Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der Brief des Jakobus

Einleitung

Der Jakobusbrief wurde, wie es schon der Name sagt, von Jakobus verfasst. Das Zielpublikum waren Christen, die jüdische Wurzeln hatten. Da es keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Christen gibt (Gal 3,28; Kol 3,11), seien sie Juden oder Menschen aus anderen Nationen gewesen, ist dieser Brief auch heute noch für uns verbindlich.

Kapitel 1

Verse 1-4

1 Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, [seinen] Gruss!
2 Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet,
3 indem ihr erkennt, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt.
4 Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt. Jak 1, 1 – 4

Vers 1

  1. Jakobus, der Schreiber dieses Briefes, ein Bruder des HERRN und des Judas (Mt 13,55; Judas 1). Er war kein Apostel zu Lebzeiten Jesu, er wurde es erst später (Gal 1:19). Er war ein leitender Ältester in der Gemeinde von Jerusalem (Apg 12,17; 15,2,13; 21,18). Von Paulus wurde er gar als erster unter den drei, die als Säulen galten, erwähnt (Gal 2,9).
  2. Jakobus setzt den HERRN Gott gleich, weil es der Wahrheit entspricht. Die Juden anerkannten dies nicht, gem. Johannes 5,18.
  3. Dieser Brief wurde an die Christen gerichtet, die vorher Juden waren (solche werden auch „Judenchristen“ genannt). Sie waren wiedergeborene Christen, wie wir in folgenden Versen nachlesen können (2,1; 2,24; 1,18; 4,5; 5,14; 5,7-8).

Vers 2

Ein Jude, der gesetzmässig lebte, sollte gesegnet sein und reich werden. Das waren die Segnungen im Alten Bund. Im Neuen Testament haben wir keine solchen Verheissungen. Trotz gottesfürchtigem Lebenswandel kann es sein, dass wir verspottet, geschlagen oder gar getötet werden – verheissen ist uns „nur“ Nahrung und Kleidung (Lk 12,22). Jakobus musste sie daher ermutigen, weil sie – vielleicht durch ihren alttestamentlichen Hintergrund – im Glauben unsicher wurden.

Vers 3

Offenbar wussten sie schon, dass ein geprüfter Glaube Ausdauer bewirkt. Das ist auch eine Ermutigung an uns, wenn wir in Bedrängnis sind. Gott wird uns stützen und unsere Ausdauer darf dadurch gestärkt werden.

Vers 4

Die Gläubigen sollen „vollkommen und vollständig“ sein. Sie sollen auch „in nichts Mangel“ haben. Einige Christen nehmen sich manchmal unerlaubte „Freiheiten“ heraus, weil wir schliesslich nur „bruchstückhaft“ erkennen. Sie fragen sich, wie sie denn im Erkennen vollkommen sein könnten. Solche Entschuldigungen sind sehr schwach. Wir müssen nicht erkennen, wie beispielsweise Paulus erkannte. Diese Erkenntnis wird nicht vollkommen werden, bis der HERR kommt. Doch im Wandel als Kinder Gottes sollen wir es werden, damit wir dem Widersacher keinen Anlass zur Schmähung geben und Gott mit unserem Leben in allen Dingen zieren.

Verse 5-8

5 Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden.
6 Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird.
7 Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde,
8 [ist er doch] ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen. Jak 1, 5 – 8

Vers 5

Gott gibt seine Perlen nicht einfach so. Er weist und auch an, seine Perlen nicht einfach so herauszugeben – wir sollen sie auch nicht vor die Schweine werfen (Mt 7,6) und das Heilige nicht den Hunden geben. Genau so, wie er uns anweist, handelt Gott selbst: Er wirft sein Wort nicht offen vor die Spötter. Letzteren bleibt die Erkenntnis verborgen, wie wir auch in den nachfolgenden Versen noch sehen werden. Der Vers 5 steht für solche, die erkannt haben, dass sie einen Mangel haben und weitere Offenbarungen des HERRN benötigen. Sie legen dadurch eine gewisse Demut an den Tag und werden so befähigt, etwas von Gott empfangen zu dürfen. Gott wird ihrem Mangel – ohne Vorwürfe zu machen, denn auch sie haben noch Fehler, wie alle Menschen – Abhilfe schaffen.

Verse 6-8

Der HERR verschwendet seine Weisheit weder bei den „Schweinen“ noch bei den „Hunden“ aber auch nicht bei Zweiflern. Bei Spöttern und Unwürdigen, welche die Bibel als „Schweine“ und „Hunde“ bezeichnet, können wir das noch leicht nachvollziehen. Doch sollten wir auch zur Kenntnis nehmen, dass der HERR sein Wissen auch nicht mit Zweiflern teilt. Dem Zweifler nützt ein Wort des HERRN nicht viel, weil er nicht an die Kraft des Wortes glaubt. Für ihn steht immer ein Fragezeichen dahinter.

Verse 9-11

9 Der niedrige Bruder aber rühme sich seiner Hoheit,
10 der reiche aber seiner Niedrigkeit; denn wie des Grases Blume wird er vergehen.
11 Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras verdorren lassen, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorben; so wird auch der Reiche in seinen Wegen dahinschwinden. Jak 1, 9 – 11

Vers 9

Als Christ kommt es nicht auf die soziale Stellung an. Die einfachsten Menschen, welche durch Christus erkauft worden sind, sind in Hoheit, denn Christus ist ein grosser König!

Vers 10-11

Der vorangegangene Vers ist im geistlichen auch auf die reichen Brüder anwendbar – schliesslich sind alle zum gleichen Preis erkauft worden. Die Bibel ermahnt hier aber deutlich, dass Reiche den Blick von ihrer weltlichen Stellung nehmen sollten. Letztere gibt ihnen keinen Vorzug im Blick auf Gott, vielmehr sollten sie bedenken, dass ihr Leben nur ein Hauch ist (Ps 39,6).

Verse 12-15

12 Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er den Siegeskranz des Lebens empfangen, den der Herr denen verheissen hat, die ihn lieben.
13 Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.
14 Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird.
15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Jak 1, 12 – 15

Vers 12

Ein Mensch, der durch Prüfungen geht, ohne ihnen auszuweichen, lässt an sich arbeiten. Glückselig ist nicht der Mann, der nicht versucht wird — denn wir alle sollten zusehen, dass wir nicht versucht werden (1. Kor 10, 12), und wir alle straucheln oft (Jak 3, 1) —, sondern der Mann, der die Versuchung erduldet. Selbst der Gerechte fällt siebenmal, aber er steht wieder auf (Spr 24, 16) — während die Gottlosen liegen bleiben und im Unglück versinken. Wir sollten also nicht irrigerweise annehmen, wir würden nicht versucht, sondern vielmehr der Wahrheit ins Auge blicken, um die ständigen Versuchungen wissend, sie mit der Hilfe Gottes erduldend. Wenn wir auch fallen: Stehen wir wieder auf! Erheben wir uns und nehmen wir die Stellung ein, die uns von Gott zugedacht ist, die einzig wahre!

Wer die Versuchung erduldet, wird die Krone des Lebens erlangen, welche der Herr denen verheissen hat, die Ihn lieben. Es wäre falsch anzunehmen, es ginge hier um das ewige Leben selbst, das wir uns verdienen müssten. Dieser Gedanke liegt bei einigen Versen des Jakobus-Briefes (z.B. Jak 2, 24) nahe, ist aber biblisch nicht haltbar. Nein, hier geht es um eine Krone, um eine Belohnung. Sie ist allen verheissen, die den Herrn lieben, also allen, die Sein sind, doch können wir ihrer verlustig gehen, wenn wir den geraden Weg verlassen, die Versuchungen nicht mehr erdulden, uns nicht mehr bewähren. Wir müssen uns die Krone also nicht verdienen, doch müssen wir uns ihrer würdig erweisen, sie behalten (vgl. Offb 3, 11).

Verse 13-15

Doch woher kommen Versuchungen? Bitten wir nicht Gott, uns nicht zu versuchen, wenn wir das Gebet sprechen, das der Herr Jesus uns gegeben hat (Mt 6, 13)? Gott kann nicht versuchen, doch lässt Er Versuchung zu. Die Versuchung — und in diesem Punkt bedarf es viel Demut — entstammt unserer eigenen Lust, welche die Sünde gebiert, wenn sie empfangen hat. Wir selbst sind es, unser Fleisch ist es, in dem nichts Gutes wohnt (Röm 7, 18), dem die Lust und die Sünde entspringt. Es ist das Fleisch, das dem Geist entgegen gesetzt ist (Gal 5, 17), das gegen Gott aufbegehrt, das uns von Ihm, der Quelle des Lebens, hinfortreisst, uns in Versuchung und in Sünde führt. Das Ende der Sünde aber, und das wissen wir bereits aus Röm 6, 23, ist der Tod.

Sehen wir also vertrauensvoll auf unseren geliebten Herrn! Erdulden wir die Versuchung, indem wir uns vom einzig legitimen Wunsch leiten lassen, Ihm näher zu kommen! Seien wir misstrauisch unserem Fleisch gegenüber! Halten wir es für tot!

Verse 16-19

16 Irret euch nicht, meine geliebten Brüder!
17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.
18 Nach seinem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gewissermassen eine Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.
19 Ihr wisst , meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn! Jak 1, 16 -19

Vers 16

Unser Denken soll klar sein. Vielfach kommt die Versuchung aus uns selbst. David sah die begehrenswerte, jedoch verheiratete Batseba – da regte sich sein Fleisch. Sie wurde ihm nicht von Gott vorgeführt, um ihn zu Fall zu bringen. Er war selber schuld. Daher sollten wir nicht irren und so Schlimmes denken von Gott. Er verführt uns nicht. Er hat keine Freude, wenn wir fallen. Schliesslich sagt auch er, man solle den Blinden keine Falle stellen. Wie sollte er denn uns kurzsichtigen so etwas antun?

Vers 17

Jede gute Gabe kommt selbstverständlich von oben. Nichts Gutes kann von unten kommen. Der Teufel lässt teilw. auch Wunder geschehen. Die sind jedoch nur dazu da, um die Menschen zu Verführen, denn er ist ein Menschenmörder von Anfang an (Joh 8,44). Johannes der Täufer sagte gar, der Mensch könne nichts (auch nicht eins) nehmen, ausser es sei ihm vom Himmel gegeben (Joh 3,27). Wir sollten demütig zur Kenntnis nehmen, dass alles Gute, das wir besitzen, vom HERRN kommt. Nichts, aber gar nichts, haben wir aufgrund unseres Könnens. Denn wir könnten nichts, wären wir gelähmt, daher können wir nur irgendetwas, weil wir soviel Gesundheit und Weisheit von oben her haben! Danken wir dem HERRN auch gebührend dafür?

Vers 18

  1. Es war sein Wille, dass wir durch das Wort der Wahrheit geboren wurden. Obschon wir eine Entscheidung machen mussten, war er derjenige, der uns zu ihm zog. Diese Wahrheit lässt uns hoffentlich in der Demut und sollte Gefühle von Aufgeblasenheit bremsen.
  2. Erstlingsfrucht: Über dieses Thema könnte man Bücher füllen. Im AT lernen wir, dass Erstgeborene (Erstlingsfrucht der Menschen) mehr erbten als die nachfolgenden Kinder. Wir sehen auch bei Jakob und Esau, dass es von Wichtigkeit war, wer zuerst zur Welt kam. Dies ist die falsche Plattform, um die Erstgeburt und die Erstlingsfrucht erschöpfend zu behandeln. Nur soviel: Wie Christus der Erstling ist (das ist sehr wichtig! 1. Kor 15,20) sollten wir auch Erstlinge sein. Wir sollten in den Genuss eines Erstgeborenen kommen. Dies schreibt auch Johannes in Offb 14,4. Nicht alle Söhne Gottes kommen in diesen Genuss. Wir sprechen da von Überwindern und Nicht-Überwindern. Die Überwinder sind die Erstlinge, die bekommen natürlich mehr, wie im AT angedeutet wurde, als die übrige Nachkommenschaft. Mit der Lehre der Belohnung und des Verlustes im 1. Kor 3, Matth 25,14-30; usf. ist diese Erklärung einfach zu verstehen. Wer alles gibt für den HERRN, wird ein Erstling, ein Überwinder, wer schlampig arbeitet, nicht. Ganz einfach.

Vers 19

Wir sollen in allem vollkommen werden, so wie Gott vollkommen ist:

Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Mt 5, 48

Hab ich das nicht schon im Anfang gesagt? Heiligung ist vielerorts vernachlässigt worden. Lasst Euch bitte in die Heiligung nehmen.

Schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn, das sind Eigenschaften Gottes. Wir sollen ihm gleich sein. – Die Bibel widerspricht sich nicht! Amen.

Verse 20-21

20 Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit.
21 Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und das Übermass der Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort mit Sanftmut auf, das eure Seelen zu erretten vermag! Jak 1, 20 – 21

Vers 20

Allzu oft schiesst der Mensch in seinem Zorn über das ihm gegebene Ziel hinaus. Im Zorn werden die eigenen Fehler oft vergessen und nur diejenigen des anderen wahrgenommen. Auch läuft eine zornige Person Gefahr, zuwenig Gnade walten zu lassen. Nicht selten sind Kinder in der Lage, ihre gestressten Eltern an ihre Grenzen zu bringen. Wenn jene ihre Kinder im Zorn massregeln, schiessen sie leider allzu oft über die Grenzen.

Damit möchte ich – am Rande erwähnt – nicht sagen, die Kinder sollen nicht erzogen werden oder gar in einer antiautoritären Umgebung aufwachsen müssen. Die bittereren Früchte der letzterwähnten Methode kennen wir alle. Die Kinder haben ein Recht auf eine anständige Erziehung, damit sie eine solide Basis, eine stabile Psyche und einen gefestigten Charakter für den Start in ihr eigenes Leben haben. Sie sollen nicht als junge Erwachsene von jeder Strömung oder Meinung anderer hin und her geworfen werden.

Für den Menschen ist es somit besser, seinen Zorn erst verrauchen zu lassen – erst anschliessend soll er weitere Entscheidungen fällen.

Vers 21

Dieser Vers mag sehr hart erscheinen. Wir sollen die Unsauberkeit und das Übermass an Schlechtigkeit ablegen. Diese Ermahnung schreibt Jakobus nicht an bestimmte, besonders üble Personen. Er hält sie ganz allgemein. Wie ist das zu verstehen? Sind wir denn alle so, dass wir ein Übermass an Schlechtigkeit in uns haben?
Die Antwort darauf – die unbedingt aus Gottes Sicht betrachtet werden muss – ist ernüchternd. Wir haben uns nämlich nicht mit anderen Menschen zu vergleichen. Es gibt immer liebenswürdigere und bösere Menschen um uns, nach unserem Massstab gemessen. Doch im Blick auf den Allmächtigen handelt der Mensch nicht nur sehr eigenwillig, sondern der Mensch ist in sich selbst auch Gottes Feind geworden, indem er nur tut, was Gottes Richtschnur entgegengesetzt ist. Jesus spricht – und Gott lügt nicht – dass der Mensch böse ist (Mt 7,11; 15,19 siehe auch Kol 3,15; Rö 7,5;7,18; Mk 7,21-22 usw).

Wir sollen daher nicht in der alten, weltlichen Denkweise verharren. Wir sollen das Wort mit Sanftmut aufnehmen und uns danach ausrichten. So können wir den alten und durchaus schlechten Gedanken- und Verhaltensmustern entfliehen und kommen in eine Lebensführung, die Gott gefallen kann.

Vers 22

22 Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! Jak 1, 22

Vers 22

Wieso muss Jakobus diesen Vers, durch den Heiligen Geist inspiriert, niederschreiben? Es liegt doch auf der Hand, dass sich jeder selbst betrügt, der nach dem geraden Weg gefragt und eine richtige Antwort darauf bekommen hat, wenn er nicht denjenigen – gemäss der Antwort – wählt. Ist denn der Mensch hartnäckig dem Eigenwillen verfallen? Leider muss ich diese Frage mit einem traurigen „Ja“ beantworten. Wenn es nicht so wäre, hätte Jakobus diesen Vers nicht verfassen müssen. Der Mensch geht allzu oft lieber eigene, böse Wege. Lieber geht er auf seinen Pfaden, statt sich demütig nach Gottes Wegen auszurichten. Letztere erfordern eine Verleugnung des eigenen Egos und eine gleichzeitige Unterordnung. Es erfordert eine Unterwerfung des Eigenwillens unter denjenigen Gottes. Und dies ist leider für viele Menschen ein nicht leicht umzusetzendes Unterfangen, wie auch die Geschichte Israels, stellvertretend für alle Menschen, im Alten Testament zeigt.

Verse 23-25

23 Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Gesicht in einem Spiegel betrachtet.
24 Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war.
25 Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein. Jak 1, 23 – 25

Verse 23-24

Es gibt Menschen, die etwas Neues hören, dabei jedoch schnell vergessen. Beim lesen der Zeitung spielt es keine so grosse Rolle, ob wir das Gelesene anschliessend erschöpfend wiedergeben können – es wirkt sich nicht derart auf unser Leben aus. Bei der Bibel ist das aber etwas ganz anderes, denn die Bibel ist die Lampe auf unseren Wegen (Ps 119,105), zumindest sollte sie es sein. Wer diese Leuchte nicht benutzt, tappt im Dunkeln. Wer das Wort hört uns sogleich vergisst, ist der Willkür des Lebens ausgeliefert. Alles kann mit jenem Menschen passieren, er weiss nicht, wie ihm geschieht. Er kann weder zur Rechten noch zur Linken richtig entscheiden. Die Bibel deckt alles ab, was wir als Wegweiser brauchen:
bq. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. 2.Tim 3, 16 – 17

Vers 25

Hier spricht Jakobus vom „vollkommenen Gesetz der Freiheit“. Was ist damit gemeint? Das Gesetz des Mose war für den Menschen nicht vollkommen, weil der Mensch nicht in der Lage war, es zu erfüllen. Es mangelte nicht am Gesetz, sondern am Menschen selbst (Rö 7,12; Rö 7,13). Daher brauchte es ein neues Gesetz für den Menschen. Ein Gesetz das ihn freimachen würde, weil er selbst nicht imstande war, Gottes Rechtsforderung zu erfüllen (Apg 15,10). Durch das Freikaufen des Menschen durch Christus legte unser Herr Jesus die Grundlage, durch Glauben allein errettet zu werden. Nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben an ihn. Was für eine Freiheit! Das unerträgliche Joch, es selbst schaffen zu müssen, ist zerbrochen. Durch die Zerschlagung des Leibes Christi sind wir in diesen Genuss gekommen! Was für eine Herrlichkeit und was für ein Triumph! Das ist ein vollkommenes Gesetz der Freiheit für den Menschen! Christus verlangt darin keine Selbsterlösung – sie ist durch IHN geschehen – er verlangt lediglich einen Gehorsam gegenüber seinen Worten (Mt 5-7 u.a. natürlich). Wie kann man in eine solche Herrlichkeit hineinschauen und das Gesehene sogleich vergessen? Das wäre die reinste Dummheit! Daher heisst es, dass die Täter des Werkes glückselig sein werden. Bemerkenswert ist hier die Wortwahl des Heiligen Geistes. Er benutzt hier den Begriff „Werk“ und nicht „Wort“. Schliesslich geht es um den Acker Gottes, indem sich wenige Arbeiter befinden (Lk 10,2). Das Wort Gottes verlangt nach Taten des Glaubens. Viele Taten zusammen ergeben ein Werk. Tun Sie danach, liebe Leserin und lieber Leser oder lesen Sie einfach in der Schrift, vergessen schnell und leben so weiter wie früher?

Verse 26-27

26 Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist vergeblich.
27 Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt zu erhalten. Jak 1 , 26 – 27

Vers 26

  1. Viele Menschen meinen, sie würden Gott dienen. Die einen dienen ihm nach dem Muster der Schrift, die anderen nach ihrem Gutdünken. Aus vielen Beispielen im AT, nach denen wir uns ermahnen lassen sollten (Rö 15,4), wissen wir, beginnend bei Kain und Abel, dass nur das Dienen nach der Schrift von Gott wohlgefällig angenommen wird. Wenn jemand ausserhalb dieses Rahmens dient, betrügt er sich selbst, weil es nicht ein Dienen ist, wie es sein sollte. Vor solchen Menschen brauchen wir uns nicht zu fürchten. Sie stellen sich als besonders heilig dar, stehen aber nicht in der Gunst Gottes.
  2. Jeglicher Gottesdienst ausserhalb des biblischen Rahmens ist vergeblich. Jerobeam der Erste schaffte das Passahfest für die 10 nördlichen Stämme ab. Doch er behielt eine Art von Religiosität, indem er ein neues Fest einführte (1 Kö 12,32). Doch dieser Gottesdienst wurde von Gott überhaupt nicht anerkannt. Er war vielmehr ein Gräuel für ihn. Die Schrift sagt uns nämlich, dass ein Gottesdienst von bösen (unbelehrbaren) Menschen böse ist, sogar wenn er noch richtig ausgeführt werden würde (Spr 15,8). Jerobeams Tat wird ihm und den Israeliten, die sie weiterführten, als Sünde angerechnet (1. Kö 16,19 als Bsp.). Wir können sehr viel tun, gar unser Leben opfern, indem wir unser Leben lang an einer Kathedrale arbeiten – wenn unser Tun nicht im Einklang der Bibel steht, ist es vergeblich.

Vers 27

Dieser Vers zeigt uns die andere Seite des obenstehenden. Hier wird der Gottesdienst dargestellt, der von Gott wohlgefällig angenommen wird:

Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht? nicht , dein Brot dem Hungrigen zu brechen und dass du heimatlose Elende ins Haus führst? Wenn du einen Nackten siehst, dass du ihn bedeckst und dass du dich deinem Nächsten nicht entziehst? Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein. Jes 58, 6 – 8

Gott zeigt hier nicht nur auf, was sich zu tun geziemt. Er zeigt auch ein richtiges passives Verhalten. Sich von der Welt unbefleckt zu erhalten ist ebenso wichtig, wie das Erstgenannte. Es nützt nichts, wenn wir das erste tun aber gleichzeitig leben, wie ein Heide es tut. Es kann einfacher sein nach aussen fromm zu leben, indem man alte Leute besucht, etc. – als sich von der Welt rein zu erhalten und deren Angebote zu verleugnen. Es geht nicht, dass wir von einem Krankenbesuch nach Hause kommen und danach uns im Internet auf bösen Seiten fleischliche Gelüste wecken. Die Welt wird von Johannes schön dargestellt: Sie ist die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens (1. Joh 2,16). Zu beachten ist, dass die „Welt“ nicht für jeden dasselbe darstellt. Für Herrn Müller ist die Welt ein neues Cabrio, da er sich darin überhebt, für Herrn Schmidt stellt es hingegen kein Problem dar. Probleme hat Herr Schmidt dafür mit dem Fernseher. Seine Augen sehen darin viel Fleisch, dass seine Gedanken zur Sünde verleitet werden. Herr Müller kann hingegen problemlos fernsehen. Wenn was „Schmuddeliges“ kommt, stellt er angeekelt ab. Daher ist es nicht richtig, wenn wir die Menschen zwingen, Dinge zu lassen, nur weil wir mit ihnen nicht umgehen können. In Sachen, die nicht zum biblischen Rahmen gehören, muss jeder mit sich selber und dem HERRN abmachen, was er tun oder lassen soll. Amen.

Kapitel 2

Verse 1-4

1 Meine Brüder, habt den Glauben Jesu Christi, unseres Herrn der Herrlichkeit, ohne Ansehen der Person!
2 Denn wenn in eure Synagoge ein Mann kommt mit goldenem Ring, in prächtigem Kleid, es kommt aber auch ein Armer in unsauberem Kleid herein,
3 ihr seht aber auf den, der das prächtige Kleid trägt, und sprecht: Setze du dich bequem hierher! und sprecht zu dem Armen: Stehe du dort, oder setze dich unten an meinen Fussschemel! –
4 habt ihr nicht unter euch selbst einen Unterschied gemacht und seid Richter mit bösen Gedanken geworden? Jak 2, 1 – 4

Vers 1

Wenn wir an Christus glauben, sollen wir uns in allem auch dementsprechend verhalten. Christus rechtfertigt alle die an ihn glauben, ohne die Person anzusehen. Wenn Christus nun keine sozialen Unterschiede macht, sollten wir auch keine machen. Vor Gott sind alle Personen gleich, ob reich oder arm, niemand hat von Geburt an vor dem HERRN eine bessere oder schlechtere Ausgangslage. Vor Gott spielt nur eine Rolle, ob ein Mensch an Christus glaubt oder nicht. Wer arm ist und an Christus glaubt ist besser dran als ein ungläubiger Reicher, auch wenn dieser noch in hohem Ansehen steht und schon sehr viel Geld an wohltätige Institutionen gespendet hat. Nicht das Letzteres zu verwerfen wäre, doch im Blick auf Gott ist das Wichtigste, dass wir an seine Rettung in Christus glauben und ihn nicht zum Lügner machen.

Verse 2-4

Jakobus veranschaulicht mit diesem Beispiel das „Ansehen der Person“. Wir kennen alle das Sprichwort: „Kleider machen Leute“. Ein ärmlich gekleideter Mensch wird in der Regel nicht gleich gut beachtet, bedient oder behandelt, wie ein perfekt und teuer gekleideter. Bei gut gekleideten Menschen weiss das Gegenüber nicht, ob es sich um einen Firmenchef, hohen Politiker oder sonst eine bekannte Persönlichkeit handelt. Da möchte niemand ins Fettnäpfchen treten. Von einem ärmlich gekleideten Menschen erwartet man nicht viel – so denken wir Menschen. Leider verleitet diese Einstellung oft zu einer zweitklassigen Behandlung des Betreffenden. Wenn es nicht so wäre, müsste Jakobus nicht eingehend auf diese Thematik eingehen.

Verse 5-8

5 Hört, meine geliebten Brüder: Hat nicht Gott die vor der Welt Armen auserwählt, reich im Glauben und Erben des Reiches , das er denen verheissen hat, die ihn lieben?
6 Ihr aber habt den Armen verachtet. Unterdrücken euch nicht die Reichen, und ziehen nicht sie euch vor die Gerichte? 7 Lästern nicht sie den guten Namen, der über euch angerufen worden ist?
8 Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht. Jak 2, 5 – 8

Vers 5

Weil Menschen etwas dazu neigen, Freunde von bessergestellten Leuten sein zu wollen – von solchen kann jeder schliesslich mehr erwarten, als von einem „Habenichts“ – führt uns Jakobus Gottes Auswahl vor Augen. Gott wählt die vor der Welt Armen aus. Sollen wir nun Gottes Auswahl verachten? In den Gemeinden gibt es viele arme* Menschen (*im Bezug auf die wirtschaftliche Stärke, das Bankkonto). Gott bestätigt seine Auswahl ebenfalls im Korintherbrief (1. Kor 1,27). Diese Menschen sollen, wenn sie ihn lieben, das Reich erben. Sie werden in ihm reich gemacht, zuerst geistlich, anschliessend aber auch materiell.

Vers 6

Wie ich oben schon geschrieben habe, kann vom Armen nichts erwartet werden, er hat weder Beziehungen zu Schlüsselpersonen, noch Ansehen in der Welt. Daher sind auch die Empfänger dieses Briefes in die Falle gestolpert und haben diese Personen verachtet. Um dieses Problem anzupacken, muss die Untugend der Reichen mal in der vollen Grösse dargestellt werden. Reiche Menschen fallen schnell, indem sie zu Hochmut neigen.

Weise in seinen Augen ist der Reiche… Spr 28, 11

Johannes der Täufer offenbarte uns, dass wir nichts nehmen können, ausser es sei von oben gegeben. Hätte der Reiche keine Gesundheit, Intelligenz, Startkapital oder alles zusammen, erhalten, wäre er unscheinbar wie jeder andere. Der Mensch überhebt sich jedoch schnell und sagt: Alles das haben meine Hände erarbeitet! Kein Wunder kann er mit einer solchen Sicht problemlos Arme unterdrücken. Schliesslich sind sie ja in seinen Augen zu dumm oder zu faul, um es auf einen grünen Zweig zu bringen. Daher auch der nächste Spruch:

Mit Flehen redet der Arme, der Reiche aber antwortet mit Härte. Spr 18, 23

Wenn die Reichen erkennen würden, das auch sie Verwalter von Gottes Güte sind und einmal dem HERRN Rede und Antwort stehen müssen, was sie mit dem anvertrauten Gut gemacht hätten, hätte der HERR nicht prophetisch sagen müssen, dass ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehe, als ein Reicher in das Reich der Himmel.

Vers 7

Da der Reiche meint, er könne auf seine eigene Weisheit bauen, braucht er Gottes Namen oft nur, um ihn zu lästern. Interessant ist an dieser Stelle der Hinweis, dass Gottes Name über seinem Volk ausgerufen ist. Sein Volk ist gegen aussen versiegelt (Eph 1,13; 1. Petr 4,14), es trägt den Namen Gottes. Gott war sich nicht zu schade, den vorwiegend armen Menschen seinen Namen zu geben, obschon sie ihm oft nicht gerecht werden. Ganz anders handelt die Welt in diesen Dingen. Nur würdige, bestens ausgebildete Menschen dürfen eine Firma oder Nation repräsentieren. Ansonsten laufen die Namensgeber Gefahr, ihren guten Namen und den damit verbundenen Ruf zu verlieren. Gott ist aber nicht so. Er vertraut uns seinen Namen an, damit wir als Botschafter des Höchsten auf die Strasse gehen und die heilbringende Botschaft verbreiten dürfen. Was für eine Ehre!

Vers 8

Wie weise hat der HERR das Wort niederschreiben lassen! Nach den vorangegangenen Versen könnte man als gottesfürchtiger Mensch geneigt werden, die Reichen in den Gemeinden unterdrücken zu wollen. Schliesslich haben sie den ärmeren viel Leid zugefügt und sie vor Gerichte geschleppt. Genau um das zu vermeiden, kommt das königliche Gesetz gerade zur rechten Zeit. Kein Unterschied soll gemacht werden: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ist die Aufforderung des Heiligen Geistes. Ob reich oder arm, alle Menschen sind gleich vor Gott. Dieses Gesetz entstammt der Schrift. Und wer die Schrift befolgt, tut natürlich recht. Amen.

Verse 9-12

9 Wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde und werdet vom Gesetz als Übertreter überführt.
10 Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller schuldig geworden.
11 Denn der da sprach: »Du sollst nicht ehebrechen«, sprach auch: »Du sollst nicht töten.« Wenn du nun nicht ehebrichst, aber tötest, so bist du ein Gesetzes-Übertreter geworden.
12 Redet so und handelt so wie , die durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen! Jak 2, 9 – 12

Vers 9

Wer bei Personen in der Gemeinde Unterschiede macht, indem er sein Verhalten gegenüber den Personen ihrem Stand, den sie in der Welt haben, anpasst, begeht Sünde. Er verhält sich Gott gegenüber falsch. Er übertritt klar die Regel des HERRN, dass er seinen Nächsten lieben sollte, wie sich selbst. Wenn er den gläubig gewordenen Reichen besser behandelt als den armen und kranken Menschen aus seiner Nachbarschaft, der den HERRN auch liebt, aber in der Welt keine hohe Stellung bekleidet. Er sündigt darin, weil er die Liebe nicht gleichmässig verteilt. Gott hat das bei uns getan, obschon wir im Blick auf Gott alles Habenichtse sind. Auch Jesus Christus, der in völliger Einheit mit dem Vater im Himmel war, öffnete die Türe zum Reich allen Menschen, ohne auf das weltliches Ansehen der Betreffenden zu schauen. Er öffnete sie nicht dem einen mehr und dem anderen weniger. Für alle gilt der gleiche Schlüssel: „Glaubet an mich (Rö 10,9)!“

Verse 10-11

Die Thematik „Umgang mit Mitmenschen“ ist nicht unerheblich. Wer es als eine Kleinigkeit betrachtet, hierin Unterschiede zu machen, soll unbedingt wissen, dass er eine Richtlinie dessen übertritt, der alle im Universum gültigen Gesetze und Richtlinien erlassen hat.

Vers 12

Wer sich an Christus hält und sich kompromisslos unter seinen Willen stellt, wird nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet. Ein solcher ist ein losgekaufter Christi. Dieser Mensch hält sich selbst für „tot“ und lebt Christus. Er vertraut sich nicht und weiss, dass er ohne die Gnade des HERRN nicht auf dem rechten Weg verbleiben wird, weil er aus seiner eigenen Kraft zu schwach ist, auf Gottes Weg zu bleiben. Im Gegensatz zu einem solchen ist eine Person, welche ihrer eigenen Kraft vertraut. Eine solche denkt, sie habe in sich selbst etwas Gutes und könne in ihrem eigenen Wandel vor Gott bestehen. Eine solche Person merkt in der Regel nicht, dass sie, losgelöst von Christus, schuldig ist, das ganze Gesetz Gottes zu halten, was jedoch mit Sicherheit bewiesen ist, dass das für den Menschen unmöglich ist.

Verse 13-16

13 Denn das Gericht ohne Barmherzigkeit gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht.
14 Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten?
15 Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester dürftig gekleidet ist und der täglichen Nahrung entbehrt,
16 aber jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch! ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige, was nützt es? Jak 2, 13 – 15

Vers 13

In der Einleitung zu diesem Brief haben wir gesehen, an wen er geschrieben wurde: An gläubig gewordene Israeliten. Gläubige Israeliten werden heutzutage „Judenchristen“ genannt. Dies ist nicht eine vierte Volksgruppe (neben Israel, Gemeinde und Nationen), sondern es sind schlicht Christen, wie wir es sind. Denn wer in Christus ist, ist eine neue Kreatur, da zählt weder Jude noch Grieche (Gal 3,28). Das hier beschriebene Gericht, ist die Beurteilung vor dem Richterstuhl Christi, das Gericht für die Gemeinde (Rö 14,10; 2. Kor 5,10). Auch dort wird die Barmherzigkeit eine grosse Rolle innehaben.

Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib , dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses. 2. Kor 5, 10

Wer schriftgemäss lebt, übt viel Barmherzigkeit, er wird somit Barmherzigkeit empfangen (Mt 5,7 …den ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren). Ein hartherziger Christ zieht sich ein härteres Urteil zu.

Vers 14:

Wenn ich sage: „Ich habe viel Getreide in der Scheune“, und Du gehst hin und schaust nach, ob dem so sei und findest jedoch nur ein kleines Häuflein da liegen, so wirst Du zu mir sagen, ich hätte nur hohle und leere Worte. Dasselbe sagst Du zu mir, wenn ich behaupte, es sei bitterkalt draussen, ich aber mit einem Kurzarmshirt und kurzen Hosen nach draussen gehen und so den Tag verbringen kann. – Worte reichen nicht, um Glauben zu haben. Wirklich an etwas glauben bedeutet, sein Leben danach auszurichten. Man lebt nach dem Glauben. Wenn ich glaube, dass das Benzin im Tank ausgeht, fahre ich zur nächsten Tankstelle. Die Fahrt zur nächsten Tankstelle zeigt, dass ich glaube, mein Tank sei leer. Wenn ich behaupte, ich glaube an Gott und sein Wort, jedoch nicht danach handle, habe ich in Wirklichkeit keinen Glauben. Jakobus predigt hier nicht eine „Werksgerechtigkeit“. Er sagt nicht, die Tat Christi hätte nicht gereicht, uns zu erretten, wir müssten noch etwas dazu tun. Er sagt, wir sollen so handeln, wie wir zu glauben vorgeben.
„Kann etwa der Glaube ihn erretten“, fragt Jakobus durch den Heiligen Geist. Es heisst doch, wir seien durch Glauben allein errettet? Ja, das ist wahr, doch durch echten Glauben an Christus, nicht durch hohle Worte allein!

Verse 15 und 16:

Wenn wir sehen, dass gemäss Glauben an die Schrift gehandelt werden muss, wir aber nicht danach tun, wird es uns nichts nützen vor dem erwähnten Gericht. Genauso wenig nützt es dem oder der Bedürftigen, weil keine konkrete Hilfe ausgeübt wird. Der Bedürftige ist vielmehr von Schwätzern mit hohlen Reden umgeben, die zwar behaupten zu glauben, jedoch bei näherer Betrachtung keinen Glauben vorweisen können.

Tun wird das, was wir glauben! Amen.

Verse 17-20

17 So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot.
18 Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir aus meinen Werken den Glauben zeigen!
19 Du glaubst, dass einer Gott ist? Du tust recht; auch die Dämonen glauben und zittern.
20 Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist? Jak 2, 17 – 20

Vers 17

Wie schon im obigen Kommentar zum Vers 14 beschrieben, ist ein Glaube, der sich nicht in Taten äussert, kein wirklicher. Leere Worte hören wir bei Gläubigen aller Religions- und Wertevertreter. Es gibt grüne Politiker, welche glauben, dass die Welt durch Umweltverschmutzung kaputtgeht. Sie predigen beispielsweise viel zur Reinerhaltung der Luft. Dass sie selbst aber nicht wirklich an das glauben, was sie vorgeben zu glauben, zeigt oft schon ein Blick in ihre Garage am Wohnort. Dort kann bei einigen ohne weiteres ein altes Auto ohne Katalysator stehen, dass – ohne zu übertreiben – 100x mehr schädliche Abgase ausstösst als ein Wagen mit geregeltem Dreiwegkatalysator, der schon seit längerem bei allen Serienfahrzeugen zum Standard gehört. Wer kann Menschen, die einen solchen hohlen und leeren Glauben vorweisen, ernst nehmen? Prüfen wir uns dabei aber gleich selbst! Tun wir selbst danach, was wir zu glauben vorgeben?
Mit diesem obenstehenden Beispiel möchte ich nicht grüne Politiker verunglimpfen. Solche Beispiele könnte man in allen politischen und christlichen Lagern finden. Überall hat es Menschen, die etwas vorgeben zu glauben, es aber in Wirklichkeit nicht tun. Und sowieso: Als Christen haben wir nicht den Auftrag, uns aktiv in weltliche Politik zu mischen. Die Weltherrschaft ist den Nationen gegeben, bis Christus wiederkommt. Dann wird sie von Gott Christus und seinen Heiligen übertragen. Daher ist unsere Aufgabe jetzt nicht, uns dort zu investieren. Unsere Aufgabe ist vielmehr, Christus und sein Reich kennen zu lernen. Wir haben aber auch den Auftrag, uns den staatlichen Mächten unterzuordnen, für sie zu beten und sind nicht aufgerufen, uns dagegen zu stellen.

Vers 18

Wer wirklich glaubt, was in der Schrift steht, kann das durch sein Leben zeigen. Wer es aber nur durch Worte beteuert, jedoch nicht danach lebt, betrügt sich selbst und andere dazu.

Vers 19

Uns muss bewusst sein, dass ein Glaube an die Existenz Gottes noch lange nicht der von Gott geforderte Glaube ist. Ein echter Glaube an Christus und sein Erlösungswerk sollte in uns etwas bewirken. Es sollte bewirken, dass – wenn wir an Christus gläubig werden – wir nicht einfach weitergehen wie bisher. Echte Gläubige brechen ab diesem Zeitpunkt mit der Sünde und mit der weltlichen Gesinnung. Sie bringen der Umkehr würdige Frucht, wie gefordert wird (siehe auch Apg 26,20):

Bringt nun der Busse würdige Frucht … Mt 3, 8

Vers 20

„Erkenne, du eitler Mensch!“ Wie schon andernorts erwähnt, doppelt Jakobus – getrieben durch den Heiligen Geist – hier nochmals nach. Die Geschichte Israels zeigt uns deutlich, über mehrere Generationen, Kulturstände und Zeitepochen hinweg, dass der Mensch in der Regel, nicht im Ausnahmefall, sehr halsstarrig im Blick auf die Dinge Gottes sein kann. Wir sollten uns da nichts vormachen. Das Fleisch, das immer noch in uns schlummert und gegen Gott gerichtet ist, kann in uns böse Lüste wecken. Wenn wir da nicht wachsam sind und Gott nicht bitten, uns in jeder Hinsicht zu bewahren, kann unser Fall in die Sünde oder Lethargie im Felde Gottes nicht unerheblich sein. Und denken wir daran: Untätige Knechte Gottes ziehen Unterlassungsschuld auf sich – es war ihnen egal, wie es der Gemeinde und ihren Nächsten geht, sie haben nicht für sie gebetet.

Verse 21-24

21 Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf den Opferaltar legte?
22 Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammenwirkte und der Glaube aus den Werken vollendet wurde.
23 Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: »Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet«, und er wurde »Freund Gottes« genannt.
24 Ihr seht , dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. Jak 2, 21 – 24

Vers 21

Die Tat Abrahams, die seinen Glauben offenbarte, ein Glaube, dass Gott seinen einzigen Nachkommen wieder zum Leben erwecken kann, indem er Gott gehorchte und seinen Sohn auf den Opferaltar legte – diese Tat rechtfertigte Abraham. Sie ist nicht zu vergleichen mit der Tat Kains, der Früchte vom Feld zu Gott brachte. Kains Tat zeigt uns einen Menschen, der vor Gott gerecht leben möchte. Ab und zu bringt er ein Opfer aus seiner Ernte zu Gott. Solche Opfer gefallen Gott aber nicht, denn er kann nichts von sündigen Menschen annehmen. Abraham tat nichts solches. Die Triebfeder seiner Tat war sein Glaube. Gott befahl und er gehorchte. Seine Tat war eine Tat aus Glauben. Solche Taten rechtfertigen den Menschen. Gehorsam ist angenehm vor Gott.
Der Heilige Geist lässt Jakobus mehr als zehn Verse niederschreiben, in denen er Christen, die sich mit der Errettung zufrieden geben und danach nichts mehr tun, versucht aufzurütteln. Andere werden durch sie in ihrem Tun bestärkt und getröstet.

Vers 22

Für Jakobus ist es ganz klar: Glaube und Werke gehören zusammen. Wenn ich etwas glaube, handle ich danach – der Glaube zieht Werke nach sich. Ich glaube, dass ich morgen zur Arbeit muss. Dies zieht nach sich, dass ich mich morgen auf den Weg mache.

Vers 23

Wer möchte nicht „Freund Gottes“ genannt werden? Echter Glaube kann uns in diese Stellung bringen, denn Jesus spricht:

Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Joh 15, 14

Jesus ist Gott und wenn wir nach seinem Willen tun, sind wir „Freunde Gottes“.

Vers 24

Die Schlussfolgerung aus diesen Versen ist nochmals eine Linie zur Hervorhebung unter das Genannte. Jakobus betont es nochmals: Der Glaube ist verbunden mit Werken. Wer nur glaubt, ist nicht glaubwürdig. Wer glaubt und tut, was er glaubt, ist wahrhaftig. Amen.

Verse 25-26

25 Ist aber nicht ebenso auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg hinausliess?
26 Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. Jak 2, 25 – 26

Vers 25

Erinnern wir uns an die Begebenheit im Buch Josua in der Heiligen Schrift? Rahab, eine Bewohnerin von Jericho, hatte erkannt, dass Gott den Israeliten das Gebiet geben wird, welches Israel später bewohnte. In dieses Gebiet fiel auch die Stadt Jericho. Somit war sich Rahab sicher – und glaubte daran – dass auch Jericho Israel nicht standhalten wird. Dieser Glaube veranlasste sie die israelitischen Kundschafter vor dem eigenen König zu verstecken. Ihr Glaube liess sie (richtig) handeln. Hätte sie nicht in der Tiefe geglaubt, dass Israel Jericho einnehmen wird, hätte sie die Boten getrost ihrem König übergeben oder einfach tatenlos zuwarten können.

An diesem Beispiel sehen wir nochmals schön veranschaulicht, dass dem Glauben Taten – die diesem Glauben entsprechen – resultieren.

Vers 26

Mit diesem Vers schliesst Jakobus die Erklärungen zum echten Glauben. Dieser Abschnitt wird für die heutige Zeit immer wichtiger. Leider ist die Teilnahmslosigkeit und Lauheit im Christentum weit verbreitet. Auch durchsäuert falsche Lehre hierüber die Gemeinden – nicht selten wird ein anderer Gott gepredigt! Heutzutage grassiert die Meinung, dass der Gott des Neuen Testamentes ein anderer ist, als derjenige des Alten Testamentes. Erklärt wird dies mit dem Wechsel der Ordnungen im Reich Gottes (zwischen AT und NT). Früher war es dem Volk gegeben, Gericht zu halten (Auge um Auge). Heute ist es uns nicht mehr gegeben. Weil Gott dies nun verordnet hat, lehren einige falsche Lehrer, Gott habe sich selbst verändert – er sei nicht mehr der gleiche. Dabei spricht der HERR:

Jesus Christus derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Hebr 13, 8

Für eine falsche Freiheit, für die Freiheit des bösen Fleisches, wird mancherorts gelehrt, der Christ sei nicht mehr angehalten, Verantwortung zu übernehmen und sein Leben nach Möglichkeit und – mit Gottes Hilfe – sauber und heilig zu leben. Es wird gelehrt, dass das Erlösungswerk Christi dazu da sei, schnell und billig die Sünden zu vergeben, so frei nach dem Motto „Der Mensch ist ein Sünder und sündigt halt – es gibt keine perfekten Menschen.“

Eine solche lasche Haltung und Lehre ist böse. Christus starb zu unserer Befreiung und erwartet von uns jetzt kein „munter drauflossündigen“. Wer das Evangelium als Freipass für ein eigenwilliges Leben nimmt und Leute, die den Weg Christi ernsthaft gehen und dabei Früchte des Geistes hervorbringen wollen, abfertigt mit bösen Worten wie: „Ist die Evangeliumsbotschaft bei euch eine Drohbotschaft?“, hat keine wirkliche Ahnung.

Das Evangelium ist keine Drohbotschaft. Es rettet den Menschen aus einem Riesenschlamassel und bösem Geschlecht. Es versetzt den gläubigen Menschen in die Stellung eines Sohnes Gottes. Es wäscht die Sünden gründlich ab.

Wer nun jedoch meint, im Leben nicht umkehren zu müssen, nicht versucht die Sünde zu lassen, Gott nicht ehrt und nun weiter, aber unter einem frommen Deckmantel, lebt wie früher, bereitet sich und anderen Verderben. Christus hat uns nicht errettet, damit wir Gott weiter spotten. Er hat uns errettet, um uns zu heiligen und zu verändern (1. Petr. 1,9).

… hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen … Kol 1, 22

Es geht nicht an, das wir sündigen (Jak 5, 20). Wenn es geschieht, haben wir einen Fürsprecher (1. Joh 1,19). Doch das Sündigen scheint sich in einigen Gemeinden zu einem Kavaliersdelikt zu wandeln und wird viel zu oft verharmlost. Dass Sünde aber abgrundtief böse ist und unserem HERRN das Leben gekostet hat, scheint viele nicht mehr zu beeindrucken. Daher: Wer Laschheit lehrt und Sünde verharmlost, wird sich sein Urteil zuziehen.

Als zweites Problem kann heutzutage in vielen christlichen Gemeinden eine totale Ablehnung gegen Werke beobachtet werden. Wer für Werke ist, wird sofort als Irrlehrer abgetan, ohne dass dabei geprüft wird, ob jemand Werke zur Errettung (Werksgerechtigkeit) oder Werke aus Glauben (eine Veranschaulichung des Glaubens) predigt. Natürlich ist die sogenannte Werksgerechtigkeit zu verwerfen. Wir werden nicht errettet durch das „gut – Sein“. Wir sind durch Gnade errettet, nicht durch Werke, die uns erretten sollen. Doch es ist total falsch, wenn jemand auf die Tatsache verweist, dass wir nicht durch Werke errettet würden, um seine Faulheit zu rechtfertigen. Im Reich sind Arbeiter gefragt – und Arbeiter arbeiten bekanntlich. Sie arbeiten nicht zur Selbsterlösung, sie arbeiten, um das Werk des HERRN voranzutreiben. Sie arbeiten, weil sie der Schrift glauben. Sie lesen aus der Schrift, dass sie wachen und beten sollen. Deswegen wachen und beten sie. Sie arbeiten, weil in der Schrift steht, sie sollen evangelisieren und die Nationen zu Jüngern machen. Ihre Werke entspringen ihrem Glauben – weil sie glauben arbeiten sie. Wer im Reich nicht arbeitet, es aber könnte, ist faul und böse. Dies sage nicht ich, sondern der HERR (Mt 25,26; Lk 19,22).

Lasst uns fleissig sein. Amen.

Kapitel 3

Verse 1-2

1 Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wißt, daß wir ein schwereres Urteil empfangen werden!
2 Denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln. Jak 3, 1 – 2

Vers 1

Ein anerkannter Lehrer hat die Möglichkeit, Menschen, welche (noch) keine grosse Bibelkenntnis haben, zu führen und zu begleiten. Da ihm seine Zuhörer vertrauen, hören sie auf ihn und tun, was er sagt. Die Bibel unterstützt dies auch, wenn dabei alles mit rechten Dingen zugeht. Sie muntert sogar auf, es zu tun:

Gehorcht und fügt euch euren Führern! Denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch. Hebr 13, 17

Allerdings müssen wir auf der Hut sein. Wir sollen nicht nach einem Lehramt trachten, koste es was es wolle, nur weil wir etwas von dieser Ehre wollen, die diesen Leuten zusteht (1. Tim 5,17). Das Lehramt können wir uns nicht selbst geben – Gott allein ist der, welcher die Personen dazu einsetzt und befähigt (1. Kor 12,28; Rö 12, 6-7; Eph 4,11). Wer „nur“ viel Kopfwissen hat, kann noch lange nicht zwingend geistliche Zusammenhänge verstehen. Wenn dann jene Person nicht als blinder Lehrer von Blinden ertappt werden möchte, sollte sie unbedingt den HERRN fragen, ob sie eingesetzt sei, Speise auszuteilen (Mt 24,45).
Dazu kommt, dass Lehrer, wie im Vers erwähnt, ein schwereres Urteil empfangen werden – sie müssen besonders Rechenschaft abgeben, da sie einen erweiterten Tätigkeitsbereich vom HERRN erhalten haben, nach dem Motto „Wem viel gegeben wurde, bei dem wird viel gesucht werden“(siehe Luk 12,48). Wer dieses Amt oder Gabe missbräuchlich benutzt, soll sich ganz sicher sein, dass er nicht ungestraft davonkommt. Andersrum sollen jene, denen diese Arbeit durch den HERRN aufgetragen ist, wissen, dass – wenn sie darin Gott ehren und fleissig sind – sie von Gott grosse Ehre empfangen werden (siehe auch Dan 12, 3).

Vers 2

Ein Lehrer sollte sehr demütig sein. Jakobus, selbst ein Lehrer, bestätigt, dass wir alle oft straucheln. Lehrer sollen daher auch offen sein für Korrekturen von anderen Lehrern und Brüdern.
Ein Fehltritt ist jedoch nicht zwingend ein Beweis der Unfähigkeit des Lehrers. Er zeigt eher die menschliche, unvollkommene Seite seiner Person.
Demütige Lehrer können mit Kritik umgehen – sie werden sie sogar wertschätzen. Stolze Lehrer werden hingegen damit Mühe haben. Nehmen letztere berechtigte Kritik nicht an, wird es nicht lange gehen, bis sie an Ansehen verlieren. Der HERR überlässt seine echten Schafe der menschlichen Willkür nicht für immer.

Verse 3-6

3 Wenn wir aber den Pferden die Zäume in die Mäuler legen, damit sie uns gehorchen, lenken wir auch ihren ganzen Leib.
4 Siehe, auch die Schiffe, die so gross und von heftigen Winden getrieben sind, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin das Trachten des Steuermanns will.
5 So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich grosser Dinge. Siehe, welch kleines Feuer, welch einen grossen Wald zündet es an!
6 Auch die Zunge ist ein Feuer; als die Welt der Ungerechtigkeit erweist sich die Zunge unter unseren Gliedern, die den ganzen Leib befleckt und den Lauf des Daseins entzündet und von der Hölle entzündet wird. Jak 3, 3 – 6

Vers 3

In der Überschrift zum dritten Kapitel (Verse 1-12) steht in der Elberfelder Bibel: „Warnung vor Missbrauch der Zunge.“ Im Vers drei zeigt Jakobus, dass ein grosser Leib, im Beispiel ein Pferd, das grosses und starkes Tier darstellt, durch ein kleines Zaumzeug gelenkt werden kann, wohin der Reiter will. Wir wissen auch aus der Geschichte, dass einzelne Diktatoren über Glück und Unglück von Nationen entschieden haben. Wenn sie Krieg ausriefen, mussten abertausende sterben. Wollten sie Frieden bewahren, ging es dem Volk besser. Es wird an dieser Stelle an die Verantwortung der Leiter appelliert, aber nicht nur. Alle sind gefordert. Dieser Vers zeigt auf, dass ein kleines „Ding“, sehr viel bewirken kann.

Vers 4

Denken wir an einen Supertanker auf den Weltmeeren. Im Vergleich zur Masse im Wasser, ist das Steuerruder dieses Schiffes nicht einmal erwähnenswert. Doch in der Wirkung ist es ein zentrales Teil. Durch die Stellung dieses kleinen Bauteiles am Schiff entscheidet sich, ob der Tanker Rotterdam in Holland oder einen Hafen in Australien anläuft. Stellen wir uns das mal plastisch vor – es geht hier um unsere kleine Zunge – wenn wir sie missbräuchlich einsetzen, können wir, ein gewisses Charisma vorausgesetzt, tausende von Leuten in die Irre führen. Denken wir dabei nur einmal an die nicht mehr zu zählenden sektiererischen Gruppen. Umgekehrt kann die Zunge im guten Fall, tausende von Leuten tränken. Denken wir nur mal an die Worte unseres HERRN und deren Wirkung!

Vers 5


Jakobus zeigt mit dieser Stelle die ungeschminkte Wahrheit. Wie oft prahlen wir Menschen mit unserem Mund. Wir hätten dieses oder jenes fertiggebracht. Insgeheim wird nicht selten gehofft, im Prahlen Anerkennung zu finden. Was die Bibel dazu sagt, finden wir im selben Brief:

Nun also, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und dort ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen – die ihr nicht wisst, wie es morgen um euer Leben stehen wird; denn ihr seid ein Dampf, der eine kleine Zeit sichtbar ist und dann verschwindet –, statt dass ihr sagt: Wenn der Herr will, werden wir sowohl leben als auch dieses oder jenes tun. Nun aber rühmt ihr euch in euren Grosstuereien. Alles solches Rühmen ist böse. Jak 4, 13 – 16

Johannes der Täufer sagte, niemand könne etwas Gutes nehmen, ausser es sei ihm von oben gegeben. Wie kann es denn sein, dass sich die Zunge grosser Dinge rühmt? Sie ist mit einem Feuerchen zu vergleichen, das, gerät die Situation ausser Kontrolle, verheerendes anrichten kann. Durch die Zunge von Einzelpersonen fielen Familien, Gruppen, Gemeinden, ja sogar Nationen ins Unglück. „Welch einen grossen Wald zündet es an!“
Obschon Jakobus das im Zusammenhang der Ermahnung an die Lehrer schreibt, geht diese Textpassage alle etwas an. Wir kommen täglich mit Menschen in Kontakt und können täglich entscheiden, ob wir das uns gegebene Stück Wald anzünden möchten oder nicht, in der Bildsprache gesprochen.
Wir sollen aber auch nicht zurückziehen wegen dieser Worte, wenn uns der HERR einen Lehrauftrag gegeben hat. Das Talent soll nicht im Boden vergraben werden. Wer lehren muss, der soll es auch mit Freude tun. Es ist ein Auftrag des HERRN. Dabei soll er einfach auf sich und die anderen acht geben und die Beziehung zum HERRN gut pflegen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Vers 6

Mit der Zunge kommt unser Inneres zum Ausdruck:

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Lk 6, 45

Wer vor dem HERRN rein wandelt und sich nicht aus seiner Gnade begibt, wird von dem Guten, das er täglich vom HERRN empfängt, weitergeben können. Wer sich aber auf Abwege begibt, ist für die Hölle empfänglich, weil der Fürst dieser Welt solche Abtrünnigen sehr gerne unterstützt, Menschen, die in der Unabhängigkeit und Gottesferne leben möchten. Die Wortwahl Jakobus’ ist nicht extrem, wenn er schreibt, die Zunge würde durch die Hölle entzündet. Jeder von Christus unabhängige Mensch, dessen Gott er selbst ist, sei er Christ, Israelit oder jemand aus den Nationen, kann eine von der Hölle entzündete Zunge haben, weil er Dinge von sich gibt, die nicht mit dem Wandel Christi übereinstimmen. Seine Ausführungen, mögen sie noch so fromm erscheinen, weichen von der gesunden Lehre ab – schliesslich wandelt er in Gottesferne. Die Aussprüche müssen nicht zwingend „höllisch“ sein. Auch haarscharf daneben ist eine Verfehlung des Zieles. Mögen wir das bedenken!

Verse 7-10

7 Denn jede Art, sowohl der wilden Tiere als auch der Vögel, sowohl der kriechenden als auch der Seetiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Art;
8 die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen: ein unstetes Übel, voll tödlichen Giftes.
9 Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bild Gottes geschaffen worden sind.
10 Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein! Jak 3, 7 – 10

Vers 7-8

Diese beiden Verse zeigen die über unseren alten Menschen immer wieder geoffenbarte Wahrheit. Wenn er die Herrschaft über die Zunge bekommt – da gibt es nichts, was die Zunge bändigen könnte. Wilde Tiere konnte der Mensch bändigen, man möge sich das plastisch vorstellen! Doch eine vom Fleisch (unserem alten Menschen) losgelassene Zunge kann niemand bändigen.
Das ist einer der Gründe, weshalb Gott kein Selbstverbesserungsprogramm für den Menschen einführte. Der unbekehrte Mensch kann einfach nicht anders als gegen Gott sein. Dies beweist die Geschichte mit dem Gesetz Moses. Kein Mensch war fähig, es einzuhalten. Um den Menschen zu retten, musste ein anderer Plan her: Gott macht aus dem wollenden Menschen durch Christus eine neue Kreatur (Schöpfung). Die alte muss im Tode gehalten (verleugnet) werden, bis zum irdischen Ableben oder Christi Wiederkunft, wo er den noch lebenden Gläubigen einen neuen Leib gibt. Erst nach dieser Zeit gibt es für die Zunge keine Gefahr mehr. Davor müssen wir stets auf der Hut sein. Wen möchten wir sprechen lassen, das alte Ich oder den neuen Menschen in uns?

Verse 9-10

Vielleicht haben wir uns auch schon dabei ertappt: In der Gemeinde loben wir vor allen Anwesenden den HERRN und zu Hause sprechen wir etwas über andere Menschen, das sich nicht geziemt. Machen wir uns dabei nichts vor, wo viele Worte sind, bleibt der Treubruch nicht aus (Spr 10,19). Bei Unachtsamkeit unsererseits tappen wir schnell in diese „Wortfalle“. Nicht umsonst werden wir ermahnt, nüchtern zu sein. Wir sollen mit „eingeschaltetem Gehirn“ durch unser Leben gehen und in jeder Situation abwägen, ob wir in der Gegenwart Christi auch so sprechen würden. Ein guter Rat ist Davids bitte an Gott:

Bestelle, HERR, eine Wache für meinen Mund! Wache über die Tür meiner Lippen. Ps 141, 3

Lasst uns bei Gefahr auch beim HERRN eine Wache für unseren Mund bestellen, dass aus demselben Mund Segen und Fluch hervorgeht sollte nicht sein!

Verse 11-14

11 Die Quelle sprudelt doch nicht aus derselben Öffnung das Süsse und das Bittere hervor?
12 Kann etwa, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven hervorbringen oder ein Weinstock Feigen? Auch Salziges nicht süsses Wasser hervorbringen.
13 Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit!
14 Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Eigennutz in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit! Jak 3, 11 – 14

Vers 11

Wie es bei einer Quelle unnatürlich ist, bitteres und süsses Wasser hervorzubringen, ist es gegen die Natur, dass aus unserer „Sprachöffnung“ Segen und Fluch kommt. Es ist gegen die geistliche Natur. Die fleischliche bringt freilich das Bittere hervor. Wir sollen darauf achten, die fleischliche Natur im Tode zu halten.

So auch ihr: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus! Röm 6, 11

Unsere alte Natur ist gegen die göttliche, neue Natur gerichtet. Die Bibel sagt uns, wir sollen nicht mehr in ihr leben. Das geht nur, wenn wir unsere fleischlichen Gelüste verleugnen und uns nach der Schrift versuchen auszurichten.

Vers 12

Der Herr Jesus sagt, wir können anhand der Früchte eines Menschen Wandel beurteilen. Wir sollen nicht verurteilen, doch freilich beurteilen. Wie können wir sonst das Böse der Versammlung fernhalten, wie im 1. Kor 5 geschrieben steht? Ein guter Baum bringt gute Früchte – ein Christ, der sich von der Frau scheidet und sagt, er liebe den HERRN, können wir anhand der Schrift als Lügner entlarven. Denn wer Gott liebt, tut was er sagt.

Vers 13

Weise Menschen tun, was sie sagen. Unter ihnen predigt niemand „Wasser“ und trinkt „Wein“. Die Werke des Weisen entsprechen seinem Wandel. Wer gut vorangeht, dessen Weg ist mit schönen, Gott wohlgefälligen Werken gesäumt. Wer böse vorangeht, bei dem finden sich keine guten Werke am Wegesrand, auch wenn er hartnäckig von solchen spricht.

Vers 14

Bittere Eifersucht und Eigennutz sind keine Früchte des Geistes. Wer solche Gedanken in seinem Herzen hegt, soll sich nicht rühmen. Vielmehr sollte er seinen Blick auf den uneigennützig handelnden HERRN richten und in seine Fussstapfen treten!

Verse 15-18

15 Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische.
16 Denn wo Eifersucht und Eigennutz ist, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat.
17 Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedvoll, milde, folgsam, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt.
18 Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften. Jak 3, 15 – 18

Vers 15

Die Weisheit, die uns zu Eifersucht und Eigennutz verführt, kommt nicht von oben. Sie ist teuflisch und steht dem Gebot des HERRN entgegen. Wir sollen nicht begehren, sagt der HERR. Ohne Begierde kommt keine Eifersucht oder kein Eigennutz hoch. Das müssen wir klar sehen können. Wandeln wir anhand unserer Früchte im Fleisch nach irdischen, teuflischen Grundsätzen oder befinden wir uns im Geist und bringen seine Früchte (Gal 5, 22) hervor?

Vers 16

Wir sollten uns nie gefallen, wenn wir eigene Wege gehen. Wir sollten es nie zu entschuldigen versuchen. Oder kann jemand „Zerrüttung“ und „jede schlechte Tat“ bei sich entschuldigen?

Vers 17

Gottes Weisheit ist rein und herrlich, wie sie im Vers beschrieben wird. Wenn wir sie vorweisen können, sind wir auf gutem Wege.

Vers 18

Wie wir aus anderen Stellen in der Bibel wissen, werden wir selbst ernten, was wir säen (es wird uns so geschehen, wie wir getan haben, siehe auch Hos 8,7; Spr 22,8; Gal 6,7-8). Was möchten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, ernten?

Kapitel 4

Verse 1-4

1 Woher Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: Aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten?
2 Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet;
3 ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
4 Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes. Jak 4, 1 – 4

Vers 1

Bis jetzt habe ich noch keine Gemeinde gesehen, in der es nicht auch mal Streitigkeiten gibt. Oft entstammen sie dem Fleische, aus unserem alten Menschen, welcher im Tode gehalten werden sollte, d.h. dessen Regungen wir ignorieren sollten, indem wir sie sofort mit dem HERRN besprechen und richten. Damit sage ich nicht allgemein, dass es keine Meinungsverschiedenheiten geben darf. Auch kann im richtigen Sinne jemand scharf zurechtgewiesen werden, wenn es nötig ist, wie auch der Paulus lehrte. Doch Streitereien aus den Lüsten in unseren Gliedern sind zu verurteilen. Sie sind schnell zu verurteilen, damit sie nicht um sich greifen und zu Bitterkeit führen (Heb 12,15), letzteres würde zu grossem Schaden in der Gemeinde führen.
Wir sollen uns aber nicht irren: Die Lüste sind und bleiben in uns, solange wir hier leben. Wer sich nicht gross um den Vers „…getrennt von mir könnt ihr nichts tun“ kümmert, wird geistlich nichts zustande bringen. Eigene Werke und eigenes „lieb sein“ bringt nicht die Frucht hervor, die von Gott erwartet wird. Daher ist dieser Vers nicht einfach zu überlesen und dabei zu denken, wir würden ja schliesslich nicht streiten und noch weniger Krieg führen. Ganz leicht und schnell sind wir mitten drin. Viele Kriege werden auch in christlichen Ehen und Familien geführt. Der Vater gegen den Sohn, die Tochter gegen die Mutter und so weiter, in allen möglichen Konstellationen.
Der Heilige Geist lässt nichts aus, was nicht von Wichtigkeit wäre!

Vers 2

Im oben beschriebenen Zustand (getrennt von Christus), im Leben durch eigenen Antrieb, kommen wir nirgendwo hin – zumindest geistlich gesehen. Wie schon erwähnt, müssen wir nicht auffällig böse sein, unser alter Mensch reicht vollständig aus, um zu töten (z.B. Abtreibung), zu neiden, Krieg zu führen und vor Gott nichts zu haben. Die fleischliche Natur produziert das Notwendige für diese Ergebnisse nämlich automatisch. Es ist ein natürliches Produkt des Fleisches (Gal 5,19; Kol 3,5). Das Fleisch geht natürlich nicht zum HERRN, um etwas zu erbitten, weil es dort sofort gerichtet würde. Deshalb bleibt ein fleischlicher Christ ohne geistlichen Segen.

Vers 3

Ein Christ, der bittet, aber fleischlich gesinnt bleibt, das heisst, er handelt nach seinem eigenen Sinn und nicht nach den Vorgaben Christi und seinem mit Gott verbundenen Gewissen, bekommt natürlich auch nichts von Gott. Weshalb auch schon? Damit er es in seinen Lüsten vergeuden kann? Soll ihm Gott Perlen geben, damit sie der Betreffende vor die Schweine werfen kann? Ganz bestimmt nicht!

Vers 4

Ganz interessant ist hier die Bezeichnung „Ehebrecherinnen“ für die angesprochenen Menschen. Damit meint Jakobus nicht Frauen, welche die Ehe brechen. Jakobus spricht hier die Christen, in ihrer Eigenschaft als Braut Christi, an. Wir sind mit einem Mann verlobt (2. Kor 11,2). Christus ist geistlich, durch den Geist gezeugt. Er ist aber auch Gott. Gott ist Geist (Joh 4,24). Die Welt und dessen Geschlecht sind irdisch (1. Kor 15,47) und denkt so, wie es der Fürst dieser Welt vorgibt (Judas 1,19). Wir sind als Christen auch vom Geist Gottes gezeugt worden und sind somit himmlisch (1. Kor 15,48). Eine klare Trennung ist vollzogen worden. Wir gehören Christus und dem himmlischen Reich (Phil 3,20). Wenn wir uns nun nach dem Irdischen ausstrecken, betrügen wir unseren Verlobten, Christus, in dem wir uns der Gegenpartei hingeben! Was für ein Frevel! Was für eine Schande! Wie können wir Gott solches antun?
Weil Böses in christlichen Kreisen manchmal gang und gäbe ist – der Mensch beweist die Existenz der bösen Triebfeder, in dem unter anderem immer öfter natürliche Ehen gebrochen und geschieden werden – benützt der Heilige Geist an dieser Stelle das Wort „Ehebrecherinnen“. Wollen wir Ehebrecherinnen sein? Wollen wir uns der Welt hingeben? Wollen wir auf Kosten von himmlischen Dingen uns der Lust des Fleisches, der Lust der Augen und dem Hochmut des Lebens, kurz gesagt, der Welt (1. Joh 2,16), hingeben? Das sei ferne von uns! Amen.

Verse 5-8

5 Oder meint ihr, dass die Schrift umsonst rede: »Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen liess«?
6 Er gibt aber grössere Gnade. Deshalb spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.«
7 Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen.
8 Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen! Jak 4, 5 – 8

Vers 5

Nach der Begebenheit, dass sich Menschen mit Engeln vermischt haben, kürzt Gott die Lebenszeit der Menschen praktisch um das zehnfache. Methusalem kam davor noch auf ein Alter von 969 Jahren. Gott begrenzt die Lebenszeit im 1. Mo 6,3 auf einhundertzwanzig Jahre. Aus den Psalmen und der Realität wissen wir, dass uns heute 70 – 80 Jahre gegeben sind (Ps 90,10). Gott ist es nicht egal, wo sein Geist wohnt. Deshalb redet die Schrift nicht umsonst, dass er sich eifersüchtig nach dem Geist sehnt, den er in uns wohnen liess. Mögen wir das bedenken! Gott spricht nicht umsonst. Wer ein Gefäss zur Unehre sein möchte, soll sich überlegen, ob Gott mit Freuden seinen Geist in ihm bleiben lässt. Es ist auch wahrscheinlich, dass Gott seinen Geist, früher als geplant, von diesem Menschen fordert.

Vers 6

Gottes Gnade ist immer noch überreichlich. Trotz Jahrtausenden grosser Bosheit in der Geschichte des Menschen, reicht uns Gott immer noch seine Gnade dar. Die Voraussetzung, die Gnade zu empfangen ist Demut. Wer aber mit stolz hochgerecktem Kopf vor Gott treten möchte, sollte wissen, dass Gott den Hochmütigen widersteht – er weist nicht den Willen auf, sich zum Positiven verändern zu lassen.

Vers 7

Die logische Konsequenz aus dem vorangegangenen Vers ist die Unterwerfung. Wer sich demütig Gott unterwirft, darf seine Gnade empfangen. Dazu sollen wir dem Teufel widerstehen. Zum Letzteren gibt uns die Bibel eine gute Anleitung (Mt 4,1-11). Wir werden nicht angehalten, gegen den Teufel im Zweikampf Krieg zu führen. Die Bibel sagt uns einfach, dass wir ihm widerstehen sollen, wir sollen nicht auf ihn hören. Wie Jesus ihm widerstand, sollen wir es tun. Dabei kämpfte Jesus nicht mit ihm. Er widerstand einfach seinen Worten der Verführung. Wenn wir treu sind, sorgt Gott dafür, dass der Teufel weichen muss. Aus uns selbst können wir ihn nicht in die Flucht schlagen. In Apg 19,15 wird klar, wen die bösen Mächte antasten dürfen: Jene, die in der geistlichen Welt nicht das Siegel Gottes tragen, das Gott jenen gibt, die ihm gehorchen. Menschen, die sein Siegel tragen, sind in der geistlichen Welt wohlbekannt – auch wenn sie es selbst nicht wissen.

Vers 8

Wiederum zeigt der Vers 8 die logische Konsequenz aus dem vorangegangenen: Wenn jemand in der unsichtbaren Welt wer sein und nicht zuschanden gehen möchte, sollte sich unbedingt Gott nahen, die Hände säubern und das Herz reinigen.

Verse 9-12

9 Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und Freude in Niedergeschlagenheit!
10 Demütigt euch vor dem Herrn! Und er wird euch erhöhen.
11 Redet nicht schlecht übereinander, Brüder! Wer über einen Bruder schlecht redet oder seinen Bruder richtet, redet schlecht über das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter.
12 Einer ist Gesetzgeber und Richter, der zu erretten und zu verderben vermag. Du aber, wer bist du, der du den Nächsten richtest? Jak 4, 9 – 12

Vers 9

Um diesen Vers zu verstehen, müssen wir kurz zurückblenden: Was ist der Grundgedanke hinter den vorangegangenen Versen? Jakobus zeigt auf, dass hinter Eigennutz oder Eifersucht jede schlechte Tat folgt. Wir sollten uns nicht irren, auch wenn wir wiedergeboren sind, haben wir noch das Fleisch in uns, die alte Natur, die, lässt man ihr Freiheiten, böse und schlechte Früchte produziert. Wir sollten daher auf der Hut sein. Wir sollen diese Tatsache auch in der Tiefe verstehen, da sind nicht Lachen und Freude angebracht! Wer es noch nie gefühlt hat, soll diese Wahrheit mal gründlich überdenken und fühlen. Der Mensch hat nichts Gutes in sich selbst (Luk 18,19). Wer glaubt, in ihm sei nur ein Quäntchen Gutes, hat die Geschichte des Menschen nie genau betrachtet und verstanden. Der Mensch hat im Blick auf Gott auf ganzer Linie versagt. Sogar der unbelastete Mensch im Garten Eden übertrat Gottes Gebot. Danach schaffte es ein abgesondertes Volk nicht, Gottes Gesetze einzuhalten, obschon sie von aussen nicht beeinflusst waren, Böses zu tun, zumindest nicht während der Wüstenwanderung. Auch heutzutage denken viele Christen noch, sie könnten gut sein vor Gott wenn es darauf ankommen würde. Doch in Wirklichkeit würden sie alle versagen, wie Petrus nach seinen grossen Tönen, die er von sich gab, er würde mit dem HERRN in den Tod gehen. Der Mensch hat es während der Zeit des Gesetzes bewiesen, über Jahrhunderte hinweg, dass er Gottes Rechtsforderung nicht im Kleinsten halten kann. Genau aus diesem Grunde drängte sich die Erlösung durch Christus auf – Gott macht keine Fehler. Auch schickt er seinen Sohn nicht ans Kreuz, hätte es andere Wege gegeben! Daher: Wer es noch nicht verstanden hat, soll es ergreifen und über seinen Zustand heulen und jammern! Damit er den Wert des Werkes Christi lernt richtig einzuordnen. Es wird ihm im Anschluss nur noch eines übrig bleiben: Christus zu lieben! Diesen Christus, der ihn aus aller Schwachheit heraus hilft. Diesen Christus, durch dessen Striemen er Heilung erfahren darf. Diesen Christus, der ihn am Leben erhält (Kol 1,17).

Vers 10

Nicht das Vorangehen in der menschlichen Weisheit bringt etwas vor Gott. Im Reich Gottes herrschen andere Gesetze als in der Welt. Die Bibel sagt, die Ehre gehe der Demut voran (Spr 15,33; 18,12). Was Salomo vor hunderten von Jahren gesagt hat, wird hier nochmals eins zu eins bekräftigt. Auch zeigen wir durch die Demut, dass wir uns erst mal hinten im Reich anstellen sollen, bis das Herz – durch Gott – an den richtigen Platz gerückt wird.

Vers 11

Im Gesetz ist verankert, dass wir den Nächsten lieben sollen. Üble Nachrede zeugt nicht vom Gehorsam gegen dieses Gesetz. Vielmehr setzen wir uns darüber hinweg und sagen, durch unsere Taten, das Gesetz sei schlecht, indem wir das Gegenteil für richtig befinden. Wir nehmen dann eine Stelle ein, die nur Gott gebührt. Dieser Vers zeigt uns in einer besonders scharfen Klarheit auf, dass üble Nachrede „Lichtjahre“ vom korrekten Kurs entfernt ist.
Wie schnell passiert es aber, dass wir schlecht voneinander sprechen. Prägen wir uns diesen Vers ein! Erinnern wir uns daran, wenn wir in Versuchung kommen, schlecht über eine Person reden zu wollen. Denken wir in jenem Augenblick daran, dass wir uns bei schlechten Worten über unsere Geschwister weit ins Abseits manövrieren und wir sofort den guten Kurs verlassen.

Vers 12

Der Vers 12 unterstreicht die eben etablierte Wahrheit nochmals deutlich. Es gibt einen, der richtet. Dieser eine kann alles, erretten und verderben. „Du aber, wer bist du…“, spricht Jakobus die Leser an. Ist unser Herz in der rechten Verfassung, dass es sich dem Gesagten unterwerfen möchte oder will es sich anmassend darüber hinwegsetzen? Gott möge uns vor letzterem bewahren. Amen.

Verse 13-17

13 Nun also, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und dort ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen
14 – die ihr nicht wißt, wie es morgen um euer Leben stehen wird; denn ihr seid ein Dampf, der eine kleine Zeit sichtbar ist und dann verschwindet –,
15 statt daß ihr sagt: Wenn der Herr will, werden wir sowohl leben als auch dieses oder jenes tun.
16 Nun aber rühmt ihr euch in euren Großtuereien. Alles solches Rühmen ist böse.
17 Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde. Jak 4, 13 – 17

Verse 13-15

Lasst uns bitte die Tatsache in Erinnerung rufen, dass wir für Gott leben, nicht für uns selbst. Christus hat uns erkauft, wir gehören ihm und er ist unser HERR. Wie können wir sagen, in Zukunft werden wir dies und jenes tun, ohne ihn dabei zu fragen oder ihm die Möglichkeit einzuräumen, unsere Vorhaben zu steuern?

Vers 16

Eigenmächtig zu handeln und sich dabei zu rühmen ist böse.

Vers 17

Jakobus hat viel Ermahnung in diesen Brief gepackt. Er spricht und warnt in verschiedenen Themenbereichen:

- Täter sein des Wortes, nicht nur Hörer – die Person soll nicht angesehen werden (nach Stellung und Rang) – nochmalige Warnung vor Glauben ohne Werke – die Zunge sollte im Zaum gehalten werden, freigelassen kann sie sehr grossen Schaden anrichten – Warnung vor Eigennutz und Eifersucht (Wandel im Fleisch) – Warnung vor eigenmächtigem Handeln – Warnung vor Vertrauen auf eigene Wirtschaftskraft (eigener Güter, Reichtum)

Jakobus vermittelt einen gesunden, Gott wohlgefälligen Wandel. Gottes Willen zu tun ist angesagt, die eigenen Gedanken zurückzustellen und alle Menschen gleich zu achten. Nüchtern sein vor Gott und auf ihn zu vertrauen, das sind Dinge, die – man könnte meinen, nicht alle hätten die gleiche Bibel – leider oft bei Christen nicht beobachtet werden können. Vielmehr ist ein allzu leichter Umgang mit der Sünde zu sehen. Vielerorts herrscht die Meinung vor, Gott würde quasi alles wieder sofort vergeben, daher könne jetzt noch der krumme Weg genommen werden, wichtig sei, dass man nach vollendeter Sünde wieder um Vergebung bittet. An dieser Stelle möchte ich Dir, liebe Leserin und lieber Leser sagen, dass solches Verhalten Gott und der Bibel spottet. Daher schreibt Jakobus: Wer nun weiss, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde.

Kapitel 5

Verse 1-3

1 Nun also, ihr Reichen, weint und heult über eure Plagen, die über euch kommen!
2 Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind von Motten zerfressen worden.
3 Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein gegen euch und euer Fleisch fressen wie Feuer; ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen. Kapitel 5, 1 – 3

Vers 1

Jakobus spricht hier einen Umstand an, der bei einigen vorherrschen kann, bei anderen nicht. Er spricht es einfach zu den Betroffenen. Jeder weiss selbst, ob er derjenige ist oder nicht, der hier durch den Geist angesprochen wird. Haben wir nicht alle schon mal auf irdische Dinge vertraut? Jakobus verurteilt eine solche Haltung scharf. Wer auf weltliche, dem Gericht unterworfene Dinge vertraut, der soll nicht meinen, er komme vor dem HERRN einfach ungeschoren davon.

Verse 2-3

Im Ende dieses Zeitalters wird jeder, der auf vergängliche Güter gebaut hat, merken, dass sie eben vergänglich und nicht ewig sind. Auch Edelmetall, wie Gold, wird soviel nützen, wie wenn es verrosten könnte und verrostet wäre: Gar nichts mehr! Denn Gold und schöne Kleider, etc. zählen vor dem HERRN, der als Richter kommt, nichts. Am Ende ist nur das von bleibendem Wert, was wir im Himmel angehäuft haben (Mt 6,19). Waren wir barmherzig? Haben wir unsere Habe mit demjenigen geteilt, der nichts hatte? Haben wir an den Leiden anderer teilgenommen? Haben wir die Wege des HERRN gelehrt? Haben wir diese unvergänglichen Dinge getan oder sind wir Irdischem nachgelaufen in diesen, den letzten Tagen? Wenn ja, wird das, was wir aufgehäuft haben, gegen uns zeugen. Wir können uns nicht vor dem HERRN entschuldigen, weil es da ist und zeigt, dass wir Nichtigem in einer Zeit nachliefen, die nicht dazu da war.

Wie füllst Du Deine Zeit aus?

Verse 4-7

4 Siehe, der von euch vorenthaltene Lohn der Arbeiter, die eure Felder geschnitten haben, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist vor die Ohren des Herrn Zebaoth gekommen.
5 Ihr habt auf der Erde in Üppigkeit gelebt und geschwelgt; ihr habt eure Herzen gemästet an einem Schlachttag.
6 Ihr habt verurteilt, ihr habt getötet den Gerechten; er widersteht euch nicht.
7 Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange. Jak 5, 4 – 7

Vers 4

Ab dem Kapitel 4, Vers 17 geht eine scharfe Warnung an Menschen, die selbstherrlich leben. Sie wird in den folgenden Versen noch weiter entwickelt. In diesem Vers gehen die Worte der Zurechtweisung speziell an Reiche, die ihr Vermögen auch mit Unterbezahlung ihrer Angestellten gemacht oder vergrössert haben.

Vers 5

Diese oben erwähnten Menschen haben, ohne sich warnen zu lassen, in Saus und Braus das irdische Leben genossen. Es kümmerte sie nicht, dass jene, über die sie eingesetzt oder gestellt waren, zu kurz gekommen sind. Die Hauptsache für sie war, dass es ihnen selbst gut ging. Solch böses Verhalten können wir bei Firmenchefs teilweise beobachten, doch nicht nur bei jenen. Diese Verse gehen uns alle etwas an. Manchmal gehen wir vielleicht selbst im Kleinen mit Leuten, mit denen wir im Vertragsverhältnis stehen, schlecht um. Vielleicht haben wir eine Reinigungsangestellte in unserem Haushalt, die wir schlecht bezahlen und zudem den Staat und sie um die Sozialabgaben prellen? Oder wir lassen uns von schlecht ausgebildeten Leuten, die sich in der Wirtschaft nicht auskennen, für ein Butterbrot helfen? Sehen Sie, worauf ich hinaus möchte? Die Schuld ist nicht immer bei den „Grossen“ zu suchen, bei jenen wirkt sie sich oft verheerender aus. Wir können genau so ungerecht handeln, auch wenn unsere Ungerechtigkeit uns nicht gerade ein Leben in Saus und Braus beschert.

Vers 6

Ungerechtes Verhalten bringt den Menschen immer weiter in die Spirale des Bösen. Heute prellen wir jemanden um wenig Geld (dies tun wir auch schon mit illegal installierter Software!). Morgen sehen wir vielleicht weg, wenn jemandem zu Unrecht eine Busse auferlegt wird. Übermorgen sind wir schlussendlich reif, bei einem illegalen Mord zuzuschauen. Aus diesem Grund kann Jakobus sagen: Ihr habt getötet den Gerechten; er widersteht euch nicht. Auch wenn wir die Gelegenheit dazu nicht hatten, doch im Herz reif dazu wären, was macht es für einen Unterschied zwischen jenen, die es taten und uns? Lasst uns auf unsere Wege achten!

Vers 7

Lasst uns mit Geduld in Reinheit wandeln. Lassen wir uns nicht zum Bösen hinreissen, wenn das Gute, das wir darreichen wollen, abgelehnt und verworfen wird. Der HERR sieht alles und vergilt jedem so, wie er es verdient.

Die Hand darauf! Der Böse bleibt nicht ungestraft; aber die Nachkommen der Gerechten entrinnen. Spr 11, 21

Genau so sicher, wie die Bösen bestraft werden, gibt es einmal Lohn für den Gerechten. Auch wenn die Gerechtigkeit scheinbar ausgestorben ist. Gottes Thron ist darauf gegründet und er wird nicht zulassen, dass sie im Gericht vermisst wird.

Und der Mensch soll sagen: Es gibt doch Lohn für den Gerechten; es gibt doch einen Gott, der auf Erden richtet. Ps 58, 12

Amen.

Verse 8-11

8 Habt auch ihr Geduld, stärkt eure Herzen! Denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen.
9 Seufzt nicht gegeneinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet! Siehe, der Richter steht vor der Tür.
10 Nehmt, Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben!
11 Siehe, wir preisen die glückselig, die ausgeharrt haben. Vom Ausharren Hiobs habt ihr gehört, und das Ende Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist. Jak 5, 8 – 11

Vers 8

Jakobus weiss natürlich von der Verfolgung, die auf jene kommt, die gottesfürchtig leben möchten – sie ist vorausgesagt (2. Tim 3,12). Verfolgung kann zermürben, vor allem, wenn sie lange anhält. Das Herz kann verzagen und der Glaube ins Wanken kommen. Inspiriert durch den Heiligen Geist weist Jakobus auf das kurz bevorstehende Ende hin. Es ist, als ob er ausrufen wollte: Haltet aus, denn es ist nur noch eine kurze Zeit! Sollte die Zeit auch unsere ganze Lebensspanne betragen – unser irdisches Leben ist nur wie ein Dampf, der eine kurze Zeit sichtbar ist und danach verschwindet (Jak 4,14). Auch wenn es manchmal schwer vorstellbar ist: Verglichen mit der Ewigkeit, trifft diese Aussage ins Schwarze! Auch sind wir jetzt der Ankunft des HERRN näher, als wir es bei unserer Bekehrung waren! Harren wir weiter aus!

Vers 9

Manchmal möchte sich der Mensch einfach mal etwas gehen lassen. Mal weg von einem disziplinierten Leben zu mehr Freiheiten! Mal dem Nachbar die Meinung sagen! Oder dem Bruder, der seine wichtigste Lektion immer noch nicht gelernt hat, etwas Verachtung zeigen! Oder wie wäre es, einfach mal die Arbeit im HERRN niederzulegen und für eine Zeit dem Nichtstun frönen!
Auch in diesem Punkt sollten wir unserem HERRN und nicht uns vertrauen, dass er uns genügend Ruhepausen gönnt! Er ist kein Sklaventreiber! Sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht (Mt 11,30). Wenn wir das anders empfinden, gehen wir womöglich auf eigenen, „selbstgerechten“ Pfaden und teilen uns somit unser Leben selber ein, anstatt die Einteilung dem HERRN zu überlassen. Sehr schnell fallen wir dann vom guten Pfad ab und beginnen Dinge, die wir lassen sollten. Zum Beispiel könnten wir anfangen, gegeneinander zu seufzen. Wenn wir gegeneinander seufzen, bringen wir unausgesprochen zum Ausdruck, dass wir den Umgang miteinander als beschwerlich betrachten. Gemeint mit „seufzen“ sind Gefühle, die auch mit „jammern“, „murren“, „klagen“ und „stöhnen“ umschrieben werden können. Ein solches Verhalten zieht ein Gericht auf uns. Bleiben wir in der Zucht Gottes, solange unser „Dampf“ sichtbar ist – die Zeit ist kurz.

Vers 10

Unsere Sicht soll nicht durch Stürme um uns getrübt werden – wir sollen den Fokus auf die Propheten richten, die im Namen des HERRN geredet haben. Petrus begann zu sinken, als er auf dem See ging, als er den Blick vom HERRN abwandte. So kann unser Mut zu sinken beginnen, wenn wir unsere Vorbilder vergessen und uns von den Sorgen des Lebens erdrücken lassen, statt sie mit dem HERRN zu besprechen.

Vers 11

Hiob hatte den Rat seiner Frau, Gott zu fluchen in seinem Elend, verworfen. Er hielt dem HERRN die Treue, gleichwohl er alles verloren hatte. Mit „alles“ meine ich wirklich wortwörtlich alles, was ein Mensch verlieren kann, denn es ging nicht nur um materielle Werte. Er verlor auch seine Familie und seine Gesundheit dazu. Hiob konnte bis zu jenem Zeitpunkt auf ein Leben mit dem HERRN blicken. Viele Jahre lebte er bereits mit ihm. Sollte er jetzt ohne auszuharren alles wegwerfen? Sollte er jetzt all die Jahre gering achten, wo er doch jetzt dem Ziel, den Lauf auf dieser Welt im HERRN vollendet zu haben, schon viel näher war? Bestimmt nicht! Er tat das einzig Richtige: Er hielt am HERRN fest, sollte es auch den Tod bedeuten. Gott hat nämlich offenbart: Wer ausharrt bis ans Ende, DER wird miterben (Rö 8,17). Wer aber zurückzieht, an dem hat Gott keinen Wohlgefallen (Heb 10,39; Lk 9,62). Amen.

Verse 12-15

12 Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit irgendeinem anderen Eid! Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht unter ein Gericht fallt.
13 Leidet jemand unter euch? Er bete. Ist jemand guten Mutes? Er singe Psalmen.
14 Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn.
15 Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. ??Jak 5, 12 – 15

Vers 12

Schnell sind unbedachte Worte gesprochen. Bei vorschnell ausgesprochenen Versprechungen oder Schwüren, die wir im Anschluss nicht halten können, haben wir über das Ziel geschossen und somit gesündigt. Sünde steht unter Gericht. Sehen wir uns also vor. Auch wenn ein Ausgang einer Sache ganz sicher zu sein scheint, sollten wir uns nicht darauf verlassen. Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Unser Mund soll uns nicht in Verlegenheit bringen (Ri 11,35).

Wer seinen Mund und seine Zunge bewahrt, bewahrt vor Nöten seine Seele. Spr 21, 23

Vers 13

Unsere Verbundenheit mit Gott sollte in allen Lebenslagen zum Ausdruck kommen, in Freude und Leiden. Jeder Tag ist von Gott. Wie Hiob nicht nur die gute Zeit von Gott genommen hat, sollten wir tun (Hiob 2,10).

Vers 14

Jakobus bringt hier eine Anleitung, wie bei Krankheit vorgegangen werden soll. Auch Naaman erhielt von Elisa eine bestimmte Vorgehensweise (2. Kö 5). Die beiden Rituale haben besonders in einem Punkt eine Gemeinsamkeit: Sie erfordern Demut. Naaman wurde nicht geehrt, obschon er der Heeresoberste einer Nation war. Naaman bekam nur durch einen Boten die Nachricht, er solle sich in einem israelitischen Fluss baden. Elisa bemühte sich nicht einmal selbst. Viel lieber hätte Naaman sich in einem heimischen Fluss gebadet, als das Heil in einem anderen Land zu bekommen. Doch so, wie der HERR angeordnet hat, dass das Heil aus den Juden kommen soll, hatte auch er sich dieser Wahrheit zu beugen und zu demütigen, indem er anerkannte, dass das Heil in Israel zu finden ist und sonst nirgendwo (Joh 4,22), obschon er Aramäer war.
Die Tatsache, seine Krankheit anzuerkennen und deswegen Hilfe aus der Gemeinde holen zu müssen ist auch demütigend. Wer sich aber unter das Wort stellt, wird niemals beschämt. Amen.

Vers 15

Dieser Vers ist absolut herrlich, obschon er dem Kranken keine unbedingte und vollständige Genesung verspricht (sie wird aber auch nicht ausgeschlossen). In ihm sind nämlich zwei klare Verheissungen: Stärkung durch Gott und Sündenvergebung bei allfällig begangenen Sünden. Letztere sind Versprechungen durch die Heilige Schrift, an die sich unser HERR bindet. Ist das nicht wunderbar?

Verse 16-18

16 Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung.
17 Elia war ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir; und er betete inständig, dass es nicht regnen möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate.
18 Und wieder betete er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor. Jak 5, 16 – 18

Vers 16

Wir wissen aus anderen Stellen der Bibel, dass wir unsere Sünden bekennen sollten. Es dürfen vor dem HERRN keine Sünden ungerichtet belassen werden. Wir sollen heilig sein, wie er heilig ist. Daher schreibt Johannes auch, dass wir durch den HERRN von Sünden gereinigt werden, wenn wir sie bekennen (1. Joh 1,9). Weiter steht in Sprüche 28:

Wer seine Verbrechen zudeckt, wird keinen Erfolg haben, wer sie aber bekennt und lässt, wird Erbarmen finden. 28, 13

Dazu gibt es noch weitere Stellen, die dasselbe aussagen (z.B. 2. Chr 6,27; Ps 32,3). Wir sollen das Bekennen der Sünde üben und darin bleiben. Ein Behalten der Sünde wäre sehr schlimm. Christus starb, um die Sünde von der Welt zu nehmen – sollten wir nun daran festhalten? Das sei ferne von uns! Bekennen wir sofort unsere Sünden, wenn wir über die Grenze hinausgeschossen sind!
In erster Linie haben wir die Sünden Gott zu bekennen, schliesslich verletzen wir ihn in erster Instanz. Doch im oben besagten Vers steht: „Bekennt nun einander…“, das heisst, wir sollen die Sünden untereinander bekennen.
Weshalb fordert uns der Heilige Geist dazu auf? Genügt es denn nicht, wenn wir sie Gott bekennen? – Oft genügt es nicht, weil die Sünde häufig auch unsere Nächsten oder gar die Gemeinde tangiert! Wenn wir uns falsch verhalten, leiden vielfach Geschwister mit. Wir verletzen sie durch unser Verhalten. Bekennen wir nun unseren Fehltritt nur bei Gott, ist die Beziehung zum Nächsten, der betroffen war, immer noch getrübt. Daher müssen wir uns ein Herz fassen und uns auch bei den betroffenen Menschen entschuldigen, auch wenn dieser Gang schwerer fällt, als jener zu Gott. Bei Menschen mit Vorbildfunktion genügt nicht einmal letztgenannter Gang. Denn Menschen mit Vorbildfunktion verunreinigen nicht selten durch ihre Sünden die ganze Gemeinde. Daher sollten sie sich auch bei der Gemeinde für ihre Fehltritte entschuldigen. Paulus erteilt Timotheus nicht grundlos diese Weisung im 1. Timotheus, Kapitel 5, Vers 20.
Sünden sind keine Kavaliersdelikte. Sünden sind – wenn sie ungerichtet bleiben – Krebsgeschwüre und Eiterwunden, die um sich greifen und den ganzen Leib verunreinigen. Daher sollen wir sie einander bekennen.
Gleichzeitig wird an dieser Stelle der Priesterdienst erwähnt. Wir sollen auch füreinander beten. Anstelle mit dem Finger auf den Fehlbaren zu zeigen, sollen wir füreinander beten und uns so gegenseitig tragen. Vielleicht sind wir morgen die fehlbaren Personen. Dann wären wir auch froh, wenn wir von den Geschwistern nicht „zerrissen“ werden.
Solches Verhalten dient im Weiteren der Heilung. Behalten wir jedoch unsere Sünden, erkranken wir daran, denn niemand tritt ungestraft mit ungerichteter Sünde an den Tisch des HERRN (1. Kor 11,30).
Zur Ermunterung zur Fürbitte fügt Jakobus schlussendlich noch hinzu, dass das Gebet der Gerechten viel vermag.

Verse 17-18

Manchmal glauben wir nicht, dass Gebet viel zu bewegen vermag. Vielleicht denken wir, dass halt nur die „Übermenschen“, wie Mose, Samuel und Elia etwas Grösseres haben bewegen können. Um dies als falsche Denkweise zu entlarven, erklärt uns Jakobus, dass Elia derselbe Mensch war, wie wir. Er hatte die gleichen „Gemütsbewegungen“. Er war nicht ein Mensch aus gehärtetem Stahl. Er war ein Mensch aus Fleisch und Blut, wie wir es sind. Nachdem er seinen Höhepunkt auf dem Berg Karmel hatte, auf dem er Feuer vom Himmel kommen liess, flüchtete er vor dem Drohen einer Frau!
Hören wir somit nicht auf Lügen in unseren Gedanken, wir seien für gutes Gebet nicht fähig. Wenn wir uns täglich vom HERRN prüfen und ggf. reinigen lassen, so wandeln wir in Reinheit und Geradheit. Der HERR bezeichnet uns dann als Gerechte. Das Gebet eines Gerechten vermag viel! Alle anderen Aussagen sind unwahr!
Der Heilige Geist legt auch wert darauf, dass Elias Gebet nicht nur einmal erhört wurde. Explizit wird erwähnt, dass Elia durch ein zweites Gebet die Situation wieder verändern konnte. Die Ermunterung zum Gebet wird hiermit nochmals unterstrichen.
Gesagt werden muss an dieser Stelle aber auch: Wer aber in Unreinheit wandelt, soll nicht meinen, er könne von Gott etwas erbitten, denn es steht:

Wer sein Ohr abwendet vom Hören des Gesetzes, dessen Gebet sogar ist ein Gräuel. Spr 28, 9

Verse 19-20

19 Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zurückführt, 20 so wißt, daß der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, dessen Seele vom Tode erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird. Jak 5, 19 – 20

Verse 19-20 Teil 1

In diesen beiden Versen wir noch einmal sehr deutlich, wie abgrundtief böse die Sünde ist. Es geht hier nicht „nur“ um Zielverfehlung. Sünde beinhaltet auch Auflehnung gegen Gott, Eigenwille (der sich über denjenigen Gottes stellt) und menschlichen Irrtum. Wie oft denken die Menschen, sie würden auf einem geraden Weg gehen, doch zuletzt ist es ein Weg des Todes (Spr 14,12; 16,25). Wenn jemand von der Wahrheit abirrt, nähert sich seine Seele bereits dem Tode. Stellen wir uns das einmal vor! Dabei kann „Tod“ wörtlich oder im übertragenen, geistlichen Sinn angewendet werden. Bei grober Übertretung kann es tatsächlich zum sofortigen, leiblichen Tod kommen (Apg 5; 1. Kor 5; 1. Kor 11,30). Ansonsten kann die geistliche Kraft sterben; Christen, die den Wandel mit dem HERRN nicht so ernst nehmen, haben oft eine nur dünn rieselnde, geistliche Quelle, wogegen sie doch überfliessen sollte (Joh 7,38).
Wer sich bei erkannten Übertretungen ein Herz nimmt und – von der Bruderliebe getrieben – den Fehlbaren darauf anspricht und ihn zurückführt, deckt nicht „nur“ eine Menge von Sünden zu, er rettet auch die Seele des Betroffenen vom Tode! Was für eine herrliche und grosse Sache, die man hier tun kann! Sind wir das unseren Mitgeschwistern nicht schuldig?
An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass das Zurechtweisen eines Sünders nichts mit pharisäerischer Besserwisserei zu tun hat. Letztere ist nicht geistlich, sie stellt nur ein fleischliches und böses „sich über den Nächsten überheben“ dar.
Das geistliche Zurechtweisen eines Sünders kann im Übrigen nur auf äusserliche, sichtbare Sünden angewendet werden. Mutmassungen haben hier keinen Platz – das Innere des Menschen richtet der HERR, er vermag den Sünder zu richten, sowie den Gerechten zu stützen. Doch bei offenliegenden Sünden sind wir verantwortlich und angehalten, etwas zu tun (Hes 3,20; Mat 18,15). Die Anleitung zur geistlichen Vorgehensweise finden wir im 18. Kapitel des Matthäusevangeliums. Dort wird auch sehr schön aufgezeigt, dass wir nicht sofort mit den Sünden anderer an die Öffentlichkeit gehen sollen. Wer fahrlässig und ohne Böswilligkeit sündigt oder wer allgemein die Demut hat, nicht selbst erkannte Sünde auf Ermahnung hin sofort zu lassen, soll nicht vor anderen Augen an den Pranger gestellt werden. Lasst und aufeinander acht haben, wir sind sehr wertvoll!

Mit den folgenden Zeilen möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine weitere Betrachtung dieser beiden Verse zeigen. Dies ist ein Kommentar, den ich etwas früher dazu geschrieben habe:

Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zurückführt, so wißt, daß der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, dessen Seele vom Tode erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird. Jak 5, 19 – 20

Verse 19-20 Teil 2

Jede eigene Regung, jeder selbst gewählte Weg, ausserhalb von Christus, bringt keine göttlichen Früchte hervor. Solche Wege stehen ausserhalb des Willens des HERRN. Sie bringen nicht einfach nur eine „Null“ aufs Konto, sondern sie bringen Minuszahlen. Zur Veranschaulichung:
Lot floh mit seiner Frau und beiden Töchtern aus Sodom, der Stadt, die kurz vor dem Gericht Gottes stand. Seine Frau ging den eigensinnigen Weg, indem sie gegen Gottes Gebot zurückblickte. – Sie wurde zur Salzsäule. Keine Null in ihrem Leben, vielmehr ein Minusbetrag. Bei Lot und seinen Töchtern wird das Bild noch deutlicher. Seine Töchter glaubten im Exil keinen Mann zu finden, um Nachkommen haben zu dürfen. So gaben sie dem Vater, Lot, soviel Wein zu trinken, dass er schlussendlich so „voll“ war, um nicht einmal zu bemerken, dass sich seine eigenen Töchter von ihm besamen liessen! Beide Töchter wurden im Anschluss schwanger und gebaren Moab und Ammon, deren Nachkommen sich zu bitteren Feinden des Volkes Gottes entwickelten. Warum war Lot dem Wein ergeben? Warum achteten die Töchter die verwandtschaftliche Nähe nicht?
Können wir das Bild daraus verstehen? Sehen wir, dass einwenig Ungehorsam viel Böses nach sich zieht, dass Konsequenzen durch „Nicht-Gehorchen“ wachsen und immer grösser werden? Jeder erntet was er sät. Sät er bösen Samen – sei er noch so klein – erntet er böse Wälder! Die kleine Zunge zündet mit ihrem kleinen Feuer auch Wälder an!

Es ist daher sehr wichtig, dass wir aufeinander acht haben, uns in Liebe tragen und ermahnen, wo nötig. Nicht umsonst steht „eine Menge von Sünden“. Ungerichtete Fehltritte sind Samen, die das Potential haben, Wälder zu werden. Sie ziehen eine Menge von Sünden nach sich. Achten wir die gegenseitige Ermahnung nicht gering, auch wenn wir ermahnt werden. Demut ist hier auch bei uns von Nöten!
Natürlich wird auch die Seele des Sünders, wird er zurückgeführt, von vielem Leid bewahrt und vom Tode errettet – der HERR lässt sich nicht verspotten. Er lässt keinen ungehorsamen Sohn und keine Tochter ungestraft! Anderseits geniessen gehorsame Geschwister Segen und Wohlgefallen beim Vater. Amen.

Hiermit schliesse ich die Betrachtung zum Jakobusbrief. Ich hoffe, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein wenig durch die Versbetrachtungen haben profitieren können.