14

Da wir nun einen grossen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten!    Hebr 4,14   

Wieso sollten wir das Bekenntnis im Blick auf unseren grossen Hohenpriester nicht festhalten? Ist es nicht normal, zu Ihm zu stehen? – Leider ist es nicht selbstverständlich, dass der Christ zu seinen Beteuerungen hält. Sogar der sehr gute und treue König Hiskia nahm anfänglich dem HERRN gehörende Schätze, um sich selbst im Krieg gegen die Assyrier zu helfen (2. Kö 18,16). Hiskia machte sogar seine Opfergabe rückgängig, was auf ein völlig verlorengegangenes Gottvertrauen hinwies, auch wenn er dafür grosse Not anführen konnte.

Genau so können wir in Versuchung fallen und uns zu etwas Törichtem verleiten lassen, wenn der Druck von aussen und unsere Angst einen gewissen Grad übersteigen. Der Vers 14 dieses Kapitels will das vermeiden: Wer Christus kennt und weiss, dass Ihm alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist; wie könnte ein solcher mit Blick auf den HERRN die Hoffnung von Ihm weg auf etwas anderes setzen? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit!

Wer Christus jedoch nicht richtig erkannt hat, steht in grösster Gefahr, bei allfälliger Bedrängnis den Glauben an Ihn zu verlieren. So ein Mensch wird seine eigenen Methoden oder jene der Nationen anwenden, um aus der Notlage zu kommen, statt still auf den HERRN zu vertrauen (Jes 30,15), selbst wenn er sich früher einmal mit den Lippen zu äusserstem Gottvertrauen bekannt hat.

Vers 15

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise <wie wir> versucht worden ist, <doch> ohne Sünde.    Hebr 4,15   

Unser Hohepriester ist in allem in gleicher Weise versucht worden, sogar noch mehr. Oder wem von uns hat der Fürst dieser Welt persönlich und leibhaftig die Weltherrschaft angeboten? Christus wurde durch äusserste Verlockungen geprüft. Was würden wir im Gegenzug bereits verleugnen, wenn uns ein Managerjob angeboten würde? Was nähmen wir manchmal dafür in Kauf, vor allem die unerfahreneren von uns! Nicht wenige würden für sich grosse Teile ihrer Freizeit und der Zeit, die dem HERRN und der Familie gehören, für ihre Zwecke stehlen! Und das nur für eine kleine Managerstelle, die heute ist und morgen wegrationalisiert wird! – Christus wurde mehr als das angeboten. Ihm wurde mehr geboten als die Präsidentschaft des heute militärisch stärksten Landes, den Vereinigten Staaten. Ihm wurde die Herrschaft über alle Präsidenten, Könige und Würdenträger sowie deren Annehmlichkeiten angeboten. Er hätte im Vergleich die Vorzüge eines CEO eines weltumspannenden Konzerns als Almosengabe sehen können! Als Alternative stand Ihm der schmachvolle Weg zum Kreuz bevor.

Christus wählte zu unseren Gunsten den Weg, den wir nicht gewählt hätten. Wir waren an Zielverfehlungen gewöhnt und sündigten naturgemäss. Auch heute noch, als Christen, ist unser Wandel nicht durchgehend frei von eigenen Wegen. Christi Wandel war trotz fiesesten und verlockendsten Versuchungen frei von jedem Makel!

Dieser Christus weiss, wie es in der Welt zu und her geht. Er kann in allem Mitfühlen und Mit-Empfinden. Er bittet nicht irgendwie und mit verständnislosem Kopfschütteln für uns beim Vater. Er kennt jede Art der Versuchung und steht dementsprechend intensiv für uns ein, auch wenn wir uns manchmal nicht einmal dessen bewusst sind (siehe Lk 22,31.32)!

Lassen Sie uns mit Blick auf diesen HERRN nicht ermatten! Amen.

Vers 16

Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!    Hebr 4,16  

Dieses Kapitel schliesst der inhaltlichen Aussage gemäss genau so, wie es angefangen hat. Die Aussage am Anfang war, dass wir uns fürchten sollen, damit wir uns die geschenkte Ruhe nicht nehmen lassen, dass wir sie uns nicht verspielen. Der letzte Vers weist wieder genau auf dieselbe Tatsache hin, einfach aus einem anderen Blickwinkel. Es gibt schon einige unter uns, welche die Ruhe aus den Händen gegeben haben, um in der Welt zu glänzen. Diesen ist hiermit gesagt, dass sie zurück in den gewohnten Auftrag eines wahren Gotteskindes gehen sollen. – Warum sollten sie das tun? – Damit sie die Hilfe Gottes noch rechtzeitig erhalten! Es gibt eine Zeit, wo diese Hilfe nicht mehr möglich ist: Dann ist „der Zug abgefahren“! Um sechs Uhr in der Früh haben Sie viel Zeit sich vorzubereiten, wenn Sie den Zug, der am nahe gelegenen Bahnhof um Punkt neun Uhr fährt, nehmen müssen. Selbst wenn sie verschlafen und erst um acht Uhr aufwachen, bleibt noch Zeit dazu. Um halb neun aufstehen kann auch noch reichen, vielleicht sind Sie dann etwas ausser Atem im Zug und konnten vorgängig nicht mehr Frühstücken. Wer aber erst um neun Uhr merkt, dass er hätte etwas tun müssen, wird spätestens an der Gleiskante des Bahnhofs merken, dass der einzige Zug, der ihn vor der grossen Trübsal abgeholt hätte, abgefahren ist. Ein solcher kann weinend oder fluchend hinter den Schlusslichtern des vielleicht noch sichtbaren Zuges hinterher gestikulieren: Er hat die Zeit der rechtzeitigen Hilfe verpasst; ein solcher Christ bleibt zurück.

Durch viele Beispiele in der Bibel wird uns das von Gott veranschaulicht. Durch die Ernte, die wir als Landwirte verlieren können, wenn wir nicht säen; durch Vorbereitungen im und für den Beruf wird es auch dargelegt. Wer keine Ausbildung macht, wird nicht zu einem qualifizierten Berufsmann bzw. zur qualifizierten Berufsfrau. Alles braucht seine Zeit, wie auch das Beschaffen der Hochzeitkleidung. Die einen schaffen eine Aufgabe in kürzerer Zeit, andere brauchen etwas länger dafür. Doch niemand kann ein wohntaugliches Haus in 10 Minuten bauen. Wenn wir zu unserem Beispiel mit dem Zug kommen, ist bereits um 08:57 Uhr Schluss. Wer dann noch im Bett liegt, hat keine Chance mehr, da selbst ein Spurt im Schlafgewand mehr Zeit als drei Minuten abverlangen würde. Und selbst wenn es noch für einen Sprung auf die Kupplung des letzten Wagens reicht: Ein solcher „Schlaufuchs“ wird am Zielbahnhof wieder zurückgeschickt werden, weil er es versäumt hat, sich korrekt anzuziehen. Zur Hochzeit darf nur kommen, wer sich darauf vorbereitet hat. Wer das gemacht hat, hält sich die entsprechenden Kleider bereit. Wer sich darum nicht kümmert, hat keine Festkleider bereit liegen. Einem solchen wird es so ergehen:

12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte.  
13 Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füsse und Hände, und werft ihn hinaus in die äussere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.  
14 Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte.   Mt 22,12-14 

Liebe Leserinnen und Leser! Wir sind zur Hochzeit des Lammes eingeladen. Diese ist plötzlich da, was ich mit dem Beispiel des pünktlich abfahrenden Zuges veranschaulichen wollte. Die Bereitschaft für diese Hochzeit muss während des Lebens heranreifen und dementsprechende Vorbereitungen müssen getroffen werden. Wer sich also besonders klug hält und denkt, er würde die lästigen Vorbereitungen überspringen und einfach ohne weiteres mit den falschen Kleidern auf den Zug aufspringen können, soll spätestens ab heute wissen: Er wird so vom Gastgeber nicht aufgenommen werden; ein solcher stört die Ruhe und das Fest des HERRN, denn er ist in einem völlig falschen Zustand. Lassen Sie uns daher diesen Vers beherzigen:

Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!    Hebr 4,16    

Empfangen wir Barmherzigkeit und lassen Sie uns Gnade finden, indem wir rechtzeitig vom Schlaf aufwachen! Alles braucht seine Zeit, auch Hochzeitsvorbereitungen, selbst wenn es nur um das Zusammenstellen der passenden Kleidung geht. Es kommt die Zeit, wo es für einige zu spät sein wird. Amen.

Kapitel 5

Vers 1

Denn jeder aus Menschen genommene Hohepriester wird für Menschen eingesetzt im Blick auf das <Verhältnis> zu Gott, damit er sowohl Gaben als auch Schlachtopfer für Sünden darbringe,    Hebr 5,1

Ein aus Menschen genommener Hohepriester wird für Menschen eingesetzt. Er wird nicht für Engel eingesetzt. Ein solcher soll sein Tun und seine Arbeit verstehen. Er soll wissen, für was er etwas tut. Unerfahrene sowie Junge unter uns können diese Arbeit nicht so gut verstehen wie die Alten. Mit der Zeit werden jedoch auch sie sich als Menschen besser kennen und in der Tiefe begreifen lernen, was der Mensch wirklich in der Beziehung zu Gott braucht. Die Alten gingen auf die Aussage Christi, wer ohne Sünde sei, soll den ersten Stein auf die fehlbare Person werfen, zuerst vom Platz (Joh 8,7). Sie wussten zu was ein Mensch durch die innewohnende Sünde fähig ist, wenn sich die Umstände für den Ungehorsam gegenüber Gott häufen und sich daraus eine perfekte Konstellation zur autonomen Initiative ergibt. Ein beispielsweise zu Jähzorn neigender Mensch braucht nur einige übereinstimmende Auslöser, die ihm vorgaukeln, dass sein Zorn gerechtfertigt ist. Dann lässt er seinem Unmut freien Lauf und vergisst, dass er sich als Christ nicht mehr selbst gehört und in jedem Fall nach dem Sinn Christi fragen sollte.

All das kennt ein weiser Hohepriester und ist aus diesem Grund auch für diesen Dienst geeignet, den er ohne zu Murren und im Wissen der absoluten Notwendigkeit getreu für sich und seine Zeitgenossen ausführt.

Vers 2

wobei er Nachsicht zu haben vermag mit den Unwissenden und Irrenden, da auch er selbst mit Schwachheit behaftet ist;    Hebr 5,2 

Die schlechtesten Priester unter uns sind die stolzen. Christen, die glauben, besser zu sein als andere, kennen sich selber noch nicht richtig. Sie wurden nicht in Allem versucht, vor allem nicht in ihren schwächsten Stunden oder den am leichtesten verwundbaren Stellen. Sie taugen in ihrem Zustand nicht für den Priesterdienst. Ihre Gebete können nicht erhört werden, weil sie heuchlerisch sind. Wenn sie für jemanden bitten, bitten sie nicht so für ihn, wie sie sollten, weil sie minderwertig von dieser Person denken.

Die tauglichen Priester haben ihre Vergangenheit nicht vergessen. Sie wissen, dass sie früher – auch wenn sie jetzt von diesen Mängeln geheilt sind – schwach waren und nicht wie Christus, unser Hohepriester – gefeit vor Sünde waren. Es gibt keinen Menschen ausser Christus, der gänzlich ohne Sünde ist. Daher ist Hochmut gänzlich fehl am Platz. Auch in Gemeinden, wo es Geschwister gibt, über die man am liebsten den Kopf schüttelt: Solange sie sich immer wieder korrigieren lassen, gibt es keinen Grund, den Dienst für sie einzustellen:

21 Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?  
22 Jesus spricht zu ihm: Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal sieben<mal>!  
23 Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.  
24 Als er aber anfing, abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete.  
25 Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und <damit> zu bezahlen.
26 Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen.
27 Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und erliess ihm das Darlehen.
28 Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist!  
29 Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen.
30 Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe.
31 Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war.
32 Da rief ihn sein Herr herbei und spricht zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest.
33 Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?  
34 Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war.  
35 So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.   Mt 18,21-35 

Erst wenn sich jemand aus unseren Geschwistern für einen sehr bösen Weg entscheidet, ohne umzukehren zu wollen, ändert sich die Sachlage. Dann kann es sogar so weit kommen, dass uns der HERR verordnet, den Priesterdienst für diesen Menschen einzustellen (1. Joh 5,16).

Vers 3

und um ihretwillen muss er, wie für das Volk so auch für sich selbst, der Sünden wegen opfern.   Hebr 5,3

Ein Hohepriester aus den Söhnen Aarons musste der Sünden wegen für das Volk sowie auch für sich selbst opfern. So wurden die Priester in Weisheit durch Gott eingesetzt, damit sie verständnisvoll und nachhaltig für das Volk Fürbitte taten. Nachlässige oder stolze Hohepriester waren völlig fehl am Platz, denn das Volk brauchte im Recht eingesetzte Opfer und Menschen, die sie in Reinheit darbrachten. Wer das nicht lieferte, musste entfernt werden (1. Sam 2,12-17). Weil die Söhne Elis das nicht brachten, liess der HERR in der Folge Samuel, anstelle der Nachkommenschaft Elis, vor sein Angesicht treten.

Wie bereits erwähnt, Priester konnte längst nicht jedermann werden, die Abstammung und Auswahl bzw. das Herz mussten stimmen. Auch wenn die Abstammung in Ordnung war, konnte es ohne weiteres vorkommen, dass sich der HERR für jemand anderen entschied, weil Er auf das Herz achtgab.

Vers 4

Und niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron.    Hebr 5,4  

Für diesen Dienst, wie für alle Dienste im Reich, nimmt sich selbst niemand die Ehre; niemand beansprucht ihn einfach von sich aus. Entweder wird man hineingeboren oder dafür nominiert. Aaron wurde nominiert, seine Nachkommen hineingeboren. Ein priesterliches Geschlecht wurde bei Eli gestoppt, darauf wurden Richter berufen. Der HERR musste dabei niemanden fragen, welche Dienste Er fortan haben wollte.

Schon das damalige Hineingeboren-Werden im Alten Testament zeigt sinnbildlich auf, dass wir zuerst auch ins priesterliche Geschlecht geboren werden müssen, bis es uns erlaubt ist, als Priester zu fungieren. Viele Kirchenleute waren und sind nicht einmal wiedergeboren. Somit sind sie weder von Gott eingesetzt noch bevollmächtigt. Ihren vermeintlichen Status haben sie lediglich aufgrund von menschlichen Auswahlverfahren, die vor Gott nicht zählen. Und doch haben die Kirchen dieses Verfahren so fest in der Rekrutierung neuer „Kirchendiener“ verankert, dass heute die menschliche Auswahl über derjenigen Gottes steht. Das ist ein sehr grosses Übel. Somit ist es nicht verwunderlich, dass in Kirchen geistliche Autorität nicht zu finden ist, obschon sie bei echten Dienern Gottes nicht fehlt. Weil viele Menschen, statt Gott zu fragen, dem Nichts nachgelaufen sind in Angelegenheiten des Lebens, sind sie selber zu Nichts geworden, wie geschrieben steht:

So spricht der HERR: Was haben eure Väter Unrechtes an mir gefunden, dass sie sich von mir entfernt haben und dem Nichts nachgelaufen und <selber> zu Nichts geworden sind?   Jer 2,5 

So sind heute viele Priester und Pfarrer nicht mehr als Lachnummern und ziehen sich statt Respekt Spott und Hohn zu. Diesbezüglich ist nicht die Gemeinschaft böse bzw. respektlos geworden, vielmehr haben die sogenannten Kirchenleute den Weg verlassen und sich auf menschliche Weisheit gestützt, statt den echten Gott und Richter zu suchen.

Nach welchen Kriterien handeln Sie, liebe Leserinnen und Leser? Ist es für Sie keine Frage, durch wen jemand im Reich Gottes eingesetzt wird? Oder denken Sie tatsächlich, dass die Jahrhunderte alte Tradition der falschen Nominierungen durch Menschen plötzlich von Gott anerkannt wird, weil sie in der Gesellschaft etabliert ist?

Fürchten wir uns vielmehr davor – Gott lässt sich nicht verspotten -, nicht nach seinen Grundsätzen zu leben! Amen!

Vers 5

So hat auch der Christus sich nicht selbst verherrlicht, um Hoherpriester zu werden, sondern der, welcher zu ihm gesagt hat: »Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt.«   Hebr 5,5  

Selbst Christus, unser Vorbild in allen Dingen, der durch sein Leben bewiesen hat, dass nur Er es wirklich schafft, ein Leben ohne Zielverfehlung zu leben, beanspruchte nicht von sich aus ein geistliches Amt. Der Vater setzte ihn dazu ein.

Sehen Sie den Unterschied, liebe Leserinnen und Leser? Derjenige, der als Einziger untadelig ist und als einziger die erforderlichen Qualifikationen erfüllte, nahm nicht von sich aus ein Amt. Selbst Er liess sich dazu vom Vater nominieren. Die Menschen machen es sich diesbezüglich viel einfacher: Sie nehmen sich einfach, ohne nach einer Legitimation oder Einsetzung seitens Gottes, was sie vorfinden. Zwar ist das nichts Neues, schon früher wurden Personen in Ämter eingesetzt, wozu sie aber keine Berechtigung seitens des HERRN hatten:

Nach dieser Begebenheit kehrte Jerobeam von seinem bösen Weg nicht um, sondern machte weiter <Leute> aus dem gesamten Volk zu Höhenpriestern; wer Lust hatte, den weihte er, dass er ein Priester der Höhen wurde.    1.Kön 13,33 

Wer Lust hatte, wurde unter Jerobeam geweiht, niemand fragte nach der dazu notwendigen Abstammung von Levi. Wie es früher war, ist es auch heute: Wer will, kann Kirchendiener werden. Wer Theologie studiert hat, kann Pfarrer oder Priester werden und einer Gemeinde vorstehen, ob er wiedergeboren ist oder nicht, spielt keine entscheidende Rolle! Was in Landeskirchen gang und gäbe ist, kommt ebenfalls in sogenannten freien Gemeinden zur Anwendung. – Wie weit haben wir uns von Gott entfernt! Und wie gerecht ist es, wenn auch über Gottes neutestamentlichem Volk ein sehr hartes Gericht hereinbricht!

Wer dem HERRN wirklich dienen will, soll seine Nomination abwarten und sich solange in der Stille und Zurückhaltung üben. Amen.

Vers 6

Wie er auch an einer anderen <Stelle> sagt: »Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.«    Hebr 5,6  

Gott setzt seinen Sohn als Priester ein. Durch die Einsetzung durch den Vater wurde Christus Hoherpriester. Und er wurde nicht einfach irgendein Hoherpriester. Er wurde es nach der Ordnung Melchisedeks. Wir erinnern uns: Melchisedek kam Abraham entgegen, als dieser Lot befreit hatte. Von Melchisedek ist kein Anfang und kein Ende bekannt; seine Ordnung schattet Christi Status als ewiger Hoherpriester voraus. Christus ist ein einzigartiger Hoherpriester; Er ist nicht nach der Ordnung Levis eingesetzt, worin sich Hohepriester durch den Tod ablösen mussten, um den Dienst fortbestehen zu lassen. Christus ist „Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks“. Amen.

Vers 7

Der hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten kann, und ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden  Hebr 5,7  

Christus hat in den Tagen „seines Fleisches“, also in den Tagen, wo er wie wir in Gleichgestalt auf der Erde lebte, mit starkem Geschrei und Tränen zu Gott gebetet und gefleht. Christus bat nicht im Halbschlummer auf dem Bett liegend förmliche Gebete. Christus setzte sich mit aller Kraft, mit dem ganzen Sein als Priester ein, nicht so, wie es Menschen tun.

Er war bereits aus dem Blickpunkt seiner Abstammung und seines sündlosen Lebens um Meilen würdiger als jeder andere Mensch für das Amt, Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks zu werden. Das Zeugnis über die Ausübung seiner Fürbitten, welches dieser Vers abgibt, vergrössert seinen bis hierher beleuchteten und nicht mehr zu übertreffenden Vorrang nochmals um Lichtjahre. – Niemand ist so herrlich wie Christus! Amen.

Vers 8

und lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam;   Hebr 5,8 

Christus unterwarf sich als Mensch durch seine Erniedrigung auch der menschlichen Entwicklung. Er wurde als Baby geboren und kam nicht direkt als Erwachsener auf die Erde. Er durchlebte den Prozess wie wir, auch als Kind. Er versteht selbst Kindergebete in der Tiefe als Gott und durch eigene Erfahrung als Mensch. Er, der gepriesen ist in Ewigkeit, setzte sich dem menschlichen Reifeprozess aus, welcher auch ein lebenslanges Lernen ist. Damit lernte Er als Mensch die Hausordnung Gottes, so unglaublich es klingt, obschon er selber Gott war. So wurde Er uns in allem zum Vorbild!

Was für Entbehrungen hat der HERR da für uns freiwillig auf sich genommen, damit wir in allen Punkten Erleichterung haben dürfen! Und was für Entbehrungen nahm Er nur schon in Kauf, indem er den Weg der Fleischwerdung wählte. Ein gottgefälliges Leben im Fleisch ist nur durch Entbehrungen möglich, denn die Welt bietet sehr viel an, was dem Menschen zwar gefällt, unter der Regierung des Teufels aber zur Zielverfehlung vor Gott, zur Sünde, gereicht. Die Verleugnung dieser sündhaften Angebote führen wiederum zu Leiden, nicht zuletzt bringen sie auch die Verfolgung der Weltmenschen auf uns, da es weltlich gesinnten Menschen nicht passt, wenn wir als Christen sündhaftes Tun als böse vor Gott deklarieren. Dies kann auch unausgesprochen geschehen, nur schon durch die Tatsache unserer Distanz zu diesen Dingen.

Im Zweiten Petrusbrief ist von einer Entwicklung des Christen die Rede:

5 eben deshalb wendet aber auch allen Fleiss auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis,  
6 in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, in dem Ausharren aber die Gottseligkeit,  
7 in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe!   2.Petr 1,5-7  

Christus lernte den Gehorsam, wie es der Mensch im Fleisch lernen sollte, indem Er das Fleissig-Sein und im Glauben sittliche Bewährung beweisen musste. Er bekam die Erkenntnis zur Enthaltsamkeit und folglich für das Ausharren während all seiner Tage. Gottseligkeit bzw. echte Frömmigkeit erreichte Er nachweislich als Mensch, wofür Ihn der Vater lobte (Mt 3,17). Er liebte seine Brüder und reichte die Liebe Gottes (agape gr.) dar. Alle diese Dinge musste Er sich aneignen; Er konnte nicht aus der Krippe in Bethlehem aufstehen und sie tun. Er lebte das Leben eines Menschen -, so sehr erniedrigte Er sich um unseretwillen, um uns zu retten! Dieser ganze Kampf bedeutete Leiden, die Umwandlung eines Menschen vollzieht sich nicht im Genuss bzw. in der Schwelgerei und dem faulem Zurücklehnen. Fleissig sein ist Arbeit, sittliche Bewährung ist teilweise Selbstverleugnung. Enthaltsamkeit ist wieder ein Verlust und Ausharren ist ein Warten auf etwas, das (noch) nicht da ist.

Tun wir es Ihm gleich im Blick auf Gott und unsere Nächsten? Setzen wir unsere Rechte auch freiwillig beiseite, um für andere vor Gott einzustehen oder um ihnen einen notwendigen Liebesdienst zu tun?

Vers 9

und vollendet, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden,   Hebr 5,9 

Christus lernte als Kind nicht nur sprechen und gehen, Er war und ist der perfekte Mensch. Er ist allen, die Ihm gehorchen, Urheber ewigen Heils. Er ist nicht allen Urheber ewigen Heils. Er ist allen, die Ihm gehorchen, Urheber ewigen Heils. Amen.

Vers 10

von Gott begrüsst als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.   Hebr 5,10  

Dieser Vers bestätigt noch einmal und macht fest, dass Christus als ewiger Hoherpriester durch Gott eingesetzt wurde. Gott begrüsst Ihn in der Eigenschaft als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks. Melchisedek steht, wie bereits erwähnt, für jemand, der ein Amt seit Ewigkeiten bekleidet und es auch in Zukunft tun wird. Er steht also für einen Menschen mit unwiderruflicher Einsetzung.

Vers 11

Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid.   Hebr 5,11  

Getrieben durch den Heiligen Geist äussert der Autor des Briefes mit diesem Vers seine Bedenken und über die Unzulänglichkeit der Hebräer, die ganze Botschaft, die der Heilige Geist übermitteln möchte, aufzufassen. Die Hebräer waren im Hören träge geworden. Weshalb das so weit gekommen war, wird hier noch offen gelassen. Im Folgenden kommt der Vergleich mit einem Landstück (Heb 6,7). Wenn das Land den Regen, der darauf kommt, trinkt und gute Frucht hervorbringt, empfängt es Segen von Gott. Wenn es aber nur Böses hervorbringt, kommt der Fluch über es. – So ist es auch mit dem Menschen: Gott stellt Regen im geistlichen Sinne bereit; Gott stellt alles bereit, was nötig ist, geistliche und gute Früchte hervorzubringen. Die Landstücke* aber (*gemeint sind die Menschen), die Gottes Regen nicht trinken und gute Früchte hervorbringen, ziehen sich den Fluch zu, denn Gott lässt nichts aus, was nötig ist, um gute Frucht produzieren zu können.

Wer sich also nicht von Gott leiten und durch sein Wort inspirieren lässt, wird im Hören träge und kann nicht mehr die ganze Botschaft Gottes aufnehmen. Ein solcher Christ dümpelt zwischen dem Anfang und der Vollendung in einer Endlosschleife umher und kommt nicht weiter; wir sehen an dieser Stelle, dass dieses Problem bereits bei den Hebräern aufgekommen war.

Wir tun also sehr gut daran, dass wir uns im Blick auf das Wort Gottes weise verhalten und den ganzen Regen des Segens, der auf uns kommt, trinken und so der Vollendung mit jedem Tag näher kommen. Amen.

Vers 12

Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise.   Hebr 5,12 

Jeder Wachstumsprozess braucht eine ziemlich genau definierte Zeit. Wie ein Mensch nach neun Monaten reif zur Geburt ist, ist es eine Pflanze zu ihrer Zeit, deren Samen in den Boden gesetzt wird. Die Menschen in der Gartenbaubranche können Sie diesbezüglich genau beraten, wenn Sie in Sachen Pflanzen einen fachlichen Rat benötigen.

Wie sieht es mit dem geistlichen Samen aus, den Jesus als Säemann gesetzt hat? – Die Bibel sagt über die Hebräer aus, dass sie ihrem Stand gemäss die gewöhnliche Wachstumszeit weit überschritten hatten. Sie hätten nicht nur ausgebildet sein sollen; vielmehr hätten sie zu jenem Zeitpunkt bereits die Fähigkeiten haben müssen, andere auszubilden. Wachstumsmässig stand es kümmerlich um die Hebräer, sie waren im Stadium eines Säuglings bzw. eines Kleinkindes. In diesem Wachstumsstand muss der Mensch mit Milch gefüttert werden; er kann noch nicht feste Speise aufnehmen.

Dieser niedrige Wachstumsstand kann heute auch in vielen Gemeinden beobachtet werden -, wie oft habe ich das erlebt! Geschwister wissen nicht viel mehr, als dass Christus bei ihrer Errettung vor der Hölle eine wichtige Rolle spielt. Der Wachstumsstand ist, wie erwähnt, gleich demjenigen eines Kleinkindes, welches über seine Mama erst weiss, dass sie eine wichtige Rolle in seinem Leben einnimmt. In den Gottesdiensten dreht es sich Sonntag für Sonntag um das Kreuz, dessen Wichtigkeit diskussionslos eine zentrale Rolle spielt. Es wird aber lehrmässig nicht weiter aufgebaut, dass es für die Zuhörer eine Möglichkeit gibt, je das Erwachsenenalter zu erreichen.

Es kann deshalb offensichtlich allgemein von einem gestörten Wachstum im Christentum gesprochen werden. Es herrschen leider vielerorts dieselben Zustände, wie damals bei den Hebräern.

Vers 13

Denn jeder, der noch Milch geniesst, ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger;    Hebr 5,13  

Diese Erklärung des Heiligen Geistes ist klar und unmissverständlich: Im Glauben gibt es Reifegrade, wie beim natürlichen Wachstum des Menschen. Wer im Blick auf Gott erst den Stand eines Kleinkindes erreicht hat, soll nicht viel sprechen, vor allem nicht, wenn er schon über viele Jahre Christ ist. So ein Mensch entlarvt sich selbst als geistliches Kindlein, das nicht mehr von sich geben kann als Brabbelworte.

In meiner Laufbahn habe ich viele solche Kindlein gesehen, die sehr gross von sich dachten. Sie schwangen hochtrabende Worte und erklärten ihrer Umgebung, wie Gott denkt und fühlt! – Solchen rate ich heute, dass sie sich erst einmal täglich die Bibel zu Gemüte führen und ihrem Geist auf diese Weise Nahrung eingeben, um erst weiter zu Wachsen und der Mündigkeit entgegen zu streben. – Nebenbei Hand aufs Herz: Ein einziger Vers pro Tag reicht einem Säugling vielleicht am Anfang, doch nicht einem arbeitenden Diener des HERRN. Wenn Ihre Nahrung pro Tag ein Kalenderblatt mit einem Bibelvers ist, müssen Sie diesbezüglich noch sehr, sehr klein sein, sollte Ihnen das bereits ausreichen.

Vers 14

die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen. Hebr 5,14

Geübte Sinne in einer Sache zu haben, dauert lange. Der Mensch lernt langsam, das können Sie jeden Hirnforscher fragen. Wenn Sie nach einem Intensivkurs die gelernte Thematik nicht mehr anwenden, entschwindet sie schnell wieder. Selbst gute Klavierspieler sinken nach längeren Pausen sehr im Spielniveau. Auch wenn die Grundbegriffe und -griffe mehr oder weniger bleiben; vor einem Konzert muss wieder tüchtig geübt werden, wenn hohes Niveau gefragt ist.

Feste Nahrung (im übertragenen Sinn: ein kompliziertes Notenblatt) kann der Mensch nur aufnehmen, wenn er darauf vorbereitet ist. Wenn er geistlich zum Kleinkind zurück mutiert, kann er feste Speise nicht aufnehmen. Damit die geistlichen Sinne geübt sind und bleiben, ist ein fortwährendes Training erforderlich; ein fortwährender Umgang mit geistlichen Dingen ist vonnöten.

Geübte Sinne im Geistlichen helfen dem Individuum sehr im Leben. Hätten die Staatskirchen mehr geistliche Übung, würden sie ihr geistliches Absterben erkennen. Wie sollten sie das aber tun können, wenn es sich in den Predigten meistens nur um Grundlagen dreht oder gar Ungläubige als Diener nominiert werden? Kleinkinder sind – alleine auf sich gestellt – nicht lebensfähig. Sind Sie, liebe Leserin und lieber Leser, in geistlichen Dingen urteilfähig? Oder fallen Sie auf vom Teufel angezettelte Kirchentrends herein? Erkennen Sie tote Gemeinden als solche und andere als abtrünnig, die den Heiligen Geist verspotten, indem sie in ihren Zusammenkünften herumgackern wie Hühner und sich aufführen wie Tiere? – Vielleicht können Sie offensichtliche Sachen als gut bzw. böse auseinander halten. Wie steht es dann aber, wenn die Verführungen subtil daher kommen? Fallen wir herein, wenn der Teufel als Engel des Lichts aufkreuzt, wenn alles Äusserliche stimmt und es nur in einem winzigen Punkt vom Wort Gottes abweicht? – Da sind geübte Sinne gefragt, liebe Leserin und lieber Leser! – Halten wir unsere Sinne in beständiger geistlicher Übung! Amen.

Kapitel 6

Vers 1

Deshalb wollen wir das Wort vom Anfang des Christus lassen und uns der vollen Reife zuwenden und nicht wieder einen Grund legen mit der Busse von toten Werken und dem Glauben an Gott,    Hebr 6,1   

Genau deshalb, weil wir nicht mehr bei der Milch bleiben wollen, sondern im Gesamten wachsen, sollen wir auf die Grundlagen aufbauen! Wir wissen, dass wir nicht im Eigendünkel tote Werke produzieren sollten. Wir wissen, dass es nur in Christus eine Rechtfertigung gibt vor Gott. Das haben wir ja bereits alles erfahren.

In keiner wichtigen Thematik kommt man nur bis zum Buchstaben "C" des Alphabets. Nach drei Buchstaben folgen noch über 20 weitere! Wieso sollen wir nach drei Buchstaben in Bezug auf biblische Inhalte aufhören und uns wie Babys darin bewegen? Haben wir beim Autofahren lernen beim Wissen über ein vorhandenes Lenkrad die Ausbildung ausgesetzt? Können wir jetzt – wie es viele unserer Geschwister bezüglich der Bibel tun – nur über die wundersame und unergründete Mobilität des Autos sprechen, welches sich durch Drehbewegungen am Lenkrad nach links, geradeaus oder nach rechts dirigieren lässt?

Ist es nicht vielmehr so, dass wir für den Führerschein viel Geld bezahlt, Technik und Verkehrskunde gebüffelt haben und uns anstrengten, durch die Autofahrprüfung zu kommen? – Und wie viel weniger Wert hat das Wissen über Auto und Verkehr, wie jenes bezüglich der Hausordnung Christi! Und doch – es ist schizophren – investieren nicht wenige Geschwister viel mehr in die Berufsausbildung, Fahrprüfung, Ferienplanung, das Erlernen von Hobbys und das Täfeln des eigenen Hauses (Hag 1,4ff)!

Urteilen Sie selbst, liebe Leserin und lieber Leser, ob es zudem recht ist, Sonntag für Sonntag nur etwas über das Kreuz Christi zu predigen und dabei keinen Schritt weiter zu gehen. Sollten wir nicht „nicht wieder einen Grund legen mit der Busse von toten Werken und dem Glauben an Gott“?

Vers 2

der Lehre von Waschungen und der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht.   Hebr 6,2 

Ebenso die Lehre von Waschungen aus dem Alten Testament, welche im übertragenen Sinn auch auf die Reinigung durch das Wort hinweist (Eph 5,26) sowie jene der Handauflegung und der Auferstehung der Toten, worüber teilweise wenig bis gar keine Kenntnis unter dem Volk Gottes vorhanden ist, gehören zu den Grundlagen, spricht der HERR durch dieses Bibelwort.

Prüfen wir uns diesbezüglich! Sind die erwähnten Themen bereits solche, über die wir nicht viel wissen? – Dann müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht einmal über Grundlagenkenntnisse in Bezug auf Gottes Reich verfügen! – Glückselig jene Menschen aus dem Volk Gottes, die schon darauf aufbauen und die ganze Verfassung des Reiches ergründen wollen! Amen.

Vers 3

Und dies werden wir tun, wenn Gott es erlaubt.    Hebr 6,3

Der Autor des Hebräerbriefes und seine Mitstreiter haben sich vorgenommen, aufbauende Lehre zu verkündigen. – Das ist ja alles herrlich und plausibel, weshalb fügen sie denn noch ein „wenn Gott es erlaubt“ an? – Weil längst nicht alle würdig sind, das ganze Wort Gottes zu hören.

Erinnern wir uns? Gott lässt keine Perlen vor die Schweine werfen! Ob jemand Christ, Jude oder Heide ist: Ist ein Wort zu hoch für ihn, kommt es nicht vor ihn. Es gibt zu erhabene Worte und solche, von denen es Menschen nicht geziemt, mit ihnen zu hausieren (2. Kor 12,4, ferner Offb 10,4). Auch gibt es viele Gemeinden, in denen es fast ausschliesslich geistliche Babys gibt; solche Versammlungen können noch gar keine weiterführende Worte ertragen bzw. aufnehmen (Joh 16,12).

Wahrhaftige Verkündiger tun deshalb gut daran, wenn sie – wie der Autor des Hebräerbriefes – Gott in allen Dingen fragen, auch in solchen, die klar zu sein scheinen.

Vers 4

Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind   Hebr 6,4  

Dieser und die folgenden zwei Verse haben nichts mit dem allfälligen Verlust der Errettung vor der Hölle zu tun, wie vielerorts gelehrt wird. Die Gotteskindschaft geht nicht verloren. Diese Verse sagen aus, dass es schon naturgemäss nicht möglich ist, sich für eine sehr gute Sache begeistern zu können, die man nach einer gründlichen Prüfung als schlecht qualifiziert. Die sehr gute Sache ist die himmlische Gabe der Errettung, Erleuchtung und des Heiligen Geistes.

Die Gabe Christi, welche uns befähigt, uns zu perfekten Menschen zu entwickeln (1. Joh 3,2), wird von denen gering geschätzt, die nach dem Vorbild Esaus handeln. Esau wollte seine Entwicklung durch Gott nicht abwarten und achtete sein ohnehin schon grösseres Erbe (im Blick auf Jakob) gering, das ihm als Erstgeborener zugestanden hatte. Er qualifizierte die sehr gute Sache Gottes als minderwertige Gabe, die in seinen Augen hinter dem Angebot der Welt stand. Wie wir es aus der Geschichte kennen, verkaufte er es in der Folge sprichwörtlich für ein „Butterbrot“, für ein einfaches Mahl (1. Mo 25,29ff), wofür Gott ihn hasste (Rö 9,13).

Passen wir auf, dass wir uns durch die Verlockungen der Welt nicht gleich oder ähnlich verhalten! Jeder kann irgendwo eine Schwachstelle haben und wegen Geld, Autos, Frauen, Ruhm und sonstigen Dingen, die zum Hochmut des Lebens gehören, sich zu Ungebührlichem verleiten lassen. – Lassen Sie uns die Augen offen halten! Amen.

Vers 5

und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben   Hebr 6,5

Was sagen Sie, liebe Leserinnen und Leser, was ist mit Menschen, denen eine Wohnung mit allen Vorteilen einer ausserordentlich schönen und ebenso komfortablen Wohnlage angeboten wird, sie sich jedoch zum gleichen Preis eine Behausung in einem lauten und verdreckten Industriequartier nehmen? Oder wie ist Ihre Meinung zu solchen, die ein reichhaltiges Mahl mit Vorspeise und exzellentem Nachtisch verschmähen und anstelle davon schimmliges Brot bevorzugen? Was ist in Ihren Augen mit einem Menschen, dem man einen Neuwagen als Gewinn anbietet und er ihn aufgrund der Farbe ohne Gegenleistung gegen einen 10 jährigen und klapprigen Wagen tauscht? Was ist Ihrer Meinung nach mit solchen Menschen nicht in Ordnung? – Ohne Zweifel ticken solche Menschen nicht richtig, wenn ich mir diesen Ausdruck erlauben darf.

Wer die Güte Gottes (das gute Wort Gottes) und die Möglichkeiten des zukünftigen Zeitalters (die Kräfte des zukünftigen Zeitalters) geschmeckt hat, weiss, dass die Vergleiche, die ich oben anführe, die Dummheit solcher Menschen noch lange nicht im vollen Ausmass darstellt. Es ist also überhaupt nicht verwunderlich, dass Gott den Esau hasste. Esau verwarf für eine Speise sein Erstgeburtsrecht und trat die von Gott geschenkte Erbschaft mit Füssen! – Wer so verschroben denkt und die Erbschaft Gottes verachtet; was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, ist einem solchen noch zu helfen? – Ich denke nicht!

Vers 6

und <doch> abgefallen sind, wieder zur Busse zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.    Hebr 6,6

Die Religion (Hohepriester und Juden) und die Welt (Römer unter Pilatus) kreuzigten den Sohn Gottes. Wer diesen beiden Systemen und Machtbereichen des Teufels entflohen ist und die Herrlichkeit und Freiheit des echten Glaubens an Gott geschmeckt hat, jedoch erneut zurückfällt, kreuzigt den Sohn Gottes wieder und setzt Ihn abermals dem Spott aus. Vom Guten wenden sich solche Menschen wieder dem Bösen zu. Diese Personen waren im Bösen, schmeckten das Gute, wenden sich dessen ungeachtet von vorn dem Alten zu -, was für eine Hoffnung gibt es für solch unweises Tun? – Das unfehlbare Wort sieht keine.

Seien wir im Blick auf unsere Leben sehr vorsichtig mit dem Murren, das schon in der Wüstenwanderung sehr hart bestraft wurde (Ps 106,25). Wer murrt, gibt zum Ausdruck, dass Gottes Plan in seinem Leben schlecht ist, vielmehr noch: Murrende lassen ein falsches Licht auf Gottes Führung fallen und machen, dass andere Geschwister selbst unzufrieden werden; sie reissen also Brüder und Schwestern mit ins Unglück.

Vers 7

Denn ein Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott;   Hebr 6,7  

Wir sind eine Körperschaft in Christus. Wir sind zur gegenseitigen Unterstützung füreinander geschaffen. Christus bildet uns unter anderem dafür aus, damit wir einander gegenseitig zum Segen stehen. Gleichzeitig werden wir selbst aus erster Hand durch Gott selbst gesegnet. Wir werden also nicht nur für uns selbst „bebaut“ bzw. von Gott gepflegt und ausgebildet; Gott tut das auch für unsere Umwelt, „für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird“.

Ist diese Aussage nicht herrlich? Wir dürfen für das Wohl der Mitmenschen leben und empfangen selbst Gutes durch andere Geschwister und vor allem, wie erwähnt, durch Gott selbst. Diese Regel Gottes steht für eine Frieden garantierende Ordnung, einem Frieden, der im Gegensatz zu jenem der Welt kein trügerischer ist. Letzterer ist dieses Namens gar nicht würdig. Der „Frieden“ der Welt ist eher ein unbeständiger Waffenstillstand, welcher rein rational geschlossen wird, um nach Möglichkeit die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Er unterscheidet sich um Lichtjahre von der perfekten Lösung Gottes, die sich von der weltlichen wie die Nacht vom Tag unterscheidet. Amen.

 

Vers 8

wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbrauchbar und dem Fluch nahe, der am Ende zur Verbrennung führt.    Hebr 6,8

Wenn verlassenes, unbebautes Land Dornen und Disteln hervorbringt, ist es gut nachvollziehbar. Unverständlich und unnatürlich ist ein Land, das – vom besten Gärtner bewirtschaftet – unnützes Gewächs hervorbringt. Solche Erde entspricht nicht der Norm. Sie ist demzufolge untauglich, unnütz und lässt den Gärtner seine Zeit verschwenden, die er lieber für Flächen aufwendet, die Frucht hervorbringen.

Der kommende Fluch über unbrauchbare Erde hat nichts mit einer Härte Gottes zu tun. Selbst wir werfen Dinge weg, die, statt zu unterstützen, nur schaden. Ein nagelneuer Brotröster, den wir vielleicht unter dem Begriff „Toaster“ besser kennen, der anstatt zu rösten, Funken sprüht, die Elektroinstallation gefährdet sowie die Gefahr aufkommen lässt, Stromschläge abzugeben, entfernen wir sofort weit von uns; er gehört auf den Müll. Wir übergeben ihn nicht seiner Bestimmung an seinen Platz in der Küche, denn er gefährdet unsere Familie und die vier Wände, in denen wir wohnen.

Wie diesem Brotröster wird es denen ergehen – mögen sie noch so gute Namen in der Welt haben -, welche widernatürliche Früchte hervorbringen, obschon Gott sie bewirtschaftet und seinen Segen während ihrer Lebzeiten auf sie kommen lässt. Solche Menschen sind dem Fluch nahe, der am Ende zur Verbrennung führt. Amen.

Vers 9

Wir aber sind, wenn wir auch so reden, im Hinblick auf euch, Geliebte, vom Besseren und zum Heil Dienlichen überzeugt.    Hebr 6,9  

Der Autor des Hebräerbriefes ist bezüglich der Hebräer – obschon sie zur Zeit der Niederschrift nicht in Ordnung waren (sie waren im Wachstum zurückgeblieben) – überzeugt, dass die vorausgehenden Verse in ihren Leben eine Warnung bleiben würden. Die Warnung sollte nicht Wirklichkeit werden; der Autor glaubte daran, dass sie sich aufgrund der Ermahnung durch den Heiligen Geist dem Aufmerken, also dem Hören und Tun des Wortes,  zuwenden würden, das besser ist als Opfer, wie geschrieben steht:

Samuel aber sprach: Hat der HERR <so viel> Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder.  1.Sam 15,22 

Auch ich hoffe sehr für mich und die geschätzte Leserschaft, dass wir uns durch die Worte Gottes leiten lassen und sie auf unsere Leben anwenden, damit unsere Herzen nicht als unbrauchbares Land klassifiziert und dem Fluch übergeben werden.

Vers 10

Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr zu seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und dient.    Hebr 6,10

Weil Gott konsequent ist, die Welt, die das Böse und die Ungerechtigkeit toleriert, hingegen nicht, gibt es eine weit verbreitete, üble Meinung über Gott, dass Er hart und ungerecht sei. – Dem ist aber überhaupt nicht so! Wie langmütig ist doch Gott mit den absolut bösen Menschen (Pred 9,3; Jer 17,9; Mt 7,11; 15,19)! Sein ganzer Plan ist auf die Rettung der Menschen ausgerichtet. Die Menschen sagen aber lieber: „Gott ist hart!“

Gott vergisst die guten Werke der Menschen nicht, sogar ein Glas Wasser – in Reinheit dargereicht (Mk 9,41) – wird nicht vergessen! Dass hingegen gute Werke bei Leuten, die sich von der Gottesfurcht zur Gottlosigkeit wenden, nicht mehr zählen, ist auch sehr einleuchtend (Hes 33,13). Oder fänden Sie es korrekt, liebe Leserin und lieber Leser, wenn ein vormals gottesfürchtiger Mensch (Beispiel: König Saul) ein gutes Ende mit einer Belohnung nimmt, wenn er zum Gottlosen und Mörder mutiert (1. Sam 22,18)? – Ganz sicher nicht! – Die guten Werke jedoch, die ein Mensch in Demut und Gottesfurcht durch ein weiches Herz Gott darreicht, die werden nicht vergessen. Alles ist aufgeschrieben für den Tag der Abrechnung! Amen.

Vers 11

Wir wünschen aber sehr, dass jeder von euch denselben Eifer um die volle Gewissheit der Hoffnung bis ans Ende beweise,   Hebr 6,11

Die Worte des Heiligen Geistes, der die ganze Bibel inspiriert hat, sind immer konsistent. Alle gottgehauchten Bibelbücher zusammen, welche die Heilige Schrift ausmachen, sind widerspruchsfrei. Heb 6,11 deckt sich mit der erwarteten Frucht (Mt 13,18ff), mit dem Wettlauf, den wir zu laufen haben (Heb 12,1) und mit der unbeirrbar zu befolgenden Aufgabe der Christen (1. Kor 9,25; 2. Tim 2,4). Diese Versangaben sind nur eine kleine Auswahl von sehr vielen Bibelstellen, die das Gleiche aussagen.

Wir sollen fleissige Christen sein und Eifer an den Tag legen, um die Hoffnung auf das Erbe Gottes mit voller Kraft bis ans Ende durchzuhalten. – Der Tag der Abrechnung kommt und es wird wieder einen Unterschied geben, der aufzeigen wird, wer gedient hat und wer nicht (Mal 3,18). Amen.       

Vers 12

damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Ausharren die Verheissungen erben.   Hebr 6,12  

Ein Nachahmer solcher, „die durch Glauben und Ausharren die Verheissungen erben“, wird den gleichen Anteil bekommen; eine solche Person wird die Verheissungen auch erben. Gott ist gerecht und teilt ohne Ansehen der Person aus. Nicht weil jemand „Mose“ oder „Abraham“ heisst, bekommt er Anteile. Anteile bekommt, wer glaubt und ausharrt (Heb 11,8 u.v.a.). Wer hingegen nicht glaubt und ausharrt – diese Seite gibt es auch – wird nicht erben; das Beispiel Esaus lässt grüssen.

Lassen Sie uns bitte nicht träge werden, die Verlockungen dieses Zeitalters wollen unseren Fokus von Christus lenken und die Sorgen der Welt können manchmal stark auf den Antrieb im Reich Gottes drücken.

Vers 13

Denn als Gott dem Abraham die Verheissung gab, schwor er bei sich selbst – weil er bei keinem Grösseren schwören konnte – Hebr 6,13 

Die versprochene Verheissung ist gewiss, wie die Sonne jeden Morgen aufgeht, sogar noch viel mehr. Die Sonne tut es einfach nach ihrer Bahn; sie kann nicht anders. Gott lässt die Verheissung hingegen nach seinem Willen und Verstand kommen, selbst wenn seine Pläne tausend mal tausend Feinde vereiteln wollen. Um das festzumachen schwor Er es dem, dem die Verheissung (des kommenden Erbes) galt. Natürlich konnte Er bei keinem Grösseren schwören; Er ist selbst der Höchste. Deshalb schwor Er bei sich selbst, um sich völlig an seine Worte zu binden. – Gelobt sei der HERR!

Die Möglichkeit, die Verheissung zu verlieren, hebt die Tatsache des Eintreffens der Verheissung nicht auf. Das Erbe wird gemäss dem Schwur kommen und von Menschen angetreten. Wer die Verheissung verspielt, verspielt sie als Individuum, als einzelner Mensch. Er hebt sie nicht auf, sodass sie nicht kommt. Sie wird kommen, doch ein solcher Mensch wird sie nicht antreten.

Vers 14

und sprach: »Wahrlich, reichlich werde ich dich segnen, und sehr werde ich dich mehren.«   Hebr 6,14 

Die Verheissung Gottes wird in diesem Vers angesprochen. Sie umfasst reichlichen Segen und die Entstehung eines grossen Volkes aus Abraham (1.Mo 18,18). Abraham war zwar schon zu Lebzeiten reich an Gütern; er hatte Knechte und Mägde. Bereits vor seiner Namensänderung vom Abram zu Abraham hatte er schon über 314 bewährte Knechte! – Doch für einen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, ist das kein reichlicher Segen; der Segen, den Er Abraham zu Lebzeiten gegeben hatte ist nicht „reichlicher Segen Gottes“. Wenn Gott reichlich segnet, sieht das ganz anders aus.

Wie erwähnt, wenn uns ein Statthalter 314 Mann stellt, ist das mit Sicherheit ein reichlicher Segen. Doch bei Gott ist das ein Geringes. Deshalb sagt die Bibel aus, dass Abraham zu seinen Lebzeiten den Segen gar nicht erlangt hatte, obschon er zu Lebzeiten, menschlich gesehen, reich war.

Und er gab ihm kein Erbteil darin, auch nicht einen Fussbreit, und er verhiess, es ihm zum Besitztum zu geben und seinen Nachkommen nach ihm, obwohl er kein Kind hatte.    Apg 7,5 

Wie ich auch schon vor dem vorausgehenden Vers erwähnt habe, hatte das, was wir im Leben Abrahams sehen, nichts mit der Verheissung Gottes zu tun. Das Empfangene war viel zu gering, um „reichlicher Segen Gottes“ genannt zu werden. Das bestätigt der Hebräerbrief auch nochmals:

39 Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheissung nicht erlangt,  
40 da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet werden sollten.   Hebr 11,39.40

Von allen Glaubenszeugen, die im Hebräer 11 aufgezählt werden – auch Abraham gehört dazu -, ist gesagt, sie hätten die Verheissung nicht erlangt. Der „reichliche Segen“ der Abraham und seinen Nachkommen versprochen wurde, ist also für sie noch nicht eingetreten. Im Hebräer 11,40 ist der Grund dazu erwähnt. Sie sollen das Erbe zusammen mit uns antreten.

Die Schlussfolgerung aus diesem Kommentar sollte uns vor weltlichen Verlockungen schützen: Kein Machthaber kann so segnen wie Gott. Sie können von Statthaltern, reichen Menschen oder sogar vom Teufel, dem Fürsten dieser Welt, sehr viele Annehmlichkeiten bekommen; selbst der Teufel teilt Güter und Ansehen aus, um seine Interessen zu wahren. Er gibt denjenigen, die ihm zudienen (Lk 4,6.7). Selbst all das, was die Welt momentan zu bieten hat – und das sind sehr schöne Annehmlichkeiten – ist nichts im Blick auf das, was Gott an Segen schaffen kann. Er, der das Universum geschaffen hat, kann viel mehr bieten als jemand, der, um auszuteilen, vom momentan Vorhandenen nehmen muss.

Kein Wunder also war Gott von Esau sehr enttäuscht, der etwas mit geringem Wert mit dem Segen Gottes, dem Erstgeburtsrecht, eintauschte. Warten auch wir, wie Abraham, auf den Segen Gottes, ohne die Verheissung durch die weltlichen Verlockungen zu verspielen. Selbst dem Abraham wurde die Verheissung erst durch sein Ausharren bestätigt, wie uns der nachfolgende Vers erklärt. Amen.

Vers 15

Und so erlangte er, indem er ausharrte, die Verheissung.   Hebr 6,15  

Das Ausharren und die strahlende Art des Hoffens auf Gott sehen wir in Abrahams Taten. Obschon er und Sara um Jahrzehnte über dem geeigneten Alter Kinder zu kriegen waren, glaubte er Gott und seiner Verheissung, Nachkommen durch die Verbindung mit Sara zu bekommen (Rö 4,19). Die Krone setzte er seinem Hoffen auf Gott mit der Bereitschaft auf, seinen inzwischen empfangenen Sohn zu opfern, wenn das Gott gewollt hätte (1. Mo 22ff). – Bedenken wir, dies tat Abraham im fortgeschrittenen Alter, nachdem bezüglich der Verheissungen überhaupt keine Hoffnung mehr ersichtlich war.

Manchmal sehen wir Christen um uns auf Dinge hoffen, solange noch Möglichkeiten vorhanden sind, sie zu erlangen. Schliessen sich dann aber alle Türen zur denkbaren Zielerreichung, verlieren sie die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott. Ich stand selber schon in grosser Gefahr, den Glauben bezüglich Lebensumstände zu verlieren, deren vorstellbare Erreichung weltlich nicht mehr möglich erschien. Ich stellte mir in einer unheilvollen Situation fast Fragen, wie der nachfolgend zitierte Offizier des Königs. Ich finde, sie zu erwägen steht einem wirklich gläubigen Christen nicht an.

1 Da sagte Elisa: Hört das Wort des HERRN! So spricht der HERR: Morgen um diese Zeit wird ein Mass Weizengriess für einen Schekel <verkauft werden> und zwei Mass Gerste für einen Schekel im Tor von Samaria.  
2 Da antwortete der Anführer, auf dessen Arm sich der König stützte, dem Mann Gottes und sagte: Siehe, wenn der HERR Fenster am Himmel machte, könnte wohl so etwas geschehen? 2.Kön 7,1-2a 

Abraham war nicht wie dieser Offizier des Königs. Er war zwar auch nicht immer unbeirrt in allen Dingen und versuchte sogar einmal Gott zu „helfen“, indem er einen Nachkommen mit Hagar, der Magd Saras, zeugte (1. Mo 16,3). Abraham glaubte jedoch Gott und gehorchte sogar dann, wo er Ismael, der Sohn der Hagar, von der verheissenen Erbschaft ausschliessen sollte, da er nicht auf der Basis des Glaubens gezeugt worden war.

Lassen Sie uns, auch wenn wir manchmal in grossen Prüfungen an die Grenzen unseres Glaubens stossen, in der Zuversicht das Banner Gottes hochhalten! Helfen wir auch Geschwistern in Prüfungen, indem wir sie unterstützen und ermuntern, stark zu bleiben! Amen.

Vers 16

Denn Menschen schwören bei einem Grösseren, und der Eid ist ihnen zur Bestätigung ein Ende alles Widerspruchs.    Hebr 6,16 

Wenn Menschen schwören – kein Mensch soll schwören, weil er nicht wirklich zuverlässig ist (Mt 5,34; Spr 20,6) – dann tun sie es bei einem Grösseren. Wenn jemand im Namen seines Haustiers schwören würde -, wer würde glauben, dass es dieser Mensch ernst meint? Wer würde ihm den Schwur abnehmen? Schwört aber jemand bei Gott, der ewig und Richter aller Menschen ist, der auch hört, was geschworen wird und was nicht, dann verbürgt sich der Schwörende verbindlich für den Eid. Die Zuhörerschaft weiss im solchen Fall, dass – sollte der Schwur nicht gehalten werden – der Mensch mit demjenigen, in dessen Namen er geschworen hat, Probleme bekommt (Pred 5,3).

Vers 17

Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheissung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt,   Hebr 6,17 

Gott kennt den Menschen und seine Schwachheit im Glauben. – Stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor: Sie leben ein Leben in Mühsal und Unglück. Seit über zwei Jahrzehnten scheint Ihnen, trotz Ihres Glaubens an Gott, kein Vorhaben mehr so recht zu gelingen. Sie haben nichts in der Hand, das von einem irdischen Segen zeugt. Es geht Ihnen zur Zeit anhaltend folgendermassen, nach der Weise Hiobs:

39 Du aber hast verworfen und verstossen, bist sehr zornig gewesen gegen deinen Gesalbten.  
40 Preisgegeben hast du den Bund mit deinem Knecht, hast zu Boden <geworfen und> entweiht seine Krone.  
41 Du hast niedergerissen all seine Mauern, hast seine Burgen in Trümmer gelegt.  
42 Es haben ihn alle ausgeplündert, die des Weges vorübergehen. Er ist zum Hohn geworden seinen Nachbarn.  
43 Du hast erhöht die Rechte seiner Bedränger, hast erfreut alle seine Feinde.  
44 Auch hast du zurückweichen lassen die Schärfe seines Schwertes und hast ihn nicht bestehen lassen im Kampf.
45 Du hast aufhören lassen seinen Glanz und zur Erde gestürzt seinen Thron.  
46 Du hast verkürzt die Tage seiner Jugend, mit Schmach hast du ihn bedeckt. //  
47 Bis wann, HERR, willst du dich immerfort verbergen, soll wie Feuer brennen dein Zorn?  
48 Gedenke meiner, wie <kurz meine> Lebensdauer ist, zu welcher Nichtigkeit du alle Menschenkinder erschaffen hast!   49 Welcher Mann lebt und wird den Tod nicht sehen, wird sein Leben befreien von der Gewalt des Scheols? //  
50 Wo sind deine früheren Gnaden, o Herr, die du David zugeschworen hast in deiner Treue?   Ps 89,39-50 

Es ist leicht an Gott zu glauben, wenn alles gelingt. Wenn hingegen nichts mehr geht, wird offenbar, was wir wirklich glauben. Das ist eine Weisheit, die schon vor Jahrtausenden in den Himmeln bekannt war (Hiob 1,9-11).

Damit unser Glaube in jeder Situation fest bleiben kann, so elend und unglücklich unser Leben auf Erden auch verläuft, hat sich Gott mit einem Eid verbürgt: Sein Segen ist für die garantiert, die auf Ihn hoffen und bis ans Ende ausharren. – David musste durch viele Bedrängnisse gehen auf der Flucht vor Saul; er hatte den Tod ständig vor Augen. Doch er hatte den Eid Gottes, wie wir ihn haben:

35 Ich werde meinen Bund nicht entweihen und nicht ändern, was hervorgegangen ist aus meinen Lippen.  
36 Einmal habe ich geschworen bei meiner Heiligkeit – wie könnte ich David täuschen! –.  
37 »Seine Nachkommenschaft soll ewig sein und sein Thron wie die Sonne vor mir.   Ps 89,35-37 

„Wie könnte ich David täuschen!“, spricht der HERR! „Wie könnte ich all die Menschen täuschen, denen ich mit einem Eid geschworen habe!“, spricht Gott heute noch durch den Heiligen Geist zu uns. Weil unser Glaube manchmal so schwach ist und die Welt Gott und seine Worte verleugnet -, deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheissung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt (Heb 6,17).

David kam nach seiner Verwerfung zu der versprochenen Königswürde. Wir werden, Elend hin oder her, zum Segen kommen, wenn wir in Ihm bleiben. Dazu hat Er uns geschworen! – Gelobt sei der HERR! Amen.

Vers 18

damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott <doch> unmöglich lügen kann, einen starken Trost hätten, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung zu ergreifen.    Hebr 6,18

Die Aussage Gottes, bei dem weder einen Wechsel der Schatten noch eine Endlichkeit vorhanden sind (Jak 1,17), gibt uns, zusammen mit seinem Eid, einen starken Trost. Egal was uns das Leben bringt, auch wenn unser Dasein geprägt ist von Tränen und Enttäuschung, wird das Erbe ausgeteilt werden. Dazu gibt es keine offenen Fragen. Selbst wenn alles dahin deutet, dass wir nackt und ohne Erfolg im Leben, wie eine Fehlgeburt, abscheiden werden -, was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, wird Gottes Wort, von dem gesagt ist, dass kein Strichlein hinfällig wird, für einmal das Ziel verfehlen (Mt 5,18; Lk 16,17)? – Ein Nichteintreffen des Wortes ist schlicht unmöglich! Amen.

Vers 19

Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht,   Hebr 6,19 

Diese Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele. – Was heisst das? – Das heisst, dass wir uns gedanklich in Situationen, die Sicherheit erfordern, an diese Zusage Gottes erinnern dürfen, um nicht zu verzagen. – Oftmals waren die Worte Christi: „Fürchtet euch nicht!“ Gott will nicht, dass sich seine Kinder fürchten; welcher Vater will das schon? Daher gibt Er uns sichere Zusagen.

Auch ich darf mich an diesen Verheissungen festhalten, die mir schon oft geholfen haben. In schwierigen Situationen oder Tiefpunkten meines Glaubens rufe ich mir die Zusagen Gottes selbst in Erinnerung, wie zum Beispiel:

- Liebt mich Christus (Offb 1,5)?
- Wird Gott seine Versprechen halten (1. Sam 15,29)?
- Werde ich in dieser aktuellen Situation alleine gelassen (Mt 28,20)?

Alsbald weiss ich wieder: Ich habe einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht! – Gepriesen sei der HERR! – Übrigens heisst der zweite Teil des Verses so viel wie: Die Hoffnung lässt uns wirklich bis ganz vor Gott kommen. Gott wohnte im Allerheiligsten der Stiftshütte, hinter der Abtrennung durch den Vorhang. Unsere Hoffnung endet im übertragenen Sinn nicht vor diesem Raum; sie reicht bis ganz zu Gott hinein. Amen.

Vers 20

wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist, der nach der Ordnung Melchisedeks Hoherpriester in Ewigkeit geworden ist.   Hebr 6,20

An diesen Ort, wo Gott wohnt, dem Allerheiligsten, ging Jesus als Erstling der Menschen und Gottes Sohn. Er ist von Anfang an Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks, welche auf seine ewige Priesterschaft hindeutet.

Hiermit endet das sechste Kapitel, das uns eindringlich vor geistlichem Stillstand warnt. Themenspezifisch schliesst es auch mit dem jetzigen Aufenthaltsort Christi, wo Er als ewiger Hoherpriester beim Vater wirkt und nicht als Erlöser am Kreuz hängt. Als Erlöser am Kreuz legte er den Grundstein und stellte das Eingangstor für unseren Weg als Kinder Gottes. Auf dem Weg zwischen den Begebenheiten am Kreuz und dem jetzigen Aufenthaltsort gibt es viele erwähnenswerte Stationen, die wichtige Belehrungen abgeben. – Gemeinden, die das in der sehr schlimmen Art in der Kategorie „nicht heilsnotwendig“ ablegen und nicht weiter verfolgen, handeln in einer überaus deutlichen Eigenart der lehrmässigen Zielverfehlung.

Kapitel 7

Vers 1

Denn dieser Melchisedek, König von Salem, Priester Gottes, des Höchsten – der Abraham entgegenging und ihn segnete, als er von der Niederwerfung der Könige zurückkehrte,   Hebr 7,1 

Für das Verständnis der folgenden Verse und Kapitel ist es wiederum sehr wichtig zu sehen, an wen dieser Brief gerichtet war bzw. ist, ansonsten können wir nicht nachvollziehen, weshalb die folgenden Sachverhalte so umfangreich und detailliert dargelegt werden.

Zwischen der alten und der neuen Hausordnung Gottes gibt es ja bekanntlich markante Unterschiede. Alle Opfer im Alten Testament schatteten das wahre Opfer Christi nur vor; sie hatten in sich keine Kraft, die Sünden zu tilgen, sie bedeckten sie nur (Heb 10,4). Auch die levitische Priesterschaft deutete lediglich auf die vollkommene Priesterschaft hin; sie war bedeutend geringer als die vollkommene. Dies geschah, wie erwähnt, schattenhaft, wie bei den Tieropfern.

Die Hebräer, an die der Brief gerichtet war, hatten den alttestamentlichen Hintergrund, wie ihn die jüdischen Nachkommen der Israeliten teilweise heute noch haben. Die Lehre im Alten Testament ist selbst auch durch Gott gegeben. So mussten sie (und müssen ihre Nachkommen auch heute noch) für die Annahme der neutestamentlichen Lehre ganz sicher sein, dass diese ebenfalls von Gott persönlich kommt und sie in Wahrheit besser ist, als jene, die schon gegeben war.

Das Kapitel sieben erklärt, dass die Priesterschaft Melchisedeks weit über derjenigen von Aaron steht, Kapitel acht spricht über den besseren Bund in Christus und das Kapitel neun und Teile vom zehnten fassen diese Themen nochmals zusammen und weisen darauf hin, dass der alttestamentliche Gottesdienst nur Abbild des vollkommenen ist, wie ich es in diesem Kommentar versucht habe zusammenzufassen.

Kommen wir jetzt aber zum Vers zurück: Dieser Melchisedek, der König von Salem und Priester Gottes, des Höchsten, kam Abraham entgegen, wo er von der Niederwerfung der Könige zurückkam. Melchisedek segnete Abraham, den grossen Vorläufer des Glaubens! Wie gross muss also dieser Melchisedek sein, der Abraham segnete! – Mehr zu seiner Grösse ersehen wir aus den folgenden Versen. Amen.

Vers 2

dem auch Abraham den Zehnten von allem zuteilte – <heisst> übersetzt zunächst König der Gerechtigkeit, dann aber auch König von Salem, das ist König des Friedens.   Hebr 7,2  

Abraham gab Melchisedek, dem König der Gerechtigkeit und des Friedens, den Zehnten von allem, wie es Gläubige bei Gott handhabten bzw. heute noch handhaben. Melchisedek steht damit sinnbildlich für Christus, welcher das Wort ist (Joh 1,1). Da die Summe des Wortes Gerechtigkeit ist (Ps 119,160), ist Christus die Gerechtigkeit in Person. Und da über der Person von Christus (als Mensch betrachtet) kein König ausser Gott selbst steht, deute ich, dass in Melchisedek Christus sich selbst dem Abraham offenbarte, welcher schon war, bevor Abraham überhaupt existierte (Joh 8,58). Wer könnte neben Christus als König über die Gerechtigkeit und den Frieden herrschen, von Abraham den Zehnten nehmen und dazu ewige Eigenschaften haben, wie wir im folgenden Vers noch sehen werden?

Auf jeden Fall zeigt Melchisedek auf, dass seine Priesterschaft der levitischen übergeordnet ist. Das wird im folgenden Bibeltext auch noch tiefgehend erläutert.

Vers 3

Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, hat er weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens, er gleicht dem Sohn Gottes und bleibt Priester für immer.   Hebr 7,3  

Melchisedek tritt auf, wie es Gott tut. Menschen haben Geschlechtsregister, die ihren Ursprung angeben. Gott ist ohne Anfang und ohne Ende. Melchisedek präsentiert mit seinem Auftritt die Priesterschaft Christi, einer Person, die in der Eigenschaft als Gott weder einen Anfang noch ein Ende hat.

Stellen Sie sich das bitte vor, liebe Leserin und lieber Leser! Wir haben in Christus einen Hohenpriester, der weder in Grösse noch bezüglich Einfluss zu übertreffen ist! – Wird ein solcher seine Anliegen nicht allezeit vor Gott zu Gehör bringen (Joh 11,42)?

Vers 4

Schaut aber, wie gross dieser ist, dem Abraham, der Patriarch, den Zehnten von der Beute gab!  
Hebr 7,4 

Für Israel und das Christentum spielt Abraham eine zentrale Rolle. Wer von Glauben her gesehen nicht von Abraham abstammt, gehört nicht zum Volk Gottes. Wer glaubt, wird hingegen Abraham als Nachkomme zugerechnet.

Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft <und> nach Verheissung Erben.    Gal 3,29

Wir sehen, dass Gott den Abraham sehr gross gemacht hat. Im Blick auf Melchisedek wird aber deutlich, dass Abraham hierarchisch unter ihm steht: Abraham bringt Melchisedek Abgaben, nicht umgekehrt. Mit dieser Darstellung stellt der Heilige Geist unmissverständlich klar, wie gross Christus ist. Melchisedek schattet dabei nur das echte Priestertum Christi vor! Wenn der grosse Abraham, der Vater aller, die glauben, bereits dem Schatten des echten Priesters den Zehnten abgab, - wie gross muss also Christus sein! – Gelobt sei der HERR!

Vers 5

Und zwar haben die von den Söhnen Levi, die das Priestertum empfangen, ein Gebot, den Zehnten von dem Volk nach dem Gesetz zu nehmen, das ist von ihren Brüdern, obwohl <auch> die aus der Lende Abrahams hervorgegangen sind.   Hebr 7,5   

Die Linie des verheissenen Volkes geht über Abraham, Isaak und Jakob. Jakob hatte zwölf Söhne, die Stammesväter des Volkes Israel. Einer davon war Levi, wovon die Leviten abstammen. Die Leviten hatten ein Privileg, weil sie sich in einer Situation besonders vom Bösen absonderten und ihre Entscheidung mit Gehorsam und einer darauffolgenden tiefgehenden Tat besiegelten (2. Mo 32,26ff). Ihnen allein war es darum vorbehalten, am Heiligtum zu dienen und den Zehnten des Volkes zu nehmen.

Diese Abstammung ist wichtig zu kennen, wenn wir die Grösse des Priestertums Melchisedeks dem levitischen gegenüberstellen. In den nachfolgenden Versen kommen wir zu diesem interessanten Vergleich; Sie dürfen gespannt sein, liebe Leserinnen und liebe Leser! Amen.

Vers 6

Er aber, der sein Geschlecht nicht von ihnen ableitete, hat den Zehnten von Abraham genommen und den gesegnet, der die Verheissungen hatte.   Hebr 7,6 

Melchisedek stammt nicht von den Priestern und Leviten ab, deren Herkunft angefangen von Abraham, Isaak und Jakob über Levi geht.

Melchisedek nahm den Zehnten von Abraham. Dazu segnete er ihn. – Wie gross muss dieser Melchisedek sein, der damals den Abraham segnete, welcher die Verheissungen Gottes hatte und aus dem eine ganze Priesterschaft Gottes kam!

Vers 7

Ohne jeden Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet.   Hebr 7,7  

Dass sich dies so verhält, verrät uns schon das Leben. Das Geringere ist gar nicht im Stande, das Bessere zu segnen, wie auch? Oder sollen wir Gott segnen? Was hat Er nicht, was wir haben? Sollen wir Ihm zum Glück verhelfen? – Obschon es augenscheinlich lächerlich ist, gibt es Christen, die Gott „segnen“. Wie sie das tun wollen, ist mir nicht ganz klar, wo doch ihr ganzes Wohlsein und Tun von Ihm abhängt.

Um zum Thema zu kommen: Melchisedek stand über Abraham, sodass Melchisedek Abraham segnete und nicht umgekehrt.

Vers 8

Und hier zwar empfangen sterbliche Menschen die Zehnten, dort aber einer, von dem bezeugt wird, dass er lebt;   Hebr 7,8 

Vers 3 bezeugt, dass Melchisedek lebt. Im levitischen Priestertum sterben die Priester, welche den Zehnten empfangen. Melchisedek nahm ihn als ewiger Priester. – Der Heilige Geist achtet hier genau darauf, die Grösse Melchisedeks so darzustellen, dass jeder den immensen Unterschied zwischen der levitischen Priesterordnung und jener Melchisedeks erkennen kann.

Auch wenn Menschen geistliche Ämter bekleiden dürfen, sollen wir wissen: Der Unterschied zu Christus ist und bleibt frappant. Nicht umsonst ist Er der HERR und gelobt in Ewigkeit!

Auch sollen wir Menschen nicht mehr Ehre geben, als ihnen zusteht, selbst wenn es ihnen erlaubt ist, schöne Positionen – auch geistliche – innehaben zu dürfen. Denn sie sterben, Christus bleibt in Ewigkeit. Amen.

Vers 9

und sozusagen ist durch Abraham auch von Levi, der die Zehnten empfängt, der Zehnte erhoben worden,   Hebr 7,9  

Levi ist bekanntlich ein Nachfolger Abrahams. Abraham gab als Urvater Melchisedek den Zehnten. So ist sozusagen durch Abraham auch von Levi der Zehnte erhoben worden.

Die Bibel sagt damit, dass die ganze Nachkommenschaft des Vaters Abraham, sowie er selbst, in der Hierarchie unter Melchisedek stehen.

Vers 10

denn er war noch in der Lende des Vaters, als Melchisedek ihm entgegenging.  Hebr 7,10

Levi, und somit sein ganzes Geschlecht, war noch „in der Lende des Vaters“, als Melchisedek dem Abraham entgegenging. Wo dann Abraham Melchisedek den Zehnten gab, wurde sozusagen vom ganzen Geschlecht Abrahams der Zehnte erhoben. – Damit weist der Heilige Geist darauf hin, dass niemand von der Nachkommenschaft Abrahams grösser ist als Melchisedek, sondern alle unter ihm stehen. Damit wird deutlich, dass alle aus dem Volk Gottes, seien es Israeliten oder Christen, unter dem ewigen Priester Gottes stehen, der keinen Anfang und kein Ende hat und von dem Gott sagt, dass er in Ewigkeit Priester ist.

Alle Eigenschaften Melchisedeks treffen auf Christus zu. Er ist seit jeher, ohne Anfang in seiner Eigenschaft als Gott (Joh 8,58). Er ist Priester in Ewigkeit (Heb 5,5.6). – Wir wissen aus anderen Stellen auch, dass Christus zweifelsfrei über Abraham steht; Abraham zeugte sterbliche Söhne, wogegen Christi Nachkommenschaft unsterblich ist (Joh 5,21; 1. Kor 15,45).

Wer aus dem Volk Christus nicht ehrt, folgt seinem eigenen Vater, Abraham, nicht. Der Heilige Geist lässt diesbezüglich durch Paulus ein sehr, sehr hartes Urteil niederschreiben (1. Kor 16,22). – Mögen wir bitte alle erkennen, wer Christus ist, und lassen Sie uns Ihm doch bitte seinem Status entsprechend dienen! Amen.

Vers 11

Wenn nun die Vollendung durch das levitische Priestertum <erreicht worden> wäre – denn in Verbindung mit ihm hat das Volk das Gesetz empfangen –, welche Notwendigkeit <bestand dann> noch, einen anderen Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufzustellen und nicht nach der Ordnung Aarons zu nennen?   Hebr 7,11

Wenn die Vollendung durch das Gesetz gekommen wäre, weshalb wurde dann nach einer anderen Haushaltung gesucht und vom Alten Testament zum Neuen Testament gewechselt? – Weil das Gesetz nichts zur Vollendung brachte; es zeigte lediglich auf, wie unfähig der Mensch ist, die kleinste Gerechtigkeit zu tun. Durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde (Rö 3,20).

Die levitische Priesterschaft – zusammen mit dem alttestamentlichen Gesetz, der ihr zugehörigen Verordnung – schattete lediglich die vollendete Haushaltung vor, welche in Verbindung mit der Priesterschaft Christi, dem ewigen Priester Gottes, durch das Neue Testament gegeben wurde.

Vers 12

Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt.   Hebr 7,12    

Die Haushaltung Gottes ist mit dem Priestertum verknüpft. Wird das Priestertum geändert, muss folglich auch die Hausordnung (das Gesetz) geändert werden. Mit der Einführung des ewigen Priesters, Christus, anstelle der sterblichen Söhne von Aaron, wurde auch das Gesetz als überholt erfunden. Es musste somit einer neuen, höheren Ordnung weichen, wie die levitische Priesterschaft derjenigen Christi weichen musste.

Das ist ein wichtiger Vers, wohl einer der Schlüsselverse im Hebräerbrief. Die Hebräer, deren Wurzeln mit dem alttestamentlichen Gesetz fest verknüpft waren, brauchten überzeugende Argumente, um es loszulassen und anstelle dessen den Neuen Weg in Christus als Richtschnur zu nehmen.

Es gibt auch Christen, die sich durch das Judentum und dessen von Gott verordneten Gebräuchen, falsch inspirieren lassen und anfangen, alttestamentliche Ordnungen zu befolgen. Wir sollen wissen und unsere Jugend diesbezüglich aufklären, dass das Alte Testament „nur“ die Wirklichkeit vorschattete. Da jetzt das wahre Priestertum aufgedeckt und wirksam ist, gibt es überhaupt keinen Grund, sich dem Abbild davon und zugleich schwächeren Gefäss hinzuwenden. Statt die Juden in ihrem Gottesdienst zu bewundern, täten wir also besser daran, die Willigen von ihnen vom Neuen Weg zu überzeugen. Amen.

Vers 13

Denn der, von dem dies gesagt wird, gehört zu einem anderen Stamm, aus dem niemand die Wartung des Altars hatte.   Hebr 7,13  

Wie wir wissen, stammt Christus nicht von Levi ab. Die Geschlechterfolge Christi läuft über den Bethlehemiter David, dem König Israels, welcher aus Juda stammt.

Vers 14

Denn es ist offenbar, dass unser Herr aus Juda entsprossen ist, von welchem Stamm Mose nichts in bezug auf Priester geredet hat.   Hebr 7,14 

Wie im vorausgehenden Kommentar bereits angedeutet, ist offenbar, dass unser Herr Jesus aus Juda entsprossen ist, von welchem Stamm Mose nichts in Hinsicht auf Priester geredet hat. Die alttestamentlichen Priester stammen aus dem Stamm Levi. Der Alte Weg, der den Neuen Weg vorschattet, ist mit dem levitischen Priestertum verknüpft. Darin gab es keine Priester aus Juda; aus Juda war niemand zugelassen. Umgekehrt gibt im Neuen Weg eine rein fleischliche levitische Abstammung keine Bescheinigung mehr zum Priesterdienst.

Vers 15

Und es ist noch weit augenscheinlicher, wenn gleich dem Melchisedek ein anderer Priester aufsteht,   Hebr 7,15 

Eigentlich sollten die Argumente des Heiligen Geistes bis zum Vers 14 allen Lesern genügen, um das Alte loszulassen und dem Neuen Weg zu folgen: Ein neuer Weg und eine neue Priesterschaft; das ist doch leicht verständlich wie einfache Verkehrsregeln. Eine rote Ampel bedeutet „Halt“, eine grüne „Fahrt“. – Diese Klarheit scheint dem Volk Gottes scheinbar nicht auszureichen – zu unserer Schande muss ich es leider sagen, ansonsten wären wir nicht so zersplittert und in vielen Irrtümern. Folglich argumentiert der Heilige Geist diesbezüglich noch weiter: Er beweist durch viele Betrachtungswinkel widerspruchsfrei, dass Christi Priesterschaft diejenige der Leviten ablöst und somit ebenfalls eine neue Hausordnung gilt.

Daher ist es noch „weit augenscheinlicher“, wenn ein Priester ohne Anfang und Ende, „gleich dem Melchisedek“, aufsteht. Ein solcher Priester hat nichts gemein mit den sterblichen Söhnen Aarons. Er steht weit über ihnen und ist in der Erhabenheit einzigartig. – Lassen Sie uns demzufolge ohne zurückzublicken vom Schwachen zum Starken wenden! Amen.

Vers 16

der es nicht nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots geworden ist, sondern nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens.   Hebr 7,16  

Dieser Priester ist es nicht „nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots“ geworden. Er wurde Priester „nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens“. Ist das nicht „weit augenscheinlicher“, wie es der Vers 15 beschreibt?

Wie weit unterscheidet sich Christus vom sterblichen Aaron und seiner priesterlichen Nachkommenschaft! Wie viel höher ist das Priestertum Christi! – Können wir den Unterschied sehen oder wollen wir den Neuen Weg mit armseligen Elementen vermischen, wie es bei den Galatern der Fall war (Gal 4,9) und es bei einigen von uns ist?

Im Gesetz sehen wir die Moral Gottes und seine Sorge um sein Volk. Dazu wird das Himmlische in einer herrlichen und detailreichen Art vorgeschattet. – Nähere Erklärungen dazu finden Sie unter Anderem in den Betrachtungen zum 1. - 5. Buch Mose von Charles Henry Mackintosh, welche in Buchform zur Verfügung stehen und Sie zur Zeit auch online auf der deutschen Seite www.bibelkommentare.de lesen können.

Vers 17

Denn ihm wird bezeugt: »Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.«   Hebr 7,17  

All das Vorausgegangene ist geschrieben, um zu beweisen, dass Christus der Priester der Vollendung ist. Wir erinnern uns: Levi selbst zahlte ja der Logik nach dem Melchisedek Tribut, als Levis Vater, Abraham, dem Melchisedek den Zehnten abgab. Somit stand (und steht heute noch) Abraham und sein Geschlecht hierarchisch unter Christus. Christus steht über ihnen und ist überhaupt der Erste in allen Dingen (Offb 22,13).

Vers 18

Denn aufgehoben wird zwar das vorhergehende Gebot seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen   Hebr 7,18

Das Gesetz ist „gerecht, heilig und gut“ (Rö 7,12). Aber im Blick auf die vollbringende Errettung des Menschen war bzw. ist es schwach und nutzlos. Durch das Halten der Gebote wurde kein Mensch errettet. Nicht wegen der Unvollkommenheit des Gesetzes, sondern wegen der Unzulänglichkeit des Menschen. Das Gesetz ist gut, doch beim Menschen braucht es mehr als ein vollkommenes Gesetz, da er sehr angeschlagen ist. Ein perfekt laufendes Bauteil passt im Vergleich nicht in eine völlig demolierte Maschine; es ist deshalb im Blick auf die erwähnte Maschine nutzlos. Nutzlos ist es nicht, weil es nicht perfekt wäre. Es ist nutzlos, weil die Maschine einen Totalschaden aufweist. Sie wird nicht besser, wenn auch dieses einwandfreie und neue Bauteil hineinkommt.

Vers 19

- denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht – eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir uns Gott nahen.   Hebr 7,19  

Wenn das Gesetz nichts zur Vollendung gebracht hat, weshalb wurde es denn gegeben? – Es kam, um eine bessere Hoffnung einzuführen. Das Gesetz war und ist dazu da, dem Menschen aufzuzeigen, was in ihm wohnt. Die Menschen glauben hauptsächlich, sie seien gut. Dass sie den Massstab aber selber definieren, zeigt ihr Unwissen bezüglich der Realität, denn nicht der Ton sagt dem Töpfer, wie er aussehen will, sondern umgekehrt. Gott ist der Bildner der Menschen, Er setzt den Massstab.

Gottes Urteil über das Innere des natürlichen Menschen ist sehr ernüchternd:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.   1.Mose 6,5 

In einem Vers ist alles gesagt, was andere Verse bekräftigen (1. Mo 8,21; Mt 7,11). Er lässt keinen Zweifel offen. Die Wortkombinationen „Alles Sinnen" (ohne Ausnahme) und „den ganzen Tag" (die volle Zeitspanne ausgefüllt) lassen keinen Raum, wo das Gute Platz fände.

Mit dem Gesetz kam die Bosheit des Menschen, auch für ihn selbst wahrnehmbar, ans Licht: Der Mensch kann es nicht einhalten und steht äusserst schuldbeladen und unwürdig vor dem gerechten Richter: Christus, der gepriesen ist (siehe Rö 3,20; 7,7-13). Der Mensch weiss, dass er des ewigen Todes würdig ist; diesen hat er gesetzmässig und völlig zu Recht verdient (Rö 1,32).

Diese Erkenntnis, zu welcher das Gesetz den massgeblichen Beitrag leistete, bringt die Menschen, die ehrlich zu sich selber sind und nach Frieden mit Gott trachten, in die rechte Haltung: Sie beginnen den Ausweg aus Ihrer hoffnungslosen Situation zu suchen und finden im Anschluss Gottes dargereichte Lösung im stellvertretenden Opfer, das Jesus Christus persönlich ist. Sie kommen zu einer lebendigen Person, welche die Kraft hat, sie zu erretten vor dem wartenden, furchtbaren Gericht.

Damit hat das Gesetz das seine getan: Es hat eine bessere Hoffnung eingeführt, die Hoffnung auf Christus, den Erlöser. Amen.

Vers 20

Und wie <dies> nicht ohne Eidschwur <geschah> – denn jene sind ohne Eidschwur Priester geworden,  Hebr 7,20

Ein weiterer Punkt, worauf uns der Heilige Geist hinweist, ist der Eidschwur Gottes. Wenn Gott etwas sagt, ist es zwar schon unverrückbar und somit weit fester, als wenn ein Mensch bei seinem eigenen Leben schwört. Schwört Gott dazu noch, gibt er den schwachen Menschen, die Gottes Aussagen leider allzu oft als reine Empfehlungen betrachten und wie Aussagen von Politikern werten (vielleicht trifft es ein, doch wohl eher nicht) eine so klare Veranschaulichung seines festen Ratschlusses, dass es dem einfältigsten unter den Menschen augenscheinlich ist: Sein Wort wird in jedem Fall umgesetzt! - Die alttestamentlichen Priester wurden ohne Eidschwur zu Priestern. Christus wurde hingegen mit dem Eidschwur Gottes eingesetzt!

Gottes Aussage soll allen offenkundig sein und für die Ewigkeit gelten: „Du (Christus) bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks (Ps 110,4)!“ Amen.

Vers 21

dieser aber mit Eidschwur durch den, der zu ihm sprach: »Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit!« –,   Hebr 7,21  

Gottes Aussagen, die auf einem Vertrag beruhen, können bei einem einseitigen Vertragsbruch von Ihm widerrufen werden. Weil Israel den Vertrag mit Gott völlig missachtete und aktiv von sich wies (Jes 5,24), musste und wollte sich Gott auch nicht mehr an ihn halten und Israel für das Böse, das sie Ihm antaten, nicht weiter segnen. Dies sagt Gott gerade heraus, ohne es zu verschleiern:

Tut es aber, was in meinen Augen böse ist, indem es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen, das ich ihm zu erweisen zugesagt habe.   Jer 18,10  

Bei Christus unserem Hohenpriester ist das anders. Wir dürfen getrost sein, dass Er für immer Hoherpriester sein wird. Seine Einsetzung wird in Ewigkeit nicht widerrufen, denn es steht: „… es wird ihn nicht gereuen …!“

Damit gibt uns Gott einen weiteren, sicheren Anker für unsere Seele: Christus ist unser Leben, unsere Hoffnung, einfach unser Alles in Ewigkeit! Amen.

Vers 22

so ist Jesus auch eines besseren Bundes Bürge geworden.   Hebr 7,22 

Das Neue Testament ist besser als das Alte Testament. Im Alten wurde lediglich das Neue vorgeschattet, wie wir bereits erörtert haben. Die Opfer von damals hatten nicht die Kraft, von der Sünde zu erretten, sie deckten sie lediglich zu (Heb 10,4). Ebenso war das Priestertum – wie in diesem Kapitel vom Heiligen Geist ausführlich dargestellt – viel schwächer als Christi Priestertum nach der Weise Melchisedeks, welches die Kraft hat, Sünden gänzlich auszutilgen.

Christus steht also für eine viel bessere Verbindung zu Gott; nach so vielen Beweisen sollte jeder gottesfürchtige Jude, der im Alten aufgewachsen ist, sich von Alten weg zum Neuen wenden. Selbstverständlich ist es umgekehrt sehr töricht, wenn sich Christen vom Neuen Weg zum Alten kehren würden.

Vers 23

Und jene sind in grösserer Anzahl Priester geworden, weil sie durch den Tod verhindert waren zu bleiben;    Hebr 7,23 

Freilich gab es im Alten Testament mehr Priester. Sie waren ja durch den Tod verhindert zu bleiben. Die Mehrzahl der Priester ist hiermit plausibel erklärt und rechtfertigt keinesfalls eine höhere Bewertung ihres Standes. Im Neuen genügt ein Hoherpriester für die Ewigkeit; Er wird nicht durch etwaigen Tod verhindert. – Können wir uns seine Herrlichkeit annähernd vorstellen? Nur schon aufgrund der Tatsache, dass Er sich nicht durch die vielfältigen Verlockungen der Welt in eine einzige Sünde verstricken liess, lässt seinen Glanz unvergleichlich werden. Eine einzige Sünde hätte Ihm Makel (1. Petr 1,19) und Tod (Rö 6,23) gebracht. Wie glänzte bzw. glänzt Christus, der in einer für Menschen unüberwindbaren und tödlichen weltlichen Umgebung überwunden hat! Kein Priester aus dem Alten Testament hat solches erreicht. Jene mussten auch für sich selbst opfern (Heb 5,3). Christus hatte das nicht nötig.

Vers 24

dieser aber, weil er in Ewigkeit bleibt, hat ein unveränderliches Priestertum. Hebr 7,24

Gott sei Dank! – ich lobe meinen Gott dafür – ist Christi Priestertum unwandelbar. Ist es nicht so, dass es völlig unpassend wäre, wenn jemand anders an Christi Statt, wenn auch nur abwechselnd oder stellvertretend, Platz nehmen würde? Könnten Sie sich das vorstellen? Würden Sie das wollen?

Nie hat jemand Christi Niveau nur annähernd erreicht (Offb 5,2-5)! Gott lässt nicht zu, dass ein Geringerer als Er für die Seinen einsteht! – So hat Gott alles herrlich eingerichtet und Christus stellt sich alldem zur Verfügung! Er sei gepriesen! Amen.

Vers 25

Daher kann er die auch völlig erretten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu verwenden. Hebr 7,25

Wer sich Gott naht, wird geheilt und errettet. Geheilt zu werden steht nicht im kurzfristigen Zusammenhang mit der Heilung von körperlichen Krankheiten. Der im Blick auf das Perfekte völlig verdorbene und boshafte Mensch braucht Heilung und Heiligung in allen Bereichen. Sein Wille, Verstand und seine Gefühle müssen auf Gott ausgerichtet werden. Ob wir es glauben oder nicht: Sie stehen beim natürlichen Menschen nicht neutral zu Gott, sondern bis zum Äussersten gegen Ihn (Mt 26,4; Rö 5,10).

Zuallererst muss der Mensch mit Gott versöhnt werden; es würde ihm nichts nützen, von einem körperlichen Gebrechen geheilt und schlussendlich trotzdem für immer in die Hölle geworfen zu werden (Mt 18,9). Diese Versöhnung mit Gott und ein ständiges Passend-Machen (Heiligung) für die Begegnungen mit Gott, haben wir Gläubigen Christi Opfer und seinem Priesterdienst zu verdanken. Ohne den Dienst des Hohenpriesters Christus und seiner völligen Hingabe zum Vater würden die Verheissungen für Gottes Volk in unerreichbare Ferne rücken; es braucht Ihn zwingend, damit wir in der Gemeinschaft Gottes bleiben dürfen, wie es die Luft zum Atmen braucht, um am Leben zu bleiben.

Christus hat in der Liebe zum Menschen dieser beständigen Arbeit zugestimmt und wendet hierfür einen nicht geringen Teil seiner (Tages-) Zeit auf, wie wir aus den Evangelien wissen. Wie herrlich erstrahlt sein Charakter im Gegensatz zur menschlichen Selbstsucht. Der menschliche Egoismus schränkt die Gesellschaft ein und sein Eigennutz macht ihn selber krank (Jes 50,1; 59,2; Jer 5,25; Hes 21,29). Wie gegensätzlich und herrlich sind die Früchte Christi im Vergleich mit den giftigen Beeren der Menschen! – Er sei gelobt in Ewigkeit! Amen.

 

Vers 26

Denn ein solcher Hoherpriester geziemte sich auch für uns: heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden,   Hebr 7,26 

Wir brauchen einen solchen Hohenpriester, weil nur Er in der Lage ist, den Menschen völlig zu erretten. Wir brauchen nicht einfach nur eine Extraportion Kraft, weil wir nur 30 anstelle von geforderten 35 Kilogramm stemmen können. Auch benötigen wir nicht jemanden, der uns noch etwas schneller macht, um 100 Meter in sieben Sekunden zu laufen. Das Gesetz offenbarte, dass wir in jeder Disziplin versagen und völlig enttäuschen, sei es in der Wahrheit, der Liebe, Fürsorge, dem Ausharren, der sexuellen Zucht und besonders dem Glauben. Dass der Mensch abscheulich böse ist, offenbart die folgende Begebenheit unter sehr vielen Beispielen. Ich glaube, sie nicht für die langjährige Leserschaft aufführen zu müssen; Neubekehrte sehen jedoch aber in dieser Thematik nicht immer klar.

9 Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf,  
10 und sie sahen den Gott Israels. Und unter seinen Füssen war es wie Arbeit in Saphirplatten und wie der Himmel selbst an Klarheit.  
11 Gegen die Edlen der Söhne Israel aber streckte er seine Hand nicht aus, sondern sie schauten Gott und assen und tranken.    2.Mose 24,9-11  

Aaron und die siebzig Ältesten durften Gott sehen und vor Ihm essen und trinken, ohne zu sterben! Kurz nach dieser Begebenheit machte Aaron auf Druck des Volkes das Goldene Kalb, den abscheulichen Götzen und liess verkünden, dass dies die Götter seien, die Israel aus Ägypten geführt haben (2. Mo 32,1ff). – Bedenken wir, dass dieses Gebaren nicht vom Pöbel kam, die Elite Israels liess solches zu, jene, die den lebendigen Gott sah und vor Ihm ass und trank. Wir lesen weiter nichts von einem Widerstand der Ältesten in der bösen Sache, die Aaron mit dem Goldenen Kalb anrichtete.

Dies schreibe ich als kleine Veranschaulichung, damit auch jeder Neubekehrte glaubt, was die Bibel über den Menschen sagt: In ihm wohnt Mord, Lüge und jede böse Tat (Mt 15,19). Daher genügt eine kleine Hilfe nicht für den Menschen, um, bildlich gesprochen, im Stemmen von 30 auf 35 Kilogramm kommen. Wir brauchen einen perfekten Hohenpriester, der uns in ausnahmslos jedem Bereich zur Erneuerung verhilft.

Vers 27

der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn dies hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat.   Hebr 7,27 

Christus hat sich selbst dargebracht. Das bedeutet, dass Er in allem dem Vater so gehorsam war, dass Er bis in den Tod hinein gehorchte.

Wir gehorchen sehr oft nur berechnend. Nicht zu töten leuchtet ein, ansonsten werden wir die nächsten Jahre sehr eingeschränkt im Gefängnis verbringen. Bei den Lügen verhält es sich ähnlich, weil wir die Nachteile von aufgedeckter Unwahrheit kennen sowie den Verlust des Ansehens. So gehorchen wir den Geboten Gottes oberflächlich und rühmen uns als „gute“ Christen.

Schwieriger wird es, wenn der Gehorsam keine unmittelbare Freude in Aussicht stellt. Wenn die Aussicht auf ein entbehrungsreiches Leben die einzige unmittelbare ist, hört der Gehorsam bei nicht wenigen auf. „Bis hierher mache ich mit, doch nicht weiter!“, sagen viele Geschwister zum Ewigen Vater, natürlich ohne es so in Worte zu fassen. Die Einstellung wird einfach so geformt und das Leben bzw. die Früchte davon wiederspiegeln sie.

Christus handelte in jedem Punkt mit voller Hingabe, obschon das Leben für Ihn nur Entbehrungen, Schmähungen der eigenen Schöpfung und Tod in Aussicht stellte. – Ich muss jetzt für das Verständnis von einigen Lesern eine törichte Frage aufwerfen: Handelte Christus denn so, weil Er nicht wusste, was Ihn erwartete? Trottete Er einfach naiv hinter dem Vater her? – Bitte entschuldigen Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese beiden Fragen. Ich stelle sie nur, um die Gedanken einiger zum rechten Ausgangspunkt zu führen. – Christus wusste, was ihn erwartete, und das wusste Er in jedem Punkt (Mt 16,21; 17,22; 20,17). Christus kannte aber seinen Vater und daher war Ihm auch wohlbekannt, dass der welcher die Liebe ist, die Menschen nicht zum Verderben erschaffen hat. Die Leiden gehören zum Erlernen des Gehorsams (Hiob 36,7-11; Heb 5,8). Im Anschluss eines bewährten Lebens, ganz gleich, ob es im Tod endete, beweist der Vater seine Liebe zur Schöpfung mit vollen und „gerüttelten“ Massschalen (= gerüttelt bedeutet, dass sie beim Einfüllen immer wieder gerüttelt werden, damit noch mehr Segen drin Platz findet). Dies wird unverhüllt kommuniziert (Lk 6,38).

Wer dem Himmlischen Vater in allem vertraut und Ihm so gehorcht, wie Christus gehorchte, wird keinem einzigen Tag seines Lebens, in dem er so wandelte, nachtrauern. Gott wird einem solchen Diener im Übermass vergelten, wie Er es bei Christus tat. Amen, dieses Wort ist gewiss!

Vers 28

Denn das Gesetz setzt Menschen als Hohepriester ein, die mit Schwachheit behaftet sind, das Wort des Eidschwurs aber, das später als das Gesetz <gegeben wurde>, einen Sohn, der in Ewigkeit vollendet ist.   Hebr 7,28  

Das siebente Kapitel schliesst mit den Worten: „einen Sohn, der in Ewigkeit vollendet ist.“ Dieser wahrhaft vollendete Sohn, perfekt in jeglicher moralischer Hinsicht sowie auf dem Zenit in der Macht- bzw. Vermögensfrage, bekräftig es selbst nochmals zum Trost seiner Jünger:

Und Jesus trat zu <ihnen> und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.   Mt 28,18

Er vermag uns in allen Situationen zu helfen und nachzufühlen und ist auf keine der folgenden Fragen ratlos. Er hat eine Antwort, wenn wir fragen:

 - Weisst Du, Christus, wie es sich in meiner Situation anfühlt? – Die Antwort finden wir u. a. im Heb 4,15.
 - Kannst Du mir auch helfen, wenn die ganze Welt gegen mich steht? – Die Antwort finden wir u.a. im Dan 7,14 und im Eph 1,22.

Diese Hauptfragen decken alle weiteren bezüglich des Verständnisses und des Vermögens Christi, Menschen wirklich zu helfen, ab. Wenn Ihm alle Macht gegeben ist, dann kann Er aus jeder Situation befreien, sei es unheilbare Krankheit oder gar Tod, sei es Widerstand in der Welt oder gar offener Krieg. Und wer jede Versuchung erdulden musste und erfolgreich dagegen gestanden ist, kann sich wie kein anderer in jede unserer Lagen versetzen. – Seien wir also getrost, wir haben einen absolut passenden und total vermögenden Hohenpriester! Lasst uns ihn von Herzen lieben! Amen.

Kapitel 8

Vers 1

Die Hauptsache aber bei dem, was wir sagen, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln,   Hebr 8,1  

Mit diesem Vers bringt es der Heilige Geist auf den Punkt: Die Hauptsache ist, dass wir einen solchen Hohenpriester haben! – Was ist denn speziell an diesem Hohenpriester? – Unser Hohepriester ist nicht so, wie die Priester damals, die den Propheten verboten hatten, zu weissagen (Am 7,12.13). Er ist auch nicht so, wie es viele Pfarrpersonen, Priester und sonst wie ordinierte Menschen in den Kirchen sind. Er gebärdet sich ebenfalls nicht nach der Weise von vielen Predigern, Ältesten, Diakonen und Gemeindehelfern von Freikirchen.

Christus ist ein Hoherpriester, der sein Leben verleugnet hat, um Kranken, Lahmen und Krüppel ins Reich Gottes zu verhelfen. Er half Verachteten und wurde zu Ihrer und meiner Hoffnung. – Egal in welcher Lage Sie sich befinden, liebe Leserinnen und Leser, setzen Sie Ihre Hoffnung auf Christus, nicht auf Menschen! Amen!

Vers 2

als Diener des Heiligtums und des wahrhaftigen Zeltes, das der Herr errichtet hat, nicht ein Mensch.   Hebr 8,2 

Christus dient nicht im irdischen Heiligtum, dem Zelt der Begegnung aus der Wüstenwanderung oder dem Tempel Salomos. Auch wenn die irdischen Abbilder herrlich waren und aus hochwertigsten Materialien bestanden – der Tempel war vollständig mit Gold überzogen -, ist das himmlische Heiligtum besser. Nicht ein Mensch hat es errichtet, sondern Gott. Es ist das „wahrhaftige Zelt“.

Wenn nun Gott bereits im Abbild des wahren Heiligtums Wohnung nahm (2. Mo 40,35; 2. Chr 5,13) und dort auf mit Schwachheit behaftete priesterliche Gebete hörte, wie viel mehr wohnt Gott im wahren Tempel und hört die Gebete des vollkommenen Priesters, Christus! Christus, der unbefleckt und absolut rein wie Gott selbst vor dem Vater steht; wahrlich, keines seiner Gebete bleibt unerhört, wie geschrieben steht:

Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst; doch um der Volksmenge willen, die umhersteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.   Joh 11,42

Gott erhört Christus ohne Wenn und Aber. Sogar im Garten Gethsemane, wo Christus für den schlimmen Gang ans Kreuz festgenommen wurde, hätte der Vater Ihn um seiner Gerechtigkeit willen erhört und davor verschont (Mt 26,53). – Wir haben also einen Hohenpriester, der mit einer einhundertprozentigen Erfolgsquote dient, in einem perfekten Heiligtum, wo Gott mit Sicherheit wohnt.

Ich hoffe, dass diese Betrachtung unserem Glauben hilft, Christi Dienst zu vertrauen und uns dazu bringt, Ihm alles anzuvertrauen und in Allem auf Ihn zu hoffen! Amen.

Vers 3

Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um sowohl Gaben als auch Schlachtopfer darzubringen; daher ist es notwendig, dass auch dieser etwas hat, das er darbringt.   Hebr 8,3  

Es ist notwendig, dass auch „dieser“, gemeint ist Christus in der Eigenschaft als Hoherpriester, „etwas hat, das er darbringt.“ Christus war schon vor seiner Geburt als Mensch beim Vater, das haben wir bereits erörtert. Diese Einheit mit dem Vater war exzellent, dazu war selbstverständlich kein Priesterdienst notwendig. – Weshalb wurde Er dann später als Hoherpriester eingesetzt? – Weil es um des Menschen willen erforderlich wurde; es brauchte einen Mittler zwischen Gott und den zwischenzeitlich gefallenen Menschen.

Zu diesem Zweck muss Christus etwas darbringen, dazu sind Hohepriester eingesetzt. – Was setzte Christus als Gabe ein, was ist notwendig, um die Beziehung zwischen Gott und Mensch wiederherzustellen? – Christus musste ein tadelloses Opfer darbringen in der Gleichheit und Wertigkeit eines Menschen. Tieropfer waren zu gering, um die Sünden der Menschen zu tilgen (Heb 10,4).

Da nun kein Opfer zu finden war, das dieser Aufgabe gerecht wurde, ausser seiner herrlichen Person selbst (siehe Pred 7,28!), brachte Er sich selbst dar. Sein Opfer war dem Vater in allen Punkten angenehm; es vermag die Menschen vollends zu erretten. – Er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen.

Vers 4

Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht einmal Priester, weil die da sind, die nach dem Gesetz die Gaben darbringen  Hebr 8,4  

Wäre Christus auf Erden, wo die irdische Stiftshütte und später der Tempel standen, wäre er nicht einmal Priester, weil in den irdischen Abbildern die Nachfahren Levis und Aarons dienten. Levi ist jedoch kein Vorfahre Christi. Somit wäre Christus nicht einmal Priester im Blick auf die irdischen Abbilder des himmlischen Heiligtums.

Vers 5

- die dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, wie Mose eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, das Zelt aufzurichten; denn »Sieh <zu>«, spricht er, »dass du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist!« -.   Hebr 8,5   

Die Nachfahren Levis dienten dem „Abbild und Schatten der himmlischen Dinge“. Sie dienten nicht dem himmlischen Heiligtum; sie verrichteten ihren Dienst nur einem Abbild davon. Mose sah das vollendete Heiligtum und liess die Stiftshütte nach jenem entstehen, indem er genaue Anweisungen für den Bau erliess.

Diesem irdischen Heiligtum dienten Priester, die mit Schwachheit behaftet waren. Das Heiligtum stellte, wie erwähnt, lediglich ein Abbild dar und war nicht vollkommen, wie es die Priester nicht waren. Das himmlische Heiligtum ist vollkommen und muss deshalb auch von einem vollkommenen Priester bedient werden. – Wer sich ausschliesslich dazu eignet – es gibt keinen anderen! – ist Christus, welcher gepriesen ist! Amen.

Vers 6

Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheissungen gestiftet worden ist.   Hebr 8,6

Christus hat gegenüber den irdischen Priestern den hervorragenderen Dienst erlangt. Ausserdem ist Er auch Mittler des Neuen Testaments. Ohne Ihn hätte dieses herrliche Vermächtnis nie angeboten werden können; der Mensch war zu schwach und zu sündig, es ausserhalb des Retters zu ergreifen.

Die Verheissungen im Neuen Testament sind herrlicher als die im Alten. Im Alten geht’s um ein Land und irdischen Verheissungen. Im Neuen Testament geht es um die Sohnschaft Gottes, himmlischen Segnungen und die ganze Erde als Erbschaft.

Die Voraussetzung, diese Segnungen zu erlangen, ist ein tadelloses Leben, das nur in Christus in Verbindung mit seiner grossen Gnade (zur Vergebung) zu bekommen ist. Dass Er sich dazu zur Verfügung stellt und den Menschen in Ewigkeit dienen will, ist schlicht anbetungswürdig! Amen.

Vers 7

Denn wenn jener erste <Bund> tadellos wäre, so wäre kein Raum für einen zweiten gesucht worden.   Hebr 8,7

Was uns hier der Heilige Geist vorstellt, leuchtet ein. Ausserdem sollen wir um unserer Demut willen wissen, dass das Gesetz bereits heilig, gerecht und gut war (Rö 7,12). Wie kann etwas schlecht sein, das von Gott kommt? – Der „erste Bund“ war nur aus diesem Grund nicht tadellos, weil der Mensch auf seiner Seite die Anforderungen nicht halten konnte. Der Mensch hielt dagegen und sündigte, statt sich auf dem Pfad des Gesetzes zu bewegen.

Das Gesetz offenbarte das totale Unvermögen des – ach – so stolzen Menschen (Rö 3,20). Sollte der Mensch doch noch gerettet werden, drängte sich der Ruf nach einem Retter auf. Dieser Retter kam nicht unverhofft, Er wurde im Voraus angekündigt. Seine Auserwählung geschah ebenfalls nicht nach dem Zufallsprinzip; vielmehr musste genau und „fortwährend“ danach gesucht werden:

Was meine Seele fortwährend suchte und ich nicht fand: Einen Mann fand ich aus Tausenden, aber eine Frau unter diesen allen fand ich nicht. Pred 7,28 

Seien Sie über diesen Vers nicht geschockt, liebe Leserinnen! Wenn Sie weiterlesen, werden Sie sehen, dass die Männer darin auch eingeschlossen sind! - Der Retter konnte nicht aus den Frauen kommen, weder aus dem natürlichen Geschlecht, noch aus dem, das Gott im übertragenen Sinn dem weiblichen zurechnet: Dem ganzen Volk Gottes, worin alle Männer miteingeschlossen sind (Jes 54,5; 2. Kor 11,2). Die Nationen sind im Blick auf den Stammbaum Christi sowieso ausgeschlossen; aus ihnen kommt der Retter nicht. Der Retter kommt aus Bethlehem (Mi 5,1). Er ist aber nicht aus dem gefallenen Geschlecht Adams, aus dem selbst Abraham gekommen ist. Obschon Christi Stammbaum durchwegs durch die Linie Davids geht, welcher Isrealit war, kam die männliche Erbinformation nicht von David, der sich ebenfalls dem gefallenen Geschlecht Adams zurechnen musste. Die männliche Erbinformation kam direkt von Gott, durch den Heiligen Geist zu Maria, welche eine Eingeborene Israels war (Lk 1,35). So kam der Retter, Christus, zwar aus Israel; Israel ist aber klar die weibliche und somit schwächere Hälfte dieser Verbindung (1. Petr 3,7). Der Vater Christi ist Gott persönlich und kein anderer. Amen.

Vers 8

Denn tadelnd spricht er zu ihnen: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schliessen,   Hebr 8,8   

Weshalb spricht er tadelnd zu Israel, wo Er wusste, dass sie unfähig waren, das Gesetz zu halten? – Wegen des Menschenstolzes! Der Mensch sieht sein Unvermögen nicht demütig ein, sondern masst sich Gottes Niveau an und reduziert die moralische Herrlichkeit Gottes auf die Marke eines völlig versagenden und gefallenen Menschen.

Dies zwingt Gott dazu, den Menschen tadeln zu müssen und auf einen neuen Bund hinzuweisen, welcher mit der Notwendigkeit eines Retters Klartext spricht: Mensch, ohne Retter bist du verloren! Sieh das endlich ein und demütige dich, ansonsten kannst du von Gott niemals angenommen werden!

Vers 9

nicht nach der Art des Bundes, den ich mit ihren Vätern machte an dem Tag, da ich ihre Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie blieben nicht in meinem Bund, und ich kümmerte mich nicht um sie, spricht der Herr.   Hebr 8,9

Glücklicherweise wurde der Neue Weg in Christus zwischenzeitlich geoffenbart. So sind wir heute nicht mehr unter Gesetz, dem Bund, der im Alten galt.

Israel verwarf leider die Worte Gottes, wie es heute das Gros der Christen tut. In der Folge zog sich Gott zurück; der Tempel wurde ihnen als leere Hülle zurückgelassen.

Wie die Herrlichkeit und Gegenwart Gottes damals den Tempel verliess, hat Christus heute bereits viele seiner Ihm gehörenden Häuser verlassen müssen und steht vor geschlossenen Türen (Offb 3,20). So wird sich die Tragödie Israels im Volk des Neuen Testaments wiederholen, selbst wenn es viele für unmöglich halten: Christus hat die Lauheit so satt, dass Er solche Menschen bzw. Gemeinden nicht bei sich behalten kann: Er wird Christen ausspeien müssen, wie man verdorbene Speise erbricht, sollten Betreffende nicht Busse tun (Offb 3,16).

Vers 10

Denn dies ist der Bund, den ich dem Haus Israel errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Meine Gesetze gebe ich in ihren Sinn und werde sie auch auf ihre Herzen schreiben; und ich werde ihnen Gott und sie werden mir Volk sein.   Hebr 8,10 

Diese Verse sind aus dem Propheten Jeremia zitiert (Jer 31,31ff). Sie weisen aufrichtige Israeliten auf die Hoffnung hin, die Gott in Christus in Aussicht stellt. Bereits in jener Zeit war für aufrichtige Menschen klar, dass der erste Bund mit dem Gesetz nicht die endgültige Lösung zwischen Gott und den Menschen sein kann. Das Versagen auf der Seite der Menschen war offensichtlich wie auch die Tatsache, dass Gott dadurch verhindert war, einen uneingeschränkten Segensstrom auszugiessen.

Daher musste, da Gott sich dazu entschieden hatte, weiter mit Menschen zusammen sein zu wollen, eine Lösung kommen, die dem Menschen für die Beziehung zu Gott alles abnimmt. Eine Gesetzesänderung mit weiteren Forderungen Gottes, die eine Verbesserung des Menschen verlangten, hätte uns vor eine weitere unmögliche Aufgabe gestellt und die Hoffnung auf Rettung gänzlich schwinden lassen.

Unser Gott sei gepriesen, dass Er den Menschen die Lösung für eine allumfassende Rettung in Christus anbietet! – Heute ist nur noch verlangt, sie zu ergreifen nach dem Schriftwort: „Und wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst (Offb 22,17b)!“ Die Rettung in Christus fordert nichts vom alten Menschen, da bekanntlich von diesem nichts verlangt werden kann. Vielmehr bietet sie lebendiges Wasser kostenlos an. Das Leben in Christus erhalten wir unentgeltlich, denn die kleinste Gebühr dafür würde aussagen, dass im Menschen doch irgendwo ein Funke Gutes steckt, das vor Gott als Kaufpreis oder Opfergabe taugt. Dass dem nicht so ist, sehen wir bereits am Anfang der Bibel im Opfer Kains, das vom HERRN nicht beachtet wurde (1. Mo 4,5). Amen.

Vers 11

Und nicht werden sie ein jeder seinen Mitbürger und ein jeder seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn alle werden mich kennen, vom Kleinen bis zum Grossen unter ihnen.   Hebr 8,11

Das in diesem Vers Enthaltene wurde im Alten nicht erreicht. Die Erkenntnis Gottes war unter irdischen und fleischlichen Elementen in der Art nicht möglich, wie sie es unter geistlichen Bedingungen ist. Ein wiedergeborener Mensch besitzt schon die geistliche Natur, ein zentrales Element Gottes, sein Wesen (Rö 8,9). Das Geistliche im Menschen trachtet (automatisch) nach Göttlichem, das Fleischliche nach Fleischlichem (Rö 8,5ff).

Christi Tat hat bewirkt, dass wir in allen Punkten unterstützt werden; kein einziges Element wurde ausgelassen, das der Mensch für sein Heil benötigt. Auch das Erkennen des HERRN wurde aufgrund der neuen Ausgangslage bei Christen zur Selbstverständlichkeit!

Vers 12

Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.«    Hebr 8,12    

Durch das Wissen von der Tat Christi (in der Zeit vor Christus in unserer Zeitrechnung) und durch den tatsächlichen Tod am Kreuz, konnte Gott der Menschheit immer mit Gnade begegnen.

Die erweiterte Gnade in Christus wurde aber für uns erst im Neuen Testament offenbar, vorher galt noch das Alte Testament bis zu Johannes dem Täufer (Luk 16,16). Alles im Gesetz – bereits das Passahlamm vor der Gesetzgebung am Sinai – deutete auf einen kommenden Retter hin, der stellvertretend sühnen wird bzw. der inzwischen gesühnt hat. Und weil das Opfer Christi mit einer endgültigen Wirksamkeit wirkt, nicht wie die Tieropfer im alten Bund (Heb 10,4), kann Gott ausrufen: „Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.“ Das Wort „nie“ zeigt die Wirksamkeit der Tat Christi. Das Blut von Stieren und Böcken bedeckte die Sünden nur; sie konnten aber jederzeit wieder hervorgeholt werden. Das Blut Christi erledigt das Sündenproblem für immer; der Sünden kann nie mehr gedacht werden (Dan 9,24; Joh 1,29). Amen.

Vers 13

Indem er von einem »neuen« <Bund> spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich überlebt, ist dem Verschwinden nahe.   Hebr 8,13 

Wenn etwas durch etwas Neues ersetzt wird, tritt das Neue an die Stelle des Alten. Das Alte wird weggeräumt. – Weshalb wurde das Neue ansonsten angeschafft?

Meines Erachtens ist das die deutlichste Stelle im Neuen Testament, die in einem Satz erklärt, dass für Christen das Ziel nicht ist, durchs Gesetz gerechtfertigt zu werden. – Heute wissen wir, dass Gläubige durch den Glauben gerechtfertigt werden, ein neues Leben erhalten und als Söhne und Töchter im Gehorsam wandeln sollen. Die göttliche Natur im Christen hat Wohlgefallen am Gesetz Gottes und hält es von sich aus; sie sündigt nicht (1. Joh 5,18).

Es ist aber nicht so, dass das Gesetz der Gesetzlosigkeit gewichen wäre. Kein Strichlein des Gesetzes vergeht (Mt 5,18). Gott hat durch die Einführung des Neuen Testaments seine moralischen Forderungen und seine gesellschaftlichen Ordnungen nicht über Bord geworfen. Christen die glauben, aufgrund von Gnade zügellos leben zu dürfen, haben den HERRN nicht verstanden. Bei solchen ist es gerecht, wenn sie unter Gerichte kommen (Rö 3,8).

Heute ist es so, dass wir im Gegensatz zu früher nicht das Gesetz halten müssen, um gerechtfertigt zu werden (was der Mensch ja bekanntlich nicht schafft; siehe Apg 15,10). Wir wurden durch Christi Opfer gerechtfertigt und sind angehalten, im Gehorsam zu leben. Die Vorgaben Gottes hält unsere neue Natur schon von sich aus, da sie nicht sündigen kann. – Verlangt ist heute nur das, was Eltern von ihren Kindern fordern: gerne ausgeübter Gehorsam der mit Liebe vermengt ist. Das ist die beste Basis für ein gutes Zusammenleben in der Gemeinschaft. Diese Elemente – unter Ehrfurcht und Ehrerbietung ausgeübt – ermöglichen ein sehr gutes Auskommen untereinander.

Kapitel 9

Vers 1

Es hatte nun zwar auch der erste <Bund> Satzungen des Dienstes und das irdische Heiligtum.   Hebr 9,1

Selbst der erste Bund hatte definierte Gottesdienstordnungen, wie es auch im neuen ist. Viele wollen leider auch heute wie damals nichts von einer abgegrenzten Ordnung wissen und leben leider nur nach Gutdünken (Ri 21,29). Doch das ist ein anderes Thema.

Der erste Bund hatte also auch eine definierte Dienstordnung, an dieser Stelle „Satzungen des Dienstes“ genannt, wie wir sie heute auch haben. Dazu gehörte als zentrales Gefäss und Haus Gottes das irdische Heiligtum, das Zelt der Begegnung und später der fest gebaute Tempel, der die mobile Stiftshütte ablöste.

 

Vers 2

Denn es wurde ein Zelt aufgerichtet, das vordere – in dem sowohl der Leuchter als auch der Tisch und die Schaubrote waren –, das das Heilige genannt wird,   Hebr 9,2

Das Zelt, also die Stiftshütte, war wie später der Tempel unterteilt. Der vordere Teil wurde „das Heilige“ genannt. Darin befanden sich der Leuchter, Tisch und die Schaubrote.

Jeder Leserin und jedem Leser empfehle ich, sich einmal Bilder von Nachbauten der Stiftshütte anzuschauen. Obschon das irdische Abbild heute nicht mehr da ist, bleibt jenes im Himmel bestehen. Es ist somit gut, wenn wir die Dinge des Vaters kennen. Eine Verknüpfung zu einer Veranschaulichung finden Sie auf einer auswärtigen Seite durch folgenden Link: Stiftshütte. Bitte beachten Sie, dass ich Links auf externe Seiten nicht überwache. Die Inhalte können ändern und die Übereinstimmung zur Schrift verlieren. Prüfen Sie bitte immer auch selbst, was Sie lesen nach dem Schriftwort in der Apostelgeschichte 17,11.

Vers 3

hinter dem zweiten Vorhang aber ein Zelt, das das Allerheiligste genannt wird,   Hebr 9,3

Hinter dem Heiligen kam, durch einen Vorhang getrennt, das Allerheiligste. Das war der Raum, wo die Bundeslade mit den Gesetzestafeln aufgestellt war. Darüber wachten zwei Engel. Dieser Raum durfte nur einmal im Jahr von einer einzigen ausgewählten Person betreten werden: dem amtierenden Hohenpriester.

Vers 4

das einen goldenen Räucheraltar und die überall mit Gold überdeckte Lade des Bundes hatte, in welcher der goldene Krug, der das Manna enthielt, und der Stab Aarons, der gesprosst hatte, und die Tafeln des Bundes waren;   Hebr 9,4

Dieser Vers beinhaltet Material für viele Predigten. Vielsagend ist jeder Gegenstand sowie die Begebenheit, dass der Stab Aarons gesprosst hatte.

An dieser Stelle ist für uns wichtig zu wissen, dass kein gewöhnlicher Israelit diesen Raum zu Gesicht bekam. Der Weg zu Gottes Wohnstätte war verschlossen; das Gesetz half dem Menschen nicht, den Vorhang zum Allerheiligsten zu öffnen.

Vers 5

oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, die den Versöhnungsdeckel überschatteten, von welchen Dingen jetzt nicht im einzelnen zu reden ist.    Hebr 9,5  

Die im vorausgehenden Vers erwähnte, „mit Gold überdeckte Lade des Bundes“, in welcher die Tafeln des Bundes lagen (die Zehn Gebote), hatte einen goldenen Deckel auf dem zwei Engelsstatuen – „Cherubim der Herrlichkeit“ – symbolisch wachten.

An dieser Stelle möchte ich nicht näher auf die übertragene Bedeutung dieser Dinge eingehen; der Heilige Geist geht auch nicht näher darauf ein. Der Fokus liegt mehr darauf, dass während des Zeitalters des Gesetzes der Weg ins Allerheiligste noch nicht offen war (siehe Vers 8).

Vers 6

Da aber dies so eingerichtet ist, gehen zwar in das vordere Zelt die Priester allezeit hinein und verrichten die Dienste,   Hebr 9,6 

Das Haus Gottes verpflichtet zum Unterhalt. Es ist kein Dekorationsobjekt. Obschon es im Alten sehr erhaben, und mit Gold überzogen (Tempel) dastand, war es nicht nur zum Anschauen gebaut. Das Haus Gottes ist im Normalfall bewohnt. Und wo jemand wohnt, gibt es verschiedene Dienste, da dort gelebt wird. Wir wohnen ja auch nicht in Häusern, die wie Museen eingerichtet sind und um jedes Möbelstück eine Absperrung und einem Schild mit der Aufschrift „bitte nicht berühren“ stehen.

Im Haus Gottes wohnt Gott, der nicht wie ein Götterbild nur abgestaubt werden muss. Gott ist lebendig und verwendet sich für uns. Dazu hat er Priester eingesetzt, die Ihm das Volk nahe bringen. Dazu stand beispielsweise der Schaubrottisch mit den zwölf Broten im Haus, für jeden Stamm ein Brot. In diesem Haus gab es auch Weisung zum Leben. Diese Weisung lag im Allerheiligsten unter dem Sühnedeckel der Bundeslade. Allein taugte die Weisung nicht für das Volk; sie ist zu heilig. Zusammen mit dem Sühnedeckel d.i. Christus, der für die Unzulänglichkeiten der Menschen sühnte, wird sie aber für die Menschen zur Rettung und zum Segen.

Als errettete Menschen sind wir auch in den Priesterdienst berufen. Wir gehören zum königlichen Priestertum (1. Petr 2,9). Dazu nahm Gott persönlich Wohnung in uns (1. Kor 3,16). Das bedeutet, dass wir zu demselben Dienst berufen sind, wie es die Priester damals waren. Wir haben Gott an seinem Wohnort zu dienen und das Volk vor Ihn zu bringen, d.h. für das Volk zu bitten. Wer Gott tagsüber geistlich nicht dient – damit ist nicht die praktische Hilfe bei Menschen gemeint, welche natürlich auch sehr gut ist -, der vernachlässigt Gottes Haus und damit den, der darin wohnt.

Lassen wir Gottes Haus weder verkommen noch zum Museum mutieren. Der Lebendige ist keine Götzenstatue, die nur abgestaubt werden will. Amen.

Vers 7

in das zweite aber einmal im Jahr allein der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er darbringt für sich selbst und für die Verirrungen des Volkes.   Hebr 9,7  

Mit „in das zweite“ ist der Gang ins den zweiten Raum der Stiftshütte, das Allerheiligste, gemeint. Dort durfte allein der Hohepriester und nur einmal im Jahr hineingehen.

Je näher wir im Haus Gottes, wo sich jeder Christ aufhalten sollte, zu Gott herantreten, desto mehr Unterstützung braucht der Mensch von Christus. In die Gegenwart Gottes durfte nur ein von Gott nominierter Mensch mit dem Blut eines stellvertretenden Opfers kommen, ohne zu sterben, währenddem draussen die Volksgenossen am Leben blieben, obschon sie Götzen bei sich hatten (Apg 7,43).

Wenn Sie sich als Christ in Höhen schwingen möchten, die nur solchen mit reinem und heiligem Lebenswandel vorbehalten sind, sollten Sie darauf achten, alles, was Sie tun, im Namen und mit dem stellvertretenden Opfer, Christus, zu vollbringen.

 

Vers 8

Damit zeigt der Heilige Geist an, dass der Weg zum Heiligtum noch nicht geoffenbart ist, solange das vordere Zelt noch Bestand hat.   Hebr 9,8 

Solange das vordere Zelt noch Bestand hatte, war der Weg zu Gottes Wohnstätte, das Allerheiligste, durch einen Vorhang, auf dem Cherubim abgebildet waren (symbolisch als bewachter Eingang zu betrachten), verschlossen. Kein Mensch hatte die innere Grösse und Reinheit, vor Gott erscheinen zu dürfen, ausser der Hohepriester. Doch selbst dieser durfte nur sehr eingeschränkt eintreten und das unter anderem auch nur, um symbolisch den für Christus geöffneten Zutritt anzudeuten und damit die Hoffnung nicht sterben zu lassen.

Es ist deshalb mehr als nur ein „banales Wunder“, dass der Vorhang im Tempel von oben bis unten durchriss, als Christus am Kreuz starb (Luk 23,45; Heb 10,20). Diese für Menschen unüberwindbare Schranke wurde durch Christi Erlösungswerk weggeräumt. Dadurch erlöste und gereinigte Menschen, welche dieselbe Überwinder-Natur in sich tragen, haben seither ungehinderten Eingang zur Wohnstätte Gottes, des Allmächtigen (Heb 6,19). Amen.

Vers 9

Dieses ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, nach dem sowohl Gaben als auch Schlachtopfer dargebracht werden, die im Gewissen den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst ausübt.   Hebr 9,9

Der Heilige Geist erklärt damit, dass in einer Zeit, wo geopfert wird (mit „gegenwärtige Zeit“ ist die Zeit der Niederschrift gemeint, wo noch viele Israeliten opferten), den Opfernden noch nicht offenbar ist, wer den Zugang zu Gott öffnen wird. Deshalb werden in dieser Zeit noch Gaben und Schlachtopfer dargebracht.

Trotz dieser Gaben und Schlachtopfer harrte Israel auf den Erlöser, der den Zugang zu Gott ganz öffnen würde. Es sollte ja jemand kommen, der die Sünde wegnimmt (Jes 43,25), damit der Sünden nicht mehr gedacht wird. Das ständige Opfern liess aber dem Volk die Erinnerung daran immer wieder aufleben (Heb 10,3). Die Sünden waren mit den Tieropfern ja nur bedeckt, nicht aus der Welt geschafft, wie ich schon oft erwähnt habe (Heb 10,4). Somit konnte das Gewissen nie vollkommen werden; dem Gottesdienstübenden wurde auf diese Art die Hoffnung auf eine endgültige Lösung geweckt, die Sehnsucht nach einem Retter und wahrhaftigem Tröster erwuchs (Lk 2,25).

 

Vers 10

Es sind nur – neben Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen – Satzungen des Fleisches, die bis zur Zeit einer richtigen Ordnung auferlegt sind.   Hebr 9,10 

Da das Gesetz mit seinen Verordnungen nur ein Schatten der eigentlichen Dinge selbst ist, weist es auf das Vollkommene hin, ist es aber selbst für den Menschen nicht. Die Gaben und Schlachtopfer, „neben den Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen“, waren Satzungen die schattenhaft die Wirklichkeit andeuteten. Sie waren dem Fleisch angepasst und bereiteten den fleischlichen Menschen vor, das Vollkommene zu ergreifen. Der Mensch konnte damals in seinem Zustand nichts mit geistlichen Satzungen anfangen; das Fleisch braucht Satzungen des Fleisches, der geistliche Mensch benötigt hingegen Geistliches. Mit einem Gebot, bei Ungerechtigkeit die andere Wange hinzuhalten, kann das Fleisch nichts anfangen. Der fleischliche Mensch braucht sofortige Gerechtigkeit, obschon es ihn im Blick auf Gott selbst in Verlegenheit bringt, da der Mensch selber sündigt. Um doch vor Gott bestehen zu können, ordnete Gott wiederkehrende Opfer an. So konnte der Mensch sich immer wieder reinigen, um trotzdem vor Gott erscheinen zu können. – Bei Christen verhält es sich nicht so wie im Alten. Christen haben die neue Natur, die geistliche, welche durch das echte Opfer (nicht ein schattenhaftes) jedem Glaubenden gegeben wird (Jo 12,24). Christen leben bereits in der richtigen Ordnung. Christen leben in dem, was Menschen im Alten Testament nur schattenhaft angedeutet sehen konnten.

Wie viel mehr sind wir doch dafür verantwortlich, Christus nicht mit einem eigenwilligen Wandel zu verleugnen.

Vers 11

Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch das grössere und vollkommenere Zelt – das nicht mit Händen gemacht, das heisst, nicht von dieser Schöpfung ist –    Hebr 9,11

„Christus ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter“, das heisst, dass Christus der Hohepriester der wirklichen Dinge ist, nicht jener, der Abbilder. Er dient dem Heiligtum, das nicht von dieser Schöpfung ist; jenem, das nicht durch Menschenhände entstand.

Vers 12

und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen und hat <uns> eine ewige Erlösung erworben.    Hebr 9,12

Christus ging nicht mit irgendetwas Schattenhaftem hinein; Er ging mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das wahre Heiligtum und erwirkte mit dem wahren Opfer im wahren Heiligtum eine wahre Erlösung.

Vers 13

Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh, auf die Unreinen gesprengt, zur Reinheit des Fleisches heiligt,   Hebr 9,13

Bereits die Anwendung des Gottesdienstes an den Schattenbildern hatte heiligende Wirkung. Dies zeigt, wie effektiv das wahre Heiligtum ist. Das ist kein Wunder, da die Kraft Gottes die Macht der Finsternis, ganz gleich in welcher Aufstellung sie daher kam bzw. daher kommt, vernichtend und kompromisslos schlägt. Die Kraft Gottes ist so übermächtig, dass sie bereits in Abbildern heiligt. – Wie herrlich und effektiv ist sie ungefiltert! Es ist daher nicht erstaunlich, dass mit Fehler behaftete Menschen sofort sterben mussten, wenn sie auch in guter Absicht mit ihr in Berührung kamen. Usa kam nur mit einem Abbild von Gottes Herrlichkeit in Berührung und starb sofort, obgleich er in guter Absicht handelte (2. Sam 6,6ff).

Vielleicht erhalten Sie durch diese Betrachtung ansatzweise einen Blick für das, was es für Widersacher Gottes bedeutet, sich mit Ihm anzulegen. Eine Veranschaulichung mit eigenen Worten ist zu schwach, um das Machtgefälle Gott – Widersacher (oder Bosheit und Unreinheit allgemein) aufzuzeigen. Es verhielte sich so, wie wenn eine Ameise eine Panzerdivision* (*sehr grosse Armeeeinheit mit Kampfpanzern) aufhalten wollte.

Sie sehen, liebe Leserin und lieber Leser, wie sehr Gott seine Macht und Herrlichkeit dosieren muss, um nicht alles zu verzehren, weil die Welt noch vom Bösen durchsetzt ist? Er hält sich sehr zurück, ansonsten würde das Gute mitverschlungen werden (Mt 13,28ff).

Wer im Anblick des vielen Übels auf dieser Welt denkt, Gott würde es an Ressourcen und Kraft fehlen, das Böse zu besiegen, kennt Gottes Macht nicht. Ein Wort Gottes reicht aus, Nichtexistentes herbeizurufen (Ps 33,9); was passiert dann, wenn Gott gegen den Feind wütet und seine Worte laut erschallen lässt (Joel 4,16)?

Wir sehen also: bereits ein Abglanz des Wahren hat heiligende Wirkung auf das Volk; so kraftvoll dringt die Herrlichkeit Gottes selbst durch die Abbilder. Amen.

Vers 14

wieviel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist <als Opfer> ohne Fehler Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient!    Hebr 9,14

Wie sehr heiligend und allgemein wirkungsvoll ist das Blut Christi, um unser Gewissen zu reinigen, damit wir dem lebendigen Gott in tadelloser Weise dienen, wenn bereits die Schatten und Symbole dieser Opfer zu einem Gottesdienst befähigten?

Wir sehen aber den Unterschied zwischen Schattenbild und Wirklichkeit deutlich vor Augen: Die Tieropfer brachten es soweit, immerhin einmal im Jahr im Allerheiligsten dienen zu dürfen. Christi Opfer reinigt und erneuert uns hingegen in einer so vollkommenen Art und Weise, dass wir jederzeit vor Gott erscheinen dürfen, ohne irgendeinen Sicherheitsabstand einhalten zu müssen. Unser Weg zu Gott endet durch dieses wirksame Opfer nicht vor dem Vorhang seiner Wohnstätte, sondern erst in seinen Armen!

Liebe Leserin und lieber Leser! Manchmal neigen wir dazu, diese Wahrheit nicht zu glauben, weil wir zu sehr auf unser Unvermögen fixiert sind. Unser Unvermögen können wir als einen passiven Widerstand gegen Gottes Willen betrachten. Es steht nicht aktiv dagegen, es steht nur für unsere Unfähigkeit, uns aus eigener Kraft auf sein Niveau zu begeben. Dagegen steht der Feind mit seiner Armee voll aktiv gegen Gott und versucht mit aller Macht, seine Pläne zu durchkreuzen. – Wir dürfen uns aber heute sicher sein, dass das aktive Vorgehen des Feindes zu vergleichen ist, wie wenn eine Ameise eine Panzerdivision aufhalten wollte. Wie die Division unmöglich durch diese für sie lächerliche Kraft zu stoppen ist, kann unser passiver Widerstand unseres Unvermögens das Werk Christi aufhalten! – Aus diesem Grund sollten wir uns gedanklich nicht durch scheinbar uneinnehmbare Bollwerke, wie unsere manchmal ausgeprägte Trägheit, Inkonsequenz und Rückfälligkeit behindert sehen. Wenn das Machtgefälle Gott – Widersacher (aktiver Widerstand) so krass wie oben beschrieben ist, sollte dann dasjenige Gott – unser Unvermögen (passiver Widerstand) Christi Siegeszug aufhalten? – Ein lächerlicher Gedanke! Mit Christus ist es auch möglich, unser Unvermögen zu überwinden!

Für solche, die noch nicht an die beschriebene, totale Überlegenheit Gottes glauben können: Bitte lesen sie die Verse 1-3 in der Offenbarung, Kapitel 20. Ein einziger Engel Gottes, nicht eine Armee davon, geht ohne weiteres den Teufel binden und wirft ihn in sein Gefängnis für 1000 Jahre; es geschieht einfach so, obschon der Teufel Anführer einer grossen Heeresmacht und Fürst eines Reiches ist (Joh 16,11).

Vers 15

Und darum ist er Mittler eines neuen Bundes, damit, da der Tod geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen die Verheissung des ewigen Erbes empfangen.   Hebr 9,15  

Christus ist durch die Tatsachen, dass der Mensch allein sowie mit dem Gesetz zusammen ohne Hoffnung wäre, der Mittler eines neuen Bundes. Dieser neue Bund löscht nicht nur die Sünden derjenigen Menschen allgemein aus, die sie vor Gott bekennen, sondern auch die Übertretungen, die unter dem ersten Bund geschehen sind. Die Übertretungen Israels unter Gesetz wurden ja nicht durch die Tieropfer aus der Welt geschafft (Heb 10,4).

Damit zeigt der Heilige Geist den Hebräern plausibel auf, dass sich der alttestamentliche Gottesdienst überlebt hat, dass es ihm im Blick auf Christi Offenbarung nicht mehr lohnt nachzueifern. Das war oder ist für israelstämmige Menschen und solchen, die sich durch ihre Gebräuche beeindrucken liessen bzw. heute noch beeindrucken lassen von zentraler Bedeutung. Nicht selten sehen Israeliten oder sogar Menschen aus den Nationen (z.B. die Galater, siehe Gal 3,1ff) den alttestamentlichen Gottesdienst als immer noch gültig an und vermischen Komponenten aus dem Gesetz mit der neutestamentlichen Hausordnung* (*Mt Kap 5-7) und verursachen dadurch ein lehrmässiges Chaos. Dabei wird Christus verunehrt, weil seine zentral notwendige Tat bei den Riten des Gesetzes eingereiht wird, wobei letztere nur ein Abglanz der Wirklichkeit darstellen. Bei einer Vermischung wird die Herrlichkeit Christi auf die Stufe von Symbolen herabgesetzt.

Obschon die Lehre Christi wie erwähnt sehr viel höher ist als die alttestamentliche, hält sich die alte hartnäckig unter nicht wenigen Gläubigen. Schon die Apostel hatten dagegen anzukämpfen (Apg 15,5).

Seien wir uns im Klaren diesbezüglich! Es ist wichtig, dass wir selbst lehrmässig sattelfest sind. So können wir uns und unsere Zuhörer vor grossen Irrtümern bewahren! Amen.

Vers 16

- Denn wo ein Testament ist, da muss notwendig der Tod dessen eintreten, der das Testament gemacht hat.   Hebr 9,16  

Israel erwartete einen Erlöser und wir sehen an bestimmten Stellen im Wort Gottes, dass sie auf einen solchen warteten, der sofort mit Macht sein Reich aufrichtet. Dass Christus es jedoch während seines uns bekannten Wandels auf Erden nicht tat, irritierte einige. Sogar Johannes der Täufer war sich plötzlich nicht mehr sicher, ob dieser ihm bekannte Jesus nun wirklich der Erlöser sei (Lk 7,19). Dieser Hinweis des Geistes erklärt auf eine für jeden nachvollziehbare Art, weshalb Jesus nicht kam und sofort sein Reich aufzurichten begann, was erwartungsgemäss, nach menschlicher Einschätzung, hätte erfolgen müssen.

Wir haben inzwischen das Wissen, dass eine sofortige Reichsübernahme heilsgeschichtlich auf keinen Fall möglich war, ansonsten hätte des unbereinigten Sündenproblems wegen niemand gerettet werden können, selbst nicht einmal die Jünger des HERRN. Aus diesem Grund werden die Bündnisse des HERRN auch als Testamente bezeichnet, denn es ist für den Menschen nachvollziehbar, dass ein Testament erst rechtskräftig wird, wenn der Tod dessen eintritt, der es gemacht hat.

Diese Veranschaulichung der Tat Christi lässt uns tröstlich wissen, wie sicher wir uns nun in der Wirklichkeit des Neuen Testaments befinden. Christus ist gestorben und wir sind – da Gott keines seiner Worte auf den Boden fallen lässt – jetzt als Erben im Genuss dieses Testaments. Geistlich gibt es bereits heute keine Einschränkung der geistlichen Wirksamkeit (Eph 1,3). Die materiellen Genüsse dieses reichen Erblassers, dem das ganze Universum uneingeschränkt gehört, werden für die seinen folgen. Amen.

Vers 17

Denn ein Testament ist gültig, wenn der Tod eingetreten ist, weil es niemals Kraft hat, solange der lebt, der das Testament gemacht hat. –   Hebr 9,17  

Die Veranschaulichung mit dem Testament ist sehr wertvoll, wie schon im oben erwähnten Kommentar beleuchtet. Die Zeitrechnung, das Abendmahl und die Geschichtsschreibung zeugen von der Existenz und vom Tod Christi. So können israelstämmige und –orientierte Menschen völlig getrost sein, dass dieses Testament in Kraft ist. Es besteht nun eine neue Situation, die alte hat sich überlebt. Es sollte anhand dieser Faktenlage nicht so schwer sein, das Alte zu lassen. Es ist jetzt also die Zeit nach dem Inkrafttreten des Neuen Testaments. Halten wir uns demgemäss an die neutestamentliche Ordnung! Amen.

Vers 18

Daher ist auch der erste <Bund> nicht ohne Blut eingeweiht worden.  Hebr 9,18  

Der alte Bund wurde wie der neue Bund eingeführt: Mit Blut. Blutvergiessen bedeutet Tod und ohne Tod der alten und bösen Natur des Menschen ist kein Mensch berechtigt, für das Reich Gottes Zutritt zu erhalten (Sach 3,7). Wer in den Bund Gottes treten will, muss das unbedingt wissen.

In diesem Brief an die Hebräer, welche das israelitische Brauchtum gut kannten, wird hiermit schön dargelegt, dass nicht nur der erste Bund mit Blut eingeweiht wurde. – Die Wahrheit und Aussage der Schrift geht wie ein roter Faden durch alle Bibelbücher. Der Mensch ist böse und abgefallen in seiner Ausgangslage. Wenn er nun gerettet werden soll, kann das nicht ohne Blut geschehen. Vor Gott muss entweder er selbst sterben oder ein Stellvertreter, ansonsten ist das Sündenproblem nicht erledigt. Stirbt er in seinen Sünden, hört er zwar auf zu sündigen, doch er bleibt verloren; der Tod des Menschen ist nur das, was er verdient. Der eigene Tod rechtfertigt also nicht vor Gott. Stirbt aber ein völlig gerechter Mensch an seiner Statt, so sühnt dieser Gerechte mit seinem Tod für die Sünden des Sünders und ermöglicht diesem, aus einer völlig neuen (sündlosen) Ausgangslage mit Gott zu wandeln.

In beiden Bündnissen wird das dargestellt: Im Alten Testament mit Blut von Stieren und Böcken als Schattenbilder für das wahre Opfer Christi, welches im Neuen Testament Wirklichkeit wurde.

 

Vers 19

Denn als jedes Gebot nach dem Gesetz von Mose dem ganzen Volk mitgeteilt war, nahm er das Blut der Kälber und Böcke mit Wasser und Purpurwolle und Ysop und besprengte sowohl das Buch selbst als auch das ganze Volk   Hebr 9,19 

Wir sehen ab 2. Mo 24,3ff, wie Mose dem Volk das ganze Gesetz vorlegte und es im Anschluss mit Blut besprengte. Dies ist eine Erinnerung an die Hebräer über Art der Einsetzung und eine Mitteilung an die übrigen Leser, dass bereits die Schattenbilder in Kraft eingesetzt wurden. Der Tod von Stellvertretern war auch damals schon allgegenwärtig.

Vers 20

und sprach: »Dies ist das Blut des Bundes, den Gott für euch geboten hat.«   Hebr 9,20 

Das Volk wurde nicht einfach mit irgendwelchem Blut besprengt. Es war bereits damals klar definiert: Das Blut muss von einem reinen und tadellosen Opfertier stammen. Es durfte nichts Schwächliches geopfert werden. Dieses Blut (und kein anderes) besiegelt den Bund. Wir sehen also deutlich, dass ausserhalb Christi Blut uns nichts in Gottes Bund hineinbringen kann. Kein vom Volk gewählter Messias oder Prophet kann das. Es muss das von Gott auserwählte Blut sein. Es muss Christi Blut sein.

Vers 21

Aber auch das Zelt und alle Gefässe des Dienstes besprengte er ebenso mit dem Blut;   Hebr 9,21 

Das Abbild des himmlischen Zeltes wurde von mangelhaften und mit Sünden behafteten Menschen aufgestellt. Damit Gott darin wohnen konnte, musste selbst es gereinigt werden. Die Reinigung von Unvollkommenen kann nur in der perfekten Art geschehen, wenn es durch einen dafür wirkungsvollen „Reiniger“, einen perfekten „Saubermacher“ geschieht. Entschuldigen Sie bitte diese beiden Ausdrücke, damit will ich Christi Blut nicht auf die Stufe eines Putzmittels stellen. Ich will nur verständlich aufzeigen, dass es selbst bei leblosen Dingen, sollten Sie in den Dienst Gottes gestellt werden, gar nichts anderes passend ist, als dass sie auch durch Christus geheiligt werden. Ansonsten werden sie für den Dienst nicht akzeptiert, so schön und gut sie auch gebaut sein mögen.

Wenn Sie zum Beispiel einen Fuhrpark mit Lastwagen unterhalten und ein Gefährt davon für Transporte christlicher Bücher einsetzen, es aber nicht ordnungsgemäss immatrikuliert* ist (*vorschriftsgemäss in Verkehr gesetzt), wird das Vorhaben durch Christus nicht unterstützt und geheiligt. Dieser Lastwagen wird der Sache Gottes nie zunutze kommen, selbst wenn es das neueste und beste Modell ist, das ein Hersteller zu bieten hat.

Alles, was Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dem HERRN darreichen wollen, muss selbst durch Christus geheiligt werden, ansonsten kann es nicht für das Reich verwendet werden. Selbst die Stiftshütte, deren Bau durch Gott angeordnet war, hätte nicht – ohne durch das Blut Christi gereinigt – in Dienst gestellt werden können.

Wie es sich mit Hilfsmittel zum Dienst verhält, handhabt es sich auch mit den Werken für Gott. Tun wir etwas in heuchlerischer oder sonst wie unlauterer Art, kann es durch Gott weder angenommen noch unterstützt werden. – Schlussendlich geht es um unser ganzes Leben. Es heisst, dass wir für Christus leben. Unser ganzes Leben sollte ein Gottesdienst sein. Wenn wir plötzlich merken, dass unser Vorangehen offensichtlich nicht mehr durch Christus passend gemacht bzw. gesegnet wird, tun wir sehr gut daran, inne zu halten und unseren aktuellen Stand sowie unsere Hilfsmittel zu prüfen. Christus stellt sein kostbares Blut nicht zur Verfügung, Böses zu heiligen. Was für ein Frevel wäre es gewesen, wenn man einen Götzen in den Tempel gestellt hätte und ihn mit dem von Gott zur Reinigung der Stiftshütte verordneten Blut besprengt hätte!

Lassen Sie uns daher unsere Leben überprüfen, bevor wir vor Gott treten! Lassen Sie uns ein Vorhaben zuerst mit Christus besprechen, bevor wir es in den Dienst unseres Lebens, einem Leben für Gott, nehmen. Amen.

Vers 22

und fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergiessen gibt es keine Vergebung.   Hebr 9,22 

Praktisch alles musste mit dem Blut gereinigt werden. In den Augen Gottes ist die Welt schmutzig. Sie wird vom Teufel regiert (Mt 4,9; dem Teufel ist die Herrschaft faktisch überlassen). Wenn nun etwas aus diesem böse regierten Weltreich vor Gott kommt, ist es unbrauchbar, selbst wenn es mit Gold überzogen ist. Gott ist viel zu rein für solchen Auswurf. Gerade deshalb muss praktisch alles (ausser das von Ihm Dargereichte beispielsweise) mit Blut gereinigt werden. Christus muss es in Ordnung bringen. Er muss es reinigen, dass es vor Gott sauber da steht und im Gottesdienst zu gebrauchen ist.

Wir sollten wissen, liebe Geschwister, dass der Gottesdienst nicht dazu da ist, sich reinigen zu lassen. Manchmal habe ich aus Gesprächen den Eindruck, dass die Phrase „im Gottesdienst auftanken“ falsch verwendet wird. Einige Christen gehen in den Gottesdienst, um sich vom Weltlichen weg wieder zu Gott zu wenden. Wer dieser Art „auftanken“ sagt, hat Gott nicht verstanden. Wer hingegen die süsse Gemeinschaft mit Gott im Gottesdienst „auftanken“ nennt, gebraucht dazu ein richtiges Wort.

Es geht nicht, dass wir schmutzig vor Gott erscheinen. Der Gottesdienst ist keine Waschanlage. Wir erscheinen auch sauber und anständig angezogen vor weltlichen Würdenträgern. So ist es das Mindeste, wenn wir durch Christus gereinigt im Gottesdienst erscheinen. Der Gottesdienst ist dazu da, dass mit Dingen Christi, also völlig reinen Dingen, Gott und einander dienen: Mit dem Wort Gottes, Gebet, Weissagungen, Heilungen und Lobpreis nach 1. Kor 12-14.

Dabei ist immer daran zu denken, dass es ohne den Tod Christi niemals möglich wäre, angenehm vor Gott zu erscheinen. Die Reinigungskraft, die ausschliesslich ausreicht, uns und sonstige Gegenstände vor Gott angenehm zu machen, finden wir im Blut Christi. Wäre Er nicht gestorben, wäre die Welt und alle Bewohner darauf für immer und ewig unnütz für Gott. Es wäre Gott nur etwas übrig geblieben: Sie insgesamt in die Hölle zu werfen und sie damit für immer von seinem heiligen Angesicht hinweg zu schaffen.

Das ist der Grund, weshalb ich das Abendmahl so sehr schätze und in jedem Gottesdienst hoch halte. Sein Tod ist der Anlass, weshalb ich dort sitzen und ab und zu einmal etwas von mir Erarbeitetes vor Gott bringen darf, sofern ich es im Willen Christi und aus der Kraft des Geistes (1. Sam 2,9) gewirkt habe.

Vers 23

<Es ist> nun nötig, dass die Abbilder der himmlischen Dinge hierdurch gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese.   Hebr 9,23 

Im Himmel finden wir die Wirklichkeit der irdischen Abbilder vor. Die Wirklichkeit ist um ein Vielfaches höher, wie das Abbild davon. Daher reicht das Blut von Tieren für die himmlischen Dinge nicht aus. Für Himmlisches ist nur Himmlisches gut genug. – Christi Opfer tat all diesen hohen Anforderungen Genüge. Es verhält sich nicht so, als dass es nur knapp ausreichen würde; vielmehr stellt es den Vater völlig zufrieden!

Vers 24

Denn Christus ist nicht hineingegangen in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, ein Gegenbild des wahren <Heiligtums>, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen,   Hebr 9,24  

Christus ging nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum. Die Stiftshütte und später der Tempel waren mit Händen gemachte Heiligtümer. Diese stellten aber nur ein Gegenbild des wahren Heiligtums im Himmel dar. Christus ging hingegen in das wahre Heiligtum hinein, um vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen.

Für dieses Vorhaben genügte das Blut von Stieren und Böcken nicht mehr. Christus hätte auf diese Art für uns nicht bitten können. Daher gab Er sein Leben freiwillig auf und starb für uns, damit Er tatsächlich und einzig wirklich sühnendes Blut – es war sein eigenes – ins Heiligtum tragen konnte.

Vers 25

auch nicht, um sich selbst oftmals zu opfern, wie der Hohepriester alljährlich mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht   Hebr 9,25

Die Hebräer waren sich an wiederkehrende Opfer gewöhnt. Die Opfer mussten im Alten Testament ständig erneuert werden. Sie und wir alle sollen durch diesen Vers nun mit Sicherheit wissen, dass es sich mit Christi Opfer nicht so verhält. Es brauchte nur ein einziges wahres Opfer, das – in die Waagschale Gottes geworfen – schwerer wiegt als alle Sünden und sonstigen Zielverfehlungen der Menschen, welche in der gegenüberliegenden Waagschale liegen.

Dieses eine Opfer muss nicht wiederholt werden. Die Sünde vermag in ihrer Waagschale nie ein Gleichgewicht oder gar ein Übergewicht für ihre Seite herzustellen. Christus hat ihr Gewicht* für immer aufgehoben (*damit meine ich die Wirksamkeit der Sünde).

Vers 26

- sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an -; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben.    Hebr 9,26 

Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, hat Christus die Sünde aufgehoben. Was aufgehoben ist, hat keinen Wirkungskreis mehr: Aufgehoben ist aufgehoben. Durch sein Opfer hat er nicht „nur“ die vielen Sünden ausgeglichen; Er hat dadurch die Sünde, den Ursprung und die Quelle der Sünden aufgehoben. Christus hat den totalen Sieg für immer, ohne den kleinsten Kompromiss eingegangen zu sein! Er muss seine Tat nicht wiederholen; sie reicht für alle Menschen und für alle Zeiten aus.

Vers 27

Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht,   Hebr 9,27 

Bei diesem und dem folgenden Vers 28 liegt die Betonung auf dem Wort „einmal“. Der Mensch stirbt einmal, wie Christus einmal starb. Wir werden danach Rechenschaft über unser Leben abgeben müssen, es erwartet uns das Gericht.

Das ist eine schöne Veranschaulichung zur Beschreibung der Anzahl des leiblichen Sterbens Christi. Wie es sonnenklar ist, dass der Mensch nur einen Tod stirbt, muss Christus nicht mehrmals leiden. Seine einmalige Tat am Kreuz vollendete das Erlösungswerk: Der Vorhang in die Kammer Gottes, das Allerheiligste, zerriss in zwei Teile und deutete damit den fortan geöffneten Zugang zu Gott, dem Allmächtigen.

Es ist wichtig, dass wir über diese Tatsache mit Sicherheit Bescheid wissen und uns nicht durch etwaiges Gebrüll des Feindes einschüchtern lassen. Der Satan ist entmachtet, auch wenn es Leuten ohne geistliche Klarheit* als überhaupt nicht offensichtlich erscheint (*2. Kö 6,17). Der Sieg Christi ist da; wir müssen weder dafür bitten noch ihn rituell herbeizwingen.

Vers 28

so wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male ohne <Beziehung zur> Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten.  Hebr 9,28  

Konsequenterweise wird sich Christus bei seiner Wiederkunft nicht mehr um ein Sündenproblem kümmern. Was Er vollbracht hat, bedarf keiner Nachbesserungen. Seit seinem Tod am Kreuz besteht das Sündenproblem nicht mehr, obschon es vorher gross und für den Menschen unüberwindbar war. Christus hat die Sünde als Wurzel und bittere Quelle aufgehoben. Wer immer sich ihrer entledigen will, kann zu Ihm gehen und sie wird aus seinem Leben gelöscht.

Sie sehen, liebe Leserin und lieber Leser, dass das Werk der Erlösung vollständig steht. Daher wird Christus bei seinem zweiten Kommen ohne Beziehung zur Sünde denjenigen Menschen erscheinen, die auf Ihn warten. Die anderen, die Ihn nicht erwarten, machen vom Angebot Gottes nicht Gebrauch. Das ist sehr traurig, im Blick auf die Einladung Gottes. Gott bietet dem Menschen in Christus einen Ausweg aus der Versklavung der Sünde und offene Türen ins Reich. Leider wird diese Offerte von vielen Menschen einfach verworfen und dafür die Hölle in Kauf genommen.

Kapitel 10

Vers 1

Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich darbringen, die Hinzunahenden für immer vollkommen machen.   Hebr 10,1 

Der Heilige Geist legt Wert auf die Unterscheidung des Schattenbildes, dem Gesetz im Alten Testament und der Wirklichkeit in Christus im Neuen Testament. Im Alten Testament ist im Vergleich zum Neuen alles nur ein schwaches Abbild. Die Priester waren viele, weil sie starben und der frei gewordene Platz wieder besetzt werden musste. Das Blut war (nur) von Tieren und das Zelt eine Kopie von Menschenhand. Dagegen ist im Neuen Testament die Rede von einem ewigen Priester, der nie ersetzt wird. Dieser brachte sein eigenes, absolut reines Blut als Opfer. Und er ging in ein Heiligtum, das nicht von menschlichen Händen gebaut wurde. Sein Opfer ist einmalig, es muss nicht wie die Opfer im Alten Testament wiederholt werden.

Wenn wir an den Anfang dieses herrlichen Briefes zurückblenden, sehen wir hier die schöne Zusammenfassung des Geistes Gottes. Er malt uns ein schönes Bild von Christus vor die Augen und beginnt mit Christi Stellung (höher als die Engel; Hebr 1). Dann erläutert er Christi Hohepriestertum und die Erhabenheit über Moses (Hebr 2 und 3). In den nachfolgenden Kapiteln (bes. 4b und 5) wird Christi besondere Stellung, gemäss dem Melchisedek, offenbart. Nach der Rede zum Ansporn im Kapitel 6 wird Christi Hohepriestertum am Ende des Kapitels nochmals dargelegt. Im Kapitel 7 geht es in die Einzelheiten: Es nennt detailliert und direkt, dass das levitische Priestertum niedriger ist als das von Christus: Selbst eingefleischte Anhänger des Gesetzes sollen es erkennen. Im Anschluss dieses Kapitels, das ist die logische Konsequenz, zeigt der Geist auf, das auch Christi Bund höher ist als der alttestamentliche (Kap 8). – Wie könnte es anders sein? – Kapitel 9 bringt es auf den Punkt: Der alttestamentliche Gottesdienst ist nur ein Schatten, ein Abbild der Wirklichkeit. Selbst der treueste Gesetzesanhänger muss jetzt eingestehen, dass mit Christus etwas viel Wirkungsvolleres und Besseres gekommen ist. Das wird mit dem herrlichen Opfer Christi im selben Kapitel nochmals deutlich unterstrichen.

Der heutige Vers zeigt Weiteres auf: Das Gesetz war sogar mangelhaft (im Blick auf die Menschen). Es konnte die Hinzunahenden nicht für immer vollkommen machen. – Wir brauchen für die immerwährende Vollkommenheit etwas anderes als das Gesetz. Wir brauchen für die Vollendung eine Person, eine herrliche Person! Wir finden sie in Christus Jesus. Amen.

Vers 2

Denn würde sonst nicht ihre Darbringung aufgehört haben, weil die den Gottesdienst Übenden, einmal gereinigt, kein Sündenbewusstsein mehr gehabt hätten?   Hebr 10,2 

Wenn die, die den Gottesdienst nach alttestamentlichen Regeln ausrichten, ein für allemal rein geworden wären, hätte der Gottesdienst aufgehört. Weitere Opfer wären nicht nötig gewesen. Sie hätten das Opfern einstellen und sich an ihrer ewigen Reinigung erfreuen können.

Doch wir wissen, dass es sich nicht so verhielt: Das Opfern ging ständig weiter und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Ihr Gewissen konnte durch die Tieropfer nicht frei vom Sündenbewusstsein werden.

Vers 3

Doch in jenen <Opfern> ist alljährlich ein Erinnern an die Sünden;   Hebr 10,3

In den alttestamentlichen Opfern ist lediglich ein alljährliches Erinnern an die Sünden. Die Sünden werden nicht mit den Tieropfern ausgelöscht.

Hier sehen wir die Begrenztheit des Schattenbildes vom wahren Gottesdienst. Ein Schattenbild zeichnet sich durch seine Begrenztheit aus. Der Schatten eines Hauses im Sonnenlicht zeigt nur die Umrisse des Objektes. Im Schatten vom Haus kann man aber weder wohnen noch dient er für Weiteres. So verhält es sich mit dem alttestamentlichen Gottesdienst. Er ist zwar im Detail viel ausgeprägter als ein Schatten, den Objekte werfen, die im Licht stehen. Trotz allem reicht dieser detailreiche Gottesdienst nicht aus, den Menschen von der Macht der Sünde zu befreien. Der alttestamentliche Gottesdienst weist lediglich auf den wirksamen und herrlichen Dienst Christi hin, welcher als Person selbst und ewiger Hohepriester alle Probleme löst. Und es bleibt bei Christus nicht allein beim Lösen der Probleme; Er schwingt sich vielmehr wie ein unschlagbarer Held weit über das Schlachtfeld, das er siegreich verlässt und sein Siegesbanner auf dem höchsten Gipfel der Berge aufrichtet. Er, der gelobt ist in Ewigkeit, ist an Kraft und Macht den Feinden so überlegen, dass Simson ebenfalls nur ein schwaches Schattenbild eines völlig überlegenen Kämpfers abgibt. Simson schlug zwar als Einzelperson 1000 Mann auf einmal (Ri 15,15). – Können Sie sich vorstellen, liebe Leserin und lieber Leser, was geschieht, wenn Christus als Kämpfer auftritt? – Er wird sich nicht zum zweiten Mal, stumm wie ein Lamm, kreuzigen lassen! Dann wird das Blut Seiner Feinde bis zum Zaumzeug der Pferde reichen (Offb 14,20)! Auch wird zu jener Zeit der Beweis erbracht, dass Simson nur ein Schatten des Unschlagbaren darstellt. Alle Spötter werden dann verstummt sein, die Jesus als gutmenschlichen, rückständigen und unverbesserlichen Idealist verspotteten. Amen!

Vers 4

denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen.    Hebr 10,4

Wie im Schatten eines Hauses nicht gewohnt werden kann, kann der blosse Schatten des wirklichen Gottesdienstes auch nicht das bewirken, was der wirkliche Gottesdienst bewirkt. Auch wenn die Umrisse des Schattens sehr scharf und detailreich sind; der Schatten bleibt nur ein Schatten.

Der alttestamentliche Gottesdienst war sehr detailreich und herrlich. Bereits dieser zog Gottes Präsenz zu sich, wenn auch in distanzierter Form hinter dem Vorhang. Wie viel herrlicher ist die Wirklichkeit, der Gottesdienst in Christus, welcher macht, dass zuvor verdorbene Menschen völlig rein und ohne Furcht jederzeit Gottes Angesicht schauen dürfen? – Gepriesen ist der HERR!

Vers 5

Darum spricht er, als er in die Welt kommt: »Schlachtopfer und Opfergabe hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet;   Hebr 10,5

Für den alttestamentlichen Gottesdienst waren die Schlachtopfer und Opfergaben angeordnet. Sie waren hierfür sogar zwingend notwendig; wer beispielsweise das Passahopfer bewusst nicht opfern wollte, sollte ausgerottet werden (4. Mo 9,13). – Wie kann Christus denn sagen, Gott wolle keine Schlachtopfer und Opfergaben? – Gott wollte keine Opfergaben, um das Sündenproblem zu lösen. Er wusste, dass diese Gaben dazu nicht ausreichen. Er ordnete sie lediglich an, um die Menschen an die Sünden zu erinnern (Vers 3) und sie durch dieses Schattenbild auf das wahre Opfer hinzuweisen. Für das Sündenproblem gab es nichts anderes, als ein vollwertiges, makel- und sündloses menschliches Opfer zu suchen, das freiwillig und wirkungsvoll für das übrige Menschengeschlecht sühnt.

Er bereitete für Christus, der schon seit Ewigkeiten war, einen Leib, in welchem Er dieses Werk der Rettung vollbringen konnte.

Vers 6

an Brandopfern und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen gefunden.   Hebr 10,6  

Was dieser Vers aussagt, steht schon im Alten Testament geschrieben (Ps 51,18), wo das Opfern noch zwingend zur Vorschrift gehörte. Diese Aussage ist wiederum so zu verstehen – ich habe es im vorausgehenden Kommentar erwähnt -, dass Gott damals bereits andeutete, dass ein Retter für Israel und für die ganze Menschheit kommen muss und der alttestamentliche Gottesdienst lediglich schattenhaft andeutete, was die Wirklichkeit bringen wird: nämlich Christus als Opfer, Hoherpriester und Retter-Gott* in Person (*Jes 43,11; Hos 13,4). Aufmerksame Israeliten konnten diese Tatsachen bereits zu ihrer Zeit ahnen, als bekannt wurde, dass die Stiftshütte lediglich ein Abbild von dem war, was im Himmel bereits stand (2. Mo 25,9.40).

Aus dieser Sicht betrachtet wird völlig klar, dass Gott nur durch den wahren Gottesdienst zufriedengestellt wird, denn ausschliesslich Christi Dienst stellt die Verbindung zwischen Gott und Mensch dauerhaft her. Somit bringt auch ausnahmslos sein Dienst Gottes Vorhaben ins Ziel. Deshalb hat Gott kein Wohlgefallen an (sonstigen) Brand- und Sündopfern.

 

Vers 7

Da sprach ich: Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben –, um deinen Willen, o Gott, zu tun.«   Hebr 10,7

Gott ist eine Einheit; Er ist einer. Er offenbart sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Sohn sprach, um den Willen der Gottheit zu vollbringen: „Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben –, um deinen Willen, o Gott, zu tun.“ – Nur sein Kommen konnte die Menschheit retten, was dem Willen Gottes entsprach; Gott hat keinen Gefallen daran, wenn Menschen verloren gehen (Hes 18,23).

Inzwischen wissen wir, dass kein Gottesdienst, ausserhalb desjenigen in Christus, Sünden bleibend tilgen und somit Menschen vor der (endgültigen) Verurteilung entlasten kann. Nachdem also offenbar war, dass die Menschheit ohne Retter verloren gehen wird, sprach Christus, der gepriesen ist: „Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht von mir geschrieben –, um deinen Willen, o Gott, zu tun.“

Dieser Ausspruch Christi zeigt uns auch auf, dass Er völlig freiwillig starb; Er war keine Sekunde zwangsweise einer fremden Macht ausgeliefert. Bereits bei seiner Festnahme hätte Er gänzlich vernichtend dreinfahren können (Mt 26,53). Auch Pilatus wurde kundgemacht, dass er ohne die Einwilligung der Gottheit keine Macht über Christus gehabt hätte (Joh 19,11a). Weder die Juden noch die Römer konnten also durch ihre eigene Macht Christus in ihre Gewalt bringen bzw. Ihn darin behalten. Die Einwilligung der Gottheit musste zwingend zuerst vorliegen.

Christus offenbarte seine Bereitschaft zum Tod für die Menschen, bevor Er als Kindlein zur Welt kam, wie wir es im heutigen Vers sehen. Amen.

Vers 8

Vorher sagt er: »Schlachtopfer und Opfergaben und Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, auch kein Wohlgefallen daran gefunden« – die doch nach dem Gesetz dargebracht werden -;    Hebr 10,8  

Hebr 7,19 sagt aus, dass das Gesetz nichts zur Vollendung gebracht hat. Es werden nicht die einen durchs Gesetz gerechtfertigt und die anderen durch Christus. Alle nach dem Gesetz dargebrachten Opfer haben nichts zur Vollendung gebracht; all die Millionen Opfer haben lediglich eine bessere Hoffnung eingeführt: Die Hoffnung auf einen Retter, der das Werk zur Vollendung führt. Dieser Retter wurde im Übrigen angekündigt (5. Mo 18,15 u.v.a). Deshalb steht geschrieben, dass, im Blick auf die Vollendung des Willen Gottes, Gott keine Schlachtopfer oder sonstige Opfergaben von Menschen gebrauchen konnte.

Vers 9

dann sprach er: »Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun« – er nimmt das Erste weg, um das Zweite aufzurichten -.   Hebr 10,9

Der Heilige Geist erklärt mit diesen Worten die Wende. Es ging nicht mehr mit den Opfern und dem Gesetz; sie hatten nichts zur Vollendung gebracht. Christus entschied sich glücklicherweise, in die Lücke zu springen und sprach: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.“ Er nimmt so das Erste weg und richtet das Zweite auf.

Für „das Zweite“ verwendet die Bibel auch an einer Stelle „neuen, lebendigen Weg“ (Heb 10,20). – Für die Hebräer, die nur einen Gottesdienst kannten, war diese Änderung des Gottesdienstes neu. Deshalb musste sie gut begründet und sorgfältig erklärt werden, was nicht besser als durch den Heiligen Geist in Form dieses Briefes geschehen konnte.

Vers 10

In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.

Hebr 10,10

In diesem Willen, dem Willen Gottes – es ist sein Wille, dass es uns gut geht -, sind wir geheiligt* (*abgesondert für Gott und abgesondert vom Bösen bzw. Unreinen). Christus vollbrachte den Willen Gottes, indem Er als Opfer für alle Übertretungen der Menschen sühnte, damit wir Frieden haben dürfen. Ohne dieses Opfer läge Gottes Zorn noch auf uns und vor uns befände sich eine hoffnungslose Zukunft.

Das Opfer Christi reicht für immer aus; was Er getan hat, bedarf keiner Wiederholung. Was Gott tut, ist ein perfektes Werk! Amen.

Vers 11

Und jeder Priester steht täglich da, verrichtet den Dienst und bringt oft dieselben Schlachtopfer dar, die niemals Sünden hinwegnehmen können.   Hebr 10,11 

Im Gegensatz zu Christi einmaligem Opfer standen die Priester täglich da, verrichteten den Dienst und brachten regelmässig Schlachtopfer dar, welche aber – und das ist bezeichnend – niemals! Sünden hinwegnehmen konnten.

Ein Tieropfer ist ein minderwertiges Opfer. Für sündigende Menschen geht das Lösegeld über den Preis der Tiere hinaus. Somit genügt ein Tieropfer nur für das Schattenbild der Wirklichkeit. Das Opfer Christi hingegen genügt für die Wirklichkeit im Himmel, das wahre Heiligtum.

Die Wirklichkeit ohne Christi Opfer ist schrecklich, denn der Mensch muss, wie die Schrift sagt, für seine Vergehen selber gerade stehen. Der Sünde eines Menschen Lohn ist der Tod dieses Menschen (Rö 6,23); ein Tier reicht schlicht nicht aus, wie uns gerade dieser Vers im Hebräerbrief erklärt.

Diese vorher erwähnte Wirklichkeit ist furchtbar; hätte sie Christus nicht auf sich gezogen, wäre sie uns widerfahren – und zwar für immer und ewig. Wir hätten nicht mehr ins Leben aufstehen dürfen, da wir kein Lösegeld für unsere Sünden hätten aufbringen können. 

Vers 12

Dieser aber hat ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht und sich für immer gesetzt zur Rechten Gottes.   Hebr 10,12  

Christus hat ein Schlachtopfer, sich selbst, dargebracht und sich für immer gesetzt zur Rechten Gottes. Das bedeutet, dass Christus erstens ein allumfassendes Opfer dargebracht hat, ein Opfer, das alles löst und Er sich zweitens für immer neben der höchsten Gewalt gesetzt hat. Zu keinem Zeitpunkt wird zukünftig seine Macht in Frage gestellt werden.

Vers 13

Fortan wartet er, bis seine Feinde hingelegt sind als Schemel seiner Füsse.   Hebr 10,13   

Die Feinde Christi sind auch unsere Feinde. Als Leib Christi werden wir am Ende auf ihnen stehen. - Diese Aussage rechtfertigt natürlich die Denkweise der Väter von Kreuzzügen und sonstigen „Heiligen Kriegen“ auf keinen Fall. Christus will alle Menschen untereinander und mit Gott versöhnen. Seine Feinde sind in erster Linie geistliche. Die Menschen jedoch, welche bis zum Schluss halsstarrig bleiben und gegen Christus und seine Gemeinde stehen, werden auch für immer Feinde bleiben. Sie haben Gottes Versöhnungsangebot bis zum jüngsten Tag verworfen. Nach diesen gibt es keine Gnade mehr, das Gericht Gottes - nicht das unsere - wird sie fortraffen.

Vers 14

Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht.   Hebr 10,14

Mit der biblischen Taufe zeigt der urteilsfähige Mensch, der zum Glauben kommt, dass er mit Christus gestorben ist und fortan in Neuheit des Lebens Gottes wandelt (Rö 6,4). Die Taufe ist nur für ein einziges Mal angeordnet, sie sollte nicht wiederholt werden, ansonsten wird die Wahrheit Gottes verzerrt, denn Christus musste nicht mehrmals sterben. – Die einmalige Tat Christi bewirkte, dass Er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht hat.

Sie dürfen sich an dieser herrlichen Wahrheit festhalten! „Für immer vollkommen gemacht“, beschreibt unverschlüsselt eine besonders kostbare Wahrheit! Sollten Sie einmal im Tal der Tränen stehen und an Christi Erfolg, der auch für Ihr Leben gilt, anfangen zu zweifeln, holt Sie der heutige Vers zurück in die Realität: Zweifeln ist dabei nicht angesagt, der Gläubige wird mit dem Opfer Christi für immer! vollkommen gemacht. Amen.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle eine Randbemerkung: Die Bestreichung oder das Besprengen eines Babys mit Wasser, welche die Kirchen „Taufe“ nennen, hat mit dem Wort Gottes nichts zu tun. Es ist eine Hinzufügung von Menschen, die sie besser unterlassen würden (Offb 22,18).

 

Vers 15

<Das> bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem er gesagt hat:    Hebr 10,15 

In den folgenden Versen können wir nachlesen, wie der Heilige Geist die Tat Christi bezeugt, auf der das Neue Testament gründet. Im Buch des Propheten Jeremia (Jer 31,31-34) können wir nachlesen, dass etwas Neues kommen wird, was heute da ist. Es wird darin eine Gottestat angekündigt, die offensichtlich eine Wende, weg von den Schattenbildern, darstellen würde. Es musste etwas kommen, das den Sünden ein für alle Mal ein Ende setzt, denn es war offenbar, dass der alttestamentliche Gottesdienst im Blick auf die Menschen Mängel aufwies und nur schattenhaft umriss, was Gott mit den Versen 31-34 ankündigte.

Vers 16

»Dies ist der Bund, den ich für sie errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr, ich werde meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie auch in ihren Sinn schreiben«;   Hebr 10,16 

Der Heilige Geist, der Tröster, erinnert uns an die Worte Jesu und schärft unser Gewissen. – Dieser Geist war vor Christi Tat in dieser Art nicht ausgegossen. Wohl kannte ihn David im Alten, wo er sprach: „… den Geist deiner Heiligkeit nimm nicht von mir (Ps 51,13b)!“

Mit der Wirklichkeit in Christus – das wissen wir inzwischen – kam das Heiligtum Gottes mit grosser Kraft zu uns Menschen. Es kam nicht schattenhaft umrissen, wie im Alten, sondern in Echtheit. Heute spricht der Heilige Geist direkt zu uns und erinnert uns an die Worte Jesu, die des Neuen Weges, wie geschrieben steht:

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.   Joh 14,26

Nie zuvor kannten die Menschen, was wir erleben dürfen, selbst die Engel nicht (1. Petr 1,12)! Gelobt sei der HERR für seine Gnade! Amen.

Vers 17

und: »Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken.«   Hebr 10,17 

Die im Vers 15 erwähnte Aussage des Heiligen Geistes umfasst auch jene des heutigen: Der Neue Weg hat nichts mehr mit einem Erinnern an Sünden zu tun (Heb 10,3); der Neue Weg beschreibt die Beendigung des alten Menschen am Kreuz (Gal 5,24, 6,14) und die Freisetzung des göttlichen Lebens in neugeborene Menschen (Joh 3,7), welche Gott „seine Kinder“ nennt:

so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;   Joh 1,12 

Nur schon was in diesem Vers steht und die darin beinhaltete Wahrheit anbelangt -, ist sie nicht herrlich und entspannend? Der HERR sei gelobt! Amen.

 

Vers 18

Wo aber Vergebung dieser <Sünden> ist, gibt es kein Opfer für Sünde mehr. Hebr 10,18

Wo die Sündenvergebung vorherrscht, gibt es auch keine Sünden mehr; die Sünden sind weg. Somit braucht es auch keine weiteren Opfer mehr.

Das einmalige Opfer Christi hat die Sünde gänzlich ausgeschaltet, die Wurzel aller Übertretungen – die Hauptwaffe des Teufels, die Menschen im Blick auf Gott völlig beziehungsunfähig zu machen – hat Christus aufgehoben. Dadurch haben erlöste Menschen ungehinderten bzw. freien Zugang zu ihrem himmlischen Vater.

Das einmalige Opfer Christi ist so wirkungsvoll, dass es heute noch Auswüchse des alten und bereits von Gott verurteilten und für tot erklärten Menschen tilgt. – Diese Wahrheit ist schwer zu verstehen, solange es dem Menschen nicht klar ist, wie wirkungsvoll Christi Tat ist. Oft spricht man von der besiegten Sünde, lässt sich dann aber immer wieder auf neue Kämpfe gegen die Sünde ein. Damit schlägt der menschliche Kämpfer wirkungslos in die Luft, weil er gegen einen Feind antritt, den Gott für besiegt und tot erklärt hat. Oder finden Sie es heldenhaft, auf einer Leiche herumzutrampeln, die schon längst von Gott für tot erklärt ist? Und es gilt: Selbst wenn in Ihrem Leben immer wieder Produkte dieser Leiche hervor kommen: Man nehme sie und werfe sie weg. Auch diese sind wirkungslos und von Gott als nichtig erklärt.

Probleme gibt es erst, wenn jemand die Produkte dieser Leiche (der Sünde) unbeachtet lässt, sie gut findet oder gar willkürlich sucht und vermehrt. Ein solcher stellt sich hinter die Ideologie dieser Leiche und manövriert sich selbst unter ihr Gericht bzw. ihre Verurteilung und Strafe.

Vers 19

Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum, Hebr 10,19  

Mit diesem Vers leitet der Heilige Geist zur Ermunterung aber auch ernsthafter Ermahnung über. Wir können diesen Vers auch so betrachten: „Da wir nun eine solche Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum“, ruft Er uns zu, „achtet bitte umso mehr auf folgende Aufzählung!“

Im Alten war der Eintritt ins Allerheiligste sehr eingeschränkt. Nur eine einzige Person durfte bloss einmal pro Jahr hinein. Bis hierher half das Blut von Tieren. Mit Christi Blut dürfen wir alle jederzeit vor Gott treten, deshalb wiederhole ich gerne die Einleitung für die Folgenden Verse: „Da wir nun eine solche Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum“, ruft Er uns zu, „achtet bitte umso mehr auf folgende Aufzählung!“ Amen.

Vers 20

den er uns eröffnet hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang – das ist durch sein Fleisch –   Hebr 10,20   

Christus hat den Zugang ins Heiligtum eröffnet. Der Eingang zum Heiligtum ist nicht eingeschränkt wie im Alten. Heute haben wir durch Christus einen neuen und lebendigen Weg.

Für den natürlichen Menschen, der seine Abstammung in Adam – dem ersten Menschen – hat, gab es praktisch keinen Zugang zur Wohnstätte Gottes, ausser er stammte vom hohepriesterlichen Geschlecht ab und wurde zu Lebzeiten zum Hohenpriester gesalbt. Dann durfte er mit Furcht und Zittern einmal pro Jahr ins Allerheiligste. Dies durfte nicht ohne Blut eines stellvertretenden Opfers geschehen, ansonsten wäre er dabei gestorben. Dabei ist zu bemerken, dass es überhaupt eine grosse Gnade war, dass er hineingehen durfte, da wir heute wissen, dass das Fleisch immer und grundsätzlich gegen Gott gerichtet ist (Rö 7,18; 8,8).

Heute sieht es den Zugang zu Gott betreffend völlig anders aus, weil wir nicht mit feindlich gesinntem Fleisch vor der Türe Gottes stehen. Wir klopfen in der Natur Christi an die Türe des Hauses Gottes und finden reichlichen Einlass, den Gott seinen eigenen Kindern bereitwillig und freudig gewährt (Joh 1,12). Unsere fleischliche Natur ist durch die Tat Christi gerichtet und somit tot und irrelevant vor Gott. Er sieht uns heute in der durch Christus freigesetzten neuen Natur! Amen.

Vers 21

und einen grossen Priester über das Haus Gottes,   Hebr 10,21 

Christus ist ein grosser Priester über das Haus Gottes! – Eine Aufgabe des Priesters ist, Gott zum Menschen zu bringen und den Menschen zu Gott. Christus hat dies als einziger Priester in der Vollendung erreicht. Nicht das aaronitische Priestertum im Alten hat es erreicht, jenes bildete nur schattenhaft ab, was heute Wirklichkeit ist: Ein für jeden gläubigen Menschen vollständig geöffneter Weg zu Gott.

Was kein Mensch, auch kein Held unter den Menschen, wie Simson als Beispiel (Ri 14,5.6), erreicht hat, schaffte unser Über-Held, Christus, der gepriesen ist! – Liebe Leserinnen und Leser! Wie oft wird Christus in übler oder unwissender Art als einfältiger Gutmensch dargestellt! Wer begriffen hat, was Christus als Priester zustande brachte, müsste schon anbetend verstummen! Wie viel mehr derjenige Mensch, der dazu auch erkannt hat, dass Christus die ganze Schöpfung hervorbrachte (Rö 11,32; Kol 1,16)!

Es ist sehr töricht, respektlos von Christus zu reden; Er ist nicht der „Kumpel-Jesus“, als was Ihn auch gläubige Menschen bezeichnen. Selbst wenn Er sich selber als Freund und Bruder zu erkennen gibt, soll der Mensch Ihm mit gebührendem Respekt begegnen! Er steht weit über amtierenden Königen, Präsidenten oder Generälen von Weltmächten, die mit Fehlern behaftet und sterblich sind. Er ist Gottes Sohn, durch den die Welt wurde und der es als einzige Person geschafft hat, zwischen Gott und Mensch Frieden zu stiften. Amen.

Vers 22

so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt <und damit gereinigt> vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.    Hebr 10,22

Die Verse 20 und 21 sind Einschübe zwischen den Versen 19 und 22. Die Aussage ist, dass wir mit „wahrhaftigem Herzen“, „besprengten Herzen (welche vom bösen Gewissen gereinigt sind)“ und einem mit „reinem Wasser“ gewaschenem Leib hinzutreten sollen, da wir „durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum“.

Freimütigkeit zu haben zum Eintritt ins Heiligtum ist eine sehr grosse Sache, wenn wir bedenken, dass dieser Weg Jahrtausende verschlossen war. Seit dem Sturz Adams war der Weg in Gottes unmittelbare Gegenwart verschlossen, solange, bis unser Über-Held, Christus, das vollbrachte, wozu kein mächtiger Kämpfer zu keiner Zeit in der Lage war. Jetzt ist dieser Zugang offen. Hierfür wurde ein Preis bezahlt, dessen Summe ebenfalls niemand, selbst jemand der Reichsten unter uns, vor Gott darwiegen könnte (Ps 49,8; Mk 8,37).

Die Aussage ist klar: Unsere Schuld war gross und die Vergehen viele vor Gott. Dann brachte Christus ein für Gott angenehmes sowie wohlriechendes Opfer, um all unser Böses auszulöschen und uns in eine erhabene Position emporzuheben. Einen leichtfertigen und geringschätzenden Umgang kann sich der Mensch an dieser Stelle überhaupt nicht erlauben, die Bibel warnt uns ausdrücklich davor! Sehen wir uns vor, liebe Leserinnen und Leser! Dankbarkeit und Nüchternheit ist vonnöten! Ein böses Gewissen – ohne um Vergebung zu bitten und vom Bösen umzukehren – zu dulden liegt nicht drin! Statthaft sind nur besprengte und somit gereinigte Herzen von bösem Gewissen und eine regelmässige geistliche Körperhygiene, indem wir das Wort Gottes lesen und einverleiben (Eph 5,26).

Vers 23

Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten – denn treu ist er, der die Verheissung gegeben hat –   Hebr 10,23 

Zusätzlich – zur Einhaltung der Reinheit, welche im vorausgehenden Vers beschrieben ist – sollen wir gedanklich an der Hoffnung Christi festhalten, zu der wir uns bekennen. Unsere neue Natur, überhaupt das ganze Werk Christi an uns, fusst auf seiner Heldentat, mit der Er eine ewige Veränderung im Reich Gottes herbeigeführt hat. Christus hat damit die Feinde des Vaters entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt und dazu die Menschen mit Gott versöhnt.

Es braucht etwas Übung und Zuspruch, bis Christi Werk verstanden und beständig in seinem Sinn gelebt werden kann. Wir, die Älteren im Volk, sollen die Jungen in Allem unterstützen und ermuntern! Amen.

Vers 24

und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen,   Hebr 10,24 

Mit „aufeinander achthaben“ ist nicht gemeint, Räuber und Gendarm (Räuber und Polizei) zu spielen und missgünstig auf Geschwister zu schauen, um bei allfälligen Fehlern laut darüber zu sprechen und um damit von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

Achten Sie einmal auf ein gut funktionierendes Team am Arbeitsplatz: Wenn Fehler passieren, stehen alle dafür ein, ohne Schuldige an den Pranger zu stellen. Jedes Glied will darin so arbeiten, dass es niemandem zur Last fällt und sich alle in Allem unterstützen. Es käme niemandem in den Sinn, Fehler von Teammitgliedern aktiv aufzuschnappen und auf einer Hitliste einzutragen. Nur schon die gegenseitige Wertschätzung bringt bei solchen Konstellationen genügend Motivation für die Mitarbeitenden, um Höchstleistungen zu erbringen.

Ganz anderes verhält es sich, wenn eine Angstkultur vorherrscht. In Umfeldern, wo eine solch unprofessionelle Atmosphäre herrscht, beginnt jedes Glied für sich selbst zu schauen. Niemand erprobt neue Methoden; die Gefahr einen Fehler zu machen und dafür angeschwärzt zu werden ist darin viel zu gross. Auch ist keiner daran interessiert, andere mit eigenem Wissen zu fördern und zu unterstützen. Alle sind schliesslich potentielle Feinde.

Mit diesem Vers sind wir angehalten, als Brüder und Schwestern die sich wertschätzen in einer Kultur der Liebe und Achtung, darauf zu schauen, dass – sollte jemand straucheln – wir Betroffene fürsorglich wieder aufrichten.  – Natürlich gilt diese Anleitung nicht für Menschen, die böswillig und vorsätzlich die geschwisterliche Harmonie zu zerstören suchen. Für so gelagerte Fälle haben wir auch und völlig anders lautende Instruktionen des HERRN (siehe Titus 1,10-16). Amen.

Vers 25

indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern <einander> ermuntern, und <das> um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!    Hebr 10,25 

Der Sportler bleibt unablässig beim Training, wenn Wettkämpfe bevorstehen. Er übt sich dem ganzen Programm gemäss darin. Handelt es sich in seiner Disziplin um einen Mannschaftsport, so ist es für alle Mitglieder sehr wichtig, dass sie sich jeweils in der gesamten Formation, also vollzählig, treffen. Ansonsten sind die Trainings weniger effizient und die Spielsimulationen nicht dem Wettkampf entsprechend.

Genau so verhält es sich in der Gemeinde. Christus will keine Einzelkämpfer, die Gemeinde ist sein Leib, also ein kollektives Gefäss. Die Hand braucht den Arm, der Arm den Rumpf* (*Torso), der Rumpf die Beine, die Beine die Füsse und so weiter. Wir funktionieren als Leib Christi nur in der Gemeinschaft richtig. Allein können wir uns – analog der Sportler – für diese Aufgabe vorbereitet halten. Ausdauer müssen wir nicht zwingend in der Formation lernen. Der Sportler kann sich auch allein durch Ausdauerläufe im Wald oder gar „nur“ auf dem Laufband fit halten. Für die Leistung im kollektiven Gefäss, der Mannschaft, ist ein Zusammenkommen aller Spieler eine zwingende Voraussetzung. Somit sollten wir für alle Gemeindeglieder und uns selbst darauf bedacht sein, dass wir unsere Zusammenkünfte nicht vernachlässigen! Ermuntern wir uns dazu! Amen.

 

Vers 26

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,   Hebr 10,26

Das ist meines Erachtens der härteste bzw. deutlichste Vers im ganzen Hebräerbrief, welcher an mutwillig und reuelos sündigende Menschen adressiert ist. Im übertragenen Sinn sagt er aus, dass mutwillig begangene Sünden nicht vergeben werden.

Für gewisse Sünden im Alten Testament war kein Schlachtopfer vorgesehen. Es wurde schlicht keines von Gott bereitgestellt, weil die Sünde nicht verziehen werden konnte. Der Mensch musste sie in jedem Fall tragen und kam dadurch an der Todesstrafe nicht vorbei. Für Ehebruch (3. Mo 20,10), ausgelebte Homosexualität (3. Mo 20,13) stellte Gott kein Opfer bereit: Solche Sünder mussten zwingend sterben; es blieb kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig. Heute ist das so zu verstehen, dass der Allmächtige auch im Neuen Testament Christi Opfer nicht für jede Art der Sünde wirksam werden lässt. Nicht, dass das kostbare Blut Christi nicht kräftig genug wäre, alle Sünden zu tilgen; es wird schlicht von Gott nicht zur Verfügung gestellt, weil der Frevel des Menschen in gewissen Situationen dermassen frech und vor allem – und das ist entscheidend – ohne Reue ist, dass der Mensch dafür ohne Stellvertreter vor dem unbeugsamen Richter gerade stehen muss und folglich unter ein furchtbares Gericht Gottes kommt.

Diese Situation tritt bei Ungläubigen ein, die ein Leben lang Gottes Angebot zur Versöhnung ausschlugen, aber nicht nur. Sie tritt auch bei Christen ein, wie geschrieben steht:

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,   Hebr 10,26

Wenn „wir“ – wir, die wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, mutwillig sündigen und daran festhalten, kommt es nicht gut. Wir wissen, dass Christus gerade der Sünde wegen sterben musste. Wer die Sünde in seinem Leben duldet und nicht richtet, obschon er weiss, was für ein Übel sie darstellt -, für den bleibt diesbezüglich kein Schlachtopfer mehr übrig: Er muss seine Schuld selber tragen! Amen.

Vers 27

sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.   Hebr 10,27

Was bleibt übrig, wenn das gerechte Gericht Gottes nicht auf einen Stellvertreter abgeleitet werden kann? Was ist, wenn kein Opfer mehr übrig ist? – Dann trifft das Gericht den Betreffenden selbst! Es bleibt „ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.“ Das Feuer Gottes ist so stark, dass es mit Armeen von Widersachern fertig wird. Wir sollen also wissen, dass wir für unbereute Bosheiten nicht nur laute, tadelnde Worte vernehmen werden, wie wir sie vielleicht von unseren Erziehern her kennen. Das Feuer des Gerichtes Gottes brennt mit „Eifer“. Es wird sehr unangenehm, schmerzhaft und mindestens partiell vernichtend sein. Amen.

Vers 28

Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin.   Hebr 10,28

Wie unterscheidet sich doch diese Botschaft von der weltlich-sozialen Meinung! Vielerorts werden renitente Zeitgenossen, die sich keinen Deut um die geltenden Gesetze kümmern, ohne Weiteres durchgefüttert und gehätschelt! Das ist das irdische, teuflische Credo: Die Ungerechtigkeit! Arme und sozial schwache Menschen, die nicht auffallen, werden nicht aufgesucht, wogegen sich der Sozialstaat vielfach um böse und renitente Menschen kümmert. – Im Gegensatz dazu hatte unter Gottes Herrschaft jemand gesteinigt zu werden, der Moses Gesetz verwarf, das nur ein Schatten der zukünftigen Dinge war und sie also nur symbolisch andeutete!

Gott richtete es so ein, dass jeder offenbar wurde, der sich nicht daran hielt. Kein Israelit konnte einfach nur mitschwimmen; es waren von Zeit zu Zeit zwingende Aktionen notwendig. Als Beispiel möchte ich das Passah anführen: wer dieses Fest nicht wie vorgeschrieben hielt, sollte ausgerottet werden (4. Mo 9,13). Wenn also offensichtlich wurde, dass jemand sich augenscheinlich nicht um das Gesetz kümmerte, hatte er zu sterben. Wie gerecht ist doch Gottes System und wie willkürlich das weltliche. Was geschieht, wenn sich jemand nicht an die Wirklichkeit, die wahre Hausordnung halten will, wird im nachfolgenden Vers erklärt.

Vers 29

Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füssen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?   Hebr 10,29

Die Frage des Heiligen Geistes steht unmissverständlich im Raum: Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen – wenn jemand aus dem Volke Gottes bereits beim Übertreten des Gesetzes die Todesstrafe erwartete, wo das Gesetz doch nur symbolisch für die Wirklichkeit stand – der den Sohn Gottes mit Füssen getreten hat? – Ja, was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, was geschieht mit solchen?

Gleichwohl wir das unauslöschliche Leben Gottes in uns haben; Gott hat alle Möglichkeiten, uns unsere unbereuten und somit unvergebenen Bosheiten vorzuführen bzw. sie zu ahnden. Der vom HERRN geliebte Apostel Johannes spricht davon, wenn er die offensichtliche Möglichkeit einer Beschämung vor dem zurückkehrenden König, unserem HERRN, spricht (1. Joh 2,28). In der Offenbarung, zu welcher er zu schreiben verpflichtet wurde, muss er diesen Punkt noch viel drastischer darstellen als in seinem persönlichen Brief. Dort legt er schonungslos die Möglichkeit offen, dass die Gemeinde Jesu vom „zweiten Tod“, welcher der Feuersee bzw. umgangssprachlich die Hölle ist, Schaden erleiden kann. Damit ist nicht gesagt, dass ein Kind Gottes die ewige Errettung nun doch verlieren kann, was unmöglich ist. Damit ist gesagt, dass Gott seine Kinder die Strafe der Welt fühlen lassen wird, wenn sie am Sündigen Gefallen finden. Wer nicht überwindet, wird Schaden erleiden vom zweiten Tod (Offb 2,11), welcher der Feuersee ist (Offb 20,14).

Vers 30

Denn wir kennen den, der gesagt hat: »Mein ist die Rache, ich will vergelten«; und wiederum: »Der Herr wird sein Volk richten.«   Hebr 10,30 

An dieser Stelle geht es nicht um gottlose, üble Menschen, wie beispielsweise Menschenmörder. Die Aussage bezieht sich auf Gottes Volk. Gott verlangt ein gewisses Niveau in seinem Haus. Wer es nicht einhalten will, wird ermahnt. Bei wiederholten Vergehen wird er wiederholt ermahnt. Will sich aber ein Betreffender partout nicht an die Hausregeln halten, kommt es zu harten Sanktionen, bis zum Ausschluss aus Teilbereichen des Hauses. Jesus führte uns das bereits unter seinen Jüngern vor, wo der Unterschied nicht grob war. Nichtsdestotrotz machte der HERR schon bei ihnen Unterschiede. Bei entscheidenden Anlässen durften nur seine drei nächsten Jünger mitgehen (Mt 17,1ff; Mk 5,37). Stellen wir uns vor, wie gross die Unterschiede zwischen den Kindern im Reich sein werden, wenn zwischen treuen Geschwistern und Menschen, wie sie im Judasbrief beschrieben werden, gesondert wird:

Ich will euch aber, obwohl ihr alles wisst, erinnern, dass der Herr, nachdem er das Volk einmal aus dem Land Ägypten gerettet hatte, zum zweitenmal die vertilgte, die nicht geglaubt haben;   Jud 1,5

Die Rede ist von Menschen innerhalb des Volkes Gottes. Der HERR rettete sein Volk aus Ägypten. Wo die Israeliten aber, trotz der grossen Errettung aus dem Schmelzofen Ägyptens und der Übernahme des guten Landes Kanaan, gottlos wurden, war Schluss: Der HERR bot persönlich die damalige Weltmacht Babel auf, um Israel wieder unter fremde Völker zu zersprengen. Wer den Krieg überlebte, fristete in der Folge gedemütigt ein Leben unter der Herrschaft von fremden Völkern, wie auch die Nachkommen der Zerstreuten.

Gottes Art die Bosheit zu behandeln unterscheidet sich völlig von jener der Gutmenschen bzw. jener der heutigen Sozialwissenschaftler. Für die Nationen gilt von Gottes Seite aus immer noch die Todesstrafe; der HERR verordnete sie Noah, dem Vater der heutigen Nationen, nach der Flut (1. Mo 9,6). Wer jemanden umbringt, soll auch getötet werden. Diesen Bund haben aber die meisten Nationen verworfen; sie glauben es besser zu wissen als ihr Schöpfer. Die Nationen haben Sozialstaate aufgebaut und glauben, das Zusammenleben besser steuern zu können, indem sie „bessere“ Empfehlungen abgeben und ausleben als die, welche durch Gott – der gepriesen ist! – verordnet wurden.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wir Christen sollen wissen, dass im Hause Gottes der Hausherr anders richtet als der momentane Fürst dieser Welt. Wer nach mehrmaliger Ermahnung – Gott ist sehr geduldig – nicht spuren will, wird nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst; jetzt nicht und in Zukunft auch nicht. Amen.

Vers 31

Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!    Hebr 10,31 

Die Argumente der Ungläubigen sind oft, unser Gott sei ein Böser, weil Er Elend in der Welt zulässt. Sie sehen wie die unvernünftigen Tiere nicht, dass niemand eine solche Liebe bewiesen hat wie Er, um Menschen zu retten, die mit Ihm völlig gebrochen haben und auf seinem Gesetz herumtrampeln. Wie Blinde gehen sie als Sehende an einer offenliegenden und unerschöpflichen Schatzkiste vorbei wovor ein Schild mit der Aufschrift steht: „Nehmt davon umsonst, soviel ihr wollt.“

Jedem vernünftigen Menschen ist klar, dass Menschen irgendwann einmal der Deckel zu diesem Schatz verschlossen wird, weil sie davon wussten, aber keinen Gebrauch davon machten, um sich von Ihren Verfehlungen loszukaufen. Wenn dann in der Folge Gott der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft, nach der alle schreien, muss sich niemand wundern, wenn er als böser Sünder sehr hart verurteilt wird. Das Gericht muss furchtbar sein, weil die Schuld von mutwillig sündigenden Menschen nicht bezifferbar gross ist, denen Gott durch den freiwilligen und schrecklichen Tod seines Sohnes einen lebendigen Ausweg eröffnete.

Vers 32

Gedenkt aber der früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden wart, viel Leidenskampf erduldet habt,   Hebr 10,32   

Der Heilige Geist weist die Hebräer auf den Umstand hin, dass sie kurz nach der Bekehrung viel Leidenskampf erduldet haben. – Sie sollten sich unbedingt am Erarbeiteten erfreuen.

Dies sagt der Geist nach den Warnungen zur mutwilligen bzw. vorsätzlichen Sünde. Die Hebräer damals sollten (und die Leserinnen und Leser heute sollen) nicht ermatten und durch Erlahmung und eingeschlichene Nachlässigkeit das anfänglich durch Ausharren Gewonnene verlieren und an dessen Stelle ein schlimmes Gericht Gottes kommen lassen. Mit diesen Worten möchte ich mich sowie die Leserinnen und Leser gleichwohl ermuntern: „Gedenkt aber der früheren Tage …!“ Amen.

 

Vers 33

als ihr teils durch Schmähungen und Bedrängnisse zur Schau gestellt und teils Gefährten derer wurdet, denen es so erging!   Hebr 10,33  

Denken auch wir zurück, an unsere ersten Tage nach der Bekehrung! Kam es nicht vor, dass wir verspottet oder gar verfolgt wurden? War es nicht so, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, mindestens „Gefährten derer wurdet, denen es so erging“? Ich wurde zumindest belächelt, wo in der Zeit meiner Berufsausbildung herauskam, dass ich mich mit solchen traf, die die Bibel lasen und sich zu Gottesdiensten versammelten.

Vers 34

Denn ihr habt sowohl mit den Gefangenen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wisst, dass ihr für euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt.   Hebr 10,34  

Die Verfolgungen der Hebräer waren gezeichnet von Leid bzw. dem Mitleiden mit den Geschwistern, illegalen Enteignungen nebst allgemeinen Schmähungen und Bedrängnissen. – In den Anfängen konnten die Hebräer das „mit Freuden“ aufnehmen, da sie richtig erkannt hatten, dass ein Teilen der Leiden Christi die Mitverherrlichung zur Folge hat. Diese „Mitverherrlichung“ mit Christus ist so viel höher und wertvoller, dass in den Augen des gehorsamen Gläubigen sogar Enteignungen blosse Indikatoren für die kommenden Herrlichkeiten werden. – Mit dieser Aussage möchte ich aber keinesfalls die Leiden Christi, welche auch auf die Gemeinde kommen, verniedlichen. Christus tut das auch nicht. Christus fürchtete sich selbst sehr vor den grossen Leiden (Lk 22,44). Dazu muss aber auch erwähnt werden, dass wir die Leiden Christi nicht in dieser Art tragen müssen, wie Er sie mit der Sühnung der Schuld der Menschheit auf sich nehmen musste. Für gewisse und entscheidende Dinge war nur Er qualifiziert; nur Er hatte die Kraft, sie zu „stemmen“.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Hebräer in den Anfängen den Durchblick hatten. Sie wussten, wie erwähnt, dass Mitleidende auch mitverherrlicht werden (Rö 8,17). Sie sahen geistlich so klar, dass gar der Raub ihrer Güter mit Freuden aufgenommen werden konnte. Wie ebenfalls angedeutet, hüpft natürlich niemand vor Freude, wenn ihm etwas illegal weggenommen wird. Wer das aber als sicheren Indikator für eine herrliche Belohnung sehen darf, weil der Raub während seines gehorsamen Wandels mit Gott geschehen ist, freut sich über die göttlichen Zusagen der Verherrlichung für Christi Diener.

Vers 35

Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine grosse Belohnung hat.   Hebr 10,35

Die Zuversicht auf Gott soll nicht weggeworfen werden! Ab dem Vers 32 zeigt der Heilige Geist den Lesern auf, dass sie, wie in den früheren Tagen, an den Zusagen Gottes über die Belohnung des Gehorsams und des Tragens der Leiden Christi festhalten sollen.

In den Wochen nach der Bekehrung ist die Freude an Gottes Gaben in der Regel sehr gross. Da kann kommen, was will; keiner will Gott loslassen. In der folgenden Ausbildung durch den Hausherrn, unserem liebenden Vater, kann seine konsequente Verfolgung unserer Ausbildungsziele – vor allem, wenn wir andere Vorstellungen über das Christenleben haben – dazu führen, dass wir die Bequemlichkeit vorziehen, zumindest vorübergehend. In einer solchen Phase kann es soweit kommen bzw. ist es nicht selten so, dass uns seine Zusagen nicht mehr so wichtig sind. Wichtig ist uns viel mehr, dem wunden Punkt in unserem Leben, den der Vater behandeln will, keine Beachtung mehr zu schenken. Lieber stürzen wir uns in Ersatzhandlungen, wie intensiveres Engagement im Beruf, Hobby oder Sonstigem, welche ablenken.

Im Grunde genommen – so natürlich so eine Phase sein kann – ist es eine Periode des Ungehorsams. Natürlich würden wir sie nie so, wie derart ungeschminkt ausgedrückt, empfinden, geschweige denn so benennen. Wir sollen aber unbedingt solche Perioden als Zeitabschnitte erkennen, die dem Wachstum nicht förderlich sind und gar die Zuversicht auf die Belohnung voll aufs Spiel setzen. Denn es ist so: Wer sich aus dem Gehorsam bewegt und die Leiden Christi durch weltliche Kompromisse meidet, wird nicht mitverherrlicht, wie die Treuen mit Christus mitverherrlicht werden (Rö 8,17).

Vers 36

Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheissung davontragt.   Hebr 10,36   

Wir kennen unser kleines Organ, unsere Zunge, die schnell im Reden ist: „Wir gehen mit Dir, HERR, überall hin, auch wenn wir sterben müssen!“, wenn sich aber in der Folge Leiden einstellen, rennen nicht wenige weg, sogar die Grossen (Mt 26,33.34).

Damit unser Glaube als geprüfter Edelstein erstrahlen kann, müssen wir ausharren lernen. Wir kennen uns selbst nicht gut genug, sonst würden wir in den Anfängen nicht so grosse Töne spucken. Wir müssen zuerst lernen, den Willen Gottes zu tun, nicht nur davon zu sprechen (Jak 1,22ff). Das gilt für gute sowie auch schlechte Zeiten. Erst wenn wir nach all den Prüfungen als Bewährte hervorkommen, können wir die Verheissung davontragen. Siegerpokale werden nicht an disqualifizierte Läufer abgegeben, selbst dann nicht, wenn die Ausgeschiedenen am Start am lautesten von ihrem bevorstehenden Sieg geprahlt und nach dem demütigenden Ausscheiden hundert plausible Gründe dafür haben.

Lassen Sie uns heute zu Gott beten: „Lieber HERR! Ich will am Ende, wenn Du wiederkommst, als bewährter Christ dastehen. Dieses hohe Ziel kann ich aber nur mit Deiner Hilfe erreichen (Joh 15,5)! Hilf mir bitte auch bei gutem Gelingen demütig und im Wissen zu bleiben, dass Du allein der Anfänger und Vollender meines Glaubens bist (Heb 12,2)! Ich danke Dir für die tägliche Befähigung dazu (Rö 8,24; Heb 6,20; 7,25;). Amen.“

Vers 37

Denn noch eine ganz kleine Weile, <und> der Kommende wird kommen und nicht säumen.   Hebr 10,37 

Dieser Vers ist die Zuversicht für die, welche gehorchen. – Manchmal suggeriert die Welt, dass ein gottesfürchtiger und treuer Diener einfach nur dumm und ein Verlierer ist, da er wegen Gottes Willen auf Selbstbestimmung verzichtet und Gottes Forderungen vor die eigenen Wünsche stellt. Die Welt will glaubhaft machen, dass Gott nie richten wird und der Gottesfürchtige somit völlig unnötig auf Selbstbestimmung verzichtet.

Das ist eine alte Masche zur Verführung des Bösen, die schon längst durchschaut ist. Bereits die Apostel hatten sich damit beschäftigt. Paulus schreibt:

Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen.  1.Kor 15,19

Der Apostel bringt es messerscharf auf den Punkt: Wenn wir umsonst dienen und gehorchen, ohne dass Gott das verlangt und abrechnet, „sind wir die elendesten von allen Menschen.“ Ich könnte es nicht mit passenderen Worten darlegen; der Heilige Geist sagt sowieso alles in unübertrefflicher Weise. – Stellen Sie sich vor, liebe Leserin und lieber Leser, wenn wir unser Leben lang auf etwas hingearbeitet hätten, dass sich bei der Wiederkunft Christi als falsch erweist! Alle Jahre wären vergebens gewesen und wir wären im nächsten Zeitalter dem Spott und Hohn der Nationen ausgesetzt! Sie würden sagen: „Dieser, der uns immer wieder ermahnt hatte, lief selbst ins Leere! Was für ein armseliger Wicht! Was für ein elender Mensch!“

Doch wir können getrost sein. Im Neuen Testament haben wir noch viel mehr Sicherheiten und Vorbilder, dass Gott die Treuen belohnen wird. Die Gottlosen hingegen wird Er vertilgen. Das ruhige und „gesegnete“ Leben ist kein Indikator für eine korrekte Lebensführung, das sollte sich der Gottlose merken. Nach der Wiederkunft Christi wird die Bezeichnung „elender Mensch“ viel mehr für die Gottesfernen nicht mehr ausreichen. Wer von Gott verdammt wird; mir fehlen die Worte, die Lage einer solchen Seele zu beschreiben.

Vers 38

»Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben«; und: »Wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.«   Hebr 10,38 

Dieser Vers umschreibt den korrekten Wandel mit Gott bzw. Gottes Erwartung an die Entwicklung des Menschen. Gott will, dass die Seinen im Glauben an Ihn durchs Leben gehen und nicht auf sich selbst und auf die eigene Kraft bauen. Auch soll das im Glauben Angefangene zu Ende geführt werden:

Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.   Lk 9,62 

Wer sein Leben in Gottes Hand legt, sich dann aber zurückzieht, wie der König Saul beispielsweise (1. Sam 14,19), handelt nicht gut. Eine solche Person fällt aus dem Wohlgefallen Gottes.

Vers 39

Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen zum Verderben, sondern von denen, die glauben zur Gewinnung des Lebens.   Hebr 10,39   

Dieser Vers als unser Gebet in Gottes Ohr! Wer zurückweicht, weicht zum Verderben zurück, wie Israel vom Glauben an Gott und damit – statt ins verheissene Land – in die Wüste zurückweichen musste (4. Mo 14,1ff). Der Vers sagt klar aus, dass ein Zurückweichen mit Verderben verbunden ist. Wer hingegen Gottes Worten Glauben schenkt, gewinnt das Leben.

An dieser Stelle geht es nicht um die allgemeine Errettung. Selbst Kinder Gottes (siehe Israel) können im Glauben zurückweichen und grosse Verluste einfahren. Wer aber glaubt, wie die Schrift gesagt hat, wird in den vollen Genuss seiner kühnsten Träume kommen; das uneingeschränkte Leben ist solchen Personen versprochen (Mt 10,39). Es verhält sich wie bei Kaleb und Josua, welche glaubten und ins verheissene Land haben ziehen dürfen. Dabei verblieb ihnen die Kraft, um diesen Segen auch noch geniessen zu können, wogegen alle in der Wüste umkamen, die im Unglauben verharrten. Dabei – um wieder zum positiven Aspekt dieses Themas zu kommen – tränken glaubende Menschen auch ihr ganzes Umfeld (Joh 7,38).

Kapitel 11

Vers 1

Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.   Hebr 11,1 

Im Kapitel 11 werden uns treue Glaubenszeugen vorgestellt. Sie haben, obschon das Sichtbare oft gegen Gottes Verheissungen zeugte, an seinen Worten festgehalten und die Zusagen Gottes damit quasi „herbeigeführt“. Herbeigeführt habe ich zwischen Anführungszeichen gesetzt, weil wir nicht durch Meditation oder einen festen, unbedingten Wunsch etwas durch unseren Willen herbeiführen können. Die Reihenfolge ist anders. Zuerst muss die Zusage Gottes stehen, wie: „Liebes Kind, ich will Dir dies und das schenken!“ Als Zweites kommt unser Glaube, der Glaube des Kindes: „Was mein Vater versprochen hat, das hält er auch, selbst wenn ich nicht die kleinste Ahnung habe, wie Er das anstellt bzw. wie das werden soll.“

Ein solcher Glaube, welcher an die Zusage Gottes anknüpft, führt die Verheissung Gottes herbei. Ein solcher Glaube verwirklicht die versprochenen Segnungen. Aberglaube – ein Glauben an selbst erdachte oder begehrte Sachen, von denen Gott aber nie etwas gesagt hat – verwirklicht diese noch lange nicht (1. Kö 18,27-28, siehe auch Hes 13,6). Ein Tor ist, wer glaubt etwas zu erhalten, wenn er einfach fest daran denkt. Weise ist jemand, der Gottes Zusagen glaubt, selbst wenn sie unmöglich erscheinen. Ein solcher baut durch diesen festen Glauben an Gottes Wort wie Noah ein Schiff auf dem Trockenen, weil er weiss, dass Gott nicht lügt. Amen.

Vers 2

Denn durch ihn haben die Alten Zeugnis erlangt.   Hebr 11,2 

Durch diesen unerschütterlichen Glauben an Gottes Zusagen, den sie durch ihr Verhalten und ihre Werke bewiesen haben, haben die wirklich gottesfürchtigen Menschen im Alten Testament bezeugt, dass ihre Gottesfurcht nicht aus leeren Worthülsen bestand. Ihre Lebensausrichtung und –werk zeugte vom Glauben an Gott, deshalb steht: „Denn durch ihn haben die Alten Zeugnis erlangt.“

Wie steht es in unserem Leben mit dem Glauben? Beteuerungen, man glaube Gott, welche aber nicht in Handlungen sichtbar werden, sind völlig wertlos. Wenn wir uns gottesfürchtig nennen, aber so leben und glauben wie die Nationen, machen wir uns nicht nur lächerlich. Ein solches Verhalten verunehrt auch den Namen Gottes und bringt die Menschen dazu, ihn zu lästern (1. Tim 6,1; siehe auch 2. Kor 6,3). Achten wir auf unseren Weg! Amen!

Vers 3

Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass das Sichtbare nicht aus Erscheinendem geworden ist.   Hebr 11,3  

Durch echten Glauben kommen wir zur Einsicht, dass alles Geschaffene aus dem Nichts wurde. Wir Menschen können nicht mehr, als von dem Vorhandenen nehmen und daraus etwas schaffen. Gott kann aus Dingen, die nicht sind – also aus dem Nichts – Materie schaffen. Er kann die uns bekannten Gesetze nach Belieben übersteuern.

Wer Gott auf diese Weise glaubt, gibt die Hoffnung auch in völlig ausweglosen Situationen nicht auf; Gott kann wortwörtlich tun und lassen, was Er will. Wir sehen das bei den Freunden Daniels in Babel. Sie sollten in den Feuerofen geworfen werden, der Beschluss stand beim König unwiderruflich fest. Dennoch sagten die Verurteilten dem König, dass Gott immer eine Möglichkeit hat, sie zu retten, was Er dann auch auf übernatürliche Weise tat: Das Feuer verzehrte die Befehlsausführenden, die verurteilten Gläubigen wurden vom Feuer nicht einmal versengt (Dan 3,27). Auf ähnliche Weise kam Josef aus dem Gefängnis, wurden die Juden zur Zeit Esthers gerettet sowie Daniel vor den Löwen verschont. In Situationen, die normalerweise ein gesetzmässig fest bestimmtes Ende nehmen, erzeigte Gott auf herrliche Weise, dass der Ausgang seine Sache ist und nicht die des Laufes der Welt.

Ein solcher Glaube weckt das Verständnis, dass die Welt aus dem Nichts durch Gottes Hand erschaffen wurde. Amen.

 

Vers 4

Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain, durch welchen <Glauben> er das Zeugnis erhielt, gerecht zu sein, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen <Glauben> redet er noch, obgleich er gestorben ist.   Hebr 11,4  

Kains Opfer war selbstgerechter Art. Es beruhte auf den Gedanken: „Ich bin vor Gott in Ordnung und kann ihm somit einfach etwas von dem Meinen als Steuerabgabe geben. Steuern darf er erheben, weil er höherrangig ist als ich und das Leben von ihm aus ging.“ – Gegenüber Kains Gedankengut glaubte Abel, dass der Mensch unmöglich auf dieser Stufe Gott begegnen kann. Der Mensch war durch den Sündenfall aus der Position eines Gegenüber Gottes in diejenige eines Gesetzesübertreters und tief Schuldigen gefallen. Abel wusste, dass er aus der gegebenen menschlichen Ausgangslage nicht ohne weiteres vor Gott erscheinen durfte. Er glaubte Gott, dass er nicht wie sein Vater und seine Mutter Adam und Eva in ihren Ursprüngen ohne Einschränkung zu Gott kommen darf. Nach dem Sündenfall wurden seine Eltern aus dem Garten Eden gewiesen. Gott musste eine Trennung zwischen sich und dem sich völlig verschmutzten Menschen machen. All das anerkannte Abel und zeigte durch sein Opfer seinen Glauben, dass jetzt entweder der Mensch für sich selbst sterben muss oder ein Opfer zwischen ihm und Gott zu stehen hat. Dieser Glaube Abels redet durch die Aufzeichnung in der Heiligen Schrift heute noch, obschon Abel selbst nicht mehr unter uns weilt, wogegen Kains Verhalten das Reden Gottes verleugnet. Es verleugnet all die Wahrheiten, die Gott durch den Ausschluss aus dem Garten Eden und dem Einzug der Sterblichkeit in die Geschichte des Menschen vermittelte.

Abel entsprach mit seiner Opfergabe den Reden Gottes und bezeugte dies mit seinen Taten. Sein Glauben „redet“ in etwa so: „Mein Gott ich glaube dir, dass wir vor dir in Sünde gefallen sind. Wir sind jetzt vor dir schuldig und können nicht ohne weiteres vor dich kommen, was du auch mit dem Ausschluss aus deiner Nähe und dem Einzug der Sterblichkeit deutlich gemacht hast. Wenn ich etwas vor dich bringe, kann das nur in Verbindung mit einem Sühneopfer geschehen. Entweder sterbe ich oder ein Stellvertreter. Magst du mein Opfer durch den Tod eines Stellvertreters annehmen, so erzeigst du deine Liebe zu uns. Ich glaube an diese Liebe, denn du hättest schon bei meinen Eltern die Gelegenheit gehabt, sie nach dem Sündenfall sofort zu töten, was du aber nicht wolltest. Daher glaube ich, dass du ein stellvertretendes Opfer ersehen wirst (siehe 1. Mo 22,7ff!).“

Wir sehen an diesem Beispiel auch sehr schön, dass der Glaube fest mit Taten verbunden sein muss. Das sagt auch die Schrift unverschlüsselt aus: Glauben ohne Werke ist ein toter Glaube (Jak 2,17). Wer bezüglich Glauben an Gott nur grosse Töne von sich gibt und beteuert, wie sehr er Gott glauben würde, aber keine den geistlichen Tatsachen entsprechende Werke bringt, lügt. Solche Lügner gibt es leider nur allzu viele. Wir finden sie in allen Benennungen und Glaubensrichtungen. Überall haben sich Leute dieser Art eingeschlichen; nicht einmal wirklich tiefgläubige und bibeltreue Christen bleiben bei Unachtsamkeit vor solchen verschont, wie die Kirchengeschichte Zeugnis von beispielsweise Mk 13,22 gibt. Bleiben wir wachsam! Amen.

Vers 5

Durch Glauben wurde Henoch entrückt, so dass er den Tod nicht sah, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor der Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, dass er Gott wohlgefallen habe.   Hebr 11,5   

Gott gibt Henoch das Zeugnis, dass er mit Ihm gewandelt ist (1. Mo 5,22). 300 Jahre wandelte Henoch mit Gott. – Er ist an dieser Stelle vom Heiligen Geist zusammen mit anderen Glaubenszeugen aufgeführt, denn mit Gott wandeln bedeutet an seine Liebe, Zusagen, Fürsorge und seinen Schutz zu glauben.

Glauben Sie Gott und seinem Sprechen? – Glückselig sind Sie, wenn Sie es in Tat und Wahrheit tun. Dann sind auch Sie ein Kandidat oder eine Kandidatin für das Buch mit der lückenlosen Auflistung der Gläubigen im Himmel. Die Liste im Hebräer 11 ist nicht abschliessend; sie nennt lediglich einige Beispiele von echten Gläubigen. Im Himmel gibt es eine vollständige Liste, wo alle ausnahmslos aufgeführt sind. Unparteiisch werden dort alle eingetragen, die Gott richtig glauben, nämlich so, dass der Glaube in ihren Werken und ihrem Verhalten sichtbar ist.

Vers 6

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, <ihm> wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.   Hebr 11,6  

Wir müssen nicht primär diese oder jene Regung zeigen, um Gott zu gefallen. In erster Linie sollen wir seinen Worten glauben und uns nicht selbst rechtfertigen. Dem Menschen ist es sowieso unmöglich, sich vor Gott zu rechtfertigen. Somit müssen wir nicht aus eigener Kraft an unseren Charaktereigenschaften feilen -, es wird auf diese Weise sowieso nie ausreichen! Die Geschichte zeigt, dass es so nicht geht. Nicht einmal der abgesonderte Mensch unter Gesetz hat diesbezüglich etwas erreicht!

Der Mensch, der Gott glaubt und tut was Gott sagt, lässt sich durch Ihn gerecht machen und kommt demgemäss in den Wohlgefallen Gottes. Es geht sogar noch weiter: Gott will Glaubende nicht „nur“ gerecht sprechen, Gott will ihnen sogar ein Belohner sein. Dies tut er, obgleich wir alles aus seiner Hand nehmen. Unseren Charakterwandel zum Guten nehmen wir auch von Ihm und hätten eigentlich keine Belohnung dafür verdient. Trotzdem belohnt Er die Treuen!

Diese Wahrheit stellt der Heilige Geist mit Nachdruck vor. Es heisst nicht, dass jemand, der sich Gott naht, glauben soll. Es heisst, dass ein solcher Mensch glauben muss! Er muss nicht nur glauben, dass Gott ist; der Hinzutretende muss zusätzlich glauben, dass Gott seinen echten Nachfolgern ein Belohner sein wird!

Glauben Sie das, liebe Leserinnen und Leser? – Ich kenne einige Gläubige, die es nicht tun, solche, die mit menschlicher Weisheit argumentierten und behaupteten, dass uns Gott nicht belohnen kann. Auf rationalen, teuflischen Gedanken gründend, behaupteten sie das fest, da wir kein Anrecht auf Belohnung hätten. Wir seien schliesslich nur aufgrund von Gnade errettet, da wäre eine Belohnung völlig fehl am Platz. – Grundsätzlich haben sie Recht, sollte die Belohnung von alleiniger Gerechtigkeit abhängen. So argumentiert, hätten wir die Errettung auch nicht verdient! Das Problem dieser Argumentation ist: Sie schliesst die Liebe Gottes aus. Wenn Gottes Gnade überschwänglich ist und zur Errettung noch eine Belohnung fügen will -, ist es denn nicht antigöttlich, wenn wir diese ignorieren oder gar leugnen? – Ein sich Gott nahender Mensch MUSS glauben, dass Gott ist. Ein sich Gott nahender Mensch MUSS glauben, dass er denen, die Ihn suchen, ein Belohner sein wird! Amen.

Vers 7

Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung über das, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses. Durch ihn verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die nach dem Glauben ist.  Hebr 11,7  

Noah glaubte Gott in allem, was Er sagte. Er empfand auch Furcht in seinen Gefühlen. Das bedeutet, dass er nicht nur hälftig glaubte und die Arche bloss als „Versicherung“ baute, so quasi nach dem Motto: Kommt die Sintflut, steht sie da, kommt sie nicht, lebe ich auch weiter. – Gottes Ankündigung der Sintflut flösste ihm Furcht ein; er wusste, dass sie ganz sicher kommen wird. Für Noah gab es keine Alternative oder offene Fragen. Er machte sich an den Bau der Arche, die ihm von Gott als Instrument der Rettung verordnet wurde.

Durch diesen Glauben verurteilte er die Welt, die Gottes Wort keinen Glauben schenkte. Durch den Bau der Arche predigte Noah deutlich sichtbar und für mehrere Jahrzehnte, dass ein Gericht über die Welt hereinbrechen wird. Die Bibel nennt ihn Prediger der Gerechtigkeit:

und <wenn> er die alte Welt nicht verschonte, sondern <nur> Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten <neben sieben anderen> bewahrte, als er die Flut über die Welt der Gottlosen brachte;   2.Petr 2,5 

Die Welt bewies durch völlig offen gelegten Unglauben, dass sie den Tod durch die Wasser verdient hatte; Gott überraschte die Menschen nicht ohne jahrzehntelange Vorwarnung. Der Bau der Arche bedeutete eine Grossbaustelle über sehr viele Jahre und forderte die Menschen zur Entscheidung auf: Sie hatten die Wahl, Noah zu glauben und sich darin einen Platz zu sichern oder ihn für sinnlose Zeitverschwendung zu verspotten. Da letzteres der Fall war, bedeutete das, dass Noah die Welt als ungläubig und demnach gottlos entlarvte.

Heute wiederholt sich die Geschichte. Der HERR hat wieder ein Gericht über die Erde angekündigt. Einige wenige Gläubige glauben Ihm und bergen sich in Christus, indem sie durch tägliche geistliche Speise und Arbeit im Wort sich eine Christus-Arche bauen, die sie vor dem kommenden Feuer (2. Thess 1,7.8; 2. Petr 3,7) erretten wird. Die Welt handelt demgegenüber wie damals zur Zeit Noahs: Die Christen sind in ihren Augen hoffnungslose Zeitverschwender, welche sich täglich mit völlig sinnlosen Dingen abmühen. Für die Welt Grund genug, sie zu verspotten.

Vers 8

Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme.   Hebr 11,8   

Der Auszug Abrahams bewies seinen Glauben an Gott und sein Wort. Hätte er Gottes Wort nicht vertraut, hätte Abraham bleiben können, wo er war; Gott zwingt niemanden zum Glück, wie wir wissen. Wer Gott nicht glauben will, kann es bleiben lassen und wer Gott nicht gehorchen will, kann es ebenfalls bleiben lassen (Hes 2,5).

Wir sollen unserer Zuhörerschaft diese Freiheit ebenfalls lassen. Es liegt an uns, die gute Botschaft weiterzutragen. Es liegt nicht an uns, jemanden damit zu vergewaltigen. Ein Gottloser wird nicht gut, wenn ihm ein christlicher Mantel (mit Gewalt) übergestülpt wird.

Wenn Sie als Christ zum Beispiel jemandem hierarchisch übergeordnet sind und ihm deutlich machen, dass er das Evangelium annehmen sollte, er es aber von Herzen nicht tun will, kann er Ihnen christliche Werte vorheucheln und doch wird er mit dem Herzen nicht dabei sein. – Bringt Ihnen oder ihm eine solche Konstellation etwas? – Ganz sicher nicht. Vielmehr leitet sie dazu, dass der Name Gottes verlästert wird. Wenn auskommt, wie ein Blender – der sich fromm nennt – in Wirklichkeit lebt, es aber im Herzen nicht ist, wird der Name Gottes verflucht. Beobachter werden Gott als Sammler von Heuchlern bezeichnen. Daher gilt, wenn wir das Evangelium verkündigen: „Sie sollen es hören oder es lassen (Hes 2,5).“ Es gilt auch: „Wer unrecht tut, tue noch unrecht, und der Unreine verunreinige sich noch, und der Gerechte übe noch Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich noch (Offb 22,11)!“

Das bedeutet nicht, dass wir nicht mit Nachdruck verkündigen sollen. Doch es ist nicht Recht und es bringt nichts ausser Übel, wenn wir Personen, die nicht glauben, mit Gewalt „umpolen“ möchten. Verschwenden wir nicht mit Widerspenstigen unsere Zeit (Tit 3,10)!

Um zum Vers zurück zu kommen: Abraham wird im Neuen Testament über vierzigmal erwähnt, selbst vom HERRN persönlich in positiver Art (Joh 8,56). Er wird unter anderem als Vater der Glaubenden bezeichnet (Rö 4,16). Er hat durch sein Vertrauen auf Gott ein Beispiel gesetzt, dem wir folgen sollten! Amen.

Vers 9

Durch Glauben siedelte er sich im Land der Verheissung an wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheissung;   Hebr 11,9

Gott führte Abraham in das verheissene Land. Abraham wohnte zwar dort, aber noch nicht wie ein Eigentümer. Selbst seine Nachkommen bewohnten es in dieser Art. – Das Land war ihnen verheissen, doch sie konnten es noch nicht so in Besitz nehmen, wie jemand, der eine Erbschaft antritt. Sie wohnten, wie Kinder im Besitz der Eltern wohnen. Den Kindern gehört faktisch alles und doch verfügen sie nicht über das Vermögen. Die Nachkommen können erst nach dem Erbgang uneingeschränkt über die bekannten Güter herrschen.

Vers 10

denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.  Hebr 11,10 

Was für eine Stadt hat Grundlagen, solange die Vergänglichkeit und die Sünde wirksam sind? Die Vergänglichkeit zeugt von einem Ende und die Sünde ruft nach einem Endgericht. Oder wollen Sie für ewig in New York, London, Rom oder irgendeiner Stadt leben, solange die Städte diesen Elementen unterworfen sind? – Abraham wollte es nicht und ich will es auch nicht. Ich weiss, dass ich plötzlich ohne Bleibe sein werde, spätestens dann, wenn Gott diese Städte heimsucht. Gott wird jeden Ort dieser Welt richten; Er ist heilig und gerecht, die Welt hingegen ist voller Sünden.

Eine Stadt hingegen, die Gott erbaut, ist unvergänglich, weil sie auf dem Boden der Gerechtigkeit steht. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“, bezeugt uns wie Abraham auch der Heilige Geist im ewigen Wort (Heb 13,14). Und Gott selbst gibt uns Zeugnis über diese ewige Stadt, deren Baumeister Er persönlich ist. Es gibt sie also, die himmlische Stadt (Offb 3,12; 21,1ff), von welcher bereits unser Urvater Abraham (Rö 4,11) wusste.

Vers 11

Durch Glauben empfing er auch mit Sara, obwohl sie unfruchtbar war, Kraft, Nachkommenschaft zu zeugen, und zwar über die geeignete Zeit des Alters hinaus, weil er den für treu erachtete, der die Verheissung gegeben hatte.   Hebr 11,11 

Abraham erachtete Gott, den Allmächtigen, für treu, der die Verheissung auf den Nachkommen gegeben hatte.

Sara erging es nicht mehr „nach der Frauen Weise“ (1. Mo 18,11), als sie Isaak empfing; ihr Monatszyklus hatte aufgrund ihres hohen Alters aufgehört. Sie war daher (doppelt) unfruchtbar, wie die Bibel bestätigt. Unfruchtbar war sie bekanntlich schon vorher, doch als sie den Zyklus noch hatte, bestand immerhin noch Hoffnung auf ein Kind. Danach hingegen war diese Hoffnung definitiv dahin. – Da Gott dem Ehepaar aber einen Nachkommen verheissen hatte, glaubte Abraham, weil er wusste, dass Gott letztendlich über den Gesetzen dieser Welt steht und tun und lassen kann, was Er will.

Haben wir einen solchen Glauben an Gott? Glauben wir, dass Gott eingreifen kann, auch wenn es völlig unmöglich erscheint? – Glückselig sind wir, wenn wir Gott auf diese Weise vertrauen!

Vers 12

Deshalb sind auch von einem, und zwar Gestorbenen, <so viele> geboren worden wie die Sterne des Himmels an Menge und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.   Hebr 11,12  

Dieser eine ist Abraham, der gestorben ist. Aus ihm sind so viele geboren worden, wie die Sterne des Himmels an Menge und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist, nach der Verheissung Gottes (1. Mo 15,5). Die Bibel verwendet das Wort „deshalb“ im Zusammenhang mit Abrahams Glauben: „Deshalb sind auch von einem, und zwar Gestorbenen, so viele geboren worden wie die Sterne des Himmels an Menge und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählbar ist.“

Abraham erachtete den als treu, der die Verheissung gegeben hatte; er glaubte Gott (V 11) auch in unmöglichen Situationen. Und da Gott ein Belohner ist, vergoldete Er Abrahams Glauben mit einem eigenen Volk, wie Er den Glauben von Rut, der Frau Boas‘, krönte, indem er sie in die Linie Christi versetzte. Gott lässt sich nicht lumpen, Er belohnt seine Treuen über die Massen. Und wessen Belohnung noch nicht offenbar ist: Wir werden bei Christi Wiederkunft über die Herrlichkeiten staunen, mit denen die Menschen überschüttet werden, die geglaubt haben. – Lassen wir unsere Belohnung nicht fahren (Mt 6,20); halten wir uns an die Weisungen Gottes! Amen!

Vers 13

Diese alle sind im Glauben gestorben und haben die Verheissungen nicht erlangt, sondern sahen sie von fern und begrüssten sie und bekannten, dass sie Fremde und ohne Bürgerrecht auf der Erde seien.  Hebr 11,13 

Weder Abel, Henoch, Noah noch Abraham haben die Verheissungen, Gottes Erbe zu bekommen, erlangt. „Sie sahen sie von fern“, bedeutet, dass sie eine Vorahnung von Gott für das Erbe erhielten, wie Mose im Vorbild das gute Land Israel nur aus der Ferne sah. Er sah, wohin er zukünftig einziehen werden wird, konnte es aber damals weder bewandern noch begutachten.

Unsere in diesem Kapitel vorgestellten Glaubenszeugen bekannten durch ihren Wandel – indem sie beweglich wie die Nomaden lebten – dass sie „Fremde ohne Bürgerrecht auf der Erde seien“. Ihr Glaube redete durch ihre Taten. Sie verhielten sich nicht wie ihre Zeitgenossen, welche sich mit der gefallenen Schöpfung identifizierten und ohne Perspektive und Hoffnung auf eine göttliche Welt in ihren Lüsten schwelgten (Lk 17,27) nach dem Motto: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sterben wir!“ So lebten die Menschen zur Zeit Noahs, während dem Noah sich jahrzehntelang mit dem Bau der Arche für den Übergang ins Reich vorbereitete. Damit bewies Noah, dass sein Trachten nicht der gefallenen Schöpfung galt; er bereitete sich auf eine Welt vor, die frei von Ungerechtigkeit und Bösem ist. Er richtete sich für die reine Welt Gottes zu, die den Gläubigen heute wie damals noch aus der Ferne vorgestellt wird.

 

Vers 14

Denn die, die solches sagen, zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen.   Hebr 11,14 

Menschen, die durch ihre Taten dieses aussagen, zeigen deutlich, dass sie zeitlebens nicht gefunden haben, was sie suchten. Ansonsten hätte Abel nicht auf Christi Opfer hingewiesen und Henoch nicht auf einen Wandel mit Gott. Noah hätte den Genuss weltlicher Freuden dem Bau der Arche vorgezogen und Abraham die Gemeinschaft inmitten seines Vaterhauses und Volkes. Doch keiner dieser Zeugen handelte nach dem Verhalten dieser Welt. Diese erwähnten Zeugen Gottes „zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen“, entgegen von dem, was die Welt bietet.

In der Welt ist ein Gottesfürchtiger nichts weiter als ein Pilger, der nicht ruhen kann, bis er ins Vaterhaus aufgenommen wird. Ein Mensch Gottes kann sich nicht mit dem Geist der Welt eins machen oder sich nur schon nicht mit diesem Niveau der Unvollkommenheit zufrieden geben, da er weiss, dass sein Vater alles in absolut perfekter Art richten kann. – Wen wundert es also, wenn wir uns nach dieser göttlichen Welt ausstrecken, wie es die Alten taten?

Vers 15

Und wenn sie an jenes gedacht hätten, von dem sie ausgezogen waren, so hätten sie Zeit gehabt, zurückzukehren.  Hebr 11,15 

Abel hätte sich von der Demut zum Hochmut abwenden und sich mit seinem Bruder der Gottlosigkeit anschliessen können. Auch Henoch hätte in den 300 Jahren, in welchen er mit Gott wandelte, genügend Zeit zur Abkehr und eigenen Wegen gehabt. Noah lag die Möglichkeit ständig bereit, den Bau der Arche liegen zu lassen und sich weltlichen Freuden zuzuwenden, wie auch Abraham genügend Zeit hatte, an seinen Geburtsort zurück zu reisen.

Weil unsere Zeugen dies aber zielbewusst nicht taten und am neu eingeschlagenen Weg mit Gott festhielten, offenbarten sie ihr Trachten nach dem echten Vaterland auf unmissverständliche Weise, welches mit der Welt gar nichts Gemeinsames hat.

Vers 16

Jetzt aber trachten sie nach einem besseren, das ist nach einem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.    Hebr 11,16 

Die sehr schön in Erscheinung getretene Treue der Glaubenszeugen berührt den, der auch die Gefühle geschaffen hat. Von Freude erfüllt, setzt sie Gott als Denkmäler in sein ewiges Wort und schämt sich nicht, in Verbindung mit ihnen genannt zu werden. Es käme Ihm auch nie in den Sinn, die Seinen zu täuschen; die Zukunft, die Er ihnen aus der Ferne gezeigt hatte, existiert in Wirklichkeit. Er wird sie in ihr Erbteil, dessen Urheber Gott persönlich ist, bringen!

Dasselbe Glück wird auch uns zuteil, wenn wir den Glauben tatkräftig, also sichtbar gemacht durch unsere Handlungsweise, festhalten. Amen!

Vers 17

Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, den Isaak dargebracht, und er, der die Verheissungen empfangen hatte, brachte den einzigen <Sohn> dar,   Hebr 11,17 

Abraham zeigte seinen Glauben nicht nur in Bezug auf die Geburt seines Sohnes. Im späteren Glaubenstest überzeugte er völlig, als er auf Gottes Anordnung seinen Sohn geopfert hätte. Drei Tage nach Gottes Aufforderung, als Isaak kurz vor der Opferung stand und Abrahams fester Gehorsam völlig offenbar war, stoppte Gott die Aktion, die Er im Übrigen nie von einem weiteren Menschen gefordert hat. Abraham wurde ein Widder gezeigt, den er an Isaaks statt opfern durfte (1. Mo 22,1ff).

Durch diese Handlung stellte Gott Abrahams herrlichen Glauben allen so unmissverständlich vor, dass jeder Kritiker verstummen muss. Auch wird damit völlig plausibel dargelegt, weshalb Abraham als „Freund Gottes“ bezeichnet wurde (Jak 2,23). Eine solche Hingabe zu Gott weckt selbst im Allmächtigen eine demgemäss grosse Zuneigung zum Menschen, dass sich der Ewige nicht schämt, seine Getreuen als Freunde zu bezeichnen.

Vers 18

über den gesagt worden war: »In Isaak soll deine Nachkommenschaft genannt werden«,   Hebr 11,18 

Abraham war gesagt worden, dass nicht in irgendwem die Nachkommenschaft genannt werden wird, sondern: „In Isaak soll deine Nachkommenschaft genannt werden.“ Das bedeutete, dass Abraham glauben musste, dass – sollte Isaak nun wirklich Gott geopfert werden müssen – Gott diesen Isaak wieder auferstehen lassen wird. Schliesslich ist es unmöglich, dass ein Wort Gottes zu Boden fällt. Dass er im hohen Alter auf übernatürliche Weise, jedoch auf natürlichem Weg durch eine gewöhnliche Schwangerschaft seiner Sara, ein Nachkomme entspringen kann, hat Gott bewiesen. Es braucht aber eine weit grössere Portion Glauben, um Gott zu vertrauen, dass Er einen getöteten Menschen wieder ins Leben zurückholt, um die Verheissung in Isaak aufrecht zu erhalten.

Abraham glaubte es, sonst hätte er den Weg zum Berg Morija nicht auf sich genommen. Abrahams Taten sprechen diesbezüglich Bände. Sie offenbaren einen Glauben an Gott, der keinen Zweifel an den Fähigkeiten Gottes offen lässt.

 

Vers 19

indem er dachte, dass Gott auch aus den Toten erwecken könne, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.   Hebr 11,19

Abraham musste glauben, dass Gott aus den Toten erwecken kann; wie hätte er ansonsten den Weg zur Opferstätte auf sich nehmen können? Denn nicht in einem weiteren Sohn lag die Verheissung, sie lag auf diesem Isaak, den er zu opfern hatte.

Im letzten Moment stoppte Gott die Aktion und Abraham wurde ein Widder an seines Sohnes statt als Opfergabe gegeben. Damit empfing Abraham im Gleichnis seinen Sohn zurück aus den Toten. Sinnbildlich sah Abraham seinen Sohn kurz vor der Opferung schon drei Tage als getötet an; von der Aufforderung Gottes bis zur vereitelten Handlung verstrichen drei Tage. Im Gleichnis durchlebte Abraham in abgeschwächter Form das, was Gott mit Christus im vollen Masse durchleben musste. Sein Sohn musste sterben und durfte erst nach drei Tagen wieder auferstehen. Gott empfing ihn nach drei Tagen aus den Toten, wie Abraham nach drei Tagen empfing, dass Isaak vom schweren Schicksal befreit war.

Dieser herrliche Glaube Abrahams -, wo ist er heute noch zu finden? Heute bespricht man in christlichen Gemeinden, ob es statthaft ist, eine Ehe aufzulösen oder nicht, was im biblischen Kontext aufgrund der Klarheit nicht einmal die Diskussion wert ist. Handfeste Themen bekommen in der heutigen Zeit Fragezeichen, sodass offenbar wird, dass der Glaube an Gott unter Christen einen absoluten Tiefpunkt erreicht hat. Viele unserer Brüder und Schwestern sind diesbezüglich so geschwächt, dass schon der kleinste Windhauch genügt, die Nachfolge Christi aufzugeben. Und leider fühlen sich darüber hinaus einige schon stark, wenn sie Gottes Existenz etwas mehr betonen als die Heiden. – Sehen wir uns vor: Es ist offensichtlich, dass es Gott gibt. Wer davon zeugt, hat überhaupt keine Heldentat vollbracht. Ein solches Zeugnis ist der Rede nicht wert, auch die Nationen wissen von einem existenten Gott, wie die Schrift sagt (Rö 1,20). Wer Gott aber glaubt, wie Martha und Maria hätten glauben sollen, als Christus ihren Bruder auferweckte – dass Ihn nämlich weder Hindernisse vom Leben einschränken noch selbst der Tod und geistliche Mächte Ihm etwas anhaben können – dessen Glaube ist nennenswert. Ein solcher Mensch kippt nicht von einer Seite zur anderen, auch wenn es hart kommt und ein Eingreifen Gottes völlig unmöglich erscheint.

Vers 20

Durch Glauben segnete Isaak auch im Hinblick auf zukünftige Dinge den Jakob und den Esau.  Hebr 11,20 

Dieser Isaak, der im Wandel mit Gott vertraut war und welchen er bereits durch seinen Vater Abraham kennen gelernt hatte, segnete im Hinblick auf zukünftige Dinge seine Söhne. Er wusste mit voller Klarheit, dass Gottes Zusagen eintreffen werden.

Auch bei ihm war nur im Glauben erfassbar, dass aus dem Ehepaar Abraham und Sara ein Volk entstehen sollte. Er repräsentierte mit seiner Rebekka selbst nur eine kleine und unbedeutende Familie, welche nicht den Anschein machte, eine grosse Nation hervorzubringen.

Der Segen, den er aussprach, zeigte jedoch seinen Glauben an Gottes Verheissung, welche der Allmächtige seinem Vater gab: Das Versprechen, ein grosses Volk zu werden. – Isaak segnete mit folgenden Worten (Zitat ist nicht abschliessend):

Völker sollen dir dienen und Völkerschaften sich vor dir niederbeugen! Sei Herr über deine Brüder, und vor dir sollen sich niederbeugen die Söhne deiner Mutter! Die dir fluchen, seien verflucht, und die dich segnen, seien gesegnet!   1.Mose 27,29

Damit offenbarte Isaak seinen Glauben an die Verheissung Gottes öffentlich, die sein Vater Abraham empfangen hatte. Völker sollen seiner Nachkommenschaft dienen, von der er glaubte, dass sie selbst zu einen Volk werden wird, weil keines der Worte Gottes auf den Boden fällt.

Vers 21

Durch Glauben segnete Jakob sterbend einen jeden der Söhne Josefs und betete an über der Spitze seines Stabes.   Hebr 11,21 

Jakob tat es dem Isaak gleich und segnete seine Nachkommen entsprechend; er glaubte Gottes Verheissung, die seinem Grossvater Abraham zugesprochen wurde. Er glaubte offensichtlich, dass er und seine Nachfahren bereits Gegenstand dieser Verheissung waren.

Vers 22

Durch Glauben gedachte Josef sterbend des Auszugs der Söhne Israels und traf Anordnung wegen seiner Gebeine.    Hebr 11,22 

Obschon der Auszug des Volkes Israel noch in weiter Ferne lag, zum Zeitpunkt waren sie nicht einmal ein Volk, sah ihn der Glaube bereits. Josef traf in diesem Anordnung wegen seiner Gebeine.

Der christliche Glaube unterscheidet sich vom Aberglauben, weil christlicher Glaube nicht an erdachte Dinge glaubt. Vielleicht kennen Sie die Redensart: „Du musst nur fest daran glauben, dann wird es gut kommen“, welche unter weltlichen Menschen sowie Christen gebräuchlich ist. Diese hat mit dem christlichen Glauben nichts gemein, da sie suggeriert, dass alles, woran der Mensch fest glaubt, eintreffen wird. Das aber längst nicht alles eintrifft, was der Mensch sich einbildet -, dafür hat Hesekiel eine Erklärung:

Sie schauen Nichtiges und Lügenwahrsagung, die da sagen: »Ausspruch des HERRN«, obwohl der HERR sie nicht gesandt hat; und <dabei> erwarten sie, dass er <ihr> Wort eintreffen lässt.   Hes 13,6 

Der HERR lässt längst nicht alles eintreffen, woran der Mensch aus sich selbst glaubt. Auch dann nicht, wenn die abergläubische Person dafür viel „Glaubenszeit“ bzw. Meditation investiert oder die Märchen von hochangesehenen Personen erzählt werden.

Der christliche Glaube hat, wie erwähnt, nichts mit Aberglauben zu tun. Er orientiert sich ausschliesslich an wirklichen Zusagen Gottes. Wenn Gott sagt, dies oder das wird eintreffen, dann glaubt es ein echter Glaubender, selbst wenn es unmöglich erscheint. – All die im Hebräer 11 erwähnten Glaubenszeugen hielten nicht an irgendeiner Utopie fest, sie orientierten sich an den Zusagen Gottes und glaubten an sie, auch wenn sie im gegebenen Rahmen unmöglich erschienen. Bitte beachten Sie: Wo etwas über die Zusage Gottes hinausgeht, mischt der Aberglaube mit, welcher nur enttäuscht und böse ist.

Die Nachkommenschaft Josefs war noch längst kein Volk, wo er Anordnung wegen seiner Gebeine traf. Auch war nicht offensichtlich, dass seine Nachkommen aus Ägypten je in ein anderes Land ziehen werden. Klar war es lediglich für den Glauben aufgrund der Zusage Gottes, welche immer und ohne Ausnahme eintrifft.

An was glauben Sie, liebe Leserinnen und Leser? Geht ihr Glaube über die Worte Gottes hinaus oder andererseits nicht so weit, wie die Schrift sagt? – Glauben Sie mir in diesem Punkt: Wem Sie allein ihr ganzes Vertrauen schenken können, ist ausschliesslich Gott. Er wird alles kommen lassen, was Er gesagt hat!

Vers 23

Durch Glauben wurde Mose nach seiner Geburt drei Monate von seinen Eltern verborgen, weil sie sahen, dass das Kind schön war; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht.    Hebr 11,23  

Das Kind war schön, das Kind war von Gott; wieso hätten sie es in den Nil werfen sollen? Der böse Pharao verlangte den Mord an den männlichen Kindern, weil er die Nachkommen Isaaks begann zu fürchten.

Die Schönheit des Kindes zielt auf die Wohlgefälligkeit vor Gott ab. Die Eltern mussten das erkannt haben und konnten deshalb wohl Mut fassen, sich dem bösen Gebot des Pharao zu widersetzen. Moses Zukunft offenbarte, dass er Wohlgefallen vor Gott erlangt hatte; er war Sein Auserwählter, der die Nachkommenschaft Isaaks und Jakobs ins gute Land führen durfte.

Vers 24

Durch Glauben weigerte sich Mose, als er gross geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heissen,   Hebr 11,24

Nachdem Mose gross geworden war, stellte er sich offensichtlich hinter sein Volk, ohne Rücksicht auf seine Position unter den Ägyptern. Durch ein Ereignis, wo er entschieden für sein Volk eintrat, musste er fliehen und alles verlassen, was er in Ägypten haben konnte  – vielleicht sogar die Thronfolge. Daher kann gesagt werden, dass Mose sich „weigerte“, ein Sohn der Tochter des Pharao zu heissen. Die Volkszugehörigkeit war ihm wichtiger als Position in der Welt; Mose priorisierte seine Wahl zugunsten von Gott und dem Volke Gottes.

Was stellen Sie in Ihrem Leben an die erste Stelle, liebe Leserin und lieber Leser? Kommt bei Ihnen das Reich der Himmel an erster Stelle oder würden Sie es, wenn es hart auf hart kommt, des Vergnügens, des Jobs oder des Ansehens wegen hintenanstellen? – Ich frage an dieser Stelle nicht nach Ihrem Lippenbekenntnis, sondern nach Ihren diesbezüglichen Taten.

 

Vers 25

und zog es vor, <lieber> zusammen mit dem Volk Gottes geplagt zu werden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben,  Hebr 11,25   

Mose zog es vor, mit dem Volk Gottes Schmach zu leiden – ja, sogar geplagt zu werden – „als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben.“ Durch Glauben wusste er, dass das Volk des HERRN zukünftig vorherrschen wird. Dem Glauben war es klar, dass – wenn Gott dem Abraham Land verheisst, es diesem aber zu Lebzeiten nie gehörte – Gott ihn von den Toten weg zurück in das Land pflanzen wird.

Wir erinnern uns: Abraham und den Nachkommen Isaaks war das Land Israel verheissen worden. Das heisst, dass die Nachkommenschaft einschliesslich der Väter, Abraham, Isaak und Jakob, im Land wohnen werden. Da Abraham und die Nachkommen der Verheissung jedoch vorher verschieden, also starben, bevor sie in den Genuss des Landes kamen, ist es klar, dass sie auferstehen werden, damit diese Verheissung Wirklichkeit wird. – Oder was denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser, fällt diesmal ein Wort Gottes auf den Boden, ohne wahr zu werden?

Für Mose war daher klar, dass bei solchen Verheissungen ein zeitlicher Genuss der Sünde nicht in Frage kommt. Nur ein Tor wie Esau hätte diesen vorgezogen, der Gott deshalb verhasst war (Mal 1,3).

Vers 26

indem er die Schmach des Christus für grösseren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung.   Hebr 11,26

Mose kannte die Belohnung. Esau kannte die Belohnung auch. Mose handelte so, Esau handelte anders. Mose wertschätzte die Belohnung Gottes; Esau achtete sie nicht einmal den Wert eines einfachen Essens; er verkaufte sie für einen Teller Linsen und etwas Brot (1. Mo 25,29-34).

Was für einen Gegensatz sehen wir in diesen beiden Figuren! Mose wertete die Belohnung Gottes höher als alles, was ihm ein Weltreich hätte geben können, alle Annehmlichkeiten, die ein Glied der Königsfamilie hatte bzw. welche die Welt ihm anbot, stufte er geringer als die Gaben Gottes ein, welche er noch nicht einmal besass, wogegen Esau die bereitgestellten Freuden Gottes richtiggehend verachtete, wie die Schrift sagt:

Und Jakob gab Esau Brot und ein Gericht Linsen; und er ass und trank und stand auf und ging davon. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.   1.Mose 25,34

Diese zwei Männer stellen grosse Gegensätze dar; der eine ist ein grosses Vorbild für Menschen, die Gott und seine Verheissungen wertachten, der andere ist das Ebenbild für Zeitgenossen, welche die Freuden dieser ungerechten Welt lieben und den Gaben Gottes voranstellen.

Vers 27

Durch Glauben verliess er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren.   Hebr 11,27 

Dem bösen Pharao reichten all die Plagen Gottes nicht, um vom Volk Israel abzulassen, wie wir wissen. Selbst nach einem kurzen Einlenken, nachdem alle Erstgeburt der Ägypter tot war, jagte er dem Volk nach und wollte den Auszug nochmals verhindern (2. Mo 14,5). Mose glaubte die ganze Zeit dem Worte Gottes mehr als seinen eigenen Augen. Was seine Augen sahen, hätte jedem vernünftig denkenden Menschen plausibel gemacht, dass ein Auszug aus Ägypten auf normalem Weg ein Ding der Unmöglichkeit war. Am Ende war sogar der Weg zum Pharao verschlossen, mit dem Mose doch diesbezüglich verhandeln musste (2. Mo 10,28).

Wie erwähnt, glaubte Mose den Worten Gottes mehr als dem, was er sah; denn wenn Gott sagt, Wasser werde zu Blut, dann geschieht es, auch wenn dies eine noch nie dagewesene Erscheinung ist. Damit will ich sagen, dass immer das eintrifft, was Gott sagt. Er kann tun und lassen, was Er will und ist an keine Grenzen und physikalischen Gesetze gebunden.

Haben wir diesen Glauben, liebe Leserinnen und Leser? Oder proklamieren wir einen Glauben, den wir beim Drohen des Feindes und seiner Gefolgschaft schnell wieder verleugnen? Wie ich schon einmal erwähnt habe, verlangt Gott nicht einen Aberglauben von uns. Wir sollen nicht einfach fest an irgendetwas glauben, selbst dann nicht, wenn wir es in irgendeiner „christlichen Art“ (z.B. mit viel Gebet) tun. Das Gebet schliesst die Möglichkeit ein, dass Gott es werden lassen kann, wenn Er will. Gott ist aber nicht an eine Erfüllung unserer Wünsche gebunden. Ganz anders verhält es sich, wenn Gott etwas versprochen hat. Menschen die an diesen Versprechen Gottes festhalten, werden nie enttäuscht, weil Gott immer umsetzt, was Er zusagt. Das sehen wir bei diesen Glaubenszeugen, welche das Wort Gottes immer höher achteten, als das, was ihnen Auge und menschliche Vernunft vermittelten. – Tun wir es diesen Zeugen gleich, liebe Leserinnen und Leser! Amen!

Vers 28

Durch Glauben hat er das Passah gefeiert und die Blutbestreichung ausgeführt, damit der Verderber der Erstgeburt sie nicht antastete.   Hebr 11,28   

Im 2. Mo 12 wird von Gott das Passah angeordnet. In Israel soll jede Familie für sich oder zusammen mit den nächsten Nachbarn – je nach Familiengrösse – ein fehlerfreies Lamm schlachten und dabei vom Blut nehmen und damit den Rahmen der Eingangstüre bestreichen. Gott führte in jener Nacht ein Strafgericht an den Ägyptern und ihren Göttern durch. An mit Blut bestrichenen Türrahmen ging der gerichtsvollstreckende Engel vorüber, bei unbestrichenen Türpfosten nahm das Unheil seinen Lauf: Der Erstgeborene Sohn dieser Familie musste sterben, sowie das Erstgeborene vom Vieh.

Der Unterschied bei gerichteten bzw. nicht-gerichteten Familien lag nicht in der Volkszugehörigkeit; er lag allein im Blut an den Türpfosten. Hätte eine ägyptische Familie an das Wort dieses fremden Gottes geglaubt und es Israel gleich getan, wäre der Verderben bringende Engel auch an ihrer Türe vorbeigegangen. Damit deutet Gott im Gleichnis an, dass der Mensch nicht auf der Basis von Geburt, Position, Wohnort, Hintergrund, Eigenleistung oder Geschlecht errettet wird, sondern allein aufgrund des Glaubens an die Erlösertat Christi. Wer Gott und seiner einzigen Methode zur Errettung glaubt und sie anwendet, erfährt wirkliche Errettung. Wer hingegen einfach irgendetwas macht, was weder angeordnet oder als Rettung-bringend deklariert ist, kommt unter das Gericht, wie damals jede ägyptische Familie, die den Landes- oder Familiengöttern vertraute.

Israel glaubte den Worten des HERRN und entrann damit dem Gericht. – Glauben Sie Gott und entrinnen Sie dem angekündigten und mit Sicherheit kommenden Gericht auch! Die einzige Methode zur Errettung ist der Glaube an den, der von Gott als einziger Erretter bestimmt wurde: Das ist Jesus Christus, Gottes Sohn und Nachfahre Davids, des Königs von Israel (Apg 4,10-12; Mt 1,1ff, bes. Vers 6). Amen.

Vers 29

Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie über trockenes Land, während die Ägypter, als sie es versuchten, verschlungen wurden.   Hebr 11,29

Gott sagte, Er wolle sie ins Land Kanaan bringen, in das Land, das er Abraham gezeigt hatte. Als sich das Meer teilte, gab es für den Glaubenden betreffs dieser Gelegenheit keine Zweifel: Das war für Israel ein Weg zum Leben, nicht zum Tode.

Was die Ägypter betraf: Wer sagte ihnen, sie sollen Israel folgen? Wo sie sahen, dass Gott Israel zur Flucht verhalf, war es sehr töricht, sich ohne Verheissung und als Feinde seines Volkes zwischen zwei Mauern aus Wasser zu begeben.

Vers 30

Durch Glauben fielen die Mauern Jerichos, nachdem sie sieben Tage umzogen worden waren.   Hebr 11,30 

Es gibt keine irrationalere Methode, Mauern zu zerstören, wie ein reines Umrunden derselben. Gott befahl Israel, die Stadtmauern Jerichos zu umziehen, Tag für Tag, eine Woche lang. Als Israel nach diesen Begebenheiten zur bestimmten Zeit Kriegslärm erhob, liess Gott die Mauern in sich fallen und Israel erstürmte die Stadt quasi barrierefrei.

Ungläubige versuchen diese Begebenheit mit den Schallwellen der Hörner, zusammen mit denen vom Kriegsgeschrei der Männer, zu erklären: Wie ein schriller Ton Glas zerspringen lassen kann, soll die Mauer durch die Schallwellen eingestürzt sein. Diese Erklärung ist so töricht wie der Glaube an Evolution. Sie ist so einfältig wie der Glaube, Seelen seien von alleine – also ohne Schöpfung bzw. der Einwirkung Gottes – entstanden. Menschen die tatsächlich so etwas glauben, es nicht nur so von sich geben, sind wie kleine Kinder, denen man Märchen vom kinderbringenden Storch, dem Weihnachtsmann und dem Osterhasen erzählen kann. Wenn Geschrei und Hörner solches bewirken könnten, existierte kein einziges Fussballstadion mehr, dessen Tribünen weit weniger massiv gebaut sind, wie es schützende und den Feind abschreckende Stadtmauern waren.

Der HERR wollte Jericho in die Hand Israels geben. Dazu gab er eine Methode an, die den Glauben an seine Worte offenbaren sollte: Etwas völlig Irrationales sollte zum Sieg verhelfen. – Es kommt darauf an, ob dem Worte Gottes Glauben geschenkt wird oder nicht. Er nicht an Grenzen gebunden. Er kann alle physikalischen Gesetze übersteuern: Er kann Unmögliches möglich machen. – Israel zeigte diesen Glauben an sein Wort in jenen Tagen offensichtlich und Gott hielt sich an sein Wort, wie Er es immer tut.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass echter Glaube nur zusammen mit Zusagen Gottes ein solcher ist. Einfach fest an etwas denken und dabei glauben, es treffe dann aufgrund der Einbildung ein, ist reiner Aberglaube, welcher auf dem Niveau von Märchen, also dem Storch, dem Osterhasen und dem Weihnachtsmann, steht.

Vers 31

Durch Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit den Ungehorsamen um, da sie die Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte.   Hebr 11,31

Es ist nicht irritierend, dass Gott einer Hure geholfen hat? Dies mag es für uns am Anfang sein, solange wir nicht verstanden haben, auf welcher Basis die Rettung Gottes steht. Gott spricht:

Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen: Der erste. Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes.   Mt 21,31

Zöllner symbolisierten früher und Huren stehen bis heute für eine moralisch sehr tiefe Stufe bei den Menschen. Die Zöllner betrogen skrupellos ihre Nächsten, währendem Huren sich keinen Deut um zwischenmenschliche Sitte, wie eheliche Reinheit, scheren. – Trotz alledem liess Gott einer Hure Hilfe zukommen und spricht auch im Neuen Testament über die Möglichkeit, dass Huren den Pharisäern – also den Mitgliedern der strengsten religiösen Partei unter dem Volk Israel, welche Er im zitierten Vers anspricht – ins Reich Gottes vorangehen können.

Die Rettung des Menschen gründet auf der Tat Christi, welche durch den Glauben an Ihn zur Anwendung kommt. Längst ist offenbar, dass sich der Mensch nie und nimmer auf Gottes Niveau heben kann. Der Antrieb in ihm ist ungerecht, böse und gottlos. Je mehr er sich anstrengt, desto schlimmer wird er, weil ein Training seiner Natur viel Stolz und Überheblichkeit zum Ergebnis hat. Am Ende waren es gerade die trainierten Menschen, die Pharisäer – also jene Menschen, die dachten, sie stünden Gott am nächsten durch ihren ach so guten Wandel – die Jesus zu Tode brachten. Sie waren nichts weiter als selbstgerechte Übeltäter, schlimmer als die Huren und damaligen Zöllner. Letztere leben ein verwerfliches Leben für sich allein, wogegen die Pharisäer gerechtere Menschen nicht neben sich dulden und ihre Bosheit dadurch noch vergrössern.

Wie erwähnt, gründet die menschliche Errettung nicht auf dem Einhalten von moralischen Leitlinien; der Mensch kann nicht so gut werden, dass er der Errettung würdig ist. Der Mensch hat im Blick auf Gottes Gebot völlig versagt und ist im Gericht Gottes des Todes, sei er Hure, Zöllner, Pharisäer oder Normalbürger. Auch die „Gemässigten“, die Normalbürger, haben völlig versagt, denn auch diese schrien unter dem Einfluss der Führer: „Kreuzige ihn!“ Und die Aussenstehenden, die Römer, welche erkannt hatten, dass Christus zu Unrecht angeklagt war (Mt 27,18), vollzogen die Kreuzigung trotzdem, auf völlig ungerechter Basis.

Deshalb bietet Gott dem Menschen eine spezielle, für ihn angepasste Errettung an: Er muss nur an den glauben, der nur reine Worte ausspricht. Wer an Gott glaubt, dass Er ist und denen, die an ihn glauben, die Errettung bereithält, wird errettet, wie geschrieben steht:

8 Sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.« Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen,  
9 dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.    Röm 10,8-9 

Rahab schenke den Worten Gottes Glauben und offenbarte ihn damit, indem sie die Kundschafter des Volkes Gottes versteckte. Das rettete sie vor dem kommenden Gericht, das in Jericho, als Gleichnis für das bevorstehende Gericht über die Welt, durch die Einnahme der Stadt und den Tod ihrer Bewohner vollstreckt wurde.

Vers 32

Und was soll ich noch sagen? Denn die Zeit würde mir fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon, Barak, Simson, Jeftah, David und Samuel und den Propheten,   Hebr 11,32

Nach der Betrachtung des Glaubens Abrahams, Isaaks, Jakobs, Josefs, Moses, des Volkes (bei Jericho) und Rahabs, was gibt es da noch zu sagen? Zweifler mögen die Geschichten Gideons, Baraks, Simsons, Jeftahs, Davids, Samuels und jene der Propheten nachlesen: alle sagen dasselbe aus. Da sind Menschen, die Gottes Wort mehr vertrauten als ihren eigenen Augen und dem, was der Teufel durch Umstände suggerieren wollte.

All diese Begebenheiten sollten uns den Mut stärken, jederzeit auf Gott zu vertrauen. Wie schon sehr oft erwähnt: Die Rettung und der Schlüssel zum Leben liegt allein bei Ihm, der gepriesen ist! Christus Jesus ist der Einzige, der Sie erretten kann, liebe Leserin und lieber Leser! Weshalb sollten wir nicht in allen Belangen auf Ihn vertrauen?

Solange wir nicht in allem vertrauen, ist für Beobachter gar nicht klar, ob wir Christus genügend Glauben schenken, dass Er uns erretten kann, selbst für uns ist es dann nicht zweifelsfrei. Wenn wir in kleinen Bedrängnissen uns schon selber helfen wollen oder ins Zweifeln geraten, wie die Jünger im Boot während des Sturmes (Mt 8,23ff) -, wie können wir dann behaupten, wir würden an die Rettung vor Teufel und Hölle glauben, die zu überwinden viel mehr Kraft erfordern als die Stillung eines Sturmes, wo die Jünger bereits zweifelten?

Vers 33

die durch Glauben Königreiche bezwangen, Gerechtigkeit wirkten, Verheissungen erlangten, der Löwen Rachen verstopften,   Hebr 11,33    

Der HERR will die Seinen ebenfalls am Weg Gottes teilhaben lassen. Der Weg Gottes ist die Wiederherstellung der Schöpfungsordnung. Gott ist ein Gott der Ordnung. Seit dem Sündenfall herrscht genau das Gegenteil, nämlich das Böse im Menschen (Mk 7,21ff) und folglich die ebenfalls vom Satan unterstützte Ungerechtigkeit auf Erden.

Der Weg zurück zur Ordnung hat mit dem Bezwingen des Bösen zu tun; die ständige Feindschaft zwischen dem Widersacher und Gott war deshalb schon von Anfang an vorausgesagt worden (1. Mo 3,15). – Wer mit Gott wandelt, hat Anteil an – weltlich gesehen – unmöglichen Siegen, die nur aufgrund der Weisheit Gottes zustande kommen. Treue Knechte konnten nachweislich mit Ihm zusammen Königreiche bezwingen, Gerechtigkeit wirken, Verheissungen erlangen und der Löwen Rachen verstopfen.

David bezwang seine Feinde und diejenigen Israels, obwohl seine Ausgangslage sehr einfach war: er war Schafhirte. Die Knechte Gottes wirkten immer Gerechtigkeit, weil sie das Böse mieden und beispielsweise „dem auf beiden Seiten hinken“ ein Ende setzten (z.B. Samuels Einfluss, Elia auf dem Berg Karmel). Sie erlangten die Verheissungen Gottes (Gideon mit bloss 300 Kämpfern), solange sie auf Gott vertrauten und verstopften nicht nur der Löwen Rachen: Simson zerriss sogar einen Junglöwen, wo der Geist Gottes über ihn kam (Ri 14,6).

Ich selbst darf daselbst im Namen des HERRN die Heilige Schrift zur einfacheren Verständlichkeit kommentieren, obwohl ich „das Schreiben nicht erfunden habe“, wie man bei Anfängern zu sagen pflegt. Und das tue ich an Orten, in Zeiten und Umständen, wo mancher ausgebildete Schreiber nicht einmal daran denkt, den Bleistift hervor zu nehmen. Dies sage ich nicht um anzugeben; ich erwähne es bloss, um den Umstand zu beleuchten, dass auch für mich ohne einschlägige Ausbildung mit dem HERRN ein solches Projekt möglich ist.

Wenn Sie den Weg mit Gott gehen wollen, werden auch Sie Zeugen seiner Wirkungen werden, ohne dass Sie dazu Städte erobern müssen. Das reine Zeugen für Ihn bietet allein genügend Gelegenheiten, seine Macht kennen zu lernen. Die entspricht auch meinen Erfahrungen. Amen.

Vers 34

des Feuers Kraft auslöschten, des Schwertes Schärfe entgingen, aus der Schwachheit Kraft gewannen, im Kampf stark wurden, der Fremden Heere zurücktrieben.   Hebr 11,34

Wo war die Kraft des Feuers bei den Knechten des HERRN, die Ihm mehr Gehorsam schenkten als dem furchtbaren König Nebukadnezar (Dan 3,1ff)? – Durch die Führung des HERRN waren Kriegspläne der Feinde Israels erfolglos (z.B. 2. Kö 7,6). – David war plötzlich von Saul, dem damaligen König verworfen worden. Er war „vogelfrei“, jeder der ihn töten würde, wäre in der Gunst Sauls gestiegen. Doch Gott liess ihn nicht in dieser Schwachheit, weil sich David auf ihn stützte (1. Chr 12,23), bis David auf legale Art und ohne Selbsthilfe das Königtum Sauls übernehmen durfte. – Im Kampf stärkt Gott seine Diener, wie wir es beispielsweise von Gideon wissen (Ri 7,9ff), der mit einer zahlenmässig lächerlichen Minderheit einem enormen Heer gegenüberstand. – Davids Helden leisteten im Gefecht einen solch erbitterten Widerstand, dass ein einziger von ihnen genügte, ein Heer zurückzudrängen (2. Sam 23,8-10).

Auf diese Weise steht der HERR den Seinen bei. – Möchten Sie auch zum Volk Gottes gehören?

Vers 35

Frauen erhielten ihre Toten durch Auferstehung wieder; andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, um eine bessere Auferstehung zu erlangen.   Hebr 11,35

Die Frauen beispielsweise, die Elia bzw. Elisa beherbergten, erhielten ihre verstorbenen Söhne wieder zurück (1, Kö 17,22; 2. Kö 4,35). – Die Nachfolger Christi wurden teilweise gefoltert, weil sie den Widersachern nicht nachgaben und den HERRN nicht verleugneten. Ihnen waren Schläge lieber als die Verleugnung Christi und temporäre Linderung ihres Leides auf Kosten der besseren Auferstehung (Apg 5,40).

Wer ungeteilt mit Gott wandelt, wird seine Herrlichkeit sehen. Gott wird ihn an seinen Geheimnissen teilhaben lassen, wie Christus seine engsten Jünger in sie hineinschauen liess (Mt 17,1ff; Mk 5,37ff).

Vers 36

Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geisselung versucht, dazu durch Fesseln und Gefängnis.   Hebr 11,36  

Verhöhnung und Geisselung sowie Fesseln und Gefängnis sind viel krassere Einschränkungen als jene Esaus. Esau verwarf wegen einem momentanen kleinen Bedürfnis eine riesengrosse Sache, wie wenn ein Raucher wegen einer einzigen Zigarette sein Haus als Entgelt geben würde. Wegen dieser geringen Wertschätzung hasste Gott den Esau. Zur echten Versuchung für Christen – die Bibel nennt es selber Versuchung, jene Esaus hingegen war keine – wird es, wenn Freiheit gegenüber Schlägen und Fesseln lockt. Oft wurde Christen Freiheit angeboten; sie mussten dafür „nur“ den Namen des HERRN verleugnen. Da fängt echte Versuchung an, denn für die eigene Haut ist einem fast nichts zu teuer. Dies konnte der Teufel beim Menschen beobachten und brachte es vor Gott, als Gott von der Treue Hiobs sprach:

Haut für Haut! Alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben.   Hiob 2,4b 

Treue Diener erkennen den Wert der Belohnung Gottes. Sie sehen, dass er den Wert des Daseins auf dieser ungerecht regierten und vom Teufel verunstalteten Erde bei Weitem übersteigt. Oder wiegt der Wert von siebzig bis achtzig Jahren auf dieser Erde höher als ewiges Leben in Herrlichkeit?

Die hochtrabenden Worte jedes Menschen müssen geprüft werden. Viele, die sagen, sie würden alles für den HERRN tun, widerrufen ihre Worte bei einem gewissen Mass an Verfolgung. – Wie steht es bei Ihnen, liebe Leserin und liebe Leser? Bleiben Sie der Nachfolge treu, wie sie sagen, auch wenn es in Ihrem Leben etwas härter kommt?

Vers 37

Sie wurden gesteinigt, zersägt, starben den Tod durch das Schwert, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, Mangel leidend, bedrängt, geplagt.   Hebr 11,37

Ginge es nach der Welt und ihrem Geist, wären ihre Feinde, Gott und seine Gefolgschaft, längst tot. Die Weltmenschen sowie die religiösen haben es fertiggebracht, Christus und einige seiner Treuen aus der Gefolgschaft umzubringen. Den anderen, die sie nicht zu Tode bringen können, zeigen sie extreme Verachtung, selbst dann, wenn sie es im humanistischen Mantel leugnen.

Ihr Problem ist die Erkenntnis ihrer Verbrechen, welche durch die Christen – also die Gefolgschaft Christi – unweigerlich aufgedeckt werden, selbst dann, wenn es die Christen nicht einmal beabsichtigen. Christus brachte es diesbezüglich auf den Punkt, wo er Folgendes zu Ungläubigen sagte:

Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich von ihr zeuge, dass ihre Werke böse sind.   Joh 7,7 

Die Welt hasst Ihn, weil Er von ihr zeugt, dass ihre Werke böse sind. Die Konsequenz ist logisch: Die Welt hasst demzufolge auch alle, die Ihm angehören, wie Er auch schon gesagt hat:

18 Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat.  
19 Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.    Joh 15,18.19 

Beten wir für unsere Geschwister und uns selbst: „HERR, bewahre mich wie den Augapfel, birg mich im Schatten Deiner Flügel; bewahre meine Seele und rette mich! Lass mich nicht zuschanden werden, denn ich berge mich bei Dir (nach Ps 17,8; 25,20).“

Vers 38

Sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen und den Klüften der Erde.   Hebr 11,38   

Die Welt ist solcher treuer Diener Gottes nicht wert. Damit ist nicht die Schöpfung gemeint. Die Schöpfung harrt demgegenüber auf die Offenbarwerdung der Söhne Gottes, dann wird sie nämlich von ihrer Knechtschaft, dem Unrecht und der Gewalttat befreit werden (Rö 8,19ff). Der geringe Wert dieser Welt bezieht sich auf die Art und den Geist der momentanen Regierung. Was die gottlosen Machthaber, die Denkfabriken der Regierungen und die Philosophien des jetzigen Zeitlaufs betrifft: Sie sind solcher Menschen nicht wert! All das, was heute die Welt ausmacht ist auf der Waagschale viel zu leicht, wenn das Gewicht auf der anderen Waagschale ein williges Kind Gottes ist. Die Welt ist dazu noch zu verblendet, diese Perlen Gottes zu erkennen; sie stösst sie vielmehr von sich und achtet sie als nichts, sodass die Treuen Gottes an öden Orten herumirren mussten bzw. heute noch auf dieselbe Art herumirren müssen.

Vers 39

Und diese alle, die durch den Glauben ein Zeugnis erhielten, haben die Verheissung nicht erlangt,   Hebr 11,39 

Alle diese Glaubenszeugen, welche bei Gott Anerkennung fanden und durch den Geist in diesem Kapitel als Vorbilder erwähnt sind, haben die Verheissung nicht erlangt. Die Verheissung an Abraham, das Land zu besitzen, ist erst erfüllt, wenn sie wortwörtlich eintrifft. Dazu müssen als Voraussetzung die Glaubenszeugen aus den Toten auferstanden und die Verteilung des Landes durch Gott erfolgt sein.

Weshalb es noch nicht soweit gekommen ist, wird im nächsten Vers erläutert.

Vers 40

da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet werden sollten.   Hebr 11,40 

Gott hat für uns Christen etwas Besseres vorgesehen, als das allein, was Er Abraham verheissen hat. Durch die Offenbarung Christi, welche erst im Neuen Testament in dieser Dimension entfaltet wurde (Kol 1,26), gibt der HERR noch viel grössere Herrlichkeiten preis für sein Volk. Es bleibt nicht bei der Landnahme Israels allein, wenn alle Dinge wiederhergestellt werden. Christus wird die Weltherrschaft übernehmen, wie es im Propheten Daniel angekündigt ist (Dan 2,44). Und wie im Epheserbrief erläutert, wird alles in Ihm, Christus, zusammengefasst werden. Der Segen wird sich somit nicht auf das Land Israel, das unserem Vater Abraham verheissen wurde, allein beschränken; der Segen Gottes wird die ganze Welt treffen.

Daher hat Gott die gottesfürchtigen Alten in einen (angenehmen; Lk 16,20-25) Warteraum gesetzt, damit alle seine Kinder das Erbe zusammen und zeitgleich antreten dürfen, wie geschrieben steht: „… damit sie nicht ohne uns vollendet werden.“ – Gelobt sei der HERR! Amen.

Kapitel 12

Vers 1

Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf,   Hebr 12,1   

Das Glaubenszeugnis der Alten ist für alle ersichtlich, die Geschichten sind im ewigen Wort niedergeschrieben. Auch war ihr Leben damals schon offenbar; die für uns unsichtbare, jedoch reale geistliche Welt nimmt bzw. nahm damals schon Notiz vom Geschehen unter den Menschenkindern. Gott öffnet uns diesbezüglich mindestens zweimal sehr eindrücklich den Vorhang, nämlich in den Büchern 1. Könige (Kap 22, siehe auch 2. Chronik 18) und Hiob (Kap 1). Wir haben eine Wolke von Zeugen um uns herum, vor der wir den Namen des HERRN ehren oder vor der wir Anlass zur Lästerung geben, wie Letzteres sogar David in seiner bösen Stunde fertiggebracht hatte:

Nur weil du den Feinden des HERRN durch diese Sache Anlass zur Lästerung gegeben hast, muss auch der Sohn, der dir geboren ist, sterben.   2.Sam 12,14 

Legen wir doch auch wegen dieser Wolke von Zeugen – oder auch nur wegen dieser Sache allein – jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ab! Laufen wir den vor uns liegenden Wettlauf!

Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser denken, der Wettlauf sei in Wirklichkeit keiner bzw. die Bibel nenne einen Spaziergang „Wettlauf“, dann nehmen Sie das Wort Gottes noch nicht ernst. Mit „Wettlauf“ bezeichnet die Bibel etwas Anstrengendes, das nicht quasi „im Vorübergehen“ gemeistert wird. Der Wettlauf der Gläubigen beinhaltet die Umwandlung in Christi Charakter, die Arbeit in der Ernte (bei der nicht geschlafen werden soll, siehe Spr 10,5; Mt 9,37), den Priesterdienst (1. Petr 2,9), die Arbeit in der Gemeinde (1. Kor 14,26), um nur einige Punkte zu nennen. Dazu braucht es tatsächlich Ausdauer, die demgegenüber bei Spaziergängen nicht erforderlich ist.

Vers 2

indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.    Hebr 12,2 

Wenn wir auf Christus schauen, bleibt uns nichts anderes übrig, als bis zum Schluss an der Hoffnung festzuhalten. Er gibt ein perfektes Vorbild ab. Um der vor Ihm liegenden Freude willen achtete Er Schande nicht und erduldete das Kreuz. – Was haben wir schon erduldet? – Ja, vielleicht zweifellos schon einige üble Dinge. Da gibt es nichts schön zu reden. Doch was Er erdulden musste, steht weit über unseren Leiden. Oder sühnte jemand von uns für die ganze Welt? Auch die Enttäuschungen des HERRN, wenn Ihn beispielsweise seine Jünger, trotz vieler Liebesbeweisen seinerseits, im Stich liessen oder das Volk, das durch Ihn wurde, Ihm ins Gesicht spuckte, gehen zweifelsfrei tiefer als unsere schlimmsten Erfahrungen. Schliesslich werden wir nicht von unserer eigenen Kreation verworfen oder sogar angespuckt.

Daher sollten wir nicht aufgeben, selbst wenn unser Dienst völlig sinnlos erscheint. Vor uns liegen unermessliche Freuden und ein Thron, den Christus mit uns teilen möchte (Offb 3,21). Amen.

Vers 3

Denn betrachtet den, der so grossen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!    Hebr 12,3  

Was ich im vorausgehenden Kommentar versucht habe anzudeuten, wird hier vom Geist erklärt: Wer den betrachtet, der so grossen Widerspruch von Sündern gegen sich erduldet hat, dem sollte es Ansporn genug sein, um nicht in der Seele zu ermatten! – Christus erduldete von seiner geschaffenen Kreatur das Übelste. Er liess sich sogar von ihr – also von denen, die durch Ihn ins Dasein gerufen wurden (Kol 1,16) – ans Kreuz schlagen, um ihnen die Rettung zu verschaffen!

Solch krassen Widerspruch werden wir nie erdulden müssen. Auch unser Weg kann sehr hart werden und sogar im gewaltsamen Tod enden, doch wir sollen dabei immer wissen: Unserem HERRN wurde Übleres zuteil. Wir sollen das nie aus der Erinnerung verlieren! Kommen in unserem Leben lange Durststrecken auf, können wir durch einen auf uns fixierten Blick ermatten. Wenn wir den Blick aber auf Christus ruhen lassen, lasten unsere eigenen Schwierigkeiten nicht so sehr auf unserem Gemüt, weil wir uns dann mit Ihm beschäftigen und den Unterschied der Leiden erkennen.

Vers 4

Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden    Hebr 12,4 

Der Heilige Geist stellt fest: Die Angesprochenen haben im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis zum Letzten widerstanden, Christus hingegen schon. Petrus, ein bevorzugter Jünger, zog sich in der Zeit seines Wandels mit Jesus eines Morgens – noch vor dem Hahnenschrei – zurück (Mt 26,34). In den folgenden Jahren hatte er teilweise auch noch mit sich zu kämpfen, worauf ihn Paulus während eines Treffens ermahnen musste (Gal 2,12ff). – Überlieferungen gemäss widerstand Petrus am Ende seines Lebens endlich bis aufs Blut, ohne sich zurückzuziehen.

Haben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bis aufs Blut widerstanden? Oder krebsen Sie zurück, wenn sie die Angst um Ihren Job, Ihr Ansehen, Ihr Bankkonto oder Ihren allgemeinen Status packt? Oder stellen Sie Ihre Lampe auf einen erhöhten Standort, sichtbar für alle, koste es, was es wolle, wie es angeordnet ist (Mt 5,15.16)?

 

Vers 5

und habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: »Mein Sohn, schätze nicht gering des Herrn Züchtigung, und ermatte nicht, wenn du von ihm gestraft wirst!    Hebr 12,5

Im Weiteren stellt der Heilige Geist fest, dass die Angesprochenen die Ermahnung des HERRN vergessen hatten. Wir sind heute auch angesprochen, weil der Hebräerbrief ein Teil der Schrift ist, die für alle verbindlich ist.

„Habe ich sie vergessen?“, muss ich mich fragen! „Haben Sie sie vergessen?“, müssen Sie sich fragen, liebe Leserinnen und Leser! Fragen Sie den HERRN um Rat, wenn Sie merken, dass ein Hindernis im Weg ist! Manchmal ist Glauben angesagt, manchmal aber auch – und das ist das Thema des Verses – ist Gehorsam bzw. das Lassen von Dingen vonnöten, die dem HERRN nicht gefallen. Oder vielleicht sollten wir etwas tun und verträumen stattdessen unser Leben!

Auch der König David musste durch die Schule dieses Verses. Es lag eine Zucht des HERRN auf Israel, weil Saul in seinem Eifer ein Gelöbnis des Volkes brach und die Gibeoniter verfolgt hatte. Er fehlte also mit seiner Entscheidung. David brauchte eine halbe Ewigkeit, um zu erkennen, dass Zucht des HERRN auf seinem Königtum lag und es sich nicht um natürliche Ernteschwankungen handelte (2. Sam 21,1). Endlich fragte er den HERRN und durfte nach der Bereinigung der Angelegenheit wieder Segen empfangen. – Wundern wir uns also nicht darüber, dass dieser Vers, wie die ganze Bibel, an alle gerichtet ist.

Fragen wir den HERRN, wenn etwas ansteht! Stecken wir den Kopf nicht in den Sand! Wenn wir bei Bestrafung ermatten, verlassen wir oft auch unser Tätigkeitsgebiet und verschlimmern die ganze Situation noch mehr (Pred 10,4). Der HERR lässt so oder so nicht locker bei Übertretungen. Glückselig sind wir, wenn wir sofort reagieren und wir nicht bis zur Leidensgrenze in eine Art von Lethargie (Teilnahmslosigkeit) fallen!

Vers 6

Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.«    Hebr 12,6 

Der allwissende Gott kennt das menschliche Verhalten: „Wenn einer seinen Sklaven von Jugend auf verhätschelt, so wird der zuletzt rebellisch (Spr 29,31).“ Auch ist klar, dass ein Mensch für mässig angenehme Dinge ohne einen gewissen Druck nur schwer motivierbar ist. Darüber hinaus wissen wir aus Römer 7, was im Menschen wohnt: Eine Natur, die Gott gar nicht gefallen kann bzw. will. Im Gesamten gesehen, hat es Gott mit schwer erziehbaren Kindern zu tun; die Ausgangslage des natürlichen Menschen entspricht überhaupt nicht dem Reich und der wiedergeborene Mensch trägt die alte Natur mit sich, bis er stirbt oder bis zur Wiederkunft Christi, je nachdem, was vorher eintrifft.

Gott kümmert sich als verantwortungsvoller Vater um seine Kinder. Wenn sie von der guten Bahn zu driften drohen, greift Er ein. Er schaut dabei nicht weg, wie es verantwortungslose Eltern tun, die ihre Kinder verkommen lassen. – Im Haushalt Gottes braucht es viele Eingriffe und Massnahmen seitens unseres himmlischen Vaters. Wir sehen, dass uns unsere Bequemlichkeit, die alte Natur sowie die sehr begrenzte Lust an mässig interessanten Arbeiten den Gehorsam hindern. – Es braucht daher manchmal ein intensiveres Eingreifen des Hausherrn, nach der Weise des Eingreifens beim Propheten Jona, der auch vor seinem Auftrag floh (Jon 1,3). Erst nach der Demütigung auf dem Schiff und dem Blick in die Augen des Todes zeigte sich Jona bereit, den Auftrag auszuführen, um nur ein Beispiel zu nennen. Unser Bruder im HERRN, James Butler Stoney, berichtet in seinem wertvollen Buch „Die Erziehung in der Schule Gottes“ über die individuelle Ausbildung der Kinder Gottes, welches andere Geschwister auf der deutschen Internetseite www.bibelkommentare.de interessierten Lesern freundlicherweise zur Verfügung stellen (Stand 2013).

Lassen wir also den Mut nicht sinken, wenn uns der HERR manchmal härter anfassen muss. Er brachte auch schwierige Charaktere so weit, dass sie sich doch noch der Hausordnung Gottes gemäss einreihten. Er wird auch Sie und mich ans Ziel bringen, wenn wir seine Erziehung akzeptieren.

Vers 7

<Was> ihr erduldet, <ist> zur Züchtigung: Gott behandelt euch als Söhne. Denn ist der ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?   Hebr 12,7  

Jeder Vater bemüht sich, seine Söhne gut zu erziehen. Sie sollen nicht verkommen, sie sollen vielmehr fürs Leben gewandt und gerüstet sein. Dazu wünscht sich jeder gute Vater charakterlich anständige und höfliche Kinder. – Dies geschieht nicht ohne weiteres, denn die Schrift sagt:

Rute und Ermahnung geben Weisheit; aber ein sich selbst überlassener Junge macht seiner Mutter Schande.   Spr 29,15  

Der König David erzog nicht alle seine Söhne so, wie Gott es tut. Die Folgen blieben nicht aus, wie bereits der Vers in Spr 29,15 aussagt. Es blieb nicht nur bei der Schande für die Mutter, der unerzogene Sohn Davids, Absalom, erhob sogar um seines Vorteils willen die Hand gegen seinen eigenen Vater. Er hätte ihn für das Königtum getötet, wäre es ihm gelungen (2. Sam 17,1-4).

Gott erzieht mit konsequenter Hand. Wenn Sie das von Ihren leiblichen Eltern nicht kennen, verwundern Sie sich nicht, wenn Gott es tut. Wie erwähnt, Gott macht aus seinen Kindern edle Leute; er behandelt sie nicht wie Bastarde oder sich selbst überlassene Geschöpfe.

Schläge, also Dinge, die wir als sehr unangenehm empfinden, können durchaus von Gott kommen; Er lässt unseren Eigendünkel nicht ohne weiteres durchgehen. – Zum Glück nicht, denn die Schrift sagt, dass vielen ihr Weg recht dünkt, obschon er ein Weg des Todes ist (Spr 14,12). Gott lässt uns nicht auf Wegen des Todes laufen; wenn wir darauf gehen, holt uns der HERR glücklicherweise davon runter. Manchmal auch mit etwas Nachdruck, wenn wir glauben, wie störrische Esel unbeirrt darauf gehen zu müssen.

Vers 8

Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne.  Hebr 12,8  

Der Züchtigung sind alle teilhaftig geworden. – Das ist logisch, wenn Gott seine Kinder wirklich, wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, auf die gute Bahn bringen und auf ihr behalten will. Alle seine Kinder kommen in die Schule der Belehrung über die Hausordnung im Reiche Gottes, damit sie wissen, was sich geziemt und was nicht. Gottes Kinder haben das Vorrecht, die Etikette (Ordnung) im Königshaus zu erlernen. Diese wird im Übrigen nur ihnen zuteil; was bringt sie einem Aussenstehenden, der sowieso nicht zutrittsberechtigt ist?

Das ist nichts anderes, als was wir bereits bei irdischen Königshäusern beobachten können: Die Familie allein geniesst gewisse Privilegien innerhalb des Hauses, die selbst den Obersten des Königs verwehrt sind.

Mit „Bastarde“ sind die illegitimen Kinder der Familie gemeint. Wer sich ins Reich drängt, der Familie aber nicht angehört, kann tun und lassen, was er will: Er bleibt von der Zugehörigkeit her gesehen „draussen“. Ein nicht-wiedergeborener Mensch, ein Kind der Welt also, kann Theologie studieren und sich so weit fortbilden diesbezüglich, dass er alle akademischen Titel der Welt erwirbt sowie fliessend griechisch und hebräisch spricht. Im Reich Gottes bleibt er von Hausvater unbeachtet und im gleichen Status wie jeder andere Heide, weil nicht Gelehrsamkeit autorisiert, sondern allein die Vergebung und die Annahme Christi.

Lassen Sie mich an dieser Stelle erwähnen, dass eine Anstellung von Menschen im Reich Gottes nicht von sich aus legitime Kinder produziert. Weder Kardinal noch Pfarrer noch Diakon ist seiner menschlichen Anstellung wegen ein Kind Gottes. Die Wiedergeburt durch den Glauben an Christus allein bringt legitime Kinder Gottes hervor. Wie ein Butler im Königshaus nicht durch seine Anstellung durch die Königsfamilie ein Mitglied derselben wird, wird kein Kirchenangestellter automatisch ein legitimes Mitglied der Familie Gottes. Dies ist auch dann nicht der Fall, wenn es die Kirche in diese Richtung suggeriert. Die Bibel spricht durch die Worte des Herrn Jesus Klartext diesbezüglich. Der HERR erklärt persönlich einem geistlichen Führer von damals in aufschlussreicher Weise, dass niemand ohne Wiedergeburt das Reich sehen, geschweige denn hineingehen kann (Joh 3). Dieser neutestamentliche Grundsatz gilt bis auf diesen Tag. Amen.

Vers 9

Zudem hatten wir auch unsere leiblichen Väter als Züchtiger und scheuten sie. Sollen wir uns nicht vielmehr dem Vater der Geister unterordnen und leben?    Hebr 12,9 

Wir haben ja bzw. hatten ja bereits Erzieher und respektierten sie. Weshalb sollten wir uns nicht dem Schöpfer, dem Vater der Geister, unterordnen und dadurch das Leben gewinnen? Dies ist ja genauso selbstverständlich, wie das Leben in der Familie, in die wir geboren wurden. – All diese natürlichen und selbstverständlichen Dinge dienen uns als eine einfach verständliche Veranschaulichung bzw. Erklärungshilfe.

Vers 10

Denn sie züchtigten <uns> zwar für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.   Hebr 12,10 

Unsere Erzieher zogen uns für wenige Tage auf; unsere Kindheit dauerte bzw. dauert ja nicht ein Leben lang. Vom Zeitpunkt unserer Geburt bis zum Austritt aus dem Kindesalter liegt eine kurze Zeitspanne. Es sind also, in der wir unsere Erziehung verstandesmässig mitbekommen, „wenige Tage“ im Kontext zu Gottes Zeiten für den Menschen, der für ewig geschaffen ist (Pred 3,14).

In den Tagen unserer Erziehung begleiteten, ermutigten, ermahnten und bestraften uns die Personen, die für uns verantwortlich waren. Die einen taten es besser, die anderen schlechter; alle machten es so, wie sie es für richtig hielten, „nach ihrem Gutdünken“, wie die Schrift sagt.

Gott hingegen handelt in seiner Verantwortlichkeit perfekt. Alle seine Handlungen sind gerecht, heilig und gut. Er erzieht uns zum besten Nutzen: Wir sollen seiner Heiligkeit teilhaftig werden! – Mit diesem Ziel vor Augen sollen wir nicht murren, wenn uns Gott im Rahmen unserer Erziehung auch mal tadeln muss. Halten wir uns dabei stets in Erinnerung, weshalb Gott tut, was er tut: Es dient uns ausschliesslich zum Besten (Rö 8,28). Amen.

Vers 11

Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit.    Hebr 12,11  

Natürlich empfinden wir ein Massregeln bzw. Bestrafen seitens unseres Erziehers für die Gegenwart nicht als Freude. Wer freut sich denn, wenn er durch Erziehungsmassnahmen in seiner Freiheit eingeschränkt wird? – Was für eine Frage!

Wir sollten aber die Notwendigkeit der Erziehung erkennen. Wer sie erfasst, kann viel besser damit umgehen. Ein solcher Mensch sträubt sich nicht lange gegen Gottes Leitplanken, weil er weiss, dass sie für die gerade Bahn des guten Lebens vonnöten sind.

Wer also die Erziehung annimmt, weiss gewiss, dass er im Wohlgefallen Gottes wandelt; diese Person ist viel gelassener in Dingen des Lebens und kann unbekümmert den kommenden Tagen entgegensehen, wie die Frau, die ihren Bereich gut ausfüllt (Spr 31,25). Auch ich sehe im Gehorsam den kommenden Dingen viel gelassener entgegen; heisst es nicht, man solle dem Ochsen, der da drischt, das Maul nicht verbinden (5. Mo 25,4)? – Wenn Gott den Menschen ein solches Gebot gibt, hält Er sich selbst daran, weil die Gebote seinen Charakter widerspiegeln. Demgemäss kann ich auch gewahr sein, dass Gott mir im Dienst die notwendigen Ressourcen nicht kürzt. – Weshalb sollte Er das tun? – Wandle ich aber im Eigendünkel und gebe mich der Genusssucht hin und vernachlässige die Ernte, die der HERR einbringen will (Mt 9,37), wo Ihm doch nur wenige Arbeiter zu helfen willens sind, muss ich dann überrascht sein, wenn mich der HERR in die Schranken weist?

Eines ist sicher: Wenn wir uns dem HERRN verschreiben, wird Er uns ans Ziel bringen, wie Jesus zu sein (1. Joh 3,2). Wie Gott einen Jakob (Namensbedeutung Jakob = Betrüger) ans Ziel brachte, wird Er es mit uns fertigbringen, solange wir den Weg mit Ihm wirklich gehen wollen. Der Mensch merke sich: Gott will nur Freiwillige um sich haben. Wer nicht kommen und weiter sündigen will: bitte, es steht ihm frei, wie es geschrieben steht (Offb 22,11).

Vers 12

Darum »richtet auf die erschlafften Hände und die gelähmten Knie«,   Hebr 12,12 

Wie herrlich ist Gott doch in Bezug auf Weisungen! Irdische Machthaber halten die Menschen in der Regel anhaltend voranzugehen an, zur Zeit und zur Unzeit; Gott tut es nur in notwendigen Zeitpunkten. Seine Führung erweist sich auch diesbezüglich als perfekt.

Wir finden göttliche Aufforderungen bei den Alten, in den Büchern Jesaja und Sacharia beispielsweise. Sie stehen immer im Zusammenhang mit einem Aufbruch. Im Blick auf das Heil für Israel heisst es im Propheten Sacharia:

So spricht der HERR der Heerscharen: Eure Hände seien stark, die ihr in diesen Tagen diese Worte aus dem Mund der Propheten hört, die zu der Zeit <wirkten>, als die Grundmauern des Hauses des HERRN der Heerscharen gelegt wurden, damit der Tempel erbaut werde!   Sach 8,9  

Gott wendete sich nach den 70 Jahren des Exils seinem Volk wieder zu, sodass es im verheissenen Land wohnen und den Dienst wieder aufnehmen durfte. Darauf ermunterte Er sie mit dem zitierten Vers (Sach 8,9). Im Propheten Jesaja lesen wir eine ähnliche Aufforderung, die dem Volk für eine Zeit der Wiederherstellung gilt. Frei übersetzt heisst es: „Seid stark! Gott selbst kommt und wird euch retten!“ Der Originaltext ist im 35. Kapitel des Buches ersichtlich (Jes 35,3.4).

Und heute lesen wir im Neuen Testament wieder von solch einer Aufforderung. Das heisst für uns, die wir doch auch in einer Periode der Aufbruchsstimmung stehen und das Reich erwarten, dass es nicht gerechtfertigt ist, die verbleibende Zeit zu verschlafen! Deshalb ruft heute der Heilige Geist mir und Ihnen zu: „Darum richtet auf die erschlafften Hände und die gelähmten Knie!“ Amen.

Vers 13

und »macht gerade Bahn für eure Füsse!«, damit das Lahme nicht abirre, sondern vielmehr geheilt werde.   Hebr 12,13

Lahm bzw. sehr schwach und krank war das Volk Gottes jeweils, nachdem es von der geraden Bahn abgeirrt war. Unter den Königen von Israel (und ihrem gottlosen Tun) nahm (unter vielem anderem!) die Zahl der Streitmacht immer mehr ab, bis sie zu zwei kleinen Häuflein verkam (1. Kö 20,27). Zur Zeit Davids umfasste das Heer hingegen über eine Million Mann; eine Zahl die heute noch über derjenigen vieler Armeen liegt: Im Tun des Willens Gottes war und ist Heilung.

Auch Juda war krank. Als Hiskia das Volk zurück zum verordneten Passahopfer brachte, wurde es geheilt, obschon das Opfer in grosser Schwachheit und nicht vollendeter Reinheit dargebracht werden konnte (2. Chr 30, 20). Gott freute sich aber so über die Rückkehr zum Gehorsam, dass er über den aktuellen Mangel hinwegsah und das Volk heilte.

Lassen Sie uns in der aktuellen Periode der Aufbruchsstimmung, welche das ganze Neue Testament umfasst, nicht lahm sein! Je entschiedener wir den Weg gehen, desto eher lässt uns der HERR heil sein, zumindest geistlich. Körperliche Schwachheiten sind durchaus möglich in der Neuen Zeit; der HERR versprach den Seinen in Bezug auf irdische Dinge „nur“ Nahrung und Kleidung auf sicher zu haben (Lk 12,22).

Vers 14

Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird;  Hebr 12,14 

Dem Frieden soll mit allen nachgejagt werden. Nachjagen hat mit hoher Aktivität und Aufmerksamkeit zu tun. Es soll nicht einfach nur Frieden bewahrt oder an Frieden gedacht werden. Im Epheserbrief steht daher nicht umsonst:

3 Unzucht aber und alle Unreinheit oder Habsucht sollen nicht einmal unter euch genannt werden, wie es Heiligen geziemt;  
4 auch Unanständigkeit und albernes Geschwätz und Witzelei, die sich nicht geziemen, statt dessen aber Danksagung.  
5 Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – er ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.    Eph 5,3-5  

Oft glauben Menschen – auch Christen – sie würden mit „Herumkaspern“ die Atmosphäre auflockern bzw. gut bei anderen Leuten ankommen. Schnell wird aber bei solcher Art der Witzelei das Zeugnis Christi zerstört und bei vielen Worten bleibt es nicht ohne Sünde (Spr 10,19). Sagen Sie mir bitte, liebe Leserin und lieber Leser, wie derart dem Frieden „nachgejagt“ wird?

Wir sollten nicht nur aktiv dem Frieden nachjagen, sondern auch der Heiligung. Ohne diese wird niemand den HERRN schauen. – Die Welt ist sündig, nämlich unrein, unzüchtig und habsüchtig. Gott hingegen ist heilig. Heilig sein bedeutet, von der Welt abgesondert zu sein. Wer weltlich wandelt, hat weder ein Erbteil am Reich Gottes, wie wir es im zitierten Vers aus dem Epheserbrief erkennen dürfen, noch wird er „den Herrn schauen“. Die Welt selbst wird kein Erbteil im Reich Gottes haben. Wer ihr gleichförmig ist, hat ebenfalls kein Teil daran.

Vers 15

und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und <euch> zur Last werde und durch sie viele verunreinigt werden,   Hebr 12,15   

Niemand hat Mangel an Gnade Gottes zu leiden. Wie die Alten alle hätten materiell reich werden sollen, das verhiess das Gesetz den gottesfürchtigen Israeliten, sind wir heute mit jeder geistlichen Gabe gesegnet (Eph 1,3). Wie die Alten aber auch (in Gottesferne) verarmen konnten, können uns die geistlichen Segnungen abhandenkommen.

Wir werden mit diesem Vers aufgefordert, unseren geistlichen Reichtum im Auge zu behalten. Wir sollen uns und unseren Geschwistern Sorge tragen: „Nicht jemand“ – also weder wir selbst noch unsere Geschwister – sollen Anzeichen von Mangel an Gnade aufweisen.

Mangelerscheinungen sind unter Anderem unerhörte Gebete im Sinn von Jak 4,3, wobei ich hier anfügen muss: Nicht jedes unerhörte Gebet wurde bzw. wird in diesem Charakter gesprochen, selbst Paulus wurde nicht jedes Gebet erhört (2. Kor 12,9), da müssen wir klar unterscheiden. Fortgeschrittene Mangelerscheinungen können, wie die Schrift sagt, bittere Wurzeln sein, welche uns oder unsere Geschwister zu unwilligen und mürrischen Menschen verkommen lassen, die sogar mutwilliges Sündigen in Kauf nehmen. Menschen in solchem Zustand der Mangelerscheinung sind eine Last für die ganze Gemeinde.

Diesbezüglich wiederhole ich gerne: Achten wir auf uns diesbezüglich! Nur wenn wir selbst in Ordnung sind, können wir andere geistlich tränken und ihnen bei Mangelerscheinungen helfen (Joh 7,38). Wer hingegen selbst nichts hat, kann nichts weiter geben.

Vers 16

dass nicht jemand ein Hurer oder ein Gottloser sei wie Esau, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte!   Hebr 12,16

Beachtlich ist an diesem Vers das Aufzeigen des katastrophalen Ergebnisses einer „bitteren Wurzel“. Die Gefahr, ein „Hurer“ und „Gottloser“ zu werden, ist enorm. Die Ausdrücke sind hart und doch treffen sie ins Schwarze. Der Heilige Geist Gottes irrt sich nie. – Wer zu murren anfängt, zeigt, dass er mit Gottes Plan und seinem Weg nicht einverstanden ist. Statt sich diesem in Demut und Schlichtheit unterzuordnen, lehnt sich ein solcher Mensch dagegen auf: Er sieht bessere Alternativen in seinem Leben und giert danach. Anstelle Gott treu zu sein, wird er ein Hurer. Anstelle Gott nahe zu stehen, wird er ein Gottloser.

Irren wir uns nicht, liebe Leserinnen und Leser! Es braucht überhaupt nicht viel, abzufallen und diese üblen Titel zu tragen. Esau mochte ein „lieber Zeitgenosse“ gewesen sein. Sein Problem war ja „nur“, dass er das „Hier und Jetzt“ mehr lieb hatte, als die Verheissung Gottes, an die er nicht glaubte, was er mit dem Verkauf seiner enormen Vorrechte offenbarte. Dies umso mehr, da er sie für einen Spottpreis preisgab.

Wir alle haben solche „lieben Zeitgenossen“ um uns. Alle unsere Geschwister wollen wir als „lieb“ wahrnehmen. Auch uns selbst betrachten wir in der Regel sehr tolerant als „schon in Ordnung“. Die Bibel fordert uns auf, uns im Lichte ihrer Aussage zu prüfen, denn wie erwähnt, erscheint dem Menschen sein Weg recht, „aber zuletzt sind es Wege des Todes (Spr 14,12).“ Gebaren wir uns demnach nicht einfach in unseren Augen „lieb“. Gebaren wir uns den Anweisungen der Bibel gemäss, dann sind wir in Ordnung. Amen.

Vers 17

Denn ihr wisst, dass er auch nachher, als er den Segen erben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Busse, obgleich er sie mit Tränen eifrig suchte.    Hebr 12,17    

Wer sein Heil auf später verschiebt, um jetzt noch den eigenen Lüsten nachzugehen und dem HERRN Schande solange bringt, dem sei gesagt: Es wird nicht funktionieren. Beim HERRN ist es nicht wie im Einkaufsladen, wo der Käufer etwas holen kann, wenn er es zu brauchen glaubt. Der HERR hat auch Gefühle wie wir. Wir sind nach seinem Bilde geschaffen. So wie wir nicht gerne Schmarotzer um uns haben, die nur von unserem Vermögen zehren, uns aber im Herzen verachten, so wird Gott auch die unlauteren Menschen nicht jenen gleichstellen, die von Herzen gehorchen.

Denken wir nicht daran, im Alter sei genügend Zeit, sich um das Heil zu kümmern. Jetzt ist die angenehme Zeit (2. Kor 6,2)! – Wer sich das nicht zu Herzen nimmt, wird Esaus Erfahrung machen müssen, welche endgültig ist: „Er fand keinen Raum zur Busse, obgleich er sie mit Tränen eifrig suchte.“

Vers 18

Denn ihr seid nicht gekommen zu etwas, das betastet werden konnte, und zu einem angezündeten Feuer und dem Dunkel und der Finsternis und dem Sturm   Hebr 12,18 

Dieser Vers leitet die Erklärung ein, weshalb es heute noch mehr darauf ankommt, aufmerksam auf die Stimme des HERRN zu hören, als damals zur Zeit der Wüstenwanderung Israels. Der Heilige Geist führt uns das mit offensichtlichen Vergleichen vor Augen. Damals, bei der Gesetzgebung am Berg Sinai, stürmte es und es herrschte Finsternis. Gott offenbarte sich im Feuer und das Volk hatte Angst (2. Mo 19,16; 20,18). – Der HERR erscheint uns heute nicht so, wie damals. Im Neuen Testament hat sich einiges geändert, obschon Gott im Denken und der Moral der gleiche geblieben ist und bleiben wird. Christi Tat eröffnete aber völlig neue Dimensionen der Gnade: Wir dürfen Gott Vater nennen und werden Seine leiblichen Kinder, wenn wir glauben. Christus brachte uns seinen Vater in eine sehr vertraute Nähe.

Wer diese enormen Vorzüge nicht zu schätzen weiss, die zu den bereits bestehenden Vorrechten des Volkes Gottes gekommen sind, handelt noch übler wie jemand, der die alten nicht gross zu würdigen wusste. Halten wir uns das bitte vor Augen (Kol 3,15b). Amen.

Vers 19

und zu dem Schall der Posaune und der Stimme der Worte, deren Hörer baten, dass das Wort nicht mehr an sie gerichtet werde    Hebr 12,19  

Die Offenbarung Gottes war gewaltig. Das Volk, das vorher selbstbewusst die Worte Gottes zu halten verkündigte, ertrug diese Art des Sprechens Gottes nicht. Sie baten Mose, er solle als Mittler zwischen ihnen und Gott stehen (2. Mo 20,19). Mose hingegen ertrug nicht bloss diese Art des Sprechens allein, er wusste zusätzlich, weshalb es auf diese Weise geschah (2. Mo 20,20).

Wir sehen darin im Bilde den grossen Unterschied zwischen Christus und dem allgemeinen Volk Gottes. Mose fürchtete sich nicht vor Gott, weil er Gott und seine Beweggründe kannte. Natürlich hatte Mose selbst grosse Ehrfurcht vor dem HERRN, doch er wusste sich zu benehmen. Er war sich sicher, nichts befürchten zu müssen, denn er kannte Gott als einen nicht launischen bzw. wetterwendischen Gott. So wie Gott sich zu erkennen gegeben hat, so würde Er auch handeln. Mose bewegte sich innerhalb dieser Vorgaben, daher fürchtete sich Mose vor Gott nicht wie das Volk. Das Volk kannte Gott hingegen nicht im Charakter, es sah nur seine Werke; es erkannte Gottes Wege nicht wie Mose (Ps 103,7). – Das ist als Armutszeugnis für das Volk zu werten, denn es ist eine Verheissung Gottes, dass Er sich jedem Ihn aufrichtig suchenden Menschen offenbart und ihn in seine Ratschlüsse einweiht (Ps 25,14). Was David in den Psalmen festhielt, galt früher schon. Die aufrichtig gottesfürchtigen Menschen wurden bereits vor der Niederschrift der Psalmen in Gottes Pläne eingeweiht (z.B. Abraham, 1. Mo 18,17, Mose, Samuel).

Im Zusammenhang gesehen knüpfen dieser Vers und die folgenden an die Thematik der grösseren Verantwortung an, die wir als sein Volk heute haben. Heute haben wir das Sprechen Gottes in der herrlichen Form der Gnade, die Christus ermöglichte. Darüber hinaus haben wir auch die Vorbilder und die Konsequenzen in der Geschichte Israels. Wer damals schon nicht hörte, hatte mit extremen Konsequenzen zu rechnen. Wie viel schlimmer ist es, wenn wir es heute nicht tun!

Vers 20

denn sie konnten nicht ertragen, was angeordnet wurde: »Und wenn ein Tier den Berg berührt, soll es gesteinigt werden«;   Hebr 12,20  

Der Unterschied des seit dem Sündenfall verunreinigten Menschen zum heiligen Gott ist derart gross, dass ein Mensch oder Tier sterben muss, wenn sie nur schon in die Nähe von Gottes Aufenthaltsort kommen. Kurz zusammengefasst, kann die gefallene Kreatur Gottes Nähe nicht ertragen.

Heute verhält es sich in Bezug auf den gefallenen Menschen immer noch genau gleich. Beim Mensch in Christo ist es hingegen nicht mehr so. Ein Mensch in Christo ruft dem für ungläubige Menschen unerträglichen Gott zu: Abba, Vater (Rö 8,15)! Ein Christ steht in einer vertrauten Beziehung zum Schöpfer.

Wenn ein Christ dieses Vorrecht gegenüber den Alten nicht würdigt, ist er geistlich kurzsichtig. Ein solcher soll sich am Ende nicht wundern, wenn er härter angefasst werden wird. Er hatte in Christus entscheidende Vorteile. Wer diese nicht nutzt, begeht grosse Unterlassungssünden. Ein Beispiel: Gerade in diesen Tagen ist in den Nachrichten die Zerstörung der Stadt Tacloban in den Philippinen durch den Wirbelsturm „Haiyan“ aktuell. Dort gibt es Menschen, die alles Hab und Gut sowie teilweise enge Familienangehörige verloren haben. Nicht wenige haben alles verloren. In Europa leben demgegenüber Zeitgenossen, deren grösste Sorge in diesen Tagen die Farbwahl ihres neuen Autos ist. – Liebe Leserinnen und Leser! Diese Gegenüberstellung beschreibe ich völlig neutral, nicht wertend! Das ist zurzeit, im Herbst des Jahres 2013, die Realität. Es könnte auch genau umgekehrt sein! Diese Begebenheit nenne ich nur als Beispiel zur Veranschaulichung einer geistlichen Angelegenheit! – Kommen wir zum Beispiel zurück: Gott fordert von allen Menschen dieser Erde ein gottgefälliges Leben, auch von mir. Zur Zeit darf ich an einem behüteten und gut temperierten Zimmer sitzen und habe genügend Zeit, die entsprechende Infrastruktur wie Computer und Internetanbindung, um Gott mit Nächstenliebe und anstehenden Aufträgen zu dienen. Die meisten Einwohner von Tacloban könnten das in diesen Tagen unmöglich in derselben Art tun. Es liegt auf der Hand, dass Gott von jenen weniger erwartet. Von mir (oder vom Europäer) hingegen erwartet er in diesen Tagen Ergebnisse, nicht von eben heimgesuchten Katastrophenopfern.

Israels Schuld der Untätigkeit wiegt demgemäss weniger schwer als unsere. Wenn wir uns nicht bewegen – trotz unserer herausragenden Vorzüge in Christus gegenüber den damaligen Israeliten – wiegt unsere Trägheit sehr viel schwerer als die der Alten.

Vers 21

und so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose sagte: »Ich bin voll Furcht und Zittern« –,   Hebr 12,21    

Selbst für den damals wohl vertrautesten Menschen des HERRN, Mose, wurde die Erscheinung Gottes nicht immer ohne Furcht aufgenommen. Zumindest im Augenblick nicht, als der HERR wegen des Götzendienstes über das Volk erzürnt war (5. Mo 9,19).

Diese eben betrachteten Verse von Gegenüberstellungen jener Zeit zur aktuellen sind klare Offenbarungen der durch Christus herbeigeführten enormen Wende. Christi Tat machte möglich, dass nichts mehr so ist wie früher. – Gottes Charakter hat sich nicht geändert, auch seine Vorstellungen von sozialen Strukturen, der Moral und Sitte und der Ordnung im Reich Gottes sind die gleichen geblieben; Er ändert sich nicht (Mal 3,6; Jak 1,17). – Jesus Christus brachte uns aber, wie erwähnt, eine völlige Wende. Er machte uns beispielsweise von normalen Erdenbürgern zu Kindern Gottes. Deshalb haben wir viel einfacheren Eingang zu den Heiligtümern Gottes, als es das Volk Israel damals hatte. Christus gab seinem Vater die Möglichkeit, durch die vollendete Sündenvergebung und die Zeugung durch seinen göttlichen Samen, uns als Söhne und Töchter anzunehmen. Diese so markanten Unterschiede wissen wir hoffentlich zu würdigen! Israels damalige Undankbarkeit kam bereits unter der weniger herrlichen Beziehung, als zumindest bevorzugtes Volk, sehr schlecht an. Wie viel weniger wird unsere Undankbarkeit ankommen, wo uns doch alles durch das Leben seines Sohnes geschenkt wurde?

 

Vers 22

sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung;   Hebr 12,22 

Wir sind jetzt nicht beim rauchenden Berg Horeb, wo sich das Volk und zum Teil gar Mose fürchten mussten. Wir sind „gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung.“ Dies eben Gelesene beruht einzig auf der Tat Christi, welche unser altes Fleisch (die alte Natur) getötet und uns die göttliche geschenkt hat. Die alte Natur musste unter einem Zuchtmeister (Gal 3,24) in engen Grenzen gehalten werden. Die damalige Situation war für den vorherrschenden Zustand mehr als passend. Weit geöffnete Tore ins Reich Gottes wären völlig fehl am Platz gewesen; diese hätten die alte Natur nur im Glauben bestärkt, nicht grundböse zu sein.– Heute, wo sie endlich gerichtet ist und dem Gläubigen eine göttliche Natur geschenkt wird, sind wir bezüglich der Offenbarung Gottes beim angeführten Vers. Wir sind gekommen „zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung.“

Würdigen wir diesen gewaltigen Unterschied, durch Christi Werk ist nichts mehr so wie früher! Lassen Sie uns entsprechend dankbar sein!

Vers 23

und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten;   Hebr 12,23  

Wir sind auch gekommen zu der Gemeinde der Erstgeborenen, was ein grosses Thema in der Bibel ist. Die Erstgeburt ist etwas Besonderes. Die Erstgeborenen bekommen den doppelten Anteil von dem Erbteil, was die übrigen Geschwister erhalten. Gott will ein Volk von Erstgeborenen. Dieses Recht erhalten wir bei unserer Wiedergeburt, können es aber – wie es Esau weggab – auch wegen der Lüste dieser Welt sprichwörtlich verkaufen. Die Gemeinde der Erstgeborenen umfasst somit alle Menschen Gottes, die das Erstgeburtsrecht in Treue festhalten. Das ist eine herrliche Gemeinde von Getreuen Gottes, zu welcher ich auch gehören will!

Im zitierten Vers wird zudem Gott in seiner Eigenschaft als Richter beleuchtet und festgehalten, dass wir zu bzw. vor Ihn gekommen sind. Das ist eine wichtige Feststellung des Geistes, obgleich der Leser diesen Umstand vielleicht als selbstverständlich betrachtet. – Gott duldet keine Unreinheit, daher fängt das Gericht bei der Gemeinde Gottes an (1. Petr 4,17); die Welt wird hernach gerichtet. Wir sollen uns bewusst sein, dass wir Gott sehr nahe gekommen sind. Das ist ein herrliches Vorrecht, das aber gleichzeitig nicht mit unlauteren Taten vereinbar ist.

Der Ort der Geister der vollendeten Gerechten ist natürlich auch in der Nähe des HERRN. Alle, die wie Abraham den Lauf vollendet haben und auf der guten Seite ruhen sind dort, wo Gottes gütige Augen hinsehen (Lk 16,19ff).

Um zum Vers zurückzukommen: Die Bibel sagt, dass wir als Christen an einem herrlichen Platz stehen und wir uns nicht in der Zeit Moses beim rauchenden Berg Horeb befinden, wo das Gesetz gegeben wurde.

Vers 24

und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zum Blut der Besprengung, das besser redet als <das Blut> Abels.   Hebr 12,24 

Jesus ist der Schlüssel zu den Veränderungen, die wir jetzt im Vergleich zur Gesetzgebung am Horeb haben. Das Gesetz war und ist zu schwer für den natürlichen Menschen, was die Geschichte des Volkes Israel beweist, welches es durch die Ausgangslage in der Absonderung noch eher hätte halten sollen.

Jesu sei Dank, dass Er kam und der Menschheit diese Bürde abnahm, indem Er der gefallenen Natur des Menschen ein Ende setzte. Nach diesem Werk der Erlösung wird die neue Natur denjenigen gegeben, die an Ihn glauben. Damit wird jede Hürde betreffend den Zugang zu Gott beseitigt: Alles steht dem wiedergeborenen Menschen offen; er ist gesegnet mit jeder geistlichen Segnung, welche den zu jederzeit offenen Zugang zu Gott beinhaltet.

Christi Blut spricht Versöhnung aus, im Gegensatz zu anderem, ungerecht vergossenem Blut. Ungerecht vergossenes Blut verlangt nach Rache, so will es das gerechte Gesetz Gottes (2. Mo 21,24; 3. Mo 24,20; 5. Mo 19,21). Darunter fällt auch Abels Blut, das ungerecht vergossen wurde; weshalb sollte die Tat seines bösen Bruders einfach legitimiert werden bzw. ungestraft bleiben? Was hat Abel dem Bruder Kain angetan, dass dieser ihn hätte legitim umbringen dürfen? – Christi Blut spricht jedoch versöhnlich und läutet das Neue Testament ein: Wer glaubt, wird gerettet, auch wenn er Todeswürdiges getan hat.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle folgende Bemerkung: Wer dieses herrliche Angebot Gottes nicht würdigt, dem ist nicht mehr zu helfen! Amen.

Vers 25

Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet! Denn wenn jene nicht entkamen, die den abwiesen, der auf Erden die göttlichen Weisungen gab: wieviel mehr wir <nicht>, wenn wir uns von dem abwenden, der von den Himmeln her <redet>!    Hebr 12,25

Israel wurde voll von der Strafe getroffen, die für die Widerspenstigen vorausgesagt bzw. angeordnet war. Wer die Worte Moses abwies, der im Namen des HERRN gesprochen hatte, musste die harten Konsequenzen dafür tragen, jede Einzelperson sowie die Nation als Ganzes. Israel hörte am Ende auf zu existieren, nachdem Gott mit unvergleichlicher Langmut dem bösen Treiben und der Gesetzlosigkeit zugesehen hatte.

Heute tragen wir eine höhere Verantwortung als Israel damals. Israel hätte auf Mose hören sollen, einen Mann Gottes, „der auf Erden die göttlichen Weisungen gab“. Wie viel mehr werden wir nicht entkommen, „wenn wir uns von dem abwenden, der vom den Himmeln her redet!“ Die neutestamentliche Lehre kam direkt aus dem Mund Gottes, aus dem Mund Jesu Christi, nicht durch einen menschlichen Mittler, wie Mose.

Lassen Sie uns gehorsam sein, liebe Leserinnen und Leser! Wir haben durch die Gegenüberstellung des Zugangs zum Heiligtum in den Versen 18 – 24 gesehen, wie viel einfacher wir es haben, Gott zu begegnen! Wie sehr müssen wir den HERRN betrüben, wenn wir sein Sprechen dennoch ignorieren!

Vers 26

Dessen Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheissen und gesagt: »Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel.«   Hebr 12,26 

Dieser Vers sagt viel aus. Erstens wird am Ende mehr bewegt werden als damals, das Gericht wird härter, umfassender werden. Das wissen wir aus der grösseren Verantwortlichkeit, die wir durch das Vorbild Israels haben. Israel hatte zwar auch ein Vorbild, die Sintflut, das Gericht über die ganze Erde, wo die Menschheit, ausser Noah und seiner Familie, wegen der Bosheit ausgetilgt wurde. Israel hatte aber kein Vorbild im Blick auf Gottes Handlungen mit einem Volk, das Er zu seinem Eigentum erklärt hat. – Zweitens wird das Gericht einen grösseren Bereich heimsuchen: Zur Erde kommt der Himmel hinzu, auch dieser wird ausgefegt werden. Viele gottesfeindliche Mächte tummeln sich (noch) in der geistlichen Welt (Mt 8,31). Sie wissen aber genau, dass ihre Zeit abläuft (Mt 8,29).

Vers 27

Aber das »noch einmal« deutet die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffene erschüttert werden, damit die unerschütterlichen bleiben.   Hebr 12,27

Alle geschaffenen Werke werden ins Wanken gebracht. So werden die unerschütterlichen offenbar: Sie bleiben so, wie sie sind. Die Welt wird umgestaltet und ihre Struktur zerschlagen, damit die ewige Struktur bleibt.

Gott ist und war seit jeher König und Herrscher. Für eine Zeit liess Er die Herrschaft der Nationen aufkommen und sie gar die Weltherrschaft übernehmen, wie es seit dem Niedergang Israels durch Nebukadnezar der Fall ist. Dazu trieben und treiben heute noch ungöttliche geistliche Mächte ihr Unwesen und bedrängen die Menschen (1. Mo 6,2.4; Mt 8,16). All diese Strukturen werden erschüttert werden und ein Ende nehmen. Die Struktur, die seit jeher steht, dass Gott König und Herrscher ist in Ewigkeit, wird bestehen bleiben, denn diese ist unerschütterlich.

Diese angekündigte Verwandlung der Dinge wird kommen, liebe Leserinnen und Leser! Es bleibt nichts so, wie wir es heute kennen. Die heutige sichtbare Weltordnung wird weichen, die natürliche und die geistliche! Glückselig der Mensch, der sich darauf vorbereitet! Amen.

Vers 28

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht!   Hebr 12,28 

Wir empfangen ein Reich mit ewigen Eckpfeilern. Ein Reich, das ewig Bestand haben wird. Es ist ein Reich, das nicht erschüttert werden kann. Wer es herausfordern will, bringt es nicht einmal zu einem Kräftemessen, wie eine Ameise einen Elefanten nicht herausfordern kann. Der Elefant merkt nicht einmal, wenn er die Ameise zerquetscht, die mit tiefgreifenden Vorbereitungen auf einen Kampf gegen ihn hingearbeitet hat. – Sie denken, der Vergleich sei zu krass, den ich anführe, liebe Leserinnen und Leser? Dann bitte ich Sie von der kommenden Herausforderung Gottes durch die Welt zu lesen: Alle Armeen der Welt werden sich gegen die Stadt Gottes versammeln (Sach 12,3). Die Nationen versammeln sich also gegen den König der Ewigen Stadt, Christus. Der Teufel und der falsche Prophet, die dort im Namen des Teufels, der Gegenpartei Gottes, welche ihre ganze Macht in Fleisch und Geist zusammengezogen hat, stehen dort und fordern das unerschütterliche Reich Gottes beziehungsweise dessen König, Christus, heraus. Wird es zum Showdown, zum Kräftemessen kommen, wenn alle Lenkwaffensysteme, Panzer, Flugzeugträger und Stealth-Kampfjets gegen die Hauptstadt des unerschütterlichen Reiches stehen, vor Anker liegen bzw. fliegen? Ist das Reich wirklich Christi unerschütterlich?

Es wird nicht zum Showdown kommen, weil das Kräfteverhältnis so ungleich ist, wie beim Elefanten und der Ameise: Christus tritt einfach auf den Feind "ohne es quasi zu merken". Die rechte Hand des Teufels wird allein durch den Hauch aus dem Munde Christi vernichtet werden (2. Thess 2,8). Christus muss dabei nicht einmal die Stimme erheben. Ohne die geringste Anstrengung fallen alle nicht-unerschütterlichen Reiche und Mächte vernichtend vor dem unerschütterlichen Reich Gottes und dessen Anführers, Christus, der gelobt ist in Ewigkeit (Dan 2,44).

Lassen Sie uns vor unserem Gott mit Scheu und Furcht dienen, mehr als unseren weltlichen Vorgesetzten! Letztere verfügen nur eine kurze Zeit über unsere Arbeitskraft und vermögen wenig. Gott vermag alles und will uns ein unerschütterliches Reich erben lassen. – Wer das nicht würdigt, hat noch nicht viel davon verstanden.

Vers 29

Denn auch unser Gott »ist ein verzehrendes Feuer«.   Hebr 12,29  

Natürlich kann unser Gott „ein verzehrendes Feuer“ sein! – Wieso sollte Er sich auf der Nase herumtrampeln lassen? – Anhand von vielen Versen haben wir gesehen, wie und was Gott alles für die Menschen getan und geopfert hat. Wer solches Entgegenkommen und eine solche Aufopferung einfach gelangweilt dahinnimmt und Ihm mit einer entsprechenden Haltung quasi zu verstehen gibt, Er sei verstaubt und von vorgestern, hat überhaupt keine Ahnung von seiner Hoheit und Souveränität!

Wir sollen durch diesen Vers wissen: Gott lässt sich nicht verspotten, auch wenn Er seiner Langmut wegen den Frechen lange zuschaut. – Wer Ihn herausfordert, wird dieses Feuer zu spüren bekommen! Amen.

Kapitel 13

Vers 1

Die Bruderliebe bleibe!   Hebr 13,1

Nach den sehr hilfreichen Ausführungen des zwölften Kapitels, welche den Christen im Ausharren ermutigen, die bisherige Leidensgrenze als tief darstellen im Blick auf Christi Leiden, die Massregelungen des Vaters als äusserst wertvoll erklären sowie eindringlich vor Nachlässigkeit warnen, beginnt das dreizehnte Kapitel mit einer weiteren Lebenshilfe: Dieser erste Vers ist einer von zwei der beiden zentralsten Indikatoren für die Gesundheit eines Christen bzw. einer Gemeinde. Die beiden zentralsten Gesundheits-Indikatoren sind die Liebe zu Gott und jene zum Menschen. Wer Gott und die Menschen liebt, erfüllt die Erwartung Gottes in jedem Punkt, wie geschrieben steht:

36 Lehrer, welches ist das grösste Gebot im Gesetz?  
37 Er aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.«  
38 Dies ist das grösste und erste Gebot.  
39 Das zweite aber ist ihm gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«  
40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.   Mt 22,36-40 

Dieselbe Aussage steht im Kapitel 7, Vers 12 desselben Buches. – Wer das glaubt und anwendet, hat durch zwei sehr einfache Messpunkte „die Temperatur“ seines geistlichen Lebens immer sehr gut im Überblick.

Der aktuelle Vers beleuchtet die Liebe unter den Geschwistern. Wenn es bereits mit dieser hapert, tut es das sowieso bezüglich der Liebe zu weniger nahestehenden Personen. Fangen wir an, uns im kleinen Kreis zu bewähren, bevor wir uns vorzeitig als universale Glaubenshelden ausgeben! Achten wir genau auf die Bruderliebe. Sie soll bleiben! Amen.

Vers 2

Die Gastfreundschaft vergesst nicht! Denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.   Hebr 13,2 

Wer echte Liebe zu den Geschwistern hat, ist sich auch nicht zu teuer oder zu bequem, gastfrei zu sein. Ausserdem ist Gastfreundschaft mit vielen Vorzügen verbunden. Sie gibt Gelegenheit zum Aufbau im HERRN, sozialem Austausch und letztendlich gefühlter Verbundenheit und heimischen, familiären Gefühlen, vor allem, wenn es sich bei den Gästen um Geschwister im HERRN handelt. Die Schrift sagt dazu, dass einige (gastfreie) Menschen dadurch Engel beherbergt haben, Geistwesen also, die Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Das heilige Wort lässt dabei die Möglichkeit offen, dass wir – wenn wir gastfrei sind – ebenfalls Engel beherbergen; ich komme nachstehend nochmals auf diesen Punkt zurück.

Der HERR lässt sich nicht lumpen. Demjenigen, der Gottes Volk und allgemein Menschen gegenüber grosszügig ist, wird wiederum auf herrliche Art vergolten. Ich hörte von einer Begebenheit in Südafrika, wo eine Ansammlung von Häusern ausgeraubt wurde. Ein Haus, das mittendrin stand, wurde aus unerklärlichen Gründen verschont. Darin wohnte eine gläubige Frau. Als die Übeltäter gefasst und von der Polizei verhört wurden, sagten diese aus, dass sie dieses Haus aufgrund der vielen Männer, die auf jenem Grund waren, nicht überfallen konnten. Die Frau lebte jedoch in Wahrheit allein. – So und auf vielerlei andere Arten vergilt Gott seinen Treuen bereits auf Erden.

Aufgrund des Verses im Matthäusevangelium (18,10) kann davon ausgegangen werden, dass für jeden Christen für ihn abkommandierte Engel bereitstehen, denn nicht nur die Kleinen brauchen Schutz, wir Erwachsenen sind genau im selben Masse darauf angewiesen: Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann (1. Petr 5,8). – Wer Geschwister einlädt, beherbergt somit auch dessen Engel. So frage ich Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser: Was gibt es für Gründe nicht gastfrei zu sein? Lassen Sie uns gastfrei sein! – Amen.

Vers 3

Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene; derer, die geplagt werden, als <solche>, die auch selbst im Leib sind!   Hebr 13,3   

Unsere Gesinnung soll höhere Werte miteinschliessen, nicht nur die Gastfreiheit, sondern auch Mitleid und Mitgefühl. Wir sind schuldig, in der Freiheit nicht abzustumpfen und die Gefangenen nicht zu vergessen. Wir sind ermahnt, an sie zu denken, als ob wir selber eingeschlossen wären. Und das soll nicht nur wegen des Umstandes geschehen, weil wir heute Freie sind und morgen Gefangene sein können, sondern weil wir Glieder des Leibes sind und der Leib jedes Leid, in das er kommt, mitempfindet. – Das ist wahre Geschwisterliebe!

Vers 4

Die Ehe sei ehrbar in allem, und das Ehebett unbefleckt! Denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.   Hebr 13,4 

Das Wort „Sex“ ist im christlichen Vokabular überflüssig, weil es dem Vorgang, der nur zwischen Eheleuten gewünscht und legitim ist, einen von der Ehe losgelösten, neutralen Namen gibt. Wird dieses Wort dann ausserhalb dem ehelichen Kontext sachlich angewendet, gaukelt es dem Unwissenden ein falsches Bild vor. Der Unwissende reiht dieses Wort in die neutrale Schublade, wie Essen und Trinken, das für jeden und quasi überall erlaubt ist. Doch die körperliche Vereinigung ohne legitimen Ehebund heisst im Licht der Bibel „Unzucht“ und ausserehelicher Verkehr bezeichnet die Schrift mit „Ehebruch“. Unzucht und Ehebruch brachten bzw. bringen den Tod. So wie es den körperlichen Tod im Alten Testament bedeutete, bedeutet es heute, keinen Erbteil zu haben im Reich Christi und Gottes (Eph 5,5). Für das Reich ist der Unzüchtige oder Ehebrecher untauglich, tot. Der Unzüchtige ist bildlich gesprochen ein Esau, der für eine weltliche „Kurzfreude“ Gottes Erbe in die Abfalltonne schmeisst. Der Erblasser wird einen solchen nicht erhöhen, das steht fest (Mal 1,3; Rö 9,13).

Die Ehe, welche die körperliche Vereinigung zwischen Mann und Frau einschliesst, ist eine wunderbare Einrichtung, wo die Eheleute die sehr enge Beziehung von Christus und der Gemeinde bildlich darstellen (Eph 5,32). Gleichgeschlechtliche „Ehen“ bzw. Praktiken sind, gemäss dem Schriftwort, Gott ein Gräuel, siehe 3. Mo 18,22. Nicht sogenannt intolerante Bewegungen oder Moralapostel haben ein Verbot für gleichgeschlechtliche Praktiken aufgestellt, sondern der Herr Zebaoth, der Herr der Heerscharen, Ihr und mein Schöpfer.

Wenn der Allmächtige die Homosexualität verurteilt, was tust du bzw. bewegst du, wenn du mich verurteilst? Ich bin vergänglich und verschwinde sowieso einmal von der Bildfläche. Gott wird hingegen weiterhin über sein Wort wachen und so gelagerte Gesetzesbrecher gemäss der Verordnung über die Unzüchtigen richten, ob noch Menschen davor warnen oder nicht. Dass dieses Gebot im ewigen Schriftwort steht und es in unsere Herzen (Gewissen) geschrieben wurde, reicht Gott vollauf zur gnadenlosen Verurteilung, selbst wenn auf alle Arten ausgelebte Sexualität in der Welt State of the Art, also neuester Stand und modern ist. Amen.

Vers 5

Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnügt euch mit dem, was vorhanden ist! Denn er hat gesagt: »Ich will dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen«,    Hebr 13,5

Für den Christen, der in der Tiefe erfasst bzw. begriffen hat, für was sein Wandel stehen sollte, stellt dieser Hinweis kein Problem dar, denn wir sind erstens noch nicht im Heimatland angekommen. Zweitens stehen wir im Dienst Christi. Klar denkende Menschen erkennen ihn als einen intensiven Dienst, weil die Zeit knapp ist. Und drittens kommen wir darin nur zum Erfolg, wenn wir alles dran setzen. Das hat mit Verleugnung der eigenen Interessen und Gelüsten zu tun, welche den Dienst hindern oder einschränken könnten. – Wer in diesen Wahrheiten steht, sieht überhaupt keine Notwendigkeit, dem Geld nachzurennen. Weil der HERR der Ausrüster seiner Boten ist, ist für das Notwendige gesorgt. Alles andere wäre unnötiger Ballast. Ein Kaufmann nimmt lieber nur einen Koffer mit auf Geschäftsreise anstelle von zweien oder gar mehr. Und wer es noch nicht erkannt hat: Wir sind jetzt auf Reisen für den HERRN. Wir sind Fremde in dieser Welt (Phil 3,20; Heb 11,13). Unsere Ankunft in der Heimatstadt steht noch bevor; wir sind jetzt aber noch nicht zuhause. Wenn wir daheim sind, können wir uns allen möglichen Luxus anschaffen, jetzt ist die Zeit noch nicht da. Jetzt ist Zeit Zeugnis für Christus abzulegen und den Nächsten vom Wunsch Gottes, alle Menschen retten zu wollen und seinem dazugehörigen, herrlichen Werk zu erzählen.

Deshalb tue ich heute, was ich hier mache: Ich möchte die Bibel durch Kommentare für jeden noch einfacher zugänglich machen, damit Christus noch einfacher erfasst werden kann und mehr Menschen die Errettung ergreifen oder in ihrem Wandel als Christen mehr Frucht bringen dürfen. Im Heimatland werden sich meine Tätigkeiten verlagern und, sollte ich meinen Lauf erfolgreich abschliessen, werde ich – wie alle treuen Diener Christi – wohlhabend sein. Gottes Erbe umfasst sehr viel Gut, es hat nicht den Charakter von Almosen.

Vers 6

so dass wir zuversichtlich sagen können: »Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten. Was soll mir ein Mensch tun?«   Hebr 13,6  

Oft sagen wir grossspurig, dass wir den Vers zum vorausgehenden Kommentar (Heb 13,5) glauben. Finden wir uns aber in einer unbefriedigenden Situation in Bezug auf das Geschäft, die Familie oder sonst eine Lage, sagen wir oft schnell nicht mehr zuversichtlich: „Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten. Was soll mir ein Mensch tun?“ – Gerade in schwierigen Situationen mit meinem Vorgesetzten, habe ich heute noch zum Teil grosse Mühe, neutral im Geschäft zu erscheinen und zu denken (und fühlen): „Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten. Was soll mir ein Mensch tun?“ – Schnell sind wir in solchen Situationen geneigt, das Leben, das wir Christus leben wollen, wieder in die eigene Hand zu nehmen, um der unangenehmen Situation ein Ende zu setzen. Schnell sinken wir auf dieses Niveau der Nationen, uns selber helfen zu wollen, statt auf die Hilfe des HERRN zu warten.

Wenn wir zum fünften Vers Ja sagen, müssen wir es auch beim sechsten tun. Wie können wir sonst konsistent einen Dienst ausüben? Vielmehr wären wir mit Dingen beschäftigt, wie es die Nationen sind, indem wir ständig denken würden: „Was esse ich morgen?“ Die Jobsicherung und ständige Positionierung im Geschäft mag für die Nationen Alltag sein. Für einen Christen sind diese Dinge nicht statthaft, vielmehr Zeugnisse des Unglaubens. Der HERR nimmt sich der seinen an. Derjenige der gebot: „Einem Ochsen, der da drischt, sollst du das Maul nicht verbinden“, - sollte Er seinen Arbeitern das Maul verbinden? Dies tut Er ganz sicher nicht!

Lassen Sie uns daher treu an diesen Orten, in die uns der HERR gestellt hat, weiter wirken. Sind sie unangenehm, so vergessen wir nicht: Es wird nicht für immer so bleiben! – Wenn wir den Dienst vollendet haben, wird uns der HERR auf die grüne Weide führen (Ps 23)! Amen.

Vers 7

Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach!   Hebr 13,7   

Wer ist unser Führer? – Erstens ist es Christus. Er ist der, der spricht: „Folge mir nach (Mt 16,24)!“ Zweitens werden wir aufgefordert, den Nachfolgern, die das Wort Gottes zu uns gepredigt haben und die der HERR über seine Knechte gesetzt hat (Mt 24,45), zu gedenken und ihren Glauben nachzuahmen.

Damit ist die Personengruppe bereits klar, die unter den Ausschluss fällt: Der Papst, die Bischöfe, die Priester, Prediger, Pfarrer und alle anderen, die das schriftwidrige Klerikale System aufgebaut haben und unterhalten. Diese sind nicht diejenigen, die der HERR über sein Gesinde gesetzt hat. Sie haben sich selbst in das Reich gedrängt (Lk 16,16) und funktionieren nach dem Motto, wer der Grösste im Reich sei (Mk 9,34). Viele davon haben nicht einmal eine echte Wiedergeburt erlebt und sind nichts weiter als Unberechtigte, die sich im Hause Gottes breit machen.

Echte Führer sind solche, die mit Selbstverleugnung in Christi Fussstapfen treten und die Interessen Christi sowie jene der Geschwister höher achten als die eigenen und in den wahren Dienst eintreten (Mt 21,28ff), wie beispielsweise Paulus, Timotheus, Epaphroditus (Phil 2,19ff), Apollos, Aquila und Priska. – Ist es daher verwunderlich, dass der HERR prophezeit, dass Zöllner und Huren den vermeintlichen Führern vorangehen werden? Eine Hure, die sich echt zum HERRN bekehrt und in der Folge seinen Willen tut, ist vor dem HERRN wie der Sohn im Gleichnis, der im Anfang zwar den Willen nicht tun wollte, es ihn nachher aber gereute und er doch noch in den Dienst trat. Der schön gekleidete Priester, der in „heiligen Kirchenhallen“ mit gestelltem, demütigen Ausdruck einherschreitet ist der Sohn, der zur Aufforderung des Vaters erwidert, dass er in die Arbeit treten wolle. Doch anstelle in den Dienst zu treten, rührt er die Verleugnung und Schmach Christi nicht mit einem einzigen Finger an (Mt 23,4)! Wie trefflich hat der HERR alles vorausgesagt! Er weiss von jeder Entwicklung! Er sei gelobt! – Biografien von Zeugen Christi finden Sie im Buch „Gedenket Eurer Führer“ von Arend Remmers hier (Stand Dezember 2013) oder googeln Sie danach.

Vers 8

Jesus Christus <ist> derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.   Hebr 13,8  

Christus, unser Vorbild in allen Dingen, bleibt derselbe. Auch wenn sich der Weltgeist ändert, darf zum Schriftwort keine sogenannt „neue Aufklärung“ hinzukommen. Der Verkehrte bleibt verkehrt, der Böse bleibt böse, der sexuell Verwirrte in seiner Schande. Die Welt versucht von der Unterscheidung, was Gut oder Böse ist, wegzukommen. Niemand sei gut oder schlecht, der Mensch werde zu einer Haltung „heranerzogen“. Damit wird sogar die Eigenverantwortung aufgehoben, die jeder Mensch für sich selbst trägt! – Eine ganz üble Sache! – Dazu verkehrt die Welt die Wahrheit der Schrift, welche sagt, dass der Mensch im Grunde böse ist, indem der weltliche Zeitgeist behauptet, der natürliche Mensch habe einen guten Kern.

Bleiben Sie klar! Die weltliche Aufklärung bringt nichts Neues. Was heute die Sensation ist, kannte man früher schon (Pred 1,9). Auch wenn die Technik seit der Sintflut wieder Fortschritte macht (wie der Stand davor war, wissen wir nicht), sind die heutigen Erkenntnisse keine wirklichen Fortschritte, zumindest nicht sozialer Natur. Die Menschen hassen sich immer noch situationsbedingt und würden sich gegenseitig leidenschaftlich umbringen, wenn sie in Bedrängnis kommen oder Krieg ausbricht. Statt Gott mit den fortschreitenden Möglichkeiten, die Natur zu erforschen, näher zu kommen, grassiert die Gottlosigkeit. Ein echter Fortschritt wäre es, wenn die Menschheit insgesamt endlich ihren Schöpfer erkennen würde und damit den grössten Faktor in der Berechnung „woher kommt der Mensch und wohin geht er“ einbauen würde. Ohne diesen Faktor ist das Resultat immer falsch und sehr weit weg vom korrekten Ergebnis.

Vers 9

Lasst euch nicht fortreissen durch verschiedenartige und fremde Lehren! Denn es ist gut, dass das Herz durch Gnade gefestigt wird, nicht durch Speisen, von denen die keinen Nutzen hatten, die danach wandelten.    Hebr 13,9

Manchmal ist der Christ geneigt, auf für ihn Neues einzusteigen, vor allem dann, wenn er glaubt, sein Voranschreiten im Glauben gehe zu langsam. Geschwister begeben sich damit in gefährliche Wasser, besonders auch, wenn die neuen Lehren biblisch nicht untermauert werden können oder auf einer unverständlichen biblischen Herleitung stehen. Beispielsweise (es ist nur ein Beispiel von vielen) können sogenannte „Heilungsgottesdienste“ christlicher Gruppierungen falsche Erwartungen wecken oder suggerieren demjenigen, der darin nicht geheilt wird, er würde zu wenig glauben. – Damit sage ich nicht, wir sollten unterlassen, den Kranken in Gottesdiensten zu gedenken. Ich bemängele nur den weit verbreiteten Eigendünkel in der christlichen Landschaft, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen und zu sagen, was für Schwerpunkte der Gottesdienst haben soll. Dies steht uns einfach nicht zu.

Weiter nützen uns Lehren, wie „tue dies“ und „tue das“ (um dies und das zu erreichen) sowieso nichts. Dies hatte der Mensch schon, als er unter Gesetz war. Die danach wandelten, zum Beispiel nach den Geboten betreffend die Speisen, hatten keinen Nutzen davon. Das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht; der Mensch kann es nicht halten. Daher macht es keinen Sinn, wenn wir uns irgendeiner ähnlichen Strömung unterwerfen, selbst wenn sie fromm daher kommt. Die logische Schlussfolgerung ist: Unser Herz soll durch Gnade gefestigt werden, im stillen Harren auf Gott. Er wird’s richten und soll demnach die Leitung der Gottesdienste haben! Sobald wir aber (wieder) glauben, etwas aus uns vollbringen zu können, werden wir keinen Nutzen daraus schöpfen. Vielmehr werden wir die enttäuschende Erfahrung eines kläglichen Scheiterns machen.

Vers 10

Wir haben einen Altar, von dem zu essen die kein Recht haben, die dem Zelt dienen.   
 Hebr 13,10

Die dem Zelt dienen, dürfen sich vom Altar ernähren (3. Mo 21,22ff; 1. Kor 10,18). Sehr eindrucksvoll ist die Aussage dieses Verses, denn ein Israelit aus dem Geschlecht Aarons, ein höchst angesehener Stand, ein Priester des HERRN also, hat zwar das Recht, vom Feueropferaltar der Stiftshütte bzw. des Tempels zu essen, von unserem Altar zu essen hat er aber kein Recht! – Was für Menschen müssen wir Christen sein, die das Privileg haben, welches nicht einmal die aaronitischen Priester hatten?

Die Erklärung dazu ist einfach: Die Priester im Alten Testament dienten dem Schattenbild der Wirklichkeit. Die Stiftshütte wurde dem himmlischen Vorbild nachgebaut (Heb 8,5). Ihr Altar und die Opfer waren lediglich Abbilder des wahren Altars und des wahren Opfers.

Es braucht eine völlig andere, viel höhere Qualifikation, den wahren himmlischen Dingen dienen zu dürfen. Kein Unreiner darf sich ihnen nahen. Beim irdischen Altar genügte eine äusserliche Reinheit, beim himmlischen genügt diese bei Weitem nicht mehr. Nur ein ebenfalls innerlich erneuerter, ganz reiner und geheiligter Mensch, also ein Mensch mit anderer Abstammung als jener von Adam, darf davon essen. Die alttestamentlichen Priester haben ihre Abstammung in Adam; sie sind daher nicht qualifiziert, sich dem wahren Heiligtum zu nahen, geschweige denn, vom wahren Altar und dem wahren Opfer zu essen. Wir wiedergeborenen Christen dürfen wegen unserer Abstammung in Christus Jesus davon essen! Unser Vorfahre ist Christus, welcher an Adams Stelle tritt (1. Kor 15,45).

Dieser Vers sagt aber noch mehr aus. Ich rate unsicheren Christen sehr, etwas dabei zu verweilen und den Inhalt an sich herankommen zu lassen und ihn (endlich) zu akzeptieren: Es sind die reinen Worte Gottes. Der Unterschied zwischen dem Christen und dem natürlichen Menschen ist gewaltig! Ein Christ ist aus Gott geboren! Er hält nicht einfach „nur“ ein Geschenk von Gott in der Hand, das er jederzeit verlieren kann. Er wurde in das königliche Geschlecht hineingeboren; niemand kann ihm diesen Stand wegleugnen! Hiermit ist nebenbei auch gesagt, dass die Errettung vor ewiger Verdammnis für ewig ist! An dieser Stelle soll das nochmals in Erinnerung gerufen sein! Amen.

Vers 11

Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird, werden ausserhalb des Lagers verbrannt.   Hebr 13,11

Der Leib des Tieres, das als Sündopfer diente, wurde ausserhalb des Lagers verbrannt. Das Blut sühnte im Heiligtum, der Leib wurde ausserhalb des Geschehens vom Feuer verzehrt. Damit wird uns Christi Tod bildlich vor die Augen geführt. Vor Gott, im Heiligtum, sühnte sein Blut. All die Schmerzen der Ungerechtigkeit, Ablehnung und Gottlosigkeit seiner Schöpfung zehrte ihn ausserhalb des Geschehens auf. Der Hass seiner Kreatur gipfelte darin, dass sie Christus aus Jerusalem hinausstiessen und ausserhalb des Lagers Israels ermordeten, indem sie ihn brutal ans Kreuz nagelten, um den Unschuldigen qualvoll sein Leben ausschütten zu lassen. Und das, nachdem sie wenige Stunden zuvor dem Christus zuriefen: „Hosianna in der Höhe!“ – Schüttelt es Sie nicht, liebe Leserin und lieber Leser vor Ekel und Abscheu die menschliche, gefallene Natur betreffend? Sind Menschen gut? – Legen Sie die Forderungen des Gesetzes als Massstab an die gefallene Natur, dann werden Sie schnell erkennen, was für Teufel die „Liebmenschen“ sind und was für Abgründe sich in jedem Menschen öffnen!

Kommen wir zurück zu unserem Vers: Es hat keinen Zweck, die alte Natur zum Guten trainieren zu wollen! Der vorausgehende Vers 10 bringt es auf den Punkt: Versuche, sich mit Regeln in den Griff zu bekommen, werden alle scheitern; der Mensch ist nicht einmal fähig Gottes Willen ansatzweise zu tun. Das einzige, was nützt, ist die Gnade Gottes, die uns täglich anleitet und unter die wir uns unbedingt stellen sollen! Harren wir ausserhalb des Lagers auf Gott und die Gnade Christi, weg von den Menschen, die sagen, sie seien fähig. Sie wird uns erretten vor allem Bösen! Amen.

Vers 12

Darum hat auch Jesus, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen, ausserhalb des Tores gelitten.   Hebr 13,12 

Vers 11 deutet an, was mit dieser Bibelstelle erklärt wird. Durch das Schattenbild der Tieropfer veranschaulichte Gott dem israelitischen Volk bereits den Tod Christi. Wie die Opfer ausserhalb des Lagers verbrannt wurden, musste Er ausserhalb des Lagers die Sühnung erwirken. Dies zeigt für die Menschen eine äusserst demütigende Situation: Weil der natürliche Mensch durch und durch verdorben ist, vollstreckt sich der göttliche Plan ausserhalb der menschlichen Lager. Erst ruft der Mensch lautstark: „Hosianna in der Höhe!“, wenige Stunden später schreit er zu Pilatus: „Kreuzige ihn!“ – Nebenbei erwähnt, werden es besonders die Gutmenschen den Israeliten gleich tun. Die, welche heute angeben, für Toleranz und „gut Sein“ zu kämpfen, werden am Ende an vorderster Front mitwirken, den Christen das Maul zu stopfen. Wie der wirklich gute Mensch, Christus, umgebracht wurde, wollen die Gutmenschen die wirklich guten Menschen weg haben, weil letztere die Heuchelei aufdecken, wie sie durch Christus aufgedeckt wurde.

Der natürliche Mensch ist nicht würdig, dass die Sühnung im Lager vollzogen wird. Die heilige Gottestat musste somit ausserhalb des Lagers stattfinden. Das ist der erste Aspekt. Den zweiten habe ich schon angeschnitten: Wie erwähnt, will der natürliche Mensch nicht, allen voran will es der Gutmensch nicht, dass ein wirklich guter Mensch seine Heuchelei aufdeckt und ihn dadurch im rechten Licht und der Wahrheit der Wahrnehmung Gottes darstellt. Deshalb stiessen die Pharisäer den Eigentümer „ihres“ Tempels und „ihrer“ Heiligtümer aus „ihrem“ Bezirk. Wie über einen Fremdkörper, eine Pest, beratschlagten sie über Gottes Sohn, wie sie ihn umbrächten. Den Sohn dessen Gott, dessen sie sich beriefen und auf dessen Grundlage die ganze israelitische Ordnung stand, wollten sie, weg vom Lager, tot sehen. Das sind die Früchte des natürlichen Menschen! – Machen Sie sich da bitte nichts vor. Sie können ungetestet zwar weiterhin eine gute Meinung von sich haben. Ein kleiner Test Gottes wird schnell ans Licht bringen, wie es in Ihnen tatsächlich aussieht. Es wird sich sofort zeigen, ob sie Armen etwas von ihrem Überfluss abgeben, den Bedürftigen Zeit und Geld schenken, sich zu wegen Gottes Namens Geächteten stellen oder nur schon nicht nach der sehr hübschen Frau ihres Nächsten gieren. Den Massstab finden Sie im Matthäusevangelium (Kapitel 5-7). Glückselig sind Sie, wenn Sie ihm gerecht werden. Wenn Sie das nicht schaffen, werden Sie vielleicht mit demütig gesenktem Haupt den HERRN um Hilfe zur Rettung anflehen und eingestehen, dass es gar keine echten Gutmenschen gibt! Und Christus wird Ihnen plötzlich kostbar werden. Den Eigendünkel und die Regungen der alten Natur werden sie mit wachsender Erkenntnis immer mehr verabscheuen, ja, sich sogar davor ekeln, so sehr, dass Gedanken daran im Hals kitzeln und Brechreiz auslösen. Das Wort „Gutmensch“ wird dazu von der obersten Schublade des Vokabulars in die unterste der zynischsten bzw. schändlichsten Ausdrücke wandern.

Vers 13

Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, ausserhalb des Lagers, und seine Schmach tragen!   Hebr 13,13 

Liebe Leserin und lieber Leser! Irritiert Sie der Kommentar zum Vers 12? Glauben Sie an Gutes im Menschen? Ist Gott ein Lügner, wenn Er sagt, dass aus dem Menschen nur Böses kommt, wie Mord, Unzucht, Ehebruch, Lästerungen, Lügen und alles Schändliche schlechthin (Mt 15,19; Mk7,21)? Wenn Sie das nicht glauben können, hat Sie der HERR bis heute überdurchschnittlich bewahrt und keinen wirklichen Tests ausgesetzt.

Der Mensch, der seine Abgründe kennt, weil ihm auf eine vermeintlich gerechtfertigte Reaktion seinerseits Gottes Erwartung entgegengehalten wird, ist nicht über den Kommentar zum Vers 12 irritiert. Ein solcher weiss, dass der Mensch nicht nur ein wenig Bosheit mit sich herumträgt, sondern durch und durch verdorben ist und keinen einzigen Punkt der Erwartungen Gottes erfüllen kann und deshalb unbedingt von Gott verdammt werden muss, wenn es nach der Gerechtigkeit allein geschehen soll. So stellt es der Römerbrief unmissverständlich dar, allein schon im ersten Kapitel. Wer das nicht annehmen will, soll aufhören, die Bibel zu lesen, denn es steht geschrieben:

16 Zu dem Gottlosen aber spricht Gott: »Was hast du meine Ordnungen herzusagen und nimmst meinen Bund in deinen Mund?
17 Du hast ja die Zucht gehasst und meine Worte hinter dich geworfen.  
18 Sahst du einen Dieb, so befreundetest du dich mit ihm, und mit Ehebrechern hattest du Gemeinschaft.  
19 Deinen Mund schicktest du los zum Bösen, und deine Zunge spannte Betrug davor.  
20 Du sassest da, redetest gegen deinen Bruder, gegen den Sohn deiner Mutter stiessest du Schmähung aus.  
21 Das hast du getan, und ich schwieg; du dachtest, ich sei ganz wie du. Ich werde dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen.  
22 Merket doch dies, die ihr Gott vergesst, damit ich nicht zerreisse, und keiner kann retten!«  Ps 50,16-22

Die Menschen, die beim Einzug in Jerusalem „Hosianna!“ ausriefen und Christus wenige Stunden später tot sehen wollten und lauthals „Kreuzige ihn!“ zu Pilatus schrien, waren normale Menschen, wie Sie und ich. Die Begebenheiten fanden in der Hauptstadt des Landes Israel statt, nicht irgendwo in einem Gefängnis, wo die Übelsten der Gesellschaft weggeschlossen werden. Der Neid der Pharisäer (Mk 15,10) und die Angst, aus dem religiösen System, das von ihnen kontrolliert wurde (Mt 23,2), ausgeschlossen zu werden (bspw. Joh 9,22), legitimierte die Menschen aus ihrer Sicht, einen Unschuldigen dafür ans Kreuz zu schlagen, was die Nationen dann – selbst voller Ungerechtigkeit und trotz Unschuldsbeweis (Lk 23,4) – in sehr übler Form mit der Kreuzigung umsetzten, um dem Willen der Juden zu entsprechen und um vor aller Welt offenbar zu machen, dass der Mensch ein Lügner ist und im Gegenzug kein einziges Wort der Schrift fragwürdig ist.

Daher fordert uns die Bibel auf, liebe Leserin und lieber Leser, mit der Welt und ihrem Geist abzuschliessen. Die natürlichen Menschen sind geistlich unheilbar krank. Wenn ein natürlicher Mensch die Bibel zitiert, nimmt er etwas in den Mund, das ihm nicht zusteht, auszusprechen. Es ist so, wie wenn ein Serienmörder und Kinderschänder vor einem Ethikausschuss eine Rede mit Belehrungen halten wollte.

Daher sollen wir, überzeugt von dieser Wahrheit und ohne dass es uns viele Überlegungen kostet, sinnbildlich aus dem Lager hinausgehen und die Schmach Christi tragen. Wer zu Ihm steht, trägt den Spott der selbstherrlichen aber durch Gott bereits verurteilten Welt. Wer in Wahrheit zu Ihm steht, hinkt nicht auf beiden Seiten (1. Kö 18,21). Wer aber Gottes Forderung so gering schätzt, wie Esau und sie auf das Niveau der bösen Welt erniedrigt, um beiden Seiten gerecht zu werden, kann Christi Tod nicht erfassen und den Kaufpreis nicht annähernd einschätzen. Ein solcher sieht das Reich Gottes nicht oder nur sehr wenig über demjenigen des Teufels und wundert sich, weshalb denn Gottes Sohn für so etwas wenig Wertvolles hat sterben müssen.

Vers 14

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.   Hebr 13,14 

Denn es ist und bleibt klar: Wir haben hier keine bleibende Stadt. Oder kennen Sie eine Stadt der Gerechtigkeit, die im Gericht Gottes bestehen wird? – Ich kenne nicht eine.

Im Weiteren lässt Gott sein Volk nicht für immer der Schmach ausgesetzt; er lässt dies nur solange zu, wie die Probezeit bzw. Bewährungsfrist der Nationen andauert. Wenn die Herrschaft der Nationen endet, richtet sein Sohn endlich das Reich der Gerechtigkeit auf und zeigt aller Welt, die Ihn verfolgte und verspottete, wie gerechte Regierung praktiziert wird, sodass kein einziger Mensch hungern oder den anderen bekriegen muss. – Wer sich fragt, wie das gehen soll, ist aufgefordert in der Schrift nachlesen, dass Christus die Regierungen nicht bitten muss, Ihm doch bitte die Macht zu übertragen (Offb 19,11ff). Er wird ihnen an einem Tag alle Ungerechtigkeiten auf ihren eigenen Kopf zurückfallen lassen und alle militärische Macht der Welt in einer einzigen sehr einseitigen Schlacht vernichten, denn die verblendeten Nationen werden tatsächlich – wer kann das glauben? – gegen den König der Könige in den Krieg ziehen! Die Gottlosigkeit und Ablehnung seiner Autorität am Ende dieses Zeitalters gipfelt in dieser Schlacht.

Die Stirn hätte Christus der Welt bereits im Garten Gethsemane bieten können, wo Er Petrus über die bereitstehende Armee Gottes aufklärte (Mt 26,53). Doch damals entschied Er sich für die Rettung mit anschliessender Gnadenzeit, um die Menschen zu retten, die Ihm der Vater gegeben hat. Eine zweite „Garten Gethsemane Begebenheit“ des Rückzugs Gottes wird es nicht geben. Es wird nur die Schlacht Gottes um Jerusalem geben, wo die Kraft der Nationen und ihr Stolz total vernichtet werden werden, untertrieben gesagt. Untertrieben ist es, weil die Schlagkraft Gottes seit dem Anfang der Menschheit nicht richtig eingeschätzt, ja, sogar verspottet wird. Was denken Sie von der Kraft eines Gottes, der ein Universum schaffte, dessen Grenzen für den Menschen nicht sichtbar sind, der Sonnen schuf, die eine Energie abgeben, deren kleinster Bruchteil ausreicht, beispielsweise die Erde zu erwärmen? Denken Sie nicht, dass er für die Feuerkraft der für uns gewaltigen Flugzeugträger, Panzer und Raketen nur ein müdes Lächeln übrig hat? – Ich kenne meinen Gott und ich weiss, dass er mit der Welt und ihrem Hochmut in einem Augenblick fertig wird (Jes 40,15). Er wird der Schmach Christi ein für allemal ein Ende setzen.

Daher, weil die Welt Gott gegenüber feindlich eingestellt ist, haben wir als seine Getreuen hier keine bleibende Stadt. Erst wenn Christus sein Reich aufgerichtet hat, werden wir zur Ruhe kommen. Und das in bleibenden Städten, die nicht mehr von der Bosheit der Menschen oder vom Zorn Gottes heimgesucht werden. Amen.

Vers 15

Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen! Das ist: Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.   Hebr 13,15 

Wir sollen Gott loben, das liegt auf der Hand. Was Er für uns getan hat ist der grösste Liebesbeweis. Für einen lieben Menschen würden wir ein Sterben noch in Erwägung ziehen, aber bestimmt nicht für Gesetzesbrecher, wie es Christus für uns tat, als wir noch gottlos lebten (Rö 5,7).

Ein Opfer des Lobes, wie es die Schrift nennt, ist genau das, was die Worte aussagen: Wir opfern Gott Lob, wir loben ihn mit unseren Möglichkeiten. Das können wir durch Gesang (Loblieder, Psalmen) oder durch Worte (Lobesgebet, u.a. auch durch Psalmlesungen, mit denen der Herzenszustand im Einklang ist) allein oder in der Versammlung vor den HERRN bringen. Der HERR anerkennt diesen Vorgang als Opfergabe.

Wir können nicht nur durch unsere Hände Früchte des Glaubens bewirken, sondern auch mit dem Mund, wie wir sehen. Setzen wir ihn nicht für unnützes Geschwätz bzw. Witzelei ein! Befleissigen wir uns, Gott damit zu loben! Amen.

Vers 16

Das Wohltun und Mitteilen aber vergesst nicht! Denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.   Hebr 13,16 

Was Wohltun ist, wissen wir. Beim Mitteilen ist nicht ein Mitteilen im Sinn von „eine Mitteilung machen bzw. übermitteln“ gemeint. Es geht dabei um ein Teilen im allgemeinen Sinn. Luther übersetzt „Mitteilen“ mit „mit anderen zu teilen“. Das sollen wir nicht vergessen. Ein Lexikon verweist an dieser Stelle auf 1. Kor 10,16, wo die Rede von der Gemeinschaft am Tisch des HERRN die Rede ist. Am Tisch des HERRN teilt der HERR sein Leben mit uns und wir mit Ihm. Wir haben Gemeinschaft miteinander.

Das Wohltun und das Teilen von Gemeinschaft oder Gütern ist oft zeitintensiv und verlangt uns daher ein Opfer ab. Gott anerkennt das auch als Opfergabe.

Glückselig sind Sie, wenn Sie Ihr Leben mit anderen teilen. Damit tun Sie wohl. Wohltun und Mitteilen gehen zusammen. Dabei müssen es nicht ausschliesslich Krankenbesuche sein, die unter diese Begriffe fallen. Auch wenn Sie sich genügend Zeit für Kinder und ihre Bedürfnisse nehmen, teilen Sie Ihr Leben bereits mit anderen.

Vers 17

Gehorcht und fügt euch euren Führern! Denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch.   Hebr 13,17

Wir sollen denen gehorchen, die der HERR über uns setzt. Der HERR wendet, wie oft schon erwähnt, kein Gefüge mit hierarchischen Strukturen an, um die Gemeinden zu ordnen. In den Gemeinden soll es keine nach Rangfolge gegliederte Struktur geben, wie wir sie beispielsweise in der katholischen Kirche sehen. Die Gemeinde ordnet sich insgesamt dem HERRN unter. Dann gibt es gewisse Geschwister, die der HERR – nicht die Welt oder ein selbstgewähltes Auswahlverfahren – über andere seiner Knechte setzt. Dies tut der HERR aber nicht, damit sie über die Gemeinde herrschen; der HERR weist bewährte und dazu befähigte Geschwister vielmehr an, die anderen seiner Knechte zu speisen (Mt 24,45). Älteste in den Gemeinden sind Senioren im Glauben, bewährte, langjährige Christen, die im eigenen Leben wissen und erfahren haben, wo die Stolpersteine liegen und effektiv über Seelen wachen können. Älteste sind nicht in der Welt erfolgreiche junge Leute, die glauben, der weltliche Erfolg legitimiere sie für eine Leitungsfunktion in der Gemeinde Gottes. Es gibt viele von der Welt ausgezeichnete Personen, die in Gottes Augen den Abschaum der Welt und Auswurf des Bösen darstellen (Lk 16,15).

Wer jemandem, der diese sehr verantwortungsvolle Aufgabe vom HERRN erhalten hat, nicht gehorcht, erschwert dem Arbeiter des HERRN deren Erfüllung. Der Arbeiter des HERR fängt in der Folge an zu seufzen, kann in seinen Aufgaben ineffizient werden und verliert dazu die Freude an der Arbeit. Dass dies nicht nützlich für die zu speisenden Knechte ist, liegt offen auf der Hand.

Vers 18

Betet für uns! Denn wir sind überzeugt, dass wir ein gutes Gewissen haben, da wir in allem einen guten Wandel zu führen begehren.   Hebr 13,18

Die Aufforderung von des Schreibers dieses Briefes mochte unnötig wirken, schlussendlich war er ein begnadetes Gefäss des HERRN, von dem man meinen konnte, dass seine Gebete wirksamer waren als die der damaligen Zeitgenossen. Nichtsdestotrotz forderte er im Einklang der Schrift seine Weggefährten auf, den Priesterdienst wahrzunehmen und sich am gegenseitigen Geben und Nehmen zu beteiligen.

Im Weiteren sollten wir seine Einschätzung zur persönlichen Lage uns als Beispiel nehmen. Er beurteilt sich nicht als gut oder schlecht oder als lieb oder böse. Er schaut, ob ihn sein Gewissen anklagt oder nicht. Aufgrund unseres Fleisches können wir Gott nichts bringen. Aus uns selbst kommt nichts Gutes. Weiter könnten wir tun und machen was wir wollen, an die Tat Christi kämen wir nie heran; kein einziger Mensch schaffte bzw. schafft es, ohne Sünde zu leben und damit für andere stellvertretend zu sterben. Ob wir richtig oder falsch laufen liegt nicht an unseren Fähigkeiten, Ethik oder sonstigen „guten Werken“, über „Richtig“ oder „Falsch“ entscheiden wir mit Gehorsam oder Ungehorsam gegenüber dem Worte Christi. Wenn Christus uns auf den blauen Stuhl verweist, wir aber den gelben bevorzugen, sind wir widerspenstig und liegen falsch, wenn auch die beiden Stühle neutral sind. Wenn Christus uns auffordert, die übriggebliebenen 50 EUR der armen Nachbarsfamilie zu spenden, wir es aber bevorzugen, sie einem Hilfswerk zu überweisen, tun wir schlecht, wenn wir die Überweisung umsetzen. – Sehen Sie, was ich damit sagen will? – Es geht nicht um lieb oder schlecht, gut oder böse, es geht um den Gehorsam allein. Wer gehorcht, ist Gott wohlgefällig, wer nicht gehorcht und korrekten Wandel selber definiert, liegt in der Regel immer falsch.

Im HERRN geht es nicht um „tue Gutes und sprich darüber“ wie in der Welt. Gute Werke tun zu wollen ist die Grundmoral des Christen. Hinzu übt er sich im Gehorsam, das zu tun, was ihm der HERR aufträgt. Ein Arbeiter kann sich nicht damit zieren, dass er am Arbeitsplatz erscheint, er wird nur durch gute Arbeit, die nach dem Vorgabeplan ausgeführt ist, ausgezeichnet. Selbst wenn die Arbeit gut ist, aber nicht nach Plan ausgeführt wird, ist er ein schlechter Arbeiter, unnütz für das Geschäft, das ihn anstellt. – So müssen wir uns einschätzen! Gott reagiert oft über das Gewissen in uns. Wenn dieses sich meldet, wir es aber durch hohen Fleiss in „guten Werken“ ignorieren, schalten wir einen der wichtigsten Indikatoren aus, den wir eigentlich für die Beschilderung des rechten Weges benötigen.

Vers 19

Ich bitte <euch> aber um so mehr, dies zu tun, damit ich euch desto schneller wiedergegeben werde.   Hebr 13,19

Im Blick auf die Aufforderung an die Hebräer, für den Briefautor und seine Mitarbeiter zu beten, doppelt er mit diesem Vers nach. Er bittet sie um so mehr, dies zu tun, damit er ihnen schneller wiedergegeben wird.

Die Aufforderung des Autors kann für Ungeschulte etwas überheblich und eingebildet wirken. Unkundige denken vielleicht, er schätze sich zu wichtig ein. Ältere Geschwister wissen, dass dies nicht der Fall ist. Bewährte Christen und vor allem solche, die Gott persönlich empfiehlt und als Schreiber von Teilen der Heiligen Schrift erwählt, sind für junge oder noch unbewährte notwendige und sehr willkommene Stützen.

Die Erfahrung zeigt, dass Ungefestigte schnell vom Weg abkommen, wenn ein bewährter Vorläufer fehlt. Bevor Auszubildende sich auf den unsichtbaren Christus zu stützen beginnen, brauchen sie vielfach sichtbare Vorbilder, Personen, die ihnen vormachen, wie nach der Schrift zu leben ist. Nicht umsonst heisst es:

Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat.   1.Joh 4,20 

Wie kann jemand sagen, er sei bewährt, wenn er sich nicht gemäss einem bewährten Bruder verhält, den er sieht? Ein solcher wird sich nicht Gott gemäss verhalten, den er nicht sieht. Auch Joasch, der König von Juda, bewies mit seiner Geschichte, dass Vorbilder viel zum Guten beitragen. Als sein Ausbildner im HERRN, der Priester Jojada, starb, fiel er ab. Zu Lebzeiten Jojadas wandelte er dem HERRN wohlgefällig. Joasch versagte in der Eigenverantwortung. Seine Geschichte zeigt aber trotzdem den guten Einfluss von Vorbildern auf; selbst wenn es ihm nicht half. Zumindest litt das Volk nicht unter Ungerechtigkeiten, solange Joasch unter Jojadas Einfluss stand.

Ehren Sie Ihre Vorbilder und ahmen Sie diejenigen nach, die der HERR empfiehlt. Und lernen Sie aus der Geschichte des Joasch, dass auch Sie einmal auf eigenen Beinen in der Selbstverantwortung zu stehen haben. Jeder gibt am Ende persönlich Rechenschaft über sein Leben ab. Bei einem Versagen hilft vor dem HERRN ein Verweis zu ungünstigen Lebensumständen nichts. Jeder muss für sich selbst gerade stehen. Amen.

Vers 20

Der Gott des Friedens aber, der den grossen Hirten der Schafe aus den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes, unseren Herrn Jesus,   Hebr 13,20  

Die mit diesem Vers beginnende Aussage, ist erst mit dem nächsten vollständig. Betrachten wir an dieser Stelle vorerst nur diesen ersten Teil. Gott wird darin als Gott des Friedens bezeichnet und Jesus als den grossen Hirten der Schafe dargestellt, der für uns sein Blut vergoss. Diese Illustration zeigt Gott als ein sich völlig für seine Schöpfung hingebender Gott. Ein Charakterzug Gottes, der vom Teufel mit allen Mitteln zu verleugnen versucht wird. Der Teufel stellt den Gott der Schöpfung als ungerecht, diktatorisch, sehr hart und als an seinem Machwerk desinteressiert vor. Die Wahrheit über Gott ist aber diese: Gott ist äusserst gerecht, väterlich, mitfühlender als jede Kreatur und sehr interessiert an seinem Erschaffenen. Er ist an dessen Wohl so sehr interessiert, dass er als „Gott des Friedens“ dargestellt wird. Er duldet nicht, dass die Schöpfung durch Ungerechtigkeiten völlig ruiniert wird. Deshalb wird Er vor einer vollständigen Selbstzerstörung oder einem Niedergang durch böse Einflüsse einschreiten und dem argen Tun ein Ende setzen. Dies geschieht bald und ist schon lange angekündigt: Gott hat der Bosheit einen Endtermin gesetzt! Er ist „der Gott des Friedens“. – Dann ist Er aber auch der Gott, der sein Leben für die Schafe lässt (Joh 10,11.15). Christus liess sein Blut fliessen, um als „grosser Hirte“ seine „Schafe“ in den Frieden hinein zu retten. Gott wird seinem Namen als Gott des Friedens völlig gerecht im Gegensatz zu den Gutmenschen, die zur Wahrung ihrer Interessen glauben, auch mal ein bisschen ungerecht sein zu dürfen. Der Zweck soll den Gutmenschen die üblen Mittel heiligen. Da die Gutmenschen in diesem Vers aber nicht das Thema sind, will ich von dieser Gruppe wieder weg sehen und die schöne Aussage des Geistes damit nicht trüben. – Gott ist im Ganzen „der Gott des Friedens“, „der grosse Hirte“ und der „der sein Leben lässt für seine Schafe“. Er sei gelobt! Amen.

Vers 21

vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, indem er in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.   Hebr 13,21  

Der Gott, der an uns sehr interessiert ist und – entgegen der Suggestion des Teufels – alles für uns hingegeben hat, sogar seinen Sohn, „vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut, indem er in uns schafft, was ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit!“

Mit diesen Zeilen drückt Gott den Wunsch aus, dass Er durch Jesus Christus die Menschen zum Guten verändern will. Der Mensch verbessert sich nicht selbst im Blick auf das Reich. Jeder Mensch verbessert sich durch die Übung zwar in seiner Arbeit, doch kein Mensch kann von sich aus seine Natur ändern bzw. die gefallene durch die göttliche ersetzen. Das kann nur Gott durch das Werk Christi.

Wir sollen darauf bedacht sein, diesen Wunsch zu hegen und diesbezüglich unsere Glaubenstüre für Gott offen zu halten. Der Heilige Geist bezeugt in an dieser Stelle – wie an vielen anderen – dass sein Werk getan werden muss. Ein nicht umgewandelter Christ hat keinen Zutritt in die Freuden Gottes. Die gefallene Natur ist schlecht; wenn wir der neuen in uns die Gelegenheit zu wachsen nicht geben, werden wir das Reich nicht erben können. Wir bleiben zwar Kinder Gottes, sind aber nicht erbberechtigt. Wie Esau ein Kind von Isaak blieb, werden wir Kinder Gottes bleiben. Wie Esau sein Erbe verlor, werden wir es verlieren, wenn wir Gott die notwendigen Eingriffe verweigern.

Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, diesen Vers zu Herzen nehmen. Trachten wir wie der Schreiber dieses Briefes danach, dass uns Gott vollendet. Gott kann uns nicht vollenden, wenn wir unseren Willen vor den seinen stellen. Dann versperren die uns wichtigen Dinge den Zugang zu unseren Herzen. Dem Wirken des Heiligen Geistes wird dadurch gewehrt. Wir werden den Geist so betrüben (Eph 4,30) und nicht ans zu erreichende Ziel kommen (1. Kor 9,24b).

Vers 22

Ich bitte euch aber, Brüder, ertragt das Wort der Ermahnung! Denn ich habe euch ja kurz geschrieben.   Hebr 13,22

In diesem Vers sehen wir die Fürsorge und Zärtlichkeit des Heiligen Geistes gegenüber den Erwählten Gottes. Obschon die Anweisungen im Brief in absoluter Reinheit, Autorität und Souveränität erfolgen, bittet Jesu Geist die Brüder, das Wort der Ermahnung zu ertragen, schliesslich seien es ja nicht viele Worte, quasi nur eine Kurzfassung von dem, was Er dazu sagen könnte.

Wie Gegensätzlich ist doch der Umgang unseres herrlichen Königs gegenüber weltlichen Machthabern. Wenn letztere wichtige Gesetze verabschieden, bitten sie uns nicht, sie doch gefälligst einzuhalten und erklären sie dazu so ausführlich.

Der HERR möchte, dass wir seinen Einsatz und seine Hingabe für uns erkennen, damit unser Gehorsam von Herzen bzw. freiem Willen kommt. Er könnte seinen Willen mit Gewalt durchsetzen, das wäre kein Problem für den Allmächtigen. Doch Er will kein verängstigtes Volk, wie es solche unter weltlichen Tyrannen gibt.

Vers 23

Wisst, dass unser Bruder Timotheus freigelassen ist, mit dem ich euch sehen werde, wenn er bald kommt.    Hebr 13,23

Das ist eine Textpassage unter anderen, die vermuten lässt, dass dieser Brief auch von Paulus verfasst wurde. Dass Timotheus erwähnt wird, ein enger Mitarbeiter Paulus‘, legt diese Vermutung nahe. Andererseits ist auch zu erwähnen, dass Paulus der Apostel mit dem Auftrag für die Nationen – nicht für die Juden – war, was wiederum eine gegenteilige Ansicht zulässt.

Die Schlussfolgerung bei biblischen Büchern ist immer: Es spielt keine Rolle, wem Gott den Auftrag, es zu schreiben, übertragen hatte. Ist es vom Geist inspiriert, ist es mit dem göttlichen Siegel versehen.

Es gibt immer noch Menschen unter Gottes Volk, die diesbezüglich Unterschiede machen. Die einen legen „paulinische Schriften“ in eine Schublade und jene des beispielsweise Johannes oder Petrus in eine andere und unterscheiden sie im geistlichen Wert. – Solche Unterscheidungen sind böse und strikt zu unterlassen! Oder ist das Sprechen des HERRN hier ernst zu nehmen und dort nur eine Empfehlung? Das wäre eine sehr böse Unterscheidung, die eine Willkür im Gehorsam zulässt! Sie öffnet die Türen voll dem Eigendünkel bzw. dem Unglauben. Die Anweisungen Gottes, die einem nicht passen, schreibt man sodann dem Schreiber zu, der nur angebliche „Empfehlungen Gottes“ niedergeschrieben hat. Dies erklärt auch die Bewegungen der selbsternannten Gutmenschen innerhalb des Christentums, die beispielsweise den Korintherbrief ablehnen, in welchem Paulus an heute von der Welt nicht mehr anerkannten Regeln in Bezug auf die Stellung von Mann und Frau in der Gemeinde festhält. Selbsternannte Gutmenschen warten auf ein hartes Urteil des HERRN, da sie glauben gut zu sein, in der Verwerfung der Schrift aber in Wirklichkeit Ärgernisse für Gott und sein Volk sind (Mt 16,23).

Vers 25

Die Gnade sei mit euch allen!   Hebr 13,25 

Der Brief schliesst mit diesem Vers. – War es nicht die Gnade, die uns zu Christus geführt hat? War es nicht die Gnade, die uns bewahrt? Und ist es am Ende nicht die Gnade, die uns erben lässt? – Der Mensch soll sich nichts einbilden! Nackt kommt er auf diese Erde und ohne etwas mitzunehmen scheidet er wiederum von ihr. Es ist nicht des Menschen Verdienst, dass die Welt bewohnbar ist und es liegt nicht an ihm, dass die Sonne scheint. Gott schuf das alles. Der Eintritt der Sünde geht auf das Konto des Menschen und wiederum ist es Gott, der ihn durch seinen Sohn zurückgewinnt.

Wenn uns die Gnade Gottes nicht von allen Seiten umgibt, das wissen die Autoren der Schrift, steht es nicht gut um uns (Rö 1,7; 1. Kor 1,3; 2. Kor 1,2; Gal 1,3; Eph 1,2; Phil 1,2; Kol 1,2; 1. Thess 1,1; 2. Thess 1,2; usw.); wir sollen uns, wie erwähnt, gar nichts einbilden! Anzeichen von Stolz, auch nur die kleinsten, sind völlig fehl am Platz. Wer nur kurz in sich geht, wird schnell herausfinden, dass er Gott nichts geben kann, ausser von dem, das er selbst dargereicht bekommen hat (Joh 3,27).

Zum Schluss des Briefes wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch von dieser Gnade, soviel Sie bedürfen! Möge uns der HERR allen gnädig sein und uns alle in sein Reich hineinretten! Amen!