Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der Brief an die Römer

Einleitung

Der Brief hat das Evangelium, die gute Nachricht Gottes zum Thema. Paulus verfasste diesen Brief für die Christen in Rom. Der Römerbrief ist Gottes Botschaft an alle Menschen, den ganzen Erdkreis. Er stellt die christliche Lehre sehr schön dar. Er wird von Auslegern als die „vollkommenste Darstellung der christlichen Lehre“ betrachtet.

Ich empfehle jedem Menschen diesen Brief zu lesen – oder noch besser – zu studieren. Er behandelt die Grundlagen des Menschseins. Paulus offenbart darin unter vielem anderen, weshalb die Menschheit keine Entschuldigung für Atheismus und Gottlosigkeit hat, warum das Gesetz nicht gehalten werden konnte und wie sich der Christ zu verhalten hat, wenn er Gott gefallen möchte.

Kapitel 1

Verse 1–4

1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes,  
2 das er durch seine Propheten in heiligen Schriften vorher verheissen hat  
3 über seinen Sohn, der aus der Nachkommenschaft Davids gekommen ist dem Fleische nach  
4 <und> als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt dem Geiste der Heiligkeit nach auf Grund der Toten-Auferstehung: Jesus Christus, unseren Herrn. Röm 1, 1-4

Vers 1

Bei diesem Brief, wo die christliche Lehre so schön dargestellt wird, stellt sich der grosse Apostel als der Knecht Christi Jesu vor. Als Knecht Christi Jesu hält er die Lehre Jesu, seines Meisters, schriftlich fest. Wir werden das in den nachfolgenden Kapiteln sehr schön sehen, es sind Kapitel und Verse, die jedem Menschen, ob gläubig oder nicht, den Weg weisen.

Vers 2

Das Evangelium, was übersetzt „gute Nachricht“ heisst, wurde schon im Alten Testament verheissen. In einer bekannten Stelle im Propheten Jesaja ist die Rede von der Jungfrau, die schwanger und den Immanuel gebären wird. Diese und andere Stellen deuten auf die Jungfrauengeburt hin, durch die Jesus, der Retter der Welt, kommen sollte, was auch haargenau in Bethlehem in einem Stall eingetroffen ist. Die frohe Botschaft von Jesus, der stellvertretend für die Sünde der Menschen stirbt, wurde schon im Alten Testament angekündigt.

Vers 3

Paulus schreibt über den Sohn, den Sohn Gottes. Seiner menschlichen Abstammung nach stammt er von David ab, er stammt aus dem Geschlecht des Königs von Israel, er ist ein Königssohn. Das ist eine wichtige Eigenschaft, denn er wird nicht ohne Thron bleiben.

Vers 4

Christus ist nach dem Fleisch ein vollwertiger Mensch, er wurde durch die Jungfrau Maria geboren. Gott ist der Vater, so ist es wichtig zu wissen, dass Maria zur Zeit der Empfängnis Jungfrau war (Mt 1,22-25). Weil Gott der Vater ist, ist Christus auch Gott, daher nennt er sich Sohn Gottes (Mt 16,16; Mt 26,64). Durch diesen Heiligen Geist, durch den er gezeugt wurde, wurde er auch eingesetzt in die Position, die ihm zusteht. Ihm wurde der Name verliehen, der über jedem Namen ist (Phil 2,9).

Verse 5-8

5 Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen für seinen Namen zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen,  
6 unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi.  
7 Allen Geliebten Gottes, berufenen Heiligen in Rom: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!  
8 Aufs erste danke ich meinem Gott durch Jesus Christus euer aller wegen, dass euer Glaube verkündet wird in der ganzen Welt. Röm 1, 5-8

Vers 5

Paulus wurde durch Christus persönlich begnadigt und bevollmächtigt, sein Gesandter (Apostel) zu sein. Paulus’ Auftrag war, Menschen aus allen Nationen (Völkern) zu gewinnen, sie zum HERRN und zum Gehorsam ihm gegenüber zu bringen. Paulus hatte nicht die gleiche Berufung wie Petrus -, er war der Apostel der Nationen, Petrus war ein Gesandter für die Juden (Gal 2,7).

Vers 6

Die Christen in Rom, die hier von Paulus angeschrieben wurden, gehören zu den Berufenen Jesu Christi. Sie wurden durch den Glaubensgehorsam an Christus aus dem Machtbereich des Teufels in das Reich Gottes hineinversetzt (Kol 1,13).

Vers 7

Die durch Christus berufenen Heiligen sind auch geliebte Gottes, sein Zorn ist nicht mehr auf ihnen im Gegensatz zu den Ungläubigen (Joh 3,36). Auch werden „normale“ Christen als „Heilige“ bezeichnet, weil sie durch Jesus geheiligt werden (1. Kor 6,11). Wir sehen diese Bezeichnung für Christen auch an anderen Stellen in der Bibel (Rö 12,13; 15,25-26; 1. Kor 1,2; 1.Kor 6,1-2; Eph 1,15). Die aufgeführten Verse sind nicht abschliessend. Hier ist eine Korrektur für katholisch denkende Menschen vonnöten, denn nicht durch Menschen heilig gesprochene Menschen sind heilig, sondern Menschen, die durch Christus geheiligt werden.

Paulus wünscht ihnen genau das, was jeder Christ braucht: Gnade und Friede von Gott.

Vers 8

Die Christen in Rom waren vorbildliche Gläubige. Ihr Glaube wurde in der ganzen Welt verkündigt, so dass auch Paulus, welcher nicht vor Ort war, davon hörte. Diese Kunde veranlasste ihn, Gott durch Christus, welcher der Zugang ist, zu danken.

Verse 9-12

9 Denn Gott ist mein Zeuge, dem ich in meinem Geist an dem Evangelium seines Sohnes diene, wie unablässig ich euch erwähne  
10 allezeit in meinen Gebeten, indem ich flehe, ob ich nun endlich einmal durch den Willen Gottes so glücklich sein möchte, zu euch zu kommen.  
11 Denn mich verlangt sehr, euch zu sehen, damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu stärken,  
12 das heisst aber, um bei euch mitgetröstet zu werden, ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist, sowohl euren als meinen.  Röm 1,9-12

Verse 9-10


Paulus ist, wie beim Kommentar zum Vers 5, ein Gesandter Christi, er dient seiner frohen Botschaft. Er nennt Gott als sein Zeuge, dass er unablässig für die Gemeinde in Rom betet. Er äussert hier das ausdrückliche Verlangen, die Gemeinde in Rom besuchen zu dürfen.

Vers 11


Paulus war mit geistlichen Gnadengaben reich gesegnet. Er konnte nicht nur in fremden Sprachen reden (1. Kor 14,18), Kranke heilen (Apg 28,8), lehren (Paulusbriefe) und Gemeinden gründen. Ihm folgten die Zeichen, von denen Jesus im Markusevangelium (Mk 16,17) gesprochen hatte. Durch diese Zeichen wurde das gepredigte Wort stark unterstützt, so dass es den Menschen einfacher fiel an Gott zu glauben. An dieser Gnadengabe wollte Paulus die Römer teilhaben lassen, damit sie aufgebaut würden und Jesus Christus noch tiefer erkennen dürften (Eph 4, 11-13).

Vers 12


In diesem Vers spricht Paulus vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Er würde nicht nur als Geber kommen – die Gläubigen in Rom würden ihm durch ihren Glauben auch zum Trost werden, wie er auch ihnen durch den seinen.

Verse 13-15

13 Ich will aber nicht, dass euch unbekannt sei, Brüder, dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen - und bis jetzt verhindert worden bin -, damit ich auch unter euch einige Frucht haben möchte, wie auch unter den übrigen Nationen.  
14 Sowohl Griechen als auch Nichtgriechen, sowohl Weisen als auch Unverständigen bin ich ein Schuldner.  
15 Dementsprechend bin ich, soviel an mir ist, willig, auch euch, die ihr in Rom seid, das Evangelium zu verkündigen. Röm 1,13-15

Vers 13


Paulus schildert hier nochmals seine Sehnsucht nach der Gemeinde in Rom. Weiter schreibt er, dass er in Rom Frucht haben möchte, wie auch unter den übrigen Nationen. Die Ungläubigen unter den Nationen (Völkern) bringen keine Frucht vor Gott. Vielmehr häufen sie Sünde an Sünde (Rö 6,21). Die Früchte, die Paulus sucht, sind solche, welche die Heiligen (Christen) hervorbringen sollten, wie auch Bekehrungen durch die Verkündigung des Evangeliums. Doch, wie erwähnt, sollten die Heiligen Früchte hervorbringen (Mt 13,23; Lk 3,9; 12,47; Joh 15,2; 15,16). Das Wachstum dieser Früchte durch die Heiligen konnte und wollte Paulus unterstützen, indem er sie im Weg weiter unterwies. Auf diesem Weg entstand auch dieser vielsagende Brief an die Römer, in den er sehr viel Lehre packte. Die Christen sollten ihren Weg und ihren Auftrag kennen und nicht ins Ungewisse laufen oder kämpfen, wie einer, der in die Luft schlägt (1. Kor 9,26).
Liebe Leserin und lieber Leser! Bitte halten Sie an dieser Stelle kurz inne und denken Sie über Ihren Auftrag und den daraus resultierenden Früchten nach. Stimmt Ihr Leben mit dem göttlichen Auftrag überein? Ist Ihr Leben fruchtbringend? Bringen Sie die Tugenden durch Gottes Hilfe mit, die im Galaterbrief (5,22) aufgezählt werden?

Vers 14


Paulus bezeichnet sich als Schuldner gegenüber allen Völkerschichten, seien sie primitiv oder hoch gebildet, seien sie aus den Griechen oder anderen Völkern. Paulus’ Auftrag war klar definiert: Er war der Apostel (Gesandte) für die nichtjüdischen Völker (Rö 11,13). Er war ihr Schuldner, er hatte den Auftrag, sie zu unterweisen. Schlimm, wenn er diesem Auftrag nicht Folge geleistet hätte – er hätte den göttlichen Befehl missachtet. Dazu schreibt er: „Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte (1. Kor 9,16b).“
Jeder Christ hat einen göttlichen Auftrag (Joh 15,16). Sind Sie mit Jesus verknüpft und kennen Sie Ihren Auftrag? Sollten Sie ihn nicht kennen, bitte ich Sie eindringlich, Gott um Klarheit zu bitten und anschliessend den vorgelegten Weg zu gehen. Oder wollen Sie am Ende Ihres Lebens mit dem Vorwurf, ein fauler Knecht zu sein (Mt 25,26), konfrontiert werden?

Vers 15


Paulus hatte sich entschieden, Gott zu gehorchen. Er war willig, Gottes Auftrag zu erfüllen und nicht ein Knecht Gottes, der „Ja“ sagte und „Nein“ meinte (Mt 21,28-31).
Wir Christen sind für Gott erkauft und somit ihm Schuldner. Gott darf von uns Gehorsam verlangen, denn er hat uns erkauft durch das Blut seines Sohnes. Wer nun den Willen Gottes kennt, ihn aber nicht tut, wird am Ende härter bestraft wie jemand, der ihn nicht kannte. Doch bestraft werden beide, der erstere wegen direkter Rebellion, der zweite, weil er den Willen Gottes nicht gesucht hat (Lk 12,47). Dies mag hart tönen und wird vielerorts nicht mehr in Predigten erwähnt, ist jedoch Tatsache. Dazu möchte ich aber nicht unterlassen zu bemerken, dass der Dienst Jesu ein leichter ist. „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“, spricht der HERR. Die Arbeit, die der HERR uns aufträgt ist viel leichter als die Sklaverei der Sünde. Letztere findet ihr Gesicht in Ägypten, wo das Volk Israel unter der Sklaverei ächzte (2. Mo 2,24) und erdulden musste, dass ihre Kinder umgebracht wurden (2. Mo 1,22). Der HERR ist nicht so mit seinem Volk. Lesen wir dazu Psalm 23! Dazu eine kleine Passage: „Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern. Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen.“
Gott peitscht sein Volk nicht, wie der Pharao Ägyptens mit Israel verfuhr. Der wahre Gottesdienst ist keiner, der im Nervenzusammenbruch enden sollte (Hosea 11,4; Mt 11,30; 1. Joh 5,3). Fragen Sie den HERRN, liebe Leserin und lieber Leser, ob es der Wille des HERRN ist, wenn Sie nicht zur Ruhe kommen. Fleissige Dienerinnen und Diener können der Gefahr erliegen, über den Auftrag hinaus dienen zu wollen. Dies hat auch mit Eigenwillen und Ungehorsam zu tun. Ein Bauarbeiter soll eine zwei Meter hoch geplante Mauer nicht drei Meter hoch bauen, ansonsten wird der Bauherr nicht beeindruckt sein. Beachten wir auch die Stellen in der Bibel, die deutlich aufzeigen, dass der HERR Ruhezeiten für die Jünger bzw. sein Volk einplante (Ps 122,6; Pred 4,6; Jes 30,15; Mt 11,28-29; Mk 6,31; 1. Joh 3,19).

Verse 16-18

16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.  
17 Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben."  
18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten,  
Röm 1,16-18

Vers 16


Paulus schämt sich des Evangeliums nicht: „Es ist die Kraft Gottes zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“ Das Evangelium ist die einzige wirklich rettende Botschaft für den Menschen.
Die Sünde hat die Verbindung zu Gott aufgehoben (Jes 59,2). Der sündige Mensch (Ps 14,3) war ohne Aussicht auf Rettung, nur in furchtbarer Erwartung des Gerichtes Gottes – eines völlig gerechten Gottes, der parteilos und ohne Ansehen der Person richtet. Kein Mensch kann in Gerechtigkeit vor Gott stehen. Jede und jeder hätte das Urteil „Schuldig!“ erhalten, wenn nicht Gott selbst dem Menschen mit dem Evangelium entgegen gekommen wäre. Das Evangelium ermöglicht dem Menschen Unmögliches: Eine unverdiente Befreiung von Schuld und Sünde durch die Tat Jesu Christi am Kreuz.

Prediger des Evangeliums, wie Paulus einer war, rufen den Menschen zu: „Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst (Rö 10,8b-9).“

Nur durch das Wissen, dass Gott für den Menschen einen Rettungsplan hat, konnten die Söhne Korachs sagen: „Du hast vergeben die Ungerechtigkeit deines Volkes, alle ihre Sünde hast du zugedeckt (Ps 85,3).“ Der völlig gerechte Gott hätte die Menschheit insgesamt schuldig sprechen müssen, hätte nicht Jesus Christus die Sünde der Welt auf sich genommen (Jes 53,5). Weil das von jeher Gottes Plan war, konnten die Söhne Korachs in einem weiteren Psalm sagen: „Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst (Ps 85,11).“ Das Unmögliche geschieht für den Sünder: Die Gerechtigkeit, welche unseren Tod forderte (Rö 6,23), verträgt sich mit dem Frieden! Gelobt sei der HERR!

Dass Paulus an dieser Stelle schreibt, das Evangelium sei für den Juden zuerst, bedeutet, dass den Juden zuerst die gute Botschaft gepredigt wurde, ja noch mehr, dass das Heil aus den Juden kommt, denn Jesus war auch ein Jude (Mi 5,1; Mt 1,3). Doch es sollte nicht nur den Juden vorbehalten bleiben, auch die Griechen (alle nichtjüdischen Völker) sollten in den Genuss des Segens kommen (Apg 11,18).

Vers 17


Gottes Gerechtigkeit wird im Evangelium geoffenbart. Wie kommt sie zum Menschen? Kann der Mensch sie durch einen Glauben an sich selbst oder ein Selbstverbesserungsprogramm erlangen? Kann sich ein Mensch durch Atem- oder Körperübungen dem Ziel nähern? Nein! Diesbezüglich gilt einzig:

8 Und Gott, der Herzenskenner, gab ihnen Zeugnis, indem er ihnen den Heiligen Geist gab wie auch uns;  
9 und er machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, da er durch den Glauben ihre Herzen reinigte.   Apg 15,8-9

Petrus spricht hier von den Völkern (Nationen), die, wie Israel, durch den Glauben an Christus gereinigt werden. Christus ist die einzige Türe zu Gott (Joh 14,6). Die Gerechtigkeit Gottes kommt also durch den Glauben an Christus zum Menschen. Das Gott den Menschen durch Glauben rechtfertigt, wird uns schon im Alten Testament vorausgesagt (1. Mo 15,6; Hab 2,4).

Vers 18


Gottes Zorn, welcher jetzt noch grösstenteils zurückgehalten wird, wird offenbar werden. So, wie uns die Beispiele Sodom und Gomorra (1. Mo 19,24), die Sintflut (1. Mo 6,13) das Gericht über Teile oder die gesamte Erde zeigen, steht wieder ein Gericht mit Feuer über die ganze Erde an (Ps 21,10; 50,3; 97,3; Jes 66,15; 2. Thess 1,7-8; 2. Petr 3,7; Offb 9,18). Dieses Gericht wird real und furchtbar sein, es wird in einer Stärke kommen, die noch nie da war, auch nicht in einem der Weltkriege (Mt 24,21). Es wird sich nicht punktuell über die Erde ergiessen, sondern sich voll über die ganze Erde erstrecken (Apg 17,31; Offb 3,10).
Die Menschen sind alle Ungerecht gegenüber Gottes Gerechtigkeit (Ps14,3). Darüber hinaus halten sie die offenkundige Wahrheit Gottes (siehe Kommentar zu den nächsten beiden Versen) durch Ungerechtigkeit nieder. Obschon die Lehre der Schöpfung offenkundig ist, wird sie als Tatsache für die Entstehung der Erde in der Öffentlichkeit nicht mehr berücksichtigt und sehr oft geleugnet. Somit kumuliert die Menschheit das Böse durch ihre Ungerechtigkeit mit dem Leugnen der Wahrheit.

Verse 19-22

19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart.  
20 Denn sein unsichtbares <Wesen>, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien;  
21 weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde.  
22 Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden   Röm 1,19-22

Verse 19-20


Gott hat durch die Schöpfung sein unsichtbares Wesen, seine ewige Kraft sowie seine Göttlichkeit offenbart.

Stellen Sie sich vor, Sie wären alleine, ohne je einen Menschen zu sehen, im Urwald aufgewachsen. Dann kämen Sie mit vierzig Jahren, durch einen Zufall, mitten in der Nacht in eine Grossstadt und der erste Mensch, dem Sie begegneten, würde behaupten, er hätte die ganze Stadt alleine erbaut. Das würden Sie, obschon keine weiteren Menschen in Sichtweite wären, diesem Menschen nie und nimmer abnehmen, da sie in ihrem Alter und mit der entsprechenden Lebenserfahrung wüssten, dass nur schon eine Hütte im Urwald zu bauen viel Zeit in Anspruch nähme und dass ein einziger Mensch nicht in der Lage ist, nur schon einen einzigen Wolkenkratzer zu erbauen, geschweige denn eine ganze Grossstadt. Somit würden Sie diesem Menschen niemals Glauben schenken, da die Grossstadt, durch ihre Grösse, von vielen Menschen, die daran gearbeitet haben müssen, zeugt. Die Grossstadt zeugt also von der Arbeit von vielen Menschen, auch wenn nur ein einziger anwesend ist. Sie müssten in der Situation an die Existenz von vielen Menschen glauben, auch wenn Sie nur einen einzigen davon sichtbar vor sich hätten.
Genau so verhält es sich mit Gottes Schöpfung. Durch das Vorhanden sein der Erde, ihrer Vegetation und Beschaffenheit, dem Leben und überhaupt dem ganzen Universum, gibt es einen Gott, auch wenn er nicht sichtbar ist. Seine Werke zeugen von ihm und seiner Kraft.

Wer die Schöpfung und die Existenz Gottes leugnet betrügt sich selbst, denn Gott hat sich durchs Erschaffene dem Menschen offenbart. Amen.

Verse 21-22


Der Mensch kennt Gott durch die sichtbaren Produkte seiner Schöpfung. Doch anstelle sich seiner königlichen Autorität unterzuordnen und ihm zu danken entwickeln die Menschen eigene Theorien über die Entstehung der Erde. Wissenschaftler versuchen mit gewaltigen Hilfsmitteln den Ursprung der Menschheit zu erforschen und Philosophen dichten das ihre hinzu.
Leider lassen sich die Volksmassen gerne verführen und glauben an Märchen wie den Urknall und sonstige „Räubergeschichten“.
Theorien über die Entstehung der Erde und der Menschheit, die Gott ausblenden, sind in der letzten Zeit leider salonfähig geworden. Man verbreitet diese Irrlehren bedenkenlos auch in staatlichen Bildungsinstituten wie Schulen und Universitäten und erschwert so jungen Leuten, an den Schöpfergott zu glauben.

Solche, die sich für Weise halten und an einen Ursprung ohne Gott glauben, sind zu Narren geworden, weil die Theorien, die sie entwickeln und im Anschluss fest behaupten, schlicht und einfach falsch sind.

Verse 23-25

23 und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom vergänglichen Menschen und von Vögeln und von vierfüssigen und kriechenden Tieren.  
24 Darum hat Gott sie dahingegeben in den Begierden ihrer Herzen in <die> Unreinheit, ihre Leiber untereinander zu schänden,  
25 sie, welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen.   Röm 1,23-25

Vers 23

Die Menschen, die den Schöpfer-Gott leugnen, haben seine wahre Majestät und Schönheit zunichte gemacht, indem sie Gott in menschlichen oder sogar tierischen Abbildern darstellen. Denken wir nur mal an die vielen Statuen und Statuetten, die den allmächtigen Gott zeigen oder beinhalten sollten! So wird der Allmächtige täglich von Menschen auf die Stufe von unzulänglichen Geschöpfen, wie Personen, Vögel und kriechende Tiere erniedrigt. Es geht so weit, dass der Mensch mehr auf die Kraft von Steinen und toten Götzen (Jes 46,7; 57,13; Jer 18,15), die weder hören noch sprechen können, vertraut, als seine Hilfe bei Gott zu erwarten.


Solches Verhalten wird von Gott nicht gebilligt, da er sich durch seine Werke offenbart hat. Er will dass die Menschen ihn suchen (Ps 27,8) und nicht gottlos sterben (Hes 18,23).

Vers 24


Um diesen Vers zu verstehen, müssen wir wissen, dass erstens sich der gottlose Mensch selber Schaden zufügt (Spr 8,36) und nicht Gott und dass zweitens Gott die Wege des Menschen, des gottesfürchtigen (Ps 37,23; Spr 3,6) und des gottlosen (Spr 22,14; Jes 66,3-4), lenkt, auch wenn sie es nicht merken.

Hier geht es um Menschen, die den Schöpfer-Gott verachten oder ihn in einer total erniedrigenden Weise darstellen, deshalb beginnt dieser Vers mit dem Wort „darum“. Darum, aus diesem Grund, gibt Gott die Leute dahin, um das zu empfangen, was sie in ihren Herzen hegen: Unreinheit. Es geht nach dem Prinzip des Säens und Erntens. Was der Mensch sät, wird er ernten (Spr 22,8; 2. Kor 9,6; Gal 6,7), das ist ein Gesetz im Universum. Kein Wunder also, dass der Mensch Unheil für seine Gottlosigkeit oder Gotteslästerung erntet. So lässt Gott es zu, dass die Menschen beginnen, Unreinheit an ihren Leibern, die für ein reines Leben bestimmt wären (Rö 12,1), gegenseitig zu empfangen.

Es liegt auch auf der Hand, dass Gott, der jeden Menschen in Gerechtigkeit richtet, ihn nach dem Zustand seines Herzens lenkt. Jede Person wird so genau das vollbringen, was sie im Herzen trägt. Gott wird voll und ganz gerecht richten können, wenn er die Menschen nach ihren Taten beurteilt. Es wird nicht so sein, dass böse Menschen durch „glückliche Zufälle“ bzw. Lebensumstände wenig Böses und mehr Gutes getan haben, so dass sie Gott nicht gerecht richten könnte. Es wird auch nicht geschehen, dass beständig gottesfürchtige Menschen durch böse Lebensumstände ins Böse fallen werden. Gott beschützt die Seinen auf dem guten und sicheren Weg (Ps 91), wer abtrünnig ist, wird auf schlüpfrige Wege gestellt (Ps 73,18).

Vers 25


Dieser Vers verdeutlicht nochmals, was die Menschheit im Blick auf Gott vollbringt: Sie verwandelt die Wahrheit Gottes in Lüge und statt den Schöpfer zu verehren, betet sie die Schöpfung an. Der Sonne, dem Mond, den Sternzeichen, der Erde bis zum einzelnen Stein wird in weltlichen und oft auch in religiösen Kreisen mehr Beachtung geschenkt als Gott, der alle diese Dinge geschaffen hat.

Verse 26-27

26 Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,  
27 und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, indem sie Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.   Röm 1,26-27

Verse 26-27


Hier wird ein Thema angeschnitten, dass viele Diskussionen hervorgerufen hat, obwohl es durch die Klarheit, wie es geschrieben ist, gar nichts darüber zu diskutieren gibt: Gott lieferte den Menschen in seinem verdrehten Denken schändlichen Leidenschaften aus. Die Menschen empfangen an ihren eigenen Leibern Schande, indem sie sich lesbischem bzw. homosexuellem Verkehr hingeben. In anderen Worten ausgedrückt heisst das, dass in Gottes Augen Homosexualität und lesbische Praktiken ein Gräuel sind.

Die Weltmeinung ist diesbezüglich anders. Sie toleriert solche Praktiken voll und ganz und schert sich überhaupt nicht um den Willen des Schöpfers. Doch die Welt soll an dieser Stelle erfahren, dass solches Verhalten vor Gott nicht ohne Konsequenzen bleibt. Gottes Gericht wird nicht ausbleiben, wie es auch über die Stadt Sodom, in welcher Homosexualität öffentlich ausgelebt wurde (1. Mo 19,5), hereinbrach (1. Mo 19,24).

Noch wichtig zu erwähnen ist, dass Gottes Gericht über die ganze Welt hereinbrechen wird, nicht nur über homosexuelle bzw. lesbische Menschen. Alle Menschen haben gesündigt und Gottes Gesetz gebrochen (Rö 3,23). Der Zorn Gottes bleibt auf den Menschen, wenn sie Christus nicht aufnehmen (Joh 3,36) und nicht von ihren Wegen umkehren.

 

Verse 28-31

28 Und wie sie es nicht für gut fanden, Gott in der Erkenntnis festzuhalten, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht ziemt:  
29 erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke; Ohrenbläser,  
30 Verleumder, Gotteshasser, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, den Eltern Ungehorsame,  
31 Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige. Röm 1,28-31

Vers 28


Die von Gott inspirierte Schrift (2. Tim 3,16) drückt sich klar und deutlich aus. Haben Sie keine Furcht in der Verkündigung der Guten Nachricht, denn im Grunde genommen wissen alle Menschen im tiefsten Inneren, um was es geht.

Die Menschen fanden es nicht gut, Gott in der Erkenntnis festzuhalten. Obschon das Sichtbare Gottes offenbar ist, haben sie ihn verworfen. So hat sie Gott ihrem Sinn überlassen: wenn sie nach den eigenen Denken leben wollen, zieht sich Gott wie ein Gentleman zurück. Der Mensch hat den freien Willen zu tun und lassen, was er will. Gott möchte keine willenlose Roboter, die ihm dienen. Wer sich für Gott entschliessen möchte, soll das aus freiem Willen tun. Wer den bösen Weg beschliesst zu gehen – der Mensch ist frei in der Entscheidung – kann das tun. Letzterer wird tun, was sich nicht ziemt.

Verse 29-31


Vielleicht erschrecken Sie, liebe Leserin und lieber Leser, über diese ungeschminkte Aufzählung von bösen Eigenschaften und denken, dass Paulus hier übertreibt. Bedenken Sie jedoch, dass auch diese Schriftstelle inspiriert ist, denn alle Schrift ist von Gott, wie wir es auch im Kommentar zum Vers 28 sehen. Oder waren Sie nie ungerecht oder böse zu anderen Menschen? Waren Sie nie, gar nie in Ihrem ganzen Leben, etwas habsüchtig? Waren Sie nie schlecht zu jemandem? Erfüllte Sie nie Neid, wenn Sie sorglosen Personen begegneten, denen alles auf Anhieb gelang?

Lassen wir uns nichts vormachen! Was Paulus hier aufzählt sind die Produkte unseres irdischen Seins und Antriebes. Die Bibel nennt es „Fleisch“ (Rö 7,5). Das Fleisch bringt Fleischliches hervor. Eine weitere Aufzählung, die das Fleischliche beschreibt, finden wir im Matthäusevangelium (15,19). Dort zählt Jesus höchstpersönlich die Früchte der menschlichen Natur auf. Auch jene Aufzählung ist so vernichtend wie diese im Römerbrief. Beide Listen decken sich wiederum mit der Beurteilung des Menschen durch den allmächtigen Gott, der ihn erschaffen hat, im 1. Mo 6. Der Mensch bringt es fertig, im Blick auf Gottes Rechtsforderung, den ganzen Tag nur böse zu denken, wie geschrieben steht:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. 1.Mose 6,5

Ein sich selbst und seinen Gedanken überlassener Mensch bringt nur Böses hervor. Lassen wir uns da vom Humanismus nichts vormachen! Der Mensch ist nach Gottes Massstab zu beurteilen, nicht nach einem eigenen, denn Gott wird der Richter des Menschen sein. Jesus, Gottes Sohn, beurteilt den Menschen so:

Niemand ist gut, als nur einer, Gott. Lk 18,19b

Wie klar wird es aufgrund dieser Tatsachen, dass die Menschheit einen Retter braucht: Jesus Christus, der gepriesen ist in Ewigkeit! Amen.

Vers 32

Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, dass die, die so etwas tun, des Todes würdig sind, üben sie es nicht allein aus, sondern haben auch Wohlgefallen an denen, die es tun. Röm 1,32

Vers 32


Dieser Vers ist sehr beeindruckend. Das von Gott inspirierte Wort offenbart uns an dieser Stelle erneut, dass der Mensch grundsätzlich weiss, um was es geht. Der Mensch hat Kenntnis darüber, dass es eine „höhere Macht“, einen Gott, gibt. In diesem ersten Kapitel wird uns das sehr schön vor die Augen geführt. Im Vers 19 steht, dass der Mensch durch die Werke Gottes Kenntnis hat über ihn. Vers 21 zeigt nochmals auf, dass der Mensch Gott kennt. Weiter können wir im Vers 28 nachlesen, dass sich der Mensch von der Wahrheit abgewandt hat und somit die Wahrheit kannte. Schlussendlich zeugt dieser Vers wiederum vom Wissen der Menschen über Gottes Plan.

Zwischen den Versen 19 und 32 wird viermal erwähnt, dass der Mensch die Grundlagen über das Sein kennt. Er weiss, dass es einen Gott gibt, der von seinem Geschöpf Rechenschaft fordert. Diese Tatsache sollte eigentlich dem Menschen genügen, diesen Gott noch näher kennen lernen zu wollen. Doch anstatt Gott zu suchen, wendet sich der Mensch der Lüge zu und versucht mit allen Mitteln, Gott abzulehnen, indem er sich zu den Fabeln hinwendet.

Fürchten Sie sich nicht, liebe christliche Leserin und lieber christlicher Leser, das Evangelium zu verkünden! Lassen Sie sich dabei nicht auf unheilige Ablenkungsmanöver ein! Wenn Ihr Gegenüber über angeblich fehlende Beweise in ihrer Aussage spricht und deswegen quasi nicht an die Frohe Botschaft Gottes glauben kann, sollten Sie wissen, dass sie nicht weiter zu Argumentieren brauchen, weil Gott sich auch diesem Menschen durch die Schöpfung offenbart hat. Weiter hat er sein Gesetz allen Menschen ins Herz gegeben – sie erkennen, was gut und was böse ist. Schlussendlich wissen Sie durch diese Verse im Römerbrief auch, dass er von der Rechtsforderung Gottes Kenntnis hat.

Steigen Sie daher nicht in Diskussionen ein, die zu keinem Ende führen. Vom Thema wegführende Diskussionen werden von ablehnenden Menschen nur eröffnet, um von der Wahrheit abzulenken oder sich nicht damit auseinander setzen zu müssen. Sie brauchen nicht über den Urknall oder Darwin zu reden, denn das können weder Sie noch ihr Gegenüber bis ins Detail ausdiskutieren. Niemand von uns war bei der Entstehung der Erde dabei. Sie können sich aber zu 100% auf die Aussagen der Heiligen Schrift verlassen, weil bis heute jede prophetische Aussage eingetroffen ist und sie die einzige zuverlässige Quelle über das Verborgene (Lk 16,19-31) und noch Ausstehende (Offb 1,1) ist.

Seien Sie auch nicht erstaunt über die Tatsache, dass ablehnende Menschen sich miteinander solidarisieren und zusammentun. Dies Wahrheit wird uns auch in diesem Vers eröffnet: diese Menschen freuen sich, wenn sie auf Gleichgesinnte stossen. Je mehr Leute an die falschen Theorien glauben, desto eher würden sie der Wahrheit entsprechen, mögen diese Menschen denken. Was für eine furchtbare Haltung! Was für ein fataler Trugschluss! Die Lüge bleibt Lüge, auch wenn die ganze Welt daran glaubt.

Kapitel 2

Verse 1-4

1 Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe.  
2 Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, die so etwas tun.  
3 Denkst du aber dies, o Mensch, der du die richtest, die so etwas tun, und dasselbe verübst, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst?  
4 Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weisst nicht, dass die Güte Gottes dich zur Busse leitet? Röm 2,1-4

Vers 1

Jeder Mensch kommt zu kurz bei Gott. Die Messlatte Gottes ist für die menschliche Natur zu hoch. Wir sehen die Auswüchse dieser Natur im ersten Kapitel, den Versen 29-31. Ein hohes moralisches Niveau wird jedoch vorausgesetzt, um mit Gott in enge Verbindung zu treten (Mt 5, 20).

Vor Gott ist jeder natürliche Mensch schon verurteilt. Jener, der sich dabei noch über andere Menschen erhebt und Urteile abgibt, ist dazu nicht befugt, weil er im Halten der Moral Gottes selbst versagt. In diesem Zusammenhang ist ein Mensch, der richtet, nicht zu entschuldigen, wie hier geschrieben steht.

Vers 2


Gottes Gericht wird kommen (2. Petr 3,10). Es wird gerecht sein (Ps 9,9). Es wird mit Feuer kommen (2. Petr 3,7). Natürlich kommt es über alle dem Evangelium Ungehorsamen, es kommt der Wahrheit entsprechend. Die Bibel ist die Wahrheit und darin ist angekündigt, dass es über jene kommt, die nicht nach Gottes Willen handeln. Menschen, die ohne Gott nach dem eigenen Willen leben, führen unweigerlich auch die Begierde des Fleisches aus, die im ersten Kapitel, den Versen 29-31 beschrieben ist. Dass es gerecht ist, wenn jene gerichtet werden, ist offenbar (Eph 2,3; 5,6; Kol 3,6; Joh 3,36).

Vers 3


Es ist logisch, dass man unter Gericht kommt, wenn man andere verurteilt und selbst genau das tut, was man beim anderen bemängelt. Menschen, die solches tun, werden dem kommenden Gericht ganz bestimmt nicht entrinnen.

Vers 4


Es ist nicht unsere Entscheidung, wenn wir zu Gott kommen dürfen (Joh 15,16). Seine Güte und Langmut (2. Mo 34,6) sind es, die uns zu ihm ziehen und uns zur Einsicht bringen, Busse zu tun. Diese Einsicht ist sehr wichtig, denn ohne Busse gibt es keine Vergebung (Mt 13,15; Mk 4,12). Er wirkt also das Wollen und das Vollbringen, so dass sich kein einziger Mensch über die eigene Kraft rühmen kann, wie geschrieben steht:

Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Phil 2,13

Verse 5-8

5 Nach deiner Störrigkeit und deinem unbussfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,  
6 der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken:  
7 denen, die mit Ausdauer in gutem Werk Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, ewiges Leben;  
8 denen jedoch, die von Selbstsucht <bestimmt> und der Wahrheit ungehorsam sind, der Ungerechtigkeit aber gehorsam, Zorn und Grimm. Röm 2,5-8

Vers 5


Dieser Vers bezieht sich noch auf die Anrede im Vers 1 dieses Kapitels. Der Mensch allgemein ist angesprochen. Gottes Gericht ist unparteiisch. Für alle gilt derselbe Massstab. Der Mensch soll wissen, dass, wenn er sich störrisch gegen Gott stellt, er sich selbst Zorn aufhäuft. Mit „Tag des Zorns“ ist hier das kommende und sichtbare Gericht Gottes über die Welt gemeint (Jes 13,9; Zef 3,8).

Vers 6


Gott vergilt jedem nach seinen Werken, auch Christen. Wie das Gericht über die ungläubigen Völker ausfällt, sehen wir unter anderem deutlich im Gleichnis der Schafe und Böcke (Mt 25,31-46), jenes über die Christen beispielsweise im Matthäusevangelium (Mt 25,14-30), wie auch in anderen Schriftstellen der Bibel (1. Kor 3,12-15; 2. Kor 5,10; Rö 14,10). Die Auflistung der Stellen ist nicht abschliessend.
Bei den Nationen ist es ausschlaggebend, ob sie einem Christen geholfen haben und so indirekt eine Berührung mit Christus hatten. Niemand kommt an Christus vorbei. Bei den Christen wird die Umsetzung des Glaubensgebotes (Lk 18,8b) gewogen. Es werden die Werke gesucht, die den Glauben zeigen sollten (Tit 3,8; Jak 2,14).
Leider wird in vielen Gemeinden nicht mehr gelehrt, dass Christen auch gerichtet werden. So wird unter anderem der Lauheit Vorschub geleistet.

Verse 7-8


Der Mensch erntet, was er sät. Das ist ein Gesetz für den Menschen (Gal 6,7). Wer Unrecht sät, wird Unheil ernten (Spr 22,8), wer Barmherzigkeit sät, wird Barmherzigkeit empfangen (Mt 5,7). Vers 7 zeigt die positive, Vers 8 die negative Seite.

Verse 9-12

9 Bedrängnis und Angst über die Seele jedes Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst als auch des Griechen;  
10 Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.
11 Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.  
12 Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden Röm 2,9-12

Verse 9-10


Die Verse 9 und 10 zeigen in einer vertieften Form nochmals das, was die vorangegangenen beiden Verse aussagen. Wer Böses sät, wird Bedrängnis und Angst ernten, wer das Gute wirkt, wird Herrlichkeit, Ehre und Frieden ernten.

Der Heilige Geist lässt hier noch eine weitere Wahrheit durchblicken, indem er „dem Juden zuerst“ niederschreiben lässt. Der Allmächtige ist ein fürsorglicher Gott. Wie ein Vater kümmert er sich zuerst um die am nächsten stehenden Personen. Die Juden waren Gott am nächsten bis zum Zeitpunkt, wo sie die gute Botschaft verwarfen und Gott sich in der Folge an die Nationen wandte (Apg 13,46). Bei den Nächsten Gottes treffen Segnungen und Zurechtweisung als erstes ein, weil er sich um die Seinen kümmert.

Währenddessen das Volk Israel Gott am Nächsten war, wurde es zeitlich an erster Stelle, vor anderen Völkern, gesegnet oder gezüchtigt. Jetzt, wo Israel für eine gewisse Zeit beiseite gesetzt ist und die Gemeinde Christi das Volk Gottes repräsentiert, gilt der gleiche Grundsatz für die Gemeinde. Sie ist die erste Volksgruppe, die den Segen empfängt, jedoch auch an erster Stelle, wenn gerichtet wird (Eph 1,3; 1. Petr 4,17).

Vers 11


Dass Gott gerecht ist, braucht an dieser Stelle wohl nicht mehr speziell erwähnt zu werden (Joh 5,30). Dazu gehört natürlich auch eine Parteilosigkeit und Unvoreingenommenheit. Weder ein reicher noch armer, weder ein dicker noch dünner, weder ein junger noch alter Mensch hat einen Vorzug bei Gott. Im Gericht zählt weder die Herkunft, Rasse oder Hautfarbe etwas sondern wer den Willen Gottes getan hat (Mt 7,21).

Vers 12


Da sind die einen, die das mosaische Gesetz nicht kennen, Menschen, an die das Gesetz noch nie herangetragen wurde. Sie werden, wenn sie gesündigt haben, auch ohne Kenntnis bzw. Anwendung dieses Gesetzes verlorengehen. Die darauffolgenden Verse erklären uns warum. Dann sind da noch die anderen Menschen, denen das Gesetz gegeben wurde: Wenn sie Unrecht tun (sündigen), werden sie aufgrund dieses Gesetzes verurteilt werden.

Verse 13-16

13 - es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden.  
14 Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur dem Gesetz entsprechend handeln, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz.
15 Sie beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihr Gewissen mit Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen –
16 an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richtet nach meinem Evangelium durch Jesus Christus.   Röm 2,13-16

Vers 13


Äusserliche Religiosität und das Vorgeben von Glauben an Gott nützt dem Menschen nichts, wenn er sich nicht wirklich an den Willen des Vaters hält (Matth 7,21;1.Joh 4,20). Wirklicher Glauben zeigt sich in den Glaubenswerken. Glauben, dem keine Taten folgen, ist kein Glauben. Wenn ich behaupte, ich sei im Willen des Vaters, hasse jedoch meinen Bruder und lüge, dann betrüge ich mich selbst. Dem vorgegebenen Glauben folgen in diesem Fall die richtigen Werke nicht.

Verse 14-15


Viele Völker wurden nie mit dem Gesetz Gottes konfrontiert. Sie beweisen jedoch alle, dass Gottes Gesetz in die Herzen aller Menschen geschrieben ist. Das zeigt sich an der Stimme ihres Gewissens und daran, dass sich ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen.

Jeder Mensch weiss, dass beispielsweise Diebstahl, Lüge und Ehebruch Verbrechen darstellen. Diese Beispiele werden ausnahmslos im Gesetz Gottes erwähnt und sind Bestandteile desselben. Die Menschen wissen, dass es böse Dinge sind, auch wenn sie nie im Gesetz Gottes unterwiesen wurden.

Das Gewissen und die Gedanken klagen den Menschen an, wenn er Gesetzwidriges vor hat. Lässt sich dieser Mensch durchs Gewissen vom bösen Vorhaben abhalten, so hält er sich an Gottes Gesetz, wird ein Täter des Gesetzes und ist somit gerechtfertigt. Würgt er jedoch das Gewissen ab, schlägt auch die anklagenden Gedanken in den Wind und begeht die Übertretung trotz der doppelten Ermahnung, wird er mit Recht gerichtet am Ende der Tage.

Vers 16

All dies kommt zum Vorschein, wenn Gott am Gerichtstag das Innerste der Menschen aufdecken wird. Er wird nach der Frohen Botschaft – die Christus Jesus als Erlöser für jene, die an ihn glauben, darstellt – gerichtet werden. Das ist die Frohe Botschaft, die Paulus anvertraut wurde, zur Errettung aller Menschen, die daran glauben und danach tun.

Verse 17-20

17 Wenn du dich aber einen Juden nennst und dich auf das Gesetz stützt und dich Gottes rühmst  
18 und den Willen kennst und prüfst, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist,  
19 und getraust dich, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind,  
20 ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der Unmündigen, der die Verkörperung der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat: – Röm 2,17-20

Vers 17

Die Verse 17-29 sprechen zu den Juden. In diesem Vers geht es um jemanden, der sich Jude nennen kann. Die Juden könnten sich auf das Gesetz stützen, das ihnen gegeben wurde. Auch könnten sie sich Gottes rühmen, denn ihnen wurden die Aussprüche Gottes zuerst anvertraut. Sie sind Abrahams Nachkommenschaft, die nach der Verheissung durch Isaak und Jakob entstand. Sie wurden aus allen Nationen heraus erwählt, um Gottes Volk zu sein.

In diesem Abschnitt habe ich bewusst das Wort „könnten“ anstelle von „können“ benutzt. Wir werden nämlich später sehen, dass sich niemand rühmen kann, sei er ein Jude oder jemand aus den übrigen Nationen.

Vers 18


Die Juden sind, wie erwähnt, als erste mit dem Gesetz Gottes konfrontiert worden. Während andere Nationen ihren Götzen nachliefen, hatte das Volk Israel das grosse Vorrecht, Gottes Gesetz zu kennen, das ihnen durch Mose am Sinai gegeben wurde. Darin konnten sie Gottes Willen erkennen und sehen, worauf es ankommt.

Verse 19-20


Es ist naheliegend, dass ein Jude, der Vorrechte genoss und vom Willen Gottes Kenntnis hat, sich gerne als Lebensberater sieht. Immerhin weiss ein Lebensberater – er berät schliesslich Menschen in ihrem Wandel – wie sich der zu beratende Mensch verhalten sollte, damit er sein Leben meistern kann. Mit dem Gesetz hat ein Jude alles, was ein Mensch im Blick auf Gott zu wissen braucht, er hat „die Verkörperung der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz“ (V20). Da ist es nicht in weiter Ferne, dass er sich getraut solche zu leiten, die in seinen Augen „blind“, „töricht“ und „unmündig“ sind.

Verse 21-24

21 der du nun einen anderen lehrst, du lehrst dich selbst nicht? Der du predigst, man solle nicht stehlen, du stiehlst?  
22 Der du sagst, man solle nicht ehebrechen, du begehst Ehebruch? Der du die Götzenbilder für Greuel hältst, du begehst Tempelraub?  
23 Der du dich des Gesetzes rühmst, du verunehrst Gott durch die Übertretung des Gesetzes?  
24 Denn »der Name Gottes wird euretwegen unter den Nationen gelästert«, wie geschrieben steht. Röm 2,21-24

Verse 21-22


Wer aufgrund von Kenntnis des Gesetzes Gottes sich über andere stellt und sie lehrt, sollte wissen, dass die Forderung des Gesetzes auch gegen ihn gerichtet ist. Dieser Forderung kann aber niemand gerecht werden. Paulus spricht hier von einer Selbstverständlichkeit: Wer die Einhaltung des Gesetzes predigt, kann es selbst nicht halten, da es bisher kein Mensch geschafft hat und schaffen wird (Apg 15,10; Gal 3,11).

Vers 23


Es ist nicht richtig, wenn sich ein Mensch des Gesetzes rühmt, sei er ein Jude oder jemand, der sich ins Judentum integriert hat. Das Gesetz wurde nicht gegeben, um die Menschheit zu retten. Es taugt nicht dazu, obschon es gut ist (Rö 7,12). Nicht das Gesetz bringt uns in die Gemeinschaft Gottes, sondern die Tat Jesu am Kreuz allein. Dies wurde auch mit dem Zerreissen des Vorhangs im Tempel angedeutet (Mt 27,51). Erst durch Christi Tod, durch die Tat des Erlösers der Menschheit, öffnete sich der Weg zu Gott. Im Johannesevangelium offenbart sich auch deutlich, dass nur Christus der Weg zum Vater ist, nicht das Gesetz (Joh 14,6; Heb 6,19).

Vers 24


Der Name Gottes wird verlästert, wenn jemand von sich behauptet zum Volk Gottes zu gehören und dabei nicht gottesfürchtig lebt. Folgende Verse beweisen das: Tit 2,5; 2. Petr 2,2. Hingegen wird Gottes Name gepriesen, wenn sich das Volk Gottes so verhält, wie es sich geziemt: Mt 5,16; 15,31; 1. Petr 2,12.

Durch unseren Wandel können wir zu einem bestimmten Grad beeinflussen, ob Gottes Name verherrlicht oder verlästert wird. David gab durch seine schlimme Tat mit Batseba den Feinden Gottes Anlass zur Lästerung (2. Sam 12,14). Salomo gab hingegen einem Aussenstehenden, dem Hiram (König über Tyrus), durch seine Mitteilung Anlass zu Gotteslob (1. Kö 5,21).

Wie ein Vater durch gehorsame Kinder geehrt wird, ehren wir Gott, wenn wir seine Gebote befolgen. Befolgen wir sie nicht, entweihen wir seinen heiligen Namen, gleich wie schandbare Kinder die Eltern in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Israel wurde durch ihren Ungehorsam zum Sprichwort und Schmach unter den Nationen (Jer 24,9). So erging es dem Volk Gottes – Gottes Name, den sie trugen, wurde völlig entweiht, der Name Gottes wird ihretwegen gelästert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kenntnis des Gesetzes nicht dazu führen soll, anderen eine Last aufzulegen, die man selbst nicht tragen kann. Niemand konnte das Gesetz auf eine voll befriedigende Art erfüllen. Das zeigen nur schon die Pflichtopfer. Wenn es möglich wäre, Gott durch seinen Wandel voll und ganz zufriedenzustellen, bräuchte es keine unbedingt angeordneten Opfer. Doch der gerechte Gott hat im Wissen um unsere Unvollkommenheit Pflichtopfer bestimmt, damit der Mensch seine Sünde fortwährend bereinigen kann. Das Gesetz ist dazu da, die Sündhaftigkeit des Menschen und konsequenterweise die Notwendigkeit eines Retters aufzuzeigen. Kenner des Willens Gottes sollten anstelle von Lastenauflegen rufen: Tut Busse und bekehret euch zum Retter, Jesus Christus (Apg 3,19)!

Busse ist zu tun, weil das Gesetz dem Menschen aufzeigt, dass er Gottes Gesetz völlig übertritt. Zu Christus bekehren sollte sich der Mensch, weil er konsequenterweise ohne Retter oder stellvertretendem Opfer vor Gott nicht erscheinen kann.

Verse 25-27

25 Denn Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz befolgst; wenn du aber ein Gesetzesübertreter bist, so ist deine Beschneidung Unbeschnittenheit geworden.  
26 Wenn nun der Unbeschnittene die Rechtsforderungen des Gesetzes befolgt, wird nicht sein Unbeschnittensein für Beschneidung gerechnet werden  
27 und das Unbeschnittensein von Natur, das das Gesetz erfüllt, dich richten, der du mit Buchstaben und Beschneidung ein Gesetzesübertreter bist? Röm 2,25-27

Vers 25


Die Beschneidung nützt einem Juden nur etwas, wenn er das dazugehörende Gesetz befolgt. Wenn er sich beschneiden lässt, das Gesetz jedoch nicht hält, so ist es dasselbe, wie er sich nie hat beschneiden lassen. Er ist wie ein Heide, welcher sich nicht um Gottes Gebote kümmert.

Vers 26


Der Unbeschnittene (ein Mensch aus den Heidenvölkern, den Nationen), der sich an das Gesetz hält, wird wie jemand aus dem Volke Gottes (der Beschneidung) betrachtet. Das Halten der Gebote zählt etwas, nicht eine Abstammung allein. Das Halten der Gebote bringt uns in die richtige Familie und Abstammung.

Jeder Mensch, ganz gleich welcher Abstammung, wird errettet, wenn er an Gottes Plan glaubt und sich daran hält. Durch den Glauben wird der Mensch errettet (Eph 2,8). Beachten Sie an dieser Stelle bitte, dass echter Glaube Werke nach sich zieht. Wer sagt, er glaube, aber nicht danach handelt, dessen Glaube ist nicht echt (Jak 2, 14-17).

Vers 27


Ein von Natur aus Unbeschnittener, der das Gesetz hält, wird einen von Natur aus Beschnittenen (Juden), der das Gesetz nicht hält, richten. Gott wird nämlich ersteren rechtfertigen.

Verse 28-29

28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äusserlich ist, noch ist die äusserliche <Beschneidung> im Fleisch Beschneidung;  
29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung <ist die> des Herzens, im Geist, nicht im Buchstaben. Sein Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott. Röm 2,28-29

Verse 28-29


Die Juden – dieser Abschnitt ist für die Juden (V17) – sollen wissen, dass das, was einen echten Juden ausmacht, die innere Beschneidung ist. Die Beschneidung der Vorhaut allein wandelt das Herz eines Menschen nicht um. Ein böser Mensch wird nicht gut, wenn er sich an seiner Vorhaut beschneiden lässt. Der Charakter eines Menschen kann so nicht beeinflusst werden. Wenn sich aber ein Jude, wie auch ein ungläubiger Mensch, unter Gottes Gebote stellt, schneidet er die Auswüchse an seinem Herzen ab. Er stellt sich unter Gottes Willen und tut nicht mehr einfach das, was ihm in den Sinn kommt. Ein solcher Mensch wägt seine Gedanken sorgfältig ab und sondert die gottlosen unter ihnen aus. Er beginnt im Willen Gottes zu wandeln und fängt an ein den Menschen und Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Einem solchen Menschen wird Gottes Lob zuteil werden. Hingegen wird ein an der Vorhaut beschnittener Jude, der sich nicht unter Gottes Gebote stellt und auch nicht auf sein Gewissen achtet, nicht ungestraft davon kommen. Gott wird ihn zur Rechenschaft ziehen, weil er – trotz besseren Wissens – getan hat, was sich nicht ziemt.

Kapitel 3

Verse 1-4

1 Was ist nun der Vorzug des Juden oder was der Nutzen der Beschneidung?  
2 Viel in jeder Hinsicht. Denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden.  
3 Was denn? Wenn einige untreu waren, wird etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben?  
4 Das sei ferne! Vielmehr sei es so: Gott <ist> wahrhaftig, jeder Mensch aber Lügner, wie geschrieben steht: »Damit du gerechtfertigt werdest in deinen Worten und den Sieg davonträgst, wenn man mit dir rechtet.«   Röm 3,1-4

Vers 1


Nach diesem zweiten Kapitel drängt sich diese Frage auf. Wenn jemand aus den Nationen, der sein Herz beschneidet (sich durch das Gewissen zügeln lässt), auf gleicher Stufe vor Gott steht, wie ein Jude, der dasselbe tut, was ist denn der Vorzug eines Juden? Was nützt es denn jemandem, wenn er als Jude geboren wird?

Vers 2


Das Volk Israel hatte trotzdem Vorzüge, auch wenn sie, wie alle anderen Menschen, sich vor Gott demütigen müssen, wenn sie angenommen werden möchten. Gott hat sich diesem Volk zuerst näher geoffenbart. Neben der Schöpfung, die für alle sichtbar ist, hat er ihnen seine Aussprüche anvertraut: Er offenbarte ihnen seine Moral und den Weg der Hoffnung (siehe auch 5. Mo 4,7-8; Ps 147,19-20; Apg 7,38).

Verse 3-4


Sollte Gott nun seine Treue aufheben, weil die Menschen (Israel handelte nicht treu mit Gottes Gut, Jos 7,1; 1. Chr 9,1; usw.) mit dem anvertrauten Gut untreu waren? Nein, Gott tut das nicht, er bleibt dem Gesagten treu. – Neben dem Versagen des Menschen strahlt vielmehr seine Herrlichkeit noch stärker hervor.

Verse 5-8

5 Ist's aber so, dass unsre Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit ins Licht stellt, was sollen wir sagen? Ist Gott dann nicht ungerecht, wenn er zürnt? - Ich rede nach Menschenweise. -
6 Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten?
7 Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird zu seiner Ehre, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet werden?
8 Ist es etwa so, wie wir verlästert werden und einige behaupten, dass wir sagen:  Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme? Deren Verdammnis ist gerecht. Röm 3,5-8


Vers 5


Nun, wenn unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit noch heller erstrahlen lässt, ist es dann ungerecht, wenn Gott zürnt? Was meinen Sie dazu, liebe Leserin und lieber Leser? – Ganz sicher ist es nicht ungerecht, wenn er zürnt! Selbst wir alle haben ein natürliches Verlangen in uns, dass Ungerechtigkeit bestraft werden sollte und Gerechtigkeit nicht. Gott wird gerecht richten: Den Sünder, der die Sünde tun möchte, wird das Gericht treffen. Der Sünder jedoch, der nach Gerechtigkeit trachtet, wird Gerechtigkeit erlangen, weil er sich willentlich vom Bösen distanziert. Solcher Menschen wird Gott sich annehmen und sie durch seine Gnade in Christus völlig reinigen. Was sie niemals schaffen können, schafft Gott mit ihnen (Lk 18,27).

Vers 6


Wie könnte Gott die Welt richten, wenn er Ungerechtigkeit dulden würde! „Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Grundfeste“, steht im Psalm 89,15. Ein ungerechter König kann nicht bestehen, denn der Thron wird durch Gerechtigkeit festgemacht (Spr 16,12).

Verse 7-8


Im Vers 7 wiederholt Paulus die Frage aus dem Vers 5: Warum sollte ich als Sünder gerichtet werden, wenn die Wahrheit Gottes neben meinen Lügen noch besser hervorsticht? – Könnte es denn sein, dass es sich so verhält, wie es Paulus teilweise vorgeworfen wurde, dass ein eifriges Sündigen noch mehr Gutes hervorbringt?
So verdrehtes Zeug versuchte man Paulus vorzuwerfen! Wie kommt man zum Schluss, dass mehr Sünde tun, mehr Gutes hervorbringen sollte? Weil unsere Unvollkommenheit Gottes Vollkommenheit heller scheinen lässt? Sollte diese Tatsache die Sünde bzw. sündiges Tun fördern? Niemals! Wir wissen, dass Gott gerecht richten und Sünde gerichtet werden wird. Wie könnten wir uns denn der Sünde hingeben? – Paulus spricht hier eine ernste Sprache: Wer so verdreht denkt und handelt, wird gerechterweise verurteilt werden!

Verse 9-12

9 Was nun? Haben wir einen Vorzug? Durchaus nicht! Denn wir haben sowohl Juden als auch Griechen vorher beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde seien,  
10 wie geschrieben steht: "Da ist kein Gerechter, auch nicht einer;  
11 da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht.  
12 Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer."   Röm 3,9-12

Vers 9

Gegen Ende des zweiten Kapitels zeigt Paulus auf, dass jemand aus den Nationen, der Gott folgt, besser dran ist als ein gebürtiger und beschnittener Jude, welcher das Gesetz nicht achtet (Verse 28-29). Im Vers 2 dieses Kapitels gesteht er den Juden trotzdem Vorzüge ein. Und in diesem Vers wiederholt er wieder die Aussage, die Juden hätten keinen Vorzug vor Gott. Wie ist das zu verstehen, was ist damit gemeint?

Die Juden hatten einen Vorzug, weil Gott direkt mit ihnen gesprochen hatte. Sie kannten sein Gesetz. Gott handelte auch mit ihnen und zeigte ihnen seine Macht und Herrlichkeit. Sie waren sozusagen an vorderster Front. Vers zwei zielt auf diese Vorzüge. Doch im Blick auf den rechten Wandel vor Gott haben die Juden keinen Vorzug. Denn Gott achtet nicht auf äusserliche Dinge beim Menschen, sondern auf die inneren Werte. Wer ihm folgen will, ist ihm angenehm, ganz gleich aus welcher Rasse er stammt. Daher ist ihm jemand aus den Nationen, der seinen Willen tun will, lieber als einer aus Israel, der sein Wort verwirft.

Was lernen wir daraus? Hier wird einem aufs Deutlichste vor die Augen geführt, dass es bei Gott kein Ansehen der Person gibt. Der Professor hat neben einem Fabrikarbeiter keinen Vorzug bei Gott. Es zählt für beide das Tun des Willen Gottes. Gottes gerechte Richten schliesst mit ein, dass er den Geringen wegen seinem Geringsein nicht bevorzugen, wie er gleichwohl den gut ausgebildeten Menschen wegen seinem Wissen nicht voranstellen wird (3. Mo 19,15).

Vers 10

Vor Gott ist kein Mensch ohne Sünde (Gesetzesübertretung, Zielverfehlung) und Schuld (Ps 14,3).

Vers 11

Der Mensch ist sogar soweit gefallen, dass er sich nicht einmal bemüht, Gott zu suchen. Wäre das Gegenteil der Fall, hätte Jesus nicht gesagt, er habe uns erwählt (Joh 15,16), er hätte dann gesagt, dass zumindest einige ihn aus eigenem Antrieb erwählt hätten. Doch es verhält sich nicht so – der Mensch, der Christ werden darf, wird es durch das Ziehen Gottes: Gottes Güte ist es, die den Menschen zur Busse leitet, nicht der eigene Wille des Menschen (Rö 2,4).

Vers 12

Dieser Vers sagt aus, dass der natürliche Mensch für Gottes Reich untauglich ist. Auch wenn der Mensch Kathedralen, geschwungene Brücken und hohe Türme bauen kann: Für Gottes Reich ist er untauglich, einfach nicht zu gebrauchen.

Spätestens an diese Stelle sollte der Mensch sein ach so stolzes Haupt neigen. Die aufgedeckten Charakterzüge des Menschen sollten ihn zutiefst demütigen. Daneben sollte er eine tiefe Dankbarkeit gegenüber Gott empfinden, dass Gott ihn von seiner aussichtslosen Situation in eine nützliche, herrliche und siegreiche Ausgangslage bringen will.

Verse 13-16

13 "Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handelten sie trügerisch." "Otterngift ist unter ihren Lippen."  
14 "Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit."  
15 "Ihre Füsse sind schnell, Blut zu vergiessen;
16 Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, Röm 3,13-16

Vers 13

Mit diesem Vers beginnt eine Aufzählung, welche die Charakterzüge des natürlichen Menschen beschreibt. Sie zeigt unverblümt auf, was wirklich im Menschen ist. – Vielleicht mögen da Humanisten sagen, es handle sich hier um unrechtmässige Aussagen. Das Leben bestätigt jedoch deren Richtigkeit.

Wie oft handeln wir Menschen trügerisch mit unserer Zunge! Sogar David, der Mann Gottes, heuchelte im Tiefpunkt seines Lebens Gottesfurcht (2. Sam 12,5), nachdem er Gottes Gebot verworfen hatte (2. Sam 12,9). Mit der Zunge wird geheuchelt, gelogen, geprahlt und verwünscht – wer kann sagen, seine Zunge noch nie zum Bösen missbraucht zu haben? Welcher Mensch hat gar kein Otterngift unter seiner Zunge?

Vers 14

Sind wir mal ehrlich! Wer hat noch nie geflucht? Ich glaube dazu muss ich nichts weiter schreiben. Spätestens wenn uns was auf die Zehen fällt und es kurz heftig schmerzt – werden wir dann Loblieder singen?

Leider soll oft Gott in solchen oder ähnlichen Situationen die Schuld tragen. Mit den Fluchwörtern wird nicht selten auch der Name Gottes miteinbezogen und gelästert. So wird statt erquickendes nur bitteres Wasser ausgespeit.

Vers 15

Auch dieser Vers trifft leider voll auf den natürlichen Menschen zu, ob wir es glauben wollen oder nicht. Wenn es gesetzlich erlaubt würde, gewisse Menschen ohne Konsequenzen töten zu dürfen, wird der Mensch schnell zur Bestie, auch der brave Buchhalter von nebenan. Die Geschichte zeigt es uns auf, wenn wir es nicht wahrhaben wollen. Brave deutsche Bürger wurden zum wahllosen Morden ausserhalb des Kriegsgeschehens fähig, als die Juden von der damaligen Obrigkeit zu Freiwild erklärt wurden. Viele schalteten da das Gewissen aus und töteten Menschen grundlos und ohne Gerichtsverfahren, die erstens nicht im Krieg mit Deutschland standen und zweitens keine todeswürdigen Vergehen begangen hatten. Dieses Beispiel aus dem Nationalsozialismus erwähne ich an dieser Stelle nur, weil es vielleicht das bekannteste in der deutschsprachigen Region ist und nicht, um speziell die Deutschen zu kritisieren. Die Menschen allgemein sind zu solchem fähig, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der Mensch ist fähig, jemanden für einen einzigen Euro zu töten. In Entwicklungsländern geschehen gar Morde wegen ein paar lausigen Cents.

Vers 16

Verwüstung und Elend sind die Folgen der Selbstsucht, Mordlust und Profitgier. Unternehmen werden finanziell ausgehöhlt, weil die Geldliebe der Manager unersättlich ist; Völker werden ermordet, weil die Machtgier der Regenten keine Grenzen kennt und so fort. Verwüstung und Elend ist auf den Wegen des Menschen. Um es kurz zu sagen: Aus der Sicht des vollkommenen Gottes ist jeder Mensch nur dazu fähig, sein erhabenes und menschenfreundliches Gesetz zu brechen. Die einen tun es auf subtile, nicht auf den ersten Blick erkennbare Weise, die anderen vollbringen es offensichtlich.

Dabei ist zu beachten, dass die kleinste Gesetzesübertretung eine Verwerfung seines Wortes darstellt. Nicht nur Schwerverbrecher sind Gesetzesübertreter. Wir alle, alle natürlichen Menschen, haben Gottes Gesetze mehrfach gebrochen, auch wenn wir daneben viele gute Projekte im Herzen hegen. Letztere machen das Erstere nicht ungeschehen. Machen Sie sich bitte nichts vor, liebe Leserinnen und liebe Leser!

Verse 17-18

17 und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt."  
18 "Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen." Röm 3,17-18

Vers 17

Kein natürlicher Mensch läuft auf dem Weg des Friedens. Auch wir Christen gingen nicht diesen Weg, denn nicht hat uns Gott aufgrund eines guten Wandels erwählt. Er hat uns aus Gnade erwählt. Dazu kommt, dass er uns gerufen hat, nicht wir ihn (Joh 15,16).

Vers 18

Wäre Furcht Gottes beim Menschen, würde er sich nicht täglich befleissigen, Gottes Gesetz zu übertreten. Es sind nicht nur einzelne Individuen, die das tun. Auch die Nationen verwerfen Gott in ihrer Gesamtheit. Es werden frisch und fröhlich gleichgeschlechtliche „Ehen“ bewilligt und Kinder im Mutterleib getötet. Und das alles völlig legal, obschon der HERR dagegen gesprochen hat (3. Mo 20,13; 4. Mo 35,30*).

*Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt auch bei ungeborenem Leben. Gott spricht am Tag der Zeugung von seinem Sohn (Ps 2,7; Apg 13,33; Heb 1,5; Heb 5,5). Er wurde nicht erst nach der Geburt sein Sohn. – Wehe, wer ungeborenes Leben antastet!

Verse 19-20

19 Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei.   20 Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz <kommt> Erkenntnis der Sünde.   Röm 3,19-20

Vers 19

Das Gesetz spricht zu den Juden. Folglich können sich die Juden nicht des Gesetzes rühmen, denn sie müssen einsehen, dass sie es in der Gesamtheit nicht halten können. Es gibt keinen, der nicht gefehlt hat. Somit wird auch der Mund der Juden verstopft – sie schaffen es genauso wenig aus eigener Kraft durch Gott gerecht gesprochen zu werden, wie es jene aus den Nationen nicht schaffen (Rö 1,18-22). Die ganze Welt ist dem Gericht verfallen.

Vers 20

Dies ist eine sehr wichtige Erkenntnis. Das Gesetz wurde eingeführt, um dem Menschen zu zeigen, was ihn ihm ist. Es offenbart der Menschheit, dass nichts Gutes im Menschen wohnt, genau wie es Christus gesagt hatte (Mk 7,20). Die Aussage der Bibel steht somit im Widerspruch mit der irrigen Meinung der Menschheit, dass im Menschen Gutes wohnen würde. Letzteres basiert auf einer Lüge. Und schliesslich wissen wir, dass der Teufel der Vater der Lüge ist und Gefallen daran hat, alles Göttliche zu verdrehen oder in Frage zu stellen.

Verse 21-24

21 Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten:  
22 Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben. Denn es ist kein Unterschied,  
23 denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes  
24 und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.   Röm 3,21-24

Vers 21

Dieser Vers war für mich nicht auf Anhieb verständlich. „Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.“ – Was ist das für eine Gerechtigkeit? Wird Gottes Gerechtigkeit nicht Genüge getan, wenn man das Gesetz in allem hält? – Sicher, doch welcher Mensch kann das? Der Mensch ist nicht fähig, auch wenn er wollte, Gottes Gesetz zu halten.

Gott hätte der Geschichte der Menschheit ein Ende setzen können. Es war bewiesen, dass der Mensch vor Gott schuldig bleibt und gerichtet werden muss. Doch dies war nicht befriedigend für den Allmächtigen. Es musste somit eine andere Gerechtigkeit her und zwar eine solche, die nicht im Widerspruch zum Gesetz steht. Diese Gerechtigkeit finden die Gläubigen in Jesus Christus, sie steht nicht im Widerspruch zum Gesetz und den Propheten.

Verse 22-24

Die Gerechtigkeit durch Jesus Christus steht – wie erwähnt – nicht im Widerspruch zum Gesetz. Das Gesetz muss voll eingehalten werden, ansonsten bleibt die Rechtsforderung gegenüber dem Menschen bestehen. Daher musste wenigstens ein Mensch das Gesetz voll einhalten. Dieser Mensch, Jesus, kam durch die Jungfrauengeburt zur Welt. Er war ohne Sünde in seinem ganzen Leben und hatte folglich nicht für etwaige Sünden zu sterben brauchen. Er konnte es aber stellvertretend für unsere Sünden tun, was er auch auf Golgatha tat. Durch sein Werk können alle, die an ihn glauben, gerecht und frei gesprochen werden.

Das ist Gottes Gerechtigkeit, welche über die Anschläge des Teufels triumphiert! Nach menschlicher Sicht gab es keine Möglichkeit mehr, vor Gott zu bestehen. Der Mensch hat seit dem Sündenfall im Garten Eden und bis heute Gottes Ziele verfehlt und gesündigt. Der Lohn der Sünde ist der Tod (Rö 6,23), so steht es geschrieben und die Schrift kann nicht aufgelöst werden (Joh 10,35). Doch Gott vollbrachte ein Erlösungswerk in seinem Sohn, mit dem er alle seine Feinde öffentlich beschämte. Er öffnete seiner Schöpfung, welche auf ewig verloren war, eine Türe zu ihm in die Ewigkeit, ohne seine Gerechtigkeit anzutasten. Was für ein Werk! Was für eine Herrlichkeit!

Verse 25-28

25 Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden  
26 unter der Nachsicht Gottes; zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist.  
27 Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch was für ein Gesetz? Der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.  
28 Denn wir urteilen, dass <der> Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke.   Röm 3,25-28

Vers 25

Christus ist ein Ort der Sühne. Der Mensch wird durch ihn mit Gott ausgesöhnt. Gott konnte in der Vorzeit die Sünden hingehenlassen ohne seine Gerechtigkeit zu verletzen, da er wusste, dass ein Erlösungswerk vollbracht und damit seiner Gerechtigkeit volle Genüge getan würde. Christus beweist, dass Gott gerecht ist. Er söhnt alle gottesfürchtigen Menschen der Vorzeit, der Gegenwart und der Zukunft aus, zumindest bis er wiederkommt.

Vers 26

Wie in der Erklärung zum Vers 25 schon erwähnt, beweist das Erlösungswerk Christi Gottes Gerechtigkeit. Gott ist gerecht und rechtfertigt den Menschen, der des Glaubens an Jesus ist. Wäre Gott nicht gerecht, hätte er Gesetzesbrecher, Sünder genannt, einfach so „gerecht“ sprechen können. Dies hätte ihm aber den Platz eines ungerechten Herrschers einnehmen lassen. – Wir wissen aber, der Allmächtige sei gelobt!, dass Gott sich in keinem Punkt besudelt. Er ist perfekt und lässt dadurch alle seine Feinde verstummen. Er ist der Einzige der es schafft, zu einhundert Prozent gerecht zu herrschen.
Bedenken wir hier eine Sache: Gottes Gerechtigkeit wurde nie geschmälert. Christus trug alle unsere Sünden. Wenn jemand mit Sünde sorglos umgeht, hat er nicht begriffen, was es kostete, die Sünde aus der Welt zu schaffen. Wir Christen sollten da besonders feinfühlig sein. Die Tatsache, dass wir als natürliche Menschen Gott nicht gefallen konnten, sollte uns nicht in eine Tatenlosigkeit führen, denn jetzt ist alles anders: Gott hat unsere alte Natur beendet und anerkennt sie nicht mehr (Rö 6,8). Wir müssen uns nicht mehr darauf konzentrieren, dass wir es nicht aus eigener Kraft geschafft haben, vor Gott gerecht zu werden. Was wir nicht vermochten, hat Christus für uns geschaffen. An uns ist es jetzt, im neu geschenkten Leben, das nicht sündigt (1. Joh 5,18), zu wandeln. Das sind wir unserem HERRN und Erlöser schuldig. So wird er verherrlicht. Wer jedoch am alten Leben hängt, es nicht verleugnet und weiter sündigt, zieht ein Gericht auf sich und wird nicht ungestraft davon kommen. Oder meint jemand, Gott lasse sich verspotten, indem er seinen Sohn opfert und uns rechtfertigt, damit wir weitermachen können, wie früher? Niemals!
Wenn Du, lieber Leser und liebe Leserin, erkennen musst, dass zwischen Dir und einem ungläubigen Menschen im Wandel kein Unterschied besteht, solltest Du Dich unbedingt im Lichte der Bibel prüfen! Denn für mutwillig begangene Sünden wird kein Schlachtopfer übrigbleiben (Heb 10,26), Du wirst bezahlen müssen, wenn Du reuelos gottlos lebst.

Vers 27

Es gibt im Heilsplan Gottes keinen Ruhm für den ach so stolzen Menschen. Gott ist es, der den Menschen, welcher in allem völlig versagt hat, gerettet hat. Obschon der Mensch im Zeitalter des Gesetzes über Jahrhunderte Zeit hatte, um Gott etwas zu beweisen, bewies er nur, dass er nicht einmal die geringste Forderung Gottes halten konnte. Das Gesetz des Glaubens ist für stolze Menschen sehr demütigend. Aufrichtige müssen anerkennen, dass sie ohne die Hilfe Christi verloren sind. Für bussfertige Herzen ist dieses Gesetz des Glaubens aber sehr kostbar.

Vers 28

Der Mensch wird durch den Glauben an den, der Gottes Rechtsforderung völlig erfüllt hat, gerettet. Wer an Christus glaubt, wird gerettet (Apg 16,31; Gal 2,16; Phil 3,9).

Verse 29-31

29 Oder ist <Gott> der Gott der Juden allein? Nicht auch der Nationen? Ja, auch der Nationen.  
30 Denn Gott ist einer. Er wird die Beschneidung aus Glauben und das Unbeschnittensein durch den Glauben rechtfertigen.  
31 Heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Sondern wir bestätigen das Gesetz.   Röm 3,29-31

Vers 29

Gott hat schon im Alten Testament bestätigt, dass er König über die ganze Erde ist. Die ganze Erde ist schuldig, ihm zu dienen (1. Chr 16,25; Jer 10,7; Mal 1,11).

Vers 30

Gott ist einer – es gibt rechtmässig keine anderen Götter neben ihm (2. Mo 20,3). Er wird die Juden (Beschneidung) aus Glauben rechtfertigen und das Unbeschnittensein (Nationen) durch den Glauben rechtfertigen. Niemand wird durch das Gesetz gerecht. Alle werden durch den Glauben gerettet, sowohl Juden als auch Menschen aus aller Welt (Nationen).

Vers 31

Das Gesetz wird durch den Glauben nicht aufgehoben. Das Gesetz bekam seine Rechtsforderung: Das Blut. Wir wissen, dass es ohne Blutvergiessen keine Vergebung gibt (Heb 9,22). Da wir nun gerechtfertigt worden sind, d.h. uns vergeben wurde, ohne dass unser Blut floss, musste es von einem Stellvertreter fliessen. Dieser Stellvertreter ist Christus, welcher sein Blut an unserer Statt am Kreuz vergoss. Nun ist die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt. Jeder, der nun an Christus glaubt, ist verwachsen mit seinem Tod, seine alte Natur ist mitgekreuzigt und somit beendet (Rö 6,6). Doch der Gläubige ist nicht nur das, denn wenn er völlig mit Christus eins gemacht ist, ist er auch in Neuheit des Lebens auferstanden. Uns ist das neue, geistliche Leben geschenkt worden, auf welches das Gesetz keinen Anspruch hat, da es nicht sündigt (1. Joh 3,6).
Das Gesetz wurde in keiner Weise aufgehoben, vielmehr bestätigt. Überhaupt wird es nicht aufgehoben (Mk 13,31; Lk 16,17). Doch die Beziehung der Christusgläubigen zum Gesetz wurde verändert. Als sie ohne Christus wandelten, hatten sie die Rechtsforderung des Gesetzes gegen sich gerichtet. Sie sahen sich mit einem gewaltigen Schuldschein konfrontiert. In Christus hat sich das geändert: Der alte Mensch, der mit dem Schuldschein konfrontiert war (Kol 2,14), starb mit Christus am Kreuz. Es entstand ein neuer Mensch, dessen Natur in keiner Beziehung zum Gesetz steht (Rö 7,6).

Kapitel 4

Verse 1-3

1 Was wollen wir denn sagen, dass Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, gefunden habe?  
2 Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen, aber nicht vor Gott.  
3 Denn was sagt die Schrift? "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet."   Röm 4,1-3

Vers 1

Anhand des Beispiels, welches uns Abraham abgibt, untermauert Paulus die Wahrheiten aus dem 3. Kapitel nochmals und veranschaulicht sie sehr schön. Durch dieses Beispiel wird nochmals sehr deutlich, dass Gott durch den Glauben rechtfertigt, nicht durch Werke.

Paulus fragt in diesem ersten Vers: „Was hat Abraham erlangt?“

Vers 2

Abraham hätte etwas zum Rühmen, wenn er aus Werken gerechtfertigt worden wäre, doch wie gesagt, nicht vor Gott. Denn, wie wir aus dem letzten Kapitel (Vers 23) wissen, haben alle gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes. Wie konnte er denn Stammvater werden und überdies ein Freund Gottes (Jak 2,23)?

Vers 3

Durch den Glauben! Das ist die Antwort auf obenstehende Frage. Abraham glaubte Gott und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet! Abraham wurde nicht durch eigene Leistung gerecht gesprochen, sondern durch den Glauben an Gott allein.

Verse 4-6

4 Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit.  
5 Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet,  
6 wie auch David die Seligpreisung des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet:   Röm 4,4-6

Vers 4

Was für Werke sind hier gemeint? – Gemeint sind Werke, die der Mensch tut, um rein vor Gott dastehen zu können. Werke, um die Rechtfertigung der höchsten Instanz des Universums zu erlangen.

Der Mensch, der solche Werke tun möchte, hat nichts aus der Geschichte gelernt. Die Vergangenheit Israels zeigt sehr deutlich auf, dass eine Rechtfertigung durch solche Werke nicht möglich ist, da keine Kraft im Menschen ist, sie zu tun. Genau aus diesem Grunde vollbrachte Gott das dem Menschen Unmögliche und bereitete ihm eine Rechtfertigung, die durch den einfachen Glauben an Christus zu erlangen ist.

Durch den Galaterbrief werden wir eindrücklich davor gewarnt, Werke, zu unserer Rechtfertigung vor Gott, zu tun (Gal 3,10-11). Wer nämlich das Gesetz Gottes durch die eigene Kraft einhalten möchte, ist schuldig, das ganze Gesetz zu halten. Der Lohn wird angerechnet nach Schuldigkeit. Der Mensch, der durch die Einhaltung des Gesetzes vor Gott gerecht werden will, ist – wie gesagt – schuldig, das ganze Gesetz in jedem Punkt zu halten. Versagt er in einem Punkt, bleibt er dessen Erfüllung schuldig und wird somit nicht gerecht gesprochen. Da ein Mensch nie perfekt sein kann, wie das gute Gesetz Gottes ist, kann er auch nie aus eigener Kraft soweit kommen, um gerecht gesprochen zu werden. Er bleibt Gott gegenüber immer etwas schuldig. – Somit ist ein Mensch, der nur mit dem Gesetz konfrontiert ist, für immer verloren und ohne Hoffnung. Das Gesetz zeigt ihm lediglich seine Ohnmacht auf (Rö 3,20).

Vers 5

Wer keine Werke zur eigenen Gerechtigkeit tut, sondern an Christus glaubt, der es dem Menschen möglich gemacht hat, durch den einfachen Glauben an ihn gerecht zu werden, wird gerecht gesprochen. Dies ist möglich, weil Christus alle Forderungen Gottes erfüllt hat und jeden, der an ihn glaubt, an seiner Gerechtigkeit teilhaben lässt.

Vers 6

Schon David, der zur Zeit des Alten Testaments lebte, erkannte, dass es ohne die Gnade Gottes unmöglich war, vor Gott bestehen zu können. Deshalb spricht er die Menschen glückselig, denen Gerechtigkeit ohne eigene Werke zugesprochen wird.

Verse 7-10

7 "Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind!
8 Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet!"  
9 <Bezieht sich> diese Seligpreisung nun auf die Beschneidung oder auch auf das Unbeschnittensein? Denn wir sagen, dass der Glaube dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist.  
10 Wie wurde er ihm denn zugerechnet? Als er beschnitten oder unbeschnitten war? Nicht in der Beschneidung, sondern in dem Unbeschnittensein. Röm 4,7-10

Verse 7-8

Es ist völlig klar, dass Menschen, welchen die Sünden vergeben sind, glücklich zu preisen sind. Was haben solche Wunderbares erfahren! Sie haben, trotz aussichtsloser Lage, doch noch eine Wendung im Leben bekommen. Solchen geht es wie Abraham und Sarah, welche zu alt waren um Kinder zu bekommen und trotzdem Eltern wurden. Sie haben, wie Abraham und Sarah, Gottes Macht zu ihrem Guten kennen lernen dürfen und können bestätigen, dass der Gott der Bibel ein guter Gott ist, welcher den Kraftlosen hilft (Rö 5,6) und die Gebeugten aufrichtet (Ps 146,8).

Vers 9

Paulus spricht hier immer noch von Abraham (siehe Verse 1-3), Abraham war, bis er 99 Jahre alt wurde, unbeschnitten. Danach liess er sich beschneiden.
Wurde Abraham nun in der Zeit, wo er unbeschnitten war, gerecht gesprochen oder während der Zeit seiner Beschnittenheit?

Vers 10

Mit Klarheit wissen wir, dass ihm die Gerechtigkeit zur Zeit der Unbeschnittenheit zugesprochen wurde (1. Mo 15,6), denn Gott sprach sie Abraham einige Jahre bevor sein Sohn Isaak zur Welt kam zu und er noch Abram hiess. In jener Zeit war noch nicht einmal Ismael geboren. Abraham beschnitt sich erst ein Jahr bevor Isaak zur Welt kam (1. Mo 17,24; 1. Mo 21,5), also lange nach Ismaels Geburt.

Paulus’ Beweisführung, dass die Gerechtigkeit durch den Glauben und nicht durch Werke kommt, ist anhand dieses Beispiels sehr schön dargelegt. Bevor Abraham Gott von sich etwas gab (sich beschneiden liess), erhielt er die Gerechtigkeit. Allein durch den Glauben an Gott. Hätte Abraham die Gerechtigkeit durch die Beschneidung (durch ein Werk Abrahams) erhalten, könnten wir nicht mehr sagen, man bekomme sie alleine durch den Glauben. Dann müsste man davon ausgehen, dass der Mensch zuerst etwas leisten muss, um vor Gott gerecht zu werden. Doch weil es in umgekehrter Reihenfolge ablief, können wir jetzt mit Gewissheit feststellen: Gott spricht den Menschen durch den Glauben allein gerecht und rettet ihn so unverdient vor der Strafe, die der Mensch sich durch die Sünden eingehandelt hat.

Verse 11-14

11 Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er unbeschnitten war, damit er Vater aller sei, die im Unbeschnittensein glauben, damit ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde; 
12 und Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fussspuren des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er unbeschnitten war.
13 Denn nicht durchs Gesetz wurde Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheissung zuteil, dass er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit. 
14 Wenn nämlich die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht und die Verheissung aufgehoben.  Röm 4,11-14

Vers 11

Die Beschneidung Abrahams ist ein Siegel seiner Gerechtigkeit. Sie ist nicht die Gerechtigkeit, auch hat er sie nicht durch die Beschneidung erlangt. Ein Siegel ist wie eine Bestätigung, ein Aufdruck, dass er die Gerechtigkeit erhalten hat. Durch die Beschneidung wurde besiegelt, dass Gott ihm die Gerechtigkeit durch den Glauben geschenkt hat. Abraham ist somit der Vater aller Glaubenden, wie auch der Vorfahre von Israel nach dem Fleisch.

Vers 12

Abraham ist – wie gesagt – auch der Vater jener, die von ihm in der Linie Isaaks abstammen, das ist Israel mit all seinen Stämmen. Weiter bestätigt dieser Vers nochmals die Aussage im Vers 11. Er ist der Vater aller, die im selben Glauben wandeln, wie ihn Abraham vor seiner Beschneidung hatte.

Vers 13

Vater wird genannt, wer Nachkommen hat. Hier wird von der Nachkommenschaft Abrahams gesprochen. Daher ist an dieser Stelle sehr wichtig, dass wir voll überzeugt sind, wer die Nachkommen Abrahams sind. Denn diese haben die Verheissung, die Welt zu erben. Die Antwort finden wir doppelt bestätigt in den Versen 11-12. Abraham ist der Vater von Israel nach dem Fleisch, sowie auch der Vater jener, die Gott Glauben schenken, wie er Gott glaubte. Das ist die Kirche Jesu, alle Gläubigen aus allen Nationen auf dieser Welt, die an das Werk Gottes glauben und Jesus Christus als Erretter annehmen. Amen.

Die Verheissung, die Welt zu erben, bekommen Abraham und seine Nachkommen, also Israel und die Kirche. Sie erhalten sie nicht, indem sie etwas von sich geben. Die Verheissung kommt nicht durch das Halten von Gesetzen, Selbstkasteiung, Kirchenbesuche, Spenden oder Ähnlichem. Sie kommt durch die Gerechtigkeit, welche nur durch den Glauben allein empfangen wird.

Vers 14

Dieser Vers bringt es nochmals auf den Punkt. Wer sagt, dass man durch das Halten von Gesetzen diese Gerechtigkeit erreicht, macht den Glauben zunichte und hebt die Verheissung somit auf, weil sie mit dem Glauben verknüpft ist.

Verse 15-18

15 Denn das Gesetz bewirkt Zorn; aber wo kein Gesetz ist, <da ist> auch keine Übertretung. 
16 Darum ist es aus Glauben, dass es nach Gnade <gehe>, damit die Verheissung der ganzen Nachkommenschaft sicher sei, nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist 
17 — wie geschrieben steht: »Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt« —, vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre; 
18 der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde, nach dem, was gesagt ist: »So soll deine Nachkommenschaft sein.«  Röm 4,15-18

Vers 15

Paulus schreibt an dieser Stelle, dass das Gesetz Zorn bewirkt. Wie ist das zu verstehen? Ist doch das Gesetz Gottes gut und gerecht (Rö 7,12)?

Das Gesetz weckte den Eigenwillen des Menschen – es deckte ihn auf. Es warf gleissendes Licht auf die Feindschaft des Menschen gegen Gott. Seit dem das Gesetz gegeben wurde, nahm die Übertretung der Gebote Gottes zu (Rö 5,20). Es beweist, dass der Mensch Gottes Gebote nicht halten will bzw. kann. Dies wiederum zieht seinen Zorn auf den Menschen. Der Mensch wird in seiner Unkenntnis Gott gegenüber vielleicht auch zornig, indem er sich einer unmöglich zu lösenden Aufgabe gegenüber stehen sieht.

Wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. Wenn niemand sagt, ich solle jenes tun und das andere lassen, habe ich keine Möglichkeit, eine Anweisung nicht zu halten. Ich habe keine Gelegenheit, ein Gebot zu brechen.

Wie könnte also die Verheissung aus dem Gesetz kommen? Das war völlig unmöglich! Zudem war das Gesetz zu jener Zeit noch gar nicht gegeben. – Wir sehen hier also immer deutlicher durch die Ausführungen des Paulus, welche durch den Heiligen Geist bewirkt wurden, dass die Verheissung niemals durch eigene Werke des Menschen (Halten des Gesetzes, Selbstverbesserungsprogramme, etc.) zu erlangen war bzw. ist.

Vers 16

Genau aus diesem Grunde ist es aus Glauben, die Verheissung zu erlangen. Es soll nach der Gnade gehen, der einzigen Möglichkeit für den Menschen, Gerechtigkeit zu erhalten. Die Verheissung soll nämlich der ganzen Nachkommenschaft sicher sein. – Ist das nicht eine wunderbare Aussage? – Sie soll ihr gewiss sein. Durch das Gesetz ist sie nämlich mehr als ungewiss, vielmehr völlig unmöglich zu erlangen. Doch durch die Gnade ist sie der Nachkommenschaft sicher. Wir, die Glaubenden und Nachkommen Abrahams sollen uns der Sache gewiss sein! Wer glaubt, der hat die Verheissung! Und zwar nicht auf Grund seiner Werke, sondern auf dem festen Grund des Werkes Gottes!

Diese Verheissung ist der ganzen Nachkommenschaft sicher, jener vom Gesetz (Israel) und jener vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist. Er ist der Vater, wir die Nachkommen und somit Miterben der Verheissung!

Vers 17

Abraham ist nicht nur der Vater Israels, wie einige meinen mögen, er ist, wie er mehrfach bestätigt wird, der Vater vieler Nationen.

Vers 18

Abraham glaubte in einer wunderbaren Weise. Nicht so, wie die Welt glaubt. In der Welt gibt es verschiedene Glaubensarten. Die einen glauben, was sie sehen und grenzen den Rest aus, welcher ihnen unmöglich erscheint. Andere glauben irrational. Sie glauben zwar an übernatürliche Dinge, jedoch nicht in der göttlichen Ordnung. Nennen wir das an dieser Stelle mal Aberglauben. Der Aberglaube lässt den Menschen an Irrtümer und Dinge glauben, welche ihm schaden oder zumindest nichts nützen. Abergläubige Menschen lassen sich zum Beispiel nicht operieren, auch wenn ein dringender Eingriff nötig wäre, weil sie an irgendeine Kraft glauben, die sie retten sollte. So schaden sie sich selbst und der Umwelt.

Abrahams Glaube hat nichts mit dem Glauben der Welt zu tun. Sein Glaube war echt, es war weder Aberglaube noch irgendein irrationaler (unvernünftiger, nicht erklärbarer) Glaube. Er glaubte, dass, obschon er fast 100 jährig war und seine Frau die Wechseljahre hinter sich hatte (=altersmässig unfruchtbar war, siehe 1. Mo 18,11), trotzdem noch an einen leiblichen Nachkommen. Dies tat er aufgrund des Versprechens Gottes (1. Mo 15,4). Sein Glaube ging über das hinaus, was der Mensch sehen kann und doch war sein Glaube nicht irrational. Denn er glaubte an die Aussage Gottes, dem alle Dinge möglich sind, auch wenn sie dem menschlichen Auge unmöglich erscheinen.

Liebe Leserin und lieber Leser! Halten Sie sich bitte an den Glauben Abrahams und nicht an jenen der Welt. Glauben Sie den göttlichen Zusagen, glauben Sie nicht mehr und nicht weniger. Es ist Aberglaube, wenn Sie glauben, nicht durch eine unangenehme Situation hindurch gehen zu müssen, aufgrund der Grundlage, Christ zu sein. Hat Ihnen Gott gesagt, Sie müssten dies oder jenes nicht durchmachen? Wenn nein, wäre der Glaube, nicht hindurchgehen zu müssen (Spitalaufenthalt, Jobverlust, Krankheit), schlicht Aberglaube. Hat Ihnen Gott aber zugesagt, Sie müssten nicht durchgehen, ist das etwas anderes. Dann glauben Sie auf eine Zusage Gottes hin. Und ein solcher Glaube wird niemals enttäuscht. Das ist der Glaube, von dem in Hebräer 11,1 die Rede ist.

Verse 19-22

19 Und nicht schwach im Glauben, sah er seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara 
20 und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheissung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. 
21 Und er war völlig gewiss, dass er, was er verheissen habe, auch zu tun vermöge. 
22 Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden.  Röm 4,19-22

Vers 19

Abraham war ein alter Mann von fast hundert Jahren. Sarah war zu der Tatsache, dass sie ihn ihrer Vollkraft bereits unfruchtbar war (1. Mo 16,1), nun auch altersmässig unfruchtbar. Diese drei Faktoren liessen jeden mit Sicherheit wissen, dass aus dieser Ehe keine Kinder mehr hervorgehen können, ausser es geschehe ein Wunder.

Vers 20

Doch Abraham liess durch diese Tatsachen nicht ab, zu glauben, weil Gott ihm Nachkommen versprochen hatte. Wie oben schon erwähnt, zeigte Abraham hier nicht einen Glauben, wie ihn die Welt offenbart. Er glaubte nicht nur an das Sichtbare, jedoch auch nicht an irgendeine Einbildung. Abraham glaubte der Aussage Gottes, dem alles möglich ist. Wenn Gott etwas verspricht, dann hält er es auch. Wer Gottes Aussprüchen glaubt, der ehrt Gott.

Liebe Leserin und lieber Leser! Machen Sie einen Unterschied zwischen echtem Glauben und Aberglauben. Leider gibt es deswegen nur allzu viele Konflikte in den Gemeinden! Oft wird beispielsweise einer notleidenden Person gesagt, sie müsse nur „glauben“, dann würde sich ihre Situation zum Guten wenden. Wenn dann in der Folge nichts geschieht, steht die notleidende Person da, als ob sie zu schwach im Glauben wäre, um etwas bewirken zu können. Solche Fälle habe ich schon oft beobachten können. Derartige Ratschläge nützen den Betreffenden nichts, auch wenn sie gut gemeint sind. Vielmehr verschlimmern sie die Situation. – Echter Glaube glaubt an Aussprüche Gottes. Aberglaube glaubt einfach irgendetwas. Ersterer wird nie enttäuscht, während letzterer nur betrügt. Wenn ich einem Christen sage, er solle nur glauben, dann muss ich ihm auch sagen, was er glauben soll. Wenn es ein Ausspruch Gottes ist, tut er gut daran zu glauben, wenn es aber nur ein Wunschgedanke ist, der vom HERRN nicht bestätigt ist, tut er gut, den Glauben daran zu unterlassen! Es ist fahrlässig, ja kriminell, wenn ich von mir aus einem krebskranken Christen sage, er müsse nur an die Heilung glauben, dann würde er gesund werden. Tritt sie dann nicht ein, was dann? Hatte er zuwenig Glauben? Nein, vielmehr war ich ein falscher Prophet!

Gott verspricht nicht jedem Christen ein sorgloses Leben. Die einen werden sogar getötet. Dies sagte der HERR beispielsweise dem Petrus für sein Leben voraus (Joh 21,18-19). Wie könnte man dann zu Petrus gehen, wenn es soweit ist und beispielsweise sagen: „Lieber Petrus, du bist nun im Gefängnis und erwartest die Todesstrafe. Habe keine Angst und glaube nur, dann wirst du befreit werden!“ – Was sollte Petrus denn jetzt glauben? Die eigenwillige Prophetie? Ist sie ein Ausspruch Gottes? Eine solche Aussage wäre voll gegen jene des HERRN, eigensinnig und Schlimmes anrichtend, sie wäre schlicht verbrecherisch! Wir dürfen mit der Hoffnung der anderen nicht so leichtsinnig umgehen!

Glauben Sie den Aussprüchen Gottes! Glauben Sie, dass Sie durch den Namen Jesu gerettet werden (Apg 16,31). Glauben Sie, dass sie beten sollen (Eph 6,18). Glauben sie an Verfolgung bei rechter Nachfolge (2. Tim 3,12). Vertrauen Sie diesen Aussprüchen Gottes! Glauben Sie aber nicht, wenn jemand kommt und ihnen aus seinem Selbst Heilung verspricht, auch nicht, wenn er Christ ist. Glauben Sie es nur, wenn er ein bestätigter Prophet ist (wie z.B. Agabus, Apg 11,28), denn was ein solcher sagt, trifft auch ein. Seien Sie bei allem anderen misstrauisch, ausser der HERR bestätigt es Ihnen selbst. Fragen Sie im Zweifelsfalle nach, wenn Sie aufgefordert werden, nur zu glauben, was Sie denn im konkreten Fall glauben sollen und ob es ein Ausspruch des HERRN ist oder Wunschdenken Ihrer Umgebung. Viele Gemeinden gingen schon pleite, weil sie glaubten, Gott wolle sie vergrössern. Sie bauten einfach in ihrem eigenen Wunschglauben grosse Gebäude ohne die feste Zusage des HERRN zu haben. Wo dann die Leute ausblieben, kam die Rechnung postwendend. – Dies ist nicht der Glaube, den Abraham hatte.

Glauben Sie wie Abraham! Abraham hatte eine Zusage Gottes. Die hielt er fest und ehrte Gott damit. Amen.

Vers 21

Wir können völlig sicher sein, dass das, was Gott verheisst, er auch zu tun vermag. Gott kann alles tun. Keine Sache ist ihm zu wunderbar (1. Mo 18,14). Da können wir ungeniert auf alles voll vertrauen! Es wird eintreten. Amen.

Vers 22

Die grosse Ehre, die Abraham Gott darbrachte, veranlasste Gott, ihm die Gerechtigkeit zuzusprechen. Was soll ich an dieser Stelle noch anfügen? Ist es nicht wunderbar? – Gewiss, mehr als das! Amen.

Verse 23-25

23 Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, dass es ihm zugerechnet worden ist, 
24 sondern auch unsertwegen, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, 
25 der unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist. Röm 4,23-25

Vers 23

Die Heiligen Schriften sind uns nicht zur Unterhaltung gegeben. Sie sind gegeben, um den Mensch den rechten Weg zu lehren (1. Tim 3,16). Darin offenbart sich auch Gott in seinem Wesen. Weiter gewährt sie uns einen Blick in die Zukunft. Wir finden darin den Weg des Menschen zu Gott und die Grundlage, Christus, der dies ermöglicht hat. In den Schriften können wir erkennen, wie sehr Gott seine Schöpfung liebt. – Anhand des konkreten Beispieles haben wir erkennen dürfen, was ein rechter Gottesglaube ist. Uns wurde darin auch erklärt, dass den Gläubigen, die wie Abraham Gott Glauben schenken, zu seinen Nachkommen gezählt werden und somit der Verheissung, die Welt zu erben, teilhaftig werden. Wir sehen also, dass die Geschichte Abrahams hier nicht nur seinetwegen niedergeschrieben ist.

Vers 24

Die Geschichte Abrahams ist demzufolge auch unseretwegen niedergeschrieben. Wir, die wir Gott Glauben schenken, sollen wissen, dass Gott uns zu Nachfahren Abrahams macht und demzufolge auch zu seinen Miterben. Diese Informationen sind sehr nützlich und erbauend für die gläubige Leserin und den gläubigen Leser. Eine so herrliche Zukunft vor Augen zu haben – wäre es nicht schade, nichts davon zu wissen? – Das ist wiederum ein Grund von vielen, weshalb es klug ist, die Bibel zu lesen und zu kennen.

Vers 25

Jesus Christus wurde durch Gott von den Toten auferweckt. Er wurde unserer Übertretungen wegen dahingegeben. Er trug unsere Schuld, damit wir frei ausgehen dürfen. Anschliessend ist er zum Zeichen unserer Rechtfertigung auferweckt worden. Seine Auferweckung drückt dem Erlösungswerk Gottes das Siegel auf. Unsere Sünden forderten den Tod. Jesus stellte sich als Stellvertreter zur Verfügung und erlitt ihn. Dadurch wurde die Rechtsforderung Gottes, welche seine Gerechtigkeit forderte, erfüllt. Dass sie vollständig befriedigt wurde, zeigt seine Auferstehung. Der verstorbene Sünder kann nicht von sich aus auferstehen, weil er seine Sünden nicht tilgen kann. So muss er im Tode bleiben, denn jede Sünde fordert den Tod (Rö 6,23). Christus musste jedoch nicht im Tode bleiben, weil er – wie bereits gesagt – die Rechtsforderung an alle Menschen vollständig und bis zum Äussersten befriedigt hat. Keine einzige Sünde ist zurückgeblieben. Christus hat alles erfüllt. Wir müssen nicht um unsere Errettung bangen und meinen, selber etwas dazusteuern zu müssen. So sicher Christus auferstanden ist, so sicher ist unsere Errettung!

Kapitel 5

Verse 1-2

1 Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus,  
2 durch den wir im Glauben auch Zugang erhalten haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns aufgrund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.   Röm 5,1-2

Vers 1

Auf den ungläubigen Menschen, Menschen, welche die Gerechtigkeit nicht erlangt haben, liegt Gottes Zorn (Joh 3,18; 3,36; 1. Thess 1,10). Das ist eine völlig normale Konsequenz. Nur kurzsichtige und unverständige Menschen leiten hieraus einen bösen Charakter ab und beschuldigen Gott damit völlig zu unrecht. – Blenden wir zurück: Gott schuf den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden. Der Mensch war nicht unter einem Fluch. Auch hatte er alles, was er zum Leben brauchte, sogar mehr als das. Kurz darauf begann der Mensch jedoch schon mit seiner Rebellion, indem er sich Gottes Anweisung widersetzte. Gott hätte ihn darauf mit Leichtigkeit vernichten können, doch er investierte seine ganze Kraft darein, dem Menschen, der sich von ihm abgewandt hat und unter gerechtes Gericht gekommen ist, nachzugehen. Schon im Garten Eden deutete Gott an, dass ein Stellvertreter anstelle des Sünders sterben wird, indem er mit Tierfellen die Nacktheit der beiden Menschen bedeckte (dabei mussten Tiere sterben, um den Mangel der Menschen auszufüllen, 1. Mo 3,21). Dies ist eine schattenhafte Andeutung auf Christus, der von Gott aus kommen wird, um die Unzulänglichkeit der Menschen auszugleichen.

Der Mensch, welcher seinen Verbrecherstatus (im Blick auf das gottgegebene Gesetz) bewusst behalten möchte, obschon Gott ein völlig unverdientes Erlösungswerk, das ihn seinen Sohn kostete, bereitgestellt hat, empfängt Gottes Zorn doppelt gerechtfertigt. Zum einen, weil er gegen Gott gesündigt hat und zum anderen, weil er die kostbare Errettung aus Gnaden verworfen hat. Solche Menschen werden völlig zu Recht keinen Frieden mit Gott finden. Weder zu Lebzeiten noch im Tode (Mt 25,46; Offb 20,12-15).

Wir jedoch, die wir Gott glauben und somit gerechtfertigt worden sind, haben Frieden mit Gott gefunden. Er zürnt uns nicht, weil Christus alle unsere Übertretungen abgewaschen hat! Was für eine Herrlichkeit! Wie ist unser Herr Jesus hoch zu loben!

Vers 2

Durch Jesus Christus haben wir den Zugang zu dieser Gnade erhalten, der Gnade, welche den Gläubigen umsonst rechtfertigt, obwohl er es keinesfalls verdient hat. Denn jeder Mensch hat gesündigt und verdient es nicht, umsonst gerechtfertigt zu werden. Deshalb ist hier von Gnade die Rede. Wir sind Begnadigte des HERRN. Jemand, der Gnade gefunden hat, hat etwas gefunden, auf das er kein Recht hatte, es zu bekommen. Da uns Gottes Gnade in Christus sicher ist, haben wir jetzt Grund, uns zu rühmen, weil wir die Hoffnung haben, in Gottes Herrlichkeit geführt zu werden.

Verse 3-5

3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt,  
4 das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung;  
5 die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.   Röm 5,3-5

Verse 3-4

Wir rühmen uns wegen der Hoffnung, in die Herrlichkeit zu gehen. Wir rühmen uns aber auch in Bedrängnissen. – „Weshalb denn das?“, mögen Sie sich jetzt vielleicht fragen, liebe Leserinnen und liebe Leser. Wer hat denn schon gerne Bedrängnisse? Wer hält denn gerne Trübsale aus? Wer hat Freude an Krisensituationen? Was gibt es da zu rühmen? – Niemand hat solche üblen Situationen gerne und nimmt sie freiwillig auf sich, ausser der oder die Betreffende weiss, dass sie sich auszahlen werden. Letzteres ist im Falle des aufrichtigen Christen so. Sie zahlen sich aus: Bedrängnis bewirkt Ausharren, das Ausharren wiederum Bewährung und die Bewährung schlussendlich Hoffnung.

Wir sehen, dass der Prozess mit den Bedrängnissen gute Dinge hervorbringt, nämlich Ausharren und Hoffnung. – Nun fragen wir uns vielleicht weiter, ob denn das nötig sei, Ausharren und Hoffnung zu haben. Gott kann ja sowieso alles richten, wieso müssen wir denn diese Fähigkeiten aufbringen können? – Weil ein Verwalter der Welt diese Eigenschaften benötigt. Gott möchte uns die Welt als Erbe geben (Rö 4,13). Gott wird uns als Richter über die Engel setzen (1. Kor 6,3). Wie könnte ein unbewährter Mensch eine solche Position bekleiden? Das ist völlig unmöglich!

Viele Christen tragen einen starken Glauben zur Schau, sind jedoch völlig unbewährt. Auch Petrus beteuerte, dass er mit Christus sterben wolle (Mt 26,33), als jedoch der Test kam verleugnete er ihn dreimal in Folge (Mt 26,70-74). Wie sollte nun ein unbewährter Christ die Erde verwalten und über Kreaturen Gottes richten? Schon bei kleinen Problemen würde ein solcher Mensch versagen! Die Geschichte erbringt den Beweis.

Es ist eine Ehre, die Ausbildung Gottes durchlaufen zu dürfen, um für die zukünftigen Aufgaben fähig gemacht zu werden. Deshalb kann der Apostel schreiben, dass er und seine Glaubensgenossen sich in Bedrängnissen rühmen. Er schreibt das nicht aus einer falschen Frömmigkeit, um in Leiden als Starker dazustehen. Er schreibt diese Dinge mit der geöffneten Sicht auf das Kommende. Ausharren und Hoffnung zu haben ist für den Christen wichtig. Und wenn wir darin geschult werden, so dürfen wir uns deswegen rühmen! Es wäre viel schlimmer, nicht geschult und anschliessend als untauglich befunden zu werden.

Vers 5

Hoffnungslose Menschen lassen sich schnell entmutigen. Die Hoffnung, welche diesem Prozess entspringt, lässt im Gegenzug den Hoffenden voll auf Gott vertrauen. Der Mensch wird mit einer starken Hoffnung nicht zuschanden – er gibt nicht auf. Gott wird unsere Hoffnung nicht enttäuschen, er hat uns seine Liebe durch den Geist in unsere Herzen gegossen. Wir dürfen sie, wie auch seinen guten Geist, jetzt schon besitzen.

Verse 6-9

6 Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben.  
7 Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen möchte vielleicht jemand auch zu sterben wagen.
8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.  
9 Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden.   Röm 5,6-9

Vers 6

Dieser Vers knüpft an den vorangegangenen Vers. Er beginnt mit dem Wort „denn“. Die Hoffnung auf Gott lässt tatsächlich niemanden zuschanden werden, der ihm bedingungslos vertraut. Gottes Liebe zum Menschen ist so stark, dass er solche, die sich voll auf ihn verlassen, ganz sicher nicht hängen lässt.

Was sagt dieser Vers aus? Christus starb zum Ersten für uns, wo wir die Kraft nicht haben aufbringen können, Gott zu gefallen. Christus starb zum Zweiten für uns, wo wir im Status von Verbrechern unterwegs waren! Genau das steht hier. Christus ist zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Auch wenn das hart tönen mag, es ist nicht übertrieben. Denn der Mensch hat von Anfang an gegen Gott rebelliert. Wenn er das eine Gesetz nicht gebrochen hat, hat er dafür das andere übertreten und sich somit beim gleichen Gesetzgeber schuldig gemacht, denn der, der gesagt hat, man solle nicht ehebrechen, hat auch gesagt, dass man das Lügen unterlassen soll (Jak 2,10-11).

Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wie sehr der Mensch von Gott geliebt wird? Sollen wir diese Liebe zurückweisen? – Ich möchte sie erwidern! Amen.

Vers 7

Es gibt edle Menschen, welche auch ihr Leben in Notsituationen für eine andere Person opfern würden, wie beispielsweise die Mutter für ihr Kind. Oder im Krieg es der Kamerad für den anderen tun würde. Doch welcher Mensch stirbt freiwillig für jemanden, der ihn im ganzen Tun und Leben fortwährend beleidigt, ihm flucht und ständig die Anweisungen übertritt?

Vers 8

Gott aber erweist uns seine Liebe darin, dass er für ebensolche Menschen, wie im Kommentar zu Vers 7 beschrieben, sein Leben lässt, um sie zu retten. Was für eine unbeschreibliche Liebe! Was für ein Ziehen zu seiner Schöpfung hin! – Wie kann man auf Grund dieser Tatsachen noch jemandem Glauben schenken, der schlecht von Gott redet? Gehen Sie solchen Menschen aus dem Weg! Amen.

Vers 9

Da Christus für die Gläubigen gestorben ist und alles ins Lot gebracht hat vor Gott, werden wir durch ihn vor dem voll gerechtfertigten Zorn, der über alle Übeltäter kommen wird, gerettet werden! Was für herrliche Aussichten! Was für eine überragende Hoffnung!

Verse 10-11

10 Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.  
11 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.   Röm 5,10-11

Vers 10

Stellen wir uns die Tatsache bildlich vor Augen, dass Gott uns aus der Stellung von Gesetzesübertretern – wir waren seine Feinde – genommen und gerechtfertigt hat! Wie leicht ist es dann zu verstehen, dass er uns als Versöhnte – wir sind jetzt anstelle von Feinden Familienangehörige – noch viel weiter bringen wird! Gottes Ziel für seine Kinder ist, dass sie seinem Sohn nicht nur in der Stellung der Rechtfertigung, sondern im ganzen Sein und Charakter gleich werden (Rö 8,29; 1. Joh 3,2). Christus wendet sein Leben jetzt auf, um sich weiter für die Seinen einzusetzen (Heb 7,25) und die Voraussetzungen für die Charakterformung immer bereitstehen.

Wir haben immer noch mit unserer alten Natur, die uns damals zu Feinden Gottes gemacht hat, zu kämpfen. Wir werden zwar nicht mehr danach beurteilt, sie ist durch Christi Werk beendet worden (Rö 6,8-14). Doch wir haben die Wahl, wem wir uns als Kinder Gottes zur Verfügung stellen wollen. Möchten wir den Vater beleidigen und nicht gemäss unserer erhabenen Stellung wandeln, dann haben wir noch die Möglichkeit, der Sünde zu dienen. Auf einem solchen bösen Weg würde unser Charakter aber nicht geformt werden. Auch würden wir sinnbildlich auf Christi Blut herumtrampeln, weil wir die Errettung gering schätzen würden, wenn wir in den alten Wegen wandelten (wir würden damit zeigen, dass die alten und bösen Wege gut waren in unseren Augen). So etwas sollte ferne von unseren Gedanken sein! Vielmehr sollen wir uns Gott zur Verfügung stellen (Rö 6,19; 2. Tim 2,15). Christus wird uns dabei helfen. Deshalb steht in diesem Vers, dass wir vielmehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden. Das heisst, dass es noch viel wahrscheinlicher ist, wo er uns doch schon geholfen hat, wo wir noch Feinde waren, dass er uns hilft, Christus ähnlicher zu werden und auf dem guten Weg zu wandeln, wo wir jetzt vor ihm gerechtfertigt sind und zur Familie gehören! Christus rettet uns jeden Tag vor dem Bösen, damit wir unseren Charakter Gott gemäss formen können. So wird unser ganzes Sein errettet, nicht nur der Geist und der Leib. Auch die Seele (Wille, Verstand und Gefühl) wird so errettet. Das ist das Ziel des Glaubens, das wir unbedingt anstreben sollen (1. Petr 1,9).

Lehnen Sie sich daher nicht zurück, liebe Leserin und lieber Leser! Haben Sie ein Ziel vor Augen! Die Rettung der Seele kommt nicht automatisch. Sie ist ein täglicher Lernprozess. Heute versagen Sie vielleicht, morgen machen Sie es besser. Bleiben Sie aber dran! – Wäre es nicht so, so würden wir nicht mehrfach aufgefordert werden, fleissig zu sein im christlichen Wandel und in Gottes Reich etwas beizutragen. Unser Beitrag hat dabei nichts mit dem Erlösungswerk Christi zu tun, jenes ist vollständig und es kann nichts hinzugefügt werden! Unser Beitrag hat mit uns selbst und mit der Beziehung zu Christus zu tun. Daher sind wir aufgefordert den guten Kampf zu kämpfen (1. Tim 6,12; Jud 1,3), auszuharren (Lk 21,19; Heb 10,36), den Lauf mit ganzer Kraft zu laufen (1. Kor 9,24), damit wir das Vollmass der Gaben Gottes erhalten dürfen (Mt 25,28-30; Lk 19,12-26; 1. Kor 3; 2. Joh 1,18).

Diese Aufforderungen der Bibel haben nichts mit dem vielerorts gelebten „Wohlfühlchristentum“ zu tun, welches mit der illegalen Ausrede gerechtfertigt wird, dass Christen sowieso nichts Gottes Werk hinzufügen können. Christi Erlösungswerk, welches das Sündenproblem ein für allemal erledigt hat, ja, vielmehr als das! – dazu können wir nichts hinzufügen! Doch wir sind aufgefordert heilig zu wandeln (1. Thess 4,3; Tit 1,8; Heb 12,14) und seiner Heiligkeit teilhaftig zu werden (Heb 12,10). Dies geschieht nicht einfach automatisch, wie viele meinen, da hat jeder seinen Beitrag zu leisten, in dem Mass, wie es von Gott jedem individuell abgemessen ist (Mt 25,15; Lk 12,48). Der HERR überfordert niemanden! Doch wir tragen Selbstverantwortung! Wir sollen uns nicht verkaufen, wie sich Ahab wegen seiner Lüste verkauft hat, indem er seine Verantwortung seiner Frau passiv abdelegierte (1. Kö 21). Amen.

Vers 11

Wir leben nicht nur mit dieser Gewissheit, dass Gott uns nun noch vielmehr retten wird, wir rühmen uns in Gott. Wir haben das Jesus zu verdanken, welcher uns mit ihm versöhnt hat.

Verse 12-13

12 Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben  
13 - denn bis zum Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist.   Röm 5,12-13

Vers 12

Beachten wir, dass dieser Vers mit dem Vers 17 verknüpft ist. Hier erklärt der Apostel, dass durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist. In Vers 17 offenbart er den Ausweg daraus, durch einen anderen Menschen. Die Sünde wird hier in Einzahl genannt. Sie ist die Quelle des Bösen, des schmutzigen Wassers, das daraus fliesst. Im Kapitel drei haben wir eindrücklich gesehen, wie dieses schmutzige Wasser ist und was es anrichtet. Es hat den Menschen total verdorben, so sehr, dass er unheilbar krank ist (Rö 3,14). Hier spricht der Apostel nicht vom Wasser, sondern der Quelle. Die Sünde als Quelle kam durch einen Menschen in die Welt. Mit ihr kam notgedrungen auch der Tod, weil alle von jener Zeit an „schmutziges Wasser“ haben aus sich fliessen lassen. Die Sünde (Einzahl, Quelle) bringt Sünden (Mehrzahl, schmutziges Wasser) hervor, die Übertretung zieht den Tod nach sich (Rö 6,23). Diese Quelle kam durch einen Menschen in die Welt: Adam, welcher als Haupt der Familie „Mensch“ seine Verantwortung, Gott zu gehorchen, missachtete. Schlussendlich haben alle Menschen gesündigt, weil der Sündenmotor (Quelle) in ihnen lief. Der Mensch liess seinen Einfluss auch wirken, indem er sich oft für die Übertretung entschied. Dies geschah bewusst, da kann sich niemand entschuldigen, weil der Mensch ein Gewissen hat (siehe Kommentar zu Rö 2,14-15). Das Gewissen ist von Gott. Es ermahnt den Menschen, wenn er Böses tun will. Trotz dieser guten Barriere sündigt der natürliche Mensch – und das nicht zu knapp! Daher ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen. – Der Mensch hat es nicht anders verdient.

Vers 13

Die Sünde war schon in der Welt, bevor es ein geschriebenes Gesetz gab, bzw. das Gesetz Moses. Sie wird nicht zugerechnet, wenn es kein Gesetz gibt, das etwas ge- oder verbietet. Denn ohne Leitplanken weiss der Mensch ja nicht, was gut oder böse ist. Somit kann er auch nicht gerichtet werden. Doch die Sünde war trotzdem da, denn der Mensch hatte anstelle des Gesetzes sein Gewissen, wie wir es im vorangehenden Kommentar lesen können. Dieses Gewissen wurde oft übergangen und somit die Übertretung vollzogen. Der Mensch wusste schon damals von der Sünde, und er hat sich bis heute nicht verändert. Daher gilt Rö 1,32 heute wie damals.

Verse 14-15

14 Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Mose selbst über die, welche nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams, der ein Bild des Zukünftigen ist.  
15 Mit der Übertretung ist es aber nicht so wie mit der Gnadengabe. Denn wenn durch des einen Übertretung die vielen gestorben sind, so ist viel mehr die Gnade Gottes und die Gabe in der Gnade des einen Menschen Jesus Christus gegen die vielen überreich geworden.   Röm 5,14-15

Vers 14

Daher (siehe Kommentar zu Vers 13) schreibt der Apostel, dass der Tod schon vor dem gegebenen Gesetz herrschte. Auch wenn die Nationen damals nicht in der Gleichheit Adams gesündigt hatten. Wie hat denn Adam gesündigt, wenn das Sündigen der Nationen nicht gleich demjenigen Adams war? Adam hatte im Gegensatz zu den Nationen ein Gesetz. Die Nationen hatten „nur“ ihr Gewissen. Adam hatte ein ausgesprochenes Gebot von Gott. Er wurde angewiesen, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen (1. Mo 2,17). Deshalb gibt es einen Unterschied zwischen der Übertretung Adams und derjenigen der Nationen.

Adam ist ein Bild des Zukünftigen, ein Bild Christi. So, wie er der erste Mensch ist, aus dem das Menschengeschlecht kommt, ist Christus der erste Mensch, aus dem das vollkommene Menschengeschlecht kommt. Dies wird auch im Korintherbrief erwähnt (1. Kor 15,45-49).

Vers 15

Die Übertretung ist in der Fülle nicht zu vergleichen mit der Gnadengabe. Die Übertretung des ersten Adam (Adam, der Mann Evas) hatte zur Folge, dass das nachfolgende Geschlecht sterblich wurde. Das ist allerhand und die Folgen sehr weitreichend. Trotzdem bietet die Gnade viel mehr. Die Gnade Gottes ist durch die Tat des letzten Adam (Jesus Christus) für den Menschen erfahrbar. Sie hebt nicht nur die Folgen der ersten Übertretung auf. Die Gnade macht zusätzlich die Geretteten zu Kindern Gottes, zu Menschen mit seiner Natur. Amen.

Verse 16-19

16 Und mit der Gabe ist es nicht so, wie <es> durch den einen <kam>, der sündigte. Denn das Urteil <führte> von einem zur Verdammnis, die Gnadengabe aber von vielen Übertretungen zur Gerechtigkeit.  
17 Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche den Überfluss der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
18 Wie es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur Verdammnis <kam>, so auch durch eine Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.  
19 Denn wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen <in die Stellung von> Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen <in die Stellung von> Gerechten versetzt werden.   Röm 5,16-19

Verse 16-17

Wie schon im Vers 15 erwähnt, ist es mit der Gnadengabe überhaupt nicht so, wie es sich mit der Übertretung verhält. Die Verfehlung des einzelnen (Adam) und das Gericht darüber führt zur Verdammnis für die vielen (das ganze Menschengeschlecht, die Nachkommen Adams). Die Gnadengabe durch Christus (die Gabe, die durch einen einzelnen ermöglicht wurde) löscht viele Übertretungen aus und führt zur Gerechtigkeit. Die Gnadengabe ist um ein vielfaches wirksamer als die Übertretung.

Die Übertretung zeigt (nur) einen logischen Prozess auf. Durch die Schwerkraft rollen beispielsweise die Steine vom Berg hinab und nicht hinauf. Das ist uns allen klar. Wenn wir also von jemandem mit einer sündigen Natur abstammen, ist es auch logisch, dass wir sie erben. Mit der Gnadengabe verhält es sich aber ganz anders. Die Gnadengabe zeigt ihre übernatürliche Wirksamkeit darin, dass sie – gegen eine Gesetzmässigkeit – Steine, welche am hinabrollen sind, hinaufrollen lässt. Sünder, welche für den Tod bestimmt waren, dürfen durch die Gnade – gegen den normalen Verlauf – gerechtfertigt werden und landen nicht im Tod (Tal, am Fusse des Berges), sondern dürfen wieder zum Berggipfel hinaufrollen, um Gemeinschaft mit dem HERRN zu haben. Was für eine Herrlichkeit!

Verse 18-19

Das hier beschriebene Thema ist etwas Zentrales im 5. Kapitel. Überhaupt zeigt uns Gott in diesem Kapitel viele wichtige und grundlegende Dinge auf. In den Versen 1-5 sehen wir, dass wir durch Christus Frieden mit Gott haben, wir für die künftigen Aufgaben ausgebildet werden müssen und die Ausbildung Bedrängnisse beinhaltet. Viele grundlegende Wahrheiten in wenigen Versen! In den folgenden Versen wird uns erklärt, dass die Liebe Gottes soweit ging, zumal Christus für uns starb, wo wir noch Feinde waren. Es wird uns auch viel Mut zugesprochen in Vers 9, welcher zeigt, dass wir nun noch viel mehr Aufmerksamkeit erhalten, wo wir jetzt in der Stellung von Gerechten sind. Anschliessend wendet der Heilige Geist ein halbes Kapitel auf, um aufzudecken, wie viel herrlicher und wirkungsvoller die Gnade Gottes im Vergleich zu Adams Tat ist. Das ist sehr bemerkenswert und nicht gering zu achten. Sehr wichtige Dinge in der Bibel werden mehrmals oder viel ausführlicher erwähnt als jene, die zur „normalen“ Bedeutsamkeit gehören. Dabei will ich erwähnen, dass es überhaupt keine unwichtigen Dinge in der Bibel gibt. Unterscheidungen zwischen „heilsnotwendig“ und „nicht heilsnotwendig“ sind böse. Dass das Leben, welches durch Christus kommt und die ganze Menschheit retten kann, ja, die ganze Schöpfung sogar darauf harrt (Rö 8,20-22), äusserst wichtig ist und darum genau entfaltet werden muss, leuchtet ein, liebe Leserinnen und Leser!

Demzufolge fährt der Apostel auch in diesen beiden Versen weiter mit der Erläuterung dieser Wahrheit: Durch den Ungehorsam eines Menschen (Adam) wurden viele in die Stellung von Sündern versetzt. Durch den Gehorsam eines Menschen (Christus) wurden viele in die Stellung von Gerechten versetzt. Halleluja!

Sehen Sie zwischen den Zeilen auch das Verhältnis zwischen Ungehorsam und Gehorsam? Was streben Sie an im Hause Gottes?

Verse 20-21

20 Das Gesetz aber kam daneben hinzu, damit die Übertretung zunehme. Wo aber die Sünde zugenommen hat, ist die Gnade überreich geworden,  
21 damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.   Röm 5,20-21

Vers 20

Was ist denn nun mit dem Gesetz? Wozu wurde es gegeben? Der Tod war ja schon vor der Gesetzgebung zum Menschen durchgedrungen und offenbarte die Tatsache bereits, dass der Mensch sündig war und sündigte. Der Mensch achtete bereits damals nicht auf sein mahnendes Gewissen, wie er es auch heute nicht tut. Wenn er schon auf sein eigenes Gewissen nicht hören möchte, wie sollte er dann auf ein Gesetz achten?

Dass der Mensch nicht auf sein Gewissen hört, ist offenbar durch die Sterblichkeit (nur wer sündigt muss sterben, Rö 6,23) und durch das direkte Wort der Bibel im Römer 1,18-21. Obschon der Mensch Gott kennt – Gott hat sich ihm offenbart -, kümmert er sich nicht um dessen Anspruch. Auch wenn der Mensch beteuert, Gottes Forderungen zu halten (2. Mo 19,8) tut er es doch nicht (Jes 5,24; Jer 6,19; Hos 4,6; uvam.)

Nun, da mögen wir vielleicht denken, dass der ach so stolze Mensch die Gebote Gottes dann halten würde, wenn ihm nur eine übernatürliche Person oder Erscheinung sie brächte. Nun gut, dieser Test kam. Gott selbst schrieb das Gesetz in steinerne Tafeln. Der Mensch sollte seine Chancen bekommen und sein Charakter musste vor ihm selbst im ganzen Spektrum offengelegt werden, damit er ohne Entschuldigung sei, wenn Gott ihn nach seiner Haltung fragt.

Gott liess sich soweit herab, eine bereits offenkundige Sache noch gründlicher zu klären, indem er das Gesetz „daneben“ hinzufügte. Das Gesetz veränderte zwischen Gott und dem Menschen nichts. Es machte den Menschen nicht besser. Es konnte ihn auch nicht auf eine höhere Stufe bringen. Es kam im Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen, wie erwähnt, daneben hinzu, als ein Instrument, welches hilft, den Zustand des Menschen Gott gegenüber in der ganzen Länge und Breite darzustellen.

Fassen wir zusammen:

Der Mensch sündigte von Anfang an. Es war nicht so sehr offenbar, weil er nicht gegen ein geschriebenes Gesetz verstiess, sondern „nur“ gegen sein Gewissen, welches er gegebenenfalls als „innere Selbstüberzeugung ohne Gewicht“ herunterspielen konnte.

Gott fügte anschliessend das Gesetz hinzu. Das hatte zur Folge, dass die Sündhaftigkeit des Menschen viel offenbarer wurde. Es deckte schonungslos auf, was im Menschen ist: Ein totales Unvermögen, Gott zu gefallen. Diese Tatsache wird ausführlich im Römerbrief, Kapitel 7 erläutert. Das Gesetz ist wie ein Röntgenapparat, welcher die Vermutung des Arztes am Patienten bestätigt und selbst dem Patienten durch das Röntgenbild jeden Zweifel nimmt. So bestätigt das Gesetz, dass ein Mensch überhaupt nicht fähig ist, gottesfürchtig zu leben. Wenn das Gesetz sagt, man solle nicht begehren, wacht die Begierde im Mensch auf und überwältigt ihn (Rö 7,7-11). Es deckt somit auf, dass im Menschen nichts Gutes wohnt (Rö 7,18). – Das Gesetz kam daneben hinzu und die Sünde steigerte sich.

Wenn wir nun erkannt haben, wie schlimm es um den Menschen steht, dass es keine Form der Selbsterlösung geben kann, dann müssen wir in tiefer Achtung und Bewunderung anerkennen, dass Gottes Gnade im Blick auf die Sünde und der daraus resultierenden abertausenden von Sünden überreich und ohne Mass ist! Was für eine herrliche Gnade, die uns da gegenübersteht! Danke Herr Jesus dafür!

Vers 21

Die Gnade ist überreich geworden, damit sie herrscht und über die unzähligen Sünden triumphiert. So kann sie, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, durch Gerechtigkeit herrschen zu ewigem Leben dank unseres HERRN! Amen.

Kapitel 6

Verse 1-2

1 Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunehme?  
2 Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie werden wir noch in ihr leben?   Röm 6,1-2

Vers 1

Der Apostel knüpft hier an die Vers 20-21 vom vorherigen Kapitel. Wenn die Gnade im Blick auf die vielen Sünden überreich geworden ist, sollten wir dann in der Sünde bleiben? Sollen wir eifrig weitersündigen, damit die Gnade noch grösser wird? – Auch wenn diese Frage fast absurd klingt, muss sie gestellt werden. Der Heilige Geist stellt niemals unnütze Fragen. Die Antwort darauf folgt im nächsten Vers.

Vers 2

„Das sei ferne!“ Das ist die Antwort auf die Frage, ob wir in der Sünde verharren sollen. Und weiter schreibt der Apostel: „Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie werden wir noch ich ihr leben?“ Es kann nicht sein, dass wir im alten Leben weiterleben, dem wir doch gestorben sind! Auch wenn dies sehr logisch tönen mag -, leider gibt es Christen, die das nicht in der Tiefe verstanden haben.

Die Verführung, welche die Christen lähmen will, ist sehr gross. Und sie fährt auf mindestens zwei Schienen, die des „geistlich untätig sein“ (zu Christi Werk kann sowieso nichts hinzugefügt werden) und jener des „resigniert sein“ (als schlechter Mensch habe ich sowieso keine Chance, gut zu leben). – Es ist bestimmt keine Zeitverschwendung, diese beiden Punkte kurz zu beleuchten.

Zu „geistlich untätig sein“:
In vielen christlichen Kreisen wird die Wahrheit, welche ich auch unterstütze, dass zu Christi Erlösungstat nichts hinzugefügt werden kann, weil sie vollständig und perfekt ist (siehe Kommentar zu Rö 5,10), so einseitig erwähnt, dass dem Zuhörer suggeriert wird, er könne gar keinen Platz mehr im Wirkungskreis des Reiches Gottes einnehmen. Christi Erlösungswerk ist vollständig und es kann gar nicht gross genug dargestellt werden. Doch es ist nicht zulässig, damit andere Wahrheiten auszuschalten bzw. sie zu verdrängen. Neben dieser wunderbaren Wahrheit über Christi Werk steht auch jene, dass wir in den Werken wandeln sollen, die von Grundlegung der Welt an geschaffen wurden (Eph 2,10). In Epheser 4,12 wird das Werk des Dienstes erwähnt, das von den Heiligen (den jesusgläubigen Christen) ausgeübt wird. Im Kolosser 1,10 steht etwas über den würdigen Wandel des Christen, ein Wandel, der vom Christen bestimmt wird und nicht automatisch geschieht. Im gleichen Vers steht, dass der Weg des Christen fruchtbringend sein soll. – Wie sollte das alles geschehen, wenn man geistlich untätig ist? Das wäre bei Nichtstun völlig unmöglich. Seien Sie daher, liebe Leserinnen und Leser, fleissig im Werke Gottes!

Zu „resigniert sein“:
Manchmal scheint es sehr frustrierend zu sein als Christ zu leben, vor allem dann, wenn einem nichts richtig gelingen will. Wenn dazu noch das Licht der Bibel über den verdorbenen menschlichen Charakter zu scheinen beginnt, ist die Gefahr gross, mutlos die Eigeninitiative zur Seite zu legen und in eine fatalistische geistliche Trägheit zu verfallen. – Dies sollte nicht so sein, liebe Geschwister, auch wenn die Tatsache, dass der Mensch Erlösung von seiner Verderbtheit braucht, sehr demütigend ist.

Christus liess uns nicht im Zustand des alten Menschen. Wenn wir nun wirklich glauben, dass Christi Werk vollständig ist, dann müssen wir auch glauben, dass wir völlig gerechtfertigt wurden vor Gott! Wir müssen nicht um eine Rechtfertigung kämpfen, wir sind es bereits! Wie entlastend ist doch diese Wahrheit für Menschen, die denken, es niemandem (auch Gott) recht machen zu können! – Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, so denken, dann möchte ich Ihnen in Erinnerung rufen, dass Sie durch Christi Tat bereits wohlgefällig gemacht wurden! Das „Wohlgefällig gemacht worden sein“ bezieht sich auf Christi Tat, nicht auf Ihre! Das heisst, dass, auch wenn Sie sich nicht danach fühlen, Sie trotzdem wohlgefällig gemacht sind! Sie können so schlecht von sich denken, wie Sie wollen, Sie sind wohlgefällig gemacht worden aufgrund der Tat Christi, welche Gott als völlig genügend anerkennt (siehe Kommentar zu Rö 4,25).

Gehen Sie daher mit erhobenem Haupte weiter auf dem Weg Gottes und lassen Sie sich nicht entmutigen, liebe Schwester und lieber Bruder im HERRN! Gott schätzt Ihren Wert sehr hoch ein, denn er hat sein Leben als Preis für Sie eingesetzt! Fragen Sie Gott jeden Tag nach den anstehenden Dingen und führen Sie sie mit Freuden aus, auch dann, wenn es dem äusseren Anschein nach nichts bringt. Vieles geschieht im Verborgenen. Amen.

Dadurch, dass Christus, der Sohn des Menschen, durch die Jungfrauengeburt ganz Mensch wurde und am Kreuz starb, vereinigt er nicht nur alle, welche an ihn glauben, mit dem neuen Leben. Er vereinigt auch alle Gläubigen mit dem Ende des alten Lebens, mit dessen Tod. Das heisst, ganz praktisch, dass wir dem alten Leben so gestorben sind, wie wir in das neue Leben hineingeboren wurden: Zu 100%! Wenn wir nun glauben, dass wir Christi neues Leben in uns haben, so müssen wir logischerweise auch glauben, dass unser altes Leben tot ist. Es ist tot, beendet, nicht mehr relevant. Es ist daher eine Beleidigung der Tat Christi, wenn wir es immer wieder „hervorholen“ und darüber jammern. Wir sind der Sünde, die ein Bestandteil des alten Lebens ist, gestorben. Wie sollten wir dann noch in ihr leben? Das soll ferne von uns sein! Amen. – Entscheiden Sie, wo Sie investieren möchten, in ein totes oder ein neues Leben!

Verse 3-4

3 Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?  
4 So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.   Röm 6,3-4

Verse 3-4

„Oder wisst ihr nicht“, beginnt der Apostel seine Frage hier an die angeschriebenen Gläubigen. „Wisst ihr nicht, was die Taufe bedeutet?“ -, hätte die Frage auch lauten können. So aktuell sie damals war, ist sie auch heute, denn über die Jahrhunderte wurde so viel Verdrehtes über die Taufe erzählt und gelehrt, dass sie heute genau so aktuell ist, wie damals.

Die Taufe steht am Anfang jedes Christenlebens oder sie sollte es zumindest. Denn ein Christenleben beginnt nicht mit dem Zeitpunkt, wo man beginnt schlechte Angewohnheiten abzulegen und gute anzutrainieren, wo wir doch jetzt wissen, dass die alte Natur des Menschen nicht verbesserbar ist. Die biblische Taufe hat auch nichts mit der „Taufe“ von Kleinkindern zu tun, wie sie in den grossen Kirchen praktiziert wird, da jene nicht am Anfang des Christenlebens stehen. Jene stehen am Anfang ihres menschlichen Lebens, welches ausschliesslich mit der alten Natur beginnt. Das christliche Leben beginnt erst mit dem Ruf Gottes (Joh 15,16) und der Entscheidung des Menschen, ihm zu folgen (Rö 10,8-10). Darauf wird Christi Erlösungstat sofort wirksam im Menschen. Die alte Natur wird gerichtet und beendet, und der zum Glauben gekommene Mensch erhält die neue, göttliche Natur (2. Kor 5,17; Eph 2,10). Lassen Sie mich diese Wahrheit mit einem Bild veranschaulichen:

Der natürliche Mensch kommt als Nachkomme von niedrigen und ruchlosen Leuten zur Welt (Gal 1,4; Tit 2,14). Er tritt sofort in dessen Fussstapfen und wandelt gemäss seiner geerbten Natur gleich böse, wie seine Eltern. Er trägt die gleichen schmutzigen Kleider, hat die gleichen unanständigen Launen und verhält sich im Allgemeinen so, wie man es als Edelperson nicht tut. Die guten Richtlinien vom edlen Herrscher des Universums tritt er mit Füssen und auch wenn er sie halten wollte, kann er es nicht. Seine Natur, sein Innerstes, ist dazu einfach nicht fähig. – Plötzlich ergeht der Ruf des Herrschers an diesen hoffnungslosen und argen Menschen. Dabei bekommt er die Chance seines Lebens: eine Aufnahme in die Familie des edlen Herrschers! Dazu auch die Erbinformationen dieses Edelmannes. Um die Aufgabe nicht zu schwierig erscheinen zu lassen, muss der böse Mensch nur an das Angebot glauben und es annehmen. Sofort wird er darauf zum Palast des Herrschers geführt. Er bekommt auch sogleich die neue Abstammung, welche ihm ein Leben in der neuen Ordnung (Hausordnung des Palastes) leicht macht, da die neue Abstammung gar nichts mit den bösen Lüsten der alten gemeinsam hat (1. Joh 3,6; 5,18). Jetzt darf er vor dem Palast die alten Kleider, welche noch von seinem schändlichen Leben zeugen (die Schande der Welt, Jos 5,9), ablegen. Damit zeigt er symbolisch, dass es mit dem alten Leben aus ist und indem er die prächtigen Kleider seiner neuen Familie anzieht, offenbart er bildlich, was in seinem Leben Wirklichkeit geworden ist: Das Anziehen der neuen Natur! Danach betritt er als neuer Mensch und dementsprechend gekleidet den Palast des Edelmannes und Herrschers (Joh 3,5). Im Palast wiederum, muss das neue Mitglied – wie erwähnt – nicht erst seine alten Gewohnheiten ablegen und die neuen antrainieren. Es muss nur im neuen Leben wandeln, nur seine neue Natur gewähren lassen und nicht mit Ideen der alten die neue an dessen Entfaltung hindern.

Anhand dieses Beispieles sehen wir, dass der Kleinkindertaufe jegliche Grundlage fehlt. Sollten Sie nur eine solche „Tauferfahrung“ haben, sind sie nicht getauft. Das Ablegen der alten Natur erfordert eine Entscheidung, welche ein Kleinkind nicht treffen kann. Zudem kommt, dass ein Besprengen mit Wasser die Erneuerung des ganzen Menschen nicht symbolisiert. Nur die Ganzkörpertaufe, wie sie in der Bibel erwähnt und geboten wird, tut das. Sie sollte am Anfang jedes Christenlebens stehen und nicht irgendwo mittendrin. Oder betreten Sie mit zwanzig Jahren einen Königspalast in schändlicher Kleidung und legen sie erst mit 45 Jahren ab? Das wäre ein völlig ungebührliches Verhalten!

Mit der Taufe sind wir auf seinen (Christi) Tod getauft. Wir sind mit seinem Tod gleichgemacht. Das alte Leben mit seiner Information, Sünde und all dem, was es noch beinhaltete, ist beendet (Vers 3).
So wie Christus Auferstanden ist durch die Herrlichkeit des Vaters sind wir es auch, mit dem neuen Leben, seinen Informationen, Heiligkeit und all dem Herrlichen, das es noch beinhaltet (Vers 4)! Amen.

Verse 5-8

5 Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der <seiner> Auferstehung sein,
6 da wir dies erkennen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen.  
7 Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde.  
8 Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,   Röm 6,5-8

Vers 5

Wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es folgerichtig auch mit seiner Auferstehung sein. Glauben Sie das, liebe Leserinnen und Leser? Es ist einfach die Konsequenz aus seinem Erlösungswerk. Er starb als vollkommener Mensch, als Menschensohn (Mt 16,27), um das Geschlecht des ersten Adams zu beenden. Dabei wurde er Urheber des neuen, göttlichen Geschlechts (Joh 12,24; 1. Kor 15,45).

Vers 6

„Da wir dies erkennen“, schreibt der Apostel. Nun sollte es wirklich allen klar sein. Unser alter Mensch ist mitgekreuzigt, damit der Leib der Sünde abgetan ist. – Unser Leib ist von der alten Natur abgekoppelt. Er ist nicht mehr mit dem „Sündenmotor“, der Sünde, verbunden. Er ist ihr abgetan, damit wir ihr nicht mehr dienen. Unser Leib kann Dinge ausführen. Wenn er zur Sünde angetrieben wird, kann er sie vollziehen. Dies muss jetzt nicht mehr geschehen, weil ein anderer Antrieb, ein neues Leben in uns wohnt. Amen.

Vers 7

Wir sind der Sünde nicht mehr verpflichtet. Wir sind von ihr freigesprochen. Wir sind von ihr frei geworden.

Vers 8

Dieser Vers lehnt sich stark an Vers 5 an. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so werden wir folgerichtig auch mit ihm leben. Hier kann man die gleichen Parallelstellen zur Untermauerung des Gesagten, wie beim Vers 5, angeben (Joh 12,24; 1. Kor 15,45). Das Lukasevangelium unterstreicht dies deutlich (Lk 20,36). Die Christen sind Söhne der Auferstehung. Dieser Vers ist das Ende jedes Widerspruchs. Wie Christus auferstanden ist, werden wir es tun. Wir sind – ich erwähne es gerne nochmals – Söhne der Auferstehung! Amen.

Verse 9-10

9 da wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn.  
10 Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott.   Röm 6,9-10

Vers 9

Christus lebt ewig. Der Tod kommt nur in Verbindung mit Sünde. Wer sündigt, muss sterben. Wer ohne Sünde ist, darf ewig leben. Christus hätte demzufolge nicht zu sterben brauchen, wie auch in Mt 26,53 bewiesen ist. Er hatte keine einzige Sünde (Heb 4,15; 1. Petr. 1,19). Doch er starb freiwillig für uns, damit wir aus dem „Leben zum Tode“ ins „Leben zum Leben“ hineinkommen. Da wir nun verwachsen sind mit seinem Tode (V5), sind wir es auch mit seinem Leben! Wir haben sein Leben erhalten, ein Leben, das nicht sündigt! Wir können uns also des ewigen Lebens sicher sein (1. Kor 15,55).

Vers 10

„Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben“, schreibt der Apostel an dieser Stelle. Was heisst das? – Nehmen wir einen anderen Satz zur Veranschaulichung: „Was Arthur getan hat, hat er für seine Frau getan.“ – Letzteres heisst, dass die Bemühungen Arthurs für seine Frau und niemand sonst waren. Er tat es für seine Frau. Wir sehen anhand dieses Beispiels, dass Christi Sterben der Sünde wegen geschah. Die Forderung der Sünde, zu sterben, hat Christus auf sich genommen. Die ganze Schrecklichkeit des Gerichtes, welches über die Sünder kommen muss, hat er auf sich genommen, damit wir frei ausgehen dürfen. Er starb der Sünde. Er starb nicht dem Teufel oder sonst irgendeiner Sache. Schön, wenn wir es im vollen Umfang begreifen und erfassen können. Sein Werk am Kreuz hat demzufolge die Wirkung der Sünde völlig ausgeschaltet. Er ist ihr gestorben, büsste die volle Schuld der Menschen, welche durch diese schreckliche Sünde lauter Missetaten vor den Augen des heiligen Gottes ausführten und schmeckte den Tod. Er glich voll aus, was die Sünde forderte. Er ging den vollen Weg, der vor uns lag. – Dies tat er ein für allemal. Sein Werk reicht für alle. Wer an ihn glaubt und auf ihn vertraut, wird nicht zuschanden (Rö 9,33) – ohne Ausnahme.

Was Christus lebt, lebt er Gott. Dies tat er zweifellos schon vor seinem Tod am Kreuz, denn er war vorher schon ohne Sünde. Trotzdem ist es wichtig, dass er an dieser Stelle nochmals erwähnt wird. Für uns ist die Tatsache wichtig, dass er Gott lebt. Sein Leben ist für Gott, wie unser Leben, das wir neu besitzen. Wir leben Gott. Unser Leben ist für Gott. Dies wünschte sich Gott schon von seinem irdischen Volk, Israel, indem er sprach:

Vergisst etwa eine Jungfrau ihren Schmuck, eine Braut ihren Gürtel? Aber mein Volk hat mich vergessen seit unzähligen Tagen.   Jer 2,32

Wir sollen es nicht gleichtun, wie Israel in den Tagen der Abkehr. So, wie es selbstverständlich ist, dass der Mantel zur Ausrüstung im Winter gehört, so ist es klar, dass wir unser Leben nur zusammen mit Gott zusammen verbringen. Was Christus lebt, lebt er Gott, was Christen leben, leben sie Gott in Abkehr der Welt (Jak 1,27). Seien wir uns nun in Anbetracht dieser Wahrheit bewusst: Der Christ kann noch sündigen, er muss es aber nicht. Er hat die Wahl, der Sünde zu dienen und sich ihr wieder zu unterwerfen (Joh 8,34) oder geistlich zu leben und sich Gott zu unterwerfen und dem Teufel zu widerstehen (Jak 4,7). Gehen Sie Gottes Weg, den Weg, der Sie Frieden verspüren lässt. Wandeln Sie auf dem Pfad, wo Sie die Gewissheit haben, das Richtige zu tun, wo sich das Gewissen nicht melden muss. Amen.

Verse 11-12

11 So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus!  
12 So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorche;   Röm 6,11-12

Vers 11

Diese Aufforderung zeigt deutlich auf, dass unser alter Mensch noch in uns ist. Er kann noch wirken, wenn wir ihn walten lassen. Christus hat im Gegenzug alle Voraussetzungen geschaffen, dass wir ein gottgefälliges Leben führen können, er brach die Macht der Sünde, indem er uns mit seinem Tod vereinigte. So, wie er der Sünde gestorben ist, sind wir es. Johannes zeigt an folgender Stelle isoliert dar, wie es mit dem neuen Leben im Christen tatsächlich steht:

Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.   1.Joh 3,9

Das neue Leben im Christen kommt von Gott. Es sündigt nicht, es kann gar nicht sündigen. Doch in unserem Vers 11 ist die Aufforderung, dass wir nicht mehr sündigen sollen. Wie ist das denn nun zu verstehen? Das neue Leben kann nicht sündigen und doch werden wir aufgefordert, es nicht mehr zu tun? – Das liegt an der Tatsache, dass die alte Natur in uns, zwar besiegt und in Gottes Augen ohne Wert, noch da ist bis Christus wiederkommt und wir vollends erlöst werden. Dann wird der alte Leib durch einen neuen ersetzt (Rö 8,23; siehe auch 2. Kor 5,1-4). Wir haben jetzt also zwei Naturen in uns, eine besiegte, böse Natur und eine gute, göttliche (Gal 5,17). Die alte Natur wird in der Bibel an einigen Stellen mit „Fleisch“ bezeichnet (Rö 7,18; 8,6; Gal 5,13 ua.). Ein Handeln nach der alten Natur wird als „fleischlich“ bezeichnet (1. Kor 3,3 ua.). Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass, wenn von „Fleisch“ die Rede ist, nicht immer die alte, böse Natur gemeint ist.

Fassen wir zusammen: Der Mensch ist ein Nachfahre Adams, des Mannes Evas. Mit dem Sündenfall kam die Sünde in den Menschen, ein böses Element, welches die Natur des Menschen wider Gott richtet. Der Mensch ist mit dieser Natur sterblich, gottlos und dem ewigen Gericht verfallen. Christus besiegte mit seinem Werk dieses unheilvolle und verdorbene Geschlecht und schenkt jedem, der sein Heil durch den Glauben annimmt, eine neue, göttliche Natur, die nicht sündigen kann. Sie kommt durch den Geist Gottes in den Menschen hinein. Der Mensch ist damit aber noch nicht völlig errettet. Er bekam durch seine neue Geburt (auch Wiedergeburt genannt) erst ein Pfand, welches von der noch ausstehenden völligen Errettung zeugt (2. Kor 1,22; 5,5; Eph 1,13-14). Mit einem Pfand wird ein Geschäft durch einen Teil des Kaufpreises fest gemacht. Den Gläubigen wurde durch das Pfand des Geistes die kommende, völlige Erlösung versichert. Bis es jedoch soweit ist, lebt der Mensch mit der Möglichkeit zu entscheiden, welche Natur er gewähren lassen möchte. Dies macht ihn verantwortlich und lässt ihn seinen Glauben zum Ausdruck bringen. Sündigt er nämlich gerne weiter, so achtet er das Werk Christi gering, tut er es nicht mehr, indem er sich fortan an Gott hält und seinen Worten glaubt, wird er allmählich der Sünde absterben und seine Seele (Wille, Verstand und Gefühl) nach Gott richten. So wird sie, welche auch Errettung nötig hat, durch die Umwandlung (das Umdenken) völlig errettet (1. Petrus 1,9). Unser Vers (V11), sagt genau das gleiche aus, wie dieser im 1.Petrus 2, 11:

Geliebte, ich ermahne <euch> als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, enthaltet,   1.Petr 2,11

Welche Natur hat in Ihnen die Oberhand, liebe Leserinnen und Leser?

Vers 12

Seien wir also nicht verwirrt, wenn wir merken, dass wir, obschon Christ geworden, noch böse Gedanken hegen oder Ungerechtigkeit wirken können. Auch wenn wir es nicht tun, unser Sitznachbar in der Gemeinde aber schon, heisst das nicht zwingend, dass er nicht auch ein Kind Gottes ist. Er kann von neuem geboren sein, jedoch noch fleischlich wandeln.

Wir werden hier vom Geist Gottes durch den Apostel aufgefordert, geistlich und nicht mehr fleischlich zu wandeln. Auch wenn nun Menschen nach ihrer Wiedergeburt kein verändertes Leben, keine Früchte des Geistes (Gal 5,22) an den Tag legen, heisst das nicht, dass sie prozentual weniger Kinder Gottes sind. Die Errettung basiert auf dem Werk Christi und nicht auf eigenen Werken. Da müssen wir uns vor falscher Beurteilung hüten!

Befleissigen wir uns aber, uns nach dem geschenkten Geist auszustrecken und nach ihm zu wandeln. Dann werden wir unseren fleischlichen Begierden (die Begierde der alten Natur) nicht nachgeben. Wandeln wir nach dem obenstehenden Prinzip von 1. Petr 2,11. Amen.

Verse 13-14

13 stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit!  
14 Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.   Röm 6,13-14

Vers 13

Unsere Glieder (unser Körper) können ausführende Werkzeuge für die Sünde oder die Gerechtigkeit sein. Das „zur Verfügung stellen“ ist eine Willenssache. Wie entscheiden Sie sich?

Vers 14

Wenn wir unsere Glieder als Christen Gott zur Verfügung stellen, wird die Sünde nicht mehr über uns herrschen. Die neue Natur ist kein Sklave der Sünde. Weltmenschen mit der alten Natur sind natürlich unter die Sünde versklavt – sie können nicht anders als sündigen, auch wenn sie es nicht wollen. Werden sie mit dem Gesetz konfrontiert, wird es noch schlimmer mit ihnen, denn das Gesetz ist die Kraft der Sünde (1. Kor 15,56). Nicht, dass das Gesetz schlecht wäre, es ist heilig und gut (Rö 7,12). Doch das Gesetz weckt die im Menschen schlummernden Begierden. Durch das Gesetz werden sie stärker, daher nennt die Bibel das Gesetz die Kraft der Sünde. Für den Sündenmotor in der alten Natur ist das Gesetz wie hocheffizienter Treibstoff. Es lässt den Motor noch höher drehen.

Es ist daher sehr wichtig, dass der Gläubige folgendes weiss: Ein Christ muss sein altes Selbst nicht berichtigen. Will er das tun, findet er sich sofort im früheren Schlamassel. Er fokussiert sich dann auf sein eigenes Ich, stellt ihm das Gesetz gegenüber und möchte sich damit verbessern. – Dass es so nicht geht, wissen wir aber längst. Ein Christ ist nämlich ein Mensch, dessen alte Natur gerichtet ist, sie ist mit Christus gekreuzigt, ausgeschaltet. Er besitzt nun eine neue Natur, welche schon gut ist und nicht mittels Gesetz geschliffen werden muss. Die neue Natur hat mit dem Gesetz nichts zu schaffen. Ein Christ ist nicht unter Gesetz! Mögen wir das für immer verstehen!

In Vers 13 heisst es, dass wir uns Gott zur Verfügung stellen sollen. Das können wir nur aufgrund der Tatsache, dass wir gerechtfertigt sind und eine göttliche Natur in uns haben. Sonst dürften wir uns Gott ohne Blut gar nicht nahen! Doch da unsere neue Natur völlig rein ist, dürfen wir Dinge tun, welche nur dem Hohenpriester nach dem Geschlecht Aarons vorbehalten war: Eintreten in das Allerheiligste, dort hineingehen, wo Gott wohnt (Heb 10,19; Eph 2,18).

Vergessen wir also ab sofort – sollte diese Erkenntnis neu sein -, uns zuerst zu fragen, ob wir im Augenblick würdig genug seien, um zu dienen oder nicht. Oft wird uns nämlich vom Teufel der Fokus auf unsere alte Natur gelenkt. Wenn wir dann darauf hereinfallen und auf sie blicken, fühlen wir uns unwürdig, Gott zu dienen und lassen in der Folge sein Werk stehen. Befleissigen wir uns nun viel mehr, unsere Freiheit, die wir durch die neue Natur haben, auszuleben und dem HERRN allezeit zur Verfügung zu stehen! Amen.

Verse 15-16

15 Was nun, sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne!  
16 Wisst ihr nicht, dass, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder <Sklaven> der Sünde zum Tod oder <Sklaven> des Gehorsams zur Gerechtigkeit?   Röm 6,15-16

Vers 15

Wie möchten Sie diese Frage beantworten, liebe Leserin und lieber Leser? Denken wir daran, dass Christus uns vom Zwang zu sündigen befreit hat. Dann hat er uns, im Wissen, dass es immer noch passieren kann (aber nicht muss!) unter die Gnade gestellt, so dass er Gemeinschaft mit Menschen, welche (noch) mit Fehler behaftet sind, haben kann. Er tat uns Gutes, um uns vom Bösen zu befreien. Sollen wir jetzt das Böse vorsätzlich wählen? - Niemals! Wie würden wir die Schmerzen von Christus verachten, wenn wir es täten! Ausserdem fallen wir beim vorsätzlichem Sündigen auch aus der Gnade (Heb 10,26), wie beim Halten des Gesetzes (Gal 5,4).

Vers 16

Wir haben es in den obenstehenden Versen behandelt und gesehen: ein Mensch, der Christ werden durfte, ist dem Fluch der Sünde nicht mehr unterworfen. Durch Glauben und Taufe ist er von der Sünde, der er als Sklave dienen musste, errettet. Beim Wort „Errettung“ denken wir Christen in der Regel an die Errettung vom ewigen Gericht, dem Feuersee, oder umgangssprachlich, der Hölle. Doch ist es nicht auch eine grosse Errettung, der Sünde nicht mehr dienen zu müssen? Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Tag Stroh und Gras essen – und das zwanghaft. Eine Speise, welche Ihnen gar nicht bekommt. Sie wüssten, dass Sie eines Tages daran sterben würden, kämen aber davon nicht los – trotz vieler Versuche Ihrerseits. Dann käme ein Mensch und würde Sie von diesem Zwang befreien, indem er Ihnen den richtigen Geschmack verleihen würde. Das alte Essverständnis würde er Ihnen zwar nicht wegnehmen, doch dessen Kraft brechen und es unter Ihren Willen stellen. – Würden Sie dann freiwillig zum alten zurückkehren und das tun, was ihnen den sicheren Tod bringt oder würden Sie mit Freuden vom richtigen Geschmack Gebrauch machen und gute Lebensqualität empfangen? Beide Geschmäcker verlangen etwas von Ihnen, Sie sind somit Diener jenes Geschmackes, dem Sie Gehör schenken. Der eine verlangt nach Gras und Stroh, um Sie umzubringen, der andere verlangt nach guter Speise, auf dass es Ihnen gut geht. – Wessen Diener möchten Sie sein?

Verse 17-20

17 Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde wart, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid!  
18 Frei gemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden.  
19 Ich rede menschlich wegen der Schwachheit eures Fleisches. Denn wie ihr eure Glieder <früher> der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit als Sklaven zur Verfügung gestellt habt, so stellt eure Glieder jetzt der Gerechtigkeit zur Heiligkeit als Sklaven zur Verfügung!  
20 Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr Freie gegenüber der Gerechtigkeit. Röm 6,17-20

Verse 17-18

Der unbekehrte Mensch ist ein Sklave der Sünde. Der bekehrte, christusgläubige Mensch ist der Sünde nicht mehr verpflichtet, er muss ihr nicht mehr dienen. Er ist dem Bild der Lehre übergeben worden. Dem „Bild der Lehre übergeben sein“ bedeutet, dass dem Christ die Lehre Christi wie ein Modell vorgestellt worden ist. Er ist ihr nun verpflichtet und sollte sich daran halten. Frei gemacht von der Sünde, dient er jetzt der Gerechtigkeit. Wir wissen, dass wir die Knechte (oder Sklaven) dessen sind, dem wir gehorchen. Da ein Christ der Sünde nicht mehr dienen muss, kann er sich jetzt der Gerechtigkeit zur Verfügung stellen und ihr Diener werden. Das wäre der normale Prozess.
Christen, welche trotzdem in vorsätzlicher Sünde verharren, tun dies willentlich. Das ist eine totale Zielverfehlung und keine Befolgung der Lehre Christi, die uns durch die Evangelien gegeben wurde.


Vers 19

Hier kommt nochmals eine klare Aufforderung an die Gläubigen, sollten sie den Inhalt dieses Kapitels noch nicht verstanden haben. Der Apostel verwendet hier keine hochtrabenden Worte – er weiss um die Schwachheit seiner Leser: Früher haben die römischen Christen mit ihren Gliedern – wie alle unbekehrten Menschen auf dieser Welt – der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit gedient. Dies sollte jetzt anders werden!

Lassen Sie mich das veranschaulichen:
Der „freie“ Weltmensch ist nicht wirklich frei. In Wahrheit ist er auch ein Diener. Er dient der Sünde. Der Mensch ist nicht Gott. Gott muss sich nicht an Gesetzmässigkeiten halten. Gott ist es, der Regeln aufstellt. Der Mensch ist vollkommen abhängig und ist gezwungen Dinge zu tun. Das mag jetzt völlig absurd klingen, ist es aber nicht. Weil der Mensch fürs Überleben Nahrung zu sich nehmen muss, ist er unter dem Zwang, periodisch etwas essen zu müssen. Dieselben „Zwänge“ gelten für den Schlaf, die Atmung etc. Natürlich schaut kein Mensch das Normale, wie beispielsweise das Schlafen als Zwang an, doch er muss eingestehen, dass er einer gewissen Ordnung unterworfen ist und nicht beispielsweise während einer militärischen Operation 60 Tage und Nächte ohne Schlaf auskommen kann, auch wenn es dabei sehr von Vorteil wäre. – So, wie er natürliche Bedürfnisse zu befriedigen hat und ihnen dient, dient er auch etwas ungöttlichem, der Sünde, ob er das möchte oder nicht. Es gelten die selben Regeln, wie bei den oben beschriebenen, alltäglichen Dingen. Wie er beim Hunger essen muss, sündigt der Mensch, weil die Sünde in ihm wohnt. Er dient ihr, jeder natürliche Mensch dient der Sünde. Vers 18 bestätigt, dass wir erst von der Sünde freigemacht werden müssen, um jemand anderem dienen zu können.

Wer nicht glaubt, dass es sich so verhält, soll versuchen, aus eigener Kraft (in der Kraft seiner alten Natur, ohne die Hilfe Gottes) das Gesetz zu halten. Während jedes ehrlichen Versuchs wird dieser anfänglich zweifelnde Mensch zu Erkenntnis kommen, dass er zwar das Gute tun will (verstandesmässig), doch das Schlechte und Gesetzwidrige ausführt. Die eigene Kraft bringt zwar vieles zustande, sie kann sogar Dinge aus dem Gedächtnis spalten, so dass sich der Mensch nicht mehr an sie erinnern kann, das weiss man aus der Psychologie. Es ist eine der höchsten Formen der Verdrängung. Störende Gedanken können so „vergessen“ werden. Auch ist der Mensch wandlungsfähig. Er kann sein Benehmen von schlecht zu gut umtrainieren. Er kann Klavier spielen lernen, sowie sich den Seiltanz aneignen. Er kann Ökonomie studieren und das Ärztehandwerk erlernen. Sehr viele Dinge bringt er zustande, doch etwas schafft er beim besten Willen nicht: Er kann sich nicht aus dem Dienst der Sünde befreien. Der natürliche Mensch dient der Sünde.

Gemessen am Gesetz ist es verboten zu begehren.
Es ist verboten zu lügen.
Man ist darin angehalten, Gott mit aller Kraft zu lieben.
Vater und Mutter sollen geehrt werden.
Was über die Lippen gegangen ist (ein Versprechen), soll man ausführen, auch wenn es einem im Nachhinein schadet.
Die Person (Kleidung, Ansehen) im Gericht anzusehen und danach zu urteilen, ist nicht erlaubt.
Es ist nicht erlaubt, einem Tauben zu fluchen (das gilt auch für solche, die nicht in Hörweite sind).
Man muss seinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, damit man keine Schuld trägt (…und nicht sagen, das Verderbliche, das er tut, geht einen nichts an).
Es ist nicht erlaubt, Tote und Wahrsagegeister zu befragen.
Ehebruch, sowie gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte sind verboten.
Gott zu fluchen ist verboten.

Das ist nur ein kleiner Auszug aus dem Gesetz. Niemand konnte es halten. Alle haben es gebrochen und somit gegen den Gesetzgeber, den allmächtigen Gott, gesündigt. – Der natürliche Mensch kann nicht sagen, er könne sündlos leben, auch wenn er das mit aller Kraft wollte. Er ist ein Sklave der Sünde.

Kommt ein Mensch zum Glauben an Christus, indem er glaubt und sich taufen lässt, wird dieser Bann der Sünde gebrochen. Die gläubigen Römer (die Christen in Rom) waren Sklaven der Sünde, aber nicht mehr zur Zeit der Niederschrift dieses Briefes, wie der Apostel schreibt (V17 und 20). Sie waren inzwischen frei von der Sünde (V18). Der Christ ist somit frei zu entscheiden, wem er dienen möchte. Er könnte theoretisch seinem alten Herrn, der Sünde, weiterdienen. Er kann sich aber von diesem schlechten Gebieter endgültig trennen und dem neuen, gütigen Patron dienen. Er wird zwar weiter Gesetzmässigkeiten unterworfen sein, doch kann er wählen, welchen. Jenen, die ihm gut tun, oder jenen, die ihn über kurz oder lang zu Tode bringen.

In diesem Vers (19) werden die Christen aufgefordert, der Gerechtigkeit zu dienen. – Welchem Herrn dienen Sie, liebe Leserin und lieber Leser?

Vers 20

Als Sklave der Sünde ist man natürlich frei gegenüber der Gerechtigkeit, da niemand zwei Herren zugleich dienen kann (Mt 6,24). Niemand dient dem Guten und dem Bösen parallel. Das Gute würde durch das Böse wieder zuschanden (Pred 10,1).

Weil der Weltmensch der Sünde dient, hat er mit Gott nichts zu schaffen. Er arbeitet vielmehr gegen ihn. – Jeder unbekehrte Mensch sollte sich diese Worte zu Herzen nehmen! Was will er im Gericht bei Gott zu seinen Gunsten vorweisen? Ein lebenslanger Sündendienst? Ein Freier gegenüber der Gerechtigkeit gewesen zu sein? Ein dauerhaftes Verharren in der Sünde, obwohl ihn sein Gewissen auf die Tatsache des Gerichtes aufmerksam machte (Rö 1,32)? – „Kehre um, Mensch, und lass Dich von Gott rechtfertigen! Was Du alleine nicht schaffst, vollbrachte der HERR am Kreuz!“

Verse 21-23

21 Welche Frucht hattet ihr denn damals? Dinge, deren ihr euch jetzt schämt, denn das Ende davon ist der Tod.  
22 Jetzt aber, von der Sünde frei gemacht und Gottes Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben.  
23 Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.   Röm 6,21-23

Vers 21

Welche Frucht hatten die Römer durch den Wandel in der alten Natur? Auch wenn sie viel erreicht haben in ihrem sozialen Status, müssen sie sich als Christen dafür schämen. Denn der Wandel im Fleisch (d.h. in der alten Natur) bringt folgendes hervor: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen (Gal 5,19-21 und auch Mt 15,19; Mk 7,21-23; Kol 3,5-7; 1. Petr 4,3). Gemessen an der reinen Moral Gottes ist jene des natürlichen Menschen abscheulich und dreckig. Die Meinung der Welt, im Menschen wohne grundsätzlich etwas Gutes, ist völlig falsch. Jesus redet diesbezüglich Klartext:

20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen.
21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord,  
22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit;  
23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen.   Mk 7,20-23

Die Folge dieser Auswüchse ist der Tod. Gott kann diese schlechte Moral nicht dulden. In der westlichen, sogenannt „aufgeklärten Welt“, welche mit humanistischem Gedankengut durchsäuert ist, mögen die Menschen oberflächlich den Eindruck erwecken, sie seien nicht böse. Dies ist aber eine reine Täuschung. Im Test versagen alle kläglich, vor allem, wenn der Wohlstand für eine Zeit weicht und ein rauer Wind weht. Dann kommen die wahren Charakterzüge ans Licht. Menschen, deren Job bedroht ist, sägen an den Stuhlbeinen der Kollegen und Kolleginnen, damit die Entlassung jemand anders ereilt. Unglückliche Eheleute brechen ohne Augenzwinkern die Ehe, wenn sich ihnen eine sehr attraktive Gelegenheit bietet. Habsüchtige kriegen den Hals nicht voll und scheuen sich daher nicht, Steuern zu hinterziehen. Der Name Gottes wird bei vielen Gelegenheiten gelästert, usw. Wer das nicht kennt, ist nicht ehrlich. – Der Mensch ist im Kern nicht gut, sondern böse und braucht die Errettung und Erneuerung Gottes.

Vers 22

Wer Gottes Errettung annimmt, Befreiung erfährt und dadurch nicht mehr unter der Sklaverei der Sünde ist und sich für seine Wege entscheidet, bringt andere Früchte hervor. Das neue Leben in ihm produziert im Blick auf die alten Früchte genau gegenteilige. Früchte, deren der Mensch sich nicht schämen muss. Geistliche Früchte sind: Langmut, Freude, Friede, Liebe, Enthaltsamkeit, Sanftmut, Freundlichkeit. Diese können unter widrigen Umständen auf dem natürlichen Menschen unerklärliche, jedoch ehrliche (nicht heuchlerische) Art und Weise hervorgebracht werden.

Vers 23

Dieser Vers fasst zusammen: Vers 21 zeigt, dass die alte Natur zum Tode führt, weil sie sündigt. Der Lohn der Sünde ist der Tod. Die Gnadengabe Gottes, die Sündenvergebung in Verbindung mit der Gabe der neuen Natur, welche nicht sündigt, bringt das ewige Leben hervor. Eine sündlose Natur muss nie wieder sterben, weil sie schlicht den Tod nicht verdient. Das ist das ewige Leben in Christus.

Kapitel 7

Verse 1-4

1 Oder wisst ihr nicht, Brüder – denn ich rede zu denen, die Gesetz kennen –, dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt?
2 Denn die verheiratete Frau ist durchs Gesetz an den Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes.  
3 So wird sie nun, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei vom Gesetz, so dass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird.  
4 So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht bringen.   Röm 7,1-4

Vers 1

Im Kapitel sieben wendet der Apostel ein schönes Bild an, um die Beziehung des Menschen zum Gesetz zu veranschaulichen. Das Gesetz herrscht über den Menschen, so lange er lebt. Solange ist er diesbezüglich dem HERRN gegenüber verantwortlich und muss sich dem gottgegebenen Standard anpassen, wie ein Staatsbürger der jeweiligen Verfassung.

Vers 2

In diesem Vers kommen wir bereits zur angekündigten Veranschaulichung. Paulus verwendet hier das schöne Bild eines Ehepaares nach dem gottgegebenen Grundsatz der Ehe. In der Welt wird eine Ehe sehr oft nicht mehr als Bund fürs Leben geschlossen – die Welt verzerrt das Bild der Ehe. Paulus orientiert sich hier nicht am Bild der Ehe, das die Welt abgibt, sondern an jenem, wie es von Gott gegeben wurde. Gott gab die Ehe als Bund fürs Leben. Darum spricht Paulus, dass die Frau an das Gesetz des Mannes gebunden ist, solange er lebt. Stirbt der Mann, ist die Frau frei, sie kann sich wieder verheiraten, was vorher nicht möglich war.

Vers 3

Wir wissen, dass eine untreue Ehefrau eine Ehebrecherin genannt wird, wenn sie zu Lebzeiten ihres Mannes sich körperlich mit einem anderen Mann verbindet. Tut sie es als verwitwete Frau, indem sie einen anderen heiratet, ist sie keine Ehebrecherin. Verwitwete Frauen dürfen vor Gott wieder heiraten. – Soviel zu diesem Bild, das Paulus zur Veranschaulichung anführt. Im nächsten Vers überträgt er das Bild in die Situation der Christen.

Vers 4

Wie wir im Vers eins gesehen haben, ist der natürliche Mensch, der Nachfahre Adams, sein Leben lang konfrontiert mit Gottes Gesetz. Die Weltmenschen haben ihr Gewissen und Gottes Volk hat dazu noch das geschriebene Gesetz Moses. Das gilt lebenslänglich, wie die gottgewollte Ehe. Wenn nun ein Mensch sich für Christus entscheidet und Christ wird, stirbt er diesem Gesetz. Die Verbindung Mensch – Gesetz wird aufgehoben, damit der Mensch „eines anderen werden kann“. Der Mensch wird von den Banden des Gesetzes losgemacht und mit Christus verlobt (2. Kor 11,2). Er ist nun nicht mehr dem Gesetz verpflichtet, sondern Christus allein. Der Mensch gehört Christus und niemand anders darf diese Verbindung antasten. Sie ist so verbindlich wie eine Eheverbindung, eine verlobte Frau zu nehmen stand unter der Todesstrafe (5. Mo 22,23), es verhielt sich wie bei einer verheirateten.
Wir sind Christus verpflichtet um Gott Frucht zu bringen. Amen.

Vers 5

5 Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz <erregt wurden>, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen.   Röm 7,5

Vers 5

Was meint der Apostel mit „als wir im Fleisch waren“? Sind wir denn jetzt nicht mehr „im Fleisch“? Wir leben als Christen noch im Körper aus Fleisch und Blut. Doch wir sind nicht mehr seiner Natur unterstellt. Ein natürlicher Mensch ist und handelt so, wie seine fleischliche Natur – er kann sie nicht verleugnen. Zwar kann er sich verstellen, heucheln, etc. Er bleibt aber ein Nachfahre Adams. Wie eine Katze ihre Katzennatur nicht verleugnen kann – sie rennt einer frisch entdeckten Maus nach, wenn sie auch gerade ihre Leibspeise im Futternapf vor sich hat. Sie kann ebenfalls nicht umtrainiert werden, so dass sie sich plötzlich wie ein treuer und folgsamer Hund verhält. Sie ist eine Katze und wird eine bleiben. – So verhält es sich auch beim Menschen. Der natürliche Mensch ist und bleibt ein Feind Gottes. Seine Natur kann sich nicht ändern, das hat sie über die Jahrtausende bewiesen. Die Bibel bringt es mit diesem Vers auf den Punkt:

…weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht (siehe auch Kol 1,21).   Röm 8,7

Es tut mir leid für alle „lieben“ Weltmenschen, welche sich Frieden und Gerechtigkeit wünschen, das sagen zu müssen. Die besten und „liebsten“ Menschen, die in Wohltätigkeitsorganisationen oder Kirchen arbeiten, sind und bleiben Feinde Gottes, wenn sie nicht Christus als Erlöser annehmen und als Konsequenz daraus die neue Natur anziehen dürfen. Lassen Sie mich zur Veranschaulichung ein etwas krasses, aber authentisches Bild gebrauchen: Nehmen wir mal für ein Bühnenstück trainierte Affen. Wir ziehen sie an, als wären sie Menschen und lassen sie das Bühnenstück vorführen. Dabei lassen wir die Zuschauer im Glauben, die verkleideten Affen wären Menschen. Während der perfekten Vorführung – niemand hat bemerkt, dass es sich bei den Darstellern um Affen handelt – wirft jemand Nüsse auf die Bühne. Die Affen brechen sofort die Show ab und jagen hektisch den Nüssen nach. Sie offenbaren ihre Affennatur, weil bei dieser Versuchung die Natur über die Dressur herrscht. Genau so ist es beim Weltmenschen. Er kann seine Natur so gut trainieren, wie er will, sobald er mit dem Gesetz Gottes konfrontiert wird, versagt jeder natürliche Mensch, auch jener, von dem gesagt wird, dass er der „Liebste“ sei. Für die Offenbarung dieser Wahrheit wurde schliesslich das Gesetz gegeben, damit sich niemand rühme. Römer 3,20 bringt es auf den Punkt:

Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz <kommt> Erkenntnis der Sünde.   Röm 3,20

Durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Das Gesetz sind die Nüsse in unserem Beispiel. Der Mensch kann noch so gut von sich denken. Wird er mit dem Gesetz konfrontiert, offenbart sich seine Natur. Und sie offenbart sich als Gottes Feindin, welche nicht gesetzeskonform leben will.

Verse 6-8

6 Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so dass wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens.  
7 Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: »Du sollst nicht begehren!«  
8 Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.   Röm 7,6-8

Vers 6

Wir Christen sind von der alten Bindung gelöst, von der Bindung, die den Weltmenschen festhält: Gottes Rechtsforderung, die ihn zur Einsicht bringen will, dass er sein Lebensziel verfehlt, wenn er Gott nicht um Reinigung und Erneuerung bittet. Diesem Gesetz sind wir gestorben und sind mit Christus verlobt. Wir sind in einer neuen Bindung, welche reichlich gibt und nicht Unmögliches fordert. Diese Bindung ist durch den Geist Christi lebendig. Wir dienen nun in ihr und nicht in der alten, welche starr und unbeweglich gegen uns gerichtet war.

Vers 7

Ist das Gesetz denn Sünde, wenn es dem Menschen so viele Probleme bereitet? Probleme, die von ihm nicht überwunden werden können, da er dem Anspruch des Gesetzes nicht gewachsen ist? – Nein, ganz sicher nicht! Das Gesetz ist gut (Rö 7,12). Ohne Gesetz hätte ich die in mir wohnende Sünde nicht erkannt. Erst durch die Konfrontation mit dem Gesetz erkannte ich, dass in meinen Gliedern etwas wohnt, das grundsätzlich gegen Gott ist. Weil das Gesetz beispielsweise sagt: „Du sollst nicht begehren“, merkte ich, dass Begierde in mir wohnt.

Vers 8

Die in mir wohnende Sünde erweckte, für mich spürbar, Begierden, da ich die Forderung des Gesetzes nun kannte. „Du sollst nicht begehren“, war eine davon und brachte mich so in Verlegenheit. Wäre diese Forderung nicht an mich getragen worden, hätte ich die Sünde gar nie als solche erkannt. Doch durch das Kennen der Gebote Gottes musste ich zugeben, das etwas in mir wohnt, welches diesen entgegengerichtet ist. Meine Notlügen standen nicht im Einklang mit dem Gesetz, wie viele andere Gedanken auch nicht: Mein Begehren, auch ein so schönes Haus und Auto wie mein Nachbar zu haben zum Beispiel. Das alles offenbarte mir, dass die Bibel Recht hat, wenn sie sagt, dass der Mensch im Grunde böse ist verglichen mit dem Massstab der Moral Gottes (Mt 7,11). Daher: Es ist eine Lüge der Welt, die behauptet, im Menschen wohne etwas Gutes. Es ist nichts weiter als humanistisches Geschwätz, welches im Lichte der Bibel als Unwahrheit und Verführung entlarvt wird. Eine Verführung, die das Gewissen des Menschen vor Gott beruhigen soll, damit er sich vor Gott nicht demütigt und um Sündenvergebung bittet. Sie bringt den Menschen ins Verderben, weil das Gericht Gottes bereits über dem unbussfertigen Menschen unwiderruflich beschlossen und vorausgesagt ist (Mt 25,41; Offb. 20,12-15). – Eitler Mensch, komm wieder zu Sinnen! Amen!

Vers 9

9 Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf;   Röm 7,9

Vers 9

Paulus beschreibt hier die Geschichte der Menschheit. Die Menschen lebten ohne Gesetz vor der Gesetzgebung. Sie kannten daher die Sünde in ihrem Innern nicht so, wie wir sie kennen, da sie keine Niederschrift der Moral Gottes hatten. Sie hatten nur das Gewissen, welches ihrem Tun Zustimmung gab oder es anklagte.
„Als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf“, schreibt Paulus an dieser Stelle. Inzwischen wissen wir, wie das zu verstehen ist: Die Sünde wurde durch das Gebot gereizt und als solche erkannt. Nehmen wir als Beispiel noch einmal die Begierde in ihrer schlechten Form. Wenn kein Gebot dagegen steht, kann man sie als Bestandteil der menschlichen Seele und deren Bedürfnisse betrachten. Der Mensch mag sich sagen: „Ich darf doch die hübsche Frau des Nachbarn begehren, solange ich sie nicht antaste? Nach dem Sprichwort: Den Appetit darf man auswärts holen, gegessen wird anschliessend daheim.“ – Nachdem jedoch das Gesetz sagt: Du sollst nicht begehren, erkennt der Mensch, dass da etwas Ungöttliches in ihm Dinge begehrt, die verboten sind. Das ist sehr störend und dieses Ungöttliche wird zum Problem. Es ist jetzt als Sünde erkannt und sollte bekämpft werden. Die Sünde lebt jetzt auf! Sie nimmt ihren Platz im Leben des Menschen ein und lässt sich so leicht nicht verdrängen.

Leider sind wir heute durch die humanistische Bewegung so weit gekommen, dass Gottes Gesetz nicht mehr durch die Welt akzeptiert ist. Der Mensch wird nicht mehr im Lichte der Moral Gottes betrachtet und beurteilt, Gott wurde aus dem Mittelpunkt verdrängt, um dem Menschen Platz zu machen. Da nun der Mensch als Mittelpunkt und Mass der Dinge mit einem gutem Kern betrachtet wird, wird die Sünde in ihm auch nicht mehr als solche und als verwerflich definiert. Sie wird als Bestandteil des Menschen betrachtet und in der Folge werden ihre Auswüchse auch nicht angemessen geahndet. Dies erklärt die manchmal unbegreiflichen Gerichtsurteile bei wirklich bösen Menschen. Ein Verbrechen des humanen Wesens wird als Befriedigung seines Inneren, das doch einen guten Kern haben soll, bewertet. Es kann gar kein strenges Urteil ausgesprochen werden, da wir total individuell sind und wir grosse Rücksicht aufeinander nehmen sollten. Sollte nun jemandem sein „Temperament“ durchgehen und er vergewaltigt beispielsweise eine Frau, wird das nicht selten als „Notzucht“ abgehakt. Der arme Vergewaltiger hat nun mal diesen Trieb in sich. Findet sich da kein Ventil, kann es schon mal zur Vergewaltigung kommen. Dies ist zwar nicht wünschenswert, daher ist eine (manchmal sehr kleine) Strafe auszusprechen, damit er es sich in einem anderen Zeitpunkt vielleicht nochmals überlegt, bevor er die Tat wiederholt. – So wirr denken heutzutage nicht wenige Menschen. Die Erkenntnis Gottes ist vielerorts völlig verloren gegangen.

Verse 10-12

10 ich aber starb. Und das Gebot, das zum Leben <gegeben>, gerade das erwies sich mir zum Tod.  
11 Denn die Sünde ergriff durch das Gebot die Gelegenheit, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe.  
12 So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.   Röm 7,10-12

Vers 10

Das Gesetz ist zum Leben gegeben (Rö 10,5), es ist nicht da, um die Menschen zu töten. Der Allmächtige ist ein Gott, der seine Menschen liebt.

Wer aber diese Dinge (die im Gesetz erwähnt werden) nicht tut, muss sterben. Da nun das Gesetz die menschliche Verderbtheit aufdeckt und der Mensch seiner Natur nach überhaupt nicht fähig ist, das Gesetz zu halten, steht ihm das Todesurteil zu. Er muss sterben. Das Gesetz, das zum Guten gegeben ist, bringt dem Menschen den Tod. Es bringt ihn nicht, weil das Gesetz schlecht wäre, sondern weil der Mensch böse ist und es nicht einhalten kann. Das Gesetz deckt die bösen Triebe des Menschen auf.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Leben, mit dem ich gerade konfrontiert werde: Zwei kompetente und fleissige Personen kommen in einen Betrieb, der so vor sich hin dümpelt. Die beiden Neueintritte bringen klare Strukturen mit und stehen für gute Moral, Fleiss und hohe Kompetenz. Diese drei Dinge, welche durch die neuen Mitarbeiter in den Betrieb kommen, zeugen gegen die bis jetzt herrschende Philosophie der Bequemlichkeit und Schlampigkeit. Wie das Gesetz die Moral Gottes zum Menschen bringt, bringen die neuen Mitarbeiter einen neuen und guten Standard in diesen Betrieb. Obwohl dieser Standard gut ist, deckt er die Bequemlichkeit der bis anhin hier arbeitenden Personen auf. Er wiegelt sie gegen die neuen Mitarbeiter auf, so dass Worte fallen wie: „Seit ihr da seid ist es mit der Ruhe hier vorbei!“ – Sind nun die neuen Mitarbeiter ein Übel? Nein, sondern das Übel mit Namen „Bequemlichkeit“ wurde durch die neuen Mitarbeiter aufgedeckt. Die Fehlhaltung der alten Angestellten wurde durch die neuen aufgedeckt. Somit ist der Fehler nicht bei den beiden Neuen zu suchen, sondern er steckt in der alten Belegschaft. – So verhält es sich mit dem Gesetz: Nicht das Gesetz ist schuld daran, dass der Mensch zum Tode verurteilt ist. Das Gesetz ist gut und zeigt die gute Moral Gottes, welche in keinem Punkt dem Menschen Schlimmes antun möchte. Die Schlechtigkeit des Menschen, welche durch das Gesetz aufgedeckt wurde, ist das Problem.

Verse 11-12

Das Gesetz ist wie ein mit Strom geladener Zaun um das Gute. Das Schlechte in mir drückt mich gegen diesen Zaun, so dass ich dabei durch einen Stromschlag umkomme. Nun hat mich der Zaun zwar getötet, doch nicht der Zaun ist schlecht deswegen, sondern das Schlechte in mir, welches mich dagegen gedrückt hat. Der Zaun ist und bleibt gut, da er eine Schutzfunktion hat. Das Schlechte hat ihn dazu benutzt, um mich umzubringen. Somit müssen wir eingestehen: Das Gesetz ist heilig, gerecht und gut.

Vers 13

13 Ist nun das Gute mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, damit sie als Sünde erschiene, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.   Röm 7,13

Vers 13

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass das Gesetz dem Menschen nicht helfen kann. Es kann seinen Mangel nicht ausgleichen. Es zeigt die gute Moral Gottes, doch es hat selbst keine Kraft in sich, dem diesbezüglich ohnmächtigen Menschen unter die Arme zu greifen und ihn auf das geforderte Niveau zu heben. – Wir verstehen nun die Schrift im Hebräerbrief, welche sagt:

18 Denn aufgehoben wird zwar das vorhergehende Gebot seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen  
19 - denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht – eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir uns Gott nahen.   Hebr 7,18-19

Das Gesetz wird hier als schwach und nutzlos dargestellt, denn im Blick auf die Rettung des Menschen konnte es überhaupt nicht helfen. Es zeigte dem Menschen nur in aller Deutlichkeit, wie gottlos sein Wesen ist und dass jeder Selbstverbesserungsversuch zum Scheitern verurteilt ist. Durch die Opfer hat es aber eine bessere Hoffnung eingeführt, denn es deutete an, dass ein Stellvertreter an unserer Statt für die Sünden zahlen wird. Durch ihn – und nur durch ihn (d.i. der Stellvertreter, Jesus Christus) – können wir Gott nahen (Joh 14,6; Heb 6,19).
Das Gute (das Gesetz) ist mir nicht zum Tod geworden, können wir hier antworten, sondern die Sünde in uns. Die Sünde wurde gross durch das Gebot, das Gebot brachte es dahin, dass sie sich nicht weiter verstecken konnte. Sie wurde aufgedeckt und in ihrer ganzen Hässlichkeit dargestellt.

Nebenbei erwähnt ist das Gesetz auch eine grosse Hilfe für Menschen, die ihr eigenes Ich erforschen und „finden“ möchten. Jene sollten das Gesetz intensiv bei sich selbst anwenden. Bald werden sie merken, dass sie zu schwach sind, es halten zu können und erkennen, dass sie schuldig und mit leeren Händen vor Gott stehen. Sie werden die vielgerühmte „Grenzerfahrung“ machen, ohne an Gummiseilen von Brücken springen zu müssen. Anschliessend, so hoffe ich, demütigen sie sich vor Gott und anerkennen, dass sie Rettung brauchen. Sie sollten anfangen Gott zu suchen und die Rettung, die er in Jesus Christus anbietet, annehmen, um völlig gerechtfertigt zu werden. Amen.

Verse 14-16

14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft;  
15 denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.  
16 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es gut ist. Röm 7,14-16

Vers 14

Wir wissen jetzt, dass das Gesetz gut, geistlich und von Gott ist (Rö 7,12). Der Mensch ist aber aus Fleisch und Blut und seit dem Sündenfall wohnt die Sünde in ihm (Rö 5,12).

Vers 15

Die Sünde verleitet den Menschen zum Sündigen. Es ist ein innerer Antrieb in uns, der uns Dinge machen lässt, die wir gar nicht wollen.

Vers 16

Dieser Vers zeigt, dass wir das Gesetz anerkennen: Wenn wir Dinge tun, die wir gar nicht tun wollen, beweisen wir damit, dass wir das Gesetz billigen. Somit sind wir auch mit dessen Forderungen einverstanden.

Verse 17-20

17 Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.
18 Denn ich weiss, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht.  
19 Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
20 Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.   Röm 7,17-20

Vers 17

In den vorherigen Kapiteln haben wir eindrücklich gesehen, dass der natürliche Mensch überhaupt nicht fähig ist, das Gesetz Gottes zu halten. Auch wenn er es wollte, es ist nicht einhaltbar und zwar nicht, weil das Gesetz schlecht ist, sondern weil der Mensch sich nicht auf dieses moralische Niveau heben kann. Die Natur des Menschen, des Nachfahren Adams, ist so verdorben, dass der Zustand unheilbar ist. In die Natur des natürlichen Menschen ist durch den Sündenfall ein schreckliches Element gekommen: Die Sünde (5,12). Die Sünde wohnt jetzt in dieser Natur.

Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz zur Verantwortlichkeit des Menschen abschweifen: Gott spielt keine Spiele. Er gab Adam die Verantwortung über die Schöpfung (1. Mo 1,26). Adam versagte jedoch in seinem Verantwortungsbereich und übertrat Gottes Gebot aus 1. Mo 2, 16-17. Die Konsequenz daraus war, dass unser Urvater die Sünde in die menschliche Natur hereinliess. So wie er gegen Gott rebellierte, rebellieren wir nun alle gegen ihn. Wir können nicht einmal anders, auch wenn wir es wollten, da die Sünde in uns wohnt. Durch den Fehler Adams wurde die Verantwortlichkeit des Menschen aber nicht entzogen oder auf eine andere Kreatur übertragen. Der Mensch bleibt Gott gegenüber verantwortlich. Allerdings steht er mit der innewohnenden Sünde auf verlorenem Posten, da er Gottes Rechtsforderung nicht erfüllen kann, auch wenn er wollte. Gott schafft aber in der Folge diese im Menschen wohnende Sünde nicht einfach aus der Welt, sonst wäre es mit der übertragenen Verantwortung nicht ernst gemeint gewesen. Doch Gott bietet dem Menschen einen Ausweg in Christus an. Der Mensch bleibt aber in der Verantwortung, indem es ihm selbst überlassen ist, das Heilsangebot anzunehmen oder es zu verwerfen.

Vers 18

Zu dieser Erkenntnis kommen viele Menschen. Vor allem Christen, welche dem HERRN ernstlich folgen möchten. Doch es soll nicht bei dieser Einsicht allein bleiben. Der Mensch soll wissen, dass es einen Ausweg gibt, auch wenn wir die adamitische Natur noch bis zum Tod „mitschleppen“ müssen. Hier sehen wir wieder die Ernsthaftigkeit von „Verantwortung tragen“. Gehen wir nicht leichtsinnig mit anvertrautem Handlungsspielraum um. Gehorsam gegenüber Gott ist vonnöten!

Vers 19

„Ich möchte gut zu meinen Eltern sein, verhalte mich aber oft sehr daneben.“ – „Ich möchte meine Frau selbstlos lieben, schreie sie jedoch an, wenn sie einen Kratzer am Auto verursacht hat.“ Solches und ähnliches haben wir bestimmt schon oft gedacht und uns gefragt, wieso wir so „funktionieren“. Die Antwort ist einfach: Wir sind das Spiegelbild eines verantwortlichen Menschen, der versagt hat. Adam liess eine perfekte Schöpfung zu einer mangelhaften verkommen. Er öffnete der Sünde die Türe zum Menschengeschlecht.

Vers 20

Nach der Schöpfung des Menschen beurteilt Gott durch die Schrift seine Schöpfung so: „Und siehe, es war sehr gut.“ Alles war perfekt. Gott würde sie nicht als sehr gut bezeichnen, wenn damals, vor dem Sündenfall, aus Adam nur Böses gesprudelt wäre, wie es heute aus dem Herzen der Menschen sprudelt (Mt 15,19). Doch seit dem Fall Adams fiel die Schöpfung in eine arge Schieflage, so dass Gott sich zu einem äusserst kostspieligen Wiederherstellungsplan entschliessen musste, da sie ihm teuer ist. – Wir sind uns nun bewusst, dass der Mensch eine schwere Hypothek mit sich trägt. Der Ungehorsam Adams, bzw. die Geringschätzung seiner Verantwortlichkeit, brachte einen grossen Schaden. Sie sollte uns eine Warnung sein!

Wir können von uns nicht behaupten, dass wir besser als Adam gehandelt hätten, denn selbst wir sind ohne Entschuldigung vor Gott. Wir können uns vor ihm nicht auf den Fehler Adams berufen und sagen, wir hätten den gleichen Fehler nie begangen. Bei fahrlässiger Sünde mag das vielleicht noch halbwegs gehen, doch spätestens bei vorsätzlicher gehen uns die Argumente aus. Ein gutes Bild darüber gibt Kain ab. Gott warnte ihn vor seinem bösen Brudermord (1. Mo 4,6-7). Gottes Ausspruch, er solle darüber (über die Sünde) herrschen, zeigt uns deutlich auf, dass Kains Tat nicht unsteuerbar (zwingend) geschehen musste. Obwohl die Sünde in Kain wohnte, war es seine eigene, willentliche Entscheidung Abel zu töten. Er brachte Abel trotz der Warnung vorsätzlich um. – Was will ich damit sagen? Damit sage ich, dass wir alle schon mal, trotz besseren Wissens (dem Bewusstsein, dass wir es nicht tun sollten), unseren Willen einfach vorsätzlich ausgeführt haben. Wir sind uns dieser Schuld auch bewusst und können Gott nicht Ungerechtigkeit vorwerfen wenn er uns zürnt und argumentieren, wir wären schuldlos, wenn die Sünde – für dessen Existenz in uns wir ja nichts dafür können – nicht in uns wohnen würde. Oder wer von uns kann behaupten, er habe noch nie bewusst gegen sein Gewissen gehandelt? Hätte Adam die Sünde nicht hereingelassen, hätten wir sie darum gebeten, so traurig das klingt.

Die Erkenntnis daraus ist, dass nicht die böse Natur des Menschen allein, für die Adam verantwortlich ist, Schuld am Fall der Menschheit ist. Die Grundübel sind Rebellion (Ungehorsam), Laschheit (Gleichgültigkeit) in der Verantwortung und eine Geringschätzung der Belohnung Gottes für seine gehorsamen Kinder. Wenn die Welt mit ihren Begierden lockt, wenn die Lust der Augen, die Lust des Fleisches und der Hochmut des Lebens (nach 1. Joh 2,16) locken, bringen wir gerne mal unser Gewissen zum Schweigen und lassen uns (vorsätzlich) zum Sündigen hinreissen.

Der Mensch weiss, dass er, ohne Ausnahme, so nicht weiter lebendig vor Gott bestehen kann und den (ewigen) Tod als gerechten Lohn der Sünde verdient hat (Rö 1,32).

Fassen wir zusammen:

  1. Dieser Vers sagt, dass die Sünde in uns, das Übel, welches Adam hereinliess, für unsere Übertretungen verantwortlich ist. Dies zeigt uns schonungslos auf, wie es sich verhält, wenn wir sorglos mit unserer Verantwortung umgehen. Durch sein Vergehen kam Sünde in das Menschengeschlecht.
  2. Obschon dieser Vers für sich allein aussagt, dass die Sünde in uns für die daraus resultierenden Sünden verantwortlich ist, sind wir selbst nicht ohne willentlich begangene Sünden und haben uns in gleicher Weise selbst verschuldet.

Verse 21-24

21 Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, <nur> das Böse vorhanden ist.
22 Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes.  
23 Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.  
24 Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? –   Röm 7,21-24

Vers 21

Wie ich es im Kommentar zum Vers 18 schon erstmals erwähnt habe, ist diese Erkenntnis zwar sehr ernüchternd, doch es sollte nicht bei dieser Tatsache allein bleiben. Wir haben in den letzten Kommentaren gesehen, dass Gott dem Menschen einen Ausweg bereitet hat, die Verantwortlichkeit aber bestehen bleibt. Es ist gut für den Menschen zu dieser im Vers beschriebenen Erkenntnis zu kommen. Wenn es aber an dieser Stelle zum Stillstand im Wachstum der Erkenntnis kommt, ist es nicht gut für den Menschen. Er könnte in eine ungesunde Lethargie (Untätigkeit) fallen und sich nicht weiter mit dem Evangelium auseinandersetzen. Gott möchte, dass wir darüber hinaus kommen, doch er überlässt die Entscheidung jedem einzelnen selbst, gemäss der Verantwortlichkeit, die jeder Mensch besitzt.

Vers 22

Menschen, vor allem – wenn nicht ausschliesslich – Christen, welche kritisch, gut und grundehrlich mit sich selbst umgehen, haben Gefallen am Gesetz Gottes. Gottes Gesetz schränkt den Menschen nur dort ein, wo ein Weitergehen zum Bösen und somit zum eigenen Schaden führen würde. Das Gesetz ist gut und gerecht (Rö 7,12). Der innere Mensch hat Wohlgefallen daran.

Vers 23

Paulus erwähnt in diesem Abschnitt verschiedene Gesetze. Mit „Gesetz“ ist nicht ausschliesslich das Gesetz des Mose, wie beispielsweise in Rö 3,19, gemeint. Es gibt auch ein Gesetz des Glaubens (Rö 3,27), ein Gesetz des Sinnes (7,23) – ohne die Aufzählung abzuschliessen. Hier spricht Paulus über eine Gesetzmässigkeit, welche in seinen Gliedern steckt. Er spricht vom Gesetz und der Tatsache, dass die Sünde in uns gegen unseren Sinn streitet. Unser Wollen wird durch die Sünde in unseren Gliedern in der Ausführung gehemmt, so dass wir nicht unseren Willen vollbringen, sondern den Willen der in uns wohnenden Sünde (siehe Verse 18-19).

Vers 24

Wer einen solchen Ausruf von sich gibt, wer die volle Erkenntnis über die Gesetzmässigkeit, die in ihm wohnt, bekommen hat, muss sich auf völlig verlorenem Posten wiederfinden. Ein solcher Mensch hat erkannt, dass es von sich aus völlig ausweglos ist Gott gefallen zu können. – So schlimm diese Erkenntnis auch empfunden wird, so heilsam ist sie auch: Sie bewahrt den Menschen vor Religiosität. Religiosität ist ein Mittel des Menschen, Gott zu gefallen. Der religiöse Mensch denkt, er könne sich Gunst bei Gott erkaufen, wenn er Dinge tut, von denen er glaubt, ihre Ausübung würde Gott beeindrucken. Um es gleich vorwegzunehmen: Religiosität beeindruckt Gott nicht, sie ermüdet ihn vielmehr. Denn was kann ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben?

37 Denn was könnte ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben?  
38 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.   Mk 8,37-38

Diese Verse aus dem Markusevangelium zeigen auf, dass das Menschengeschlecht ehebrecherisch und sündig ist. Es braucht den Sohn des Menschen, Christus. Der Mensch kann für sein Leben nichts geben, er BRAUCHT einen Erlöser! Hüten wir uns vor Religiosität, welche vor Menschen den Anschein von Gottesfurcht erweckt, jedoch völlig nutzlos ist!

Fassen wir zusammen:

  1. Ehrliche Menschen – wenn nicht ausschliesslich ehrliche Christen – werden in den Anfängen ihres Suchens nach einem gottgefälligen Leben zu der Erkenntnis kommen, dass, je mehr sie sich anstrengen, gottesfürchtig zu leben, desto grösser ihr Versagen ist. Schuld daran ist die Gesetzmässigkeit in ihnen, welche zum Sündigen anstiftet, auch wenn man sich für den guten Weg entschieden hat (Rö 7,19).
  2. Das Erkennen dieser Gesetzmässigkeit sollte auf keinen Fall zur Religiosität führen. Es gibt absolut keine Rituale, die uns aus der Klemme, dem Leib des Todes führen könnten. Wenn es das gute Gesetz Gottes nicht konnte (mit allen dazugehörenden göttlichen Ritualen), sollen wir an dessen Stelle menschliche und somit noch schwächere Elemente setzen? Niemals! Jeder vernünftige Mensch erkennt das als Dummheit. Hier gilt ganz klar: Für den Menschen ist es unmöglich! Der Blick muss auf Gott und sein Heil gerichtet werden!

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher wird meine Hilfe kommen?  
2 Meine Hilfe <kommt> vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.   Ps 121,1-2

27 Er aber sprach: Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott.   Lk 18,27

Vers 25

Schliessen wir nun die Betrachtung des siebenten Kapitels ab mit dem Kommentar des letzten Verses:

25 Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also diene ich nun selbst mit dem Sinn dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.   Röm 7,25

Vers 25

Mit dem Fleisch diene ich dem Gesetz der Sünde. Hüten wir uns vor dem Trugschluss, nach der Lektüre von Römer 7 zu glauben, jemand aus den Nationen (ein Ungläubiger, Nichtchrist, nicht neu geborener Mensch) wäre überhaupt nicht lernfähig in Bezug auf seinen Charakter. Wenn wir mit dieser Meinung in Diskussionen mit Weltmenschen einsteigen würden, wäre die Wahrheit nicht richtig dargestellt. Auch solche Menschen können dem Guten näherkommen. Es muss ein Unterschied gemacht werden zwischen dem Sinn und dem Fleisch des Menschen. Bei Christen kommt noch ein drittes Element dazu: Die geistliche Natur.

Der natürliche, nicht wiedergeborene Mensch ist im Sinn auch formbar. Das sehen wir am besten bei der Erziehung. Ein sich selbst überlassener Junge macht den Eltern Schande (Spr 29,15). Ein gut erzogenes Kind wird von vielem Leid bewahrt. Ein Kind, dem Leitplanken gesetzt wurden, kann sich auch besser in der Gesellschaft bewegen. Es ist fähig, sich Vorgesetzten unterzuordnen und sich in der Wirtschaft zu bewähren im Gegensatz zu einem sich selbst überlassenen. Der eine Zögling kann kriminell werden, der andere ein Segen für die Gesellschaft. Der natürliche Mensch ist in der Lage Gutes zu tun, was Jesus selbst bestätigt:

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!   Mt 7,11

Ist das jetzt nicht verwirrend? Bis jetzt haben wir gelernt, dass unsere adamitische, fleischliche Natur im Lichte Gottes nur böse, sogar unheilbar ist. Wie ist es denn möglich, dass ein Nachfahre Adams doch gute Gaben zu geben weiss und dass es auch Unterschiede im Grade der Bosheit unter den Menschen gibt? Dass es sie gibt, ist zweifelsfrei, denn beim Urteil über die Nationen wird ein Unterschied zwischen den Menschen gemacht – einem Gericht, in dem nicht Christen gerichtet werden, für letztere ist es das Gericht mit dem Richterstuhl (Mt 25,19; 2. Kor 5,10). In Matthäusevangelium (Kap 25, 31-46) wird, wie gesagt, ein Unterschied zwischen den Ungläubigen gemacht. Die einen werden in die Hölle geworfen, andere, die jemandem aus dem Volke Gottes geholfen haben und somit eine Berührung mit Christus hatten, welcher das Haupt des Leibes ist, bekommen dieses Los nicht zu spüren. Sie dürfen gar in die Königsherrschaft eintreten.

Natürlich ist ihre Belohnung nicht dieselbe wie die eines Christen. Ein Christ gehört zu der Familie des Königs. Er gehört zu den Besitzern des königlichen Vermögens und ist demnach auch ein Verwalter des Reiches. Ein Christ hat das Anrecht auf den Thron (Offb 3,21). Es ist ein grosser Unterschied zur Familie des Herrschers zu gehören oder einfach nur im Königreich leben zu dürfen. – Lassen Sie mich an dieser Stelle noch bemerken, dass die weitverbreitete Meinung im Christentum, alle nicht wiedergeborenen Menschen kämen grundsätzlich in die Hölle, falsch ist und den himmlischen Vater als ungerecht und völlig unbarmherzig darstellt. Sie sagt nämlich aus, dass der Nachbar, der seiner Frau immer treu war, die Steuern nie hinterzogen hat und Gottes Moral auch teilweise in seinem Leben anzuwenden versucht hat, gleich zu bestrafen sei wie ein gewissenloser Völkermörder. Diese Meinung ist unbiblisch.

Doch wie ist nun das Fleisch, die alte Natur des Menschen mit dem Sinn des Menschen zu unterscheiden? Die alte Natur ist das Wesen eines Menschen. Das Wesen einer Katze unterscheidet sich mit dem Wesen eines Hundes. Das Wesen der Katze ist eigenwillig, jenes des Hundes beinhaltet Treue. Beim Esel beinhaltet es etwas Störrigkeit. Die alte Natur des Menschen ist schlicht ungeeignet für das Reich Gottes. Sie passt in die böse Welt (Joh 7,7), in das Reich der Finsternis (Kol 1,13). Wer am Ende vernichtet werden und in dieser Welt gross raus kommen möchte, ist mit ihr gut bedient. Sie hilft ihm, nach dem Wesen der Welt zu leben. Wie sich eine Katze unter Katzen wohlfühlt und ein Schwein unter Schweinen, fühlt sich die alte Natur unter ihresgleichen wohl. Um Böse scharen sich gleichgesinnte (Spr 29,12).

Der Mensch kann als höchste Kreatur in der Schöpfung mit dem Verstand, seinem Sinn, sein Wesen etwas beeinflussen. Er kann sein Wesen nicht grundsätzlich ändern. Was vom Fleisch geboren wird ist Fleisch (Joh 3,6). Eine Katze kann nicht zum Hund mutieren. Das Wesen bleibt sich gleich. Und dieses Wesen des Menschen ist gefallen, die Sünde kam hinein. Nun ist das menschliche Wesen nicht mehr fähig, in Gottes Gegenwart zu leben. Gott musste in der Folge den Menschen aus seinem Garten verbannen (1. Mo 3,24). Das menschliche Wesen wurde durch den Sündenfall so negativ verändert, dass es die Gegenwart Gottes nicht weiter erträgt und den ursprünglichen Auftrag, die Erde zu beherrschen, nicht mehr befolgen kann. Die Nachkommenschaft Adams kann ihre Verantwortung nur noch in einem sehr beschränkten Masse wahrnehmen. Sie hat die erhabene Aufgabe, Gott in sich aufzunehmen, verpasst. Sie kann sich jetzt aber immer noch durch den Verstand entscheiden, ob sie – ihrem Wesen zuwider – doch noch etwas Gutes tun möchte. So können wir verstehen, dass es unter den Ungläubigen gut erzogene aber auch total gottlose und kriminelle Menschen gibt.

Trotz dieser frappanten Unterschiede reicht das Wesen der „gut erzogenen Menschen“ bei weitem nicht an die Messlatte Gottes, die für sein Reich gilt. Eine Katze, um wieder eine „tierische Veranschaulichung“ zu gebrauchen, kann keinen Pflug ziehen, so artig wie sie sich auch anzustellen versucht. Ein anderes Wesen muss für diese Aufgabe her: Ein Ochse. Wie die Katze für den Pflug untauglich ist, ist es der natürliche Mensch für das Reich, da kann er sich anstrengen, wie er will. Er hat das falsche Wesen, daran gibt es nichts zu rütteln. Dieses alte Wesen des Menschen nennt die Bibel „Fleisch“. Es kann Gott nicht gefallen. Daher ist das Fleisch im Lichte Gottes unheilbar, böse und für das Gericht bestimmt. Mit dem Fleisch dient der Mensch der Sünde, dem Wesen des Fleisches.

Der Apostel dankt in diesem Vers Gott durch Jesus Christus. Er weiss, dass Gott in Jesus Christus einen Ausweg aus dieser – für den Menschen völlig aussichtslosen – Situation geschaffen hat. Jesus schaffte etwas völlig Neues, eine neue Kreatur, einen neuen Menschen, dessen Wesen göttlich und somit fähig ist, in Gottes Reich zu bestehen.

Dieses neue Wesen wird in uns hineingeboren, wenn wir zum Glauben kommen (Joh 3,7). Wir bekommen eine geistliche Natur, da wir aus Gott geboren werden (1. Joh 5,1) und Gott Geist ist (Joh 4,24). Daher können wir sagen, dass wir eine neue Kreatur (Schöpfung) sind. Das Fleisch wird nicht erneuert oder verbessert, eine neue Schöpfung kommt hinzu (2. Kor 5,17). Diese läuft parallel mit der alten, bis wir sterben oder, falls wir Christi Wiederkunft erleben, direkt verwandelt werden (1. Kor 15,52). Wir sind nun durch die Schrift angeleitet, das alte Wesen, das Fleisch, zu verleugnen (d.h. nicht mehr zu berücksichtigen und seinen Begehren nicht mehr zu entsprechen).

Kapitel 8

Verse 1-2

1 Also <gibt es> jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.  
2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.  
Röm 8,1-2

Vers 1

Der Apostel eröffnet das achte Kapitel mit dem Wort „also“. Synonyme (andere Wörter die das Gleiche aussagen) für „also“ sind: folglich, demnach, demzufolge, infolgedessen, dementsprechend, darum, daher. Das Wort „also“ knüpft an das im Voraus Gesagte an. Mit anderen Worten hätte Paulus das Kapitel auch folgendermassen eröffnen können:

„Wenn ihr die vorangegangenen Kapitel erfasst habt, wisst ihr jetzt, wieso es keine Verdammnis für die gibt, die in Christus Jesus sind. Denn ich habe darin ja erklärt, dass die Natur des Menschen böse ist und auch durch einen vernünftigen Sinn nicht soweit gebracht werden kann, dass der Mensch mit dem Reich Gottes kompatibel (miteinander vereinbar) wird. Seine Natur ist zu schlecht, seine Sünden sind dazu nicht durch ihn selbst aus der Welt zu schaffen und sind somit aus eigener Kraft nicht zu sühnen, um mit Gott durch erreichte Untadeligkeit in Frieden zu kommen. Nicht einmal ein von Gott persönlich angeordnetes „Moralprogramm“, das Gesetz des Mose, konnte den Menschen so formen, dass er sich von „böse“ zu „gut“ oder „angenehm vor Gott“ verändert hätte. Deshalb lag damals und liegt heute noch durch ein völlig gebrochenes Gesetz und ein Handeln wider sein Gewissen Gottes Zorn auf dem natürlichen Menschen (Joh 3,36). Im Kapitel 5 habe ich erklärt, dass es in Jesus Christus einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt. Er sühnte unsere Schuld und gibt den Glaubenden eine dem Reich entsprechende Natur, die „gut“ und „angenehm vor Gott“ ist. Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“

Mit Bildern veranschaulicht heisst das jetzt, dass wir, die wir böse Schlangen (unreines Tier, 3. Mo 11,42) waren und untauglich für das Joch des Pfluges im Reich, durch Christus zum Ochsen (reines Tier) haben mutieren dürfen. Wir christusgläubigen Menschen sind jetzt rein und tauglich für das Reich. Wir passen nun unter den Ochsenpflug, wogegen das als Schlangen einfach nicht geklappt hat, so sehr wir es auch wollten. – Zu dieser Veranschaulichung, damit sie nicht falsch verstanden wird, ist noch zu erwähnen, dass wir nicht zum Schuften (wegen dem Beispiel „Ochsenpflug“) errettet wurden. Als Christen sind wir zwar auch Gottes Knechte in seinem Dienst (2. Tim 2,4), doch wir sind auch Söhne. Söhne sind – im Gegensatz zu Knechten – Kinder des Königs und somit auch Erben des Reiches.

Vers 2

Das Gesetz des Geistes des Lebens ist nicht das Gesetz des Mose. Beide wirken zwar nach den gleichen Regeln: Ein Gesetz ist ein Grundsatz, welcher in einer unabänderlichen Weise wirkt. Wie Moses Gesetz nicht zu umgehen war – es musste in allen Punkten unbedingt eingehalten werden – ist das Gesetz des Geistes des Lebens nicht abänderbar. Doch die beiden Gesetze unterscheiden sich so voneinander, wie sich der Tag von der Nacht unterscheidet, wenn ich das mal so formulieren darf. Das Gesetz des Mose forderte in unabänderlicher Weise von einem unfähigen Menschen Dinge, die er aufgrund seiner Natur nicht bringen konnte, das Gesetz des Geistes des Lebens macht in einer unabänderlichen und sicheren Weise klar, dass der befreite Mensch frei vom Gesetz des Mose ist. Das ist Gesetz und ein Gesetz ist hieb- und stichfest, viel mehr noch, da es von Gott kommt.

Der ganze Brief an die Galater ist dem Thema gewidmet, nicht mehr unter das Gesetz des Mose zu fallen, da man sich dabei unnötig unter (hoffnungslose) Knechtschaft begeben würde. Wir stehen ja jetzt mit dem neuen Gesetz in Verbindung, dem Gesetz des Geistes des Lebens! Wir sind frei von der Knechtschaft des Gesetzes Mose.

Sie fragen sich vielleicht nun, liebe Leserin und lieber Leser, wieso ich das so betone und der Definition von Gesetz und seiner Unabänderlichkeit soviel Aufmerksamkeit schenke. Ich tue dies aufgrund der grossen lehrmässigen Verwirrung im Christentum. Zu viele Christen sehen ihre Errettung in Christus als nicht sicher und unabänderlich an. Im Christentum herrscht eine Verwirrung bezüglich Sicherheit der Errettung und der Belohnung als Folge der Treue und des Fleisses. Dass Gottes Belohnung individuell ausfällt, je nach Treue und Fleiss, ist offenbar. Das können wir an verschiedenen Stellen nachlesen (1. Kor 3,12-15; Mt 25,14-30 (Treue); Lk 19,12-26 (Fleiss)). An dieser Stelle im Römer 8 ist von der Errettung die Rede, nicht vom Verhalten des Christen. Die Errettung ist an die Tat Christi geknüpft und somit – unabhängig von unseren Taten – fest gegründet. Der Geist des Lebens kam in uns hinein und fortan wirkt dessen Gesetz unabänderlich. Es wirkt, ob wir an dessen Wirkung glauben oder nicht. Ob wir an Gesetze glauben oder nicht, sie wirken. Wenn eine bestimmte Kurve mit dem am allerbesten Sportwagen höchstens mit 80 km/h befahren werden darf, weil bei höherer Geschwindigkeit das Gesetz der Fliehkraft das Auto aus der Fahrbahn tragen würde, können wir die Kurve nicht ohne Unfall mit 120 km/h befahren, auch dann nicht, wenn wir nicht an das Gesetz der Fliehkraft glauben. Das Gesetz wirkt unabänderlich. So unabänderlich ist unsere Errettung in Jesus Christus, wenn wir an ihn glauben. Das Gesetz des Geistes des Lebens macht uns augenblicklich frei vom Gesetz der Sünde und des Todes.

Da Gesetze nicht einfach so aufgehoben werden können, mussten wir dem Gesetz der Sünde und des Todes absterben. Es wurde nicht aufgehoben, sondern wir sind ihm abgestorben. Wir starben als Schlange, gegen die das Gesetz gerichtet war. Wir wurden als „Ochse“ geboren, um wieder zu unserer Veranschaulichung zurückzukommen. Gegen den „Ochsen“ ist das Gesetz des Mose nicht gerichtet. Wir sind also frei! Und weil das göttliche Leben in uns nicht sterben kann (Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten, Mk 12,27), wirkt dieses Gesetz des Geistes des Lebens für immer in uns. Es ist nicht vorgesehen, in einen anderen Zustand zu mutieren, es ist nicht mehr möglich, diesem göttlichen Leben absterben zu können. Dies wird weiter im 1. Korintherbrief befestigt. Auch wenn jemand weder sehr treu noch fleissig ist als Christ, wird er trotzdem vor der Hölle errettet. Er fährt zwar im Blick auf die Belohnung (Heb 11,6) einen Riesenverlust ein, doch er verliert den Status als Sohn nicht, weil dieser Status unumstösslich auf Christi Werk gründet und nicht durch die Werke des Christen erarbeitet werden kann (1. Kor 3,15). Amen.

Verse 3-4

3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, <tat> Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte,  
4 damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.   Röm 8,3-4

Vers 3

Wie ich schon sehr oft erwähnt habe, bedeutet das „dem Gesetz Unmögliche“ in diesem Vers, dass es dem Gesetz nicht möglich war, obwohl göttlich, den gefallenen Menschen moralisch und charakterlich auf die erhabene Stellung Gottes zu bringen. Das Fleisch des Menschen ist kraftlos im Blick auf diese Aufgabe.

Gott machte möglich, was das Gesetz nicht fertigbrachte: Er sandte seinen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches, als vollwertigen Menschen, wie es Adam vor dem Sündenfall war, ohne Fehl und Tadel (Joh 8,46; Heb 4,15), ohne Sünde, damit er stellvertretend als reines Opfer für Sünder sterben und mit seinem Tod für sie sühnen kann. So kann jeder, der an ihn glaubt, frei ausgehen.

Christus wurde in allem nochmals versucht, wie Adam. Adam fiel, Christus blieb ohne Sünde. Hier steht, dass Christus in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde kam. Ein Bild dafür ist die eherne Schlange, die Mose machen musste (4. Mo 21,8). Jesus selbst nimmt diese Veranschaulichung als Bild für sein Sterben (Joh 3,14). Jesus nahm die Gleichgestalt des sündigen Menschen an, als vollwertiger Mensch wurde er durch eine Frau geboren, doch ohne Sünde. Er trug das Bild des Menschen, war aber rein, nicht sündig wie der Mensch. Er sah äusserlich aus wie eine Schlange, um das Bild zu gebrauchen, hatte aber nicht ihre Natur (er war bronzen, die alte Natur des Menschen ist eine echte Schlangennatur). Er liess die Sünde nicht hereinkommen, im Gegensatz zu Adam, obwohl er genau gleich versucht wurde (Heb 4,15). An dieser Stelle wird nochmals die Verantwortung, welche am Mann übertragen wurde, sehr scharf umrissen: Es ist so, dass die Erbsünde durch den Mann den Generationen weitergegeben wird, nicht durch die Frau. So konnte Jesus völlig sündlos zur Welt kommen, da die männliche Erbinformation von Gott kam. Doch er war auch vollkommener Mensch - die menschliche Erbinformation (von Eva) fehlte nicht. Jesus war ohne einen einzigen Fehler, wie schon die Opfer im Alten Testament aufzeigen. Die Tieropfer, welche ein Schatten auf das wahre Opfer Christi sind, mussten ohne Fehler und Flecken sein, da sie sonst das Bild verfälscht hätten (z.B. 4. Mo 6,14).

Kommen wir mit unserer Betrachtung zurück zu unserem Vers. Christus verurteilte die Sünde im Fleisch, wie wir in diesem Vers weiterlesen können. Was bedeutet das? Indem Jesus, der als vollwertiger Mensch durch die Frau zur Welt kam und nicht hätte zu sterben brauchen, da er ohne Sünde war, trotzdem den Tod wählte, machte er den Weg frei für einen neuen Menschen (Joh 12,24), den geistlichen. Damit offenbarte er, dass der fleischliche keine Zukunft hat. Die fleischliche Generation hatte in allen Punkten versagt, dieses Sündenfleisch musste deshalb öffentlich beendet werden. Dies tat Jesus schon sinnbildlich, indem er den Feigenbaum verfluchte und verdorren liess (Mk 11.13-14). Der Feigenbaum symbolisiert bekanntlich ja Israel (als Bsp: Hos 9,10; Joel 1,7). Israel hatte die beste Voraussetzung, Gottes Gesetz zu erfüllen. Dazu wurde es von allen Völkern abgesondert, um nicht verführt zu werden (Jos 23,12). Doch auch unter diesen allerbesten Umständen schaffte es der Mensch nicht, sich nur annähernd Gottes Rechtsordnung gemäss zu verhalten. Deshalb verurteilte Jesus das Fleisch für immer, indem er zum Feigenbaum sagte, dass nie mehr in Ewigkeit Frucht daran sein soll!

So hart es klingt, so wunderbar ist diese Tatsache. Nach jahrhunderte langem sich beweisen dürfen schaut Gott nicht länger zu und beendet die Bewährungsperiode für das Fleisch und Ego des Menschen. Gott gab diese Bewährungsprobe, obschon er wusste, dass es der Mensch nicht schaffen wird. Alle Zweifel mussten auf der Seite des Menschen ausgeräumt sein: niemand sollte einmal vor Gott stehen können und sagen, er habe nie versuchen dürfen, das Gesetz zu halten. Gott gab in seiner Gnade und Langmut diese Gelegenheit – und das über Jahrhunderte! Es wurde Zeit, diese Übung ein für allemal abzubrechen und die Sünde im Fleisch zu richten. Nicht länger müssen wir uns beweisen, was schon lange bewiesen ist. Wir sind nicht gerecht und gut, auch wenn wir es wollten. Wir brauchen einen Erlöser! Wir brauchen eine andere Natur, frei von Sünde! Wir brauchen jemanden, der dieses Neue schafft. Das Alte muss verurteilt und abgeschafft werden, damit wir Sicherheit bekommen! – All das tat Christus für uns! Er sei gepriesen! Amen.

Vers 4

Durch Christi Tat, der Beendigung und Verurteilung der alten Natur und der Schaffung der neuen wird die gefürchtete Rechtsforderung des Gesetzes in uns erfüllt. Die neue begehrt nicht gegen das Gesetz auf, sie liebt vielmehr den Willen Gottes in allen Punkten! Sie kann gar nicht dagegen arbeiten, so wunderbar ist sie (1 Joh 5,18). Wir sündigen nur, wenn wir uns von der alten Natur verleiten lassen. -  Gott möge uns davor bewahren!

Verse 5-8

5 Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist.  
6 Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden,  
7 weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht.  
8 Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen. Röm 8,5-8

Vers 5

Dieser Vers ist nicht schwer zu verstehen. Er macht deutlich, dass die Kreatur ihrer Natur gemäss denkt. Ein Affe hält Ausschau nach Bananen, eine Katze nach Mäusen und fleischliche Menschen nach Ärger, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf. Geistliche, von Gott gezeugte Menschen, welche ihren Verstand auf die neue Natur ausrichten, handeln dieser gemäss, welche im Einklang mit Gott ist.

Vers 6

Im Kommentar zum Vers 5 habe ich beim der Gesinnung des fleischlichen Menschen bewusst das Wort „Ärger“ gewählt. Denn ein fleischlicher Mensch, so gut er auch zu leben versucht hat, wird sich am Ende bei Gott grossen Ärger einhandeln. Seine Gesinnung bringt ihm nämlich den Tod, da er auf Böses sinnt (Mt 15,19). Die Gesinnung des Geistes ist göttlich, da der Geist von Gott kommt. Wer die neue Natur hat und in ihr wandelt, wird in den von Gott vorbereiteten Werken bleiben (Eph 2,10).

Verse 7-8

Weil das Fleisch genau die gegenteilige Gesinnung Gottes vertritt, ist sie dem Gesetz Gottes nicht untertan. Wie wir in den letzten Versen auch herausgefunden haben, kann das Fleisch sich dem Gesetz nicht unterordnen.

Daraus folgt die logische Konsequenz, dass Menschen, die im Fleisch sind, Gott nicht gefallen können. Dies trifft auf natürliche Menschen, wie auch auf fleischliche Christen zu, wobei hier zwischen Christ und Weltmensch unterscheidet werden muss. Der Weltmensch ist in seinem ganzen Sein gegen Gott. Er kann Gott von Natur aus nicht gefallen. Er hat nicht das Leben in sich, welches nach göttlichem trachtet. Er ist für Gott auch kein angemessenes Gegenüber, er kann Gott nicht auf Augenhöhe begegnen. Es ist für Gott so, wie wenn einem Löwen eine Schlange begegnet: Sie können miteinander nichts anfangen. – Der fleischliche Christ hat im Gegensatz zum Weltmenschen eine Natur in sich, die Gott gefällt. Er hat das göttliche Element in sich. Er gefällt Gott grundsätzlich, da er niveauvolle Werke tun könnte und ein Gegenüber darstellt: Ein Löwe begegnet seinem Löwenbaby. Handelt das „Baby“ aber noch fleischlich, verhält es sich nicht Gott gemäss. Es ist ein unartiges Geschöpf. So sind fleischliche Christen. Sie sind Söhne Gottes, handeln aber nicht nach seinem Willen. Sie handeln nach altem Muster, wie Schlangen, obschon sie keine mehr sind. Solche muss Gott massregeln, wie es verantwortungsvolle Eltern tun (Heb 12,6). Er muss ihnen zeigen und sie lehren, wie sich Königskinder zu benehmen haben.

16 Wehe dir, Land, dessen König ein Junge ist und dessen Oberste <schon> am Morgen speisen!  
17 Glücklich du Land, dessen König ein Edler ist und dessen Oberste zur <rechten> Zeit speisen, als Männer und nicht als Zecher! –   Pred 10,16-17

Von Gott zubereitete Christen wissen, was sich geziemt und was nicht. Sie suchen nicht ihren Vorteil wie die Herrscher dieser Welt (Jak 2,6), sondern das Gute für die Menschen (Jak 1,27). Sie protzen nicht mit ihren Jachten vor Touristenstränden und lassen sich ebenso wenig von den Massen als Wohltäter feiern. Geistliche Menschen wandeln in Stille und arbeiten – wie Gott selbst – für das Wohl der Menschen, indem sie Fürbitte tun für alle Menschen (1. Tim 2,1) und sich nicht selbst gefallen wollen. Sie handeln nicht nach der weltlichen Weisheit „tue Gutes und sprich darüber“, um sich im Menschenlob zu baden. Sie verhalten sich wie Oberste eines Edlen, welche nicht schon am Morgen zum Zechen zusammenfinden und die Regierungsverantwortung mit Füssen treten. Amen.

Verse 9-10

9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.  
10 Ist aber Christus in euch, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen.   Röm 8,9-10

Vers 9

Ein Christ ist nicht „im Fleisch“. Er kann sich zwar fleischlich benehmen (1. Kor 3,3) oder sich so fühlen (Rö 7,14). Er wird jedoch nicht als „im Fleisch“ betrachtet. Betrachten wir mal unsere Stellung aus der Sicht des Epheserbriefes:

6 Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus,
10 Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.   Eph 2, Verse 6 und 10

Wenn Gottes Geist in uns wohnt, sind wir sein, dann sind wir echte, wiedergeborene Christen. Wer glaubt wird errettet (Rö 10,9) und bekommt den Heiligen Geist (2. Kor 5,5). Es ist die logische Konsequenz der Tatsache, dass Gott Geist ist (Joh 4,24). Wenn Gott Kinder zeugt, müssen sie Gottes Geist in sich haben. Deshalb heisst es, dass nicht sein ist, wer Christi Geist nicht hat.

Die alte Natur des Christen wird als gestorben betrachtet, sie ist nicht mehr relevant. Wenn sie für Gott nicht mehr relevant ist, sollte sie es für uns auch nicht mehr wichtig sein: Wir sollten sie dort lassen, wo sie hingehört: im Tod. Sie soll nicht mehr auf unserem Radar eine Rolle spielen und nicht mehr mit Dingen aus der Welt, die einen sündigen Touch haben, gefüttert werden. Vielmehr sollen wir darauf achten, dass unser Geist mit Göttlichem genährt und gestärkt wird, damit wir im richtigen Wandel fest werden. – Fokussieren wir uns deshalb nicht auf das Fleisch, wenn die Bibel es nicht tut. Sie sagt: „Ihr aber seid nicht im Fleisch…!“ Amen.

Vers 10

Nicht wahr, manchmal ist es schwierig zu unterscheiden, wessen Wille denn in Wirklichkeit zählt, derjenige der Natur oder der unsrige. Man kommt unweigerlich nicht um die Vermutung, die Natur habe einen eigenen Willen, welcher gegen Gott (alte Natur), bzw. für Gott ist (neue Natur). Dazu haben wir unseren eigenen Willen, mit dem wir selbst entscheiden können, ob wir nun Gott gehorchen wollen oder nicht. Es könnte nun die Annahme aufkommen, unser Wille sei nur ein Spielball der Naturen und zu nichts wirklich Entscheidendem nütze. – Dass dem nicht so ist, möchte ich mit folgender Veranschaulichung zeigen:

Wie im Kommentar zu den Versen 7-8 schon ansatzweise erklärt, hat jede Natur eine Eigenart.
Das sehen wir unter den Tieren sowie den Menschen. Katzen mögen unabhängig von ihrem Charakter Fleisch, wie die Affen Bananen und die Bären Honig gerne haben. Das gilt grundsätzlich bei diesen Tieren, obschon sie sich individuell sehr unterscheiden mögen. Wenn wir bei den Katzen als Beispiel bleiben, haben sie, wie die Menschen, sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Die einen sind sehr anhänglich, andere wiederum ziemlich abweisend. Sie haben eine Katzennatur, welche das Tier in einer gewissen Weise prägt und dominiert. Sie haben aber auch ihre individuellen Züge. Die einen wollen mehr Zärtlichkeiten, andere sind als eher gefühlskalt wahrnehmbar. So verhält es sich auch bei den Menschen. Menschen sind geprägt durch ihre Natur und doch sind sie untereinander sehr unterschiedlich. Doch die Natur gibt Grundsätzliches vor: Menschen gehen aufrecht, sie kommunizieren und tauschen gerne Gedanken untereinander aus, bauen sich Unterkünfte, erfinden neue Dinge, und so weiter. Die Natur des Menschen ist viel weiter entwickelt als jene eines Tieres. Tiere sind in einem gewissen Masse lernfähig, der Mensch noch viel mehr. Menschen lernen mit zunehmendem Alter ihre Umgebung immer besser kennen und entwickeln ihren Verstand. Mit diesem entscheiden sie alltägliche, sowie auch grössere Dinge. Sie können entscheiden, wann sie jeweils am Morgen aufstehen bzw. wen sie heiraten wollen.

An einem anderen Beispiel können wir das weiter veranschaulichen: Die Natur des Menschen ist ein Auto, jene des Tieres ein Fahrrad. Von aussen sind die beiden Fahrzeuge sehr gut zu unterscheiden: Das Fahrrad hat nur zwei Räder und muss mit Muskelkraft angetrieben werden, wogegen das Auto vier Räder und einen eigenen Antrieb besitzt. Die Natur gibt schon sehr vieles vor: Das Aussehen, die Art der Fortbewegung, die Art des Schlafens und der Kommunikation. Sie hat in einer gewissen Art einen Willen, obschon sie nicht selber denken kann. Das Auto will zur Fortbewegung auf seinen Rädern rollen, dann bleibt es intakt. Wenn wir es aber von einer Anhöhe seitlich kippen und es so, sich überschlagend, den Abhang hinunterpurzeln lassen, handeln wir gegen die Natur des Autos. Es wurde nicht dafür gebaut – es wird so nicht erhalten: Es muss auf diese Art etwas Widernatürliches über sich ergehen lassen und wird auf diese Weise zerstört. Das Auto will rollen und sich nicht überschlagen. So gibt es in der Natur des Menschen auch Dinge, die sie (die Natur) tun „will“. Sie will beispielsweise an einem gemütlichen Ort schlafen. Sie will Geborgenheit und Sicherheit. Sie will regelmässig Nahrung einnehmen. Das ist die Eigenart der menschlichen Natur. Das gilt für jeden Menschen grundsätzlich, denn jeder Mensch ist anhand dieses Beispiels ein Auto mit den Eigenschaften eines Autos. Die Seele des Menschen können wir mit dem Fahrer des Autos vergleichen: Jeder Fahrer steuert das Auto individuell. Nicht alle fahren genau um 07:00 Uhr los und halten genau um 09:00 Uhr wieder an. Auch sind die gefahrenen Strecken unterschiedlich. Die einen fahren nach Norden, andere wiederum nach Süden. Trotzdem bleibt Grundsätzliches: Sie bewegen sich alle auf vier Rädern fort. Das legt die Natur fest. Daran kann der Fahrer nichts ändern, er ist im Falle des Menschen fest mit dem Auto verbunden. So, wie die Seele im Menschen drin ist, sitzt dieser Fahrer fest verbunden in seinem Auto. Er kann zwar über vieles entscheiden, wie das Fahrziel und die Dauer der Fahrt, doch er kann das Auto nicht verlassen und ein anderes Verkehrsmittel nehmen.

Betrachten wir nun anhand dieses Beispieles die beiden menschlichen Naturen, die alte und die neue. Die alte ist gemäss der Bibel, in den Augen der höchsten Instanz, heruntergekommen und nicht mehr strassentauglich. Sie ähnelt einem alten, verbeulten Auto, welches scharfe Kanten, einen mangelhaften Motor, unsichere Bremsen und ungeeignete Schmierstoffe besitzt. Es stellt auf der Strasse eine Gefahr dar. Solche Autos können trotz der besten Verkehrsführung und –leitung nicht ans Ziel kommen. Auch wenn der beste und wohlwollenste Verkehrsexperte solche mangelhaften Autos ans Ziel bringen will, schaffen sie es nicht anzukommen. Da hilft der feinste Strassenbelag, die beste Beschilderung und die beste Fürsorge für den Fahrer nichts. Trotz bestem Fahrtraining, exzellenter Infrastruktur und bestem Wetter schafft es das Gespann (Fahrer und Auto) nicht, ans Ziel zu gelangen. Der Motor gibt vorher den Geist auf, beziehungsweise lassen versagende Bremsen die nächste Kurve verfehlen. – So ist ein natürlicher Mensch unter Gesetz. Das Gesetz ist göttlich und gut, wie die Strasse, der Verkehrsexperte und die Beschilderung. Doch der Wagen ist so schlecht, dass er unmöglich ans Ziel kommen kann. Der Fahrer, die Seele des Menschen, kann noch so ans Ziel kommen wollen. Die Fahrt ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da es mit diesem Auto einfach nicht geht, bzw. gehen kann.
Ganz anders ist es bei der neuen, göttlichen Natur: Es ist wieder eine menschliche Natur, keine mystische. Sie hat immer noch normale menschliche Züge. Sie will auch aufrecht gehen und im Trockenen schlafen. Sie ist unserem Beispiel gemäss wieder ein Auto, kein Motorrad oder Flugzeug. Trotzdem unterscheiden sich diese Autos wie sich der Tag von der Nacht unterscheidet. Das erste Auto, welches für die alte Natur steht, ist ein Fall für den Schrottplatz, wogegen das zweite Auto ein perfektes Exemplar darstellt. Eine vollkommen fehlerlose Ausfertigung. Es erfüllt alle Bedingungen bestens, um ans Ziel zu gelangen, nur der Fahrer (die Seele: unser Willen, Verstand und Gefühl) muss noch soweit gebracht werden, ans Ziel fahren zu wollen. Diesen Prozess nennt die Bibel Umwandlung bzw. Errettung der Seele (1. Petr 1,9). Das zweite Auto stellt einen erneuerten Menschen dar. Der Mensch bleibt Mensch, wie das Auto ein Auto bleibt. Der neue Mensch ist fähig, Gottes Weg zu gehen, wie es das perfekte Auto ist, sicher von A nach B zu kommen.

Unser Wille ist demnach nicht der Spielball des „Willens“ einer Natur. Die Natur gibt nur unser Sein wieder: Wir sind Menschen und keine anderen Geschöpfe (im Beispiel: Autos und keine Fahrräder). Unser Wille bleibt dabei frei: Er kann das Auto dorthin lenken, wo er es für richtig hält. – Um zum Vers zurückzukommen: Ist nun Christus in uns, ist der kaputte Wagen auf dem Schrottplatz, er ist „tot“, der neue Wagen steht nun auf der Strasse und wartet geduldig, an den richtigen Ort gelenkt zu werden. Entscheiden wir uns, dem perfekten Wagen vor uns, welcher durch einen perfekten Willen gelenkt wird (Christus, wenn ich das mal so veranschaulichen darf), zu folgen. Unser Wagen ist nach der Bekehrung auch perfekt, wir sind im Geist (Rö 8,9). Wir müssen einzig noch den Fahrer (uns selbst) davon überzeugen, dem perfekten Wagen mit dem vollkommenen Willen zu folgen. Nur dieser bringt uns an das erstrebenswerte Ziel.

Das müssen wir glauben und tun wollen. Gott hat uns mit der Bekehrung alle Voraussetzungen für die Zielerreichung gegeben. Nur Zweifler und solche, die nicht daran glauben, dass die göttliche Beschilderung die wegweisende ist, kommen nicht ans Ziel. Sie lassen das Auto, welches für die Zielerreichung perfekt gebaut ist, einfach nicht dorthin rollen. Sie treten durch Eigendünkel auf die Bremse oder nehmen in der Annahme, es besser zu wissen, die falsche Abzweigung, obschon dort ein göttliches Verbotsschild steht.

Verse 11-12

11 Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.  
12 So sind wir nun, Brüder, nicht dem Fleisch Schuldner, um nach dem Fleisch zu leben;   Röm 8,11-12

Vers 11

Jetzt wird es kompliziert, könnte man meinen. Wenn ein Christ mit der neuen, göttlichen Natur ausgestattet ist, wieso hat er noch einen sterblichen Leib? Wenn wir nun, nach meinem Beispiel mit dem Auto, perfekte Wagen sind, wieso ist die Hülle denn noch sterblich (und anfällig)? Ist denn unsere Errettung nicht vollständig? Müssen wir doch noch ein wenig nachhelfen? – Nein, wir müssen nicht nachhelfen! Sie ist vollständig! Ausserdem könnten wir gar nicht nachhelfen (Mt 5,36; Joh 15,5). Die Natur in uns ist vollständig erneuert. Sie ist geistlich, von Gott. Was noch erneuert werden muss, ist unser Leib (Rö 8,23). Dazu unsere Denkweise (Rö 12,2). Anhand des Beispieles mit dem Auto (Natur) und dem Fahrer (Seele mit Willen, Verstand und Gefühl), muss der Fahrer noch auf die perfekten Verhältnisse getrimmt werden, so dass er auch selbst versteht, was der Wille Gottes ist (siehe angegebener Vers, Rö 12,2). Für die Erneuerung des Leibes ist ausschliesslich Gott zuständig: Er wird uns in der Auferstehung der Toten, oder bei den lebendigen Christen, bei Christi Wiederkunft gegeben (1. Kor 15,51-53). Bei der Erneuerung des „Fahrers“, bzw. der Seele dürfen und sollen wir mithelfen. Dies geschieht im Gehorsam gegenüber der Schrift mit bewussten Willensentscheidungen aufgrund unseres Glaubens in Zusammenarbeit mit dem Verstand. Dabei spielen auch die Gefühle eine grosse Rolle, wie wir es bei Christus gesehen haben, der sich auch durch Mitgefühl hat bewegen lassen (Mt 9,36; Mt 14,14; Mt 20,34). Unsere Gefühle sind, richtig eingesetzt, ein Mittel Gottes um seine Liebe zu empfangen, wiederzugeben und Barmherzigkeit zu üben.

In diesem Vers wird uns sehr schön versichert, dass der in uns wohnende Geist unsere im Moment noch mangelhafte Behausung positiv beeinflusst. Dies ist sehr Mut machend und aufbauend für Christen, die ihre körperlichen Grenzen kennen. Der Geist sorgt in der Zwischenzeit gar für eine sterbliche Behausung, welche sowieso einmal verschwindet. Er ist besorgt für unser ganzes Leben und alle Umstände!

Vers 12

Die logische Konsequenz aus all diesem Gesagten ist, dass wir uns diesen Wahrheiten anpassen. Niemand behält bei einsetzendem schönem Wetter mit warmen Sonnenstrahlen seine Schlechtwetterausrüstung an. So müssen wir das, was unsere Persönlichkeit ausmacht, den Willen, Verstand und das Gefühl, auf die neue Situation einstellen. Wir stellen uns nun von der verdorbenen Natur auf die perfekte, göttliche Natur ein. Wir ändern unser Denken so, dass wir uns nicht nach den Bedürfnissen eines „alten und sehr mangelhaften Autos“ einstellen. Wir stellen uns auf die Pflege eines „perfekten und neuen Wagens“ ein. Das es dabei grosse Unterschiede gibt, ist auch im Beispiel mit den Fahrzeugen klar. Bei einem alten Auto muss man Werkzeuge, Öl und Pannenausrüstung mitschleppen. Man schliesst dazu noch verschiedene Versicherungen für Pannendienste ab. Zudem muss die Fahrweise auch sehr nach unten angepasst werden. Beim perfekten Auto kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren: Auf die Zielführung. Wir sind nun nicht mehr dem alten Auto (dem Fleisch) Schuldner. Die Pannendienste, zusätzlichen Schmiermittel und Werkzeuge im Kofferraum können wir aus unserer Sorgenliste streichen und müssen uns auch nicht mehr daran denken, geschweige denn in diese Richtung etwas organisieren.

Wie sieht denn konkret dieses Umdenken aus? Was sollen wir lassen und was sollen wir neu beachten? – Beide Naturen sind menschliche, die gute und die schlechte. Die menschlichen Bedürfnisse und Züge bleiben erhalten, wir müssen uns nicht davon trennen. Damit will ich sagen, dass wir, wären wir Autos, uns immer noch auf den Rädern rollend fortbewegen und nicht plötzlich fliegen können. Als Menschen schlafen wir immer noch gerne in Sicherheit, an der Wärme und im Trockenen. Daran ändert sich gar nichts. Das erscheint mir wichtig zu erwähnen, weil im Moment im Christentum keine Klarheit darüber zu herrschen scheint. Manche Christen meinen, sie müssten nach der Bekehrung menschenfremde Dinge, ja Übermenschliches leisten. Das wird nicht gefordert in der Schrift. Wir gehen weiterhin aufrecht und benötigen weiterhin Schlaf, Nahrung und Kleidung.

Was sich ändert ist, dass wir in eine menschenfreundliche Umgebung gewechselt haben. Wir dürfen nun entspannt Mensch sein. Wir wissen nun als Christen, dass wir Frieden mit dem Vater haben, dass sein Zorn nicht mehr wie früher auf uns ruht. Wir wissen auch, dass wir vom Tod zum Leben durchgedrungen sind. Wir sind aus der Knechtschaft des Teufels und von einer zur Gottgefälligkeit unfähigen Natur erlöst! Wir durften von der Ausweglosigkeit ins Licht wechseln. Das sind einmal Grundwahrheiten, die jeder Christ kennen sollte. Nun sind wir in eine Gemeinschaft (Christi Leib) eingefügt worden und dürfen darin „gross“ werden, d.h. darin wachsen und Christus und sein Reich kennen lernen. Diese grossen Wahrheiten sollten Grund genug sein, um den Sinn völlig zu erneuern. Aus diesem Blickpunkt ist es doch viel leichter (Mt 11,30), der neuen Situation gemäss zu wandeln und sich beispielsweise keine Schätze aufzuhäufen, weil Gott uns Nahrung und Kleidung versprochen hat. Grundsätzlich wissen wir, dass wir überhaupt nicht Sorgen müssen, da Gott vorsorgen wird und die Schrift sagt, dass wir das Geringste nicht können in dieser Hinsicht (Lk 12,26). Wie der Mensch grundsätzlich Fürsorge braucht, bleibt das auch beim neuen Menschen bestehen. Wir müssen unsere neue Natur speisen, indem wir geistliche Nahrung zu uns nehmen und die Bibel regelmässig lesen (Joh 6,53-58). Wir sollen Fürbitte tun (Jak 5,16). Wir sollen uns einer Versammlung anschliessen (Heb 10,25) und ihr regelmässig beiwohnen. Wir sollen bescheiden sein (Heb 13,5). Hier könnte man die Liste noch weiter führen, doch Sie werden, liebe Leserinnen und Leser, selber durch die Lektüre der Schrift herausfinden, was zu tun ist.

Lassen Sie mich nur noch etwas Grundsätzliches zum Verhalten sagen. Die Schrift fordert, dass alles, was wir im Wort oder im Werk tun, im Namen des HERRN geschieht (Kol 3,17). Überhaupt sollen wir jeden Tag mit Gott anfangen, auf dass er uns segnet (Ps 37,5). Ohne Christus können wir nichts Bleibendes tun (Joh 15,5). Ein Christ sollte seiner Natur und seiner neuen Stellung gemäss denken. Wer noch denkt und wandelt wie früher, vor der Bekehrung, vergewaltigt sich als Mensch selbst und handelt nicht seinem Zustand und der Wirklichkeit entsprechend.

Verse 13-14

13 denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.  
14 Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes.  Röm 8,13-14

Vers 13

Dieser Vers unterscheidet sich in einem gewissen Masse von den anderen Versen in diesem Kapitel (z.B. 6-8). Die vorausgehenden Verse stellen eine Tatsache klar: Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott (V7). Sie machen dem Leser unmissverständlich klar, dass es sinnlos ist, sich aufs Fleisch, die alte Natur, zu fokussieren. Dieser Sachverhalt und die daraus resultierenden Konsequenzen werden in der ersten Vershälfte nochmals aufgenommen. Danach, in der zweiten Vershälfte, wird uns Christen der Weg eröffnet, wie wir dieses unselige Fleisch in Schach – oder wie die Bibel sagt – im Tode halten können (Gal 5,24): Durch Christi Geist! Wir schulden dem Fleisch keinen Gehorsam, wie im vorausgehenden Vers 12 erklärt wird.

Wenn wir leben wollen, gibt es ein einfaches Rezept: Das Fleisch wird von alleine getötet – ohne jegliche Zusatzanstrengung unsererseits, - wenn wir uns nur darauf einstellen, durch den Geist zu leben. Das Neue Testament spricht von einer vollkommenen Erlösung, nicht von einer abgeänderten alttestamentlichen. Wenn wir mit der alttestamentlichen hätten erlöst werden können, wäre nicht nach einer neuen Lösung gesucht worden. Im Hebräerbrief wird uns nochmals versichert, dass dies aber der Fall war (Heb 8,9-13). Im 10. Kapitel des Hebräerbriefes wird diese Tatsache noch weiter entwickelt: Das Blut von Tieren kann die Sünden nicht wegnehmen (Vers 4). Wir sehen also, dass der alttestamentliche Gottesdienst nur ein Schatten der Wirklichkeit darstellte (Heb 10,1). Es ist demnach im doppelten Sinne unmöglich, durch das Gesetz vollkommen zu werden: Der Mensch kann es nicht einhalten (Apg 15,10) und dessen Opfer genügen nicht (Heb 10,4).

Spätestens jetzt, im achten Kapitel des Römerbriefes, sollte uns klar werden: Das Fokussieren auf uns selbst und der sich daraus entwickelnde „gute Gedanke“ an ein Verbesserungsprogramm sollten wir fallen lassen. Wir können uns weder durch das Halten des Gesetzes noch durch die dazu gehörenden Rituale erretten. Das Gesetz und die Rituale zeigten ein Abbild, waren aber nicht die Wirklichkeit: Sie waren Schatten der wahren und vollkommenen Erlösung in Christus. Christus hielt das ganze Gesetz, was kein Mensch schaffte und er reinigt durch sein Blut jeden Menschen, der an ihn glaubt, was kein Tier mit seinem Blut vermochte.

Unsere Reaktion auf dieses Wissen sollte nun sein, dass wir uns nicht am Schatten der Wirklichkeit orientieren und bedienen, sondern ausschliesslich an der Wirklichkeit selbst. Die Wirklichkeit stellt uns eine vollkommene Natur zu Verfügung, welche nicht sündigt (1. Joh 3,6) – wir müssen nur mit Christus verbunden bleiben. Die Wirklichkeit bietet uns eine vollkommene Reinigung an (Heb 10,14), nicht nur ein alljährliches Erinnern an die Sünden (Heb 10,3). Christi die Welt überwindendes Leben hält mehr als „nur“ die Gebote im Alten Testament. Es hält auch die erhöhten Gebote der Bergpredigt (Matth 5-7). Und sein Blutvergiessen hat uns vollkommen gemacht. Es ist demnach müssig, sich mit dem „Schlecht- oder Unvollkommensein“ auseinanderzusetzen, weil Christus ein vollkommenes Werk an uns getan hat. Wer es als unvollkommen betrachtet und selbst etwas dazu beisteuern will, beleidigt den HERRN.

Leben wir nun durch das Bewusstsein, dass Christus alles Notwendige erreicht und für uns bereitgestellt hat. So können wir ungestört in der Ausrichtung zu Christus hin leben. Wir können uns auf diese komfortable Lage fokussieren und darin die Dinge tun, die getan werden müssen ohne durch „Selbsterlösungsgedanken“ abgelenkt zu werden. Matthäus 5,16 erklärt, was für Werke wir tun sollen (gute) und 2. Tim 2,4 zeigt auf, wie wir sie tun sollen (ohne Ablenkung).

Vers 14

Ein Sohn ist einfacher zu geleiten, als ein Kind. Kinder wollen spielen und müssen mehr „behütet“ als „geleitet“ werden. Wenn das Kind aber wächst und zum Sohn wird, kann es auch über den Verstand angesprochen und angeleitet werden.

Was ist mit Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, möchten Sie ein (unmündiges) Kind bleiben oder zu Söhnen und Töchtern des HERRN heranwachsen?

Verse 15-17

15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!  
16 Der Geist selbst bezeugt <zusammen> mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.  
17 Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.   Röm 8,15-17

Vers 15

Gott begegnet seinem Volk heute nicht, wie er damals Israel am Sinai begegnet ist. Am Sinai fürchtete sich das Volk bei der Gesetzgebung in der Nähe des Allmächtigen. Die Situation damals war wirklich furchterregend: Kein Mensch, nicht einmal ein Tier durfte in die Nähe des Berges kommen. Eine Missachtung dieses Befehles zog die Todesstrafe nach sich (2. Mo 19,21). Gott musste dort einen Abstand zum Volke wahren, denn er ist rein und das Volk war sündig, ganz nach der gefallenen Natur Adams. Das Volk hatte sich in Gottes Gegenwart zu fürchten!

Ganz anders ist es heute, nach der beispiellosen Erlösungstat Christi. Gott gibt uns eine neue Natur, welche perfekt ist und dazu seinen Geist. Er gibt sie nicht in einer Art, wie man es bei Geschenken tut, nein, er gibt sie auf vollkommene Art: Durch eine Geburt (Joh 3,6-7). Er macht uns legal zu seinen Kindern. Jetzt haben wir seine geistliche Natur und können ihm im Bereich, welcher ausserhalb der Sünde liegt, begegnen. Wir müssen uns nicht mehr um unser Leben fürchten. Jenes Leben, das sich fürchten musste, wird von Gott als tot angesehen. Und das neue Leben stammt von ihm. Somit rufen wir im Einklang mit seinem Willen: Abba, Vater!

Vers 16

Gottes Geist bezeugt unserem Geist innerlich, dass wir Kinder Gottes sind. Gott lässt uns unsere Stellung wissen, er lässt uns nicht einfach nur daran glauben. Denn viele Menschen glauben irgendwas. Die einen glauben an grüne Männchen und den Urknall, andere an die Existenz Gottes und des Teufels und wiederum andere bilden sich ein, gar nichts von all dem zu glauben. Doch praktisch niemand von diesen beschriebenen Personen würde eine Million Euro darauf wetten, dass es sich so verhält, wie sie glauben. – Da ist es bei wahren Kindern Gottes anders: Sie wissen, zu wem sie gehören (Joh 10,27). Amen.

Vers 17

Dieser Vers ist ein oft falsch verstandener, weil er mit einer Bedingung verknüpft ist. Da leiten Bibelleser im schlimmsten Fall daraus ab, dass die Kindschaft annulliert werden kann, sollte die Bedingung nicht erfüllt werden. Das ist, pardon, Quatsch – eine böse Lehre, die sich unter Christen verbreitet.
Es verhält sich so: Da wir Gottes Kinder sind, sind wir auch seine Erben. Jedes Kind ist, verläuft alles auf normalem Weg, Erbe der Eltern. Beweist das Kind aber während der Kind- und Sohnschaft, dass es nicht würdig ist das Erbe anzutreten, können es die Eltern je nach Gesetzgebung enterben oder auf den Pflichtteil setzen. Das würde heissen, dass dieser Nachkomme der Erbschaft enthoben ist oder nur einen Teil davon empfängt. Der Nachkomme kann somit die Erbschaft verlieren, den Status Nachkomme von Herr und Frau soundso kann er aber nie verlieren.
Wieso nicht? – Weil man eine Geburt nicht rückgängig machen kann! Wenn Gott entschieden hat, dass beispielsweise Martin sein Kind und Erbe sein soll, bleibt es dabei. Ein Kind bleibt Nachkomme, doch nicht unbedingt Erbe. Gott kann faulen Christen die Erbschaft versagen, wie es in 1. Korinther 3,15 und weiteren Stellen der Bibel unmissverständlich erklärt wird.
Die Erbschaft sichern können wir, indem wir in seinem Willen bleiben. Wer gottesfürchtig leben will, wird verfolgt werden (2. Tim 3,12). Wer diese Verfolgung erduldet, sichert sich die Erbschaft. Amen.

Verse 18-21

18 Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.  
19 Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes.  
20 Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden – nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat – auf Hoffnung hin,  
21 dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit freigemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.   Röm 8,18-21

Vers 18

Im Vers 17 wird vom Mitleiden gesprochen. Es ist selbstverständlich dass ein Christ leidet auf Erden. Nur schon durch das, was sein Auge mit ansehen muss. Die Welt ist unter falscher Herrschaft, derjenigen des Teufels, welcher auch als „Fürst dieser Welt“ bezeichnet wird (Lk 4,6; Joh 14,30). Die Menschen werden geplagt und es wird veranlasst, dass sie sich in falscher Sicherheit wiegen. Dabei ist die Welt aufbewahrt für ein furchtbares Gericht (2. Petr 3,7). – Wie sollten die Christen das zur Kenntnis nehmen ohne zu trauern? Im Weiteren sind noch mehr Bekümmernisse im Leiden Christi enthalten: Die Verfolgung durch die eigene Verwandtschaft (Lk 12,51), durch die Welt (Joh 15,18) und nicht zuletzt auch durch die nützliche, jedoch auch schmerzhafte Zurechtbringung durch den Himmlischen Vater (Heb 12,6). An diesen Leiden sollen wir teilhaben, um an der Verherrlichung beteiligt zu werden. Dabei sollen wir wissen, dass dieser Einsatz nur ein Bruchteil vom Ertrag ausmacht: Wir werden ausserordentlich viel mehr erhalten als das, was wir haben durch Leiden aufgeben müssen.

Vers 19

Die Offenbarwerdung der Söhne Gottes ist ein für die Schöpfung wichtiges Ereignis. Jetzt sind die Söhne Gottes in der Verwerfung Christi. Sie werden im Verborgenen von Gott zubereitet – ohne Autorität über das Weltgeschehen zu haben. Die momentane Zeit, über die Welt zu herrschen, ist den Heiden gegeben, nachdem Israel als Gottesstaat im AT versagt hat. Die Zeit der Christen ist noch nicht angebrochen. Sie wird mit der Rückkehr Christi anfangen. Die Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, weil sie unter der fleischlichen (und damit bösen) Verwaltung der Nationen leidet.

Verse 20-21

Die Schöpfung ist eng mit dem Menschen verknüpft. Gott macht Ernst mit seiner Ordnung. Dem Menschen wurde die Verwaltung über die Erde gegeben (1. Mo 1,26). Fällt der Mensch, leidet alles ihm Unterworfene mit. Die Schöpfung wurde durch seine Schuld ganz oder zumindest teilweise verflucht (1. Mo 3,17). Wie wir im Vers 21 sehen, wurde sie ebenfalls der Vergänglichkeit unterworfen. Wenn die Kinder Gottes offenbar werden, wird sie von ihrer unseligen Stellung, in welche sie Adam gebracht hat, befreit und wieder hergestellt. – Wenn der Verwalter wieder in Ordnung ist, ist es die Schöpfung auch. Gelobt sei der HERR!

Verse 22-25

22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt.
23 Nicht allein aber <sie>, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes.  
24 Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht?  
25 Wenn wir aber das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren. Röm 8,22-25

Vers 22

Wenn der perfekte Mensch, Jesus Christus, die Herrschaft über die Erde antreten wird, geschieht das Umgekehrte: Statt die Schöpfung wie Adam in den Niedergang und die Verfluchung zu reissen, führt er sie zu Blüte und Segen, wie wir auch in Jesaja und weiteren Stellen nachlesen können (9,6; 11,6-10; Ps 72,7; u.a.).

Vers 23

Sind wir ehrlich: Christ zu sein bedeutet nicht das Ende der Leiden in der gegenwärtigen Zeit, auch wenn das manche „hochfromme“ Menschen versuchen zu lehren. Die inspirierte Schrift offenbart direkt: Wir Christen selbst, wir seufzen und erwarten die Sohnschaft. Wir sind noch nicht gänzlich in die vollkommene Erlösung eingeführt worden. Wir dürfen noch viel erwarten: Die Erlösung unseres Leibes beispielsweise, wie in diesem Vers beschrieben, neben sehr vielen anderen schönen Dingen! Wenn es soweit ist, werden wir leben und geniessen!

Verse 24-25

Wie erwähnt, wir sind auf Hoffnung hin errettet. Wäre alles schon sichtbar, müssten wir nicht weiter hoffen. Doch da die Hoffnung noch verborgen ist, hoffen wir weiter. Möge Christus baldmöglichst zurückkommen! Amen.

Was die Bibel über Christi Wiederkunft sagt ist so gewiss, wie es alle biblischen Prophezeiungen waren, welche auf die Zeit vor uns hindeuteten: Sie haben sich alle ausnahmslos erfüllt! Wir sind darum ermahnt, auszuharren! Brechen wir darin nicht ein, es wird so eintreffen, wie vorausgesagt, liebe Brüder und Schwestern!

Verse 26-27

26 Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich <für uns> in unaussprechlichen Seufzern.  
27 Der aber die Herzen erforscht, weiss, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäss. Röm 8,26-27

Vers 26

Wir sind Mitarbeiter in Gottes Reich und kämpfen für seine Sache. Gott entscheidet als Feldherr und beeinflusst entscheidend den Verlauf des Kampfes in der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Seine Entscheidungen sind durch seine Allwissenheit geprägt, meistens kann sie der Mensch nicht verstehen, geschweige denn analysieren. Wir kennen oft weder den Willen noch die Absicht Gottes in den Umständen des Lebens. Nehmen wir ein typisches Beispiel: Ein Familienvater erkrankt vielleicht an einer tödlichen Krankheit. Sofort beginnen wir für seine Heilung zu beten, was bestimmt nicht falsch ist. Stirbt er jedoch trotzdem, so beginnen nicht wenige Betroffene und Beobachter mit Gott zu hadern, da es für sie keine andere Lösung wie die Heilung des Betreffenden gegeben hat. – Der angeblich falsch angeordnete Tod dieses Familienvaters bringt aber im Reich mehr Sieg als sein Weiterleben, da dadurch allein seine vier Kinder zum Glauben gekommen sind und sie es andersrum nie gekommen wären.

Sehen Sie, worauf ich hinaus will? Wir wissen nicht, was wir bitten sollen. Wir können die Lage am Boden nicht so einschätzen, wie man das aus erhöhter Position, wo man den Gesamtüberblick hat, es tun kann. Wir sind unwissend im Blick auf die rechte Entscheidung, wie auch im Blick auf die angemessene Art des Vortragens. So können wir sehr froh und dankbar sein, dass Gott auch diesen Mangel in uns mit seinem Geist ausfüllt.

Gehen wir daher nicht mit konkreten Vorstellungen vor den HERRN, sei es in der Stillen Zeit am Morgen oder der Gebetsstunde der Gemeinde. Lasst uns unsere Herzen beim Gebet für Gott geöffnet halten und empfänglich sein für seinen Willen. Amen.

Vers 27

Der Geist in uns, der unseren Gefühlen und unserem Sinnen vor Gott Ausdruck verleiht – und zwar eine solche Benennung, wie es vor dem Allmächtigen würdig ist! – vermag sie so auszudrücken, dass Gott ganz genau weiss, was unsere Anliegen sind. Er verwendet sich Gott gemäss, so, dass wir vor dem HERRN auch Gehör finden werden.

Durch diese beiden Verse inspiriert, möchte ich uns allen ans Herz legen, nicht nach menschlicher Weisheit schöne Gebete vor Gott zu formulieren. Gehen wir mit dem Wissen vor den HERRN, dass wir nicht erkennen, was wir beten sollen und ebenso wenig, wie wir es tun sollen. Automatisch kommt mit dieser Haltung Demut ins Spiel und ein hörendes inneres Ohr für das Sprechen Gottes. – Gelobt sei der HERR!

Verse 28-30

28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach <seinem> Vorsatz berufen sind.  
29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.  
30 Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.   Röm 8,28-30

Vers 28

Dieser Vers ist ein beliebter und vielzitierter. Vor allem wird er gerne leidenden Christen vorgetragen, um ihnen durch die positive Aussage eine Hoffnung zu schenken. Ihre Leiden würden nur zum Positiven ausschlagen, wird in guten Ratschlägen gerne weitergegeben. Daran ist auch grundsätzlich nichts falsch. Die Aussage dieses Verses ist eine herrliche Offenbarung und ein beruhigendes Wissen zugleich – vor allem in dunklen Zeiten.

Wichtig zu beachten ist der Einschub „denen, die Gott lieben“. Nicht alle Christen lieben Gott, auch wenn sie es vorgeben. Es gibt einige, deren Liebe erkaltet ist und solche, die auf eigenen Wegen gehen. Ebenfalls bei den letzteren fehlt die Liebe, auch bei anderslautenden Beteuerungen, denn wer Gott liebt, geht nicht eigene Wege, sondern er bleibt im Gehorsam (Joh 14,21). – Es ist leicht zu verstehen, dass nicht alles, was eigenwilligen Christen widerfährt, ihnen zum Besten dient. Wenn ein Christ im Glücksspiel sein Geld verliert und dadurch den Unterhalt für die Familie nicht mehr zahlen kann, ist es zu seiner Beschämung, zur Betrübnis all seiner Angehörigen und evtl. der ganzen Gemeinde. Dieser Geldverlust ist nicht zu seinem Besten, sondern zu seiner Schande. Das gilt für alle Konsequenzen, die auf diesem Weg, einem eigenwilligen und gottfernen, entspringen. Daraus folgt, dass denen die Gott nicht lieben, nicht alle Dinge zum Besten dienen.

Seien wir nicht vorschnell im Vortragen dieses Verses bei Christen, die wir nicht so gut kennen. Denn nicht selten wird damit eine falsche Hoffnung geweckt. Wenn wir jemandem, der die Konsequenzen seiner bösen Wege ausbaden muss, diesen Vers zur Tröstung vortragen, kann er sich in falscher Sicherheit wähnen. Statt sich über die Zucht Gottes bewusst zu werden, meint er dann, die Leiden Christi zu tragen. Das wäre sehr fatal! Ein solcher bleibt dann in seinem Tun bestärkt, statt sich von seinen eigenwilligen Wegen zu trennen!

Vers 29

„Die er zuvor erkannt hat, hat er auch vorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein…“ Was lesen wir aus dieser Aussage? Die Menschen, die er zuvor erkannt hat (vor der Schöpfung, Eph 1,4), hat er auch vorbestimmt, zu perfekten Menschen, nämlich seinem Sohn gleich zu werden. Was für eine wunderbare Aussage! Adam wurde im Bilde Gottes erschaffen, doch Adam liess zu, dass Sünde in seine Natur kam. Er verdarb die Schöpfung. Gott liess sich aber seinen Vorsatz dadurch nicht verderben, er hält am perfekten Menschen fest. Er wandelt uns, die Christen, um, damit wir ihm gleich werden. Gott triumphiert über Sünde, Tod und Teufel in allem. Niemand kann, auch nicht im Geringsten, seine Souveränität antasten. Amen.

Vers 30

Der vorherige Vers ist schon sehr beruhigend. In diesem wird noch mehr von Gottes Vorsatz aufgezeigt: Er hat uns vor Grundlegung der Welt erkannt und vorherbestimmt. Wo wir zum Glauben an Christus kamen, hat er uns gerechtfertigt. Und weil Gottes Name über uns ausgerufen ist, sind wir auch verherrlicht: für die Welt zwar noch im Verborgenen, in Gottes Reich aber offenbar (Eph 2,6).

Verse 31-34

31 Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?  
32 Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?  
33 Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt.  
34 Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.   Röm 8,31-34

Verse 31-32

Was sollen wir zu den vorausgehenden Belehrungen sagen? Sein Wille – der Wille des Allmächtigen – war es, uns auszuwählen. Sein Wille – der Wille des Allmächtigen – war es, uns zu rechtfertigen. Sein Wille – der Wille des Allmächtigen – war es uns mit einer göttlichen Natur zu verherrlichen.

Diese Punkte möchte ich an dieser Stelle etwas eingehender betrachten, da sich diesbezüglich eine sehr böse Lehre in die Gemeinden geschlichen hat. Es ist die böse Lehre mit Namen „dem Feind Anrecht(e) geben“, welche sich schon in weiten christlichen Gebieten wie ein Krebsgeschwür festgesetzt hat. – Diese Lehre vermittelt, der Feind (der Teufel) bekäme durch bestimmtes falsches Verhalten von Christen ein Anrecht zur Einflussnahme auf sie, so dass er sie beispielsweise mit Krankheiten oder sonstigen Unglücken, wie Missständen in der Familie usw. plagen darf.

Diese Lehre wurde durch missbräuchliche Auslegung der Heiligen Schrift konstruiert. Die Tatsache, dass, wenn Moses beispielsweise in 2. Mo 17,11 seine Hände sinken liess und Amalek, der Feind Israels, die Oberhand gewann, könnte von Anhängern dieser Lehre in der Übertragung als falsches Verhalten eines Christen, gedeutet werden. Solches Verhalten würde dem Teufel ein Anrecht auf den Fehlbaren vor dem gerechten Gott geben. Gott müsse der Gerechtigkeit wegen den Teufel dann gewähren lassen, sein Volk zu plagen. Dann wird weiter argumentiert, dass der Fehlbare im 1. Kor 5 schliesslich auch dem Satan übergeben wurde (1. Kor 5,5), um diese Lehre zu stützen.

Diese Lehre ist so teuflisch und grundübel, weil sie erstens nicht der Wahrheit entspricht (Teufel = Vater der Lüge (Joh 8,44) und zweitens Gottes Volk vermittelt, es sei der Willkür des Teufels ausgeliefert, da jeder aufrichtige Christ weiss, dass er nicht unfehlbar wandeln kann und täglich Fehler im Blick auf den reinen und heiligen Gott begeht. Drittens wird der Himmlische Vater total verunehrt, da er von diesem Blickpunkt aus seine Kinder der Willkür des Drachens (Offb 12,9) ausliefern würde. – Wer diese Lehre vertritt und weitergibt, sollte sofort damit aufhören. Es kann nicht gut kommen, wenn man einen liebenden Gott, der seinen Sohn seiner Schöpfung wegen nicht verschont hat, als böse hinstellt. Eine grössere Liebe zum Menschen kann man nicht beweisen (Joh 15,13), wie sie unser Gott bewiesen hat. Wer diese Liebe als Bosheit bezeichnet, wird sein Urteil tragen.

Gott wollte uns nicht verloren geben, wo wir es waren. Ab dem Sündenfall war klar, dass es eine Trennung gibt zwischen Gott und Mensch. Gott hätte uns endgültig verloren geben können. Doch dies tat er nicht. Er gab seinen Vorsatz und unsere Vorbestimmung nicht auf. Wir sind ihm soviel wert, dass er seinen Sohn opferte um unsertwillen! – Ist Gott für uns? Ja, klar ist er das! Und wie! – Ist Gott der Stärkste? Selbstverständlich ist er das, niemand kann ihm widerstehen! – Wer bitte kann denn gegen uns sein? Selbstverständlich niemand!

Nachfolgend werden wir noch klarer sehen, dass der Feind auf völlig verlorenem Posten steht, auch wenn er die Christen Tag und Nacht verklagt (Offb 12,10).

Vers 33

Freilich möchte uns der Feind verdammen. Wie wir, wie oben erwähnt, in der Offenbarung nachlesen können, verklagt er uns Tag und Nacht. Daran hat sich nichts geändert, es war schon im Alten Testament so. Dort können wir nachlesen, wie er den Hohenpriester Joschua verklagte (Sach 3). Doch was war die Antwort? „Siehe, ich habe deine Schuld von dir weggenommen und bekleide dich mit Feierkleidern.“ – Zwar können wir Gottes Feinden Anlass zur Schmähung geben, wie es David mit seiner Schandtat zuliess (2. Sam 12,14, siehe auch 1. Tim 5,14), welche eine Zurechtweisung durch Gott zur Folge haben kann. Doch nirgendwo geben wir damit dem Feind Ansprüche, welche er vor Gott geltend machen kann. Der Teufel kann vor Gott nicht erscheinen und sagen, durch dieses Fluchwort, das der Christ X unrechtmässig ausgestossen hat, habe er jetzt so und so viele Prozent Anrecht am Leben von diesem Kind Gottes. Denn Gott hat uns gerechtfertigt. Er hat unser Fleisch am Kreuz gerichtet und beendet. Diese alte Natur, welche wirklich gottlos ist, wurde gerecht beendet und nicht wiederhergestellt. Sie wurde getötet und bekam der Sünde Sold, den Tod. Gleichzeitig gab uns Gott die neue, sündlose Natur, welche nicht sündigen kann (1. Joh 5,18). Wenn uns nun Gott durch sein Werk gerechtfertigt hat und der Welt verkündet: „Meine Kinder sind gerecht!“ – wer ist denn, der uns schuldig spricht?

Vers 34

Natürlich können wir trotzdem noch sündigen, das räumt sogar Johannes ein (1. Joh 2,1). Damit können wir zwar dem Widersacher Anlass zur Schmähung geben. Doch wir haben einen Beistand beim Vater, der sich für uns verwendet (Heb 7,25): Jesus Christus. Die Tat Jesu ermöglicht uns stetige Reinigung und Heiligung. Wir leben nicht ein perfektes Leben, doch durch die Erneuerung unserer Natur und den Priesterdienst Christi beim Vater dürfen wir in einer beständigen Gemeinschaft und Heiligkeit leben. So wie Israel in der Wüste durch die Opfer und den Priesterdienst Aarons geheiligt wurde, werden wir geheiligt. Und das noch viel mehr, weil wir durch das wirkliche Opfer und nicht durch die Abbilder geheiligt werden. – Wie herrlich schon Israel in Gottes Augen dargestellt wurde sehen wir in den Aussprüchen Bileams (ab 4. Mo 23,9). Israel hatte zwar seine Probleme und wurde auch von Gott als „halsstarrig“ bezeichnet, doch weil Gottes Name über sie ausgerufen war und Gott seine Herrlichkeit auf sie gelegt hatte, waren sie herrlich. Niemand durfte ein Fluch über sie aussprechen. Dasselbe gilt für uns: Gott hat uns gerechtfertigt und Jesus steht als Beistand beim Vater, als Hohepriester für unsere Schwachheiten. – Und jetzt kommen Unruhestifter in die Gemeinden und verunehren den Vater indem sie sagen, es sei möglich, dass Gott zulassen muss, dass prozentuale Anteile dem Widersacher zufallen, wenn sich ein Christ nicht 100prozentig richtig verhält, wo doch unsere Errettung vollständig ist und wir für unsere Schwachheiten einen perfekten Hohenpriester haben.

Sagen sie mir bitte, was ein Vater der Lüge für Ansprüche anmelden kann bei Gott? Sollte der, der aus Gottes Sicht alles falsch macht, bei Gott anklopfen können und sagen, er habe ein Anrecht auf ein bluterkauftes Kind des Höchsten? Fristet der Teufel seine Zeit wegen gerechten Ansprüchen oder nur wegen Gottes Langmut? Was für Gerechtigkeiten kann der Teufel vorweisen? Wie soll er denn auf irgendetwas einen Anspruch erheben können? – Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie absurd das Gedankenkonstrukt „dem Teufel Anrechte geben“ ist?

Liebe Leser! Weisen Sie diese Lehre von sich und ermahnen Sie dessen Vertreter eindringlich, solche Irrlehren fallen zu lassen und wo nötig zu korrigieren. Gemeindeglieder, die daran festhalten wollen, sind zu bezeichnen, da sie der gesunden Lehre widerstehen. Sollten sie sich nicht umwenden wollen, müssen Sie sich ernsthafte Schritte überlegen.

Seien Sie sich im Weiteren selbst im Klaren darüber, was mit Leuten geschieht, die bewusst in schweren Sünden verharren. Diese geben nicht dem Teufel Anrechte, sondern rufen den Vater als Erzieher seiner Kinder auf den Plan. Gott als Vater und Erzieher seines Volkes hat dabei viele Möglichkeiten. Er kann jemanden, der unverbesserlich ist, dem Satan übergeben nach 1. Kor 5, MUSS ES ABER NICHT TUN, wie viele meinen. Er kann auch anders. Er kann jemandem durch Schläge, sei es eine Krankheit oder sonstiges Unglück die Flausen (Hirngespinste) austreiben (Heb 12,6), damit er von der Narrheit zur Besonnenheit kommt. Bei unverbesserlichen Christen kann er durch einen vorzeitigen Tod einen Schlussstrich ziehen (als Beispiel: Apg 5,5; 1. Kor 11,30!). Irret Euch nicht, liebe Brüder und Schwestern, wir reden hier von seriösen Dingen! In der heutigen Spassgesellschaft wird oft Seriöses ins Lächerliche gezogen. Hüten wir uns davor, es der Welt nachzumachen, besonders in Dingen des Reiches! Amen.

Verse 35-36

35 Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blösse oder Gefahr oder Schwert?  
36 Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.«   Röm 8,35-36

Vers 35

Die Bedrängnisse dieser Welt, die daraus resultierende Angst oder die Verfolgung, bzw. die ganze Aufzählung unangenehmer Dinge, - hat sie uns nicht schon an den Rand der Verzweiflung oder gar des Abfalls gebracht, wenn es wirklich hart auf hart kam? Der Apostel beginnt hier aber vor der unangenehmen Aufzählung mit der Frage, wer uns von der Liebe Christi scheiden wird. Es ist nämlich schlicht unmöglich, von ihr getrennt zu werden. Die Ausführungen in den vorangegangenen Versen deuten darauf.

Leider neigen wir in den Trübsalen oft zu schnell dazu aufzugeben oder zu glauben, der HERR habe uns verlassen. Da tut ein Blick auf das Leben Jesu not. Wir wissen, dass Christus sein ganzes Leben lang eng mit dem Vater verbunden war, ausser in der Zeit am Kreuz, wo ihn unsere Strafe traf. Da unsere Strafe getilgt ist, können wir nie in den Zustand von völliger Verlassenheit kommen, wie ihn Christus am Kreuz erdulden musste. Christus litt in allem gleich wie wir es manchmal tun (Heb 4,15), noch vielmehr, weil er die Last zu unserer Befreiung trug, die wir niemals hätten tragen können.

Sehen Sie, worauf ich hinaus will? – Obschon Christus schlimmere Leiden als uns widerfahren sind und uns je widerfahren werden, müssen wir gestehen, dass er darin nie alleine gelassen wurde vom Vater (Joh 11,42), ausser in jenem Moment am Kreuz, wo er eine Last trug, die wir Gläubigen niemals tragen müssen. Trotzdem neigen wir manchmal in grossen Nöten dazu zu sagen, Gott habe uns verlassen. Deshalb ist diesbezügliche Aufklärung wichtig: Durch unseren Glauben sind wir gerechtfertigt in Christus (Rö 5,1), Gott selber rechtfertigt uns (Rö 8,33), wird sind auf ewig! mit dem dreieinen Gott verbunden durch den Heiligen Geist, welcher uns als Beistand gegeben ist (Joh 14,16). Die Aussage, wir seien als Christen von Gott verlassen, zeugt von Unwissenheit, weil genau das Gegenteil der Fall ist. Und das Schönste daran ist, dass wir nie von der Liebe getrennt werden. Manchmal ist die Trennung von einem gestrengen Richter sogar wohltuend und wir sehnen sie in unserer Unwissenheit hin und wieder bei Gott, wenn wir ihn als solchen betrachten, herbei. Doch wie gesagt, das tun wir nur in Unwissenheit. Der Heilige Geist berücksichtigt da unserer Schwachheit und wählte bei der Niederschrift dieses Textes im Vers 35 anstelle von „Gott“ „Liebe Christi“.

Vers 36

Egal was kommt und kommen mag: Wenn wir wie Schlachtschafe gerechnet werden und die Leiden Christi auf uns kommen, sollen wir uns an die göttlichen Tatsachen erinnern (versprochene ewige Verbundenheit im Heiligen Geist, Joh 14,16) und nicht mutlos werden! Amen.

Verse 37-39

37 Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.
38 Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte,  
39 weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.   Röm 8,37-39

Vers 37

Wissen Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, was „Überwinder“ sind? Überwinder im biblischen Sinn, sind Menschen, welche die Welt überwunden haben. Sie finden Überwinder beispielsweise im Heb 11, sowie in den Sendschreiben an die Gemeinden. In den Sendschreiben wird an sie appelliert: …wer überwindet, dem werde ich geben… (Offb Kapitel 2, Verse 7,11,17,26, Kapitel 3, Verse 5,12,21). Johannes beschreibt das von Gott geborene, unsere neue Natur, ebenfalls als die Welt überwindend (1. Joh 5,4). Wenn also unsere neue Natur schon die Welt überwindet, sind wir im Blick auf die göttliche Unterstützung MEHR als Überwinder, weil sich der dreieine Gott mit allen Personen zusätzlich für uns einsetzt: Gott rechtfertigt (Rö 8,33), Christus verwendet sich für uns als Hoherprieser (Heb 5,10) und der Heilige Geist ist beständig als Tröster und Beistand bei uns in Ewigkeit (Joh 16,7, Verheissung; Phil 1,19, praktische Anwendung).

Leider muss trotzdem ein Ruf an die Überwinder ergehen in den Sendschreiben. Das bedeutet, dass sich viele Christen weg von diesen Wahrheiten, welche sie zu garantierten Überwindern machen würden, bewegen. Viele Christen hören nicht auf den Heiligen Geist (Eph 4,30), halten ihre alte Natur nicht im Tode, indem sie sogar in ihr wandeln und folglich nicht vom Sieg der neuen profitieren können (1. Kor 3,3). Mit diesem Tun schätzen sie die Hohenpriesterschaft Christi gering und wandeln in Sünde, da die alte Natur nur sündigen kann. Für geduldete Sünde gibt es wiederum kein wirksames Opfer (Heb 10,26) und somit kommen sie nicht in den Genuss seines sich für uns Verwendens. Sie überwinden die Welt nicht und bleiben in der Niederlage und ziehen sich Gottes Zorn zu. Zwar bleiben sie seine Kinder, Gottes Entschlüsse bleiben bestehen. Gott gibt seinen Vorsatz nicht auf. Doch sie werden nicht im gleichen Masse wie Überwinder Lohn empfangen, wenn überhaupt, da sie sehr ungehorsam waren. Wer im Kleinen untreu ist, wird es im Grossen auch sein. So ist die Übergabe des Reiches an solche nicht möglich. Wir sehen das, wie schon mehrfach von mir erwähnt, in den folgenden Versen festgehalten: 1. Kor 3,14-15; Matth 25,14-30; Lk 19,12-26. – Ich hoffe, dass das Thema, Christen könnten ihre Errettung verlieren, hiermit endgültig vom Tisch ist. Christen verlieren ihre Errettung nicht, werden aber für Ungehorsam bestraft, wie Israel für Ungehorsam bestraft wurde.

Vers 38-39

Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Mit dieser Wahrheit eröffnet der Apostel dieses Kapitel und mit diesen beiden Versen schliesst er es. Wie passend! Was sollte uns scheiden können von der Liebe Christi? Der Höchste der Finsternis, der Teufel, welcher „nur“ ein geschaffenes Wesen ist? Unser neues Leben allein überwindet schon sein Reich, die Welt! Und der Allermächtigste im Universum, Gott, der Herr Zebaoth, der Herr der Heerscharen, welcher unerschaffen ist, rechtfertigt uns persönlich! – Bitte, liebe Leserin und lieber Leser, beantworten Sie mir diese Frage: Sind Sie auch überzeugt, dass nichts uns scheiden kann von der Liebe Christi?

Gelobt sei der HERR! Amen.

Kapitel 9

Verse 1-2

1 Ich sage die Wahrheit in Christus, ich lüge nicht, wobei mein Gewissen mir Zeugnis gibt im Heiligen Geist,  
2 dass ich grosse Traurigkeit habe und unaufhörlichen Schmerz in meinem Herzen;   Röm 9,1-2

Vers 1

Beim folgenden Thema, was auch persönlich gefärbt ist, möchte Paulus sichergehen, dass die Empfänger nicht glauben, er übertreibe mit seinen Gefühlen. Dies unterstreicht er dreimal, indem er auf sein „in Christus Sein“, seine persönliche Versicherung, nicht zu lügen und der Kontrollfunktion seines Gewissens, welches vom Heiligen Geist unterstützt wird, hinweist.

Vers 2

Paulus hat eine grosse Traurigkeit und unaufhörlichen Schmerz in seinem Herzen wegen seinen Verwandten nach dem Fleisch, das sind die Israeliten. Wenn wir diesen Vers wörtlich nehmen – er ist wörtlich zu nehmen, - dann sehen wir die Notwendigkeit des ersten Verses in diesem Kapitel. – Sind wir ehrlich zu uns selbst, liebe Leserinnen und Leser, welcher Christ ist im wörtlichen Sinn so wie Paulus um seine Blutsverwandten, die Mitgeschwister bekümmert, die sich durch ungeziemenden Wandel ein Gericht herbei ziehen? – Wohl eher sehr wenige, wenn überhaupt! – Wer trägt grosse Traurigkeit und einen unaufhörlichen (!) Schmerz mit sich herum, weil viele Geschwister den Weg der Welt gewählt haben und nicht auf Gottes Wort hören wollen wie Israel damals?

Paulus trug diesen Schmerz mit sich, weil er genau wusste, dass sich Israel ein sehr schweres Gericht aufgeladen hatte, indem es sich nicht zu Gott bekehren wollte. Diesen Schmerz würden wir mit einem echten Glauben an die Bibel auch über unsere Geschwister verspüren, die den Weg verlassen, denn ich glaube nicht, dass Paulus andere Gefühle hatte wie wir. Wenn wir über unsere leiblichen Kinder wüssten, dass sie verfolgt, verschleppt und vergewaltigt würden, sobald sie die Volljährigkeit erreicht hätten, dann würden wir während ihrer Kindheit auch wie Paulus um ihretwegen beständige Traurigkeit in unseren Herzen tragen.

Christen, die diesen Schmerz um abgefallene Brüder und Schwestern nicht mit sich tragen, glauben nicht ernsthaft an sehr schmerzhafte Konsequenzen für untreue Blutsverwandte. Das ist eine traurige Tatsache und zeugt von wenig Nächstenliebe bzw. Bibelglauben. – Gott hat aber im Wort auch über die Konsequenzen von abgefallenen Christen aufgeklärt, wie er es bei Israel getan hat, „früh sich aufmachend und sendend“ (2. Chr 36,15; Jer 25,4).

Christen, die den Weg nicht entschieden gehen wollen und die Welt lieb gewinnen, werden das Reich nicht erben (1. Kor 6,9; Gal 5,21). Dabei muss ich wohl nicht erwähnen, dass die Rede hier an Christen gerichtet ist und nicht an Ungläubige. Denn bei Ungläubigen ist es sowieso klar, dass sie das Reich nicht erben werden (1. Kor 15,50)! Das Reich kann untreuen Brüdern und Schwestern nicht übergeben werden, weil sie illoyal im Kleinen waren. Sie werden bei der Offenbarung Christi übel beschämt dastehen, weil sie, als Volk Gottes, den HERRN miserabel vertreten haben (1. Joh 2,28). Im Weiteren MÜSSEN sie durch die Trübsalszeit hindurch, welche schlimmer als jede Krisenzeit zuvor sein wird (Mt 24,21). Wir sehen sie in der Bedrängnis im Buch der Offenbarung (Offb 12,17). Treuen Christen wird dieser Weg erspart bleiben (Offb 3,10).

Ich glaube nicht, dass ich dieses Thema noch weiter ausführen muss: Zu deutlich wird es durch die Bibel selbst erklärt. Wer bei all den Schmerzen Christi, seiner stetigen Verfügbarkeit und Liebe trotzdem abfällt, wird ein furchtbares Urteil empfangen. Zwar geht er nicht völlig verloren (1. Kor 3,15), doch was auf einen solchen zukommt, ist nicht zu beschreiben! Genügt uns das Vorbild, das uns Israel abgegeben hat, nicht? Das Volk Gottes, Israel, welches Volk Gottes bleibt und wiederhergestellt wird, was hatte es alles zu tragen? Wurde es nicht durch die Nationen über jahrtausende hin zertreten, vergewaltigt, getötet und zum Spottvers? Sollte es dann uns Christen, die wir durch das Vorbild zusätzlich gewarnt sind (1. Kor 10,6 und 11!), besser ergehen? Täuschen Sie sich nicht, liebe Leserinnen und Leser! Hören sie nicht auf Propheten die sagen: „Friede, Friede!“ Das ist nur eine Wiederholung von Jeremia 6,14! Vielleicht kennen sie das Verslein der falschen Propheten, die zu von Gott gesandten Ermahner sagen: „Verwandelt ihr jetzt die „Frohbotschaft“ zu einer „Drohbotschaft“?“ – Wehe solchen Propheten! Sie beschwichtigen dort, wo es nichts zu beschwichtigen gibt! Die Wahrheit bleibt: Wer die Gnade Christi als Ausrede zur Rechtfertigung im bösen Wandel heranzieht, wird sein Urteil tragen! Amen!

Verse 3-5

3 denn ich selbst, ich habe gewünscht, verflucht zu sein von Christus weg für meine Brüder, meine Verwandten nach dem Fleisch;  
4 die Israeliten sind, deren die Sohnschaft ist und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheissungen;  
5 deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus ist, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen.   Röm 9,3-5


Vers 3

Haben Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, nicht auch schon einen Nachteil herbeigewünscht, um einer sehr geliebten Person etwas Gutes zukommen zu lassen? Wären Sie nicht bereit, für einen von Ihnen sehr geliebten Menschen beispielsweise eine Niere zu spenden? Sie würden dabei zwar ein erhebliches Risiko eingehen. Doch ist es nicht so, dass Ihnen das Wagnis völlig egal wäre, weil Sie den Menschen so liebhaben, dass Sie sogar Ihren eigenen Tod in Kauf nähmen? Bestimmt kennen Sie dieses Gefühl der bedingungslosen Liebe!

Mit diesem Wunsch im Herzen, zum Vorteil für seine Verwandten nach dem Fleisch, den Israeliten, offenbart Paulus seine ungeheuchelte Liebe zu ihnen: Er würde sogar seinen Gewinn in Christus für sie aufgeben, seinen ganzen Schatz, nicht „nur“ eine seiner beiden Nieren! Damit offenbart uns Paulus nochmals zusätzlich sehr glaubwürdig, wie sehr sein Herz für seine leiblichen Verwandten schlug!

Wo stehen wir mit unserer Liebe? Lieben wir unsere Brüder und Schwestern im HERRN auch so, dass es uns im Herzen schmerzt, wenn sie abfallen oder es ihnen sonst nicht gut geht? Würden wir für sie auch alle Vorteile, ja sogar uns selbst aufgeben, um ihnen Besserung zu verschaffen?

Verse 4-5

Sehen wir die Liebe, mit der Paulus über Israel spricht? Er spricht in erhebender Weise über sie.

Leider gibt es Menschen, die in abschätziger Weise über Israel sprechen, da Israel viele Fehler begangen hatte. Hatten sie nicht eben den Retter-Gott verworfen? Hatten sie nicht veranlasst, Christus durch die Beihilfe der römischen Besatzung ans Kreuz zu nageln? – So schwer die Fehler Israels sind und waren: Gott wird sie gerecht richten (Jer 30,11). Er wird sie nicht ungestraft lassen, da müssen wir nicht nachhelfen wollen. Vielmehr sollten wir Menschen, die Gott für seinen Plan auserwählt hat, lieben und ehren. Gott richtet seine Hausknechte selbst, seien es Israeliten oder Christen, das ist nicht unsere Aufgabe (Rö 14,4).

Doch kehren wir zur Beschreibung Israels durch Paulus zurück. Er nennt alle guten Eigenschaften, nicht die schlechten. Ihnen gehört ebenfalls eine Sohnschaft (2. Mo 4,23). Die Bündnisse und die Gesetzgebung wurden ihnen gegeben. Sie durften als erste Nation Gott richtig, nach seinen Vorschriften, dienen. Auch war Israel unter den Völkern die einzige Nation mit so herrlichen Verheissungen. Aus diesen Verheissungen kamen die Väter der Nation hervor (Isaak als Beispiel, 1. Mo 17,19 und 21) und Christus, der Retter der Welt. Das Heil kommt folglich aus den Juden (Joh 4,22), auch wenn das vielen Menschen nicht passt. Daran ändert das Verhalten der Juden, auch der teilweise sehr grosse Ungehorsam, nichts. Was Gott beschlossen hat, bleibt bestehen. Die, welche treu waren, bleiben voll im Plan, jene, die den Ungehorsam vorzogen, bleiben nicht ungestraft. Gott ist gerecht, doch er hat Israel nicht verworfen, wie er die Christen auch nicht verwirft, auch wenn er viele wegen ihres Wandels wird sehr hart anpacken müssen. Amen.

Verse 6-8

6 Nicht aber als ob das Wort Gottes hinfällig geworden wäre; denn nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel,  
7 auch nicht, weil sie Abrahams Nachkommen sind, sind alle Kinder, sondern »in Isaak wird dir eine Nachkommenschaft genannt werden«.  
8 Das heisst: Nicht die Kinder des Fleisches, die sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheissung werden als Nachkommenschaft gerechnet.   Röm 9,6-8

Verse 6-7

Dieser Vers sagt aus, dass nicht alle, die nach der leiblichen Abstammung zu Israel gehören, als wirkliche Israeliten zählen vor Gott. Diese Tatsache macht das Wort Gottes nicht ungültig, denn Gott hat schon früh klar gemacht, dass nicht die leibliche Abstammung allein zählt, sondern seine Auswahl. Die wahren Kinder Abrahams sind die, welche Gott dem Abraham gibt, nicht zwingend jene, die durch sein Fleisch „produziert“ wurden. Abrahams Kinder werden so zahlreich sein, wie die Sterne im Himmel und der Sand am Ufer des Meeres (1. Mo 22,14). Dieser Vers sagt aus, dass es ein irdisches, sowie ein himmlisches Volk geben wird. Beide Völker müssen der Verheissung Gottes entspringen, aber auch von der Nachkommenschaft Abrahams sein. Das heisst, dass die Völker nicht wahllos, ausserhalb der Verheissung, entstehen dürfen. Er schliesst aber auch Menschen ein, die Abraham durch seine eigenen Möglichkeiten gar nicht imstande war, zu zeugen: Uns Christen beispielsweise.
Sara wollte mit Abraham durch ihre Magd Nachkommen erzwingen. Dabei entstand tatsächlich ein Nachkomme Abrahams, Ismael (1. Mo 16). Dieser Entsprang aber nicht der Verheissung Gottes, daher wird er auch nicht zu Israel gezählt. So, im umgekehrten aber herrlichen Sinn verhält es sich mit den Christen. Abraham hatte nicht die Möglichkeit, sie nach seinen Möglichkeiten zu zeugen. Trotzdem werden sie zu seinen Nachkommen, zu denen der Verheissung (Sterne im Himmel), gezählt (Gal 3,29). Wir sehen also, dass die wahre Nachkommenschaft aus der Verheissung kommen MUSS, der fleischlichen Nachkommenschaft ist von Anfang an nicht zwingend das Reich versprochen. Im Johannesevangelium (8,39) spricht Jesus einigen natürlichen Nachkommen Abrahams ihre Nachkommenschaft nach der Verheissung ab, obschon er ihre natürliche Herkunft nach Abraham bestätigt (Joh 8,37).

Gottes Wort ist demnach nicht hinfällig geworden, es wird nicht ungültig, wenn nicht alle natürlichen Nachkommen Abrahams zu den verheissenen gezählt werden. Auch dann nicht, wenn Menschen zu seinen Nachkommen hinzugefügt werden, die gar nicht aus der natürlichen biologischen Linie abstammen können. Letzteres trifft nämlich bei den meisten Christen zu. Christen werden aber auch zu seinen Nachkommen gezählt, wie wir im Galaterbrief (3,29) sehen. Somit ist das Wort Gottes – wie erwähnt – nicht hinfällig geworden, es ist vielmehr alles so gekommen, wie vorausgesagt. Amen.

Vers 8

Hier wird die obenstehende Wahrheit nochmals bekräftigt. Die Kinder der Verheissung sind die wahren Kinder Abrahams, welche das Reich erben werden. Wie es bei Ismael war, der zwar Kind Abrahams, jedoch nicht nach der Verheissung war und demnach nicht zu Israel gezählt wird, geschah es mit Esau. Esau war grundsätzlich in der Linie der Verheissenen. Es heisst ja schliesslich ausdrücklich im Hebräerbrief (11,18), dass die Nachkommenschaft der Verheissung in der Linie Isaaks (und nicht Ismaels) sein muss. Esau war in dieser Linie. Er und sein Volk werden aber nicht zu Israel gerechnet; er wurde der Vater Edoms (1. Mo 36,43).

Damit will die Schrift ausdrücklich hinweisen, dass niemand durch Umstände allein automatisch zu den verheissenen Nachkommen Abrahams, welche das Reich erben werden, gehört. Die Nachkommen müssen zwingend zu Gottes Auswahl gehören, ihre Abstammung, ob sie biologisch in der Linie Abrahams stehen, ist sekundär. Das wird durch die beiden Stellen im Neuen Testament nochmals ausdrücklich „zementiert“ (Mt 12,47-50; Mk 3,33-35). Jesus bezeichnet nicht seine leiblichen Geschwister als seine Familie. Seine wahre Familie besteht aus dem Kreis seiner Nachfolger, jenen, die den Willen seines Vaters tun.

Nur jene – und das muss ich wohl nicht speziell erwähnen, - die in Verbindung mit Christus stehen, werden erben und gehören zum Reich. Das wird im Galaterbrief erklärt (3,6), denn in der wörtlichen Übersetzung wird von der Einzahl bei der Nachkommenschaft Abrahams gesprochen bei „deinen Nachkommen“. Wörtlich heisst es „seinem Samen“ (dem die Verheissung gilt) in der Einzahl. Damit ist Christus gemeint, der aus der Nachkommenschaft des Abraham ist. Christus ist somit der Schlüssel zum Reich und zur wahren Nachkommenschaft und Familie des Allmächtigen, welche aus der freien Auswahl Gottes stammt und unter dem „verheissenen Volk“ (Sand am Meeresufer und Sterne im Himmel) zusammengefasst wird. Unser HERR, Jesus Christus, sei gelobt!

Verse 9-10

9 Denn dieses Wort ist <ein Wort> der Verheissung: »Um diese Zeit will ich kommen, und Sara wird einen Sohn haben.«  
10 Nicht allein aber <bei ihr war es so>, sondern auch bei Rebekka, als sie von einem, von unserem Vater Isaak, schwanger war.   Röm 9,9-10

Vers 9

Die Bibel drückt sich klar aus. Erstens: Gott gibt seine Ehre niemand anderem (Jes 42,8). Zweitens: Gottes Auswahl können wir nicht durch eigene Werke beeinflussen (2. Mo 33,19, hier wird deutlich, dass Gott sagt, wen er auswählt, nicht wir). Abraham war mit der unfruchtbaren Sara verheiratet. Bereits waren beide alt zur Zeit der Verheissung, es war auf natürlichem Weg nicht mehr möglich, dass dieses Ehepaar Nachkommen hervorbringen konnte. Um Gottes Verheissung nachzuhelfen, gab Sara ihre Magd dem Abraham, damit durch diese Verbindung endlich Nachkommen entstünden. Es entstand tatsächlich auf diese Weise ein Nachkomme, nämlich Ismael. Doch Gott konnte jedoch unmöglich seine Verheissung auf diese Weise in Erfüllung gehen lassen, da sie erstens auf fleischliche und nicht geistliche Weise zustande gekommen ist (Jes 31,3). Zweitens wäre seine ihm allein gehörende Ehre Sara wegen ihrer „grandiosen“ Idee der Selbsthilfe, den Nachkommen durch ihre Magd zu zeugen, zugefallen.

Vers 10

Wie im vorangegangenen Vers deutlich wird, dass wir in den Dingen des HERRN niemals mit eigener Kraft sollen nachhelfen wollen, wird hier deutlich, dass Gottes Auswahl allein zählt und einen Wert hat. Wir können uns dabei weder auf gegebene Umstände oder Äusserlichkeiten berufen, um die Dinge anders zu sehen oder Gottes Auswahl aufzuheben. Äusserlichkeiten können uns extrem täuschen (Jos 9,14!). Mögen Sie noch so deutlich erscheinen: Gott kann anders entschieden haben. Saul war äusserlich ein Riese und schien allen überlegen: nach unseren Augen ein wahrer Führer (1. Sam 9,2). Doch Gott musste ihn verwerfen, weil er in sein Herz hinein sah. Gott berief an seiner Stelle einen jungen Knaben, welcher nach weltlicher Messlatte niemals geeignet gewesen war, König über das Land zu sein, schliesslich konnte er nicht einmal in einer Rüstung gehen (1. Sam 17,39). Wie sollte er ein Land regieren und schützen, wenn er äusserlich nicht einmal Grundlagen von weltlicher Kampfführung beherrschte? – Doch Gott wollte ihn. David hatte das Herz auf dem rechten Fleck (1. Sam 16,7). Er beherrschte das Warten auf Gott und war voller Vertrauen auf ihn (1. Sam 17,37). – Dies ist eine Belehrung, dass man sich in Gottes Reich nicht durch Äusserlichkeiten lenken lassen soll.

Nachfolgend möchte ich die biblische Belehrung betrachten, dass es durchaus auch möglich ist, dass gegebene Strukturen und normale Vorgänge durch Gott aufgehoben werden, um seine Auswahl durchzusetzen. Wie im Bild die natürlichen Zweige durch widernatürliche im Reich ersetzt werden können (Rö 11,24), können Priestergeschlechter unterbrochen und anderweitig vergeben werden (1. Sam 2,30). Auf ewig Verstossene (5. Mo 23,4) können wieder angenommen werden (Moabiterin Rut). Gott lässt sich nicht an Regeln binden. Er bleibt in der Auswahl völlig souverän. Daher sollten wir nicht sagen: „Es war von jeher so, daher muss es auf ewig so bleiben.“

Wie Josua sich durch Äusserlichkeiten täuschen liess (Jos 9,14), könnte man sich – wie erwähnt – durch gegebene Umstände täuschen lassen. Esau kam vor Jakob zur Welt, er war der Erstgeborene und somit der rechtmässige Empfänger des Erstgeburtsrechtes. Rut war eine Moabiterin, denen es verboten war, überhaupt in eine Versammlung des HERRN zu kommen. Josef war der Jüngste der Patriarchen, wie konnte es denn kommen, dass sich die ganze Familie einschliesslich der Eltern vor ihm verneigen mussten, wo er nicht einmal der Erstgeborene war? – Und doch wählte Gott in seiner unumschränkten Souveränität die Moabiterin Rut aus. Sie durfte nicht nur ins Volk Gottes kommen, nein, ihr wurde viel mehr zuteil: Sie durfte in die Linie Christi stehen, indem sie direkte Vorfahren Davids zur Welt brachte. Esau verwarf, obschon Erstgeborener, seine Rechte. So wählte Gott in seiner Allwissenheit den Jakob, bevor die Kinder weder Gutes noch Böses vollbracht hatten, und bestimmte, dass der Jüngere in diesem Fall über den Älteren herrschen sollte. So geschah es auch bei Josef.

Lassen Sie sich nie durch Äusserlichkeiten täuschen. Gott kann berufen, wen er will. Manchmal steht der ungelernte und ungebildete Mensch im Reich Gottes über dem Professor, weil die Reinheit der Herzen nicht mit der weltlichen Ausbildung einher geht. Wir tun daher gut daran, Gott bei der Verteilung der Ämter in den Versammlungen zu fragen und uns nicht durch weltliche Auszeichnungen und Traditionen blenden zu lassen. Oder sind alle Pfarrpersonen, die den „normalen Ausbildungsweg“ nach heutiger Anschauung der Landeskirchen beschritten haben, Diener Christi? Oder sind alle tüchtigen Frauen, die fähig wären im Reich zu arbeiten, so demütig und für Gott so brauchbar wie Sara, die ihren Ehemann „Herr“ nannte?

Gott teilt seine Ehre mit niemandem. Und er wählt, wen er will, ausserhalb von Äusserlichkeiten und Gegebenheiten. Amen.

Verse 11-13

11 Denn als <die Kinder> noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten – damit der nach <freier> Auswahl gefasste Vorsatz Gottes <bestehen> bliebe,  
12 nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden –, wurde zu ihr gesagt: »Der Ältere wird dem Jüngeren dienen«;  
13 wie geschrieben steht: »Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.«   Röm 9,11-13 

Verse 11-12

Wir sollten es zu Herzen nehmen, der Heilige Geist besteht darauf: Gott ist nicht wie wir! Obwohl wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, denken können und Gefühle haben – Eigenschaften, die Gott auch hat, - haben wir beschränkte Kapazitäten im Gegensatz zu Gott. Gott ist nicht wie ein Mensch mit begrenzter Kraft und Möglichkeiten. Wir stützen uns ausserdem gerne auf Traditionen und Gegebenheiten, weil wir nicht beurteilen können, wie Gott es kann. Wir können erst beurteilen, nachdem etwas geschehen ist, Gott hingegen weiss alles im Voraus. Bei uns muss „Gutes“ bzw. „Böses“ vollbracht sein, um urteilen zu können. Gottes Herrlichkeit ist, dass er beurteilen kann, bevor die zu beurteilenden Menschen überhaupt gebildet sind!

Diese Eigenschaft Gottes sollte uns vom Hohen Ross kommen lassen und still werden. Zu oft werden vor Gott viele Worte und Argumente von unwissenden Menschen vorgetragen, wo doch der Mensch in Gottes Nähe nicht viele Worte sprechen sollte (Pred 5,1). Vermehrt sollte gebetet werden: „Herr, weise DU uns den Weg, denn wir sehen nur an die Fassade, nicht in das Innere.“ Amen.

Der nach freier Auswahl gefasste Vorsatz Gottes bleibt bestehen. Gottes absolute Souveränität (Alleinherrschaft, Unabhängigkeit) bleibt völlig unangetastet. Sie kann nicht durch Werke beeinträchtigt, in Frage gestellt oder geschmälert werden. Gott entscheidet und beruft korrekt, auch wenn noch ein ganzes Leben mit abertausenden von Entscheidungen, welchen der zu beurteilende Mensch noch begegnet, vor ihm liegt. – Lassen uns diese Tatsachen nicht ehrfürchtig verstummen vor dem Allmächtigen? Stehen wir nicht beschämt vor unserem Gott im Lichte seiner Herrlichkeit? Wie gross und herrlich muss man denn sein, um im Voraus zu wissen, wie der Weg eines Menschen verläuft, wo es doch so viele Gabelungen und Anlässe zu Neuentscheidungen darin gibt?

Vers 13

Im Prophet Maleachi, nachdem Jakob und Esau ihren Lauf auf Erden längstens vollendet hatten, offenbart Gott seine Gefühle, die er diesen beiden Brüdern gegenüber hatte. Sie decken sich mit der Auswahl, die Gott vor ihrer Geburt traf: Esau verwarf seine herrlichen Rechte, wogegen Jakob sich danach ausstreckte. So kam es nach Gottes Gerechtigkeit: Jakob erlangte sie, Esau verspielte sie durch seine abschätzende Haltung. Deshalb hasste Gott den Esau, welcher – im Vorteil geboren – so geringschätzig von Gottes Lohn dachte. Gott liebt die Menschen, die sich nach ihm ausstrecken. Sie können – auch im Nachteil geboren (als Moabiter, Zweitgeborene, Nicht-Leviten, nicht zu Israel gehörend) – zu Geliebten werden.

Wer ist so herrlich wie unser Gott? Wer hat je in seinem Rat gestanden? Wer kann ihm eine Ungerechtigkeit, eine Fehlentscheidung vorhalten? – Daher schreibt der Prophet Habakuk mit voller Einsicht: „Schweige vor ihm, ganze Erde (2,20)!“

Verse 14-16

14 Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne!  
15 Denn er sagt zu Mose: »Ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme, und werde Mitleid haben, mit wem ich Mitleid habe.«  
16 So <liegt es> nun nicht an dem Wollenden, auch nicht an dem Laufenden, sondern an dem sich erbarmenden Gott.   Röm 9,14-16 

Vers 14

Bei oberflächlicher Schriftkenntnis könnte der Leser von Römer 9 jetzt annehmen, Gott sei ungerecht. Der Heilige Geist trägt diesem Umstand Rechnung und widmet sich auch diesem Thema. Geduldig werden hier mögliche Fragen behandelt, auch wenn sie durch fehlende Sachkenntnis oder böse Behauptungen der Gegenseite aufkommen und dadurch Zweifel im Kinde Gottes erwecken. – Der Zweifler mag denken: „Ist denn nun Ungerechtigkeit bei Gott, wenn es beim Menschen keine Möglichkeit zu geben scheint, in das Geschlecht der Verheissenen zu kommen?“ Paulus verneint das entschieden, inspiriert durch den Heiligen Geist. Und er fügt sofort eine Erklärung ein, wie wir sie in den nachfolgenden Versen sehen.

Verse 15-16

In der Erklärung des Paulus sticht sofort die Eigenschaft Gottes als Erbarmer hervor. Wer in die Linie der Verheissung kommen soll, wird vom sich erbarmenden Gott entschieden. Gott wird hier nicht in seiner Eigenschaft als „gerecht“ beleuchtet, sondern als „Erbarmer“ bezeichnet. Das ist sehr bedeutungsvoll. Wieder wird klar, dass es überhaupt kein Mensch in die Linie der Verheissung schaffen könnte! Wenn Gott nur die Eigenschaft „gerecht zu sein“ tragen würde, gäbe es überhaupt keine Hoffnung für die das Gesetz übertretenden Menschen. Kein einziger Mensch ist ohne Sünde, weder Ismael noch Isaak, weder Jakob noch Esau. Wenn es darum ginge, dass jeder, der in das Geschlecht der Verheissung kommen möchte, aus eigener Kraft sündlos werden sollte, wären die Würfel längst gefallen! Es gäbe schlicht keinen einzigen Menschen, welcher es dorthin geschafft hätte! Daher ist es sehr gut und unsere einzige Chance überhaupt, dass die Auswahl beim „sich erbarmenden Gott“ liegt! Denn dieser „sich erbarmende Gott“ hat in dieser Eigenschaft dem Menschen, der da will, einen Ausweg geschaffen. Einen Ausweg, welcher – ohne im Geringsten die Gerechtigkeit Gottes anzutasten – es ermöglicht, durch die Tat Christi am Kreuz, Menschen, welche es von sich aus nie verdient haben, in die Linie der Verheissung aufzunehmen. Wir wissen jetzt, dass sowohl Rut, wie auch Isaak und Jakob Begnadete des HERRN sind. Sie haben es nicht durch eigene Werke dahin gebracht, wo sie jetzt stehen dürfen.

Es ist von grosser Wichtigkeit, dass es am „sich erbarmenden Gott“ liegt! Andersrum hätte unser Geschlecht überhaupt keine Gelegenheit zur Errettung. Wie bezeichnend ist diese Feststellung! Wie erlösend diese Erklärung des Geistes Jesu! Lässt Sie das nicht in grosse Dankbarkeit gegenüber unseres HERRN fallen? Lässt Sie das nicht jubeln: „Alle meine Quellen sind in Dir (Ps87,7)!“ Und weiter: „Ausser Dir gibt es keinen Retter (Jes 43,11)!“

Verse 17-19

17 Denn die Schrift sagt zum Pharao: »Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erzeige und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.«  
18 Also nun: wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, verhärtet er.  
19 Du wirst nun zu mir sagen: Warum tadelt er noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden?   Röm 9,17-19

Verse 17-18

Beim Pharao, welcher Gottes Volk nicht ziehen lassen wollte und so die Plagen über Ägypten heraufbeschwor, kann Gott festhalten, er habe ihn erweckt, um seine Macht zu erzeigen. Gar niemand kann Gott spotten, vielmehr kann Gott sagen:

Alles hat der HERR zu seinem Zweck gemacht, so auch den Gottlosen für den Tag des Unglücks.   Spr 16,4

7 Euch nun, die ihr glaubt, <bedeutet er> die Kostbarkeit; für die Ungläubigen aber <gilt>: »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden«,  
8 und: »ein Stein des Anstosses und ein Fels des Ärgernisses«. Da sie nicht gehorsam sind, stossen sie sich an dem Wort, wozu sie auch bestimmt worden sind.   1.Petr 2,7-8

Du aber, HERR, wirst über sie lachen, spotten über alle Nationen.   Ps 59,9

Es ist offenbar: Kein (böser) Mensch kann sagen, er könne Gottes Pläne durchkreuzen oder ihm irgendwie schaden. Gott ist so mächtig und souverän, dass er jeden Menschen, sei er gut oder böse, genau an die Stelle setzen kann, die er für ihn vorgesehen hat. Da mögen einzelne Menschen, Nationen oder alle Armeen der Welt zusammen gegen Gott toben: Er lacht über sie (Ps 37,13) und wird ihrem Toben ein Ende machen (Offb 14,20). Ihr Blut (dasjenige der alliierten Weltarmee, welche gegen Jerusalem ziehen wird), wird bis an die Zügel der Pferde reichen.

Auch wenn das alles etwas Angst einflössend und brutal zu sein schein: Es muss einmal gesagt werden. Zu viele Menschen erdreisten sich gegen Gott und meinen, sie könnten seinen Plan und Vorsatz sabotieren. Jene sollen sich mit den obenstehenden Versen schlau machen und abwägen, ob es sich lohnt, gegen den Allmächtigen das Maul aufzureissen bzw. sich an seinem Volk, seien es Juden oder Christen, zu vergreifen.

Vers 19

Jetzt kann die Frage wieder aufkommen, wie jene im 14. Vers, warum Gott denn überhaupt noch tadelt. Warum beurteilt er Menschen und gibt Chancen zur Umkehr, wenn alles schon entschieden zu sein scheint? Hatte der ägyptische Pharao überhaupt eine Wahl? Zog Judas Iskariot einfach das Los des Verlierers, weil er die Figur im Plan Gottes war, welche halt nun einmal den Verräter spielen musste? – Nein, niemals! Solche Gedanken sollten fern von uns sein. Sie treffen nicht zu! Es verhält sich anders, denn Gott möchte nicht, dass ein einziger Mensch verloren geht. Das sagt er allgemeingültig für alle Menschen (Hes 18,23; Luk 15,10), sowie auch explizit für die Israeliten, bei denen leider auch einige abfielen (Hes 33,11). Der Wichtigkeit halber führe ich diese Verse unten nochmals und in voller Länge auf.

Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht <vielmehr> daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt?  Hes 18,23

Sage zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Wenn ich Gefallen habe am Tod des Gottlosen! Wenn nicht vielmehr daran, dass der Gottlose von seinem Weg umkehrt und lebt! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Ja, warum wollt ihr sterben, Haus Israel?   Hes 33,11

So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Busse tut.   Lk 15,10

Es gilt also, dass Gott niemand verlieren möchte; er will alle Menschen retten. Die Hölle wurde ursprünglich nicht für den Menschen geschaffen, sie wurde für den Teufel und seine Engel bereitet (Mt 25,41). Die Verse 17 und 18 zeigen nur auf, wie mächtig Gott ist. Er ist so erhaben, dass er gottlose Menschen nicht einfach nur aus seiner Gegenwart verbannen oder töten muss, wie es Machthaber mit beschränkter Gewalt handhaben. Er steht erhaben über allem Geschehen und kann mit jedem tun und lassen, was ihm gerade beliebt. Wer meint, er müsse Gott schaden, den kann er sofort auch für seine Zwecke einsetzen, so, dass er auch in seinem gottlosen Tun Gottes Plänen dienlich ist. So wissen wir mit Gewissheit, dass der ägyptische Pharao, wie auch Judas Iskariot, die gleichen Chancen zur Errettung hatten, wie sie für alle Menschen von Gott dargereicht werden.

Der Allmächtige ist hoch zu loben und sehr zu fürchten (2. Kor 5,11). Seine Barmherzigkeit ist unvergleichlich und sein Erbarmen sehr gross. Doch wehe den Gottlosen! Denjenigen Menschen, die sich trotz aller Offenbarungen Gottes, welche die Welt ständig vor den Augen hat (Rö 1,19), verstocken, ist einfach nicht mehr zu helfen. Amen.

Verse 20-21

20 Ja freilich, o Mensch, wer bist du, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich so gemacht?  
21 Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäss zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen?   Röm 9,20-21  

Vers 20

In den vorangegangen Versen lässt sich Gott herab, dem Menschen alles im Blick auf seine Macht geduldig zu erklären. Ganz deutlich kommt heraus, dass jeder Mensch die gleichen Chancen zur Errettung erhält, Gott aber so gross ist, dass er solche, die gegen ihn arbeiten wollen, trotzdem für seine Zwecke benutzen kann. Er erzeigt hiermit, dass er einfach alles vermag.

So muss für einmal in diesem Vers festgestellt werden, dass der Mensch wirklich kein Recht hat, sein Maul gegen Gott zu öffnen. So wie es schon allerhand ist, wenn man Gottes Gerechtigkeit in Frage stellt, so es ist es nicht statthaft, wenn das Produkt beim Erzeuger Fragen platziert. Nur schon so ein Gedanke ist absurd: Was wäre, wenn das Stuhlbein auf dem Drechselbank den Drechsler Fragen stellen oder gar Vorwürfe machen würde!

Vers 21

Gott hat bewiesen, dass er weit mehr Macht über den Menschen hat, als viele annehmen. Wie ein Töpfer über seinen Ton unumschränkte Gewalt hat, hat sie Gott über alle Dinge, nicht nur über den kleinen Menschen, sondern auch über grosse Mächte, wie jene der Finsternis. Ein kleines Beispiel sehen wir in der Offenbarung, an der Stelle, wo der Teufel gebunden wird (Offb 20, 1-2). Früher liess Gott seine Armeen unter der Führung von Michael gegen die finsteren Mächte antreten (Dan 10,13), an dieser Stelle in der Offenbarung sehen wir, dass ein einziger Engel Gottes (auch wenn es der kleinste ist) völlig ausreicht, um den mächtigsten Gegenspieler zu binden. Gott muss nur seine Autorität auf diesen Engel legen, welche völlig ausreicht, den Gegner zu lähmen. Wiederum sehen wir diese Wahrheit bei jenen, die Jesus verhaften wollten. Im Johannesevangelium, wo Jesus in seiner Eigenschaft als Gott beschrieben wird, fallen seine Widersacher einfach vor ihm zu Boden. Er muss sich völlig zurückhalten, damit sie ihn überhaupt verhaften können (Joh 18,6)!

Daher, ein gut gemeinter Rat: Schweige, wenn Du vor Gott trittst! Überlege Dir genau, was Du ihm sagen willst, denn Du stehst nicht vor einem alten „Tattergreis“, der „sie nicht mehr alle hat“. Fürchte Dich, denn er ist nicht so, wie er von vielen aus seinem Volk falsch dargestellt und so der Weg der Wahrheit verlästert wird (2. Petr 2,2). Vielmehr verhält es sich so mit Gott:

Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet!   Lk 12,5

Gepriesen sei der HERR! Amen.

Verse 22-24

22 Wenn aber Gott, willens, seinen Zorn zu erweisen und seine Macht zu erkennen zu geben, mit vieler Langmut die Gefässe des Zorns ertragen hat, die zum Verderben zubereitet sind,  
23 und <wenn er handelte,> damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefässen des Erbarmens zu erkennen gebe, die er zur Herrlichkeit vorher bereitet hat,  
24 <nämlich an> uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen.   Röm 9,22-24

Vers 22

Der Ton kann den Töpfer nicht anklagen, wenn aus ihm ein Gefäss der Unehre und des Zornes wird, denn Gott warnte und ermahnte den Menschen aufgrund seiner Verantwortlichkeit, Recht und Gerechtigkeit zu tun. – Gott schuf ein Gesetz im Universum, jenes des Säens und Erntens, welches dem Menschen, der dieses Gesetz bestens kennt, vor die Augen führt, dass der gesäte Samen die ihm entsprechende Frucht hervorbringt. Wer Weizen sät, wird nicht Gurken ernten, sondern Weizen. Das gilt für alles Ausgestreute. Wer Unrecht sät, wird Unheil ernten (Spr 22,8). Wenn nun Gott dieses Gesetz des Erntens aufrecht erhält, sollte man ihm Vorwürfe machen? IHM sei Dank, dass er es fest hält! Was hätten wir für einen Durcheinander, wenn bei gesätem Weizen Unkraut daraus wüchse? – Sollte nun aus Gutem Böses kommen und aus Bösem Gutes? Was sind das für absurde Gedanken!

Die Menschen nun, die willentlich Böses wollen, ziehen es sich aufgrund dieses Gesetzes selbst zu! Was sie ausstreuen, fällt bei der Ernte auf ihren Kopf, wie geschrieben steht:

Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.   Gal 6,7

So wird durch dieses Gesetz aus dem willentlich bösen „Tongefäss“, dem unbussfertigen Menschen, ein Gefäss des Zornes. All seine Bosheit wird auf ihn zurückfallen: Er hat sie schliesslich ausgestreut.

Vers 23

Der Töpfer handelt strikte nach diesem Gesetz, auch bei den „Gefässen des Erbarmens“, den Menschen, die begnadigt werden. Sie werden nicht einfach so begnadigt, weil ihre Nase schöner ist als jene der Menschen, die zum Zorn bestimmt sind. Auch die Begnadigten haben Unrecht gesät in ihren Leben (Rö 6,21). Nach dem Gesetz des Säens und Erntens müssten sie auch ausschliesslich Zorn ernten. Sie können nur Erbarmen finden, wenn sie sich völlig verleugnen und selbst richten, indem sie anerkennen, dass sie böse sind und wie alle anderen den Tod verdient haben. Diese Erkenntnis erlaubt ihnen den Zugang zum Heil Gottes. Gott schuf durch seinen Sohn, der die Ernte des bösen Handelns der Menschen trug, einen Ausweg für solche, die ihren verlorenen Zustand bekennen und nach dem Heil Gottes trachten. Solchen erlaubt Gott den Zugang zum Heil in einer völlig gerechten Weise: Der sündige Mensch bekennt seinen bösen Zustand und die Aussicht in die Hölle geworfen zu werden. Er sieht ein, dass nur ein barmherziger Gott, der das Recht selbst zum Sieg führt (Mt 12,20), noch helfen kann. Dieses Bekenntnis nimmt Gott als Bestätigung des Menschen, dass er seinen Zustand völlig einsieht und am liebsten verleugnen würde. Nur durch dieses Bekenntnis darf Gott nach der Gerechtigkeit beim Bekennenden eingreifen. Würde er willkürlich eingreifen, hätten wir eine ungesetzliche und somit ungerechte Auswahl bei den Erretteten.

Gottes Eingreifen geschieht, wie erwähnt, völlig nach der Gerechtigkeit. Er macht das Leben des Bekennenden eins mit dem Leib Jesu am Kreuz (Gal 6,14; Kol 2,14), d.h. das alte Leben MUSS ZWINGEND sterben, nach seiner Gerechtigkeit. Ansonsten wäre die Ursache des Bösen ja nicht gerichtet und das Recht nicht ausgeführt. Danach MÜSSEN wir Begnadeten ZWINGEND ein neues Leben, eines das nicht sündigt (1. Joh 5,18), erhalten, damit wir fern von neuen Ungerechtigkeiten ein ungetrübtes Verhältnis mit dem Schöpfer geniessen dürfen. Dieses neue Leben sät nur noch Gerechtigkeiten, wenn wir in ihm bleiben, die uns nur Herrlichkeiten ernten lassen.

Christen, die sich wieder nach den Fleischtöpfen Ägyptens sehnen (2. Mo 16,3), also wieder die ungerechte und böse Welt lieb gewinnen, werden auch Gerichte, die über diese Welt kommen werden, miternten, jedoch nicht völlig verloren gehen. Über das Miternten der Gerichte steht geschrieben:

Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.   1.Kor 11,32

Hüten wir uns also davor, wieder Freude am alten, als böse bekannten Leben zu finden, um nicht dessen Früchte miternten zu müssen! Amen.

Vers 24

Wir, die Christen (dieser Brief ist an Christen gerichtet), sind somit diese Gefässe der Barmherzigkeit. Nicht durch unseren eigenen Verdienst sind wir nun Gefässe der Barmherzigkeit, sondern weil Gott uns durch sein Werk gerecht gemacht hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir aus dem jüdischen Volk, wie Paulus, oder aus den übrigen Nationen stammen. Gottes Gerechtigkeit gilt für jeden Menschen, der ihn aus echtem Antrieb anruft (Rö 10,12). Amen.

Verse 25-28

25 Wie er auch in Hosea sagt: »Ich werde Nicht-mein-Volk mein Volk nennen und die Nicht-Geliebte Geliebte.«  
26 »Und es wird geschehen, an dem Ort, da zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, dort werden sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden.«  
27 Jesaja aber ruft über Israel: »Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, <nur> der Überrest wird errettet werden.  
28 Denn indem er das Wort vollendet und abkürzt, wird der Herr es auf der Erde ausführen.«   Röm 9,25-28

Vers 25

Mit Nicht-mein-Volk und Nicht-Geliebte sind hier die Menschen aus den übrigen Nationen gemeint, welche nicht aus Israel sind. Bei Israel war es ja offenbar, dass es Gottes Volk war und somit auch als solches bezeichnet wurde (2. Mo 5,1; 2. Mo 8,18).

Vers 26

Wie ich im Kommentar zum Vers 24 schon bemerkt habe, gilt die Gnade Gottes für die ganze Welt, nicht nur für Israel. Dies liess der HERR schon lange, bevor es offenbar wurde, bekanntgeben. Hosea verkündete dies schon über 700 Jahre vor der sichtbaren Verwirklichung. Und – obschon mehrfach vorausgesagt, ebenfalls durch Jesaja (49,6) – erstaunten sich die aus der Beschneidung (das sind die Juden) noch darüber, wo die Gnade Gottes sich offenbar auch über Menschen aus den übrigen Nationen ausgoss (Apg 11,18).

Vers 27

Über Israel wird hingegen berichtet, dass nur ein Überrest errettet werden wird. Dies beweist die Wahrheit, die wir in den Versen 6-8 in diesem Kapitel finden. Nicht die Nachkommenschaft nach dem Fleisch macht Söhne Gottes, sondern der Glaube an Gott. Daher wird niemand einfach so gerettet, das wäre gegen die Gerechtigkeit.

Vers 28

Dieser Vers ist vielleicht nicht so geläufig geschrieben. Was heisst genau „indem er das Wort vollendet und abkürzt“? Hören wir nachfolgend den Wortlaut einer anderen Übersetzung:

„Denn er vollendet die Sache und [kürzt sie ab in Gerechtigkeit, denn] der Herr wird eine abgekürzte Sache tun auf Erden." (unrev. Elberfelder)

Das bedeutet, dass erstens der HERR sein Wort zur Vollendung bringen wird. Alles Vorsausgesagte muss und wird eintreffen. Zweitens wird das Wort des HERRN „abgekürzt“ sein im Blick auf die Anzahl der Erretteten. Das erklärt nicht, dass ein einziges Wort des HERRN hinfällig wird (Mt 5,18!). Gottes Wort wird vollumfänglich eintreffen. Doch Gottes Errettung im Blick auf alle Menschen, die je gelebt haben und leben werden, wird verkürzt sein: Es werden nicht alle Menschen darin eingeschlossen sein.

Gott möchte alle Menschen, ausnahmslos alle, retten (Hes 18,23). Da viele Menschen diese Errettung bewusst ablehnen und Gott jedem den freien Willen lässt, dringt sie nicht zu allen hindurch. Sie wird zwar kompromisslos, aber „verkürzt“ ausgeführt.

Das sind sehr ernste Worte, liebe Leserinnen und Leser. Wenn Sie von gläubigen Eltern abstammen oder zeitlebens in eine Gemeinde gehen, bedeutet das nicht, dass Sie automatisch zum Volk gehören. Nicht die natürliche Abstammung oder die vorhandenen Umstände machen den Status des Erretteten aus, sondern der persönliche Glaube an Gott. Dieser Glaube muss nach der Bibel sein und nicht ein selbst zusammen gebastelter. Amen.

Verse 29-31

29 Und wie Jesaja vorher gesagt hat: »Wenn nicht der Herr Zebaoth uns Nachkommenschaft übriggelassen hätte, so wären wir wie Sodom geworden und Gomorra gleich geworden.«  
30 Was wollen wir nun sagen? Dass die Nationen, die nicht nach Gerechtigkeit strebten, Gerechtigkeit erlangt haben, eine Gerechtigkeit aber, die aus Glauben ist;  
31 Israel aber, das einem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebte, ist nicht zum Gesetz gelangt.   Röm 9,29-31

Vers 29

Obwohl ein gläubiger Mensch für den ganzen Weg Gottes alles von sich geben muss, kann er sich in keinem Punkt rühmen, denn diesen Weg zu gehen ist für den Menschen allein unmöglich (Mk 10,27). Deshalb kommt aus diesem Vers klar heraus, dass auch alle Israeliten im Alleingang, ohne dem Eingreifen Gottes, so verwerflich wie die Menschen in Sodom und Gomorra geworden wären.

Verse 30-31

Was soll man zur Aussage im Vers 29 sagen? Die Nationen, welche sich nicht die Mühe gaben irgendein Gesetz Gottes zu halten im Gegensatz zu Israel, haben durch den Glauben an Christus die Gerechtigkeit Gottes erlangt. Israel hingegen, das eifrig das Gesetz halten wollte, erreichte das Ziel nicht.

Was soll das bedeuten? Wie soll man diese Begebenheiten einordnen? Mit diesen Versen greift der Heilige Geist in einer sehr eindrücklichen Weise eine uralte Wahrheit auf, die leider von vielen Christen – trotz vieler Ermahnungen im Neuen Testament – partout nicht aufgenommen werden will. Diese Wahrheit wird so eindrücklich dargestellt, dass sie schärfer nicht umrissen werden kann: Der Alleingang eines Menschen bringt ihn, auch mit dem bestem Wissen über Gottes Gedanken, nicht in den Bereich von Gottes Zufriedenheit. Auch wenn sich ein Mensch im Eigenwillen für Gott verbrennen lässt: schmutzig bleibt seine Qualifikation und als ungenügend wird sie befunden. Jesaja muss über das Volk, das den Weg Gottes kannte, ausrufen, dass sie gar nichts zustande gebracht haben (Jes 63, 4-5).

Leider wird diese Feststellung des Geistes als Anlass genommen, um weiterem Ungehorsam zu frönen. Nicht wenige christliche Kirchen, Gemeinschaften und sogenannte Denominationen (Benennungen, z.B. freikirchliche Gemeinden, die sich einen Eigennamen geben) lehren aufgrund dieser Verse unverblümt, der Mensch könne überhaupt nichts zu seiner vollständigen Errettung beitragen und entbinden so die Gläubigen ihrer Verantwortlichkeiten. Dies ist eine schriftwidrige und böse Irrlehre, welche vielerorts sorglos in die Welt gesetzt wird. Sie hat teuflische Züge, denn der Teufel argumentiert bei Christen mit Halbwahrheiten, da sie direkte Lüge nicht annehmen würden.

Die eine Wahrheit, dass die Errettung des Menschen völlig auf der vollständigen Tat Christi, welcher gepriesen ist in Ewigkeit, gründet, ist unumstritten. Christus hat ein vollständiges Werk erbracht. Es ist vollständig, weil es alle Probleme beseitigt hat: die Sünde, den Tod, die Zerrüttung zwischen Gott und Mensch, die verlorene Verwandtschaft mit Gott, die absolute Ausweglosigkeit für die Schöpfung. Dieses vollständige Erlösungswerk entbindet den Menschen aber nicht von seiner Verantwortlichkeit. Der Mensch soll nicht sprechen: „Wenn alles an Gott liegt, soll er alles machen. Ich muss somit nichts mehr tun oder darf machen, was ich will.“ – Genau diese Aussage wird von vielen christlichen Institutionen vertreten und gelehrt. Die einen lehren es offensichtlich mit Worten, bei anderen ist es eine wortlose Suggestion (Beeinflussungsform). Und obschon diese Lehre im Lichte der Schrift als klare Lüge entpuppt wird, hält sie sich hartnäckig. Dass die Lüge bleibt, verwundert nicht, denn ein Christ, der von seiner Verantwortlichkeit entbunden ist, nimmt die Aufgabe nicht wahr das Wort Gottes zu lesen und verstehen zu wollen. – So greift dieses Krebsgeschwür mit grossem Erfolg um sich und lullt viele Christen in einen gefährlichen Schlaf, von dem zu erwachen jetzt höchste Zeit ist!

Fragen Sie Ihre christlichen Leiter einmal, für was denn diese Verse stehen:

Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt <noch> viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern!   Phil 2,12

Darum, Brüder, befleissigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese <Dinge> tut, werdet ihr niemals straucheln.   2.Petr 1,10

Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt mit Zittern!   Ps 2,11

Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk richtet, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht!   1.Petr 1,17

Das ist nur eine Versauswahl, in zwei Minuten zusammengesucht. Es gibt viel mehr Stellen, die aussagen, dass der HERR unsere ganze Aufmerksamkeit möchte und uns gemäss unserer Verantwortlichkeit richten wird. Ein liederliches Christenleben führt zu sehr grosser Beschämung, wie das Wort Christi an den faulen Knecht (er ist Knecht Christi, kein Heide!) offenbart:

22 Er spricht zu ihm: Aus deinem Mund werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wusstest, dass ich ein strenger Mann bin, der ich nehme, was ich nicht hingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe?  
23 Und warum hast du mein Geld nicht auf eine Bank gegeben, und wenn ich kam, hätte ich es mit Zinsen eingefordert?
24 Und er sprach zu den Dabeistehenden: Nehmt das Pfund von ihm und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat!
25 Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat <ja schon> zehn Pfunde!
26 Ich sage euch: Jedem, der da hat, wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden.  Lk 19,22-26

Und zur Beruhigung darf ich, der ich heute vor dem HERRN stehe, hier noch hinzufügen, dass dies wiederum nur eine einzige Textpassage von vielen ist, die bestätigen, dass der HERR weder Gefallen an untätigen noch eigenwilligen Christen hat. Amen.

Fassen wir kurz zusammen:
Der Heilige Geist zeigt hier auf, dass der Mensch, der zu Gott sagt, Gott solle ihm mitteilen, was zu tun ist und dann werde er es erfüllen und Gott wird mit ihm zufrieden sein, nicht zum Ziel kommt. Dieser Mensch wäre wie Israel, welche nach dem Gesetz verlangten (2. Mo 19,8). Israel handelte damit wie ein Mensch, welcher von Gott getrennt handelt und doch bei ihm Gunst finden möchte. Die Geschichte Israels beweist, dass es so nicht geht. Sie haben Gottes Willen nicht wirklich ausgeführt und der Beweis, dass es sich so verhielt, lieferten sie, indem sie den Gesalbten Gottes verbrecherisch umbrachten. – Die Lösung ist ein Wandel im Glauben an Gott mit der parallel dazu gelebten Zweisamkeit nach der Verantwortung, die Gott dem Menschen übertragen hat. Der Glaube vertraut darauf, dass Gott rechtfertigen wird. Der Wandel in der gelebten Zweisamkeit nach der gegebenen Verantwortung hält den Menschen immer in der Nähe Gottes. Diese beiden Wahrheiten machen die ganze Wahrheit aus. Nur zu Glauben und dann nichts mehr tun oder nur noch das vollbringen, was man will, ist eine Halbwahrheit des Teufels, um die Christen zu lähmen. Genau so verhält es sich mit der anderen Hälfte der Wahrheit, wenn Christen alles daran setzen, Gott zu gefallen, indem sie ihr ganzes Leben und Sein auf alles „Christliche“ ausrichten, doch in allem von Gott unabhängig bleiben.

Gott möchte Ihre ganze Aufmerksamkeit, liebe Leserinnen und Leser, er hat Ihnen alles gegeben, was er hatte, auch sein Leben. Er hat alles für Sie getan, es ist das mindeste, wenn Sie sich nun täglich ihm – nach seinem Willen! – zur Verfügung stellen. Amen.

Verse 32-33

32 Warum? Weil es nicht aus Glauben, sondern als aus Werken <geschah>. Sie haben sich gestossen an dem Stein des Anstosses,  
33 wie geschrieben steht: »Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstosses und einen Fels des Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«   Röm 9,32-33  

Verse 32-33

Werke müssen zweifelsfrei geschehen, das wissen wir inzwischen, denn ein Glauben ohne Werke ist ein toter Glaube (Jak 2,26). Wer verantwortlich handelt, hat auch dementsprechende Werke. Die Werke, die hier erwähnt werden, sind die Werke Israels, welche sie vollbrachten ohne die richtige Erkenntnis zu haben (Rö 10,2). Gottes Gesetz zu nehmen und es in Unabhängigkeit von Gott zu leben, führt zum Desaster. Auch dann, wenn man der zur Schau gestellten Frömmigkeit wegen noch einige Gesetze dazu dichtet (Mk 7,13).

Sie stiessen sich an Jesus, dem Stein des Anstosses, welcher gesetzt ist, um auch zu zeigen, dass es ein Eingreifen Gottes braucht und ein Alleingang des Menschen nicht zum Ziel führt. Das ist für den, ach, so stolzen Menschen ein Ärgernis, ein Anstoss. Ein Mensch, der zugibt, dass er es alleine nicht schafft, benötigt eine Portion Demut. Wenn diese fehlt, wird er zornig und verwirft den Weg Gottes, indem er den Eckstein (d.i. Jesus, Ps 118,22; Mt 21,42; Mk 12,10, u.a.) verwirft. – Wann, sagen Sie mir bitte, wann will der Mensch begreifen, dass eine enge Verbindung mit Gott gepflegt werden muss? Reichen alle diese Erklärungen des Heiligen Geistes nicht aus? Die Brücke zu Gott wurde geschlagen, der Weg ist geebnet, die Beschilderung steht. Lassen Sie sich nicht durch die Halbwahrheiten des Teufels hereinlegen, welche ich im Kommentar zu den vorangegangenen Versen erwähnt habe! Der Weg MUSS gegangen werden, das schliesst Werke ein, schreibe ich für die, die glauben, nichts mehr tun zu müssen. Der Weg MUSS nach der Anweisung Gottes beschritten werden, schreibe ich für solche, die meinen, ihn im Eigendünkel gehen zu können. Der Weg MUSS in enger Beziehung mit Gott, dem Vater und dem Sohn, Jesus Christus, und in Zusammenarbeit mit dem Heiligen Geist beschritten werden. Das setzt die tägliche Morgenwache (Wasserbad im Wort, Eph 5,26) und anhaltendes Gebet (Mt 26,41; Mk 14,38; Lk 21,36) voraus. Gott verlangt ein völlig auf ihn ausgerichtetes Leben. Damit verlangt er dem Menschen aber nicht zuviel ab, er weiss um unsere Kapazitäten, daher spricht er von einer LEICHTEN Last (Mt 11,30). Wenn jemand an einer zu schweren göttlichen Last zu leiden glaubt, soll er unbedingt sein Leben überprüfen, denn es steht nicht im Einklang mit der Schrift – er hat sich selbst zuviel aufgeladen. Amen.

Mit der zweiten Hälfte des Verses 33 möchte ich nochmals dringend an die Leser appellieren, die ihr Leben Jesus Christus noch nicht übergeben haben. Hier wird durch den Heiligen Geist Gottes nochmals der Weg des Heils verkündet: „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Wer an Jesus Christus glaubt, dass er der Sohn Gottes ist, welcher für die Sünde der Welt gestorben und wieder auferstanden ist, wird vom kommenden Gericht errettet werden! Entscheiden Sie sich noch heute!

Kapitel 10

Verse 1-3

1 Brüder! Das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen für sie zu Gott ist, dass sie errettet werden.  
2 Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit <rechter> Erkenntnis.  
3 Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.   Röm 10,1-3 

Vers 1

Paulus erwähnt an dieser Stelle nochmals die Gedanken seines Herzens: Seine Brüder nach dem Fleisch, alle Israeliten, sollen errettet werden!

Vers 2

Paulus kann den gläubigen Römern sozusagen als Israel Experte versichern, dass sie einen Eifer für Gott haben. Dieser Eifer allein nützt ihnen aber noch nichts, denn es gibt nur einen Weg zu Gott: Christus! Religiöser Eifer macht niemanden zum Gotteshelden! Das ist eine wichtige Wahrheit, im Kleinen, sowie im Grossen! Im Grossen ist sie zu beachten, weil die Wahrheit, dass Eifer allein nicht einen Gotteshelden ausmacht, viele von falscher Gottesverehrung mit deren fatalen Folgen abhalten könnte. Die Wahrheit würde potentielle Attentäter, die sich in Menschenmengen für Gott in die Luft sprengen wollen, davon abhalten, würden Sie sie in der Tiefe begreifen. Denn jegliche falsche Gottesverehrung führt zu nichts. Gott gibt die anerkannte Art der Verehrung an, nicht der Mensch.

In diesem Licht erstrahlt die Wahrheit neu, die besagt, dass es nur einen einzigen Weg zu Gott gibt (Joh 14,6). Nur auf diesem im Vers des Johannesevangeliums beschriebenen Weg gibt es eine Möglichkeit, zum Vater (Gott) zu kommen.

Viele Christen bejahen diese Wahrheit im Bezug auf das Grosse, doch sie verleugnen sie im Kleinen. Dass die Wahrheit der nur in einer Art legal auszuführenden Gottesverehrung im Kleinen von Christen oft nicht akzeptiert wird ist offenbar, denn viele Christen sind sich nur im Grossen einig: Es braucht Christus für die Errettung von der Hölle. Wie gesagt, darin sind sich die Christen – Gott sei Dank – noch einig. Doch dann trennen sich die Wege der Denominationen und Gruppierungen in den Meinungen. Die einen setzen ihre Traditionen über das Wort Gottes und denken allen Ernstes, Gott so im Kleinen immer noch zu gefallen. Andere wiederum streichen einfach die für sie unangenehmen Dinge der Schrift aus ihrem Leben und füllen die Lücke mit eigenen Wegen. Auch diese Christen denken allen Ernstes, Gott so im Kleinen zu gefallen. – Dass Gott so nicht beeindruckt werden kann, ist offenbar! Sollten wir nicht von der Geschichte Israels lernen (1. Kor 10,6 und 11)? Oder hat Gott diese Ermahnung einfach aus Spass niederschreiben lassen? Wohl kaum!

Der HERR sei gepriesen, dass er uns nicht im Dunkeln tappen lässt! Amen!

Vers 3

Israel hat sich nicht Gottes Gerechtigkeit unterworfen, indem es eine eigene aufgerichtet hat. – Dieser Vers bestätigt die vorangegangenen. Das Aufrichten einer eigenen Gerechtigkeit ist nicht mehr als das, dass der Mensch sagt: „Ich unterwerfe mich NICHT seiner Gerechtigkeit.“ Also, schlicht und einfach ausgedrückt: Es ist Ungehorsam. Schlichter Ungehorsam, auch wenn er christlich „angestrichen“ ist. Es bleibt auch Ungehorsam, wenn er nur „im Kleinen“ praktiziert wird. Eine Zeitung zu stehlen ist eine Übertretung, wie Autodiebstahl. Die Übertretungen wiegen zwar nicht gleich schwer, doch haben sie beide kriminellen Charakter. So, wie die Polizei nicht beeindruckt ist von Ihnen, wenn Sie eine Zeitung stehlen, ist es Gott nicht, wenn die Taufe und das Abendmahl gestrichen, geistliche Dienste nicht nach der Auswahl des HERRN verteilt werden und so weiter und so fort. Zu viele Dinge werden nicht mehr nach dem Worte Gottes ausgeführt. Und auch wenn es sich bildlich gesprochen nur um „Zeitungen“ handelt, wird Gott überhaupt nicht erfreut sein darüber: Es ist nicht nur ein vergeblicher Gottesdienst, sondern es ist eine abscheuliche Handlung, welche statt dient, vielmehr ermüdet und erzürnt (Jes 43,24).

Des Weiteren ist meines Erachtens der Höhepunkt dieses selbstgefälligen Handelns in den sogenannten kleinen Dingen, dass sie von vielen christlichen Leitern als nicht „heilsnotwendig“ taxiert und eingestuft werden. Damit sagen sie vor Gott ungeniert und offen heraus, dass das Beachten der „kleinen“ Dinge im Worte Gottes dem menschlichen freien Willen untersteht. So entbinden sie die Gläubigen vom Halten des ganzen Gebotes und verführen sie vorsätzlich zum Ungehorsam.

Verse 4-5

4 Denn das Ende des Gesetzes , jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.  
5 Denn Mose beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: »Der Mensch, der diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.«   Röm 10,4-5

Vers 4

Wir kennen ja beispielsweise durch den Brief an die Galater den Zweck des Gesetzes. Es diente als Zuchtmeister (Erzieher, Pädagoge) auf Christus hin (Gal 3,24). Ein Erzieher lehrt die ihm anvertrauten Personen Dinge, die sie wissen müssen. Bei unseren weltlichen Pädagogen lernten wir lesen und schreiben, was sehr wichtige Grundlagen fürs Leben sind. Der „Erzieher“ mit Namen „Gesetz“ lernt den Menschen auch elementare und mindestens ebenso wichtige Dinge. Durch das Gesetz kam die Erkenntnis, dass der Zustand des gefallenen Menschen nicht ausreicht, es halten zu können. Der mit sich selber ehrliche Mensch lernt durch das Gesetz Demut. Er erkennt, dass das Halten des Gesetzes für ihn nicht möglich ist, auch wenn er Präsident der Vereinigten Staaten wäre, welcher wohl die weltbesten Hilfsmittel heranziehen kann. Auch beim abgeschiedenen Mönch würde es nicht reichen nur annähernd an die Forderungen dieses Gesetzes heranzukommen. Das ist alles bewiesen: Weder die Könige von Israel, die Priester in der Absonderung, noch die Nasiräer (Menschen, die allen weltlichen Genuss verleugneten, Bsp: Simson) haben es halten können.
So kam – Gott sei Dank! – die Zeit, wo das Gesetz überflüssig wurde und Gott selbst in Jesus Christus zu den Menschen kam. Er ist das Ende des Gesetzes, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit!

Doch, wie erwähnt, braucht es zur Annahme Christi Demut und eine ehrliche Selbstbeurteilung. Menschen, die von sich die Meinung haben, es „schon recht zu machen“, sind voll auf dem „falschen Dampfer“. Zudem haben Sie sich nicht einmal kurz Zeit genommen, um einmal objektiv zu beurteilen, wie sie vor Gott stehen. Eine ehrliche Beurteilung würde sie wenigstens zum Gesetz bringen. Sie würden sich fragen, was Gott denn zufriedenstellt. Als Antwort bekämen sie dann: Halte das ganze Gesetz! – Darauf würde der ehrgeizige Mensch es zumindest mal versuchen zu halten, wenn er Gott aufrichtig zufrieden stellen möchte. In der Folge würde der Pädagoge „Gesetz“ dem Menschen die Lektion erteilen, die er Israel bereits erteilt hat: „Mensch, Du bist nicht gut genug! Du brauchst die Hilfe Gottes, jemand der Dein Sündenproblem für Dich löst! Du brauchst Christus!“ – Auf diese Lektion des Gesetzes, können zwei Reaktionen folgen: Der stolze Mensch verwirft diese Lehre, weil er sein Versagen schlicht nicht akzeptieren will. Der Demütige unterwirft sich hingegen dieser Wahrheit und stellt sich unter die gütige Hand Gottes mit der Bitte, seine Unzulänglichkeit doch aufzufangen. Letzterer wird durch diese Handlung gerettet (Lk 18,13). Der Stolze bleibt im Gegensatz dazu in seiner Sünde.

Vers 5

Die Gerechtigkeit aus dem Gesetz, welche tatsächlich von Christus erreicht wurde (Joh 8,46 u.v.a.), ist zwar zu erreichen, doch nicht vom gefallenen Menschen. Nur Christus konnte sie erreichen, deshalb wird nur derjenige gerechtfertigt, der ihn ihm gefunden wird, jener, der an ihn als der Retter der Menschen glaubt. – Gelobt sei der HERR! Amen.

Verse 6-8

6 Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt so: Sprich nicht in deinem Herzen: »Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?« das ist: Christus herabführen;  
7 oder: »Wer wird in den Abgrund hinabsteigen?« das ist: Christus aus den Toten heraufführen.
8 Sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.« Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen,   Röm 10,6-8  

Verse 6-8

Ein Christ soll nicht sprechen: „Gottes Weg ist zu schwer!“ Schon an Israel erging diese Ermahnung (5. Mo 30,11). – Obschon das Halten des Gesetzes unmöglich war, war das Halten des Gesetzes möglich! – Was denn nun? Tönt das ihn Ihren Ohren gespalten, schizophren? Zuerst habe ich mit Unterstützung der Bibel (Apg 15,10) geschrieben, dass das Gebot nicht zu halten war und jetzt schreibe ich mit Unterstützung des Wortes Gottes (5. Mo 30,11-14), es zu halten sei möglich?

Das Gebot ist im Alleingang nicht zu halten. Zusammen mit dem HERRN war das Gebot im AT, sowie ist jenes des NT (Mt 5-7) zu halten. Israel konnte es nicht halten, weil sie es falsch anwendeten. Sie hielten es, wie erwähnt, im Alleingang, nicht mit der rechten Demut und dem Vertrauen auf die Gnade Gottes.

Die Gerechtigkeit aus Glauben sucht nicht nach eigenen Werken. Deshalb trachtet sie nicht danach, wie sie wohl Christus vom Himmel herabführen kann, auch nicht danach, wie sie Christus sonst von irgendeinem Platz herholen könne. Denn ein solches Trachten gründet auf das Vertrauen auf die eigene Kraft und die eigenen Möglichkeiten. Die Gerechtigkeit aus Gesetz und eigenen Werken fragt nach solchen Dingen und erkundigt sich, was sie zu tun habe, dass der Erlöser (Christus) sich zu ihr herabneigt. Sie hat zwar einen frommen Anstrich, da sie nach Christus fragt, tut jedoch das falsche, weil sie auf dem Boden der Gerechtigkeit steht (was muss ich tun), anstelle des Bodens der Gnade (was erhalte ich unverdient).

Israel hätte Gottes Gebote im vollen Umfang halten können, wenn sie demütig erkannt hätten, dass sie es nur mit Hilfe eines Erlösers halten können. Dann hätten sie die Opfer richtig angewendet, mit der Erkenntnis, dass auch sie auf dem Boden der Gnade stehen müssen, den Gott mit den Opfern darreichte. Die Opfer, allen voran die Pflichtopfer, haben Israel aufgezeigt, dass sie ganz sicher kein einziges Jahr ohne Sünde vergehen lassen werden. Deshalb hat Gott Pflichtopfer angeordnet. Hätte es eine Möglichkeit gegeben, ein Jahr ohne Sünde zu leben, wäre kein Pflichtopfer nötig gewesen. Es wäre dann völlig ausreichend gewesen, nur für Menschen, die tatsächlich Schuld begangen haben oder begehen werden, Opfer anzuordnen. – Ein Israelit, der das erkannt hatte, war David, deshalb war er auch angenehm vor Gott (1. Sam 2,35). Weil er das begriff, schrieb er: „Schaffe mir Recht nach deiner Gerechtigkeit…“, wie es im Psalm 35,24 geschrieben steht. Das Recht muss auf Gottes Gerechtigkeit, der Tat seines Sohnes, gründen, nicht auf der Gerechtigkeit Davids. Die Gerechtigkeit Davids war mangelhaft (Ps 40,13).

Zusammenfassend können wir sagen, dass das Gesetz im AT, sowie die Gebote im NT nicht gehalten werden können. Letztere noch viel weniger, da sie noch höher sind als jene in Moses Gesetz. Doch sie sind völlig einzuhalten, wenn der Mensch sich auf die Gerechtigkeit Gottes, die nach dem Glauben ist, ausrichtet. Der Mensch soll sagen: „Das Wort ist Dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.“ Es ist nahe, weil Gott uns von allen Seiten umgibt. Es ist in unserem Herzen, weil Gott in uns Christen wohnt. In einer von Demut geprägten, engen Verbindung mit Gott, können wir gesetzeskonform und ihm wohlgefällig wandeln. Amen.

Verse 9-11

9 dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.  
10 Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Mund wird bekannt zum Heil.  
11 Denn die Schrift sagt: »Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.«   Röm 10,9-11   

Vers 9

Der Vers 8 schliesst mit den Worten: „Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, …“. Paulus predigt ein Wort des Glaubens, nicht wie Mose ein Wort des Gesetzes. Nach erbrachtem Beweis, dass es der Mensch aus eigener Kraft nicht schafft, schwenkt Gott in seinem Plan mit dem Menschen in eine neue Richtung und gibt eine neue Priesterschaft. Eine Priesterschaft, die nicht aus dem Stamm Levi kommt. Mit der neuen Priesterschaft folgt automatisch ein neue Regel, ein neues Gesetz (Heb 7,12). Die Kernaussage dieses Gesetzes ist für den Menschen: „Wenn Du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.“ – Dazu kann und will ich nichts Weiteres sagen, diese Aussage ist zu herrlich. Lassen Sie sie isoliert auf sie einwirken, danken Sie Gott und preisen Sie ihn dafür!

Vers 10

Als junger Christ habe ich meine weltlichen Freunde, die ich damals hatte, gebeten, sie sollen doch mit mir ein „Übergabegebet“ sprechen. Damit wollte ich Sie retten und ebenfalls in das christliche Boot des Heils aufnehmen. Es gab sogar einige, die es mir zuliebe taten. Doch trotz dieses Gebetes änderte sich nichts in ihrem Leben. Ich sah keine Erneuerung, keinen Eingriff Christi in ihrem Wandel.

Dieser Umstand wird in diesem Vers erklärt. Zur Errettung benötigt es beides, den Glauben wie das Bekenntnis. Das Bekenntnis allein ist ohne Wert. Zu viele Menschen geben vor Christ zu sein, jeder amerikanische Präsident nimmt die Phrase „Gott segne Amerika!“ in den Mund, auch wenn er genau die gegenteiligen Gebote derjenigen Gottes in seinem Land in Kraft setzen lässt. Ein Lippenbekenntnis allein macht niemanden zum Christen! Es errettet allein nicht vor der Hölle. Es beeindruckt den erfahrenen Christen nicht, denn dieser kennt den Vers 10 im Römerbrief: Das Lippenbekenntnis hat nur einen Wert, es ist nur echt, wenn es mit dem Glauben im Herzen einhergeht! Amen!

Vers 11

Wer an Christus glaubt, echt im Herzen glaubt, der soll keine Zweifel mehr hegen bezüglich seiner Errettung. Die Schrift, das ewige Wort, welches den Untergang der Welt, ja des ganzen Universums überdauern wird, sagt als ewiger Fels in der Brandung: „Verlasst Euch drauf, es ist ganz gewiss so: Wer an Christus glaubt, wird errettet werden! Amen.“

Verse 12-13

12 Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn er ist Herr über alle, und er ist reich für alle, die ihn anrufen;  
13 »denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.«   Röm 10,12-13  

Vers 12

„Es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche“, bedeutet, dass es in Bezug auf die Errettung keinen Unterschied gibt zwischen dem jüdischen Volk, den Israeliten, und den übrigen Heidenvölkern. Der HERR ist reich für alle, die ihn anrufen. Niemand soll diesbezüglich zögern, indem er sagt, er sei bestimmt zu schlecht, um vom HERRN angenommen zu werden, denn solche Gedanken sind schriftwidrig. Wir sehen das nachgedoppelt im nächsten Vers.

Vers 13

JEDER, der den Namen des HERRN anrufen wird, wird errettet werden. Wie im Kommentar zum Vers 12 erwähnt, darf niemand sagen, er sei zu schlecht für den HERRN. Alle Menschen haben so gesündigt, dass sie vor Gott den Tod verdient haben: die ewige Trennung von ihm! So übel steht es um jeden Menschen aufgrund seines Wesens und den daraus resultierenden Taten. Denken sie nicht, ihr Nachbar sei vor Gott dem Wesen nach besser, nur weil er die Steuern pünktlicher zahlt als sie, oder weil er seine „guten Taten“ lautstark der Welt verkündet. Der gefallene Mensch ist dem Wesen nach schon verurteilt, die daraus resultierenden Taten zeugen nur vom Bösen, das in ihm wohnt (1 Mo 6,5; Mk 7,21).

Sollten Sie bis jetzt gezögert haben, liebe Leserin und lieber Leser, dann nehmen Sie heute die Chance und lassen Sie sich vom HERRN erneuern und erretten (Heb 3,15). Glauben Sie in ihrem Herzen, dass Gott ihn aus den Toten erweckt hat (Rö 10,9)? Sagen Sie es Gott im Gebet, dass Sie es glauben! Bitten Sie ihn um sein errettendes Leben und Sie werden Frieden finden. Einen Frieden, der den Frieden der Welt übersteigt, weil Sie unter anderem wissen, dass Christus Ihre Zukunft zum Guten regeln wird (Phil 4,7). Amen.

Verse 14-17

14 Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber sollen sie hören ohne einen Prediger?
15 Wie aber sollen sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind? Wie geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füsse derer, die Gutes verkündigen!«  
16 Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht. Denn Jesaja sagt: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?«  
17 Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi.   Röm 10,14-17   

Vers 14

Die Verse 12-13 bringen es auf den Punkt: Gott ist reich für alle, Juden und Heiden – er will, dass alle Menschen gerettet werden (Hes 18,23). Hier, an dieser Stelle (V14), wendet sich der Blick des Apostels zu seinem Volk, Israel. Er fragt, wie denn Israel ihren Gott als Erretter anrufen soll, wo es doch nicht an ihn geglaubt hat? Weiter fragt er rhetorisch, wie sie den ohne einen Prediger irgendetwas vernehmen sollen.

Vers 15

Weiter entwickelt Paulus hier ein Thema, das erst in den nächsten Versen entschlüsselt wird. Vorerst bleibt es bei seinen rhetorischen Fragen. Das sind Fragen, auf die der Apostel keine Antwort erwartet. Vielmehr dienen die Fragen der Beeinflussung der Leser. Sie sollen den Leser gedanklich so vorbereiten, dass er die darauf folgende Information aufnehmen kann. Paulus leitet die Gedanken so, dass sich der Leser fragen muss, ob Israel denn die gute Botschaft überhaupt gehört hat. Gab es denn einen Prediger in Israel (V14)? Gab es denn überhaupt zum Predigen Abgesandte? Abgesandte mit lieblichen Füssen, weil sie gute Botschaft tragen, - gab es solche im Volk?

Vers 16

Natürlich gab es Verkündiger in Israel. Das ist die Antwort auf die Frage im Vers 15! Denn Jesaja muss klagen, indem er fragt, wer denn der Verkündigung geglaubt habe. Jesaja spricht sogar von „unserer“ Verkündigung. Das beweist, dass Israel die Botschaft mehrmals verkündigt worden ist, nicht nur durch Jesaja.

Vers 17

Paulus beantwortet durch diese Verse mehrere Fragen aus einmal, er schlägt sozusagen mehrere Fliegen mit einer Klappe: Als erstes beweist er, dass Israel die Botschaft mehrfach verkündigt worden ist, sie sie aber als zweites nicht angenommen haben. Als drittes stellt er fest, dass Prediger des Evangeliums hoch zu schätzen sind: Ihre Füsse sind lieblich! Als viertes erklärt er, wie ein Mensch überhaupt zum Glauben kommen kann: Durch die Verkündigung. Das heisst konkret: Wenn Sie eine Wahrheit für sich behalten, wird sie dem Publikum nicht offenbar. (Obschon diese Regel sehr einfach zu begreifen ist, wird die Verkündigung oft nicht ausgeübt). Und als fünfter Punkt offenbart Paulus durch den Heiligen Geist, dass die Verkündigung durch das Wort Christi geschieht. Christus ordnet die Verkündigung an. Dass er das tut, wissen wir, denn es gibt einen allgemeinen Missionsbefehl (Mk 16,15) und spezielle Befehle an besonders dazu befähigte Menschen, das sind die Evangelisten (Apg 21,8; Eph 4,11; u.a.). Dabei ist wichtig zu erwähnen, besonders in der heutigen Zeit, dass Christus die Menschen dazu bevollmächtigt, nicht menschliche Institutionen sollten das tun. Wenn Missionsgesellschaften Evangelisten Handreichungen darbieten, ist das löblich, wenn sie aber die Menschen aussuchen, beauftragen und bevollmächtigen, ohne dass es Christus zuvor befohlen hat, ist es verwerflich und im Voraus zum Scheitern verurteilt.

Sie sehen, wie viel in diesen vier kurzen Versen steckt und wie geschickt Paulus durch gezielte Fragen die Leserschaft so geführt hat, dass sie viele wichtige Wahrheiten und Tatsachen in einem so kurzen Abschnitt vor die Augen geführt bekommen hat.

Verse 18-21

18 Aber ich sage: Haben sie etwa nicht gehört? Ja, gewiss. »Ihr Schall ist hinausgegangen zu der ganzen Erde und ihre Reden zu den Grenzen des Erdkreises.«  
19 Aber ich sage: Hat Israel es etwa nicht erkannt? Zuerst spricht Mose: »Ich will euch zur Eifersucht reizen über ein Nicht-Volk, über eine unverständige Nation will ich euch erbittern.«  
20 Jesaja aber erkühnt sich und spricht: »Ich bin gefunden worden von denen, die mich nicht suchten, ich bin offenbar geworden denen, die nicht nach mir fragten.«  
21 Zu Israel aber sagt er: »Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt zu einem ungehorsamen und widersprechenden Volk.«   Röm 10,18-21   

Vers 18

Es ist, wie es schon im Vers 16 festgehalten wird: Israel hörte das Evangelium, die frohe Botschaft Gottes. Jesaja spricht dort von einer durch mehrere Personen verkündigte Gute Nachricht, die an Israel erging – und nicht nur an Israel, dieser Vers dehnt den Verkündigungsbereich aus, sie ging bis zu den Grenzen des Erdkreises. Dass es sich so verhält, wissen wir inzwischen, denn Gott hat sich nicht nur Israel offenbart. Er offenbarte sich durch das Wahrnehmbare der ganzen Welt (Rö 1,19). Israel hat er sich zwar besonders geöffnet (Rö 3,2), doch die Nationen haben so viel erkennbares von Gott vor den Augen, dass es völlig ausreicht, um sie ohne Entschuldigung sein zu lassen, sollten sie ihn ablehnen (Rö 1,20).

Verse 19-20

Israel hat die Botschaft zwar verstanden, sich aber nicht daran gehalten. Es verhält sich wie bei einem Knecht, den man mit Worten zu belehren versucht; er versteht zwar, kehrt sich aber nicht daran (Spr 29,19!). – Es liegt also auf der Hand, dass es weitere und einschneidende Massnahmen braucht, um diesen Knecht zum Gehorsam an das bereits verkündigte Wort zu bringen. Deshalb wird von den grossen Propheten Israels, dessen sie sich rühmen, bereits im Voraus verkündigt, dass Gott sie durch eine fremde und unverständige Nation (eine Nation, welche die Offenbarungen Gottes nicht hat wie Israel) zur Eifersucht reizen will. Jesaja sagt sogar über diese neue und unverständige Nation, dass sie Gott nicht einmal suchte! Sie fragte nicht nach Gott und doch hat er sich ihr offenbart!

Vers 21

Zu Israel hin hatte Gott den ganzen Tag seine Hände ausgestreckt, doch sie haben nicht gehört. Sie haben zwar verstanden, sich doch nicht an seine Gebote gehalten. Wir müssen uns sicher sein, dass sie die Botschaft verstanden haben, ansonsten können wir die Tatsachen in diesem Abschnitt nicht aufnehmen. Israel hat verstanden, weil die Gebote nicht zu schwer für sie waren (5. Mo 30,11-14). Gottes Gesetz war nicht ausschliesslich für die Elite Israels, das Gesetz war so, dass es jeder verstehen konnte. Es wurde allen Israeliten verkündigt, alle kamen bei alltäglichen Dingen immer wieder mit dem Gesetz in Berührung (Feste des HERRN, Opfer (spez. Passah), Beschneidung, Besitztum (Land Kanaan), Tempel, Priesterschaft, usw.). Zusätzlich gab der HERR Richter und
Propheten, welche Abweichungen sofort anzeigten und daraus Auswege wiesen.

Wir sehen aber, wie sehr der Stolz des Menschen dem Gebot Gottes entgegensteht. Obschon die Anleitung Gottes, welche Demut forderte, verstanden wurde, hielten der Stolz und der Eigenwille davon ab, es zu befolgen. So beschloss Gott, die verständigen und in Gottes Dingen ausgebildeten Israeliten durch unausgebildete Heiden zur Eifersucht zu reizen, indem er ihnen, den Heiden, sein Heil anbot, ohne dass sie je danach gesucht hatten. Sie mussten nur die notwendige Demut aufbringen, an Christus zu glauben, um in den Besitz des Heils zu kommen. – Wie demütigend musste und muss das für Israel sein! Die kluge und ausgebildete „Frau“ (Israel), welche zuerst aus allen „Frauen“ ausgewählt wurde, wurde bei Gott durch eine unverständige und unausgebildete „Frau“ (Heiden, die zum Glauben kommen) ersetzt.

Gott beschritt in seiner unumschränkten Weisheit diesen Weg, weil er weiss, dass er funktioniert. Selbst Schläge (2. Kö 24,2) konnten Israel nicht soweit bringen, dass sie sich als gesamte Nation zum HERRN hielten (Hos 11,7). So bleibt noch der Weg, Israel zur Eifersucht zu reizen, um noch einige von ihnen zu retten, was auch Paulus als Mittel Gottes für sein Volk erkannte (Rö 11,14).

Aus diesen Begebenheiten kommen grosse Belehrungen für uns: Unser Wandel vor Gott sollte in grosser Demut geschehen. Stolz kommt vor dem Verderben und Hochmut vor dem Fall, wie geschrieben steht (Spr 16,18). Schriftkenntnis nützt stolzen Menschen überhaupt nichts, im Gegenteil: Wenn sie sich dadurch erheben, ziehen sie sich Verderben zu. Der demütige Mensch wird hingegen durch die Anweisungen der Schrift näher zu Christus gebracht, welcher von ihm in demütiger Haltung als Retter voll akzeptiert wird, da er weiss, vor Gott aus eigener Kraft nicht bestehen zu können.

Es ist allerhand, dass Gott zu einem so drastischen Mittel, Israel zur Eifersucht zu reizen, greifen musste. Die Tatsache zeigt nochmals schonungslos auf, wie sich ein „gotteskundiger“ Mensch weit neben der geraden Bahn aufhalten kann, sogar dann, wenn Gott den ganzen Tag vorbeugend die Hände nach ihm ausstreckt! Damit ist auch die gottesferne vieler „Geistlichen“ in den verschiedenen Kirchen zu erklären. Ihr Stolz steht ihnen im Weg, die befolgen die Anweisungen Gottes nicht, auch wenn sie sie kennen (Mt 21,33-46; bes. Vers 45). So muss Gott sie reizen, indem er „dummen“ Leuten mehr Gelingen als ihnen schenkt im Reich (Joh 9,26-34!).

Wenn Sie zum Volk Gottes gehören, sich einer Gemeinde angeschlossen haben und gelernt haben, dass Gott seine Hände zu Ihnen und der Gemeinde den ganzen Tag aussteckt (Eph 5,29); nehmen Sie sich die Lektion aus Römer 10 trotzdem zu Herzen. So schön es auch ist zum Volk zu gehören und einen Platz für Gottesdienste gefunden zu haben: Wenn diese Umstände sie in eine todsichere Gewissheit bringen, dass sich der HERR gar nicht mehr von Ihnen und Ihrer Gemeinde abwenden kann, liegen Sie völlig falsch. Lernen Sie aus der Geschichte Israels! Israel dachte Gott würde und könne sie niemals preisgeben, da sie ja das auserwählte Volk sind und die Gottesdienste und den Tempel haben (Jer 7,4-14!). Doch der HERR gab die Anbetungsstätte Israels nicht nur einmal, sondern zweimal auf (Jerusalem UND Silo, siehe Stelle im Jeremia 7)! Wenn der Stolz den Platz der Demut einnimmt und der Eigendünkel die Abhängigkeit zu Christus verdrängt, wissen Sie durch Römer 10 und aus diesen Zeilen, dass Sie, wie Israel, ein Gericht Gottes heraufbeschwören. Die Warnungen an die sieben Gemeinden in den Sendschreiben wurden nicht einfach zum Spass ausgesprochen. So, wie sich der HERR von Israel temporär abgewendet hat, kann er sich temporär während des nächsten Zeitalters (1000jähriges Reich) von den ungehorsamen Christen abwenden, indem er nur die Überwinder an seinem Sieg teilhaben lässt (positiv: Offb 3,21; neutral: Rö 11, 20-21; negativ: 1. Kor 5,9). Nur schon Ungerechtigkeit, wenn sie sich permanent einen Platz in Ihrem Leben sichern kann, wird Gott veranlassen, Ihnen das Reich nicht zu geben, auch wenn Sie im Moment eine Anbetungsstätte und eine in ihren Augen herrliche Gemeinde haben. Verlassen Sie sich daher nicht wie Israel auf Lügenpropheten, die sagen: „ Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies (Jer 7,4)!“ Auch wenn es dreimal betont wird, hat Gott mit doppelter Gewissheit aufgedeckt, dass er die Anbetungsstätte dahingeben wird, wenn dieser Ort durch den Menschen entweiht wird. Amen.

Kapitel 11

Verse 1-4

1 Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstossen? Das ist ausgeschlossen! Denn auch ich bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin.  
2 Gott hat sein Volk nicht verstossen, das er vorher erkannt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt? Wie er vor Gott auftritt gegen Israel:
3 »Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre niedergerissen, und ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten nach meinem Leben.«  
4 Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? »Ich habe mir siebentausend Mann übrigbleiben lassen, die vor Baal das Knie nicht gebeugt haben.«   Röm 11,1-4  

Vers 1

Diese Frage, ob Gott sein Volk verstossen habe, kann sich nach dem zehnten Kapitel des Römerbriefes aufdrängen. Der aufmerksame Leser wird jedoch schnell erkennen, dass, sollte es so sein, Gott nicht ein Mittel einsetzen würde, Israel zur Eifersucht zu reizen. Gottes Mittel und Wege bei seinem Volk sind immer für den Aufbau, nicht für den Abriss. Würde Gott Israel verwerfen, könnte er es einfach so tun und er müsste sich nicht, wie erwähnt, die Mühe nehmen, sie zur Eifersucht zu reizen. – Paulus verneint diese Frage auch sogleich, denn er ist auch ein Beispiel eines erretteten Israeliten, er ist ein erretteter Benjaminiter. So, wie die Heiden durch Christus allein errettet werden können, ist es auch bei Israel: Es gibt nur einen Weg zu Gott: Jesus Christus! Dies hätten sie aus dem Gesetz und den Propheten (Bsp. Jes 53,4-7) erkennen müssen und haben es teilweise auch (Luk 2,25).

Vers 2

Keinesfalls hat Gott Israel verstossen. Das wird in den Propheten ausdrücklich und unverschlüsselt erwähnt, denn sie schreiben sehr oft über eine völlige Wiederherstellung Israels. Diese Wiederherstellung ist nicht diese, wie wir sie heute (2010 n. Chr.) haben, auch wenn die erneute Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 und dessen Existenz bis heute von grosser Bedeutung ist. Der Staat Israel ist nicht wirklich so frei, wie er es nach der Wiederherstellung Gottes sein wird. Im Propheten Hosea (3,5 u.v.a.) sehen wir eine Umkehr Israels zu Gott, wie wir sie bis heute noch nicht gesehen haben. So können wir gewiss sein, dass der heutige Zustand nicht der völligen Wiederherstellung entspricht. Der Zustand und die Sicherheit in Israel hat noch längst nicht das versprochene Niveau im Propheten Jesaja (66,9-14) erreicht.

Israel wird die völlige Wiederherstellung durch die Barmherzigkeiten Gottes erreichen, das ist gewiss! Kein einziges Wort des HERRN wird unerfüllt bleiben. So können wir mit grösster Gewissheit in die Worte des Apostels einstimmen: „Gott hat sein Volk nicht verstossen, das er vorher erkannt hat.“

Verse 3-4

Elia dachte, er sei der einzige übriggebliebene Getreue des HERRN. Alle anderen seien abgefallen. – Die Getreuen des HERRN von heute kennen diese Einsamkeit. Manchmal erscheint es so, wie damals dem Elia, auch inmitten des Volkes, einer Gemeinde. Rechtschaffene Christen möchten den ganzen Weg des HERRN gehen, studieren das Wort und wachsen in der Erkenntnis. Sie müssen in der Folge feststellen, dass ihre Brüder und Schwestern, die auch vorgeben gottesfürchtig zu sein, sich weit von der geraden Bahn entfernt haben. Sie sehen auch, dass diese Abkehr nicht nur die einzelnen Individuen betrifft, sondern das Volk Gottes als Ganzes. Denn die Versammlungen des HERRN wenden sich als ganze Körperschaften ab, nehmen Eigennamen an, verbinden sich mit der Welt, schaffen Sakramente ab und führen wieder priesterliche Klassen* ein, welche der HERR hasst (Offb 2,6) und von ihm persönlich eindeutig und klar abgeschafft wurden (Mt 23,9). Und solche Sachen tun sie fleissig. Da stehen nicht selten die Getreuen völlig alleine da und werden darüber hinaus von den eigenen Leuten als Fundamentalisten (im negativen Sinn) verschrien. Das ist eine ganz üble Sache, die wohl jedem treuen Bruder und jeder treuen Schwester einmalig oder mehrmals im Leben widerfährt.

Doch – Gott sei Dank – der HERR lässt es nicht soweit kommen, dass man ganz alleine übrig bleibt! Er behält sich einen Überrest. Auch wenn dieser Überrest nicht offenbar ist, können wir sicher sein, dass Gott sich einen solchen bewahrt, damals, wie auch heute! Amen!

* die priesterliche Klasse war im AT erwünscht, sogar vom HERRN verordnet (Aaron und seine Nachkommen). Im NT wird sie aber klar abgeschafft und ist nicht mehr willkommen. Der HERR möchte kein Klerus/Laien Prinzip. Kein Mensch darf sich geistlich höher stellen und über den anderen „schweben“. Das wird vom HERR ausdrücklich befohlen und nicht einmal, sondern zweimal in der Offenbarung bei den Nikolaiten unterstrichen (er hasst die Nikolaiten-Lehre). „Nikolaiten“ heisst übersetzt „Volkssieger“, das sind Menschen, die über dem Volk stehen. Trotz dieser Aussage des HERRN sehen wir überall „Volkssieger“ in den Kirchen. Sie tragen „Ehrennamen“ wie „Prediger“, „Pfarrer“, „Priester“, „Bischof“, „Kardinal“, und die Maximierung davon: „Papst“.

Verse 5-7

5 So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade entstanden.  
6 Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade.  
7 Was nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; aber die Auswahl hat es erlangt, die übrigen jedoch sind verstockt worden,   Röm 11,5-7  

Vers 5

Wie wir jetzt wissen, entsteht dieser Überrest nicht durch hoch motivierte Leute, welche sich zum Ziel gesetzt haben, Gott zu gefallen, einer Elite sozusagen. Der Überrest besteht aus Leuten, die ihre Unzulänglichkeit eingestehen und auf die Rettung Gottes hoffen. Sie vertrauen der Gnade Gottes.

Vers 6

Wenn der Überrest durch die Gnade entsteht bzw. Bestand hat, geschieht es nicht durch dessen Werke, sondern durch – wie erwähnt – die Gnade Gottes.

Vers 7

Der Heilige Geist möchte das Verständnis für diese Angelegenheit wecken: Jeder soll begreifen, was es mit der Gnade und den Werken auf sich hat. „Was nun?“ Wieso hat Israel nicht erreicht, wonach sie trachteten? Wieso hat es eine Auswahl erlangt, die übrigen aber nicht? Weshalb kann der Mensch bei Gott willentlich nichts erreichen, in anderen Bereichen aber viel (1. Mo 11,6)? Im 1. Buch Mose 11 sagt Gott sogar vom Menschen, dass ihm nichts unmöglich sein wird. Gott bestätigt dort die Haltung vieler Menschen, die sagen: „Ich und sonst gar nichts (Jes 47,10; Dan 4,27; Zef 2,15).“ – Wie ist das zu verstehen? Einerseits erreichte ein eifriges Israel nichts, anderseits sagt Gott vom Menschen, dass ihm nichts unmöglich sein wird.

Die Antwort darauf ist einfach: Der Mensch ist vor Gott ein Nichts, ein Wurm (Jes 41,14). Dazu kommt, dass dieser „Wurm“, der Mensch, zusätzlich noch gefallen ist. Sagen sie mir nun, liebe Leserin und lieber Leser, was diese Kombination „Wurm“ und „gefallen sein“ hervorbringen kann? Was kann sie hervorbringen, auch wenn sich der „gefallene Wurm“ aufbäumt, sich voll anstrengt und wie wild zappelt? Etwas, das Gott beeindrucken könnte? Ist dieser Gedanke allein nicht schon absurd? – Wir sehen also: Die Selbständigkeit des Menschen kann nur in ihrem nichtigen Bereich etwas erreichen! Sie bringt es fertig, grosse Türme zu bauen (Turmbau zu Babel). Auch die Weltraumfahrt ist möglich. Finanzsteuerungsgremien denken die Weltwirtschaft regeln zu können. Intelligente Menschen bringen Grosses zustande, das ist unbestreitbar. Davon zeugen die Pyramiden in Ägypten, die grossen Städte im Altertum, wie auch die Errungenschaften der Neuzeit, wo heutzutage gar eine die andere jagt. Denken wir an die Kernenergie, die Luftfahrt, die Bautechnik, an ausgeklügelte Brückenkonstruktionen, Kriminalaufklärungstechniken, die Spitzenmedizin und nicht zuletzt an die Verteidigungstechnologien der grossen Nationen. Waren die Entwickler des SR-71 Blackbird Aufklärungsflugzeuges nicht helle Köpfe, die damit sehr viel erreicht hatten, sogar mehr als andere? Das Flugzeug spottete jeder Flugabwehr. Obschon mehrmals scharfe feindliche Raketen darauf abgefeuert wurden, konnte ihr Pilot über die „Bedrohung“ nur lachen und – indem er die Schubhebel nach vorne drückte – sich auf so hohe Geschwindigkeiten katapultieren, dass die Verfolgerraketen wie rückständige und somit ineffektive Waffen erschienen.
Sind denn nun all diese Errungenschaften nichts wert? Ist es auch nichts, wenn ich die Moral hoch halte, indem ich früher als andere aufstehe, um mir Zeit für Gott zu nehmen, meine Frau ehre und nicht betrüge, meine Kinder liebe und meine Steuern pünktlich bezahle? – All diese grossen und, ach, so wichtigen Dinge beeindrucken Menschen, ich selbst bin dadurch beeindruckt, aber nicht Gott. Der Mensch soll trennen, was vom Menschen kommt und was von Gott. Gott ist unerschaffen, unendlich, der Mensch ist erschaffen und endlich. Dazu kommt, dass er gefallen ist. Das ist der Grund, dass Israel – obschon abgesondert, ausgebildet von Gott, mit königlichem Gesetz, mit einem Gott, der ständig die Hände nach ihnen ausbreitete – es nicht geschafft hat, vor Gott Gefallen zu erwirken.

Können sie es fassen, liebe Leserin und lieber Leser? Das Zappeln des Menschen, ja ganzer Völkerschaften bringt nicht wirklich etwas Beständiges hervor, etwas, was Gott beeindrucken könnte, auch wenn sie sogar das Richtige suchen: Gott zu gefallen. Der Prediger bringt es auf den Punkt: Es ist nur „ein Haschen nach Wind“ (Pred 1,14 u.v.a.). Wachen Sie über den Stolz! Sollten Sie über grosse weltliche Qualifikationen und Positionen verfügen: Halten Sie die Hand vor den Mund! Zu nichts haben es ganze Völkerschaften gebracht, nicht einmal speziell dafür ausgebildete, wie Israel im Alten Testament! Mit was wollen Sie sich brüsten vor dem Allmächtigen? Gelten Sie etwas vor ihm, weil sie viel Geld haben, Wissenschaftler oder Abgeordneter einer grossen Nation sind? Bedenken Sie: Nur eine Auswahl hat es erlangt! Und diese Auswahl hat es aufgrund der Gnade und nicht der Werke erlangt! Wir sehen also: Demut haben tut not. Nur die Gnade Gottes macht Menschen zu wohlgefälligen Geschöpfen, nicht eigene Werke. So hat es ein Überrest Israels durch die Gnade geschafft, die übrigen sind verstockt worden. Amen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle das schon mehrmals erwähnte Thema „Werke des Christen“ aus einer ganz bestimmten Position aus beleuchten. Eine Bemerkung der Schrift, die mir selbst nicht gerade schmeichelte, ist die Erwähnung, dass Christen bekanntlich in Sachen weltlicher Klugheit nicht zu den Besten der Menschheit gehören. Meistens stehen sie hinsichtlich der Gescheitheit hinter den Weltmenschen (1. Kor 1,26). Der HERR selbst sagt das im Lukasevangelium aus: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes (Lk 16,8).“ Deshalb müssen manchmal Dinge, die eigentlich logisch sind, nochmals ausgeführt werden.

Einige Christen denken nämlich, dass sie ohne Gott nichts hervorbringen könnten, rein gar nichts, und verbinden ihren Erfolg mit dem Gradmesser des Gefallens bei Gott. Gelingt ihnen etwas, denken sie, sie hätten Gefallen gefunden, misslingt im Gegensatz dazu etwas, glauben sie sofort, bei Gott in Ungnade gefallen zu sein.
Bei solchen Erwägungen muss immer Weltliches vom Geistlichen getrennt werden, liebe Brüder und Schwestern! Denken Sie an die Errungenschaften der Nationen! Was haben Ungläubige alles zustande gebracht, obschon der Zorn Gottes über ihnen bleibt (Joh 3,36)! Weltlicher Erfolg ist nicht gleichzusetzen mit Gunst bei Gott gefunden zu haben! – Es ist tatsächlich so, dass Christus spricht: „Ohne mich könnt ihr nichts tun (Joh 15,5).“ Diese Stelle bezieht sich aber ausschliesslich auf Dinge, die Bestand haben, gottgewirkte Dinge eben. Wir haben in diesem Kommentar gesehen, dass der Mensch sehr viel zustande bringen kann, auch ohne Christus. Oder wer hat dem Menschen befohlen, „Cern“ in Genf zu bauen? Gott etwa, damit der „Ursprung der Menschheit“ erforscht werden sollte, wo er doch durch die Heilige Schrift offenbar ist? – Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, worauf ich hinaus will? Menschen können, auch ohne durch Gott geleitet zu werden, viele grosse Dinge tun. Gott gibt ihnen grosse Freiheiten. Er zwingt niemanden, seinen Weg zu gehen. Sie können durch starken Willen Fettleibigkeit abhungern oder durch ein „sich gehen lassen“ sich einen Wanst anfuttern. Das steht ihnen frei, das geht auch ohne Gott. Deshalb soll der Christ nicht zu allen Dingen, die in seinem Leben geschehen, sagen, Gott steuere sowieso alles, um damit seine eigene Untätigkeit zu rechtfertigen. Der Christ muss den Verantwortungsbereich, welcher ihm gegeben ist, ausfüllen und wird bei Christi Wiederkunft darüber Rechenschaft ablegen. Gäbe es für ihn keinen Handlungsspielraum, gäbe es kein Gericht am Ende. So einfach ist das. Daran ändert auch mit diesem Vers nichts: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind (Rö 8,28).“ Es steht in unserer Verantwortung Gott zu lieben, damit alle Dinge zum Guten mitwirken. Wenn wir Gott nicht lieben, aber trotzdem Erfolg im Beruf haben, dient dieser Erfolg nicht zum Guten und zeugt nicht von einem „Beliebt sein bei Gott“. Täuschen Sie sich da nicht, lieber Bruder und liebe Schwester! Amen.

Verse 8-10

8 wie geschrieben steht: »Gott hat ihnen einen Geist der Schlafsucht gegeben, Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören, bis auf den heutigen Tag.«  
9 Und David sagt: »Es werde ihr Tisch ihnen zur Schlinge und zum Fallstrick und zum Anstoss und zur Vergeltung!  
10 Verfinstert seien ihre Augen, um nicht zu sehen, und ihren Rücken beuge allezeit!«   Röm 11,8-10   

Vers 8

Gott verstockt Menschen, welche nicht auf Zurechtweisung hören wollen (Ps 81,12-13). Es darf nicht sein, dass sie sich „zufällig“ richtig verhalten und so mit einem bösen Herzen auch in den Genuss seiner Gunst kämen. Das wäre denen gegenüber nicht fair, die sich um Gottes Sache intensiv und Opfer bringend bemühen. Das wird im Markusevangelium (4,12) klar ausgesagt. Die Stelle im Markusevangelium mag etwas befremdend tönen, vor allem in der heutigen durch den Humanismus verseuchten Weltmeinung. Oder wie kann ein Humanist die folgenden Worte einordnen?

»damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde«.   Mk 4,12

Gott spricht daher im NT in erklärungsbedürftigen Gleichnissen zum Volk, damit die Verstockten nicht verstehen und sich bekehren und ihnen vergeben werde, da jene die Vergebung nicht in Anspruch nehmen dürfen: Ihr Herz ist nämlich nicht bussfertig. Jenen hingegen, denen er die Wahrheiten in den Gleichnissen offenbaren möchte, werden sie erklärt, nämlich den Menschen, die sich zu ihm halten.

Kein Mensch soll von sich denken, er bekomme von sich aus, durch seinen eigenen Willen, Einsitz in den Rat Gottes. Gott entscheidet, wer in seine Gedanken eingebunden wird und wer nicht (Ps 15,1; 25,14; Spr 3,32). Der Einsitz im Rat Gottes ist klar an Bedingungen geknüpft.

Verse 9-10

Dieses Zitat Davids steht im 69. Psalm. Ein Psalm, welcher vom Herrn Jesus am Kreuze spricht. Im selben Psalm steht, dass sie (die Israeliten) denjenigen verfolgt haben, den Gott geschlagen hat (V27). – Israeliten, welche nach ihren eigenen Gedanken wandelten, erkannten die Wege Gottes nicht. Das ging sogar so weit, dass sie den Messias, welcher durch die Propheten angekündigt worden war (Sach 9,9; Mt 21,5), nicht erkannten und kreuzigten. Soweit kann es mit der Verblendung kommen, wenn sich der Mensch aus der Abhängigkeit Gottes löst. So krass das Vergehen ist, so schlimm sind die Konsequenzen die wir in diesen beiden Versen sehen. Gottes Wege sind klar: In erster Linie handelt er gnädig. Sein Wesen ist ausserdem sehr langmütig. Wie soll er aber als Richter der Welt entscheiden, wenn er für den Menschen alles zum besten Gedeihen gegeben hat, der Mensch es aber vorsätzlich und böse verwirft? Wir sehen, wie er mit den Nationen verfährt: Er gibt sie dahin, ihren eigenen Lüsten nachzugehen (Rö 1,26). Genau so verfuhr er mit Israel. Er hatte ihnen die besten Voraussetzungen geschaffen (Jes 5,1-2). Israel trat jedoch mit Füssen danach (V7). So kam es, wie es kommen musste: Er gab sie dahin, ihre Lüste nach der menschlichen Bosheit (Mt 15,19) auszuleben. Und, um seine Perlen nicht vor die Schweine zu werfen, verstockte er ihren Sinn. Beim selbst heraufbeschworenen schlechten Zustand Israels war es nicht statthaft einen Ausweg bereit zu halten, deshalb verschleierte er ihn. Der Ausweg wurde und wird nur denjenigen offenbar, die ihn demütig annehmen (Mi 6,8). Amen.

Vers 11

Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das ist ausgeschlossen! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen.   Röm 11,11  

Vers 11

Paulus fragt seine Leserschaft nun, ob Israel denn strauchelte, um zu fallen. Mit anderen Worten ausgedrückt fragt Paulus, ob bei Israel das Abkommen des Weges ins (endgültige) Verderben führen sollte. – Das ist ausgeschlossen, Gott sei Dank! Israel ist ja ein Beispiel und Beweis für den völlig behüteten Menschen, der, auch mit besten Voraussetzungen, es nicht schafft, Gott zu gefallen. Gott gab dem Menschen nach seinem (!) Begehren, dem dringlichen Verlangen des Menschen, die Möglichkeit, es alleine zu versuchen, ihm zu gefallen.

Israel hat mit ausserordentlich klaren Beweisen es deutlich und unmissverständlich ans Licht gebracht, dass der Mensch es nicht auf die Höhe der Moral Gottes bringt. Das beweist nicht, dass Gott zuviel vom Menschen verlangt, es zeigt lediglich, wie schlimm es von Hause aus mit dem Menschen im Blick auf Gott bestellt ist. Es offenbart und beweist, dass der Mensch böse, grundsätzlich ablehnend und nicht wirklich interessiert ist an Gottes Wegen.

Sollte nun Israel für diese Beweisführung „benutzt“ worden sein um zu straucheln, verworfen zu werden und ganz zu Fall zu kommen? „Das ist ausgeschlossen“, stellt Paulus hier mit Nachdruck klar. Es gab Israeliten mit demütigen Herzen, die aus dem Gesetz erkannten, dass sie einen Erlöser brauchen und nicht von Gottes Wegen abweichen sollten. Jene haben es schon während des Zeitalters des Gesetzes „geschafft“ ohne zu straucheln (Rö 11,4). Für die übrigen bleibt eine weitere Chance und es wird weiter für sie geworben. Geworben wird um sie mit dem Heil für die Nationen. Es soll Israel zur Eifersucht reizen, den verlorenen Platz wieder zu erhalten. Und die weitere Gelegenheit Israels besteht darin, dass sie Christus nochmals vor Augen geführt bekommen, den, welchen sie in ihrer Verblendung böse ermordet haben. Er hatte damals für sie gebetet, der Vater solle ihnen diese Schandtat nicht anrechnen (Lk 23,34). So bekommen sie ihre zweite Chance, indem, wie gesagt, ihnen Christus nochmals vorgeführt wird. Wenn sie ihn annehmen, werden sie gerettet (Sach 12,10). „An jenem Tag (Rückkehr Christi) wird für das Haus David und die Bewohner von Jerusalem eine Quelle geöffnet sein gegen Sünde und gegen Befleckung (Sach 13,1).“ – Das Straucheln Israels bedeutet somit nicht ihren endgültigen Fall. Es wird ihnen nochmals eine Quelle geöffnet werden. Die Demütigen werden davon trinken und geheilt werden. Amen.

Verse 12-15

12 Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wieviel mehr ihre Vollzahl!  
13 Denn ich sage euch, den Nationen: Insofern ich nun der Nationen Apostel bin, bringe ich meinen Dienst zu Ehren,  
14 ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und einige aus ihnen erretten möge.  
15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anders sein als Leben aus den Toten? Röm 11,12-15       

Vers 12

Wenn nun bereits der Verlust, den Israel erlitten hat, den Nationen soviel Heil brachte, wie viel mehr wird die Annahme Israels bringen? Heute wissen wir, dass bei der Annahme Israels die Dinge wiederhergestellt werden (Apg 3,21).

Verse 13-14

Dieser Brief war für die Gläubigen aus den Nationen, den Heidenvölkern bestimmt. Paulus war der Apostel (Gesandte) Christi für die Nationen, wie er selber sagt. Petrus war hingegen für sein eigenes Volk (Gal 2,8), für Israel, als Gesandter beauftragt.
Paulus bringt seinen Dienst zu Ehren, wenn er durch die Bekehrung der Nationen sein eigenes Volk erreichen kann, indem sie durch die Wahrnehmung ihrer Augen zur Eifersucht gereizt werden. Je besser Paulus seine Arbeit verrichtet, desto eifersüchtiger werden die Juden, denn: Je mehr Heiden die Gnade annehmen, desto grösser wird der Anlass für die Juden, über ihren Verlust nachzudenken.

Paulus möchte gute Arbeit leisten, er hat erkannt, dass, je besser seine Arbeit ist, desto mehr kann er bei seinem eigenen Volk erreichen, das ihm ja sehr am Herzen liegt (Rö 9,3). Obwohl er der Apostel der Nationen ist, kann er auf indirektem Weg sehr gut auch Heil zu seinem eigenen Volk fliessen lassen.

Lassen Sie uns daher, liebe Leserin und lieber Leser, uns unsere Arbeit am zugewiesenen Platz tun. Vielleicht möchten Sie als Beispiel lieber Person X anstelle von Z evangelisieren. Sie wissen aber vom HERRN, dass Ihr Platz bei X ist. Verlassen Sie den Platz nicht, es gibt nichts Schlimmeres, als im Reich nach dem eigenen Willen zu dienen. Wir sehen, dass die Gnade des HERRN auch Paulus’ Herzenswunsch berücksichtigte bei der Arbeitszuteilung. Er durfte in seiner Arbeit auch Einfluss auf sein eigenes Volk haben. Wie Gott Paulus’ Wünsche berücksichtigte, kann er in Dienstfragen auch die Ihren berücksichtigen.

Vers 15

Wie im Kommentar zum Vers 12 bereits angedeutet, beginnt mit der Annahme Israels, bei der Rückkehr Christi, die Wiederherstellung aller Dinge. Bei Israel wird die Verblendung aufgehoben, sie werden Christus als Retter erkennen (Sach 12,10); dem Menschenmörder, dem Teufel, wird die Herrschaft über die Erde weggenommen (Lk 4,6; Offb 20,2 (erste Stufe); Offb 20,10 (zweite Stufe)) und Christus übergeben (Lk 1,32; u.v.a.). Christi Herrschaftsbereich wird unumschränkt sein, kein anderes Volk muss autonom und unter böser, bzw. unvollkommener Regierung weitervegetieren müssen (Dan 2,44). Die Erde wird Frieden haben und alle Völker Ruhe (Mi 4). Das Schicksal der Welt wird sich durch die Annahme Israels wenden. Es wird so eindrücklich sein, wie „Leben aus den Toten“ beeindruckend ist. Amen.

Verse 16-17

16 Wenn aber das Erstlingsbrot heilig ist, so auch der Teig; und wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige.  
17 Wenn aber einige der Zweige herausgebrochen worden sind und du, der du ein wilder Ölbaum warst, unter sie eingepfropft und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaumes mit teilhaftig geworden bist,   Röm 11,16-17  

Vers 16

Wie das Produkt hochwertig wird, wenn es bereits das Rohmaterial ist, so muss die Quelle hochwertig sein, wenn das Wasser rein ist, welches daraus sprudelt. – Unser Vers zeigt ein Prinzip auf. Christus ist die Quelle. Wer damit verbunden ist gedeiht bestens (Joh 7,38) und wird zum Segen. Wer nicht mehr mit der Wurzel verbunden ist, aber immer noch am rechten Platz; was mit einem solchen Menschen geschieht, sehen wir im nächsten Vers.

Vers 17

Israel wuchs als edler Ölbaum heran. Die Wurzel, welche das Leben garantiert, war Gott. Er war es, der Israel durch Wunder hervorbrachte (unfruchtbare Eltern). Solange die Israeliten sich an das Leben Gottes hielten und wie Abraham, ihrem Vater glaubten, durften sie der Fettigkeit dieses Gefüges (Ölbaum) nach ihrer Bestimmung teilhaftig bleiben. Bei einer Abkehr von Gott nützte jedoch das natürliche Gefüge, die Verbundenheit der Zweige mit der Wurzel von Natur aus, nichts mehr: Gott brach sie heraus. Darauf nahm Gott Fremdkörper, Zweige eines wilden Ölbaums und pfropfte sie anstelle Israels an die gute Quelle Gottes!

Diese beiden Verse zeigen schöne, aber auch sehr ernsthafte Wahrheiten auf. Zu den schönen Wahrheiten gehört die Tatsache, dass die Fettigkeit und der Überfluss Gottes auch für die Nationen bestimmt sind. Wir Nationen, die wir nicht durch natürliche Umstände mit Gott in einer positiven Beziehung standen, haben die Chance erhalten, in eine gute treten zu dürfen. Das Heil Gottes kam durch Jesus Christus zu uns! Wer Christus annimmt, wird entgegen seiner Abstammung in den edlen Ölbaum eingepfropft.

Eine sehr ernsthafte Wahrheit ist, dass Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat: Er brach sie heraus. Das zeigt wieder einmal in unmissverständlicher Deutlichkeit auf, dass Gottes Volk durch selbstverantwortliches Handeln sich zu Gott halten oder von ihm entfernen kann. Die Abstammung allein ist keine Garantieurkunde für eine beständige und unterbruchslose Zweisamkeit mit Gott. Wie ich schon einmal erwähnte, berief sich Israel mehrmals auf ihre Abstammung, ihre heiligen Geräte und Anbetungsstätten. Gott zeigte ihnen aber damals schon auf, dass all diese Dinge ihnen nichts nützen, wenn sie sich innerlich von ihm entfernen würden. So erlitten sie beispielsweise eine grosse Niederlage gegen die Philister, obschon sie die Bundeslade ins Kriegslager holten (1. Sam 4). Wiederum nützte ihnen die Anbetungsstätte in Silo (Zelt der Begegnung, Jos 18,1; Ri 18,31) und Jerusalem (Tempel) nichts in ihrer Abkehr von Gott. So wie Silo vernichtet wurde (Jer 7,12), nahm Nebukadnezar, der Babylonier, Jerusalem ein.

Verse 18-21

18 so rühme dich nicht gegen die Zweige! Wenn du dich aber gegen sie rühmst – du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich.
19 Du wirst nun sagen: Die Zweige sind herausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde.
20 Richtig; sie sind herausgebrochen worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich!  
21 Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen. Röm 11,18-21  

Vers 18

Ganz klar ist es nicht statthaft, sich gegen Israel zu rühmen. Wir Menschen aus den Nationen wurden durch die Gnade eingepfropft, nicht durch eigenes Vermögen. So ist der Ruhm ausgeschlossen. Wer aber denkt, sich rühmen zu können, der soll sich seiner Abhängigkeit von der Wurzel bewusst werden. Nicht er selbst kann den Lebensfluss produzieren, er kommt von der Wurzel.

Verse 19-20

Es beeindruckt mich, dass der Heilige Geist für die Ermahnung, welche simpel und einleuchtend ist, mehrere Verse niederschreiben und sie somit sehr eindringlich erscheinen lässt. Wie schnell kann der Stolz den Menschen verführen und ihn aufblasen. Wie schnell kann man sich überheben wegen der Tatsache, dass Israel herausgebrochen wurde. Und wie schnell dichtet der Stolz Märchen zusammen, die einen wichtig erscheinen lassen. Israel wurde nicht herausgebrochen, da es zuwenig Platz für die wilden Zweige gab. Israel wurde nicht beiseite gestellt, weil wir besser wären, so gerne wir das auch hören möchten. So, wie es bei der Landnahme Israels war, ist es auch hier: Die Kanaaniter wurden von Gott wegen ihrer Bosheiten aus dem Land vertrieben (5. Mo 9,4), nicht weil Israel besser war als sie (5. Mo 7,7). Wir sind auch, wie Israel damals gegenüber den Nationen, keine besseren Menschen gewesen, bevor Gott sich unser annahm (Rö 6,21). Oder will jemand das Gegenteil behaupten?

Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass Israel genau so verderblich handelte, wie die Völker, welche wegen ihren Sünden aus dem Land gerissen wurden (2. Kö 17,15, u.v.a.). So kam es, dass Israel konsequenterweise die gleiche Strafe ereilte. Demgemäss stellt der Apostel fest, dass es zwar korrekt ist, dass Israel herausgebrochen wurde, korrigiert aber die Wahrheit in Bezug auf das Warum sie herausgebrochen wurden. Sie wurden nicht herausgebrochen, um uns Platz zu machen, weil wir etwas seien. Sie wurden nur ihres Unglaubens wegen herausgebrochen.

Wir stehen nun durch den Glauben, wie Israel anfänglich durch den Glauben stand. Diese Erläuterungen durch den Heiligen Geist sollten den letzten falschen Stolz aus uns vertreiben. Wer sich weiter gegen Israel rühmt und tatsächlich glaubt, er habe sich die Position am edlen Ölbaum irgendwie verdient, hat diesbezüglich noch gar nichts begriffen. Vielleicht hilft einem solchen nur noch das Wissen, das im nächsten Vers vermittelt wird.

Vers 21

Es liegt auf der Hand, dass Gott, der die natürlichen Zweige, Zweige welche die logische Konsequenz des Wachstums dieses Ölbaums waren, nicht verschont hat, die widernatürlichen Zweige noch eher nicht schonen wird. Vielmehr sollen sich die widernatürlichen fürchten! Denn wir, die gegen die Natur eingepfropft wurden, haben die höhere Verantwortung als Israel, da wir ein Vorbild haben. Wir haben die Belehrung, dass Gott sein eigenes Volk nicht schont wenn es abfällt, da müssen wir uns überhaupt nichts vormachen. Wir haben die Warnung der Schrift UND das Vorbild im Gegensatz zu Israel, das „nur“ über die Warnung der Schrift verfügte.

Ich hatte nicht im Sinn, diese Tatsachen so weit auszuführen, doch es erscheint mir nun trotzdem notwendig. Der Hochmut ist tödlich für den Menschen –  wie schnell lässt man sich durch ihn verleiten! Da haben meine Ausführungen nichts mit Angstmacherei zu tun, der Heilige Geist persönlich lässt niederschreiben: „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich!“ Amen.

Verse 22-24

22 Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgeschnitten werden.  
23 Aber auch jene, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott ist imstande, sie wieder einzupfropfen.  
24 Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wieviel mehr werden diese, die natürlichen <Zweige>, in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden! Röm 11,22-24  

Vers 22

Paulus stellt hier die Güte der Strenge Gottes gegenüber. Beide Eigenschaften Gottes sind an diesem Ölbaum klar und übersichtlich erkennbar. Er handelt streng mit Personen aus seinem Volk, die gefallen sind und gütig mit solchen, die an seiner Güte festhalten. Wiederum lässt hier Paulus, inspiriert durch den Heiligen Geist (2. Tim 3,16), die göttliche Warnung einfliessen, dass Gott, ohne Rücksicht auf das Ansehen der Person bzw. deren Abstammung, Menschen aus seinem Volk herausschneiden kann. Er wird es ganz sicher tun, da bleibt es nicht bei einer hohlen Warnung.

Vers 23

Gott ist auch in der Lage, die Herausgeschnittenen wieder einzupfropfen. Er kann sie wieder in die Gemeinschaft bringen. Dies ist aber klar an eine Bedingung geknüpft: Sie dürfen nicht im Unglauben bleiben. Die Erfüllung dieses Verses sehen wir bei der Wiederannahme Israels, bei Christi Wiederkunft.

Vers 24

Hier wird uns sehr schön dargelegt, wie nahe es liegt, dass eine Wiederherstellung der alten, natürlichen Ordnung möglich ist. Wenn es schon durchführbar war, fremde Zweige in den edlen Ölbaum einzupfropfen, liegt es noch viel näher, die natürlichen Zweige wieder einzusetzen.

Wir sollten uns über diese Gnade Gottes freuen! Auch wenn Israel sehr viel Sünde an Sünde gereiht hat, ist Gott imstande, sie zu entsündigen, ohne Allversöhnungstheorien zu stützen. Das heisst, dass Gott Israel wieder annehmen kann ohne beide Augen zudrücken zu müssen und das Recht mit Füssen zu treten. Er wird vielmehr Israel soweit bringen, dass sie Busse tun werden. Erst dann wird die Wiederannahme erfolgen. Amen.

Verse 25-28

25 Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst für klug haltet: Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hineingekommen sein wird;  
26 und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: »Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden;  
27 und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.«  
28 Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen.   Röm 11,25-28   

Vers 25

Für mich ist es, wie bereits erwähnt, sehr eindrücklich, wie viele Erklärungen der Heilige Geist Gläubigen aus den Nationen über Israel abgibt, damit sie sich (wir uns) nicht überheben bzw. für klug halten. – Wie ich auch bereits schon erwähnt habe, ist der Stolz eines der Grundübel beim Menschen. Stolzen Menschen widersteht Gott, den demütigen hingegen gibt er Gnade (Jak 4,6; 1. Petr 5,5).

Israel muss zum Teil verstockt bleiben, bis die Vollzahl der Nationen in Reich gekommen ist. - Wir sehen also, dass wir nicht um unserer grösserer Klugheit willen im Blick auf Israel beim HERRN sind, sondern allein darum, weil es zum Plan Gottes gehört. Somit ist ein sich Rühmen gegen Israel fehl am Platz!

Diese Verstockung Israels hat nichts mit Ungerecht sein zu tun. Einen solchen Gedanken gegen den heiligen und absolut gerechten HERRN zu hegen, wäre eine schlimme Anmassung! Israel und der Mensch überhaupt haben wegen der Bosheit gegenüber Gott mehr als nur Verstockung verdient: nämlich den ewigen Tod! Doch Gott verstockt Israel nur für eine bestimmte Zeit, um sie anschliessend als Gesamtheit zu retten, nicht nach und nach, wie er es bei den Nationen anwendet. Das gehört zu seinem, dem Menschen freundlich gesinnten Plan.

Verse 26-27

Wenn die Vollzahl der Nationen errettet ist und Christus wiederkommt, wird ganz Israel erkennen, dass der der Messias war, den sie durchbohrt und ermordet haben (Sach 12,10). Sie werden sich zu ihm hin wenden und er kann sie so von ihren Sünden reinigen bzw. ihre Gottlosigkeiten abwenden (Jes 59,20).

Vers 28

Hinsichtlich des Evangeliums sind die Israeliten noch Feinde Gottes, da sie es nicht angenommen haben, wie wir Gläubigen aus den Nationen Feinde Gottes waren, bevor wir zum Glauben kamen. Wie wir zur Zeit Gottes gläubig werden durften, nicht zu unserer, darf sich Israel, wenn die Zeit gekommen ist, auch zu Gott bekehren. - Jeder Israelit in der Auswahl ist aber schon ein Geliebter Gottes, denn Gott weiss von ihm schon im Vorfeld, dass er Christus annehmen wird, wenn er ihm vorgestellt wird. Amen.

Verse 29-32

29 Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.  
30 Denn wie ihr einst Gott nicht gehorcht habt, jetzt aber Erbarmen gefunden habt infolge ihres Ungehorsams,  
31 so sind jetzt auch sie dem euch <geschenkten> Erbarmen <gegenüber> ungehorsam gewesen, damit auch sie jetzt Erbarmen finden.
32 Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt.   Röm 11,29-32    

Vers 29

Dem HERRN sei Dank für den Inhalt dieses Verses! Wenn die Aussprüche Gottes im Blick auf seine bedingungslose Gnade bereubar wären, wäre es aus mit der Menschheit. Zu oft wurde Gott versucht, beleidigt und verspottet. Und es wäre bereits schon mehrmals zu Ende gegangen mit dem Volk Gottes, wenn nicht ein Fürsprecher, Christus, für uns eingestanden wäre. Im 2. Buch Mose sehen wir Mose bildhaft für Christus für das Volk einstehen (2. Mo 32,10, siehe auch 4. Mo 17,10). Die Tat Christi eröffnet Gott einen Weg der Gnade, die an keine Leistung unsererseits knüpft. Wie entlastend ist das doch im Blick auf unsere mangelhafte Moral im Lichte Gottes!

Der Ausspruch in diesem Vers erscheint noch gewaltiger, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit er niedergeschrieben wurde. Der Römerbrief wurde ja bekanntlich geschrieben, nachdem Israel über Jahrhunderte bewiesen hatte, Gottes Rechtsanspruch mit Füssen getreten zu haben (Hes 23). – Nichtsdestotrotz dürfen wir nach all diesen traurigen Begebenheiten solche Worte der Gnade lesen!

Wo jedes Herrschers Latein am Ende ist, ist dasjenige Gottes erst am Anfang; wo jeder Herrscher sich völlig von einem total untauglich gewordenen Volk abwenden müsste, spricht Gott Worte der Gnade und der fürsorglichen Annahme aus für sein Volk! Hinsichtlich der Auswahl sind die Israeliten Geliebte. Gott plante von Anfang an die Errettung der Menschen, die – obwohl völlig unzulänglich im Blick auf ihn – sich nach ihm ausstrecken werden.

Vers 30

Wir, die gläubig gewordenen Menschen aus den Nationen, die wir Gott gegenüber ungehorsam waren, haben Erbarmen gefunden infolge des Ungehorsams Israels. Weil Israel Ungehorsam war, suchte Gott ein sogenanntes Nicht-Volk, Menschen aus den Nationen, um Israel zur Eifersucht zu reizen. – Das war die Gelegenheit für uns gerettet zu werden! Ihr Ungehorsam brachte unseren Segen (Rö 11,15)!

Vers 31

Wie wir wissen, öffnete sich Israel nicht für den neuen Weg, dem Evangelium durch Jesus Christus. Sie wollen in der Gesamtheit beim Gesetz bleiben, obwohl es von Gott als überholt erklärt wurde (Lk 16,16; Heb 8,13).

Vers 32

„Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt“, stellt Paulus fest. Böse Zungen mögen in Bezug auf diese Stelle behaupten, Gott übe Machtdemonstrationen aus, „spiele“ mit dem ihm ausgelieferten Menschen und bezeichne ihn einfach als „ungehorsam“. – Mit solchen Gedankenergüssen beweisen sie aber nichts als völligen Unverstand, denn Gott hat von jeher seine Langmut und Güte bewiesen. Schon im Garten Eden verschonte er das Menschenpaar, trotz deren Übertretung, indem er an ihrer Statt das Blut von Stellvertretern* fliessen liess, was ein Bild auf Christi Tod hin ist (*Gott bekleidete die Menschen mit Fellen von Tieren, die dafür sterben mussten, 1. Mose 3,21). Immer wieder liess Gott Gnade vor Recht ergehen, obwohl der Mensch ihm oft – und nicht selten sogar vorsätzlich! – ins Gesicht sündigte (1. Sam 8,19; Mt 8,34 u.v.a.). Im Weiteren offenbart Gott dem Menschen durch seine wunderbaren Wege und seinen fast unendlichen Langmut, dass der Mensch durch und durch böse ist (Mt 15,19), das ist genau das Gegenteil, was vom heutigen Zeitgeist, dem Humanismus, „gepredigt“ wird. Auf diese Art kann im Menschen ein Bewusstsein geweckt werden, das nach Rettung verlangt. Die Ermahnungen Gottes sind dazu da, der Menschheit zu helfen, nicht um sie zu plagen! Da sich der Mensch völlig nicht um Gott und seinen Willen kümmert, verfällt er immer wieder den Lügen von Gottes Widersachern (1. Tim 4,1; Offb 9,20). Die Darlegungen Gottes werden so leider allzu oft in den Wind geschlagen und somit wird weiter Sünde an Sünde gereiht. Und mit der Annahme dieser bösen Lehren, welche Freiheit und Unabhängigkeit versprechen, verschliesst sich der Mensch seiner wahren Rettung!

Der Vers 32 steht aber nicht in erster Linie aus diesen, eben betrachteten Gründen da. Gott offenbart damit, dass er in seinen Regierungswegen der Fehlbarkeit des Menschen unparteiisch Rechnung getragen hat, gerecht, voller Langmut und Gnade regierte und keinem Menschen einen ungesetzlichen Vorzug gab. So brachte es Gott soweit, obwohl er ein bevorzugtes Volk auserwählt hatte, dass sich kein Mensch gegen einen anderen rühmen kann. Seine Gerechtigkeit wurde in keinem Punkt verletzt. Sein unparteiischer Charakter wird hier besonders schön beleuchtet. Alle sind, so wie es der Mensch provoziert und vollbracht hat, im Ungehorsam eingeschlossen. Und, obschon sich die ganze Bosheit des Menschen ungeschminkt offenbart hat, erbarmt er sich in seinem Sohn über die Menschen. Er erbarmt sich über alle, Juden und Nationen (Rö 10,12) und zwar so, dass alle höchste Wertschätzung dafür entwickeln müssten, denn was Gott hier an Gnade, Macht, Herrlichkeit, Weisheit und Stärke bewiesen hat, ist beispiellos! Amen!

In eigener Sache:
Römer Kapitel 10 und 11 sind für mich, wie eigentlich jedes Kapitel in diesem Buch, sehr eindrücklich. In diesen beiden Kapiteln kommt überaus schön an die Oberfläche, wie der in göttlichen Dingen unterrichtete Mensch sich entwickeln kann. Dabei denke ich an eine negative Form der Entwicklung, wie wir sie in der Geschichte bei dem Gros der Israeliten sehen. Der Mensch kann sich, trotz Absonderung von allen irdischen Einflüssen und der göttlichen Zuwendung, sehr zum Schlechten entwickeln. Hat der Stolz einen festen Platz im Herzen des Menschen, entscheidet sich der Mensch für den falschen, selbstgefälligen Weg und denkt, dass er etwas sei, da sich doch Gott ihm besonders offenbart hat. So überhob sich Israel, das den Gottesdienst, die Feste des HERRN und die Opfer hatte. Sie wussten viel mehr von der richtigen Gottesverehrung als die Völker ringsum, die zwar durch die Schöpfung von Gott wussten, aber nichts im Blick auf die richtige Verehrung. Vermengt man das Wissen mit dem Stolz, legt der Mensch ausserdem die moralische Latte viel tiefer, da er im Vergleich viele unkundige Personen in Bezug auf sein Wissen über Gott in seinem Wirkungskreis sieht. Er verbindet sein Wissen mit der Anerkennung Gottes und denkt, je mehr er weiss, desto grösser sei sein Ansehen bei Gott. So kommt es, dass er sich im Blick auf die Moral gehen lässt, da sein Indikator Wissen, das höher ist als bei den meisten um ihn herum, ihm vorgaukelt, er sei um Meilen besser als alle anderen. – So kommt es, dass solche Menschen von Gott verworfen werden und an ihre Statt „Unkundige“ gestellt werden, um sie zur Eifersucht zu reizen, damit sie wieder gewonnen werden können. Genau das geschah mit Israel. Sie taten viel Böses und dachten, sie seien unantastbar, da sie doch den Tempel, die Wohnung Gottes, bei sich hatten (Jer 7,4). Gott verwarf sie in der Folge und berief ein Nicht-Volk, ein Volk von unkundigen Menschen, die er an ihre Statt setzte. Zur Eifersucht gereizt, streben sie den verlorenen Platz wieder an und können so errettet werden.

Wir können auch im Christentum ähnliche Begebenheiten beobachten. Es gibt da nachweislich im HERRN besser unterrichtete und solche, die das Wort Gottes nicht so gut kennen. Da kommen die genau gleichen Mechanismen wieder zum greifen: Der „wissende“ Christ, der den Stolz nicht im Griff hat, überhebt sich über den anderen. Gleichzeitig setzt er die moralischen Ziele tiefer, da er im Irrglauben ist, sein Wissen sei der Indikator für den Wohlgefallen Gottes. – So kommt es, dass viele christliche Leiter sich, wie Juda im Vergleich mit Israel, schlimmer gebärden als die „unkundigen“ Christen.

Das ist eine ernsthafte Warnung an die von Gott besonders unterrichteten Christen. Ich selbst nehme sie nicht auf die leichte Schulter! Ich habe diese Warnung nicht immer in diesem hellen Licht gesehen, wie sie in diesen Kapiteln entwickelt wird. Die Begabung zu lehren ist, wie jede andere, eine frei geschenkte Gabe Gottes und kein Indikator seines Wohlgefallens! Wer eine geistliche Begabung hat, soll nicht denken, er sei besser als jener, der keine solch ausgeprägte hat. Vielmehr soll er das Bewusstsein haben, dass, je mehr er hat, desto mehr von ihm gefordert wird (Lk 12,48). Schliesslich erwarten wir von einem Mann mit einem Bagger in derselben Zeit ein grösseres Loch wie von einem, der nur eine Handschaufel hat.

Der Mensch kann schnell fallen, - sobald er sich von Christus löst, ist das oben beschriebene die Folge. Lassen Sie mich dazu etwas aus meinem Leben erzählen: Ich ging lange in Gottesdienste einer christlichen Versammlung in der Nähe meines Wohnortes. Aufgrund meiner wachsenden Schriftkenntnis kritisierte ich Dinge, von denen ich überzeugt war, dass sie anders gehandhabt werden sollten. Darauf bekam ich grossen Widerstand aus den Reihen der traditionellen Christen, welche an schriftwidrigen, doch inzwischen landläufigen Gebräuchen festhalten wollten. Der Widerstand wurde so gross, dass ich von der Ältestenschaft, welche mir zwar noch bestätigte, dass ich nichts Falsches vertrete, hinaus komplimentiert wurde. Mir wurde also nahe gelegt, die Versammlung, meine geistliche und soziale Heimat, zusammen mit meiner Familie, zu verlassen. So, abgeschnitten von Freunden und Geschwistern, durchlebten wir in grosser Einsamkeit einen mehr schlechten als rechten Lebensabschnitt. Darin erlebte ich Wechselbäder von Gefühlen und Gedanken aller Art: Sie reichten von Niedergeschlagenheit bis hin zum Hochmut. – Bleiben wir realistisch: Es war nach Matthäus 18 nicht korrekt, mich aus der Gemeinschaft zu werfen, wo doch bei mir keine vorsätzlich behaltene Sünde vorlag. Da haben die Brüder klar falsch gehandelt. Doch mich brachte dieser böse Umstand, der auch ein Test für mich war, ebenfalls in Sünde, da ich mich gedanklich wegen meines besseren Wissens in dieser Angelegenheit zeitweise über die Brüder dieser Gemeinschaft erhob. Das Vergleichen, das der HERR klar nicht duldet (Joh 21,22), brachte mich darin zu Fall. Ich wusste in bestimmten Schriftabschnitten besser Bescheid als sie. Dies führte mich unwissentlich dazu, mich über sie zu erheben, auch wenn ich das nicht wollte. Ich sagte mir, dass ich ja hier ganz bestimmt im Recht sei und sie im Unrecht. Gab mir das denn nicht ein Recht, mich etwas wertvoller zu fühlen? – Darauf muss ich klar mit „Nein“ antworten. Dieses „Nein“ entschuldigt das Verhalten der Gemeinde nicht. Sie müssen für ihre Taten auch geradestehen vor dem HERRN. Dieses „Nein“ besagt nur, dass ich mir kein Recht zur Überhebung daraus nehmen darf, denn diese hier behandelten Kapitel im Römerbrief zeigen allzu deutlich, dass der „wissende“, wie auch der „unwissende“ Mensch im Ungehorsam eingeschlossen ist. Wie es bei den Israeliten war, verhält es sich bei den Nationen. Wie es bei Lehrern in der Gemeinde ist, verhält es sich bei Neubekehrten: Niemand kann sagen, dass er etwas sei, denn alle göttlichen Gaben wurden uns durch freie Gnade geschenkt und nicht aufgrund von eigenen Taten, die uns rechtfertigen würden!

Behalten Sie, sollten Sie gut mit göttlichen Gnadengaben ausgerüstet sein, den Kopf „unten“, bleiben Sie demütig! Es kann sonst sein, dass Ihnen am Schluss von Gott mehr vorgeworfen wird als unkundigeren Christen. Juda hat es schlimmer getrieben als die „so bösen“ nördlichen Stämme, so unglaublich das klingt! – es ist so (Hes 23,11). Dienen Sie treu und unterstützen Sie die Gemeinde nach Kräften. Dulden Sie das Böse nicht! Ich schreibe meine Erfahrungen nicht nieder, um das Ermahnen in den Hintergrund zu stellen. Ich schreibe nur, dass Sie sich allgemein nicht über andere überheben, auch dann nicht, wenn unrechtmässig nicht auf Sie gehört wird. Amen.

Vielleicht gelingt es mir, dieses Thema in den folgenden Kommentaren noch etwas zu zementieren – es gibt noch aussagekräftigere Beweise, dass sich „sehende“ Christen niemals über solche, die nicht „sehen“ erheben dürfen, auch wenn sie von den letzteren vorsätzlich falsch behandelt werden. Amen.

Verse 33-36

33 O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege!  
34 Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen?  
35 Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es wird ihm vergolten werden?  
36 Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.   Röm 11,33-36   

Vers 33

Wie gut kann ich Paulus’ Ausruf an dieser Stelle verstehen! Nach der Erläuterung des Heiligen Geistes, wie Gott mit den Menschen verfährt und der Darstellung seiner Liebe und Herrlichkeit, bleibt demjenigen, der einen kleinen Einblick in die Regierungswege Gottes bekommt, nur Staunen und Bewunderung!

Verse 34-35

Welcher Kirchenvorsteher, Professor, Philosoph, Lehrbeauftragter könnte den Menschen besser über seine Stellung, den Heilsplan und Jesus Christus belehren als Gott selbst? Wer kann dem Menschen an unzähligen Beispielen den Weg zum Heil, seine Stellung und sein Verantwortungsgebiet in immer wieder wechselnden Farben, doch immer mit demselben Inhalt (!), so schön darlegen? Ein Ausbildungsfachmann etwa? Wer ist ausserdem fähig, Offensichtliches solchen unzugänglich zu machen, die nicht hören wollen und es ausschliesslich Menschen zu offenbaren, denen er es offenbaren will (Luk 10,21)? „Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen“, heisst es in den Sprüchen (25,2). Er erzeigt seine Herrlichkeit auch darin, dass die Ungläubigen in wichtigen Dingen weder zur Rechten noch zur Linken unterscheiden können (Jon 4,11), denn trotz der besten Technologie und tiefster Forschung ist es der Elite dieser Welt nicht gelungen, näher zu Gott zu kommen, bzw. ihn zu erkennen, auf dass es ihnen besser ergehen würde. Obwohl alle seine Werke der Schöpfung offenbar sind, glaubt die Elite an Märchen wie den Zufall oder bekennt sich zum Atheismus. – Sagen Sie mir bitte, welche Kreatur ist zu solcher Wissenskontrolle fähig, wenn doch alles offenbar vor den Augen der Menschen ist? Kann man da vor Staunen nicht nur noch in das Lob Gottes einstimmen?

Manchmal denken wir beim Thema „Gottes Herrlichkeit“ an Wunder oder mit den Augen wahrnehmbare Herrlichkeiten, wie die noch ausstehende, sichtbare Offenbarung seines Reiches. Hier sehen wir eine andere Herrlichkeit, nämlich die Herrlichkeit seiner Fähigkeiten. Niemand kann lehren wie Gott. Niemand kann so regieren wie er. Überhaupt ist alles an ihm Herrlichkeit! Keine Kreatur hat ihm je das Wasser reichen können! Er ist so erhaben! Amen.

Vers 36

Aus ihm sind alle Dinge. Gott sprach und es stand da. Er brauchte nicht Materie, um Materie hervorzubringen. Er kann ohne Ressourcen Materie hervorbringen (Ps 33,9; Heb 11,3).

Alle Dinge sind durch ihn geschaffen. Niemand hat Gott bei der Schöpfung helfen müssen. Alle Dinge wurden durch Gott (Heb 2,10, Kol 1,16).

Alle Dinge sind zu ihm hin geschaffen (Kol 1,16). Die ganze Schöpfung hofft auf Christus, nur bei ihm wird sie Ruhe finden. – Ich schliesse mich da Paulus an: Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.

An dieser Stelle möchte ich zur Vertiefung nochmals, wie oben versprochen, auf die wunderbare Lehre Gottes, die das Thema „Hochmut“ behandelt, zurückkommen. – Sind wir uns einig, liebe Leserin und lieber Leser, dass jeder von uns nur durch Christi Tat am Kreuz errettet werden konnte? Wir wissen ja inzwischen, dass es ausserhalb Christus vor einem heiligen und gerechten Gott keine Rettung gibt für den Menschen. So ist es offenbar, dass jeder Mensch Rettung braucht und da sie nur in Christus gefunden wird, muss Christus der einzige sein, der stellvertretend an unserer Statt sterben konnte. Ein Sünder kann nicht stellvertretend sterben, er stirbt wegen seinen eigenen Sünden. Stellvertretend sterben kann nur ein absolut heiliger und sündloser Mensch.

Was heisst das nun für uns? – Das heisst, dass unsere Schuld vor Gott so gross war, dass er uns nicht mit dem Preis eines Kleinwagens loskaufen konnte. Sie war so immens, dass er den Tod seines eingeborenen Sohn als Loskaufsumme einsetzen musste. So kaufte Gott uns frei und erliess uns eine Schuld, deren Höhe für keinen Menschen erreichbar ist. Alle Superreichen der Welt zusammen könnten diese Summe nicht aufbringen (Mt 16,26); die ganze Welt als Lösegeld reicht nicht aus, wie wir es Matthäusevangelium nachlesen können. – Wenn uns das einleuchtet, so richtig aufgeht, dann werden wir den Hauptaspekt vom Gleichnis mit dem unbarmherzigen Knecht in der Tiefe verstehen können (Mt 18,23). In diesem Gleichnis ist von einem Knecht des Königs die Rede, dem eine unbezahlbare Schuld vergeben wurde. Entlastet geht dieser Knecht hinaus und sieht dort einen Mitknecht, der ihm etwas schuldete. Statt es dem König gleichzutun und dem Mitknecht ebenfalls die im Verhältnis geringe Summe zu erlassen, packte er diesen unbarmherzig und forderte unnachgiebig den vollen Preis. Darauf kam, was kommen musste: Auf diese Tat hin widerrief der König seinen Erlass und nötigte seinen Knecht, alles zu bezahlen.

Die Übertragung dieses Gleichnisses in unsere Leben ist jetzt sehr einfach. Gott hat unsere Riesenschuld durch Christus bezahlt. Kein Mitmensch kann sich an uns so versündigen, dass wir ihm, wenn er uns um Vergebung bittet, nicht freisprechen können. Gott hat uns von der Todesstrafe begnadigt, sollten wir unseren Brüdern, die darum bitten, nicht auch alles vergeben?

Wenn wir nun zu meiner Geschichte zurückkommen (siehe Kommentar zum Vers 32, „in eigener Sache“), sehen wir, dass keine Verletzung dieser Gemeinschaft, die mich ungerecht behandelt hatte, mir einen Rechtsanspruch vor Gott für irgendetwas gibt. Mir wurde anfänglich von Gott soviel erlassen, dass ich zeitlebens kein Recht für Hochmut bzw. spezielle Forderungen finden werde. Ich darf nur für Gottes Sache einstehen und – sollte ich um Vergebung gebeten werden – bin ich verpflichtet, es von Herzen zu tun mit dem Blick auf den Erlass, welcher mir durch Gottes Gnade widerfuhr. Amen.

An dieser Stelle muss ich noch etwas Wichtiges erwähnen, denn dieses Gleichnis wird oft in Verbindung mit „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet (Mt 7)“ missbräuchlich von unbelehrbaren Christen erwähnt, um Zurechtweisung abzulehnen. Es – oder der Vers, Mt 7,1 – werden benutzt, um Ermahner mundtot zu machen. Letztere können sich dadurch, im Wissen um ihre Fehlbarkeit, vom Weg der Ermahnung abbringen lassen und gewähren so dem Bösen freien Lauf. Das darf nicht sein, liebe Brüder und Schwestern. Da wir wissen, dass wir alle nur ein mangelhaftes Leben führen, müssen wir beim Thema Ermahnung ganz vorsichtig aber Gott gegenüber auch treu sein. Vorsichtig müssen wir sein, dass wir nicht Personen in Dingen ermahnen, wo uns die Ermahnung nicht gegeben ist. Treu müssen wir sein, dass wir Gottes Wort nicht mit Füssen treten und dem Bösen freien Lauf lassen: Wo ermahnt werden muss, sündigen wir, wenn wir es nicht tun. Als Faustregel gilt: Wenn wir jemanden sündigen sehen, etwas tun sehen, das durch die Bibel verurteilt wird, wie lügen, stehlen, ehebrechen, Gott und dem Nächsten fluchen, Unzucht treiben, usw. sind wir verpflichtet, ihn zurechtzuweisen, wenn sich diese Person als zu Jesus gehörend bekennt. Dass die Weltmenschen solches tun, ist allerseits bekannt. Bei ihnen sind wir nicht verpflichtet in derselben Art zu ermahnen, bei ihnen sind wir zuvor angehalten, die Gute Nachricht zu verkündigen. – Lassen Sie sich beim Thema Ermahnung als Richtschnur durch Matthäus 18 (Verse 15-18) leiten.

Kapitel 12

Verse 1-2

1 Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist.  
2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.  Röm 12,1-2 

Vers 1

Die Betrachtungen über Gottes Pläne und den diesbezüglichen Lehren enden mit dem 11. Kapitel. Mit dem Kapitel zwölf kommen wir zu der praktischen Anwendung des Gehörten, einer Übertragung in das persönliche Leben des Christen. Das zwölfte Kapitel befasst sich mit dem Verhalten des Christen in der Gemeinde, im Hause Gottes. Das folgende dreizehnte Kapitel gibt uns Ermahnungen zum Verhalten gegenüber der Welt, es sind also Ermahnungen für den Wandel ausserhalb des Hauses.

Im 14. Kapitel schwenkt der Apostel wieder zurück zu den gegenseitigen Verpflichtungen. Er schreibt von Belehrungen, die wiederum der Gemeinde für ein angemessenes und gutes Zusammenleben gelten. Diese gehen bis in das 15. Kapitel hinein.

Wir werden hier ermahnt, nach all dem in den vorangegangenen Kapiteln Gehörten, unsere Leiber als heiliges Opfer darzustellen. Dies sei ein vernünftiger Gottesdienst. Gemeint ist an dieser Stelle der Leib, unser physischer Körper (Soma, gr.), den man anfassen kann. Es ist nicht eine Gesinnung oder Haltung gemeint. Unser Körper soll für Gott ein lebendiges, heiliges und wohlgefälliges Opfer sein. Dies sei ein vernünftiger Gottesdienst.

Über den menschlichen Körper könnte man an dieser Stelle viel erzählen, er ist beispielsweise der Tempel des in uns wohnenden Geistes, der Tempel des Geistes Jesu (1. Kor 6,19). Er gehört nicht uns, sondern Christus, der ihn erkauft hat. Wie das Fleisch des einen bei Verheirateten dem anderen gehört und umgekehrt (1. Kor 7,4), da sie ein Fleisch darstellen, so verhält es sich bei Christus. Wir sind einem Mann verlobt worden (2. Kor 11,2), um als keusche Jungfrau vor Christus zu stehen. Christus hat uns vom Bösen weg erkauft, wir gehören jetzt ihm (Rö 14,7-8; 1. Kor 6,19). Damit ist nicht gemeint, dass wir als Sklaven nach der bösen Art betrachtet werden, wie es die Spötter auslegen. Wir sind wie Jungfrauen, die sich in ihrer vollen Schönheit für den Bräutigam aufbewahren, ohne ihren jugendlichen Körper der Schande oder auch nur ungesunden Strömungen hinzugeben. Eine verlobte Jungfrau hält ihren Körper von allem fern, was ihn aus der Sicht des Bräutigams negativ beeinflussen könnte.

Dies wird von Gott als vernünftiger Gottesdienst betrachtet. Es ist ein Gott Dienen, denn es beinhaltet den Gehorsam gegenüber seinem Willen. Gott möchte nicht, dass wir erkauften und ihm gehörenden Menschen auch nur einen Teil von uns verschmutzen. Nicht die Seele oder der menschliche Geist sollen allein rein bleiben, sondern auch der Körper, mit dem wir unser Inneres ausdrücken. Kein redlicher Bräutigam würde zulassen, dass seine Verlobte nur den Geist und die Seele reinzuhalten versucht und ihren Körper der Schande hingibt.

Wir sehen also klar, dass „Gottesdienst“ nicht allein mit dem Sonntagmorgen verknüpft ist. Das Gott Dienen ist eine Haltung, eine Lebenseinstellung, welche immerfort tragen sollte. Sie dienen Gott viel besser, wenn Sie sich die ganze Woche nach ihm richten und nicht nur am Sonntagmorgen in die Kirche gehen und dabei denken, Gott sei damit befriedigt.

Vers 2

Jetzt ist die Seele an der Reihe: Was nützt es, wenn wir den Leib vom Bösen fernhalten, es aber in den Gedanken hegen? Sollen wir dem Bräutigam eine hübsche und nach aussen keusche Verlobte sein, die innerlich aber damit nicht im Einklang steht? Wäre er damit beeindruckt? – Ganz sicher nicht! Unser Sinn, der wie die Welt dachte, die böse ist (1. Mo 6,5; Mt 7,11; Joh 3,19; u.a.), muss umgewandelt werden. Wir sollen fortan prüfen, was der Wille Gottes ist und nicht handeln, wie die Welt handelt, denn sie vollbringt den Willen des Bösen (Eph 2,2). Dass die Welt böse ist, erklärt der Apostel im Römer 1. In der Gemeinschaft mit Gott unterweist uns seine Gnade im Heiligen Geist (Joh 14,26), um all das ergreifen zu können (Tit 2,12), die Grundlagen dazu werden im Römer 8 gelegt.

Vers 3

3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher <von sich> zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Mass des Glaubens zugeteilt hat.   Röm 12,3 

Vers 3

Dieser Vers enthält eine Kernaussage. Paulus weist vor der Enthüllung darauf hin, dass sie nicht seiner persönlichen Erfahrung entspringt, sondern von Gott kommt („Denn ich sage durch die Gnade…“). Paulus kann diese Aussage nur durch seine Stellung, die er von Gott erhalten hat, machen. Es ist wichtig, dass wir uns damit eingehend beschäftigen, verstehen, was damit gemeint ist und uns die Lehre daraus zu Herzen nehmen.

Die irdische Verwaltung Gottes, das Haus Gottes auf Erden funktioniert folgendermassen: Gott nimmt Menschen aus allen Völkern, wenn sie christusgläubig werden, in sein Haus auf. Das Haus Gottes im Neuen Testament besteht aus gläubigen Menschen, es ist nicht ein physisches Haus (Stiftshütte od. Tempel), wie im Alten Testament (1. Petr 4,17). Wir werden nicht nur in sein Haus aufgenommen (2. Tim 2,20), wir sind gleichzeitig sein Haus (1. Petr 2,5). Darüber hinaus werden wir in eine weitere Körperschaft eingegliedert, den Leib Christi (1. Kor 12, Rö 12,5).
Gott zeigt dem Christen in einer unmissverständlichen Veranschaulichung, dass er eine Funktion am und im Haus hat, wie auch im Leib Christi. Diese dreifache Illustration, diese so klare Darstellung der Funktion eines Christen – warum wird sie so oft ignoriert, so als ob Gott nie davon etwas gesagt hätte?

Jeder Christ bekommt einen von Gott angewiesenen Platz. Dieser Platz, das muss in der heutigen Zeit scharf betont werden, wird von Gott befohlen, nicht von Menschen. Sind wir uns einig, dass Gott den Menschen gemacht hat, seine Eignung dadurch am besten kennt und dazu der HERR ist, auch über sein Haus? Dann muss es ausser Frage stehen, ob Gott imstande ist eine Auswahl bei der Begabung zu treffen und ob er diese Auswahl als Oberster des Hauses oder Haupt des Leibes trifft oder nicht! Entscheidet das Haupt des Leibes Christi (Eph 5,23; Kol 1,18; Kol 2,19), also Christus selbst, über die Glieder oder entscheiden die Glieder selbständig über ihre Aufgaben? Eine absurde Frage, die leider in der heutigen Zeit gestellt werden muss.

Aus diesem Vers geht deutlich hervor, dass das Mass des Glaubens in verschieden grossen Paketen an die Christen verteilt wurde, so, wie auch die Funktion der Glieder sich voneinander unterscheiden (1. Kor 12,17 u.a.). An einem Haus, in einem Haus, sowie in einem Leib können die einzelnen Bestandteile bzw. Gefässe niemals die gleiche Funktion haben. Die Veranschaulichung mit dem Haus und dem Leib lässt absolut keine Zweifel offen! Ein Leib braucht Hände UND Füsse. Er braucht Arme UND Beine. Er braucht Augen UND Ohren. Genau so verhält es sich beim und im Haus. Ein Haus braucht Türen UND Fenster, im Haus braucht es verschiedene Gefässe, nicht nur genau gleich aussehende.

Kein Christ darf vom anderen denken, dass es seiner nicht bedarf, dass es beispielsweise den materiell armen Greis, der kaum noch richtig gehen kann, in der Gemeinde eigentlich nicht braucht. Ansonsten sieht man es als Last an, wenn man ihn im Krankenhaus besuchen „muss“. Man geht aus Pflichtgefühl hin und nicht im Wissen, dass er genauso einen Platz im Leib hat, wie man selbst und dass es ein Verlust ist, wenn dieser Platz durch den Krankenhausaufenthalt nicht besetzt ist. Mit der richtigen Sicht würde sich der Christ mehr nach den Menschen sehnen, die temporär fehlen und sie im Bedarfsfalle freudiger besuchen gehen.

Im Matthäusevangelium wird der Einsatz des Christen nach seiner Fähigkeit etabliert: Jeder Knecht Christi bekommt etwas zur Verwaltung nach seinen Fähigkeiten, nicht über seine Fähigkeiten hinaus und nicht darunter (Mt 25,15). Unsere Verschiedenartigkeit wird also nicht nur am und im Haus, bzw. im Leib berücksichtigt, sondern auch in der Verwaltung des Reiches.

In der Zusammenfassung müssen wir eingestehen, dass uns die Fähigkeiten von Gott in die Wiege gelegt wurden und wir als Christen angewiesen sind, eine ihnen entsprechende Aufgabe zu übernehmen. Wie müssen einen genau angewiesenen, noch freien und unserer durch Gott erfolgter Zurüstung entsprechenden Platz im Hause Gottes auskleiden. – Bleibt da ein Raum um sich zu rühmen übrig? Sollte ich mich als Ohr über die Hand erheben? Was nützt ein Leib, der zwar hören aber nicht handeln kann? Oder bin ich durch eigenen Verdienst zum Ohr geworden? Hat nicht Gott von Anfang an, wo ich noch nicht einmal gläubig war, mir die individuellen Fähigkeiten gegeben, nach denen er mir später, als ich zum Glauben kam, das dem entsprechende Talent (Geldbetrag, nach Mt 25,15) zur Verwaltung überreichte?

Wir sehen also, dass alles, was wir sind, durch Gott gewirkt ist. Wir haben keine Fähigkeiten selbst erschaffen oder erarbeitet, wir sind höchstens in der Lage, die Fähigkeiten auszubauen. Doch gegeben wurden sie von Gott: Jede Überhebung ist somit ausgeschlossen! Niemand soll, wie im Vers erwähnt, höher von sich denken, als es sich gebührt. Was wir sind, sind wir durch die Gnade des HERRN!

Verse 4-5

4 Denn wie wir in einem Leib viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit haben,  
5 so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber Glieder voneinander.   Röm 12,4-5 

Verse 4-5

Der Leib Christi auf Erden, welcher aus den Christen besteht, ist eine vielgenannte Wahrheit der Schrift. Sie wird nicht nur im Römerbrief erwähnt. Wir finden sie auch im Korinther-, Epheser- und Kolosserbrief (1. Kor 10,17; Eph 4,4; Kol 3,15). Die längsten Ausführungen darüber sind die bekannten Passagen im ersten Korintherbrief (12,12-31), bitte lesen Sie diese Verse, um die Zugehörigkeit und gleichzeitige Verschiedenartigkeit des Christen in der Gemeinde Gottes noch besser zu verstehen, sollten Sie sie noch nicht kennen.

Die Gemeinde Gottes funktioniert nicht wie ein weltlicher Verein. Im letzteren treffen sich eher Glieder mit derselben Begabung. In einem Turnverein findet man eher selten jemanden, der gelähmt ist. Meistens haben dort die Leute alle Freude an der Bewegung.
Da es in der Gemeinde Platz für jedermann hat – Christus ist für alle gestorben, nicht für eine bestimmte Personengruppe, - ist sie von Gott anders organisiert: Sie ist der Leib Christi, mit seinen vielfältigen Funktionen. Ein Leib ist sehr komplex, da findet sich für jede und jeden eine Tätigkeit. Wird nun jemand gläubig, wird er von Gott in den Leib Christi aufgenommen. Diese Aufnahme gilt für die universale und die örtliche Gemeinde.

Vielerorts ist es zwar gar nicht mehr möglich einen geistlichen Dienst (besonders in der Verkündigung) in der örtlichen Gemeinde ausführen zu dürfen, auch wenn einem ein solcher vom HERRN zugeteilt ist, da viele christliche Gemeinden eine Form der alttestamentlichen Priesterschaft eingeführt haben, ein unbiblisches System, welches theologische Akademiker von den sogenannten Laien trennt.

Trotz dieses traurigen Zustandes ist der Christ nicht von seinen vom HERRN übertragenen Aufgaben entbunden. Es gibt noch genügend offene Wege die vom Geist Christi ausgeteilten Gnadengaben im universalen, weltweiten Leib Christi effizient einzusetzen. Die Verkündigung des Evangeliums, Verbreitung der biblischen Lehre übers Internet, Gastfreundschaft, Hilfe an Bedürftigen, Besuche im Krankenhaus und Gefängnissen, usw. sind in unserem deutschen Sprachgebiet Tätigkeiten, welche nicht an Universitätsabschlüsse gebunden sind. Sie können frei ausgeübt werden. Die sozialen Hilfeleistungen werden sogar von der weltlichen Gemeinschaft positiv aufgenommen und geschätzt. – Lassen Sie sich vom HERRN in der täglichen Gemeinschaft mit ihm inspirieren und folgen Sie seiner Lehre und Anweisungen. Es wird sich auch für Sie ein Weg eröffnen! Amen.

Verse 6-8

6 Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns gegebenen Gnade<, so lasst sie uns gebrauchen>: es sei Weissagung, in der Entsprechung zum Glauben;  
7 es sei Dienst, im Dienen; es sei, der lehrt, in der Lehre;  
8 es sei, der ermahnt, in der Ermahnung; der mitteilt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiss; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.   Röm 12,6-8 

Vers 6

Wie im vorangegangenen Kommentar erwähnt, sind wir nicht von unseren Aufgaben entbunden, auch wenn sie in der örtlichen Gemeinde nicht ausgeführt und gelebt werden dürfen. Der HERR teilt den Christen Gnadengaben nach ihren natürlichen Fähigkeiten aus (Mt 25,15). Je mehr Kapazität jemand auf den Weg bekommen hat, desto mehr Anteile vom Reich bekommt er zur Verwaltung. Je weniger Fähigkeiten ein Christ hat, desto weniger muss er verwalten, damit es nicht zur Überforderung kommt. Im Gleichnis der Talente (Mt 25) kommt es nicht darauf an, wie viel am Ende herausschaut, es kommt darauf an, ob man das seine treu verwaltet hat oder nicht. Egal ob die Ausgangslage zwei oder fünf Talente waren, wer das Seine verdoppelt, bekommt den Lohn und die Anerkennung vom HERRN; da sind die talentierteren Christen keinesfalls bevorzugt. Wer jedoch mit dem anvertrauten Gut nichts unternimmt, wie der böse Knecht, wird getadelt und bestraft. Daher: Machen Sie etwas aus den anvertrauten Dingen. Setzen Sie ihre Fähigkeiten für das Reich ein. Suchen Sie nicht nach Dingen, die sie nicht haben, tun Sie das, was Sie gut können für den HERRN. Wer nicht kochen kann, muss nicht grosse Gastmähler anbieten, das tun solche, die gerne kochen und damit gerne Leute verwöhnen. Dafür kann die Person, die nicht kocht, anpacken, wenn Not am Mann ist oder Krankenbesuche machen, etc. – Wer nicht nach Ausreden sucht, und nicht zu hoch von sich denkt (V3) wird seine Arbeit finden.

Verse 7-8

Hier werden einige Dienste aufgezählt, die Aufzählung ist nicht abschliessend. Leider wird im Christentum oft eine Unterteilung bei den Diensten gemacht: die einen werden der Kategorie „geistlich“ zugeordnet und höher bewertet, andere der Kategorie „natürlich“ und gelten dadurch als minderwertig. Das sollte nicht so sein, liebe Brüder und Schwestern! – denn der HERR gibt eine himmlische Unterstützung zum natürlichen Talent. Wer nun weissagt (V6) spricht ja bekanntlich Worte. Diese Worte kommen durch das natürliche Talent, dem Sprechen, hervor. Der Inhalt ist geistlich, da in der Weissagung Wahrheiten ausgesprochen werden, die man von sich aus nicht weiss. So verhält es sich auch bei sogenannt normalen Hilfeleistungen. Wenn die Hilfeleistung geleistet wird, weil der Hilfeleistende dem Hilfesuchenden durch die Belehrung des Wortes Gottes Gutes tut – ist es nicht auch durch den Geist gewirkt? Sollte es dann weniger wert und nicht durch den HERRN gediehen sein? – Sicher nicht! Nicht umsonst heisst es:

Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen.   Mt 10,41 

Wie sollte ein Prophet wirken können, wenn ihm Unterkunft und Nahrung fehlt? Wenn Sie einen solchen unterstützen, im Namen des grössten Propheten, Christus, dann werden sie Mitarbeiter an dem ihm anvertrauten Projekt. Somit bekommen Sie auch Anteil an seinem Lohn. Das tönt jetzt hoch und erstrebenswert, da wir von Prophetie reden. Doch was ist mit dem zweiten Teil dieses Verses? Wenn Sie einen Gerechten in Christi Namen unterstützen, damit ist jeder gerecht gesprochene Mensch, ein Christ, gemeint, so werden Sie den Lohn eines Gerechten empfangen!

An dieser Stelle muss ich Menschen, die jammern, sie hätten doch gar keine Begabung, mit Nachdruck eines Besseren belehren! Kann es sein, dass sich solche mit Ausflüchten nur von der Verantwortung drücken wollen? Diese Frage kann nur jeder selbst für sich beantworten. – Lasst uns die Gnadengaben gebrauchen! Und lasst uns sie nach der Anweisung des HERRN gebrauchen!

Diese Verse beinhalten auch die Anleitung, wie die Gandengaben zu gebrauchen sind. Wer weissagt, soll es in der Entsprechung zum Glauben tun. Echte Weissagung ist von Gott und trifft immer zu 100% ein, im Gegensatz zu Horoskopen und sonstiger Scharlatanerie (5. Mo 18,21-22). Wenn nun jemand, der diese Gnadengabe hat, schon mehrmals richtig geweissagt hat, soll er immer in der gleichen Demut weitermachen und die Gabe, welche ihm auch Ansehen verleiht, nie dazu einsetzen, über seinen Glauben hinaus etwas zu behaupten. Das könnte fatale Folgen haben, wenn er sich durch eigene Gedanken bzw. Wünsche zu etwas hinreissen würde. Er könnte nach dem eigenen Sinn etwas weissagen, das im Anschluss nicht eintrifft. Er wäre dann als Lügenprophet entlarvt und müsste sich mit Schande „in die hintersten Reihen“ setzen. Hat jemand die Gabe Dienst empfangen, soll er dienen und nicht damit zurückhalten bzw. auf „prestigeträchtigere“ Gaben warten. Wenn jemand die Gabe der Lehre empfangen hat, soll er lehren. Er soll seine Zeit nicht mit anderen Dingen vergeuden. Das heisst nicht, dass er nicht evangelisieren gehen darf, doch er soll hauptsächlich das tun, was ihm gegeben ist. Sollte ihm das Lehren in der Gemeinde verwehrt sein, weil die Gemeinde auf menschliche Ordination achtet und ihm im Gegenzug eine andere Aufgabe anbietet, soll dieser Christ ablehnen und sich im Stillen seiner Aufgabe widmen. Ansonsten bleibt der persönliche Auftrag des HERRN unerledigt und wird nicht ausgeführt. Den HERRN würde es bei seiner Wiederkunft nicht beeindrucken, wenn ein nominierter Lehrer ihm erklären würde, die Menschen hätten ihm gewehrt, so habe er halt etwas anderes gemacht. – Und so geht es weiter mit allen Gnadengaben: Ermahner sollen ermahnen, damit es ihnen gut geht (Hes 3,18). Man soll die Tätigkeiten ausüben, die einem gegeben sind zu tun. – Das sei ja vollkommen logisch, mögen Sie jetzt vielleicht einwenden. Doch dazu muss ich leider entgegnen, dass es nicht so einleuchtend ist. Das habe ich an der eigenen Person erfahren. Ich habe meine Aufgabe, den Pfad des Lehrens, zweimal verlassen, das erste Mal durch meine Schüchternheit und dem mir damals mangelnden Selbstvertrauen. Ich redete mir seinerzeit ein, dass ich das doch nicht könne. Zum zweiten Mal kam es durch grossen Widerstand aus den eigenen Reihen, von Christen, welche Traditionen höher hielten als das Wort Gottes. Durch die mir selbst eingeredete Meinung, Gott würde mich im Hochhalten der Wahrheit zuwenig unterstützen, hatte ich den Kampf aufgegeben und mich zurückgezogen, bis mich Gott zum dritten Mal (!) auffordern musste, meine Arbeit endlich zu verrichten. – Jetzt endlich sitze ich da und schreibe Kommentare zu biblischen Büchern, um Menschen zu helfen, die Bibel besser zu verstehen.

Sie sehen, liebe Leserin und lieber Leser, dass es durch Charakterschwäche bzw. hohen Druck von aussen gut möglich ist, den Weg der Berufung zu verlassen und einen bequemeren zu gehen (Jer 26,21). Gehen Sie unbeirrt den Weg Gottes in Ihrem Leben! Das wird Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Leid und Zurechtbringung ersparen. Amen.

Vers 9

Die Liebe sei ungeheuchelt! Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten!  
Röm 12,9  

Vers 9

Wie bereits im Kommentar zum ersten Vers dieses Kapitels erwähnt, geht es darin um die praktische Anwendung der göttlichen Verordnungen, ihr Einsatz im täglichen Leben des Christen. In den vorangegangenen Versen ordnete der Heilige Geist den Dienst im Reich. An dieser Stelle beginnt er den Umgang mit dem Mitmenschen zu regeln. Er beginnt mit dem Umgang mit den Mitchristen, wendet sich im folgenden Kapitel zum Umgang mit denen aus den Nationen, um im Anschluss weitere Belehrungen für das Verhalten im Hause Gottes zu schenken. Es ist wirklich beeindruckend, wie der Geist keinen relevanten Gegenstand auslässt, um die Heiligen zuzurüsten für jedes gute Werk!

Allein über diesen Vers könnte man ein Buch schreiben, denn die Wahrheit darüber findet der Christ in der Welt nicht. Bekehrt sich nun ein Mensch zum HERRN, der bis anhin nur die weltlichen Massstäbe kannte, projiziert er falsche Werte in Verse wie diesen. Wenn ein Neubekehrter etwas von „Liebe“ liest, denkt er an die natürliche Liebe, die Liebe der Menschen. Freilich gibt es diese Liebe auch, wir finden sie beispielsweise im Timotheusbrief (2. Tim 3,3). Es gibt freundlichere Menschen in den Nationen und weniger liebenswürdige. Die einen haben mehr natürliche Liebe, andere weniger. Die junge Generation geht sehr freizügig mit diesem Ausdruck um, sehr schnell heisst es freundschaftlich: „Ich liebe dich!“ Diese berühmten drei Worte werden nicht nur von einem verliebten Paar ausgetauscht, sondern gehören heutzutage ganz normal in den Sprachgebrauch von zwei Freundinnen, Schulkollegen, usw. – auch in den sogenannten sozialen Netzwerken im Internet. Schon bei nur flüchtig bekannten Personen gibt es dort nur die Auswahl „ignorieren“ oder „als Freund hinzufügen“. Wir sehen, dass man in der Welt sehr schnell ein Freund ist. Ebenso schnell wird man da aber auch zum Feind. Beste Freunde können morgen zerstrittene Rivalen sein, beste Freundinnen können jäh Zickenkriege vom Zaun reissen. Da ändern sich die drei Worte „ich liebe dich“ oft zu ganz bösen Aussagen.

Dies alles zeigt uns, dass die natürliche menschliche Liebe nicht viel hergibt. Christus hat für die Gemeinde eine andere Liebe bereitgestellt: die göttliche Liebe. Die Bibel macht einen klaren Unterschied zwischen der natürlichen und der göttlichen Liebe. Sie verwendet verschiedene Wörter für Liebe, um die göttliche von der natürlichen zu trennen. In diesem Vers, wie in den meisten im Neuen Testament, ist die göttliche Liebe gemeint. Die göttliche Liebe wird im 1. Korintherbrief umschrieben (Kap 13). Wenn sie dieses Kapitel gelesen haben werden Sie mir beipflichten, dass Neulinge erfassen müssen, dass eine ganz andere Liebe in der Gemeinde regieren soll, als die bisher in der Welt erfahrene. Die Liebe der Welt ist trügerisch, die göttliche ist rein.

Aufgrund dieses Verses sind wir angehalten, uns zu prüfen, wie wir die Geschwister lieben. Lieben wir sie nur so, wie wir damals unsere weltlichen Kollegen auf dieser trügerischen Basis geliebt haben oder empfinden wir eine ungeheuchelte Liebe zu ihnen? Ist unsere Liebe zu ihnen langmütig, gütig und neidet nicht? Rechnet sie böses nicht zu und bläht sie sich nicht auf? Freut sie sich nicht über Ungerechtigkeit und freut sie sich über die Wahrheit? – Messen Sie ihre Liebe an der Beschreibung der göttlichen Liebe im 1. Korintherbrief (Kap 13)! – Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Diese Liebe wird im Hause Gottes verlangt! Amen.

Im zweiten Teil des Verses heisst es, wir sollen das Böse verabscheuen und am Guten festhalten. Das ist wieder ein hochaktuelles Thema, worüber man Bücher schreiben könnte! Was ist böse und was ist gut? Was ist Wahrheit (Joh 18,38) und was ist Lüge? – Wie sollte man das im Tohuwabohu der weltlichen Philosophie noch erkennen? Mit welchem Mass misst die Welt, wenn ein Totschläger oder Vergewaltiger beinahe sanfter angefasst wird wie jemand, der ein Verkehrsdelikt begangen hat? Wie soll man als guter Mitarbeiter in einem Betrieb Gut und Böse einordnen, wenn man wegen eines querulierenden Teammitgliedes die Qualifikation „nicht teamfähig“ erhält, weil man das ständige Ausscheren des betreffenden nicht akzeptiert? Deshalb grade vorneweg: Die menschliche Philosophie „Humanismus“ hat gar nichts mit der Nächstenliebe Gottes gemein. Als Humanist werden Sie „Richtig“ nicht von „Falsch“ in der göttlichen Art unterscheiden können. Denn der Humanist und der Mensch allgemein sind auf dem besten Weg, das Böse gut zu nennen und das Gute böse. Nicht umsonst, weil solches nie eintreffen könnte, gibt Gott eine ernsthafte Warnung dazu ab:

Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süssem machen und Süsses zu Bitterem!   Jes 5,20

Böse ist Heuchelei! Oft wird geheuchelt in der Welt, gutes Tun wird vorgespielt, um eigene Interessen durchzusetzen! So soll es in der Gemeinde nicht zu- und hergehen. Die Gemeinde ist ein Ort der Vorherrschaft der Wahrheit. Gerades soll gerade genannt werden und Krummes krumm. Amen.

Verse 10-11

10 In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend;  
11 im Fleiss nicht säumig, brennend im Geist; dem Herrn dienend.   Röm 12,10-11  

Vers 10

Die geschwisterliche Liebe soll herzlich sein. Eine herzliche Liebe ist ohne Neid, auch Brüdern und Schwestern gegenüber, denen es gesundheitlich und materiell besser geht als einem selber. Menschen, die man echt lieb hat, gönnt man nur Gutes, sogar dann, wenn ihr Wohlergehen uns allfällig etwas kostet. Eine solche Liebe kann niemand von der Welt fordern, da sie nicht vorhanden ist. Vom Christen kann sie aber gefordert werden, weil die göttliche Natur in ihm wohnt.

Der zweite Teil dieses Verses wird in einer anderen Übersetzung mit „einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor“ übersetzt. – Die christliche Haltung Brüder und Schwestern gegenüber soll weit höher sein, als sie die Welt ihresgleichen geben kann. Wir haben Gottes Natur in uns, die uns in der Gemeinschaft mit ihm zu solchen moralischen Grosstaten führt. Wie Gottes Natur liebevoll und langmütig ist, sollten wir das in der Beziehung zu Mitgeschwistern reflektieren können. – Wenn das nicht geht, schöpfen wir nicht aus dessen Kraft und handeln nach unserer Natur so, wie die Welt handelt.

Vers 11

Zum Fleiss muss ich wohl nicht allzu viel schreiben: Jedem Menschen leuchtet ein, dass an einem wichtigen Projekt nicht nachlässig gearbeitet werden darf. Ansonsten wird es nie fertig. Im Weiteren deutet die Arbeitshaltung auch auf das Interesse des Betreffenden hin. Wer kein Interesse am Reich hat, wird auch nicht fleissig daran arbeiten.

Im Geist brennt jemand, der viel Gemeinschaft mit dem HERRN hat. Wir sind ja bekanntlich Gefässe (2. Kor 4,7), welche die ehrenvolle Aufgabe haben, den HERRN zu beinhalten. Je geistlicher wir durch den Glauben und die Gemeinschaft mit dem HERRN sind, desto voller und übersprudelnder ist unser Gefäss (Joh 7,38; Apg 7,55). Dieses „übersprudelnd Sein“ kann man auch als „brennend im Geist Sein“ betrachten. Letzteres beleuchtet den Aspekt, voller geistlichen Antriebes sein, etwas Aktives also, noch besser als das „übersprudelnd Sein“, welches mehr den passiven, jedoch ebenso herrlichen Aspekt eines Christen beleuchtet.

Kommen wir zum dritten Teil dieses Verses, zu „dem HERR dienend“. Überlegen Sie sich bitte mal kurz, was Sie von einem Diener des HERRN erwarten. Was würden Sie von Paulus erwarten, wenn er noch unter uns wäre? Wären Sie enttäuscht von ihm, wenn er nach 19.30 Uhr die Beine hoch lagern und die Glotze (den Fernseher) anknipsen würde? Würden Sie ihm dann nicht vorwerfen, er würde ab bestimmten Zeiten selbst über sich bestimmen und vielleicht gar noch weiter kritisieren, dass ein solches Gebaren einem solchen Diener wie ihm einfach nicht passend wäre? – Wenn das so ist, bedenken Sie bitte, dass Paulus nicht ein Übermensch war. Paulus forderte stets seine Zuhörer auf, so zu werden wie er (Phil 3,17; 4,9; 1. Kor 4,16; 1. Thess 1,6). Was er damals von seinen Zuhörern erwartete, ist heute noch ebenso aktuell! Denn er erwartete es, weil er seinen HERRN kannte, nicht aus Eigennutz. Dieser HERR ist heute immer noch derselbe, somit hat sich an der Definition „dem HERR dienend“ nichts geändert. Amen.

Vers 12

In Hoffnung freut euch; in Bedrängnis harrt aus; im Gebet haltet an;   Röm 12,12  

Vers 12

Wir sollen uns in Hoffnung freuen, Emotionen haben. Wer freut sich denn nicht in Hoffnung? – Obschon dies ganz natürlich klingt, muss es erwähnt werden: Es gibt nämlich Christen, die durch viele Verfolgungen gingen und Verleumdungen erdulden mussten. Einige davon versuchen in der Folge ihre Gefühle abzustellen, um so die Leiden zu lindern und fristen ein Leben in einer Gefühlswüste. Am Ende sind sie total emotionslos, stunden, wie gesagt, ein Leben wie Zombies – entschuldigen Sie bitte diesen Ausdruck. Ich verwende ihn nicht herabwürdigend – Christen die leiden, tragen oft sehr viel – er umschreibt aber ziemlich passend einen gefühlslosen Menschen.

Obschon das Ausschalten der Gefühle subjektiv die Leiden lindert, bringt es tatsächlich gesehen mehr Schmerzen hinzu. Jemand der keine Gefühle mehr hat, kann auch nicht mehr lieben, sich freuen und hoffen. Er sieht nur noch eine Besserung seiner Umstände in der Wiederkunft des HERRN und hat entschieden, bis dorthin nichts mehr zu tun. – Eine solche Haltung kann dem Menschen sehr, sehr schaden. Die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen, wird ihn in eine Isolation gegenüber seinen eigenen Leuten und Gott führen. Sein Gebetsleben wird einfrieren, weil bei ihm die Hoffnung auf Erhörungen in der Zeit vor Christi Wiederkunft verschwunden ist. Seine von Gott übertragenen Aufgaben wird er in der Gleichgültigkeit nicht mehr richtig anpacken und ausführen. Er wird in einen Stillstand kommen, welcher in ernsthaften Depressionen und nicht zuletzt Panikattacken enden kann. So sehr kann die Seele des Menschen erkranken, wenn sie nicht mehr gepflegt wird. Deshalb spricht die Bibel von Emotionen. Sie sollen nicht niedergehalten werden! Wir haben viele Gründe, Emotionen zu haben und zu zeigen. Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, welches auch Gefühle enthält, wie er selbst Gefühle hat. So wie Jesus Gefühle hatte und zeigte (Mk 3,5; 10,14; Lk 7,13; 19,41; Joh 11,33; 11,35), sollen wir tun!

Weiter heisst es, dass wir in Bedrängnis ausharren sollen. Die Betrübnis der Welt bringt ihr und den ihren den Tod, die Betrübnis nach Gottes Sinn, jene der Christen, bringt Busse hervor, Gutes also (2. Kor 7,10). Nicht umsonst steht geschrieben, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken (Rö 8,28)“, also auch die Bedrängnis. So lasst uns darin ausharren und für einen Ausgang beten, indem wir glauben, dass Gott seinen Arm auch heute noch bewegt für die Bitten der Heiligen. Lasst uns nicht, wie im oberen Abschnitt beschrieben, einen selbst gewählten Weg einer oberflächlichen Linderung beschreiten, welcher sich aber im Nachhinein als sehr zerstörerisch erweist.

Wir sollen im Gebet anhalten, heisst es am Ende dieses Verses. Wissen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dass dies sehr oft im Neuen Testament gemahnt wird, nicht nur an dieser Stelle? Das ist eine Aussage, auf die der HERR grossen Wert legt! Allezeit zu beten ist nicht einfach eine persönliche Empfehlung des Paulus, es sind die Worte des Allmächtigen! Jesus spricht: „Wacht und betet zu aller Zeit… (Lk 21,36)! Jesus ermahnt uns dazu in Bildern (Gleichnissen), aber auch gerade heraus. In der erwähnten Stelle sagt er es gerade heraus, im Gleichnis vom ungerechten Richter (Lk 18) in Bildsprache. Die Notwendigkeit des Betens wird immer wieder erwähnt, wir sehen, dass es ein elementar wichtiges Thema ist (Mt 26,41; Eph 6,18; Kol 4,2; 1. Thess 5,17). „Im Gebet haltet an!“ Amen.

Vers 13

an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet!   Röm 12,13  

Vers 13

Christus fügt die Heiligen (Eph 2,19), das sind alle neugeborenen Menschen (Joh 3,3), in eine enge Beziehung zueinander. Er fügt sie in den Leib Christi, der nur schon bildlich sehr schön aufzeigt, dass alle aufeinander angewiesen sind. – Was ist ein Leib, wenn nur schon das kleinste Glied daran fehlt? Er ist verstümmelt! – Im Weiteren wissen wir, dass es normal ist, für die Seinen zu sorgen. Das ist schon selbstverständlich bei den Ungläubigen! Deshalb spricht Paulus in seinen Anweisungen an Timotheus, dass Gläubige, die für ihre Leute nicht aufkommen, schlimmer seien als Ungläubige (1. Tim 5,8). Entziehen Sie Ihre Hilfe nicht denen, die sie nötig haben (Spr 3,28).

An dieser Stelle muss aber auch gesagt werden, dass es heutzutage – sogar in den eigenen Reihen – so skrupellose Menschen gibt, die im Wissen, dass Christen den Auftrag haben zu helfen, diesen Umstand voll ausnutzen. Sie geben Armut vor, ohne arm zu sein; sie geben Bedürftigkeit vor, weil sie faul sind. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, um ihre Forderung zu unterstreichen: Manchmal werden sogar Tränen herausgedrückt oder mit selbstgebastelten Täuschungen Lügen untermalt. – Seien Sie sicher im Auftrag Christi: Jesus verlangt nicht, dass grundsätzlich jeder und jedem geholfen werden muss. Solange es möglich ist, sollen alle für sich selbst sorgen (2. Thess 3,10). Wer arbeiten kann und es nicht tut, soll nicht essen! Das ist ein Gebot! Solchen zu helfen wäre sogar eine Übertretung!

Egal, von welcher Seite sich ein neuer Umstand zeigt, besprechen Sie ihn mit dem HERRN (Ps 37,5). Trennen Sie sich nie von ihm (Joh 15,5), ansonsten ist es ein Leichtes, Sie zu täuschen. Sogar Josua, der Anführer Israels, liess sich „über den Tisch ziehen“ und ging einer List auf den Leim (Jos 9). Und lassen Sie sich nicht durch Schmarotzer vom Helfen abbringen, indem Sie Ihre Untätigkeit mit den Worten entschuldigen, dass die Hilfe sowieso den Falschen erreichen würde. Mit dem HERRN koordinierte Hilfe ist effizient und erreicht die Menschen, die der Hilfe würdig sind (Lk 4,25-27; 1. Tim 5,9-16).

Der zweite Teil des Verses zielt auf die Gemeinschaft ab. Die Körperschaft des HERRN soll fröhlich und der Austausch rege sein, sowie das soziale Leben betriebsam. Der Leib Christi darf nicht, bildhaft gesprochen, verstümmelt bzw. regungslos herumliegen. Er soll sich selbstbewusst, fröhlich und gütig zeigen, nach Christi Anweisungen, welcher das Haupt des Leibes ist (Kol 1,18). Gut funktionierende soziale Kontakte können wir nur pflegen, wenn die Gemeinschaft untereinander umsorgt bleibt. Richten Sie daher ihr Leben nicht in egozentrischer Weise nach eigenen Freizeitbeschäftigungen aus, richten Sie es so aus, dass die Gemeinschaft mit Geschwistern Platz einnehmen kann.

Vers 14

Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht!   Röm 12,14  

Vers 14

Wieso sollten wir unsere Feinde segnen, wieso solchen, die uns verfolgen und das Leben am Arbeitsplatz zur Hölle machen, nicht fluchen? Warum – denken wir an extreme Fälle – Mördern, die sich an unseren Leuten vergreifen, nicht Qualen, Tod und Hölle wünschen? Liegt es denn nicht in der Natur des Menschen, dass er sich Gerechtigkeit wünscht, eine Gerechtigkeit, wie sie im Gesetz war: Wenn Dir jemand das Auge zerstört, sollst du seines zerstören. Gott gab sogar den Nationen ein Gesetz zur Zeit Noahs ab, welches den Tod von Mördern forderte (1. Mo 9,6). Zahn um Zahn, d.h. dass jemand, der einen anderen umbrachte, genau so getötet werden musste. Das ist doch Gerechtigkeit! Jemand löscht das Leben eines Menschen aus, so muss er seins auch lassen, so einfach und gerecht ist das.

Dieser Vers fordert aber etwas ganz anderes! Dieser Vers fordert nicht nur die Verschonung böser Menschen, er fordert gar ihre Segnung! Das ist mit unserem Gerechtigkeitssinn, den wir doch auch von Gott haben, völlig nicht im Einklang! Lässt Gott jetzt doch die Fünf gerade sein und kümmert er sich nicht mehr um völlige Gerechtigkeit? Erbarmt er sich jetzt auch über unbussfertige Menschen und kommen alle „in den Himmel“?

Die Antwort auf diese beiden Fragen ist ein klares Nein! Gott ist kein ungerechter Allversöhner! Er ist und bleibt gerecht und versöhnt nur bussfertige Menschen! Auch wenn dieser vierzehnte Vers anfänglich solche Fragen aufwirft, wird die Gerechtigkeit am Ende nicht verletzt.

Doch betrachten wir die Anweisung diesbezüglich aus der Bergpredigt, der Verfassung des Reiches der Himmel, die für uns Christen Gültigkeit hat. Jesus Christus spricht:

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen,  
45 damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.  
46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?
47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüsst, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe?
48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.   Mt 5,44-48 

Die Worte des HERRN lassen schon Klarheit aufkommen. Zusammen mit den dem Vers 14 folgenden Versen in diesem Kapitel 12 des Römerbriefes sollten wir ein vollständiges Bild erhalten. Betrachten wir zuvor kurz die Verse aus der Bergpredigt. In der Bergpredigt sind die moralischen Forderungen viel höher wie im Alten Testament. Der Ehebruch musste im Alten Testament (AT) vollzogen sein, um als Straftat zu gelten, im Neuen Testament (NT) genügt nur schon der Gedanke daran. Im Alten Testament durfte man die Feinde hassen, was auch dem natürlichen Empfinden entspricht. Im Neuen Testament wird aber mehr abverlangt: Wir sollen mit den Feinden gut umgehen, so, wie Gott es im Moment tut. Das untermauert der Vers 48 (Mt 5,48). So drücken wir den vollkommenen Charakter Gottes aus, denn er handelt im Moment so mit den Weltmenschen.

Wie gesagt, drückte das Gesetz im AT den Charakter Gottes nicht auf diese Art aus, wie das NT, welches einen viel höheren moralischen Standard fordert. Das Neue Testament ist die Zeit der Geduld Gottes. Gott ist sehr langmütig und gibt Zeit, sich auf der Welt zurechtzufinden, sich selbst zu erkennen (die eigene Sündhaftigkeit und Schuld), den Sinn des Lebens und somit den wahren Schöpfer zu finden. Auch wenn der Mensch lange Zeit seines Lebens im Irrtum vergeudet, gibt der HERR immer wieder Chancen, ihn zu erkennen. Gott nimmt das Zeugnis der Schöpfung nicht weg und überlässt den Menschen auch dem eigenen Gewissen, das ihn anklagt.

Solange der Mensch nun im Irrtum wandelt, ist er Gottes Feind, stellt sich gegen ihn und die seinen. Da Gott nun aber noch zögert, seine Feinde zu vernichten, ja, sie sogar mit Sonne und Regen segnet, sollen wir ihm gleich tun. Wir sollen Gottes Charakterzug, seine Geduld, offenbaren. Tut uns nun jemand etwas Böses an und gibt sich so als unser Feind, sollen wir ihm nicht gleich tun, weil es Gott im Moment auch nicht tut. Wir sollen ihm zu erkennen geben, dass Gott und seine Mitarbeiter den Menschen die Hände entgegenstrecken, ob sie nun böse oder sehr böse sind. Alle haben gesündigt und den Tod verdient, doch Gott gibt der Menschheit eine Chance, umzukehren. Diese Chance dauert weiter an, bis zur Wiederkunft Christi.

Wir geben so den Menschen durch unsere Sanftmut eine weitere Chance, ihr Leben zu überdenken. Die Weltmenschen werden sich fragen, was das für Leute sind, die auf einen Angriff hin nicht zurückschlagen. Die einen werden vielleicht durch die Reaktion der Christen beschämt über ihr eigenes fehlbares Verhalten und können für den HERRN gewonnen werden.

Würden wir ihnen fluchen, repräsentierten wir den HERRN falsch. Der HERR gab uns auch mehrere Möglichkeiten zur Umkehr, auch wenn wir am Anfang Feinde Gottes waren, wie jene es sind. Wir sollen ihnen tun, wie Gott uns tat: Obgleich wir ihm vor unserer Bekehrung feind waren, segnete er uns reichlich, so sehr, dass wir am Ende, völlig unverdient, das Heil Gottes erfassen durften.

Mögen in dieser Zeit noch viele Menschen zum HERRN finden, denn nach deren Ablauf kommt das gerechte Gericht. Die Gnade ist dann vorbei, so dass der Herr Jesus in Bezug auf seine Leiden über die Unbussfertigen rhetorisch fragt: „Denn wenn man dies tut an dem grünen Holz, was wird an dem dürren geschehen (Lk 23,31)?“ Wenn schon so viele Leiden den Gerechten widerfahren, was wird mit einem Gottlosen geschehen?

Vers 15

Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden!   Röm 12,15  

Vers 15

Wie wir durch die vorausgegangenen Verse wissen, sind wir ein Bestandteil des Leibes Christi, welcher aus vielen Gliedern besteht. Anhand dieser Veranschaulichung ist klar, dass mit diesem Bewusstsein es unmöglich sein kann, teilnahmslos die Schicksale unserer Geschwister an uns vorüberziehen zu lassen! – Und wenn es bei jemandem trotzdem der Fall ist, muss man davon ausgehen, dass er von der Wirklichkeit und der Regelung des praktischen Christenlebens nichts weiss, bzw. nichts wissen will.

Es gibt leider Christen, und nicht wenige, auch solche in der Leiterschaft, die sich lieber in die weltliche Gemeinschaft einfügen, als sich als Teil des Leibes Christi zu identifizieren. Das ist keine unbegründete Anschuldigung meinerseits; der HERR nimmt dieses Thema deutlich im Matthäusevangelium auf und warnt ausdrücklich vor solcher Haltung:

45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit?  
46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!
47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.  
48 Wenn aber jener <als> böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten,  
49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen,  
50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiss,  
51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.   Mt 24,45-51  

Dieses Gleichnis ist deutlich an die christlichen Leiter adressiert, doch es gibt auch Christen ohne Leitungsfunktionen, die gerne ihre Freizeit mit Menschen aus der Welt verbringen. Damit prangere ich nicht das Zeitverbringen mit Weltmenschen zu ihrer Gewinnung an, sondern das Bedürfnis, die Ungläubigen in der Wahl zur Freizeitgestaltung vor die Gemeinde zu stellen.

Sollten Sie, liebe Leserin und Leser diesen Drang innerlich verspüren, führen Sie sich die ernsthaften Worte der inspirierten Heiligen Schrift zu Gemüte:

11 Unser Mund hat sich euch gegenüber geöffnet, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden.
12 Ihr seid nicht beengt in uns, sondern ihr seid beengt in euren <eigenen> Herzen.  
13 Gleicherweise zur Belohnung aber – ich rede wie zu Kindern – werdet auch ihr weit!  
14 Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis?  
15 Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?  
16 Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.«  
17 Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab! spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen  
18 und werde euch Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.   2.Kor 6,11-18  

Wer Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit, sowie Licht und Finsternis als gleichwertig betrachtet, soll wissen, dass er auf dem Holzweg ist.

Die Christen, die sich bewusst in den Leib Christi integrieren, die Wahl ihrer Brüder und Schwestern dem HERRN überlassen und nicht den eigenen Bedürfnissen, werden eins sein können mit den Gliedern des Leibes. Für sie wird das „mit den Freuenden Freude haben“ kein Fremdwort sein. Und sollte es auch Leid geben, werden sie sich der Anteilnahme nicht entziehen. – Entziehen wir uns auch in diesem Punkt nicht der Ermahnung des Wortes, liebe Leserinnen und Leser! Nur Dummheit lässt die Zucht aussen vor (Spr 12,1)! Amen.

Vers 16

Seid gleichgesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den Niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst!   Röm 12,16  

Vers 16

Der Anfang dieses Verses, wir sollen gegeneinander gleichgesinnt sein, knüpft an die Hintergründe des vorangegangenen Verses. Wie wir durch die Einheit des Leibes die gegenseitigen Bedürfnisse mittragen sollen, gehört es sich gegeneinander gleichgesinnt sein. Es geht in erster Linie in den Leben der Christen um den Auftrag in Christus (2. Tim 2,4). Erst danach sollten die individuellen Bedürfnisse Platz finden. In einer militärischen Einheit geht es auch in erster Linie um den Auftrag (2. Tim 2,4), erst in zweiter Priorität kommen das individuelle Ausschmücken und die persönlichen Auslegeordnung am Schlafplatz des Einzelnen.

Dass diese Prioritätenfolge in der Christenheit vertauscht wird, ist nichts Neues. Das kam schon „in den besten Familien“ vor, auch im Überrest Israels. Wir können das im AT nachlesen, wo die Rückkehrer den körperschaftlichen Auftrag hinter den persönlichen stellten. Sie kümmerten sich mehr um ihr eigenes Wohl anstelle desjenigen Gottes und des körperschaftlichen (Hagg 1,9). – Es verwundert einen nicht, dass die Gemeinde zusammenhaltlos vor sich hin dümpelt, wenn die Gedanken der einzelnen Glieder um sich selbst kreisen. Die Gemeinde gleicht dann einem orientierungslosen Haufen, welcher sich kraftlos, ja, fast hobbymässig trifft. Sie beteuert zwar nach wie vor auf ein Ziel hin zu laufen, die Handlungen der Glieder zeugen aber vom Gegenteil.

Obwohl unser Auftrag königlicher Natur ist, sollen wir im Weiteren nicht auf hohe Dinge sinnen und uns zu den Niedrigen halten. – Weshalb das? Haben wir nicht Grund, da wir zum Höchsten gehören, auf Hohes zu sinnen? – Die Antwort darauf ist, menschlich gesehen: Nein. Geistlich gesehen ist das Hohe schon da – und es wird oft wenig wert geschätzt. Wir kennen die Verse im Epheserbrief, die vom Hohen zeugen und doch selten bei uns Glücksgefühle auslösen (Eph 1,3-4).

Leider tendieren wir Christen dazu, weltlich Hohes zu erreichen. Dabei sollten wir aber wissen, dass das, was in der Welt als hoch gilt, ein Greuel ist vor Gott (Lk 16,15). Sehen Sie auf die Elite der Welt in Politik, Wirtschaft und Unterhaltung! Wird dort Gott geehrt oder finden dort der Atheismus, die Gier, der Ehebruch und die Unzucht ihre Blüte? Urteilen Sie selbst, liebe Leserinnen und Leser!

Gut, nun sagen Sie sich vielleicht, dass Sie nicht auf das weltlich Hohe sinnen, sondern auf die Macht- und Wunderwirkungen des Geistes Gottes. Das ist doch ein legitimes Trachten nach Hohem? – Lesen wir dazu eine Stelle aus der Bibel:

Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind!   Lk 10,20  

Stellen Sie sich mal vor, dass auf ein Wort von Ihnen jemand geheilt wird! Wäre das nicht sensationell? Ist das nicht erstrebenswert? Also, wenn ich ehrlich bin, hätte ich diese Gabe auch gerne, vielleicht noch lieber als die der Lehre, welche ich vom HERRN bekommen habe, denn sie würde mir anstelle von fleischlichem Widerstand, Ehre und Anerkennung bringen. Damit würde mir sogar der ärgste Widersacher Achtung zollen, wenn ich seine todkranke Frau mit einem Machtwort heilen könnte!

Der HERR belehrt die Jünger im obenstehenden Vers aus dem Lukasevangelium über einen grossen Unterschied. Es ist nicht gleich zu werten, eine besondere Fähigkeit zu haben, wie wenn der eigene Name in den Himmeln steht. Letzteres ist viel wichtiger: Was nützt es Berge zu versetzen, wenn die Endstation „Hölle“ oder „Feuersee“ heisst? Wir sollen uns sicher sein: Die Errettung von unseren Sünden und die Sohnschaft in Jesus Christus ist auf der Werteskala meilenweit höher angesiedelt als die Macht über Krankheit und Dämonen.

Zum letzten Teil des Verses, wir sollen nicht klug bei uns selbst sein, gibt es eindrückliche Beispiele. Nehmen wir dazu den weisesten Mann auf Erden: Salomo. Gott selbst gibt ihm Zeugnis:

siehe, so tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, so dass es vor dir keinen wie dich gegeben hat und nach dir keiner wie du aufstehen wird.   1.Kön 3,12  

Seine Weisheit war nicht wie einfach irgendeine grosse, sie war grösser als jede die vor ihm war und nach ihm sein sollte:

9 Und Gott gab Salomo Weisheit und sehr grosse Einsicht und Weite des Herzens wie der Sand am Ufer des Meeres.  
10 Die Weisheit Salomos war grösser als die Weisheit aller Söhne des Ostens und als alle Weisheit Ägyptens.  
11 Und er war weiser als alle Menschen, als Etan, der Esrachiter, und Heman und Kalkol und Darda, die Söhne Mahols. Und sein Name war <berühmt> unter allen Nationen ringsum.   1.Kön 5,9-11  

Wie wir wissen, folgte Salomo nicht in allen Dingen Gottes Worten nach. Er nahm sich viele Frauen (1. Kö 11,3), obwohl Gott gesagt hatte, dass wenige ausreichen sollten (5. Mo 17,17). Dazu waren viele Ausländerinnen, von denen Gott ebenfalls gesagt hatte, dass sich Israel nicht mit ihnen vermischen sollte (Jos 23,12). Salomo häufte sich im Weiteren übermässig Reichtümer auf und führte Handel mit Ägypten (5. Mo 17,16). All diese Dinge waren – trotz seiner Weisheit, die alles in den Schatten stellte – Übertretungen des Wortes Gottes, welche nicht folgenlos blieben. Am Ende trat genau das ein, wovor das Wort warnte: Die vielen Frauen neigten sein Herz zu ihren Göttern hin. Salomo wich so vom geraden Weg ab, diente anderen Göttern und führte durch seine Gottlosigkeiten die Reichsteilung herbei (1. Kö 11,9-11). Sein Leben, dass so schön angefangen hatte, endete in einer Katastrophe! Er ging als Götzendiener in die ewige Geschichte ein!

Wir sehen, dass wir, auch wenn wir die Umgebung durch weise Entscheidungen erstaunen, uns nicht durch eigene Klugheit vor verderblichen Wegen schützen können. Wer vom Weg der Nachfolge abweicht und dabei denkt, seine Klugheit wird ihm weiterhelfen, ist schon verloren. Auch dann, wenn ihn Gott reichlich mit weltlichem Gut gesegnet hat. – Für den Menschen ist es übrigens besser, nicht übermässig viel zu besitzen, weil sonst die Gefahr gross ist, auf den Besitz zu vertrauen (Spr 11,28). Auch ist es so, dass sich Reiche als weise einschätzen; sie reden sich ein, sie wären durch eigene Klugheit an diesen Punkt gelangt (Spr 28,11).

Seien wir nicht klug bei uns selbst, liebe Leserinnen und Leser! Lasst uns in der Furcht des HERRN vorangehen! Amen.

Vers 17

Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen!   Röm 12,17  

Vers 17

Dieser Vers knüpft inhaltlich an den vierzehnten, welcher aussagt, wir sollen unsere Feinde segnen. Im Kommentar zu jenem Vers habe ich geschrieben, dass mit den nachfolgenden Versen das Bild der Feindesliebe vervollständigt wird. Damit zielte ich auf diesen Vers ab. Durch den vierzehnten Vers wurde das Bild der Feindesliebe angefangen, mit diesem wird es ergänzt. Er sagt aus, dass wir selbst bei vollbrachter Bosheit nicht mit Bosheit zurückschlagen sollen.

Es mag vielleicht noch gehen, für Personen zu beten, die uns nicht freundlich gesinnt sind, solange ein „Sicherheitsabstand“ vorhanden ist, doch was tun wir, wenn der Feind uns erreicht und seine Bosheit uns antastet? Wird das Mass der Güte eines Christen nicht völlig überstrapaziert? Rechtfertigt die vollendete Bosheit nicht einen Vergeltungsschlag? Sicher! – menschlich gesehen; da stimme ich völlig zu, denn aus menschlicher Sicht und ohne die Kraft aus Gottes Quellen zu schöpfen, hat die Person, die mir Böses antut, obschon ich einfach arglos und in Frieden mein Dasein führte, von mir aus nichts anderes verdient, als dass es zurück auf ihren Kopf fällt! – Auch wenn dieses natürliche Gefühl der Gerechtigkeit vom Geist des Humanismus teilweise verleugnet wird, entspricht es dem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden eines Menschen. Wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind, werden Sie mir spätestens zustimmen, wenn jemand aus Spass und Langeweile ihr Kind tötet. Dann werden Sie nach dem natürlichen Empfinden der oder die Erste sein wollen, der oder die den Schalter für den elektrischen Stuhl, zum Tod des vorsätzlichen Mörders, ohne Gnade einrasten lässt.

Um diesen Vers erfassen zu können, müssen wir – wie so oft – die Sicht für das Gesamtbild erhalten und den Blick von uns selbst abwenden. Dazu will ich etwas vorgreifen: Setzen Sie einmal die Verse 14, 17 und 19 aneinander. Der Inhalt ist: Segnet die Feinde! Vergeltet Böses nicht mit Bösem! Die Rache ist des HERRN (V19)! Die Aussage aus den drei Versen ist, dass wir uns in einer bestimmten Weise zu verhalten haben, uns nicht selbst gehören und Gott unsere Gerechtigkeit ist bzw. sein wird (Ps 4,2; 65,6). Im NT haben wir die Anweisung, Gott nach den Inhalten der Bergpredigt, nicht nach dem Gesetz des Mose, zu repräsentieren (Mt 5,45 und 48). Es geht jetzt darum, den Menschen Gottes Charakterzug der Gnade und Langmut zu zeigen. Diesen Auftrag haben wir bis zur Wiederkunft Christi. So ist es uns nicht gegeben, das Gebot des HERRN zu übertreten und in eigener Sache zu handeln und uns zum Beispiel für eine Ungerechtigkeit zu rächen. Rächen wir uns trotzdem selbst, übertreten wir die Anweisung aus der Bergpredigt und legen unseren Unglauben an Gottes Gerechtigkeit offen dar. Wir zeigen damit offensichtlich, dass wir nicht daran glauben, dass der Übeltäter seinen gerechten Lohn erhalten wird, obschon geschrieben steht:

Die Hand darauf! Der Böse bleibt nicht ungestraft; aber die Nachkommen der Gerechten entrinnen.   Spr 11,21  

Sie dürfen dem HERRN glauben, er wird alles so ausrichten, wie es geschrieben steht. Bis heute ist kein Wort von ihm auf den Boden gefallen, wieso sollte fortan sein Wort hinfällig werden? – Es ist wichtig, dass wir unseren Willen hinter denjenigen Gottes stellen. Wenn er sagt, dass die Rache sein ist, sollen wir sie ihm auch überlassen und glauben, dass es im Gericht völlig gerecht ablaufen wird.
Da Gott jetzt aber will, dass möglichst viele Menschen gerettet werden, hat er in seiner Langmut das Gericht und die Gerechtigkeit zeitlich nach hinten verschoben. Das weltliche Sprichwort, „Gott straft sofort“, trifft momentan überhaupt nicht zu. Das Gericht liegt in der nahen Zukunft, es findet bei den Lebenden unmittelbar nach der Offenbarung Christi statt. Sein Gericht wird gerecht sein (Joh 5,30), gerechter, als wenn wir richten würden. Ausserdem hat Gott auch viel mehr und unparteiischere Strafvollzugsmöglichkeiten als wir. Wir können maximal töten, einen kurz anhaltenden Schmerz zufügen; Gott hingegen kann in die Hölle werfen, in das ewige Feuer, das nie erlischt. Ausserdem ist uns diese „maximale“ Art der Selbstjustiz im deutschsprachigen Raum durch die geltende Rechtssprechung gar nicht erlaubt (Rö 13,1); noch ein Grund mehr, die Rache vollständig dem HERRN, der über allem steht, zu überlassen (Spr 20,22; 1. Thess 5,15). Amen.

Der zweite Teil dieses Verses ist in diesem Zusammenhang einfach zu verstehen. Als Botschafter des Heils und der Güte Gottes sollen wir die Gesinnung Christi in uns haben (Phil 2,5). Es geht in unserem Leben um den göttlichen Auftrag, der zu erfüllen ist. Mit egozentrischem Gehabe wirken wir Gottes Plan entgegen, repräsentieren ihn falsch und können es soweit bringen, dass der Weg verlästert wird (2. Kor 6,3).

Vers 18

Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden!   Röm 12,18   

Vers 18

Viele Menschen sagen: „Es braucht immer zwei (Parteien) zum Streit.“ – Der Mensch mit etwas Lebenserfahrung weiss jedoch, dass diese Aussage nicht stimmt. Denken wir einmal an die Situationen in unserem Leben, auch zurück bis in unsere Schulzeit, wo wir Situationen finden, in denen ein einzelner Mensch solchen Unfrieden und Unruhe vom Zaun reissen konnte, dass es zum Streit kam! Bei diesen Menschen handelt es sich um die sogenannten Spötter, denen es oft als Einzelpersonen gefällt und gelingt, Streit und Zank zu produzieren (Spr 29,8). Entfernt man solche aus dem Team, bzw. der Umgebung, kehren Ruhe und Frieden zurück (Spr 24,9).

Auf jeden Fall: An uns (Christen) soll es nicht liegen, wir sollen friedliebende Menschen sein! Weil es aber wegen den Spöttern nicht immer möglich ist den Frieden zu wahren, steht in diesem Vers der Satzteil „wenn möglich“. – Damit lasse ich uns, den Christen, keine Hintertür zum Zank offen. Wir sollen dem Frieden nachjagen! Doch es gibt Konstellationen, bei denen es nach aussen so aussieht, auch wenn sich der Christ nur erklärt und grundsätzlich keinen Streit will, wie wenn er eine Zankpartei in einem Streit mit einem Spötter wäre. Da geschieht es leider allzu oft, dass man ihn zu unrecht auch als streitfreudig einstuft.

Es gibt aber zugegebenermassen – und das sage ich mit grossem Bedauern – auch Christen, die gerne streiten. Denen ist gesagt, dass solche mit streitfreudiger Einstellung, schriftwidrig engagiert sind. Gott sagt, wir sollen den Frieden nicht nur suchen, wir sollen ihm nachjagen (Ps 34,15)! Frieden zu halten ohne aber Kompromisse schliessen zu müssen, ist ein direkter Befehl aus dem Munde des HERRN (Mk 9,50)! Amen.

Verse 19-21

19 Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn! Denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.«  
20 »Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.«  
21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!   Röm 12,19-21  

Vers 19

Wie wir es in den Versen 14 und 17 betrachtet haben: Wir sollen uns nicht selbst rächen, vielmehr dem Zorn Raum geben, indem wir ihm nicht die Stirn bieten. Unsere Rache wäre aus verschiedenen Gründen nicht gerecht, zumal wir selbst gesündigt haben. Oder denken Sie, dass es statthaft ist, wenn im Recht Fehlbare andere Gesetzesübertreter richten? – Ganz sicher nicht! Auch wenn wir nun begnadigt und gerechtfertigt sind vor Gott; wer kann von sich sagen, er sei schon vollendet? Der Prozess zur Änderung unseres Sinnes (Rö 12,2) dauert praktisch unser Leben lang an.

Nur schon von diesem Punkt aus gesehen, liegt es völlig auf der Hand, dass wir uns nicht selbst rächen sollen, die Rache würde, wie erwähnt, weder angemessen noch sich uns geziemend ausfallen. Sie gehört dem HERRN, welcher Sünde nicht kennt. Ihm allein steht es momentan zu, Fehlbare zu richten. Nicht Unvollkommene sollen die Mangelhaften richten.

Vers 20

Dieser Vers sagt aus, dass wir erstens, diesem Zeitalter gemäss, Gottes Langmut und Güte zeigen sollen. So, wie Gott mit dem Gericht zuwartet, damit alle eine Chance zur Umkehr bekommen, sollen wir uns unseren Feinden gegenüber verhalten. Wir sollen ihrem Mangel entgegentreten, so, wie wir selbst von Gott empfangen haben. – Wenn wir das tun, malen wir Gottes Charakter sehr deutlich vor die Augen unserer Widersacher. Kehren sie trotzdem nicht um, wehe ihnen, dann kommt der zweite Teil des Verses zum Tragen! In besonderer Weise wurde ihnen Gottes Charakter vor die Augen gemalt! Wird das zusätzlich ausgenutzt, werden die dadurch aufgehäuften feurigen Kohlen auf ihrem Haupte, das ist die gestiegene Verantwortlichkeit, zusätzliche Multiplikatoren für die Härte des Gerichtes sein, das auf sie kommen wird.

Vers 21

Aus eigener Erfahrung weiss ich nur zu gut, dass wir uns im Punkt, das Böse mit dem Guten überwinden, sehr schwer tun können. Lassen wir uns doch in dieser Angelegenheit von Christus inspirieren, der uns den Pfad vorgespurt hat. Er machte sich in diesen Dingen mit seinem Verhalten nicht zum Narren. Effizient tat er den Willen Gottes und erreichte so das angestrebte Ziel: Satan war entwaffnet und besiegt (Kol 2,15). Christus hing zwar am Ende wie ein Verlierer am Kreuz, wie es Unkundige beurteilen. Die Wahrheit ist aber, dass er dadurch über alle Namen erhöht wurde und als Sieger hervorging. Dem Teufel, welcher damals zu triumphieren schien, wird das Urteil gesprochen: Endstation für immer: Feuersee (Offb 20,10)! Er ist der Verlierer, obschon er mit allen Mitteln der Macht und Gewalt versucht hatte, die Oberhand zu gewinnen.

Ahmen Sie Christus und seine Vorgehensweise nach! Damit kommen Sie zum Ziel! Säbelgerassle und „eigene Gerechtigkeit erzwingen wollen“ sind bewiesenermassen die falschen Mittel, um zum Ziel zu kommen! Amen.

Kapitel 13

Verse 1-2

1 Jede Seele unterwerfe sich den übergeordneten <staatlichen> Mächten! Denn es ist keine <staatliche> Macht ausser von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet.  
2 Wer sich daher der <staatlichen> Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen.   Röm 13,1-2  

Verse 1-2

Jede Seele soll den übergeordneten Staatsmächten untertan sein! Ob jemand modern denkt oder traditionell: Jeder Mensch soll wissen, dass er angehalten ist, sich der staatlichen Macht unterzuordnen. – Die Stellen in der Heiligen Schrift, die das aussagen und Unterordnung fordern (auch 1. Petr 2,13), werden leider nicht selten relativiert, indem sogar Christen sagen, sie würden nur bei gottesfürchtigen Staatsgewalten zutreffen. – Wer das vertritt, dient einer völlig unqualifizierten und unzutreffenden Meinung! Die bestehenden Mächte sind alle von Gott verordnet! Lesen wir dazu eine Stelle aus der Schrift:

2 So sprach der HERR zu mir: Mach dir Stricke und Jochstangen und lege sie auf deinen Hals  
3 und sende sie an den König von Edom, an den König von Moab, an den König der Söhne Ammon, an den König von Tyrus und an den König von Sidon durch die Boten, die zu Zedekia, dem König von Juda, nach Jerusalem gekommen sind!  
4 Und befiehl ihnen, zu ihren Herren zu sagen: So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: So sollt ihr euren Herren sagen:
5 Ich habe die Erde gemacht, die Menschen und das Vieh, die auf der Fläche der Erde sind, durch meine grosse Kraft und durch meinen ausgestreckten Arm; und ich gebe sie, wem ich will!  
6 Und nun, ich habe all diese Länder in die Hand meines Knechtes Nebukadnezar, des Königs von Babel, gegeben. Und auch die Tiere des Feldes habe ich ihm gegeben, dass sie ihm dienen.  
7 Und alle Nationen werden ihm dienen und seinem Sohn und seinem Enkel, bis die Zeit auch seines Landes gekommen ist und viele Völker und grosse Könige ihn dienstbar machen.   Jer 27,2-7  

Gott offenbart darin dem Propheten Jeremia, dass er das chaldäische Volk unter der Leitung Nebukadnezars, deren König, zur Demütigung der Moabiter, Ammoniter, Tyrer und Sidoniter einsetzen wird. Dabei wird offenbar, dass Gott über unumschränkte Macht verfügt, welche ihm auch die Steuerung der Völker gestattet, die gar nicht auf ihn hören. An anderen Stellen der Schrift zeigt Gott, dass er bestimmten Völkern Herrschaftsgebiete überlässt, obschon sie ihn gar nicht als Gott anerkennen. Aus der folgenden Schriftstelle wird das völlig klar: Gott hatte auch den ungläubigen Moabitern, die ein Scheusal als Gott verehrten (Kemosch, 1. Kö 11,7), Land und Herrschaftsbereiche zugesprochen.

Da sprach der HERR zu mir: Befehde Moab nicht und lass dich nicht in einen Krieg mit ihnen ein, denn ich werde dir von seinem Land keinen Besitz geben! Denn Ar habe ich den Söhnen Lot zum Besitz gegeben. –   5.Mose 2,9 

Israel war nicht befugt, alle Länder, die nicht dem Allmächtigen dienten, zu plündern. Sie durften nur die Völker im Land vertreiben und vernichten, das Israel zugesprochen war. Selbst dies durften sie nur aufgrund des beschlossenen Gerichtes ausführen, wegen den schlimmen Vergehen jener Nationen. Auch die Zeit dazu wurde von Gott bestimmt: Erst, wo das Mass der Sünden jener Völker voll war, durfte das Gericht und die damit verbundene Vernichtung, bzw. Vertreibung stattfinden (1. Mo 15,16).

Wie es damals zur Zeit des Moses und Josuas war und es sich viele Jahrhunderte später, zur Zeit der Weltreiche verhielt (z.B. Jeremia 27; Hes 25-32), gestaltete es sich zur Zeit Jesu (Joh 19,11!) und ist es heute. So, wie die Alliierten in den vierziger Jahren dazu da waren, Nazideutschland zu demütigen und ihre Sünden (z.B. Vernichtung der Juden) zu ahnden, stand die USA Gott zur Verfügung, das Regime Iraks im Jahre 2003 zu stürzen. Dabei spielte es keine grosse Rolle, ob die USA unter gottesfürchtiger Leitung stand oder nicht. Gott kann bestimmen, wen er will, um seine Regierungswege durchzusetzen. Die Chaldäer waren zum Beispiel überhaupt keine freundlichen Menschen, die er zur Züchtigung vieler Nationen eingesetzt hatte. Sie wurden als sehr gewalttätig bezeichnet (Hes 28,7) und waren selbst mit Sünde behaftet, so, dass auch ihre Herrschaftszeit später auf Gottes Anordnung (Dan 5,22-28) ein jähes Ende fand (Dan 5,30).

Zusammenfassend müssen wir anerkennen, dass der Allmächtige der HERR ist. Er hat Gewalt und Macht über jede Nation, er setzt ein bzw. ab, wen er will. Er erhöht ein Land nach seinem Willen, genau so, wie er Völker erniedrigt. Niemand kann seinem Willen widerstehen, auch die gewalttätigsten und gottlosesten Gemeinschaften sind wie Spielbälle in seinen Händen. Wenn dieser Gott nun verlangt, dass sich jede Seele den staatlichen Mächten unterordnen soll, was sind das für Menschen, die solche Aussagen relativieren? So, wie es geschrieben steht, ist es zu halten! Amen.

Natürlich sehen wir aus diesem Kontext auch die kleinen Ausnahmen. In Punkten, wo sich die staatliche Gewalt an Gott versündigt, wie es sich gebräuchlich bei den Nationen verhält, sind wir angehalten, nicht mitzumachen. Staatlich geduldete Gottlosigkeit ist für uns aber auch keine Legitimation, die Weisung der Bibel zu ignorieren. Mit Christenverfolgungen und Bibelverboten, legalisierten Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen „Ehen“ versündigen sich die Nationen an ihrem Schöpfer, der ihnen den Herrscherstab zeitlich in die Hände gegeben hat. Mit diesen Gottlosigkeiten ziehen sie sich das Gericht zu, das nicht zögern wird. Halten Sie sich als Christ da raus! Gott rechnet mit jeder Nation ab, er ist der HERR über jedes Land. Das nächste allumfassende und sehr übel ausfallende Gericht über die Nationen wird bei der Wiederkunft Christi stattfinden (Offb 11,16-18). Wenn Sie angehalten werden durch den Staat, sich voll an Gott zu versündigen, indem sie beispielsweise politische Gegner ohne Legitimation exekutieren müssten, sollten sie Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5,29). Dies verlangt Gott i.d.R. nicht oft, sonst wäre jede Staatsordnung in Gefahr, durch Gottesmänner untergraben zu werden. Daher finden wir auch selten solche Fälle in der Bibel. Und selbst in jenen Fällen war es nie von Gott angeordnet, sich der Obrigkeit so zu widersetzen, dass andere Menschen darunter leiden, wie es bei anderen Religionsfanatikern der Fall ist, die sich in die Luft sprengen und andere Menschen mit ins Elend reissen. Mordechai huldigte im Buch Ester Haman nicht, weil er ein Agagiter war (Agag = König von Amalek), da Gott deren Gedenken nicht duldete (d.i. Amaleks Gedenken, 5.Mo 25,19). Jedoch war es selbst dem durch Gott vielgeliebten Daniel (Dan 9,23) nicht einfach erlaubt zu rebellieren, er musste die damalige Besatzungsmacht höflich fragen, ob er seinem Gott mit reiner Speise dienen durfte (Dan 1,8).

Es ist uns grundsätzlich nicht gegeben gegen die staatliche Gewalt zu rebellieren, auch wenn sie sich götzendienerisch gibt. Ganz wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel. Gott wird mit ihr abrechnen, nicht wir. Wir sind jetzt angehalten, die staatliche Ordnung zu respektieren. Wer sie nicht respektiert, wird von Gott ein Urteil empfangen! Hüten wir uns vor Rebellion! Amen.

Verse 3-6

3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der <staatlichen> Macht nicht fürchten, so tue das Gute, und du wirst Lob von ihr haben;  
4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse tust, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut.  
5 Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen.  
6 Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn es sind Gottes Diener, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind.   Röm 13,3-6  

Vers 3

Nicht nur die guten Machthaber, auch jene, die zu den schlechteren gehören, anerkennen Personen, die Gutes tun. Letztere sind Balsam für die Gesellschaft; wer kann schlecht von einem echten Wohltäter reden? Deshalb sind die Regenten nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Wer Gutes tut, wird Lob von der Staatsmacht haben.

Vers 4

Die Staatsmacht ist Gottes Dienerin. Sie ist von Gott gegeben und steht in seiner Gefälligkeit. Sie ist nicht aus irrationalen Gründen eingesetzt worden, sondern „dir zum Guten“. – Vielleicht können Sie das so nicht annehmen, vor allem nicht, weil sie der Strafzettel für ein zweiminütiges Falschparken in der Einkaufsmeile noch nervt. Oder Sie sind ideologisch bei den Anarchisten, bei Menschen, die eine Herrschaftslosigkeit befürworten, angesiedelt und sehen das als bessere Alternative zur Staatsgewalt, welche „dir zum Guten“ eine Dienerin Gottes ist.

Im Grunde wissen wir alle, dass es eine Staatsmacht braucht, dass sollte an dieser Stelle ausser Frage stehen. In Ländern, wo eine Anarchie herrschte oder herrscht, finden wir anstelle von Ruhe und Ordnung ein Chaos. Wir Menschen sind zu verschieden, dazu egoistisch und böse, um in einer Anarchie gut leben zu können. Ausserdem sind wir gar nicht dazu geschaffen. Sehen Sie sich einmal in der politischen Landschaft um, wo sich (meistens) gesittete Leute treffen, in den Regierungsgebäuden. Da argumentiert jemand aus dem roten (DE = linken) Lager für eine Sache und muss sich kurz darauf gefallen lassen, dass seine volle Überzeugung und Lebenseinstellung von Vertretern der Schwarzen (DE = Rechtspartei) als völlig unrealistisches „Luftschloss“ beurteilt wird. Genau so verhält es sich im umgekehrten Sinn, wenn sich eine Rechtspartei für etwas stark macht, so, dass es oft schwierig ist, überhaupt einen Konsens zu finden. Beschlüsse können vielfach nur durch Abstimmungen erreicht werden, nicht durch ein Überzeugen der ganzen politischen Versammlung. So verschieden denkt der Mensch. In einer Anarchie würden die Leute sehr schnell aneinander geraten; der Fleissige, der etwas erreichen möchte, wird die Meinung des Faulen nicht teilen, er solle ihm etwas vom sauer Erarbeiteten abgeben. Genau das zeigt uns auch die Geschichte. Während der Richterzeit herrschte in Israel auch eine abgeschwächte Form der Anarchie. „Jeder tat, was ihn recht dünkte (Ri 17,6).“ Das Ergebnis war frevelhafter Götzendienst (Ri 18,30) und Schandtaten, die ihresgleichen suchen (Ri 19!). Die Folge davon war eine Hungersnot, die darüber hinaus noch folgte (Rut 1,1) und die Umstände der Menschen noch schlimmer werden liess. – Lassen wir uns nicht täuschen von der Ideologie des Anarchismus: Die eben angeführten schlechten Sitten fanden bereits in einer Vorphase dieser Ideologie statt, es gab damals immerhin noch Richter. Wie würde es enden, wenn mordlustige, ehebrecherische, diebische, egoistische, lügnerische, scheinheilige und den Eltern ungehorsame Menschen (1. Mo 6,5; Mt 15,19; Gal 5,19) ohne Staatsgewalt auf einem Haufen leben würden? Wer kann aufgrund der Geschichte und biblischen Wahrheiten diese Ideologie des Lebens ohne Staatsgewalt weiter tragen?

Nicht ohne Grund verfügt der Staat über das Schwert, die Justiz und Polizei. Er dient damit Gott, um die Ruhe und Ordnung einzuhalten. Der Staat ist ein Rächer zur Strafe für den, der Böses tut. Wer Böses tun will, soll sich vor dem Staat fürchten: Er ist von Gott eingesetzt, welcher ein Gott der Ordnung ist.

Vers 5

Es ist notwendig untertan zu sein, weil Gott den Staat eingesetzt hat, nicht nur aus Furcht vor der Strafe. Das, dass Gott die Gewalten einsetzt, berührt unser Gewissen. Die Staatmacht sieht nicht jede Verfehlung der Bürger – schwer sind beispielsweise kleine Steuerhinterziehungen zu ahnden. Wir Christen sollten aber nicht so eingestellt sein, dass wir die Staatsgewalt nur der Strafe wegen respektieren und uns deshalb mehr oder weniger an die Gesetze halten. Wir sollten sie einhalten, um unser Gewissen in der Ruhe halten zu können, welches sich auch bei „kleinen“ Vergehen meldet, da es ein Instrument Gottes ist, das Vergehen anzeigt.

Vers 6

Dafür, weil der Staat Gott dient, aus keinem anderen Grund, entrichten wir die Steuern. Damit finanzieren wir unsere Ordnung, wir geben der Dienerin Gottes die Mittel, die sie zur Bewältigung ihrer Aufgaben braucht. Das nicht immer jeder Euro und Franken effizient eingesetzt wird, entbindet uns nicht von dieser Pflicht. Gott will es so haben und es ist uns nicht gegeben, anarchistisches Gedankengut anzunehmen.

Vers 7

Gebt allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre <gebührt>!   Röm 13,7 

Vers 7

Dem Staat untertan sein beinhaltet natürlich auch die Anerkennung seiner Institutionen und Angestellten. So sollen wir gewissenhaft unsere Steuern und den Zoll bezahlen. Auch die Furcht und die Ehre sollen wir denen geben, die die entsprechenden Ämter bekleiden. Damit bezeugen wir auch äusserlich, dass wir den Staat und seine Organe in ehrlicher Weise anerkennen.

Schwimmen Sie gegen den Strom der Unehrerbietigkeit, der in den letzten Jahrzehnten losgebrochen ist! Heute sind wir soweit, dass die Regierung nicht mehr, wenn nötig, sachte und objektiv kritisiert wird. Oft werden Beamte oder die Staatsführung als ganzes mit so verächtlichen Wörtern betitelt (Pred 10,20), die früher nur ruchlose und gemeine Menschen im Munde führten. Auch werden Ordnungshüter vermehrt beschimpft und sogar bespuckt, so dass die Ausübung ihres Jobs zur Nervensache mutieren kann. – Bewahren Sie sich vor dem Verfall der Sitten, liebe Leserinnen und Leser! Tun Sie es der Welt nicht gleich! Wir haben sehr viel Gnade von Gott im deutschsprachigen Raum erhalten. Im Vergleich mit anderen Regionen der Welt sind wir sehr privilegiert! Wir sollten dafür Gott von Herzen danken und für unsere Regierungen beten, dass wir es noch lange an unseren Wohnsitzen ruhig haben dürfen (1. Tim 2,2)!

Verse 8-10

8 Seid niemand irgend etwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.  
9 Denn das: »Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren«, und wenn es ein anderes Gebot <gibt>, ist in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«  
10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.   Röm 13,8-10   

Vers 8

In der Liebe zueinander offenbaren wir Gottes Charakter, den er anfänglich durch das Gesetz und seine Regierungswege mit Israel und später durch Christus in seiner vollen Schönheit entfaltete. Gott ist die Liebe (1. Joh 4,7-8). Seine Liebe zum Menschen ist der Beweggrund für seine Taten, auch die Schranken (Gesetz), die er dem Menschen setzte. Diese Schranken sind für den Menschen, nicht der Mensch ist dazu da, für das Gesetz zu leben (Mk 2,27)! Deshalb bleibt jeder, der auf der Grundlage der Liebe bleibt, auch im Gesetz, denn es entstand durch diese Grundlage (Gal 5,14).

Nirgendwo sollen wir ein ungestopftes Loch lassen, wir sollen niemandem etwas schuldig bleiben. Die oben geforderten Elemente, wie Ehre, Furcht, Zoll und Steuern sollen nicht auf der Strecke bleiben. Es gehört sich, dass alle ihren zugemessenen Anteil bekommen, nicht mehr und (besonders) auch nicht weniger. Bei der Liebe sind wir hingegen wie ewige Schuldner angehalten, sie ohne Mass bzw. Berechnung weiterzugeben.

Verse 9-10

Diese beiden Verse bestätigen den Inhalt des Kommentars zum Vers 8: Gottes Liebe ist die Triebfeder für das Gesetz! Er gab es nicht, um den Menschen damit zu plagen, er gab es, dass der Mensch seinem Nächsten nichts Böses tut, dafür, dass er die Ehe nicht entweiht, das Leben achtet, die Besitzrechte anerkennt und nicht argwöhnisch und mit Neid behaftet auf den Besitz des Nachbars schaut. Wer jemanden lieb hat, achtet auf all diese Dinge und erfüllt dadurch gleichzeitig Gottes Gesetz! Fokussieren Sie sich auf die Liebe zu Gott und den Nächsten, nicht darauf, wie sie in den Geboten wandeln! Das erste schliesst das zweite mit ein! Amen.

Vers 11

Und dies <tut> als solche, die die Zeit erkennen, dass die Stunde schon da ist, dass ihr aus dem Schlaf aufwacht! Denn jetzt ist unsere Rettung näher, als da wir zum Glauben kamen:   Röm 13,11  

Vers 11

Der Christ soll aus seinem Schlaf aufwachen! – Wie schnell werden diese Verse nur oberflächlich gelesen! Dazu wird vielleicht innerlich bejahend genickt und doch ist sich der Leser nicht ganz im Klaren, wie eine eingehende Prüfung des eigenen Standes manchmal Not tut.

Wir wurden bei unserer Bekehrung zu Söhnen und Töchtern Gottes, welche durch die Erneuerung des Sinnes in moralischer Hinsicht Christus ähnlicher werden (Rö 12,2; Eph 4,23). Wir sind also in einem Prozess der Umgestaltung und Heiligung.

Wie jeder Prozess überwacht werden sollte, geziemt sich auch bei diesem wichtigen Prozess eine ständige Kontrolle. – Nehmen wir beispielsweise den Prozessablauf während eines Umzuges: Was für Meilensteine bzw. Eckpunkte gibt es darin, die dringend überwacht werden müssen? Bei einer Nichterreichung dieser Prozesspunkte kann ja schliesslich der ganze Umzug gefährdet sein! – Ich denke da an die fristgerechte Kündigung der alten Wohnung, einen passenden Termin für den Bezug der neuen Wohnung mit den entsprechenden Verträgen, eine zeitlich korrekte Bestellung des Umzugswagens, eine sorgfältige Möbelkompatibilitätsprüfung, um nur wenige der vielen zu berücksichtigen Punkten zu erwähnen. – Nur schon bei einem vergleichsweise „niederen“ Prozessablauf müssen wir bereits sehr auf der Hut sein, damit alles reibungslos abläuft. Wie viel mehr Aufmerksamkeit gebührt es sich für unser Christenleben aufzubringen! Wie es sich nicht gehört, zu schlafen, wenn der Umzugswagen vorfährt, ist es völlig daneben, als Christ zu schlummern. Mit „schlafen“ ist nicht der natürliche Schlaf gemeint. Jeder Mensch braucht seine Ruhezeiten und gesunden Schlaf. An dieser Stelle ist ausgesagt, dass wir nicht wie Schlafende, welche alles Geschehen um sie herum nicht mitbekommen, unser Dasein leben sollen.

Auch das Christenleben ist ein laufender Prozess, der seine Eckpunkte und Meilensteine hat. Anhand der Erreichung, bzw. der Nichterfüllung dieser Teilziele können wir uns einen verlässlichen Zustandsbericht über unser Leben abgeben. – Haben Sie Ihr erstes Teilziel, die Taufe, erreicht (Apg 8,36; 22,16), indem Sie sich nach Ihrer Bekehrung zum HERRN haben taufen lassen? Haben Sie sich in eine (bibeltreue) Gemeinschaft eingegliedert, um Christus näher kennen zu lernen (Eph 4,13-14)? Beginnt Ihr Christenleben Früchte zu tragen (Mt 13,23; Lk 3,8; Joh 15,2; Rö 7,4; Jak 3,17, uva.)? Verbringen Sie Ihre freie Zeit, welche sie in Eigenverantwortung verplanen können, mit Ungläubigen (2. Kor 6,14)? Beten Sie oft (Lk 18,1; 21,36; Apg 1,14; Rö 12,12; Eph 6,18; Kol 4,2; 1. Tess 5,17)? Prüfen Sie sich und Ihr Leben so gewissenhaft, wie sie ein weltliches Projekt, beispielsweise für Ihren Arbeitgeber oder Statthalter (Mal 1,8), überwachen würden? Oder sind Sie dabei, Ihr Leben zu verschlafen?

Wir sollen daran denken, dass sich mit jeder vergangenen Woche die Wiederkunft des HERRN um sieben Tage nähert. Verschlafene Zeit ist manchmal nicht mehr aufzuholen, das wissen wir erfahrungsgemäss. Verpasste Eckpunkte können grosse Verluste darstellen; es können unwiderrufliche Schäden entstehen. Ein verpasster Jungfernflug ist ein Verlust für immer. Er kann nicht mehr nachgeholt werden bei einem einmalig gebauten Flugzeug. Doch dieses Beispiel ist nichts im Gegensatz zu verpassten Eckpunkten im Christenleben! Wer während der Ernte schläft, ist ein schandbarer Sohn (Spr 10,5)! Verpasste und nicht mehr nachgeholte Eckpunkte können einen bleibenden Verlust bedeuten! Manchmal schenkt der HERR in seiner Langmut Zeit, um verpasste Gelegenheiten nachzuholen. Doch selbst dies ist nicht bei jeder verlorenen Zeitgrösse möglich. Wer 35 von 40 geschenkten Jahren als Christ verschläft, wird in den verbleibenden fünf nicht nachholen können, was er in den 35 versäumt hat. Amen.

Verse 12-14

12 Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen!  
13 Lasst uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht;  
14 sondern zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, dass Begierden wach werden!   Röm 13,12-14  

Vers 12

Mit dem Vers 11 scheint Paulus den Christen zu unterstellen, sie würden schlafen. Er sagt in einer generellen Art, sie sollen aufwachen. – Tut er da nicht einigen Unrecht? Wieso wählt der Heilige Geist, welcher Paulus inspiriert, diese generelle Art? – Die Antwort liegt auf der Hand: Die Geschichte zeigt die grosse Schwachheit der Heiligen. Wie die Israeliten sich schwer taten, eine gute Gottesbeziehung zu pflegen, handelt die Kirche, die Gemeinde Jesu. Bereits die Erzväter der Gemeinde taten sich schwer, Geistliches anzunehmen (Mt 17,17). Dazu kam auch, dass es ihnen schon Mühe bereitete, eine Stunde mit Jesus zu wachen (Mt 26,40). Trotz ihrer hohen Berufung erfand Jesus nicht alle als würdig bzw. fähig, spezielle Offenbarungen zu erfahren (Mt 17,1; Mk 5,37). Auch die Tatsache, dass Jesus die Stunde seiner grössten Angst nur in der Nähe seiner drei vertrautesten Jünger (Mk 14,33) verbrachte, zeigt uns eine erschreckende Regelmässigkeit auf, die im Volke Gottes vorherrscht: Die Mehrheit der Gläubigen lässt sich nicht soweit bringen, dass sie zum engsten Kreis der Familie gezählt und mit den intimsten Dingen des HERRN betraut werden kann. Es ist daher nur als logische Konsequenz zu betrachten, dass der Ruf in den Sendschreiben an die, grösstenteils mit Mangel behafteten, Gemeinden speziell an die Überwinder gerichtet ist. Wie die Menschen in Israel es als Gesamtheit nicht geschafft haben, sich zu Gott zu wenden (Hos 11,7), verhält es sich mit der Kirche Jesu: Nur ein kleiner Teil der Gemeinde, nämlich die überwindenden Christen, werden vom HERRN in spezielle Aufgaben eingeführt werden können (Offb 2,7; 2,11; 2,17; 2,26; 3,12; 3,21; 21,7). Dabei steht natürlich die Errettung der übrigen Christen ausser Frage, alle sind durch das Blut des HERRN vor dem ewigen Zweiten Tod, dem Feuersee (Offb 20,14), gerettet. Doch es werden längst nicht alle in dieselbe intime Gemeinschaft mit dem HERRN kommen dürfen.

Aus den erwähnten Gründen muss gesagt werden, dass bei der Mehrheit des Volkes geistlicher Schlaf vorhanden ist und jetzt die Zeit da ist, endlich aufzuwachen! Die Verse 12-14 sind wie ein letzter (eindringlicher) Aufruf an die Gemeinde, nüchtern zu werden! Er ist vergleichbar mit einem letzten Aufruf am Flughafen, der verspäteten Passagieren gilt, ihr Flugzeug, das im Begriff ist zu starten, doch noch zu erwischen. „Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe“, bedeutet, dass das dunkle Zeitalter der Herrschaft des Teufels und der eigenwilligen Menschen bald vorüber ist und der „Tag“, die Herrschaft Jesu Christi, des allmächtigen Gottes (Jes 9,5), in Kürze anbrechen wird. „Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen“, bedeutet, wir sollen die Welt und ihre Philosophie verleugnen, nicht darin wandeln und ihr gemäss Werke hervorbringen, um weiter beschmutzt zu werden. Vielmehr sollen wir die „Waffen des Lichts anziehen (Eph 6,13)“, damit wir dem Bösen widerstehen können. Amen.

Verse 13-14

Wir sind aufgerufen so zu wandeln, wie man am Tag wandelt, wenn das Licht auf alles scheint und nichts verborgen bleiben kann. Am helllichten Tag liegt es nicht drin, so vorzugehen, wie man es sich manchmal insgeheim wünscht. Ein „sich gehen lassen“ liegt nicht drin. Sündige Unzucht, Trinkgelage, Streit und Eifersucht – geziemen sich diese Dinge für Heilige in Christus Jesus, auch wenn sie in der Welt in Königshäusern praktiziert werden? – Niemals sollte solches unter den Kindern des Höchsten als gut befunden werden!

Wir sollen Christus anziehen bedeutet, dass wir in allem seine Moral und seinen Charakter ausstrahlen sollen. Dazu sind wir ebenfalls aufgerufen, unsere alte Natur nicht zu pflegen, bzw. Vorsorge für sie zu leisten, da ansonsten Begierden wach werden. Die alte Natur ist es nämlich, die schlechte Sitten hat und ein treibender „Sündenmotor“ ist. Wenn wir diesen kosen und pflegen, wird er immer besser laufen und wird anstatt abzusterben, Begierden wecken (1. Petr 2,11). Die alte Natur pflegt man, indem man Tore für ihre Früchte, wie Diebstahl, Hass, Unzucht, Lüge und Lästerungen, öffnet. Für Unzucht öffnen wir sie mit Schmuddelfilmen aller Art, aber auch schon mit begehrlichen Blicken auf die fremde Frau. Für den Diebstahl öffnen wir sie durch habsüchtige Gedanken. Schnell sind wir dann verleitet, die Steuerformulare zu fälschen, um so den Staat zu bestehlen. – Sie wissen selbst, was Sie vermeiden sollten, um nicht böse und fleischliche Begierden aufkommen zu lassen. Sollten Sie als Beispiel durch den Fernseher verleitet werden, meiden Sie ihn! Vermeiden Sie Orte, die Sie zur Sünde führen! – Es bringt nichts, irgendetwas als grundsätzlich böse zu stempeln, jeder Mensch weiss selbst, wo er schwach ist. Es gibt Christen, die den Computer verteufeln, da er Tore zur Pornografie öffnet. Doch der Computer ist ein neutrales Teil, das man wie ein Messer für Gutes und Schlechtes einsetzen kann. Jeder Mensch weiss, wo er schwach ist und mit was er nicht umgehen kann. Das sollte er vermeiden, denn es heisst diesbezüglich ungeschminkt:

Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiss es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.   Mt 5,29  

Was für die eigenen Glieder gilt, die uns zur Sünde verleiten, gilt umso mehr für Gegenstände, die man noch leichter aus dem eigenen Aktionsradius entfernen kann als angewachsene Körperteile! Amen!

Kapitel 14

Vers 1

Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, <doch> nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen!   Röm 14,1  

Vers 1

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, gibt es in den Gemeinden Gottes stärkere und schwächere Glieder. Da verhält es sich nach normalem menschlichem Muster. Wie wir es auch in der Welt antreffen: einige Menschen sind mutig und gehen furchtlos an neue Projekte, wogegen andere schon beim kleinsten Gegenwind die Hoffnung auf ein Gelingen des Vorhabens sinken lassen.

Die übliche menschliche Erfahrung lehrt uns, schwache Menschen nicht als Leiter von neuen Plänen einzusetzen, da sie auf unerforschtem Grund schnell einknicken könnten. Diese Einsicht gilt auch in der Gemeinde. Ein Glaubensschwacher wäre der Gemeinschaft ein Hindernis, wenn eine Glaubenstat bevorsteht. Er würde die Gemeinde entmutigen, wie die Kundschafter Israel entmutigt und zur Sünde verführt haben (ausser Kaleb und Josua), obschon sie Häupter der Sippen waren.

Aus der Begebenheit, dass sogar Sippenhäupter, Fürsten von Israel, so kläglich versagten, können wir für die Gemeindelehre einen weiteren Punkt nehmen: Auch wenn Personen in der Gemeinde hohe weltliche Positionen bekleiden, heisst es nicht, dass sie „hohe“ bzw. verantwortungsvolle Positionen in der Gemeinde innehaben sollten. Denn die Anforderungen in der Gemeinde sind geistlicher Natur. Ein Städteeroberer kann in der Gemeinde ein untauglicher Entscheidungsträger sein. Joab war ein Musterbeispiel für Unerschrockenheit, sogar David gab ihm Zeugnis, dass er härter war als er selbst (2. Sam 3,39). Doch wo es um geistliches Verständnis ging, versagte er kläglich, indem er mit Blut den Frieden belastete (1. Kö 2,5) und sich mit falschen Leuten verbündete (1 Kö 2,22), so, dass sein Leben unrühmlich endete (1. Kö 2,34).

Liebe Leserin und lieber Leser! Es heisst hier ausdrücklich, dass wir den Schwachen im Glauben bei heiklen Fragen nicht als Entscheidungsträger einsetzen sollen. Dabei ist nicht der allgemein Schwache bzw. der Schwache in Bezug auf die menschliche Kraft gemeint. Es kann sein, dass Wirtschaftsgrössen wie Direktoren von Firmen und Banken Christen werden dürfen und sich der Gemeinde anschliessen. Dann ist zu beachten, dass ein beruflicher oder akademischer Leistungsausweis keine Auskunft über geistliche Fähigkeiten gibt, wie es die Geschichte mit Joab beweist.

Leider wird diese Tatsache oft ignoriert. So, wie die Staatskirchen fast ausschliesslich auf akademische Titel achten – ohne Universitätsabschluss in Theologie ist es praktisch nicht möglich in der Staatskirche eine Rolle als geistlicher Entscheidungsträger einzunehmen –, schenken die Freikirchen dieser Denkweise immer mehr Beachtung. Nicht selten werden auch dort die Grössen aus der Wirtschaft, welche sich zum HERRN bekehren, ohne Weiteres in die Ältestenschaft gewählt, obschon die Bibel hier ausdrücklich für solche Positionen, wie sogar schon für den Posten eines Gemeindedieners (Apg 6,3), Glaubensstärke und geistliche Reife als entscheidende Kriterien nennt (1. Tim 3). Ein gutes menschliches oder wirtschaftliches Zeugnis alleine ist nicht genügend!

Damit sage ich überhaupt nicht aus, dass keine Akademiker es zur geistlichen Reife und somit zur Tauglichkeit bringen können, heikle Fragen zu entscheiden. Paulus war ein Akademiker, ein Schüler Gamaliels (Apg 22,3), eines angesehenen Pharisäers (Apg 5,34). Auch Mose und Daniel waren Akademiker. Mose genoss die beste weltliche Ausbildung am Hof des Pharao und Daniel jene im babylonischen Königshaus (Dan 1,3-5). Daneben sehen wir aber auch viele einfache Menschen an erster Stelle im Reich, solche, die in der Welt keine hohen Positionen bekleideten, wie Fischer (Apostel) und Schafzüchter (z.B. Prophet Amos). Die Bibel spricht sogar von einer Überzahl an einfachen Leuten in den Gemeinden, da Gott mit den niedrigen Menschen die Weisheit der Weisen zunichte macht (1. Kor 1,27). – Liebe Leserinnen und Leser! Handeln Sie bei der Einsetzung von Christen in Ämter nicht so, wie man bei weltlichen Firmen und Vereinen Leute aushebt. Himmlische Kriterien können nicht aus weltlichen CV’s (Lebensläufen) herausgelesen werden! Amen!

Verse 2-3

2 Einer glaubt, er dürfe alles essen; der Schwache aber isst Gemüse.
3 Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst! Denn Gott hat ihn aufgenommen. Röm 14,2-3      
   

Verse 2-3

Wer hat denn Recht? Jener, der alles isst oder der Bruder, welcher sich auf Gemüse beschränkt? – Diese Frage sollten wir so nicht stellen, denn der Mensch ist dann geneigt, den einen zu achten und den anderen zu verurteilen. Bei Gewissensfragen ist dieser Ansatz völlig falsch, wie uns die Bibel klar aufzeigt. Solche Fragen stellen sich nicht einmal die Nationen in ihren Familien. In einer natürlichen Familie wird jedes Mitglied gut und nicht verächtlich behandelt. Personen, die noch nicht so weit sind wie die anderen, werden nicht bezeichnet und verurteilt, vielmehr von den Erwachsenen liebevoll auf Händen getragen, auch wenn ihre Einstellung und ihr Weltbild noch völlig unterentwickelt ist. Grösseren Kindern wird von verantwortungsbewussten Eltern untersagt, die kleineren auszugrenzen wenn sie (noch) nicht dieselben Talente, Fähigkeiten und Einsichten an den Tag legen wie ihre grösseren Geschwister, weil die Erziehung bei den Eltern liegt und alle Kinder ihnen allein Rechenschaft über das Verhalten abgeben müssen.

Wie es in natürlichen Familien ist, ist es in den Gemeinden: Die Menschen sind unterschiedlich alt und erfahren. Einige sind erst seit kurzem auf dem Weg mit Jesus, andere schon fast ein ganzes Leben lang. Der Wachstumsunterschied ist teilweise enorm gross, die einen sind noch geistliche Babys, wogegen andere schon zu Säulen der Gemeinde herangewachsen sind (Gal 2,9). Die Glieder sind dem HERRN gegenüber Rechenschaft schuldig, wie die Kinder es den Eltern gegenüber sind.

Wer nun in der Schriftkenntnis wächst, wird durch die Gnade des HERRN und die Unterweisung des Heiligen Geistes (Joh 14,26) merken, dass die Speisegebote des AT und das Gesetz insgesamt dem neuen Weg Platz machen mussten (Heb 10,20) und somit die Verfassung des Reiches (Mt 5-7) die Stelle jener des Alten Bundes eingenommen hat. Die Tatsache bezüglich des Speisegebotes wurde dem Petrus auch deutlich vor die Augen geführt (Apg 10,15) wo er bei Simon, dem Gerber, beherbergt wurde (Apg 10,6). – Wer nun glaubt, nicht alles essen zu dürfen, hat dies einfach noch nicht erkannt, so, wie ein kleines Kind die Gesetze des Marktes, Angebot und Nachfrage, noch nicht hat ergreifen können. Demgemäss, wie das Kind trotzdem weiter auf liebenden Händen getragen wird, sollen wir Geschwistern tun, deren Glauben noch nicht gefestigt ist. Gott hat Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wie auch jene, aufgenommen. Amen.

Vers 4

Wer bist du, der du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt dem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten.   Röm 14,4 

Vers 4

Sollten wir – trotz allem Wissen über den Leib Christi, das geistliche Haus und die gegenseitige Abhängigkeit -, trotzdem zum Richten neigen, so sei uns mit dieser Stelle in aller Deutlichkeit gesagt, dass die Kirche Christi, wie der Name schon sagt, Jesus Rechenschaft abgeben muss und nicht den Mitgliedern des Leibes. Auch wir selbst sind Christus gegenüber verantwortlich.

Nun verweisen Sie vielleicht auf die Schriftstellen im 1. Kor 5, wo klar ausgesagt wird, dass wir sündigende Brüder und Schwestern bezeichnen (2. Thess 3,14) und die betreffenden Personen, sollten sie nicht umkehren wollen, sogar aus der Gemeinschaft ausschliessen sollen. Dies befiehlt der HERR schliesslich in seinen persönlich gehaltenen Belehrungen im Matthäusevangelium (Kap 18,15-17)! – Sind wir dadurch nicht doch angehalten zu richten? Haben wir nicht bereits ein Urteil über einen unbelehrbaren Ehebrecher gefällt, wenn wir ihn aus der Gemeinde stossen?

Nein, wir haben einen solchen nur nach den Kriterien des HERRN beurteilt und nach seinen Weisungen gehandelt, wenn wir das tun. Wir haben ihn dabei nicht selbst und endgültig, so, als ob wir seine Richter wären, gerichtet. Das Gericht steht uns nicht zu, es steht nur einem perfekten Menschen, Jesus, zu, weil wir selbst mit Mangel und Sünde behaftet sind (Joh 5,27).

Jemand, der vielleicht lange unordentlich unterwegs war im Leben, kann durch die Erziehung des HERRN schlussendlich weiter kommen als wir (Phlm 1,11). Auch ein Mensch, bei dem durch anfängliche Unbelehrbarkeit sogar Gemeindezucht angewendet werden muss, kann im Anschluss ein heiliges und untadeliges Leben führen, wenn er sich nur bleibend am HERR orientiert. – Wie können wir also in unserer Unvollkommenheit und im Wissen über solche Umstände richten? Zu richten wäre eine absolute Anmassung und Überschreitung unserer Kompetenzen!

Zusammenfassend ist uns zwar gegeben, Mitgeschwister zu ermahnen und, sollte diese bei geduldeter und offensichtlicher Sünde nichts fruchten, sie aus der Gemeinde zu schliessen. Dies hat mit der uns befohlenen Ordnung in der Gemeinde zu tun. Doch es ist uns nicht gegeben, ein Urteil, eine Qualifikation bezüglich der Qualität der Gottesbeziehung der betreffenden Person abzugeben. – Tun wir es doch, sollen wir wissen, dass dann das gleiche Mass an uns gelegt wird (Lk 6,38).

Im Übrigen muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass es hier im Thema um Gewissensfragen geht. Es geht nicht um Rahmengebote, die unumstösslich eingehalten werden müssen. Rahmengebote sind Gebote, die für alle voll verbindlich sind, wie „du sollst nicht töten, ehebrechen, lügen und stehlen“, um einige Beispiele zu nennen. Wer Rahmengebote übertritt, muss ermahnt werden, damit er wieder auf den Pfad der christlichen Tugend kommt und nicht einem Gericht verfällt. – Bei Gewissensfragen bewegen wir uns im Bereich, wo der HERR auch individuell zu seinen Knechten sprechen kann, wie zum Thema Fernsehkonsum beispielsweise. Wenn nun jemand vom HERRN zu wissen meint, er solle diesen einschränken, so soll er von Christen, die dazu noch volle Freiheit haben, nicht ermuntert werden, TV zu schauen. Es spielt bei diesem Beispielthema keine Rolle für die Gemeindeordnung, ob er es tut oder nicht, solange er damit nicht sündigt (indem er antichristliche Inhalte schaut oder individuelle Mahnungen des HERRN übertritt).

Die hier angeführten Speisegebote sind Bereiche in Gewissensfragen, die nach dem Glaubensstand und den Lebenserfahrungen vom Betreffenden beurteilt werden. Geschwister mit hohem Glaubensstand wissen Bescheid über diese Gebote, solche, die jung im Glauben sind, nicht. Wer nun jemanden verurteilt, der des Gewissens und seines Standes wegen noch nicht erkannt hat, dass als Beispiel alle Speisen rein sind, handelt taktlos. Auf der anderen Seite soll der, der noch nicht klar sieht, den sehenden Bruder nicht verurteilen.

Der zweite Teil dieses Verses weist auf Gottes Allmacht hin: Der HERR ist in der Lage, den – in unseren Augen – schwachen Bruder aufrecht zu halten. Oder möchte an dieser Stelle jemand behaupten, der HERR sei dazu nicht gewillt bzw. fähig?

Vers 5

Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag <gleich>. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt!   Röm 14,5  

Vers 5

An dieser Stelle möchte ich nochmals daran erinnern, dass wir hier von Gewissenfragen sprechen, nicht von Rahmengeboten. Bei Rahmengeboten ist darauf zu achten, dass sie von allen befolgt werden! Ob man die Frau des Nächsten haben kann oder nicht, ist keine Gewissensfrage. Das NEIN steht für jeden von Gott in Stein gemeisselt! So verhält es sich, wie oben schon erwähnt, für das Stehlen, Morden, Lügen, fremde Gut begehren, den Namen des HERRN missbrauchen, fremde Götter anbeten und Vater und Mutter ehren. Dazu gibt es weitere Anordnungen Gottes, die für alle verbindlich sind, wie die Ordnung in der Gemeinde (1. Kor 12-14) beispielsweise.

Bei Gewissenfragen ist die Regelung nicht so scharf umrandet. Unterschiedliche Prägungen der Menschen können dazu führen, dass bestimmte Tage als etwas Besonderes betrachtet werden. So werden sie von Menschen, die ausgewählte Tage höher für Gott achten als für sie gewöhnliche, besonders gehalten, wie der Weihnachtstag beispielsweise. Von der Bibel her wird nirgends festgehalten, dass die Geburt des HERRN gefeiert werden muss, im Gegensatz zu seinem Tod, an welchen uns das Abendmahl fortwährend erinnert. Möglich ist auch, dass der eigene Geburtstag als wichtig im Blick auf die Gottesbeziehung beachtet wird. – Andere Menschen betrachten hingegen jeden Tag als gleichwertig.

Wer Tage beachtet und wer nicht: Jeder sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt! Nehmen wir dazu ein Beispiel zur Veranschaulichung: Jemand hält den ersten Februar besonders, weil er sich an einem ersten Februar hat zum HERRN bekehren dürfen. Er nimmt sich dann jeweils arbeitsfrei, dankt Gott besonders für sein neues Leben und ist überzeugt, dass er es so für den HERRN halten sollte. Tut er es nicht, denkt er ein Gebot zu übertreten und macht sich ein schlechtes Gewissen. – Fordern wir nun von diesem Bruder, dass er es unterlassen soll, diesen Tag besonders zu beachten, da wir wissen, dass alle Tage gleichwertig sind, bringen wir diesen in eine Gewissensnot. Wenn er das (noch) nicht so ergreifen kann, wie wir es können, sind wir ihm ein Anstoss (zur Sünde). Dann hält er um unsertwillen den Tag vielleicht nicht so, wie er es gerne täte und hat dazu ein schlechtes Gewissen dem HERRN gegenüber. Es kann ihm tatsächlich zur Sünde werden, weil er fest überzeugt ist, den Tag halten zu müssen und es doch nicht tut (Rö 14,23).

Zusammenfassend können wir sagen, dass bei Gewissensfragen erstens nicht so streng beurteilt wird, wie bei Rahmengeboten. Zweitens sollen wir Geschwister, die sich noch an Elementen der Welt orientieren (Gal 4,9; das ist die Beobachtung von Tagen und Jahren, um daran, wie im Gesetz gefordert, Feiertage zu halten) nicht in ihrem Glauben überstrapazieren und überfordern. Wenn sie einige Tage besonders achten, ist es die Mühe nicht wert, darüber zu streiten und dabei das Risiko in Kauf zu nehmen, sie zur Sünde zu verleiten! Doch zur Entscheidung von zweifelhaften Fragen dürfen diese Geschwister nicht zu Rate gezogen werden. Wie sollen sie Geistliches beurteilen können, wenn sie im Natürlichen noch keine Klarheit haben?

Blenden wir zum Vers 2 zurück. Die Schwachen sind sich nicht ganz sicher, ob Tage höher gehalten werden sollen oder nicht. Dasselbe gilt für die Speisen. Ältere und erfahrene Geschwister sollten den richtigen Umgang in diesen Sachen kennen, denn er wird durch die Schrift erklärt. Dieser Schriftabschnitt deutet darauf hin, dass von den Lehrbeauftragten nicht in erster Linie nach äusserlicher Perfektion getrachtet werden soll – ohne Rücksicht auf „Verluste“. Die Schwachen müssen besonders eingebunden werden und man soll sie nicht bedrängen, solange sie sich an die Rahmengebote halten und ihre Unreife sich nur durch unnötige Rituale offenbart. Diese Rituale kommen i.d.R. bei aufrichtigen „Schwachen“ doch von Herzen und werden deshalb vom HERRN auch angenommen. Lieber feiert jemand das vom bösen Heidentum kommende Weihnachtsfest und gibt diesen Tag in innerer Überzeugung besonders dem HERRN, anstatt er, um der starken Lehrperson wegen, davon absieht und in der Folge mit schlechtem Gewissen behaftet ist, weil er die nötigen Belehrungen, nicht angeordnete Feste zu lassen (1. Kö 12,32!), nicht ergreifen kann.

Vers 6

Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank.   Röm 14,6  

Vers 6

Wir müssen uns im Klaren sein, weshalb hier es scheinbar nicht so ganz darauf ankommt, wie man Gott gefallen darf. Wenn wir die Geschichte der Brüder Nadab und Abihu (3. Mo 10) kennen und von der Begebenheit in Apg 5 (Hananias und Saphira) wissen, wollen wir uns zu keinen Experimenten im Gottesdienst verführen lassen und keine solchen gestatten, wenn wir etwas zu sagen haben.

Erlaubt sind durch die Schrift individuelle Liebesdienste am HERRN, solange sie sich im Rahmen bewegen. In diesem Rahmen ist auch Nachsicht der Älteren gefordert, wenn es sich bei den Handlungen der Jüngeren um harmlose Tätigkeiten – im Blick auf die Wahrung der Hausordnung Gottes – handelt.

Die Gemeinde besteht aus Kindern Gottes in verschiedenen Altersklassen. Gott hat sich als „der Vater“ offenbart. Da geht es fast wie in einer natürlichen, irdischen Familie zu. Kleine Kinder werden umsorgt und geführt, ohne dass sie die geringste Verantwortung tragen müssen. Mit zunehmendem Alter wachsen die Verantwortung der Kinder und die Erwartungen der Eltern. Wenn ein zweijähriges Kind den Wecker der Mutter schnappt und in die volle Badewanne wirft, bleibt das ohne Konsequenzen für das Kind, tut das ein vierzehnjähriger Teenager geht das zu weit. Wenn ein vierjähriger Sprössling den Tisch und Boden mit Flüssigseife voll kleckert, in der ernsthaften Meinung, der Mutter mit seiner „Küchenreinigung“ eine Freude zu machen, muss man ihn dafür fast loben, obschon es eine Mehrarbeit für die Eltern darstellt, alles wieder in Ordnung zu bringen. Wenn das hingegen eine Fünfzehnjährige tun würde, wären die Eltern gar nicht beeindruckt! Ihrem Kenntnisstand gemäss würde es als böse Schikane beurteilt werden. Das würde ihr statt Lob eher eine strenge Zurechtweisung einbringen.

Aus diesem Begebenheiten können wir verstehen, dass Gott, der den „glimmenden Docht“ nicht auslöscht und das „geknickte Rohr“ nicht zerbricht (Jes 42,3), eine sanfte Hand im Blick auf die Schwachen fordert, solange sie nicht zum Abfall verführen oder Abgötterei fordern. – Doch seien wir auf der Hut! Diese Forderung Gottes kann auch ausgenützt werden. Es können sich eingeschlichene, falsche Brüder (2. Kor 11,26) auf „Schwachheit“ berufen, währenddem sie zur Gottlosigkeit verführen wollen. Eine wache und demütige Gemeinde, welche dem HERRN wohlgefällt, wird die getarnte Bosheit aber rechtzeitig entlarven. Amen.

In diesem Vers ist die Rede beim Essen von etwas, was jedem Christen, ob schwach oder stark, völlig freisteht, zu tun. Danksagung beim Essen ist biblisch (1. Tim 4,3-4), wie auch das Fasten (Mt 9,15). Beim Unterscheiden der Tage in Wichtigkeitsstufen scheiden sich bereits die Geister. Hat der HERR geboten, bestimmte Tage vor den anderen zu halten? Ganz sicher war das im Gesetz der Fall, doch was ist das Gebot diesbezüglich im Neuen Testament? Gibt es ein solches Gebot? – Üblich war damals, den Tag des HERRN als Versammlungstag zu nehmen, den ersten Tag der Woche. Dies hat sich bis heute gehalten, ist doch der HERR am ersten Tag der Woche auferstanden und wir in der Auferstehung leben (Apg 20,7). Doch es ist auch erlaubt, sich jederzeit zu versammeln und das Brot zu brechen (Apg 2,46). Wer den Sonntag für die Versammlung nimmt, tut gut, wer einen anderen Tag wählt, weil er dann arbeiten muss, sündigt nicht. Da lässt uns Gott einen gewissen Spielraum. Wenn wir Gott lieben, werden wir das Richtige tun.

Verse 7-9

7 Denn keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst.  
8 Denn sei es auch, dass wir leben, wir leben dem Herrn; und sei es, dass wir sterben, wir sterben dem Herrn. Und sei es nun, dass wir leben, sei es auch, dass wir sterben, wir sind des Herrn.  
9 Denn hierzu ist Christus gestorben und <wieder> lebendig geworden, dass er herrsche sowohl über Tote als auch über Lebende.   Röm 14,7-9    

Vers 7

Was bedeutet, sich selbst leben? Für sich selbst zu leben würde bedeuten, niemandem Rechenschaft schulden zu müssen. Man könnte sein ganzes Tun auf das eigene Bedürfnis und Ich konzentrieren. - Dass das für keinen Menschen möglich ist, wissen wir, da wir als abhängige Wesen geschaffen sind. So, wie die Menschen in einen Staat oder Königreich hineingeboren werden und automatisch in den Gesetzen dieses Staates leben und ihm dienen müssen, sind wir in Gottes Reich hineingeboren, wo auch gewisse Gesetze herrschen. Wir können nicht alle Richtlinien übergehen und nur für uns selbst schauen. Das geht auf die Dauer sowieso schon aus sozialen Gründen nicht, da wir Teile der Gesellschaft sind, von der wir uns nicht einfach loslösen können. Wir verfügen nicht über alle Fertigkeiten und Kapazitäten, um Dinge, die wir zum Leben brauchen, anzufertigen. Wir brauchen den Schreiner, den Maler, den KFZ-Mechaniker, den Arzt; einfach alle Berufsgruppen, um eine Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft zu bilden. – Dies ist aber nur der kleinere Teil vom „nicht sich selbst leben können“, es zeigt nur auf, dass es schon nicht geht, wenn man Gott ausblendet.

Binden wir nun Gott in diese Gedanken: Er war es, der alles geschaffen hat, worauf und worin wir leben. Er blies dem Menschen den Odem ein, ohne den der Mensch ein lebloser Körper aus Fleisch und Blut wäre. Gott stellte den Menschen in diese Welt, auf der er alles für das Leben vorbereitet hatte. Der Mensch musste nicht erst die Sonne für den Tag erschaffen. Auch musste er die Gezeiten nicht berechnen. Alles war schon da. Der Mensch wurde in ein Reich gestellt, das er nicht selbst erfunden hat. Es steht ein grosser König über ihm. Diesem ist er Rechenschaft schuldig.

Vers 8

Zum Kommentar des siebenten Verses kommt im achten der Gedanke dazu, dass dieser König, Jesus Christus, uns unser Leben wieder geschenkt hat (dasjenige der Christen), welches wir vor dem Allmächtigen mit unseren Sünden verwirkt hatten. Das neue Leben ist dabei noch viel herrlicher als das alte. Er machte uns damit zu Leibeigenen, wie Joseph die Ägypter zu Leibeigenen machte, als sie durch die Hungersnot sich an den Staat hängen mussten (1. Mo 47,23). So wie die Ägypter vor Hunger wären wir unserer Sünden wegen umgekommen, wenn nicht Christus, der vollkommene Joseph, die rettende Hand ausgestreckt hätte. Auch wenn das Wort „Leibeigene“ nicht gerne gehört wird, was hätte uns Besseres passieren können? Wie Joseph die Ägypter zu Leibeigenen des Pharao gemacht hatte, hat uns Christus zu Knechten des Höchsten (und liebevollsten Gott) gemacht. In allen Dingen kamen wir zu kurz im Blick auf Gott und waren unterwegs zur Hölle. Christus hat uns davon endgültig losgekauft. Wir sind nun sein, ob wir leben oder sterben.

Vers 9

Christus ist hierzu gekommen, dass er über alle Menschen herrsche. Durch sein Leben und Sterben hat er alle zu sich gezogen: Lebende und Tote. Alle sind sein, an Christus kommt niemand vorbei! Kein Mensch kann sich seinem Machtbereich entziehen. Er hat alle für sich erkauft. Er hat den Scheol (Totenreich), den Tod und den Gegenspieler (Teufel) besiegt. Sein Feldzeichen weht über allen und allem. So, wie auf der berühmten Fotografie 1945 die rote Flagge über dem Deutschen Reichstag wehte und damit verkündete, dass jemand anders nun das Sagen im Dritten Reich hatte, weht die Flagge Christi über allen Ländern und Herrschaftsbereichen der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Amen.

Verse 10-13

10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.  
11 Denn es steht geschrieben: »<So wahr> ich lebe, spricht der Herr, mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen.«  
12 Also wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.  
13 Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoss oder kein Ärgernis zu geben! Röm 14,10-13       

Vers 10

Wenn in einem Reich der Name des Richters von höchster Stelle aus ernannt worden ist -, sollte sich dann noch jemand anders selbst zum Richter ernennen? Sollen wir uns gegenseitig richten, wo doch Christus als Richter über alle gesetzt ist (Apg 10,42)? – Wir sehen, dass das eine Anmassung wäre, die ihresgleichen sucht! Welcher Mensch, ausser Jesus Christus, ist würdig, Gericht zu halten? Welcher Mensch ist ohne eine einzige Sünde? Wer wurde in allem geprüft und ist ohne Übertretung geblieben (Heb 4,15)? – Christus allein ist es, der würdig ist, Gericht zu halten! Deshalb hat ihn sein Vater zum Richter eingesetzt.

Nur schon der Gedanke, richten zu wollen, ist völlig unangebracht, wie viel mehr, wenn wir es tun – auch wenn es ohne Worte geschieht, wie zum Beispiel, wenn wir anfangen Geschwister zu verachten. In solchen Fällen haben wir auch schon gerichtet, indem wir sagen, dass diese Geschwister unserer Liebe nicht mehr wert sind. Tun wir es trotzdem, so ist an dieser Stelle nochmals ausdrücklich erwähnt, dass unsere Errettung in Christus uns nicht an allen Gerichten vorübergehen lässt. Die Errettung in Christus hält uns zweifelsfrei vor der endgültigen Verwerfung ab. Wir werden die ewige Zukunft nicht im Feuersee, der Hölle, verbringen. Dieses Gericht geht an uns vorüber, das ist das Gericht, welches im Johannesevangelium 3,18 erwähnt wird. Dort ist das Gericht über die Ungläubigen, die Nationen, wie die Bibel sagt, gemeint. Dieses Gericht wird am Ende der Tage über die Lebenden aus den Nationen gehalten (Mt 25,31-46) werden. Über die Verstorbenen kommt es nach dem nächsten Zeitalter, dem Tausendjährigen Reich, genannt wird es: das Gericht vor dem grossen, weissen Thron (Offb 20,11).

Die Christen, die lebenden und die bereits verstorbenen, werden vor dem Richterstuhl beurteilt und gerichtet werden (siehe auch 2. Kor 5,10). Dort werden wir gemäss dem empfangen, was wir vollbracht haben. Deshalb wird die Tatsache des Richterstuhls auch gerade an dieser Stelle erwähnt. Sie zeigt uns eindrücklich auf, dass sich unser Tun direkt auf die Beurteilung beim Richterstuhl auswirken wird (Mt 25,14-30).

Verse 11-12

Jeder Mensch – sei er atheistisch, religiös oder wirklich wiedergeboren –, wird einmal vor dem HERRN sich demütigen und bekennen müssen, dass der HERR Gott ist. „Jeder“ bedeutet, dass niemand einen Stellvertreter für sich zum Richter senden kann. Sie, wie auch ich selbst, werden eines Tages allein vor Gott stehen und vor dem uns bestimmten Gericht Rechenschaft ablegen müssen.

Vers 13

Im Blick auf diese Belehrungen sollte es für alle Christen klar sein: Da uns das Gericht nicht gegeben ist, richten wir einander nicht. Vielmehr wollen wir, da wir unser Tun auch werden verantworten müssen, aufeinander acht haben! Wir wollen keinem Bruder einen Anstoss oder Ärgernis geben. So wie wir behandelt werden wollen, behandeln wir die anderen (Rö 15,2). Amen.

Verse 14-15

14 Ich weiss und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an sich unrein ist; nur dem, der etwas als gemein ansieht, dem ist es unrein.  
15 Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. Verdirb nicht mit deiner Speise den, für den Christus gestorben ist!   Röm 14,14-15   

Vers 14

Der Apostel versichert uns, dass grundsätzlich nichts unrein ist. Wenn nun jemand irgendetwas als unrein betrachtet, dem ist es unrein. – Wie ist das zu verstehen? – Nehmen wir als Beispiel eine Speise, etwas zu essen. Das Alte Testament verbietet zum Beispiel Schweinefleisch (3. Mo 11,7). Im Neuen Testament wurde diese Beschränkung aber wieder aufgehoben (Apg 10,10-20), und nicht nur die Speisegebote wurden damit aufgehoben, auch die Trennung zwischen natürlichen Abstammungen bei den Menschen. So stand dem jüdischstämmigen Petrus die heidnische Abstammung des Kornelius nicht mehr im Wege, welcher ihn zu sich rief (Apg 10,20). Kommt nun als Beispiel ein Jude, der an die Speisegebote gewöhnt ist, zum Glauben an Christus und kann deren Aufhebung noch nicht fassen und im Glauben ergreifen, so würde er nur zweifelnd Schweinefleisch essen, wenn man ihn dazu animieren würde. Er wäre dann zumindest teilweise im Glauben, ein Gebot des HERRN zu übertreten. Wenn er in diesem Glauben ist und trotzdem vom Schweinefleisch isst, versündigt er sich – es ist ihm unrein – weil er denkt, es sei nicht rein vor dem HERRN und er aber trotzdem davon nimmt.

Vers 15

Liebe Leserinnen und Leser! Wir müssen hier sehr auf der Hut sein. Mit dem Wissen über die Gebote des HERRN und der Stärke im Glauben können wir Schwachen zum Fallstrick werden. Wir können sie verderben, wenn wir ihnen nicht bedürfnisgerecht begegnen. Da sollten wir uns unbedingt folgende Verse aus dem 1. Korintherbrief  zu Herzen nehmen:

7 Die Erkenntnis aber ist nicht in allen, sondern manche essen es, da sie bis jetzt an den Götzen gewöhnt waren, als Götzenopferfleisch, und ihr Gewissen, da es schwach ist, wird befleckt.  
8 Speise aber macht uns nicht angenehm vor Gott; weder sind wir, wenn wir nicht essen, geringer, noch sind wir, wenn wir essen, besser.  
9 Seht aber zu, dass nicht etwa diese eure Freiheit den Schwachen zum Anstoss werde!  
10 Denn wenn jemand dich, der du Erkenntnis hast, im Götzentempel zu Tisch liegen sieht, wird nicht sein Gewissen, da er schwach ist, bestärkt werden, die Götzenopfer zu essen?  
11 Und durch deine Erkenntnis kommt der Schwache um, der Bruder, um dessentwillen Christus gestorben ist.   1.Kor 8,7-11 

Paulus nimmt in diesen Versen wieder die Speise als Beispiel. Er beginnt mit dem Satz: „Die Erkenntnis aber ist nicht in allen…!“ Mit „die Erkenntnis“ ist nicht nur die Erkenntnis über die Speisegebote gemeint, die Bedeutung davon ist die allgemeine Erkenntnis der Heiligen Schrift, die in den Starken ist. Wenn ein Starker bei einem gemeinsamen Essen Schweinefleisch auftischt, obschon er weiss, dass ehemals praktizierende Juden, die erst seit kurzem zum Glauben gekommen sind, unter den Geschwistern sind, handelt er dann mit Feingefühl und Rücksichtnahme? Provoziert er nicht vielmehr ihren Fall, da sie möglicherweise dabei mit schlechtem Gewissen essen und sich so am HERRN versündigen, weil sie im Glauben sind, Unreines zu essen und es trotzdem des Gruppendrucks wegen tun?

Liebe Geschwister! Diese Schriftstellen wurden nicht einfach so festgehalten. Der HERR legt grossen Wert darauf, dass wir rücksichtsvoll mit den Schwachen umgehen! Der Wichtigkeit wegen möchte ich noch ein weiteres Beispiel nennen, das uns die Sachlage noch näher bringen soll. Nehmen wir einen ehemaligen Katholiken, der nach 40 Jahren praktizierendem Dienst Christ wird und die Gnade hat, in eine bibeltreue Gemeinde zu wechseln. Wenn bei diesem in Gesprächen mit anderen Geschwistern offenbar wird, dass er den Heiligen der Schrift einen besonderen Platz gibt, obschon wir wissen, dass wir christusgläubigen Menschen auch zu den Heiligen gehören, da wir durch denselben Herrn geheiligt werden, sollen wir ihn nicht zwingen, in Zukunft „gewöhnlich“, ohne besondere Ehrerbietung, von ihnen zu sprechen, solange er sie nicht anbetet. Ansonsten bringen wir ihn nur unnötig in Gewissenskonflikte. Der HERR wird ihm die nötigen Glaubensschritte zur rechten Zeit weisen!

In der Rücksichtnahme bei den Schwachen sollen wir allgemein besonders wachsam sein. Die echten „Schwachen“ sind Geschwister, die dem HERRN gefallen möchten. Da gibt es aber auch solche der anderen Sorte. Menschen nämlich, die nicht einen edlen Wunsch hegen und aus böser Absicht Schwachheit vortäuschen und einen festen Platz für ihre Ansichten fordern. Diesen ist voll zu widerstehen. Geben sie solchen keinen Fussbreit zur Saat ihrer schriftwidrigen Gedanken! Da spricht die Bibel Klartext, so klar, dass man dabei noch genau definierte Stärken des geforderten Widerstandes ableiten kann: Bei Menschen, die Abfall von Christus predigen, ist eine klare Abkehr verlangt (2. Joh 1,10), nur schon ein Gruss ist bei solchen zuviel! Schon ein normaler Umgang mit ihnen, wie man mit Ungläubigen Umgang hat, ist böse. Sie müssen total gemieden werden, das fordert die von Gott inspirierte Schrift! – Nicht ganz so weit soll man mit Geschwistern gehen, die vorsätzlich an einer Sünde festhalten und sich auch nach zweimaliger Aufforderung, Busse zu tun, nicht umwenden. Bei solchen ist gesagt, dass sie solange aus der Gemeinde geschlossen werden sollen, bis sie ihr Leben wieder in Ordnung bringen wollen (2. Tess 3,14, siehe auch 1. Kor 5,7). Wenn sie Busse tun, sollen sie wieder in die Gemeinde aufgenommen werden, denn so wie Gott ihnen vergibt, sollen wir ihnen vergeben. – Dann gibt es schlussendlich noch die trägen Geschwister, die sich schwer tun, etwas anzunehmen und lieber so weiterleben möchten, wie sie es bis anhin getan haben. Solche sind streng zurechtzuweisen (Tit 1,10-16), da wir wissen, dass die Schrift eine unbedingte Erneuerung des Sinnes fordert (Rö 12,2; Eph 4,23) und das Gericht jene ereilen wird, die sich nicht erneuern lassen wollen (dies gilt bereits schon für die Wahl unserer Worte; siehe Mt 12,36!).

Lassen wir uns nicht verschaukeln durch Menschen, die sich als Schwache ausgeben und dabei nur auf „Boden“ und Freiraum aus sind, um ihre bösen Philosophien zu verbreiten! Lassen Sie uns durch den Geist erkennen, wer wirklich schwach ist. Bei den Letzteren sind wir verpflichtet, sie sanft anzufassen und sollte es notwendig sein, sie zu tragen! Das ist ein Gebot des HERRN! Amen.

Vers 15

Denn wenn dein Bruder wegen einer Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. Verdirb nicht mit deiner Speise den, für den Christus gestorben ist!   Röm 14,15   

Vers 15

Dieser Vers gibt uns eine Ahnung über die Grösse der Verantwortung, die wir gegenseitig haben. Wenn wir jemanden betrüben (gemeint ist die Betrübnis des Betreffenden in der Beziehung zu Gott), wandeln wir nicht nach der Liebe. Ja, es geht sogar noch viel weiter, die Möglichkeit besteht und ist gross, dass wir durch solche Betrübnis am Untergang eines Bruders oder einer Schwester Anteil haben!

Lernen wir aus einem Beschluss der älteren und weisen Brüder! In der Apostelgeschichte geht es um einen Beschluss, ob man den Gläubigen aus den Nationen das Gesetz auferlegen soll oder nicht (Apg 15,1-2). Der folgende Beschluss der Ältesten diesbezüglich ist sehr, sehr lehrreich für uns. Wie würden wir an deren Stelle urteilen? Würden wir uns wegen solcher Fragen überhaupt die Mühe machen, so, wie sich Paulus um eine Problemlösung bemühte? – Wohl eher nicht!

Paulus stand mit seinen ausserordentlichen Offenbarungen doch längst über solchen grundsätzlichen Fragen. Für ihn war das vergleichsweise weniger als die Lehre der Grundrechenoperationen, die jeder in den ersten Schuljahren kennen lernt. Paulus, der den Galaterbrief verfasste und damit die Galater, welche sich zum Gesetz wenden wollten, hart zurechtwies, wusste die Antwort lägst! „Vergesst das Gesetz“, hätte er ihnen zurufen und die Sache als abgehakt betrachten können!

Paulus handelte aber nicht rein nach seiner Schriftkenntnis. Er wirkte gemäss echter Bruderliebe, die nicht eine Verachtung der Unmündigen aufkommen liess. Auch solche, die, an seinem Wissenstand gemessen, reinen Blödsinn verkündeten, gab er nicht einfach auf. – Versetzen wir uns in die Lage des Paulus! Er war zusammen mit Barnabas mit einem grossen Zwiespalt konfrontiert, der im Verderben des reinen Glaubens vieler Gläubigen hätte enden können. Es hätte nichts gebracht, wenn er sich auf seine Gelehrsamkeit berufen hätte; die Menge war zu gespalten. Schon zu viele Gläubige waren durch die, welche aus Judäa herabkamen, verunsichert. Es bildeten sich schon zwei Fronten, die sich nicht aufgelöst hätten, wenn Paulus im Eigeninteresse und zur Wahrung seiner Position gehandelt hätte. Paulus verzichtete deshalb auf ein stures Beharren auf die tatsächliche und von Gott gegebene Wahrheit und gab der Menge Zeit. Eine Zeit zur Beruhigung. Er sah ein, dass er die Glaubensschwachen, die jetzt im Zweifel waren, nicht mit gewandter Rede zurückgewinnen konnte. In deren Augen standen Aussage gegen Aussage. Dazu waren sie nicht fähig zu beurteilen, wer Recht hatte. Sie sahen nur Paulus und Barnabas auf der einen Seite und die aus Judäa auf der anderen, wo Letztere wohl zahlenmässig überlegen waren. Weshalb sollten die Schwachen denn nun diesem Duo, welches von Paulus angeführt wurde, weiterhin Glauben schenken?

Paulus fasste in dieser heiklen Situation den wohl besten Beschluss: Die Urväter der Gemeinde am Ursprungsort des beständigen Gottesdienstes (d.i. Jerusalem) sollen über diese Frage befinden. „Deren Antwort wird ganz bestimmt von allen akzeptiert werden“, mag er sich da in einer beispiellosen Selbstverleugnung gesagt haben.

Die umsichtige Handlungsweise Paulus’ durfte Früchte tragen: Die liebevolle Behandlung der sich streitenden Geschwister wurde von den Ältesten in Jerusalem fortgeführt! Sie entschieden ebenso weise, wie Paulus angefangen hatte. Ihre Antwort lautete nämlich:

20 sondern ihnen schreiben, dass sie sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.  
21 Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt <solche>, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird.   Apg 15,20-21  

Es wurde klar festgehalten, dass das Gesetz vorbei ist (Apg 15,10) und dass es eine (böse) Versuchung ist, wenn man Christen das Gesetz des AT aufbürdet. Trotz dieser Feststellung erliessen sie eine Weisung, dass die dort ansässigen Christen sich von den Verunreinigungen der Götzen (d.i. Essen von Götzenopferfleisch, siehe Apg 15,29), Ersticktem, Unzucht und vom Blut enthalten sollen. – Weshalb gaben sie Weisungen heraus, welche das den Götzen geopferte Essen regeln sollen? Sagt uns die Schrift nicht, dass ein Götze nichts ist und somit alle Speise rein ist, wenn sie mit Danksagung genommen wird? – Sicher sagt uns das die Schrift (1. Kor 8,4)! Doch genau weil die Schwachen damit nicht umgehen können bzw. konnten und in jenen Tagen an allen Orten das Gesetz gelesen wurde (Apg 15,21) und damit grossen Einfluss ausübte, wurde die Weisung – um der Schwachen willen – herausgegeben. Sie waren nämlich an das Gesetz gewöhnt (wie andere an Götzen gewöhnt waren, 1. Kor 8,7). Die Umstellung, dass einem Götzen geopfertes Fleisch nun keine Gefahr im Dienst am HERRN darstellte, überforderte schwache Geschwister. Um gerade dieser Schwachheit entgegenzutreten wurde die Weisung erlassen!

Spiegelt die Handlungsweise der Ältesten, sowie jene des Paulus und Barnabas nicht ein hohes Mass an Liebe und Selbstverleugnung? In dieser Angelegenheit hätten nämlich viele Starke aufstehen können um das „törichte und ungebildete“ Volk zu verfluchen, wie es seinerzeit die Pharisäer getan hatten (Joh 7,49). Dass in der Gemeinde aber ein anderer Geist herrscht, bewiesen sie mit diesem weisen Beschluss. Sie sorgten sich um die Herde, die nicht ihnen gehörte, und verherrlichten den HERRN, der alle aus der Ausweglosigkeit gerettet hatte, Starke sowie auch Schwache, indem sie mit ihrer Entscheidung niemanden in der Beziehung zu Christus verdarben.

Verse 16-19

16 Lasst nun euer Gut nicht verlästert werden!  
17 Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.  
18 Denn wer in diesem dem Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt.  
19 So lasst uns nun dem nachstreben, was dem Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung <dient>.   Röm 14,16-19   

Vers 16

Das ist eine Ermahnung an Christen! Wir können es soweit bringen, dass das, was wir hochheben, verlästert wird. Wir können uns so töricht verhalten, dass unseretwegen der Weg ins Reich gelästert wird. – Es gibt Christen, die denken, dass die Nationen es sowieso von sich aus tun, dass es nicht auf ihr bzw. unser Verhalten ankommt, wie und ob Gott geflucht wird. Dass dem nicht so ist beweist dieser Vers. „Lasst nun euer Gut nicht verlästert werden“, bedeutet, dass wir einen Einfluss darauf haben. Wir sollen nicht zulassen, dass es soweit kommt. Damit ist nicht gemeint, dass wir den Nationen das allgemeine Lästern verwehren sollen, das können wir sowieso nicht. Wir können uns aber so verhalten, dass der Weg nicht zusätzlich, durch unsere schlechten Manieren, verlästert wird. Wenn wir uns moralisch nicht auf einem reinen Niveau bewegen, liegt es nahe, dass die Widersacher und Neider unsere Verfehlungen als Anlass zur Schmähung nehmen, wie geschrieben steht:

7 Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draussen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick des Teufels gerät.  
14 Ich will nun, dass jüngere <Witwen> heiraten, Kinder gebären, den Haushalt führen, dem Widersacher keinen Anlass zur Schmähung geben;   1.Tim 3,7; 5,14  

Im ersten Vers ist die Rede von Ältesten einer Versammlung. Sie sollen ein gutes Zeugnis von denen haben, „die draussen sind“ (gemeint sind die Heiden), damit nicht ein Vorsteher der Gemeinde im üblen Gerede steht und somit das Ansehen der ganzen Gemeinde leidet. Wie schnell wird gesagt: „Schaut euch diese „Frommen“ an und wie gut sie von sich denken mit ihrer Bibel in der Hand, doch wenn man näher hinschaut und Herrn Musters Leben analysiert, gibt es überhaupt keine Übereinstimmung mit dem, was sie vertreten. Es ist demnach nur ein einziger Heuchlerverein! So etwas haben wir bestimmt nicht nötig!“ – Sehen Sie, was ich meine? Wir können nicht nur Schmähungen provozieren, wir verschliessen sogar mit unordentlichem Wandel den Nationen den Weg zum Heil, weil sie sich von Heuchlern (unordentlichen Christen) eher distanzieren anstatt angezogen werden. Genau aus diesen Gründen gibt Paulus im zweiten Vers die Anordnung, dass jüngere Witwen wieder heiraten und sich mit den Dingen des Lebens beschäftigen sollen, damit sie nicht müssig werden und den Widersachern Angriffsfläche bieten. Auch in den Anordnungen an Titus gibt Paulus Weisungen zum Thema „damit das Wort Gottes nicht verlästert werde“, wie es wörtlich heisst (Tit 2,5)!
Der Vers 16 in unserem Kapitel folgt auf die Entfaltung der Wahrheit über die Rücksichtnahme auf die Schwachen. Wenn wir keine Rücksicht nehmen und uns wie Elefanten im berühmten Porzellanladen gebärden, geben wir Anlass dazu, dass unser Gut verlästert wird. Seien wir auf der Hut! Auf dem Ego-Trip werden wir bestimmt nicht den Weg beschreiten, der für uns vorgesehen ist. Stellen wir unser Ich zurück! Beten wir für uns und unser Volk! Vielleicht schenkt der HERR Gnade in diesen bösen Tagen (Joel 2,14). Amen!

Vers 17

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, wie viele selbstgefällige Christen denken! Zuerst kommt in der Rangfolge das Ausüben der Gerechtigkeit! Was trinkst Du schon und schlummerst mit vollem Bauch auf dem weichen Ruhelager, wenn Dein Nächster noch unter seinen Lasten ächzt? Mummeln Dich Deine Gedanken über den lieben Vater in eine Trägheit, solange es Dir gut geht? Lassen sie Dich den Nächsten, der nach Hilfe schreit, vergessen? – Steh auf und lerne, was es heisst, Christ zu sein und sieh zu, dass Du begreifst, was die Zeichen der Zeit ankündigen! Der HERR tut nichts, bevor er es seinen Propheten offenbart hat (Amos 3,7)! Die heutige Zeit ist böse, und die Welt, sowie auch die schlafenden Christen sind unterwegs zu harten Gerichten! So, wie Ephraim und Juda, die Königreiche Gottes, nicht verschont wurden, wirst auch Du, Du wiedergeborener Christ, nicht verschont, wenn Du den vorgespurten Weg nicht gehen willst! Das Gericht über das Haus Gottes wird kommen! Das ist ganz sicher! Und wer es nicht hören will, sei hiermit doppelt gewarnt:

16 Und nun höre das Wort des HERRN: Du sagst, du sollst nicht weissagen über Israel und sollst nicht reden über das Haus Isaak.  
17 Darum, so spricht der HERR: Deine Frau wird zur Hure werden in der Stadt, und deine Söhne und deine Töchter werden durchs Schwert fallen, dein Land wird mit der Messschnur verteilt werden, und du selbst wirst in einem unreinen Land sterben; und Israel wird gewiss aus seinem Land gefangen wegziehen.   Am 7,16-17  

Diese Verse aus dem Propheten Amos sind Sinnbilder für das kommende Gericht über das Haus Gottes, das Christentum. So, wie Amos damals das Gericht über Israel ankündigte, kündigen heutzutage Beauftragte des HERRN das noch ausstehende Gericht an. Auch wenn der HERR das Gericht über sein Haus in der westlichen Welt noch weiter verzögert, sollst Du mit der allergrössten Gewissheit wissen: Es WIRD kommen! Amen. 

Vers 18

Wer den Weg nicht in Verruf bringt und Christus in Wahrheit dient, wird Gott wohlgefällig sein. Auch die Menschen um ihn herum werden ihn als bewährt einschätzen und sein Wort, über den Weg des Menschen und das Evangelium, ernst nehmen, da es nicht von einem Menschen kommt, der – bildlich gesprochen – Wasser predigt und Wein trinkt. Der bewährte Christ wird von Gott geehrt werden, weil er ihn durch seinen Wandel ehrt und am Ende wird sein Gericht milde ausfallen.

Vers 19

Lasst uns daher, nach all diesen Belehrungen der Schrift, dem Frieden nachjagen und all dem, was der gegenseitigen Erbauung dient, so wie es Christus getan hatte. Er zahlte sogar die Tempelsteuer, obwohl er der Sohn des Hauses war bzw. ist. Dazu war er der Schöpfer der Steuereintreiber; sie hätten Ihm den Zehnten abgeben und sicherlich nicht Steuern fordern sollen. Da sie das aber nicht erkannten, zahlte er die Steuer ihrer Schwachheit wegen, ohne auf seine Rechte zu pochen. Er löschte den glimmenden Docht nicht aus und war niemandem ein Anstoss (Mt 17,27).
Gelobt sei der HERR!

Verse 20-23

20 Zerstöre nicht einer Speise wegen das Werk Gottes! Alles zwar ist rein, aber es ist böse für den Menschen, der mit Anstoss isst.  
21 Es ist gut, kein Fleisch zu essen, noch Wein zu trinken, noch etwas <zu tun>, woran dein Bruder sich stösst.  
22 Hast du Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht richtet in dem, was er gutheisst!   23 Wer aber zweifelt, wenn er isst, der ist verurteilt, weil <er es> nicht aus Glauben <tut>. Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.   Röm 14,20-23   

Vers 20

Keiner von uns, liebe Leserinnen und Leser, möchte doch im Gericht als jemand erfunden werden, der gegen Gott handelt! – Sehen wir ein, dass es die Speise nicht wert ist, um den Glauben eines Schwächeren zu gefährden? Pochen wir nicht auf unser Recht, wenn wir in geistlichen Dingen reifer sind als andere? – Reifer sein heisst nicht Böses dulden zu müssen. Reifer sein schliesst die Fähigkeit mit ein, solche, die noch nicht soweit sind, dahin zu bringen. Deshalb wird von Gott eine Lehrfähigkeit bei Ältesten und solchen, die in den dauerhaften Dienst des HERRN treten, gefordert (1. Tim 3,2; 2. Tim 2,24).

Wie bereits erwähnt handelt ein Mensch böse, wenn er im Glauben ist, dass die Sache, die er tut, nicht korrekt ist vor dem HERRN. Sie wird ihm als Sünde angerechnet, auch wenn die Handlung im erlaubten Rahmen des NT ist. Sie gilt ihm als Übertretung, weil er glaubt, sie sei verboten und er sie aber trotzdem tut. So nimmt er das Risiko wissentlich in Kauf, den HERRN zu verletzen. Gerade aus diesem Grund sollen wir Geschwister, welche über Jahre an verkehrte Dinge gewöhnt waren, nicht nötigen, die Freiheiten, die wir in Christus haben, sofort zu übernehmen. Wir können sie ihnen mit Feingefühl vorsichtig präsentieren. So, wie man Babys Fleisch vorstellt. Doch wie uns bei den Kleinkindern klar ist, dass sie noch kein Steak verschlingen können, sollte uns klar sein, dass ein Gewissen von Neubekehrten niemals so weit ist, wie das unsere, wo wir schon über Jahrzehnte dem HERRN dienen. Ihr Sinn muss sich vorab noch erneuern (Rö 12,2). Letzteres geschieht nicht von heute auf morgen; geben wir ihnen daher viel Zeit. Der HERR war auch langmütig mit uns und ist es immer noch.

Wie ich in vorherigen Kommentaren auch schon erwähnt habe, müssen wir trotz der Rücksicht auf die Schwachen das Böse nicht dulden. Unreinheit, Unzucht, Ehebruch, Diebstahl, Lügen, Irrlehren und Betrügereien haben in der Gemeinde absolut nichts zu suchen – schon in der Welt werden solche Dinge verpönt und in der Regel nur im Verborgenen getan, weil die Welt gemäss dem Fleisch und ihrem Fürst handelt. Oder sind in Ihrem (weltlichen) Unternehmen Diebstahl und Belästigungen aller Art erlaubt?

Vers 21

Die Liebe bringt es auf den Punkt: Alles, was einem geliebten Geschwister schaden könnte, sollten wir unterlassen. So, wie Kettenraucher das Rauchen aufgeben wenn sie ein Baby bekommen, sollten wir auf alles verzichten, was einem wirklich schwachen Mitglied schaden könnte. Soviel Rücksichtnahme ist doch das Mindeste, die in einer Familie herrschen sollte. Oder würden Sie als Eltern die Rollläden im Zimmer eines sogenannten Mondscheinkindes (ein Kind mit einer absoluten Lichtunverträglichkeit) entfernen, nur weil sie die ganze Wohnung lichtdurchflutet haben möchten und ihnen die Helligkeit nichts ausmacht? – Sicher nicht! – Lassen Sie daher die selbe Rücksicht walten, wo tatsächliche Rücksichtnahme vonnöten ist. Amen.

Vers 22

Unser Glauben ist uns nicht gegeben, um damit herumzuprahlen. Wir sollen ihn vor Gott haben und ihm für alles, was er uns hat erkennen lassen, danken. Kein wirklich Weiser prahlt mit seiner Weisheit.

Von allem, was wir tun, sollten wir (mit innerer Überzeugung) wissen, dass es gut ist. Wenn wir Dinge tun, von denen wir glauben, dass sie Gott nicht gefallen, handeln wir vermessen, da wir ja damit offensichtlich in Kauf nehmen, Böses zu tun.

Vers 23

Dieser Vers ist nun leicht zu verstehen. „Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde“, sagt aus, dass jede Handlung, von der wir glauben, sie sei nicht in Ordnung vor dem HERRN, und wir sie trotzdem tun, uns als Sünde angerechnet wird. Denn wir haben sie trotzdem getan, obwohl wir dachten, sie sei nicht korrekt. Die Haltung, die wir damit an den Tag legen, verurteilt uns, weil sie die Bereitschaft zu sündigen offenbart. - Ich weiss, dass ich mich damit wiederhole. Da es die Schrift aber auch mehrfach erwähnt, will ich es auch tun. Der HERR spricht mit Nachdruck von diesen Dingen.

Kapitel 15

Verse 1-3

1 Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen.  
2 Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!  
3 Denn auch der Christus hat nicht sich selbst gefallen, sondern wie geschrieben steht: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.«   Röm 15,1-3      

Vers 1

Fällt Ihnen etwas auf, liebe Leserin und lieber Leser? Der HERR widmet durch die Hand des Paulus den Schwachen in diesem Brief mehr als ein ganzes Kapitel. Daran sehen wir die Wichtigkeit dieses Themas. Er fährt mit den Belehrungen diesbezüglich in diesem 15. Kapitel fort und bringt es gerade am Anfang auf den Punkt: Wir sind verpflichtet, das heisst, es gehört zu unseren festen, nicht individuellen Aufgaben, die Schwachen zu tragen! Und dem selbstgefälligen Menschen ist auch hiermit gesagt, dass er sich hinten anstellen soll. Gefordert ist das Trachten zum Wohle des Nächsten und nicht ein Bestreben nach eigener Ehre.

Vers 2

Wie gerade im vorangegangenen Kommentar erwähnt, gilt dieses Gebot jedem Christen. „Jeder“ steht an der Stelle der Zielgruppe. Es gibt ja bekanntlich verschiedene Aufgaben für die Kinder Gottes, je nach ihrer Neigung und Fähigkeit (Mt 25,15). Die einen sind technisch begabter, andere wiederum redegewandter. Den einen gibt der HERR die Fähigkeit zu heilen, andere weissagen. Das sind die individuellen Aufgaben der Christen. Zu den Rahmengeboten, welche für alle verbindlich sind, wie nicht zu stehlen, lügen, morden, etc. kommt dieses Gebot hinzu: „Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung!“ Amen.

Vers 3

Paulus gibt hier den Grund für dieses Gebot an. Wir sollen ja in die Fussstapfen Christi treten und so werden, wie unser Meister ist (Lk 6,14; 1. Joh 3,2). So, wie Christus sich nicht selbst gefallen hat, sollen wir tun. Er liess sich um der Schwachheit der Menschen willen sogar schmähen. Wenn er sich hätte selber gefallen wollen, hätte er sein Reich aufrichten und sofort Gericht halten können. Dann wäre es ihm gut ergangen und alle Widersacher wären auf seinen Befehl hin zu Pulver zerfallen. Alle Welt hätte vor Augen gehabt, mit wem sie sich angelegt hatte und niemand hätte seine Majestät und Reinheit ertragen können.

Der HERR tat dies aber nicht, weil es nicht seinem Willen entsprochen hätte. Er wollte die Schwachen, die sich nicht selbst retten können, aus der Knechtschaft der Sünde befreien und sie vor der Zukunft in der Hölle bewahren. Er beugte sich zu uns hernieder und half uns, indem er seine Herrlichkeit verliess und beiseite setzte. Er legte sein Königtum beiseite, damit er so vielen Menschen wie möglich zum wahren Leben verhelfen kann. Hätte er sein Königtum vor 2000 Jahren angetreten, hätten zwangsweise alle Menschen sterben müssen, denn ein König ist auch ein Richter. Und welcher Mensch ist ohne Sünde?

So entschied sich unser herrlicher HERR für den Weg der Selbstverleugnung und wehrte sich auch dann nicht, wenn ihm vorsätzlich und böswillig Unrecht angetan wurde. Führen Sie sich das mal bildlich vor Augen! Gottes Sohn, der ohne jede Sünde war – und damit war der gerechte Vater verpflichtet ihn vor dem Tod zu schützen, denn der Lohn der Sünde ist der Tod -, dieser Jesus, der sofort mehr als zwölf Legionen Engel hätte zur Verteidigung bestellen können (Mt 26,53), um nicht in die Hände der Sünder ausgeliefert zu werden, erniedrigte sich bis zum Tod am Kreuz, damit die Schwachen und Kraftlosen – das sind wir! – eine Chance für die Ewigkeit bekommen! Oder kennen Sie einen Menschen, der es ohne die Erlösungstat des HERRN (ohne Sünde) ins Reich schafft?

Sehen Sie es auch, liebe Leserinnen und liebe Leser, dass es aus diesem Blickwinkel gesehen nicht einfach ein weiteres Gebot des HERRN ist, die Schwachen zu tragen, sondern dass es recht und das Mindeste ist, auch so zu handeln? – Der HERR sei gelobt für sein Entgegenkommen! Er sei gelobt für seine Absicht und Vollendung, die Schwachen zu tragen! Er sei gelobt für seinen damaligen Verzicht, die himmlischen Heere zu seinem Schutz zu mobilisieren! Wie unendlich dankbar können wir für seine moralisch unvergleichlich hochstehenden Entscheidungen, welche von einer unendlichen Liebe zu seiner Schöpfung zeugen, sein! Amen!

Vers 4

Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben.   Röm 15,4  

Vers 4

Dieser Vers, sowie auch jene Parallelverse aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 10, die ich auch noch hinzuziehen möchte, sind von grosser Wichtigkeit. Sie zeigen die grosse Bedeutsamkeit der alttestamentlichen Schriften, von denen einige glauben, sie seien für uns nicht mehr massgebend, da wir jetzt in der Zeit des Neuen Testamentes leben. Die Tatsache, dass das Gesetz Moses den neutestamentlichen Geboten weichen musste, hebt die Wichtigkeit dieser Schriften nicht auf. Sie gehören immer noch zum Wort Gottes, das unerschöpflich ist. Sie weisen in vielen Punkten auf Christus hin (z.B. Passahlamm, siehe 1. Mo 12; Kor 5,7). Wir können in ihnen auch Gottes Charakter kennen lernen und sehen, wie er mit seinem Volk handelt. Darin sind auch die Reaktionen seines Volkes auf die göttliche Führung festgehalten und die allgemeinen Verhaltensweisen der Menschen im Blick auf Gott.

Für die Schriften des Alten Testamentes gilt ebenfalls:

16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.   2.Tim 3, 16.17   

Der Mensch ist immer noch der selbe, wie damals, aus Fleisch und Blut und es gibt nichts Neues unter der Sonne, wie geschrieben steht (Pred 1,9), auch wenn wir einen technologischen Fortschritt verbuchen können. Die Regeln des Zusammenseins mit Gott sind im Grunde dieselben: Ein Opfer verbindet den Menschen mit Gott. So, wie die Tieropfer es im Voraus verkündigten, kam Christus zu seiner Zeit, um in seinem Leib das wahre Opfer darzubringen, welches für die wahren Gläubigen, seine Anhänger, eine Brücke schlägt zu Gott (Joh 14,6).

Wir werden durch die alttestamentlichen Schriften ermuntert (Rö 15,4), aber auch zusätzlich gewarnt (1. Kor 10,6). Israel hatte diese Warnungen noch nicht in dieser Vollendung. – Im Blick auf die Ermunterung haben wir heute noch mehr schöne Beispiele von Gottes Gnade, wie beispielsweise die Wiederherstellung Hiobs aus dem gleichnamigen Buch der Bibel. Auf diese greift auch Jakobus in seinem Brief zurück (Jak 5,11), um die Empfänger des Briefes zu ermutigen, in Prüfungen auszuharren. – Im Blick auf die Warnungen der Schrift ist unsere Verantwortung gestiegen. Durch deren Belehrungen und Darlegungen der Handlungen Gottes wissen wir genau, dass der HERR nicht tatenlos zusieht, wenn sich der Mensch von ihm abwendet und dass die Geduld Gottes verkürzt ist, wenn der Mensch schon vorgewarnt ist. Eindrücklich beschrieben sehen wir Letzteres beim Nachkomme Nebukadnezars, des grossen Königs von Babel, das ist Belsazar. Nebukadnezar wurde von Gott gezüchtigt und gedemütigt, wo sich sein Herz erhob. Wo er dachte, er habe all sein Reich durch seine (eigene) Kraft gegründet, musste ihn Gott eines besseren belehren, damit er erkennen konnte, wer eigentlich der wahre Herrscher und Regent auf Erden und im Himmel ist (Dan 4,30). Gott gewährte Nebukadnezar die Zeit der Zucht und der Besinnung, sieben Jahre lang. Danach erkannte Nebukadnezar die Wahrheit und bekannte durch seinen Mund den wahren HERRN.

Von diesen Begebenheiten erfuhr Belsazar alles, doch er liess sich dadurch nicht beeindrucken, was sein fataler Fehler war. Er war durch die Geschichte gewarnt (Dan 5,22), daher zögerte das Gericht Gottes nicht lange. Er hätte wissen müssen, dass Gott seine Ehre keinem anderen gibt (Jes 42,8), sowieso keinem, der im Lügenwahn lebt. – Weil das Wissen um diese Vorbilder eine grosse Gnade ist, welche uns vor vielen Unannehmlichkeiten schützen kann, werden wir im 1. Korintherbrief eindringlich ermahnt, wie in diesem, heute kommentierten Vers, dass wir uns sollen durch sie warnen lassen!

6 Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach Bösem gierig sind, wie jene gierig waren.
11 Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.   1.Kor 10, 6.11  

Leider – und das sage ich aus meiner traurigen Erfahrung diesbezüglich – ist die allgemeine Tendenz der Christen eine Haltung zu haben wie sie Belsazar an den Tag legte: „Was kümmert uns der Kram von gestern, wir leben heute!“ Solches und Ähnliches hörte ich als Antwort auf meine Ermahnungen diesbezüglich. Auch wurde mir gesagt, dass ich im Neuen Testament mit eindringlicher Ermahnung falsch liegen würde und so die „Frohbotschaft zur Drohbotschaft“ verkommen lasse. Damit wiederholten sie heute die Geschichte, welche den Ermahnern zu jener Zeit widerfuhr:

Prophet Amos: 16 Und nun höre das Wort des HERRN: Du sagst, du sollst nicht weissagen über Israel und sollst nicht reden über das Haus Isaak.  
17 Darum, so spricht der HERR: Deine Frau wird zur Hure werden in der Stadt, und deine Söhne und deine Töchter werden durchs Schwert fallen, dein Land wird mit der Messschnur verteilt werden, und du selbst wirst in einem unreinen Land sterben; und Israel wird gewiss aus seinem Land gefangen wegziehen.   Am 7,16-17   

Prophet Micha: 6 »Weissagt nicht!« weissagen sie. In der Art weissagt man nicht! Die Schmach wird <uns> nicht erreichen.  
7 Darf man so etwas im Haus Jakob sagen? Ist der HERR etwa ungeduldig? Oder sind dies seine Taten? Sind seine Worte nicht gütig gegen <ein Volk>, das rechtschaffen lebt?   Mi 2,6-7  

11 Seine Häupter richten für Bestechung, seine Priester lehren für Lohn, und seine Propheten wahrsagen für Geld. Und <dann> stützen sie sich auf den HERRN und sagen: Ist der HERR <etwa> nicht in unserer Mitte? Kein Unglück wird über uns kommen!   Mi 3,11  

Prophet Jeremia:
4 Und verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies!  
13 Und nun, weil ihr all diese Taten getan habt, spricht der HERR, und ich zu euch geredet habe, früh mich aufmachend und redend, ihr aber nicht gehört habt, und ich euch gerufen, ihr aber nicht geantwortet habt:  
14 so werde ich mit diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, worauf ihr euch verlasst, und mit dem Ort, den ich euch und euren Vätern gegeben, ebenso verfahren, wie ich mit Silo verfahren bin.   Jer 7,4.13.14    

Genau so sprechen die Leiter von vielen Gemeinden heute: „Der Vater ist barmherzig und wird keinesfalls ein Gericht über uns – wir sind sein Volk! – kommen lassen!“ – Ist Israel denn nicht auch Gottes Volk? Und was kam an Übel alles über sie!

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Nochmals eindringlich und mit Leiden für mein eigenes Volk warne ich an dieser Stelle mit Nachdruck: Ein Wandel zur Unehre Gottes wird der HERR an seinem Volk heimsuchen. Für viele Christen wird die Rückkehr des HERRN zur Schande für sie werden, weil sie ihn durch ihre Taten verleugnet und falsch dargestellt haben! Lassen Sie uns den HERRN durch unseren Wandel verherrlichen! Amen!

Verse 5-7

5 Der Gott des Ausharrens und der Ermunterung aber gebe euch, gleichgesinnt zu sein untereinander, Christus Jesus gemäss,  
6 damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht.  
7 Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!   Röm 15,5-7  

Vers 5

Dass Gott ein Gott der Ermunterung ist, wissen wir alle. Er ermuntert sein Volk durch seine Barmherzigkeiten. Er offenbarte sich als der gute Hirte, der sein Leben lässt für die Schafe (Joh 10,11). Mit Gott sind wir getröstet und ermuntert. Doch weshalb bezeichnet Paulus Gott auch als Gott des Ausharrens? Weshalb sollte Gott ausharren müssen? Er kann ja tun und lassen, was er will! Er ist allmächtig! Was seine Seele begehrt kann er ihr doch sofort zuführen? – Im Grunde genommen kann er das. Doch wenn er danach handelte, wäre seine Seele nicht wirklich zufrieden, denn er müsste aufgeben, was er lieb hat. – Nehmen wir ein Beispiel: Ein Vater wünscht sich folgsame Kinder. Ein irdischer Vater muss darauf hin arbeiten. Mit viel Geduld und vielfältigen Ermahnungen, Tröstungen und inneren Kämpfen erzieht ein liebender Vater seine Kinder in der stetigen Hoffnung, dass sie gut gedeihen mögen. Der allmächtige Gott hingegen müsste gemäss seiner Kraft diesen Weg nicht beschreiten. Wir wissen, dass er in einem Nu ein ganzes Volk vernichten und an dessen Stelle ein neues schaffen kann, sollte es sich als widerspenstig zeigen (2. Mo 32,10). Doch Gott, der HERR, handelt nicht so, auch wenn sein Volk Ihn oft zum Zorn reizt und ermüdet (Jes 43,24). Die Liebe zu seinem Volk hindert ihn daran, den kürzesten Weg zu gehen um seine Seele zu befriedigen, er lässt seinem Zorn nicht ohne Weiteres freien Lauf (Ps 78,38 u.a.). Der HERR gibt Zeit, auch wenn er es nicht nötig hat, Zeit zu geben. Er harrt aus, dass der Schwache die Zeit findet, die er braucht, sich zu heiligen, um dem kommenden Gericht entfliehen zu können. Und das ist ein tatsächliches Ausharren, wie es die Elberfelder Bibel übersetzt. Andere Übersetzer nahmen an dieser Stelle das Wort „Geduld“. Geduld ist jedoch nicht das, was man tatsächlich braucht, wenn der eigene und sehr geliebte Sohn seit 2000 Jahren verspottet, das irdische Volk (Israel) geknechtet und geplagt und das himmlische Volk zu einem ekelerregendem Fremdkörper* verkommt (* gilt nicht für den Überrest der Christen), den Er aus dem Munde speien muss (Laodizea, Offb 3,16). – Trifft da das Wort „Ausharren“ für Gottes Warten nicht besser zu als „Geduld“? Gott harrt aus, bis jene, die sich in Ordnung bringen lassen möchten, soweit sind, auch wenn die Schwachheit gross ist und die Prozedur viel Zeit beansprucht. Gott wartet auf das mutter- und vaterlose, hinkende kleine Lämmlein, welches danach trachtet, in Gottes Gegenwart Schutz zu finden. Er wartet, auch wenn er gleichzeitig verspottet, geschlagen, verflucht und geleugnet wird. Er, der allen Menschen die Sonne aufgehen lässt und den Regen sendet, wartet, obschon er den Grimm seiner Seele in einem Augenblick stillen könnte! – So ist unser Gott! Er ist ein Gott des Ausharrens! Er sei gelobt!

Auch wir können in unserem Dienst ermüden. Vielleicht dienen wir während einer Zeit in einer Gemeinschaft, wo wir den Eindruck haben, unser Wirken bleibe unbeachtet und ohne Frucht. Dann kann der Wunsch aufkommen, die Gemeinschaft zu verlassen und unseren Dienst in ihr aufzugeben, um damit unsere Seele, die des Ausharrens müde geworden ist, zur Ruhe kommen zu lassen. Sollte dies der Fall sein, müssen wir uns dringend fragen, ob tatsächlich unsere Zeit in diesem Kreis abgelaufen ist oder ob der Wunsch zu wechseln aus unserer zu Ende gekommener Geduld entspringt. Dieser Vers macht uns darauf aufmerksam, dass wir uns in allem an Jesus Christus orientieren sollen. Damit ist klar, dass in diesem erwähnten Fall ein Bleiben angesagt ist, sollte der HERR nicht selbst den Befehl geben zu wechseln. Ein zweiter legitimer Grund, in eine andere Gemeinschaft zu gehen, wäre noch das Vorhandensein von vorsätzlich behaltener Sünde in der aktuellen Gemeinschaft.

Damit ist den Starken von einem weiteren Blickwinkel aus gesagt, dass das Tragen der Schwachen auch dann nicht aufgegeben werden soll, wenn die Seele zu ermüden droht. Weil Gott ein Gott des Ausharrens ist und wir uns an Christus, der den Vater repräsentierte, orientieren sollen, sind wir aufgefordert, ihm gleich zu tun. Damit diese Aufgabe ohne auszubrennen zu bewältigen ist, müssen die in der hier angesprochenen Zielgruppe, die Starken, wissen, wo sie Kräfte schöpfen können, denn manchmal kann die Belastung vorzustehen (Mt 24,45) über das eigene Vermögen gehen (1. Sam 30,6). Wie die Eltern einer Familie mit fast unbelehrbaren Kindern zur Verzweiflung kommen können, kann es den geistlichen Leitern einer Gemeinde ergehen. Dann nämlich, wenn über Jahr und Tag nach vielem Zureden und reichlicher Ermunterung der Geschwister keine Frucht zu wachsen scheint.

Starke bleiben nur stark, wenn sie sich regelmässig, mehrmals täglich, mit dem HERRN besprechen. Der Weinstock gibt das nötige Lebenselixier zur Reifung der Früchte. Fehlt dieses, verdorren sie. Kappt ein Christ, sei er noch so stark gewesen, diese Verbindung zu Christus, kann er unmöglich den geistlichen Aufgaben gerecht werden und wird sie als Belastung empfinden. Und ein belasteter bzw. überlasteter Mensch verrichtet seine Dienste nicht mehr fröhlich und mit aufgestelltem Gemüt. Wie wir wissen, wäre ein solches Dienen nicht förderlich für die Geschwister.

Vers 6

Wenn wir so handeln, in einem Sinn, der nur darauf trachtet, dem anderen in der Nachfolge Christi zu helfen, werden wir alle zusammen das Gleiche auf dem Herzen haben: Gott zu verherrlichen, der einen einmaligen Plan mit dem Menschen hat und ihm in jedem echten Bedürfnis angemessen begegnet!

Vers 7

Die nochmalige Ermahnung, einander aufzunehmen, unterstreicht einmal mehr aufs Deutlichste, dass Gott es ernst meint mit der gegenseitigen Rücksichtnahme. In der Gemeinde sollte es keinen Platz für egozentrisches und selbstgefälliges Gehabe geben, welches nur Streitereien auslöst. Ausserdem sollen wir wissen, dass, wenn wir einander so aufnehmen wie es Christus mit uns getan hat, Gott verherrlicht wird, weil wir dabei mit unseren Taten seinen Willen bejahen. – Eine ehrenvolle Aufgabe! Amen!

Verse 8-10

8 Denn ich sage, dass Christus ein Diener der Beschneidung geworden ist um der Wahrheit Gottes willen, um die Verheissungen der Väter zu bestätigen,  
9 damit die Nationen aber Gott verherrlichen möchten um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: »Darum werde ich dich bekennen unter den Nationen und deinem Namen lobsingen.«  
10 Und wieder sagt er: »Seid fröhlich, ihr Nationen, mit seinem Volk!«  Röm 15,8-10    

Vers 8

Christus wurde ein Diener der Beschneidung, damit die Verheissungen der Väter überhaupt in Kraft treten können. Wie sonst hätte Israel von Gott, der das Böse nicht anschauen kann (Hab 1,13), den Platz im Reich überhaupt noch halten können, wo sie doch die Gnade Gottes verschmähten und als Höhepunkt der Bosheit ihren Heiland vorsätzlich ermordeten, indem sie ihn durch ungerechte Richter der Nationen (Lk 23,14) kreuzigen liessen? In Ihm hat Israel den Schlüssel zu den Verheissungen, jedoch nur, wenn sie Ihn annehmen, denn aus dem Gesetz wird kein Mensch gerechtfertigt (Gal 3,18).

Vers 9

Die Nationen werden Gott um der Barmherzigkeit willen verherrlichen, die ihnen durch Christi Jesu Leben und Sterben widerfährt. Sie waren nämlich gänzlich ohne Hoffnung (Eph 2,12). Israel hatte die Verheissungen. Aufrichtige Israeliten, welche sahen, dass sie es nicht schaffen werden das Gesetz zu halten, wussten aufgrund der Verheissungen und der Treue Gottes, dass Gott einen Erlöser senden würde, damit die Verheissungen nicht hinfällig werden. So konnten sich schriftkundige und demütige Israeliten noch an etwas festhalten: ihrem Messias. Die Nationen hingegen hatten nichts zu hoffen, sie hatten gar nichts in der Hand. Die Tatsache, dass die Gnade für Israel durch Christus auch zu den Nationen überschwappt, offenbart die Barmherzigkeit Gottes. So verherrlichen die Nationen Gott um der Barmherzigkeit willen.

Vers 10

Hier sehen wir Gottes Absicht offenbart: Er will die Nationen in die Rettung Israels einschliessen, er ist der Retter aller Menschen, die sich retten wollen (Hes 18,23). Deshalb haben die Nationen, sowie sein Volk, Grund zur echten Freude: Sie werden, wie jene, durch den Glauben an Christus gerettet!

Verse 11-13

11 Und wieder: »Lobt den Herrn, alle Nationen, und alle Völker sollen ihn preisen!«  
12 Und wieder sagt Jesaja: »Es wird sein die Wurzel Isais, und der da aufsteht, über die Nationen zu herrschen – auf den werden die Nationen hoffen.«  
13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr überreich seiet in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes! Röm 15,11-13   

Vers 11

Wenn die – ach! –  so verblendeten und verführten Nationen, welche denken, wie aufgeklärt sie seien und das mit dem kindischen Spruch „Wir leben im 21. Jahrhundert!“ untermalen, endlich erkennen, dass es Du bist, o HERR, der sie am Leben erhält, und Du es bist, von dem sie in Bezug auf Atmung, Wärme, Ernte, Nachwuchs, Frieden, Gesundheit, Ausbildung und Leben abhängig sind, dann werden sie ihren Kopf senken und die Stimme des Prahlers wird verstummen müssen! Wenn sie erkennen, wie verführt sie waren und tatsächlich weder zur Rechten noch zur Linken unterscheiden konnten (Jon 4,11) und dazu noch auf dem Weg zur Hölle waren, Du einen Rettungsplan ohne ihr dazutun wirktest und Du ihnen einen Rettungsanker in Deinem geliebten Sohn – trotz unserer Bosheiten – bereitstelltest, ist es an der Zeit, dass Dich die ganze Welt lobt und alle Völker beginnen, Dich zu preisen, HERR! Amen!

Vers 12

Isai war der Vater Davids, des Königs von Israel. David wird oft als Schatten für Christus, des wahren Königs, verwendet in der Bildsprache der Bibel (z.B. Jer 30,9). „Die Wurzel Isais“ bedeutet, dass Christus nicht nur David, sondern auch schon seinen Vater trug. Und heute wissen wir, dass die Welt durch Christus wurde, dass der Vater alles durch Christus schuf (Kol 1,17). Die Wurzel Isais ist somit auch die Wurzel Adams, der Ursprung der Menschheit. Diese Wurzel ist auch im Blick auf die Errettung und den neuen Menschen der Ursprung und die Quelle. Christus ist das Zentrum und wer leben will, wird seinen Blick auf ihn richten, die Juden wie auch die Menschen aus den Nationen!

Vers 13

Unser Gott der Hoffnung – sein Wort wird ganz bestimmt in allen Punkten eintreten (vgl. 1. Kö 13,32 mit 2. Kö 23,16 als Bsp.)! – soll die Leserschaft seines Briefes, das gilt auch für uns, trösten. Paulus wünscht der Leserschaft dabei Freude und allen Frieden im Glauben. – Weshalb, zu welchem Zweck? – Damit wir überreich sind in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!

Liebe Leserinnen und Leser! Auch ich bin selbst ein Mensch, behaftet mit all seinen Schwachheiten. Ich weiss aus persönlicher Erfahrung, dass sich hingestreckte Hoffnung in Verzweiflung ändern kann. Das wird selbst durch die Bibel bestätigt (Spr 13,12). Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank, auch dann, wenn wir in unseren Leiden beste Beistände, Coaches und Instruktoren haben. Letztere mögen unsere Zeit des Ausharrens etwas verlängern, doch wenn am Ende immer noch keine Erleichterung kommt, tritt die Resignation trotzdem ein. Aus diesem Grund wünscht uns Paulus nicht menschliche Werkzeuge, Instruktoren, um unsere Hoffnung zu stärken; er wünscht uns die Kraft des Heiligen Geistes, welcher aus der unerschöpflichen Kraft Gottes darreicht was wir benötigen. Wir brauchen Freude und Frieden von Gott um unaufhörlich stark zu sein in der Hoffnung. Dies soll durch die Kraft des Heiligen Geistes geschehen! Amen.

Vers 14

Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst im Blick auf euch überzeugt, dass auch ihr selbst voller Güte seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, auch einander zu ermahnen.   Röm 15,14   

Vers 14

Paulus schreibt diesen Brief in einer sanften Art und Weise. Auch wenn er im nachfolgenden Vers von kühnen Worten spricht, redet er in Liebe und Weisheit zu ihnen. Obwohl ihm wohl lehrmässig niemand in Rom hatte das Wasser reichen können – wer hatte schon diese Aufgabe und Stellung vom HERRN, geschweige denn seine Art der Ausbildung genossen (2. Kor 12,2)? – spricht er den dortigen Christen Güte, Erkenntnis und Lehrfähigkeit zu. Er war überzeugt, dass die Gemeinde in Rom verständig handeln würde. Dazu gab er ihnen mit diesem Brief ein Werkzeug der Erkenntnis Gottes in die Hand, das beispiellos ist. Die Belehrungen für den Menschen über seinen Weg, das Fleisch, das Gesetz, die ausweglose Kombination Fleisch und Gesetz, die Gnade, Jesus Christus, das christliche Sozialleben und die Anweisungen im Blick auf die Schwachen sind von solcher Qualität, dass er – auch in seiner Abwesenheit – getrost darauf vertrauen konnte, dass sie mit diesem Werkzeug die wesentlichen Unklarheiten, sollten Sie solche gehabt haben, aus der Welt schaffen konnten.

Der HERR sei gelobt für seine Sorge um die Christen in Rom, dafür, dass er einen Apostel mobilisierte, den er befähigt hatte, solche Offenbarungen zu schreiben, welche nicht nur den damaligen Christen nützlich waren, sondern auch uns im 21. Jahrhundert ein gewaltiges Licht in die Dunkelheit spenden! Amen.

Verse 15-17

15 Ich habe aber zum Teil euch etwas kühn geschrieben, um euch zu erinnern wegen der mir von Gott verliehenen Gnade,  
16 ein Diener Christi Jesu zu sein für die Nationen, der priesterlich am Evangelium Gottes dient, damit das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist.  
17 Ich habe also in Christus Jesus etwas zum Rühmen in den Dingen vor Gott.
Röm 15,15-17  

Verse 15-16

Wie wir wissen, wurde Paulus auf eine besondere Weise in den Dienst Jesu gestellt und ausgebildet. Er hörte die Stimme des HERRN persönlich und wurde dabei kurzzeitig blind (Apg 9,4). Nach seiner übernatürlichen Heilung (Apg 9,17), Ausbildung durch den HERRN (2. Kor 12), seiner besonders und durch den Geist erfolgten Aussendung (Apg 13,2) war Paulus eine Autoritätsperson des HERRN. Ihm gebührte Respekt und Gehorsam, denn die Dinge, von denen er sprach, zeugten von der Wahrheit und wiesen den Weg ins Reich. Jedermann, der ihm Gehör schenkte, tat gut damit, denn Paulus sprach die Worte des HERRN. Wer Paulus verwarf, verwarf auch den HERRN und seine Worte, denn Paulus war ein Abgesandter Gottes. Mit diesem Wissen und dieser Berufung konnte Paulus natürlich selbstsicher und kühn schreiben, da er wusste, wovon er sprach und was die Konsequenzen der Annahme bzw. der Verwerfung seiner Worte waren. Er war nicht zu vergleichen mit einem weltlichen Philosophen, welcher mit seinen Weltanschauungen in engen Grenzen bleibt. Paulus hatte Worte des ewigen Lebens (Joh 6,68); er gab die Worte Christi weiter.

Sein Dienst war dazu da, „das Opfer der Nationen“ angenehm zu machen. – Was bedeutet das? – Die Opfer des Alten Testaments mussten ja rein und fleckenlos sein. Wir wissen auch, dass kein Mensch fehlerfrei ist vor Gott. Paulus’ Aufgabe bestand nun darin, aus den Nationen Jünger Christi zu gewinnen und sie in den Heiligungsprozess zu bringen, damit sie am Ende heilig und tadellos seien. Dazu war er nicht „nur“ ein Apostel, sondern auch ein exzellenter Hirte und Lehrer. Durch seine Lehrbriefe hielt er Gemeinden zusammen und wies ihnen den geraden Weg des HERRN. Durch seine Worte konnten die Christen ihren Weg richtig ordnen vor dem HERRN und dem Heiligen Geist den Raum geben, den Er für ihre Heiligung brauchte.

Vers 17

Paulus hatte etwas zum Rühmen, weil Christus ihn in den Dienst gestellt und ihm eine so prächtige Aufgabe anvertraut hatte: Paulus’ Aufgabe war mit dem „Menschenfischen“ nicht getan, sie umfasste auch die Zurechtbringung dieser Menschen, damit sie am Ende ohne Tadel vor dem HERRN erscheinen konnten bzw. heute noch können. Ist das nicht etwas Gewaltiges? Er war ein Generalist, ein Universaltalent für die Gemeinde.

Nicht viele Christen können so viele vereinte Fähigkeiten vorweisen und haben daher auch nicht die Aufgaben, die Paulus anvertraut wurden. Kein Christ, soll denken, er tauge nur etwas, wenn er ein gleiches Ergebnis vorweisen kann, wie Paulus es konnte. Paulus hatte viele Fähigkeiten, somit wurde auch viel von ihm erwartet. Wer viel bekommen hat, von dem wird viel erwartet, wer wenig hat, bei dem wird wenig gesucht werden (Lk 12,48). Diese Wahrheit deckt sich mit jener aus Matthäus 25 (V15), wo die Rede von der Vergabe der Talente ist, die nach der jeweiligen Fähigkeit der Knechte erfolgte. So, wie der HERR Kompetenzen erteilte, beginnen auch heutige Firmen zu handeln. Personalabteilungen wissen, dass die Mitarbeiter gemäss den Fähigkeiten eingesetzt werden sollten. Sie arbeiten dann ohne zu ermüden am produktivsten, da ihnen die Arbeit zusagt. Man spricht dann vom „massgeschneiderten Job“.

Der HERR wird von allen, den sehr begabten, sowie auch von weniger begabten Christen Rechenschaft fordern. Jeder wird erzählen müssen, was er mit dem anvertrauten Gut des HERRN getan hat.

Lassen Sie sich nicht entmutigen und von der Arbeit im HERRN abhalten, auch dann nicht, wenn Sie der Ansicht sind, nicht viel bewegen zu können! Es wird nicht mehr gefordert als möglich ist. Der HERR ist kein Sklaventreiber. Wenn Sie Kinder haben, gibt der HERR die Zeit und die nötigen Investitionen für die Familie. Es ist nicht verlangt, die ganze Zeit in der Gemeinde zu wirken und die Familie dabei sträflich zu vernachlässigen. Auch Ihre Kinder sollen, wie die Zielgruppe des Paulus, ausgebildet und in den Dingen des HERRN unterwiesen werden, damit sie einmal geheiligt und untadelig vor dem HERRN stehen können. Oder denken Sie, der HERR könne seine Diener nicht so platzieren, dass eher Unverheiratete die alltäglichen Besorgungen für die Gemeinde erledigen und damit die Väter und Mütter zugunsten ihrer Kinder entlasten? – Ehren Sie den HERRN durch Ihren Wandel! Amen.

Verse 18-21

18 Denn ich werde nicht wagen, etwas von dem zu reden, was Christus nicht durch mich gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort und Werk,  
19 in der Kraft der Zeichen und Wunder, in der Kraft des Geistes, so dass ich von Jerusalem und ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium des Christus völlig verkündigt habe.  
20 So aber setze ich meine Ehre darein, das Evangelium zu verkündigen, nicht da, wo Christus genannt worden ist, damit ich nicht auf eines anderen Grund baue;  
21 sondern wie geschrieben steht: »Denen nicht von ihm verkündigt wurde, die werden sehen, und die nicht gehört haben, werden verstehen.«   Röm 15,18-21   

Vers 18

Paulus wagte nicht, von etwas zu reden, was Christus nicht durch ihn gewirkt hatte. Obschon er ein Generalist war und über ausgezeichnete Fähigkeiten verfügte, sprach er nie aus deren Kraft. Er wusste, dass Werke ausserhalb Christus, seien sie vom weisesten Mann gewirkt, im Blick auf das Reich nichts bringen. „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun“, sagt Christus zu den Seinen (Joh 15,5).

In einer Stellenbewerbung müssen wir, seien wir noch so selbstlos, unsere Arbeitsqualifikationen erwähnen und unsere Fähigkeiten beschreiben, dass die Personalverantwortlichen eines potentiellen Arbeitgebers einschätzen können, ob wir die richtige Person für die ausgeschriebene Stelle sind. Da im Reich alles wirklich Beständige ausschliesslich durch den Geist Jesu gewirkt wird, werden in der Erwähnung des Wirkens die menschlichen Fähigkeiten von gottesfürchtigen Personen ganz ausser acht gelassen. Auch wenn die menschlichen Fähigkeiten bei der Auswahl Christi für bestimmte Ämter und Aufgaben eine Rolle spielen, muss das Gelingen durch den Geist gewirkt werden. – Wie ist das zu verstehen? – Nehmen wir zur Veranschaulichung einen Wachmann (Wächter). Um eine Sache zu beschützen, braucht es auch Menschen mit entsprechenden Qualifikationen, wie in allen anderen Bereichen. Ein Wachmann muss neben ausserordentlich hoher Zuverlässigkeit auch über ein unkompliziertes Schlaf- und Wachverhalten verfügen, damit er die flexible Arbeitszeit gut verträgt. Er muss die Eigenschaft haben, in seinen Ruhezeiten, auch wenn sie oft zeitlich wechseln, sich wirklich erholen und schlafen zu können. Dazu muss er wachsam, äusserst gewissenhaft und körperlich in guter Verfassung sein. Verfügt er über alle diese Fähigkeiten, ist er qualifiziert für diese Stelle. Wirklicher Erfolg in seiner Arbeit kommt aber ausschliesslich vom HERRN. Denn es heisst:

Wenn der HERR das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergebens daran. Wenn der HERR die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergebens.   Ps 127,1  

Wir sehen, dass eine Firma, Stadt oder ein ganzes Land mit den am besten dafür geeigneten Leuten nicht erfolgreich operieren können, wenn der HERR seinen Segen nicht darauf legt.

Paulus wollte deshalb nicht aus seiner (eigenen) Kraft reden, auch wenn er bezüglich Rhetorik und Wissen über die Gesetze und Bräuche der Juden und der Kirche mehr als die Mehrheit wusste. Er war im Klaren darüber, dass sein Werk nur durch den Segen des HERRN zustande gekommen ist. Und nicht nur das: Es brauchte dazu zusätzlich den Geist, den wir nicht aus uns selbst geben können. Wir können zwar alles optimal vorbereiten, doch für den Erfolg braucht es Geist und Segen. Amen.

Vers 19

Diese göttliche Kraft, die wir im vorangegangenen Vers betrachtet haben, wird hier erwähnt. Ausschliesslich durch sie, welche Zeichen und Wunder wirkte, kam der Erfolg für Paulus, dass er das Evangelium „von Jerusalem und ringsumher bis nach Illyrien“ hatte „völlig“ bringen können.

Vers 20

Wie wir wissen, war Paulus nicht nur ein exzellenter Lehrer und Hirte, er war auch ein Evangelist. Er hätte an bereits evangelisierten Plätzen nur zu lehren brauchen, die mühsame Arbeit des Evangelisten wäre ihm erspart geblieben. Da Paulus aber niemals nachlässig in seiner Arbeit sein bzw. sich auf „fremden“ Lorbeeren ausruhen wollte, suchte sich Plätze, wo alle seine gegebenen Fähigkeiten zum Einsatz kommen konnten, um am effizientesten zu sein in seinen Aufgaben. Damit ehrte er den HERRN am meisten. So mied er Plätze, die schon evangelisiert waren, obschon er dort, wie erwähnt, eine leichtere Arbeit hätte antreffen können.

Vers 21

Er trat damit direkt in die Fussstapfen Christi, der anderen diente, ohne sich dienen zu lassen, was das Erlösungswerk, isoliert betrachtet, betrifft. Die Menschen, die ihm mit ihrer Habe dienten (Lk 8,3), durften im Gesamtwerk Gottes, wo der Mensch eingeschlossen wird, mitwirken.

Soweit es möglich war, ahmte Paulus Christus nach, indem er alles, was durch seine Fähigkeiten möglich war, ausschöpfen wollte und nicht versuchte, in seinen Aufgaben „eine ruhige Kugel zu schieben“, wie man gemeinhin eine stress- und ressourcenschonende Tätigkeit nennt.

Trachten Sie im Reich bitte nicht nach einer zu lockeren Aufgabe, nur um der Leichtigkeit willen. Ängstliche Christen lassen sich manchmal zu schwere Aufgaben aufbürden, solche, die sie mangels Fähigkeiten gar nicht bewältigen können, wogegen eher lethargisch veranlagte nach leichten Ausschau halten. Das soll nicht so sein. Ein Arbeiter, der seinen HERRN ehrt, stellt sich an den zugewiesenen Platz. Dieser Platz entspricht seinen Fähigkeiten, Christus über- und unterfordert den Menschen nicht. So wie Paulus seinen Fähigkeiten entsprechende Aufgaben suchte, sollen wir tun.

Der HERR will keine überforderten Knechte sehen! Er gibt immer die ganzen benötigten Ressourcen für eine Aufgabe. Fühlt sich jemand überfordert, so soll er dringend prüfen, ob er am rechten Platz steht. – Dass der HERR bei unterforderten Knechten, angesichts der vielen Arbeit und der wenigen Arbeiter (Lk 10,2), nicht gerade beeindruckt ist, liegt auch auf der Hand. Amen.

Verse 22-24

22 Deshalb bin ich auch oftmals verhindert worden, zu euch zu kommen.  
23 Nun aber, da ich in diesen Gegenden keinen Raum mehr habe und seit vielen Jahren ein grosses Verlangen, zu euch zu kommen,  
24 falls ich nach Spanien reise – denn ich hoffe, auf der Durchreise euch zu sehen und von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich euch vorher etwas genossen habe –,   Röm 15,22-24   

Vers 22

Weil der Dienst des Paulus ganz nach dem von ihm zitierten Vers aus Jesaja (52,15) gerichtet war, musste er in erster Priorität bei den Ungläubigen aus den Nationen erscheinen, sein Dienst begann bei ihnen. Sich an anderen Geschwistern zu erfreuen und bereits existierende Gemeinden zu stärken, stand in seinem Pflichtenheft an zweiter Stelle. Demgemäss beginnt dieser Vers mit dem Wort „deshalb“. Deshalb, aus diesem Grunde war Paulus oftmals verhindert worden, nach Rom zu kommen. Zuerst mussten seine Hauptaufgaben erledigt werden, die ihm Gott aufgetragen hatte.

Daraus können wir die klaren Strukturen in Gottes Absichten und seinen Aufträgen ablesen. Sein Auftrag lautet nicht nach der Art und Weise, wie er heute vielerorts von Eltern und sonstigen Autoritätspersonen ausgesprochen wird. Viele menschliche Auftraggeber haben angesichts des grossen Ungehorsams der Menschen und der ungesunden humanistischen Lehre, welche im Blick auf böse und berechnende Menschen unverzeihliche Lücken aufweist, resigniert. Aufträge mutieren so zu Empfehlungen. „Kind, ich wäre noch froh, wenn du den Abfalleimer zur Sammelstelle bringst“, so tönt in etwa ein „frommer“ Wunsch der Eltern. Wenn sich das Kind dazu bequemt, meinen sie schon fast, es belohnen zu müssen, auch wenn durch diesen Dienst des Sprösslings den Eltern nicht einmal ein verschwindender Bruchteil des Empfangenen vergolten wird. In Betrieben regiert auf der anderen Seite kaltes Machtgehabe der Chefs, die ihre soziale Inkompetenz und Hilflosigkeit bei schwer zu lenkenden Mitarbeitern mit sofortiger Androhung der Kündigung offenbaren.

Im Dienste Gottes sollten wir berücksichtigen, dass die göttlichen Aufträge keine Empfehlungen sind. Auch wird der HERR nicht um deren Erfüllung betteln. Gott verlangt, dass seine Aufträge vollständig und zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt werden. Dazu sollten wir uns die Kenntnis aneignen, dass es Gott nicht an Kompetenzen, Mitteln und Wegen mangelt, wenn sich seine Diener als nachlässig zeigen. Denken Sie an die Konsequenzen bei Saul, nachdem er den Befehl Gottes im Blick auf die Amalekiter nicht vollständig ausführte (1. Sam 28,18). Achten Sie auf die Handlungsweise Gottes beim widerspenstigen Jona, der in Ninive das Gericht nicht predigen wollte. Die Zeit würde nicht reichen, alle Erziehungsmassnahmen Gottes aus der Bibel zu zitieren. – Nur zu gut kannte Paulus seinen HERRN und hinterliess deshalb als Warnung für untreue und nachlässige Diener folgenden Ausspruch:

Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!   1.Kor 9,16  

Die Verkündigung des Evangeliums war Paulus’ Aufgabe. Es war nicht eine Bitte Gottes, es doch zu tun, wenn es im Wohlgefallen des Beauftragten liegt. Hätte er es nicht getan, so wusste Paulus aus dem Vorbild von Jona, dass Gott sich nicht verspotten lässt. Auch wird der HERR im Falle des Ungehorsams nicht hilflos dastehen, wie viele Eltern es bei ihren rebellierenden Sprösslingen tun und dabei sagen: „Tja, wenn sie halt nicht wollen. So ist die heutige Generation nun mal!“ Wehe dem Paulus, wenn er die Worte dessen, der durch seine grosse Barmherzigkeit für Menschen starb, wo sie noch gegen ihn sündigten, nicht verkündigt hätte, wo ihm doch dieser Auftrag von höchster Stelle gegeben war! Wehe einem Jona! Wehe einem Saul!

Verse 23-24

Paulus war der Überzeugung, dass seine Arbeit in den von ihm bereisten Gegenden (zumindest vorerst) beendet war und er in weiter entlegenen Gefilden, in Spanien, wirken sollte. Die Reise dorthin wollte er als Gelegenheit nutzen, um die Geschwister in Rom zu besuchen und sich an ihnen zu erfreuen. Er wollte sie „geniessen“, wie wir es bei uns sehr lieb gewordenen Verwandten täten, wenn wir sie nach langer Zeit wieder zu Gesicht bekämen.

Über Paulus’ Vorhaben bezüglich der Reise und den Umständen, dass es anders kam, gäbe es viel zu schreiben, wobei ich hier der momentanen Überzeugung bin, es bei diesen Worten zu belassen.

Möge uns der HERR die Augen im Blick auf seine Aufträge und die dazugehörigen Befähigungen öffnen, damit wir Ihm in allem, was wir tun, wohlgefällig sind. Amen.

Vers 25

nun aber reise ich nach Jerusalem im Dienst für die Heiligen.   Röm 15,25  

Vers 25

Paulus spricht hier von seiner Reise nach Jerusalem. Wie wir im folgenden Vers sehen, überbringt er damit eine Segensgabe der Heiligen aus Mazedonien und Achaja. Ob Paulus damit, seiner Berufung gemäss, das Richtige tat, bleibt offen. Die Fakten, die dagegen sprechen, sind meines Erachtens grösser als jene, die diese Reise befürworten. – Dafür spricht der allgemeine Rahmen, in dem sich ein Christ bewegen sollte. Im Blick der Nächstenliebe tat Paulus nichts Falsches, es ist eine Selbstverständlichkeit, den Gemeinden zu dienen. Im Zeichen dieses Dienstes kündigte Paulus schliesslich auch diese Reise an. Auch dem natürlichen und guten Bedürfnis Paulus’, die Personen in Jerusalem zu treffen, die massgeblich bei der Gründung der Kirche beteiligt waren und mit denen er geistlich erwachsene Gesprächspartner hatte, hätte der HERR Rechnung tragen können. So gesehen hätte die Reise sozusagen als Erholungszeit des Apostels betrachtet werden können. Denn im Blick auf die Ressourcen war es eine totale Verschwendung, dass ein so begabtes Mitglied nur als Kurier eingesetzt wird, um Spendengelder von A nach B zu transportieren. – Damit sind wir zu den Fakten gekommen, die dagegen sprechen. Eine Reise Paulus’ mit diesem Ziel ist ein wirtschaftlicher Unsinn, wie wenn ein Konzernchef für eine Zeit die Tätigkeit eines Auszubildenden ausführen würde. Vor allem im Blick auf den Kommentar zu den Versen 20 und 21 wird klar, dass diese Reise aus rein „wirtschaftlicher Sicht“, wenn man dies überhaupt so sagen darf, nicht der Berufung des Apostels der Nationen entsprach. Wäre es nicht passender gewesen, wenn junge Diener der Gemeinde das Geld überbracht hätten? – Der folgende Vers aus der Apostelgeschichte 21 scheint mir der aussagekräftigste zu sein, um Zweifel an der Richtigkeit der Reise zu haben:

Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort; diese sagten dem Paulus durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen.   Apg 21,4  

Die Jünger sprachen durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen. Der grosse Apostel tat es trotzdem, aus was für Gründen auch immer. Und es blieb nicht nur bei dem, dazu kam noch, dass ihn womöglich die jüdische Atmosphäre in Jerusalem mit dem ihm so wohlbekannten Gesetzen des AT derart verführte, dass er sich dort, trotz seiner exzellenter Kenntnisse über den „Neuen Weg“, zu einer Handlung aus dem alttestamentlichen Gesetz hinreissen liess (Apg 21,23-26).

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, dass mehr gegen diese Reise sprach als dafür. Dies zeige ich Ihnen in dieser Deutlichkeit mit einer bestimmten Absicht auf, mit der ich Ihnen im Folgenden einen sehr wichtigen Punkt zu erklären versuche. Dabei steht es mir sehr fern, den Apostel des HERRN zu verunglimpfen, das versichere ich Ihnen vor dem HERRN stehend!

Wenn Paulus’ Fehltritt unser Anlass wäre, seinen Schriften nicht mehr zu vertrauen, handelten wir sehr unweise. – Es ist gut, wenn wir Christus, den einzig unfehlbaren Menschen, zum Vorbild haben. Die Bibel lässt aber neben ihm auch weitere Vorbilder zu. Wie wir im Hebräerbrief, Kapitel 11 auf solche Vorbilder aufmerksam gemacht werden, spricht der Geist:

Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach!   Hebr 13,7  

Wir sollen ihrer gedenken und sie ehren (1. Tim 5,17!). – Leider liegt es in der Natur des Menschen, bei Vorbildern Fehler geradezu zu suchen, um dessen Vorsprung zu sich selbst zu verringern oder ihr Schaffenswerk abzuwerten. – Urteilen Sie selbst, liebe Leserinnen und liebe Leser, sollen wir Paulus’ Briefe nun abwerten, wo wir einen Fehler in seinem Wandel entdeckt haben? Sollen wir sein Schaffen in Frage stellen, wo doch der HERR seine Briefe in das ewige Wort aufnahm und Paulus gegenüber in der üblen Situation nur Worte des Trostes entgegenbrachte (Apg 23,11)? – Nie und nimmer will ich den grossen Diener des HERRN anschwärzen! In seinem Schatten bin ich wie ein Wurm, der im Vergleich nur ein Bruchteil dessen leistet, was Paulus vollbracht hatte. Suchte man in meinem Leben Fehler, wäre der Fehltritt Pauli so unsichtbar klein, dass er aus der Wahrnehmung verschwindet.

Stellen Sie bitte daher keinen Diener Gottes ohne Weiteres in Frage (1. Tim 5,19). Zwar ist es nicht so, dass solche über eine Immunität verfügen. Es ist aber unfein, vom HERRN etablierte Brüder und Schwestern aufgrund von Gerüchten oder kleinsten Schwachheiten zu verurteilen bzw. ihnen das Vertrauen zu entziehen! Derjenige, der Paulus verurteilen möchte, soll erstmal seine Leistung erbringen, indem er sich um Christi willen steinigen lässt, in Gefahren begibt, unter falschen Brüdern weilt und seinen ganzen Willen durch die Verleugnung der Annehmlichkeiten der Welt ausschliesslich dem Dienst hingibt!

Demgegenüber möchte ich nur der Vollständigkeit halber noch sagen, dass diese Grundsätze nicht für gute und etablierte Diener gelten, die sich mutwillig dem bösen Weg zuwenden. Einem Abtrünnigen wird das Gute, das er vorher getan hat, nicht mehr angerechnet (Hes 18,24).

Verse 26-27

26 Denn es hat Mazedonien und Achaja wohlgefallen, eine Beisteuer zu leisten für die Bedürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind.  
27 Es hat ihnen nämlich wohlgefallen, auch sind sie ihre Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer geistlichen <Güter> teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu dienen.   Röm 15,26-27  

Verse 26-27

Paulus zeigt mit diesen Versen auf, dass es recht und billig ist, den bedürftigen Heiligen Hilfeleistung zukommen zu lassen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Nächstenliebe. In der Bibel finden wir sie sehr gut beschrieben, lassen Sie mich zu dieser Stelle einen Vers aus den Sprüchen zitieren:

Sage nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm <später> wieder, und morgen will ich geben! – wo du doch hast. –   Spr 3,28  

Wenn wir etwas haben, sollen wir mit dem teilen, der nicht hat. Die Bibel spricht nicht davon, etwas zu teilen, das nicht vorhanden ist. Wir sind aufgerufen, nach Können, der vorhandenen Kapazität, zu geben.

Paulus bezeichnet die gläubig gewordenen Heiden als Schuldner der Christen, die in Jerusalem wohnen. – Weshalb tut er das? – Die Gründung des Leibes Christi, der Gemeinde, fand in Jerusalem statt. Dort wurde der Geist auf die Jünger ausgegossen. Anschliessend kamen dort, durch ihre Predigt, immer mehr Menschen dazu. Die Gemeinde in Jerusalem ist somit die älteste Gemeinde, aus der schlussendlich das Heil weitergetragen wurde. Durch die Treue dieser gläubig gewordenen Menschen durften weitere Menschen in anderen Teilen der Welt zum Glauben kommen, denn das Heil ist aus den Juden, wie geschrieben steht (Joh 4,22). Die Stelle bezieht sich auf die Person von Christus, die dem Fleische nach aus den Juden stammt, und die Verbreitung des Heils, welches von Jerusalem aus in die ganze Welt getragen wird. Da nun bekanntlich die Kinder den Eltern das Empfangene vergelten sollen (1. Tim 5,4), sollten die Eltern bedürftig werden, sind jüngere Gemeinden den älteren gegenüber Schuldner, da sie von ihnen zuerst (das Geistliche) empfangen haben. Wenn die jüngeren Gemeinden „ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden sind, so sind sie verpflichtet, ihnen auch in den leiblichen zu dienen.“ Amen.

Verse 28-29

28 Wenn ich dies nun vollbracht und diese Frucht ihnen versiegelt habe, so will ich über euch nach Spanien reisen.
29 Ich weiss aber, dass, wenn ich zu euch komme, ich in der Fülle des Segens Christi kommen werde. Röm 15,28-29  

Vers 28

In diesem Vers sehen wir die menschliche Reife Paulus’. Wenn Paulus mit kleinsten Dingen, wie beispielsweise mit diesem Kurierdienst, beschäftigt war, können wir aus seiner Mitteilung darüber wissen, dass er auch solche Aufgaben mit grösster Zuverlässigkeit ausführte. Paulus schreibt auch nicht so darüber, dass wir annehmen müssen, ihm sei diese Aufgabe zu niedrig gewesen. Er schreibt nicht: „Wenn ich eure Gabe abgegeben habe.“ Seine besondere Schreibweise über die Abgabe ihrer Sammlung zeigt seine liebevolle Wertschätzung des Dienstes der Heiligen in Achja und Mazedonien und seine Absicht, das Segensgeschenk in zuverlässiger Weise vollständig und den richtigen Personen abzugeben. Seine Schaffensweise ist somit voll im Einklang der Bibel, denn, wäre es anders, hätte ihm der HERR niemals Grosses anvertrauen können.

Zuerst muss der Mensch lernen, liebe Leserinnen und Leser, in kleinen Dingen treu zu sein. Erst danach kann der HERR den Wert der anvertrauten Dinge steigern. So, wie wir selbst einem halbjährigen Kind kein teures Elektrogerät (z.B. Fotoapparat) in die tollpatschigen Händchen geben, gibt der HERR Unmündigen keine grossen Aufgaben, damit sie sich selbst und dem Reich nicht schaden. So, wie der Fotoapparat im Beispiel mit Sicherheit auf den Boden fallen wird, können Unmündige im Reich nicht mit grossen Dingen umgehen. Dasselbe gilt auch für Menschen, seien sie noch so erfahren, welche bereits in kleinen Dingen unseriös arbeiten. Letzteres kann mit Sicherheit durch das inspirierte Wort gesagt werden (siehe Lk 16,10). Sagen Sie nicht leichtfertig, liebe Leserinnen und Leser, dass sie alles ordnungsgemäss erledigen werden, wenn Ihnen der HERR doch nur eine grosse und prestigeträchtige Aufgabe anvertrauen würde!

Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht.   Lk 16,10  

Sind Sie treu mit den geringen Aufgaben in Ihrer unmittelbaren Umgebung? Oder ist es Ihnen zu wenig, im Stillen die Kranken ihrer Gemeinde zu besuchen, auch wenn davon niemand etwas erfährt, um Sie nachher zu rühmen? Ist es zu gering in Ihren Augen, sich in einen Raum zurückzuziehen und hinter geschlossener Türe für die Gemeinde und die Angehörigen zu flehen und zu bitten, obwohl dies doch von Menschen nicht gesehen wird und Sie dadurch nicht unmittelbare Ehre empfangen können? – Prüfen wir uns selbst! Wer zu echter Ehre von Gott gelangen will, welche sich total von geheuchelter Ergebung der Menschen unterscheidet, muss lernen, im Kleinen zuverlässig zu sein. So wird er auch qualifiziert sein, es im Grossen zu sein und der HERR wird durch ihn/sie grössere Dinge bewegen können. Amen.

Zum zweiten Teil des Verses können wir heute sagen, dass Paulus nach seiner Gefangennahme nie nach Spanien gekommen ist. Paulus, wie auch dem Petrus, wurde durch den HERRN das Ende vorausgesagt (2. Tim 4,6; 2. Petr 1,14).

Vers 29

Ein Christ, der so glaubt, wie Christus lehrte, wird andere tränken können, wie geschrieben steht:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen.   Joh 7,38  

Können Sie das von Sich sagen? Paulus konnte es mit Zuverlässigkeit tun! Wissen Sie arglos, dass durch Sie, wenn sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen, Segen zu ihnen fliesst? – Sollten Sie diese Frage nicht zuverlässig bejahen können, sollten Sie sich zurückziehen und den HERRN bitten, er möge Ihnen aufzeigen, in welchen Dingen Sie noch zweifeln. Amen!

Vers 30

Ich ermahne euch aber, Brüder, durch unseren Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes, mit mir zu kämpfen in den Gebeten für mich zu Gott,   Röm 15,30  

Vers 30

Früher, im Alten Testament, nahm man Schwert und Schild, um mit seinen Brüdern das gottgegebene Land zu verteidigen. Damals hatte das Volk Gottes irdische Zusagen und irdische Ländereien. Im Neuen Testament hingegen ist nicht mehr das Kämpfen mit dem Schwert gefordert, wenn von Kampf gesprochen wird. „Heilige Kriege“ gegen Ungläubige auszurufen und nach Waffen zu greifen ist nicht das, was Gott heute und bis zur Wiederkunft Christi fordert. Paulus, unser Vorbild in diesem Brief, erklärt, wie man heute effektiv kämpft. Christus selbst forderte keine Verteidigung mit Waffen, wo er festgenommen wurde (Mt 26,52), in Johannes 18 geht er noch genauer darauf ein (V 36). Weil sein Reich nicht von dieser Welt ist, haben seine Diener auch nicht gegen die Menschen, irdische Gewalten, gekämpft. Christi Reich ist himmlisch und geistlich und der Kampf ist gegen geistige Gewalten zu führen, erklärt der grosse Diener der Gemeinden im Epheserbrief (Eph 6,12).

Dass ein Kampf zu führen ist, ist offensichtlich. Wie im AT gekämpft wurde, muss im NT gekämpft werden. Lehnen Sie sich bitte nicht zurück, liebe Leserinnen und Leser! Wenn heute kein „Horn Joabs“, des Heerführers Davids, das zum Kampf aufruft, in Wirklichkeit zu hören ist, ertönt dennoch der Schall des Hornes im Reich Christi. Sind sie geistlich genug, um es zu hören?

Was für eine weltliche Armee die Atombombe ist, stellt das Gebet beim Christen dar: Es ist die stärkste Waffe überhaupt. Mit dem Gebet können wir den mächtigsten aller Herrscher, Gott, unseren Vater, dazu bringen, zu handeln (z.B. Lk 18,1-8). Unser Gott ist völlig uneingeschränkt. Selbst Nuklearwaffen haben ihre Einschränkung und Nachteile, selbst für die, die sie einsetzen. Unser HERR kennt keine solchen Grenzen. Er kann in seinem Tun nach freiem Belieben handeln, selbst wenn er die ganze Welt auslöschen möchte (Sintflut), oder kennen Sie eine Begebenheit, wo seine Macht für ein bestimmtes Vorhaben zu klein war?

Elia, ein Mensch wie wir, der auch die gleichen Gefühlsregungen hatte, wie wir sie haben, betete um ein Zeichen vom Himmel. Er wollte das Volk zum HERRN zurückwenden. Der HERR hörte auf seine Stimme und hielt dafür den Regen dreieinhalb Jahre zurück. So bereitete der HERR das Kräftemessen des Mannes Gottes mit den Götzenpriestern vor. Es diente dazu, das Volk zum HERRN zurückzuwenden und geschah, wie erwähnt, durch das Gebet eines einzelnen Mannes und keines Übermenschen! Wie erwähnt, hatte Elia die gleichen Gemütsregungen wie wir (Jak 5,17). Diese Erwähnung sollte uns anspornen, unsere Anliegen vor Gott zu bringen. Sein Beispiel zeigt ganz klar auf, was alles möglich ist mit Gott! Mit dem Gebet zu Gott brachte es Elia so weit, dass er als einzelner über 450 Mann aus dem gegnerischen Lager triumphierte.

Liebe Leserinnen und Leser! Unterschätzen Sie das Gebet nicht! Das Gebet ist stärker als die eigene Weisheit, wenn Sie etwas bewegen möchten. Bringen Sie ihre Anliegen vor Gott! Amen!

Der Vollständigkeit halber muss ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass Sünde den Mensch von Gott trennt. Wenn Ihr Gebet nicht erhört wird, hat es nichts damit zu tun, dass der HERR ihre Stimme nicht hört. Die Ursache kann in der Sünde liegen, die noch unbereinigt zwischen Ihnen und dem HERRN steht. Prüfen Sie die Beziehung zum HERRN täglich! Auch kann es sein, sollte der HERR nicht auf Ihr Gebet eintreten, dass Sie etwas erbeten, das nicht nach seinem Willen ist (2. Kor 12,9). Sollte dies der Fall sein, akzeptieren Sie die Entscheidung des HERRN. Er hat den vollen Überblick im Gegensatz zu uns und weiss, was gut ist und was schadet.

Verse 31-33

31 damit ich von den Ungehorsamen in Judäa errettet werde und mein Dienst für Jerusalem den Heiligen angenehm sei;  
32 damit ich durch den Willen Gottes mit Freuden zu euch komme und mich mit euch erquicke.  
33 Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen.   Röm 15,31-33   

Vers 31

Paulus wusste zu unterscheiden zwischen guten, bösen, gehorsamen und ungehorsamen Menschen (siehe auch Tit 1,12-13). Er wusste, dass in Judäa Menschen wohnten, die Gott ungehorsam waren, indem sie seinen Plan verwarfen und Christen verfolgten. Er bezeichnete sie als „die Ungehorsamen“. Solche Beurteilungen sind voll zulässig. – In der heutigen Zeit ist die Verwirrung unter den Christen teilweise so gross, dass ich so elementare Dinge explizit erwähnen muss. Da gibt es Menschen, auch christliche Leiter, die Stellen wie „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“, nehmen und daraus ein generelles Beurteilungsverbot ableiten und damit die Schrift ungültig machen. Denn die Schrift wird aufgehoben, wenn wir nicht mehr beurteilen dürfen. Wie sollen wir ohne Beurteilungskompetenz mit Matth 18,15-18 umgehen? – Dürfen wir den Unterschiede machen zwischen sündigen Geschwistern und solchen, die ordentlich wandeln? – Wir dürfen es nicht nur, wir müssen es tun! Wie könnte sonst Paulus in der Kraft des Geistes im ewigen Wort Anweisungen über sündige Geschwister geben, wie er es beispielsweise im 1. Kor 5 tut?

Tut den Bösen von euch selbst hinaus!   1.Kor 5,13b  

„Tut den Bösen von euch selbst hinaus!“, will heissen, dass eine Beurteilung die Voraussetzung für diese Handlungsweise ist! Zuerst muss der Fehlbare beurteilt werden, erst dann, nach gefälltem Urteil kann er als „Böser“ eingestuft werden. – „Da müssen wir sehr vorsichtig sein“, lauten die Kommentare, auch von leitenden Christen, bei offensichtlich Fehlbaren in der Gemeinde (z.B. bestätigter Ehebruch), um nichts tun zu müssen und das menschliche Ansehen zu wahren. Solchen Menschen sei hiermit gesagt: „Stellst du die Regeln der Gemeinde auf oder der HERR? Bist du weiser als der HERR, wenn du Fehlbare nach humanistischen Kriterien anfasst und die angeordnete Vorgehensweise des HERRN verwirfst? Dir sei gesagt vom HERRN, vor dem ich stehe – nicht von mir aus -, dass dir, der du offensichtliche Sünde unbehelligt in der Gemeinde duldest und damit Christi Braut verdirbst, vom HERRN hart, – und es ist ein fest beschlossener Entscheid – sehr hart gerichtet werden wirst, vor allem dann, wenn du es wider besseres Wissen tust und du die Möglichkeit hättest, es zu ändern!" – Amen, HERR!

Das „nicht richten sollen“ bezieht sich auf unsere gläubigen Mitmenschen, die arglos mit uns den Weg des HERRN gehen möchten. Wir sollen diese nicht kategorisieren und nach unseren Idealvorstellungen einstufen. Wenn sie der HERR angenommen hat, sind sie einfach unsere Brüder und Schwestern, die wir ehren und lieben sollen, wie man wertgeschätzte Familienmitglieder lieb hat. Unmündigkeit in Lehrfragen lässt noch keine Trennung zu (siehe Korintherbrief). Erst wenn sich ein schlimmer Verdacht erhärtet oder offensichtlich wird, dass jemand mutwillig sündigt oder fahrlässige Sünde (trotz Ermahnungen) nicht in den Griff bekommen will, ist zu handeln (1. Kor 5). Die Vorgehensweise ist in Matth 18, 15-17 genau beschrieben und keine Auslegungssache, damit sie nicht durch „weise Wortinterpreten“ ungültig gemacht werden kann.

Im zweiten Teil des Verses bringt der Apostel zum Ausdruck, dass er seine Aufgabe sehr ernst nimmt. Er sonnte sich nicht im Apostelamt, um die hohe Würde, welche damit verbunden war, zu geniessen. Er bittet sogar die Geschwister um Gebetsunterstützung, damit er im Dienst vor dem HERRN für die Gemeinden untadelig sei! Was für ein schönes Vorbild, das er uns da abgegeben hat! – Gelobt sei der HERR, der dieses Zeugnis für die Nachwelt aufbewahrt hat! Amen!

Vers 32

Danach, nach gut gelungener Arbeit, hätte Paulus mit Freude im Herzen gerne die Gemeinde in Rom besucht. Eine gelungene Arbeit in Jerusalem und der Ausblick, aufrichtige Christen in Rom zu treffen; wäre das nicht ein Grund grosser Freude für den Abgesandten Gottes gewesen? Er setzt in diesem Vers voraus, dass die Gemeinschaft unter gleichgesinnten Christen dem Aufbau dient. Deshalb schreibt er mit den Worten: „…und mich mit euch erquicke!“ Die Aussage offenbart uns seinen Schatz, der das Himmlische, nicht das Irdische, einschloss. Sein Herz war bei den Gemeinden und den Dingen Christi, nicht in der Politik und den Vergnügungen. So, wie Christus sagt (Mt 6,21), dass unser Herz bei den Dingen ist, die uns wertvoll sind, sehen wir an dieser Stelle, dass die Freude des Paulus bei den Dingen Gottes lag: am rechten Platz also. Sollten uns die himmlischen Dinge keine Freude mehr bereiten und wir vielmehr in weltlichen aufgehen und Freude finden, sei uns gesagt, dass wir bereits abgedriftet sind. Freundschaft mit der Welt ist Feindschaft mit Gott (Jak 4,4). Wie kann man die Welt lieben, die von Sünde und dem Teufel (Joh 12,31) regiert wird? Wie kann man ein System lieben, das die Gerechtigkeit mit Füssen tritt und in welchem Gott fortwährend durch Wort und Wandel gelästert wird?

Vers 33

Paulus’ Wunsch, Gott möge mit ihnen allen sein, unterstreicht seine ritterliche Gesinnung nochmals. Er pachtete Gottes Frieden nicht für sich allein, damit er etwas Besonderes wäre, er wollte, dass alle denselben Frieden bekämen! Der Wunsch, dass alle richtig wandelten, ist hier mit eingeschlossen, denn den Ungehorsamen ist kein Friede verheissen. Ihm war es recht, wenn alle so geworden wären, wie er. In seiner Liebe wollte er keine Sonderrechte, sie waren zwar um der Schwächeren willen noch nötig, doch er trachtete danach, dass alle mindestens auf seinen Stand kämen (Gal 4,12) und damit angenehm vor Gott werden würden. Amen.

Kapitel 16

Verse 1-2

1 Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe, die eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä ist,  
2 damit ihr sie im Herrn aufnehmt, der Heiligen würdig, und ihr beisteht, worin immer sie euch braucht; denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst.   Röm 16,1-2  

Verse 1-2

Paulus, zweifellos ein grosser Führer und wichtiger Mann des HERRN, lässt die Leserschaft, wohl unbewusst, den Unterschied zwischen echten geistlichen Grössen und weltlichen Leuten mit Rang und Namen sehr deutlich erkennen, vor allem in diesem letzten Kapitel des Römerbriefes. Paulus erinnert sich und erwähnt die Liebesgaben und schönen Begegnungen, die er mit Christen hatte – egal, auf welcher sozialer Ebene sie standen. Manche Weltmenschen sehen es als recht und billig an, wenn sie von Personen aus unteren Schichten bedient werden, auch wenn diese Dienste ausserhalb eines Anstellungsverhältnisses, also freiwillig, erbracht werden. Ganz anders verhielt sich Paulus, der Mann des HERRN, dessen Schriften Teil des ewigen Wortes wurden! Seine Feinfühligkeit und Liebe zur Gemeinde seines HERRN liess ihn an die Liebesgaben erinnern, welche ihm durch die Geschwister gegeben wurden, obwohl für seine Arbeit ein Lohn als selbstverständlich – sogar durch den HERRN verordnet (5. Mo 25,4)! – verfügt war. Im Klartext heisst das, dass die Gemeinden, welche ihn unterstützten, ihm nur das vergalten, was sie ohnehin hätten tun sollen, weil er ihnen ja mit geistlichen Gütern gedient hatte und diente.

In diesen Versen bringt er die Dienste der Schwester Phöbe in Erinnerung, welche vielen, wie auch Paulus selbst, ein Beistand gewesen war. Wir sehen darin die gleiche Gesinnung, wie jene, die im HERRN selbst ist. Der HERR erinnert sich an alle Liebesdienste, seien sie von noch so unbedeutenden Menschen verrichtet. Er neigt sich zu jedem Menschen herab, obwohl er das in seiner Erhabenheit nicht nötig hat und ist auch in seinen dunkelsten und schmerzhaftesten Stunden besorgt um jeden Menschen, welcher seiner Hilfe bedarf. So gab er noch, am Kreuze hängend und die Welt mit Gott versöhnend, Anweisungen, welche die Versorgung seiner leiblichen Mutter betrafen (Joh 19,27)! – Versetzt uns diese Tatsache nicht in ehrfurchtvolles Staunen?

Lassen Sie uns dieselbe Gesinnung im Herzen haben! Amen.

Verse 3-5

3 Grüsst Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus  
4 - die für mein Leben ihren eigenen Hals preisgegeben haben, denen nicht allein ich danke, sondern auch alle Gemeinden der Nationen –  
5 und die Gemeinde in ihrem Haus! Grüsst Epänetus, meinen Geliebten, welcher der Erstling Asiens ist für Christus!   Röm 16,3-5   

Verse 3-4

Wissen Sie in der Tiefe, liebe Leserinnen und Leser, wie wertvoll echter Gemeindedienst ist? Und sehen Sie, dass dieser, geschieht er in der Ordnung Gottes, geschlechtsneutral bewertet wird? Aquila und Priszilla (Apg 18,2), auch Priska genannt, begegnete Paulus erstmals in Korinth. Das Ehepaar nahm Paulus zu sich auf, die beiden Männer hatten das gleiche Handwerk, und gab dem Paulus so ein Quartier, von wo aus er das Evangelium in Korinth verbreiten konnte. Sie beherbergten Paulus wohl die ganze Zeit in Korinth, das waren anderthalb Jahre, denn der HERR ist nicht interessiert daran, dass seine Mitarbeiter ohne vertraute Herberge in derselben Stadt von Quartier zu Quartier ziehen müssen, auch wenn es darin Menschen gibt, die sich um begnadete Diener des HERRN „reissen“ (Mt 10,11). Der HERR möchte eine Privatsphäre für seine Diener wahren. Sie sollen sich erholen können und sich nicht im Dienst aufreiben lassen. Priszilla und Aquila wurden vom HERRN als würdig erfunden, Paulus eine Herberge zu bieten. Daraus wurde noch viel mehr, schlussendlich beherbergten sie sogar die Gemeinde, was zweimal erwähnt wird (1. Kor 16,19, Rö 16,5). Priska und Aquila war ein sehr gastfreundschaftliches Ehepaar. Sie waren nie zu müde oder unpässlich für die Gemeinde bzw. Mitarbeiter des HERRN – auch ausserhalb Korinths. Das unterstrichen sie mit der völlig unkomplizierten Aufnahme des Apollos in Ephesus (Apg 18,26). Sie sahen ein Bedürfnis und stillten es, indem sie, vorher durch Paulus geschult, ihr Wissen dem Apollos weitergaben.

Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, als wie wertvoll sich Gastfreundschaft erweisen kann? Es wird an keiner Stelle erwähnt, dass Priska und Aquila dieselben „Grosstaten“, wie Paulus sie in Heilungen und Wundertaten ausführen konnte, vollbrachten. Die Schrift stellt sie uns als Menschen dar, die ein offenes Haus gegenüber Diener des HERRN hatten. Das war schon alles. – Doch als wie herrlich und wertvoll wird ihr Dienst bezeichnet! Alle Gemeinden der Nationen und Paulus, der grosse Apostel persönlich, danken ihnen! – Wieso sind alle Gemeinden denn auch dankbar? – Weil Paulus’ Dienst an allen Gemeinden nur durch die Unterstützung Dritter, zum grossen Teil durch Priskas und Aquilas Unterstützung, so effektiv ausgeführt werden konnte. Das Ehepaar hatte durch ihre Unterstützung direkten Anteil am Dienst und somit auch am Lohn des Apostels, wie geschrieben steht:

Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen.   Mt 10,41  

Wer will nach dieser Betrachtung noch sagen, die Gastfreiheit sei unwichtig oder spiele nur eine untergeordnete Rolle? Eine solche Aussage würde eine grosse Unwissenheit und Ignoranz bei Menschen offenlegen, die so denken!

Wie stehen Sie zur Gastfreundschaft (Rö 12,13)? Haben Sie Ihr Leben so geordnet, dass es Ihnen ein Anliegen ist, Diener des HERRN mit Unterkunft oder Unterhalt nach Ihren Möglichkeiten zu unterstützen? Oder beklagen Sie sich schon über die anfallende Arbeit im Dienst? – Echte Diener des HERRN werden einen solchen Dienst niemals ausnutzen! Amen!

Vers 5

Paulus lässt Epanetus, der erste in der Provinz Asien, welcher durch ihn zum HERRN fand, bei den Grüssen nicht unerwähnt. Wie könnte er diesen Menschen vergessen! So, wie sich jeder über die erste Frucht seiner Arbeit freut, freute sich Paulus an Epanetus, den er als „seinen Geliebten“ bezeichnete. Er liebte ihn, wie ein Vater sein Kind lieb hat, denn Epanetus erwiderte als Erster die Liebe Gottes, die durch Paulus zu den Nationen kam, indem er sich dem Träger dieses Heils zuwandte und akzeptierte, was Paulus lehrte. – Wie schön ist doch diese Erwähnung!

Verse 6-9

6 Grüsst Maria, die viel für euch gearbeitet hat!
7 Grüsst Andronikus und Junias, meine Verwandten und meine Mitgefangenen, die unter den Aposteln ausgezeichnet sind, die schon vor mir in Christus waren!  
8 Grüsst Ampliatus, meinen Geliebten im Herrn!
9 Grüsst Urbanus, unseren Mitarbeiter in Christus, und Stachys, meinen Geliebten! Röm 16,6-9  

Verse 6-7

Maria wird als Mensch bezeichnet, der viel für die Gemeinde Gottes gearbeitet hatte und Andronikus und Junias als solche, die unter den Aposteln ausgezeichnet sind. Das sind zwei Erwähnungen, die wir nicht leichtfertig überlesen und sie in die Kategorie „gewöhnliche Grussformeln“ abschieben sollten. Wenn Christen von hoher geistlicher Stelle gelobt werden, haben sie sich dieses Lob auch hart erarbeitet, denn echtes Lob unter Christen wird nicht geheuchelt, wie es in der Welt geschieht. Während meiner weltlichen Karriere hörte ich viele Vorgesetzte Mitarbeiter loben, - und es wurde dabei Lob geheuchelt, dass es einem darob schlecht werden konnte. Oftmals sah ich, dass aus rein politischen Gründen jemand, der nicht viel für den Konzern taugte, in den Himmel gelobt wurde und andere, die viel mehr gearbeitet hatten, von den Vorgesetzten nicht einmal richtig wahrgenommen wurden. Dass so im Reich Gottes nicht vorgegangen werden darf, liegt auf der Hand. Wie es korrekt sein soll, wird in vorbildlicher Weise vom Apostel gelebt. Er rühmt die, welche des Lobes würdig sind, nicht Taugenichtse, welche von der weltlichen Stellung her eine Schlüsselposition einnehmen, auf dass sie im Bedarfsfalle seine Anliegen wohlwollend behandeln würden.

Das Lob des Apostels für diese hier erwähnte Maria, die viel für die Gemeinde gearbeitet hatte und die beiden weiteren Personen, welche unter den Aposteln ausgezeichnet waren, ist eine sehr hohe Auszeichnung, welche wir nicht unterschätzen sollten! Die Messlatte für solches Lob liegt nämlich hoch, es wird nicht ohne weiteres ausgesprochen und sollte es auch nicht (Spr 25,27). Beachten Sie einmal, was es braucht, dass eine Witwe in das Verzeichnis der durch die Gemeinde unterstützungswürdigen Personen aufgenommen werden soll (1. Tim 5,10). Sie muss „jedem guten Werk nachgegangen“ sein. Danach ist sie würdig, durch die geistliche Körperschaft Unterhalt zu empfangen. Wer der Gemeinde wirklich dient, eine echte Hilfe ist, dem soll auch, wenn nötig, Unterhalt gezahlt werden (5. Mo 25,4; 1. Kor 9,9), wie wir schon in früheren Betrachtungen gesehen haben.

Verse 8-9

In den folgenden Versen erwähnt der Apostel Menschen, bei denen er seine Zuneigung zu ihnen besonders hervorstreicht. Er bezeichnet sie als Geliebte. – Wie kann es bei geistlichen Menschen zu einer Art der Zuneigung kommen, die über der Regelnorm steht? – Durch die Liebe zu Gott. Wer Gott in besonderer Art liebt, wie es beispielsweise Johannes tat, welcher seinen HERRN so wertschätzte, dass er besonders seine Nähe suchte (Joh 13,23), wird auch in derselben Art wiedergeliebt. Bei Johannes wird die Liebe Jesu, ihm gegenüber, deshalb wieder speziell erwähnt (Joh 19,26; 21,7; 21,20). Dasselbe sehen wir bei Daniel. Trotz seiner sehr hohen beruflichen Position, welche eine Vielbeschäftigung mit sich brachte, suchte er den HERRN dreimal am Tag in einer zeitintensiven Art, indem er nicht nur oberflächliche Gebete im Gang von einem Sitzungszimmer zum anderen formulierte. Er kniete sich vor Gott nieder und betete in Absonderung seiner Regierungsgeschäfte (Dan 6,11). Diese Ehrerbietung zu Gott verschaffte ihm wiederum Ehre durch Gott, indem er „Vielgeliebter“ genannt wurde (Dan 9,23; 10,11; 10,19)! Was für eine Auszeichnung! Und sie wird nicht nur ein- oder zweimal ausgesprochen. Mit einer dreimaligen Erwähnung stellt Gott bei Daniel und Johannes in seinem ewigen Wort sicher, dass sie niemals angezweifelt werden kann! Amen!

Liebe Leserinnen und Leser! Wandeln wir auch so, dass wir solcher Auszeichnungen würdig sind? – Lassen Sie uns danach streben!

Der Vollständigkeit halber muss ich an dieser Stelle noch etwas erwähnen, das mir zwar völlig widerstrebt, da es den Blick von dieser Betrachtung ablenken kann. Und trotzdem ist es nötig diesbezüglich aufzuklären, da in dieser so „aufgeklärten Generation“ die Gedanken über die Liebe in einem beispielslosen Tohuwabohu, völlig aus der Ordnung gerissen, in den Köpfen der Menschen liegen.

Bei diesen Freundschaften und Erwähnungen der Liebe zu gleichgeschlechtlichen Personen ist immer die Bruderliebe, die geschwisterliche Liebe gemeint. Diese hat absolut nichts mit sexueller Lust gemein. Die Welt ist in diesen Dingen nicht mehr klar. Wenn sie von Liebe spricht, ist oft die sexuelle Lust gemeint, welche an diesen Stellen der Schrift völlig ausgeblendet ist. Sexuelles Zusammenkommen zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen ist durch Gott verboten und wird als abscheuliche Gräueltat bezeichnet. Vor Gott wiegt sie so schwer wie Mord und Ehebruch, deshalb war sie im Alten Testament in der Kategorie der Todsünden. Praktizierte Homosexualität musste durch den Tod der Betreffenden, auf die Anordnung Gottes hin, im herausgerufenen Volke gestoppt werden. Im NT wird sie auf die genau gleiche Art und Weise verurteilt, doch nach einem anderen Verfahren geahndet. Betreffende finden, ebenfalls auf Gottes Anordnung hin, nach dem entsprechenden Verfahren (Mt 18,15-17), keinen Platz mehr im Hause Gottes, sollten sie sich nicht vom gotteslästerlichen Verhalten abkehren. Die weltliche Weisheit, die absolut nichts mit der geistlichen gemein hat und welche gleichgeschlechtliche sexuelle Praktiken salonfähig machte, hat mit Gott gar nichts Übereinstimmendes.

14 Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.  
15 Der geistliche dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt.  
16 Denn »wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn unterweisen könnte?« Wir aber haben Christi Sinn.   1.Kor 2,14-16  

Gelobt sei der HERR, der jedem, „wer da will“ (Offb 22,17), umsonst vom Wasser des Lebens gibt! So, wie wir es empfangen durften, kann es „wer da will“ empfangen, wenn er in aufrichtiger Art und Weise den Namen des HERRN anruft! Amen.

Vers 10

Grüsst Apelles, den Bewährten in Christus! Grüsst die vom <Haus des> Aristobul! Röm 16,10    

Vers 10

Apelles war, wie wir sehen, ein Mensch, der sich in Christus bewährt hatte. Auch dieser wird im ewigen Wort positiv erwähnt, indem er gegrüsst und nicht ermahnt wird. – Die Bewährung in Christus ist eine sehr grosse Sache, sie ist überhaupt nicht zu unterschätzen! Glückselig ein Mensch, der sich in Christus bewährt, längst nicht alle bewähren sich in dieser Aufgabe. Der König Saul, welcher seine Laufbahn gut angefangen hatte, bewährte sich nicht in der Obliegenheit Gottes, seinem Volk in der richtigen Art und Weise vorzustehen (1. Sam 15,23). Salomo beendete seine Karriere im HERRN auch auf eine unschöne Weise (1. Kö 11,6), obwohl er bei seiner Geburt als Liebling des HERRN bezeichnet wurde (2. Sam 12,24-25). Wiederum zog sich im Propheten Jeremia Uria, welcher die gleiche Aufgabe wie Jeremia selbst hatte, aus Angst zurück und endete ruhmlos (Jer 26,23). Sogar David hatte einen groben Einbruch während seiner Bewährungszeit auf der Erde. Dieses kurze Schleifenlassen der Zügel seines Lebens kostete vielen Menschen das Leben, was mit der Ermordung Urias begann, endete blutig in der Schlacht um das Königtum gegen seinen Sohn Absalom. Er hatte zwar die Gnade des HERRN zur Umkehr erhalten, doch ein Makel blieb trotzdem an ihm haften (2. Sam 12,10).

»Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben«; und: »Wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.«   Hebr 10,38   

Die Schrift ist sehr klar mit ihrer Darstellung der Erwartungen von Gott gegenüber seinen Beauftragten. Wer Gott dienen möchte, muss zuerst einen moralischen Stand einhalten. Psalm 101,6 hält fest, dass solche, die auf vollkommenem Weg wandeln, Gott dienen dürfen. Gott muss nicht froh sein darüber, wenn Sie ihm dienen. Sie dürfen froh sein, wenn sie Ihm dienen dürfen! – Als zweites sollten Sie den Ihnen angewiesenen Platz nicht verlassen, denn „wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben.“ Saul, Uria, der Zeitgenosse Jeremias und viele andere Personen des HERRN, zogen sich im Laufe ihres Lebens aus ihren Aufgaben zurück. Im Neuen Testament ist es nicht besser, Paulus musste im Laufe der Zeit schmerzlich feststellen, dass ihn alle Gemeinden in der Provinz Asien verlassen hatten (2. Tim 1,15).

Sich zurückziehen ist ein sehr, sehr schlimmes Übel. Bileam, welcher ein Prophet war und mit dem HERRN sprechen konnte, zog sich auch aus seiner Absonderung zurück und fiel der Geldgier zum Opfer, so dass er deshalb sogar sein Leben lassen musste, so wie Uria, der Zeitgenosse Jeremias auch umkam, wo er sich vom Auftrag Gottes entfernte.

Zusammenfassend kann ich nur bemerken, dass ein Zurückweichen einfach keine Option ist und Treue verlangt wird. Bevor man in den Dienst des HERRN tritt, sollten die Kosten überschlagen werden (Lk 14,25-35), danach ist ein Zurück nicht mehr denkbar, wäre aber auch völlig unsinnig. – Wo stehen Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser? Sind Sie für allfällige Tests gewappnet? Stehen Sie sicher im HERRN? – Von einem Mitarbeiter Gottes wird Treue erwartet!

1 Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.  
2 Übrigens sucht man hier an den Verwaltern, dass einer treu befunden werde.   1.Kor 4,1-2  

Wenn Sie von einem unmündigen Christen zu einem mündigen gewachsen sind, sollten Sie launischem Verhalten entwachsen sein, „niemand, der die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes (Lk 9,62).“

Verse 11-12

11 Grüsst Herodion, meinen Verwandten! Grüsst die vom <Haus des> Narzissus, die im Herrn sind!
12 Grüsst Tryphäna und Tryphosa, die im Herrn arbeiten! Grüsst Persis, die Geliebte, die viel gearbeitet hat im Herrn!   Röm 16,11-12  

Vers 11

In diesem Vers grüsst der Apostel nebst Herodion, seinem Verwandten, die vom Haus des Narzissus, „die im Herrn sind!“ Paulus erwähnt dabei keine Taten von diesen Geschwistern, „nur“ die Tatsache wird erwähnt, dass es Geschwister im HERRN sind.

Im HERRN zu sein bedeutet schliesslich schon, über alle Nationen gesetzt zu sein (5. Mo 26,17-19). Das ist eine sehr grosse Sache, die schon bei der Bekehrung wirksam wird, auch wenn man sich als junger Christ zum Teil neben den Grössen in der Gemeinde noch ziemlich schwach und wirkungslos vorkommt. Die Integration in den Leib Christi findet sofort statt und Gott ist besorgt, dass dabei niemand unbeachtet bleibt. Gerade deshalb gibt er den schwächeren Gliedern besondere Ehre (1. Kor 12,22-25). Der Vergleich mit einer menschlichen Familie scheint mir an dieser Stelle ein schönes Bild abzugeben: Die Säuglinge und kleinen Kinder, welche zweifellos zur Familie gehören aber im Blick auf die anfallenden Arbeiten noch nichts beitragen können, werden von ihren Eltern besonders umsorgt und geleitet, wie die gebrechlichen und betagten Glieder unserer Gesellschaft von ihren Kindern betreut werden. Für den Apostel ist es deshalb nicht etwas zu Geringes, bereits solche in seinen Grüssen zu erwähnen, denn sie gehören ebenfalls zu der Familie Gottes!

Vers 12

In diesem Vers erwähnt Paulus Glieder Christi, die „im Herrn arbeiten“ und die geliebte Persis, die „viel gearbeitet hat im Herrn.“ – Für den HERRN arbeiten zu dürfen ist eine sehr grosse Sache, längst nicht jeder Christ darf es so tun, wie es verlangt ist, denn Christen, die sich nicht an die Regeln der Hausordnung halten, werden von der Arbeit im HERRN ausgenommen, wie geschrieben steht: 

Meine Augen sind auf die Treuen im Lande <gerichtet>, damit sie bei mir wohnen. Wer auf vollkommenem Weg wandelt, der darf mir dienen. Ps 101,6  

Menschen, die nicht auf einen vom HERRN bestimmten (und somit reinen) Wandel achten, gefallen Gott nicht (Rö 8,8). Die Bibel spricht von klaren Regeln im Wandel mit Gott. Wer Gott ausserhalb dieser Regeln gefallen möchte, geht in die Irre und fällt in Ungnade beim HERRN (1. Thess 4,1; Ps 5,5).

Es gibt viele Menschen, die nach dem äusserlichen Schein viel tun für den HERRN. Herodes der Grosse tat dem Schein nach viel für den HERRN, indem er den Tempel ausbaute und in einer grossen Pracht dastehen liess. Trotz dieses Werkes konnte er unmöglich dem HERRN gefallen, denn sein Leben zeugte von einem gotteslästerlichen Wandel. Er liess unter anderem die Kinder unter zwei Jahren in Bethlehem ermorden, da er sich vor dem Messias aus Bethlehem, der die ganze Welt beherrschen wird, fürchtete. Zweifellos gibt es auch „weniger böse“ Menschen, wie auch Christen, die in vergeblicher Weise dem HERRN dienen. Wer sich nämlich – wie erwähnt – ausserhalb der Regeln dem HERRN nähert, arbeitet nicht nur vergeblich, er zieht sich vielmehr noch den Zorn des HERRN zu (1. Kor 11,17); es wird ihm schlechter als besser ergehen. Amen.

Echte Diener des HERRN, solche die sich von der Welt rein erhalten (Jak 1,27), können sich sehr freuen, denn der HERR hat grosse Freude an echten Dienern. Deshalb spricht der HERR auch von grossen Belohnungen für solche, die in seinen Dienst treten wollen (Heb 11,6). Stellen Sie sich vor, wie sehr sich Gott über beispielsweise jemanden freut, der in Reinheit das Evangelium predigt (Jes 52,7; Rö 10,15), denn es ist Gottes Herzenswunsch, dass niemand verloren geht (Hes 18,23). Ein solcher spricht Gott aus dem Herzen und arbeitet daran, dass Gott seinen Herzenswunsch erhält. Wie sehr wird sich Gott über diesen Diener freuen!

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wie sie denn Gott überhaupt dienen können, wo doch bei Ihnen keine spezielle Gabe offenbar ist. – Gerne schreibe ich Ihnen etwas darüber:

In christlichen Kreisen ist oft die Rede über geistliche Gaben. Dabei wird von Begabungen gesprochen, die über eine natürliche Fähigkeit hinaus gehen, wie beispielsweise von Wunderheilungen (z.B. Apg 28,8) und das Sprechen in fremden Sprachen (genannt Zungen- oder Sprachenrede), welche vorher vom Sprecher nicht erlernt wurden (z.B. 1. Kor 12,30b). – Dabei hat sich bei einigen die Meinung festgesetzt, dass man nicht in den Dienst Gottes gestellt werden kann, solange diese spezielle und übernatürliche Fähigkeit ausbleibt.

Eine solche Meinung entspricht nicht dem Worte Gottes und hat fatale Folgen. Die Wirkungen daraus sind weitere falsche Lehren und ein „Erzwingen wollen“ dieser Begabungen, indem von speziellen „Geistestaufen“ die Rede ist und man sie mit aller Macht anstrebt. So wird teilweise gelehrt, dass im Laufe des Christenlebens die „Taufe im Heiligen Geist“ mit der daraus resultierender übernatürlichen Fähigkeit (mindestens die Sprachenrede) erfolgen muss. Biblisch gesehen handelt es sich schlicht um eine Irrlehre von der ich Ihnen rate, Abstand zu halten.

Aus der Bibel wissen wir, dass wir nach der Wiedergeburt (Joh 3) bereits im Geist sind. Das haben wir schon in der Betrachtung zum achten Kapitel des Römerbriefes gesehen. Explizit wird dort festgehalten, dass christusgläubige Menschen im Geist sind (Rö 8,9), auch wenn sie sich noch wie Unmündige verhalten und sich als „fleischlich gesinnt“ ausgeben. Denn ein Christ ist eine neue Kreatur (2. Kor 5,17), was an vielen Stellen bestätigt wird (Joh 1,13; Gal 6,15; Eph 2,15; Eph 4,24; 1. Petr 1,3). Auch die Korinther waren neu geboren, ansonsten hätten sie keinen Anteil am Tisch des HERRN gehabt (1. Kor 10,17). Sie gebärdeten sich aber noch fleischlich, da Christus in ihnen noch nicht Gestalt angenommen hatte (siehe auch Gal 4,19), was wiederum beweist, dass es Wachstum im Christenleben braucht. Ein Christ muss wachsen und sich nicht unnötig nach Dingen ausstrecken, die längst Wirklichkeit geworden sind.

Trachten Sie daher für den Dienst nicht nach unrealen Dingen, sondern nach der „unverfälschten Milch“, dem Worte Gottes, um auch in diesen Fragen sicher zu werden. – Im Hause Gottes fallen verschiedene Arbeiten an. Die einen sind nur mit übernatürlichen Fähigkeiten zu lösen, welche vom Geist gegeben werden. Andere wiederum sind durch „gewöhnliche Fähigkeiten“ durchführbar. Doch die Letzteren müssen ebenfalls geistlich sein, denn Gott duldet keine „Moabiter“ (ein Bild für einen unbekehrten Menschen) in seinem Dienst (5. Mo 23,4). – Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister im Christentum, weil einige behaupten, dass der gewöhnliche Dienst eines Christen nicht geistlich ist. Diese Behauptung kann man jedoch sehr einfach widerlegen, denn es steht geschrieben:

3 Deshalb tue ich euch kund, dass niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! ausser im Heiligen Geist.  
4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber <es ist> derselbe Geist;  
5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und <es ist> derselbe Herr;  
6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber <es ist> derselbe Gott, der alles in allen wirkt.   1.Kor 12,3-6  

Der Ausspruch: Herr Jesus! erfolgt ausschliesslich im Heiligen Geist. Ein Christ, der Christus als seinen HERRN bekennt, tut das im Heiligen Geist. Alles was ein Christ, der ja eine neue Schöpfung ist, für den HERRN tut, erfolgt „im Geist“. Was wir im Namen des HERRN tun, ist ein Werk im Geist, durch den Geist (Kol 3,17). – Freilich ist es noch möglich, fleischliche Werke zu tun, wie wir es aus dem Korintherbrief sehen (1. Kor 3,3), doch dann geschehen sie nicht im Namen des HERRN. Bei Neidereien sind die Beweggründe in unserem Fleisch zu suchen und nicht im HERRN. Seien Sie sich im Klaren darüber! Wenn Sie dem HERRN mit reinem Herzen dienen wollen, dann können Sie das von Anfang an tun, denn der fünfte oben aufgeführte Vers spricht von Diensten, über denen derselbe HERR steht. Hinter den Gnadengaben, den Diensten und den Wirkungen steht derselbe allmächtige Gott. Wenn nun ein neues Mitglied in die Familie Gottes tritt, das noch keine Ahnung über die Abläufe in Gottes Haus hat, kann es trotzdem schnell mitarbeiten, wie ein Auszubildender schon am ersten Tag den Platz seines Lehrbetriebes wischen kann. Das junge Mitglied wirkt zwar noch keine grossen Wunder, es wirkt aber schon geistliche Arbeit, weil es ja selbst eine geistliche Natur hat. Seine Arbeit wird vom Hausherrn anerkannt werden, solange es sich an die Hausregeln hält. Somit wird es nach der Rückkehr des HERRN als treuer Diener geehrt werden, wie hier Persis als arbeitsame Mitarbeiterin erwähnt wird.

Lassen Sie sich nicht durch die kursierenden Irrlehren in der Arbeit des HERRN entmutigen. Halten Sie sich dabei einfach an die Hausordnung, an die Bibel. Sie sind im Geist, wenn Sie Christus angenommen haben und ihre Arbeit ist geistlich, wenn sie im Namen des HERRN geschieht und Sie sich dabei vorgenommen haben, gottesfürchtig zu wandeln. Amen.

Vers 13

Grüsst Rufus, den Auserwählten im Herrn, und seine und meine Mutter!   Röm 16,13   

Vers 13

Rufus wird als ein auserwählter Mensch bezeichnet. Der HERR macht einen Unterschied im Matthäusevangelium zwischen berufen und auserwählt sein. Dort sagt er, dass es viele Berufene und wenige Auserwählte gibt (Mt 22,1-14). Aus dem Gleichnis geht hervor, dass viele Menschen, die zum Hochzeitsmahl geladen waren, sich der Einladung nicht würdig erwiesen hatten und dass sich der Fokus des Gastgebers in der Folge von ihnen ab- und anderen zuwandte. Die neue Zielgruppe, in der es böse und gute Menschen hatte, wandte sich im Unterschied zu den ersten nicht zurück, sondern nahm die Einladung bereitwillig an, ohne sich zu entschuldigen oder gar Hand an die Boten zu legen.

Wir wissen, dass die Juden für das Reich berufen waren, wo Christus sich explizit nur um sie kümmern wollte (Mt 15,26). Doch Israel erkannte seine Stunde nicht und verwarf ihren König (Mt 23,37). So wandte sich Gott mit der Frohen Botschaft an die Menschen der Nationen. Die Berufenen Juden hatten versagt und sind nicht zur Auserwählung gekommen, wogegen viele Menschen aus den Nationen, böse und gute, dem Ruf gefolgt sind. Die Befolgung des Rufes allein genügt jedoch nicht, wie wir in diesem Gleichnis sehen, ein Bleiben ist nur mit dem Hochzeitsgewand möglich. Wir sehen, dass der Mensch, der zwar da war (und so dem Ruf gefolgt ist), aber kein Hochzeitsgewand trug, zu bleiben nicht weiter berechtigt war und dass es nicht darum ging, ob ein Mensch gut oder böse war, es ging nur um die Befolgung des Rufes und das Tragen des Kleides. – Wie ist das zu verstehen?

In der Bildsprache der Bibel hat die Bekleidung mit den Taten des Bekleideten zu tun, sei es ein einzelner Mensch oder ein ganzes Volk. Adam wollte seine Nacktheit mit Feigenblättern zudecken und seinen Fehltritt mit eigenem Werk gutmachen, was natürlich nicht ging. Sein Schurz aus Feigenblättern ist die Folge seines gescheiterten Versuches, die Nacktheit zu bedecken. Eine angemessene Bedeckung für den gefallenen Menschen wurde aber nur durch Blutvergiessen gefunden: Gott musste dafür Tiere töten und die Blösse des Menschen mit deren Fellen bedecken. Bei Israel wurden im Bild nur Blätter entdeckt, jedoch keine Früchte (Mt 21,19). Ihre eigenen Taten machten sie nicht angenehm vor Gott. Es muss eine passende Bekleidung für den Menschen gefunden werden, damit er sich in der Gegenwart Gottes aufhalten kann. Diese Bekleidung wird uns in der Offenbarung vorgestellt:

Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen.   Offb 19,8 

Die gerechten Taten der Heiligen machen diese feine, glänzende und reine Leinwand aus. Das Blut ist schon für die Erretteten geflossen, alle Gläubigen sind einmal ganz gewaschen worden (Joh 13,10). Von diesem Zeitpunkt an geht es nur noch darum, sich von der Welt rein zu behalten (Jak 1,27). Mit der täglichen geistlichen Nahrung (Wasserbad im Wort, Eph 5,26), der Ausrichtung nach seinem Willen und, - das ist sehr wichtig - der dem Willen entsprechenden Taten (Mt 7,21) webt man sich das Hochzeitskleid. Es besteht aus den Taten der Heiligen, nicht dem Wollen allein. Wer sich nun nicht in die Arbeit Gottes schickt, ist mit den törichten Jungfrauen (ab Mt 25,1) zu vergleichen. Sie warten zwar auf den Bräutigam im Gegensatz zu den anderen Menschen, wie es die klugen Jungfrauen tun. Sie haben alles, was die klugen Jungfrauen haben, ausser, dass sie es versäumt haben, Öl zu kaufen. – Öl zu kaufen oder im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, wie es die nachlässige Gemeinde Laodicea verordnet bekommen hat (Offb 3,18), hat ausschliesslich mit Werken zu tun. Wer die Werke Christi nicht tut, sondern lehrt, man könne nach der Bekehrung quasi tun und lassen was man will, weil alles auf der Gnade beruhe, der führt sich und seine Zuhörer in die Irre, denn Jakobus schreibt:

20 Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist?  
21 Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte?  
22 Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde.  
23 Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet«, und er wurde »Freund Gottes« genannt.  
24 Ihr seht <also>, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein.
25 Ist aber nicht ebenso auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg hinausliess?  
26 Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.   Jak 2,20-26  

Wenn Sie, liebe Schwester und lieber Bruder im HERRN, diese Werke, die von Ihrem Glauben zeugen, nicht bringen, woher möchten Sie denn Ihr Kleid nehmen, welches „aus den gerechten Taten der Heiligen“ besteht? – Bringen Sie es von der Berufung zur Auserwählung zum Hochzeitsmahl des Lammes! Amen.

Im zweiten Teil des Verses bezeichnet Paulus die Mutter des Rufus auch als seine Mutter. Dabei kann es sich um die leibliche Mutter des Rufus handeln, welche Paulus durch ihre Zuwendungen auch selbst „Mutter“ nennt. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich nicht um die leibliche Mutter von beiden, sollte sie überhaupt die leibliche Mutter des einen sein, denn Rufus’ Vater, Simon, kam aus Kyrene (Mk 15,21), Paulus hingegen von Tarsus (Apg 22,3). – Wie Jesus selbst jene, die den Willen des Vaters tun, „Bruder“, „Schwester“ und „Mutter“ nennt (Mt 12,50), bedient sich Paulus dieser Wortwahl. Denn von Christen, die sich so verhalten, wie die Schrift sagt, fliessen Ströme lebendigen Wassers (Joh 7,38). Sie stärken und tränken die Nächsten wie Brüder, Schwestern und Mütter.

Wo stehen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Sind Sie, wie engste Familienmitglieder, ein Segen für Ihre Mitgeschwister oder belasten Sie die Gemeinde durch Selbstsüchteleien, wie einige aus der jungen Gemeinde in Korinth es taten (1. Kor 3,3; 2. Kor 12,20)? Oder sind Sie den Nächsten durch Selbstzufriedenheit wie Fremde geworden? Prüfen Sie sich selbst!

Verse 14-15

14 Grüsst Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas, Hermas und die Brüder bei ihnen!
15 Grüsst Philologus und Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen!   Röm 16,14-15  

Verse 14-15

Paulus grüsst in diesen beiden Versen viele Brüder und Schwestern beim Namen und andere fasst er im Gruss als „Brüder“ und „Heilige“ zusammen. Daraus kann vieles abgeleitet und beleuchtet werden. Zum Beispiel, dass Menschen Grenzen haben im Gegensatz zu Gott. Menschen können sich unmöglich an alle Namen begegneter Menschen erinnern. Gott kennt jedoch jede und jeden mit Namen, ob er zur Gemeinde gehört oder nicht. Von den Menschen, die ihm nachfolgen, erwähnt er es explizit (Joh 10,3).

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet kann an dieser Stelle bemerkt werden, dass durch Gott im ewigen Wort namentlich erwähnte Personen ein ewiges Gedächtnis haben, wie Pinhas (4. Mo 25,13) und die übrigen Überwinder (Offb 3,12) im Gegensatz zur Masse, die in der Niederlage lebt. Die Rückkehrer aus dem babylonischen Exil werden namentlich erwähnt (Esra 2,1; Neh 7,1), die Zurückgebliebenen nicht. Sie stellen die gläubige Masse dar, welche in der Verwirrung geblieben ist (vgl. Babel = Verwirrung, Durcheinander; diese Namensbedeutung ist durch die Sprachverwirrung entstanden, siehe 1. Mo 11).

Die Erwähnung der Geschwister als „Heilige“ ist auch sehr schön. Dieses Wort wird nie für die Umschreibung eines Weltmenschen benutzt, er mag noch so hoch geboren und sein Wandel noch so edel sein. „Heilig“ ist die Bezeichnung für eine besondere Eigenschaft Gottes, welche er ausschliesslich auf die Seinen legt, niemals auf einen Weltmenschen. Weil Gott heilig ist, sollen wir es auch sein (1. Petr 1,16), wir sollen in allem so werden wie Christus (1. Joh 3,2). „Heilig“ ist das Gegenteil von „unheilig“ (2. Tim 3,2), was „gottlos“, „verdorben“ und „übel“ bedeutet. Heilig zu sein bedeutet, wie Gott abgesondert vom Bösen ist, es in derselben Weise zu sein. Das ist etwas ganz besonderes, denn selbst ein Mensch, den man völlig von der Welt absondert und ihm eine Wohnung auf einem anderen Planeten gibt, kann niemals heilig werden, da er die Welt und deren Befleckung in sich selbst trägt. Er stammt nämlich vom gefallenen Adam ab, welcher die böse Natur jedem weitervererbt hat (Rö 5,12). Deshalb ist jeder Absonderungsversuch eines natürlichen Menschen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Für Gläubige gilt aber, dass Gott sie durch die Erneuerung völlig und von jeglicher Bindung zum Alten trennt. Nicht wir müssen uns von Bindungen lösen, wie viele Christen meinen, Gott hat uns davon getrennt. Die Trennung ist Wirklichkeit, wir müssen nur in diese Wahrheit hineinwachsen und sie öffentlich bekennen, indem wir uns taufen lassen und der Heiligung hingeben, damit unser Denken erneuert wird. Unser Denken muss sich noch vom Alten lösen und sich der wahren Realität anpassen, welche schon durch Christus da ist (1. Tess 4,3). Amen.

Vers 16

Grüsst einander mit heiligem Kuss! Es grüssen euch alle Gemeinden des Christus.   Röm 16,16

Vers 16

Zum Heiligen Kuss, bzw. dem Kuss der Liebe, wird heute von bedeutenden Auslegern nicht viel gesagt und geschrieben; es kommt mir vor, wie wenn eine Ratlosigkeit bei diesem Thema herrscht. Ehrlich gesagt hätte ich diese Stelle am Liebsten unkommentiert übersprungen, da ich mir selbst über dessen Bedeutung nicht ganz im Klaren bin. Doch dies erschien mir unmöglich, wo der Heilige Geist diese Aufforderung für den Gruss nicht weniger als fünf Mal (!) niederschreiben lässt. Sie wird viermal mehr erwähnt, als die so vieldiskutierte Kopfbedeckung der Frau, die durchaus ihre Berechtigung hat, obwohl sie nur einmal erwähnt wird. Es erscheint mir daher wichtig, die weiteren vier Stellen, die über den Kuss berichten, aufzulisten:

Es grüssen euch die Brüder alle. Grüsst einander mit heiligem Kuss!   1.Kor 16,20

Grüsst einander mit heiligem Kuss! Es grüssen euch alle Heiligen.   2.Kor 13,12

Grüsst alle Brüder mit heiligem Kuss!   1.Thess 5,26

Grüsst einander mit dem Kuss der Liebe! Friede euch allen, die in Christus sind!   1.Petr 5,14

Aufgrund der Häufigkeit dieser Erwähnung glaube ich nicht, dass es um eine traditionelle Begrüssung der damaligen Gesellschaft handelt, die hier vom Geist des HERRN erwähnt wird. Denn der Kuss von dem hier die Rede ist, ist „heilig“ oder ein „Kuss der (göttlichen) Liebe“ (agape, gr.). Petrus benutzt in seinem Vers das Wort für göttliche Liebe, nicht jenes, das menschliche Liebe ausdrückt. Beides kann nicht von menschlichen Traditionen abgeleitet werden, denn natürliche Küsse von ungeretteten Menschen sind weder heilig noch durch göttliche Liebe gewirkt.

Auch Jesus und seine Jünger müssen diese Art der Begrüssung gepflegt haben – Judas wählte diese offensichtlich gewohnte Form auch beim Verrat, um nicht mit dem Finger auf den HERRN zeigen zu müssen und seinen Status als Verräter vor allen zu offenbaren (Mt 26,48).

Vielleicht sind diese Verse in der heutigen Zeit abstrakter für uns geworden, wo die Leistung immer mehr zählt als ein Mensch. Persönlich glaube ich auch, dass die Möglichkeiten der anonymen Kommunikationsmittel die Gefühlsarmut fördert. Viel Kommunikation läuft auf Plattformen ab, die keine menschliche Nähe erfordern und wo Gefühle nicht gezeigt und erwidert werden können. Doch aufgrund dieser Verse bin ich überzeugt, dass der HERR will, dass wir die Liebe füreinander nicht im Verborgenen lassen. Von verborgen gehaltener Liebe hat niemand etwas, da nützt sogar ein Scheltwort noch mehr (Spr 27,5). Welcher entmutigte Mensch weiss etwas von inniger Bruderliebe, wenn er sie nur als Floskeln und Beteuerungen kennt? Lassen Sie mich zur Veranschaulichung über eine traurige Begebenheit von verborgen gehaltener Liebe berichten:

Meine italienischstämmige Mutter, welche mich und meine Schwester sehr lieb hatte und es wie alle Südländerinnen es auch mit vielen Umarmungen und sonstigen Liebkosungen zeigte, hielt, wie erwähnt, ihre Liebe zu den Kindern nicht im Verborgenen. Als heranwachsender Jugendlicher wurden mir die Umarmungen jedoch peinlich, da Jungs doch „stark“ sind und keine Liebkosungen brauchen. „Solches ist doch nur für Kleinkinder“, dachte ich. In der Folge entzog ich mich ihr und gab ihr auch im Erwachsenenalter nur noch die Hand bei der Begrüssung und dem Abschied. Sie blieb trotzdem für mich ein ganz besonderer Mensch, den ich auch besonders lieb hatte. Eines Tages jedoch, ich stand an ihrem Sterbebett, wo mir bewusst wurde, dass es der letzte Abschied sein würde und ich nicht wusste, wie ich ihr sagen sollte, dass ich sie immer ganz fest lieb hatte, drückte ich ihr mit tränenüberströmten Augen einen dicken Kuss auf die Wange, der auf eine spezielle Art ausdrücken sollte: „Mama, ich habe Dich sehr lieb!“ Worte allein erschienen mir in dieser Situation ein Mittel mit viel zu schwacher Aussagekraft. Sie sollte an ihrem Leib spüren, dass sie ein sehr geliebter und wertgeschätzter Mensch war!

Es gibt einfach Situationen, wo eine mit Worten beteuerte Liebe nicht genügend ist. Dies wird uns auch in im Buch Hohelied ganz schön beschrieben:

O wärest du mir doch ein Bruder, der die Brust meiner Mutter gesogen! Fände ich dich <dann> draussen, könnte ich dich küssen, und man dürfte mich dennoch nicht verachten.   Hld 8,1

Die Frau, die sich nach dem Mann ihres Herzens sehnte, sie, die „krank“ war vor Liebe (Hld 5,8), suchte eine Möglichkeit, diese Liebe zum Ausdruck zu bringen. Worte hätten die Gefühle nicht annähernd umschreiben können! – Da es damals aber nicht statthaft war, sich vor der Zeit öffentlich zu küssen, wünschte sie sich für den Augenblick, ihr Freund wäre ihr Bruder. Dann hätte sie ihn küssen dürfen, weil das ganz normal war und hoffentlich heute noch ist, dass sich Geschwister lieb haben.

Es scheint mir, dass der Heilige Geist mit dem Vers 16 aus dem gleichen Kapitel des Römerbriefes und den vier weiteren Stellen sagen möchte, dass wahrhaftige und echte Bruderliebe nicht dauerhaft allein in Worte gepackt werden kann. Wenn uns demnach Worte genügen, um unsere Liebe auszudrücken, müssen wir uns fragen, weshalb wir uns nicht danach sehnen, den Bruder, den wir aus reinem Herzen lieb haben, einmal zu umarmen, um ihm in einer stärkeren Ausdrucksweise als mit Worten zu zeigen, wie sehr wir ihn wertschätzen. Wenn diese Sehnsucht fehlt, sind wir vielleicht noch nicht fähig, richtig zu lieben oder schon etwas abgestumpft.

Lassen Sie uns diese Verse vor dem HERRN bewegen! Sie stehen nicht ohne Grund in fünffacher Ausführung in dem ewigen Wort! Die Liebe ist mehr wert als die Tat, den ganzen Leib (ohne Liebe) für Christus hinzugeben und dabei zusätzlich die ganze Habe den Armen zu vererben (1. Kor 13,3)!

Verse 17-19

17 Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, Parteiungen und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab!  
18 Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süsse Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.  
19 Denn <die Kunde von> eurem Gehorsam ist zu allen gekommen. Daher freue ich mich euretwegen; ich will aber, dass ihr weise seid zum Guten, doch einfältig zum Bösen.   Röm 16,17-19   

Vers 17

Wir sollten nicht nur von Menschen Abstand halten, welche die Gemeinde durch vorsätzliche Sünde mit unmoralischem Wandel beflecken (1. Kor 5,11), sich dem Müssiggang hingeben oder auf sonstigen Wegen unordentlich wandeln (2. Thess 3,11-15). Distanz ist ebenfalls besonders bei solchen zu wahren, die etwas entgegen der apostolischen Lehre verkündigen. Die Abkehr hat schon zu erfolgen, wenn sie nur schon nicht dabei bleiben (2. Thess 3,14)!

Diese ernsthaften Worte sind in der heutigen Zeit des Humanismus, der die Gemeinden durchsäuert und eine verdeckte allversöhnliche Haltung hervorruft, aktueller denn je! Wie viel braucht es heutzutage, bis jemand oder gar eine Gemeinde einem unordentlichen Glied gegenüber eine eindeutige Haltung einnimmt! Vielerorts gehen Ehebrecher und sonstige unmoralisch wandelnde Menschen unbehelligt ein und aus in den Gemeinden Gottes und erwecken damit den Eindruck, dass solches in Gottes Augen geduldet wird, da niemand, allen voran die Ältesten, dem Bösen Einhalt gebietet.

Vers 18

Dieser Vers macht die Wahrheit deutlich. Lernen wir vom Wissen des Apostels und der Unterweisung des Heiligen Geistes. Nur wer meint, es besser zu wissen, kann getrost diesen Vers überspringen.

Merken wir uns: Menschen, die entgegen der apostolischen Lehre Parteiungen und Ärgernisse (Anlass zur Sünde) anrichten, dienen nicht Christus! Sie sind nur – auf bösem Wege wohlverstanden – auf ihr eigenes Wohl aus! Wer diese Worte in den Wind schlägt, tretet die Lehre Christi mit Füssen, denn das ist nicht eine persönliche Empfehlung von mir, der ich diesen Kommentar schreibe, sondern ein Gebot des HERRN! Amen.

Vers 19

Paulus bestätigt den Römern Gehorsam. Trotzdem – sehen wir den Ernst der Ermahnung? – unterrichtet er sie eindringlich, gegenüber dem Bösen unmündig zu bleiben! Er weist sie auf die Notwendigkeit hin, das Gute zu kennen und weise in Bezug auf göttliche Wahrheiten und Gegebenheiten zu sein.

Wer sich in göttlichen Dingen auskennt, muss es nicht auch bei bösen Dingen tun, um sie besser erkennen zu können. Die göttliche Weisheit genügt, das Böse schon von Weitem zu riechen. Es braucht nicht studiert und analysiert zu werden. Dem Bösen gegenüber dürfen und müssen wir, der Schrift gemäss, unmündig bleiben. Wir müssen das Böse nicht erklären können. Die Bibel fordert uns nur dazu auf, davon Abstand zu nehmen. Amen.

Vers 20

Der Gott des Friedens aber wird in kurzem den Satan unter euren Füssen zertreten. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!   Röm 16,20  

Vers 20

Obwohl das Urteil über Satan gefällt ist, wurde es noch nicht vollstreckt. Er ist immer noch auf „freiem Fuss“ und kann noch wüten. Paulus konnte jedoch die Gemeinde in Rom mit den Worten in diesem Vers trösten, denn er wusste genau, dass die Zeit des Widersachers ein Ende hat. Die Gemeinden haben momentan durch Satans Wirken noch Bedrängnisse (z.B. Offb 2,13), doch alle sollen, wie erwähnt, wissen, dass es zeitlich begrenzt ist. In den letzten Monaten der Endzeit, wenn der Countdown öffentlich anläuft, wird er sogar genau wissen, wie lange sein Wirken noch geduldet wird (Offb 12,12), nämlich die dafür festgesetzten dreieinhalb Jahre. Anschliessend wird er gebunden und die Herrschaft über die Erde kommt wieder in die Schöpfungsordnung. Der Mensch, nicht Satan, sollte die Welt beherrschen (1. Mo 1,26). Der Mensch Jesus Christus, welcher auch Gott ist, wird dafür eingesetzt werden. Er wird im Anschluss zusammen mit seinen Überwindern (Offb 3,21) die Welt in Gerechtigkeit regieren. Der Mensch wird über den Engeln stehen (1. Kor 6,3), somit wird auch Satan in den Herrschaftsbereich des Menschen fallen. Christus, welcher die Welt und ihre Lust überwunden hat, hat auch der Versuchung Satans widerstanden (Mt 4). Er wird das gefällte Urteil zur Vollstreckung bringen, indem Satan in den Feuersee geworfen wird (Offb 20,10), wo er Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit gepeinigt werden wird. Amen.

Dass die Gnade des HERRN mit den Gläubigen sein soll, ist nicht einfach eine Floskel des Paulus. Obschon der HERR uns die Gnade geben will, gibt es Christen, die sich ausserhalb der Gnade aufhalten, indem sie sich selbst vor Gott behaupten wollen (Gal 5,4). Darüber wird viel im Galaterbrief geschrieben und erklärt. Es liegen darüber auch viele Kommentare vor, auch ich durfte ihn kommentieren. Aufgrund dieser Tatsachen möchte ich an dieser Stelle nicht nochmals darauf eingehen, das würde meines Erachtens den Rahmen sprengen.

Verse 21-23

21 Es grüssen euch Timotheus, mein Mitarbeiter, und Luzius und Jason und Sosipater, meine Verwandten.  
22 Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüsse euch im Herrn.  
23 Es grüsst euch Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Wirt. Es grüssen euch Erastus, der Schatzmeister der Stadt, und der Bruder Quartus.   Röm 16,21-23  

Vers 21

In den Gemeinden Gottes sollte die Eintracht (Einigkeit) herrschen (1. Kor 12,25; Eph 4,3). Wir wissen aus der Politik, dass verschiedene Ansichten die (Regierungs-) Körperschaft blockieren können. In der Welt behindern Linke die Rechten und umgekehrt, so lange, bis ein schwacher Kompromiss ausgehandelt werden muss, welcher den Gedanken keiner Partei - auch wenn sie gut sind - richtig Rechnung trägt und so dem Land volle Ergiebigkeiten bringt. – Auf keinen Fall soll die Gemeinde so geleitet werden! Die Gemeinde ist keine Demokratie, wo das Volk herrscht, obschon leider viele Gemeinden diese Form angenommen haben. Laodizea verkörpert eine demokratische, vom Volk geführte Gemeinde. Nur schon der Name „Laodizea“, welcher „Volksrecht“ bedeutet, weist darauf hin. Wen wundert es, dass diese Gemeinde in der Beurteilung so schlecht, wenn nicht am schlechtesten, davonkommt? Zu welcher Gemeinde spricht der HERR sonst noch, dass er sie ausspucken muss (Offb 3,16)?

Paulus schulte seine Mitarbeiter nicht im Volksrecht. Er unterrichtete sie im Hören auf die Weisungen des HERRN, welcher das Haupt der Gemeinde ist. Ein vollkommener Herrscher, Jesus Christus, führt die Gemeinde, auf dass sie in Einheit agiert. Deshalb ist es auch klar, dass Paulus’ Umgebung nicht nur geschlossen hinter dem Brief steht, sondern auch Grüsse ausrichten lässt, obschon die hier erwähnten Personen vielleicht den Römern unbekannt waren. Was macht ein „sich noch nicht kennen“ aus? Die Auswahl Christi genügt doch, dass wir die annehmen, welche Christus angenommen hat?

Vers 22

Dieser Vers offenbart uns, dass Paulus die Briefe nicht alle selbst geschrieben hatte. Er diktierte und ein anderer schrieb. Tertius brachte den Römerbrief „zu Papier“. Auch er schliesst sich, wie die anderen, den Grüssen an.

Vers 23

Es meldeten sich immer mehr Brüder zu Wort; Brüder, deren Herz die Verbundenheit zu anderen Geschwistern zum Ausdruck bringen wollten. Mit Gajus, welcher die ganze Gemeinde bewirtete, wird zudem klar, dass sich die Gemeinde bei ihm versammelt haben muss. Er stellte der Versammlung sein Haus oder eigens dafür organisierte Räume zur Verfügung, je nachdem, wie gross die Versammlung war. Das ist ein segensreiches Vorbild aus der Bibel, welches uns beste Varianten zum guten Raummanagement für unsere Versammlungen eröffnet. Daraus erwächst auch die grosse Frage, ob es denn nötig ist, eingetragene Vereine zu gründen, um als öffentliche Körperschaft geeignete Versammlungslokale zu verwalten. Lassen uns die dazu benötigten Vereinsstatuten nicht eher in Versuchung fallen, die Gemeinde nach weltlicher und demokratischer Struktur zu leiten? Wurden sie nicht schon für viele Gemeinden zum Fallstrick? Gibt es denn keine gottesfürchtigen Menschen mehr, solche wie Gajus, die ihren Überfluss zum Wohle der Gemeinde einsetzen wollen, um sie so vor vielem Übel bewahren? Und sehen Sie daraus, wie segensreich ein materieller Gemeindedienst sein kann, auch wenn er vordergründig nicht mit direktem Dienst am Wort gesehen und leider in ungerechtfertigter Art und Weise teilweise als „minderwertig“ abgewertet wird?

Verse 24-27

24 (Spätere Handschr. fügen hinzu: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen! Amen.)  
25 Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war,  
26 jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist,  
27 dem allein weisen Gott durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.   Röm 16,24-27  

Verse 24-27

Gott, welcher die Römer zu stärken vermag, „ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!“ Er vermag die Gläubiggewordenen im neuen Wandel zu stärken und er tut es auf spezielle Weise. Er tut es nicht wie ein Mentaltrainer (Coach). Ein Punkt im mentalen Training (Coaching) ist, das Vertrauen in das eigene Potenzial zu stärken, auch wenn die Bedingungen äusserst anspruchsvoll sind.

Von der Schrift her wissen wir inzwischen, dass der natürliche Mensch im Blick auf Gott nicht einmal einen verschwindenden Prozentsatz Gutes in sich trägt. Wir haben gelernt, dass die alte Natur so verdorben ist, dass nur eine Selbstkapitulation und Erneuerung durch Gott in Jesus Christus den einzigen, möglichen Ausweg darstellt. Nicht einmal das heilige Gesetz vom Sinai konnte dem Menschen Hilfestellung leisten. Vielmehr deckte die göttliche Moral im Gesetz die völlige Unfähigkeit des Menschen im Blick auf Gott auf.

Ein Coaching, wie Beratungen zur Problemlösung oder Steigerung der Leistungsfähigkeit auch genannt werden, hilft dem Menschen im Blick auf Gott nicht. Eine völlig verdorbene Natur kann durch Beratungen nicht erneuert werden, da findet Coaching seine Grenzen. Wie ein durch einen Unfall querschnittgelähmter ehemaliger Marathonläufer nicht durch Coaching zurück auf die Laufbahn gebracht werden kann, kann kein natürlicher Mensch zu Gott finden – ausser es geschehe ein Wunder.
Dieses Wunder vollbrachte Gott in Jesus Christus, dessen Geheimnis „ewige Zeiten hindurch verschwiegen war“. Zur Zeit Moses’ war noch nicht offenbar, wer die Unzulänglichkeit des Menschen tragen wird. Die Problemlösung war zwar durch die Tieropfer angedeutet, wurde aber noch lange nicht so offen dargelegt, wie es Paulus, wie er sagt, „nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus“, offenbart hatte. Paulus’ Evangelium beinhaltete das Wunder, welches zwingend geschehen muss, wenn der „gelähmte Läufer“ auf die „Laufbahn Gottes“ gelangen möchte. So, wie der Gelähmte am Teich Betesda nicht in das heilende Wasser zu springen vermochte, um geheilt zu werden (Joh 5) und nur durch das Wunder Jesu wieder auf die Beine kam, erging es uns, den Gläubigen. Wir sitzen heute – trotz der alten Natur, die wir noch in uns tragen – am Tisch des Königs Jesus Christus, welcher unsere Unzulänglichkeit zudeckt, genau so, wie der Tisch Davids die Lähmung Mefi-Boschets bedeckte (2. Sam 9,7). Mefi-Boschet hätte seiner Abstammung gemäss niemals am Tisch Davids essen dürfen. Nebst der falschen Abstammung war er auch völlig unfähig, dem König zu dienen. Er konnte David nichts anbieten und musste alles, aber wirklich alles, durch reine Gnade annehmen. David hätte schliesslich als König dem Mefi-Boschet tausend andere und bessere Menschen als Tischgemeinschaft vorziehen können.

Im Vers 26 sehen wir, dass es Gottes ausdrücklicher Wunsch und Befehl ist, dass alle Nationen diesen Sachverhalt anerkennen und die Notwendigkeit des Wunders in ihrem Leben einsehen, da sie sonst, allein auf sich gestellt, niemals vor seiner Majestät bestehen können. Der Marathonläufer muss erkennen, dass er für die Laufbahn Gottes nichts weiter als ein gelähmter und völlig unbrauchbarer Sportler ist und eines Wunders bedarf, um auf Gottes Weg laufen zu können.

Weil Gott uns in allen Punkten entgegenkommt, in der Offenbarung der Wahrheit und der dazugehörigen Lösung in unserem wunderbaren Herrn Jesus Christus, gebührt Ihm „die Herrlichkeit in Ewigkeit“! Amen.

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Titel: Erklärungen zum Römerbrief
Autor: Tobias Frei
ISBN: 978-3-8442-0263-2

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