Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der erste Brief an die Korinther

Einleitung

Der erste Brief an die Korinther gibt unverschlüsselt Auskunft über Wahrheiten, die in den Evangelien vom HERRN erwähnt wurden. Er macht zweifelsfreie Aussagen darüber und untermauert in einer für jeden Leser verständlichen Sprache, wie Gott, der Vater und Jesus Christus, der Sohn, mit Hilfe des Heiligen Geistes die Dinge im Reich ordnet bzw. geordnet haben möchte. Geregelt werden darin unter anderem die Gemeindeordnung und –einheit, die Handhabung des Abendmahls, das Geheimnis der Wertschöpfung im Reich, die Vorbildfunktion innerhalb der Gemeinde und Familie, sowie die Gebote für die Ehe, eheliche Pflicht und allfällige Scheidung bzw. Trennung, um nur einige Themen zu nennen. Jeder Christ, der Gottes Wille verstehen möchte, sollte sich auch über die Wahrheiten dieses Briefes im Klaren sein.

Obschon im ersten Korintherbrief hauptsächlich Lehren allgemeiner Natur dargelegt und erklärt werden, reduzieren und beschränken sie heutige Theologen auf die damalige Zeit. So hält sich bis heute – ohne jegliche biblische Grundlage zu haben – hartnäckig die Lüge, dass die in diesem Brief erklärten Weisungen des HERRN bezüglich der Gemeindeordnung sich vorwiegend auf die Zeit der Niederschrift dieses Briefes beschränken. – In diesem Buch wird neben der Vers-für-Vers Auslegung erklärt, wieso die allgemeine christliche Erklärung dieses Buches eine Halbwahrheit ist und weshalb sie sich hartnäckig halten kann.

Kapitel 1

Vers 1

Paulus, berufener Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Sosthenes, der Bruder,  
1.Kor 1,1

Paulus eröffnet seine Briefe mit dem Hinweis auf seine Autorität, die er vom HERRN her erhalten hat. Das tat er nie, um damit zu prahlen; er wies ausschliesslich darauf hin, weil es ihm bewusst war, dass es viele Zweifler gab und geben wird. Selbst die Apostel brauchten eine längere Ausbildungszeit, bis sie dem HERRN vorbehaltlos Glauben schenkten (Mt 8,26).

Zum hier erwähnten Bruder Sosthenes kann ich nichts Sicheres sagen, da ich nur biblisch beweisbare Aussagen machen will. Bei Erklärungen zur Schrift ist es eminent wichtig, nicht weiter zu gehen als die Bibel selbst, um nicht plötzlich als Verführer durch leicht mögliche falsche Interpretation dazustehen. – Es kann Sosthenes gemeint sein, welcher vor Gallios Richterstuhl geschlagen wurde (Apg 18,17), doch es kann sich durchaus um einen gleichnamigen Bruder im HERRN handeln.

Vers 2

an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres <Herrn>. 1.Kor 1,2

Dieser Vers ist von zentraler Bedeutung für den die ganze Aussage dieses Briefes. Weil er von vielen Menschen nicht genau gelesen bzw. überlesen wurde und wird, konnten und können weiterhin grosse Irrtümer im Verständnis des Inhaltes entstehen. Lassen Sie uns aus diesem Grund etwas an dieser Stelle verweilen.

Die ersten Verse eines Briefes zeigen oft an, für welche Zielgruppe der Brief geschrieben wurde; sie helfen zu verstehen, ob spezifisch eine Personengruppe angesprochen wird, wie beispielsweise im Jakobusbrief, wo die Botschaft in erster Linie an die Juden in der Zerstreuung ging (Jak 1,1). Auch Petrus spricht in seinem Brief an eine ähnliche Zielgruppe (1. Petr. 1,1). Der Galaterbrief geht in erster Linie an die Gemeinden von Galatien, die Botschaft richtet sich in erster Linie an sie, da sie ein spezifisches Problem hatten. Sie wollten zum Gesetz zurückkehren (Gal 1,2).

Wenn ein Brief an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet ist, heisst das nicht, dass wir nicht daraus unsere Lehren ziehen können, auch wenn wir nicht in erster Linie angesprochen sind. Nehmen wir als Beispiel den Galaterbrief. Die Gemeinden in Galatien drohten damals zum Gesetz zurückzufallen, obschon Paulus ihnen den neuen Weg in Christus gepredigt hatte. Mit dem Brief wirkt er gegen die falsche Tendenz, in welche die Galater gefallen sind. Wenn wir ihn lesen, spricht er uns vielleicht nicht direkt an, solange wir nicht selbst ins Gesetz zu fallen drohen. Doch wir können auch von den guten Erklärungen profitieren, die Paulus den Galatern zukommen lässt. Diese Informationen können für unsere Zukunft sehr hilfreich sein, wenn wir mit Christen, welche das Gesetz oder Teile davon einführen möchten, konfrontiert werden (z.B. Adventisten -> Sabbat). Damit will ich sagen, dass die Problembehandlung im Brief nicht unbedingt momentan für uns relevant ist oder der Ausschlag für die Verfassung dieses Briefes nicht wegen eines Problems in unserer aktuellen Gemeinde liegt, obschon wir, wie gesagt, davon sehr profitieren können. Wir gewinnen viel aus allen Bibelbüchern und tun gut daran, sie fleissig zu lesen.

Beim Korintherbrief ist interessant, was die Zielgruppe angeht. Zur Zielgruppe gehören hauptsächlich und namentlich erwähnt:

1. Die Christen in Korinth
2. Alle, die an irgendeinem Ort den Namen des HERRN anrufen

Fokussieren wir uns auf den zweiten Punkt. Die im Christentum gerne gelesene Gute Nachricht Bibelübersetzung gibt ihn so wieder:

Darüber hinaus gilt unser Brief allen, die sich zu Jesus Christus, unserem gemeinsamen Herrn, bekennen und seinen Namen anrufen, wo sie auch sind: 1.Kor 1,2b

Der Heilige Geist sagt damit klar aus, dass dieser Brief nicht auf korinthische Traditionen abgestimmt ist, wenn es in der internationalen Handelsstadt, wo viele Kulturen zusammenkamen, überhaupt solche gab, die das Leben fest beeinflussten. Der Inhalt des Briefes ist somit alters- und kulturunabhängig zu sehen und anzuwenden. Und zwar von allen Menschen in den erwähnten Zielgruppen. – Sehen Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser in der zweiten Zielgruppe? Sind sie Christ bzw. Christin und bekennen Sie den HERRN? Ja? – dann gilt der Brief 1:1 auch für Ihr Leben und Verhalten.

Weshalb ich das so betone, fragen Sie sich jetzt vielleicht. – Ich betone diese Tatsache so sehr, weil die Mehrzahl der mir bekannten Christen und Gemeinden –  und das sind nicht wenige! – nur aus dem Korintherbrief nehmen, was sie wollen. Den übrigen Rest, den sie nicht anwenden mögen, nehmen sie nicht an und begründen diese Fehlentscheidung durch angebliche Traditionen in Korinth, welche Paulus beim Verfassen dieses Briefes berücksichtigt habe.

Bei bestimmten Problemen, die zum Zeitpunkt nur in Korinth herrschten, spricht Paulus problemspezifisch zu ihnen (Bsp. 1. Kor 5,1). Sie, die Korinther, sind bei diesem Problem besonders angesprochen, da gerade sie diesen Fall hatten. Andere, allgemeine Aussagen des Paulus gelten wieder allen Zielgruppen, nämlich den Christen, die an allen Orten dieser Welt den Namen des HERRN anrufen: mir, wie auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. – Wenn es erforderlich ist, werde ich direkt im Thema nochmals auf diesen Punkt aufmerksam machen. – Mögen wir dem heutigen Zeitgeist durch das korrekte Studium der Bibel entfliehen! Amen.

Vers 3

Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!  1.Kor 1,3  

Das Wort „Gnade“ kommt im neuen Testament weit über einhundertmal vor. Hier wünscht es Paulus Christen, wiedergeborenen Menschen. – Dass ein ungläubiger Mensch Gnade braucht, damit er trotz seines eigenwilligen und gottlosen Wandels vom HERRN Regen und Sonne auf seine Felder bekommt, leuchtet allen ein; wieso wünscht es Paulus an dieser Stelle wiedergeborenen Menschen? Ist das nicht völlig unnötig? Sagt die Bibel nicht, dass wir Christi angenehmes Leben in uns haben (Joh 20,31)? Sagt sie nicht weiter aus, dass unser Schuldschein, welcher zwischen Gott und uns war, gelöscht wurde (Kol 2,14)? Steht nicht geschrieben, dass wir der Welt durch das Kreuz des HERRN gestorben sind, sobald wir zum Glauben kommen (Gal 6,14)?

Klar steht das alles geschrieben und ist die Wahrheit. Diese Wahrheit darf aber nicht den Ausschlag geben, dass wir uns als vollkommen betrachten, wie Christus vollkommen war und ist. Das wäre ein fataler Fehler, der von vielen Christen begangen wird, indem sie annehmen oder sich lehren lassen, dass sie vom Zeitpunkt der Annahme durch Gott an, egal wie sie sich verhalten, angenehm seien vor IHM. Obwohl das so Geschriebene, dass wir uns töricht verhalten können und dafür bestraft werden (Bsp: Hananias und Saphira, Apg 5), zwar einleuchtet, verhalten sich viele Christen so, als wäre ihr Verhalten immer angenehm vor dem HERRN.

Ein wiedergeborener Geist, den wir zweifellos haben, ist aber noch lange keine erneuerte Seele. Petrus bringt es auf den Punkt:

und <so> erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen.   1.Petr 1,9  

Die Seele des Christen steht bei der Wiedergeburt am Anfang eines Prozesses: sie steht am Anfang ihrer Umwandlung. Der junge Christ wandelte bis zur Annahme Christi als Weltmensch; dabei handelte und dachte er gleichförmig wie die Welt. Als Christen sind wir jedoch durch die Schrift angehalten, unser Denken zu ändern und Christus gleich zu werden, wie geschrieben steht:

17 Dies nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes;  
18 <sie sind> verfinstert am Verstand, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens; 
19 sie, die abgestumpft sind, haben sich selbst der Ausschweifung hingegeben, zum Ausüben jeder Unreinheit mit Gier. 
20 Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt.  
21 Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist:  
22 dass ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet,  
23 dagegen erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung   Eph 4,17-23 

Wie erwähnt, Petrus spricht vom Ziel des Glaubens: Die Seele (Wille, Verstand und Gefühl) muss von der Weltlichkeit durch die Heiligung (1. Thess 4,3) zur Göttlichkeit kommen. Ein Christ, der sich vor 20 Jahren für den HERRN entschieden hat, jedoch keine positive Entwicklung der Seele vorweisen kann, hat nichts vom Auftrag verstanden (Heb 4,1), auch wenn er in der Zwischenzeit am Kirchengebäude gearbeitet und den Gemeindevorplatz immer fleissig gewischt hat. Solches tun Weltmenschen auch für ihre Vereinsinfrastruktur.

Wir sehen also, dass ein Christ bzw. eine Christin nicht von Anfang an völlig in Gottes Willen steht. Es verhält sich bei Christen wie bei neugeborenen Babys, die erst durch viele Lebensjahre an Erkenntnis und Erfahrung zunehmen und sich ständig neu für den guten oder den bösen Weg entscheiden müssen. Weichen sie nicht zurück vom guten Pfad, hat Gott Wohlgefallen an ihnen, tun sie es doch, beeindrucken sie Gott überhaupt nicht (Heb 10,38). – Während dieses Prozesses, wo der Mensch noch in so vielen Dingen fehlt, braucht er selbstverständlich auch als Christ Gnade. Gott muss ihm gnädig sein, weil er in so vielen Lebenslagen unvollkommen ist und nicht so handelt, wie Christus handelte. Sehr oft wird Gott durch das Verhalten der Christen verunehrt oder nicht so dargestellt, wie er dargestellt werden sollte. Deshalb brauchen Christen auf ihrem Weg der Umwandlung und des Wachstums Gnade. Diese Gnade und den damit verbundenen Frieden wünscht Paulus einsichtsvoll all „seinen“ Gemeinden!

Vers 4

Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus:  1.Kor 1,4

Die Gnade Gottes fliesst nicht einfach so. Wie wir wissen, kann sie durch die Versöhnungstat Christi fliessen. Und sie floss bereits vor der erfolgten Tat am Kreuz, da es von jeher beschlossen war, den Menschen – sollte er einsichtig sein – zu retten. Schon die Nationen dürfen eine Art von Gnade von Gott empfangen, wie viel mehr aber die Christen! Christen ist gegeben so herrlich zu werden wie Christus (Rö 8,29). - Liebe Leserin und lieber Leser! Dieser vierte Vers wird so schnell überlesen. Halten Sie kurz inne und denken Sie an das, was Ihnen in Christus gegeben ist; denken Sie an die Versöhnung mit dem Vater, den Durchbruch vom Tod zum Leben, das Verfahren mit der unnützen Natur zur göttlichen, die Quelle, nach der jeder Mensch sich sehnt: geliebt werden. Diese Aufzählung ist selbstverständlich nicht abschliessend.

Vers 5

In ihm seid ihr in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis,   1.Kor 1,5 

In Christus sind wir reich gemacht worden. Dieser Vers sagt, dass wir nicht einfach in einem Gebiet reich gemacht wurden, sondern in allem. Ein freundlicher und vermögender Mensch kann uns in vielen Dingen reich machen. Er kann uns in finanzieller, sozialer oder schulischer Hinsicht reich machen, teilweise sogar in gesundheitlicher. Doch kein Mensch kann alle unsere Bedürfnisse so befriedigen, dass wir in allem reich werden. In allem reich sein bedeutet, in allen Punkten mehr als das Nötigste zu besitzen. Das ist weit mehr als die Welt einem Menschen bieten kann.

Christus zu besitzen heisst auch geführt zu werden, was Weltmenschen von sich aus nicht behaupten können. Die Bibel spricht da eine unmissverständliche Sprache. Lassen Sie mich das anhand der Schrift erklären:

Israel hatte zur Zeit des geteilten Reiches zwei Könige, einen für die zehn nördlichen Stämme und einen für die zwei südlichen. Die Könige des Südreiches Juda waren in der Regel gottesfürchtiger als jene des Nordreiches Israel, sie liessen sich öfters durch den Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob leiten und stellten damit gleichzeitig auch das Volk unter die Leitung des HERRN. So hörte das Südreich eher die Stimme des Hirten, welcher seine Schafe auf die gute Weide führen will (Ps 23,1). Anders verhielt es sich im Nordreich, wo vorwiegend gottlose Könige herrschten. Die Herrschaft dieser Könige wurde von Gott nicht als Aufsichtsdienst anerkannt, weil gottlose Herrscher nie für das nachhaltige und ewige Wohl der Gemeinschaft besorgt sind. Vielmehr nutzen sie die Volksgemeinschaft für ihren eigenen Vorteil und missbrauchen sie damit. – Der HERR spricht während der Herrschaft eines gottlosen Königs über Israel, dass es keinen Hirten habe (2.Chr 18,16). – Ein wahrer Vorgesetzter, sei er über ein Haus gesetzt oder über ein Volk, kümmert sich um die Angelegenheiten seiner Untergebenen und Schutzbefohlenen. Der HERR setzt das zur Richtschnur für Führungsverantwortliche, indem er sagt:

Ihr aber nicht so! Sondern der Grösste unter euch sei wie der Jüngste und der Führende wie der Dienende.   Lk 22,26  

Dies gilt für Väter, die dem Hause vorstehen, sowie allen Menschen, denen Führungsaufgaben anvertraut worden sind. Der Diener, welcher über die Knechte des HERRN gesetzt wird, soll ihnen die Speise zur rechten Zeit austeilen und ihnen damit dienen und nicht hart über sie herrschen (Mt 24,45). Er soll sie befähigen und ihnen die Gelegenheit geben, zu wachsen. Sie sind ihm nicht gegeben, um ausgenutzt zu werden.

Liebe Leserinnen und Leser! Jeder reife Mensch unter uns weiss, dass die weltlichen Führer auf eine andere Weise führen. Sie benutzen die Gemeinschaft für ihren Vorteil, wie der HERR vorausgesagt hat (Mt 20,25; Lk 22,25). Wir sollen hingegen so führen, wie es der HERR vorgemacht hat, indem er sein Leben als Lösegeld gab für die Menschen (Mt 20,28). Er kam um zu befähigen, Unvermögende auszurüsten, zu unterweisen und zum Vater zu geleiten. – Wie führen Sie Ihre Schutzbefohlenen bzw. Untergebenen?

Um zurück zum Vers zu kommen: Wenn wir Christus besitzen, haben wir alles; wir sind in allem reich gemacht!

Vers 6

wie denn das Zeugnis des Christus unter euch gefestigt worden ist.   1.Kor 1,6  

„Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden“, wird diese Stelle in der Luther Übersetzung zitiert. Durch den festen Grund, welcher in den Korinthern gelegt wurde, hatten sie das entscheidende und richtige Fundament. – Da waren die Korinther im Vorteil gegenüber vielen Christen, denen nicht zuerst Christus vor die Augen gemalt wurde bzw. wird (Gal 3,1). Es gibt, wie erwähnt, nicht wenige Christen, bei denen das Leben nicht auf Christus allein gründet. Ein Teil des Fundaments mag bei solchen Christus sein, doch auch andere Elemente werden leider vielfach als gleichwertig gewichtet. Die Ursache dafür ist sehr oft nicht mangelndes Interesse an Christus, sondern schlicht falsche Lehre bzw. Unterweisung. Vielerorts wird Christus zwar gepredigt, doch nicht als alleiniges und wahres Fundament im Leben eines Menschen. Von den Kanzeln werden daneben auch philosophische und soziologische* Themen gepredigt, welche gewollt oder nicht, bei den Empfängern als gleichwertig neben den Angelegenheiten stehen, die Christus betreffen (*Lehre über das Zusammenleben von Menschen).

Liebe Leserin und lieber Leser! Gewichten Sie niemals etwas gleichwertig oder gar stärker als das einzige Fundament, das Christus ist (1. Kor 3,11). Lehren Sie zu Unterweisende im Glauben immer zuerst über Christus. Fangen Sie beim Fundament an, - bauen sie erst darauf auf, wenn es gefestigt ist, damit sich die Zuhörer ganz sicher werden in dieser Beziehung und niemals auf zwei oder mehrere Grundlagen bauen. Beachten Sie den folgenden Vers in Klammern als warnendes Beispiel, wenn Christus nicht die einzige Grundlage ist (2. Kö 17,33).

Lassen Sie mich noch einen anderes Thema dazu anschneiden: Unter Christen geht manchmal die Meinung umher, dass die Heiden einfach nur „gottlos“ sind. Diese Ansicht stimmt zwar auf die eine Seite, im Blick auf die tatsächliche Beziehung zu Gott, doch nicht immer in Bezug auf die Herzenshaltung der Nichtchristen. Viele Nichtchristen trachten in Wahrheit nach dem Reich Gottes; sie sind nur noch nicht richtig angeleitet worden, wie der Mensch dahin gelangen kann. Eine Vorverurteilung dieser Menschen kann fatale Folgen haben. Wenn ein Kirchgänger, der zu Christus gefunden hat, einem Nichtchristen einfach Gottlosigkeit vorwirft, kann er Letzterem den wahren Weg verbauen. Ein suchender Nichtchrist wird dadurch brüskiert, weil er sich schliesslich kennt und weiss, dass er auf echter Suche nach Gott ist. Wird einem solchen ungefiltert Atheismus und Ungläubigkeit an den Kopf geworfen, offenbart der Christ, der das tut, leider überhaupt keine Weisheit. Vielmehr wird er vom Nichtchristen Ablehnung ernten, was ihn zwar wiederum in seiner Annahme bestärken wird, doch dem Nichtchristen den Weg zu Gott noch schwerer macht. Die Gesetzesgelehrten taten das zur Zeit Jesu und heute machen es leider viele vom Volk Gottes nach. Christus verurteilt eine solche Vorgehensweise scharf:

Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.   Lk 11,52 

Die Gesetzesgelehrten haben den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen, indem sie Lehren lehrten, die nicht mit Christi Lehre übereinstimmten. Wir wissen, dass sie viele Gesetze des HERRN aufhoben, um eigene Gesetze an deren Stelle zu setzen (Mk 7,13). Solches geschieht auch heute noch im Christentum - scheinbar ohne Hemmungen -, angefangen beim Abendmahl und der Taufe.

Doch auch durch harte Reden können Menschen brüskiert, anstatt gewonnen werden. Wenn wir jemandem, der aufrichtig sucht, wie erwähnt, vorwerfen, er sei einfach gottlos; wie kann ein solcher für Christus gewonnen werden? Sollten wir uns im Kontakt mit Ungläubigen nicht erstmals vorsichtig herantasten und nach der Ursache fragen, wieso sie noch nicht den einzig möglichen Weg gehen, der von Gott vorgegeben ist (z.B. nach Lk 24,47, nur ein Name ist für die Errettung gegeben!)? Wenn sie ihn noch nicht kennen, ihn aber zu kennen wünschen, können wir sie gewinnen, wie Kornelius gewonnen wurde (Apg 10,31-32). Verurteilen wir sie aber von Anfang an, wer wird ihnen dann ins Reich helfen? – Dass Gott dazu imstande ist, ist mir klar, doch ich weiss auch, dass uns nicht gegeben ist, nach unseren Launen mit den Mitmenschen zu verfahren. Amen.

Vers 7

Daher habt ihr an keiner Gnadengabe Mangel, während ihr das Offenbarwerden unseres Herrn Jesus Christus erwartet,   1.Kor 1,7     

Der Apostel beginnt diesen Vers mit dem Wort „daher“. Die Lutherbibel drückt es so aus: „Denn die Predigt von Christus ist in euch kräftig geworden, so daß ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus (1.Kor 1,6-7 Lut).“ Mit meinen Worten ausgedrückt: Weil die Predigt des Christus kräftig geworden war, hatten sie keinen Mangel an Gnadengaben, oder auch: Weil das Zeugnis des Christus unter ihnen gefestigt worden war, DAHER hatten sie an keiner Gnadengabe Mangel.

Persönlich weiss ich nicht, ob die Korinther mehr Geistesgaben hatten als die Epheser oder beispielsweise die Kolosser. Wir wissen aus der Bibel, dass sie viele Gnadengaben hatten und ihr Einsatz in Korinth leider chaotisch erfolgte. Es war daher notwendig, dass der Apostel den Gebrauch dieser Gaben regelte und besondere Anweisungen dazu gab. Dafür setzte er ganze zwei Kapitel ein (Kap 12 und 14).

Es erstaunt mich, dass die Korinther, die in der Gesamtheit nicht sehr geistlich waren, bereits so viele Geistesgaben besassen. Wenn die Ursache, Gnadengaben zu besitzen, im Umfang unseres innerlichen Zeugnisses von Christus, dem Fundament, liegt, muss ich sagen, dass es heute diesbezüglich auch sehr kümmerlich um uns Christen steht. Wo sind bei uns alle Gaben der echten und immer zu 100% treffenden Weissagung? Weissagung unter 100% ist Scharlatanerie; nie wird ein echtes Wort Gottes in irgendeiner Form hinfällig (1. Kö 22,28)! Wo finden wir in den Gemeinden die Gnadengabe der Heilung, des Redens in fremden Sprachen (ohne sie vorher erlernt zu haben) und jene der Auslegung der Sprachen?

Im zweiten Teil des Verses wird erwähnt, dass die Korinther die Wiederkunft des HERRN erwarteten. Wie schön das doch ist! Ihnen wurde wirklich ein gesundes Fundament gelegt! Der Mensch kann nur eine wartende Haltung einnehmen, wenn er sich der Wiederkunft Christi ganz sicher ist. Wer das nicht gänzlich glauben kann, wird immer wieder von dieser gesunden Haltung wegkommen und geistlich einschlafen, denn es heisst, dass die Jünger entweder wachen oder schlafen (Mk 13,35.36; ferner auch Spr 27,18). – Wie steht es um Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Sind Sie bereit oder müssen sie erst noch dies oder das in der Welt erreichen? Setzen Sie die nötigen Opfer für Gott ein oder berauben Sie den HERRN, indem sie für die Welt opfern, was dem HERRN gehören würde, sei es an Zeit oder finanziellen Mitteln (Mal 3,8). – Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Könige Judas Gold vom Tempel des HERRN abbrachen, um es den Ungläubigen zu geben, wenn sie nicht auf den HERRN vertrauten. Sie beraubten das Haus Gottes, um auf fleischliche und verwerfliche Weise einen Vorteil in der Welt zu bekommen (zur Erwirkung eines Nichtangriffspaktes als Beispiel, 2. Kö 18,16), obschon Gott ihnen versprochen hatte, sie immer siegreich sein zu lassen, wenn sie sich nach seinem Willen richteten.

Stehlen Sie Gott Zeit für eine Weiterbildung oder weltliche Freuden? Halten Sie sein Geld zurück als Notgroschen? Tun Sie es nicht! Dienen Sie dem HERRN im geforderten Umfang! Wenn ER Ihnen Weiterbildungen, Karriereschritte und andere Dinge gewährt, schauen Sie, dass die dafür benötigte Zeit der Freizeit abgeht und nicht den Zeiten des Priesterdienstes und der Fürbitte, die dem HERRN gehören. Sie sind auch ein Haus Gottes (1. Kor 6,19)! Berauben Sie dieses Haus nicht, wie es einige Könige getan haben. – Er wird Ihnen das Nötige geben! Amen.

Vers 8

der euch auch festigen wird bis ans Ende, <so dass ihr> untadelig <seid> an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus.   1.Kor 1,8 

Dieser Vers sagt kurz umschrieben aus, dass Christus uns festigen wird bis an unser Lebensende. Am Ende unserer Tage werden wir untadelig sein. – Wunderbare Tatsache! Die Bibel fordert ja von uns ein Umwandlungsprozess (Rö 12,12). Gott bringt uns dahin, dass wir werden, wie er ist (1. Joh 3,2).

Jetzt gibt es aber verschiedene Lager im Christentum, wie es in der Politik Rechts, Mitte und Links gibt, was eigentlich nicht sein sollte, da die Bibel nicht beliebig interpretierbar ist, entgegen der Meinung vieler Kritiker. Auf die Interpretationsmöglichkeiten, die es angeblich gibt, möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da ich Hilfestellung für suchende Menschen bieten will und nicht eine Diskussionsplattform für Bibelkritiker. Ein Bibelkritiker wagt sich über jemanden zu erheben, dessen Gedanken so viel höher sind, wie der Himmel über der Erde. Deshalb ist der Ausgangspunkt eines solchen schon grundlegend falsch und ein Einstieg in eine Diskussion von Anfang an sinnlos. – Doch kommen wir zurück zu den verschiedenen Auffassungen, welche die Christen über ihren Weg zur Untadeligkeit haben. Einige sagen, dass Gott, der alles kann, die Menschen ohne ihr Zutun – was kann der Mensch Gott schon helfen? – vollkommen macht. Sagen wir diesen Christen, um die Sache mit Politiker zu veranschaulichen, sie seien Linke. Dann sagen diejenigen in der Mitte, dass der Mensch seinen Teil dazu beitragen muss und Gott im Anschluss das Restliche hinzufügen wird. Die Rechten sagen schlussendlich, der Mensch müsse sich – oft wird es nicht direkt ausgesprochen, aber angedeutet – selbst verbessern und ein Programm, das ähnlich wie ein Halten von vielen Gesetzen funktioniert, anwenden. – Wer hat nun Recht, die Linken, die Mitte oder die Rechten?

Um es kurz zu machen: Die Mitte hat Recht. Die Linken nehmen Verse aus dem Kontext heraus und stellen damit Behauptungen auf. Beispielsweise wird dieser Vers 8 genommen, der Rest der Bibel ausgeblendet und schon haben wir eine Lehre, die besagt, dass der Christ machen kann, was er will, Gott bringt ihn sowieso ans Ziel. Dass das nicht mit der biblischen Botschaft übereinstimmt, weiss schon jeder Christ, der die Bibel nur ab und zu aufschlägt. Viel zu viele Appelle an die Eigenverantwortung sind in der Schrift, dass die Lehre der Linken nicht gestützt werden kann. Wer die Eigenverantwortung nicht in die Hand nimmt und Ermahnung in den Wind schlägt, kann bei der Wiederkunft Christi beschämt (1. Joh 2,28) und seelisch noch unvollkommen da stehen (2. Tim 2,12). Der Geist und der Leib werden in einem Nu erneuert, doch die Seele braucht dazu ein Leben lang (1. Petr 1,9). Wer sich dieser Erneuerung wiedersetzt (Spr 13,18; Heb 12,5), wird am Ende ein Problem haben. – Kommen wir zu der Mitte, welche die Sache richtig einschätzt. Ohne Gottes Wirken hätten wir keine Chance, ins Reich zu kommen, das anerkennen auch sie (Mt 19,26). Doch sie sagen sich, dass sich der Mensch nach Gott richten muss, dass es ebenfalls fortwährende Aktionen des Menschen geben muss (1. Chr 22,19; 2. Chr 19,3; 2. Chr 26,5; Apg 17,26.27; u.v.a.). Viele Bibelstellen geben der Mitte Recht. Der Vers in Apg 17,27 sagt ausdrücklich, dass Gott verlangt, gesucht zu werden. Wir sind angehalten, unsere Seele nach Ihm auszurichten! Es gibt daher auch einen Teil, den Gott vom Menschen verlangt. Dazu fügt Gott das Seine hinzu. Amen. – Betrachten wir der Vollständigkeit halber noch die Rechten. Sie ordnen schwere Lasten für den Menschen an, welche zwar nicht als solche (bewusst oder unbewusst) deklariert werden, doch schwere Schäden und Burnouts anrichten können. Sie verlangen eigentlich das Halten eines neuen Gesetzes. Ein Mix aus Altem und Neuem Testament. Eine Art von Selbsterlösung, weg von Christus. Eine Form von Werksgerechtigkeit, welche immer wieder in verschiedenen Facetten auftauchen kann. Der Gerechtigkeit halber möchte ich erwähnen, dass es sich hier um eifrige Christen handeln kann, welche in Aufrichtigkeit vor Gott leben möchten, doch den Weg noch nicht in der richtigen Form kennen. Sie würden nie offen lehren und es grundsätzlich auch nicht wollen, man müsse abgekoppelt von Christus sein, doch in ihrem Handeln entfernen sie sich von ihm, weil sie aus der Gnade heraus den Boden des Gesetzes betreten. Sie werden dann selbst mit der Rechtsforderung Gottes konfrontiert, welche sich über Christus entladen hat und durch seine Gerechtigkeit befriedigt worden ist. Werden wir ihn Ihm gefunden, sind wir auch gerecht (und somit untadelig), wenn aber nicht, sind wir schuldig. So, wie die Rechten in unserem Beispiel, handelten die Galater. Sie wollten sich selbst erlösen, indem sie sagten, sie müssten diese oder jene Gesetze einhalten, um gerecht zu werden. Doch anstatt gerecht zu werden, fielen sie aus der Gnade und waren ohne Christus, wahrscheinlich ohne es bewusst zu wollen. Gut, dass Paulus die Gelegenheit hatte, sie diesbezüglich aufzuklären (Gal 5,4).

Liebe Leserin und lieber Leser! In welchem Lager bewegen Sie Sich? Tragen Sie Ihren Beitrag zu Ihrer Umwandlung bei oder lassen Sie die Zügel in selbstbetrügerischer Meinung „schleifen“? Oder strengen Sie sich durch Gesetze und Rituale bis an die Belastungsgrenze an, Gott zu gefallen und kommen damit auf keinen grünen Zweig? – Vergessen Sie es! Richten Sie Ihr Herz darauf Gott täglich zu suchen! Halten Sie sich an seine Anweisungen zu Ihrem Schutz und nicht zu Ihrer Rechtfertigung, denn Sie Sind als echter Christ bereits in Christus gerechtfertigt! Amen.

Vers 9

Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.  1.Kor 1,9

Gott ist treu. – Haben Sie Sich schon Gedanken über diese Aussage gemacht? Können Sie sie voll so annehmen und darauf vertrauen? Nicht alle gottesfürchtigen Figuren in der Bibel konnten es in der gleichen Weise. Es gibt Unterschiede in den Biografien im Vertrauen auf Gott. Dabei klammere ich die gottlosen Individuen bewusst aus; bei ihnen ist es sowieso klar, dass sie Gott nicht vertrauten bzw. glaubten. Ich möchte das unterschiedliche Vertrauen bei Gottesfürchtigen beleuchten. Nehmen wir dazu einige Könige von Juda. Ihre Ausgangslage bei Gott war folgende:

1 Wenn du gegen deine Feinde zum Krieg ausziehst und siehst Pferde und Wagen, ein Volk, zahlreicher als du, dann sollst du dich nicht vor ihnen fürchten. Denn der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, ist mit dir.  
2 Und es soll geschehen, wenn ihr zum Kampf heranrückt, dann soll der Priester herantreten und zum Volk reden  
3 und zu ihnen sagen: Höre, Israel! Ihr rückt heute zum Kampf gegen eure Feinde heran. Euer Herz verzage nicht, fürchtet euch nicht und ängstigt euch nicht und erschreckt nicht vor ihnen!
4 Denn der HERR, euer Gott, ist es, der mit euch zieht, um für euch mit euren Feinden zu kämpfen, um euch zu retten.   5.Mose 20,1-4

Das war das Kriegsgesetz für Israel. Und wir wissen nun, dass Gott treu ist. Wir wissen aber auch von Niederlagen bei Königen von Juda, sogar von sehr gottesfürchtigen, wie beispielsweise jene von Josia, welcher mit aller Kraft dem HERRN diente (2. Kö 23,25, Gottesfurcht; 2. Kö 23,29, Josias Niederlage). – Was schliessen wir jetzt daraus? Ist Gott nun treu oder nicht? Oder offenbart die Geschichte Josias einen Widerspruch? Kam nicht sogar Jeremia, der Mann Gottes und grosse Prophet, dem ein ganzes Bibelbuch gewidmet ist, ins Zweifeln im Blick auf Gottes Treue, wenn er ausruft:

Warum ist mein Schmerz dauernd <da> und meine Wunde unheilbar? Sie will nicht heilen. Ja, du bist für mich wie ein trügerischer Bach, wie Wasser, die nicht zuverlässig sind.  Jer 15,18

Liebe Leserin und lieber Leser! Sehen Sie, worauf ich hinaus will? Die grosse Frage, die sich hier stellt, ist: Ist Gott nun treu oder nicht? Kann man sich auf seine Aussprüche in JEDEM Fall verlassen oder gelten sie in einer Weise, die Gott dem Menschen nicht geoffenbart hat und der Mensch sich folglich nie sicher sein kann, ob er auf die Treue Gottes bauen kann oder nicht? Es geht hier nicht um die Frage, ob Gott rechtmässig handelt oder nicht – wir wissen alle, dass er nie gegen das Recht verstösst -, es geht hier um die Frage, ob Gott dem Menschen geoffenbart hat, wie er sich verhalten kann, um im Genuss seines Segens zu bleiben, so, dass Gott nicht wie ein „trügerischer Bach“, der mal süsses und mal ungeniessbares Wasser fliessen lässt, in unseren Augen erscheint.

Wir sehen auch, wie am Anfang erwähnt, anhand des Wirkens der gottesfürchtigen Könige in Juda, dass sie sich nicht immer in Sicherheit bei Gottes Treue wähnten. Ein David handelte angesichts seiner Feinde anders als ein Joschafat oder ein Hiskia, obschon alle die gleiche Ausgangslage hatten, denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. David handelte ohne Furcht, trotzdem fragte er den HERRN, ob Gott ihm die Feinde in die Hand geben wird, da es ja sein konnte, dass es unerkannte Sünde in seinem Umfeld gab und sich Gott ihretwegen zurückzog, wie es bei der Hungersnot zu Davids Zeiten der Fall war (2. Sam 21,1). Joschafat und Hiskia waren im Glauben zaghafter. Wurden sie mit Feinden konfrontiert, jammerten sie vor dem HERRN. Sie klagten über ihr Unglück und flehten beim HERRN um Gnade, um die doch gar nicht gefleht werden musste, weil Sieg gegen die Feinde versprochen war. Wenn man um eine klare Verheissung fleht, zeugt es nicht von Frömmigkeit, vielmehr von Unglauben und Misstrauen in die Treue des HERRN.

10 Und nun, siehe, <da stehen> die Söhne Ammon und Moab und die vom Gebirge Seïr. Als Israel aus dem Land Ägypten kam, hast du nicht erlaubt, bei ihnen einzudringen, sondern sie mussten ihnen weichen und haben sie nicht ausgerottet.  
11 Siehe da, sie vergelten es uns, indem sie kommen, um uns aus deinem Besitz zu vertreiben, den du uns zum Besitz gegeben hast.  
12 Unser Gott, willst du sie nicht richten? Denn in uns ist keine Kraft vor dieser grossen Menge, die gegen uns kommt. Wir erkennen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen <gerichtet>.   2.Chr 20,10-12

Hätte Joschafat so gebetet, wenn er aufgrund Gottes Treue siegessicher gewesen wäre? Würde dann der Vers 12 so dastehen? Hätte er nicht einfach, wie David, Gott fragen sollen, auf welche Art und Weise er sie angreifen und vernichten soll (2. Sam 5,23)? Weshalb verzagte Hiskia vor dem König von Assur? Wusste er nicht aus der Geschichte des Königs Asa, dass der HERR Heere von 1000 mal 1000 Mann vor Israel dahingab, wenn es nötig war (1. Chr 14,8)? Ich möchte an dieser Stelle noch einen König vorstellen, der auf die Treue Gottes baute und sich seines Sieges sicher war. Es ist der König Abija. Er stellte sich selbstbewusst gegen seine zahlenmässig genau doppel so starken Widersacher und sagte:

4 Da stellte sich Abija oben auf den Berg Zemarajim, der im Gebirge Ephraim <liegt>, und sprach: Hört mich an, Jerobeam und ganz Israel!  
5 Solltet ihr nicht erkannt haben, dass der HERR, der Gott Israels, das Königtum über Israel für ewig dem David gegeben hat, ihm und seinen Söhnen, durch einen Salzbund?  
6 Aber Jerobeam, der Sohn Nebats, der Knecht Salomos, des Sohnes Davids, erhob sich und empörte sich gegen seinen Herrn.  
7 Und es versammelten sich zu ihm ehrlose Männer, Söhne der Bosheit, und machten sich stark gegen Rehabeam, den Sohn Salomos. Rehabeam aber war <noch> jung und zaghaft und konnte ihnen nicht standhalten.  
8 Und nun denkt ihr, standhalten zu können dem Königtum des HERRN in der Hand der Söhne Davids, weil ihr eine grosse Menge seid und die goldenen Kälber bei euch sind, die Jerobeam euch zu Göttern gemacht hat!  
9 Habt ihr nicht die Priester des HERRN, die Söhne Aarons, und die Leviten verstossen und euch Priester gemacht wie die Völker der <andern> Länder? Wer immer mit einem Jungstier und sieben Widdern kam, um sich zum Priester weihen zu lassen, der wurde Priester der Nicht-Götter.  2.Chr 13,4-9

Abija wusste, dass der Sieg die Sache des HERRN war und dass der HERR nicht auf der Seite von Gottlosen kämpft, wenn der Gegner sich vor Gott gereinigt hat. Da konnte der Feind in der Übermacht erscheinen, auch wenn er doppelte Kampfkraft sein eigen nannte, denn erfolgreich gegen Gott zu kämpfen, ist noch keiner Armee der Welt gelungen. Sein Vertrauen sticht hier sehr schön hervor, denn er vertraute auf die Treue Gottes, die denen sicher ist, die nach seinem Willen tun. Abija konnte zu jenem Zeitpunkt sagen:

Siehe, Gott ist mit uns, an unserer Spitze. <Bei uns sind> seine Priester und die Lärmtrompeten, um Lärm zu blasen gegen euch. Söhne Israel, kämpft nicht gegen den HERRN, den Gott eurer Väter! Denn es wird euch nicht gelingen.  2.Chr 13,12   

Was können wir aus diesen Begebenheiten lernen? – Wir sollen glauben, dass Gott tatsächlich treu ist. Wir müssen nicht um diese Treue bangen und unter Tränen darum bitten. Allerdings ist diese Treue an die Reinheit der Versammlung oder des Einzelnen gebunden, - das sollten wir uns dringend zu Herzen nehmen. Leider gibt es Christen, auch solche in Gemeindeleitungen, die Hilfesuchenden generell raten, einfach blindlings zu kämpfen, Gott werde sie um jeden Preis unterstützen. Wenn jemand ohne die Sachlage zu prüfen rät, man könne in jedem Fall mit der Hilfe Gottes im Konfliktfall rechnen, handelt verantwortungslos. Dafür gab uns Gott ein eindrückliches Beispiel: Josua, der grosse Führer Israels, dem auch permanenter Sieg verheissen war, unterlag im Kampf den Bewohnern von Ai. Da verzagte er und kam leider auch ins Jammern vor dem HERRN, anstatt nach der Ursache zu fragen. Schliesslich musste es einen Anlass geben für die Niederlage, Gott ist nicht launisch, dass die Treue heute da ist und morgen nicht. Dementsprechend hart fiel auch die Antwort Gottes aus:

Da sprach der HERR zu Josua: Steh auf! Warum liegst du denn auf deinem Angesicht?   Jos 7,10

Der HERR verurteilt Josuas Jammern. Obschon es fromm aussah, zeugte es von Unglauben und war fehl am Platz. Josua stellte sogar Gottes Verheissungen in Frage, indem er Gott fragte, wozu er Israel in die Hand der Amoriter gegeben habe. Gott stellte klar, dass es nur einen Grund für seinen Rückzug gab, - und der war nicht bei seiner Treue zu suchen, sondern beim Zustand des Volkes. Israel hatte sich verunreinigt, deshalb war Gott von ihnen gewichen. Josia unterlag im Übrigen nicht mangels Gottesfurcht, sondern weil er Gott betreffs seines Kampfes nicht gesucht hatte. Dann hätte er in Erfahrung bringen können, dass er sich nicht in fremde Händel hätte einmischen sollen. Auch wo er ungefragt darauf hingewiesen wurde, blieb er stur und folgte blind seiner Idee. Das wurde ihm zum Verhängnis (2. Chr 35,21).

Wir sehen also zusammenfassend, dass wir voll auf die Treue Gottes zählen können, vorausgesetzt wir in seinem Willen sind. Um in seinem Willen zu sein, sollen wir alle Tage ein suchendes Herz zu Ihm hin haben (Apg 17,27; Ps 69,33; Dan 10,12); wie sollen wir sonst Seinen Willen in Erfahrung bringen? – Dass wir, um den zweiten Teil des Verses auch noch zu erwähnen, in die Gemeinschaft seines Sohnes berufen worden sind, würde noch Bände füllen, um es in der Tiefe zu betrachten. Freuen wir uns darüber! Die Gemeinschaft mit dem Sohn bedeutet auch Gemeinschaft mit dem Vater durch den Heiligen Geist. Das Bekenntnis des Sohnes schliesst diese Gemeinschaft schon ein (1. Joh 2,23). Amen.

Vers 10

Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig redet und nicht Spaltungen unter euch seien, sondern dass ihr in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig zusammengefügt seiet.   1.Kor 1,10  

Nach den einführenden und sehr aufschlussreichen Versen dieses Briefes musste Paulus bereits an dieser Stelle mit der Behandlung eines Punktes der vielen Missstände anfangen, die in dieser Gemeinde herrschten. Wir werden im Verlauf der Betrachtung des Briefes feststellen, dass das, wie erwähnt, nur ein Punkt von vielen zu korrigierenden Dingen unter den Korinthern war.

Die Tatsache, dass Spaltungen unter Christen vorhanden waren, hat nichts von seiner Aktualität verloren, vielmehr hat sie diesbezüglich zugenommen, obschon sie namentlich biblisch erwähnt und behandelt ist. Das muss ich leider zu unserer Beschämung sagen. Nehmen wir Christen uns denn zu wenig Zeit, um die Bibel zu lesen? Oder schenken wir Irrlehrern vollen Glaubenskredit und nehmen alles an, ohne es zu prüfen? Würden wir auch in der Eurozone indische Rupien im Supermarkt annehmen, wenn die Verkäuferin uns damit den 100 Euro Schein wechseln würde? – Wohl kaum. Deshalb ist es noch demütigender für uns, dass wir in diesem Punkt, der Spaltungen unter Christen, uns so verhalten, als würde gar nichts im ewigen Wort darüber geschrieben stehen.

Vertieft in die Thematik einsteigen möchte ich an dieser Stelle nicht, erst dort, wo Paulus umfassender darauf eingeht. Doch es ist sehr wichtig, weil das Thema so hochaktuell ist, dass wir uns eindringlich damit befassen. Daher bitte ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, dass Sie kurz innehalten und sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Es ist im Reich Gottes nicht so, wie es in der Welt manchmal läuft. In der Welt werden oft Dinge, die früher absolut tabu und verwerflich waren, plötzlich salonfähig. Es geht soweit, dass Verhaltensweisen, welche mit polizeilichen Sanktionen belegt waren, heute von der Spitzenpolitik getragen und vertreten werden. In der Schweiz fiel beispielsweise das letzte Konkubinatsverbot (Verbot einer Ehe ohne Trauschein) erst 1995 (Kanton Wallis). In diesem erwähnten Jahr wurde ein gottgegebenes Verbot Schweiz weit verworfen. Nichtchristen störten sich natürlich nicht daran. Sie sahen darin einen überfälligen Akt und den Fortschritt der sogenannten „Aufgeklärten Gesellschaft“. – So ist es möglich, dass sich in der Welt Dinge vom Guten zum Bösen verschieben können und durch ein langes „Weichkochen“ der Menschen sie von ihnen selbst anerkannt, als richtig und Gesetz akzeptiert werden.

Wie denken Sie, liebe Leserin und liebe Leser, ist es im Reich Gottes, welches von einem König regiert wird, der seine Ansichten nicht ändert (Jak 1,17; Jes 41,4)? Wird unser König beeindruckt sein, wenn wir sein Wort aufgrund neuer gesellschaftlicher Verhältnisse in der Welt aufheben und christliche Werte der Welt angleichen? Urteilen Sie bitte selbst! Ist es recht, wenn demokratische Verhältnisse die Richtschnur der Bibel in den Gemeinden ersetzen und so Spaltungen nach individuellem Wunschdenken folgen, obschon Gott Einheit verordnete? – Wir sprechen hier von einer ganz üblen Sache, der Übernahme von Verhaltensweisen der Nationen, die Israel in die Zerstreuung brachte (3.Mose 18,26-28).

Vers 11

Denn es ist mir durch die <Hausgenossen> der Chloë über euch bekannt geworden, meine Brüder, dass Streitigkeiten unter euch sind.   1.Kor 1,11  

Offensichtlich haben die Hausgenossen Chloës, Leute aus dem Haushalt der Chloë, welche nicht weiter beschrieben wird in der Schrift, dem Paulus das Übel des „nicht eines Sinnes sein“ in Korinth, mitgeteilt. Wie ist das zu werten? Haben die Leute der Chloë unnötig bei Paulus getratscht? Wollten sie die Geschwister in Korinth blossstellen, ja, sich gar über sie erheben? – Ich denke nicht. Wenn eine böse Wurzel beim Namen genannt wird, um sie behandeln zu können; ist es nicht besser, zu reden, als darüber zu schweigen?

Manchmal halten wir es für weise, zu schweigen, was auch tatsächlich nicht selten angebracht ist. Es gibt eine Zeit zum Schweigen, wie auch eine zum Reden (Pred 3,7). – Doch die Haltung, „was der andere macht, geht mich nichts an, jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren“, ist unter Christen definitiv die falsche, weil wir gegenseitige Verantwortung tragen. Der Herr Jesus weist uns eindrücklich darauf hin:

Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.   Mt 18,15  

Viele Sünden können durch solche Dienste an Geschwistern zugedeckt werden, wie geschrieben steht:

19 Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zurückführt,  
20 so wisst, dass der, welcher einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, dessen Seele vom Tode retten und eine Menge von Sünden bedecken wird.  Jak 5,19-20  

Dabei erachte ich es als selbstverständlich, dass dieser Dienst „sauber“, im Sinne Gottes, ausgeführt werden muss, nicht im schlecht übereinander reden, wie auch geschrieben steht:

Redet nicht schlecht übereinander, Brüder! Wer über einen Bruder schlecht redet oder seinen Bruder richtet, redet schlecht über das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter.   Jak 4,11  

Wer denkt, dass jemand unter den Geschwistern nicht korrekt wandelt, soll es nicht breit schlagen. Der Herr Jesus gibt uns in Mt 18 klare Anweisungen darüber. Wer es erkennt, soll alleine zum oder zur Betreffenden gehen und die Sache klären. Erst wenn es diesbezüglich keine Einigung gibt, soll es vor eine Mehrheit kommen (Mt 18,15-17). Bei all dem gilt ausserdem die Goldene Regel, dass wir so miteinander umspringen sollen, wie es wir gerne selbst hätten (Lk 6,31).

Aus diesem Blickpunkt taten die Hausgenossen der Chloë gut. Sie erkannten böse Wurzeln im Kollektiv der Gemeinde. Da es für sie im Blick auf die Akzeptanz schwieriger war als für den Apostel darauf Einfluss zu nehmen, platzierten sie das Problem am richtigen Ort, dem Gesandten Gottes für die Nationen, bei jenem, der von Gott aus für die Wahrheit und das Evangelium Christi eingesetzt wurde. Dieser Apostel, Paulus, nahm sich dann auch diesem Problem an, ohne zu murren, was ihn denn die Probleme ferner Gemeinden angehe, und schrieb weise und korrigierende Worte, wie wir in den folgenden Versen sehen werden. Amen.

Vers 12

Ich meine aber dies, dass jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi.   1.Kor 1,12  

Wir reden hier wiederum von einem alten und bereits behandelten Problem, das heute trotzdem sehr prominent das Leben vieler Christen negativ beeinflusst. Anstelle von Einheit in den Gemeinden wird Menschen nachgeeifert; oft in einer so subtilen Art und Weise, dass auf Anfrage kein Gemeindeglied beteuern würde, es wäre einer Gruppe zugehörig, die einem Menschen nacheifert. Doch bei näherer Betrachtung haben wir Christen in Sachen Einheit kläglich versagt. Da sind uns gar die Katholiken voraus, die nur eine Versammlung pro Ortschaft gründen, wie es die Bibel lehrt. Damit sage ich nicht, dass wir den Katholiken nacheifern sollen, ich sage damit nur, dass wir Christen es nach dem Prinzip, „ein Ort, eine Gemeinde“ halten sollten. Die Sendschreiben gingen an die Gemeinde von Philadelphia, Sardes und so weiter, wie dieser Brief physisch an die Gemeinde Gottes in Korinth adressiert war. Die Schreiben gingen nicht an die Gruppe X in Pergamon und die Gruppe Y in Laodicea. Sie gingen nicht, in die heutige Zeit übersetzt, an die Pfingstgemeinde in Zürich und die Baptisten in Leipzig. Sie wären als Beispiel an die Gemeinde (gläubige Christen) in Zürich und an die Gemeinde in Leipzig gerichtet, nicht an Splittergruppen.

Da das Wort Gottes von uns und unseren Vorfahren in vielen Teilen vom Stand als Richtschnur zum Empfehlungsschreiben entwertet wurde, öffneten sich Türen und Tore für menschliche Meinungen, welche die Gebote Gottes begannen aufzuweichen. Da fingen Christen gute Werke an, wie beispielsweise William Booth, welcher sozialer Not mit vielen Hilfeleistungen begegnete. Er fand seine Nachahmer und es entstanden daraus soziale Institutionen, die unter anderem alkoholkranke Menschen behandelten. Viele Menschen bekehrten sich aus ihrem Elend zum HERRN, welcher darin erfreulicherweise gepredigt wurde. Irgendwann schafften es die Träger dieser Bewegung nicht mehr, Soziales mit Geistlichem zu trennen und führten Dinge, die im Werk gut waren, in den Gottesdienst ein und verdarben ihn damit. Man ersah es für richtig, das Abendmahl abzuschaffen, ja gar zu verbieten, da es für alkoholkranken Menschen ein Stolperstein sein könnte. Damit war der Tatbestand erfüllt, dass das Wort Gottes im Blick auf das Mahl ungültig gemacht wurde, weil der HERR persönlich, nicht Paulus oder Johannes, gebietet, dass wir das Abendmahl halten sollen, indem er spricht: „Dies tut…(Lk 22,19)!“ Ebensolches sehen wir bei dem Taufgebot, das verändert (Babytaufe) und teilweise sogar gänzlich abgeschafft wurde.

Die Nachahmer von William Booth, sowie auch die Nachahmer der Gründer der Baptisten, Methodisten und sonstigen freien Gemeinden sagen – wenn auch teilweise unbewusst – von sich: „Ich bin des Booth, ich aber des Wesley, ich aber des Darby.“ – Liebe Leserinnen und Leser! Ich schreibe nichts gegen diese drei aufgezählten Brüder im Beispiel! Ich denke und hoffe, sie würden das Konstrukt, welches aus den Anfängen entstanden ist, selbst nicht befürworten! Damit kritisiere ich vielmehr unseren liederlichen Umgang mit dem Worte Gottes. Obwohl dieses Thema durch den Heiligen Geist behandelt wurde, repräsentieren wir Christen uns als zersplitterte und teilweise zerstrittene Körperschaft, wo anstelle von Geistlichkeit Fleischlichkeit dominiert (1. Kor 3,3). Was für eine traurige Wahrheit, die den Spott der Heiden auf sich zieht und macht, dass das Wort und der Dienst verlästert werden (2. Kor 6,3).

Christus duldet nicht, dass ein Mensch einen falschen Einfluss auf die Gemeindelehre nimmt. Noch viel weniger statthaft ist es, jemandem ausser Ihm selbst nachzueifern, denn nur in Ihm ist das Heil wie der Vater angeordnet hat, dass in keinem anderen Namen das Heil ist (Apg 4,12). Obschon, wenn der Missbrauch beim Namen genannt wird, es ausserordentlich hässlich und unglaublich klingt, werden die Gebote Christi durch Gebote von Menschen ersetzt, so dass die Gegebenheit erfüllt ist, zu sagen: „Ich bin des Luther, ich aber des Calvin.“ – Richtig wäre es, wenn man sagt: „Ich bin ein wiedergeborener Christ, welcher durch den Tod Christi aus der Welt gerufen wurde. Ich gehöre jetzt zu den Herausgerufenen, der Ekklesia (Versammlung, Kirche) Gottes. Da ich in Berlin wohne (als Bsp.), gehöre ich, wie alle anderen Christen in Berlin, zu der Gemeinde Gottes in Berlin, welche als Einheit auftritt.“ Dasselbe würde der Gläubige in Rom, Zürich, Heidelberg und Salzburg sagen. Der Christ aus unserem Beispiel, würde dann zur einzigen christlichen Versammlung seiner Stadt bzw. seinem Dorf (Wohngemeinde) gehören, ohne dass es weitere Splittergruppen in der Ortschaft gäbe. Es wären dann in Berlin und in jeder anderen Ortschaft weltweit, geistlich gesehen, nur zwei Gruppen vorhanden, die Christen und die Heiden. Der Einfachheit halber klammere ich an dieser Stelle Gottes irdisches Volk, Israel, aus.

Die verderbliche Lehre des Humanismus brachte uns soweit, dass der Mensch an die Stelle Gottes gerückt ist. Der Mensch soll verherrlicht werden; in erster Linie geht es dabei um den Menschen und dessen Ansprüche. Gottes Anteile werden verleugnet oder hinten angestellt. Die Gesellschaft ist schon so geprägt, dass dieses Denken allgegenwärtig ist, auch in den Gemeinden. So werden Scheidungen und homosexuelle Paare akzeptiert, weil menschliche Bedürfnisse in der Gesellschaft als gewichtiger als jene Gottes gelten. Wen verwundert es denn noch, wenn aufgrund dieser Lehre Menschen die Stelle Gottes (Christi) einnehmen und wir zu Jüngern und Nacheiferern von Menschen werden?

Liebe Leserin und lieber Leser! Neigen Sie zu einer bestimmten Gruppierung im Christentum? Sind Sie eher der pfingstlerische Typ? Oder bevorzugen Sie die Brüdergemeinden, in welchen es ruhiger zu und her geht? – Oder haben Sie erkannt, dass Benennungen (Denominationen) im Grunde schriftwidrige Konstrukte sind und Sie schlicht zu den Herausgerufenen Christi ihrer Ortschaft gehören; ganz gleich, ob die Versammlung sehr lebendig oder eher ruhigen Charakter hat? – Gut, wenn Sie es erkannt haben, was es aber zugegebenermassen nicht leichter macht in der heutigen Zeit. Verlassen Sie aufgrund dieser Erkenntnis Ihre Versammlung nicht ohne Weiteres, das könnte schädlicher als nützlich sein. Behalten Sie vielmehr diese Wahrheit im Herzen, sie wird Ihnen helfen, das Gute zu sehen und das Schlechte auszusondern. Der HERR steht uns bei, vor allem, wenn wir die Wahrheit suchen. Amen.

Vers 13

Ist der Christus zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?   1.Kor 1,13  

Offenbart sich Christus als zerteilt? Oder werden er und sein Leib als Einheit dargestellt? – Die Frage ist eindeutig zu beantworten: Christus ist einer und im Verbund mit der Gemeinde ein einziger Leib, wie viele Stellen bezeugen (Rö 12,5; 1. Kor 10,17; 12,13; Kol 3,15).

3 Befleissigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens:
4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung!   Eph 4,3.4  

Die Bibel spricht diesbezüglich immer von der Einheit. Wir sollen die Einheit des Geistes bewahren. Wie kann es denn sein, dass nun dem Geist eines Menschen in Versammlungsangelegenheiten gefolgt wird? Oder denken wir, wir könnten die Ordnung in der Versammlung frei einteilen, wie David es bei den Leviten getan hatte (1. Chr 23 und folgende Kapitel)? Haben wir noch nicht verstanden, dass die Ordnungen in der Gemeinde, wie jene für die Stiftshütte und den Tempel, ausschliesslich von Christus, dem Haupt (Eph 4,15), gegeben worden sind (2. Chron 29,25)? Obschon die Ordnung oft als jene Davids beschrieben ist, sagt uns der Vers in der zweiten Chronik aus, dass auch sie von Gott kam und nicht aus der Willkür des Königs. So, wie David das Abbild Christi war und Gottes Ordnungen erlassen hatte, erlässt Christus im Neuen Testament die Ordnung von Gott für die Versammlung.

Nun gilt für die Versammlung, dass Christus das Haupt ist. Die Gemeinde ist sein Leib (Kol 1,18).

Lasst uns aber die Wahrheit reden in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.   Eph 4,15 

22 Und alles hat er seinen Füssen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben,  
23 die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.  Eph 1, 22.23 

Urteilen Sie nun bitte selbst, liebe Leserin und lieber Leser, ist es statthaft für Menschen, den Leib zu zerstückeln? – „Gott ist so gross, dass er das zulässt (die Zerstückelung), er steht über diesen Dingen -, ja, so gross ist er“, wurde mir schon oft gesagt, als ich von diesen Dingen sprach. – Das Gott gross ist, ist mir ebenfalls klar, doch ich weiss auch, dass er niemals gegen sein eigenes Wort handelt, geschweige denn, solche Auswüchse toleriert ohne Konsequenzen folgen zu lassen. Es geht an dieser Stelle nicht darum, ob Gott die nötige Grösse und Stärke hat, ein Gemeindechaos auszuhalten. Gott ist allmächtig und wird mit allem fertig. – Es geht an dieser Stelle darum, ob Gott ein Tohuwabohu (Durcheinander) bzw. Spaltungen unter Christen innerhalb einer Ortschaft toleriert und beeindruckt ist, wenn Gemeinden Ideologien von Menschen folgen.

Trotz allem Sprechen des HERRN (Heb 1,2) und der direkten Benennung des Problems in unserem Vers, haben wir es geschafft, dass wir uns gegenseitig abgrenzen, indem sich die Nachfolger Booths als „Heilsarmee“, jene des Wesley als „Methodisten“ usw. organisieren und so die Einheit des Leibes durch unseren leichtfertigen Umgang mit dem Worte Gottes aufgehoben wurde. Die Zustände der heutigen christlichen Gemeinden können nicht mit Zitaten wie „bunte Versammlungslandschaft“ beschönigt werden, in der jeder nach seinen Neigungen die „Denomination seiner Wünsche“ aussuchen „darf“. So wollen Denominationsbefürworter Spaltungen rechtfertigen.

Spaltungen sind durch die höchste Instanz im Universum verurteilt. Dieses Urteil wurde durch den Heiligen Geist im ewigen Wort aufgenommen. Weil Gott sich von ihnen distanziert, nehme ich auch Abstand von dieser Lehre. Amen. – Wie reagieren Sie darauf, liebe Leserin und lieber Leser in Ihrer Verantwortlichkeit? Starb der Gründer Ihrer Denomination für Ihre Sünden? – Nein? Wieso erhält er denn lehrmässig mehr Gewicht als Christus, der in Wirklichkeit für meine und Ihre Sünden starb, so dass Christi Gebot aufgehoben wird, um dem menschlichen Platz zu machen?

Verse 14.15

14 Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe ausser Krispus und Gajus,  
15 damit nicht jemand sage, ihr seiet auf meinen Namen getauft worden.   1.Kor 1,14-15  

Angesichts der Neigungen in Korinth, neben Christus auch Menschen nachzufolgen, äusserte Paulus eine Erleichterung, nur wenige Mitglieder in Korinth getauft zu haben, damit nicht aufgrund der Tatsache, durch Paulus getauft zu sein, jemand glaubte, er sei auf den Namen Paulus‘ getauft. Weil das ein fataler Fehler gewesen wäre, erwähnt es der Apostel in deutlicher Art und Weise. – Es dürfen – gemäss dem Befehl Jesu Christi – nur Taufen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes durchgeführt werden; nur auf den Namen Gottes darf getauft werden, denn ausser Ihm gibt es keinen Retter, wie geschrieben steht:

Ich, ich bin der HERR, und ausser mir gibt es keinen Retter.   Jes 43,11 

Ich aber bin der HERR, dein Gott, vom Land Ägypten her. Einen Gott ausser mir kennst du nicht, und es gibt keinen <andern> Retter als mich.   Hos 13,4 

Auch die Taufe im Namen Jesu ist zulässig (Apg 2,38; 10,48). Schliesslich ist er auch Gott; der Vater und der Sohn sind eins (Joh 10,30). Gott offenbart sich als dreieiniger Gott, als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Da Gott spricht, ausser Ihm gäbe es keinen Retter und es so verordnet ist, dass die Rettung im Namen Jesu liegt, muss Jesus ebenfalls Gott sein, wie er es uns offenbart (Apg 4,10-12) hat. Wenn Sie Jesus haben, haben Sie alles. Amen.

Vers 16

Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft; sonst weiss ich nicht, ob ich noch jemand getauft habe.   1.Kor 1,16  

Paulus hat nicht viele Mitglieder in Korinth getauft. Die Taufe war nicht sein zentraler Dienst, wie wir im folgenden Vers sehen werden und trotzdem kam es in einigen Fällen soweit, dass er den Taufbefehl ausführen musste. Wenn Paulus taufte, war es wie bei einem Kraftfahrzeugmechaniker, der mit dem Werkstattwagen unterwegs ist, um Ersatzteile zu holen. Es ist nicht der zentrale Dienst eines Mechanikers, Teile zu holen. Wenn er Teile holt, arbeitet er betriebswirtschaftlich nicht so effizient, wie am Fahrzeug selber. Für die Teilebeschaffung gibt es Kuriere und sonstige Zulieferdienste der Lieferanten. Sind sie aber ausgelastet oder die Reparatur am Fahrzeug sehr dringlich, kann es vorkommen, dass sich der Mechaniker selbst um die Beschaffung kümmern muss, wie es vorkommen kann, dass ein Arzt in Ausnahmefällen einem Patienten Essen eingeben muss, auch wenn dafür die Pflegedienste zuständig wären. Wenn aber durch anderweitige Auslastungen oder Personalmangel niemand verfügbar ist, kann es durchaus sein, dass Personen, die andere Funktionen innehaben, vorübergehend Dienste ausserhalb ihrer Kernaufgaben wahrnehmen müssen. Der Herr Jesus taufte auch nicht selber, er liess es seine Jünger tun (Joh 4,2), da seine Kernaufgabe die Verkündigung des Reiches war, wenn sich viel Volk ansammelte. Sein Dienst hätte an Effizienz gelitten, wenn er auch selbst noch hätte taufen müssen. Natürlich war er sich dazu nicht zu schade, das bewies er mit der Fusswaschung der Jünger. Doch er musste in erster Linie dem anvertrauten Werk des Vaters treu sein. Um darin effektiv voranzugehen organisierte er sich so, wie es der göttlichen Weisheit entsprach. Ein Projekt-, Team-, oder Fachverantwortlicher muss – ohne sich dabei profilieren zu wollen – den Überblick über die Gesamtaufgabe behalten. Das gehört klar zu seiner Aufgabenstellung und hat nichts mit Bequemlichkeit, Arroganz oder negativ angehauchtem und aufplusterndem Chefgehabe zu tun. – Der HERR war eingesetzt, die Welt zu retten. Mit dieser Kernaufgabe im Fokus, delegierte er die ebenfalls sehr wichtige Taufe seinen Jüngern zur Ausführung. Zweifelsfrei behielt er dabei die Kontrolle und die Freiheit, die Jünger im Bedarfsfalle zu korrigieren.

Paulus war für die Verkündigung eingesetzt, nicht zum Taufen. Trotzdem kam es zu einigen Taufen, die durch Paulus vollzogen wurden. Dies kann mehrere gute Gründe haben, denn ich bin überzeugt, dass Paulus seine Ressourcen auch sehr zielgerichtet eingesetzt hat. Ein sehr wichtiger Grund dafür war die Unterweisung und Befähigung der Geschwister. Damit die zu unterweisenden Brüder und Schwestern überhaupt erlernen konnten, wie im Haushalt Gottes gearbeitet wird, mussten bzw. müssen die anfallenden Arbeiten von ausgebildeten „Profis“ zuerst einmal vorgemacht werden. So genügte es, wenn Paulus nur einige wenige Christen in Korinth taufte, der Taufbefehl konnte im Anschluss von den heimischen Brüdern selbst vollzogen werden.

Liebe Leserin und lieber Leser! Ich hoffe sehr, mit diesen Zeilen erreicht zu haben, dass keine falschen Schlüsse gezogen werden. Die Taufe ist für jeden Christen ein Befehl des HERRN (Mt 28,19; Apg 2,38). Die Schlussfolgerung, die Taufe sei freiwillig, da Paulus selbst nur wenige Menschen getauft habe, ist eine völlige Zielverfehlung, eine Irrlehre. Paulus taufte nur wenige Menschen, weil er als Mitarbeiter im Reich nicht mit dieser Aufgabe betraut worden war. Als Apostel (Gesandter) und Lehrer musste er verkündigen und lehren, nicht taufen. Das heisst, dass er wie ein Ausbildner die Taufe vormachen musste, als Bestandteil seines Lehrplanes, sie aber dann zu delegieren hatte, um seinem Lehrauftrag weiter folgen zu können. Amen.

Vers 17

Denn Christus hat mich nicht ausgesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen: nicht in Redeweisheit, damit nicht das Kreuz Christi zunichte gemacht werde.   1.Kor 1,17 

Wie ich im Kommentar zum Vers 16 etwas vorgegriffen habe: Paulus‘ erste Aufgabe war die Verkündigung. Durch diese Bekanntmachung des Evangeliums folgte die Taufe als logische Konsequenz, wenn Menschen zum Glauben kamen; sie konnte und kann aber durchwegs durch die dem Täufling am Nächsten stehenden Gemeindeglieder vollzogen werden. Dazu braucht es keine Menschen in komischen Gewändern, die sich selbst zu einer speziell befähigten Schicht zählen (Klerus). Schon oft habe ich festgehalten, tue es aber an dieser Stelle nochmals wegen der vorhandenen Missstände im Christentum, dass es im Neuen Testament nicht statthaft ist, eine besondere priesterliche Klasse zu bilden. Altes Testament ist nicht Neues Testament, die Gottesdienstordnung und die Priesterschaft hat gewechselt, sonst hätte keine Änderung des Gesetzes stattgefunden, wie geschrieben steht:

Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt.   Hebr 7,12 

Die neue Ordnung aus der Bergpredigt und den Evangelien sieht keine priesterliche Klasse mehr vor, denn es steht geschrieben:

8 Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.  
9 Ihr sollt auch nicht <jemanden> auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, <nämlich> der im Himmel.  
10 Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus.   Mt 23,8-10 

Die Priesterschaft, welche im Alten Testament aus Levi und den Nachkommen Aarons kam, wechselt im Neuen Testament zu Christus und allen, die ihn verkörpern dürfen, der Gemeinde, welche sein Leib ist. Somit sind wir Christen alle Teile davon, was Christus ist: Könige und Priester, wie es die Bibel festhält:

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat;   1.Petr 2,9 

Heute sind wir alle berufen, als Priester heranzutreten und geistliche Schlachtopfer zu bringen, indem wir Gebete und Fürbitten darbringen und mit sonstigen Liebesdiensten und Hilfeleistungen unseren Mitmenschen wohl tun.

lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott hochwillkommen durch Jesus Christus!   1.Petr 2,5 

Liebe Leserin und lieber Leser! Wie wirken diese Worte auf sie? – Auf mich wirkten sie, als ich sie allmählich begriff, schlicht nicht umsetzbar, weil wir es praktisch nirgendwo so antreffen. Vielmehr treffen wir auf ein klar strukturiertes Zweiklassensystem: wir sehen Priester auf der einen Seite und Laien auf der anderen. Offenbart hat sich eine ganz klare und offensichtliche Zielverfehlung, die bereits in den Sendschreiben vom HERRN persönlich thematisiert und aufs Schärfste verurteilt worden ist:

So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten.   Offb 2,15 

Ein Nikolait ist übersetzt ein Volkssieger, jemand, der über anderen steht. Dies wurde in der Gemeinde Christi schon ein Thema, nachdem erst wenige Jahrzehnte über der allgemeinen Gemeindegründung verstrichen waren. – An dieser Stelle muss ich wieder die provokative Frage stellen, ob denn eine böse Sache plötzlich als gut zu bewerten ist, wenn sie von der Allgemeinheit akzeptiert wird. Wird Gott nun sein neutestamentliches Gesetz der Volksmeinung anpassen und das System der Nikolaiten lieben, wo er es doch hasst? – Wie war es denn in der Vergangenheit? Wurde Gott zum Befürworter der goldenen Kälber Jerobeams in Bethel und in Dan (2. Kö 10,29), welche doch im ganzen Nordreich als Götter akzeptiert waren? – Nein, niemals war Gott beeindruckt durch solche Sünden. Die Kälber halfen vielmehr, das Nordreich in das Gericht und die Zerstreuung zu führen! – Wie wird es denn bei der Ankunft Jesu Christi sein? Wird er die „Ersten“ in den Gemeinden als Erste einsetzen? Oder schwingt im folgenden Vers in Klammern eine ernstzunehmende Warnung mit (Mk 10,31)? Diejenigen, die sich heute zum Klerus zählen lassen, sollten aufhorchen, denn sie tun den übrigen Christen unrecht, da Letztere dieselben priesterlichen Kompetenzen durch ihre Stellung im Leib bekommen haben. Wenn sich nun jemand auf die Kosten anderer als „Erster“ betiteln oder nur schon so behandeln lässt, indem er meint, für bestimmte Handlungen (Verkündigung, Taufe, Abendmahl, etc.) allein befugt zu sein, soll er an dieser Stelle wissen, dass die Zeit der besonderen priesterlichen Klasse zum Alten Testament gehört und im Neuen Testament fehl am Platz ist. Amen.

Zum zweiten Teil des Verses ist zu sagen, dass wir bei der Verkündigung nicht an rhetorische Gewandtheit denken sollen. Das Evangelium kann nicht durch Redekünste an den Mann bzw. die Frau gebracht werden, weil es nur in Verbindung mit echtem Glauben, welcher innere Überzeugung voraussetzt, in den Zuhörern wirksam wird. Politiker können manchmal Teile der Bevölkerung überzeugen, wenn sie glaubhaft darlegen, dass ihre Parteistrategie Sinn macht. Das Evangelium ist aber keine menschliche Strategie, die zum Guten führen soll. Es ist der Plan Gottes, der mit seinem unbezahlbaren Einsatz des Sohnes zeigt, dass der Mensch völlig versagt hat. Um gerettet zu werden, musste ein Rettungsprogramm von unübertrefflicher Klasse geplant und durchgeführt werden. Und das, ohne dass der Mensch dazu den kleinsten Beitrag hätte beisteuern können. – Doch obschon Gottes Plan herrlich ist, erscheint er den Verlorenen als Blödsinn. „Ein am Holz Aufgehängter sollte mich retten?“, sagen sie sich und vergleichen den Kreuzestod dabei mit weltlichen Kommunikations- und Verhaltenskursen, die doch den Menschen formen und „gut“ machen. „Bei Kursen geschieht etwas“, argumentieren sie und meinen, dass der Mensch selbst an sich arbeiten muss, um etwas zu bewirken. Durch eine völlig vom Menschen abgekoppelte Tat, - was soll schon dadurch bewirkt werden?

Der Kreuzestod kann nicht in viele Worte gepackt werden und das Evangelium darf nicht zu einer politischen Rede verkommen. Ansonsten wird er „flach“ geredet und wie Paulus schreibt, das Kreuz Christi zunichte gemacht. Bei politischen Reden können einige Seiten des Themas beleuchtet und andere ausgeblendet werden, so, dass es bei der Zuhörerschaft gut ankommt. Befürworter eines neuen Bahnhofes würden seine grosse Leistungsfähigkeit und den Umweltgedanken beleuchten. Wenn das Projekt aber über die finanziellen Möglichkeiten der betreffenden Stadt ausgeht, wäre das der Punkt im Projekt, der in der Propagandarede ausgeblendet werden würde, um dem Projektimage keinen Schaden zuzufügen. So können durch geschickte Reden auch Befürworter gewonnen werden, die dem Bauprojekt nicht zustimmen würden, wenn sie detailliert über die Totalkosten informiert wären. – Verstehen Sie, was ich meine? – Mit geschickten Reden kann manipuliert werden. Solches darf bei der Verkündigung des Kreuzes nie angewendet werden, sonst entsteht für die Gemeinde mehr Schaden als Nutzen.

Die unverfälschte Botschaft des Kreuzes zeigt auf, dass Jesus wegen der Sünde, die in jedem Menschen wohnt, sterben musste. Sie zeigt ungeschminkt auf, dass der Humanismus eine Irrlehre ist, dass im Menschen nichts Gutes wohnt und der Mensch nicht im Geringsten Anspruch darauf hat, sich selbst zu gefallen. Der Mensch muss daher erst zur Busse kommen, bevor er in den Genuss der Gegenwart Gottes treten darf. Solange die Busse aussteht, bleibt Gottes Zorn auf ihm (Joh 3,36) und eine furchtbare Erwartung des gerechten Gerichtes für all die Gesetzesverletzungen des Heiligen Gebotes Gottes (Rö 2,5). – Stellen Sie sich vor, dass jemand einfach, um alle Sitzplätze in der Gemeinde zu füllen, die Botschaft des Kreuzes zunichtemachen und anfangen würde, in politischer Weise das Kreuz zu predigen. Die Gefahr wäre gross, Unangenehmes auszublenden und nur Verlockendes zu betonen! – So unglaublich es klingt: Vielerorts wird so gepredigt und die Kirchengebäude füllen sich mit Menschen, die sich nie vor Gott gedemütigt bzw. Busse getan haben. Sie sind voll von Namenschristen, voll von Menschen, die keine Wiedergeburt erlebt haben und nur zur Kirche gehen, um soziale Kontakte zu pflegen und das anklagende Gewissen (Rö 2,15) zu beruhigen. – Was das nach sich zieht, ist ein Schaden in nicht berechenbarer Höhe, eine Durchmischung von Kindern Gottes und Kindern dieser Welt, eine Vermengung von Tag und Nacht (2. Kor 6,14), welche nicht geschehen darf! – Wer solches schön reden will, dass es gut sei, wenn möglichst viele Ungläubige in der Versammlung Gottes sind, sollte den Unterschied zwischen „Evangelisationsanlass“ und dem „Gottesdienst“ kennen. Bei der ersten Veranstaltung sind Ungläubige willkommen, da sie ein Angebot Gottes verkündigt bekommen. Im Gottesdienst hingegen ist kein Platz für Menschen, die nicht umkehren wollen. Amen.

Wer meint, das sei eine persönliche Ansicht von mir, irrt, - dieser Mensch soll wissen, dass der HERR zum Zorn gereizt, wenn das Haus Gottes entweiht wird, wie geschrieben steht. Die Schrift spricht da eine unmissverständliche Sprache: Was hat der Tempel zu tun mit Götzenbildern?

14 Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis?  
15 Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?  
16 Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.«  
17 Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen   2.Kor 6,14-17 

Freuen Sie sich mit mir, liebe Leserin und lieber Leser, dass diese Thematik so ausführlich durch das Wort Gottes erklärt wird! Ich danke Gott dafür!

Vers 18

Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.   1.Kor 1,18  

Wie bereits im vorausgehenden Kommentar angedeutet, sagt uns die Heilige Schrift, dass das Wort vom Kreuz denen, die verloren gehen, als dumm, altmodisch, realitätsfremd und wie sie es auch immer bezeichnen, vorkommt. – Wieso - was denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser? - verhält es sich so? Hat Gott das Wort mit Absicht für einige Leute schwer erscheinen lassen, dass sie keine Chance haben, gerettet zu werden? – Niemals! Gott will jeden Menschen retten; Er freut sich nicht, wenn Gottlose sterben (Hes 18,23). Doch wir müssen wissen, dass Gott die Perlen nicht vor die Schweine wirft, wie wir auch angehalten sind zu tun. Christus lehrt uns darüber folgendes:

Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füssen zertreten und sich umwenden und euch zerreissen!  Mt 7,6  

Haben Sie nicht selbst schon diesbezüglich Erfahrungen gemacht? – Ich schon, muss ich zu meiner Beschämung gestehen. Während Zeiten, wo ich das Wort Gottes auf Biegen und Brechen unter die Leute bringen wollte, kam es vor, dass ich das Evangelium auch dort forcierte, wo ich nachweislich wusste, dass es abgelehnt wird. Was es mir brachte, hätte ich durch Mt 7,6 wissen müssen. Meine Worte wurden zerrissen und ich im übertragenen Sinn ebenfalls, indem sie mich mit übermässigem Spott und Hohn dafür belohnten.

Gott wirft die Perlen nicht vor die Schweine, seine Ehre ist es, eine Sache – so offenbar sie auch sein mag – zu verbergen (Spr 25,2). Er offenbart seine Geheimnisse nur wem Er will. Kein Mensch kann sie von sich aus ausgraben, nicht einmal sein naher und impulsiver Apostel konnte es (Mt 16,17). In seinem Rat dürfen nur Personen sitzen, die sich reinhalten (Ps 15; Spr 3,32). Deshalb lässt Gott Menschen, die sich innerlich gegen die Wahrheit entschieden haben, so tief im Irrtum, dass, sollten sie mit der Wahrheit Gottes konfrontiert werden, sie sie als Dummheit abtun. So ist es zu erklären, dass es Leute gibt, denen man das Kreuz, die Errettung durch Christi Opfer, des Langen und des Breiten erklären kann, sie es aber partout nicht fassen können.

Ganz anders verhält es sich bei uns Christen. Das Wort Gottes ist für uns keine Dummheit, sondern echte Kraft. Darin sind keine toten Buchstaben, wie wir sie in weltlichen Büchern finden; in der Heiligen Schrift sind die Worte des lebendigen Gottes, welcher ihnen Kraft verliehen hat zum Segen für den, der sie im Herzen bewahrt (Jer 23,29; Apg 20,32; 2.Tim 3,15; Offb 1,3)! Amen.

Vers 19

Denn es steht geschrieben: »Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen werde ich verwerfen.«   1.Kor 1,19

Liebe Leserin und lieber Leser! Seien wir doch mal ehrlich: Entweder hat die Welt, die vom Teufel regiert wird, recht (Lk 4,6), oder die Bibel. Damit stelle ich nicht allgemeine Weisheiten der Menschen in Frage, wie zum Beispiel das Sprichwort „Von nichts kommt nichts.“ Diese Sprichwörter gründen zwar auch auf der Bibel, sind aber von den Menschen und der Welt anerkannt, weil die Tatsache offenbar ist, dass nichts von selbst entsteht. Man muss für ein Produkt arbeiten; es entsteht nicht von alleine.

Die Lüge der Welt beginnt bei allem, was mit Gott und der geistlichen Seite des Menschen zu tun hat, weil der Teufel Gottes Gegenspieler und der Vater der Lüge ist (Joh 8,44). Damit die Irreführung bei allen Menschen ankommt und möglichst effektiv ist, passt sie sich der jeweiligen Kultur an. Bei Atheisten stützt sie deren Irrglauben mit der Evolutionstheorie, welche besagt, dass sich das Leben durch Zufall „selbst erschaffen hat“ – ohne Gott. Wir seien ein reines Zufallsprodukt, welches nur sich selbst Rechenschaft geben muss. – Bei Völkern, die an eine unsichtbare Welt glauben und somit an Spiritualität, passt sich die Lüge so an, dass sie Götter und deren Verehrung zulässt. Allerdings lehnt sie den einzig wahren Gott ab. Sie gibt dabei noch viele Beschäftigungen hinzu, wie die Beschwörung von Toten und Totengeistern.

Die Lügen des Teufels sind längst in der Wissenschaft etabliert und werden dort von „klugen Köpfen“ verfeinert und untermauert. Sie sind inzwischen so raffiniert, dass sie weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick als Unwahrheit enttarnt werden, da sie viele Teilwahrheiten beinhalten. Mit diesen Teilen aus der Wahrheit, die niemand leugnen kann, argumentieren die Befürworter der Lüge und versuchen damit, die göttliche Wahrheit auszuhebeln. – Natürlich wusste Jesus längst von dieser Entwicklung, er spricht bei dieser Thematik von Sauerteig. Sauerteig entsteht durch einen reinen Teig (Wahrheit), in den jemand ganz wenig Sauerteig (Lüge) hineingemischt hat. Die Folge davon ist, dass der ganze Teig durchsäuert wird und kein bisschen mehr ungesäuert bleibt. Auch wenn das manchmal unbewusst geschieht: Es ist eine ganz böse Sache, die direkt gegen Gott gerichtet ist. Denken Sie da an Ihre Verantwortlichkeit!

Gerne gebe ich Ihnen ein Beispiel, nehmen wir einmal „positives Denken“. Positives Denken ist eine ganz gute Sache. Ein Kursreferent, der positiv an seine Aufgabe geht, hat nachweislich mehr Erfolg als jemand mit einem griesgrämigen Gesicht, welcher von Anfang an davon ausgeht, dass der Kurs schiefgeht und die Zuhörerschaft gar nicht am Inhalt interessiert ist. Die Teilnehmer merken den Unterschied und verhalten sich auch dementsprechend und nehmen den Inhalt der Stimmung gemäss auf. Positives Denken wird in der atheistischen Welt als global heilsam „verkauft“, auch bei depressiven Menschen. Es wird gesagt, dass man nur positiv denken müsse und es dann schon gut komme. Genau da fängt die Lüge an, weil Gott darin ausgeklammert ist. Da wird das positive Denken, das durchaus Gutes in sich hat, zur Lüge und zum Selbstbetrug. Die Bibel sagt nämlich, dass es mit den Menschen aus den Nationen überhaupt nicht gut kommt, dass sie auf die Grosse Trübsal zusteuern, welche sie mit Wagenseilen durch den Ungehorsam gegen Gott herbeiziehen. Die Grosse Trübsal ist ein Zustand von grösster Ungemütlichkeit, der über die ganze Welt hereinbricht. Sie wird schlimmer sein, als der zweite Weltkrieg in seinen hässlichsten Facetten war (Mt 24,21). In der heutigen Zeit werden sie aber mit der Lehre des „positiven Denkens“ ermutigt, den Krisen zu trotzen und weiter zu machen. – „Sollen wir denn jetzt nur noch weinen und nichts mehr tun? – das würde die Lage doch nur verschlimmern!“, halten uns die Weltmenschen auf unseren Hinweis auf die kommende Drangsal entgegen. – Haben wir Christen denn etwas gegen das positive Denken gesagt? Positiv Denken ist angesagt, doch nicht in der Weise der Welt. Wir Christen denken auch positiv, weil Gott einen Rettungsplan bereithält. Doch ohne Gott positiv zu denken, ist reine Selbsttäuschung. Wie kann man positiv denken und dabei der grössten Katastrophe ohnmächtig entgegentaumeln? Wie dümmlich ist denn das? Was hat das mit Weisheit zu tun?

Weil die Menschen Gott ausklammern und so jeder Wahrheit ein wenig Lüge hineinmischen, mutieren sie von Weisen zu Unwissenden, ja, gar zu Narren, wie die Bibel sagt (Rö 1,22). Wenn nämlich ein Unwissender anfängt, auf den Grund seiner Unwissenheit zu bauen und viel Energie und Ressourcen darin zu investieren, entpuppt er sich Narr. Da haben gottlose Wissenschaftler Regierungen angehalten, Milliarden von Steuergeldern auszugeben, um die Anfänge des Universums, den vermeintlichen Urknall zu erforschen und stehen so vor Gott als totale Ignoranten da, die, anstelle die Wirtschaft und Wohlfahrt der Bevölkerung gefördert zu haben, astronomische Summen für nutzlose Projekte verschleuderten. Die, welche sich als Professoren und Doktoren betiteln lassen und den wahren Gott verleugnen, haben mit ihrer „Weisheit“ mehr Schaden als Nutzen gebracht. Dasselbe gilt für alle Menschen, die gottlos leben und dabei etwas von sich halten, nicht nur für die akademische Schicht.

Wahre Weisheit fängt nicht im Soziologie- oder Naturwissenschaftsstudium an. – Ich sage Ihnen, wo Sie, liebe Leserinnen und Leser, wahre Weisheit finden:

Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; und Erkenntnis des <allein> Heiligen ist Einsicht.   Spr 9,10

Das ist die wahre Weisheit, nicht nur im Blick auf die Vernunft, auch im Blick auf die Wissenschaft, denn durch dieselbe Weisheit wurde die Erde gegründet (Spr 3,19). Amen.

Aus diesem Blickpunkt ist unser Vers sehr leicht zu verstehen. Die Weisheit der Welt wird durch jene Gottes vernichtet und der Verstand der Verständigen ist vor Gott nicht mehr als ausgewachsene Dummheit. Sie, die Weisen der Welt, haben mit der Lüge die Wahrheit untergraben und sind dabei selbst zu Fall und auf Irrwege gekommen!

Vers 20

Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortstreiter dieses Zeitalters? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?   1.Kor 1,20 

Sagen Sie mir bitte, liebe Leserin und lieber Leser, wo sind die Weisen? Sind sie in der Europäischen Organisation für Kernforschung, welche eine Grossforschungseinrichtung im Kanton Genf betreibt? – Dort arbeiten zweifellos Menschen der bestausgebildetsten Weltelite. Niemals würde ich daran zweifeln! Sie bringen Dinge zustande, von denen ich nicht einmal träumen kann. Ihre Projekte sind von solcher Komplexität, deren Grundlagen ich nicht einmal verstehe; ich stelle das überhaupt nicht in Abrede. – Wenn es aber um das nachhaltige, ewige Wohl der Menschen geht, wenn die Ewigkeit zum Thema wird, wage ich einzuwenden, dass sie bei dieser Menschengruppe nicht die entscheidende Wegweisung erhalten werden.

Wo sind denn die Schriftgelehrten, Theologieprofessoren, Israel- und Altertumsforscher und das Oberhaupt der Katholischen Kirche bei dieser Thematik? Half die „geistliche Elite“ damals dem Volk, das Heil zu finden? Halfen sie nicht vielmehr dabei, den Retter ans Kreuz zu nageln (Mk 11,18)? Wie steht es heute? Ist die heutige „geistliche Elite“ dazu da, die Menschen zu Jesus zu führen? – Die Frage ist rein rhetorisch, ich erwarte natürlich keine Antwort darauf. Die Antwort kennen alle; wir wissen, dass diese Elite längst Freundschaft mit der Welt geschlossen hat (was Feindschaft mit Gott bedeutet; Jak 4,4), zu Götzendienst und Marienverehrung anstiftet und sich weit von der reinen Botschaft entfernt hat, nur schon damit, dass widerrechtlich eine priesterliche Klasse eingeführt wurde.

Zuletzt suchen wir Wortgewaltige in diesem Zeitalter. Wo sind die charismatischen Menschen, die mit ihrer Ausstrahlung ganze Fussballstadien in ihren Bann ziehen, im Blick auf die Themen Gottes? Versagen nicht die Präsidenten, Wirtschaftsführer, Politologen, Philosophen im Blick auf das Kommende? – Vergeblich werden Sie unter ihnen einen Propheten suchen, der vor der Grossen Trübsal, dem Gericht Gottes, das wegen der Verfehlungen der Menschen über den ganzen Erdkreis kommen wird, warnt.

Gerade deshalb erweist sich die Weisheit der Welt als Torheit. Sie hat die Einsicht über das Kommende nicht. Sie hat keinen blassen Schimmer von dem, was kommt. Deshalb wird das Verderben die Menschen so unvorbereitet treffen. Sie werden ungläubig darüber „grosse Augen“ machen, da weder Universität, noch Kernforschungslabor, noch Weltraumteleskop einen Hinweis darauf gaben. Im Blick auf die Zeitalter der Welt versagt ihre Weisheit gänzlich.

Nach der Trübsal und dem Kommen Christi werden auch die letzten Zweifler sagen müssen: „Wir wussten gar nichts. All unsere Weisheit hat sich als Torheit herausgestellt! Nichts, überhaupt nichts hat sie uns gebracht!“ Und wenn es ganz übel kommt, wird man sagen: „In der Hölle hilft sie (alle Weisheit der Welt) uns auch nicht weiter!“ – Daher, liebe Leserinnen und Leser: Die Weisheit fängt mit der Furcht Gottes an. Suchen Sie sie bei Ihm. Diese Weisheit wird sie retten! Sprechen Sie daher zu ihr:

Meine Schwester bist du! – und Verwandte nenne die Einsicht, Spr 7,4b 

Bitten Sie Gott um seine Weisheit. Sie wird sie in den Themen, die Christus betreffen, unterweisen. Die Rettung ist nur in Seinem Namen allein zu finden. Amen.

Vers 21

Denn weil in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, hat es Gott wohlgefallen, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu retten.   1.Kor 1,21

Wir wissen aus dem Römerbrief (1,20), dass die Welt ohne Entschuldigung ist vor Gott, da er sich der Welt offenbart, sie ihn aber nicht angenommen hat. Durch das Gemachte offenbart er sein Wesen, seine Kraft und Göttlichkeit. Die Welt hat Gott jedoch verworfen. Auch die Weisheit half und hilft den Menschen nicht, Gott zu erkennen oder zumindest zu suchen. – Ich wundere mich sehr darüber, dass den Menschen die gemachten Errungenschaften nicht zusätzlich helfen, Gott im Erschaffenen zu sehen. Eigentlich sollten angehende Ärzte nur schon beim hochkomplexen Thema der Blutgerinnung Gott dahinter sehen. Dieser Vorgang, welcher hilft, eine leichte Blutung zu stoppen, den wir als völlig normal betrachten, ist – wie gesagt – hochkomplex. Kommt er bei einem Menschen aus dem Gleichgewicht kann es den Tod bedeuten. – Liebe Leserin und lieber Leser! Besteht ein Mensch nur aus Blutgerinnungselementen? Sind sie nicht nur fast verschwindend kleine Teilchen im Blick auf den ganzen Menschen, der einen herrlichen Körper, eine gleichwohl vielschichtige Seele und einen Geist hat, welcher mit Gott Kontakt aufnehmen kann? – Sagen Sie mir bitte, wie blind der Mensch auf einer Skala von 1 bis 100 sein muss, um Gott zu verleugnen!

Die Welt hat mehrfach bewiesen und unsere Erfahrung klärt uns darüber auf, dass eingetroffen ist, was die Bibel längst gesagt hat: Die Weisheit der Welt erkennt Gott nicht! – Lassen Sie mich eine Bemerkung in eigener Sache loswerden: Aufgrund dieser Gedankengänge kann ich fast nicht ruhig bleiben! Die Zustände, dass ein „aufgeklärtes Volk“ Lehren von Atheismus und Evolution annimmt, sind mit Worten nicht zu beschreiben! Ich versuche dazu ein Bild heranzuziehen, doch ich finde kein geeignetes, denn es ist mit uns Menschen so, wie wenn wir Mittags um 12 Uhr am Äquator unter klarem Himmel zur Sommerzeit, bei 38 Grad Celsius (im Schatten gemessen), die Sonne leugnen würden und fest behaupteten, wir sässen in völliger Dunkelheit am Nordpol in arktischer Kälte. – Wie gesagt, das Leugnen Gottes ist noch sehr viel krasser, da es im kleinen Beispiel nur um wenige Elemente handelt, die darin geleugnet werden. – Doch kehren wir zurück zu unserm Vers, ich musste mir nur kurz Luft machen. Also, die Weisheit der Menschen konnte nichts dazu beitragen, Gott zu sehen bzw. zu erfassen. So hat sich Gott entschieden, den Menschen nicht gemäss dieser Weisheit anzusprechen. Sie hat ja bewiesen, dass sie im Blick auf die Gotteserkenntnis gar nichts taugt. Somit ist es müssig zu predigen, man solle doch Gott glauben, der so komplizierte Menschen und eine so herrliche Fauna erschaffen hat, denn der Mensch sieht den Zufall oder selbst erschaffene Götzen dahinter.

Gott wirbt daher nicht mit hochtrabenden Worten an den besten Lehrinstituten um den Menschen. Seine Predigt ist: Christus hing wegen deiner Sünden am Kreuz und bezahlte mit seinem Leben dafür! Wenn du dich demütigst und glaubst, dass er dein und der Retter aller Menschen ist, findest du ihn Ihm einen Weg, den einzigen, zu Gott! Amen.

Dass alles andere nichts bringt, ist Jahrhunderte lang erprobt und erwiesen. So dumm die Lehre des Kreuzes der weltlichen Weisheit auch erscheinen mag: Sie wurde und wird von Gott eingesetzt, um den Menschen zu erreichen. Diese Predigt rettet den Glaubenden!

Wie predigen Sie, liebe Leserin und lieber Leser das Evangelium? Versuchen Sie es auf der wissenschaftlichen Schiene? Versuchen Sie Menschen für Gott zu gewinnen, indem Sie sie auf neue Errungenschaften der Forschung hinweisen mit dem Hinweis, dass Gottes Schöpfung dadurch noch herrlicher erscheint? – Diese Art der Predigt wird Sie nicht weiter bringen, das haben wir eben erörtert. Wenn der Mensch noch weiter gehen kann in seiner Verstocktheit, als im Beispiel mit der Sonne am Äquator, dann werden Sie ihn mit solchen Argumenten nicht weiter beeindrucken. Halten Sie Sich daher an die Predigt Gottes: Predigen Sie das Kreuz! Sagen Sie den Menschen, dass das Kreuz von Gericht zeugt. Jemand muss für die Sünden der Menschen bezahlen. Entweder sie bezahlen selbst im Feuer der Hölle oder sie nehmen die bereits erfolgte Zahlung durch Christus an.

So einfach ist die Predigt. So einfach macht es uns Gott. Machen Sie es nicht komplizierter. Auf die vorgegebene Weise kann es jeder verstehen, sei er gebildet oder einfach. Amen.

Vers 22

Und weil denn Juden Zeichen fordern und Griechen Weisheit suchen,   1.Kor 1,22  

Die Menschen wollen aufgrund der weltlichen Weisheit Gott erkennen. Die Religiösen (Juden) fordern Zeichen. Die übrigen Weltmenschen (Griechen) wollen ihre weltliche Weisheit mehren. Weltliche Weisheit sucht grundsätzlich Beweise, um theoretische in die angewandte Wissenschaft zu transferieren. Deshalb forderten die Juden von Jesus, der offen von sich sagte, dass er der Messias ist, Beweise. Sie wollten Zeichen sehen. Ihnen reichten die Aussagen der Schrift nicht, wie ebenso wenig die Übereinstimmung des Lebens Jesu mit allem prophetischen Wort. In ihrer Forderung wird die Feindschaft des Fleisches gegenüber Gott offenbar. Das lässt uns kurz vom Thema abschweifen und in die Abgründe des Menschen blicken: Die Menschen sind Gott gegenüber nicht „nur“ gleichgültig. Die Natur des Menschen ist Gott gegenüber feindlich eingestellt (Rö 8,7). Natürlich zeigt sie das nicht offen, das würde ihr zum Nachteil gereichen, schliesslich ist Gott viel stärker. Sie heuchelt daher eine religiöse Ergebung vor. Wird diese Ergebung aber auf Echtheit getestet, offenbart sich die teuflische Fratze, die dahinter steckt. Ein gutes Beispiel, das zu zeigen, finden wir im Buch Esra:

1 Als aber die Gegner Judas und Benjamins hörten, dass die Kinder der Wegführung dabei waren, dem HERRN, dem Gott Israels, einen Tempel zu bauen,  
2 da traten sie zu Serubbabel und zu den Familienoberhäuptern und sagten zu ihnen: Wir wollen mit euch bauen! Denn wir suchen euren Gott wie ihr; und ihm opfern wir seit den Tagen Asarhaddons, des Königs von Assur, der uns hierher heraufgeführt hat.  
3 Da sagten Serubbabel und Jeschua und die übrigen Familienoberhäupter Israels zu ihnen: Ihr habt nichts mit uns <zu tun bei dem Auftrag>, unserm Gott ein Haus zu bauen; sondern wir allein, wir werden dem HERRN, dem Gott Israels, bauen, wie es uns der König Kyrus, der König von Persien, befohlen hat.  
4 Da machte das Volk des Landes die Hände des Volkes Juda schlaff und schreckte sie vom Bauen ab.  
5 Und sie nahmen Ratgeber gegen sie in Dienst, um ihren Plan zunichte zu machen, <und zwar> alle Tage des Kyrus, des Königs von Persien, und bis zur Regierung des Darius, des Königs von Persien.  Esra 4,1-5  

Die Samariter (Gegner Judas und Benjamins) im Text des Buches Esra, die Gegner der „Kinder der Wegführung“, repräsentieren die Natur des Menschen. Wo sie sehen, dass etwas für Gott angerissen wird, wollen sie dabei sein, schliesslich ist es immer gut, mochten sie sich sagen, wenn man mit dem Höchsten im Einklang steht. – Sie erinnern mich an die Heuchler im Geschäftsleben, die vor dem Chef schleimen, in seiner Abwesenheit aber schlecht über ihn reden. – Als ihnen aber durch Serubbabel eröffnet wurde, dass sie an diesem Projekt durch ihre Position im Blick auf Gott keinen Teil haben, offenbaren sie die teuflische Fratze und versuchen in blinder Feindschaft gegen den Bau Gottes, welcher durch Ihn selbst veranlasst wurde, vorzugehen. – Genau so ist die Welt heute! Schnell sind die Weltmenschen dabei, etwas für Gott tun zu wollen! Wird ihnen dann aber gesagt, dass hierfür eine Verleugnung der bösen Natur vorausgesetzt wird und dazu die Annahme der Erlösung und des Lebens Christi, schwindet die Hilfsbereitschaft schlagartig und stattdessen wird die Verhinderung des göttlichen Plans eingeleitet. In der humanistisch durchsäuerten Welt offenbart es sich mit Spott und Hohn, in anderen Kulturen mit der Bedrohung von Leib und Leben.

Liebe Leserin und lieber Leser! Lassen Sie sich nicht täuschen! Immer wieder höre ich, selbst von Christen, dass im natürlichen Menschen doch irgendwo auch ein guter Kern sei. – Vergessen Sie diese Aussage ein für alle Mal! Das ist eine Lüge (Lk 11,13). Schon oft habe ich darüber geschrieben und möchte es hier nochmals erwähnen: Der natürliche Mensch ist nicht nur gleichgültig gegenüber Gott. Er ist sein Feind. Deshalb musste Christi uns nicht „nur“ eine neue Natur geben, er musste auch die Feindschaft des Menschen gegenüber Gott beenden (Rö 8,7; Eph 2,14).

Sie sehen nun sehr gut durch diese Darstellung, dass sie nichts gewonnen haben, wenn Ihr Wunsch nur soweit reicht, dass sie Weltmenschen in Ihre Versammlung nehmen können. Damit haben Sie noch gar nichts erreicht, vielleicht sogar nur Böses. Wenn diese Weltmenschen nämlich bloss mitkommen, um religiös zu sein, haben Sie es fertig gebracht, die Versammlung zu verunreinigen. – Wenn Sie einem Weltmenschen einen Gefallen tun wollen, müssen Sie strikt gemäss Tatsachen handeln. Sie dürfen nicht zulassen, dass ein solcher mitmacht, um mit Religiosität sein Gewissen in einer falschen Weise zu beruhigen. Predigen Sie Weltmenschen vielmehr ungeschminkt und von Anfang an das Kreuz. Nehmen sie es an, gut; tun sie es nicht, so wissen Sie mit Sicherheit, was zu tun ist: Ziehen Sie sich langsam von solchen zurück, ansonsten verschwenden Sie Ihre Zeit mit Menschen, die offensichtlich nichts von Ihrem Gott wissen wollen. Sie unterschlagen im gleichen Zug Zeit für Menschen, die sich nach einem Zugang zu Gott ausstrecken (Bsp: Kornelius; Apg 10,22). Hätten Sie im Moment Zeit für einen Menschen wie Kornelius es war, oder wären Sie als „Petrus“ verhindert durch Menschen, die nur Ihre kostbare Zeit vergeuden? – Wo stehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser?

Vers 23

predigen wir Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit;   1.Kor 1,23  

Die Predigt vom Kreuz ist den Juden ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit, weil sie das geistliche mit natürlicher Weisheit aufzunehmen versuchen. Gott ordnete aber diese Art von Predigt an, weil eine solche, die den Menschen beim Intellekt anspricht, keine nachhaltige Wirkung hat. – Wie gnädig ist doch Gott, welcher gepriesen ist in Ewigkeit! Der HERR ordnet eine Art von Predigt an, die gar nicht zu Spekulationen, wissenschaftlichen Auseinandersetzungen und neuen Philosophien anregt: das natürliche im Menschen, das wir als durch und durch böse kennen gelernt haben, wird in der Beurteilung der Predigt völlig aussen vor gelassen; es wird elegant umschifft. Wie könnte sich die alte Natur für etwas Feindliches in ihren Augen entscheiden und es als gut anerkennen? – Dass das nicht geht, liegt auf der Hand.

Diese Wahrheit wird schon in der Begebenheit mit Lazarus und dem reichen Mann entwickelt (Lk 16,20-31). Abraham versichert dort dem verstorbenen Mann, der auf Erden reich war und jetzt höllische Qualen erleiden muss, dass es überhaupt nichts bringen würde, wenn ein Zeichen (Wunder) für seine Verwandtschaft geschieht, indem ein Toter aufsteht und von Verantwortlichkeit und deren Konsequenzen predigen würde.

Dass das Kreuz für die Nationen eine Torheit ist, wissen wir leider ebenfalls aus Erfahrung. Die Predigt wird als Dummheit betrachtet. Schon längst haben einige Leiter der Kirche deshalb angefangen zu philosophieren statt zu predigen, damit ihr Gesicht gewahrt wird. – Wehe ihnen! Sie halten die Wahrheit einem Menschengeschlecht zurück, das unterwegs ins Verderben ist. Sie nehmen den Schlüssel zum Reich weg und gehen durch ihr verwerfliches Verhalten selbst nicht hinein.

Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit noch etwas klarstellen. Gott wählte diese Art der Predigt nicht, um die Juden zu reizen und den Nationen Anlass zum Spott zu geben. Er veranlasste sie nicht, um in die Irre zu führen. Einige wollen das so sehen und erklären damit Gottes Weg als mutwillig und böse. Weil Gott aber Liebe ist (1. Joh 4,8) zeugt diese Betrachtungsweise von Unverstand. – Gott wählte diese Art vielmehr, weil es die einzige Art ist, die den Menschen überzeugen kann. Sie spricht das Gewissen an. Wenn jemand ehrlich und demütig genug ist, des Evangeliums würdig, nimmt er die Predigt des Kreuzes an. Er akzeptiert, dass ein reiner und heiliger Stellvertreter für ihn hat sterben müssen, weil die eigenen Taten im Blick auf Gott böse waren bzw. sind. Den übrigen Menschen verschliesst der eigene Stolz und die Liebe zur Lüge den Weg zur Wahrheit. Solchen bleibt die gute Botschaft ein Rätsel und so soll es auch sein, denn Gott wirft seine Perlen nicht vor die Schweine, wie wir es auch nicht tun sollen (Mt 7,6). Amen.

Mit der Betrachtung dieser Verse über die Art und Weise der Bekanntmachung des Kreuzes, hoffe ich, dass wir die Weise unserer Verkündigung dem biblischen Weg anpassen und unser Leben nicht mit Vergeudung von Zeit fristen, indem wir hochtrabende Worte für die Botschaft Christi benutzen, welche aber letztendlich gar nichts nützen.

Vers 24

den Berufenen selbst aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.   1.Kor 1,24

Bei berufenen Menschen, seien sie aus den Juden oder den Griechen, aus Israel oder aus der restlichen Welt, ist die Wirkung der Botschaft Christi eine andere. Obschon es der gleiche Christus ist und die Botschaft dieselbe, bewirkt das Wort für sie ein ganz anderes Ergebnis. Es ist wie bei einem Wort eines Gesetzgebers: Sein Wort kann für den einen Angeklagten gegenteilige Auswirkungen haben als für den anderen. Der Angeklagte, der das Gnadenangebot annimmt, indem er sich demütigt und die Schuld eingesteht, wird freigesprochen aufgrund der Sühnetat Christi. Für ihn wird Christus kostbar und Grundlage seines neuen Lebens, ohne welche er hätte sterben müssen. Dem Angeklagten jedoch, der das Angebot durch die Verhärtung seines Herzens verwirft, bleibt Christus und sein Angebot als Dummheit oder Anstoss in Erinnerung auf seinem einzig noch verbleibenden Weg ins Gericht.

Die Berufenen tauchen von der Erkenntnis der Errettung durch Christus immer weiter in seine Geheimnisse ein. Nach und nach erkennen sie die Weisheit Gottes immer mehr in Ihm. Sie lernen verstehen, dass Christus nicht nur für die Sünde eingesprungen ist, sondern dass er sie als Priester, wie ein vollkommener Anwalt, vor Gott vertritt und im heiligen Zustand bewahrt, obschon sie noch auf sündigem Boden, fremdem Territorium, wandeln müssen, solange er sein Kommen verzögert. Sie tauchen nach und nach in die Wahrheiten über seine Person und Gemeinde ein und lernen weiter die unerschöpfliche Kraft in Ihm kennen, welche die Welt und das All schuf und bis heute und in Ewigkeit nichts von Ermüdungserscheinungen weiss bzw. wissen wird (Eph 4,13). Amen.

Vers 25

Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen.   1.Kor 1,25

Wir sollen mit Sicherheit wissen, das sagt der Heilige Geist, dass selbst die einfachste Botschaft und der einfachste Plan Gottes genialer ist, als das, was sich Menschen erdenken können. Selbst das Schwächste Gottes, wie z.B. ein ans Holz gehängter Christus, ist stärker als der kraftvollste Mensch. Oder welcher Mensch hätte in dieser Lage die ganze Wut Gottes über die Sünden aller Menschen ausgehalten? Nicht die zehn stärksten Männer der Welt, auch nicht Navy Seals, Männer der amerikanischen Elitetruppen, welche unter härtesten Bedingungen noch funktionieren müssen! Aus der Sicht dieser Männer, wo die Durchfallquote in der Ausbildung bei 80% liegen soll, und der Welt mag Christus ein Versager sein, der sich ans Kreuz nageln liess. – Dass Christus aber aus freien Stücken diesen Weg wählte (Mt 26,53), um als einzig wahrer Elitekämpfer Gottes die gesamte Macht der Hölle der Lächerlichkeit preiszugeben (Kol 2,15), indem er stärkere Mächte als Mensch überwand – wo wir ja schliesslich wissen, dass die Engel momentan über dem Menschen stehen (Heb 2,9) –, den Versuchungen der Welt nicht erlag und den Widerspruch aus dem eigenen Volk erduldete (Heb 12,3), ohne sie der Vernichtung preiszugeben (Lk 23,34); wer aus der Welt berücksichtigt diese Fakten? Diese lassen den stärksten, furchtlosesten und kriegserprobtesten Mann als Baby erscheinen! Oder wer bringt die persönliche Grösse, für Leute zu sterben, die wenige Stunden, nachdem sie Christus „Hosianna“ zuriefen und ihn bejubelten (Mt 21,9), seine Kreuzigung forderten (Lk 23,18)? Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Keine einzige Personalrekrutierungsagentur könnte auf der ganzen Welt einen Menschen aufspüren, der den Anforderungen, die an Christus gestellt waren und für den Priesterdienst heute noch sind, nur annähernd gewachsen gewesen wäre bzw. ist!

Liebe Leserin und lieber Leser! Sie sollen sich ganz sicher sein! Die Welt und die entmachteten Gewalten des Feindes wollen nicht wahrhaben, wie es ist. So wird Gott, Christus und die Wirkung seiner Tat von der Welt geleugnet (Bsp: Mt 28,12). Die weltliche Weisheit wird überall angewendet, um Sachverhalte zu erklären, selbst wenn sie geistlichen Ursprungs sind. Sie ist im Charakter arrogant und masslos überheblich. – Bauen und vertrauen Sie nicht vorbehaltlos darauf! Vor allem dann nicht, wenn die Welt ihre Fähigkeit als wirkungsvoller einstuft als die kleinste Hilfe Gottes. Amen.

Vers 26

Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind;   1.Kor 1,26 

Liebe Brüder und Schwestern im HERRN! Machen wir uns nichts vor, die Bibel spricht da Klartext: In den Gemeinden gibt es nicht viele, die in der Welt etwas gelten. Wir sehen darin viel mehr, weltlich gesehen, gewöhnliches „Fussvolk“. Eine deutsche Übertragung der Bibel, welche die Heiligen Schriften im verständlichen Deutsch darstellen möchte, dadurch aber in der Genauigkeit der Wiedergabe eingeschränkt ist, gibt diesen Text so weiter: „Schaut doch euch selbst an, Brüder und Schwestern! Wen hat Gott denn da berufen? Es gibt ja nicht viele unter euch, die nach menschlichen Massstäben klug oder einflussreich sind oder aus einer angesehenen Familie stammen (GNB).“ In dieser Passage trifft sie den Kern sehr gut.

Gerne würden wir ja auch etwas in der Welt gelten, oder? Oberflächlich gesehen brächte es viele Vorzüge. Wir wären mit Ehre gekleidet und unser Einfluss wäre viel grösser. Das Wort „Professor“ oder „Doktor“ auf der Visitenkarte -, wer würde das verachten? Der Autoverkäufer würde uns schmeicheln und der Häusermakler noch mehr Respekt zollen, wenn wir Titel tragen, die sie auch gerne hätten. Titel, Ränge und vornehme Namen bringen in der Welt im Normalfall auch eine grössere Lohntüte mit sich, was wiederum ein bequemeres Leben bedeutet: Ein grösseres Auto, schönere Ferien, ein geräumigeres Haus und ein Boot am nahegelegenen See.

Gewiss gibt es auch Leute der Weltelite, die Gnade bei dem HERRN finden, obschon es für Reiche fast unmöglich ist. Solchen fällt eine Verleugnung der Welt noch viel schwerer (Mt 19,22); nicht umsonst sagt der HERR, dass ein Kamel einfacher durch ein Nadelöhr geht, als ein Reicher in das Reich Gottes (Mt 19,24). – Wie gesagt, die Norm in den Gemeinden ist, dass jene aus einfachen Leuten zusammengesetzt sind. Es ziemt uns nicht hoch von uns zu denken, die Wahrheit dieses Verses wird an anderer Stelle nochmals deutlich wiederholt:

Zu jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast.   Mt 11,25 

Die Mündigen sitzen in Brüssel, Paris, Rom, Bern, und Berlin, in den Hauptstädten der Länder. Andere entwickeln in Forscherteams genmanipulierten Mais, Brennstoffzellen, Lenkwaffen, Flugzeugträger und sind führend in der Bahn-, Flugzeug-, Schiffstechnik und Kerntechnologie. Sie forschen an Universitäten an menschlichen Organen und erfinden zweifellos Dinge, worüber zu staunen ist. Dem Menschen gelingt fast alles, wie selbst der Allmächtige sagte (1. Mo 11,6).

Obwohl diese Feststellung ernüchternd ist, sollten wir uns deswegen nicht grämen! Unsere Berufung geht weiter als die höchstmögliche weltliche Anstellung. Es dauert zwar im Regelfall etwas länger, bis wir von der Ausbildung in die Ausführung kommen. Ein Spitzenplatz ist in der Welt ab vierzig Jahren zu haben -, wir kommen erst zum Zug, wenn die Zeit der Weltmenschen, welche ihnen zweifellos vom Allmächtigen eingeräumt wurde, vorüber ist (Dan 2,36-45). Wenn der Gott des Himmels, wie Daniel schreibt, sein Königreich aufrichten wird, wird es keinem anderen Volk überlassen werden! Dann kommt das Volk Gottes zum Zug, kein anderes Geschlecht. Das ist unsere Zuversicht und Zukunft, wenn wir mit Ausharren bis ans Ende festhalten (2. Tim 2,12). Amen.

Vers 27

sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache.   1.Kor 1,27 

Gott erzeigt seine Macht und Herrlichkeit, indem er mit einer Armee von „Lahmen und Blinden“ die weltlichen  „Elitetruppen" zuschanden macht. Er kann völlig gegen weltliche Vernunft handeln, denn Er kann tun und lassen, was er will: Alles bringt Er zum Erfolg. – Jeder weltliche Politiker, General oder Unternehmer wird, wenn es die Mittel zulassen, die Besten der Besten in sein Kabinett, seine Armee oder Unternehmung einstellen, um sich den Erfolg zu sichern. – Ich durfte während zehn Jahren meiner beruflichen Laufbahn in einem finanzstarken Unternehmen arbeiten. Es war schwierig darin eine Anstellung zu finden, denn, da die finanziellen Mittel vorhanden waren, konnte sich das Unternehmen die Besten vom Markt leisten. Diese Personalpolitik wurde auch angewandt und so bestes Wissen eingekauft und gesichert. Die Unternehmung war in der Folge lange eines der führenden Institute der Branche. Dasselbe tut natürlich auch die angesehene und repektierte Armee der Vereinigten Staaten. Die im Moment schlagkräftigste Armee der Welt erreichte dieses Prädikat nicht durch die Rekrutierung von Blinden und Krüppeln. Sie erreichte es durch den Einsatz von anspruchsvollen Filtern, welche untaugliche Kandidaten, die „Lahmen und Blinden“, aussonderten. Oder könnte ein furchtsamer und einfältiger Mensch eine F-22 Raptor, eines der besten und teuersten Armeeflugzeuge der Welt, sicher in die Luft bringen, sich gegen feindliche Flugzeuge und gefährliche Boden-Luft Raketen wehren, die Mission erfolgreich abschliessen und die Maschine auch bei erheblichen Problemen wieder zum Stützpunkt bringen? – Nur schon der Gedanke daran, lässt mir ein Schmunzeln über das Gesicht huschen: Selbst ich würde bei der Evaluation der Piloten nur die besten und härtesten Männer nehmen. Solche die sich vor gar nichts fürchten, verwegenen Mut ihr Eigen nennen und trotzdem blitzschnell und rational entscheiden können, ob ein Angriff in der angetroffenen Situation den Verlust der Maschine bedeutet oder durchführbar ist. Denn nur Menschen, mit bester mentaler Stärke und besten physischen Eigenschaften können als Kampfpiloten Spitzenergebnisse erzielen. – So wäre es offensichtlich und keine Überraschung, wenn sich die U.S. Armee heutzutage in einem Konfliktfall gegen jene von Äthiopien durchsetzen würde, da hinter beiden Armeen total unterschiedliche Budgets und somit auch Kandidaten zur Rekrutierung stehen. Wir sehen darin eine natürliche Gesetzmässigkeit, die alle anerkennen.

Genau auf solche Gesetzmässigkeiten muss Gott nicht Rücksicht nehmen. Er kann seine Allmacht und Herrlichkeit zeigen, indem er „Lahme und Blinde“ rekrutiert und mit einer offensichtlich minderwertigen Auswahl die bessere schlägt. Um Weise zu schlagen, rekrutiert Er Törichte und um Starke zu überwinden, heuert Er Schwache an. – Wenn Gott an der Spitze kämpft, fliehen vor einem einzelnen Menschen tausend Gegner (Jos 23,10). Die Ehre fällt vollumfänglich Gott zu, denn auf natürlichem Weg ist solches nicht möglich, wie es nicht möglich ist, dass ein Törichter bessere Vorschläge bringt, als ein Weiser.

13 Auch dieses sah ich als Weisheit unter der Sonne, und es kam mir gross vor:   
14 Es war eine kleine Stadt, und wenig Männer waren darin. Gegen die kam ein grosser König, umzingelte sie und baute grosse Belagerungswerke gegen sie.   
15 Aber es fand sich darin ein armer weiser Mann, der die Stadt durch seine Weisheit hätte retten können, aber kein Mensch dachte an diesen armen Mann.   
16 Da sagte ich <mir>: »Weisheit ist besser als Stärke«! Aber die Weisheit des Armen wird verachtet, und seine Worte werden nicht gehört. –    Pred 9,13-16  

Wenn weltlich ungelenke und verachtete Menschen im Rat des HERRN sitzen (Ps 25,14; Spr 3,32), wen wundert es, wenn sie im Besitz von weit weiseren Ratschlägen sind, als die besten Ratgeber der Welt erdenken können? – Natürlich werden sie nicht angehört, weil solche Menschen in der Welt nichts gelten. Kein Präsident der Welt würde in ein Armenviertel fahren, um dort von einer alten, gottesfürchtigen Person, welche vielleicht in einer schäbigen Wohnung wohnt, erfahren zu wollen, ob ein Angriff auf die anrückende Nation sinnvoll ist und welche Taktik dabei angewendet werden soll.

Der HERR ist jetzt mit der Gemeinde im Begriff, die Welt zu überwinden. Als Anführer, welcher der Welt getrotzt hat (Joh 16,33), bringt er seine schwache Gefolgschaft so weit, dass sie es Ihm gleich tun wird. Auch wenn der Blick der Welt auf die Glieder der Gemeinde nur ein mitleidiges Lächeln hervorruft: Es ist eine beschlossene Sache. Der HERR wird sie zur Vollendung bringen und den Ruhm auf seiner Seite haben. Amen.

Vers 28

Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache,   1.Kor 1,28 

Drei Verse setzt der Heilige Geist hintereinander ein um aufzuzeigen, dass sich die Gemeinde nichts einbilden soll. Unedel, verachtet, nichts seiend sind die Attribute der Gemeinde im Blick auf die weltliche Auswahl. Dass es durch den Einfluss des Lebens Christi nicht so bleibt, liegt auf der Hand; das ist aber nicht das Thema in diesen drei Versen. Gegenstand darin ist, dass die Mitglieder der Gemeinde in der Regel aus dem Unedlen der Welt, nicht aus deren Elite, stammen. Ich hoffe für Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass Ihnen das keine Mühe macht und Sie es anerkennen können. Die Annahme und das Verständnis dieser Tatsache können uns vor grosser Torheit schützen.

In den Anfängen meines Laufes als Christ schlich sich neben der Dankbarkeit, ein Kind Gottes sein zu dürfen, auch etwas falscher Stolz ein. Weil wir auf unsere neue Abstammung stolz sein dürfen, schreibe ich von „falschem Stolz“ der sich bei mir bemerkbar machte, wie ich ihn auch manchmal bei anderen Christen beobachten kann. – Dieser falsche Stolz liess mich auf mich selbst vertrauen. Ich sah mich als gescheit an, wogegen ich Menschen, die sich noch nicht für Christus entschieden hatten, für zurückgeblieben hielt. Wieso das eine Zeitlang so war, kann ich nicht mehr nachvollziehen, sei es durch falsche Auslegung der Schrift meiner damaligen Lehrer oder durch unkorrekte Interpretation der Schrift meinerseits. Vielleicht waren beide Gründe ausschlaggebend.

Es ist offenbar, dass Menschen, die ohne Gott unterwegs sind, nicht in die Geheimnisse des Reiches blicken können. Aus der Sicht Gottes sind sie völlig unwissend und können weder zur Rechten, noch zur Linken unterscheiden, auch wenn sich darunter hochqualifizierte Fachleute befinden (Jon 4,11). Auch der Petrusbrief zeigt auf, wie man der Unvernunft und Unwissenheit der Menschen ausserhalb der Gemeinde Christi begegnen soll (1. Petr 2,15). Das heisst doch im Gegenzug, dass wir, die im Zukünftigen durch Gott unterwiesen wurden, verständig sind? – Gewiss. Doch dieses Wissen darf uns keinen Anlass geben, zu denken, wir seien es durch eigenen Verdienst. Das wäre der falsche Stolz, den ich im Anfang dieses Abschnittes erwähnt habe. – Tatsache ist, dass wir weniger angesehen waren als der Rest der Welt. Das ist die Aussage dieser drei Verse (26-28). Auch ist es nicht unser Verdienst, dass wir jetzt Einblicke in das Reich bekommen und Christus kennen dürfen (Mt 16,17), denn nicht wir haben ihn erwählt -, Er hat uns erwählt (Joh 15,16).

Aufgrund dieser Betrachtung sollten wir „am Boden bleiben“ und nicht „abheben“. Was wir heute sind, ist nicht unser Verdienst. Es ist auch nicht statthaft, wenn wir uns gegenüber denen aus den Nationen aufblähen, das ist nicht im Sinne des HERRN. Lassen Sie mir dazu ein Beispiel geben: Ich durfte einmal ein Büro mit einem zwanzig Jahre älteren Herrn teilen. Wir hatten einen sehr guten Draht zueinander, die „Chemie“, wie man so zu sagen pflegt, stimmte vom ersten Tag an. Dieser Herr war ein weltgewandter Mann, der selbst von sich sagte, dass er nicht religiös sei. Er war augenscheinlich kein wiedergeborener Christ und stellte das auch nie in Abrede. Durch das arbeitsbedingte Zusammensein erfuhr ich viel aus seinem Leben und seiner grossen Erfahrung, die er durch seine früheren interessanten Tätigkeiten aufgehäuft hatte. Weltliche Dinge sah er so, wie sie vernunftgemäss zu betrachten sind. Seine Rede war sehr verständig und was er sagte, hatte Hand und Fuss. – Wie töricht wäre es gewesen, wenn ich diesen Menschen in unqualifizierter Art und Weise als grundsätzlich dumm bezeichnet hätte! Dieser Mann war nicht dumm, er hatte eine hohe soziale Kompetenz und leitete über dreissig Jahre lang verschiedene Unternehmen als Generaldirektor (CEO). Er war sehr zuvorkommend und ich hatte im Gespräch und im Umgang mit ihm nicht einen Augenblick lang das Gefühl, er würde auf mich herabblicken, obschon mein Leben aus weltlicher Sicht karrieremässig nicht hälftig an das seine herankam. – Zeigt uns das nicht Vielsagendes auf? – Sicher, denn wir sehen darin, dass der Charakter der Weltmenschen auch geformt werden kann, wie geschrieben steht:

Eisen wird durch Eisen geschärft, und ein Mann schärft das Angesicht seines Nächsten.    Spr 27,17 

Durch die lange Lebenszeit wurde auch dieser Herr geschliffen. Sein Charakter formte sich. Damit will ich nicht sagen, dass es Verbesserungen gab im Blick auf sein Fleisch. Die alte Natur des Menschen, welche völlig verdorben ist, bleibt immer unverändert. Ein Wolf bleibt ein Wolf, eine Katze bleibt eine Katze. Die unbekehrte Natur bleibt in der Nachkommenschaft Adam und Evas und kennt keinen Eingang ins Reich (1. Kor 15,50). Doch die Seele dieses Herrn wurde im positiven Sinn reicher. Er wusste, wie die Menschen es gern haben im Umgang miteinander. Er wusste sich zu benehmen und was er tat, war vorbildlich. Er konnte mir auch viele gute Ratschläge im Blick auf Geschäftstätigkeiten mitgeben, welche selbst aus der Sicht der Bibel korrekt waren.

Ist es nicht so, dass vieles, was wir gelernt haben, uns von Ungläubigen mitgegeben wurde? Oder war Ihr Hochschullehrer gläubig? Oder der Berufsausbildner bzw. die Berufsausbildnerin? Vielleicht waren es nicht einmal Ihre Eltern! Und doch haben sie uns Neulingen auf dieser Welt vieles mitgegeben! – Damit will ich nicht sagen, dass wir gemäss dem Gutdünken der Nationen wandeln sollen, welches verwerflich ist, wie die Bibel sagt. Verwerflich sind nicht ihre korrekten Anleitungen für die Berufsausübung. Verwerflich ist alles, was sie im Blick auf die Spiritualität und Moral ausüben und weitergeben: die Anbetung und Erhöhung von Göttern, die keine sind. Oder die leeren Philosophien, welche Unabhängigkeit vom Allmächtigen lehren. Weiter stehen sie zur Unmoral, wie Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Mord, sowie der Lüge. In der westlichen Welt geschieht dies alles sehr hinterlistig, nicht offensichtlich, ausser bei sexuellen Sünden, wo wir schon so weit sind, dass sie öffentlich ausgelebt werden können. Gemordet wird zwar auch öffentlich in Kliniken bei Abtreibungen, sogar staatlich erlaubt, doch es geschieht noch nicht unter der „Sonne“, wie andere Vergehen. Gestohlen wird Geld in Finanzinstituten, die den Hals nicht voll kriegen und viel Geld anderer verspekulieren, die eigenen Taschen aber reichlich füllen. – Was soll ich zu der Lüge sagen? Sie wissen es besser als ich, liebe Leserinnen und Leser, dass die Welt voll davon ist. Angefangen bei den Staatsmännern und –frauen, welche das Volk anlügen, über die Wissenschaft, welche Evolutionstheorien in die Welt setzt. All diese Dinge machen aus, dass die Menschen aus den Völkern ein furchtbares Gericht erwartet. In all diesen Machenschaften sollen wir uns von ihnen fernhalten.

Die Nationen können uns sehr viel beibringen im Blick auf das Leben auf dieser Welt. Doch sie sind sehr unwissend im Blick auf die Zukunft, die geistliche Welt und böse im Umgang mit der Moral. Die Zukunft, die wahre Geistlichkeit und Enthaltsamkeit, die das wahre Leben beinhaltet, sind entscheidend. Deshalb sagt Gott über die Nationen aus, dass sie weder zur Rechten, noch zur Linken unterscheiden können. Sie haben im Blick auf Gott, der sich durch das Erschaffene offenbart hat, keine Ahnung, wie sie auch nicht Bescheid wissen, was nach dem Ableben geschieht. Das macht sie zu völlig unwissenden Menschen. Sie kennen nur das Zeitliche, das Ewige und für immer Entscheidende ist ihnen verborgen.

Im Umgang mit ihnen ist es so, wie wenn wir jemandem, der mit der Technik nicht vertraut ist, die Anwendung eines Smarttelefones oder Computers erklären. In zwei entscheidenden Themen, im Geistlichen und der Moral, wissen wir mehr, doch nicht in allen. Es gebührt uns deshalb korrekt und anständig mit Menschen aus den Nationen umzugehen, vor allem dann, wenn sie älter sind als wir. Dann ist es so, wie wenn wir unserem Grossvater oder unserer Grossmutter die neuesten Errungenschaften der Technik erklären würden. Auch wenn sie die Funktionsweise eines tragbaren Computers nicht sofort verstehen, sind sie immer noch Menschen, die uns auch viel mitgeben können im Blick auf das Zeitliche und es wäre ungebührlich, sie einfach abzustempeln und als völlig zurückgeblieben, ja fast als Behinderte zu behandeln.

Liebe Leserin und lieber Leser! Bilden wir uns nichts ein! Was wir sind, sind wir durch Gott geworden. Auch unsere Seele braucht noch geschliffen zu werden, selbst junge Christen sind nicht als Meister vom Himmel gefallen. Lassen Sie uns nicht selbstgefällig durch die Welt spazieren, eine solche Art von Arroganz ist völlig fehl am Platz! Wir sollen vielmehr in Demut und Ehrerbietung denen aus den Nationen begegnen, die noch nicht dieselbe Gnade wie wir haben erfahren dürfen! So steht es auch geschrieben:

15 sondern haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig! Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert,   
16 aber mit Sanftmut und Ehrerbietung! Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, <worin> euch Übles nachgeredet wird.    1.Petr 3,15-16 

Amen.

Vers 29

dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.   1.Kor 1,29 

Kein Feind des HERRN soll sich rühmen können. Die Bosheit darf nie triumphieren! – Ich glaube, dass wir uns in diesem Punkt alle einig sind. Es kann jedoch vorkommen, dass Menschen glauben, Gott halte jeglichen Ruhm für sich allein zurück, dass jeglicher Ruhm ausschliesslich für Ihn reserviert ist. Dieser Gedanke kann aufkommen, wenn diese Stelle (wie auch Rö 3,27; Eph 2,9) einseitig betrachtet wird.

Gott teilt seine Ehre auch mit Menschen. Dies geschieht aber nicht ohne weiteres, es beruht auf der vollkommenen Gerechtigkeit Gottes. Weil das Fleisch Gott gegenüber feindlich eingestellt ist darf es nicht soweit kommen, dass es sich rühmen darf. Aus einer bösen Natur kommt Böses, wie aus einer bitteren Quelle nichts Süsses hervorkommt. So ist es nicht statthaft, dem Fleisch einen Grund zum Ruhm zu geben. Doch ist es, wie gesagt, nicht so, dass Gott dem Menschen keine Ehre zuteil werden lässt. Wer sich so verhält, dass er Ehre verdient, wird sie auch bekommen. Wer durch die neue Natur Christi Dinge Vollkommenes hervorbringt und in den Werken des vollkommenen Vater bleibt, wird für die Gesinnung und das edle Resultat auch gerühmt. Diese Ehrerbietung sehen wir beispielsweise für eine gottesfürchtige Frau angeordnet:

Trügerisch ist Anmut und nichtig die Schönheit; eine Frau <aber>, die den HERRN fürchtet, die soll man rühmen.  Spr 31,30 

In der Welt wird die Schönheit über den Charakter gestellt, weil diese Schönheit dem Fleisch gefällt. Damit will ich nichts gegen schöne Menschen sagen, ich zeige nur auf, dass nicht korrekt priorisiert wird. Anmut und Schönheit kann täuschen, es gibt viele schöne Menschen, Männer wie Frauen, hinter deren Hülle sich aber Teufel verstecken. – Gott lässt sich nicht täuschen, er sieht den wahren Wert eines Menschen. Handelt er gottlos, ist sein Herz aufgrund seines verwerflichen Tuns selbst wenig wert (Spr 10,20), auch wenn er in der Schönheitskonkurrenz den ersten Platz erworben hat. Lebt ein Mensch aber ein Leben in echter Furcht Gottes, durchläuft er ein Leben in Reinheit und Heiligkeit, weil sein Gebieter rein und heilig ist. Einem solchen Menschen wird auch Ruhm zufallen (Joh 12,26b). Dieser Ruhm fällt ihm aber nicht durch Werke des Fleisches zu, die niemals zu rühmen sind -, er fällt ihm durch den geisterfüllten Wandel zu. Das Fleisch und alle, die sich auf fleischliche Kraft stützen (Jer 17,5), sind verflucht und kommen unter ein Gericht. Gott gibt dem Bösen keinen Anteil am Ruhm (Neh 2,20).

Vers 30

Aus ihm aber <kommt es, dass> ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung;   1.Kor 1,30 

Wie der HERR ausdrücklich erwähnt, hat er uns erwählt (Joh 15,16). Es liegt nicht an unserer „edlen Persönlichkeit“, dass uns der HERR berufen hat. Vielmehr sind wir berufen, weil wir zum niederen Volk auf dieser Welt gehören, mit dem der HERR die Weisheit der Welt zunichte macht. Etwas vom Schlimmsten ist, wenn wir uns einbilden, wir seien etwas aus uns selbst. Das ist, nach all den Belehrungen in diesem Kapitel, der fatale Irrtum der Selbstüberschätzung, dem viele bedeutsame Menschen verfallen waren und viele es leider heute noch sind -, ohne aus der Geschichte gelernt zu haben. Die Selbstüberschätzung war schon der Untergang vieler Persönlichkeiten, auch gottesfürchtigen (2. Chr 32,25; Dan 5,20; Hos 3,16; Spr 30,9 u.v.a.). – In diesem Kapitel haben wir eindrücklich gesehen, dass das Gott gegenüber feindlich eingestellte Fleisch vom HERRN weder angesprochen wird im Blick auf das Evangelium, welches nicht mit weltlicher Weisheit gepredigt wird, noch Anlass zum Ruhm erhält -, auch nicht für das kleinste Lob. Die alte Natur ist für Gott tot, erledigt und von Ihm für gar nichts tauglich erklärt. Sie hat über Jahrhunderte bewiesen, dass sie Gottes Gesetz nicht im geringsten Punkt erfüllen kann (Ps 53,3.4).

Ursprünglich stammen wir von dieser Natur ab. Wir Erlösten in Christus sind ja alle, wie die restliche Welt, so geboren worden und lebten darin, bis Sein Ruf erfolgte. Bis dahin haben wir es aber nicht einmal weit gebracht im Sinne der Welt. Der Heilige Geist sagt uns, wir sollen uns doch mal in der Gemeinde umsehen und schauen, ob sich die Grossen der Welt darin befinden oder eher die Unmündigen (1. Kor 1,26.27). – Es hat Gott jedoch gefallen, uns unmündigen Menschen die Geheimnisse des Reiches zu offenbaren (Mt 11,25). Damit liess der HERR dem Fleisch gänzlich keinen Teil zum Ruhm: Er wollte uns aus seiner freien Entscheidung, nicht weil wir etwas Besonderes gewesen wären. Um seine Macht zu zeigen, erwählte Er uns vielmehr, weil wir die schwächsten Elemente der Menschheit waren. Daraus folgt konsequenterweise dieser Vers, den wir jetzt betrachten: Erlösung, Heiligkeit und Weisheit von Gott, die uns jetzt so auszeichnet, ist uns durch Christus geworden und nicht zu einem Millionstel Teil durch uns selbst. Das sollten wir uns verinnerlichen. Es rückt unser Herz an den rechten Platz.

All das Gesagte spricht nicht aus, wir wären absolute Taugenichtse und sollten nur gebeugt und schamrot unser Leben fristen. Vielmehr warnt es uns vor einer falschen Sicht der Dinge. Aus der falschen Perspektive betrachtet ist die Gefahr gross, eine übermässige und überhebliche Meinung von sich zu entwickeln. Dies stärkt wiederum das Fleisch, welches ja bekanntlich immer noch in uns wohnt und Gott gegenüber feindlich gesinnt ist. Das Ergebnis der Überhebung ist immer eine Zielverfehlung, Sünde genannt. Davor möchte uns die Schrift bewahren! Die Bibel will nicht, dass wir unser Selbstbewusstsein verlieren. Sie will, dass unser Selbstwert auf dem richtigen Grund steht. Zu diesem Thema sagt sie das Folgende aus, das wir in der Betrachtung des nächsten Verses sehen werden. Amen.

Vers 31

damit, wie geschrieben steht: »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!«    1.Kor 1,31

Unser Selbstwert soll auf dem Grund stehen, den der HERR gelegt hat, nicht auf der Kraft der ursprünglichen Abstammung, dem fleischlichen Geschlecht. Jemand, der sein Fleisch zu seinem Arm macht, ist verflucht (Jer 17,5; siehe auch 2. Chr 32,8). Helden der Welt, auch wenn sie vorbildlich arbeiten und weise handeln: Sie sind vor dem HERRN verflucht; Gottes Zorn bleibt auf ihnen (Joh 3,36). – Wie ist das im Grunde zu verstehen? Erledigt denn jetzt für uns der HERR alles? Sollen wir uns überhaupt noch in irgendeiner Sache anstrengen? Handeln wir den Nationen gleich, wenn wir uns ausbilden lassen und für unseren täglichen Erwerb „schwitzen“, wie sie es tun? – Genau da ist der Punkt, wo wir gedanklich ansetzen müssen: Denn jeder Mensch wirkt und schafft etwas, sei er Christ oder Ungläubiger. Doch nicht jedes Werk ist angenehm vor Gott. Der Unterschied liegt in der Quelle des Antriebes. Es gibt verschiedene Antriebsquellen, wie etwa bei Autos. Die einen werden mit Benzinmotoren angetrieben, andere mit Dieselaggregaten und eine dritte Gruppe mit elektrischem Strom. Wir sind jetzt auf der Suche nach dem perfekten Antrieb, dem Antrieb, der vor Gott wohlgefällig ist. Von einem Antrieb im Menschen wissen wir, dass er verflucht ist, dem Fleisch. Was aus dem Fleisch kommt, ist böse, auch wenn es Gottesanbetung ist. Fleischliche Gottesanbetung ist nicht rein, sondern geheuchelt, deshalb ist sie böse. Was aus dem Fleisch kommt, ist von der Bibel namentlich erwähnt, nämlich Ehebruch, Mord, Lüge, Diebstahl, Lästerungen -, alle bösen Dinge (Mt 15,19). Dieser Antrieb ist zu verachten und es ist Christen nicht gestattet, ihn als Motor einzusetzen. – Was gibt es denn für übriggebliebene Antriebe für das „christliche Auto“, für unseren Schaffensmotor? – Es bleiben noch zwei übrig, wie beim Beispiel mit den drei Motorvarianten beim Auto. Der geistliche und der seelische Antrieb, wobei beim letzteren weiter differenziert werden muss. – Vielleicht fragen Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser, wieso das zu ergründen ist und was dabei für ein Nutzen resultiert. Lassen Sie mich das anhand meines Lebens und dem Streben nach dem HERRN näher erläutern.

Auf der Suche nach einem wohlgefälligen Leben vor Gott behinderten mich unvollständige Sichtweisen bezüglich des Antriebes im Menschen erheblich; in meinem täglichen Broterwerb, dem Wissensmanagement (z.B. bei Weiterbildungen), sowie auch im sozialen, zwischenmenschlichen Bereich. Bei der täglichen Arbeit im Geschäft wollte ich mich nicht in der Weise profilieren, wie es die Ungläubigen tun, nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“, da das mir das als Christ widerstrebte (Mt 6,2). Doch ich wusste nicht, wo „gute Arbeit“ endete und „fleischliches Profilieren“ anfing. Wir kennen alle die Heuchler, die vor den Chefs kuschen und berechnend und wild arbeiten, um gelobt zu werden und hoffentlich auch voranzukommen. Ich wollte lediglich ein guter Arbeiter sein und betete auch dafür, doch ich wurde dabei nicht immer von Gott erhört. Das liess in mir Zweifel aufkommen und es entstand in mir ein Konflikt, den ich nicht auflösen konnte. Währenddessen wurde es im Geschäft, wo ich damals angestellt war, immer widerwärtiger für die Angestellten. Der Konzern hatte plötzlich mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der interne Druck nahm immer mehr zu und meine Gebete, doch etwas Gutes für das Geschäft tun zu dürfen, verhallten scheinbar an der Decke. In der Folge begann ich nach und nach, meinen Mut zu verlieren und die Frage nach einem gottgefälligen Leben mit Gebeten, die erhört werden, wurde immer grösser. Ich sah neben mir Ungläubige und Christen vorankommen, während dem ich Rückschritte machte. Ich war fast soweit zu sagen, dass es nichts bringt, Gott zu dienen, dass es fast eine Glückssache ist, wie und wo man im Leben steht, wie sich auch schon Menschen aus Gottes Volk gefragt haben (Mal 3,14). Daneben, zu meinem ungelösten Konflikt in der Frage, wie ich vor Gott wohlgefällig wandeln kann, kam dazu, dass ich in der Bibel las, dass der Mensch nichts von sich aus erreichen bzw. empfangen kann (Joh 3,27; Joh 19,11). Ich sah, dass sogar die Macht über Jesus dem Pilatus gegeben wurde, trotz dem göttlichen Wissen über den bösen Ausgang. Sogar in solchen Dingen lässt Gott die Verantwortlichkeit voll in der Hand des Menschen, ohne jedes Mal Einfluss darauf zu nehmen. Manchmal wehrt Gott zwar dem Bösen, wie beim Fall der Berliner Mauer, wo die Soldaten anscheinend noch nichts von der Aufhebung des Ausreiseverbotes wussten, obschon es von der Parteispitze ausgesprochen war. Dort verhinderte Gott ein Blutbad, indem er die Vernunft der Soldaten siegen liess, sodass sie nicht auf das ostdeutsche Volk zu schiessen begannen, welches im Begriff war, den Westen zu besuchen. Anders verhielt sich Gott im Blick auf diverse Tyrannen, die Er bis zu ihrem Ende voll in der Verantwortlichkeit liess und sie, obschon sie sich nicht zum Guten wandten, bis zum bitteren Ende gewähren liess. Irren wir uns nicht: Gott hätte dem „Führer“ des dritten Reiches von Anfang an das Herz zum Stillstand bringen können, doch er tat es nicht.

Verstehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, worauf ich hinaus will? – Ich wusste tatsächlich nicht mehr, was „Oben“ und „Unten“ ist. Mich verwirrte die Handlungsweise Gottes so sehr, dass ich nicht mehr wusste, ob ich mich im Geschäft engagieren sollte oder ob „Dienst nach Vorschrift“ angesagt war, da ich mir sagte, dass ja sowieso alles von Gott abhängt, Gedeih und Verderben. Da gibt es Gottlose, die vorankommen und Gottesfürchtige, die – äusserlich gesehen – untergehen, ohne dass sich einer darum kümmert. Mir war das alles so wirr, dass ich am Leben verzweifelte. Mit diesen Gedanken bin ich übrigens kein Sonderfall, ein Buch der Bibel setzt sich ebenfalls mit diesen Gedanken auseinander:

Und so sah ich Ungerechte, die begraben wurden und <zur Ruhe> eingingen. Die aber das Rechte getan hatten, <mussten> von der heiligen Stätte wegziehen und wurden in der Stadt vergessen. Auch das ist Nichtigkeit.    Pred 8,10 

Wir wissen ja aus der Geschichte, dass Daniel und seine Kollegen trotz ihrer Frömmigkeit in Babel weilen mussten, während dem gottlose Könige wie beispielsweise Jerobeam im Land des HERRN regieren durften. Im Buch des Predigers finden sich noch weitere unbegreifliche Dinge:

16 Als ich mein Herz darauf richtete, Weisheit zu erkennen und das Treiben zu besehen, das auf Erden geschieht, – denn weder bei Tag noch bei Nacht sieht man Schlaf mit seinen Augen –   
17 da sah ich am Ganzen des Werkes Gottes, dass der Mensch das Werk nicht ergründen kann, das unter der Sonne geschieht. Wie <sehr> der Mensch sich auch abmüht, es zu erforschen, so ergründet er es nicht. Und selbst wenn der Weise behauptet, es zu erkennen, er kann es doch nicht ergründen.   Pred 8,16-17   

Grundsätzlich gilt, dass man Gottes Werk nicht ergründen kann. Im Buch der Sprüche steht, dass es keine Einsicht und keinen Rat gegenüber dem HERRN gibt (Spr 21,30). Der HERR lässt sich in seiner Gnade aber in Teilbereiche blicken. Wenn wir Gott in einer Sache bitten, die uns blockiert und am Weitergehen hindert, eröffnet er uns, ohne Vorwürfe zu machen, einen Weg (Jak 1,5).

Gott liess mich in der Folge in einen Teil der verschiedenen Antriebe des Menschen blicken, damit ich meine Verwirrung auflösen durfte. Wie gesagt, ich war ja sehr durcheinander darüber, dass meine weltlichen Kollegen in berufsbezogenen Weiterbildungen mich teilweise weit überflügelten und ich mir vom HERRN alleingelassen vorkam, denn auch die Kollegen hätten ja nichts oder nur wenig vom Unterrichtstoff ergreifen können, wenn der HERR ihnen die richtige Vernetzung der Zusammenhänge im Denken verwehrt hätte. Dasselbe galt für den beruflichen, gesundheitlichen und sozialen Erfolg, der so unterschiedlich ist, unter Christen wie auch unter den Heiden. Ich hatte gerade eine jahrzehntelange Periode des Pechs hinter mir, obschon ich den HERRN in dieser Zeit auch gesucht hatte. Meine Versuche, die Periode meines Pechs mit der Geschichte Hiobs oder derjenigen der Weggeführten zu vergleichen, waren für mich nicht befriedigend, denn es hätte das eine, das andere oder noch etwas Drittes als Ursache genannt werden können, ohne die genaue Wahrheit je zu kennen. Ich war wirklich daran, am Leben zu verzweifeln und wünschte mir wie Hiob und Jeremia, nie gelebt zu haben (Hiob 3,11; Jer 20,14). Mein Pech war sehr gross: durch den Verlust der Gesundheit verlor ich die Arbeit, den sozialen Halt, mein ganzes Ansehen, bis auch der Überrest des Mutes und des Lebensantriebes gänzlich verschwunden waren.

Der HERR liess mich aber nicht gänzlich dahinschwinden. Er liess zu, dass ich langsam wieder zu Kräften kommen durfte. Mit dem Mut war es aber so eine Sache; ich wusste nicht mehr, wo er angebracht war. All die Verse, welche die Aussage „Mit meinem Gott kann ich eine Mauer überspringen (2. Sam 22,30)“, unterstützten, genoss ich wegen meiner Vergangenheit mit grösster Vorsicht. Wieso sollte sich ausgerechnet jetzt Erfolg einstellen, wenn die vergangenen zwanzig Jahre nur von Beschämung meines Angesichtes und Niederlagen zeugten?

Nach diesem dunklen und sehr langen Lebensabschnitt, wo die Kräfte sich langsam, sehr langsam, wieder einstellten, belegte ich einen Kurs, um mich weiterzubilden. Einerseits war ich motiviert und freute mich, diesen Kurs belegen zu dürfen, anderseits scheute ich mich, zu viel Energie hineinfliessen zu lassen, da ich mich vor einem neuen Kräfteschwund fürchtete. – Nach und nach stellte sich der Kurs als sehr anspruchsvoll heraus und die Teilnehmer, darunter auch ich, welche nicht „alles gaben“, kamen ins Hintertreffen. Ich begann bei Gott zu klagen und sagte in ungefähren Worten: „Mein HERR, wieso hast Du mich diesen Kurs machen lassen? Stecke ich darin, um wieder zu versagen? Wieso sind die Ungläubigen besser dran als ich? Wieso haben sie mich überflügelt? Hilfst Du ihnen mehr als mir, wo ich Dir doch diene? Verlange ich denn zu viel, wenn ich nur eine genügende Abschlussnote erwarte? Der Beste sein zu wollen, habe ich ja längstens abgelegt…!“ So und ähnlich habe ich Gott meine Verwirrung dargelegt und wünschte mir immer noch ernsthaft den Tod. Wie Jeremia in Gott einen Moment lang einen „trügerischen Bach“ sah (Jer 15,18), vertraute ich dem Plan Gottes für mich nicht mehr. Da halfen mir alle Worte, Gott wolle für die, die Ihn lieben, nur das Beste, in keiner Art und Weise. Ich teilte die damalige Unsicherheit Jeremias in jedem Punkt.

Der HERR liess mich aber nicht allein. Er eröffnete mir neue Sichtweisen und lehrte mich, dass zwar im Reich gearbeitet werden muss – Faulheit ist durch die Schrift verpönt -, doch bei Christen alles ausserhalb der alten Natur gründen muss. Ein Aggregat der drei erwähnten, zur Auswahl stehenden Aggregate darf nie zum Einsatz kommen, wenn wir die Veranschaulichung betrachten. Der von Gott als untauglich erklärte Motor (das Fleisch) darf nie den Antrieb übernehmen! Im Blick auf ein vor Gott angenehmes Leben darf das Fleisch niemals eingebunden sein! Beste Arbeiten und Projekte, welche auf dem Fleisch gründen, sind verworfen vor dem HERRN. Das ist nun mal eine in Stein gemeisselte Tatsache. Kein Mensch aus den Heiden kann ein gottgefälliges Leben vorweisen, das haben wir schon mehrmals betrachtet, ansonsten wäre das Kreuz nicht notwendig.

Nun sind aber noch zwei mögliche Aggregate übrig, wenn das eine wegfällt: Der Geist und die Seele. Geistliche Menschen, damit meine ich echte Christen, die durch den Geist geleitet werden (Rö 8,14), sind natürlich im Reich Gottes am rechten Ort und tun die richtigen Dinge, darüber müssen wir nicht viele Worte verlieren. Wenn der Geist etwas befiehlt und man tut es: glückselig ist ein solcher Mensch (Apg 9,10)! – Wie sieht es denn nun mit der Seele aus, die unseren Willen, den Verstand und das Gefühl beinhaltet? Was ist, wenn ich etwas machen will? Wie sieht das aus im Blick auf eine Weiterbildung oder bei einem Jobwechsel? Haben wir da überhaupt eine Wahlmöglichkeit? – Zum Teil, ist da die Antwort. Da gilt es, wie im Vorfeld angekündigt, zu differenzieren. Gott lässt Menschen, die ihm wohlgefällig wandeln, sehr grosse Freiheiten. Da muss grundsätzlich nicht gefragt werden, welche Farbe das Auto haben soll oder wann ein Apfel gegessen werden darf und wann die Birne an der Reihe ist. Gott hätte dem David auch noch mehr Frauen zugestanden, wie er ihm mitteilte (2. Sam 12,8), nur durfte er sie nicht aus den Reihen der bereits Verheirateten nehmen, was ihm bekanntlich zum Verhängnis wurde. Daraus wird ersichtlich, dass eigentlich sehr viel Spielraum für unsere Seele gegeben ist:

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.   1.Kor 6,12 

Sobald unsere Entscheidung gegen die Schrift verstösst (wie bei David der Ehebruch) oder auf dem Fleisch gründet (ich begehre etwas, um mich selbst gross zu machen), liegt der Antriebsmotor „Seele“ falsch; er muss neu „eingestellt“ werden:

ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.   Jak 4,3

Die Seele muss sich im Bewusstsein ihrer Freiheit darauf besinnen, dass, obwohl sie praktisch machen kann, was sie will, es etwas im und ausserhalb des Menschen gibt, das ihn zum Bösen verführen kann: das Fleisch und der Teufel.

Betrachten wir in diesem Zusammenhang den guten König Josia: Josia wandelte in den Werken Gottes, indem er von ganzem Herzen zu Gott umkehrte, sogar mehr als alle seine Vorgänger (2. Kö 23,25). Zu seiner Zeit liess der HERR den Necho heraufkommen, um gegen ein anderes Volk, nicht Juda, zu kämpfen. Josia mag sich gedacht haben, dass der HERR unmöglich in einem Punkt mit den Nationen sein kann. Er war sich sicher, dass er wie David in der Vorzeit, gegen jedes Volk siegreich kämpfen könne. Doch die Schlacht verlief nicht nach seinen Vorstellungen, er unterlag und starb, weil er nicht wusste, dass Gott sich auch der Nationen bedienen kann in seiner unumschränkten Herrschaft im Universum. Wer sich dann gegen Gottes Plan stellt, sei er noch so gottesfürchtig, wird ohne Erfolg bleiben. Josia handelte darin ohne Gott, im falschen Selbstvertrauen seiner Frömmigkeit. Niemals wurde ein König Israels mit einer solchen Begebenheit konfrontiert, wir sehen darin auch einen Test Josias, ob er auf sich selbst vertraute.

Dies führt uns wiederum zu einer erstaunlichen Erkenntnis. Reinen seelischen Antrieb lässt Gott bei allen stehen, sei er von Ungläubigen, wie auch bei Gläubigen. Der Antriebswunsch darf nur nicht vom Teufel (1. Chr 21,1) oder dem Fleisch (Jak 1,14) angestossen werden. So ist es erklärbar, dass wir in der Arbeit oder Ausbildung genau dasselbe tun bzw. machen dürfen, wie die Nationen. Wir dürfen uns weiterbilden und alle beruflichen Stellen belegen, die nicht gegen Sitte und Moral verstossen. Gegen eine ehrliche Arbeit ist die Hand Gottes nicht ausgestreckt. – In all diesen erlaubten Dingen können Ungläubige wie Gläubige denselben Erfolg haben, niemand geniesst Privilegien. Die Frucht des ungläubigen Bauers wächst genau gleich schnell, wie jene des gläubigen. Die Investition, um Lernstoff zu üben ist beim gläubigen Christen gleich gross, wie beim ungläubigen Menschen. Da macht der HERR nur ganz selten Ausnahmen. Um ein Mahl zu bereiten, haben Heiden wie Errettete der gleichen Prozedur zu folgen. Das Essen muss besorgt und zubereitet werden. In ganz dringlichen Fällen kann der HERR eine Ausnahme machen, wie er sie bei David und den Schaubroten zuliess (Mt 12,4). So liess er auch die Volksmenge bei der Speisung der Viertausend auf übernatürliche Art essen, weil die Lehre über dem Essen stand. Durch den HERRN unterwiesen zu werden, hatte Vorrang vor dem Holen von Essen. Auf eine solche Behandlung dürfen wir Christen aber nicht spekulieren; wir müssen in der Regel genau den gleichen Arbeitseinsatz leisten, wie die Ungläubigen. Wir bekommen unser Brot nicht auf eine leichtere Weise, Gott möchte, dass wir in derselben Art und Weise und im selben Schwierigkeitsgrad unser Brot verdienen. Darin geniessen wir keine Privilegien.

Das Ergebnis aus dieser Betrachtung lässt mich und sollte jeden Christen im Vertrauen auf Gott bleiben lassen. Egal, was geschieht, sollen wir mit dem HERRN vorangehen und nichts Unnatürliches erwarten. Wir sollen aber den Mut nicht sinken lassen, wenn es nicht mehr so läuft, wie wir es uns vorstellen, der HERR ist trotzdem mit uns, auch wenn es nicht so scheint. Aufpassen sollen wir im Blick auf das Fleisch. Wenn wir zu etwas gereizt werden, das einen eigenen Vorteil bringen soll, müssen wir aufpassen. Dann laufen wir Gefahr, das Fleisch als die Grundlage für unser Tun zu nehmen, das bei Gott niemals akzeptiert ist. Unser Werk wird dann bei Gott nicht angenehm sein. Auch bei Beratungen und Unterweisungen durch Nichtchristen dürfen wir getrost sein. Solange sie uns abseits von Moral und Spiritualität unterweisen, können wir getrost ihren Rat annehmen, wenn er sich nicht gegen die Schrift oder unser inneres Sprechen richtet. Der HERR liess sogar zu, dass Ausländer (Hiram, der tyrische König und der Künstler Hiram-Abi, dessen Vater ein Tyrer war) massgeblich an der Ausführung des Tempels beteiligt waren, wie er auch die ausländische Nation unter Necho zur Zeit Josias in seinen Dienst stellte. Der HERR kann in den Dienst stellen, wen er will, die Dienste der Nationen wurden schliesslich sofort ausbezahlt. Salomo bezahlte für die Dienste, wie auch der HERR die Mühen der Babylonier entschädigte, die für Ihn gearbeitet hatten (Hes 29,18.19).

Auch wenn die Nationen für den HERRN arbeiten, haben sie aber kein Teil am Los der Erlösten; sie werden schliesslich ausbezahlt. Will aber ein Heide sich am Hause und dem Erbe Gottes beteiligen, geht das nur, wenn er sich zum HERRN bekehrt, ansonsten hat er keinen Teil (Neh 2,20).

Um zum Vers zurückzukommen, können wir jetzt sagen, dass wir uns aufgrund des neuen „Motors“ (Geist) und der Tatsache, dass sich unsere Seele danach ausrichten kann und in der Entscheidung viel mehr Freiheiten geniesst, des HERRN rühmen können, weil er das alles geschaffen hat. Das ist sein Werk. Es ist aber nicht die Meinung, dass uns deshalb alles zufliegt, ohne dass wir einen Finger rühren müssen, und dass er uns alle Arbeit abnimmt. Durch seine Tat wurde uns einfach alles rein, wenn wir das Fleisch und seine Begierden aussen vor lassen. Das ist nicht nur eine vollständige Reinigung unserer Person, sondern eine ebenso vollkommene Reinigung unserer Werke, die wir jetzt unter seiner Herrschaft tun, obschon wir uns auf fremdem und böse regiertem Territorium befinden, das befristet dem Teufel gegeben ist (Lk 4,6). Ist das nicht herrlich? Können wir uns deshalb nicht des HERRN rühmen?

Kapitel 2

Vers 1

Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen.   1.Kor 2,1 

Paulus hatte bereits im 1. Kapitel des Briefes erklärt, wieso Gott nicht gemäss der weltlichen Weisheit Christus predigen lässt: Das feindlich eingestellte Fleisch, welches gemäss dem Geist dieser Welt funktioniert, soll in keinem Punkt angesprochen werden. Der HERR verzichtet im Gegensatz zu heutigen Gesetzeshütern auf jegliche Kooperation mit Gesetzesbrechern. Die Polizei und Staatsanwaltschaften sind ja bereits so weit, dass sie Personen, die von Straftaten wissen und teilweise sogar im entfernen Sinn darin involviert sind, bei Aussagen grosse Diskretion bis zur gänzlichen Straffreiheit zu gewähren. In der Verzweiflung operieren sie sozusagen mit Hilfe des Bösen. Gott tut das niemals! Er hat es nicht nötig, auch nur zum kleinsten Prozentsatz mit dem Gegenspieler zu kooperieren. Und wir, die zu seinem Volk gehören, haben es auch nicht nötig. Schliessen Sie mit der Gegenseite nie Händel ab, der Zweck heiligt die Mittel in solchen Fällen niemals! – Gott unterstützt Sie in Ihrem Tun nicht, wenn Sie diesen Grundsatz nicht befolgen.

Leider neigen wir jedoch dazu, rhetorisch besonders guten Reden Glauben zu schenken, Glauben um der Rhetorik (der Redekunst) und nicht um des Inhaltes willen. Vor allem dann, wenn jemand noch mystische und geheimnisvolle Elemente einbaut. Betrachten wir einmal eine solche Beispielrede:

12 Ein Wort stahl sich zu mir, und mein Ohr vernahm ein Geflüster davon.
13 In beunruhigenden Gedanken, <wie sie> aus Nachtgesichten <entstehen>, wenn tiefer Schlaf auf Menschen fällt,   
14 kam Schrecken und Zittern über mich, und durchschauerte alle meine Gebeine.
15 Und ein Hauch fuhr an meinem Gesicht vorbei, das Haar an meinem Leib sträubte sich.
16 Da stand jemand, und ich erkannte sein Aussehen nicht, eine Gestalt war vor meinen Augen, ein leises Wehen und eine Stimme hörte ich:    Hiob 4,12-16  

Elifas sprach in dieser geheimnisvollen Art zu Hiob. Er suggerierte Hiob eine Eingabe durch ein höheres Wesen. Eine solche Art zu sprechen schafft bei Menschen, die an das Übernatürliche glauben, meistens Gehör. Paulus warnt uns in dieser Thematik eindringlich:

Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht!   Gal 1,8 

Wie es sich im Nachhinein herausstellte, war die Rede Elifas‘ nicht richtig; er stellte damit Gott nicht so dar, wie er tatsächlich ist. Sie war nicht mehr als Schall und Rauch und durch die Irreführung böse.

Und es geschah, nachdem der HERR jene Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach der HERR zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde: Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht Hiob.   Hiob 42,7 

Gott braucht die Weisheit dieser Welt und die Unterstützung der bösen unsichtbaren Welt nicht, um sein Ziel zu erreichen. Er braucht sie nicht und möchte auch nicht, dass wir davon Gebrauch machen. Sein Geist genügt. Wenn ein Ungläubiger die Vermittlungsart des Evangeliums auf diese Weise nicht akzeptiert, akzeptiert er sie auch nicht, wenn sie anders, in weltlicher Weisheit, daherkommen würde. Amen.

Vers 2

Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt.  1.Kor 2,2

Paulus wollte die Korinther nicht mit Erklärungen der Vernunft an Christus binden. – Wie oft scheitern wir jedoch auf diese Art! Kommen wir nochmals auf das Beispiel mit den Freunden Hiobs zurück. Bildad, der zweite Freund in der Runde, welcher nach seinem Kenntnisstand vernunftgemäss richtig argumentierte, lag völlig daneben. Betrachten wir einen Auszug seines Sprechens:

4 Haben deine Söhne gegen ihn gesündigt, so lieferte er sie ihrer Übertretung aus.  
5 Wenn du Gott eifrig suchst und zum Allmächtigen um Gnade flehst,  
6 wenn du lauter und aufrichtig bist, ja, dann wird er deinetwegen aufwachen und die Wohnung deiner Gerechtigkeit wiederherstellen.   Hiob 8,4-6

Auf den ersten Blick stimmt das, was Bildad sagte. Seine Rede gründet auf dem Gerechtigkeitsprinzip. Gott nimmt den Ungerechten nicht an der Hand, vielmehr vergilt er ihm seine Taten. Was der Mensch sät, wird er ernten. Gemäss diesem Prinzip hatte er völlig Recht. – Inzwischen wissen wir jedoch aus dem Buch Hiob, dass seine Rede, bei Hiob angewendet, völlig fehl am Platz war. Bei Hiob ging es ja nicht um das Ergebnis böser Taten. Hiob war schliesslich der gerechteste Mann seiner Zeit, gerechter als seine Freunde, die ihn mit „guten“ Ratschlägen beglückten (Hiob 1,8). Bildad irrte somit in Bezug auf Hiob sehr, auch wenn seine Rede Wahrheiten beinhaltete, die im Allgemeinen gültig sind.

Leider tun es viele Christen dem Bildad gleich. Sie wenden ihre Erkenntnisse einfach irgendwo an, ohne weitere Möglichkeiten zu erwägen. Solche sind in der Meinung, die Probleme mit Sicherheit zu erkennen und beim Namen benennen zu können. – Wahrheiten dürfen und sollen wir erwähnen. Dabei müssen wir aber darauf achten, dass wir weitere Möglichkeiten offen lassen. Bildad rechtfertigte den Tod der Söhne Hiobs, indem er ihnen Ungerechtigkeit in die Schuhe schob. Wusste er überhaupt von den Opfern Hiobs für seine Söhne? Berücksichtigte er die Tatsache, dass Gott oft nicht im gleichen Masse der Übertretung vergilt (Esra 9,13)? Haben die Söhne Hiobs eigentlich so gesündigt, dass sie vor allen anderen Menschen auf diese Art sterben mussten? – Weiter warf er Hiob Ungerechtigkeit vor (Hiob 8,6) und wusste dabei nicht, dass Hiob gerechter war als er selbst!

Paulus vertraute nicht auf seinen Verstand im Blick auf die Verkündigung. Er predigte das ganze Evangelium ungeschminkt. Er predigte Christus als gekreuzigt und liess sich nicht von weltlichen psychologischen Erkenntnissen behindern, die besagen, dass Gemeinden mit verschiedenen Einschlägen verschieden angegangen werden müssen. – Viele Christen behindern durch weltliche Erkenntnisse das Predigen des reinen Evangeliums. So wird in Gemeinden vorsichtig und zurückhaltend mit der Lehre des Abendmahls umgegangen, damit niemand vor den Kopf gestossen wird. Lieber unterschlagen Christen einen Teil der Lehre in der irren und weltlichen Meinung, andere nicht ermahnen zu dürfen. Dass der Schaden aber grösser wird mit Irrlehren, die ein Abendmahls- und Taufverbot lehren, scheint sie nicht zu interessieren. Dasselbe gilt beim Schonen der Christen, die eine priesterliche Klasse, das Nikolaitensystem, befürworten. Die meisten „freien“ Gemeinden sind schon so weit, wie wir alle beobachten können, weil sich eine geistliche Klasse gebildet hat, die über dem gewöhnlichen Christen steht!

Beide Übel sind gleich schlimm! Dasjenige des schnellen Urteilens und jenes der Gleichgültigkeit. Und beide überleben durch die angewandte menschliche „Vernunft“. Wie beeindruckt Gott durch die „weisen Reden“ des Elifas, Bildad und Zofar war, können wir hier nachlesen:

7 Und es geschah, nachdem der HERR jene Worte zu Hiob geredet hatte, da sprach der HERR zu Elifas, dem Temaniter: Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde: Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht Hiob.   
8 Und nun nehmt euch sieben Stiere und sieben Widder und geht zu meinem Knecht Hiob und opfert ein Brandopfer für euch! Und Hiob, mein Knecht, soll für euch Fürbitte tun. Nur ihn will ich annehmen, damit ich euch nicht Schimpfliches antue. Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet, wie mein Knecht Hiob.    Hiob 42,7-8

Liebe Leserin und lieber Leser! Wo stehen Sie? Erwägen Sie nach psychologischen Gesichtspunkten den Zeitpunkt, wann die Gemeinde soweit ist mit der reinen Wahrheit konfrontiert zu werden? Oder wenden Sie, wie Bildad, die Ihnen bekannten Wahrheiten in der Verurteilung anderer vorschnell an? Oder gehören Sie zu der dritten Gruppe, die nichts anderes wissen will, als nur von der reinen Lehre Gottes, mit allem was dazu gehört und alles Gottesfremde ausschliesst?

Vers 3

Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und in vielem Zittern;   1.Kor 2,3 

Paulus erwähnt hier auch den Umstand, dass er nicht in einer selbstherrlichen Art aufgetreten war. Wenn jemand Respekt hätte fordern können, wer anders als Paulus? Wurde er nicht persönlich vom HERRN in den Dienst berufen (Apg 9,15) und vom Heiligen Geist ausgesandt (Apg 13,2)? Stand er nicht in der Ausbildung weit über Anderen (2. Kor 10-12,6)?

Paulus gebrauchte diese Äusserlichkeiten jedoch nicht, um sich Gehör zu verschaffen und die Korinther mit Christus zu verbinden. Es durfte und darf nichts von Äusserlichkeiten abhängen, denn all das ist vergänglich. Selbst Paulus musste eines Tages sterben und spätestens dann wäre jede und jeder, die bzw. der nur um Paulus‘ Charisma willen glaubte, abgefallen. – Liebe Leserin und lieber Leser! Paulus war wirklich weise. Er benutzte seine Begabung nicht für sein Ansehen. Alles, was er im Auftrage Gottes tat, vollzog er in Weisheit und im Sinne der Nachhaltigkeit. Er wollte keine Strohfeuer, die nach kurzer Zeit wieder verlöschen. Er arbeitete mit der Hilfe des HERRN daran, wahrhaftige Nachfolger Christi zu formen! – Wie arbeiten Sie im Reich?

Vers 4

und meine Rede und meine Predigt <bestand> nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft,   1.Kor 2,4  

Wenn Paulus‘ Rede nicht durch Rhetorik brillieren und sein persönliches Gewicht keine Rolle einnehmen sollte, was war dann das Besondere seines Sprechens? Weshalb sollten die Korinther ausgerechnet seiner Rede glauben, obschon es andere Redner neben Paulus gab, die damals wie heute alles geben, um sich mit ihren Worten Gehör zu verschaffen? – Achten Sie einmal auf die Politiker! Sie setzen ihre ganze Kraft in die Redekunst. Sie lassen sich auch darin coachen und ausbilden. Und dann wird auf Fernsehduelle gesetzt, in denen es darum geht, wer mit Worten besser beim Volk ankommt! – Wie töricht ist denn das bei näherer Betrachtung? Da wird die Gefahr in Kauf genommen, jemanden ohne Leistungsausweis und nur wegen glatten Ausdrücken gegenüber einem Mitbewerber zu bevorzugen, wobei letzterer all die Herausforderungen viel besser meistern könnte, jedoch nicht so gut mit Worten überzeugen kann. – So leid es mir tut, nüchtern betrachtet haben wir diesen hohen Blindheitsgrad nicht nur unter den Nationen, wir treffen ihn auch in Gemeinden an. Es tut not, dass wir auch diese Verse im Korintherbrief zu Herzen nehmen.

Ein Diener Christi sollte diese Schiene meiden, wie Paulus es tat. Die Rede soll nicht in hoher Kunst daherkommen; sie soll vielmehr ausschliesslich die reine Wahrheit beinhalten. Damit unterstütze ich nicht zusammenhangsloses Gefasel, wir sollen immer noch überlegen, wie etwas gesagt wird, wie geschrieben steht:

Wer weisen Herzens ist, wird ein Verständiger genannt; und Anmut der Sprache fördert das Lehren.    Spr 16,21  

Die Sprache soll anmutig sein -, das fördert die Lehre. Wir sollen es aber nicht der Welt gleichtun, indem wir nach dem Motto sprechen, Gewandtheit der Sprache komme vor dem Inhalt, denn es ist genau umgekehrt. Wir sehen in der Rede des Paulus diese Wahrheit vor allem anderen. Indem Paulus nur die reine Wahrheit Gottes predigte, erwies sich seine Rede als kräftig, der Inhalt hatte Substanz, egal wie die Verpackung daherkam. Reines Wort Gottes ist ein Hammer, der Felsen zerschmettert (Jer 23,29). Was für ein Gegensatz zu den bis zur Perfektion geschliffenen Worten von Politikern und Rhetorikern, die sich im Nachhinein oft nur als „heisse Luft“ entpuppen!

Vers 5

damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe.    1.Kor 2,5  

Stellen wir einmal das Wissen eines Programmierers in Bezug auf seine Software dem Wissen eines Anwenders gegenüber. Der Programmierer kennt sein Produkt bis zum Quellcode, der Anwender sieht nur die grafische Oberfläche und kennt in der Regel nicht mal das ganze Anwendungsspektrum des Programmes, sondern nur einen Teil davon.

Es gibt zwar Anwender, die tun so, als ob sie die Urheber des Programmes wären. Sie lästern über Funktionen, welche sie anders programmiert hätten und geben sich allgemein als Experten aus. Dabei kennen sie in Wahrheit nur die grafische Oberfläche einer Anwendung, das heisst vielleicht zehn Prozent oder weniger davon -, der ganze Rest ist ihnen verborgen. – Wie es bei Computeranwendungen selbsternannte Experten gibt, gibt es sie auch in philosophischen und spirituellen, die unsichtbare Welt betreffenden Themen. Obschon diese „Experten“ bei der Entstehung der Welt nicht dabei waren, also nur, bildlich gesprochen, die grafische Oberfläche der Welt sehen, welche einen vernachlässigbaren Teil alles Sichtbaren im Universum ausmacht, gebärden sie sich so, als ob sie auf derselben oder noch einer höheren Stufe als der Schöpfer selbst stehen. Es wird behauptet und mit „Beweisen“ belegt, dass wir vom Urknall und Affen abstammen! Damit machen sich die Weisen selbst zu Narren und Blinden! Das vorhandene Wissen im Universum ist so tief, dass die ausgebildetsten Menschen nur etwas an dessen Oberfläche kratzen. So gesehen können wir folgenden Vers in der ganzen Tiefe verstehen:

Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden   Röm 1,22 

Wenn sich jemand als Weiser ausgibt im Blick auf die Entstehung der Erde und des Universums, auf Moral und Recht und die spirituelle Welt, macht er sich zum Narren, weil der Mensch nicht wirklich „hinter den Vorhang“ sieht bzw. sehen kann. Weisheit ist vielmehr, wenn der ausgebildete Mensch sagt, er wisse jetzt, dass man sicheres Wissen beim Menschen nicht findet, dass man nur von gegenwärtigen wissenschaftlichen Angaben überzeugt ist, welche morgen überholt sind.

Deshalb urteilt die Bibel hart über solche, die es wagen Urteile über Dinge zu fällen, von denen sie überhaupt keine Ahnung haben, wie geschrieben steht:

10 besonders aber die, die in befleckender Begierde dem Fleisch nachlaufen und Herrschaft verachten, Verwegene, Eigenmächtige; sie schrecken nicht davor zurück, Herrlichkeiten zu lästern,  
11 wo Engel, die an Stärke und Macht grösser sind, nicht ein lästerndes Urteil gegen sie beim Herrn vorbringen.  
12 Diese aber, wie unvernünftige Tiere, von Natur aus zum Eingefangenwerden und Verderben geboren, lästern über das, was sie nicht kennen, und werden auch in ihrem Verderben umkommen,   2.Petr 2,10-12 

Und weil die Vermessenheit des Menschen keine Grenzen kennt, greift die Bibel diese Thematik nicht nur einmal auf:

10 Diese aber lästern alles, was sie nicht kennen; alles, was sie aber von Natur aus wie die unvernünftigen Tiere verstehen, darin verderben sie sich.  
11 Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams völlig hingegeben, und in dem Widerspruch Korachs sind sie umgekommen.  Jud 10-11    

Wie einleuchtend ist es, wenn Paulus die Wahrheit Christi nicht auf menschlicher Weisheit, die so bruchstückhaft ist, gegründet sehen wollte! Sie musste bzw. muss auf göttlicher Kraft beruhen!

Geschätzte Leserschaft! Argumentieren Sie in göttlichen Dingen nie mit weltlicher Weisheit! Die Gefahr ist gross, sich darin zu verstricken. Es gibt immer besser ausgebildete Menschen, die Ihnen bei einer weltlichen Argumentation widersprechen können. Doch es wird Ihnen niemand widersprechen, wenn Sie beim Inhalt der Bibel bleiben. Der Inhalt der Bibel fusst auf der göttlichen Weisheit, welche Sie nie beschämt dastehen lässt, auch wenn die Widersacher darüber lachen. Das Ende wird Ihre Rede bestätigen. – Wie oft werden wir Christen für verrückt gehalten, weil wir die Wiederkunft Christi erwarten und behaupten, dass jede weltliche Regierung von der Herrschaft Christi abgelöst werden wird (Dan 2,44). Auch werden wir belächelt, wenn wir sagen, dass sich ein Verbund von allen Armeen der Nationen gegen Israel wenden wird und dort die Schlacht der Weltmacht gegen Gottes irdisches Volk ausgefochten werden wird (Sach 14). Oder denken Sie an die ungläubigen Blicke unserer Gegenüber, wenn wir von der grossen Trübsal erzählen, welche Gottes Zorn über die Sünde der Welt darstellen wird (Dan 12,4-9; Offb 6 uva.). – Wurde Noah beschämt, wo er doch ein Riesenschiff auf dem Trockenen baute? Oder brachte der Unglaube der Welt ihr die Beschämung des Angesichts, Angst und den Tod durch Ertrinken? Wer hatte bzw. hat am Ende Recht, die Bibel oder die weltliche Weisheit? Bringt nicht die Wegweisung der Bibel das Leben und die Weisheit der Welt den Tod? Oder will immer noch jemand behaupten, es verhielte sich anders, gegen die Aussage der Bibel?

Vers 6

Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, jedoch nicht Weisheit dieses Zeitalters, auch nicht der Fürsten dieses Zeitalters, die zunichte werden,   1.Kor 2,6

Die Weisheit, die Paulus lehrte, ist nicht einfach so zu finden. Weltliche Weisheit können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, überall beziehen. Sie können die Werke Nietzsches konsultieren oder in Online-Nachschlagewerken forschen; die Weisheit des Höchsten werden Sie darin nicht finden. Jene Weisheit ist nicht käuflich. Sie ist kostbarer als Perlen und nicht aufzuwiegen in Gold. In jener Weisheit ist der Triumph über Satan und seine Gefolgschaft, darin findet sich auch das Rezept, diese Welt erblühen zu lassen und in Gerechtigkeit zu regieren, ohne dass sich ein Volk gegen das andere erhebt und ein Durstiger vergebens vor einem vertrockneten Brunnen steht. Lesen Sie einen Ausspruch über jene Weisheit:

12 Aber die Weisheit, wo kann man sie finden, und wo ist denn die Fundstätte der Einsicht?  
13 Kein Mensch erkennt ihren Wert, und im Land der Lebendigen wird sie nicht gefunden.  
14 Die Tiefe sagt: In mir ist sie nicht! — und das Meer sagt: Nicht bei mir!  
15 Geläutertes <Gold> kann für sie nicht gegeben und Silber nicht abgewogen werden als Kaufpreis für sie.  
16 Sie wird nicht aufgewogen mit Gold aus Ofir, mit kostbarem Schoham-Stein oder Saphir.  
17 Gold und Glas sind ihr nicht vergleichbar, noch lässt sie sich eintauschen gegen ein goldenes Gerät.  
18 Korallen und Bergkristall brauchen gar nicht erwähnt zu werden; und ein Beutel <voller> Weisheit ist mehr <wert> als <ein Beutel voller> Perlen.  
19 Nicht vergleichbar mit ihr ist Topas aus Kusch; mit dem reinsten Gold wird sie nicht aufgewogen.  
20 Die Weisheit nun, woher kommt sie, und wo denn ist die Fundstätte der Einsicht?  
21 Verhüllt ist sie vor den Augen alles Lebendigen, und vor den Vögeln des Himmels ist sie verborgen.  
22 Der Abgrund und der Tod sagen: <Nur> vom Hörensagen haben wir mit unsern Ohren von ihr gehört.
23 Gott ist es, der Einsicht hat in ihren Weg, und er kennt ihre Stätte.   Hiob 28,12-23

Die Weisheit Gottes ist etwas kostbares, wonach wir dringendst Ausschau halten sollen. Wir sollen danach trachten und sie festhalten! Die Weisheit ist nicht einfach irgendetwas Wertvolles. Sie hält ihren Besitzer am Leben (Spr 8,35; Spr 28,26; Pred 7,12). An einer Stelle heisst es dazu, dass der Weise entkommen wird. Sie ist also auch der Schlüssel zum Leben. – Gerade vorneweg, um keine Verwirrung zu stiften: Natürlich ist Christus unser Leben, die Weisheit steht nicht in Konkurrenz dazu. Die Weisheit lehrt uns mit unseren Kostbarkeiten umzugehen. Paulus spricht ja von der Weisheit unter Vollkommenen. – Weshalb müssen Vollkommene noch in Weisheit leben und mit ihrer Hilfe einem kommenden Gericht entfliehen? – Weil sich das Wort „Vollkommene“ auf die Tat Christi in uns bezieht, auf unser neues Leben; nicht aber immer direkt auf unsere Verhaltensgewohnheiten. Christi Tat hat uns zu Menschen mit einer vollkommenen Natur gemacht. Wir sind eine neue Schöpfung (2. Kor 5,17). Wir wissen aber auch, dass wir unsere alten Gewohnheiten nicht von heute auf morgen haben ablegen können. Bei einigen Angewohnheiten brauchte bzw. braucht es sogar noch Züchtigungen vom Vater, bis wir sie endlich losgelassen haben oder loslassen (Heb 12,6), weil der Charakter, die Seele noch der Formung bedarf.

Wir können sie formen lassen oder die Erziehung des Vaters ablehnen, was aber fatale Folgen haben wird. Wenn ein Christ nicht nach Gottes Einsicht leben will und sich weiterhin weltlichem Benehmen hingibt, das in moralischer und spiritueller Hinsicht für jeden erkennbar gotteslästerlich ist, wird dem Gericht über diese Erde nicht entkommen. Die Christen sind nicht bestimmt, durch die Trübsal gehen zu müssen, gebärden sie sich aber weltlich, ernten sie auch etwas vom dem, was die Welt durch ihre Saat ernten wird. Schliesslich haben sie es ihr gleich getan. Der folgende Vers ist so deutlich diesbezüglich, dass ich nicht viel dazu zu schreiben habe.

Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.   1.Kor 11,32

Natürlich werden selbst schlampige Christen nicht gänzlich im Feuersee verloren gehen (Feuersee = Offb 20,15). Sie werden aber lernen, dass das Prinzip des Säens und Erntens auch für sie gilt. Wenn sie durch Ungerechtigkeiten Wind säen, werden sie Sturm ernten, selbst dann, wenn sie Jünger des HERRN sind. Deshalb sehen wir während der Trübsalszeit auch Christen in diesem schlimmen Gericht; solche, die das Zeugnis Jesu haben (Offb 12,7).

Liebe Leserin und lieber Leser! Trachten Sie nach dieser Weisheit, die nicht mit Gold aufgewogen werden kann! Sie lässt ihren Besitzer entrinnen. Sie lässt den Besitzer gerechte Entscheidungen treffen. Kurz gesagt, lässt sie den Besitzer das Richtige tun vor Gott, dem Allmächtigen. – Ich will Ihnen zeigen, wie Sie zu dieser Weisheit gelangen können, von der Tod und Abgrund bloss sagen können, dass sie sie nur vom Hörensagen her kennen:

Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang: eine gute Einsicht für alle, die sie ausüben. Sein Ruhm besteht ewig.  Ps 111,10

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Weisheit und Zucht verachten <nur> die Narren.  Spr 1,7


Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; und Erkenntnis des <allein> Heiligen ist Einsicht.   Spr 9,10


Die Furcht des HERRN ist Zucht zur Weisheit, und der Ehre geht Demut voran.  Spr 15,33

Der HERR ist nicht der alte „Bappeli“, wie er mancherorts von Schweizern – teilweise auch in Gemeinden! – despektierlich benannt wird. Dieses Wort, das man als „Väterchen“ ins Deutsche übersetzen kann, offenbart, wie „ernst“ Gottes Wort genommen wird. Mit der Gnade will bei solchen der Ungehorsam zugedeckt werden und mit Gottes Langmut die Entscheidung, es sich in der Welt gemütlich zu machen! Verse, die klar aussagen, dass der Gerechte nur mit Not errettet wird (weil sein Fleisch noch gegen den Geist arbeitet), werden ausgeblendet, obschon man sie leicht nachschlagen kann (1. Petr 4,18). Liebe Leserinnen und Leser! Ich sage nicht, dass Gott wie ein willkürlicher Despot gefürchtet werden muss, bei dem man nie weiss, was ihm im Moment der Kopf sagt. Gott ist im Gegensatz zu einem Tyrannen völlig berechenbar. Er offenbart sich durch sein Wort. Er verbürgt sich dafür (Mt 5,18). Wer nach der Bibel lebt, hat nichts zu befürchten. Deshalb ist Gottesfurcht nicht mit der Furcht vor einem Despoten zu vergleichen, der Menschen absichtlich in Fallen lockt. Solches tut Gott nicht. Gott ist zu fürchten, weil er alles umsetzen kann und wird, was für Ungerechte ansteht:

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als <auch> Leib zu verderben vermag in der Hölle!   Mt 10,28

Sehen Sie den Unterschied in Bezug auf die Furcht und die Notwendigkeit zur Erlangung der göttlichen Weisheit?

Vers 7

sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vorherbestimmt hat, vor den Zeitaltern, zu unserer Herrlichkeit.    1.Kor 2,7  

Anstelle der Weisheit dieser Welt, verkündigte Paulus eine ganz andere. Er verkündigte nicht eine solche, die jetzt in der Welt vorherrscht bzw. jene, die unter der Grossen dieser Welt gilt. Er predigte eine dieser Welt völlig unbekannte; unbekannt, weil sie von Gott unter Verschluss gehalten wird. Er gibt sie nicht jedem ab (Mt 7,6), sondern nur denjenigen, die dazu würdig sind (Mt 11,25).

Von dieser Weisheit haben wir im vorangegangen Vers gesprochen, es ist die Weisheit, die nicht mit Gold aufgewogen werden kann. Eine Weisheit, die den Besitzer nicht nur errettet; sie leitet ihn auch zum vollkommenen Handeln an. Es ist die Weisheit Christi, mit der er die Welt in einer so vollkommenen Art regieren wird, dass man weder Hunger noch Mangel an irgendetwas kennen wird. Unrecht wird keinen Platz mehr haben und die Menschen werden eine Herrschaft erleben, die an Herrlichkeit ihresgleichen suchen aber nicht fündig werden wird.

Liebe Leserin und lieber Leser! Trachten Sie nach ihr? Oder geben Sie sich mehr mit nichtigen und vergänglichen Dingen ab? Lassen Sie diese Kostbarkeit zugunsten von viel minderwertigeren Dingen fahren? Nimmt die göttliche Weisheit in Ihrem Leben den Platz in der Werteskala von gewöhnlichem und in Menge vorkommenden Material ein? – Lassen Sie es nicht soweit kommen! In jeder Branche, in der wir tätig sind, wird erwartet, dass wir uns auskennen. Es kann nicht sein, dass wir als Kinder des Reiches und Priester Gottes (1. Petr 2,9) keine Ahnung haben -, keine Ahnung von Gottes Willen, seinem Plan und seinen zukünftigen Absichten! Überhaupt keine Branchenkenntnisse würden wir aus Respekt gegenüber unserem Arbeitgeber auch nicht zulassen! – Leider lassen es nicht wenige Christen in Bezug auf die Kenntnisse des Willen Gottes zu, dass sie überhaupt keine Ahnung haben.

Wissen Sie, dass Ahnungslosigkeit auch Untergang bedeuten kann? Wenn sich Ihre Kleidung in einer Drehbank verfängt und Sie den Not-Aus Knopf nicht kennen, kann das Ihren Tod bedeuten. Dasselbe gilt für den Standort der Feuerlöscher und der Kombination der Notfallnummern. So verhält es sich auch im Reich. Wer Gottes Willen nicht kennt, weiss nicht in allen Dingen was statthaft ist und was nicht. Ein solcher ist leicht verführbar, wie Sie aus nachfolgendem Vers ersehen können:

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Weil du die Erkenntnis verworfen hast, so verwerfe ich dich, dass du mir nicht mehr als Priester dienst. Du hast das Gesetz deines Gottes vergessen, so vergesse auch ich deine Kinder.    Hos 4,6  

Lassen Sie uns fleissig nach der Erkenntnis und Weisheit des HERRN trachten! Amen.

Vers 8

Keiner von den Fürsten dieses Zeitalters hat sie erkannt – denn wenn sie <sie> erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben –,    1.Kor 2,8  

Den Fürsten dieses Zeitalters stehen sämtliche Ressourcen zur Verfügung, Forschung zu betreiben und die Weisheit zu mehren. Denken wir nur einmal an all die Forschungsabteilungen in Rüstungsbetrieben. Was die an Kenntnissen ausgegraben haben! Die Kernspaltung beispielsweise, die bei friedlicher Nutzung Energie für Mensch und Wirtschaft liefern kann! Oder Düsentriebwerke welche, an Zivilflugzeuge montiert, uns viel schneller zu unserer Feriendestination bringen. Viel Gutes wurde erforscht und an den Tag gebracht; die Weisheit Gottes konnte aber nicht angezapft werden. Kein Mensch kann sie erreichen, auch wenn er dafür alles geben wollte, es sei denn, Gott eröffnet sie ihm. Wir wissen inzwischen auch, dass sie nicht mit Gold aufzuwiegen ist -, was will denn der Mensch dafür geben? Was könnte er dafür aufbringen, wo er erstens nicht vermögend und zweitens würdig genug dafür ist?

Der Beweis, dass die Weltelite davon nichts verstanden hatte und auch heute noch nichts davon ergriffen hat ist, dass sie Christus gekreuzigt haben und sie Ihn auch heute noch nicht suchen. Diese Tatbestände beweisen die vollständige Unkenntnis der erhabensten weltlichen Leute. Christus, der sie erstens erschaffen hat (Kol 1,16), zweitens der einzige ist, der sie erretten kann und drittens, der ihr Richter sein wird, haben sie in ungerechter Weise ermordet. Sie haben ihre völlige Unkenntnis durch die dümmste und unseriöseste Tat, die überhaupt ein Mensch machen kann, offengelegt. – Auch heute hat sich, wie erwähnt, bezüglich dieses Wissens nichts geändert. Es herrscht in der Welt betreffend der Dinge Gottes eine vollständige Ahnungslosigkeit vor. Wäre nur ein wenig Wissen da, würde der Mensch sich um seinen Erschaffer, Lebens-Erhalter und Richter bemühen. Stattdessen sehen wir die Menschen aber nur beim Missbrauch und der Lästerung des Namens Gottes. Und weiter durch das Leben der Nationen sehen wir eine völlige Leugnung der Existenz Gottes, welche jedoch durch das Erschaffene allgegenwärtig ist.

Vers 9

sondern wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.«   1.Kor 2,9

Gott hält etwas bereit für sein Volk. Es ist etwas Neues, noch nie Dagewesenes. Kein Auge hat es je gesehen und kein Ohr hat je davon gehört. Es ist wie bei der Weisheit Gottes, von der nicht einmal Abgrund und Tod etwas Konkretes wissen. – Uns Christen hat Gott den Vorhang in einigen Dingen etwas gelüftet, vor allem beim Urheber des Heils für die Menschen: Jesus Christus. Von Ihm wissen wir, dass Gott alles zu Ihm hin geschaffen hat (Kol 1,16) und dass kein anderer Name für das Heil der Menschen steht (Apg 4,12). Christus ist die Hauptsache und Gott hat Ihn uns als Retter vorgestellt (Mt 16,17). Weiter hat uns Gott gesagt, dass unser früheres Leben böse war, weil es durch die fleischlichen Gelüste beeinflusst war und wir auch durch völlige Unkenntnis über die spirituelle Welt im Dunklen tappten. Wir wandelten ausserdem gemäss der weltlichen Moral, die sich von der göttlichen unterscheidet, wie sich der Tag von der Nacht sondert.

All das, was uns Gott in der Zwischenzeit offenbart hat, haben die Nationen nicht gesehen und verweilen in der Dunkelheit (Mk 8,38), wie Israel zur Zeit Jesu in der Finsternis war. Doch all diese guten Offenbarungen sind längst nicht alles, was es geben wird. Kein Auge hat je gesehen, wie es sein wird, wenn Christus offiziell und öffentlich sein Reich aufbauen wird. Niemand hat gesehen, wie es sein wird, wenn die Verlierer um Christi Willen ihre Seele erhalten und in den vollen Genuss des Lebens kommen dürfen (Mt 10,39)! Niemand weiss, wie es sein wird, mit einer völlig gerechten Regierung auf Erden und wenn Engel sichtbar und für jedermann erkennbar Gegenstand des Alltags werden. Welcher Mensch weiss von einer Zeit, wo der Satan gebunden sein Dasein fristet bzw. im Feuersee weilt? Niemand hat das vorher je erlebt, nicht einmal Adam und Eva! – All diese wunderbaren Dinge werden eintreten und sind bereitet für die, die Ihn lieben. Amen.

Doch davon weiss kein irdischer Forscher etwas. Kein Wissenschaftler kann in diese Sphären eindringen, wenn es nicht einmal der Tod konnte, welcher die geistigen Sphären kennt.

Vers 10

Uns aber hat Gott es geoffenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes.    1.Kor 2,10 

Ein Auskundschafter ist an einen bestimmten Ort gebunden. Sogar Jesus als Mensch war es. Er war nicht gleichzeitig überall. Die Menschen mussten ihn aufsuchen, um Ihn zu sehen bzw. zu treffen (Mk 10,17). Der Geist Gottes ist demgegenüber nicht ortsgebunden. Er ist auch in der Bewältigung von Aufträgen uneingeschränkt. Nehmen wir ein Beispiel, um das zu veranschaulichen. Die Menschen trachten danach, mehr Aufgaben als eine gleichzeitig bewältigen zu können. Das spart Zeit und Ressourcen. Könnte jemand fünf Monitore gleichzeitig so gut überwachen wie ein einzelner Arbeiter, so könnte der Chef mit ihm vier Mitarbeiter einsparen, die sonst vor den verbliebenen Monitoren sitzen müssten. Dasselbe gilt beispielsweise für die Kampffliegerei. Wo Geld, Platz und Ressourcen eine Rolle zu spielen begannen, fing man an, Flugzeuge zu bauen, die mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen konnten. Ein F-14 „Tomcat“ Jäger, das imposante Flugzeug welches durch den Film „Top Gun“ einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte, konnte – im Gegensatz zu Kampfdoppeldeckern aus dem ersten Weltkrieg – mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen. Ein Flugzeug konnte die Arbeit von drei alten erledigen -, und das erst noch viel besser. Das spart Zeit, Ressourcen und Soldaten.

Der Mensch bleibt trotz Technik sehr eingeschränkt. Laufen mehrere Dinge gleichzeitig, wird es schon kritisch, wenn er den ständigen Überblick halten möchte. Ausserdem hat ein Mensch keinen Zugang zu allen Orten auf dieser Welt oder er gestaltet sich sehr mühsam. Der Marianengraben, der tiefste bekannte Punkt der Erde oder die Innenseite des Tresorraumes von Fort Knox, das sind Gebiete, die nur wenigen Menschen offen stehen – und das selbst nur mit Hilfsmitteln. – Ganz anders verhält es sich beim Geist Gottes. Für den Geist sind Dinge, die für uns unmöglich sind, ein Leichtes. Er kann unbegrenzt viele Informationen gleichzeitig erfassen und uneingeschränkt viel tun, so dass alle uns zur Verfügung stehenden Supercomputer wie Relikte aus der Pfahlbauerzeit erscheinen. Und das ist nicht alles! Das Erfassen von Informationen an jeder Ecke der Erde ist nur eine Aufgabe des Geistes (Mt 10,30). Gleichzeitig kann er auch wirken mit Sprechen (Apg 8,29), Offenbarung (Eph 1,17) und wirksamer Tat (Mt 10,29; Rö 15,19).

Liebe Leserin und lieber Leser! Im vorangegangenen Abschnitt habe ich nur Aufgaben des Geistes im Zusammenhang mit dem Menschen erwähnt. Dass er alle Tiefen Gottes kennt, also einen Universalschlüssel für jede Ecke inner- und ausserhalb des Universums in den Händen hält, kommt noch dazu! Dieser Geist ist den Menschen verheissen, die den Herrn Jesus lieb haben! Fürchten Sie sich nicht, liebe Leserin und lieber Leser! Mit uns ist mehr als ein F-14 „Tomcat“ Jäger – ich gebe zu, dass mir so ein Flugzeug Eindruck macht! –, der, beschleunigt vom gewaltigen Schub des schiffseigenen Katapultes, mit eingeschalteten Nachbrennern und schön geformten hinterem Doppelleitwerk, mit einem stolzen Navy-Piloten im Cockpit und zerstörerischen Raketenwaffen unter den Flügeln, mit ohrenbetäubendem Lärm in den Morgenhimmel der Schlacht startet! – Sagen Sie mir bitte, was das ist im Vergleich mit dem Geist Gottes! Der Geist kennt die Anzahl der Haare jedes Menschen auf dieser Welt und weiss von jedem Geschehnis an jedem Ort. Er hat jede Information, die es überhaupt gibt, sei sie offen zugänglich oder im Tresor einer Schweizer Bank. Dazu hat er die Gewalt Gottes, er ist Teil der Gottheit, sodass er in jeder Situation, sei sie noch so brenzlig, einschreiten kann, auch wenn in wenigen Augenblicken eingeschritten werden muss (Est 6,4-10).

Vielleicht klingt es unbegreiflich in Ihren Ohren, aber glauben Sie mir: Die Welt fordert ein Kräftemessen mit Gott. Sie wird mit allen ihren „F-14 Fliegern“ und weiterentwickelten Waffen gegen Jerusalem ziehen, der Zierde und ernannten Hauptstadt Gottes. Wiederum offenbart die Welt ihre totale Unkenntnis über den Allmächtigen. Fürchten Sie sich nicht deswegen! Obschon der Knall von startenden Raketen, das Fauchen der Nachbrenner von Kampfjägern und das verursachte Erdbeben eines fahrenden Panzerverbandes angsteinflössend ist! Fragen Sie sich nach diesen Informationen über den Geist, ob Gott fähig sein wird, beim kommenden Showdown, das die Welt unter der Leitung des Teufels anzetteln wird, diese ganze feindliche Kraft in einem Augenblick zu vernichten? Wird Er es schaffen? – Eine der leichtesten Übungen wird das für den HERRN sein, wie geschrieben steht:

12 Und dies wird die Plage sein, mit der der HERR alle Völker plagen wird, die gegen Jerusalem in den Krieg gezogen sind: Er lässt jedem sein Fleisch verwesen, während er <noch> auf seinen Füssen steht, und seine Augen werden verwesen in ihren Höhlen, und seine Zunge wird in seinem Mund verwesen.      
13 Und es wird geschehen an jenem Tag, da wird eine grosse Verwirrung von dem HERRN unter ihnen entstehen, so dass einer des anderen Hand packen und sich seine Hand gegen die Hand seines Nächsten erheben wird.   
14 Und auch Juda wird gegen Jerusalem kämpfen. Da wird dann der Reichtum aller Nationen ringsum eingesammelt werden: Gold und Silber und Kleider in grosser Menge.   
15 Und ebenso, gleich dieser Plage, wird <auch> die Plage für die Pferde, die Maultiere, die Kamele und die Esel sein sowie für alle Tiere, die in jenen Heerlagern sind.   
16 Und es wird geschehen: Alle Übriggebliebenen von allen Nationen, die gegen Jerusalem gekommen sind, die werden Jahr für Jahr hinaufziehen, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern.    Sach 14,12-16  

Der HERR wird nicht nur mit der Macht des Feindes und der Welt fertig, er bringt alle soweit, dass sie sich vor Ihm fürchten werden, anstatt gross gegen Ihn aufzutreten! Amen.

Fürchten Sie sich nicht und bleiben Sie in Seinem Dienst, auch wenn es lange Zeit mit Ihnen nicht gut läuft. Der HERR weiss um Ihre Not und kann das Geschick jederzeit ändern, er muss nicht erst mit seinen Feinden verhandeln. Bleiben Sie an Ihm, auch wenn Sie ausharren müssen im Elend, wie Hiob es musste. Am Ende heisst es:

17 Und sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tag, den ich machen werde. Und ich werde sie schonen, wie ein Mann seinen Sohn schont, der ihm dient.   
18 Und ihr werdet wieder <den Unterschied> sehen zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.      
19 Denn siehe, der Tag kommt, der wie ein Ofen brennt. Da werden alle Frechen und alle, die gottlos handeln, Strohstoppeln sein. Und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, so dass er ihnen weder Wurzel noch Zweig übriglässt.   
20 Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung ist unter ihren Flügeln. Und ihr werdet hinausgehen und umherspringen wie Mastkälber.   
21 Und ihr werdet die Gottlosen zertreten. Denn sie werden Staub sein unter euren Fusssohlen an dem Tag, den ich machen werde, spricht der HERR der Heerscharen.   Mal 3,17-21  

Das ist die Wahrheit. Das wird in Zukunft geschehen, ob die Zeichen jetzt dafür stehen oder nicht. Glauben Sie der Bibel, die Gottes Wort ist. Amen.

Vers 11

Denn wer von den Menschen weiss, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So hat auch niemand erkannt, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes.   1.Kor 2,11      

Nur der Geist hat Zugang zu jedem Winkel. So wie der Geist des Menschen alles vom Menschen kennt, kennt ausschliesslich Gottes Geist unseren HERRN. – Weshalb wird das vom Wort Gottes erwähnt? Inwiefern ist dieser Hinweis bedeutungsvoll für uns? – Er ist von Bedeutung, um das Geschenk zu erfassen, das Gott uns durch seinen Geist gemacht hat und um alle Vorzüge daraus zu erkennen. Der Geist des HERRN, der von allem weiss, auch von dem, was in Gott vorgeht, ist überhaupt das Beste, was wir vom HERRN haben bekommen können. In dieser Zeit, wo Christus für uns abwesend ist, da er im Begriff ist, sein Königtum zu empfangen (Lk 19,12), wollte Er nicht, dass wir verwaist zurückbleiben (Joh 14,18). Deshalb sandte er uns Seinen Geist, welcher nicht nur alles weiss und lehren kann. Sein Geist ist immer für uns da. Damit erfüllte der HERR sein Wort über unsere Vorstellungskraft mit einem unübertrefflichen Helfer.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.   Joh 14,23  

Auch dieser Vers jetzt sehr einfach zu verstehen. Der dreieine Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, kommen zu uns im Heiligen Geist, welcher Teil der einzig legitimen Gottheit ist. Damit kommen auch der Vater und der Sohn zu uns. An anderen Stellen wird der Geist auch Geist Jesu (Apg 16,7) bzw. Geist des Vaters (Mt 10,20) genannt. Dies zeigt, dass die Fülle der Gottheit in uns Christen wohnt! So ist auch einfach zu verstehen, dass wir einfachen Zugang zum Vater haben:

Denn durch ihn haben wir beide durch einen Geist den Zugang zum Vater.   Eph 2,18  

Diese Wahrheiten entschlüsseln, weshalb wir, alttestamentlich betrachtet, ohne weiteres Zugang zum Allerheiligsten haben, wogegen damals ein einziger Priester nur ein einziges Mal im Jahr hinein durfte (Heb 6,19).

Diese Herrlichkeiten und Geschenke sind von unermesslichem Wert! Sie sollten in korrekter Weise angewendet und wertgeschätzt werden. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass eine Geringschätzung dieser unübertrefflichen Gabe des HERRN für Ihn sehr verletzend ist.

Freuen Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser! Die Gabe des HERRN ist einfach ohne Mass. Den Heiligen Geist besitzen zu dürfen, ist ein Privileg, von dem sogar Staatsoberhäupter und Wirtschaftsführer nur träumen können. Daher: Der Name des HERRN sei gelobt von Seinem Volk! Amen.

Vers 12

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die <Dinge> kennen, die uns von Gott geschenkt sind.   1.Kor 2,12  

Der Geist Gottes hat gar nichts mit dem Geist der Welt gemein. Der Fürst dieser Welt ist der Teufel; ihm ist die Herrschaft über die Welt gegeben (Joh 12,31). Die Welt funktioniert seinem Geist gemäss. Dieser Geist ist ein Geist der Lüge und der Irreführung. Der Teufel ist ein Menschenmörder (Joh 8,44). Er lockt die Menschen mit Ansehen, Position, falscher Sexualität und Geld. Er bietet ihnen die Welt an, um den Hochmut des Lebens, die Lust der Augen und die Lust des Fleisches zu befriedigen (1. Joh 2,16). Dieser Geist der Welt ist ein Geist der Täuschung und der Lüge, denn er verleitet die Menschen zur Sünde. Die Sünde wird nach dem Gericht, das über die Welt kommen wird, geahndet: Der sündige Mensch wird in der Folge gerichtet und erntet für seine Saat den Tod. So leitet der Geist der Welt.

Der Geist Gottes hingegen führt uns in die Wahrheit hinein. Er ist der Geist des guten Gottes, der nicht will, dass ein einziger Mensch verloren geht (Hes 18,23). Er weist dem Menschen den guten Weg, den Pfad der Errettung zur Glückseligkeit und zum ewigen Wohlstand. – Die Welt und ihr Reichtum vergeht; das Reich Gottes bleibt in Ewigkeit. – Weil Gottes Geist aus der Wahrheit kommt, ist es kein Geist der Täuschung bzw. des Widerspruchs. Was der Geist Gottes anordnet, bringt nachhaltigen Segen, auch dann, wenn die Zeichen dafür nicht immer sofort sichtbar sind. Christus wurde durch den Geist in die Wüste geführt, wo ihn hungerte und er eine Bewährungsprobe mit dem Teufel hatte (Matth 4). Christus hatte vieles zu leiden während seines Weges, doch am Ende wird er gerade aufgrund dieses geistgeführten Lebens ein Segen für die Menschheit, auf die höchste Hierarchiestufe erhöht und mit erhabenster Ehre bekleidet.

Dieser Geist möchte uns in die Wahrheiten Gottes einführen (Joh 14,26). Er will, dass wir den Willen und die Hausordnung des Vaters kennen. Wir sollen die Dinge kennen, die uns durch Gott geschenkt sind! Wir sollen nicht im Dunkeln tappen, wir sollen wissen, was wir in Christus haben und zu was der Geist in uns fähig ist. Öffnen wir uns dafür! Amen.

Vers 13

Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in <Worten>, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten.    1.Kor 2,13  

Die menschliche Weisheit hat ihr Gebiet, welches Grenzen hat. Sie kann zwar wachsen, aber nur begrenzt. In geistlichen Dingen ist sie ratlos und nicht geeignet, kompetente Auskunft zu geben. Mit ihr kann der Mensch zwar bereits einige Organe transplantieren, doch wenn es um das grundlegende „Woher“ und „Wohin“ beim Menschen geht, ist sie ratlos. Bei unheilbaren oder chronischen Krankheiten sehen wir auch die Begrenztheit: Vielleicht hat sie eine Erklärung dafür, doch die menschliche Weisheit ist nicht imstande, darauf eine effektive Lösung zu geben. Sie ist völlig ungeeignet in geistlichen Dingen angewendet zu werden. Deshalb wendet sie der Apostel auch nicht an, denn, in geistlichen Dingen angewendet wäre es dasselbe, wie wenn wir mit einem Fahrrad einen Güterzug über die Schweizer Alpen ziehen wollten. Für ein solches Unterfangen wurden schliesslich Loks konzipiert, die ihresgleichen an Robustheit und Stärke suchen. Den Höhepunkt bildete eine Lok, mit vierzehn Achsen, wovon acht angetrieben wurden. – Liebe Leserin und lieber Leser! Wollen Sie mit einem Fahrrad den Güterzug über den Gotthard ziehen oder von einem Vierjährigen an der Hochschule unterrichtet werden? – Bestimmt nicht! Wir sehen ein, dass es für jedes Vorhaben geeignete Mittel braucht. Konsultieren Sie für weltliche Belange Ihre weltlichen Ratgeber bzw. Spezialisten. Gehen Sie mit dem durchgerosteten Auspuff zum KFZ-Spezialisten und mit dem gebrochenen Arm zum Doktor. Sie sind aber schlecht beraten, wenn Sie bei geistlichen Fragen Menschen fragen, die weltliche Weisheit anwenden, da müssen Sie schon einen geisterfüllten Menschen, der einen wahrhaftigen Draht zum HERRN hat, fragen (1. Kö 22,7). Die Welt hat zwar ihr Manko in geistlichen Dingen erkannt und versucht es auszugleichen, indem sie die geistliche Welt probiert anzuzapfen. Sie sehen das an der Fülle der Hellseher und Spiritisten, die sich und ihre Dienste in vielen Zeitschriften und auch am TV anpreisen. Sie lesen Handlinien und legen Karten und befragen Tote, um mithilfe der geistlichen Dimension die weltlichen Grenzen zu erweitern. Von einigen wird es Bewusstseinserweiterung genannt, wobei dieser Begriff für verschiedene Dinge verwendet wird.

Als Hilfesuchende bzw. Hilfesuchender dürfen Sie alle Arten von Hilfe in Anspruch nehmen, ausser in geistlichen Angelegenheiten. Sie dürfen sich in Sachen Ernährung von Fachpersonen beraten lassen und in Steuerangelegenheiten vom Steuerberater. Was klar nicht gestattet ist, geht aus der Schrift hervor. Weltliche Ratgeber dürfen alles gefragt und ihre Hilfe in Anspruch genommen werden, solange ihr Rat nicht gegen Sitte und Moral verstösst (Beispiel: Rat zu Ehebruch, Abtreibung, Unzucht u.a.m.). In geistlichen Fällen dürfen weder Tote angerufen, noch Zauberer, Hexen, Spiritisten und sonstige Medien gefragt werden, wenn Sie nicht unter ein göttliches Urteil kommen wollen (3. Mo 19,31). In diesen Angelegenheiten geht die Irreführung des Geistes dieser Welt weiter: Auch wenn ein solcher Geist manchmal tatsächlich die Wahrheit trifft (Apg 16,17), sind wir nicht befugt – strikt nicht autorisiert! – Quellen dieser Art zu nutzen.

Liebe Leserin und lieber Leser! Sie dürfen sich in Teamführungskompetenzen coachen lassen. Es ist Ihnen erlaubt, Ihre Bewerbungsunterlagen von Fachpersonen aufzuwerten bzw. prüfen zu lassen. Es spricht nichts gegen eine Mütter- und Väterberatung durch eine Hebamme in irdischen Dingen. Sie dürfen sich grundsätzlich an Ratgeber wenden. Strengstens untersagt ist alles für den Gottesfürchtigen, das durch die Gegenseite Gottes angeboten wird. Amen.

Vers 14

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.    1.Kor 2,14  

Viele in der Zuhörerschaft Christi glaubten Ihm nicht einmal, als Er von irdischen Dingen sprach. Aus logischer Konsequenz fragte der HERR, wie seine Zuhörer denn an das Himmlische glauben wollen, wenn das Irdische schon unglaublich klang in ihren Ohren (Joh 3,12). Ausserdem ist das Himmlische nicht ohne weiteres zu verstehen, es braucht dazu ein gewisses Fundament. Jesus legte es dementsprechend behutsam bei seinen Jüngern, ohne mit seiner Allwissenheit zu überzeugen (Joh 16,12). Der Glaube der Jünger sollte von innen heraus, aus Überzeugung wachsen und nicht auf wackeligen Beinen von überredenden Worten und für sie (noch) unfassbaren Aussagen stehen.

Ein natürlicher Mensch, ein Mensch ohne Wiedergeburt (Joh 3), kann die Dinge Gottes nicht annehmen. Ihm fehlt die Entsprechung dazu. Die Entsprechung für das Irdische hat ein solcher im Normalfall. Bildlich dargestellt kann der natürliche Mensch mit Wasser umgehen. Er hat die Auffangbecken und Wasserleitungen, um es zu kanalisieren und zu speichern. Wenn nun „Wasser“ für das Irdische steht, erkennen wir nun in der Veranschaulichung, dass der irdische Mensch damit umgehen kann. Nehmen wir ein anderes Bild, unsichtbare Funksignale, um das Himmlische zu versinnbildlichen. Ein Mensch ohne Entsprechung für diese Signale, d.h. ohne eine der Wellenlänge angepassten Antenne mit dazugehörigem Empfänger und Wandler, die ihm die Signale in eine für ihn wahrnehmbare Grösse wandeln (Bild oder Ton bzw. beides), kann der Mensch gar nichts mit den Funksignalen anfangen. Ja, er weiss nicht einmal, dass er von solchen umgeben ist. – So ist der natürliche Mensch. Die geistliche Welt existiert zwar um ihn, er merkt jedoch überhaupt nichts davon. Wenn ein Christ von der Existenz dieser Welt spricht, ist es dem weltlichen Menschen eine Torheit, wie es eine Dummheit für die damalige Welt war, als Noah ein Schiff auf dem Trockenen baute.

Vers 15

Der geistliche <Mensch> dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt.   1.Kor 2,15 

Der geistliche Mensch hat gelernt auf seinen innewohnenden Geist zu hören. Das tun längst nicht alle Christen. Obschon der HERR bei den Gläubigen wohnt, kommt es bei vielen nicht zum Ausdruck, weil der HERR – im Gegensatz zum Teufel – dem Menschen die Freiheit lässt, sich auch in täglichen Belangen für oder gegen Ihn zu entscheiden. Der Teufel überwältigt hingegen seine Leute. Wer sich dem Teufel verschreibt, wird fremdgesteuert. Das wirkt sich in extremen und offensichtlichen Fällen mit Besessenheit aus. Der HERR lässt dem Gläubigen die Wahl, wie erwähnt, ob er mit Seinem Geist zusammenarbeiten will. Entscheidet sich der Gläubige dafür, arbeitet er zusammen mit dem Heiligen Geist, der allwissenden Gewalt. Der Geist unterstützt ihn im Leben. Die Erkenntnis wird in der Folge zu einem Besitztum. Dazu steht geschrieben:

Der Spötter sucht Weisheit, doch sie ist nicht da; aber für den Verständigen ist Erkenntnis ein Leichtes.  Spr 14,6  

Die Beurteilung einer Situation wird leicht, auch wenn sich der Gegenspieler als Engel des Lichts ausgibt: Er wird vom geistlichen Menschen entlarvt. Der geisterfüllte Mensch Stephanus (Apg 6,5) kannte die Beweggründe der geistlichen Leiter in Israel. Er liess sich von ihren Gewändern und Abgaben nicht täuschen, auch wenn sie jedes Küchenkräutchen verzehnteten. Sogar was sie lehrmässig sagten war korrekt, der HERR bestätigte das (Mt 23,3). Doch der Antrieb der Pharisäer war böse und teuflisch; er war so schlimm, dass Stephanus‘ Urteil dementsprechend ausfiel:

51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist; wie eure Väter, so auch ihr.   
52 Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, welche die Ankunft des Gerechten vorher verkündigten, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid,   
53 die ihr das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen und nicht befolgt habt.    Apg 7,51-53 

Die religiösen Führer wurden von Stephanus als halsstarrig, unbeschnitten, dem Heiligen Geist widerstrebend, Christusmörder und Verächter des Gesetzes des HERRN bezeichnet. Wie treffend war diese Aussage! Die Pharisäer konnten dieser Beurteilung nicht mit Argumenten widersprechen. Deshalb reagierten sie, in ihrer Haltung verletzt, mit blindem Hass, welcher alleine schon durch das Gesetz verurteilt war bzw. ist und brachen es so in doppelter Art (Jak 1,20; Spr 29,22).

Können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, geistlich urteilen? Arbeiten Sie eng mit dem HERRN zusammen, indem Sie Ihm ein Bethaus darbieten (Mt 21,13)? Beten Sie oft? Besprechen Sie die Angelegenheiten des Lebens mit dem HERRN? Oder vertrauen Sie in allem auf den Verstand, der in der Regel aufgrund des menschlich Wahrnehmbaren beurteilt? – Ein geistlicher Mensch kann nicht beurteilt werden, denn er verhält sich nicht mit menschlichen Normen berechenbar, weil er geistliche Elemente in seinen Entscheidungen einbezieht.

Vers 16

Denn »wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn unterweisen könnte?«  Wir aber haben Christi Sinn.  1.Kor 2,16

Wie ich im Kommentar zum Vers 15 erwähnt habe, kann ein geistlicher Mensch nicht beurteilt werden. Denn „wer hat den Sinn des HERRN erkannt?“ Wer die Gedanken des HERRN nicht einschätzen kann, kann auch den geistlichen Menschen, der sich nach den Gedanken Gottes ausrichtet, nicht einschätzen. – Der geistliche Mensch handelt nach Christi Sinn. Zwar haben alle Christen durch den innewohnenden Geist Seinen Sinn. Viele handeln leider jedoch nicht danach. Sie verweilen lieber im Eigendünkel und wirken nach ihren eigenen Willen, wie es die Welt tut. Solche schaden dem Zeugnis und sich selbst.

Vieles liegt in Ihrer Hand, liebe Leserin und lieber Leser. Die Eigenverantwortung ist ein grosses Gebiet, welches Ihnen in die Hand gegeben ist. Sie selbst entscheiden – niemand anders -, ob sie heute und fortan den eigenen Ideen folgen oder Christi Sinn gehorchen wollen. Amen.

Kapitel 3

Vers 1

Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus.    1.Kor 3,1   

In diesem Vers kommt etwas zum Tragen, das wir verstehen sollten, denn es ist ein zentrales Thema für Christen: Im Leben gibt es viele Projekte, die ein Mensch anpackt bzw. anpacken muss. Denken wir nur an die Zeit unserer Schulbildung, das Planen der Hochzeit und die Kindererziehung. Nur schon ein Autokauf kann anspruchsvoll sein und fast zu einem Projekt werden, wenn wir an die geeignete Auswahl, die Finanzierung, den Ort der Beschaffung und der Unterbringung und die zukünftige Wartungswerkstatt denken. All diese Projekte haben einen Anfang und ein Ende. Wir gehen sie das erste Mal als Unerfahrene an, wachsen aber mit unserem Projekt mit und können am Ende mit unseren Erfahrungen Personen helfen, die am Anfang stehen. So geht es im Leben in vielen Dingen vonstatten; ein solcher Ablauf ist üblich.

Wir Christen sind irgendwann im Leben vom HERRN gerufen worden und durften Dank Seiner grossen Gnade in Sein Reich eintreten. In jenem Zeitpunkt begann für uns ein neuer Abschnitt im Leben, der, wie ein Projekt, einen Anfang und ein Ende hat. Den Anfang machten der Ruf Gottes und unsere darauffolgende Wiedergeburt, das Ende unseres ersten Lebensabschnittes als Christen stellt das Kommen des HERRN dar. Genau so wird der erste Lebensabschnitt von der Bibel dargestellt. Der HERR beruft seine Knechte, übergibt ihnen sein Hab und Gut, das er gemäss der Fähigkeiten eines jeden Knecht auf sie verteilt und „reist ausser Landes“, wie im Matthäusevangelium geschrieben steht (Matth 25,14-19). Nach Seiner Reise kommt er zurück und rechnet ab. Es handelt sich hier um einen ganz normalen Prozess im Leben, dem wir immer wieder begegnen. Es ist überhaupt nichts Fremdes, was uns in diesen Versen vorgestellt wird. Auch an unseren Arbeitsstellen haben wir Ziele, die anfangs Jahr formuliert und am Jahresende überprüft werden. Kluge Mitarbeiter planen die Zeit und ihre Kräfte so ein, dass diese Ziele zur vollen Zufriedenheit des Chefs bzw. der Chefin erreicht werden. Am Anfang sind sie vielleicht in der Zielerreichung noch etwas überfordert, sie nutzen aber die Erfahrung anderer, welche solche Projekte schon durchlebt haben, um sich dazu fit zu machen. Mit entsprechender Unterstützung und einer klugen Planung sind hoch gesteckte, jedoch auch realistische Ziele zu erreichen. Die Projekte beginnen ganz klein, manchmal nur auf einem Blatt Papier. Nach und nach nehmen sie aber Formen an und können am Ende ganz ansehnliche Ergebnisse präsentieren. Selbst die Projektmitarbeiter können am Anfang noch wenig Ahnung von der Materie haben. Sie wachsen mit ihren Projekten mit und sind am Ende mit dem nötigen Einsatz nicht selten Experten in der Thematik. Diese frischgebackenen Fachleute können dann Neulingen wenn nötig unter die Arme greifen. Das geschieht dann in der Regel wohlweislich behutsam, ohne die Projektanfänger mit den letzten Problemstellungen mutlos zu machen.

In dieser Art verfährt Paulus mit den Korinthern. Er begann seine Reden nicht mit hohen geistlichen Dingen, die von Menschen im geistlichen Stand eines Babys nicht aufgenommen werden können. Paulus beginnt vielmehr mit der Abgabe von Milch, welche passend ist für die erste Lebensphase. Danach, wenn etwas Wachstum eingesetzt hat, kann mit der Abgabe von fester Speise begonnen werden. Dabei sollte das hohe Ziel nie aus den Augen verloren werden, denn, ohne eine darauf ausgerichtete Arbeitsweise entwickeln wir uns nicht zielorientiert. Wenn ein fertiges Haus in der Zielformulierung festgelegt wurde, haben wir die Zielerreichung verpasst, wenn wir am Projektende eine Scheune präsentieren. Die Zielerreichung ist auch verfehlt, wenn am Ende nur der Rohbau steht, denn die Ziele des HERRN sind erreichbar. Zwar sind sie nicht ohne Hilfe realisierbar, da wir blutige Anfänger im Reich sind. Doch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ist die Erreichung möglich. Wir haben den in uns wohnenden Geist und wir haben Menschen, die uns der HERR für die Zielerreichung zur Seite stellt:

11 Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,   
12 zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi,   
13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmass des Wuchses der Fülle Christi.    Eph 4,11-13   

Das Ziel am Ende des ersten Abschnittes im Leben eines Christen ist, am Lebensende bzw. bei der Wiederkunft Christi die Erwartung des HERRN erfüllt zu haben. Der HERR erwartet eine gute Verwaltung seines Vermögens, das er vor seiner Abreise auf seine Hausgenossen verteilt. Wenn er zurückkommt erwartet er ein Mindestmass an Zunahme seines Vermögens, weil er alles dazu Notwendige bereitstellt.

Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab.    Mt 25,19   

Wir kennen alle die Fortsetzung. Die einen haben am Projekt des HERRN gearbeitet, andere nicht. Wer nicht gearbeitet hatte, wird hart bestraft, weil er faul war, der HERR ihm aber alle Ressourcen zur Verfügung gestellt hatte. Der Faule hat das Ziel seines Projektes völlig verfehlt.

und <so> erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen.   1.Petr 1,9 

Ein Fauler wird seine Seele nicht retten, weil er sich nicht verleugnet hat um der Sache Christi willen. Viel arbeitete ein Solcher an seinen eigenen Dingen oder gebrauchte die Zeit, die ihm der HERR schenkte, zum Ausruhen. Weil er ausruhte oder für sich arbeitete, gibt ihm der HERR in der Folge keinen Teil am Reich. Seine Seele muss sich mitansehen, wie die Fleissigen und jene, die ihre Bedürfnisse hinter die des HERRN stellten, Teile des Reiches für sich empfangen, um zu geniessen.

In meiner Lebenszeit konnte ich beobachten, dass viele Christen, selbst ich während langen Zeitperioden, das Projekt des HERRN nicht so ernst nehmen. Man investiert in die Zielvorgaben der weltlichen Vorgesetzten, während dem die des HERRN unbeachtet schubladisiert werden. Obwohl der HERR diese Problematik aufgreift und zur Busse ruft, kehrt längst nicht jeder Christ an die angefangenen Arbeiten zurück.

Auch wenn ihr Blindes darbringt, um es als Opfer zu schlachten, ist es <für euch> nichts Böses; und wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, ist es <für euch> nichts Böses. Bring es doch deinem Statthalter! Wird er Gefallen an dir haben oder dein Angesicht erheben? spricht der HERR der Heerscharen.   Mal 1,8 

Wir getrauen uns nicht unseren weltlichen Würdenträgern „lahme“ Arbeiten abzuliefern, wobei wir uns im Gegenzug nicht scheuen, vor dem ewigen Würdenträger „Lahmes und Krankes“, also schlampige und unfertige Arbeiten zu präsentieren. Das Projekt des HERRN, welches klare Ziele mit klarem Anfang und Ende dargelegt ist, wird sehr oft so unprofessionell angegangen, dass es für uns sehr demütigend ist. Da muss man leider sagen, dass sich die Welt in Projekten viel geschickter anstellt, als die Söhne des Lichtes! Wie demütigend für uns!

Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht.    Lk 16,8  

Im Umgang miteinander – wer hat das nicht schon beobachtet? – handeln die Söhne dieser Welt klüger als die Christen. Viele Weltmenschen beenden ihre Projekte erfolgreich, wogegen sich nicht wenige Christen der Arbeiten Gottes entziehen, um ihre eigenen Wünsche zu verwirklichen. Weltliche Vereine haben untereinander bessere Vernetzungen und innerhalb nicht selten besseren Umgang miteinander, wo im Gegensatz dazu in den Gemeinden gestritten und Stolz gepflegt wird.

An dieser Stelle möchte ich zur Betrachtung unseres Verses zurückkommen:
Paulus anerkannte eine gewisse Unerfahrenheit in den Anfängen des Christenlebens, des ersten Projektes eines Christen. Er stellte in diesem Vers fest, dass er zu Unmündigen in Christus reden musste und somit nur Milch statt feste Speise abgeben konnte, weil die Korinther noch viel Wachstum nötig hatten, um die Fähigkeit zu erlangen, feste Speise aufzunehmen.

Arbeiten wir im Reich nach den zeitlichen und inhaltlichen Vorgaben? Wir sollten wissen, dass zu viel verpasste Zeit nicht nachgeholt werden kann. Wer in der Ernte schläft, kann im Winter nicht nachholen, was er im Sommer verpasst hat. – Leben wir nach diesem Wissen?

Vers 2

Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht feste Speise; denn ihr konntet <sie> noch nicht <vertragen>. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht,    1.Kor 3,2  

Paulus speiste die Korinther mit Milch. Aus diesem Vers kommt auch hervor, dass sie selbst nach Paulus‘ Besuch bei ihnen, zum Zeitpunkt dieses Briefes – was das Reich betraf – noch im Wachstumsstand eines Kleinkindes waren.

Selbst weiss ich nicht, wie viel Zeit zwischen leiblicher Anwesenheit Paulus‘ bei den Korinthern bis zum Brief verstrichen war, daher kann ich nicht beurteilen, ob die Korinther im normalen Tempo heranwuchsen oder ob die Christen damals schon, wie es heute üblich ist, kostbare Zeit verschliefen. Ich tendiere mit den Informationen aus den Evangelien und dem Hebräerbrief zu sagen, dass es damals schon der Fall war. Wenn ich sage, dass Wachstumsschwierigkeiten in der Erkenntnis heute an der Tagesordnung der meisten Gemeinden gehören, sage ich nicht zu viel. Dabei ist mit dem Wort „Wachstumsschwierigkeiten“ der Zustand im Christentum wohl noch eher sehr vorsichtig ausgedrückt.

Im Vergleich zu anderen Lernthemen liegt die Ausbildung im Reich Gottes bei den meisten Christen auf dem letzten Platz. – Vielleicht teilen Sie diese Auffassung im Augenblick überhaupt nicht; geben Sie mir bitte die Chance, es näher zu erläutern. Der Zustand wurde auch systembedingt heraufbeschworen, er liegt nicht „nur“ in der Nachlässigkeit der einzelnen Person. – Beachten wir zunächst die Lernzeiten bei erwachsenen Menschen. Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass der Mensch sehr langsam lernt. Sie können nicht, auch wenn sie sehr stark dazu gewillt sind, eine Ausbildung die vollzeitlich, d.h. mit Ganztagesblöcken, vier Jahre lang dauert in sechs Monaten absolvieren und allen Lerninhalt in der gleichen Nachhaltigkeit abspeichern, wie im Vierjahreslehrgang. Abkürzungen sind zwar möglich, indem Ferien und Feiertage ausgelassen werden, doch wir sind uns einig, dass bei gleichbleibender Lernmenge nicht beliebig abgekürzt werden kann.

Christen lernen viele Dinge in ihrem Leben. In Europa besuchen die meisten die Grundschulen und eignen sich so das Basiswissen an. Danach geht es weiter in weiterführenden Lerninstituten oder mit Berufslehren bis zum Erwachsen sein. Hier möchte ich anknüpfen, weil da die volle Verantwortlichkeit beim Menschen beginnt (4. Mo 32,11). Ab zwanzig Jahren und darüber lernt der Mensch noch viele Dinge bis ins Alter. Zum Beispiel wird das Autofahren erlernt. Der Reiz, in die mobile Unabhängigkeit zu kommen, ist gross und die Mühe wird nicht gescheut, trotz hoher damit verbundener Kosten, die Fahrprüfung so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Dazu wird gebüffelt und gelernt, was eine Kupplung ist und was es mit der Handbremse auf sich hat. Wer wann Vortritt hat ist relevant, Verkehrszeichen und Bodenmarkierungen werden gepaukt, bis alles zur vollen Zufriedenheit der Verkehrsexperten sitzt. Innerhalb weniger Monate werden Menschen ohne Strassenverkehrskenntnisse zu mündigen Verkehrsteilnehmern. Der Wunsch nach Mobilität als Triebfeder gab den Ausschlag, diese Ausbildung schnellstmöglich mit Erfolg zu absolvieren. Im Blick auf die Bildung im Reich Gottes sieht es im Vergleich düster aus. Ich bin nicht mehr der Jüngste und habe in meiner Laufbahn mit vielen Christen über ihren biblischen Ausbildungsstand diskutiert. Etliche Christen gestanden mir, dass sie – selbst nach zwanzig Jahren im Reich – immer noch im Stande eines Babys bzw. eines Kleinkindes sind und nicht mehr als nur Milch vertragen oder verarbeiten können. Gestandene und erwachsene Geschwister sagen mir zum Beispiel auch, dass sie nicht einmal die Erklärungen, wie diese hier, die ich zu den Bibelbüchern schreibe, leicht verstehen, obschon praktisch jeder Vers des darin betrachteten Bibelbuches mit vielen Worten von verschiedenen Seiten aus beleuchtet wird! – Entweder schreibe ich sehr unverständlich oder der Leser kann die Sprache des Reiches nicht verstehen! Auf jeden Fall ist es durch die Schrift verurteilt, wenn jemand nach langem Christsein sich immer noch nicht auskennt und nicht imstande ist, Jüngere zu unterweisen, wie geschrieben steht:

11 Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid.
12 Denn während ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise.   
13 Denn jeder, der noch Milch geniesst, ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger;   
14 die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen.    Hebr 5,11-14  

Der HERR verlangt ja nicht, dass ein Christ nach zwei Monaten ausgebildet ist, wie ein Paulus es war. Der HERR gibt uns genügend Zeit zu wachsen. Er gab seinen Jüngern auch mehr als zwei Jahre, wie er für Israel zwei Jahre für Wüstenwanderung und Einführung des Gottesdienstes eingeplant hatte. Dass daraus vierzig Jahre wurden ist das alleinige Verschulden des Volkes – Gott wollte sie ursprünglich nach zwei Jahren, nicht erst nach vierzig!, ausgebildet und mit den richtigen Werkzeugen (Stiftshütte, Feste, Gesetz) ins Land führen (4. Mo 14,34). Es ist auch klar ersichtlich, dass der Herr Jesus nach einer bestimmten Zeit geistliche Erkenntnis von seinen Jüngern erwartete:

Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater?    Joh 14,9 

Bitte schlagen Sie dazu auch folgende Verse nach: 4. Mo 14,11; Jos 18,3; Jer 13,27. Beachten Sie bitte auch diese ernsthafte Warnung an seine Jünger:

16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, doch sie konnten ihn nicht heilen.
17 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn mir her!   
18 Und Jesus bedrohte ihn, und der Dämon fuhr von ihm aus; und von jener Stunde an war der Junge geheilt.   
19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sprachen: Warum haben wir ihn nicht austreiben können?
20 Er aber spricht zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens; denn wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Hebe dich weg von hier dorthin! und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein.    Mt 17,16-20  

Sehen Sie, worauf ich hinaus will? Für weltliche Dinge setzen wir genügend Zeit ein, sie zu lernen und uns dafür Wissen anzueignen, wogegen wir in christlichen Angelegenheiten oft durch unbeschreibliche Trägheit glänzen. Allerdings muss an dieser Stelle berücksichtigt werden, obschon wir für unser Leben selbst verantwortlich sind, dass wir systembedingt aktiv getäuscht werden. Viele von uns sind im Nikolaitensystem aufgewachsen und kennen den reinen Gottesdienst nur in der Theorie aus der Bibel. An den Sonntagen werden jedoch etliche konfrontiert mit dem schriftwidrigen System ihrer Gemeinde, das unter anderen bösen Dingen eine illegale Hierarchie etabliert hat, dem System der Nikolaiten, wie es die Bibel nennt (Offb 2,6; 2,15). Durch dieses System wurde – gegen das Heilige Wort! – eine priesterliche Klasse eingeführt, eine Klasse, die sich über das gewöhnliche Christenvolk erhebt. Es sind die Nikolaiten, was übersetzt „Volkssieger“ heisst. Nennen tun sie sich Pfarrer (evang.), Priester (kath.), Prediger (freikirchl.) usw. -, es gibt inzwischen viele Namen für diese „Würdenträger“. Obschon dieses System im Lichte der Schrift offensichtlich widerrechtlich ist, denken Sie nur mal an den Namen „Papst“ (= Vater), mit dem sich jemand Vater nennen lässt, wo dies unverschlüsselt und geradeaus im Neuen Testament verboten wurde (Mt 23,9), konnten sich solche Auswüchse etablieren und sind heute von Millionen Christen selbst in Freikirchen anerkannt. Dass diese bösen Ordnungen aber genau für den vom System als unmündig gestempelten Christen total giftig sind und einschläfernd wirken, wird stillschweigend und lethargisch hingenommen.

Liebe Leserin und lieber Leser! Bilden Sie sich nicht ein, dass Ihr Pfarrer, Priester, Prediger oder Papst für Ihr Unwissen beim HERRN einstehen wird! Dafür müssen Sie selbst gerade stehen und Rechenschaft abgeben!

Ich empfehle Ihnen dringend, einen kurzen Ausbildungsplan zu erstellen (z.B. mit Lernkärtchen oder Bibelbuchzusammenfassungen bzw. Abschriften schreiben) und täglich in der Bibel zu lesen, wie es für Könige vorgeschrieben war, denn wir sind auch aus königlichem Geschlecht (1. Petr 2,9), wie geschrieben steht:

18 Und es soll geschehen, wenn er auf dem Thron seines Königreiches sitzt, dann soll er sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben, aus <dem Buch, das> den Priestern, den Leviten, vor<liegt>.   
19 Und sie soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen, damit er den HERRN, seinen Gott, fürchten lernt, um alle Worte dieses Gesetzes und diese Ordnungen zu bewahren, sie zu tun,   
20 damit sein Herz sich nicht über seine Brüder erhebt und er von dem Gebot weder zur Rechten noch zur Linken abweicht, damit er die Tage in seiner Königsherrschaft verlängert, er und seine Söhne, in der Mitte Israels.    5.Mose 17,18-20 

Wenn Sie diese Worte befolgen, werden Sie in einem wesentlichen Teil vorankommen! Gelobt sei der HERR für diese Gnade! Amen.

Vers 3

denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?    1.Kor 3,3  

Eifersucht und Streit sind keine geistlichen Früchte, es sind vielmehr fleischliche. Wer solche Früchte trägt, soll wissen, dass er noch nicht gelernt hat, Christus gemäss zu wandeln. Die Bibel unterscheidet ja die verschiedenen Antriebe, wie wir aus dem Studium des Römerbriefes wissen. Der Mensch kommt mit der alten Natur zur Welt, der Natur des ersten Menschen, welcher sie durch den Genuss der verbotenen Frucht verdorben hat. Das ist Adams Erbe. Die Bibel nennt diese Natur Fleisch. Das hier genannte Fleisch hat nichts zu tun mit dem fassbaren Fleisch des Körpers, das mit Haut überzogen ist. Die fleischliche Natur ist die durch Adam verdorbene Erbinformation, welche zur Kreatur Mensch gehört, und nur Böses hervorbringen kann. Die Bibel spricht da Klartext:

19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,   
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Hader, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen,   
21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.   
22 Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
23 Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese ist das Gesetz nicht <gerichtet>.   
24 Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.    Gal 5,19-24  

Der Humanismus, welcher hauptsächlich das heute anerkannte Menschenbild in unseren Breitengraden darstellt, irrt diesbezüglich gewaltig. Die Person, die sagt, dass ein guter Kern in jedem Menschen steckt, behauptet, die Bibel lüge. Die Bibel lässt der alten Natur nicht den kleinsten guten Kern, sie sagt, dass fleischliches durch und durch verdorben ist und keine Möglichkeit für diese Natur besteht, das Reich zu erben. Deshalb gehört das Fleisch ans Kreuz, schlicht in den Tod und nicht in ein Verbesserungsprogramm.

Die Predigten Jesu, welche die Moral betreffen, zielten nie auf das Fleisch ab, weil das Fleisch nachweislich nicht in der Lage ist, Gottes Willen zu folgen. Jesus deckte nur die Boshaftigkeit des Fleisches auf und bot dem Menschen die absolut einzig wirksame Wahl an: die geistliche Natur. Diese Natur gewährt Jesus jedem, der Ihn ernsthaft anruft, indem er um Vergebung seiner Sünden und Errettung bittet. Der Herr Jesus kommt in der Folge durch seinen Geist in den darum bittenden Menschen und gebiert ihn von Neuem (Joh 3). – Ein Neugeborener kann aber das ganze Wissen nicht von Anfang an tragen, er kommt daher als „Baby“ ins Reich und wächst, indem er geistliche Nahrung, die Worte Gottes, isst bzw. trinkt.

Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: »Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.«    Mt 4,4    

Die Korinther waren ja, wie wir inzwischen wissen, noch im Wachstumsstadium eines Kleinkindes, da sie erst „Milch“ aufnehmen konnten. Das Verhältnis Fleisch/Geist war in ihnen ungesund, da das Fleisch anstatt des Geistes ihr Tun beherrschte. Das Resultat war – wen wundert es -, dass ihre Früchte noch böse waren. Streit und Neid sind Auswüchse des Fleisches, nicht des Geistes.

Jesus weist uns auf die Früchte hin, um Menschen bzw. ihren Antrieb zu beurteilen (Mt 7,20). Wir können uns in noch so frommen Kreisen aufhalten, wenn Neid, Streit oder irgendetwas in der Aufzählung von Galater 5,19-21 sich als Frucht ihres Handelns offenbart, wie es bei den Pharisäern der Fall war, die sogar den Gesalbten Gottes verfolgten (Frucht = Neid) und ermorden wollten (Frucht = Mord), handelt der Mensch bzw. die Gemeinschaft nicht nach dem Willen Christi. Das gilt auch in Institutionen, wo die Nikolaiten bzw. der in Gottes Augen sich illegal etablierte Klerus an Knaben vergreift (Frucht = schändliche Unzucht). Da nützt es vor dem HERRN und Seinem kommenden Gericht nichts, wenn der teuflische bzw. fleischliche Antrieb, der solche Früchte bringt, sich hinter oberfromm aussehenden Priestergewändern verbirgt und ein so angetriebener Priester, Pfarrer, Pastor, oder wie sie sich alle nennen lassen, sich in goldüberzogenen und mit Weihrauch „geheiligten“ Kirchenschiffen aufhalten. Ein goldenes Äusseres deutet nicht auf ein gesundes Inneres, wie geschrieben steht:

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äussere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit.    Mt 23,25   

Liebe Leserinnen und Leser! Ist unser HERR nicht herrlich? Legt er nicht eine menschliche Herrlichkeit an den Tag, die ihresgleichen sucht? Wie treffend urteilte unser HERR doch über die Menschen! Wie genau konnte er jede Situation einschätzen! Wie sehr lohnt sich ein Wandel mit Ihm! Sein Wort ist nicht mit allem, was die Welt bietet, aufzuwiegen (Ps 119,14; 119,162)! Amen! Nach was trachten Sie mehr, nach Ihm oder der Welt?

Vers 4

Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus, der andere aber: Ich des Apollos – seid ihr nicht menschlich?    1.Kor 3,4  

Paulus verlangt zu Recht eine geistliche Beurteilung der Dinge des Reiches. Menschlich sein dürfen wir, schliesslich sind wir Menschen. Christen sind aber Menschen, welche die Unterstützung des innewohnenden Geistes Gottes haben. Dieser Geist unterstützt sie in Fragen der Gemeinde, die sich im Reiche Gottes bewegt. Wer darin „menschlich“ urteilt, nach der Gewohnheit, wie die Nationen irdische Dinge beurteilen, misst mit dem falschen Mass und kommt zum falschen Schluss. Der Herr Jesus verurteilt eine solche Entscheidungsfindung aufs Schärfste. Er betitelt Petrus mit dem Namen des Gegenspielers, wo er Ihm in geistlicher Angelegenheit mit (gut)menschlicher Weisheit raten wollte:

Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.    Mt 16,23    

Achten wir daher, dass wir in Dingen des Reiches nicht menschlich bzw. gutmenschlich urteilen. Die Gemeinden sollten beispielsweise nicht mit Leitbildern, wie es für weltliche Unternehmen Sinn macht, ausgestattet werden. Das Leitbild ist das Wort, alles andere führt zu gemeinschaftlichem Individualismus, der so nicht gefragt ist. Im Weiteren sollen wir auch vorsichtig sein, wenn wir Gemeindestrukturen bilden. Viele Gemeinden sind in Anlehnung an Statuten von weltlichen Vereinen aufgestellt. Eine solche Aufstellung bringt vielen Ballast mit, der ein gesundes Wachstum hindert oder zumindest verlangsamt. Zum Beispiel wird in so geregelten Gemeinden der Geist willkürlich eingeschränkt, weil die Gemeinde vorgibt, welche Christen für was autorisiert sind und welche nicht. Nicht selten geniessen eingeschriebene „Vereinschristen“ grösseren Handlungsspielraum als die nicht eingeschriebenen, obschon vom Heiligen Wort her allein die geistliche Zugehörigkeit ausschlaggebend ist und nicht die Vereinszugehörigkeit. – Fragen wir uns, liebe Leserin und lieber Leser, wie die zu beurteilenden Fälle im Lichte des Wortes und des Geistes beurteilt werden.

Vers 5

Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat.    1.Kor 3,5 

Wie ist die Frage, was denn Apollos und Paulus seien, zu verstehen? Sollen wir aufrichtige Diener des HERRN gering schätzen bzw. schätzt sie der HERR gering ein? – Nein, auf keinen Fall! Ein Mitglied des Reiches Gottes ist sogar dann noch kostbar in den Augen des HERRN, wenn es stirbt (Ps 72,14; 116,15). Auch hält der HERR persönlich durch sein Wort die Gemeinde an, Geschwister, die im Wort und Reich arbeiten bzw. Barmherzigkeit üben, in Ehren zu halten (1. Tim 5,10.17)! – Auf was deutet denn die Frage in diesem Vers hin, der den Anschein macht, die erwähnten Personen seien herabzustufen? – Dieser Vers ist im Kontext, dem Gesamtzusammenhang, zu verstehen. Die Korinther spalteten sich in Gruppen, um dem Gruppenfavoriten Paulus oder Apollos nachzueifern, quasi so, um Jünger des Paulus bzw. des Apollos zu werden. In diesem Zusammenhang ist klar hervorzuheben, dass Paulus und Apollos auch „nur“ Menschen sind. Menschen sind ihresgleichen untereinander und heben sich nicht so stark von der Masse ab, dass es statthaft wäre, sie in falschem Sinne zu Leitfiguren einer göttlichen Gemeinde emporzuheben.

Zweifellos akzeptiert der HERR in der Gemeinde Personen, die ihr vorstehen (1. Tess 5,12). Er selbst liess durch den Geist die Anforderungen an die Gemeindeältesten und Diakone (Diener) festhalten (1. Tim 3,1-13). Ungesund wird es, wenn die Gemeinde eine Person an den Platz Christi setzt, auch wenn das unbewusst geschieht. Dies passiert schneller als man denkt, viele Gemeinden sind da in die Menschenfalle getappt. Es gibt geschlossene Brüdergemeinden, welche Schriften eines ihrer Gründer so hoch halten, dass alles, was ein JND-Kürzel trägt, fast als so unfehlbar betrachtet wird, wie die Bibel es ist. Schriften von ihnen unbekannten Autoren haben dem gegenüber praktisch keine Chance auf ein Etabliert werden. – Damit werte ich ein John Nelson Darby überhaupt nicht ab! Selbst ich lese seine Schriften und jene seiner wertvollen Zeitgenossen, die der Nachwelt sehr viel Gutes und viele verloren gegangene Wahrheiten aus dem Wort, die sie, wiederentdeckt und festgehalten, hinterlassen haben. Brüder wie William Kelly und Charles Henry Macintosh, zwei weitere Grössen daraus -, das sind alles solche, die ich in Ehren halte und ich gerne bekenne, dass ihre Schriften massgeblich an meinem Wachstum beteiligt waren.

Der HERR gibt solchen einen schönen Platz und Ehre, wie wir sehen, doch Er erlaubt nicht, dass wir sie auf einen Sockel stellen und unser Leben nach ihnen richten. Aus dieser Perspektive sagt Paulus, was denn ein Paulus oder ein Apollos wären, das man ihnen nacheifert bzw. seine Gruppierung nach ihnen benennt. – Lassen Sie auch nicht zu, dass sich die Gemeinde durch ein Aufkommen von verschiedenen Philosophien oder Kulturen spaltet. Christus schaffte das Umfeld für ein Zusammenleben von Menschen verschiedener Generationen, Kulturen und Hintergründen, wobei Er das Haupt über alle ist. Wenden wir den Blick nicht von Ihm weg! Mögen spezielle Menschen, Kulturen und Hintergründe noch so locken und herausragen, Christus ist der Einzige, der es wert ist, dass sich Menschen in Allem nach ihm richten.

Vers 6

Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben.   1.Kor 3,6  

Gott ist derjenige, der alle Voraussetzungen geschaffen hat für den Menschen. Er ist weit mehr als ein Mann, der am Rande einer Stadt mit einer grossen Fabrik Arbeitsplätze für die ganze Bevölkerung schafft, damit sich alle selbst versorgen können. Wir haben Gott viel mehr zu verdanken. Er schuf erst mal das Universum als Gefäss, welches unter anderem unser Sonnensystem aufnimmt. In der sogenannten „Milchstrasse“ liegt unser System mit den uns bekannten Planeten. Auf dem bekanntesten, der Erde, leben wir; die Fundamente wurden von Gott so gewählt, dass sie für Lebewesen den geeigneten Raum zum Existieren gibt. Gott bereitete uns erst den Lebensraum, dann schuf er uns und gab uns einen Teil von sich, damit überhaupt Leben in unsere fleischernen Körper kam.

Ohne unser Dazutun wirkte Gott alles Nötige. Er, der Universum, die Himmel der Himmel, geschaffen hat und im Grössenvergleich dazu die Erde, die im Ganzen die Grösse eines Atoms oder weniger aufweist, bewies damit, dass er nicht auf menschliche Hilfe angewiesen ist; Er kann alles selbst erledigen und für sich schaffen, was er will. – Weil Er aber dem Atomstäubchen im Ganzen, genannt Mensch (oder Wurm, siehe Hiob 25,6), Anteil an Ruhm und Ehre geben will, übergibt Er ihm freiwillig einen Aufgabenbereich. In diesem Aufgabenbereich, der Verwaltung der Erde (1. Mo 1,26), wirkt der Mensch, wobei zu beachten ist, dass dieser wirkende Mensch selbst hier noch in der Abhängigkeit des HERRN lebt, ob er gläubig ist oder nicht. Denn ohne den Geist, der im Menschen wohnt, und ohne die Luft, die Gott schuf, wäre der Mensch nicht lebensfähig. Wird ein Mensch gläubig und unterwirft sich dem Willen Gottes, darf er in der Königsherrschaft des HERRN mitwirken. Selbst in diesem Wirken ist nicht zu vergessen, dass alle geistlichen Früchte, die aus dem Wirken resultieren, von Gott kommen, sie sind nur durch Ihn möglich, weil Er auch in der Königsherrschaft den Lebensatem (Geist) und die Speise (Energie, die ein Mensch benötigt, d.i. Christus) stellt.

So sind – sehr vereinfacht gesehen – Paulus, Apollos und alle, die im Reich Gottes wirkten bzw. wirken, einfache Arbeiter, die auf dem Grundstück eines reichen und gutherzigen Mannes gearbeitet haben bzw. arbeiten, wobei der reiche Mann fortwährend alles Notwendige bereitstellt. – Dieser Blickwinkel ist für Christen, die zur Überheblichkeit neigen, sehr wichtig. Obwohl der HERR dem Menschen einen schönen Platz im Reich geben will und Er ihn den dazu würdigen Personen gibt, kann sich niemand rühmen. Denn jeder Mensch muss erst viel empfangen, bis er nur ein wenig geben kann, wie Gesundheit, richtiges Umfeld und die dazugehörenden Ressourcen. Selbst während seines Schaffens bleibt er in der Abhängigkeit Gottes, damit der Segen (z.B. Regen für Bauern, Wasser für die Stauseefüllung für die Elektroerzeugungsbranche, Erdöl für viele Anspruchsgruppen, usw.) zur rechten Zeit kommt -, Ressourcen, welche die Menschen nicht selbst herbeirufen können.

Der Mensch ist abhängig, Gott hingegen absolut souverän. Es darf nie so weit kommen, dass Menschen in falscher Weise erhöht werden. Ein abhängiges Wesen darf nicht den Status des souveränen, d.h. völlig unabhängigen Wesens (Gott) bekommen, weil das schlicht nicht angepasst und der Realität entsprechend wäre. – Lassen Sie uns, liebe Leserin und lieber Leser, demütig bleiben, auch wenn uns Gott viel Gelingen schenkt in unserem Tun. Auch sollen wir erfolgreiche Brüder und Schwestern nicht auf eine dem Niveau Gottes entsprechende Stufe stellen, wie es beispielsweise die Katholiken mit Maria gemacht haben. Schnell sind solche Erhöhungen von Menschen, wie wir aus der Geschichte und dem Korintherbrief wissen, geschehen, auch in freikirchlichen Kreisen. Wenn wir auch so handeln, würden wir die unrichtig Geehrten und uns selbst zu Fall bringen.

Damit sage ich nicht, dass die Ehre bei Menschen keinen Platz hat. Angemessene Ehre hat immer Platz. Wer zu Ehren kommen will, muss aber zuvor Demut lernen (Spr 15,33). Amen.

Vers 7

So ist weder der da pflanzt etwas, noch der da begiesst, sondern Gott, der das Wachstum gibt.   1.Kor 3,7  

Zu dieser Bibelstelle finde ich es nochmals ratsam, auf Grundlagen der Bibelauslegung hinzuweisen. Sämtliche Auslegungen dürfen nur auf der Grundlage der Schrift beruhen, nicht auf menschlichen Schlussfolgerungen. Bei menschlichen Fazits ist die Gefahr zu gross, neben der Wahrheit vorbei zu interpretieren. Die Gedanken Gottes sind so viel höher als die unseren, dass es nur lächerlich ist, aus sich selbst einen Bibeltext schlussfolgern zu wollen (Jes 55,9). Der zu behandelnde Text muss immer im Kontext betrachtet, das heisst, er muss im Gesamtzusammenhang angeschaut werden. Der Buchzusammenhang ist zu berücksichtigen (aktuelles Buch, z.B. Korintherbrief), sowie der gesamte Zusammenhang der Bibel, ansonsten kommt der Leser bzw. die Leserin unweigerlich zu falschen Schlüssen.

Nehmen wir diesen Vers zur Veranschaulichung des eben Gesagten. Aus allen Zusammenhängen gerissen betrachtet könnte ich bei diesem Vers zum Schluss kommen, dass kein Mensch etwas wert ist. – Kann dieser Schluss stimmen? Stimmt er im Buchzusammenhang? Stimmt er im Zusammenhang aller 66 gottgehauchten biblischen Bücher? – Die Apokryphen, das Buch Judit, Tobias/Tobit, Jesus Sirach, Baruch, die Bücher der Makkabäer -, alles, was unter dem Namen Apokryphen gelistet ist, sind keine geistlichen Bücher und in der Suche nach Gott zu verwerfen. Ich empfehle Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, eine Bibel ohne Apokryphen zu kaufen, dann sind Sie sicher, immer reines Wort Gottes zu lesen. – Kommen wir zurück zur Frage, ob kein Mensch etwas wert sei. Finden wir etwas darüber heraus im Zusammenhang mit dem aktuellen Buch, dem ersten Korintherbrief? – Ja, bereits im zweiten Vers des Briefes steht, wir seien Geheiligte in Christus. Diese Aussage widerspricht bereits der falschen Annahme in unserem Beispiel, ein Mitarbeiter Gottes sei nichts wert. Im fünften Vers steht, sie seien reich gemacht worden. Der dreissigste Vers besagt, Gemeindeglieder befänden sich im wertvollen Christus. Der 23. Vers im siebenten Kapitel räumt alle Fragen aus: Ein Christ ist zu einem Preis erkauft worden. Dieser Preis ist nichts geringeres, als das Leben des geliebten Sohnes Gottes. Wie wertgeschätzt wird dann ein Leben von Gott, wenn er bereit ist, eine solche Summe zu zahlen? Wer kann dann behaupten, ein Mensch sei nichts wert? – So haben wir bereits im Buchzusammenhang gesehen, dass dieser Schluss in unserem Beispiel falsch sein muss. Im Gesamtzusammenhang der Bibel wird nochmals bestätigt, dass Gott dem Menschen, vor allem den Gottesfürchtigen, viel Wert beimisst (Ps 72,14; Spr 31,10; Mt 6,26; 10,31; 12,12; usw.).

Wie sollen wir denn diesen Vers auslegen? Es steht doch, dass der Arbeiter nichts ist, weder derjenige, der pflanzt, noch der, der begiesst! – Im Zusammenhang, dem Kontext, ist das so zu verstehen: Es geht um das Wachstum, das alleine durch Gott gedeiht. Menschen können das Wachstum nur fördern oder behindern, doch sie können es aber weder erschaffen noch vervielfältigen. Es verhält sich wie bei der menschlichen Frucht: Ein Kind können wir zwar zeugen und gut bzw. schlecht behandeln (Wachstum fördern oder behindern). Wir können aber dieses neue Leben weder selbst schaffen, noch vom Erschaffer kopieren, dass um es dann selbst zu vervielfältigen, weil wir die Seelen und den Geist nicht produzieren können. Wir sind demnach im Blick auf den Wachstumsprozess mit einem so kleinen Prozentsatz beteiligt, dass er theoretisch vernachlässigbar ist. Deshalb kann sich diesbezüglich niemand hervortun. Sollte es trotzdem soweit kommen, dass jemand meint, er könne von sich aus diesen Prozess steuern, muss er wissen, dass er im Produzieren von Wachstum ein Nichts ist. Amen.

Sehen Sie, was ich meine, wenn ich sage, wie die Bibel angegangen werden soll? – Ich hoffe Ihnen damit im Umgang mit der Bibel habe etwas helfen können. Amen.

Vers 8

Der aber pflanzt und der begiesst, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit.    1.Kor 3,8 

Gott entlohnt nicht pauschal. Entgegen der Meinung vieler Gläubigen, ist unser Lohn nicht das Eintrittsticket ins Reich. Die Aufnahme ins Reich gründet rein auf der Tat Christi und ist gekoppelt an unseren Glauben an Ihn. Mit Lohn für irgendeine Leistung hat das absolut nichts zu tun, denn der Leistungserbringer ist in dieser Sache Christus allein. – Was wird uns denn speziell vergolten? – Unsere Arbeit im Reich, unsere Leistung für den HERRN – nach unserer Aufnahme – wird vergolten. Das ist deutlich aus Mt 25,14-30; Lk 19,11-26 und weiteren Stellen ersichtlich. Nach unserer Aufnahme ins Reich wird jedem, gemessen an seiner Arbeit, sein Teil abgegeben, je nachdem, wie er gearbeitet hat. Die männliche Form bezieht sich natürlich auch auf die Schwestern im HERRN. Beachten Sie bitte, liebe Leserin und lieber Leser – der Heilige Geist fügt keine unnötigen Wörter in die Schrift -, dass jeder „seinen eigenen Lohn“, den Lohn erhält, der seiner eigenen Arbeit entspricht. Die Gerechtigkeit des HERRN spielt auch in der Entschädigung für geleistete Arbeit eine Rolle, wie Gott kein Allversöhner ist, zahlt er auch individuell und gerecht aus.

Dabei muss ich nicht erwähnen, dass der HERR sehr grosszügig ist. Denn, obschon niemand überhaupt etwas zu bekommen verdient – Jesus ist schliesslich alles, der Anfänger und Vollender unseres Glaubens (Heb 12,2) -, möchte Gott uns einen Lohn auszahlen, je nachdem, wie gearbeitet wurde „nach seiner eigenen Arbeit“, wie geschrieben steht.

Nun könnte jemand einwenden, das Gleichnis in Mt 20,1-16 spreche von einer allgemeinen Entschädigung für geleistete Arbeit, ganz gleich, wie viel geleistet wurde. Ein solcher würde behaupten, die Bibel widerspreche sich; Mt 20 stünde im Widerspruch mit Mt 25 bzw. Lk 19. Dass sich die Bibel nicht widerspricht, wissen wir inzwischen; wie sollte sie sonst eine Richtschnur für den Menschen abgeben? – Das Gleichnis in Mt 20 steht für eine andere Sache; es behandelt die Herzenshaltung der Arbeiter und weist auf die Souveränität Gottes hin. Eine genaue Betrachtung von Mt 20 würde den Rahmen hier sprengen. Einige sehen in den Arbeitern, die am Morgen schon angeheuert wurden, Israel, denn sie hatten einen Vertrag über den Lohn. Spätere hatten keinen Vertrag, ihnen wurde der Lohn nicht in Zahlen genannt, wie es für die Gemeinde geordnet ist. Doch die Wahrheit über die gerechte Entschädigung der Arbeitsleistung im Zeitalter des Neuen Testamentes bleibt durch dieses Gleichnis nicht angetastet. Der HERR wird jedem den „eigenen“ Lohn nach der „eigenen“ Arbeit vergelten.

Wie engagiert sind Sie in geistlicher Weise im Reich? Haben Sie den von Gott angewiesenen Platz angenommen oder beten Sie „nur“ für Arbeiter, ohne selbst anzupacken (Mt 9,38; Lk 10,2)? Wussten Sie, sollten sie körperlich nicht mehr arbeiten können, dass Sie als Priester Gottes auch arbeiten, wenn Sie Fürbitte tun? Engagieren Sie sich! Der HERR wird es Ihnen über das Mass hinaus vergelten! Amen!

Vers 9

Denn Gottes Mitarbeiter sind wir; Gottes Ackerfeld, Gottes Bau seid ihr.    1.Kor 3,9 

Paulus hatte es diesbezüglich auf den Punkt gebracht: Er hat gepflanzt, Apollos hat begossen. Das will bedeuten, dass ein Arbeiter Gottes im Blick auf das Gedeihen der Pflanze wie ein Gärtner ist. Ein Gärtner kann das Wachstum hindern oder fördern, er kann es aber nicht produzieren bzw. erschaffen. Nur Gott allein schenkt das Gedeihen, vom Anfang bis zum Ende. Deshalb steht geschrieben, dass Jesus der Anfang und das Ende ist, das Alpha und Omega (Offb 21,6; 22,13; bezieht sich auf das griechische Alphabet, wo Alpha der erste und Omega der letzte Buchstaben darstellen; das NT wurde griechisch abgefasst).

indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.    Hebr 12,2 

Jesus ist der Schöpfer der neuen Kreatur, sowie auch der Vollender, wie er es auch von der alten, noch unverdorbenen war (Kol 1,16). “Alles wurde durch ihn und zu ihm hin geschaffen“, steht geschrieben. „Alles“, denn der Vater tat alles durch den Sohn. Er bereitete auch die Grundlage für den neuen Menschen, er starb als Weizenkorn, damit viele Körner hervorkommen konnten. – Der Mensch hat und kann nichts dazu beitragen, das Leben und das Wachstum kommt allein durch Gottes Hand. Wir sind im Prozess von Säen und Ernten nicht mehr und nicht weniger wie Gärtner, die pflanzen und begiessen können. Das Wachstum können wir zwar positiv oder negativ beeinflussen; wir können es aber weder schaffen noch grundlegend steuern.

Das sagt dieser Vers aus. Jemand, der im Reich arbeitet ist ein Mitarbeiter Gottes. Er ist nicht mehr und nicht weniger. Der Bau selbst kommt aus Gott, vom Anfang bis zum Ende. So sollen wir von niemandem höher denken als es sich gebührt, kein Mensch darf auch nur teilweise den Platz Gottes einnehmen -, auch wenn er Zeichen und Wunder vollbringen kann. Leider neigt der Mensch dazu, andere ohne Mass zu erhöhen, wenn sie Übernatürliches wirken können, wie wir im Folgenden sehen:

8 Und ein Mann in Lystra sass da, kraftlos an den Füssen, lahm von seiner Mutter Leib an, der niemals umhergegangen war.   
9 Dieser hörte Paulus reden; als der ihn fest anblickte und sah, dass er Glauben hatte, geheilt zu werden,   
10 sprach er mit lauter Stimme: Stelle dich gerade hin auf deine Füsse! Und er sprang auf und ging umher.   
11 Als die Volksmengen aber sahen, was Paulus tat, erhoben sie ihre Stimme und sagten auf lykaonisch: Die Götter sind den Menschen gleich geworden und sind zu uns herabgekommen.
12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er es war, der das Wort führte.   
13 Der Priester des Zeus<tempels> aber, der vor der Stadt war, brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte mit den Volksmengen opfern.
14 Als aber die Apostel Barnabas und Paulus es hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen hinaus unter die Volksmenge und riefen
15 und sprachen: Männer, warum tut ihr dies? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen nichtigen <Götzen> bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist.    Apg 14,8-15   

Nur mit Mühe konnten Barnabas und Paulus die Wahrheit und die korrekte Anbetung, die allein Gott gehört, wieder in den Mittelpunkt rücken und die Volksmengen korrigieren, indem sie auf den lebendigen Gott hinwiesen, der alles geschaffen hat. – Menschen, die sich gerne feiern lassen, sollten sich diese Stelle in der Apostelgeschichte zu Herzen nehmen. Wer sich erhöht und die Menge etwas glauben lässt, was er weder ist noch bringen kann, wird sein Urteil tragen. Amen.

 

Vers 10

Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.    1.Kor 3,10     

Als Gärtner, als Mensch also, der nicht das Wachstum hervorrufen, sondern nur etwas beeinflussen kann, bekommt jeder seinen Platz in Gottes Ackerfeld. Die Grundlagen dazu werden in Matthäus 25 gelegt. Jeder Knecht des HERRN wird nach seinen natürlichen Fähigkeiten eingesetzt, damit niemand über- bzw. unterfordert ist.

und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und reiste ausser Landes.   Mt 25,15    

In den Briefen lesen wir nichts Neues, es wird in der Regel nur das weiter ausgeführt, was Jesus in den Evangelien erläutert hat. Paulus blieb selbst im Rahmen, der von Christus definiert wurde. Er blieb in der Gnade Gottes, die ihm gegeben war. So beginnt unser Vers. Nach dieser Gnade, die er gemäss seiner natürlichen Fähigkeiten erhalten hatte, arbeitete er. Er ging weder darüber hinaus, noch blieb er in irgendeiner Art zurück. Paulus war ein unter Gamaliel gut ausgebildeter Mann (Apg 22,3). Er war ein begabter Redner (Bsp. Apg 17,22). Er war ein Mann mit mehreren Fähigkeiten, sodass er mehr als ein Talent vom HERRN bekommen hatte, wie wir alle wissen. Er war Apostel, Evangelist, Lehrer, ausgestattet mit heilender Kraft Gottes und Hirte von vielen Gemeinden. In all diesen Ämtern und Gnadengaben war er treu. Er konnte mit Recht sagen, dass er ein weiser Baumeister war. Bei den Korinthern legte er den Grund und wie es schien, baute Apollos drauf (1. Kor 3,6).

Kommen wir nun zum zweiten Teil dieses Verses, der eine Warnung enthält. Paulus war vorbildlich in seiner Dienstbarkeit und er wünschte sich, dass alle so vorbildlich wären, wie er (1. Kor 4,16; 11,1; Phil 3,17; siehe auch Heb 6,12). Damit wollte er eine ordentliche Pflichterfüllung beim Christen sehen. Eine Arbeit nach den gegebenen Fähigkeiten, die entsprechend durch göttliche Talente aufgewertet wurden. Daraus ist ersichtlich, dass im Reich nicht einfach getan werden sollte, was einem gerade so einfällt. Es sind Strukturen gegeben, wie auch in weltlichen Tätigkeitsfeldern Anordnungen da sind. Danach soll als „weise Baumeister“ gehandelt werden.

Wie bauen Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Arbeiten Sie strukturiert, weise oder haben Sie überhaupt keinen Plan? Sollten Sie keinen Plan haben, kommen Sie hiermit dem Ideal schon ein Stück näher, wenn Sie diese Worte beherzigen. Amen.

Paulus arbeitete als Baumeister mit der Gnade Gottes. Sie war ihm gegeben. Wie ein Gärtner das Leben in den Pflanzen selbst nicht hervorbringen kann, kann ein Baumeister keinen Zement aus dem Nichts zaubern. Gärtner sowie Baumeister sind auf Gott angewiesen. Der Gärtner darauf, dass die Sonne scheint und der Regen kommt und allem zuvor, dass Wachstum geschenkt wird; der Baumeister ist auf Ressourcen angewiesen, die Bodenschätze, welche einfach so vorhanden sind. Darüber hinaus braucht er Gesundheit vom HERRN, dass er sich überhaupt rühren kann. Wie die Personen aus dem Beispiel, war Paulus nicht in der Lage, aus sich selbst den Geist fliessen zu lassen. Er war ebenfalls von Gott abhängig, dass der Geist zu ihm kam und er Ihn in der Folge weitergeben konnte, wie geschrieben steht:

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fliessen.    Joh 7,38   

Wir wissen auch, dass mit Ressourcen gut wie auch liederlich umgegangen werden kann. Wasser kann zum Beispiel verschwendet werden, wie auch Esswaren. Wo es reichlich Wasser gibt, wird manchmal zweimal täglich gebadet und so von einer Person zwischen drei- und vierhundert Liter Trinkwasser verbraucht. Genau im gleichen Stil wird mancherorts mit Esswaren umgegangen, um das Beispiel der Verschwendung weiter zu veranschaulichen. Wenn es reichlich davon gibt, kann es zu Auswüchsen kommen, wie zum Beispiel bei der sogenannten Tomatina, der Tomatenschlacht in Spanien. Da kam es schon vor, dass über 120 Tonnen Esswaren vernichtet wurden, weil Einheimische sowie Touristen aus allen Ländern Spass daran hatten, sich damit zu bewerfen.

Für uns geistliche Menschen stehen auch Ressourcen bereit, wie den natürlichen Menschen. Wir haben im Gegensatz zum weltlichen Menschen Zugriff auf himmlische Vorräte. Wie wir gelernt haben, sind wir gemäss unserer Fähigkeiten zusätzlich mit himmlischen Gaben ausgerüstet, den Talenten aus Mt 25. Damit können wir nun weise oder töricht umgehen. Ein törichter Umgang wäre ein Verschleudern dieser Vorräte. Dabei zieht der Einwand nicht, Gottes Vorräte seien unbegrenzt, obschon sie tatsächlich unerschöpflich sind. Der HERR will nicht, dass wir sie beispielsweise bei solchen einsetzen, die sich darüber lustig machen oder solchen, denen es völlig gleichgültig ist, was der HERR wirkt und evtl. sogar behaupten, Sein Wirken sei vom Teufel unterstützt (Mt 9,34). Der HERR weist uns unmissverständlich darauf hin:

Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie diese nicht etwa mit ihren Füssen zertreten und sich umwenden und euch zerreissen! Mt 7,6 

Ein weiser Umgang mit den Vorräten Gottes schliesst auch einen gerechten Umgang damit ein. Selbst wenn Gott unerschöpfliche Reichtümer hat, dürfen wir nicht ungerechte Verwalter sein. Wenn jemand Gott einhundert Säcke Weizen schuldet und wir unter den Schuldschein schreiben, es seien nur fünfzig, tun wir Unrecht (Lk 16,16). Dies ist der Fall, wenn wir unbekehrte oder unordentlich wandelnde Leute im Glauben lassen, Gott würde sie nicht so richten, wie er es im Heiligen Wort in Aussicht stellt. Wenn wir Beziehungen zu Ungläubigen pflegen und mit ihnen ständig lachen, essen und trinken, lassen wir sie als bekennende Christen im Glauben, dass es nicht so relevant ist, welchen religiösen Weg man beschreitet. Wer solches tut, ist nicht ein weiser Baumeister, sondern ein ungerechter Verwalter der Gnade Gottes. – Paulus war nicht so. Er war weise und repräsentierte Gott so, wie es korrekt ist. Jemandem, der Gott viel schuldete, sagte er es bzw. liess es ihn spüren (1. Kor 5; 1. Tim 1,20; 2. Tim 4,14). Bei solchen, die vor Gott in Ordnung waren, anerkannte er die Tatsache mit lobenden Worten (2. Tim 1,5; Phlm 1,5).

Aus dieser Perspektive betrachtet haben wir gute Werkzeuge, um zu sehen, wie wir bauen, was sehr wichtig ist. Wir wissen jetzt, dass wir weise aber auch unweise bauen können. Wir können nach dem Sinne Gottes Wirken oder nach unserem eigenen Gutdünken. Es ist möglich weise, ressourcenschonend und gerecht zu bauen oder aber die Vorräte zu verschleudern und Menschen im falschen Glauben ins Verderben rennen zu lassen. Wie bauen Sie, liebe Leserin und lieber Leser? „Jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.“ Amen.

Vers 11

Denn einen anderen Grund kann niemand legen ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.    1.Kor 3,11  

An dieser Stelle müssen wir uns nochmals erinnern, an wen dieser Brief gerichtet ist. Ist er an Ungläubige oder Gläubige gerichtet? – Die Anfangsverse der Briefe geben über die Empfänger Aufschluss, wie es auch der Korintherbrief tut. In unserem aktuellen Brief ist es der zweite Vers, der darüber Auskunft gibt: Die Rede Pauli ist gerichtet „an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn.“ Die Rede geht an die gläubigen Korinther, sowie an alle Gläubigen an jedem Ort der Welt; an Sie und an mich.

Aus dieser Perspektive gesehen ist es völlig klar, auf welchen Grund gebaut wird; wir sind Christen und das sind wir nur durch die Tat des HERRN. Aufgrund seiner Tat am Kreuz eröffnete sich uns die Möglichkeit des Christseins. Durch das Sterben des Weizenkorns ermöglichte der HERR das Hervorkommen der vielen Körner (Joh 12,24). Somit ist der Grund Jesus Christus. Durch Ihn kommen wir und zu Ihm hin sind wir geschaffen (Kol 1,16).

Die folgenden Verse (12-17) bauen auf diesem Vers auf. So ist alles, was Paulus im Folgenden schildert, an Christen gerichtet. Der Grund ist gelegt, er wurde ausserhalb unseres Tätigkeitsfeldes gelegt; wir konnten nichts zur Tat des HERRN am Kreuz und zum Vorsatz Gottes beisteuern. Doch sehr wohl können wir, nachdem wir Christen geworden sind, Dinge wirken. Wir können im Willen des HERRN wandeln oder auch nicht; wir können fortan Gutes wirken oder auch Böses. Der HERR lässt uns sehr grosse Freiheiten, weist uns aber auf unsere Selbstverantwortung und das kommende Gericht hin.

Vers 12

Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut,   1.Kor 3,12 

Wir Christen stehen auf dem Grund der Tat Christi. Wir stehen nicht nur darauf, wir leben durch diese Grundlage, welche uns die neue, göttliche Natur zu eigen gibt. Wir leben jetzt in Ihm und zu Ihm hin. In diesem gesunden Leben, das er uns gegeben hat, dürfen wir jetzt wirken. Anders gesagt kann man umschreiben, dass wir jetzt durch eine gesunde und göttliche Natur existieren. Unsere Abstammung ist absolut rein und fleckenlos und wir sind es naturgemäss auch – ohne die belastende Erbsünde, welche durch die Tat Adams ins Fleisch gekommen ist.

Die neue Natur belässt der HERR an unseren Willen gekoppelt, weil er Menschen möchte und nicht gleichgeschaltete, willenlose Wesen. Unser Willen kann immer noch frei entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Er kann diese errettete und perfekte „Umgebung“ in der er sich selbst als gläubiger Mensch befindet, dem Guten zuwenden oder aber kann er sich in selbstzerstörerischer Art gegen eine Wand knallen lassen. Das auch Letzteres geht, sehen wir deutlich, als Beispiel im Galaterbrief:

Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den Geist wandeln!   Gal 5,25 

Diese Ermahnung würde niemals in einem Brief an Christen stehen, wenn eine falsche Gangart durch die Wiedergeburt unmöglich wäre. Wir haben ja auch in unserem Brief gesehen, dass es unter Christen durchaus noch möglich ist, fleischlich und übel zu wandeln (1. Kor 3,3). – Wir wissen also, dass jeder Christ irgendwie vorangeht. Die einen in einer geistlichen Art, andere leider bleiben fleischlich, so wie früher, obschon die Natur aller erneuert wurde. Die erneuerte Natur ist ja noch kein erneuerter Wille. Der Wille muss erst noch gesunden, das ist schlussendlich das Ziel des Glaubens (1. Petr 1,9). Die Seele, der Ort, der den individuellen Menschen ausmacht; dort, wo der individuelle Wille sitzt, muss gerettet bzw. umgewandelt werden, wie geschrieben steht:

Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.   Röm 12,2  

dagegen erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung   Eph 4,23  

Die einen Christen richten sich nach dem Wort Gottes, die anderen nach der Weisheit der Welt. Die einen unterwerfen sich dem Willen des HERRN, andere sind ihre eigenen Herren und wandeln also nach ihrer eigenen Meinung. So „baut“ jeder Christ auf den Grund, welcher bei allen derselbe ist: Jesus Christus. Doch wie wir selbst beobachten können und eben gedanklich behandelt haben, wird verschieden darauf gebaut, die Beurteilung des HERRN wird ans Tageslicht kommen lassen, ob verständig gebaut wurde oder nicht, wie wir in den folgenden Versen und Betrachtungen sehen werden.

Die einen bauen mit brennbaren Materialien, andere nicht. Einige bauen mit edlem Material, wiederum andere mit wertlosem. Dieses Bild ist bezeichnend, denn es wird in den folgenden Versen gesagt, dass das kommende Gericht als Materialprüfwerkzeug Feuer einsetzen wird. Es ist also eine Feuertaufe vorgesehen am Ende der Tage eines jeden Christen, das wird hier und an anderen Stellen ausdrücklich erwähnt (Rö 14,10; 2. Kor 5,10).

Nun, wenn wir das schon wissen, wie ist es wohl ratsam auf den Grund zu bauen? Wohin soll uns unser Willen lenken, nach was soll er trachten? Nach wertlosem und brennbarem Material oder nach edlem und feuerfestem? Um es vorwegzunehmen: wertloser Bau ist ein Bau, wie ihn die Nationen hervorbringen. Er basiert auf eigenem Willen und ist nicht auf dem Willen des Vaters gegründet. Weil es einen recht dünkt, wirkt man etwas. Das ist ein Bauen mit brennbarem Material; es wird die Feuertaufe nicht bestehen. – Edler Bau wird hingegen hervorgebracht, wenn der Wille des Bauarbeiters nach Gott fragt und Ihn täglich sucht in allen Dingen. Auf diese Weise ist er ständig in edler und guter Umgebung. Ein solcher nimmt von der Kraft Gottes und baut bzw. erschafft durch Ihn sein Lebenswerk. Wen wundert es denn, wenn ein solch edel erbautes Werk ohne Schaden durch die Feuertaufe geht? – Mich wird es auf jeden Fall nicht wundern! Ich weiss, dass der HERR alles so kommen lassen wird, wie es schriftlich festgehalten ist! Amen.

Vers 13

so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klarmachen, weil er in Feuer geoffenbart wird. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen. 1.Kor 3,13  

Im vorangehenden Kommentar ist es schon erwähnt. Der Tag, der kommen wird und lange angekündigt ist, wird mit Feuer geoffenbart. Das Spezielle an diesem Tag, von dem hier gesprochen wird, ist, dass es sich nicht um ein Gericht über die Nationen oder Israel handelt. Das Gericht über die Lebendigen aus den Nationen kommt zwar unmittelbar darauf, dann, wenn die Armeen von allen Nationen in die Stadt Jerusalem dringen. Ausführliches hierüber finden Sie, liebe Leserin und lieber Leser, im Matthäusevangelium. Im Kapitel 25, den Versen 31 bis 46, ist das Gericht über die bereits durch Gott geordnet versammelten Lebendigen aus den Nationen, welche nicht zur Gemeinde Christi gehören, beschrieben. Sie, die Schafe unter den Versammelten, wussten nichts davon, dass ihre guten Werke an Christen für sie Lohn einbringen, wie auch die anderen, die Böcke, nichts davon wussten, dass ihre Unterlassungen sie ins Verderben bringen würden. – Sehen Sie die Wichtigkeit der Übernahme der Selbstverantwortung? – Die Worte und Werke des Menschen offenbaren sein Innerstes. Böse Menschen reden schlecht und handeln ebenso, denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über (Lk 6,45).

Ein heutzutage wenig beachteter Punkt ist das Gericht über das Haus Gottes, die Gemeinde:

Denn die Zeit <ist gekommen>, dass das Gericht anfange beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was <wird> das Ende derer <sein>, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen?    1.Petr 4,17 

Obschon es sehr oft in der Heiligen Schrift beschrieben und erwähnt wird, findet der kommende „Richterstuhl Christi“ für die Gemeinde kaum noch Beachtung im Christentum. Viele Predigten über Gottes Gnade sind zwar notwendig und gut, können aber auch zu Einseitigkeit beisteuern oder für solche, die vor der Eigenverantwortung den Kopf lieber in den Sand stecken, zu Ersatzbotschaften werden. Sie werden zu Auskünften, welche die Lücke der fehlenden Botschaften über Gottes Gericht ausfüllen. – Sie, liebe Leserin und lieber Leser, kennen sicher Ersatzhandlungen, welche die Menschen vor unangenehmen Entscheidungen zu wirken beginnen. Statt sich der Mensch mit einem unangenehmen aktuellen Problem beschäftigt, stürzt er sich in die Arbeit oder sonstige Ablenkungen, indem er lange angestandene, allgemeine Arbeiten erledigt, um sich vor der anstehenden Problemlösung zu drücken. Lieber säubert der Mensch sein Fahrzeug, lädt alte Freunde wiedermal ein oder streicht die matte Wand mit neuer Farbe, anstatt sich sofort mit dem dringlichen aber unangenehmen Thema zu beschäftigen. Diese Ausweichmanöver werden Ersatzhandlungen genannt. – Eine übermässige Beschäftigung mit der Gnade Gottes, welche den Blick auf das Gericht der Gemeinde verdrängt, ist unweise und nicht vom Geist gewirkt, auch wenn der Mensch dabei beteuert, jede Auseinandersetzung mit der Bibel sei gut. Wenn Teile der Bibel als „Versteck“ missbraucht werden, hilft das demjenigen, der sich dahinter versteckt, gar nichts.

Das Gericht über jeden einzelnen Christen kommt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, um diese Redewendung mal zu gebrauchen. Es kommt, wie die Einnahme Jerusalems kam, an die der König Zedekia nicht glauben wollte, die Jeremia predigte. Es kommt, wie das Gericht über Sodom und Gomorra kam. Und, wer es annehmen will: Sogar die Werke Christi wurden geprüft, damit er zu unserer Rechtfertigung aufstehen konnte (Rö 4,25). – Wer steht über seinem Meister, Christus? Wenn sein Werk geprüft wurde, sollte unseres ohne Prüfung im „Dunst“ der Gnade Gottes an Ihm vorübergehen? Wie sollte denn der HERR die Ungerechten, Ehebrecher, Unzüchtigen, Götzendiener (Habsüchtigen), Diebe, Lästerer und Räuber unter den Christen von der Erbschaft des Reiches ausschliessen? – Oder meinen Sie, es gäbe keine solchen unter Christen? – Ich könnte Ihnen solche mit Namen und Vornamen nennen! – Haben wir nicht einen freien Willen, auch als Christen? Haben wir nicht gerade in diesen Versen erörtert, dass man immer noch zwischen Gut und Böse entscheiden kann? – Wen wundert es denn, wenn es christliche Vorbilder neben Ehebrecher und Ehebrecherinnen in Gottes Gemeinden gibt?

Lassen Sie mich bitte noch in eigener Sache etwas zum Thema sagen: Mich wundert es sehr, dass sich gestandene und weltlich erfahrene Christen so viele Wahrheiten der Bibel nehmen liessen bzw. lassen. Menschen, welche die Folgen von Geschwindigkeitsübertretungen und Diebstahl kennen, lassen sich geistlich auf Irrlehren ein, indem sie glauben, nach der Bekehrung könne man sich so ziemlich alles erlauben. „Wenn darunter auch böse Dinge passieren, sind sie halt passiert, Gott wird das schon ausräumen“, wird weiter angeführt. Gott vergibt schliesslich gerne. Dass der HERR aber einen Unterschied zwischen vorsätzlicher Übertretung und fahrlässiger Sünde macht, was ja auch gerecht ist, wird – auch von sehr intelligenten Leuten – einfach „vergessen“, unterschlagen oder verdrängt. Das ist ein aktuelles Riesenproblem in der christlichen Landschaft, das in vielen Gemeinden kriminell fahrlässig tabuisiert wird. Ich vergleiche es mit einer tickenden Zeitbombe, die mit absoluter Sicherheit hochgehen wird, die man einfach in einer Kartonschachtel ins Gemeindewandgestell versorgt, ohne sich weiter darum zu kümmern. So ganz nach dem Motto: Was ich nicht sehe, existiert nicht.

Vielleicht fehlen bei einigen Christen entsprechende Seiten in der Bibel, sodass sie sich noch nie mit diesem Thema haben auseinander setzen müssen. Um dieses Thema nicht zu kennen, müssten aber in mehreren Bibelbüchern im Alten und im Neuen Testament einige Seiten fehlen!

Vers 14

Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen;    1.Kor 3,14 

Oftmals kam ein Aufschrei in den Gemeinden, wenn ich von Lohn sprach. Was sollte denn ein Christ für einen Lohn bekommen, wo doch alles auf Gnade gründet? „Spricht dieser von Werksgerechtigkeit?“, mochten sich viele gefragt haben. – Dieser Frage muss ich die Bitte um Ergründung gegenüberstellen, wer denn hier von Lohn spricht. Spreche ich als Person, aus meinem Selbst von Lohn, indem ich die Bibel ergänzen will, oder ist der Lohn für Christen ein fester Bestandteil der Heiligen Schrift, welcher zu Sanktionen führt, wenn er ausgeblendet wird, wie geschrieben steht?

Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heissen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird gross heissen im Reich der Himmel.    Mt 5,19 

Ich muss den Lohn erwähnen, wenn ich treu sein möchte! Dabei ist mir völlig klar, dass die Errettung, die Vergebung der Sünden, die Erneuerung des Geistes, die Versöhnung und die Vergabe des neuen Lebens auf reiner Gnade beruhen. Verdient hat der Mensch keinen Lohn, vielmehr die ewige Trennung von Gott. Dass Gott aber in seiner unumschränkten Gnade beschlossen hat, treue und fleissige Diener mit zusätzlichen Dingen zu belohnen, verkündigt er uns durch die Schrift, gewirkt durch den Heiligen Geist. Dabei geht es, wie erwähnt, nicht um ein Thema, das ich erfunden habe. Meine Erfahrung in der Verkündigung ist aber, dass sich Christen ziemlich schwer tun in dieser Angelegenheit, obschon es sich hier um ein einfaches und leicht zu ergreifendes Wissen geht.

Der HERR nimmt durch seinen Grossmut jeden auf, der Christus als persönlichen Erretter akzeptiert und aufnimmt (Rö 10,9). All das basiert auf Seiner reinen Gnade; gar nichts kann der Mensch dazu beisteuern. Danach, im Hause Gottes, werden die Christen belohnt oder sie erleiden einen Verlust, je nachdem, wie gearbeitet wurde (Mt 25,14-30; Lk 19,11-26). Das hat der Vater – nicht ich – so verordnet. Mir ist es nur aufgetragen, es so zu verkündigen.

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, <ihm> wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.    Hebr 11,6 

Siehe, der Herr, HERR, kommt mit Kraft, und sein Arm übt die Herrschaft für ihn aus. Siehe sein Lohn ist bei ihm, und seine Belohnung <geht> vor ihm her.    Jes 40,10 

Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.    Offb 22,12    

Liebe Leserin und lieber Leser! Es ist eine billige Irrlehre, die einen vom Wirken im Reich abhält, indem sie lehrt, es bringe nichts, Gott zu dienen. Gott würde keinen Unterschied zwischen seinen Knechten machen, ob sie Ihm dienen oder nicht. Diese Irrlehre ist ohne Umschweife längst widerlegt, wie wir im folgenden Text sehen werden. Die Rede darin ist von Söhnen Gottes, nicht von Ungläubigen und Gläubigen, denn der HERR spricht vom Sohn, der ihm dient. Somit gibt es auch Söhne, die Ihm nicht dienen, wie wir auch wissen (2. Tim 4,10).

14 Ihr sagt: Nichts <bringt es>, Gott zu dienen. Und was ist der Gewinn, dass wir für seinen Dienst sorgen und dass wir in Trauer einhergehen vor dem HERRN der Heerscharen?   
15 Und nun, wir preisen die Frechen glücklich: Sie kamen sogar <noch> voran, als sie gottlos handelten; ja, sie versuchten Gott und kamen davon.      
16 Da redeten die miteinander, die den HERRN fürchteten, und der HERR merkte auf und hörte. Und ein Buch der Erinnerung wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und seinen Namen achten.   
17 Und sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tag, den ich machen werde. Und ich werde sie schonen, wie ein Mann seinen Sohn schont, der ihm dient.   
18 Und ihr werdet wieder <den Unterschied> sehen zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.    Mal 3,14-18  

Kommen wir zur Betrachtung unseres vierzehnten Verses im ersten Korintherbrief: Inzwischen haben wir erörtert, dass jeder Christ auf die Grundlage Jesus Christus baut. Die einen bauen mit brennbaren Stoffen, andere bauen mit feuerfestem und edlem Material. Das Bauwerk muss schliesslich eine Feuertaufe bestehen, damit ersichtlich wird, mit was gebaut wurde, sei es noch so gut überkleidet. Wurde richtig, gemäss der Schrift, gebaut, ist edles Material verwendet worden. Ein solches Werk bleibt bestehen und berechtigt den betreffenden Christen bzw. die betreffende Christin, Lohn zu empfangen! – Was für eine herrliche Verheissung! Wie grosszügig ist doch Gott zu allem, was er schon für uns getan hat! Wie lobenswert ist Er! Amen!

Vers 15

wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.   1.Kor 3,15 

Wie es Lohn gibt, gibt es auf der anderen Seite Verlust. Das ist die natürlichste Sache der Welt. Vertraue ich jemandem etwas an und er verwaltet mein Eigentum ganz schlecht, nehme ich es ihm nach meiner Rückkehr wieder weg und gebe es der Person, die vorbildlich damit umgegangen ist. Das sind die Lehren aus Matthäus 25 und Lukas 19. Dazu wird sein ganzes Werk, das er anstelle einer guten Verwaltung meines Eigentums vollbracht hat, von mir als Auftraggeber nicht akzeptiert. Die Aufgabe war, mein Eigentum gut zu verwalten, nicht den eigenen Ideen zu frönen. Das Werk aus den eigenen Ideen, die ausserhalb der Verwaltung des Anvertrauten liegt, muss am Ende weichen. Das kann den Verlust eines ganzen Lebenswerks bedeuten. Stellen Sie sich vor, was das heisst! Ein Leben lang im Irrtum gearbeitet zu haben! Wie schrecklich muss diese Erkenntnis sein! Der Schaden, von dem wir hier sprechen, ist immens!

Im zweiten Teil des Verses wird etwas angesprochen, über das im Christentum keine Klarheit mehr herrscht. Ich bitte Sie daher, eine kurze Zeit innezuhalten und Ihr Wissen darüber zu prüfen bzw. gegebenenfalls zu korrigieren. „Er selbst aber wird gerettet werden“, heisst es wortwörtlich. – Weshalb wird ein Christ gerettet? Weshalb sollte jemand der Hölle entrinnen, wenn er sein Leben lang Christi Willen ignoriert hat? – Ganz einfach: Weil die Sohnschaft auf der Grundlage der Tat Christi beruht, welche rein und perfekt ist. Die Sohnschaft beruht nicht auf einem eigenen Werk. Dazu ist es eine Sohnschaft und nicht einfach irgendein Geschenk, das man jemandem wieder wegnehmen kann. Ein Haus kann enteignet werden, eine Geburt kann man nicht rückgängig machen. Ein Vater kann zwar in einer Wut zu seinem ungezogenen Sohn sagen, er sei nicht mehr sein Sohn. Doch der Sohn bleibt in Wirklichkeit Sohn und Nachkomme dieses Vaters, egal, wie er sich gebärdet.

Unsere Errettung bekamen wir durch die Sohnschaft, das ist der Eintritt in die Familie Gottes; so, wie ihn jedes Kind in irgendeine Familie erhält. Eine Geburt ist – wie erwähnt – ein Vorgang, dessen Resultat nicht aufgehoben werden kann. Sohn bleibt Sohn, Tochter bleibt Tochter. Und – seien wir froh darüber -, gründet genau diese Tatsache auf der sicheren Tat Christi und nicht auf unserem Wankelmut! Der HERR sei gepriesen dafür!

Mit dieser Betrachtung haben wir festgestellt, dass die Errettung unauslöschlich ist, entgegen der Meinung vieler Christen, welche die Tat des HERRN klein machen, indem sie sagen, sie sei nicht unerschütterlich. – Dieser Befund sollte uns aber nicht verleiten zu tun und lassen, was wir wollen. Wie durchs Feuer gerettet zu werden, stellt natürlich eine grosse Beschämung dar. Wenn wir nach der Beurteilung Christi nackt und bloss dastehen, weiss jeder Betrachter, dass wir unverantwortlich und nachlässig mit Christi Gut umgegangen sind. Alle sehen, dass wir unser Leben nach der Wiedergeburt nur für uns und unsere Bedürfnisse gelebt haben, ohne nach dem wirklichen Auftrag zu fragen. Das ist sehr, sehr beschämend! Wollen Sie so beurteilt werden, liebe Leserin und lieber Leser?

Vers 16

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

1.Kor 3,16

Paulus fragt an dieser Stelle, ob wir wissen, dass wir Gottes Tempel sind. – Wissen wir das? Wurde uns das erklärt? – Ja, zumindest hier im Ersten Korintherbrief ist es erörtert. Im Kommentar zum elften Vers im Kapitel zwei erkläre ich anhand vom Johannesevangelium, dass der Vater, Sohn und Heilige Geist in uns Wohnung machen. Zur Erinnerung füge ich diesen für diese Erkenntnis sehr wichtigen Vers hier nochmals ein:

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.

Joh 14,23

Wir sind also eine Behausung Gottes auf Erden. Paulus verwendet zur Veranschaulichung das Wort „Tempel“, weil alle wissen, dass Gottes frühere Behausung der Tempel war. Der Tempel ist also eine Wohnstätte Gottes und Paulus sagt durch den Heiligen Geist gerade heraus, dass wir Tempel Gottes sind! – Kleine Worte, welche nicht richtig erfasst werden können. Wie kann ein von der Grösse her unfassbarer Gott, der die Himmel der Himmel schuf, ein Menschlein bewohnen? Wie muss ich mir das vorstellen? – Es ist unvorstellbar, doch Er kann es, und zwar mit seiner ganzen Fülle:

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?

1.Kor 6,19

Wir sind ein Tempel des Heiligen Geistes, gemäss 1. Kor 6,19. Nach Johannes 14,23 wird der Herr Jesus und der Vater kommen und in uns Wohnung machen. So sehen wir, dass die ganze Fülle der Gottheit in uns wohnt. Es ist also möglich, dass der dreieine Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) bei uns Wohnung macht, nicht „nur“ eine Person. Oder „wisst ihr nicht?“

Vers 17

Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.  1.Kor 3,17 

Gleich vorwegnehmen möchte ich, dass hier nochmals Grundlegendes gerade heraus gesagt wird. Der Christ – erinnern wir uns noch, an wen dieser Brief gerichtet ist? – ist der Tempel Gottes. „Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“ Eine wichtige Grundlage ist es, das zu sehen. Diese Betrachtungsweise wird uns im Leben helfen, Gottes Wege mit uns zu verstehen, auch in Zeiten der Züchtigung.

Gott hat uns gegenüber durch die Heilige Schrift viel von seinem Charakter und seinen Handlungsweisen aufgedeckt. Er wurde dadurch für uns berechenbar. Wir können uns einfach ohne Wenn und Aber auf seine Worte verlassen und müssen nicht darum bangen, ob er sein Wort wahr macht oder ob er es hinfällig werden lässt. – Aus dieser Sicht gesehen leuchtet es völlig ein, dass Gott nicht zulässt, diesen Tempel baufällig oder schmutzig werden zu lassen. Gott, der uns in eine solch erhabene Position gestellt hat, indem Er unseren Leib als würdig erachtet, darin zu wohnen!, wird nicht zulassen, dass unser Leib Teil der Schande wird.

So ist es nicht verwunderlich, wenn sexuelle Sünden besonders erwähnt werden. Andere Sünden geschehen ausserhalb des Leibes. Wer sich aber mit einer Hure einlässt, sündigt nicht „nur“ ausserhalb, sondern er nimmt sogar den Tempel Gottes als Werkzeug zur Sünde:

15 Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Auf keinen Fall!  
16 Oder wisst ihr nicht, dass, wer der Hure anhängt, ein Leib <mit ihr> ist? »Denn es werden«, heisst es, »die zwei ein Fleisch sein.«   1.Kor 6,15-16  

Damit möchte ich die Sünde ausserhalb des Leibes nicht relativieren! Halten Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser, überhaupt fern von Sünden! Es wird in den genannten Versen (1. Kor 6,15.16) nochmals unterstrichen, wie wichtig es ist, unseren Leib, den Tempel des allmächtigen Gottes, rein zu halten. – Ist nicht Jesus Christus uns darin ein Vorbild, indem er für Gottes Haus eiferte (Ps 69,10)?

Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.«   Joh 2,17   

Nun ist es die logische Konsequenz, es hat nichts mit Willkür zu tun, dass Gott jemanden unbrauchbar macht, wenn der Betreffende Gottes Haus zerstört. Gottes Haus ist auch ein Zeugnis für die restliche Welt. Ein Zeugnis drückt Gottes Art aus. Jeder bzw. jede weiss, dass Gott in seinem Haus gefunden wird. Wenn jemand dieses Zeugnis ungültig macht und die Tatsache vollendet ist, dass Gott falsch dargestellt wird, muss Gott diese Person als Zeugnis unbrauchbar machen. Ein solcher Christ wird soweit verdorben, dass es offensichtlich wird, dass er Gott nicht so darstellt, wie er es sollte. So werden keine Aussenstehenden auf eine falsche Fährte gelockt, die nicht zum wahren Gott führt. Als Beispiele sind in der Bibel einige Personen aufgeführt, wie Hananias und Saphira (Apg 5), der Unzüchtige im 5. Kapitel des ersten Korintherbriefes, sowie auch Alexander, der Schmied (1. Tim 1,20). Allgemeiner ausgedrückt sehen wir dasselbe Prinzip bei einem unordentlichen Umgang mit dem Abendmahl: Der HERR schreitet dabei ein und massregelt die Betreffenden mit Krankheit oder vorzeitigem Tod (1. Kor 11,30). – Obwohl das jetzt hart tönen mag: Es ist die im Voraus verkündigte Konsequenz für ungebührliches Verhalten. Wer den Tempel verdirbt, wird durch Gott unbrauchbar gemacht. Es ist einleuchtend, logisch und vorausgesagt; wenn sich jemand darüber wundert, frage ich mich, was Gott denn unterlassen hat in seinen Augen? Hat Gott nicht alles getan, was getan werden musste (Jes 5,4!)? Wenn jemand Gott für sein vollkommenes Werk Unvollständigkeit bzw. Ungerechtigkeit vorwirft, beweist er damit sein totales Unverständnis. Amen.

Vers 18

Niemand betrüge sich selbst! Wenn jemand unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, so werde er töricht, damit er weise werde.    1.Kor 3,18

Gott hat an uns alles getan, was zu einem vollendeten Werk gehört. – Genau nach dem wir das erörtert haben, kommt dieser warnende Vers. Darin steht, wir sollen auf der Hut sein, damit wir uns nicht selbst betrügen. – Weshalb? – Weil die hohe Lösegeldsumme (Hiob 36,18!) und die Herrlichkeit, welche Gott auf uns gelegt hat, indem er uns unter anderem als würdig erachtet, mit seiner ganzen Fülle in uns zu wohnen, uns leicht zu Hochmut verleiten kann. Viele Könige haben vor unserer Zeit diesen traurigen Beweis geliefert. Der Mensch neigt tendenziell dazu, dass er schnell von sich denkt, die Ehre und die guten Umstände seien selbst erarbeitet, wenn er sich in solchen befindet. Dabei leben wir nur auf Pfaden, die Gott längst im Voraus bereitet hat (Jes 37,26).

Es ist zu beachten – um nicht zu glauben, alles sei für den Menschen reine Vorbestimmung und nicht an seinen Willen gekoppelt -, dass der HERR mehrere Wege für jeden bzw. jede hat. Will ein Mensch in der Furcht des HERRN rechtschaffen leben, so lässt ihn der HERR rechtschaffene Pfade beschreiten. Fällt jedoch derselbe Mensch vom geraden Weg ab, ist es wiederum der HERR, der ihn auf einen bösen Weg bringt; einen Weg, der den Taten dieses Menschen entspricht. Als gutes Beispiel zur Veranschaulichung erscheinen mir Davids Wege. Davids Erfolge kamen vom HERRN (1. Sam 18,5). Seine Schmach wurde auch vom HERRN gewirkt, nachdem er für eine Zeit die Wege der Gerechtigkeit, um seiner Fleischeslust willen, verlassen hatte (2. Sam 12,9-12). Gott liess diese Schmach sogar aus dem eigenen Fleisch, seinem Sohn heraufkommen, wie David sich auch mit seinem Leib am HERRN vergriffen hatte.

Früher arbeitete ich in dreckigen Gewändern an Werkbänken, mit niederen Arbeiten beschäftigt, die jeder Vorübergehende sofort auch hätte tun können. Heute darf ich im Anzug zur Arbeit fahren und bin über einige Leute gesetzt. Wenn ich nun am frühen Morgen im Zug sitze und mir gegenüber ein Arbeiter im dreckigen Überkleid und mit ungewaschenen Haaren seinen Nachtschlaf versucht fortzusetzen, um an seinem Arbeitsplatz bestehen zu können, dann weiss ich mit grösster Gewissheit: Beide Leben und Schicksale sind in der Hand des HERRN! Und auch alle Ehre, an der mich der HERR im Moment teilhaben lässt, ist von Ihm allein! – Oder habe ich mich selbst freigekauft von Sünde und Schuld? Habe ich meinen Glauben an den HERRN gewirkt oder war es nicht vielmehr Jesus Christus selbst, der bezahlte und meinen Glauben anfachte und vorantrieb (Heb 12,2)? Habe ich nicht anstelle von Klugheit nur aus Feigheit vor Selbstmord in meiner Ausweglosigkeit zum HERRN geschrien? Dieses Schreien hat der HERR erhört und mein Schicksal gewendet. Sollte ich mich jetzt, nachdem mein Leben wieder in geregelten Bahnen verläuft, über Menschen erheben? Niemals will ich solchen Frevel ausüben!

Seien wir daher nicht weise nach der Weisheit dieser Welt. Diese Welt denkt viel zu überheblich von sich, da sie den Lebensgeber aller verleugnet. Werden Sie töricht, gemessen an der Weisheit dieser Welt, um wirklich weise zu werden! Amen.

Vers 19

Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott; denn es steht geschrieben: »Der die Weisen fängt in ihrer List.«    1.Kor 3,19 

Soviel Weisheit es in der Welt auch gibt: Sie hat Gott nicht erkannt. Sie kann zwar Strom für die Bedürfnisse der Menschen produzieren, Schiffe mit 100 000 PS erdenken; es ist ihr nichts unmöglich, wenn sie multipliziert wird.

6 Und der HERR sprach: Siehe, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle, und dies ist <erst> der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie zu tun ersinnen.
7 Wohlan, lasst uns herabfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass sie einer des anderen Sprache nicht <mehr> verstehen!    1.Mose 11,6-7 

Vor der Sprachverwirrung durch den HERRN taten sich die Menschen zusammen, um als Einheit Grosses hervorzubringen. Von dieser geballten Kraft an Wissen und Leistung wusste der HERR, dass Er ihr nicht freien Lauf geben darf. Die Menschen hatten damals schon bewiesen, zu was eine solche Ballung führt:

Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde gross war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.    1.Mose 6,5  

Vor dem grossen Gericht der Sintflut war das der Zustand der Menschenkinder. Die Bosheit war gross, das Sinnen der Gedanken ihres Herzens nur böse. Die Dauer dieses Zustandes wird nicht in Minuten gerechnet, da er ein fortwährender war: den ganzen Tag lang. – Kurz, auch wenn wir es ausschmücken wollen, geht es nicht: Der Zustand des Menschen war vor der Sintflut ausnahmslos, absolut, total, unbeschränkt, fortwährend und restlos böse. Gott raffte in der Folge die damalige Menschheit dahin, mit Ausnahme von acht Leuten (1. Petr 3,20). Diese acht Personen, das war Noah mit seiner Familie, zeugten wieder Nachkommen, wie es bei Adam und Eva der Fall gewesen war.

Der HERR wirkte in der Folge bei den Nachkommen Noahs mit der Sprachverwirrung einer allzu grossen Ballung von Wissen und Kraft entgegen, damit der durch den Sündenfall verdorbene Mensch nicht zu viel Kraft für sein sündiges Tun entwickeln kann. Doch ausgerechnet der „moderne“ und „aufgeklärte“ Mensch schafft mit Hochdruck gegen diese Begrenzung Gottes. Das „Zaubermittel“, mit dem er Gottes Schranke niederreissen will, heisst „Globalisierung“. Mit der Globalisierung rücken die Menschen wieder zusammen, wie es zur Zeit des Turmbaus in Babel war. Weltweit, also global tätige Unternehmen müssen intern kommunizieren können. Dazu drängte sich die weit verbreitete englische Sprache auf. So entstand die Business Language, die Geschäftssprache. Parallel dazu wurde sie in die Politik und Kultur aufgenommen. Wer sich heute auf internationalem Parkett weitgehend uneingeschränkt bewegen möchte, sollte diese Sprache beherrschen. Wen wundert es, dass englische Sprachschulen in Politik- und Wirtschaftszentren einen solch enormen Zulauf verbuchen können?

Die Globalisierung und das geballte Wissen lassen den Menschen in Sachen Technik extreme Fortschritte machen. Die Schnelligkeit des Vorankommens ist heutzutage schwindelerregend. Was heute Gültigkeit hat, ist morgen bereits überholt. Die Verfügbarkeit des Wissens ist durch die immer schneller werdende Datentransfermöglichkeit omnipräsent. Expertenteams sind durch die immer besseren und schnelleren Transportmittel innerhalb Stunden auf jedem möglichen Fleck der Erde. Die Entfernungen sind dadurch so „geschrumpft“, dass die Strecke London – Zürich einen Arbeitsweg darstellen kann. Die Familie lebt in London, der Vater arbeitet in Zürich oder umgekehrt. Frühmorgens und abends jettet er hin und zurück. An Tagen, wo die physische Präsenz nicht notwendig ist, kann er via Telezugriff von zuhause aus arbeiten. Videokonferenzen rücken ihn mit Augenkontakt so nahe an den Verhandlungstisch, wie er es in Wirklichkeit wäre.

Es ist wieder so weit, den Menschen wird „nichts unmöglich sein, was sie zu tun ersinnen“ (1. Mo 11,6). Im Grunde genommen müsste das nun dazu führen, dass neben dem Wissen auch die Bosheit zunimmt. Finden wir diesbezüglich einen Anhaltspunkt in der Schrift? – Ja, natürlich! Gott lässt uns nicht im Dunkel tappen:

10 Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen;
11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen;
12 und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten;    Mt 24,10-12 


1 Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden;   
2 denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig,
3 lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend,
4 Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott,
5 die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Und von diesen wende dich weg!    2.Tim 3,2-5 

All diese Voraussagen sind sich in immer schnellerem Tempo am Erfüllen. Wir sind zu einer gefühlskalten und sehr bösen Generation mutiert. In ihr werden couragierte Menschen, die einem bedrängten Menschen helfen, bereits als Helden in den Medien gefeiert, weil solches Vorgehen längst unüblich ist. Die Gefühle der Massen sind erkaltet. Es kommt bereits vor, dass Menschen in der Öffentlichkeit beraubt, geschlagen oder gar vergewaltigt werden können. Dabei werden die Täter in der Regel von niemandem mehr angegriffen bzw. gestoppt.

Anstatt die Weisheit der Welt die Gegenwart Gottes erkennen würde, schürt sie die Arroganz und Bosheit. So fängt Gott die Weisen der Welt in ihrer List. Je offensichtlicher die Existenz Gottes in der Forschung wird, desto grösser wird ihre Blindheit für das Wesentliche. Je gescheiter sich die Menschen dünken, desto grössere Narren sind sie in Wirklichkeit. Je aufgeklärter die Weltpopulation sich dünkt, desto unwissender steht sie da, wie geschrieben steht:

Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden    Röm 1,22  

12 Er vereitelt die Anschläge der Klugen, und ihre Hände wirken keinen Erfolg.
13 Er fängt die Weisen in ihrer Klugheit, und der Rat der Hinterlistigen überstürzt sich.
14 Am Tag stossen sie auf Finsternis, und am Mittag tasten sie umher wie in der Nacht.    Hiob 5,12-14 

Der HERR wird nicht mehr wie bei der Sprachverwirrung der Bosheit eine neue Schranke setzen. Der HERR kommt fortan nur noch zum Gericht und zum Ende dieses Wütens. Und: Er wird kommen! Amen – Haben wir die Zeichen der Zeit erkannt (Mt 16,3)?

Vers 20

Und wieder: »Der Herr kennt die Überlegungen der Weisen, dass sie nichtig sind.«   1.Kor 3,20 

In einem Psalm (Ps 94,11) wird diese Wahrheit auch erwähnt. Der Mensch versteckt sich zwar hinter der allgemein anerkannten Unvollkommenheit der menschlichen Rasse, wenn er auf Fehler angesprochen wird. Doch er verhält sich nicht danach. Im Allgemeinen dünkt sich der Mensch sehr gescheit. – Hat er denn nicht schon vieles erreicht? – Ganz sicher! Doch das Viele ist nur sehr oberflächlich. Die Menschen kratzen nur an der Oberfläche der Wahrheit. Die Tiefen davon haben sie nicht erkannt. Sie können das Wetter beurteilen, die Zeichen der Zeit zu beurteilen, sind sie offensichtlich nicht imstande (Mt 16,3). Könnten sie sie unterscheiden, würden sie sich nicht so gebärden. Es ist deshalb nicht übertrieben, wenn der HERR die Gedanken der Menschen als nichtig bezeichnet. Trotz der vielen technologischen Hilfen im Transport- und Industriewesen als Beispiel, haben sie bezüglich der Zeitalter, des kommenden Gerichts und der zukünftigen Dinge überhaupt keine Ahnung. Sie lassen sich zwar stolz als Professoren, Doktoren und sonstige Spezialisten betiteln, rennen aber gleichzeitig blind auf den Abgrund zu!

Deshalb sind die Gedanken der Menschen im Blick auf das Wesentliche und wirklich Menschenrettende nichtig. Es ist schlicht kein Wissen darüber da. Die Menschen tappen im Dunkeln darüber und versuchen sich mit Psychologie, esoterischen Ritualen, fernöstlichen Praktiken und immer neuen Pseudo-Erkenntnissen einen Blick in die Wahrheit zu erhaschen. Dazu leugnen sie aber hartnäckig die Wahrheiten der Bibel und belächeln die Heilige Schrift als Buch für Leute, die mit dem Leben nicht klar kommen und nicht ernst zu nehmen sind.

Vers 21

So rühme sich denn niemand <im Blick auf> Menschen, denn alles ist euer.   1.Kor 3,21   

Erinnern wir uns, dass Paulus am Anfang dieses Kapitels erklärte, dass sich niemand bezüglich eines Menschen rühmen sollte? Die einen rühmten sich des Apollos, die anderen des Paulus. – Es ist nicht statthaft, wenn sich der Wuchs des Gärtners rühmt; er sollte sich dessen rühmen, der das Wachstum und Leben gibt. Apollos und Paulus waren nur die Gärtner im Blick auf die Korinther, Christus ist aber der, der das Leben schuf.

Weil nun die Bibel lehrt, dass wir in Christus (Rö 6,4.23 u.a.) und somit im Geber und Besitzer von allem sind (Joh 3,35), ist es völlig unnötig und herabstufend, wenn wir uns eines Menschen rühmen. Besitzen wir in Christus nicht schon alles? Könnte uns die Ehre eines Menschen noch schöner einkleiden als es die Herrlichkeit tut, die der HERR auf uns gelegt hat? – Ganz sicher nicht! Es gehört uns ja alles in Ihm! Was könnten wir noch für einen Vorteil in einem anderen Menschen finden?

Liebe Leserin und lieber Leser! Suchen Sie nicht als jemand, dem alles gehört, Anerkennung bei Fremden; suchen Sie nicht als Königskind Ehre bei den Menschen. Oder würden Sie als Thronfolger danach trachten, Gunst beim Chefkoch des Palastes zu erhalten? Stehen Sie als Kind der Herrscherfamilie nicht weit über dem Chefkoch? – Sehen Sie, worauf ich hinaus will? – Wir verhalten uns nicht unserer Stellung entsprechend, wenn wir uns nach Menschen ausstrecken, damit wir uns in oder nach ihnen rühmen können. Als Christen sind wir nach Gott benannt; alle anderen Namen stehen in der Hierarchie viel weiter unten. Wollen wir in unserer Stellung bleiben oder trachten wir nach Niedrigerem? – Ich lobe den HERRN, dass er uns solche Ehre zukommen lässt! Amen.

Vers 22

Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges; alles ist euer,   1.Kor 3,22  

Die logische Folgerung aus Vers 21 ist dieser Vers. In der Familie dessen, dem alles gehört, sitzt man natürlich im Kreis der Obersten. Als Mitglied der Besitzerfamilie eines Weltkonzerns ist man weder auf die Gunst der Generaldirektion, dem sogenannten Topmanagement, oder sonst jemanden angewiesen, da ja alles dem eigenen Vater gehört. All diese Reichtümer will uns dieser Vater vererben (Gal 4,7). – Es ist also nur eine Sache der Zeit und nicht der Gunst von Menschen, diese Erbschaft anzutreten, wenn sich der Sohn bzw. die Tochter die Beziehung zum Vater nicht vorsätzlich und bösartig verspielt. Der Vater behält sich selbstverständlich vor, die Erbschaft auf die vernünftigen Söhne und Töchter auszuzahlen, nicht solchen, die sie zugrunde richten. Selbst in der Welt handeln vernünftige Menschen so mit ihrem Erbe. Sie sind an der Fortführung ihres Lebenswerks interessiert (z.B. grosse Firma) und übergeben sie nicht ohne weiteres einem Familienmitglied, bei dem es offensichtlich ist, dass es die Firma für einen ausschweifenden Lebenswandel zugrunde richtet. – Dies wollte ich am Rande noch erwähnen, obwohl es nicht Thema dieses Verses ist.

Dieser Vers zeigt uns auf, in welch herrlicher Position sich ein Christ befindet: Die höchste Gewalt im Universum kommt zum Menschen und schafft ihm die Möglichkeit, statt zukünftig in der Hölle zu schmoren, in seine Familie mit allen Rechten als leiblicher Sohn bzw. leibliche Tochter aufgenommen zu werden. Diese Rechte schliessen die Mitwirkung in Gottes Haushalt (Ökonomie) und die Erbschaft ein. Sei es nun etwas, das ein Familienmitglied bewirkt (Paulus bzw. Kephas): Es kommt uns zugute. Sei es etwas, was uns eine untergeordnetes Element beschert, wie die Welt, das Leben oder gar der Tod: Weil all das weit unter der väterlichen Gewalt steht, steht unser Bereich, der Machtbereich der Herrscherfamilie, darüber und kann uns nichts anhaben, weil – wie gesagt – der Vater über allem steht. Wirkungen der Welt und des Lebens kann der Vater steuern und am Ende ausgleichen, wie er es mit dem so gefürchteten Tod tun kann, der allem Wirken ein vermeintlich endgültiges Ende setzt.

Wenn wir diese Wahrheit wirklich glauben und ergreifen, werden wir ein bewussteres und ruhigeres Leben führen können. Söhnen des Höchsten, die sich der wahren Stellung bewusst sind, gehen leichter mit erhobenem Haupt durchs Leben, wie solche, die sich gar vor den Dienern im Königspalast fürchten. Alles ist euer, weil alles des Vaters ist. Diese Erkenntnis ist so gewaltig, dass sie leider von vielen Söhnen und Töchtern nicht ergriffen wird; selbst ich hatte Mühe damit, vor allem in schwereren Zeiten in der Erziehung durch Gott, meinen Vater.

Vers 23

ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.  1.Kor 3,23 

Mit diesem schönen Vers wird das dritte Kapitel des ersten Korintherbriefes geschlossen. „Ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“, steht einfach so da. Könnten wir es fassen, wenn es heissen würde, wir seien Nachkommen des mächtigsten Mannes der Welt? Oder von irgendjemanden, den wir als besonders einflussreich oder bewundernswert betrachten? – Wäre es nicht so, dass wir unser Glück und unseren Vorteil bei einer Abstammung von mächtigen Menschen kaum fassen könnten?

Hier steht jedoch geschrieben: „Ihr aber seid Christi, Christus ist aber Gottes.“ Das bedeutet, dass wir aus demselben „Holz geschnitzt“ sind, wie der perfekte, absolut fehlerlose Mensch Christus. Wir haben demnach dieselbe Natur in uns. Unsere Natur ist nicht jene vom gefallenen Adam, unsere Natur ist Christi Natur, jene vom letzten Adam (1. Kor 15,45). Es wird kein weiteres Geschlecht geben, noch ist eine Steigerung des Geschlechts möglich. Er ist der letzte Adam und wir besitzen seine Natur!

Dazu kommt, dass wir Christus angehören. Wir haben also nicht „nur“ einen Anteil an seinem Leben, Er bekennt sich zu uns und pflegt uns persönlich (Eph 5,29). Es verhält sich nicht so, dass wir vom Vermögen eines sehr angesehenen Mannes, der inzwischen verstorben ist, etwas zehren dürfen. Christus lebt und wir profitieren weiter unmittelbar von seinem Einfluss und seiner aktiven Art, die Gemeinde zu pflegen.

Ein weiterer Punkt stellt dar, dass dieser perfekte Mensch, Christus, zugleich Teil der ewigen Gottheit ist. Selbst wenn das unsere Vorstellungskraft sprengt, bleibt es Tatsache. – Wir jubeln vielleicht nicht so darüber, wie wir es bei allen Richtigen in einem Millionenglücksspiel tun würden. Doch wir tun es nur nicht, weil wir die Millionen in irdischen Glücksspielen tatsächlich fassen können. Gott hingegen sprengt unsere Vorstellungskraft. Dieser letzte Vers ist so gewaltig in der Aussage, dass ihn viele bejahend zur Kenntnis nehmen, aber nicht in entsprechende Freude und Dankbarkeit fallen, weil er – wie gesagt – viel mehr aussagt, als wir zu fassen vermögen. „Wir sind Christi, Christus aber ist Gottes.“ Ein Teenager würde dazu vielleicht sagen: „Hey, das musst Du Dir mal reinziehen! Das ist zu krass!“ – An dieser Stelle frage ich: Können wir uns das „reinziehen“; haben wir das verstanden?

Kapitel 4

Vers 1

Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.   1.Kor 4,1   

Nachdem Paulus im vorangegangenen Kapitel geregelt hatte, in welcher Stellung sich Diener Gottes nicht befinden, erklärt er an dieser Stelle, wo ihr tatsächlicher Platz ist. Dies gilt insbesondere auch für die fortgeschrittenen Diener des HERRN, welche von den unerfahrenen gerne auf einen Sockel gehoben werden. Unerfahrene Christen neigen dazu bzw. sind schnell verführt, altgedienten Ehrennamen zu geben, wie „Vater“, „Lehrer“, „Meister“ und wie sie alle heissen. Christus untersagt eine solche Handhabung im Neuen Testament:

9 Ihr sollt auch nicht <jemanden> auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, <nämlich> der im Himmel.   
10 Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. Mt 23,9-10  

Es gibt natürlich auch Menschen, die sich feiern lassen wollen und sich selbst solche Namen geben. Um diese Stellen zu umgehen geben sie sich heuchlerische Ehrentitel, die vorgaukeln, keine zu sein. Sie lassen sich „Apostel“ nennen und erklären auf den Hinweis in Mt 23,9.10, dass „Apostel“ nur „Gesandter“ bedeutet und mit „Vater“ oder „Meister“ in keinem Verhältnis stehe. Damit machen sie das Wort des HERRN in scheinheiliger Weise ungültig, weil Christus gesagt hat, dass jeder Christ von ihm ausgesandt ist und für Ihn zeugen soll. Jeder, der sich in spezieller Art „Gesandter“ nennen lässt, tut sich in illegaler Weise hervor und sündigt damit gegen den HERRN. Wenn er sich dann noch zusätzlich als Führer aufspielt, zieht er all die Worte Christi auf sich, die der HERR für Heuchler ausgesprochen hat:

27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von aussen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind.
28 So scheint auch ihr von aussen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.    Mt 23,27-28  

Unser erster Vers im vierten Kapitel dieses Briefes macht deutlich, dass Christen, die arbeiten und dadurch schon einen grossen Bekanntheitsgrad erworben haben, nichts weiter sind als Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Sie sind nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ist es nicht eine hohe Ehre, der höchsten Instanz im Universum dienen zu dürfen? Dazu durfte Paulus noch sagen, dass er Geheimnisse zu verwalten hat. – Jeder Christ der mit dem HERRN Zeit verbringt, wird in Dinge eingeführt, die Ungläubigen verschlossen sind. Er bekommt Einsicht in das Reich und wird damit Verwalter von neuem Wissen. Es verhält sich so, wie in der Firma. Nicht selten müssen Angestellte Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnen, weil sie über Insiderwissen verfügen, da sie dort angestellt sind und sich in der Firma frei bewegen können. Jeder Angestellte wird so ein Wissensträger von Betriebsabläufen und Know-how der Firma.

Gott vertraut uns auch Wissen an, welches wir dann wiederum jüngeren Christen weitergeben dürfen. Dabei sind wir angehalten, es nicht vor die Schweine zu werfen (Mt 7,6). Wir sehen also den Verwalterdienst: Ein Verwalter hat Möglichkeiten, gut oder schlecht zu verwalten. Entweder er geht korrekt mit dem anvertrauten Gut um, oder er wirft es vor die Schweine.

Genau so sind altgediente und bewährte Christen anzusehen: Sie sind Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Wer weiter geht, sündigt; wer seine Position erniedrigt, betrübt den HERRN, der uns damit reich beschenkt. Amen.

Vers 2

Übrigens sucht man hier an den Verwaltern, dass einer treu befunden werde.   1.Kor 4,2 

Von den Verwaltern verlangt man, dass sie zuverlässig sind. Zuverlässig sein heisst, sich an die Weisungen des Eigentümers zu halten. Ein zuverlässiger Verwalter verhält sich treu in dem gegebenen Handlungsspielraum.

Ein wahrer Verwaltungsdienst muss nicht bedeuten, dass der Handlungsspielraum sehr enge Grenzen kennt. Der HERR, der Besitzer der Güter, steckt sie individuell fest. Je reifer der Verwalter ist, desto weiter sind in der Regel die Grenzen. Blicken wir auf die Könige von Israel: Solange sie im Wohlgefallen des Besitzers wandelten, hatten sie so viele persönliche Freiheiten, dass der Besitzer, also Gott höchstpersönlich, für ihr Wohl aktiv sorgte. Sie konnten eigene und individuelle Wünsche anbringen, um die sich der HERR persönlich kümmern wollte:

und ich habe dir das Haus deines Herrn gegeben und die Frauen deines Herrn in deinen Schoss und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben. Und wenn es zu wenig war, so hätte ich dir noch dies und das hinzugefügt.   2.Sam 12,8    

Diese Tatsache eröffnet uns der HERR mit der damaligen Rede an David. Gott tadelte David, weil David während einer Zeit dachte, er käme in Sachen Frauen zu kurz. In der Folge nahm er sich auf ungesetzlichem und bösem Weg eine verheiratete Frau. Gott eröffnete ihm anschliessend aber klar, dass er bereit gewesen war, ihm noch mehr zu geben, wenn David noch etwas Weiteres zu dem begehrte, was er schon hatte.

Gott verbürgt sich ja mit seinem Wort dafür, dass er für unsere Bedürfnisse sorgt. Uns ist der Verwalterdienst aufgetragen, für den Rest, was ein Verwalter braucht, will Gott persönlich aufkommen; sehr oft auch für individuelle Wünsche. Gott hat sich im Neuen Testament als Vater geoffenbart. Er ist also für uns nicht nur wie ein grosszügiger Firmenchef, der seinen Verwaltern alles bereitstellt, was sie für ihren Verwalterdienst benötigen. Ein Vater kommt auch für die individuellen Wünsche seiner Kinder nach; und das noch viel mehr, wenn sie sich in seinem Willen bewegen. Sie bekommen also mehr als nur ein Büro mit sämtlicher Infrastruktur, die ein Verwalter benötigt; sie bekommen volle väterliche Unterstützung, welche die Individualität der Kinder berücksichtigt. Jenes Kind, das den ihm zugeteilten Bereich des Vaters mit individuellen Verkehrsmitteln begutachten will, bekommt ein Auto und jenes, das sich lieber während der Fahrt vorbereitet oder ausruht, bekommt eine überall gültige Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. So ist unser HERR. Er sorgt für alles, was der Verwalter braucht und darüber hinaus:

31 So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen?  
32 Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiss, dass ihr dies alles benötigt.  
33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.   Mt 6,31-33 

Der Vers 33 aus Mt 6 ist der Schlüsselvers in unserer Thematik: Zuerst soll das Trachten und das Wirken des Christen für Gottes Reich stehen. Das dafür Notwendige, was auch die Existenzgrundlagen beinhaltet, wird vom Vater einfach so hinzugefügt. Dafür verbürgt er sich. – „Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde (Lk 18,8)?“ – In diesem Zitat geht es zwar um den Glauben an Gebetserhörungen; trotzdem kann er an dieser Stelle zitiert werden, denn es geht grundsätzlich um den Glauben an Gottes Versprechungen. Glauben Sie an sie oder zweifeln Sie? Kommt in Ihrem Leben der Verwalterdienst vor der Sorge um Ihre Existenz oder dem Nachkommen Ihrer Wünsche? Messen Sie daran Ihre Zuverlässigkeit als Verwalter! Die Bibel sagt, dass es wenig zuverlässige Menschen gibt (Spr 20,6). Gehören Sie zu dieser hoch geehrten Minderheit?

Vers 3

Mir aber ist es das Geringste, dass ich von euch oder von einem menschlichen <Gerichts->Tag beurteilt werde; ich beurteile mich aber auch selbst nicht. 1.Kor 4,3   

Dieser dritte Vers im vierten Kapitel unseres Briefes sollte von allen Christen verstanden werden, vor allem von denen, die etwas unsicher sind. Der Teufel zielt mit seinen Lähmungspfeilen immer auf die Schwachstellen der Christen. Eine Schwachstelle ist bei jüngeren bzw. nicht so standfesten Geschwistern ihre Unsicherheit. Satan nutzt diese mit seinen Leuten schamlos aus und lässt Urteile aussprechen. Ein solches Urteil kann ein in harmlose Verpackung gewickelter Spruch sein, welcher aber dazu da ist, Überforderung auszulösen. Da gibt sich ein junger Christ viel Mühe bei der Arbeit und der Chef macht ihn mutlos, indem er ständig nörgelt, obschon dieser Arbeiter zu den Besten des Teams gehört. Wer ein solches und ungerechtfertigtes Nörgeln zu nahe heranlässt, überträgt es auch auf sein Christsein und wird in der Arbeit im Reich auch mutlos und lässt die Hand sinken. – Damit will ich nicht sagen, dass wir überheblich und für jede Kritik immun werden sollen. Ich weiss auch von vielen Christen, die durch schlampige Art unangenehm auffallen. Solchen würden Korrekturen und Kritik mehr helfen als schaden. – Vielmehr sage ich das, um aufzuzeigen, dass unser Beurteiler im Blick auf den Verwalterdienst im Reich ausschliesslich Christus ist und nicht Menschen. Wenn wir uns dieses Wissen verinnerlichen, werden wir immun gegen dementsprechende Lähmungspfeile des Teufels sein. Was ich im Reich tue, lasse ich in erster Linie von meinem HERRN beurteilen. In zweiter Linie von geistlichen Geschwistern, die in ihrem Handeln beweisen, dass Christus ihr Herr ist. – Jeder Christ, auch der geistliche, braucht mal eine Korrektur durch andere Geschwister. Selbst David brauchte eine entsprechende Berichtigung (2. Sam 12,1), sowie Petrus (Gal 2,14).

Es ist wichtig, dass wir für Korrekturen offen sind, wie geschrieben steht:

Armut und Schande dem, der Züchtigung unbeachtet lässt; wer aber Zurechtweisung beachtet, wird geehrt.    Spr 13,18 

Unsere Ermahnungen sollten aber durch den HERRN kommen, auch wenn sie durch andere Geschwister mitgeteilt werden. Selbst uns sollten wir in der eigenen Beurteilung nicht trauen, die einen beurteilen sich selbst zu gut, andere beschuldigen sich selbst zu Unrecht, je nach Charakter und Erziehung.

Zu viele Geschwister lassen sich durch Fehleinschätzungen beirren, wie sich im Gegenzug ebenso viele nichts sagen lassen wollen. Der HERR ermahnt uns mit dieser Stelle, das gesunde Mittelmass zu finden, indem grundsätzlich gilt, dass der HERR die Seinen korrigiert. Aussenstehende tun das nur, wenn es das Wort verlangt (z.B. Mt 18,15-18). Eine Korrektur aufgrund des Wortes ist wiederum durch den HERRN, weil er das Wort ist (Joh 1,14). Amen.

Vers 4

Denn ich bin mir keiner Schuld bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr.   1.Kor 4,4  

Ein Diener des HERRN sollte sich, wie Paulus es war, keiner Schuld bewusst sein. Das gehört zu den Basisgrundsätzen. Wenn ein solcher von Schuld weiss, muss sie bereinigt werden -, wie könnte er ansonsten in Aufrichtigkeit den HERRN bezeugen, wenn er Gott durch seinen Wandel nicht so darstellt, wie er sollte? Wir dürfen nicht Wasser predigen und Wein trinken, wie man so schön sagt. Was wir sagen, sollten wir auch selbst halten. Amen.

Gehen wir nun davon aus, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen vorangehen. Wie können wir dabei wissen, ob wir rein wandeln? Wer sagt uns, ob wir dem Willen des HERRN entsprechen? – Wie schnell begeht man beispielsweise Unterlassungssünden! Fehltritte also, die durch Untätigkeit entstehen. Ein sehr vielsagendes Beispiel finden wir im Gericht über die Nationen:

42 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken;  
43 ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.  
44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?  
45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan.   Mt 25,42-45   

Paulus wusste, wovon er sprach, deshalb schrieb er, dass er ohne Schuldbewusstsein nicht ohne weiteres gerechtfertigt ist. Die Rechtfertigung muss vom HERRN kommen. Der HERR allein sieht alles; wir urteilen nach dem äusseren Schein, der HERR urteilt vollkommen. Nach dem äusseren Schein sieht Davids Urteil gegenüber den Kurieren einer scheinbar guten Nachricht böse aus (2. Sam 4,6-12): Sie verhalfen ihm schliesslich zum Königtum; er bringt sie jedoch um! In der Beurteilung des Ganzen ist sein Urteil aber richtig, denn der HERR machte David zum König, ohne die Hilfe von Menschen, vor allem nicht von solchen, die in Friedenszeiten Blut vergiessen und Mord rechtfertigen, um dem Zweck, David zum König zu machen, zu dienen. Der HERR akzeptiert ein solches Vorgehen nie. Was er durchsetzt, setzt Er auf legalem Weg durch, in Übereinstimmung mit dem Wort.

Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wie wichtig es ist, Gott das Urteilen zu überlassen?

Vers 5

So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbaren wird! Und dann wird jedem sein Lob werden von Gott.  1.Kor 4,5  

In diesem Vers geht es um das Verurteilen und die Absichten der Herzen. Verurteilen ist nicht gleich Beurteilen! – damit möchte ich in den Kommentar zu diesem Vers einsteigen. Dieser und andere Verse werden manchmal von liberal Denkenden angeführt, um das Ermessen bei Christen auszuschalten, wie zum Beispiel auch dieser Vers:

Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; und verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden.   Lk 6,37   

„Verurteilen“ und „Richten“ bedeuten nicht dasselbe wie „Beurteilen“. Vom HERRN persönlich sind wir angehalten, uns die Fähigkeit anzueignen, beurteilen zu können! Wir sollen „Gut“ von „Böse“ unterscheiden lernen! Wie könnten wir sonst im Hause Gottes selbstverantwortlich wirken? In Mt 18 sagt der HERR, dass wir, wenn ein Bruder sündigt, ihn ermahnen sollen. Konkret heisst das, dass wir seine sichtbaren Taten beurteilen und dementsprechend handeln müssen. In Apg 20,28 weist der Apostel die Ältesten auf diese Tatsache hin. – Wir sollen beurteilen aber nicht verurteilen; eine verwerfliche Tat sollen wir als solche bezeichnen, den Täter auch dementsprechend behandeln, doch wir dürfen ihn nicht als „hoffnungsloser Fall“ schubladisieren. Dann wäre er verurteilt. Solange er offensichtlich böse ist, dürfen wir das sagen, wie es Paulus bei demjenigen tat, der mit der Frau seines eigenen Vaters eine sexuelle Beziehung unterhielt (1. Kor 5,13). Der Täter wurde als „Böser“ bezeichnet, weil er in der heiligen Gemeinde des HERRN solchen Frevel tat.

Doch – obschon alles darauf hindeutet, dass ein solcher Frevler grundsätzlich in die Verdammung gehört -, überlässt es der HERR nicht dem Menschen, zu verurteilen, weil der Mensch die Beweggründe, Erziehung, Umwelt und Versuchung nicht kennt, die der betreffende Sünder hat bzw. hatte. Wären wir dem König David begegnet, wo er Ehebruch und Mord mit bzw. wegen Batseba vollbrachte, hätten wir ihn evtl. am liebsten in die Hölle verdammt. Gott sagt aber von ihm, dass er nach seinem Herzen ist (1. Sam 16,7). Natürlich sagt das Gott nicht in Bezug auf die böse Tat. Er sagt es in Bezug auf Davids Grundhaltung Ihm gegenüber. Das Verbrechen Davids ahndete Gott nach einiger Zeit mit sehr schwerer Züchtigung. David war aber ansonsten voll in Ordnung. Während eines Augenblicks strauchelte er heftig, doch den Rest seines Lebens verweilte er in Gottesfurcht.

Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, worauf der Heilige Geist hinweisen will? – Das Beurteilen und nach offensichtlichen Taten Handlungen bzw. Sanktionen gegen Geschwister vornehmen, steht uns zu; wir sollen eigenverantwortlich handeln. Doch es steht uns nicht zu, Geschwister zu verurteilen, indem wir sagen: Der lernt das nie! – oder: Das ist grundsätzlich eine Gottlose!

Es ist gut, wenn wir uns daran halten, denn Gott allein kennt die Absichten und Grundhaltung unserer Herzen. Er allein weiss, wer vorsätzlich, fahrlässig, mangels Kenntnis, verführt, bewusst oder unbewusst Dinge tut oder lässt. – Lasst uns bei offensichtlichen Dingen urteilen, lasst uns aber bitte nie verurteilen! Amen!

Vers 6

Dies aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns lernt, nicht über das hinaus <zu denken>, was geschrieben ist, damit ihr euch nicht aufbläht für den einen gegen den anderen.    1.Kor 4,6  

Niemand kennt die tiefsten Beweggründe der Herzen. Weder die seines Nächsten noch jene des bevorzugten christlichen Vorbildes. Es ist somit müssig, einen Menschen zu erheben oder gar hoch von sich zu denken. Paulus schrieb das im Blick auf sich und Apollos, weil sich bei den Korinthern „Fangruppen“, also Nacheiferer bzw. Bewunderer einerseits für Paulus andererseits für Apollos gebildet hatten.

Paulus stellte in den vorangegangenen Versen sehr schön klar, dass Christen sich nicht zu Gruppen für eine Person zusammenschliessen sollten. Wer war schon Apollos? Wer war schon Paulus? – Natürlich waren das exzellente Diener des HERRN, wie wir in der Schrift lesen. Trotzdem steht es uns nicht an, Personen zu klassifizieren. Wie wir wissen, ist das Beurteilen eine Tätigkeit, die der HERR von uns verlangt. Doch ein Festlegen eines definitiven und absoluten Urteils steht uns nicht zu, da wir, wie bereits erwähnt, nicht allumfassend beurteilen können. Wir sehen nicht in die Herzen hinein. Wir können nur aufgrund von Äusserlichkeiten urteilen.

Es gibt Menschen, die sich im Reich stark engagieren, um gesehen und bewundert zu werden. Andererseits gibt es Christen, die sich im Hintergrund halten, eher unbekannt sind und sich für nichts Besonderes halten. – Die Gefahr im Blick auf diese unterschiedlichen Charaktere ist, dass man den „lauten“ schneller folgt, als den ruhigen. Doch wer weiss, ob nicht vielerorts gerade die ruhigen kostbarer sind vor dem HERRN?

Besser ein Langmütiger als ein Held, und besser, wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.    Spr 16,32  

Waren die Söhne der Zeruja, massgebende Helden Davids, nicht bewundernswert? Stach nicht Joab unter ihnen noch hervor? War es nicht Joab, der als Erster Jebus (d.i. Jerusalem) eroberte (1. Chr 11,6)? Wollte nicht Joab die Torheit Davids verhindern, das Volk zu zählen (1. Chr 21)? – Gerade dieser Joab fehlt aber in der Aufzählung der dreissig bzw. der drei Helden, der herausragenden und mutigsten Männern Davids, welcher die Figur war, die Christus vorschattete (2. Sam 23).

Es ist also nicht nur eine Frage des Mutes und des „lauten Mundwerks“ unter uns Christen, um angenehm zu sein vor dem HERRN. Es ist genau so, vielmehr noch, eine Frage des Herzens. – Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wie töricht es ist, wenn wir für irgendjemanden eifern ausserhalb Christus? Wie schnell kann man da jemandem nacheifern, dessen Herz gar nicht so stark für Christus schlägt; für einen „Helden“, der gar nicht in Gottes Aufzählung der dreissig Helden gelistet ist.

Eifern Sie Christus nach! Betrachten sie herausragende Christen als Diener des HERRN, von denen ein guter Verwalterdienst gefordert wird. Jede Fähigkeit, im Reich zu arbeiten, kommt von dem HERRN! – Wer das verstanden und wirklich begriffen hat, weiss, dass er überhaupt keinen Ansatzpunkt für Stolz bieten kann! Eine solche Person kann sich nicht aufblähen und wird sich auch sehr davor hüten! Amen.

Vers 7

Denn wer gibt dir einen Vorrang? Was aber hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?    1.Kor 4,7   

An dieser Stelle beeindruckt mich, wie sich der Heilige Geist durch Paulus an die nicht sehr lernwilligen bzw. einsichtigen Christen wendet. Denn es gibt leider viele unter uns, die zwar bejahen, aber nicht glauben. Der HERR spricht sie deshalb mit direkter Rede an. Damit unterstreicht er das Vorangegangene mit Nachdruck, indem er spricht: „Du bist gemeint!“ – Sie, liebe Leserinnen und Leser, Sie sind damit gemeint, sowie auch ich. Der Korintherbrief ist an alle Christen gerichtet (Kap 1,2)! „Wer gibt dir einen Vorrang? Was aber hast du, das du nicht empfangen hast?“ – Die Schrift sagt, dass wir uns nicht höher einschätzen sollen, als wir tatsächlich sind (Rö 12,3). Trotzdem gibt es Christen, die denken, sie hätten einen Vorrang und hätten dadurch mehr Rechte als ihre Nächsten. Woher diese bösen Gedanken kommen weiss ich nicht, denn es heisst: „Was hast du, das du nicht empfangen hast?“

Fangen wir beim Anfang unserer Existenz an: War es Dein Wille und Dein Verdienst zur Welt zu kommen und nachher jemanden zu haben, der es Dir ermöglichte, aufzuwachsen? War es Dein Verdienst, gehen und sprechen zu lernen? Oder ist es der Verdienst des Vaters, der uns so geschaffen hat, dass alles „Natürliche“ so „automatisch“ geschieht? Wer gab Dir Dein Geschlecht und Aussehen? Deine Talente? Hast Du etwas dazu beigetragen, dass Du hier und da talentierter bist als Dein Nächster? Besitzt Du alle Talente? Kannst Du Dir holen, was Du willst? Bist Du ein Komponist wie J.S. Bach und ein Physiker wie A. Einstein? Bist Du Dir im Klaren, dass Du nur an die Hochschule durftest, weil Gott es gestattete? Der Hirtenjunge aus einem armen Land hätte die bessere Doktorarbeit geschrieben als Du, wenn er nur Gelegenheit dazu gehabt hätte! Wusstest Du das bei Deiner Auszeichnung? Oder Du, der in einem Land lebt mit guten sozialen Strukturen, bist Du mehr als das Strassenkind in Indien, welches sich mit seinesgleichen zusammenschliesst, um zu überleben?

Machen wir uns bitte nichts vor, wenn wir in guten Kleidern zur Arbeit fahren dürfen! Wir haben nichts erreicht, wäre uns nicht Umwelt, Leben, Verstand und entsprechende Umstände gegeben worden. Sie kennen ja auch das Sprichwort: Er war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. – Selbst dieses Sprichwort besagt, dass nur schon die Umstände stimmen müssen, um voran zu kommen. Bei aller Klugheit kannst Du zurückbleiben in der Karriere, wenn Du immer zur falschen Zeit am falschen Ort bist. – Braucht es nicht auch das tägliche Wohlwollen unseres Schöpfers, damit wir nicht durch eine unheilbare Krankheit aus der eitlen Berufswelt scheiden und als Sozialfälle am „Tropf“ der Gemeinschaft hängen, über die wir geringschätzig dachten? – Bilden wir uns da ja nichts ein! „Was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ Können wir uns über etwas rühmen, das wir in totaler Unabhängigkeit, mit eigener Lebenskraft und selbst geschaffenem Umfeld, erreicht haben? – Was für ein lächerlicher Gedanke! – Es ist erstrebenswert unserem Schöpfer und Heiland für das, was wir haben und Er uns gemacht hat, täglich in Demut zu danken! Amen!

Vers 8

Schon seid ihr satt, schon seid ihr reich geworden; ihr seid ohne uns zur Herrschaft gekommen. Oh, dass ihr doch <wirklich> zur Herrschaft gekommen wäret, damit auch wir mit euch herrschen könnten!    1.Kor 4,8 

Dieser und die nachfolgenden Verse erscheinen sehr hart; wie eine forsche Rüge des grossen Apostels an die Gemeinde in Korinth, welche sich mehrheitlich im geistlichen Alter eines Kleinkindes befand. Im Vers 14 erklärt der Apostel den Zweck dieser korrigierenden Verse: Sie sind nicht zur Beschämung der Gemeinde, sie sind vielmehr als liebevolle Ermahnung ausgesprochen. – Wie wunderbar geht doch der Heilige Geist mit der Gemeinde um! Die Schäfchen in Korinth hatten, in der vollen Überzeugung auf dem rechten Weg zu sein, einen ungesunden Weg eingeschlagen. Gleichzeitig waren sie noch ein wenig kindlich stur; sie konnten nicht mit intellektuellen Überzeugungsargumenten gewonnen werden. Die Wahl des korrekten Werkzeuges für ihre Situation ist der „kleine Holzhammer“. Sie brauchten scharf umrissene Grenzen, ob sie sie verstandesmässig aufnehmen konnten oder nicht. – Ich verneige mich staunend vor der Weisheit des HERRN im Umgang mit Menschen! Wer – sagen Sie mir, liebe Leserinnen und Leser! -, welcher General, Vater, Geschäftsführer kann seine Untergebenen bzw. Schutzbefohlenen so situationsangepasst führen, wie es der HERR tut? – Der HERR sei gelobt in Ewigkeit! Amen.

Kommen wir zurück zum Vers: Es gibt einige Gemeinden, die sich exakt im Zustand der damaligen Gemeinde in Korinth befinden. Ich kenne mindestens zwei verschiedene Benennungen, deren lokale Gemeinde bzw. Gemeinden dem Stand der hier von Paulus ermahnten Gemeinschaft entsprechen. Die eine Strömung von beiden mir bekannten behauptet, wir Christen seien heute schon, also vor der Wiederkunft Christi, im Tausendjährigen Reich, dem sogenannten Millenium und somit schon zur Herrschaft gelangt. Obschon das Gegenteil die Realität ist und Christen immer noch verfolgt werden, behaupten sie hartnäckig, halt wie kleine Kinder es tun, wir seien zur Herrschaft gelangt. Näheres können sie nicht erklären, und wenn sie sich durch Gegenargumente zu stark in die Ecke gedrängt sehen, vergeistlichen sie ihre Anschauungen kurzerhand und sagen, sie bezögen sich auf die geistliche Welt. Ihre Aussagen stimmen jedoch nicht einmal in Bezug auf die geistliche Welt; solange Satan nicht gebunden ist, hat die Kirche Jesu noch nicht das ganze Territorium erobert und befindet sich weiterhin im Ausnahmezustand (2. Tim 2,4). – Die andere Benennung hat begonnen, die Aussagen Jesu falsch zu gewichten. Sie nehmen alles positive aus der Schrift, was richtig angewendet nicht falsch ist, und setzen diese Mosaiksteine an die falsche Stelle des Ganzen. So bekommen sie eine völlig verfälschte Wahrnehmung der Realität. Eine Wahrnehmung, die wie eine Flucht in eine ersehnte, aber fiktive Welt ist, welche sie als Ersatzhandlung der Realität voranstellen und sich so täuschen lassen. Schlagwörter wie „Königskinder“, „Reichtum“, „keine Tränen mehr“ und „garantierte Gesundheit“, werden so gewichtet, dass der Wunschtraum, schon heute zur Herrschaft gelangt zu sein, glaubwürdig wird für sie. Sie sprechen überschwänglich von Liebe und Herrschaft, auch wenn die Realität tausendmal das Gegenteil beweist, wie es die Bibel selbst tut. Nirgendwo steht im Wort Gottes, dass es vor dem Tausendjährigen Reich ein leichtes Leben gibt für Christen (2. Tim 3,12).

Die Realität ist eine ganz andere: Selbst Christen sterben an Krebs, fristen ein Leben als Blinde (persönlich kenne ich einen blinden Christen, von dem ich nur positives weiss), haben finanzielle Schwierigkeiten, sitzen unschuldig in Gefängnissen und Psychiatrien, werden verlacht und verspottet. Von angetretener Herrschaft kann keine Rede sein. Vielmehr warten wir heute noch, im Jahre 2011, auf die Erlösung, wie es die übrige Schöpfung tut:

Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes.  
Röm 8,19 

Dieser Vers hebelt die Wahrheiten über Christus nicht aus. Christus sagte schon damals zu seinen Jüngern, ihm sei die ganze Herrschaft im Himmel und auf Erden übergeben worden:

Und Jesus trat zu <ihnen> und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.    Mt 28,18     

Die vom Vater festgesetzte Zeit der Offenbarwerdung der Söhne Gottes und des Überganges ins nächste Zeitalter ist schlicht noch nicht da, auch wenn sie kurz bevor steht. Und solange sie nicht da ist, können wir Kopf stehen oder uns in Scheinwelten flüchten: Das Zeitalter bricht erst an, wenn es tatsächlich anbricht, nicht dann, wenn wir es uns einbilden!

Das ist die Aussage Paulus‘ an die Korinther, verpackt in Worte, wie sie (vielleicht etwas sture) Kinder aufnehmen können! – Die Art der situationsgerechten Vermittlung ist herrlich; nicht wahr, liebe Leserinnen und Leser?

Vers 9

Denn mir scheint, dass Gott uns, die Apostel, als die Letzten hingestellt hat, wie zum Tod bestimmt; denn wir sind der Welt ein Schauspiel geworden, sowohl Engeln als <auch> Menschen.   1.Kor 4,9

Paulus fährt mit diesem und den folgenden Versen weiter in dieser, dem Wachstumsstand der Korinther angepassten Art der Verkündigung. Die Korinther wollten und konnten noch nicht wahrhaben, dass eine enge Beziehung zum HERRN, die zweifelsfrei eine hohe Kampfkraft in der geistlichen Welt bedeutet, die Aufmerksamkeit der feindlichen Linien auf sich zieht. Eine F-22, das gefährliche Kampfflugzeug der U.S. Streitkräfte mit einem der bestausgebildetsten Piloten zieht die Aufmerksamkeit der feindlichen Befehlshaber weit mehr auf sich, wie eine Verkehrsleitgruppe, welche Lastwagenkonvois in Parkplätze navigiert. Ein Pilot dieses Flugzeugs könnte ganze Panzerdivisionen des Feindes vernichten, wenn es nicht mit schwererem Material gegen Flugkörper in Schach gehalten wird.

Dies bekam die Elitetruppe des HERRN zu spüren. Der Feind wollte sie nicht einschläfern oder mit weltlichen Annehmlichkeiten einlullen, er wollte sie einfach nur tot sehen – gänzlich ausgeschaltet. Die Apostel waren der sichtbaren, sowie der unsichtbaren Welt ein Schauspiel, denn sie standen mit grosser Kraft für die Sache des HERRN ein. Beim HERRN bemühte sich der Fürst dieser Welt, Satan, persönlich (Mt 4). Kein Wunder also, wenn der Teufel seine Elite auf die wahren Geistlichen, die Leute des HERRN, loslässt.

Paulus deutet das an, indem er es einfach nur in Bezug auf die Apostel ausspricht. Die Korinther sollten nicht mit Dingen konfrontiert sein, die sie nicht tragen konnten. Auf diese sanfte Art kommuniziert, war es ausgesprochen (2. Tim 3.12), doch sie konnten es erst im weiteren Wachstum, bzw. in einer gefestigteren Beziehung zum HERRN verstehen.

Wie gesagt, staune ich nur über die sanfte und weise Art der Kommunikation, die Paulus bei seinen jungen Geschwistern anwendet. Sein und unser aller HERR sei gelobt! Amen.

Vers 10

Wir sind Narren um Christi willen, ihr aber seid klug in Christus; wir schwach, ihr aber stark; ihr geehrt, wir aber verachtet.  1.Kor 4,10  

Mit diesem Vers fährt Paulus fort in seiner weisen Rede an die unmündigen Korinther. Darin macht er auch deutlich, dass die Christen, die Gemeinden gründen und ihnen dienen (Paulus, Apollos), unten durch müssen, bzw. mussten.

Unmündige Christen sagen oft vorschnell, sie wollen wie ein Elia oder ein Paulus sein. Sie behaupten mit dem HERRN sterben zu wollen; wissen aber im Grunde überhaupt nicht, was sie da aussprechen. Mit dieser sehr kurzsichtigen Sichtweise beneiden sie manchmal auch vom HERRN geehrte Geschwister und sehen sich ihnen gegenüber im Nachteil, weil ihre Ehre noch nicht so gross ist. – Beachten wir an dieser Stelle die Worte Elias an Elisa, wo Elisa um die doppelte Portion Elisas bat:

Da sagte er: Du hast Schweres erbeten! 2.Kön 2,10a  

Elia hat während seines Dienstes auf Leben und Tod dem HERRN gedient. Er nahm es mit Ahab, dem bösen König von Israel auf und wusste dabei nie, ob Ahab Hand an ihn legen würde. Elisa bat um die doppelte Portion der Gnade Gottes. Gottes Gnade wird den Menschen nicht einfach so zur Verschwendung gegeben. Sie dient zum Aufbau der Geschwister und dem Zeugnis vor den Ungläubigen. Ein von Gott reich mit Fähigkeiten Begnadeter ist oft Todesgefahren ausgesetzt, weil der Feind ihn tot sehen will. Diese Gefahren werden somit aktiv provoziert; es sind nicht einfach zufällig böse Umstände, in die die engen Leute des HERRN hineingeraten.

Mit dem betrachteten Vers erhebt Paulus die Geschwister in Korinth und sagt ihnen mit anderen Worten: Neidet uns nicht bezüglich unserer Stellung, Ihr seid ja diejenigen, die gesegnet sind und denen es gut geht! – Paulus wusste schliesslich auch, dass der HERR – wie es die Menschen tun – kleine Kinder auf dem Arm trägt und nicht Gefahren aussetzt. Babys können nicht tragen, was ein erfahrener Krieger wie Abischai beispielsweise tragen konnte. Bei gleicher Belastung wären sie sofort zusammengebrochen und abgefallen.

Paulus sagt in einer sehr schönen Art und Weise: „Geniesst doch Euer Kind-Sein! Ihr werden vom HERRN zart umsorgt!“ – Damit stoppte er allfälligen Neid und erhob das Haupt der Korinther.

Wie gesagt, staune ich nur über diese Weisheit, wie ich sie in der Welt bei keinem Führungsverantwortlichen gefunden habe. Sie ist einfach nur herrlich! Amen.

Vers 11

Bis zur jetzigen Stunde leiden wir sowohl Hunger als <auch> Durst und sind nackt und werden mit Fäusten geschlagen und haben keine bestimmte Wohnung   1.Kor 4,11

Paulus erzählt hier weiter, was Personen widerfährt, die hohe Ehre beim HERRN erlangt haben und somit auch eine sehr hohe Schlagkraft gegen die feindlichen Mächte. Der HERR ehrt schliesslich, die Ihn ehren (Joh 12,26). Jünger, die den Wunsch äusserten, höchste Ehrenplätze im Reich einzunehmen, wurden mit der Tatsache konfrontiert, dass solche Plätze nur für Leute bereitet sind, welche dieselben Leiden wie Christus auf sich genommen haben (Mt 20,22). Dieselbe Wahrheit wurde ihnen also vorgestellt, wie sie Elia dem Elisa präsentierte: „Du hast Schweres erbeten!“

Zwar sah es so aus, dass die Apostel nicht viel erreicht hatten. Was kann jemand schon bewegen, der Hunger leiden muss, nackt ist, geschlagen wird und keine bestimmte Wohnstätte hat? Hat jemals so ein Mensch Bewegendes erreicht? – Gottes Helden schon! Wir haben ja erst kürzlich gesehen, dass die Helden Davids sinnbildlich für die Überwinder der Gemeinde stehen, also für die Menschen, die trotz aller möglichen schlechten Zuständen in den sieben Gemeinden der Offenbarung Offb 2,1 - 3,21 unbeirrt an der Wahrheit festgehalten haben. Das sind Menschen, deren die Welt nicht wert ist (Heb 11,38), welche aber trotz des vielen Leidens in die Reihen der Unvergesslichen aufgenommen werden.

All die grossen Figuren der Weltgeschichte werden vergessen und niemand denkt schon wenige Jahre nach ihnen mehr an sie. Gottes Helden, seien sie Männer oder Frauen (Mt 1,5), bekommen Eingang in ewige Bücher bzw. ewige Gedenkstätten (Offb 3,12).

Dies schreibt Paulus in einer sehr schönen Art den Korinthern. Er schreibt es nicht, um zu prahlen. Er beugt damit allfälligem Neid vor und weist gleichzeitig auf die Marke hin, welche Christen gesetzt ist, die leben wollen, wie die Schrift gesagt hat: Der Christ steht nicht über seinem Meister (Mt 10,24). Wer so werden will wie unser HERR, wird auch Leiden tragen müssen.

Im Reich geht es nicht zu und her wie in der Welt, wo Machthaber – ohne die Lasten selbst mit dem Finger zu berühren – dem Volk schwere Bürden aufladen. Unser HERR hat die Hauptlasten für uns getragen und das erlitten, was wir nicht zu tragen vermochten bzw. vermögen, indem er die Schuld der Welt auf sich lud. Uns wird schon hohe Ehre erwiesen, wenn wir Teillasten – Bruchteile davon – auf uns nehmen.

Vers 12

und mühen uns ab und arbeiten mit unseren eigenen Händen. Geschmäht, segnen wir; verfolgt, dulden wir;  1.Kor 4,12  

Wie schnell lassen sich Diener Gottes von Menschen bedienen! Zwar steht dem Arbeiter Lohn für Arbeit zu, das sagt selbst der HERR (Lk 10,7). Ich will auch nicht dagegen sprechen; es gibt durchaus Diener, die am vom HERRN angeordneten Platz ausschliesslich vom Brot der Gemeinde essen sollten, um effektiv zu sein. Auch die Leviten, welche für den Gottesdienst ausgesondert wurden, durften und sollten vom Ertrag der übrigen Stämme Israels essen; ich stelle ein Bedient-werden überhaupt nicht in Abrede. Grenzwertig finde ich es, wenn Diener des HERRN von unmündigen Geschwistern anfangen zu nehmen. Paulus spricht da klar dagegen; - die Kinder nehmen in der Regel von den Eltern, nicht umgekehrt. Paulus sagt selbst klar aus, dass er von der Gemeinde zu nehmen das Recht hatte, doch freiwillig darauf verzichtet habe (2. Kor 11,8.9).

Der Apostel war viel zu weise, um einfach von seinem Recht Gebrauch zu machen. Er liess sich während dieser Zeit durch andere Quellen unterstützen, weil die Korinther noch zu jung, schlicht noch nicht reif genug, waren, um kommenden tückischen Listen des Teufels die Stirn bieten zu können. Paulus wollte keine Gelegenheit gewähren, dass seine Lauterkeit vom Bösen hätte untergraben werden können. Wie schnell kommt Satan und flüstert Ungefestigten ein, dass der Diener Gottes nur zu faul sei, um zu arbeiten und Interesse am sauer Verdienten anderer Geschwister habe. Junge Geschwister, die nicht hinter die Arbeit eines Vollzeit-Dieners sehen, fallen schnell auf solche Einflüsterungen herein und könnten zulassen, dass schlechte Gefühle gegen den Diener des HERRN aufkommen. Paulus wusste nur zu gut von solchen Möglichkeiten und liess dem Bösen ganz und gar keine Angriffsfläche.

Wie schön ist es zu sehen, was der HERR für Persönlichkeiten heranbildet. Was waren das für Helden! Wie gleichen sie in der Lieblichkeit und Weisheit ihrem HERRN, Jesus Christus! – Diese Helden segnen, wenn sie geschmäht werden und schlagen nicht zurück, sind sie verfolgt, um in allem ihrem Herrn gleich zu werden, der das geknickte Rohr nicht zerbrach und den glimmenden Docht nicht auslöschte, damit für jeden Menschen die Chance auf Errettung bis zum Schluss bereitstand bzw. heute noch bereitsteht.

Ich hoffe, dass junge Geschwister, die diese Zeilen lesen, von diesen Helden lernen und – wie die Diener des HERRN damals – nach diesen herrlichen Charakterzügen trachten. Amen.

Vers 13

gelästert, reden wir gut zu; wie Unrat der Welt sind wir geworden, ein Abschaum aller bis jetzt.

1.Kor 4,13

Lassen Sie mich, liebe Leserinnen und liebe Leser, an dieser Stelle die Charakterzüge der Helden Gottes, wie Paulus einer war, noch näher beleuchten. Wir sehen aus all diesen und weiter voran gegangenen Versen, wie edel sich diese Diener der bösen Welt gegenüber verhielten. Paulus ging sogar soweit, dass er trotz seines Dienstes in Korinth von den Korinthern nichts dafür verlangte.

Einige sehen darin eine eiserne Selbstdisziplin, um den Geschwistern den „Helden“ zu zeigen. Andere finden Paulus vielleicht gar nicht so toll, weil er den Korinthern möglichen Segen verweigerte, wie sie sagen, weil er ihnen – aus dem Blickpunkt der Pauluskritiker – angeblich Anteile am Lohn für hilfsbereite Menschen verweigerte.

Dass beide Sichtweisen falsch sind, ist biblisch leicht zu beweisen. Erstens sagt die Bibel, dass jemand, der sich aus eigener (fleischlicher) Kraft helfen will, verflucht sei, wie geschrieben steht:

So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz vom HERRN weicht!

Jer 17,5

Kein Christ kommt voran, wenn er sich einfach mehr anstrengt. Dabei ist zwischen eigener Anstrengung und Selbstdisziplin zu unterscheiden. Selbstdisziplin wird vom HERRN gefordert, doch der HERR verlangt Vertrauen in Gott, anstelle von eigenen Kraftanstrengungen. Mehr vom Geist können wir nicht bekommen, indem wir früher aufstehen oder uns später niederlegen, denn der HERR gibt es den Seinen im Schlaf, wie wir wissen.

Vergebens ist es für euch, dass ihr früh aufsteht, euch spät niedersetzt, das Brot der Mühsal esst. So viel gibt er seinem Geliebten im Schlaf.

Ps 127,2

Paulus konnte also sein Heldentum nicht aus eigener Kraft steigern, indem er nichts von den Korinthern annahm, um so als noch stärkerer Mann dazustehen. – Damit haben wir das erste falsche Argument über Paulus entkräftet.

Das zweite zu entkräften ist noch einfacher. Paulus nahm nicht keinen Lebensunterhalt von den Korinthern, um ihnen den Lohn Gottes zu verweigern, der im folgenden Vers versprochen wird:

Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen.

Mt 10,41

Der Hintergrund, weshalb Paulus von den Korinthern nichts annahm, lässt seinen Charakter, der schon in der Göttlichkeit weit vorangeschritten war, sehr herrlich erstrahlen. – Die Korinther waren nachweislich, wir können es nachlesen, noch nicht stark genug, um fähig zu sein, Paulus von Herzen zu unterstützen. Gewiss hätten sie es im Moment, dem Augenblick getan, wo er unter ihnen weilte. Der zweite Korintherbrief offenbart aber ihre Unreife:

1 Möget ihr doch ein wenig Torheit von mir ertragen! Doch ihr ertragt mich <ja> auch.
2 Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um <euch als> eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen.
3 Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, <so> vielleicht euer Sinn von der Einfalt und Lauterkeit Christus gegenüber ab<gewandt und> verdorben wird.
4 Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das <recht> gut.
5 Denn ich meine, dass ich den »übergrossen« Aposteln in nichts nachgestanden habe.
6 Wenn ich aber auch ein Unkundiger in der Rede bin, so doch nicht in der Erkenntnis; sondern in jeder Weise und vor allen haben wir <es> euch gegenüber offenbar gemacht.
7 Oder habe ich eine Sünde begangen, als ich mich selbst erniedrigte, damit ihr erhöht würdet, indem ich euch das Evangelium Gottes umsonst verkündigt habe? 2.Kor 11,1-7

Diese Verse aus dem 2. Korintherbrief beweisen, wie ungefestigt die Korinther waren. Der vierte Vers sagt sogar aus, dass sie böse Lehren annahmen und somit damals für sie eine grosse Gefahr bestand, abzufallen. Sie hielten zu Paulus, so lange er bei ihnen war. Nach seiner Abreise nahmen sie den erstbesten Vorübergehenden als Vertrauensperson und hörten auf ihn, auch wenn er Quatsch predigte. Wie leicht hätte ein solcher Verführer Paulus‘ Autorität in Frage stellen können, hätte Paulus etwas von den Korinthern genommen! Hätte ein solcher Verführer genügende Unterstützung von seinen „Genossen“ gehabt, wäre die Taktik des Teufels perfekt aufgegangen. Er (der Verführer) hätte nichts genommen, Paulus jedoch schon; wem hätten die ungefestigten Korinther dann geglaubt? – Sehen Sie die Weisheit des HERRN im Handeln des Paulus? Strahlt nicht die Weisheit des HERRN aus diesem Diener? – Ich staune sehr über die Herrlichkeit, von der seine Taten zeugen! Diese Herrlichkeit strahlt aus ihm hervor, obschon er zum Abschaum der Welt gemacht wurde! – Wahre Helden sind nicht Eroberer von Ländereien; wahre Helden sind Helden des HERRN! Amen.

Vers 14

Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich dies, sondern ich ermahne euch als meine geliebten Kinder. 1.Kor 4,14    

Die vorausgegangenen Verse schrieb Paulus, um die Korinther dort abzuholen, wo sie standen. Er schrieb Kindern im Glauben, die manchmal etwas stur, manchmal sehr kurzsichtig sind. Selbstverständlich können Kinder auch nicht das tragen, was ein Erwachsener kann. Paulus deutete zwar die Leiden an, die Erwachsenen wiederfahren können, schrieb aber ausschliesslich aufbauend. Er drohte ihnen nicht, indem er sagte: „Wartet nur, bis euch mal echte Leiden erreichen! Dann hört ihr auf mit solchem dummen Zeug, wie Menschen, mich oder Apollos, zu erhöhen! Dann werdet ihr ganz andere Sorgen haben!“

Paulus erzog als älterer Bruder nicht so, wie es Weltmenschen bzw. ungläubige Eltern tun, die es nicht besser wissen. Paulus erzog in göttlicher Liebe. Er wusste, wie wankelmütig und verletzbar die Korinther waren. Er wusste, dass sie noch nicht reif waren, um Geschwister unterstützen zu können. Er kannte ihre Angreifbarkeit bzw. Schwächen und nahm deshalb auch nichts von ihnen, damit, sollten die Verführungen kommen, wie sie später auch kamen, er dafür gar keinen Berührungspunkt schaffte. – Darin sehen wir sehr grosse Belehrungen für die Erziehung unserer Kinder!

Gottlose, sonstige Bibelkritiker, sowie unverständige Menschen in Bezug auf das Geistliche sehen in biblischen Erziehungsmethoden eine überalterte und böse Erziehungsphilosophie. Gerade eben, im vierten Kapitel des Korintherbriefes wurden wir Zeugen von einer übernatürlich liebevollen Methode der Erziehung. Eine so liebevolle Art und Weise der Wissensvermittlung und des Umgangs mit Menschen! Ein Zeugnis Gottes seiner Liebe zur Kreatur in vollendeter Form! Die Welt kann dagegen reden, so lange sie will: Selbst kann sie kein solches Zeugnis abgeben; dafür gibt es zu wenig Liebe und Rücksicht in ihr! Amen.

Vers 15

Denn wenn ihr zehntausend Zuchtmeister in Christus hättet, so doch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus habe ich euch gezeugt durch das Evangelium.  1.Kor 4,15  

Paulus stellt sich der Gemeide in Korinth als Beispiel (zur Nachahmung) vor. Kinder nehmen schliesslich Gewohnheiten ihrer Väter an, ob sie wollen oder nicht -, es geschieht für viele Gewohnheiten automatisch und ist die Norm. Der Apostel weist sie ausdrücklich darauf hin, dass er es war, der die Gemeinde zu Christus geführt hatte. – Das sagt er nicht, um damit anzugeben; viel zu gut wusste er vom Unkraut, das der Teufel unter den Weizen sät (Mt 13,25). Der Teufel sät böse Leute unter die Gemeinde, um die Geschwister vom guten Weg abzubringen. Wir wissen, dass dieser Fall auch in Korinth eintraf (2. Kor 11,4).

Paulus war es deshalb wichtig, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und ihnen in Erinnerung zu rufen, wer ihnen denn die Botschaft des Heils gebracht hatte. Wenn eine gefestigte Persönlichkeit heute Gutes bringt, wird sie morgen nichts Schlechtes anbieten. Christus hat an dieser Stelle eine Sicherung für die Seinen eingebaut: Er lässt nicht zu, dass jemand in seinem Namen Wunder tun und später schlecht über Ihn reden kann.

Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von mir reden kann.  Mk 9,39   

Das war wiederum ein sehr weiser, umsichtiger und liebevoller Schachzug des grossen Apostels. Er liess keine Gelegenheit offen, die Korinther zu festigen. Er investierte jede Möglichkeit, die er hatte, in die junge Gemeinde von Korinth. Die Korinther sollten für abweichende Lehren sensibilisiert werden. Sie sollten merken, dass die Lehre nicht aus dem Guten kommt, wenn jemand plötzlich einen anderen Christus predigte. Die Lehre Paulus‘ kam aus dem Guten, denn er brachte den Korinthern die volle Erlösung in Christus mit Zeichen und Wundern (2. Kor 12,12).

Wie steht es da um uns, liebe Leserinnen und Leser? Wie sieht es mit Ihrem bzw. meinem Herz gegenüber anderen Geschwister aus? Umsorgen wir sie, wie Eltern Kinder umsorgen, auch wenn sie sich etwas stur, naiv und ungehorsam gebärden? Oder überlassen wir sie einfach in unserem Selbstschutz ihrem Schicksal, wie es ein Mietling bei der Schafherde tun würde (Joh 10,12)? Oder hat Christus bereits so viel Gestalt in uns angenommen, dass wir Geschwister höher achten als uns selbst und wir deshalb im ständigen Dienst an ihnen bleiben (Phil 2,3)?

Vers 16

Ich bitte euch nun, seid meine Nachahmer!     1.Kor 4,16  

Paulus appelliert mehrmals an die Geschwister mit diesen Worten in Schreiben an die Gemeinden (1. Kor 11,1; Phil 3,17; 2. Tess 3,9). Er wusste, dass er als Apostel gegenüber allen Menschen eine Vorbildfunktion innehatte. Diese Funktion haben wir Christen natürlich alle zu erfüllen; nur ist dieses Wissen noch nicht bei allen durchgedrungen oder es wird nicht konsequent umgesetzt. Als Christen sind wir ein Zeugnis für den HERRN. Wir sollten Ihn korrekt repräsentieren, nämlich so, wie er tatsächlich ist. Deshalb spricht der HERR:

14 Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.   
15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind.   
16 So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.     Mt 5,14-16  

Wenn unser Licht leuchtet; wenn wir wie der Mond den Glanz der Sonne abstrahlen, können die Menschen, durch unser Abstrahlen der Güte des Vaters, den Vater in uns sehen. Nur wenn sie ihn sehen, können sie ihn auch verherrlichen. Dieses Abstrahlen funktioniert nur, wenn es echt ist; es darf nicht heuchlerisch geschehen. Es gibt Menschen, die den Glanz künstlich aufsetzen, wenn sie sich beobachtet fühlen. – Wer es wahrhaben will oder nicht: Wir sind unter ständiger Beobachtung, wie geschrieben steht:

Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf,     Hebr 12,1   

Auch wenn uns kein Mensch sehen kann und wir uns in einer dunklen Kammer aufhalten: Nichts ist verborgen. Ein sehr schönes Beispiel, wovon es mehrere gibt in der Schrift, ist die Stelle, wo im Himmel bezüglich Hiob eine Versammlung abgehalten wird. Gott spricht dort mit Kreaturen des Himmels über Hiob und sein Verhalten. Wir sehen dort sehr schön, wie beobachtet er war und wie die Kenntnis über ihn allgegenwärtig war. – Wie steht es um uns, liebe Leserinnen und liebe Leser? Geben wir in allem ein gutes Zeugnis ab? Verhalten wir uns genau gleich mit den übergeordneten Kadermitarbeiter; so, wie wir es mit den gleichgestellten tun? Wie steht es mit dem Umgang mit den Mitmenschen? Wie ist unser Verhalten mit der beliebten und bildhübschen Kollegin im Blick auf jenes, das wir im Umgang mit der hässlichen und etwas eigenbrötlerischen an den Tag legen? Behalten wir unser Zeugnis Gottes rein, auch wenn wir glauben, es sähe uns niemand?

Paulus‘ Erkenntnis sollte uns alle bewusst werden: Wir sind Zeugen Gottes! So, wie Paulus mit seinem Leben uns in allen Lagen ein korrektes Zeugnis abgab, sollte jeder von uns sagen können: Wenn wir so leben, wie dieser Mensch lebt, tun wir recht vor Gott. Amen.

Vers 17

Deshalb habe ich euch Timotheus gesandt, der mein geliebtes und treues Kind im Herrn ist; der wird euch erinnern an meine Wege in Christus, wie ich überall in jeder Gemeinde lehre.    1.Kor 4,17 

Gerade deshalb, weil die Nachahmung der guten Diener des Zeugnisses Gottes so wichtig ist, sandte Paulus Timotheus zu den Korinthern. Er sollte ihnen die Lehre Paulus‘ wieder in Erinnerung bringen, welche Paulus seinerzeit in jeder Gemeinde lehrte. – Es ist erwiesen, dass der Mensch sehr langsam lernt. Nach zwanzig Jahren im erlernten Beruf fragt sich der Berufsmann vielleicht, wieso er für das Erlernen der Grundlagen dieser Tätigkeiten drei bzw. vier Jahre benötigt hatte. Vielleicht haben Sie es selbst kürzlich in einem Kurs erfahren: Alles was aus dem Mund des Kursleiters sehr logisch und einleuchtend klang, können Sie ohne den Stoff zu repetieren nach wenigen Tagen nicht mehr vollständig aus der Erinnerung abrufen. – So verhält es sich auch bei uns Christen, die wir auch eine Ausbildung in göttlichen Sachen zu absolvieren haben. Fragen Sie sich einmal am Sonntagnachmittag, wie viel Sie noch von der morgendlichen Wortverkündigung wissen.

Der Mensch vergisst schnell, das hat bei negativen Einflüssen Vorteile; bei Dingen, die das Reich betreffen, muss diesem Umstand aber Rechnung getragen werden. Christus trägt diesem Umstand Rechnung:

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.     Joh 14,26  

Wie ihr Meister es vor spurte, war es den Dienern des HERRN ebenfalls ein ständiges Anliegen, die Geschwister immer wieder an die Lehre Gottes zu erinnern (Rö 15,15; 2. Petr 1,12; Jud 1,5). – Wie steht es um uns, liebe Schwester und lieber Bruder? Haben wir gleichviel in das Verständnis der Worte Jesu investiert, wie in jenes unserer alltäglichen Tätigkeiten in Beruf und Haushalt? Könnten wir die Fragen von Unwissenden im Blick auf das Haus Gottes beantworten?

Der Herr Jesus erwartet ein Wissen über sein Reich, wie er von den Jüngern auch das gekonnte Ausüben von geistlicher Arbeit erwartete (Mt 17,16-20; Joh 14,9; Hebr 5,12). Irren wir uns nicht, liebe Geschwister, der HERR wird uns gemäss seinem Wort richten. Der HERR hat sich als sehr berechenbar geoffenbart. Er setzt nicht bei Geschwister X die Bibel als Massstab an und bei Y die Lehre des Humanismus. Wir werden nach seinem Wort gerichtet werden, auch wenn wir in einigen Dingen unwissend bleiben (Lk 12,48). Es ist also in unserem Interesse, die Schrift zu lesen und Gott täglich zu bitten, dass Er uns auf dem geraden Weg bewahre. Amen.

Vers 18

Einige aber sind aufgeblasen, als ob ich nicht zu euch kommen würde.     1.Kor 4,18  

Was kann ich zu diesem Vers schreiben? - „Typisch Mensch!“ – Wir sehen solches ständig in unserer Umgebung. Haben Sie noch nie beobachtet, dass es immer und in jeder Gruppe Zeitgenossen gibt, die göttliche Autoritäten nicht erkennen bzw. sich selbst überschätzen?

Übermässig selbstbewusste Menschen sind nicht offen für Korrekturen. Sie sehen sich im Mittelpunkt und als alleinige Wissensträger. Sie können in der Folge nicht zulassen oder es nicht glauben, dass Gott jemanden anderen in der Hierarchie vor sie setzt. So sind sie unfähig, Gottes Autoritäten zu erkennen. – Es gab einige in Korinth, die nicht erkannt hatten, was Paulus für ein Diener war vor dem HERRN. Er war nicht berufen, um die Andachten für ein Fünfergrüppchen zu halten. Er war ein Apostel der seinesgleichen suchte neben Johannes, Jakobus und Petrus. Er war der Apostel der Nationen schlechthin. Petrus war zu Israel gesandt, Paulus zum Rest der Welt (Rö 11,13). Dazu wurde er übernatürlich ausgebildet (2. Kor 12,2).

Ein unreifer oder geistlich blinder Mensch kann die Qualität eines Mitarbeiters nicht erkennen und demnach auch nicht beurteilen. – Wir haben in den bisherigen Kapiteln und Versen gesehen, dass die Korinther dem geistlichen Wachstum nach noch Babys waren. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sie Unbedachtes und Törichtes aussprachen. Da gab es Aufgeblasene unter ihnen – das Wort trifft ins Schwarze, denn sie machten sich zu etwas, was sie in Wirklichkeit nicht darstellten -, welche Reden gegen Paulus schwangen. Selbstverständlich wusste Paulus davon und signalisiert mit diesem Vers sein Wissen darüber, setzt gleichzeitig eine Warnung an ihre Adresse ab und kündigt seine Ankunft als gewiss an.

Obschon sich einige Korinther sehr unqualifiziert verhielten, reagiert Paulus väterlich und nicht diktatorisch. Er „mäht“ die Unwissenden und Irrenden mit den ihm gegebenen Möglichkeiten nicht einfach hinweg, wie es sein Vorbild, Jesus Christus, auch nicht tat, obwohl er die Macht dazu hatte. Paulus warnt sie im Voraus, damit sie Zeit hatten, sich weitere Gedanken zu machen und sich eines Besseren zu besinnen. – Wiederum strahlen Paulus‘ Führungsqualitäten in hellem Glanz! Er war in der Umwandlung dem HERRN ein schönes Stück näher gekommen! Trachten wir auch danach, liebe Leserinnen und Leser! Amen.

Vers 19

Ich werde aber bald zu euch kommen, wenn der Herr will, und werde nicht das Wort, sondern die Kraft der Aufgeblasenen kennenlernen.     1.Kor 4,19  

Paulus packt die aufgeblasenen Glieder unter den Korinthern genau am richtigen Ort. Im übertragenen Sinne kommt er persönlich mit einer Stecknadel und prüft damit ihre geschwollenen Reden. Sollte ihre Blase beim Test zerplatzen, ist ihre Überheblichkeit blossgestellt. – Wie gesagt, Paulus vereinigt nicht nur die besten Führungseigenschaften bei sich, sondern auch bemerkenswerte psychologische Taktik, wobei alles in Liebe geschieht und nicht im Auslöschen vom glimmenden Docht, wie es ihm sein Meister vorgelebt hatte (Mt 12,20). – Sollen ihm doch die, welche sich mit Worten hervortun, beweisen, dass sie mehr „drauf hatten“ als Paulus!

Wie herrlich ist diese Betrachtung! Wie ist sie aus der Realität gegriffen! Wie schön finden wir hier eine oft vorkommende menschliche Haltung auf der richtigen Prüfbank! – Leider finden wir das in der heutigen Zeit selten. Viel zu oft wird Menschen, die sich nur aufplustern, Beachtung und Vorankommen geschenkt, obschon viel vom Glanz, den sie vorgeben zu haben, nicht wirklich substanziell vorhanden ist. – Wir sollten hier von Paulus lernen: Im Reich Gottes kommt alles irgendwann einmal auf den Prüfstand. Wenn es sich im Nachhinein dann beispielsweise herausstellt, dass wir in vielen Dingen nur etwas vorgegeben haben, was wir in Wirklichkeit gar nicht hatten, ist es sehr beschämend.

Wie steht es um uns, liebe Leserin und lieber Leser? Sind wir in der Prüfung das, was wir zu glauben meinen? Sind wir wirklich so gut, wie die Selbstbewussten meinen bzw. so schlecht, wie Unsichere von sich glauben, zu sein? Verschanzen wir uns im Grunde hinter vielen Worten? Oder bringen wir wirkliche Leistung, ohne viel zu schwatzen?

Es ist interessant zu beobachten, dass sich gerade Arbeitsscheue weise halten.

Der Faule ist in seinen Augen weiser als sieben, die verständig antworten.  Spr 26,16   

Jemand der nichts tut, kann seine Zeit damit zubringen, die Fehler der anderen zu analysieren und dabei denken, wie viel besser er es machen würde. Dieses und jenes würde er anders machen; ja, die Faulen sind richtige Weltverbesserer. – Wenn sie es doch auch nur wären!

Ganz anders verhielt sich Paulus: Er arbeitete viel (1. Kor 15,10) und hütete sich vor Worten, trotz seiner erhabenen Position im Reich, die er im Nachhinein vielleicht nicht hätte halten können. Deshalb sagte er, dass er kommen wolle, wenn es der HERR erlaubt. – Er war wirklich ein Diener, bei dem es sich lohnt, ihn nachzuahmen.

Vers 20

Denn das Reich Gottes <besteht> nicht im Wort, sondern in Kraft.    1.Kor 4,20  

Mit diesen Worten spricht Paulus aus, um was es überhaupt geht: Es geht um Substanz, um Inhalt oder Gehalt einer Rede, Haltung, Ideologie bzw. eines Lebensmottos. – Betrachten wir die Menschen einmal nach der berühmten Sinnfrage des Lebens. Milliarden von Menschen hängen da Ideologien von aufgeblasenen Worten an. So ist es leicht zu erklären – der Mensch lässt sich ja gerne verführen, auch der Christ! – dass selbstbewusste, jedoch aufgeblasene Menschen vorankommen. Niemand ist da, der den Gehalt der Rede prüft. Niemand ist zu finden, der nach der Substanz fragt.

Hinter jedem Wort Gottes steckt eine beispiellose Kraft. Eine solch gewaltige, dass Gott nur ein Wort sprechen muss, um aus Nichtexistierendem Existierendes zu machen. Er kann aus dem Nichts Materie hervorbringen. „Es werde Licht!“, und die Sonne war da. Kein Wort des HERRN ist ohne Kraft. Der HERR hat nie von etwas gesprochen, das nicht da war oder Er es nicht hätte sofort werden lassen.

Die Aufgeblasenen unter den Korinthern waren sehr im Irrtum und in der Unkenntnis Gottes. Sie warfen mit hohlen Reden um sich und fielen, wie wir aus dem zweiten Korintherbrief wissen, auf hohle Schwätzer herein. – Was lernen wir konkret daraus? – Wir lernen daraus, dass nur Worte mit Inhalt Gewicht haben und überhaupt ausgesprochen bzw. angenommen werden sollten. Wäre eine solche Haltung die allgemeine Angewohnheit unter den Menschen, wären verführende Lehren, wie die Evolutionstheorie, die auch immer aufgeblasene Theorie bleiben wird, nie hochgekommen und salonfähig geworden. Fragen Sie sich einmal, wie viele Lebensweisheiten aus Klatschheften wirklichen Inhalt haben! Inhalt mit Substanz, welcher, wenn er genau befolgt wird, eine tatsächliche Wirkung zeigt.

Beim Wort des HERRN, der Bibel, ist jedes Wort einzeln mit Kraft verknüpft. Böse Menschen und Bibelkritiker setzen die Bibel auf das Niveau der Menschen, die viel gehaltlosen Quatsch erzählen und sich erzählen lassen. – Wie kurzsichtig das ist! Die Bibel hält jeder Prüfung stand! Alles, was vorausgesagt wurde, ist eingetroffen, nach dem Wort des HERRN:

Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt. Aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.  Jes 40,8 

Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.     Mt 5,18 

Und seien Sie getrost, liebe Leserinnen und liebe Leser, was noch aussteht, wird mit Gewissheit eintreten. Einer Gewissheit, die man nicht in ein Verhältnis mit der Gewissheit der lächerlichen Entstehungsgeschichten oder sonstigen Lebensweisheiten aus dem Repertoire der Menschen setzen kann. – Nun liegt es an Ihnen, ob sie den gehaltvollen Worten Gottes oder hohlen Reden der Menschen glauben wollen. – Ich habe für mich aus der Lehre dieser Verse für mich entschieden, noch genauer auf die Aussage der Bibel zu achten.

Vers 21

Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder in Liebe und im Geist der Sanftmut?   1.Kor 4,21  

Paulus gibt den Korinthern, die glauben, etwas gegen ihn und seinen von höchster Stelle autorisierten Auftrag sagen zu müssen, eine gute Gelegenheit, sich über ihr Verhalten Gedanken zu machen. Sie haben von nun an Zeit zu überlegen, ob ihre Worte den gleichen Inhalt haben wie jene Paulus‘, welche durch den Heiligen Geist gewirkt waren. Hatten ihre Worte Substanz oder kamen sie nur aus niederem Geltungsdrang heraus? Was war da genau die Ursache ihres Grosstuns?
Paulus musste Strenge signalisieren, sollten sie sich nicht umwenden wollen. Der Geist des Humanismus hat überhaupt keinen Platz im Hause Gottes! – Mögen ihn die Nationen erdulden, die sowieso ziellos in den Tag hinein leben. Kein Wunder, dass bei jenen alles gelten darf! Schlussendlich spielt es für sie keine Rolle, was für einem Gott der Mensch dient, solange sie nicht glauben, ihnen erwachse ein Nachteil daraus. Die Völker glauben, alle Wege und alle Götter würden in die ewige Ruhe führen. – Dass eine solche Haltung im Hause Gottes keinen Platz hat, ist uns hoffentlich allen klar! Aus der Bibel wissen wir, dass nur ein Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Menschen retten kann (Jes 43,11). Weiter wissen wir, dass nur in einem Namen, dem Namen Jesus Christus, das Heil für den Menschen bereitsteht (Apg 4,12). Wer sich von dieser Lehre entfernt, entfernt sich vom Heil -, so ernsthaft ist das.

Deshalb haben wir älteren Geschwister auf die jüngeren zu achten, wie Paulus es uns vormachte! – Jüngere und ungefestigte Brüder und Schwestern sind anfälliger für die Verführungen des Teufels, welcher gerne als Engel des Lichts auftritt:

Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an;  2.Kor 11,14   

Es geht nicht, dass wir sagen, die heutige Zeit bzw. die heutigen Jungen in den Gemeinden seien halt so (mit „so“ meine ich eine vielerorts akzeptierte Haltung der jüngeren Generation, die sich an die Haltung der Welt lehnt)! Oder wollen wir uns vor dem HERRN bewusst versündigen? Wissen wir nicht, dass wir eine grosse Verantwortung für die jüngeren Geschwister tragen? Lieben wir sie denn gar nicht, dass wir die Möglichkeit offen lassen, sie durch ihre Unreife in die Irre laufen zu lassen? Würde es uns denn gar nichts ausmachen, unserem himmlischen Vater zu erklären, wieso wir unsere Verantwortung als ältere Geschwister gegenüber jüngeren nicht wahrgenommen zu haben? – Paulus machte uns die Arbeit im Reich nicht in einer laschen Art vor. Er nahm die Verantwortung gegen Irrende war. Auch war er bereit, Wollende zu fördern und sie nicht einfach sich selbst zu überlassen. – Das ist eine edle Haltung, nach der ich mich auch ausstrecke bzw. nach der wir uns alle ausstrecken sollten.

Paulus beweist mit seiner strengen Rede viel Liebe. Seine Anbefohlenen waren ihm nicht egal; er wollte sie auf dem Weg bewahren, auch wenn es ihn viel Energie kostete und sie sich in den Anfängen durch ihre Unreife gar gegen ihn stellten. Anstelle ihnen zu sagen: „Wenn ihr ins Verderben rennen wollt, dann rennt doch! – Ich habe euch einen anderen Weg gepredigt!“, nimmt er die väterlichen Strapazen auf sich, um den langwierigen Weg der Erziehung zu beschreiten! Es bereitete ihm bestimmt keinen Spass, sich mit den Korinthern herumzustreiten, doch er signalisierte ihnen klar, dass er es tun wird, sollten sie es mit ihrer Haltung herausfordern. – Ist es nicht herrlich, diesen begnadeten Diener des HERRN zu betrachten? Spornt uns nicht nur die Beobachtung seines Lebens an, diese Menschlichkeit nachzuahmen? Wie viel mehr sollte uns das Betrachten des Lebens Jesu anspornen, so zu handeln, wie Er handelte!

Kapitel 5

Vers 1

Überhaupt hört man, dass Unzucht unter euch ist, und <zwar> eine solche Unzucht, die selbst unter den Nationen nicht <stattfindet>: dass einer seines Vaters Frau hat.     1.Kor 5,1  

Die Korinther, Gottes Volk also, praktizierten und duldeten schlimmere Sünden als die Nationen. Die Nationen brachen die Ehen und mordeten, das sind Dinge, die der bösen menschlichen Natur entspringen (Mt 15,19). Doch irgendwo scheint es auch bei den Nationen eine Grenze zu haben, wenn es um Sünde geht. Irgendwo gibt es auch unter ihnen Dinge, die einfach nicht geschehen dürfen. Das sehen wir beispielsweise bei Menschen, die Kinder sexuell missbrauchen. Kommen solche ins Gefängnis, werden sie selbst dort, wo sich Mörder und sonstige Gesetzesübertreter die Hand geben, geächtet und teils von den Gefangenen selbst gefoltert, weil sie die letzten Grenzen der Ethik überschritten haben. Solche sind selbst in den Augen der Gefangenen der letzte Abschaum; sie sehen sie noch einige Stufen unter ihnen. – Wie ist es möglich, dass ausgerechnet unter Gottes Volk solche Sünden geschehen, dort, wo man sie am wenigsten erwartet? Gottes Volk sank nicht nur im Neuen Testament so tief, bereits im Alten Testament sanken sie bezüglich Sünden unter das Niveau der Nationen! Im Propheten Jeremia können wir nachlesen, dass die Nationen ihren Göttern treu waren. Israel ging weiter, obschon sie den wahren Gott kennen durften:

Hat irgendeine Nation die Götter vertauscht? – Und <jene> sind nicht einmal Götter! Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit vertauscht gegen das, was nichts nützt.     Jer 2,11  

Ich frage mich, wie das möglich ist. Vielleicht kommt diese Zügellosigkeit daher, dass man durch das Wissen über die grossen Erbarmungen des HERRN jede Hemmschwelle verliert. – Persönlich kenne ich die Haltungen in der christlichen Landschaft sehr gut; ich hatte während Jahrzehnten viele Einblicke in die verschiedenen Gemeinden und Benennungen des Volkes Gottes. Ich zähle mich selbst zu ihnen und freue mich, in die Familie Gottes aufgenommen zu sein, halte aber Abstand von den teilweise sehr verwerflichen Einstellungen.

Die Christen lassen sich verführen bzw. verführen sich selbst zur Zügellosigkeit. Dabei gehen sie wie Israel sogar noch weiter mit den Sünden als die Nationen, die Gott gerade deswegen aus dem Land Kanaan warf. Ich kann mir diese verwerfliche Haltung nur durch falsches Vertrauen auf die grosse Summe des Lösegeldes erklären (Hiob 36,18). In den christlichen Gemeinden verdrängte das Kreuz die übrige Lehre der Schrift. Damit sage ich nicht, dass die Lehre über das Kreuz schlecht ist. Diese Lehre bildet das Fundament, das ein herrliches ist. Es ist eine Tatsache, dass wir durch eine grosse Summe an Lösegeld (das Leben Christi) freigekauft wurden. Wer jetzt aber zu Lasten der übrigen Lehre diese Grundlage zum Fokus des ganzen Lebens macht und das Wachstum im HERRN und die Notwendigkeit zur Heiligung nicht beachtet, geht in die Irre.

Als ich in Gemeinden von Gottes Reinheit und dem geforderten Gehorsam zu sprechen begann, wurde ich schnell von „Schriftgelehrten“ als „gesetzlich“, „alttestamentlich“ und „unverständig“ gestempelt. Das Motiv war klar: Wenn dieser nicht schweigt, werden wir in unseren Freiheiten, die wir uns selbst nehmen, beschnitten. Solchen, also Christen, die mit Absicht die Wegweisung der Schrift von den Geschwistern fern halten, sage ich heute: Achtet auf die Worte Amos, der nach dem Herzen Gottes sprach, die er an jemanden richtete, der nicht wollte, dass Amos redete:

16 Und nun höre das Wort des HERRN: Du sagst, du sollst nicht weissagen über Israel und sollst nicht reden über das Haus Isaak.   
17 Darum, so spricht der HERR: Deine Frau wird zur Hure werden in der Stadt, und deine Söhne und deine Töchter werden durchs Schwert fallen, dein Land wird mit der Messschnur verteilt werden, und du selbst wirst in einem unreinen Land sterben; und Israel wird gewiss aus seinem Land gefangen wegziehen.     Am 7,16-17  

An dieser Stelle sage ich nochmals, dass es sehr ungemütlich werden wird für Christen, wenn sie gerichtet werden. Christen haben nicht diplomatische Immunität vor jeder Gerichtsinstanz. Vor dem Richterstuhl Christi werden wir uns verantworten müssen und jeder wird gemäss dem empfangen, was er gesät hat. Dieses universale Prinzip gilt auch für Christen: Wer Böses sät, wird ebensolches empfangen oder denkt jemand, der HERR lasse sich verspotten (Gal 6,7)? Auch wenn jeden Sonntagmorgen Friede, Friede und nochmals Friede von Euren Leitern verkündigt wird: Es wird keinen Frieden für gesetzlose Christen geben (Jer 6,14). Amen.

Vers 2

Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht etwa Leid getragen, damit der, der diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte entfernt würde!

1.Kor 5,2

Paulus nennt in diesem Zusammenhang die Korinther „Aufgeblasene“. Was Aufgeblasenheit bedeutet, haben wir im vierten Kapitel erörtert. Aufgeblasen ist jemand, der mehr darstellt, als Substanz da ist. Jemand der über das Gegebene geht, in der Ansicht bzw. in der Meinung über sich. – Die Korinther gingen weiter in ihrer Gemeindeordnung, als ihnen vom HERRN gegeben wurde, darin zeigte sich ihre Aufgeblasenheit. Der HERR gab ihnen die Ordnung in Bezug auf sündige Brüder und Schwestern im Matthäusevangelium:

15 Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.
16 Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde!
17 Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner!

Mt 18,15-17

Mit dieser Passage gab der HERR seinen Nachfolgern die Substanz bzw. Werkzeuge in die Hand, wie im Fall von Sünde, besonders bei vorsätzlicher, gehandelt werden soll. Die Korinther schlugen diese Anweisung in den Wind und glaubten es besser zu wissen. Mit ihrer Haltung zeigten sie damals schon das Betragen, welches in vielen Gemeinden heute herrscht, indem man nach dem Motto handelt: Wir wissen als aufgeklärte Menschen besser als der Herr Jesus, wie mit solchen zu verfahren ist, die sündigen. Der Sauerteig des Humanismus hat somit längst die Gemeinden erreicht und durchsäuert den reinen Teig (Lk 13,21). Ausschluss von ermahnten und vorsätzlich sündigenden Geschwistern, auch „Gemeindezucht“ genannt, wird willkürlich angewendet. Er wird nicht mehr schriftgemäss ausgeführt. Die einen nutzen die Passage im Mt 18, um ungemütliche Geschwister illegal auszuschliessen, andere ignorieren sie einfach. – Beide hier erwähnten Handlungsweisen zeugen von Aufgeblasenheit. Die, welche so handeln gehen weiter, über die vom HERRN abgesteckten Grenzen. Ihr Handeln ist nicht mehr vom HERRN unterstützt und somit inhaltslos, ohne Substanz. Es gleicht einer Blase, die im Test zerplatzt, weil sie nur hohl ist.

Im Übrigen hatten die Korinther auch nicht Leid getragen. Gerade die Menschen, die mit ihrem humanistischen Gehabe ständig die Liebe zu den „irrenden Schafen“, wie sie die sündigenden Geschwister nennen, betonen, haben keine wirkliche Liebe in sich. Ansonsten würden sie Leid um die sündigenden Geschwister tragen und alle Hebel in Bewegung setzen, dass die Fehlbaren wieder auf den geraden Pfad kommen. Der HERR kündigt schliesslich massive Sanktionen gegen vorsätzlich sündigende Brüder und Schwestern an, wie geschrieben steht:

Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig,

Hebr 10,26

Jemandem, der mutwillig sündigt, wird nicht vergeben. Das ist die Aussage dieses Verses. – Wie wir wissen, lässt sich der HERR nicht verspotten. Grundsätzlich vergibt der HERR alles; die Voraussetzung dazu ist Reue:

13 Der Zöllner aber stand weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Lk 18,13-14

Wo Reue ist, aufrichtige Reue, da ist Vergebung. – Auf der anderen Seite finden wir dort nur Gericht, wo Geschwister, für deren Errettung der HERR am Kreuz leiden und sein Leben geben musste, an der Sünde festhalten und sich nicht zurechtbringen wollen.

Sündigende Geschwister, die mehr als einmal diesbezüglich ermahnt wurden, sündigen, wie erwähnt, vorsätzlich bzw. mutwillig. Sie haben im Hause Gottes, wo Ordnung vorherrschen sollte, nichts mehr verloren. Erst sollen sie zur Einsicht über ihr Tun ins Klare kommen und sich von ihren bösen Taten abwenden. Dafür ist die äusserlich hart erscheinende Methode des HERRN die einzig heilsame. Amen. – Oder ist irgendjemand anderer Meinung und möchte weiter gehen, als das Wort selbst?

Vers 3

Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend, aber im Geiste anwesend, habe schon als anwesend das Urteil gefällt über den, der dieses so verübt hat,     1.Kor 5,3     

Paulus tut als Vorbild aus der Ferne, was die Korinther aus der Nähe hätten tun sollen. Der Apostel war im Wort und der Lehre so gefestigt, dass er bei einer so klaren Ausgangslage nicht lange zögern musste bzw. wollte. Schlussendlich war nicht gefragt, nach Motiven zu fragen. Der HERR hat uns nicht gegeben, nach Haltungen zu urteilen, die wir nicht einwandfrei identifizieren können. Der HERR sprach im Urteilen von offensichtlichen Taten, das heisst von beweisbaren Verstössen gegen die Hausordnung. Die Frau seines Vaters zu haben, ob es die eigene Mutter war oder die Stiefmutter, spielt eine untergeordnete Rolle. Es handelt sich hier um eine Tat, die in der Heiligen Schrift als sehr verwerflich taxiert wird.

Paulus war dem Leibe nach abwesend, er war nicht in Korinth. Doch dem Geiste nach war er mit den Korinthern gleich stark verbunden, wie sie selbst in Korinth untereinander verbunden waren. Der Leib Christi ist ein universaler und er ist nur einer (1. Kor 10,17). Wenn uns der Fuss schmerzt, sind wir überall eingeschränkt, auch die Hand kann nicht mehr tun, was sie will, weil sie der Fuss nicht dorthin trägt, wo sie hinzugelangen begehrt. Es war Paulus überhaupt nicht egal, was im Hause Gottes, dem Leib Christi abgeht, auch wenn es geografisch gesehen eine ferne Gemeinde betraf. So wie unsere Hände sich um eine eitrige Stelle, fern vom Unter- bzw. dem Oberarm an irgendeinem Punkt am Körper kümmern, so kümmerte sich Paulus um Schandflecken im universalen Leib. Im Geist sind wir mit allen Christen fest verbunden und es sollten uns Missstände in anderen Gemeinden nicht kalt lassen, auch wenn sie uns nicht tangieren. Sie tangieren den Leib Christi, und das sind wir Christen alle (1. Kor 12,13).

Liebe Leserinnen und Leser! Übernehmen wir die Verantwortung, gemäss dem Auftrag, den wir als Christen haben? Oder beginnen wir darüber zu diskutieren, wie ernst doch die Sache sei und kommen aber trotzdem nicht zu einer Entscheidungsfindung? Wissen wir, dass leere Worte unser Nicht-Glauben offenbaren, wie durch Jakobus im ewigen Wort festgehalten ist (Jak 2,14)? – Es gibt einfach Ereignisse im Leben, die Taten fordern, nicht Worte. Liegt jemand schwer verletzt am Boden, ist ein Krankenwagen zu rufen, nicht darüber zu diskutieren, wie das geschehen konnte. Genauso verhält es sich in Angelegenheiten des HERRN. Wo zu handeln ist, ist zu handeln, nicht endlose Sitzungen abzuhalten. – Eifern wir Paulus nach! Er tat in der Situation das Richtige und übernahm Verantwortung. Können wir diese Verantwortung auch übernehmen?

Vers 4

- wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid –     1.Kor 5,4   

In der universalen Gemeinde gibt es ein Band, das uns alle verbindet. Christus ist das Haupt der Gemeinde in New York, sowie auch jenes aller Christen in Hamburg. Er ist das Haupt jeder Gemeinde. Ob nun Paulus mit dem HERRN sprach oder sich die Korinther sich in des HERRN Namen versammelten: Alle sprachen mit ein und demselben Haupt. Die Kommunikation mit dem HERRN geschieht über den Geist:

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.     Joh 4,24     

Wir haben eine Verbindung mit dem HERRN, auf die wir jederzeit zurückgreifen können. Deshalb kann der HERR Geschwister ortsunabhängig einsetzen, er kann Propheten in örtlich ferne Gemeinden senden und Anweisungen durch sie übermitteln, wie er es im Falle der Korinther mit Paulus angeordnet hatte. Der HERR, das Haupt über jede Gemeinde, weiss, was abläuft und kann dementsprechend souverän handeln. Paulus konnte deshalb auch in Abwesenheit sagen, dass die Verbundenheit durch den Geist mit den Korinthern und dem HERRN bestand. So konnte er sein Apostelamt und seine Aufgaben für die Korinther auch in Abwesenheit wahrnehmen; bzw. die Korinther taten gut daran, wenn sie Paulus Gehör schenkten. – Man kann es betrachten wie bei einem Mensch, der in einer bestimmten Funktion vom Geschäftsinhaber in einem grossen Gebäude eingesetzt wurde. Nehmen wir als Beispiel einen Sicherheitsbeauftragten für Bürogebäude eines globalen Unternehmens. Dieser Mensch ist für die Schliessungen, Feuermeldeanlagen und sonstige Einrichtungen, die mit Sicherheit zu tun haben, zuständig. Hält er sich nun im Gebäude X in Sydney auf und Entscheide müssen im Gebäude Y in Stockholm bezüglich Sicherheit getroffen werden, ist er zu kontaktieren, weil der die Vollmacht bzw. die Autorität des globalen Sicherheitsbeauftragen hat. So verhielt es sich mit dem Apostel Paulus. Paulus war ausgesandt, um Gemeinden unter den Nationen zu gründen und die Wahrheit Gottes zu predigen. Wenn nun die Korinther Gefahr liefen, den von Paulus gepredigten Weg zu verlassen, war er nicht nur autorisiert zu handeln, er musste seinem Auftrag gemäss funktionieren und korrigierend eingreifen. Er war Apostel, was „Gesandter“ bedeutet. Ein Abgesandter Christi steht auch zur Ordnung, wenn er nicht körperlich anwesend ist, wie ein Sicherheitsbeauftragter von Sydney aus intervenieren würde, wenn bezüglich Gebäudesicherheit im Bürohaus seiner Gesellschaft in Stockholm geschlampt würde.

Paulus war mit den Korinthern im Geist ebenso mit dem HERRN verbunden, wie sie untereinander selbst. Dazu war er als Apostel vom HERRN beauftragt, sein Recht durchzusetzen, ganz egal, wo er sich gerade aufhielt. Amen.

Vers 5

einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn.     1.Kor 5,5  

Diese Passage mag vielleicht „Wohlfühlchristen“ befremden, wie man im Allgemeinen Christen nennt, welche die Lehre Christi mit der humanistischen vermengen. Geistliche Christen verstehen sie ohne weiteres. Die Aussage darin ist, dass ein solcher vor der natürlichen Zeit sterben soll. Jemand, der bewusst in Sünde lebt und das Zeugnis des HERRN ins Lächerliche zieht, arbeitet im Hause Gottes voll gegen den Hausmeister. – Dass die Nationen so leben, ist offenbar; im Hause selbst wird es nicht toleriert.

Damit spreche ich nicht ein neues Thema an. Diese Handhabung ist uralt. Sie beginnt in den Anfängen der Menschheit. Schon Adam und Eva waren nicht für den Tod bestimmt. Die Warnung Gottes war, dass sie, sollten sie in seiner Nähe ungehorsam sein, gegen den Plan für den Menschen sterben müssten. Darauf folgen sehr viele Beispiele in der Bibel. Wir sehen dieses Prinzip an einzelnen Personen, sowie an ganzen Völkern angewendet. Der HERR setzte bewusst dem bösen Treiben der Menschen nach anderthalb Jahrtausend mit der Sintflut ein Ende. Ein weiter bewusst eingeplantes Ende der Völker in Kanaan kennen wir auch aus der Schrift. Sie mussten nicht einfach so Israel Platz machen, sie wurden aufgrund ihrer Bosheit vernichtet (5. Mo 9,4). Weiter sehen wir, dass sogar Mose nicht zur geplanten Zeit wegen Altersschwäche sterben musste; er wurde vor der Zeit abberufen, weil er den HERRN einmal nicht richtig repräsentierte. Zum Zeitpunkt seines Todes waren seine Sehkraft und Lebensenergie noch auf der Höhe (5. Mo 34,7). - Der HERR kann auf der anderen Seite ohne weiteres die Länge des Lebens verlängern, wie er es bei Josua und Kaleb tat, als der Tod über alle widerspenstigen Israeliten, welche über zwanzig Jahre alt waren, beschlossen war. Josua und Kaleb überlebten diese gesetzte Grenze. Auch dem König Hiskia schenkte der HERR ein verlängertes Leben bzw. fünfzehn weitere Jahre.

Es ist keine neue Lehre, dass der HERR Leben verlängert oder verkürzt. Das ist auch bei der Ordnung am Tisch des HERRN so; - oder noch besser ausgedrückt: Dieser Grundsatz besteht auch im Neuen Testament. Hananias und Saphira starben vor der Zeit, weil sie die Gemeinde belogen hatten (Apg 5). Geschwister, die im Hause des HERRN unordentlich wandeln, werden krank oder sterben früher, wie geschrieben steht:

Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen.  1.Kor 11,30  

Dieser eben zitierte Vers beginnt mit dem Wort „deshalb“. Genau, weil man sich in Sünde, bzw. ohne sich geistlich zu reinigen, im Hause des HERRN versammelt, setzt der Hausherr die Grenzen des Todes neu. – Das ist eine sehr ernstzunehmende Sache! Lassen Sie sich nicht verführen, auch dann nicht, wenn Ihre Leiter allfällige Unordnung im Hause dulden. Distanzieren Sie sich von jeglicher Unordnung und behaltener Sünde, wenn Sie nicht unter ein Gericht fallen wollen.

Das Urteil für diesen Mann in Korinth stand fest: Für die Vernichtung des Zeugnisses Gottes und der behaltenen Sünde kam nur der Tod in Frage, um dieses freche Wüten gegen die Hausordnung zu unterbinden. So wurde er dem Satan übergeben, damit sein Fleisch verdorben werde. Wenn der fleischerne Leib verdorben ist, ist ein menschliches Wesen tot. – Nur diese letzte Massnahme ist für dermassen widerspenstige Kinder Gottes passend zu dem herrlichen Geschenk der Bewahrung der Gläubigen vor der Hölle, dem Feuersee.

Wir betrachten an dieser Stelle eine sehr ernste Passage der Bibel. So ernst sie auch ist, so natürlich und oft angewendet ist diese Massnahme; ich erzähle Ihnen damit, liebe Leserinnen und Leser, nichts Neues oder etwas, das noch nicht dagewesen war. Amen.

Vers 6

Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?     1.Kor 5,6   

Paulus zeigt anhand eines Beispiels, welches Jesus, der HERR, verwendete (Mt 13,33), ein Prinzip auf: Mengt man Sauerteig in einen ungesäuerten Teig, so wird dieser ganz durchsäuert. Es bleibt keine ungesäuerte Menge zurück. Dieses Beispiel verwendete der HERR bei Vergleichen mit dem Reich, sowie auch betreffs falschen Lehren (Mt 16,11.12). Falsche Lehren durchsäuern die gesunde, eine tote Fliege lässt die ganze gute Salbe verderben (Pred 10,1; Hag 2,13). – Genau nach diesem Prinzip wird die Gemeinde vom Bösen durchdrungen, wenn man es gewähren lässt.

Mit einem solchen Menschen in der Mitte, der von der ganzen Gemeinde – gegen das Wort Gottes – geduldet wird, ist jegliches Rühmen fehl am Platz. Vielmehr wäre eine Busse in Sack und Asche angebracht, sowie ein rasches Handeln. – Beachten wir an dieser Stelle, dass Busse keine Busse ist, wenn anschliessend der Missstand nicht behoben wird. Busse hat immer mit Umkehr zu tun. Sie bringt eine Abkehr von falschen Handlungsweisen mit sich. Wenn Sauerteig geduldet wurde, fegt man ihn nach einer erfolgten Ermahnung bzw. Einsicht darüber aus dem Hause! Amen.

Vers 7

Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr <ja bereits> ungesäuert seid! Denn auch unser Passah<lamm>, Christus, ist geschlachtet.     1.Kor 5,7  

Nach dieser Betrachtung mit dem Sauerteig, welche der HERR persönlich als Beispiel nahm, weil diese Visualisierung den Sachverhalt korrekt darstellt, kann nur eine einzige Schlussfolgerung kommen: Sauerteig muss vermieden werden! Es gibt keine andere Lösung; wir können es drehen und wenden, wie wir wollen. Wir können sagen, dass viel Sauerteig schädlich ist für die Gemeinde, wenig jedoch tragbar ist und stehen damit sofort als solche vor dem Allmächtigen, die die Schrift in Frage stellen. Oder möchten Sie an dieser Stelle solches behaupten? – Ich tue es mit Sicherheit nicht! Nicht „nur“, um nicht gegen die Schrift zu sein, sondern auch deshalb, weil ich diese Wahrheit aus der Schrift schon mehrmals im Leben als einzige Wahrheit vor die Augen geführt bekommen habe. Da gibt es in den Gemeinden unordentlich wandelnde Leute, die von ihren Eltern, die auch in dieser Gemeinde ansässig sind, gestützt werden. Sie werden nicht ausgeschlossen, um sich besinnen zu müssen; sie werden einfach in der Gemeinde geduldet. Damit die korrekt wandelnden Christen durch solch unhaltbare Zustände nicht vor den Kopf gestossen werden, leitet man eine pseudo Gemeindezucht ein, eine Zucht, die keine ist. Man schliesst zum Beispiel unordentlich wandelnde Geschwister vom Abendmahl aus und versündigt sich dabei doppelt, weil erstens über das Mahl bestimmt wird, obschon der HERR gesagt hat, dass sich jeder selbst prüfen soll, wie er es einnimmt (1. Kor 11,28), und Er zweitens angeordnet hat, dass das Mahl von allen gehalten werden soll (Mt 26,27). Dass alle daraus trinken sollen zeigt auf, dass der HERR allezeit eine reine und geschmückte Braut erwartet. Er duldet keine bewusst behaltenen Sünden, die erstens das Zeugnis der Gemeinde vernichten und zweitens alle Geschwister nach dem Prinzip des Sauerteigs verunreinigen.

Liebe Leserinnen und Leser! Wie weit sind wir von diesen göttlichen Anordnungen im Christentum abgewichen! Auch evangelikale, freikirchliche Kreise sind in vielen Punkten weit von den Worten Jesu abgewichen! Es werden schon Unterschiede zwischen Vereinsmitgliedern und Nichtmitgliedern gemacht! Wer in einem Verein, gemeint ist die Benennung (Denomination wie FEG, Chrischona, Pfingstgemeinde XY), eingetragen ist (Beispiel DE: Gemeinde XY e.V.), wird anders behandelt als „Nichtmitglieder“, die aber zweifellos auch an den HERRN glauben. So werden Unterschiede im Volk Gottes gemacht, obschon die Wiedergeburt, welche mit dem Glauben an Christus geknüpft ist, allein entscheidend ist für die Zugehörigkeit zur Familie Gottes.

Wir befinden uns selbst längst in den Zuständen, worüber wir beim Lesen in der Bibel die Stirn runzeln. Dasselbe, was Jesus der geistlichen Elite damals vorwerfen musste, muss er uns heute vorwerfen:

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen?  Mt 15,3  

Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.     Mt 15,9     

Unter anderem erntet die Gemeinde in Laodizea aus diesen Gründen eine so vernichtende Beurteilung des HERRN:

14 Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt der »Amen«, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:   
15 Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiss bist. Ach, dass du kalt oder heiss wärest!   
16 Also, weil du lau bist und weder heiss noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.  Offb 3,14-16      

Schauderhafte Worte, nicht wahr, liebe Leserinnen und Leser? Ausgesprochen von demjenigen welcher den Vater, der die Liebe ist (1. Joh 4,8), verkörpert (Joh 14,9)! – Wie weit muss man abgewichen sein und Ihm, der gerne vergibt, ständig ins Angesicht sündigen, um solche Worte zu provozieren! – Deshalb sage ich es nochmals: Distanzieren sie sich von jeglichem Sauerteig, welcher den ganzen Teig durchsäuert. Halten sie Abstand von Sünden! Es kommt nicht gut für solche, die Sünden salonfähig machen bzw. nicht bereinigen wollen, seien es Einzelpersonen oder ganze Gemeinden! Amen!

Vers 8

Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit!     1.Kor 5,8 

Im Alten Testament waren die Zusammenkünfte in Jerusalem Festfeiern. Man kam zusammen, um sich seines Gottes zu freuen. Die Israeliten trugen den zehnten Teil des Jahresertrages zusammen und feierten damit in Jerusalem. Dabei bekamen die Arbeiter des HERRN auch ihren Teil. Wie passend waren diese Gepflogenheiten für das Volk des HERRN! Sollten sie nach Jerusalem kommen und über Ihren Gott oder ihre Feinde weinen? Oder um Standpauken anzuhören? – Sicher nicht! Ein aus dem Schmelzofen der Welt erlöstes Volk hatte nichts anderes zu tun, als sich ihres Gottes zu erfreuen!

Wie steht es nun mit uns Christen, liebe Leserinnen und Leser? Sollen wir zusammenkommen um zu weinen? Oder um zu politisieren oder gar philosophieren? – Ganz im Gegenteil! Wir kommen zusammen, weil wir durch Christus erlöst und zu einem Leib verbunden wurden. In Anbetracht dieser Herrlichkeiten kommen wir zum Gottesdienst zusammen! Deshalb feiern wir Gottesdienst! Das ist so selbstverständlich, dass Paulus den Gottesdienst der Christen „Festfeier halten“ nennt.

Nun kann es nicht sein, nur schon der gesunde Menschenverstand verlangt es, dass unter einem erlösten und heiligen Volk in der Gegenwart ihres gerechten und fleckenlosen Erlösers, Böses geduldet wird, wofür der Herr Jesus sein Leben lassen musste! – So schrecklich dieser Gedanke klingt, so böse ist es, wenn die Schlechtigkeit ihren Platz in den Versammlungen des HERRN hat!

Kurz gesagt: Das tolerierte Böse unter den Festfeiern des HERRN ist so unpassend wie wüste Flecken auf dem Kleid einer geschmückten Braut. Und abgesehen von diesem Vergleich: Wenn jemandem diese Worte des HERRN aus dem Vers egal sind, weise ich ihn nochmals auf sämtliche Möglichkeiten hin, die der HERR hat, um böses Wüten an seinen Festfeiern zu unterbinden und Schandflecken zu entfernen. Amen.

Vers 9

Ich habe euch in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben;    1.Kor 5,9

Dieser Vers bietet eine hervorragende Gelegenheit auf eine Thematik hinzuweisen, welche keinen direkten Zusammenhang mit dem Gegenstand hat, der in diesen Versen behandelt wird. Mit diesem Vers möchte ich aufzeigen, wie man mit Aussagen der Bibel grundsätzlich umgehen soll. Vor allem soll etwas beleuchtet werden, das von der christlichen Allgemeinheit zwar als Grundlagenstoff für die Sonntagsschule betrachtet, in der Praxis aber selbst von gestandenen Erwachsenen nicht gelebt wird.

Die Aussagen der Bibel müssen immer im Kontext (Zusammenhang) des Gesagten verstanden werden. Zuerst ist die Textpassage zu berücksichtigen, dann das betroffene Bibelbuch, indem die Aussage gemacht wird und zum Schluss die Gesamtaussage der Bibel. Alle drei Betrachtungswinkel müssen zum gleichen Ergebnis führen, die Bibel widerspricht sich nicht. Diese Praxis der Bibelbetrachtung ist etwas verloren gegangen, womöglich durch das häufige Zitieren einzelner Bibelverse. Die beliebten Verskärtchen, die man in christlichen Büchershops kaufen kann und gegen die ich überhaupt nichts einzuwenden habe, trugen vielleicht ihren Beitrag dazu, dass einige Christen zu „Vers-Pickern“ wurden und einzelne Verse, völlig aus dem Zusammenhang gelöst, nach eigenem Gutdünken interpretieren. – Meine Erfahrung ist, dass solche sehr schwer weg von ihren eigenen Meinungen hin zum Text zu bringen sind und von der tatsächlichen Aussage der Bibel, die der Textzusammenhang bringt, zu überzeugen sind.

Wie gesagt, möchte ich Ihnen mit diesem Vers ein Beispiel geben. Wenn wir ihn aus dem Kontext (Zusammenhang) lösen, sagt er etwas völlig anderes aus, als der Textzusammenhang aussagen wird. Von allem losgelöst, sagt dieser Vers aus, dass Paulus den Korinthern geschrieben habe, nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben. – Wer diesen Vers nun befolgen will, ohne den Zusammenhang zu berücksichtigen, hat wenige bis gar keine Möglichkeiten auf dieser Welt, auf der ein ehebrecherisches und sündiges Geschlecht (Mk 8,38) lebt, zu existieren. Vielleicht könnte man sich, in einer kompletten Absonderung, in Amerika unter den „Amish people“, einem solchen Lebenswandel der Absonderung annähern. Im Textzusammenhang des Briefes, der diesen Vers beinhaltet, sowie im Zusammenhang der ganzen Bibel, ist aber eine solche Absonderung gar nicht gefordert. Diese Lebensweise steht zum Beispiel nur schon im Konflikt mit dem Auftrag, das Evangelium unter die Heiden zu tragen. Wie sollte das denn gehen, wenn es nicht erlaubt ist, sich unter sie zu mischen? – Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wohin ich hinaus will? – Geben Sie Psalmverse und andere weiter und hören Sie nicht damit auf, mit Bibelworten anderen Mut zu machen. Vermeiden Sie aber in der Lehre das „Verse-Picken“, indem Sie einzelne Verse aus dem Passagen-, Buch- und Gesamtbibelzusammenhang reissen. Amen.

Im morgigen Kommentar will ich, so mein HERR, Jesus Christus, will, die Aussage dieses Verses im Zusammenhang mit der aktuellen Passage bzw. des Buches erläutern. – Der HERR sei gepriesen für die tägliche Unterstützung und Zeit, die Er mir zukommen lässt! Amen.

Vers 10

nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.     1.Kor 5,10      

Mit diesem Vers erhärtet sich unsere Betrachtung des vorangehenden. Die Bibel ist im Zusammenhang zu lesen, nicht in einzelnen Versen. Das Wort Gottes ist wie jede andere Botschaft zu handhaben. Aus einer Weisung im Geschäft nimmt kein Angestellter einzelne Sätze als feste Anordnungen. Die Weisung ist insgesamt einzuhalten und wird nicht als Ganzes durch einzelne Passagen ersetzt.

Die Verse neun und zehn vermitteln zusammen eine ganz andere Botschaft, als es Vers neun alleine tun würde. Der Vers neun würde uns, stände er alleine, vermitteln, dass wir aus der Welt gehen müssten, da wir nur mit reinen Leuten Kontakt haben dürften. Zusammen mit Vers zehn ist die Aussage aber eine andere. Zusammen mit den nächsten beiden Versen ergibt sich dann das ganze Bild. Dieser Vers zehn vermittelt uns, dass dabei die Unzüchtigen, Habsüchtigen und Räuber dieser Welt aus dem Umgangsverbot ausgeschlossen sind.

Wir dürfen also weiter mit dem ehebrecherischen Kollegen im Geschäft, den habsüchtigen Verwandten und den räuberischen Nachbarn Kontakt haben, soweit es das Wort erlaubt, wir nicht mit ihnen zusammen spannen (2. Kor 6,14) und solange sie nicht zur Familie Gottes gehören. Zählen sich die Erwähnten aber zur Familie Gottes, sieht es anders aus, wie wir im nachfolgenden Vers sehen werden. Amen.

Vers 11

Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen.  1.Kor 5,11  

Es ist gut, dass wir inzwischen betrachtet haben, wie die Heilige Schrift zu lesen ist. Die Verse neun bis elf ergeben jetzt, im Zusammenhang (Kontext) betrachtet, ein vollständiges Bild. Die Zusammenfassung, in Einbezug der Weisung aus dem Matthäusevangelium (Matth 18, 15-17), ist Folgende:

Sünde ist dann als Sünde zu bezeichnen, wenn sie offenbar ist. Wenn Sünde vermutet wird, ist solange nachzuforschen, bis sich der Verdacht erhärtet oder sich als falsch herausstellt (5. Mo 13,15; 17,2; besonders 5. Mo 19,18, Matth 18,15-17; u.v.a.). Gegen eine Person Sanktionen einzuführen bzw. ein Gemeindeausschluss auszusprechen, ist bzw. hat erst nach genauer Untersuchung und erfolgter, vollständiger und stichfester Beweisführung zu erfolgen. Eine Untersuchung im Verdachtsfall hat zwingend stattzufinden. Der HERR möchte nicht, dass über einem seiner Kinder unbestätigte, jedoch belastende Aussagen liegen, welche die Beziehungen in der Gemeinde belasten!

Liegt keine Sünde gegen jemanden vor, gegen den eine vermutet wurde, so ist diese Person vollständig und vor allen Beteiligten zu rehabilitieren. Allen muss klar werden, dass dem Verdacht nachgegangen wurde, jedoch nichts Belastendes gegen diese Person vorliegt. Dabei ist es auch gut, wenn, falls nötig, Entschuldigungen ausgesprochen werden.

Liegt eine Sünde gegen ein Gemeindeglied vor, welche der oder die Betreffende aber nicht bereut und somit vorsätzlich behalten will, so ist gemäss 1. Kor 5,11 zu verfahren: Er oder sie ist aus der Gemeinschaft auszuschliessen. Dieser Ausschluss geht so weit, dass er auch jeglichen sozialen Kontakt mit einschliesst. Wir gehen ja auch nicht mit rechtmässig verurteilten Kinderschändern Freundschaften ein, denn wer solches tut, billigt deren Werk mindestens solange, wie der Fehlbare seine Tat gutheisst. Wer sich nun mit dem Fehlbaren, der nicht von der Sünde lässt und damit keine Wertschätzung an Christi Blut zeigt, in irgend einer Form verbindet, nimmt Teil an seinen bösen Werken, wie geschrieben steht:

Denn wer ihn grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken.     2.Joh 1,11  

Nach Durchsicht dieses Verses muss ich mich selbst korrigieren: Oben habe ich geschrieben, dass jemand am bösen Werk teilnimmt, wenn er sich mit Fehlbaren in irgendeiner Form verbindet (gemeinsames Essen oder gemeinsame Freizeitgestaltung). Johannes schreibt aber in der ewigen und gottgehauchten Schrift, dass jemand teilnimmt an den bösen Werken, wenn er einen solchen, der ganz Schlimmes tut und billigt, nur schon grüsst! Damit will ich aufzeigen, dass wir Christen (ich schliesse mich voll ein), sehr leicht dazu tendieren, das Böse nicht im entsprechenden Schweregrad zu sehen, weil wir es mit unserem Wandel selbst nicht immer so genau nehmen wollen.

Vorsätzlich sündigende Menschen, die sich Christen nennen, sind also nicht nur vom Abendmahl oder von einer Versammlungsform auszuschliessen. Solche Menschen sind solange generell zu meiden, bis sie Busse tun und, der Busse (Umkehr) gemäss, von der Sünde lassen. Wörtliche Beteuerungen von Fehlbaren stellen keine echte Busse dar. Echte Busse ist immer verknüpft mit einer echten Umkehr und dem Lassen der beanstandeten Sünde.

Liebe Leserinnen und Leser! Ich weiss selbst und aus eigener Erfahrung, wie schwer manchmal 1. Kor 5 umzusetzen ist. Vor allem, wenn man verwandtschaftlich verbunden ist. Wie schlimm kann es sein, wenn eine ganze Familie eine Versammlung besucht und ein volljähriges und somit selbst verantwortliches Kind aus dieser Familie sich für Unzucht entscheidet und davon nicht lassen will. Wie oft musste ich dann mitansehen, dass sich die Eltern (vor allem die Mütter) nicht ganz vom Kind lösen können und diese Schriftpassage nicht voll umsetzen. Trotz meiner eigenen Erfahrung als Vater und dem Kennen der elterlichen Gefühle, kann ich heute als diesbezüglich Erfahrener sagen und raten, dass wir uns trotz allem an die Schrift halten sollen. Wir sind nicht klüger als Gott. Wir sind auch nicht lieber als Er, obschon das in solchen Situationen angenommen wird… Ich konnte, wie erwähnt, selbst in mehreren Fällen beobachten, wie Familien untergingen, weil sie sich nicht an die Schrift gehalten hatten. Ich weiss von einer Familie, die sich anfänglich von ihrem gläubigen und volljährigen Sohn vollständig trennte, wie es auch die Gemeinde richtigerweise getan hatte. Dem Fehlbaren war der Gemeindeausschluss egal, die Ausübung der Sünde war ihm wichtiger als der Platz, wo sich Jesus unter die Seinen gesellt. Als ihm aber die Eltern auch den sozialen Kontakt kündigten, da berührte es diesen jungen Mann: Er begann zu weinen und musste sich mit seinem bösen Tun auseinandersetzen, indem er sich fragen musste, ob er diesen Preis für die Sünde bezahlen wolle. Er war – wen wundert es; die Methode des Wortes ist die beste -, kurz vor der Umkehr und damit auch kurz vor seiner Heilung durch Gott. Doch dann, gerade im entscheidenden Augenblick, liefen die Gefühle der Mutter dieses jungen Mannes über und sie gewichtete ihre Liebe als bessere Liebe im Blick auf jene des HERRN. Sie widerrief den sozialen Ausschluss und gestattete dem jungen Mann wieder jeglichen Kontakt mit ihr, worauf der Ehemann und Vater auch erweichte und ihre Entscheidung mittrug. Darauf geschah, was geschehen musste: Der Fehlbare wusste nun, dass seine Tat keine schmerzlichen Konsequenzen nach sich zog, der Gemeindeausschluss war ihm nämlich egal; die Hauptsache war seine sexuelle Freiheit. In der Folge blieb er in der Sünde. – Dies spielte sich vor ungefähr zwölf Jahren ab, die Situation ist immer noch dieselbe und wir wissen aus den Betrachtungen, dass die Mutter des Fehlbaren, statt ihm zur Wiederherstellung zu verhelfen, einen bösen Dienst erwiesen hat. Ihre Handlung kann ihn zum vorzeitigen Tod verhelfen, wie wir in der Betrachtung zum Vers 5 in diesem Kapitel erkennen konnten. Wer nachfolgenden Worten keinen Glauben schenkt, geht in die Irre und gefährdet selbst seine Liebsten.

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig;     Mt 10,37  

Lassen wir uns nicht verführen, liebe Leserinnen und Leser! Die neuesten psychologischen Erkenntnisse, die gegen die Schrift sprechen, sowie der Humanismus, gehören nicht in die verlangten Verhaltensweisen des HERRN, der die Menschen schuf und besser weiss, wie mit Menschen liebevoll zu verfahren ist, als die weltliche Psychologie bzw. der Geist des Fürsten dieser Welt, der ein Menschenmörder ist. Amen.

Vers 12

Denn was habe ich zu richten, die draussen sind? Richtet ihr nicht, die drinnen sind?     1.Kor 5,12  

Hat uns der HERR gegeben, Personen ausserhalb seines Hauses zu beurteilen? – Nein! Menschen, die sich nicht durch Jesus Christus reinigen lassen sind schon gerichtet. Sie sind durch Gott gerichtet, weil sie an der Ungerechtigkeit festhalten wollen und den Retter sozusagen fortschicken. Ein sehr krasses Beispiel, wie die Nationen vorsätzlich das Heil von sich stossen, sehen wir in folgendem Beispiel:

15 Und sie kommen zu Jesus und sehen den Besessenen, der die Legion gehabt hatte, bekleidet und vernünftig sitzen, und sie fürchteten sich.   
16 Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie dem Besessenen geschehen war und das von den Schweinen.
17 Und sie fingen an, ihn zu bitten, dass er aus ihrem Gebiet weggehe.     Mk 5,15-17  

Wer die ganze Geschichte aus dem Markusevangelium kennt, weiss, dass dieser Besessene es den Bewohnern schwer gemacht hatte. Sie konnten ihn nicht einmal mit Ketten binden. Er war eine Gefahr für die Bevölkerung und ein Schandfleck für das Gebiet. Ausserdem weideten in jenem Gebiet Schweine, für die Israeliten unreine Tiere, mit denen wohl gehandelt und deren Fleisch verkauft wurde. Es war eine böse, menschenunwürdige und unübliche Situation, welche Jesus vorfand.

Das Böse konnte dem HERRN nicht widerstehen: der gefährliche Mann warf sich vor dem nieder, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben war. Ohne in Ketten gelegt zu sein, bat das Böse in ihm um Gnade, - auf dem Boden liegend. In der Folge reinigte der HERR das Vorgefundene in einem Durchgang: Er befreite den Menschen von der Legion Dämonen und das Land von den Schweinen. – Stellen Sie sich das vor: Der HERR kommt, stellt ein Haus, das hoffnungslos verdreckt ist, wieder her und dann kommen die Bewohner des Landes zum Schauplatz. Was tun sie? – Wir würden jetzt annehmen, dass sie in Jubel ausbrechen und sich des HERRN freuen. – Mit dieser Annahme fehlen wir weit, denn sie tun das Unaussprechliche:

Und sie fingen an, ihn zu bitten, dass er aus ihrem Gebiet weggehe.    Mk 5,17  

Dieser Umstand lehrt uns einiges. Die Nationen sind nicht grundsätzlich zu einfältig oder verblendet, um Christus anzunehmen. Teilweise fühlen Sie sich im Bösen und Dunklen wohler als in der Gerechtigkeit und dem Licht. – Weshalb sage ich das alles? – Damit will ich aufzeigen, dass wir nicht denken, der HERR sei zu hart, wenn er die Nationen unter ein hartes Gericht stellt. Er hat sich ihnen offenbart durch die Schöpfung, das Vorhandene (Rö 1,20), und sie lehnen Ihn trotzdem ab. Sie lehnen ihn sogar ab, wenn er ganz schlimme Zustände wiederherstellt bzw. wiederherstellen will. – Das ist Bosheit in reiner, geläuterter Form, - im Negativen gesehen. Deshalb ist Gottes Zorn über den Nationen (Rö 1,18; Eph 5,6; Kol 3,6). Sie sind daher schon gerichtet, wir müssen sie nicht nochmals richten.

Wir sind angehalten, im Hause selbst, d.h. unter uns Christen, für Ordnung zu sorgen. Wie wir selbst in Ordnung sein und ein Leben der Heiligung leben sollen, sind wir damit beauftragt, das Haus (d.i. die Gemeinde) in Ordnung zu halten. Deshalb sind wir befugt, innerhalb des Hauses offensichtlich unordentlich wandelnde Geschwister nach Matth 18,15-17 zurechtzuweisen. Im Weiteren haben wir gesehen, dass bereits bei vermuteter Sünde nachzuforschen ist. Beides ist zum Wohle des Betreffenden: Hat er gesündigt, kann er wiederhergestellt werden; hat er erwiesenermassen nicht gesündigt, wird er vor allen rehabilitiert und es werden alle Zweifel ausgeräumt. So bleiben keine Fragezeichen offen.

Vers 13

Die aber draussen sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus!     1.Kor 5,13    

„Die aber draussen sind, richtet Gott“, das haben wir in der Betrachtung zum Vers 12 im Blick auf die Nationen, die Ungläubigen, erörtert. Hier wird es nochmals explizit durch den Heiligen Geist erwähnt. Dieses Gericht bezieht sich aber auch auf die Gläubigen, die vorsätzlich an einer Sünde festhalten. Durch den geforderten Gemeindeausschluss sind sie auch „draussen“. Der Gemeinde ist es nicht gegeben, solche zu richten oder sonst irgendwie zu „züchtigen“, wie es damals Israel gegeben war. Israel musste selbst das Gericht über die Schuldigen bringen, bei Todsünden wie Mord, Ehebruch und Lästerung mussten die Israeliten die Todesstrafe an Fehlbaren selbst vollziehen (3. Mo 20,15; 4. Mo 15,35; 35,16 u.v.a.). – Der Gemeinde ist es nicht gegeben, solche Sanktionen durchzuführen; ihr ist lediglich gesagt, sich rein zu halten. Wird etwas Böses in der Gemeinde gefunden, so soll sie sich davon distanzieren. Das ist alles. Mit allen, die draussen sind, handelt Gott, seien sie aus den Nationen oder aus der Gemeinde.

Über die Nationen ist das Gericht beschlossen, doch trotz dieser Tatsache sucht Gott weiterhin Menschen darin, die sich retten lassen wollen. Wenn er solche gefunden hat, rettet er sie vor dem kommenden Zorn. Dasselbe tut er mit fehlbaren Gemeindegliedern. Der Ausschluss ist immer und ausschliesslich zur Rettung der Fehlbaren gedacht, nicht primär zu ihrem Verderben. Wir sehen das klar in folgenden Versen:

Wenn aber jemand unserem Wort durch den Brief nicht gehorcht, den bezeichnet, habt keinen Umgang mit ihm, damit er beschämt werde;     2.Thess 3,14  

Dieser Vers macht deutlich, was der Ausschluss bezwecken soll: Reue! Nur wer etwas bereut, kann von der bösen Sache errettet werden (Lk 18,13.14). Der Ausschluss ist nicht für die Vernichtung fehlbarer Gemeindeglieder gedacht, er ist primär dazu da, störrische Sünder zur Busse zu bewegen, denn Gott hat keinen Wohlgefallen an solchen, die zum Zeitpunkt ihres Todes nicht im Reinen sind (Hes 18,23); Gott will dass alle errettet werden (1. Tim 2,4).

Es ist voll gegen den Plan des Erbauers der Menschen, wenn „Gutmenschen“ bzw. „humanistisch angehauchte“ Geschwister einen Ausschluss boykottieren. Statt zu helfen, den Betreffenden zurückzugewinnen, bringen sie ihn mit ihrer unvernünftigen Art, einem unpassenden Helfersyndrom, dazu, in der Sünde zu verharren und werden Teilhaber seiner Sünden und mitschuldig am Verderben eines Menschen. Wehe solchen Geschwistern! Folgender Vers kann auf beiderlei Arten von Verführung angewendet werden. Auf aktive Verführung und auf Behinderung zur Rückführung Fehlbarer:


1 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen!   
2 Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er einem dieser Kleinen Anlass zur Sünde gäbe!     Lk 17,1-2      

Wenn jemand auf korrekte Art und Weise ausgeschlossen wird – wir wissen, dass der Ausschluss Reue und Rückführung zum Ziel hat – und jemand boykottiert diesen Ausschluss, dann behindert er den Prozess der Rückführung und macht, dass jemand in der Sünde bleibt. Wehe einer solchen Person (Lk 17,1b). Amen.

Kapitel 6

Vers 1

Bringt es jemand von euch, der einen Rechtsstreit mit dem anderen hat, über sich, vor den Ungerechten zu streiten, und nicht vor den Heiligen?  1.Kor 6,1   

Mit diesem Vers beginnt ein neues Kapitel und Thema. Paulus wendet sich weg von der Unreinheit in der Gemeinde zu falschen Verhaltensmustern hin. – Ja, die Korinther hatten viele Schwachpunkte in der Gemeinde bzw. deren Ordnung; doch angesichts des heutigen Zustandes im Christentum verleitet es mich zu sagen, dass sie trotz allem in einem besseren Zustand waren als die Christenheit heutzutage. Bei den Korinthern konnte man noch auf Besserung durch Zurechtweisung hoffen. In heutigen Gemeinden ernten Menschen, die im Auftrag Gottes reden, nur Spott und Hohn, wie Jeremia damals in Israel. Das Problem ist heute, dass die Gemeinden im Glauben sind, sie seien in Ordnung, obschon sie es ganz und gar nicht sind, wie geschrieben steht:

17 Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weisst, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloss bist,   
18 rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst.   Offb 3,17.18     

Unsere christlichen Zeitgenossen sagen von sich, sie seien in Ordnung, obschon sie es nicht sind, wenn mit dem reinen Wort Gottes gemessen wird. Das macht die Sache so schlimm. Weisen Sie einmal jemanden zurecht, der in einem selbstherrlichen Wahn lebt! Er wird Sie nur verspotten! – Deshalb wird das Gericht über Gottes Haus empfindlich schmerzen, das kann ich sagen, ohne dazu Prophet sein zu müssen. Es ist zu offensichtlich.

Doch wenden wir uns zurück zum Vers der Betrachtung. Paulus musste weiter bemängeln, dass die Korinther Rechtshändel, die sie untereinander hatten, vor weltliche Gerichte brachten. Die Korinther zogen es also vor, in erster Priorität Zwiste und Uneinigkeiten zwischen Brüdern und Schwestern vor Ungläubige zu bringen! – Stellen Sie sich das bildlich vor! Heilige und erlöste Menschen, die vorgaben zu wissen, wie man gerecht vor Gott lebt und welche Ungläubige als nicht korrekt vor Gott wandelnde Menschen einstuften und diesbezüglich ermahnten und den Auftrag hatten, sie vom bösen Lebenswandel weg für den HERRN zu gewinnen; solche Menschen ernennen lieber Fehlbare und Ungläubige Menschen zu ihren Richtern! – Was für eine Schande war das für die Gemeinde und das Zeugnis! Die Anerkennung der weltlichen Richter war ein Schlag ins Gesicht des HERRN! Einige Korinther erachteten hiermit weltliche Richter als fähiger im Urteilen als ihre eigenen Geschwister, die Einblick in die wahre Gerechtigkeit Gottes erhalten hatten! Damit brachten sie eine Schmach auf das Evangelium, die ihresgleichen suchte! – Kein Wunder also, dass der Heilige Geist ein halbes Kapitel in dem ewigen Wort dafür aufwendet, eine solch verblendete Haltung zu korrigieren!

Vers 2

Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht würdig, über die geringsten Dinge zu richten?     1.Kor 6,2   

Mit den Heiligen erreicht der HERR das, was schon zu Anbeginn sein Vorsatz war: Der Mensch soll über die Erde herrschen (1. Mo 1,28). Der Mensch hat in der Zwischenzeit bewiesen, dass er im Eigendünkel und in der Unabhängigkeit zu Gott die Welt nicht zu beherrschen vermag. Was wir ohne Gott angerichtet haben, ist nichts weiter als Zerstörung, Unterdrückung, ungerechte Nahrungsverteilung etc. – eine Negativliste, die wir beliebig verlängern können.

Die Herrschaft über die Erde, die der ewige König Jesus mit seinen ausgewählten Heiligen antreten wird (Dan 2,44), wird im Gegenzug eine Regentschaft der Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Wohlfahrt sein. Sie wird das Gegenteil sein von dem, was wir heute sehen. Die Erde wird erblühen und eine Blüte erfahren, wie sie seit Menschengedenken keine erfahren hat. Diese grosse Aufgabe und Verantwortung geht der Herr Jesus an und will sie mit seinen Heiligen teilen. – Nun sehen wir, wie beschämend es ist, wenn wir uns nicht einmal in geringsten Dingen üben. Es ist so niedrig, wenn Gemeindeglieder es nicht fertigbringen, gerecht über eine Meinungsverschiedenheit zu richten! Die Korinther zogen es sogar vor, Ungläubige als Richter für Händel unter Heiligen einzusetzen! – Es ist so schlimm, dass einem einfach die Worte dazu fehlen!

Es ist nicht so, dass ich gar keine Kenntnis über die Hintergründe solcher Entscheidungen habe; ich bin auch nicht mehr der Jüngste und musste viel mitansehen! Wenn sich das Unedle der Welt (1. Kor 1,28), das sich in einem sehr bedenklichen Kenntnisstand über die Herrlichkeiten der Gemeinde und ihres wunderbaren HERRN befindet, in die Haare gerät, liegt es aus einem solchen Zustand gesehen nahe, das Recht bei „anständigen“ und „edlen“ Menschen zu suchen. Schnell wendet sich dann sogar der Christ an weltliche „Ratsherren“. Wie gesagt, kann das schnell geschehen, wenn das „Unedle aus der Welt“, das waren die Christen vor ihrer Errettung, sich noch im alten Zustand sieht. Wären die Christen sich bewusst, was für eine Herrlichkeit der Vater durch Christus auf sie gelegt hat, würden sie sich nicht als Menschen, die nun weit edler sind als das Beste der Welt, zu Ungerechten herabneigen und ihnen ihre Rechtshändel anvertrauen. – Nach 1. Kor 1,28 waren die meisten Christen vor ihrer Errettung standesmässig unter den weltlichen Würdenträgern. In Christus stehen Christen aber, bescheiden ausgedrückt, weit darüber! Das kann ich sagen, ohne falschen Stolz zu hegen. Denn die neue Position ist nicht der Verdienst des Christen. Die neue Stellung ist allein Christi Verdienst! So bleibt für einen Christen nichts zum Rühmen übrig, und wir sollten uns hüten, mit unserer Stellung zu prahlen, denn wir haben dazu nichts beisteuern können und die Errettung steht jeder Person aus den Nationen immer noch für eine kurze Zeit offen.

Vers 3

Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden, wieviel mehr <über> Alltägliches?     1.Kor 6,3   

An dieser Stelle eröffnet Paulus vielen Christen eine neue Perspektive. Die einen konnten es ahnen, dass der Mensch, der im Moment hierarchisch unter den Engeln steht, später eine übergeordnete Rolle einnehmen wird. Jesus wurde auch von Engeln bedient und wir sollen werden, wie er ist. Doch bei Jesus ist es so klar nicht für mich, weil er Mensch und zugleich Gott ist. Die Bibel sagt dazu selbst, dass er als Mensch unter die Engel erniedrigt war (Heb 2,7.9). – Dienten Ihm die Engel nun in der Eigenschaft als Mensch oder als Gott? – Zudem sehen wir Engel in solch erhabenen Machtpositionen (u.a. jene des Teufels), dass es uns nicht im Traum einfällt, derlei Aufgaben übertragen zu bekommen. – Paulus, der während seiner Ausbildung in die Himmel entrückt worden war (2. Kor 12,2), sah jedoch mehr als der Durchschnittschrist. Hier eröffnete er uns einen Teil seines zusätzlichen Wissens: Der Mensch wird einmal über den Engeln stehen, in einer Position, die ihm erlaubt, Engel zu richten. Was ist das für eine Aussicht! Irgendwie wird es mir bei diesem Gedanken etwas mulmig. Engel zu richten, die Tag und Nacht das Antlitz des Vaters schauen durften, die Kämpfe Gottes kämpften – denken wir da an Gabriel (Dan 8,16; Lk 1,19 u.a.) und Michael (Dan 12,1; Jud 1,9, Offb 12,7) – wie sollen wir da in unserer Fehlbarkeit vor solchen Gewaltigen stehen und ihnen Recht sprechen?

Zur Zeit ist eine solche Rechtsprechung für den Menschen ein Ding der Unmöglichkeit. Nur unwissende und arrogante Christen können von sich sagen, dass sie das zu tun vermögen. Anhand dieses Verses können wir einen Teil der Lücke sehen, die uns noch fehlt, bis wir so sind, wie Er ist, der gepriesen ist in Ewigkeit (1. Joh 3,2). Amen.

Aus dieser Offenbarung gesehen, ist es umso logischer, dass ein Richten über Alltägliches zukünftig zu den geringen Aufgaben der Christen gehört. Und die Blamage für Christen ist noch ein Vielfaches grösser, wenn sie, denen alles gehört, sich von Ungläubigen Recht sprechen lassen in Angelegenheiten unter Heiligen! Eine Schande ist es, wenn zwei christliche Parteien vor ein weltliches Gericht gehen!

Damit sage ich nicht, dass wir grundsätzlich nie vor weltlichen Richtern erscheinen sollen. Zieht uns ein Ungläubiger vor Gericht bzw. erhalten wir eine gerichtliche Vorladung, handeln wir natürlich im Sinne, der Obrigkeit untertan zu sein und nehmen auch solche Termine wahr (Pred 8,2; Rö 13,1). Vielleicht erlaubt uns der HERR gar, in Ausnahmefällen und grober Verletzung der Rechte durch Ungläubige, selbst einen Gang zum Richter, um unsere Rechte zu schützen. Letzteres zu erlauben bzw. zu verbieten ist allein Sache des HERRN, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Vers 4

Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtshändel habt, so setzt ihr die <zu Richtern> ein, die in der Gemeinde nichts gelten?     1.Kor 6,4    

Die Korinther setzten, wie erwähnt, solche zu Richtern ein, die in der Gemeinde nichts gelten. Ich schreibe bewusst „gelten“ und nicht „galten“, also in der Gegenwartsform. Es ist heute so wie früher: Leute aus den Nationen, also solche, die Christus nicht angenommen haben, haben in einer Gemeinde kein Gewicht bzw. Stimmrecht. Sie haben weder Teil noch Anrecht auf das, was der Gemeinde zusteht. Nicht umsonst heisst es:

Du hast weder Teil noch Recht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott.    Apg 8,21   

Und wiederum:

Da gab ich ihnen zur Antwort und sagte zu ihnen: Der Gott des Himmels, er lässt es uns gelingen. Und wir, seine Knechte, wollen uns aufmachen und bauen. Ihr aber habt weder Anteil noch Anrecht, noch Gedenken in Jerusalem.     Neh 2,20 

Obschon es die klarste Sache auf der Welt ist, dass Menschen, die Jesus nicht annehmen und sich nicht durch Christus reinigen lassen, keinen Anteil an Dingen Gottes haben, gibt es immer noch Geschwister, die solche „einschmuggeln“ wollen. Sie weisen weltlichen Verwandten oder sonstigen nahestehenden Personen „Plätze“ zu in der Gemeinde. Was früher geschah, wird auch heute getan.

7 Als ich nun nach Jerusalem kam, bemerkte ich das Unrecht, das Eljaschib zugunsten von Tobija getan hatte, als er ihm eine Zelle in den Höfen des Hauses Gottes hergerichtet hatte.
8 Das missfiel mir sehr, und ich warf alle Hausgeräte Tobijas aus der Zelle hinaus.     Neh 13,7-8 

Tobija war ein ganz böser Widersacher der Heiligen. Er wollte zur Zeit Nehemias verhindern, dass die Mauer in Jerusalem gebaut wird. Er war gegen die Güte Gottes für sein Volk. Nehemia bot ihm den nötigen Widerstand; andere aus dem Volk Gottes richteten diesem üblen Menschen eine Zelle im Hause Gottes her! – Wie wenig muss man verstanden haben vom Reich, wenn man solchen, die Christus verwerfen, die bewiesen haben, dass Negatives in ihnen wohnt (Mt 7,18), einen Platz im Hause Gottes gewährt oder sogar anweist! – Liebe Leserinnen und liebe Leser! Bleiben Sie im Denken klar! Ich sage hiermit nicht, dass wir unsere Mitmenschen verachten sollen. Damit sage ich, dass Menschen, die keine wiedergeborenen Christen sind, im Hause Gottes weder Anrecht noch Teil auf irgendeine Sache haben, seien es Verheissungen Gottes, irgendwelche Stimmrechte oder Anrechte auf Erbschaft. Ungläubige gelten in Bezug auf göttliche Dinge nichts in der Gemeinde. Damit sage ich wiederum nicht, dass Gott kein Interesse an solchen hat. In Evangeliumsveranstaltungen ist es gut, wenn solche den Veranstaltungsraum füllen, das Wort Gottes hören und sich für eine Richtung entscheiden. Es ist schlicht nicht statthaft, wenn Ungläubigen im Hause des Heiligen Rechte eingeräumt werden.

Genau so wenig ziemt es Heiligen, Rechtshändel vor Ungläubige zu bringen. Es ist nicht nur anstössig, es ist eine Schande und Schmach für die, die solches tun. Im Weiteren leidet das Zeugnis des Evangeliums, wenn Christen durch ihren Gang zu weltlichen Richtern das Gegenteil von dem tun, was sie mit dem Mund bezeugen. Mit dem Mund wird bezeugt, dass die Welt durch ihre Ungerechtigkeit verloren gehen wird, mit dem Gang zum weltlichen Richter signalisieren die Streithähne aber, dass es in der Gemeinde erstens niemanden gibt, der zwischen Recht und Unrecht entscheiden kann und dass weltlichen Richtern mehr Vertrauen geschenkt wird als Heiligen, die Gott Rechenschaft abgeben! – In Worte gefasst sind das schauderhafte Gedanken! Doch leider ist das Unrecht, das damals an der Tagesordnung war, heute billig! Die Verführung, der Verfall der Moral und weltliches Gehabe haben längst in die Häuser Gottes Einzug gehalten.

Denken wir daran: Der HERR wird seine Weste nicht besudeln bzw. sie besudeln lassen. Lange schaut er solchem Treiben nicht zu, auch wenn seine Geduld fast unerschöpflich ist. Wehe den Hausgenossen, die als böse Anstifter zur Unordnung dastehen, wenn der Hausherr kommt, um aufzuräumen!

Vers 5

Zur Beschämung sage ich es euch. Also gar kein Weiser ist unter euch, der zwischen Bruder und Bruder entscheiden kann?     1.Kor 6,5  

Der Heilige Geist unterstützt das, was wir in den vorausgehenden Betrachtungen erörtert haben: Der Gang zu weltlichen Richtern in Rechtshändeln unter Brüdern und Schwestern ist zur Beschämung der Gemeinde. Christen signalisieren so der Welt, dass kein Weiser unter ihnen weilt, der in der Sache entscheiden könnte und geben der Welt weiteren Anlass zu Spott und Hohn. Die Welt kann sagen, dass sich die Christen zuerst von ihr absondern, indem sie sagen, einen besseren Weg gefunden zu haben. Im Nachhinein kommen sie jedoch angekrochen und suchen in der Welt weise Entscheidungen, weil sie sich untereinander in die Haare geraten sind! – Das Zeugnis des Evangeliums wird so völlig vernichtet und die Welt nimmt an, dass sich die so unweise „Gruppe“ in ihrer Torheit einfach irgendeiner Philosophie hingegeben hat, weil sie – in sich selbst schwach und hilflos – irgendwo Halt zu finden sucht. Sucht sie jedoch weise Entscheidung, stuft sie (d.i. die Gemeinde) die Welt als höhere Instanz ein; sonst würde sie sich ja nicht zu ihr hinwenden.

Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, die Tragweite, Torheit und moralische Unmöglichkeit, Zwiste unter Geschwistern vor weltliche Richter zu bringen? Wer solches tut, hat wenig bis gar nichts von der Stellung eines Christen, der Hausordnung Gottes und der Fähigkeit des Heiligen Geistes verstanden. Amen.

Vers 6

Sondern es streitet Bruder mit Bruder, und das vor Ungläubigen!  1.Kor 6,6 

Das griechisch hier verwendete Wort für „Ungläubige“ aus dem Urtext heisst „apistos“, was übersetzt „ungläubig“, „untreu“ oder „nicht vertrauenswürdig“ heisst. In der Forschung über das Wort „Ungläubige“ müssen wir nicht einmal so weit, bis zum altgriechischen Text, gehen. Wir können es auch mit dem gesunden Menschenverstand analysieren:

Es gibt auf dieser Erde Menschen, die Gottes Existenz, von der all das Geschaffene auf dieser Erde täglich zeugt, annehmen und sich Ihm unterwerfen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sie – ohne Entschuldigung zu haben – leugnen. Die Ungläubigen leugnen unentschuldigt eine Existenz, die sich im Geschaffenen offenbart. – Erinnern wir uns an die Verse im Römerbrief, die den Ungläubigen keine Entschuldigung für ihre Gottlosigkeit einräumen?

18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten,   
19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart.   
20 Denn sein unsichtbares <Wesen>, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien;   
21 weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde.     Röm 1,18-21 

Sollen die Ungläubigen doch weiter Nietzsche zitieren, ihren gottlosen Philosophien nachhängen und sich und andere durch sie verführen! – Was soll ich an dieser Stelle noch sagen? – Selbst ich habe unermessliche Gnade erhalten; bis ich zwanzig Jahre alt war, wollte ich, ohne Gott!, nur tun, was mir gefiel. Zwar wusste ich seit ich denken kann, dass der Mensch eines Tages Rechenschaft über sein Tun abgeben werden muss, doch das verdrängte ich Tag für Tag erfolgreich. Bis zur Stunde meiner Bekehrung war ich im Blick auf das Leben unbewährt, ungläubig und nicht vertrauenswürdig. Ich war so, wie es das griechische Wort „apistos“ umschreibt. – Ungläubige leugnen die wichtigste Tatsache, die es gibt: Gott, den Schöpfer der Erde. Wie also, sagen Sie es mir bitte, liebe Leserinnen und Leser, ist es möglich, dass Christen vor Unbewährte gehen, um sich Recht sprechen zu lassen? Bei Leuten, die sinnbildlich das Matterhorn in der Schweiz oder den Grand Canyon in den USA leugnen, - wie sollen ausgerechnet solche zur geläuterten Wahrheit stehen und wahres Recht sprechen können? Wer im Kleinen Untreu ist, ist es im Grossen sowieso! – Es ist also unmöglich, liebe Leserinnen und liebe Leser, dass wir Christen, die wir an die Wahrheit glauben und im Licht wandeln, zur Dunkelheit gehen und sagen: „Spreche uns Recht!“ Amen.

Vers 7

Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtshändel miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen? 1.Kor 6,7

Hiermit setzt Paulus eine den Korinthern noch fremde Messlatte. Priorisieren wir nach den Worten Paulus‘: Das tiefste Niveau, auf das der Christ in Bezug auf Rechtshändel fallen kann, ist das Streiten vor Ungläubigen. Viel besser ist eine Einigung unter Geschwistern. Als allerbeste Lösung stellt uns Paulus das „nicht auf sein Recht pochen“ vor, wie es der HERR persönlich vorgestellt hatte, indem er sprach:

39 Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar;   
40 und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch den Mantel!   
41 Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei! Mt 5,39-41

Hätte der HERR nur einmal sein Recht geltend gemacht, wäre ein Verlust für die Menschen daraus resultiert. Diese Einbusse hätte grössere oder grösste Folgen gehabt. Wenn der HERR seine Ruhe, die jedem gerechten Menschen zusteht, eingefordert hätte, wären Kranke in jener Zeit krank geblieben. Oder was wäre geschehen, wenn Jesus Christus bei seiner Gefangennahme, wo er mehr als zwölf Legionen Engel hätte zu Hilfe rufen können (Mt 26,53), auf sein Recht als Sündloser gepocht hätte? – Dann wäre unsere zukünftige Erwartung schrecklich; sie wäre eine Erwartung des schrecklichsten, jedoch gerechten Gerichtes über unsere Sünden und einer ewigen Verbannung in den zweiten Tod, den Feuersee.

Der Herr Jesus ging uns in allem als Vorbild voraus; Er pochte nicht auf seine Rechte, zugunsten der, im Blick auf die Errettung, ohnmächtigen Menschen. Wir sollen es Ihm gleich tun. Solange der Vater sein Gericht über die Erde aussetzt, sollen wir es auch aussetzen und nicht auf Rechte, die uns zustehen, pochen. So lassen wir jede Möglichkeit offen, einer wankenden Seele – auch wenn es jene ist, die uns gerade bedrängt – den Zugang zum Heil schrankenlos zu ermöglichen. Amen.

Wir sollten uns nicht beirren lassen. Auch wenn wir in den Augen vieler auf diese Weise unvernünftig handeln, so handeln wir trotzdem weise. Es ist nicht so, dass der HERR ein Allversöhner ist. Er setzt nur im Moment viele Gerichte aus. Die Gerechtigkeit lässt er aber nicht für immer „strapaziert“ bzw. durch die Ungerechtigkeit in den Hintergrund gedrängt. Wenn die Zeit der „offenen Arme des HERRN“, die Gnadenzeit, vorbei ist, kommt ein Gericht auf diese Erde, das den Zweiten Weltkrieg als Schuljungenspiel aussehen lässt. Von dieser Zeit heisst es:

Denn jene Tage werden eine Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis jetzt nicht gewesen ist und nicht sein wird.     Mk 13,19

Jeder Mensch muss während dieser Zeit den Becher des Zornes Gottes bis zur Neige leeren; jeder Schlaufuchs, der den Freitod als Ausweg anwenden will, den sich jeder angesichts des Gerichtes wünscht, wird ihn nicht ausführen können. Dafür hat der Heilige Richter der Welt vorgesorgt und es auch schon dementsprechend kommuniziert:

Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen.     Offb 9,6

Anhand von dieser Betrachtung hoffe ich, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht glauben, ich hätte übertrieben mit dem Vergleich des Zweiten Weltkrieges und des kommenden Gerichts. Es gab während des Krieges bestimmt Menschen, die den Freitod wählten. Doch sie wählten ihn nicht im Allgemeinen. Während der Trübsal werden ihn die Menschen aber im Allgemeinen suchen, „die Menschen“ suchen ihn, nicht „einige Menschen“ werden es sein, die ihn suchen. – Gerne gebe ich weitere Stellen an für solche, die nicht glauben wollen, dass es hart kommen wird; ich gebe sie auch gerne für Menschen, für die Gott der „senile, immer gutmütige Opa“ ist und Jesus ein „alternativ angehauchter Weltverbesserer“ war.

15 Und die Könige der Erde und die Grossen und die Obersten und die Reichen und die Mächtigen und jeder Sklave und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge;   
16 und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes!   
17 Denn gekommen ist der grosse Tag ihres Zorns. Und wer vermag zu bestehen? Offb 6,15-17

Für solche, die weiter hartnäckig den kommenden Zorn verharmlosen wollen, noch eine letzte, zusätzliche Warnung: Diese Verse in der Offenbarung stehen in der Vergangenheit; das Urteil ist so real und fest beschlossen bei Gott, dass er es in der Unabänderbarkeit seines Willens in der Vergangenheitsform hat niederschreiben lassen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass es nicht möglich ist, diese Worte aufzuheben. Amen.

Kommen wir nochmals zurück zur aktuellen Versbetrachtung. Es ist nicht so, dass wir nicht zur Wahrheit stehen sollen. Wenn Unrecht geschieht, können wir es auch benennen, wie es Jesus bei den Pharisäern und sonstigen Gegenspielern auch immer wieder tat. Wollen unsere Gegenspieler aber die Worte der Gerechtigkeit nicht hören, so sind wir angehalten, das Recht (auch allfällige Rache; Rö 12,19) dem Vater zu überlassen. Wir wissen jetzt ja gut genug, dass das Weltgericht und die damit verbundene Rache für alle Bosheiten fest beschlossen sind. Es liegt nicht an uns, Rache oder Gericht vorzuziehen. Stehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, zur Wahrheit und lassen Sie nicht davon ab. Werden Sie aber „überschrien“ bzw. die Gegenpartei hält an der Ungerechtigkeit fest, so lassen Sie ab und übergeben Sie „das Dossier“ dem HERRN; ab jenem Zeitpunkt, wo die Gegenpartei das Unrecht fest beschlossen hat, ist Recht durchzusetzen nicht mehr Ihre Sache. – Vielleicht denken Sie jetzt, ich mache es mir einfach, ich sei nicht hart genug geprüft, um solch kühne Worte zu schreiben. – Denken Sie das nicht, ich könnte Ihnen von am eigenen Leibe erfahrenen Ungerechtigkeiten erzählen, mit denen ich, hätte ich sie in Zeitungen publizieren lassen, ehemalige Arbeitgeber hätte empfindlich treffen können, ohne dass ich hätte zu übertreiben brauchen. Doch ich liess davon ab, obschon meine Familie und ich deswegen jahrelange Leiden durchmachen mussten. Und das sind nur Ungerechtigkeiten aus der Arbeitswelt; private bzw. geschwisterliche möchte ich an dieser Stelle gar nicht erwähnen. Der HERR wird auch meine Wunden und die der Familie heilen, die mir und auch ihnen durch ungerechtfertigte Schläge in den Leib und die Seele gerissen wurden, wie er es bei jeder Person seiner Gefolgschaft machen wird (Jes 25,8). Amen, gelobt sei der HERR!

Vers 8

Aber ihr selbst tut unrecht und übervorteilt, und das Brüdern gegenüber!  1.Kor 6,8  

Paulus kommuniziert nicht durch die „Blumen“, er spricht vorhandene Fehler an, ohne sie abschwächend zu umschreiben. Wir sind manchmal geneigt, Fehler in einer ganz schwachen Ausdrucksweise zu erwähnen, um ja niemanden zu verletzen. Eine solche abschwächende Erwähnung von Fehlern mag zwar eine edle Haltung Geschwistern gegenüber suggerieren, sie setzt aber völlig falsche Signale. Unreife, fehlbare Geschwister sehen in einer abgeschwächten Ermahnung nicht eine edle zwischenmenschliche Geste, sie messen nur den Grad ihres Fehlverhaltens am Grad der Stärke der Ermahnung. Kommt die Ermahnung schwach herüber, wird das falsche Verhalten als „nicht so schlimm“ und manchmal gar als „noch akzeptabel“ eingestuft. So bleibt eine Korrektur auf der Strecke, die falsch gesetzten Signale führen beim Ermahnten gar den Misserfolg herbei.

Wir müssen den Unterschied zwischen wahrer Rücksichtnahme und rechter Ermahnung erkennen, um tauglich zu werden im Reich. Jesus Christus hat es uns als vollkommener Mensch vorgemacht. Bei Schwachheiten der Menschen, die eine Überforderung in der Nachfolge zur Folge gehabt hätten, ging der HERR zart und sorgsam um, indem er das geknickte Rohr nicht zerbrach bzw. den glimmenden Doch nicht auslöschte (Mt 17,24-27; die Erfüllung von Jes 42,3). Bei den Streitigkeiten unter den Korinthern verhielt es sich jedoch wie bei streitenden Kindern in einem Schulzimmer, wo man konsequent und energisch dazwischenstehen, sie trennen und zum Frieden ermahnen darf. Im Falle des Schulzimmers erreicht ein Lehrer nichts, wenn er neben der Wandtafel stehen bleibt und leise vor sich hin murmelt, dass es sich nicht so sehr geziemen würde, in einem Schulzimmer aufeinander los zu gehen. Eine solche Ermahnung im Schulzimmer löst keine Überforderung aus, sie stellt vielmehr den normalen Betrieb sicher.

Lassen Sie uns in Weisheit aufeinander zugehen, liebe Leserinnen und Leser! Unmögliche Zustände müssen als unmöglich bezeichnet werden. Bei Leistungserwartungen müssen wir die Erwartungen dem Reifegrad unseres Gegenübers anpassen, wie der HERR es in der oben erwähnten Passage (Mt 17,24-27) tat. So verhält sich ein Kind Gottes seinesgleichen gegenüber.

Die Korinther handelten falsch; so, dass Zwiste entstanden. Es gab solche, die übervorteilten und andere, die sich darin heftig wehrten. Letzteres nicht zu tun, braucht schon die grössere Reife wie das Erste. Trotzdem ist beides falsch unter Christen. Reife Christen sind der Welt abgestorben und bestehen nicht bis aufs Blut auf „mein“ und „dein“. Sie wissen, dass der Vater alle Möglichkeiten hat, auch wenn sie durch ein Fehlverhalten eines Geschwisters einen Verlust einfahren. „Der HERR hat genug, um dir mehr als das zu geben (2. Chr 25,9).“ Diese Worte wurden an den König von Juda gesprochen, nachdem er wegen den hundert Talenten fragte, die er nicht hätte an solche zahlen sollen, auf denen der Zorn des HERRN war. – Die Antwort darauf war schlicht: „Der HERR hat genug, um dir mehr als das zu geben.“

Wenn wir übervorteilt werden, sollten wir immer an diese Aussage denken, bevor wir beginnen uns wegen Besitztümer zu grämen und bittere Wurzeln (Heb 12,15) aufsprossen lassen. Wenn wir das nicht glauben können, dass wir uns – auch bei übler Übervorteilung durch Geschwister – nicht streiten sollen, dann können wir auch nicht glauben, dass der HERR uns genügend versorgen kann und wenn es sein muss, noch mehr als die Verlustsumme geben kann. Im Unglauben werden wir nicht für unseren Feind bitten, wir werden ihn vielmehr verfluchen (Mt 5,44; Rö 12,14). Im Glauben, dass der HERR alles zum Guten wenden kann, werden wir anerkennen, dass uns alles zum Besten dient und wir uns in segenbringenden Lektionen des Vaters zur Vollkommenheit befinden. Diese Erkenntnis lässt uns, wenn sie echt ist, auch in üblen Situationen dankbar bleiben und dem Vater, der uns gnädig gesinnt ist, Lob darbringen. – Doch wird der HERR, wenn er wiederkommt, diesen Glauben finden auf Erden (siehe auch Lk 18,8)?

Vers 9

Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Lustknaben, noch Knabenschänder,     1.Kor 6,9   

Dieser Vers behandelt ein Thema, über das im allgemeinen Christentum keine Klarheit herrscht. Es werden vielmehr Lügen darüber gelehrt. Es ist in Ihrem Interesse, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie sich genügend Zeit für die Wahrheit nehmen. – Es ist allen klar, dass die Ungläubigen aus den Nationen das Reich Gottes nicht mit Christus teilen werden. Christus teilt sein Erbe nur mit solchen, die sich als würdig erweisen. Würdig dazu ist jemand, der vorher treu und fleissig im Reich arbeitete. Das Wörtchen „vorher“ ist an dieser Stelle sehr wichtig, denn nur erprobten Geschwistern wird Grosses gegeben. Wer während der Prüfung im Kleinen versagt, dem werden keine grossen Dinge übertragen; das Wort wird so erfüllt werden, wie geschrieben steht:

46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!
47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.     Mt 24,46-47 

Im Matthäusevangelium, wo es um anvertraute Talente geht, sowie in demjenigen des Lukas, wo über die anvertrauten Pfunden die Rede ist – ich habe es schon sehr oft erwähnt -, sehen wir die Voraussetzungen für die Erbschaft. Wer treu (Mt) und fleissig (Luk) ist, wird erben. – Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird auch erben? Sagen Sie es mir, liebe Leserinnen und Leser! Wird dann die Schrift aufgelöst (Joh 10,35)? Das allgemeine Christentum sagt mit ihrer Philosophie: Ja, dann wird die Schrift aufgelöst, denn die Gnade deckt alles, auch „komischen“ Wandel der Geschwister. – Dagegen sage ich, dass die Schrift nicht aufgelöst werden wird und Geschwister, die unordentlich wandeln, einen Riesenverlust einfahren und nicht erben werden. Amen. – Es ist besser, wenn Sie heute die Antwort des HERRN darauf erbitten und nicht abwarten bis zum Ende, wer denn nun Recht hat. Selbst unser Vers sagt es schon aus. Der Brief erging im Weiteren an alle Christen auf der ganzen Welt. „Irrt eucht nicht!“, schreibt Paulus. Damit sagt er mit anderen Worten: „Bleibt nicht in einer trügerischen Sicherheit, weil ihr zu den Hausgenossen zählt. Lest weiter im Matthäusevangelium die folgenden Verse ab Mt 24,48! Was tut der HERR mit einem untreuen Knecht; mit jemandem, der zu den Hausgenossen zählt? Lässt er ihn trotz allem in Allversöhnungsmanier erben oder schneidet er ihn in zwei Teile? Bitte sagen Sie es mir, ich habe es schon zu oft erwähnt. Amen.

Vers 10

noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben.    1.Kor 6,10 

Gutgläubige Christen glauben, solche Verse deuten ausschliesslich auf Ungläubige hin und vergessen dabei völlig, dass es fleischliche Christen gibt; also solche, die anstelle von geistlichem Wandel fleischlich leben. Fleischliche Christen, sie wurden uns im Kapitel 3 schon vorgestellt (1. Kor 3,3), hegen untereinander Eifersüchteleien und Streit: Produkte des Fleisches. Weitere entsprechende Produkte sind Ungerechtigkeit, Unzucht, Götzendienerei, Ehebruch, Voyeurismus, Kinderschändung, Diebstahl, Habsucht, Trinkerei, Lästerei und Raub. – So unpassend diese Worte für Christen tönen, so oft werden sie leider unter Christen praktisch ausgelebt. Auch wenn Teile davon bei vielen nur im Kopf, in Gedanken, vollzogen werden: das Potential und der Wunsch, solches zu tun, ist immer da bei Christen, die fleischlich wandeln. Ist David, der Mann Gottes, nicht das beste Beispiel dafür, dass ein Mensch nach dem Willen Gottes in „fleischlichen“ bzw. „schwachen fünf Minuten“ gleichzeitig ehebrechen und morden kann (2. Sam 11)? Genau so kann auch ein Christ jede böse Tat hervorbringen, wenn er sich vom Geist weg zum Fleisch hinwendet. Aus diesem Grund stehen diese beiden Verse (9.10) da. Die Warnung daraus ist, dass kein Berufener Gottes den Freipass zur Erbschaft in der Tasche hat. Die Annahme der Tat Christi berechtigt ihn zwar zur Gotteskindschaft; Gotteskindschaft allein ist jedoch nicht zwingend verknüpft mit Erbschaft. Nur wer den ganzen Weg Christi geht, wird erben, wie geschrieben steht:

wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen;     2.Tim 2,12 (siehe auch Rö 8,17) 

Hüten wir uns vor falscher Sicherheit! Die Errettung* durch Christus ist eine geschenkte Herrlichkeit (*vor dem Feuersee, der Hölle), die Erbschaft ist das Ergebnis unserer Hingabe bzw. Umwandlung. Natürlich wird Letztere ebenfalls durch Christus gewirkt (Heb 12,2); trotzdem muss dabei von uns aus auch ein Fünkchen Wille mitspielen. Spielt dieser anteilsmässige Funken unseres Willens nicht mit, werden wir nicht erben. Amen.

Vers 11

Und das sind manche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.     1.Kor 6,11  

Erinnern wir uns an früher, an die Zeit vor unserer Bekehrung zum HERRN? Wir müssten sehr vergesslich sein, wenn wir nichts mehr von den Regungen des Fleisches wüssten. Spätestens in der Pausenrunde mit unseren ungläubigen Arbeitskolleginnen und –kollegen sollten wir daran erinnert werden, wenn anzügliche Sprüche fallen oder Eitelkeiten ausgetauscht werden: Wir waren vor unserer Bekehrung genau gleich wie sie, da wir dieselbe Natur in uns tragen. Wenn wir merken, dass eigentlich noch kein Unterschied zwischen ihnen und uns besteht, ist unsere Situation sehr bedenklich. Dann lassen wir nämlich unserer alten Natur freien Lauf und üben uns nicht in der Gottseligkeit bzw. der Gottesfurcht (1. Tim 6,11).

Der HERR hat uns beim Zeitpunkt der Bekehrung eine neue Natur geschenkt. Er hat uns gereinigt, geheiligt und gerechtfertigt. Die neue Natur ist fähig, zusammen mit der Unterstützung des HERRN, einen reinen und untadeligen Wandel zu leben. Ein solcher Wandel, einer in Heiligung und Lauterkeit, ist vom HERRN gefordert (1. Thess 4,3). Wer nun den Willen des HERRN weiss, sich aber nicht darum kümmert, ist sehr unweise, denn es steht geschrieben:

Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen <Schlägen> geschlagen werden;     Lk 12,47   

Einen geforderten Punkt kennen wir alle, nämlich, dass wir uns der Sünde enthalten sollen. Wer dieses absolute Grund- und Rahmengebot Gottes missachtet, kann sich am obenstehenden Vers die Ernte seines Säens ausrechnen. – Es darf nicht sein, liebe Leserinnen und Leser, dass wir die Gnade des HERRN derart mit Füssen treten! Lassen Sie uns in der Wahrheit bleiben, sodass der betrachtete Vers 11 für uns stimmt: Wir waren früher so, doch jetzt nicht mehr! Amen.

Vers 12

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.     1.Kor 6,12  

Meinen Kindern ist im Rahmen ihrer Stellung alles erlaubt. Sie dürfen sich in der Wohnung frei bewegen und während ihrer Freizeit tun und lassen, was sie wollen. So verhält es sich auch bei freien Staatsbürgern. Im deutschsprachigen Raum ist alles erlaubt, sogar Regierungskritik. Das „alles erlaubt“ schliesst natürlich Kriminalität und Gefährdung der öffentlichen Ordnung aus. Freie Bürger zu sein bedeutet nicht, dass das Faustrecht herrscht. Selbst Freiheit bindet an Regeln. Diese Regeln setzen jedem Individuum die Grenze dort, bei deren Überschreitung es sich oder anderen schadet und damit seine oder die Freiheit anderer einschränkt. So haben auch meine Kinder, die ich eingangs erwähnt habe, sich an Rahmenbedingungen zu halten – ihnen und der Allgemeinheit zugute.

Wir sind beispielsweise frei zu konsumieren, was wir wollen. Die einen nehmen sich die Freiheit, mal etwas Tabak in der Pfeife zu rauchen. Ich bin der Ansicht, dass ein solches, eher seltenes Pfeifenrauchen weniger schadet, als ständig fettig zu essen. Doch da mögen sich die Geister scheiden. Ich will damit auch keine wissenschaftliche Diskussion anreissen. Vielmehr will ich auf Grundsätzliches hinweisen: Wer sich nun, nach dem Tabakbeispiel, einem übermässigen Zigarettenkonsum hingibt und einer Sucht verfällt, indem die betreffende Person nicht mehr ohne weiteres damit aufhören kann, kann nicht mehr von einer freiwilligen Handlung sprechen. Ein solcher Mensch wird vom Tabak beherrscht, er entscheidet nicht mehr, ob er ein bisschen Tabak konsumieren will; vielmehr muss er Tabak konsumieren. – Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wohin unser freier Wille führen kann? – Er kann uns in Abhängigkeiten führen, wenn wir die guten Regeln nicht befolgen, welche uns und andere schützen.

Wir sind frei zu entscheiden, ob wir fernsehen wollen oder nicht. Wenn wir unseren Fernsehkonsum aber nicht einschränken und einfach alles ungefiltert anschauen, wie Gewalt- und Pornofilme, dann führt uns dieser filterlose Konsum in Sünde und Abhängigkeiten, wie geschrieben steht:

Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave.  Joh 8,34  

Lassen Sie uns, liebe Leserin und lieber Leser, die Freiheit so gebrauchen, wie es jeder vernünftige Staatsbürger tut: Im Rahmen des Guten. Selbst die Ungläubigen handeln in der Mehrheit so. So ist es billig, dass wir Kinder des Höchsten mit der Unterstützung des Heiligen Geistes auch so handeln! Halten wir uns fern von der Sünde! Amen.

Vers 13

Die Speisen <sind> für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott aber wird sowohl diesen als auch jene zunichte machen. Der Leib aber <ist> nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib.     1.Kor 6,13

Es gibt Dinge, die füreinander geschaffen sind, wie die Speisen für den Bauch und umgekehrt, auch wenn sie nur temporär da sind. Speisen sind nicht da um Häuser zu bauen oder Autos anzutreiben; sie sind da, um den Bauch zu füllen. Wir können sie zwar zweckentfremden, d.h. mit ihnen machen, was wir wollen (siehe Vers 12), doch passen nur die Puzzleteile „Bauch“ und „Speise“ richtig ineinander, obschon wir die Freiheit haben, andere Teile zum „Bauch“ hineinfügen zu dürfen. Wir können ja mal versuchen „Bauch“ und „Beton“ zu verbinden und sehen, ob der Bauch mit Beton gefüllt werden möchte. So unsinnig diese Verbindung Bauch und Beton ist bzw. klingt, so daneben ist die Verbindung „Leib“ mit „Hurerei“. Denn wie „Bauch“ und „Speise“ zusammengehören, gehören „Leib“ und „Herr“ zusammen. Wie „Bauch“ und „Beton“ Tod bedeutet, bedeutet es „Leib“ und „Hurerei“, wie geschrieben steht:

7 Und ich sah unter den Unerfahrenen, bemerkte unter den Söhnen einen Jüngling ohne Verstand,
8 der geht über die Strasse hin zu ihrer Ecke, den Weg zu ihrem Haus betritt er
9 in der Dämmerung, am Abend des Tages, beim Anbruch der Nacht und bei Dunkelheit.   
10 Da siehe, eine Frau kommt ihm entgegen im Hurenkleid und mit verstecktem <Plan im> Herzen. - 11 Leidenschaftlich ist sie und unbändig, zu Hause haben ihre Füsse keine Ruhe.   
12 Bald ist sie draussen, bald auf den Plätzen, und neben jeder Ecke lauert sie.   
13 Da greift sie ihn, da küsst sie ihn, wird unverschämt und sagt zu ihm:   
14 Zu Heilsopfern war ich verpflichtet, heute habe ich meine Gelübde erfüllt.   
15 Darum bin ich ausgezogen, dir entgegen, um dein Gesicht zu suchen, und ich habe dich gefunden.
16 Mit Decken habe ich mein Bett bedeckt, mit buntem ägyptischem Leinen.   
17 Ich habe mein Lager benetzt mit Myrrhe, Aloe und Zimt.   
18 Komm, wir wollen an Liebe uns berauschen bis zum Morgen, wollen schwelgen in Liebkosungen.
19 Denn der Mann ist nicht zu Hause, er ist weggegangen, fort auf weite Reise.   
20 Den Beutel mit dem Geld nahm er in seine Hand, am Tag des Vollmondes <erst> kommt er nach Haus.   
21 Sie verleitet ihn durch ihr vieles Überreden, mit ihren glatten Lippen reisst sie ihn fort.   
22 Er folgt ihr augenblicklich, so wie ein Stier zur Schlachtung geht, wie in die Fessel hüpft der Hirsch,   
23 bis ein Pfeil die Leber ihm zerreisst; wie ein Vogel sich ins Fangnetz stürzt und nicht weiss, dass es um sein Leben geht. –
24 Nun denn, ihr Söhne, hört auf mich und horcht auf die Worte meines Mundes!   
25 Nicht schweife dein Herz ab zu ihren Wegen, verirre dich nicht auf ihre Pfade!
26 Denn viele sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und zahlreich alle, die sie ermordete.
27 Ein Weg zum Scheol ist ihr Haus, der hinabführt zu den Kammern des Todes.     Spr 7,7-27

Die fremde Frau (für Frauen: der fremde Mann), mit welcher Hurerei getrieben wird, ist nicht für den Leib gemacht, auch wenn sie bei vernachlässigten Eheleuten manchmal wie ein Rettungsanker erscheinen mag. Die fremde Frau ist wie Beton für den Bauch, nicht Speise. Ihr Haus ist ein Weg ins Totenreich (Scheol), „der hinabführt zu den Kammern des Todes.“

Setzen Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Puzzleteile richtig zusammen. Den Bauch zur Speise, den Leib zum HERRN. Sie sollen an dieser Stelle unbedingt wissen: Wer Hurerei treibt, ist ohne Verstand (Spr 6,32). Nur wer sich selber vernichten will, der mag das tun. Das gilt auch für die fremde Frau am TV oder in Heften bzw. gleichgeschlechtlichen Verkehr (Rö 1,27) und Sodomie (2. Mo 22,18). Wer sich daran ergötzt oder solches auslebt, treibt Hurerei und „frisst Beton“.

Lassen Sie unsere Freiheit nicht gebrauchen, um in die Sünde versklavt zu werden und Zwängen zu verfallen; gebrauchen wir unsere Freiheit, um das Richtige zu tun und dabei tief durchzuatmen, die Freiheit richtig geniessen zu können. Amen.

Vers 14

Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Macht.    1.Kor 6,14 

Dieser und der folgende Vers zeigen sehr schön auf, wie sehr verbunden wir mit dem Herrn Jesus sind. So, wie Gott den Herrn Jesus auferweckt hat, wird er uns auferwecken. Das ist ganz logisch. Logisch ist es, weil wir Christi Leib darstellen. So kann es nicht sein, dass das Haupt lebt und der Leib tot ist (Eph 1,22.33). Dieser Vers im Epheserbrief bezeichnet die Gemeinde nicht symbolisch bzw. in Bildsprache als „Leib Christi“. Wir sind es, wir haben Christus verinnerlicht, wir verbinden uns völlig mit ihm, indem wir ihn „essen“, d.h. völlig substanziell mit ihm vereinigt werden (Joh 6,54). Christus verbindet sich mit der Gemeinde in einer so innigen Weise, dass es die fleischliche Verschmelzung bei Eheleuten, welche diese Verbindung schattenhaft andeutet, es nur sehr bruchstückhaft tut:

31 »Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.«   
32 Dieses Geheimnis ist gross, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde.     Eph 5,31-32  

Ein verheiratetes Paar, der Mann und die Frau zusammen, werden zu einem Fleisch, sie sind nicht mehr zwei Leiber sondern einer (Mt 19,4-6). Nun – es liegt völlig auf der Hand – erweckt Gott natürlich nicht nur vom Herrn Jesus das Haupt allein, sondern den ganzen Leib. So werden, salopp ausgedrückt, zwangsweise alle Fasern des Leibes (mit)auferweckt. Damit werden wir völlig teilhaftig an seiner Auferstehung!

Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der <seiner> Auferstehung sein,  Röm 6,5 

Es werden zwar alle Menschen in irgendeiner Art aufstehen. Die einen zum Gericht, andere zum Leben. Es gibt verschiedene Auferstehungsarten. An der höchsten teilhaftig sind die, welche an der Auferstehung Christi teilhaben. Der oben zitierte Vers aus dem Römerbrief zeigt auf, dass Christen „verwachsen“ mit der Christus-Auferstehung sind. Sie sind also völlig verbunden mit Seiner Auferstehung! Diese nicht zu übertreffende Verbundenheit, wo die eheliche Verbundenheit im Vergleich nur ein schwaches Bild davon abgibt, fordert natürlich zu Recht einen heiligen Wandel. Unser Leib gehört Christus und soll nicht für Sünden herhalten müssen, besonders nicht für sexuelle! Amen.

Vers 15

Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Das sei ferne!  1.Kor 6,15 

Im Kommentar zum vorausgegangenen Vers durften wir erkennen, wie eng unsere Verbindung mit Christus ist. Wir sind so mit ihm verwoben, wie es irgendein Organ unseres Körpers mit dem Körper selbst ist. Würde es gewaltsam entfernt, stürbe der Körper. Eine solche Verbindung, ich habe es schon erwähnt, schattet die Ehegemeinschaft nur schwach vor, denn Eheleute trennen sich nach der Verschmelzung immer wieder, ohne dass dabei jemand stirbt.

Sollen wir nun bei dieser erzeigten Liebe Christi, durch die Er uns völlig einverleiben will, uns näher haben will als es ein Liebespaar möchte; sollen wir nun unseren Teil des Leibes Christi nehmen und uns mit einer Hure verbinden bzw. sollen weibliche Christen sich irgendeinem Passanten oder Bürokollegen hingeben? „Das sei ferne!“ Amen.

Vers 16

Oder wisst ihr nicht, dass, wer der Hure anhängt, ein Leib <mit ihr> ist? »Denn es werden«, heisst es, »die zwei ein Fleisch sein«.     1.Kor 6,16   

Der erwähnte Vers im Epheserbrief über die eheliche Gemeinschaft, welche die Beziehung von Christus und der Gemeinde vorschattet bzw. sinnbildlich darstellt, deckt die angestrebte Intimität auf, die Christus mit der Gemeinde begehrt. Wie nun alle Sinnbilder nur Symbole für die Wirklichkeit sind, haben sie auch nicht die gleiche Intensität wie die Wirklichkeit. Wie ein Lamm das Opfer Christi vorschattete, schattet die eheliche Gemeinschaft, die Verbindung von Mann und Frau, jene vor, die Christus mit der Gemeinde eingeht: Die Symbole erreichen bei weitem nicht den Stärkegrad (Intensität) der Wirklichkeit. Trotzdem sind dem HERRN bereits die Symbole sehr wichtig, weil sie Wegweiser zum Heil in Christus sind. Wer sich nur schon an diesen Wegweisern vergreift, vergreift sich am Werk Christi und muss seine Schuld verantworten. Wie im Alten Testament ein Nicht-Opfern scharf geahndet wurde, wurde bei Ehebruch (das ist eine Vernichtung des Zeugnisses von Christus und der Gemeinde) die Todesstrafe von Gott verhängt und gefordert. Heute, im Neuen Testament, führen alttestamentliche Moralsünden zum von Gott geforderten Gemeindeausschluss. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Gemeinde gesetzeskonform in Bezug auf die Bibel verhält. Wird ein vorsätzlich sündigendes Gemeindeglied regelwidrig nicht ausgeschlossen, trägt es die Konsequenzen des HERRN trotzdem, indem sich der HERR von diesem Glied zurückzieht und, solange es nicht Busse tut, für es ein hartes Gericht beim Richterstuhl kommen wird.

So liegt es auf der Hand, dass auch in der neutestamentlichen Zeit die Vernichtung der Symbole Gottes, welche auf Christus und die Gemeinde hindeuten, sehr harte Konsequenzen zur Folge haben. Wer einer Hure anhängt und damit symbolisch andeutet, dass der Mann (Christus) mit jeder Frau eine Verbindung eingeht, sei sie unrein oder gar eine Hure, die es mit jedem Mann treibt (sei er aus dem Guten oder dem Bösen), sündigt vor Gott auf der gleichen Ebene, wie es Mörder tun. Denn Ehebruch und Mord waren im Alten Testament zum gleichen Schweregrad taxiert, wie sie es auch im Neuen Testament sind. Nur der Umstand, dass das Gericht zeitlich nach hinten versetzt wurde, zum Richterstuhl Christi hin, schwächt den Schweregrad der Sünde nicht ab.

Vers 17

Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist <mit ihm>.     1.Kor 6,17

Obwohl das Bild der Ehegemeinschaft nur schwach andeutet, wie intensiv die Verbindung von Christus und der Gemeinde sein wird, ist es trotzdem sehr passend, denn schon dort wird sichtbar, dass zwei Teile zu einem Ganzen werden, wie geschrieben steht. Jesus spricht ganz deutlich darüber:

5 und sprach: »Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein«, –   
6 so dass sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch? Was nun Gott zusammengefügt hat, soll <der> Mensch nicht scheiden.     Mt 19,5-6

Das Ehepaar wird zu einem Fleisch; aus zwei Hälften wird ein Ganzes. In der gleichen und für uns unvorstellbaren Weise trachtet der HERR nach einem Ganzen, obschon Er alles in Allem ist! Er formt uns als zweite Hälfte zum vollständigen Ganzen, dem Leib Christi. Er will die totale Verschmelzung. – Wie herrlich ist denn das? Können wir uns annähernd davon ein Bild machen? Aus der mangelhaften Ware „Mensch“ soll die andere Hälfte des Christus werden? – Das ist wirklich kaum vorstellbar! Viel leichter ist die Vorstellung, dass Christus König ist und wir seine Diener, auch wenn wir dabei grosse Ehre bekommen. Die Vorstellung mit ihm zu einem Teil zu verschmelzen, übersteigt unsere wahr- und vorstellbaren Dimensionen. Wäre es nicht so, würden wohl mehr Christen bewusst und standfest in der Heiligung bleiben wollen.

Viele Christen betrachten ihre hohe Berufung aus einer zu grossen Distanz. Sie sind einfach nur froh, der Hölle entronnen zu sein und gehen – jetzt, wo die Zukunft geregelt ist, wie nach dem Abschluss einer Lebensversicherung – weiter wie vorher. – Das sollte nicht so sein, liebe Geschwister! Der HERR möchte nicht nur Ihre und meine Errettung. Er möchte sich mit uns so verbinden, wie es die Ehegemeinschaft schwach vorschattet: Er möchte, dass wir Ihm gleich sind (1. Joh 3,2).

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir noch nicht in der Vollendung im Blick auf die Beziehung zu Christus. Jetzt sind wir mit ihm verlobt (2. Kor 11,2). Diese Verbindung lässt bereits keine weitere (zu anderen Parteien) zu. Wurde eine Verlobung im Alten Testament verletzt, wurde der Frevel auch mit dem Tod bestraft, wie bei Ehebruch (5. Mo Kapitel 22, Verse 23.24). Das sage ich, um aufzuzeigen, wie heilig dem HERRN bereits die jetzige Verbindung mit einem Christ bzw. einer Christin ist. Wie ein Ehepaar zu einem Fleisch verschmilzt, verschmelzen wir jetzt schon mit dem HERRN zu einem Geist!

Liebe Geschwister! Bitte haltet Euch fern von jeglicher Unzucht, sei es auch „nur“ schon solcher durch Bilder im Internet, Boulevardzeitungen und dem Fernsehen. Wir sind dem HERRN viel näher, wie es Bürger an den Landesgrenzen zur Landeshauptstadt sind! Auch ist die Art der Beziehung viel höher und intimer in unserem Fall, wie bei den erwähnten Bürgern zum Hauptort des jeweiligen Landes. Die offensichtliche Unmoral der Weltmenschen ist heute viel grosser als vor hundert Jahren. Deshalb muss der Unterschied Christ – Weltmensch heute noch viel augenscheinlicher sein als damals. Es genügt nicht, wenn wir uns äusserlich in der Moral etwas abheben, indem wir beispielsweise nicht zu jedem sexistischen Witz in Gelächter fallen. Wir haben uns nicht an der Welt zu messen, sonst könnten wir sehr schnell zufrieden sein, - unser Massstab ist Christus allein. Amen.

Vers 18

Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist ausserhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen den eigenen Leib.     1.Kor 6,18 

Die letzten acht Verse, besonders die Verse 18 – 20 warnen eindringlich vor Unzucht. Ich selbst und alle anderen gläubigen Männer mögen vielleicht denken, dass die Warnung vor Unzucht einfach als allgemeine Richtung verstanden werden soll, um damit nicht zu überborden in der heutigen Welt der Reizüberflutung via TV, Internet und Druckmedien. – Doch die Verse im 1. Kor 6 geben uns nicht eine allgemeine Richtung vor. Diese Verse verbieten Unzucht strikte. Zusätzlich geizen sie, um unserer grossen Schwachheit willen, nicht mit dazugehörenden Erklärungen. Der HERR sei dafür gelobt! Sie decken in wunderbarster Weise auf, was der HERR für uns ist und wir für Ihn. Der Heilige Geist erklärt uns dadurch, dass die bereits bestehende Beziehung zum HERRN viel mehr ist als eine irdische Ehegemeinschaft. Und schon in der Ehe wissen wir als Christen, dass Ehebruch eine schändliche und zutiefst böse Tat ist. Wie verletzend ist es für uns, wenn der Partner unserer Liebe, sich einer dahergelaufenen Person einfach so und völlig hingibt! Es gibt tatsächlich nichts auf dieser Welt, das dieses schlimme Gefühl, des nicht weiter zu übertreffenden Treue- und Glaubensbruchs, wieder gut machen kann, wie im ewigen Wort geschrieben steht:

32 Wer aber Ehebruch treibt mit der Frau <seines Nächsten>, ist ohne Verstand. Nur wer sich selber vernichten will, der mag das tun.   
33 Plage und Schande <nur> findet er, und seine Schmach wird nicht mehr gelöscht.
34 Denn Eifersucht <weckt> die Zornglut des Mannes, kein Mitleid verspürt er am Tage der Rache.   
35 Er nimmt keine Rücksicht auf irgendein Sühnegeld und willigt nicht ein, selbst wenn du die Bestechung häufst.     Spr 6,32-35   

Der Vers 35 bringt es auf den Punkt. Wer in der Liebe betrogen wird, dem ist es egal – auch wenn er selbst arm ist – wie viel Schweigegeld ihm angeboten wird. Die Bestechung kann bis zu Millionenbeträgen gehäuft werden: Wer in echter Liebe betrogen und eiskalt „hinters Licht“ geführt wurde, verspürt dasselbe, wie Angehörige von Mordopfern. Sie verspüren einen Schmerz von einem Schaden, der nicht wieder gut gemacht werden kann. Vollzogener Ehebruch kann nicht rückgängig gemacht werden. Eine gestohlene Vase kann ersetzt werden, da stellt sich beim Geschädigten schnell eine Genugtuung ein, vor allem, wenn die Umtriebe entschädigt und ein zusätzliches Schmerzensgeld entrichtet werden. Bei Ehebruch ist es wie bei Mord: Die Tat kann dem Geschädigten nicht durch menschliche Möglichkeiten aus der Welt geschafft werden. Die Tat bleibt für ewig Bestandteil der Geschichte; auch Davids Ehebruch und Mord, die schändliche Tat an seinem treuen Diener Uria, dem Hetiter, hat der HERR nicht aufgrund seiner sonstigen sehr guten Taten aus dem ewigen Wort genommen.

Liebe Leserinnen und Leser! Mit der Verurteilung von Ehebruch gehe ich nicht weiter als die Schrift selbst! Es gibt zwar eine Möglichkeit zur Vergebung, doch es ist an dieser Stelle unpassend, sie vorschnell zu erwähnen. Ich sagte deshalb, dass Ehebruch und Mord nicht durch menschliche Möglichkeiten gesühnt werden können, ausser durch Vergeltung mit Gleichem (2. Mo 21,24). Im Neuen Testament wird diese Vergeltung zeitlich nach hinten, zur Wiederkunft Christi, versetzt, damit möglichst viele auf diesem Gang zum Richter Zeit finden, umzukehren (Mt 5,25). Konkret heisst das, dass es uns in dieser Zeit nicht gegeben ist, Rache zu üben. Wir dürfen uns nicht an Fehlbaren rächen, die Rache ist Gottes Sache (Rö 12,19). Gott lässt solche Art von Rache in westlichen Ländern nur schon durch die Gesetzgebung der Nationen nicht zu.

Mit diesen Zeilen möchte ich nichts weiter aufzeigen, als dass Unzucht eine der höchsten und eine der nicht zu übertreffenden Art ist, Gott zu verletzen. Deshalb liess der Geist niederschreiben: „Flieht die Unzucht!“ Er sagte nicht: „Widersteht der Unzucht!“ Er weiss, dass wir nicht widerstehen können, wenn wir uns in Gefahr bzw. in ihre Nähe begeben. Deshalb sagt uns der Geist, dass wir vor ihr „wegrennen“ sollen!

Und wenn dein Auge dir Anlass zur Sünde gibt, so reiss es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle des Feuers geworfen zu werden.     Mt 18,9  

Auch der HERR warnt uns persönlich davor. Unzucht ist meistens eine Folge von Informationen, die wir über das Auge aufnehmen (2. Sam 11,2!). Der HERR sagt uns in anderen Worten unmissverständlich: „Sage Dich von allem los, was Dich in Gefahr zu sündigen bringen kann, auch wenn es angewachsen ist bzw. untrennbar mit Dir verbunden ist: Entferne alles aus Deiner Nähe, das Dich zu Fall bringen könnte!“ – Bei allen Sünden ist die Unzucht die Krönung im negativen Sinn. Es ist Sünde gegen den eigenen Leib und somit gegen den Tempel des Heiligen. Bildlich gesprochen sprayen wir üble Graffitis an die Tempelwände des HERRN. Hätten Sie sich das zur Zeit Salomos, nach dem Bau des herrlichen Tempels getraut zu tun? Getrauen Sie sich heute aber fremde Frauen lüstern zu betrachten? – „Flieht die Unzucht!“ Rennen Sie davor weg! Tun sie es dem Josef gleich, egal, was es für zeitliche Konsequenzen nach sich zieht (1. Mo 39,12). Ewiger Lohn ist dafür sicher! Amen.

Vers 19

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?    1.Kor 6,19

Zur ganzen Thematik von unserer Beziehung zum HERRN, dass wir mit ihm verlobt sind (2. Kor 11,2) und den daraus resultierenden Rechten und Verpflichtungen, kommen zwei weitere Aspekte hinzu: Wir sind Gottes Behausung und dazu gehören wir nicht uns selbst. Listen wir diese Wahrheiten zur Veranschaulichung nochmals auf:

Mit Absicht habe ich zweimal die Rechte vor die Pflichten gesetzt. Seit unserer Errettung aus dem üblen und total verlorenen Zustand überwiegen die Rechte, Kinder Gottes zu sein, bei weitem alle Pflichten. Die Pflichten sind verschwindend klein im direkten Vergleich zu den Rechten! Das muss gesagt sein. Trotzdem muss hin und wieder auf die Pflichten aufmerksam gemacht werden, weil der Mensch, derb gesagt, den Rachen manchmal nie voll genug kriegt. Zu allen empfangenen Herrlichkeiten will er sich in Einzelfällen doch noch das Recht herausnehmen, autonom (unabhängig) zu bleiben und vergisst dabei, dass er erkauft wurde. Ein von der Welt aussergewöhnlich stark gepushter Blickwinkel, die Souveränität des Menschen, lenkt manche Christen von der Tatsache ab, dass es keine total souveränen (unabhängige) Menschen gibt. Jeder Mensch, auch der finanziell unabhängigste, ist von Gott abhängig. Jeder hängt am Tropf Gottes, denn Gott muss seinen Geist im Menschen lassen, damit er überhaupt leben kann. Würde sich Gott eine Sekunde lang zurückziehen, stürbe alles Fleisch; soviel zum Thema „Souveränität des Menschen“! – Die hochgepriesene menschliche Unabhängigkeit hat sich längst als weitere Lüge der Welt entpuppt.

14 Wenn er sein Herz <nur> auf sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Atem zu sich zurückzöge,
15 so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden, und der Mensch zum Staub zurückkehren.   Hiob 34,14-15

Dieser Punkt der totalen Abhängigkeit aller Menschen muss an dieser Stelle mal explizit erwähnt werden! Das weltliche Geschwätz über die „Souveränität des Individuums“ ist sehr töricht und unweise. Die Bibel bringt es auf den Punkt: Das Fleisch würde insgesamt (!) verscheiden! Selbst die Weltelite, alle Wissensträger und Kapitalstarken zusammen, als eine geschlossene „Überlebenspartei“, würden in der gleichen Sekunde tot umfallen, wie die armen und unweisen Zeitgenossen, wenn Gott sein Herz nur auf sich richten würde, wie es leider sehr viele Menschen (auch Christen) tun.

Unser Zweck als Tempel bzw. Behausung Gottes und unser Zustand als seine losgekauften Menschen binden uns an Pflichten, auch wenn die Rechte stark überwiegen. Diese Pflichten, minimale Verhaltensregeln, sind wirklich das Mindeste, was wir Gott für seinen ununterbrochenen Dienst am Menschen zurückgeben können. Wie Eltern von ihren Kindern minimalste Anstandsregeln erwarten können, erwartet Gott von uns das Einhalten der einfach gehaltenen Hausregeln.

Vers 20

Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib!    1.Kor 6,20

Manchmal vergessen wir die Hölle, in der wir waren, schnell. – Blenden wir zurück und betrachten uns bewusst die damals über uns herrschenden Zustände:

zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheissung; und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt.   Eph 2,12

Erinnern wir uns noch an die Zeit vor unserer Errettung? – Wenn sich heute ein Christ im Nachteil sieht, wenn die Bibel im 1. Kor 6,19 davon spricht, dass wir uns nicht selbst gehören; - möchte ein solcher Christ denn wieder zurück? Möchte er zurück in die vermeintliche Freiheit, wo er glaubt, tun und lassen zu können, was er will? Möchte ein solcher zurück in die Welt, ohne den Geist Gottes und fleischlichen Wandel unter seinesgleichen ausleben mit daraus resultierenden Früchten, über die er sich schämen muss? – Nun denn; jeder hat die Wahl, den Rest seines verbleibenden Lebens so zu fristen, wie er will: Wie Israel im guten Land die Wahl hatte, nach Ägypten zurückzukehren, wo die männlichen Kinder umgebracht wurden (2. Mo 1,22!), hat heute jeder Christ die Wahl, in die Welt, wo Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit und Gotteshass vorherrscht, zurückzukehren. – In Wirklichkeit kehrt jemand, der sich von Christus zur Welt abkehrt, von der Freiheit in die Sklaverei zurück. Ein solcher kehrt sich vom HERRN, der ihn frei macht, ab und unterwirft sich dem Herrscher der Welt, dem Teufel (Lk 4,6; Joh 12,31). Der Teufel gaukelt dem Menschen Freiheit vor, um ihn nachher umzubringen, denn er ist ein Menschenmörder (Joh 8,44), wie es der böse Pharao in Ägypten war, der die Nachkommenschaft Israels in den Nil werfen liess.

Jetzt möchte ich mich Christen zuwenden, die bei Christus bleiben wollen und seine gute und wohlwollende Herrschaft akzeptieren. Unser Vers besagt, dass wir erkauft wurden und Gott mit unserem Leib verherrlichen sollen. Diese Aussage beinhaltet nichts Mystisches, sondern vielmehr ganz praktische Dinge. Christus hat uns aus der Verdammung bzw. Gottesferne zurückgeholt, in die sich der Mensch hat locken lassen (1. Mo 3,4). Der Preis war das Kostbarste Gottes: Sein eigener Sohn! Das war der Preis unseres Erkauft-Werdens. Das ist die Summe des Lösegeldes und kein Cent weniger. – Wenn wir nun diesem Vers Folge leisten und Gott mit unserem Leib verherrlichen möchten, stellen wir unseren Leib, ganz einfach, Ihm – anstatt der Welt – zur Verfügung, wie geschrieben steht:

Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt zu erhalten.    Jak 1,27

Der reine Gottesdienst ist nicht möglichst weit mit einer „christlichen Partei“ in der weltlichen Politik zu kommen bzw. für Gott Städte einzunehmen oder sonstige, „verrückte“ Dinge zu tun. Der reine Gottesdienst enthält nach Jakobus 1,27 die Nächstenliebe und den Rückzug aus der Welt. Der Rückzug aus der Welt ist ein Rückzug von Befleckung jeder Art, sei es Ungerechtigkeit, Pornographie und allen Folgen (Unzucht, Ehebruch, Begehren von fremdem Fleisch, u.v.a.m.), Lüge, Hochmut, Prahlerei, Völlerei, Trinkerei, Egoismus und allen Folgen (Vernachlässigung jeglicher Verantwortung gegenüber dem Nächsten), ungerechtfertigter Bereicherung und Lästerungen (Fluchen jeglicher Art).

Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.    Gal 5,24

Auch der Vers aus dem Galaterbrief sagt nochmals dasselbe aus, wie unser Vers 20 aus dem Korintherbrief. Es geht um nichts Mystisches, Undefinierbares bzw. Hochgeistliches, das nicht ergriffen werden kann. Wir verherrlichen Gott mit unserem Leib, wenn wir den Leib, welcher der Tempel des HERRN ist, rein behalten. Wenn anstelle von Unrat im Tempel (2. Chr 29,5) Gebet, Reinheit, Gottesfurcht vorgefunden werden, verherrlichen wir Gott mit unserem Leib. So einfach ist das. Amen.

Kapitel 7

Vers 1

Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren.  1.Kor 7,1 

Zwischen den Korinthern und Paulus bestand nicht ein einseitiger Briefverkehr. Sie fragten Paulus vor der Abfassung des ersten Korintherbriefes schriftlich über die Ehebeziehung an. Mit der Erwähnung dieses Schreibens eröffnet Paulus das siebente Kapitel seines Briefes und beginnt mit einer, evtl. für einige, erstaunlichen Aussage. Seine Ausführungen über die Ehebeziehung beginnen damit, dass er in erster Linie gerade mal davon abrät. – Wir fragen uns vielleicht, ob das im Widerspruch zur Schrift steht, wo die Schrift doch bezeugt, dass sich Christus stark um ein Gegenüber einsetzt. Wieso sollten wir denn vom entsprechenden und gottgegebenen Ausdruck des Menschen für Christus und der Gemeinde in erster Linie absehen? „Da stimmt doch etwas nicht!“, mögen sich jetzt einige fragen.

Die Ursache von Paulus‘ Antwort liegt nicht darin, dass es grundsätzlich nicht gut ist, Christus und die Gemeinde als Ehegemeinschaft abzubilden. Die Ehegemeinschaft ist ja auch von Gott gewollt, wie geschrieben steht:

Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.     1.Mose 2,18  

Der Mann sehnt sich nach seiner Entsprechung und die Frau danach, dass sie von einem Mann umworben wird. Das ist eine gottgewollte Einrichtung und gottgegebene Dinge sind in ihrer Eigenschaft gut. Wie die Ehe gut ist, war es auch das Gesetz. Das können wir in der Schrift so nachlesen (Rö 7,12). Trotzdem brachte das Gesetz dem Menschen den Tod; ohne Gesetz wusste der Mensch nichts von seiner in ihm wohnenden Bosheit des Fleisches. Als es kam lebte die Bosheit durch die Gebote auf und der Mensch wurde in der Folge als Gesetzesübertreter für schuldig befunden und musste sterben (Rö 7,9ff).

Das Gesetz war gut und heilig, doch für den Menschen unpassend und nicht hilfreich im Blick auf seine Heilung. Es verurteilte nur, obschon es völlig zu Recht geschah. – Wir sehen also, dass gute und heilige Dinge, wegen der Mangelhaftigkeit des Menschen, ihm nicht immer helfen. Manchmal braucht es zwingend eine Distanz zwischen Gut und Böse. Gott kann sich deshalb dem Menschen nur aus sicherer Distanz offenbaren. Bei einer „ungefilterten“ Offenbarung Gottes stirbt ein Mensch sofort (Jes 6,5). Der Mensch kann bei einer Offenbarung Gottes nur in Verbindung mit dem Sühneopfer Christi überleben, welches die Mangelhaftigkeit des Menschen wegnimmt.

Bei der Ehegemeinschaft verhält es sich ähnlich wie beim Gesetz. Die reine Ehegemeinschaft ist praktisch ein zu vollkommenes Bild für den sündigen Menschen, sogar für Christen. Sonst würde Paulus nicht im ersten Vers der Einleitung zu seinen diesbezüglichen Erläuterungen davon abraten. Damit berücksichtigt er die Umstände einer lebenslangen Beziehung von einem Mann und einer Frau, die sich immerfort lieben und füreinander – sollte es nötig sein – sterben sollten; so, wie es Christus in der Beziehung zu seiner Gemeinde vorgelebt hatte. Das ist eine moralische Vorgabe, ähnlich wie bei den Geboten des Gesetzes, die ein Ehepaar auf dem geforderten Niveau nur mangelhaft erfüllt, auch wenn am Anfang der Liebesbeziehung Anderes beteuert wird. Eine reine Ehegemeinschaft ist überhaupt nicht das, was von der Welt reflektiert wird und leider – in den meisten Fällen – auch nicht jenes, was uns Christen, unsere Geschwister, diesbezüglich vorleben. Bleiben wir also beim Grundsatz des Paulus – das sage ich, gleichwohl ich selbst verheiratet bin -, dass es besser ist, keine Ehe einzugehen. – Wir werden in den folgenden Erläuterungen der Schrift das „Warum“ und „Wieso“ noch besser verstehen.

Vers 2

Aber um der Unzucht willen habe jeder seine eigene Frau, und jede habe ihren eigenen Mann. 1.Kor 7,2 

Dieser Vers ist sehr, sehr ernüchternd. Der HERR, welcher Mann und Frau als Einheit geschaffen hat (1. Mo 1,27) und dazu möchte, dass sich die Menschen vermehren (1. Mo 1,28), lässt im 1. Kor 7,2 durch den Geist vermitteln, dass es für Christen besser ist, allein zu bleiben. – Weshalb tut er das? Sind wir hier mit einem Widerspruch konfrontiert? – Es ist kein Widerspruch, das liegt auf der Hand. Der HERR widerspricht sich nicht. Mit diesem Vers will uns der HERR, die wir in einem Umwandlungsprozess (Rö 12,2) und Leiden stehen (2. Tim 3,12) zum Ersten vor weiteren Leiden schützen, welche eine Gemeinschaft unter Unvollkommenen hervorbringt (V32.35). Zum Zweiten verdeutlicht er die Tatsache, dass wir im Blick auf das geforderte neutestamentliche Niveau nicht einmal nach seinem Sinn ehefähig sind. Zu schwer ist es eine zickige und unförmig gewordene Ehefrau wie am ersten Tag zu lieben; geschweige denn dann, wenn gleichzeitig eine viel jüngere, attraktivere und ergebenere Bürokollegin offenes Interesse am gebeutelten Ehemann anmeldet. – Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass dieser Test auch in geschlechtlich umgekehrter Form stattfinden kann. – Christus hinterliess uns diesbezüglich ein Beispiel, dass für ewig nicht zu übertreffen ist. Er liebt seine Gemeinde und begehrte nie eine „Frau“ ausserhalb seines vom Vater gegebenen „Gartens“. Auch wenn die Welt attraktiveres bot (Jer 2,11) als ein störrisches Volk wie Israel (Neh 9,29; Jer 5,23) und eine ebensolche Gemeinde, von der bei anzahlmässig sieben nur gerade eine mit Lob ausgezeichnet werden kann (d.i. Philadelphia, Offb 3,7ff), steht der HERR beharrlich zu den Seinen und liebt sie bis ans Ende (Joh 13,1). Dies tut der HERR wohlgemerkt bei solchen, die im Versagen glänzten bzw. glänzen. Wie damals seine Jünger weit unter den Erwartungen blieben (Mt 17,17; Mk 16,14; Sendschreiben in Offb 2,1ff; u.v.a.) bleiben wir heute als Christenheit im Gesamten weit darunter. Der HERR offenbart uns, dass es bis zum Ende des Zeitalters solche geben wird, welche die gerechtfertigten Erwartungen des HERRN nicht erfüllen werden (Mt 18,32; 24,48; 25,26; Lk 19,22; 1. Kor 3,15; u.v.a.m.).

Der HERR steht und stand damals schon zu seiner „Verlobten“, der Gemeinde, auch wenn dabei gesagt werden kann, dass ihm womöglich jede andere „Frau“ weniger Mühe bereitet hätte, sie zu lieben (Mt 11,21). – Damit offenbart uns der HERR Seine Herrlichkeit im Blick auf Seine Moral. Er liebt seine Gemeinde, auch wenn sie Ihn nicht liebt* und weder attraktiv** noch begehrenswert ist (*Offb 2,4; u.v.a.;** sie ist total zerteilt, 1. Kor 1,10, wie die Denominationen heute). Er liebt unbeirrbar die Seinen, die Ihm der Vater gegeben hat, so hässlich sie auch erscheinen mögen. Er nährt und pflegt die Gemeinde bis zum Tod (Eph 5,29).

Im Blick auf das Niveau Christi, welches für die Beziehung von Eheleuten gesteckt wurde, ist es viel, viel besser, nicht zu heiraten. Der Frust im Blick auf die eigene Ehe kann zu gross werden, wenn etwas Erkenntnis für diese Zielmarke und eine Portion nüchterne Selbstkenntnis vorhanden sind. – Damit sage ich nicht, dass ich – selbst verheiratet – meine Frau nicht liebe. Auch nahm ich mir keine fremde Frau für ausserehelichen Verkehr, trotz initiativen und diesbezüglichen Angeboten. – Ich muss aber einräumen, dass ich das Niveau Christi in der Liebe bei weitem nicht erreiche, obschon ich mich danach sehne. Er erfüllt es an mir, ich nicht. Ich schaffe es nicht einmal innerhalb des weit schwächeren Abbildes seiner Gemeinschaft mit uns, der Ehe.

Junge Christen, die, hart ausgedrückt, noch an den Weihnachtsmann bzw. Storch glauben, tun sich vielleicht schwer mit 1. Kor 7,1. Christen, die sich masslos überschätzen, glauben im Ernst daran, dass es ihnen möglich sein wird, Christsein und Ehe in Harmonie verleben zu können. Vielleicht schenkt Ihnen der HERR diesen „Welpen-Schutz“, sodass es ihnen möglich wird, ohne zu merken, dass es nur aus der Gnade des HERRN harmoniert. Als älterer Bruder, und durch die Jahre nüchtern geworden, stimme ich den erfahrenen Männern zu, die damals schon sagten:

Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, so ist es nicht ratsam zu heiraten.  Mt 19,10    

Kommen wir nach der Erläuterung der Grundlagen zum aktuellen Vers 2, welcher besagt, dass wir trotzdem heiraten sollen, weil wir uns in einer allfälligen Ehelosigkeit ja doch nicht enthalten können. – Sehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, die zarte Rücksichtnahme des HERRN auf die unbeschreibliche Schwachheit der Seinen? – Wir sollen trotzdem heiraten, damit wir nicht, um des fleischlichen Verlangens wegen, in Unzucht fallen.

Der HERR weiss, dass sich der Ehe nur Menschen enthalten können, denen es gegeben wird (1. Kor 7,7) oder solchen, die für eine Ehelosigkeit in Wahrheit willensmässig stark genug sind (V 37.38) und sich bewusst dafür entscheiden (Mt 19,12). Alle anderen sollen um der Unzucht willen heiraten. Sie sollen heiraten, damit sie nicht in Unzucht, und somit das schlimmere Übel, fallen. – Auf der einen Seite ist das eine sehr demütigende Tatsache. Sie ist aber auch heilsam, weil wir schnell in Überheblichkeit fallen. Viele denken von sich, was für tolle Ehepartner sie doch sind im Blick auf andere, die sich haben scheiden lassen oder in unbefriedigenden Situationen leben. Wir sollen daher unbedingt wissen, dass wir im Blick auf Christi Niveau überhaupt nicht ehefähig sind und, wenn wir eine intakte Ehe führen dürfen, sie nur aufgrund Seiner Gnade intakt ist. Das soll uns vom „hohen Ross“ herunterholen und eine Bereitschaft in uns wecken, für Christen zu beten, die Eheschwierigkeiten haben ohne sie stattdessen als Unfähige abzuurteilen. Wie werden wir beurteilt werden, wenn Christi Massstab an unsere Ehebeziehung gelegt wird? Als ehefähig etwa? Bilden wir uns da ja nichts ein! Amen.

Vers 3

Der Mann leiste der Frau die <eheliche> Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem Mann.  1.Kor 7,3  

Mit diesem Vers schwenkt der Fokus von der Frage weg, ob wir heiraten sollen oder nicht. Wir befassen uns hier nicht mehr mit der Thematik, zu heiraten oder ledig zu bleiben. Jetzt geht es um den Gegenstand der Ehe selbst, um ein bereits verheiratetes Paar also.

Dieser Vers sagt aus, dass mit der Ehe ein ganzer Mensch geworden ist, denn der HERR schuf den Menschen als „Mann“ und „Frau“, wie geschrieben steht:

Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.   1.Mose 1,27  

Das Bild des Menschen ist erst mit der Frau zusammen komplett: „Als Mann und Frau schuf er sie“, steht geschrieben. Der Mensch soll ein Gegenüber, eine Frau haben, welche seine Entsprechung ist.

Bei einem Zusammenfügen von zwei Teilen zu einem Ganzen, einer Skulptur beispielsweise, drückt die Skulptur nur die Gedanken ihres Erbauers aus, solange sie als Ganzes da steht. Werden die Teile wieder für einen allfälligen Transport zerlegt, sagt die Skulptur für die Zeit des Transports nicht das aus, was ihr Schöpfer mit ihr sagen will. Sie ist während dieser Zeit in zwei nicht sehr aussagekräftige Teile zerlegt, welche, einzeln betrachtet, nicht den Wert des Ganzen haben.

Zum Ganzen zusammengefügt, geben die einzelnen Teile ihre Autonomie (Selbständigkeit) auf, damit sie als etwas Neues ganzheitlich auftreten können. Weder der Mann noch die Frau bestehen unnachgiebig auf Rechte, die sie als einzelne Parteien (oder Teile der Skulptur) vor dem Zusammenkommen hatten. Der Mann, sowie auch die Frau, sollen einander die Pflicht erfüllen, die sie, um ein Ganzes zu werden, haben eingehen wollen. Es geht nicht an, dass ein Teil der Skulptur, welche ich als Beispiel zur Veranschaulichung herangezogen habe, besondere Rechte für sich beansprucht. Beide Teile müssen so zusammen bleiben, wie sie der Schöpfer als Ganzes hingestellt hat. Wenn sich ein Teil in die alte Selbständigkeit verabschiedet, ist die Aussagekraft des Bildwerkes (und somit der Ehe) dahin. Die Ehe wird in der Folge nicht mehr abgebildet, vielmehr stellen die zwei zusammengehörenden Personen danach nichts weiter als zwei voneinander unabhängige und selbstbestimmende Individuen dar.

Es ist mir klar, dass in der Praxis vieles neben den geregelten Bahnen abläuft. Es geht sogar so weit, dass sich Eheleute ausgerechnet mit diesem Vers Selbstbestimmungsrechte verschaffen! Die sexsüchtige Partei kann diesen Vers für ihre Autonomie missbrauchen, indem sie die andere Partei über deren Vermögen zum ständigen ehelichen Verkehr zwingt. Gleichwohl gibt es die umgekehrte Situation, indem eine autonom gewordene Partei den Verkehr willentlich gänzlich blockiert. – Im Streben nach dem Erhalt der Einheit geht beides nicht! Die „Skulptur“ stellt nur ihren Zweck richtig dar, wenn einander beide Teile sich – ihrem Vermögen gemäss – dem anderen in einer Selbstaufgabe zugunsten des Ganzen hingeben. Ist ein Teil beschädigt, muss das andere noch mehr stützen und gibt sich somit noch mehr auf. Wer da auf Selbstbestimmungsrechte pocht, hat den Sinn des Ganzen missverstanden. Für selbstbezogene Menschen ist es definitiv besser, alleine zu bleiben. Amen.

Vers 4

Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau. 1.Kor 7,4   

Dieser Vers ist eine Verdeutlichung des vorangehenden Verses. Er ist nicht so zu verstehen, dass uns damit eine allgemeine Verfügungsgewalt über den Partner übertragen wird.

Damit das Bild der Verschmelzung beider Körper, die Verschmelzung zu einem Fleisch (1. Mo 2,24), intakt bleibt, ist eine Selbstaufgabe notwendig, wie ich es im vorausgehenden Kommentar schon erläutert habe. Dieses Aufgeben der eigenen Autonomie erlaubt den Zugriff des Partners, in korrekter Darstellung der gottgewollten Ehe, auf den eigenen Körper. Für beide Partner ist es in Ordnung, wenn der eine sich Zweisamkeit wünscht. Keine der beiden Parteien hat höhere, eigennützige Prioritäten, die ein Zusammenkommen verhindern könnten. – Dabei ist ganz wichtig zu erwähnen, dass der Zugriff auf den Leib des Partners nie auf einer Grundlage steht, die einen normalen bzw. vernünftigen Tagesablauf des Gegenübers schmälern würde. Dieser Vers wird gerne von Egoisten zitiert, obschon er ihnen überhaupt keine Sonderrechte einräumt! Er ist vielmehr so zu verstehen, dass wir einander so zur Verfügung stehen sollen, wie Christus, um jederzeit ein Geist mit uns zu werden, uns zur Verfügung steht (1. Kor 6,17). Christus fordert von uns auch keine besondere Gemeinschaft mit Ihm, wenn wir beispielsweise als LKW Berufsfahrer den Anhänger rückwärts in eine schmale Gasse manövrieren, während dem sich eine Schlange ungeduldiger Automobilisten bildet, die durch unser Manöver kurz anhalten müssen. So gibt uns dieser Vers nicht die Freiheit unsere Frau zu bedrängen, während dem sie sonntags das Mittagessen für die Kinder zubereitet. Tun wir es trotzdem, versuchen wir eine einseitige Verfügungsgewalt zu bekommen, die uns aber nicht durch die Schrift eingeräumt wird.

Die Schrift steckt einen sehr hohen Massstab für zwei Menschen, die zu einem Fleisch geworden sind. Sie sollen einander jederzeit zur Verfügung stehen, ohne das Zusammenkommen mit Druck einzufordern. Das bedingt ein hohes Mass der Selbstaufgabe, des Vertrauens und der Fähigkeit, Prioritäten richtig zu setzen. Nach dem HERRN steht folglich an oberster Stelle die Bereitschaft, sich dem Partner zur Verfügung zu stellen. Ist die Frau bereit, abends, nachdem die Kinder schlafen und sie sich mit ihrer Lieblingssendung beschenken könnte, sich auf Kosten des Films dem Mann hinzugeben? Oder ist der Mann bereit, am Sonntagnachmittag, auf Kosten des Genusses seiner Lieblingsmannschaft, sich der Frau zu widmen? Stehen da auf beiden Seiten die Prioritäten richtig oder ist beiderseits die Selbstaufgabe nicht soweit gereift, dass beide einander jederzeit zur Verfügung stehen, wie Christus sich fortwährend für seine Braut in Bereitschaft hält? Oder steht Christus uns nur in engen Zeitfenstern, so einmal im Monat, am Montag der ersten Woche, zwischen 08.00 – 10.00 Uhr zur Verfügung, weil er sonst Besseres zu tun hat, als sich um „Würmer“ zu kümmern?

Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, unseren Ehepartnern diese ständige Bereitschaft, füreinander zur Verfügung zu stehen, kommunizieren. Achten wir dabei aber, dass wir uns diesbezüglich keine Rechte einfordern. Es liegt nicht an uns, die wir unsere Partner lieben sollen, egoistisch etwas einzufordern, für das dem Partner die Möglichkeit, Bereitschaft oder schlicht die Reife fehlt. An uns liegt es nicht, den Partner zu erziehen. Darüber angemessen zu diskutieren ist erlaubt, doch folgender Grundsatz bleibt bestehen: Der Töpfer, der die Menschen formt, ist Gott (Rö 9,20).

Vers 5

Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeitlang, damit ihr euch dem Gebet widmet und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt.    1.Kor 7,5 

Die Haltung der ständigen Bereitschaft, einander zur Verfügung zu stehen, darf nur für Übergeordnetes und zeitlich befristet unterbrochen werden. Dazu muss es in Übereinkunft geschehen. Anschliessend ist das ständige Füreinander wieder angesagt.

Zu diesem Zeitpunkt, nach der Lektüre der Verse, die im Zusammenhang stehen, ist die Aussage dieses Verses sonnenklar, auch der letzte Punkt des nicht Enthalten Könnens. Grundsätzlich sollen wir ja nicht heiraten, da der Prozess der Heiligung und der Anspruch des HERRN uns genügend ausfüllen würden. Da die Gefahr in Unzucht zu fallen aber unserer Schwachheiten wegen sehr gross ist, gesteht der HERR den meisten von uns ein Gegenüber, einen Ehepartner, zu. Diesen Partner bekommen wir unter Anderem genau um der Unzucht wegen, damit wir ihr nicht verfallen. Daher ist es völlig klar, dass der HERR in unserer Ehe keine „Heldentaten der Enthaltung“ sehen möchte. Somit gilt folgende Regelung, wenn wir für eine gewisse Zeit den HERRN intensiver suchen wollen als sonst:

Die Absonderung für den (intensiveren) Gebetsdienst muss in Übereinkunft geschehen und zeitlich befristet sein. Anschliessend tritt die königliche Anweisung sofort wieder in Kraft, stets in grosser Rücksichtnahme füreinander zur Verfügung zu stehen, nach der Art des HERRN, die weder aufdringlich noch fordernd ist (1. Kor 13,4-7).

Vers 6

Dies aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl.    1.Kor 7,6

Wie es in der weltlichen Rechtsprechung zwingendes und dispositives (einmalgültiges, auf gegenseitiger Abmachung basierendes) Recht gibt, gibt es neben zwingenden Gebote in der Heiligen Schrift auch Empfehlungen. In der weltlichen Rechtsprechung gilt beispielsweise für den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer mindestens so und so viele Urlaubstage zu geben. Dieses Mindestmass ist zwingend einzuhalten und darf nicht unterschritten werden. Was darüber geht, mehr Ferien also, ist Gegenstand der Abmachung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nach oben sind die Grenzen, vom Gesetzgeber her gesehen, frei. Paulus‘ Empfehlung für Christen ist, nicht zu heiraten. Wer nicht heiratet sündigt nicht. Wer es trotzdem tut, auch nicht, denn das Sich-Verheiraten oder das Nicht-Verheiraten steht nicht unter zwingendem Gesetz. Der Christ ist frei, es zu tun oder zu lassen. Jedoch gibt es für beide Arten des Zivilstandes zwingendes Recht. Für Unverheiratete gilt zwingend, nicht in Unzucht zu fallen. Für Verheiratete gilt zwingend, die Ehe nicht zu brechen und nicht in Unzucht zu fallen. – Paulus gibt im Bereich des dispositiven Rechts Empfehlungen ab. Als weiser Mensch sagt er weniger Erfahrenen, was der bessere Weg ist, wobei – wie erwähnt – im Bereich der Empfehlungen der zweitbeste auch begangen werden darf, ohne dabei zu sündigen. Klares zwingendes Recht treffen wir im folgenden Vers 10 an. Da geht es nicht um eine Empfehlung, sondern um ein zwingendes Gebot des HERRN. Wer es nicht einhält, fällt sofort in Sünde.

Wer den Unterschied von zwingendem und dispositivem Recht im Reich Gottes erkannt hat, fällt weniger schnell in Zwänge. Es gibt ängstliche oder durch falsche Erziehung fehlgeleitete Christen, die glauben, Gott jede Kleinigkeit fragen zu müssen; ob sie beispielsweise einen Apfel essen dürfen. Sie meinen, es sei relevant, ob sie auf der rechten oder linken Seite des Bettes aufstehen. Es sind arme Schafe des HERRN, die, um gewiss jeden Fehler zu vermeiden, sich einem unmenschlichen Stress aussetzen und sich kaum zu rühren wagen, weil ihnen ein falsches Gottesbild vorschwebt. Sie sehen Gott als lieblosen Tyrannen, der nur darauf wartet, jemanden in Sünde fallen zu sehen, um ihn danach zu bestrafen. – Solche Christen sollen wissen, dass es wenige Paragraphen im zwingenden Recht Gottes gibt. Der HERR liess durch den Geist folgendes niederschreiben:

Denn dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.  1.Joh 5,3

Das Recht im Reich Gottes, die Verfassung, Gesetze und Verordnungen des Reiches, sind mit seiner Hilfe (leicht) zu erfüllen. Ohne seine Unterstützung geht das freilich nicht (Mt 19,25.26).

Vers 7

Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.    1.Kor 7,7  

Von Paulus kann gesagt werden, dass er zweifellos wusste, um was es ging im Reich. Er war einer der bestausgebildetsten Menschen des HERRN. Die anderen Apostel verbrachten zwar einige Jahre mit dem Herrn Jesus. Ob sie aber Offenbarungen erhielten, wie sie Paulus hatte, bleibt fraglich. Petrus, Jakobus und Johannes durften zwar mehr sehen als die übrigen; sie waren auf dem Berg der Verklärung (Mt 17), Teilhaber bei der Auferweckung des toten Mädchens (Mk 5,37) und sie durften die Nächsten werden in den Emotionen des HERRN (Mk 14,33), in was ich eine sehr hohe Auszeichnung sehe, wie auch in der Tatsache, dass Johannes die Versorgung von Maria, der Mutter Jesu, übertragen wurde (Joh 19,27). Auch durfte Johannes die Offenbarung niederschreiben, was sehr bezeichnend ist. Jakobus und sein Bruder Johannes, sowie Petrus, hatten eine besondere Stellung unter den Zwölfen, das steht zweifelsfrei fest. Sie symbolisieren die Überwinder, jene Christen, die vor der kommenden grossen Trübsal bewahrt werden, weil sie sich durch ihren Glauben auszeichnen (Lk 21,36 u.v.a.).

Paulus hatte zweifelsfrei auch eine besondere Stellung unter den Aposteln. Er zeichnete sich nicht durch besonderen Unglauben aus, wie Thomas (Joh 20,27). Paulus wurde in den dritten Himmel entrückt (2. Kor 12,2) und hörte dabei Dinge, die auszusprechen einem Menschen nicht zusteht. Seine Offenbarungen waren so ausserordentlich, dass er – trotz des Wissens, dass es sich nicht geziemt, sich zu überheben – von einem Engel geschlagen wurde, um genau das, eine Selbstüberhebung, zu verhindern (2. Kor 12,7). Wenn also jemand fähig ist, Christen betreffs des Weges Gottes zu unterweisen, wer könnte das besser tun als Paulus? – Nicht umsonst liess ihn der HERR so viele Bücher der Schrift, welche den Neuen Weg näher erklären und das Neue Testament ausführlich darlegen, niederschreiben und sie Bestandteile der Bibel werden.

Dieser von Gott hochgeehrte Paulus schreibt in unserem Vers: „Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich … .“ Er wusste, dass es für den Dienst des HERRN oder auch allgemein besser war, so zu sein, wie er, nämlich unverheiratet. Er räumt aber mit dem zweiten Teil des Verses ein, dass es nicht allen in der gleichen Weise gegeben ist, zu sein, wie er war.

Daraus können wir ableiten, dass solche, die durchaus gut alleine leben können, sich nicht um einen Ehepartner bemühen sollten, nur weil heiraten in ihrem Umfeld gerade ein Trend ist oder als besonders statthaft angesehen wird. Andere, die glauben, heiraten zu müssen, sollen sich durch diese Ausführungen des Paulus nicht gänzlich davon abhalten lassen: Sie sollen heiraten, nur im HERRN soll es geschehen. Heiratswillige sollen aber auch im Vorfeld die „Kosten“ dafür überschlagen: Mit einer Heirat gehen sie eine lebenslange Obligation (Verpflichtung) ein, wobei der HERR darauf achtet, dass sie auch gehalten wird. Der Ehepartner ist auch dann zu lieben, wenn er nicht mehr so gesund, begehrenswert und frisch ist wie mit fünfundzwanzig Jahren (Kol 3,19; Tit 2,4). Amen.

Vers 8

Ich sage aber den Unverheirateten und den Witwen: es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 1.Kor 7,8  

Paulus bestätigt durch den Geist die Schlussfolgerung aus dem vorangehenden Kommentar. Solche, die durchaus gut alleine leben können, sollen sich nicht um einen Partner bemühen.

Auch wenn diese Verse und Kommentare fast ehefeindlich erscheinen: Gott ist nicht gegen die Ehe, sondern für sie. Ehelosigkeit wird empfohlen, weil wir in unserem Zustand der Schwäche uns möglichst ohne Ballast in die Umwandlung und Leiden des HERRN begeben sollten, welche alle aufrichtigen Christen durchmachen. Jeder Mensch, der zu Gott kommt, wird zu einem schönen Edelstein geschliffen. Das Entfernen der „eitrigen Stellen“ – wer kann von sich sagen, er sei ohne Sünde? – an unserem Körper verursacht Schmerzen. Der Christ ist genügend mit sich selbst beschäftigt, wenn er sich voll dem Prozess der Heiligung hingibt, ohne die niemand den HERRN schauen wird (Heb 12,14). Wenn er zusätzlich zu diesem Prozess noch eine Ehe führt und Kinder hat, was zweifelsfrei eine schöne aber auch sehr verantwortungsvolle Aufgabe ist, kann alles zusammen viel und beschwerlich werden.

Liebe Leserin und lieber Leser! Es ist klar, dass der HERR die Ehe nicht verbietet. Er möchte uns aber keinesfalls überlastet sehen, denn die Heiligung, der Gehorsam und die Erneuerung des Sinnes sind zwingende Voraussetzungen für die Qualifikation, ins Reich eingehen zu dürfen. Wer zusätzlich noch eine Ehe führen will, soll sich einfach im Klaren sein, was das heisst. Die Männer sollen nicht glauben, die Ehe sei ausschliesslich die Erlaubnis für den so sehr begehrten geschlechtlichen Verkehr mit der Frau und die Lösung aller Sehnsüchte. Gleichwohl sollen die Frauen darüber nicht denken, das männliche Gegenüber sei der Prinz ihrer Träume, welcher alles Verlangen nach Geborgenheit und dem Begehrt-Werden stillt. – Liebe Männer, was ist, wenn die Lust Eurer Augen, Eure Angebetete, sich nur einmal in drei Monaten ein Zusammenkommen mit Euch wünscht? Oder wenn sie durch eine Krankheit oder einen Unfall nie mehr „kann“? – Was ist mit Euch Frauen, wenn sich der vermeintliche Prinz als Normalbürger entpuppt, der wenig in der Küche hilft, und Euch das Gefühl gibt, in der Kindererziehung allein gelassen, ausgebeutet und nur körperlich benutzt zu sein? – Die Ehe ist nicht allein eine Spielwiese für körperliches Zusammensein bzw. eine Märcheninsel, die alle Sehnsüchte in Erfüllung gehen lässt!

Paulus will uns durch den Geist des HERRN vor unüberlegten Handlungen schützen, die weitreichende Folgen haben. Die Ehe ist ein Gefäss, das grosse Verantwortlichkeiten nach sich zieht, zusätzliche folgen noch mit Kindern. Denken Sie nur schon an das Zittern und Bangen um die Kinder, wenn sie in der Pubertät die Welt „riechen“. Oder ist es Ihnen egal, wenn die eigene Nachkommenschaft verloren geht? Wie stehen Sie dann im Leben, wenn der Partner völlig anders ist, als vor der Hochzeit eingeschätzt, die Kinder sich nicht so verhalten, wie Sie es wünschen und Sie gleichzeitig unter Schlägen des HERRN leiden, weil Sie sich selbst noch nicht so verhalten im Reich, wie es der Hausherr will (Heb 12,6)? – Aus Erfahrung mit vielen Menschen kann ich es Ihnen heutzutage bezeugen: All diese Dinge können übermenschliche Dimensionen annehmen, in denen Sie sich wünschen, nie auf die Welt gekommen zu sein, wie es sich sehr bekannte Figuren der Schrift gewünscht hatten (Hiob 3; Jer 20,14).

Es liegt mir fern, schwarz zu malen. Es gibt durchaus gute Ehegemeinschaften und vom HERRN gesegnete Familien. Mit diesem Kommentar beabsichtige ich nur schonungslos die Möglichkeiten aufzuzeigen, die durch die berühmte „rosarote Brille“, dem Blick der Verliebten, ausgeblendet werden. – Wenn Sie glauben, nicht ohne Partner leben zu können, sollen Sie besonders in dieser Sache mit dem HERRN arbeiten! Das Leben ist beschwerlich genug; laden Sie sich nicht unnötige Leiden auf! Der HERR weiss am besten, wer zu Ihnen passt! Ausserdem hilft auch der HERR beim Wunsch nach einem Gegenüber, da müssen wir nicht den Weg des Eigendünkels beschreiten, wie geschrieben steht:

Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden und hat Wohlgefallen erlangt von dem HERRN.  Spr 18,22 

Half der HERR nicht persönlich mit, eine Frau für Isaak zu finden (1. Mo 24,12-27)? Der HERR ist für die Ehe, sehr sogar; Er möchte aber nicht, dass wir Illusionen verfallen oder an Überbelastungen zugrunde gehen. Amen.

Gesagt muss an dieser Stelle noch werden, dass sich bereits verheiratete Paare ja nicht aufgrund dieser Verse scheiden lassen sollen! Ehepaare dürfen sich nicht nach pseudofrommer Manier scheiden, mit den Vorwand, dem HERRN danach besser dienen zu können! So absurd das klingt: Es gibt Paare, die solche Beweggründe als Scheidungsgrund angeben! Scheidungen sind nicht gottgewollt und somit Sünde (Mt 19,6)! Sollen wir sündigen, um Gott zu dienen?

Was nun Gott zusammengefügt hat, soll <der> Mensch nicht scheiden.     Mk 10,9 

Eine Ehe ist eine gegenseitige Verpflichtung für das ganze Leben. Die Verpflichtung erlischt erst mit dem Tod des Gatten bzw. der Ehefrau.

Vers 9

Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten, denn es ist besser, zu heiraten als <vor Verlangen> zu brennen.     1.Kor 7,9 

Mit diesem Vers spricht Paulus eine Empfehlung aus. Wie wir wissen, gehören Empfehlungen nicht zu den zwingenden Geboten, wie die über das Töten, Lügen oder das Ehebrechen. Paulus spricht hier über einen besseren Weg, der über einem anderen, immer noch gangbaren, steht.

In der heutigen Zeit des totalen Individualismus und sehr starken Ich-Bezugs gelten Empfehlungen nicht mehr viel. Stehen sie mit einem eigenen Wunsch im Widerspruch, werden sie sehr schnell abgetan. Die Menschen sind Weisen gegenüber geworden wie Kleinkinder, die jetzt, sofort und unmittelbar ihre Schokolade essen wollen, fünf Minuten vor dem gesunden Mittagessen. Erst wenn sie fett und durch den Vitaminmangel krank geworden sind, räumen sie eine kleine Möglichkeit ein, der Ernährungsberater hätte mit der Empfehlung zur gesunden Ernährung vielleicht doch Recht gehabt.

An dieser Stelle gibt uns ein Weiser, Paulus, durch den Geist des Allmächtigen, welcher der Ursprung der Weisheit ist, Ratschläge. Wir tun gut daran, sie zu beherzigen, wie die Königin von Saba damals gut tat, sich die Weisheit Salomos zu Gemüte zu führen. Der HERR wertschätzt das Hören auf die göttliche Weisheit:

Eine Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist hier.     Mt 12,42 

Unser Vers besagt, dass Christen, die glauben, heiraten zu müssen, heiraten sollen. Es würde ihnen nichts bringen, wenn sie sich selbst vornehmen, in dieser Sache um des HERRN willen stark sein zu wollen und sie in der Folge das in ihnen brennende Verlangen nach einem Partner einfach unterdrücken. Jemandem, dem es nicht gegeben ist, allein zu sein, ist nicht stark genug, aus eigenem Willen unverheiratet zu bleiben. Eine solche Person wird ihr Leben lang mit dem Verlangen zu kämpfen haben. Daher sollen solche Menschen ob solcher Verse der göttlichen Empfehlung aufmerken, nicht die Helden spielen und heiraten. Sie sollen die demütigende Tatsache einfach hinnehmen, dass sie, wenn sie es nicht tun, vor Verlangen brennen und immer wieder mit der Gefahr konfrontiert sein werden, in Unzucht zu fallen. Amen.

Vers 10

Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau sich nicht vom Mann scheiden lassen soll     1.Kor 7,10  

Mit diesem Vers schwenkt das Wort weg vom Wahlrecht. Das Wahlrecht erlaubt, wie der Name schon sagt, zu wählen. Es gibt im Leben eine Auswahl von Wegen, die wir gehen können: Optimale und zweitrangige, wobei letztere aber immer noch vom HERRN toleriert werden. Daneben gibt es Rahmengebote, die von allen zwingend eingehalten werden müssen. Bricht man sie, fällt man in Sünde.

Paulus macht an dieser Stelle deutlich, dass er an dieser Stelle vom Wahlgebot (V6) wegschwenkt. Dieser Vers beschreibt absolut zwingendes Recht. Der HERR gebietet, dass sich eine Frau nicht vom Mann scheiden lassen soll. Dazu gibt es nichts weiter zu schreiben, wie es da steht, ist es zu befolgen. Dass es auch für den Mann gilt, ist durch bereits zitierte Verse bekannt (Mk 10,9). Die alttestamentliche Möglichkeit, um sich scheiden lassen zu „dürfen“, wurde im Neuen Testament gänzlich aufgehoben und als letzte Möglichkeit, wegen unserer Bosheit, für damals als „geduldet“ taxiert (Mt 19,8). Die Möglichkeit zur Scheidung gab es jedoch weder vor dem Gesetz, noch im Zeitalter danach. Ein Zurückgehen zum Gesetz, vor allem darum, um sich die Freiheit zur Scheidung zu nehmen, kann als doppelt törichte Handlung bezeichnet werden. Erstens ist es grundsätzlich töricht, zum Gesetz zurückzukehren (Gal 3,1.2). Zweitens war die Ehe von Anfang an eine Gemeinschaft fürs Leben, vor dem Gesetz, während dem Gesetz und danach, wie wir aus dem erwähnten Vers (Mt 19,8) sehen. Der Scheidebrief offenbart uns nur die Härte der Herzen unter Mitgliedern des Volkes Gottes! Menschen, die es von Herzen besser machen sollten als die Nationen, greifen danach, um zu zeigen, wie hart ihre Herzen – trotz göttlicher Begleitung – sind! Wie demütigend und traurig ist diese Tatsache doch für Gottes Volk! Auch heute, im Neuen Testament, beschäftigen sich verheiratete Christen mit Gedanken über eine erwogene Scheidung. Was heute im Verborgenen, in Gedanken, abgeht, machte der „erlaubte“ Scheidebrief im Alten Testament offenbar: Die Härte des Herzens, welche nicht einer der Eigenschaften Christi entspricht. – Der HERR erlässt hier ein Gebot gegen die Scheidung! Amen.

Vers 11

- wenn sie aber doch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann – und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse.    1.Kor 7,11   

Der Mann hat sich ebenso nicht von der Frau scheiden zu lassen, wie es der Frau explizit nicht gestattet ist. Interessant an dieser Stelle ist, dass der HERR keine weiteren Kompromisse offen hält, selbst nicht um unserer Schwachheit wegen. Die Möglichkeit zur Ehe lässt er um der Unzucht willen offen. Hat jemand geheiratet, sich aber später vom Ehepartner getrennt, gibt es keine weiteren Zugeständnisse des HERRN. Getrennte oder geschiedene Paare dürfen sich nicht mit neuen Partnern zusammen tun. Im geschiedenen Stand ist die einzige Möglichkeit zur Zweisamkeit für Mann und Frau die Rückkehr zum Ehepartner. – So altertümlich oder „eng“ das in den Augen einiger klingen mag: Niemand soll sich deswegen bei mir beschweren!, es ist ein Gebot des HERRN! Amen! – Wie wir wissen sind die Gebote nicht gegen den Menschen sondern für ihn. Mit den göttlichen Geboten wird er in Bahnen geführt, die optimal für individuelles Leben bzw. kollektives Zusammensein sind.

Die Ehe ist dem Verlangen des Fleisches übergeordnet. Es ist daher nicht statthaft, als geschiedener Partner, um des Verlangens willen, einen anderen zu heiraten. Wie ich in meinen Schriften schon oft erwähnt habe, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, weiss ich auch aus Erfahrung, dass es Ehen gibt, in denen ein Partner um Leib und Leben fürchten muss. Ich sage nicht, dass der HERR verlangt, dass jemand um der Ehe willen sein Leben lassen soll. Flüchtet ein solcher Partner vor der rabiaten Partei, soll er aus Respekt vor der Ehe alleine bleiben. – Hurt die eine Partei, so ist die andere nicht mehr gebunden, sie ist frei, sich wieder zu verheiraten. Ein Hurer bzw. eine Hure bricht die Ehe mehrmals vorsätzlich; der andere Partner ist dabei nicht mehr durch ein Band der Ehe gebunden. Er darf sich wieder verheiraten (Mt 5,32). Der HERR bindet uns nicht an jegliche Willkür der Menschen.

Vers 12

Den übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder eine ungläubige Frau hat und sie willigt ein, bei ihm zu wohnen, so entlasse er sie nicht.    1.Kor 7,12 

Paulus gibt uns als geistlicher Mensch folgende Weisung: Wenn ein Christ eine ungläubige Partnerin hat, der es nichts ausmacht, dass ihr Partner Christ ist und er als solcher leben möchte, ist es ihm nicht gestattet, die Frau mit dem Vorwand, sie sei nicht gläubig, zu entlassen. Es ist ihm überhaupt nicht gestattet, sich von ihr zu scheiden. Diese Weisung gilt auch für Christinnen, wie es aus den Versen 13 und 15 ersichtlich ist. Sind sie mit einem ungläubigen Mann verheiratet, der sich nicht von ihnen trennen will, so dürfen sie ihn nicht entlassen.

Ich glaube nicht, dass ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass für einen gläubigen, unverheirateten Menschen, der heiraten will, ausschliesslich ein gläubiger Partner in Frage kommt. Wir haben uns nicht willentlich mit den Nationen zu vermischen! Ausserdem ist es sehr schwer, eine Ehe zwischen Partnern mit völlig unterschiedlichen Zielen zu führen! – Wie soll das gehen, wenn der eine auf das Irdische setzt, währenddessen die andere Partei auf das Himmlische sieht? Solche Gemeinschaften gleichen einer Firma, deren Abteilungen nicht nach dem Ziel der Geschäftsleitung arbeiten. Die Geschäftsleitung hat beispielsweise beschlossen, in ihrer Branche in Sachen Qualität die Marktführerschaft zu übernehmen. Die Einkaufsabteilung kauft jedoch, entgegen der Vision der Direktion, nach dem Ziel ein, das jeweils billigste Produkt zu ergattern, nach der Vision der Kostenführerschaft. – Die Alleingänge der jeweiligen Abteilungen verunmöglichen es dieser Firma, sich zu positionieren. Sie wird sich weder in der Kostenführerschaft noch als Messlatte für Qualität positionieren können und einfach ein durchschnittlicher Hersteller unter vielen in ihrer Branche bleiben.

Irren wir uns nicht, liebe Leserinnen und Leser! Soweit, dass ein Partner gläubig ist und der andere nicht, darf es nur kommen, indem sich jemand unter zwei ungläubigen und bereits verheirateten Parteien zum HERRN wendet! Niemals soll befürwortet werden, dass Christen Ungläubige heiraten! Als ältere Geschwister tragen wir Verantwortung für unsere Jugend! Wir sollen es nicht billigen, wenn junge Menschen aus unseren Reihen ungläubige Partner suchen! Eine Ehe kann ohnehin schwer sein, wie wir jetzt wissen; sollen wir tatenlos mitansehen, wenn sich unsere Jugend mit praktisch unlösbaren Aufgaben befasst? – Es ist mir klar, dass wir dabei auf Granit beissen können, vor allem dann, wenn wir bereits ineinander verliebte Menschen diesbezüglich ermahnen wollen. Deshalb ist es wichtig, dass wir unseren Nachwuchs hierüber unterweisen, bevor die Partnersuche beginnt. Amen.

Vers 13

Und eine Frau, die einen ungläubigen Mann hat, und der willigt ein, bei ihr zu wohnen, entlasse den Mann nicht.    1.Kor 7,13  

Der vorausgegangene Kommentar zum Vers 12 gilt in der gleichen Weise, wie bereits erwähnt, für diesen Vers 13. Was für den Christ gilt, gilt auch für die Christin. Der ungläubige Teil in einer Ehe darf nicht aufgrund seines Unglaubens entlassen werden. Die Ehe ist mit allen Mitteln zu schützen. – Wieso die Ehe in dieser besonderen und sehr schwierigen Form mit allen Mitteln zu schützen ist, entzieht sich meinem jetzigen Kenntnisstand. Schliesslich ist eine solche Ehe von aussen gesehen nicht förderlich für den gläubigen Teil. Und wer weiss schon, ob nur durch das Zusammenbleiben, das dem gläubigen Teil sehr viel abverlangen kann, der ungläubige Partner gerettet wird (V16)? Der HERR, der alles vermag, hat doch für Ungläubige andere und einfachere Möglichkeiten! – Erklären kann ich mir es momentan nur durch die Aussage des „Bildes“ der Ehe und um der Kinder wegen, welche eine Ehe in der Regel hervorbringt. Der nachfolgende Vers geht darauf noch näher ein.

Aus dieser Passage der Heiligen Schrift geht einmal mehr hervor, wie sehr der HERR Wert auf eine intakte Ehe legt. Eine Ehe darf nur der Tod scheiden oder aufgrund von Hurerei (fortwährender Ehebruch) zu Lebzeiten aufgelöst werden (Mt 5,32; 19,9). – In meinen Augen ist es daher kein Wunder, dass der Satan die Menschen gerade bezüglich der Ehe anhält, sie als praktisch wertlos zu betrachten. Und die bösen Mühen des Feindes und seiner Gefolgschaft scheinen bereits ebensolche verwerflichen Früchte zu bringen: Viele im Konkubinat lebende Menschen und andere sagen geringschätzig über die Ehe, sie sei nur ein auf dem Papier bestätigtes Konkubinat, was einer sehr bösen Aussage gleichkommt. Diese Auffassung über die Ehe ist Lichtjahre von jener Gottes entfernt! Heutige Paare geben ihrem Zusammensein nicht einen Bruchteil des Wertes, welcher Gott einem sich gefundenen und geschlechtlich zusammengekommenem Paar (Mann und Frau*) gibt. Die Hälfte – und bald sind es schon mehr – der geschlossenen Ehen werden wieder geschieden. Satan und seine Gehilfen wollen der Menschheit mit aller Kraft weis machen, dass Gott mit der Ehe etwas geschaffen hat, das nur ein romantischer Wunsch, aber total realitätsfremd ist.

Was wollen Sie mit Ihrer Ehe zeigen bzw. unterstützen, liebe Leserin und lieber Leser? Unterstützen Sie damit den beleidigenden Vorstoss Satans oder halten Sie sie in Ehren nach dem Sinne Gottes? Nehmen Sie es sich als hohes Ziel vor, ihren Partner zu lieben (Eph 5,28; Tit 2,4), - es wird Ihnen so viel leichter fallen, eine gottgefällige Ehe zu führen! Amen.

*Homosexuelle Partnerschaften gelten vor Gott nicht als Ehegemeinschaft. Sie sind vielmehr von Gott verworfen und stellen Sünden im gleichen Schweregrad dar, wie Gotteslästerung und Mord (3. Mo 18,23; 20,13!; Rö 1,26-28). Der Vers im 3. Mo 20,13 setzt den Schweregrad der Sünde. Jede Sünde ist zwar ein gleicher Verstoss im Blick auf die reine Übertretung des Gesetzes. Das Stehlen eines Kaugummis im Supermarkt ist eine Gesetzesübertretung, wie es das vorsätzliche Morden ist. Der Schweregrad ist aber nicht derselbe vor dem Gesetzgeber. Gott ahndet Diebstahl nicht in derselben Weise wie Mord. Nicht einmal die ungläubigen Nationen machen solches. – Die unterschiedlichen Schweregrade der Übertretungen müssen zwingend auch in der Schriftauslegung berücksichtigt werden. In der Schrift wird unter anderem zwischen Todsünden und weniger schwer wiegenden Sünden unterschieden. Homosexualität ist in den Augen Gottes eine sehr schwer wiegende Sünde, sie fällt in die Kategorie „Todsünde“, wie Mord, Gotteslästerung, Ehebruch, Verführung zum Abfall und Sodomie. Diese Aufzählung ist nicht abschliessend. In der Zeit des Neuen Testaments, in der wir leben, muss bei praktizierter Homosexualität, wie bei allen Sünden, die im Alten Testament mit der Todesstrafe geahndet wurden, immer ein Gemeindeausschluss erfolgen, sofern der oder die Betroffenen nach zwingend erfolgten zwei Ermahnungen (siehe Mt 18,15-17) sich nicht zum HERRN zurückwenden und die ausgeübte Sünde in Zukunft unterlassen. – Wer glaubt, diese Weisung gehe zu weit, ist immer noch stark vom weltlichen Humanismus durchdrungen. Solche Christen sollen wissen: Der Geist Gottes geht in der Verurteilung dieser Vergehen noch weiter, indem er durch Johannes niederschreiben lässt, dass für Menschen, die Todsünden vollbringen, nicht einmal zum Gebet animiert werden soll (1. Joh 5,16)!

Vers 14

Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.    1.Kor 7,14  

Gott ist heilig. Er ist ausgesondert (vom Bösen, Unreinen) und absolut fleckenlos. – Dieser Vers sagt aus, dass der gläubige Partner in der Ehe den ungläubigen fähig macht, eine legitime und reine Ehe vor Gott zu führen. Die Reinheit des gläubigen Teils hat eine so kräftige und reinigende Wirkung, dass sie die Unreinheit überflügelt, sodass selbst die Kinder heilig sind. Die reinigende Wirkung des gläubigen Teils hat also eine solche Kraft, dass der ungläubige Partner geheiligt ist und die Kinder heilig sind! – Das ist sehr, sehr eindrucksvoll, weil es sonst in der Regel umgekehrt der Fall ist. Gewöhnlich ist die Regel jene der Natur, dass „der faule Apfel den gesunden ansteckt.“ So verhält es sich einfach, wie geschrieben steht:

Tote Fliegen lassen das Öl des Salbenmischers stinken und gären. Ein wenig Torheit hat mehr Gewicht als Weisheit <und> Ehre. –   Pred 10,1  

So verhält es sich auch in den Dingen Gottes unter den Menschen:

11 So spricht der HERR der Heerscharen: Bitte doch die Priester um Weisung über folgendes:    12 Wenn jemand heiliges Fleisch im Zipfel seines Kleides trägt und mit seinem Zipfel Brot oder Gekochtes oder Wein oder Öl oder irgendeine Speise berührt, wird das <dadurch> heilig? Und die Priester antworteten und sprachen: Nein.
13 Darauf sagte Haggai: Wenn jemand, der sich an einer Leiche verunreinigt hat, dies alles berührt, wird es <dadurch> unrein? Und die Priester antworteten und sprachen: Es wird unrein.    14 Da antwortete Haggai und sprach: So ist dieses Volk und so diese Nation vor mir, spricht der HERR, und so ist alles Tun ihrer Hände. Und wo sie etwas <als Opfer> darbringen, unrein ist es!     Hag 2,11-14  

Brot, Gekochtes, Wein, Öl oder sonst irgendeine Speise werden durch die Berührung mit heiligem Fleisch nicht automatisch auch heilig. Umgekehrt schon; ein unreiner Mensch verunreinigte alles, was er berührte im Alten Testament. Ein unreines Volk brachte somit unreine Opfer dar vor dem HERRN. So verhält es sich in geistlicher Sicht auch heute: das Gebet des Gottlosen ist Gott ein Gräuel!

In der Ehe lässt der HERR grossartige Gnade wirken: Damit der gläubige Partner nicht auf verlorenem Posten steht und durch den ungläubigen Teil verunreinigt wird, hob der HERR dieses Prinzip auf und kehrte es um. Damit schuf der HERR die Grundlage, dass eine Ehe fortgeführt werden kann, wenn bei zwei ungläubigen Partnern einer zum HERRN findet.

Dieses Geheiligt-Werden ist nicht gleichzusetzen mit Errettet-Werden. Das sehen wir im folgenden Vers 16. Der ungläubige Partner ist damit nicht vor dem kommenden Zorn errettet. Er ist „nur“ in die Lage gebracht, dass er die Ehe mit dem gläubigen und gänzlich gereinigten Partner weiterführen darf, ohne vom HERRN verzehrt zu werden, der im gläubig gewordenen Wohnung gemacht hat. Auch die Kinder von Ehepaaren, bei denen mindestens ein Teil gläubig ist, geniessen bereits Vorrechte. Sie dürfen als für Gott ausgesonderte Menschen, also heilig, aufwachsen. Von der Entscheidung, für oder gegen Gott zu sein, sind natürlich auch sie nicht ausgenommen. Diese muss jeder Mensch in der Selbstverantwortung fällen, da ist niemand ausgenommen, ganz egal, wie er aufgewachsen ist bzw. was für Eltern er hatte. Amen.

Vers 15

Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen <Fällen> nicht gebunden; zum Frieden hat uns Gott doch berufen.     1.Kor 7,15 

Wenn sich der Ungläubige Teil des Ehepaares scheiden will, so soll er es tun. Gott bindet die gläubige Partei, obschon die Ehe sehr wichtig ist, nicht an jegliche Willkür. Deshalb steht auch so einfach da, dass, wenn der ungläubige Partner gehen will, er das „einfach so“ tun kann, quasi, dass es niemandem (auch Gott) etwas ausmacht. Das „einfach so“ steht nicht im Sinne da, es sei dem HERRN einfach egal; es steht dafür da, dass der gläubige Ehepartner nicht daran verzweifeln soll. Der gläubige Partner ist aber nicht Drohungen oder Reizungen der anderen Partei ausgeliefert, die darauf hinauslaufen, mit einer Scheidung zu drohen. Eine angedrohte Scheidung soll für den gläubigen Teil nicht ein Druckmittel darstellen: Vom HERRN her ist der Gläubige frei, sich wieder zu verheiraten, wenn der Ungläubige meint, er fahre mit einer Scheidung besser im Leben. Der Bruder oder die Schwester ist in einem solchen Fall nicht weiter an Ehepflichten gebunden.

Vers 16

Denn was weisst du, Frau, ob du den Mann erretten wirst? Oder was weisst du, Mann, ob du die Frau erretten wirst?  1.Kor 7,16 

Dieser Vers soll uns von dem Irrglauben befreien, mit allen Mitteln eine Form (z.B. die Ehe) wahren zu wollen, indem wir dabei glauben, wir seien für die Errettung einer anderen Person voll verantwortlich. Es ist und bleibt offen bei Ehepaaren, in denen ein Teil gläubig ist und der andere nicht, ob sich die andere „Hälfte“ erretten lassen will (gläubig wird) oder nicht. Wir dürfen uns deren Errettung nicht zur selbstauferlegten und schweren Lebensaufgabe machen, auch wenn es nach aussen sehr edel erscheint. Ist der andere Partner sein Leben lang nicht bereit, Christus anzunehmen, dann haben wir, wenn wir es trotzdem tun, unser Leben in der Illusion, jemanden erretten zu können, gelebt und müssen dann am Ende merken, dass wir – statt wirkungsvollen Aufgaben nachgegangen zu sein – unser Leben für nichts verschwendet haben.

Diese Verse geben uns Christen nicht die Freiheit, uns von ungläubigen Partnern scheiden zu lassen; sie sagen nur aus, dass, wenn sich der ungläubige Teil scheiden lassen will, er es halt tun soll. Wir sollen erstens daran nicht verzweifeln und zweitens sind wir im Nachhinein nicht weiter an das Ehegelübde gebunden; „zum Frieden hat uns Gott doch berufen“, nicht zur Sklaverei. Amen.

Vers 17

Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er; und so verordne ich es in allen Gemeinden.    1.Kor 7,17  

Die folgenden acht Verse, diesen eingeschlossen, habe ich lange nicht verstanden. Das grösste Fragezeichen hatte ich beim Vers 21. Die meisten Bibelübersetzungen sagen dazu, Paulus habe sich dort „verkürzt“ ausgedrückt, dass der Sinn nicht eindeutig herauszulesen ist. Es könne das eine, aber auch genau das Gegenteil bedeuten, ist die Konklusion der Übersetzer.

So habe ich den hier erklärten Sachverhalt zu verstehen versucht, indem ich nach den Grundregeln zum Verständnis der Schrift die Aussage mit dem Kontext des Kapitels des Buches und der gesamten Schrift zu verstehen suchte. – Doch widmen wir uns jetzt dem Eingangsvers dieser Textpassage, welche über den Stand des Christen spricht. „Doch wie der Herr einem jeden zugeteilt hat, wie Gott einen jeden berufen hat, so wandle er; und so verordne ich es in allen Gemeinden.“ Damit haben wir eine allgemein und für alle Christen verbindliche Aussage; sie gilt für alle Gemeinden. Ob jemand als Jude (in der Beschneidung) oder als Heide (als Unbeschnittener) berufen wird, spielt keine Rolle, er soll in dem Stand bleiben. Was bedeutet das konkret auf unsere Gesellschaft gemünzt? Werde ich als Auszubildender geboren, soll ich mein Leben lang Lehrling bleiben? Oder muss ich meiner Branche, in der ich wo ich Christ wurde arbeitete, ein Leben lang treu bleiben? – Ich meine nicht. Gott ist sehr für die Entwicklung eines Menschen. Er möchte, dass wir während unseres Lebens den Sinn völlig umwandeln, sodass wir Ihm, Christus, gleich werden. Wir haben uns in der sozialen Kompetenz, überhaupt in unserem ganzen Sein, während unseres Lebens viel mehr zu steigern, als in jeder Ausbildung, die uns die Welt anbieten kann. Das Vorher (ungläubiger Mensch) und das Nachher (fertig gereifter Christ) unterscheidet sich wie Tag und Nacht, es sind zwei völlig gegensätzliche Dinge in denen wir es, mit der Hilfe des HERRN, von der einen Seite zur anderen schaffen sollten.

Wir können also sagen, dass der HERR nicht gegen Persönlichkeitsentwicklung ist, vielmehr befürwortet und fördert er sie sehr (Spr 23,19). Der HERR spricht hier also nicht gegen eine Entwicklung; doch in was, ist denn hier gemeint, sollen wir bleiben? – Wir sollen in dem bleiben, „wie der HERR einem jeden zugeteilt hat, wie der HERR einen jeden berufen hat.“ Unsere Berufung kann eine „zum König“ sein, auch wenn wir noch am „Schafe hüten“ sind, um es am Beispiel von David zu veranschaulichen. David war zum Königtum über Israel berufen, dass wusste man längst im Voraus (1. Sam 23,17). An diese Berufung glaubte David nicht immer; während die Bedrängnis (zu) stark wurde, fing er an, daran zu zweifeln und glaubte an frühzeitigen Tod anstelle ihrer Erfüllung (1. Sam 27). David glaubte nicht mehr an die Erfüllung seiner Berufung, liess sie fahren und lief zu den Philistern über, um sein Leben zu retten. Er verliess sein „Beschnitten-Sein“, also unter allen Umständen ein Israelit unter Israeliten zu sein, und ging unter die „Unbeschnittenen“. – Menschen sind Weltmeister im Verdrängen und dem Ausweichen zu Ersatzhandlungen. Plötzlich, wenn im zugeteilten Bereich eine unangenehme Aufgabe ansteht, erinnert man sich daran, dass doch der Frühlingsputz ansteht, welcher zwar auch nicht angenehm zu erledigen ist. Im Blick auf die anstehende Aufgabe ist er aber um einiges leichter zu bewerkstelligen. Die einen sehen in sehr unangenehmen Aufgaben auch das Ende eines Lebensabschnittes und schreiben sich bei einem Lehrgang ein, um etwas völlig Neues anzureissen und das andere unerledigt zu lassen mit der Entschuldigung, eine „höhere“ Aufgabe anpacken zu müssen.

Liebe Leserinnen und Leser! Lassen Sie uns nicht in Ersatzhandlungen flüchten oder in Bereiche zu wechseln, in denen uns unsere Umwelt gerne sähe, aber nicht Gottes Plan entsprechen, uns aber vordergründig leichter zu fallen scheinen! Bleiben wir in der Berufung, in der wir berufen worden sind. Und: Wir dürfen uns darin vom Lernenden zum Meister entwickeln. Amen.

Vers 18

Ist jemand beschnitten berufen worden, so bleibe er bei der Beschneidung; ist jemand unbeschnitten berufen worden, so lasse er sich nicht beschneiden.  1.Kor 7,18  

Im Textzusammenhang gesehen, sehen wir an dieser Stelle immer wieder das Element der Entlastung. Christen müssen nicht zu weiss-ich-nicht-was Menschen mutieren. Es gibt Geschwister, die glauben nur Einfluss zu haben, wenn sie sich in die Landesregierung wählen lassen und tun alles dafür, dorthin zu gelangen. Andere glauben, sie müssten unbedingt einen akademischen Grad erreichen, um etwas als Christen zu sagen zu haben, je nachdem, was gerade im Umfeld „angesagt“ ist. – So denkende Menschen haben Gottes Aufnahme ins Reich missverstanden, ansonsten wären alle Christen in den Gefängnissen dieser Welt nicht mit denselben Chancen gesegnet, dem Vater zu gefallen und im Reich zu dienen, wie diejenigen haben, die frei sind.

Ein Christ soll auch nicht danach trachten, Jude zu werden. Als gläubiger Jude ist er nicht mehr vor dem HERRN, wie er als Gläubiger aus den Nationen darstellt, wie geschrieben steht:

Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern <der> durch Liebe wirksame Glaube.    Gal 5,6 

Israel orientierte Freikirchen machen teilweise – leider kann ich es nicht anders nennen – ein grosses Theater um die jüdische Abstammung und ihrer alttestamentlichen Lehre. Und wenn sich ein Jude zum Glauben bekehrt, geben sie ihm einen speziellen Namen, wie beispielsweise „Messianischer Jude“. – Ich frage mich ernsthaft, was dieser Unsinn soll und ob in solchen Gemeinden die Bibel ernsthaft gelesen wird. Steht denn nicht ausdrücklich geschrieben, dass die jüdische Abstammung, die Abstammung nach dem Fleisch, im Gegensatz zur Abstammung nach dem Geist, wie nichts ist? Steht das nur in meiner Bibel so ausdrücklich geschrieben?

16 Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir <ihn> doch jetzt nicht mehr <so>.
17 Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.     2.Kor 5,16-17 

15 Denn weder Beschneidung noch Unbeschnittensein gilt etwas, sondern eine neue Schöpfung.   
16 Und so viele dieser Richtschnur folgen werden, Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes!   
17 In Zukunft mache mir keiner Mühe! Denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leib.    Gal 6,15-17 

Der Drang, zurück zum Gesetz zu gehen und die jüdischen Bräuche als gross zu werten, welche zweifelsfrei während der gegebenen Zeit (von Moses bis zu Johannes dem Täufer; Lk 16,16) absolute Berechtigung hatten, ist heute in Israel orientierten Gemeinden leider wieder hoch. Dort hat man nicht erkannt, dass Christen dem Gesetz gestorben sind. Wird ein Jude Christ, stirbt er dem Gesetz und auch damit allen Traditionen und Bräuchen seiner Väter. Er wird zu einem reinen Christen und nicht zu einer besonderen Art, welche den Namen „Messianischer Jude“ trägt. Paulus sagt von seinen Vorzügen, die er als Benjaminiter, Pharisäer und - nach dem Gesetz - Untadeliger hatte, dass er sie für „Dreck“ hält! Wieso wird dieser „Dreck“ heute denn wieder speziell erwähnt und als „messianisch“ betitelt? Was ist da schief gelaufen?

3 Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen,   
4 obwohl auch ich Vertrauen auf Fleisch haben <könnte>. Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch vertrauen <zu können> – ich noch mehr:   
5 Beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebräer von Hebräern; dem Gesetz nach ein Pharisäer;   
6 dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden.   
7 Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten;
8 ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Grösse der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüsst habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne     Phil 3,3-8 

Sollen wir uns immer, wenn es eine Möglichkeit gibt, die Tat Christi zu schmälern und der irdischen Abstammung Auftrieb zu geben, einklinken und im Sinnlosen und Bösen mitmachen? – Spreche ich jetzt gegen Israel bzw. die Juden? – Nein, ich wertschätze Gottes irdisches Volk sehr, so, wie ich das himmlische wertschätze! Ich bin lediglich gegen die Vermischung zweier Lehren, die Gott ebenfalls trennt. Das Gesetz galt bis zur Zeit Johannes‘ des Täufers. Danach löste es der HERR ab und verkündigte die neue Verfassung, jene des Reiches der Himmel (Mt 5-7). Das neue Gesetz forderte auch eine neue Priesterschaft, die alte ist vergangen (Heb 7,12). Wir leben nicht in einem Zeitalter, wo beides nebeneinander her geht, das Gesetz und die Gnade, Leviten und Priester nach der Ordnung des Melchisedek. Ansonsten wäre der Galaterbrief fehl am Platz in der Bibel. – Wieso schaffen Christen heute denn eine dritte Spezies, neben aaronitischen und geistlichen Priestern (Juden bzw. Christen), die „Messianischen Juden“? – Diese Bezeichnung ist eine Torheit, welche Verwirrung und, unter Christen, eine Vermischung mit dem Judentum schafft. Es stellt „neuer Wein in alte Schläuche“ dar. Wie gut das geht, können wir in der Schrift, die in dieser Angelegenheit wohl nicht konsultiert wurde, nachlesen (Mt 9,17).

Vers 19

Die Beschneidung ist nichts, und das Unbeschnittensein ist nichts, sondern das Halten der Gebote Gottes.     1.Kor 7,19 

Mit diesem Vers bringt es Paulus auf den Punkt. Der Stand des Menschen ist völlig unwichtig im Blick auf das Reich! Es ist sehr von Bedeutung, sich dessen bewusst zu sein; das kann Sie, liebe Leserin und lieber Leser, vor vielen Leerläufen bewahren. Wenn Sie sich zum HERRN bekehren, müssen Sie nicht Klischees entsprechen und beispielsweise in die Mission gehen. Auch sollten Sie nicht danach trachten, in der Politik Fuss zu fassen, um so dem HERRN wirkungsvoller dienen zu können, wie einige Unwissende glauben. – Wer hält „das Heft“ in der Hand, wir oder der Allmächtige, der ganze Länder zur Einöde werden lassen kann? – Auch können wir uns nicht durch eigene Leistungen im Reich empor arbeiten, wie wiederum andere denken. Der HERR ist der, der uns berief, der uns fähig macht, welcher uns mit allem Nötigen versorgt und unsere Geschicke steuert! Was, liebe Leserin und lieber Leser, möchten Sie dem HERRN bringen? Oder in welcher Sache möchten Sie Ihm zu Hilfe eilen?  

Wo warst du, als ich die Erde gründete? Teile es mit, wenn du Einsicht kennst!     Hiob 38,4

Wo waren wir Menschen, als Gott die Erde gründete? Was für eine Hilfe könnten wir Ihm sein? Bedenken wir, dass wir morgens nur aufstehen, weil er seinen Geist nicht zurückzieht (Hiob 34,14.15). Wenn wir nun nur schon auf Ihn angewiesen sind, um zu sein, mit was wollen wir Ihm zu Hilfe eilen? – Gott helfen zu müssen, sind lächerliche Gedanken!

5 Wer hat ihre Masse bestimmt, wenn du es kennst? Oder wer hat über ihr die Messschnur ausgespannt?   
6 Worauf sind ihre Sockel eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt,   
7 als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?      
8 Wer hat das Meer mit Türen verschlossen, als es hervorbrach, dem Mutterschoss entquoll,   
9 als ich Gewölk zu seinem Gewand machte und Wolkendunkel zu seinen Windeln
10 und ich ihm meine Grenze zog und Riegel und Türen einsetzte   
11 und sprach: Bis hierher kommst du und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen?      
12 Hast du einmal in deinem Leben dem Morgen geboten? Hast du die Morgenröte ihre Stätte wissen lassen,   
13 damit sie die Enden der Erde erfasse, so dass die Gottlosen von ihr abgeschüttelt werden?   
14 Sie verwandelt sich wie Siegelton, und alles steht da wie ein Kleid;   
15 und den Gottlosen wird ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.      
16 Bist du gekommen bis zu den Quellen des Meeres, und hast du den Urgrund der Tiefe durchwandelt?
17 Sind dir die Tore des Todes aufgedeckt worden, und hast du die Tore der Finsternis gesehen?
18 Hast du auf die Breiten der Erde geachtet? Teile es <mir> mit, wenn du das alles erkannt hast! 
Hiob 38,5-18  

Unser Stand in der Welt ist nichts in Bezug auf das Reich, wir können als Präsident eines Landes oder als Gefangener in einer Zelle dem HERRN gar nichts bieten. Deshalb ist unser Stand so unwichtig! Wir können Ihm weder durch Tat, geschweige denn durch Rat helfen. Oder wollen wir auf die nachfolgende Aufforderung Gottes erwidern: „Ja, Gott, wir wissen, wie du handeln sollst?“ – Gibt es für Menschen, die so antworten wollen, noch eine gesteigerte Form der Selbstüberschätzung?

Gürte doch wie ein Mann deine Lenden! Dann will ich dich fragen, und du sollst mich belehren!   Hiob 38,3  

Wer Gott gefallen will, soll seine Gebote halten. Er soll Gott Recht geben, dass er die Erlösung in Christus braucht. Danach soll er zu Christus kommen und fortan mit Ihm in Demut wandeln. Dieser Wandel schliesst das Tun der Werke, die von Anfang an geschaffen worden sind, mit ein (Eph 2,10). Es sind nicht eigene Werke bzw. Änderungen des Standes gefragt, sondern das Halten der Gebote Gottes. Wenn wir das befolgen, sind wir auf dem rechten Weg. Wer meint, eigene Wege gehen zu müssen, geht in die Irre (Spr 14,12). Amen.

Vers 20

Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist.    1.Kor 7,20 

Der HERR will nicht, dass wir aufgrund unserer Bekehrung Standesänderungen vornehmen. Eine Änderung unseres Denkens hat freilich stattzufinden. Im unbekehrten Zustand denkt und fühlt der Mensch nach dem Sinn der Welt. Ein bekehrter und wiedergeborener Mensch wächst im Denken des HERRN. Ein solcher soll in Christus wachsen um Ihm ähnlich werden (Eph 4,13-15).

Beim Stand heisst der Grundsatz, dass wir darin bleiben sollen. Nur wenn der HERR eine Standesänderung verlangt, ist eine solche erforderlich. Der HERR kann aufgrund seiner Gnade jemanden, der für den Dienst oder auch so eine Frau benötigt, ihm eine schenken, dass er vom Stand, ledig zu sein, in den Stand eines Verheirateten wechselt. Auch kann in Ausnahmefällen jemand, der beauftragt ist unter Juden zu arbeiten, vom Unbeschnittensein in die Beschneidung wechseln, wie Timotheus (Apg 16,3). Bei Timotheus erforderte es nach Paulus‘ Einschätzung eine Beschneidung, um der Schwachheit der Juden willen. Im Gegensatz zu Timotheus beschnitt er aber Titus nicht, obwohl er ein Grieche war und Paulus mit ihm ins jüdische Zentrum, Jerusalem, reiste (Gal 2,3). – Daraus ist zu ersehen, dass eine Standesänderung nur bei zwingender Erfordernis notwendig werden kann. Ansonsten gilt der Grundsatz, im Stand zu bleiben, in dem ein Christ berufen worden ist. Niemand ist frömmer, wenn er aufgrund der Bekehrung den Stand wechselt. Auch hier geht das Halten der Gebote Gottes hierarchisch vor. Wenn Gott im Blick auf den Stand nichts sagt, ist er auch nicht zu ändern. Auf Eigendünkel basierte Änderungen sind pseudofromm, unnötig und sogar, im Blick auf diesen Vers, rebellischer Art.

Vers 21

Bist du als Sklave berufen worden, so lass es dich nicht kümmern; wenn du aber auch frei werden kannst, mach um so lieber Gebrauch davon!     1.Kor 7,21    

Wie unwichtig der weltliche Stand ist, sehen wir auch in diesem Vers. Paulus schreibt den Korinthern, dass es sie, falls sie im Sklavenstand sind, nicht kümmern soll. Niemand soll Gedanken an eine Standesänderung verschwenden. Wenn eine Standesänderung möglich wird und Gott eine solche bahnt, kann, wie wir betrachtet haben, gewechselt werden.

In erster Linie soll niemand meinen durch eine Standesänderung Gott besser dienen zu können. Wir wissen, dass Gott Menschenhilfe nicht nötig hat. Zweitens wissen wir, dass jeder innerhalb seiner Möglichkeiten getestet wird. Von jemandem, dem viel gegeben ist, wird desto mehr gefordert werden und umgekehrt (Lk 12,48). Wird jemand als einflussreicher Mensch berufen, so muss dessen Dienst am HERRN viel mehr abwerfen als der Dienst eines Sklaven, welcher praktisch keine Möglichkeiten hat, für den HERRN etwas zu bewegen. Vor Gott ist aber keiner im Vor- bzw. Nachteil. Der Einflussreiche kann Gott in keiner Sache helfen, wie auch der Sklave nicht, denn alle Dinge wirkt Gott! – Wer das weiss, glückselig ist er!

Gott braucht für sein Werk die Hilfe des Menschen nicht. Er bindet uns zwar ein, damit Er uns, ohne dass wir es verdienen, in seiner Freizügigkeit zusätzlichen Lohn auszahlen kann. Dieser Lohn wird uns gemäss der Möglichkeiten, die wir haben, ausbezahlt. Einfach gesagt bekommt der, der alles gegeben hat, mehr als jener, der nur Teile seiner Habe investiert, ganz gleich, ob Millionen oder nur einige fast wertlose Geldstücke geflossen sind (Mk 12,42-44). Der Stand spielt überhaupt keine Rolle, ob Sie Sklave oder Milliardär sind. Die Bibel sagt nur, dass Sie als Armer die besseren Karten haben (Mt 19,24). Am Ende geht die Welt sowieso – trotz aller Bemühungen der Christen – in den Eimer. Der Abfall wird gross sein und der Antichrist angebetet werden. Es liegt nicht an uns, die Welt zu retten, sie wird verloren gehen. An uns liegt es, die Gebote Gottes zu halten. Wenn wir unsere Aufgaben des Zeugnisses erfüllt haben, werden wir weggenommen bzw. entrückt. Danach richtet Gott die Erde mit furchtbaren Gerichten und läutet im Anschluss das Tausendjährige Reich ein. – Gott wird mit dem Bösen völlig allein und absolut souverän fertig.

Sehen Sie worauf ich hinaus will? – Auch wenn Gott souverän ist, heisst das nicht, dass wir nichts tun sollen (Lk 19,17). Gott treu sein und sein Wort halten; das sind die uns übertragenen Aufgaben, an denen wir fleissig dran bleiben sollen. Wir sollen unsere Energie nicht mit unnützen Dingen verschwenden, indem wir nach nutzlosen Standesänderungen trachten in der irren Meinung, Gott damit besser dienen oder gar helfen zu können. Gott will uns mit dieser Passage der Schrift vor unnötiger Belastung und Zeitverschwendung bewahren. Er möchte nicht, dass wir fruchtlos umherschweifen und uns für nichts abmühen!

Vers 22

Denn der als Sklave im Herrn Berufene ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist der als Freier Berufene ein Sklave Christi.    1.Kor 7,22  

Nochmals wird es uns sehr deutlich vor die Augen geführt, dass der weltliche Stand für die Nachfolge nicht von Bedeutung ist. Ein erretteter Sklave zeigt einen wunderbaren Aspekt des Werkes Christi, wie auch ein erretteter freier Mensch einen anderen Gesichtspunkt zeigt. Damit weist Paulus auf die Tatsache, dass beide Stände gleich von Bedeutung sind. Der Stand des Freien zeigt eine Facette der Erlösung in Christus -, jener des Sklaven aber auch, wenn nicht eine noch herrlichere. Am Beispiel des Sklaven kann der Geist visualisieren, dass ein solcher, der im Leben ausschliesslich unter fremder Herrschaft steht, durch die Tat Christi aus den beherrschenden Banden Satans, des Todes und des Gesetzes in die Freiheit gerettet wurde. Anhand des Beispiels vom Freien, zeigt uns der Geist, dass wir uns als solche nicht dem Eigendünkel (dem eigenen Dafürhalten) verschreiben sollten; denn nicht wir haben uns erkauft, sondern Christus. Somit gehören wir nicht uns, sondern dem HERRN.

Vers 23

Ihr seid um einen Preis erkauft. Werdet nicht Sklaven von Menschen!    1.Kor 7,23  

Auf den ersten Blick passt dieser Vers nicht in den Zusammenhang. Weshalb steht gerade an dieser Stelle geschrieben, dass wir nicht Sklaven von Menschen werden sollen? Geht es im Zusammenhang nicht um den Stand, in dem wir bleiben sollen? – Freilich geht es um den Stand, doch dieser Vers behandelt einen zentralen Punkt, weshalb der Mensch trotzdem nach einer Standesänderung trachten kann: Vielfach ist es rein um der Umgebung, um anderer Menschen willen. Nicht selten ist es die Umgebung, die einem suggeriert, was gerade angesagt ist.

Betriebswirtschaftler und Unternehmensberater sind heute überzeugt, dass die Betriebe von tief hierarchischen Strukturen zu flachen Hierarchien wechseln sollten. Die Firmen müssten, um nachhaltig zu sein und am Markt bestehen zu können, zu gänzlich prozessorientierten Strukturen finden; weg von Aufbauorganisationen, die nach Geschäftseinheiten wie „Einkauf, Produktion, Verkauf und Marketing“ organisiert sind und somit Schnittstellen aufweisen und mit (zu)vielen Verantwortungsträgern aufgeteilt sind. Die Berater fordern eine völlige Reorganisierung der Strukturen bei Firmen mit klassischen Formationen, um am Markt überleben zu können.

Was bei wirtschaftlichen Organisationen Sinn machen kann – der Langzeittest für diese Form steht noch aus -, ist für den Menschen, wenn er Christ wird und durch seine neue Ausrichtung im Normalfall ein anderes Umfeld kommt, nicht folgerichtig im Blick auf den Stand. Auch wenn der HERR hohe Anforderungen und somit eine gänzliche Kehrtwende im Leben eines frischen Jüngers fordert, macht der Geist an dieser Stelle klar, dass eine Standesänderung nicht erfolgen muss.

Wenn wir auf eine allfällig von der Umgebung suggerierte Standesänderung hören, machen wir uns zu Sklaven von Menschen. Wenn der HERR keine Änderung verlangt, sollte unser Umfeld auch keine verlangen. Wir sind um einen Preis erkauft worden. Kein Mensch kann ihn überbieten. Daher ist es nicht statthaft, menschliche Ansichten höher als jene Gottes zu werten! Kurz gefasst kann gesagt werden: Eine Änderung der Gesinnung hat bei gläubig gewordenen Menschen zwingend stattzufinden, eine des Standes nicht. Ohne Änderung der Gesinnung kann niemand vor Gott bestehen, wogegen eine Änderung des Standes irrelevant ist und die Bibel als allgemeine Richtung dazu angibt, im aktuellen Stand zu bleiben.

Vers 24

Worin jeder berufen worden ist, Brüder, darin soll er vor Gott bleiben.  1.Kor 7,24 

Der Grundgedanke dieses Verses zieht sich durch das ganze Kapitel: Wir sollen uns nicht durch unnötige Dinge zusätzlich belasten und so vom wahren Gottesdienst abgelenkt werden. Je weiter die Zeit vorrückt und die Gottlosigkeit zunimmt, desto schwieriger wird es sein, reinen Gottesdienst darzubringen. Die psychische Belastung für eine Aufgabe nimmt immer mehr zu, je weniger Akzeptanz sie in unserem Umfeld bekommt. Je weniger anerkannt sie ist, desto aufwändiger und nervenaufreibender ist der Verbleib darin. – Dass es sich so verhält, wie ich hier schreibe, ist leicht darzulegen; dazu muss man nicht Psychologe sein. Es wird daher von Jahr zu Jahr und von Monat zu Monat wichtiger, allen unnötigen Ballast abzuwerfen, damit wir die gestellten Aufgaben gut erfüllen können.

Ein Beispiel, dass unnötiger Ballast den Dienst hindert, ja sogar verhindert, gibt uns das Beispiel mit den Söhnen Zadoks ab.

Den geweihten Priestern <soll es gehören>, den Söhnen Zadoks, die meinen Dienst versehen haben, die, als die Söhne Israel abirrten, nicht abgeirrt sind wie die Leviten abgeirrt sind.    Hes 48,11    

Die Söhne Zadoks geben uns ein positives Beispiel ab. Sie verliessen den Dienst des HERRN nicht, wie die anderen Leviten, als es mit dem Gottesdienst in Israel bergab ging. Diejenigen, die den Dienst verliessen, hatten zwar – menschlich gesehen – gute, ja sehr gute Gründe. Das Einkommen der Priester war der Dienst am Tempel. Sie durften Teile der Opfergaben vom Volk an den HERRN essen bzw. für sich behalten. Wurde das Volk gottlos, brachte es dem HERRN keine Opfer mehr. Die Priester des HERR verarmten in der Folge und hatten nichts mehr zu essen. Solches geschah auch zur Zeit Nehemias, wie wir nachlesen können:

Und ich erkannte, dass die Anteile für die Leviten nicht gegeben worden waren, so dass die Leviten und die Sänger, die den Dienst taten, davongelaufen waren, jeder auf sein Feld.     Neh 13,10 

Die Leviten verliessen unter harten Bedingungen den vom HERRN verordneten Dienst und suchten ihr Essen in eigener Regie. Das war eine völlig menschliche Reaktion, die nicht aus abgrundtief bösem Antrieb kam. – Die Söhne Zadoks versahen den Dienst trotzdem, sie hielten am Gebot des HERRN fest, ob die Umstände zur Ausführung hart oder einfach waren. Durch diese Tat qualifizierte sie der HERR als gute Diener und ordinierte sie zu beständigen Priestern, die auch in Zukunft, im dritten Tempel, dem HERRN nahen dürfen, wogegen die Leviten, die den Dienst vernachlässigten, nur noch untergeordnete Dienste ausführen dürfen, wie geschrieben steht:

12 Weil sie ihnen vor ihren Götzen gedient haben und dem Haus Israel ein Anstoss zur Schuld geworden sind, darum habe ich meine Hand <zum Schwur> gegen sie erhoben, spricht der Herr, HERR, dass sie ihre Schuld tragen sollen.   
13 Sie sollen mir nicht <mehr> nahen, um mir den Priesterdienst auszuüben und um allen meinen heiligen Dingen, den hochheiligen, zu nahen; sondern sie sollen ihre Schmach und ihre Greuel tragen, die sie verübt haben.   
14 Und ich mache sie zu solchen, die den Dienst am Tempelhaus versehen, für alle Arbeiten in ihm und für alles, was darin getan werden muss.      
15 Aber die Priester, die Leviten, die Söhne Zadoks, die den Dienst an meinem Heiligtum versehen haben, als die Söhne Israel von mir abirrten, sie sollen mir nahen, um mir zu dienen, und sollen vor mir stehen, um mir das Fett und das Blut darzubringen, spricht der Herr, HERR!    Hes 44,12-15    

Heute befinden wir uns in derselben Situation wie die Leviten damals. Der reine Dienst am HERRN wird durch sehr viele Eigenmeinungen vernachlässigt. Die Christen denken von sich, sie müssten diese und jene (weltlichen) Dinge noch verrichten, um ihre persönliche und wirtschaftliche Position zu sichern, statt sich angemessen dem Dienst am HERRN zu widmen. Die immer grösser werdende Gottlosigkeit verstärkt diese Abkehr vom Dienst, weil er durch sie immer unpopulärer erscheint und selbst in den Augen des Volkes Gottes zur Aufgabe von realitätsfremden Individualisten verkommt. – Dieser Vernachlässigung des Dienstes widerstanden die Söhne Zadoks und qualifizierten sich vor allen anderen Leviten zu bewährten, Gott wohlgefälligen und privilegierten Dienern, wogegen die anderen Leviten sich durch ihr Verhalten folgenschwer disqualifizierten.

Der HERR ermahnt uns mit dieser Passage, unnötigen Ballast zu vermeiden. Wenn es schwer wird, den Dienst des HERRN ausführen zu können, sind wir froh, wenn wir uns nicht an vielen Dingen beteiligt, nicht viele Mandate und sonstige Verpflichtungen haben. Das Gesagte wird mindestens unterstützt durch die Verse 1,7,15,17-24,26-27,29-35,38,40. Es geht immer wieder um unnötigen Ballast, der vermieden werden sollte. Wir sind jetzt Pilger und Zeugen Gottes. Es ist jetzt nicht die Zeit, um sich häuslich einzurichten und es sich wohl ergehen zu lassen. Unser Reich ist das kommende, nicht der jetzige Zeitlauf. – Wer sich unnötigen Dingen hingibt wird schnell merken, dass der Dienst leidet. Er wird nicht zwei Herren dienen können. Vor allem wird der Dienst am HERRN immer schwerer, wenn einem das Umfeld immer härter zeigt, dass es daran nicht interessiert ist. Welcher Diener möchte schon wie ein Jeremia oder ein Hesekiel der einzige seiner Spezies sein? Allein gelassen, verhöhnt und nicht ernst genommen? Schnell verleitet diese Situation dazu, den Dienst zu vernachlässigen.

Wir wissen jetzt aber in tiefgründiger Art, dass der Dienst und die Qualität der Ausführung niemals den gegebenen Umständen angepasst werden darf. Der Dienst ist nach Vorschrift und Auftrag auszuführen, egal, wie das „Wetter“ ist. Das Haus Gottes soll gebaut werden, bei Sonnenschein, Regen und sogar Sturm. Der Auftrag geht vor. Die Umstände sind irrelevant. Glückselig die Arbeiter, die arbeiten und dabei schlanke Rucksäcke tragen.

Vers 25

Über die Jungfrauen aber habe ich kein Gebot des Herrn; ich gebe aber eine Meinung als einer, der vom Herrn die Barmherzigkeit empfangen hat, vertrauenswürdig zu sein.    1.Kor 7,25 

Paulus wendete sich hier mit Empfehlungen, die völlig im Einklang mit dem Zusammenhang des Kapitels stehen, zu den Unverheirateten. Sie gehen in gänzlicher Harmonie mit der Aussage des Kapitels einher, sich von unnötigem Ballast fern zu halten, wie wir sehen werden (siehe auch Vers 32).

Diese Empfehlungen gab er, wie so oft, nicht mit absoluter apostolischer Autorität ab, die er zweifelsfrei anwenden durfte. Schliesslich hat er mit seinem Leben einen Massstab gesetzt; im übertragenen Sinne predigte er nie Wasser, während er selber Wein trank. Paulus lebte das, was er lehrte (2. Kor 11,22ff). - Er gibt an dieser Stelle Ratschläge ab, wie ein Vater es bei seinen Kindern tut, in zärtlicher und sanfter Weise, ohne zu drohen. Er gibt sie ab als einer, „der vom Herrn die Barmherzigkeit empfangen hat, vertrauenswürdig zu sein.“

Aus dem zweiten Korintherbrief ist ersichtlich, dass Paulus seine Ankunft in Korinth mit Absicht verzögerte, um nicht mit Härte und Gericht erscheinen zu müssen (2. Kor 1,23). Er wandelte nach dem Geiste Gottes, in Seinem Sinne und gewährte seinen zu Unterweisenden eine Bedenkfrist; eine Frist, die es den Angesprochenen ermöglichte, einer harten Durchsetzung der Hausordnung Gottes zu entweichen.

Vers 26

Ich meine nun, dass dies um der gegenwärtigen Not willen gut ist, dass es für einen Menschen gut ist, so zu sein.     1.Kor 7,26

Paulus erwähnt in diesem Vers die damals gegenwärtige Not. Um der Not willen, war es gut, möglichst ohne weiteren Ballast zu sein. Er bezeichnete die damalige Zeit als Zeit der Not für Christen. – Können wir heute zurücklehnen und sagen, was für damals galt, hat heute keine Gültigkeit mehr? Heute dürfen wir schliesslich in Üppigkeit leben, zumindest hier im deutschsprachigen Raum. – Solche Gedanken sind nicht geistlich, denn die Gemeinde ist gerade im deutschsprachigen Raum um der Wohlfahrt und Ablenkung willen eingeschlafen. In Bezug auf die normalen Lebensumstände haben wir es im Blick auf andere Erdteile noch sehr gut. In geistlichen Angelegenheiten hingegen nicht. Die Leitung durch den Heiligen Geist wurde durch weltliche Massstäbe über Betriebsorganisation ersetzt. Die Gemeinden sind damit zu Instituten geworden, in denen die Ältestenschaft, welche vielerorts durch junge, unter sechzigjährigen Mitgliedern besetzt ist, betriebswirtschaftliche Strukturen einführen, wie sie sogenannte Non Profit Organisationen haben (z.B. Rotes Kreuz).

Weltliche Non Profit Organisationen (NPO) müssen solche Strukturen haben, weil sie die Normen und die Strategien selber definieren müssen. Christliche Gemeinden, die wie NPO’s funktionieren, ersetzen die Normen und Strategien Gottes durch eigene Werte und Wege zur Zielerreichung. Der Standard, welcher in Matthäus 5-7 gesetzt wurde, wird als utopisch deklariert und durch eigene Leitsätze ersetzt. Die Strategie des HERRN zur Erreichung der Norm, als Beispiel jene der Reinerhaltung der Versammlung (Mt 18,15ff, 1. Kor 5,5-7), wird durch humanistisches Gedankengut ersetzt. Dazu fungiert die „Ältestenschaft“ als Vorstand mit denselben uneingeschränkten Weisungsbefugnissen wie ein Vorstand einer weltlichen Institution. Dies entspricht überhaupt nicht den Anordnungen des HERRN. Uneingeschränkte Weisungsbefugnis ist allein Sache des HERRN in seiner Versammlung. Die Ältestenschaft hat sich strikte daran zu halten und ist nicht autorisiert, weiter zu gehen. – Wieso schreibe ich das alles ausgerechnet zu diesem Vers? – Weil ich die heutige Not, die nicht weniger geworden ist, eher sogar mehr in geistlicher Sicht, darstellen möchte. Wir können überhaupt nicht sagen, dass wir uns einen schwereren „Rucksack“ wie damals leisten können. Es ist immer noch sehr angebracht, ohne unnötigen Ballast für den Dienst des HERRN bereit zu stehen. Der Kummer über die ganze Schieflage in der christlichen Landschaft und die harte Arbeit der wenigen übriggeblieben wahrhaften Diener ist Grund genug und veranlasst uns heute noch mehr, alles wegzulassen, was das Vorankommen hindern könnte. Amen.

Vers 27

Bist du an eine Frau gebunden, so suche nicht los zu werden; bist du frei von einer Frau, so suche keine Frau!  1.Kor 7,27 

Der zweite Teil dieses Verses passt sehr gut in den Zusammenhang des hier kommentierten Bibeltextes, der erste ist aber auch notwendig. In diesem Kapitel ist viel darüber geschrieben, dass wir unnötigen Ballast zu tragen vermeiden sollen. – Jetzt will der Heilige Geist aber nicht, dass wir überreagieren. Wer verheiratet ist, soll sich deswegen nicht vom Partner trennen! Das wäre ja im totalen Widerspruch zum göttlichen Gedanken zur Ehe! Wer sich scheiden lässt, um Gott noch besser dienen zu können, liegt völlig falsch. Sollen wir sündigen, damit wir nachher Gott besser dienen können? Denken Sie, dass der Zweck (nachher unabhängig dienen zu können) die Mittel (die Ehe aufzulösen) heiligt? – Niemals gebrauchte unser Vorbild, der HERR, das Böse, um das Gute zu fördern! Und er unterstützt es auch in keiner Art und Weise. Er akzeptierte nicht einmal die Wahrheit aus dem Mund einer Kreatur, die nicht auf Seiner Seite stand (Mk 1,24). Wie Jesus selbst die Wahrheit nicht aus dem Bösen akzeptierte, taten es Seine Diener auch nicht (Apg 16,16). Sollen wir jetzt zu Ehebrechern werden, um Gott besser dienen zu können? – Das sei ferne von uns! Amen.

Vers 28

Wenn du aber doch heiratest, so sündigst du nicht; und wenn die Jungfrau heiratet, so sündigt sie nicht; aber solche werden Bedrängnis für das Fleisch haben; ich aber schone euch. 1.Kor 7,28 

Paulus will Unverheiratete schonen, das geht hier klar hervor. Jeder vernünftige Mensch weiss, dass er, rein menschlich gesehen, damit Recht hat. Dazu kommt, dass das Wort göttlich inspiriert und damit unfehlbar ist.

Auch ich war einmal jung und weiss wie es ist, wenn junge Männer und Frauen ernsthaft beginnen Sehnsüchte nach Zweisamkeit zu entwickeln. Die Ehe ist von Gott geschaffen und dieser Vers sagt ausdrücklich aus, dass weder der Mann noch die Frau sündigen, wenn sie heiraten. Die Aussage des Verses deutet lediglich darauf hin, dass der Umstände wegen, in denen sich ein Christ befindet, es besser ist, nicht zu heiraten. Die Ehe ist für den Auftrag quasi eine „garantierte“ Einschränkung. Wer möglichst wenig nicht unbedingt notwendigen Ballast tragen will, soll sich nicht darauf einlassen. Wer es trotzdem tut, sündigt zwar nicht; eine heiratswillige Person soll aber wissen, dass sie, im Blick auf die treue Ausführung des Auftrages Gottes, schwerer tragen wird als ledige Menschen. Ausdrücklich heisst es durch den Heiligen Geist, dass solche Bedrängnis für das Fleisch haben werden. Das Wort „werden“ steht prophetisch für den sicheren Eintritt der Bedrängnis da und schliesst einen wahrscheinlichen aus.

Lassen Sie mich, liebe Leserinnen und liebe Leser, als älterer Bruder etwas bemerken: Die Ehe kann leichtfertig als Weg in eine schönere und bessere Bewältigung des Lebens betrachtet werden. Es gibt mit Sicherheit Menschen, welche die Ehe als Anker in der wogenden See eines stürmischen Lebens sehen, als Rettung und Ruhepol sozusagen, so, wie es Paare gibt, die in schwierigen Zeiten im irrigen Glauben sind, ein gemeinsames Kind könne ihre angeschlagene Partnerschaft retten. – Lassen Sie sich da nicht täuschen und begeben Sie sich nicht in Ersatzwelten, um der Realität zu entfliehen! Wenn Sie heiraten, tun Sie es aus voller Überzeugung und ja nicht im Glauben, die Ehe würde Ihnen das Leben erleichtern! Männer sollen an dieser Stelle wissen, dass die Ehe nicht nur aus einer Partnerin besteht, die es einem ermöglicht, sich an ihrem Busen zu berauschen. Das Letztere soll auch Inhalt einer Ehe sein, was natürlich die Sehnsucht eines jeden Ehemannes ist, wie es treffend im ewigen Wort festgehalten ist:

Die liebliche Hirschkuh und anmutige Gemse – ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar!  Spr 5,19

Dieser eben zitierte Vers macht jedoch nur einen kleinen Bruchteil der Ehe aus. Eine Ehe fordert sehr viele Kompromisse. Beide Parteien müssen bewusst Stücke ihrer Freiheit aufgeben, um den Weg des Lebens gemeinsam in Frieden gehen zu können. Sobald eine Partei beginnt, die andere zu beherrschen, fangen die Zerreissproben an. Dazu kommen vielleicht Kinder, die einem den Schlaf rauben, die Partnerin für sich einnehmen können und viel, sehr viel Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein fordern. Lassen wir uns da ja nicht von einigen schönen Augenblicken, die Inhalt der Ehe sein sollten, verleiten zu sagen, die Partnerschaft würde insgesamt das Leben erleichtern. Genau das Gegenteil ist der Fall; das ist die Wahrheit. – Sage ich jetzt damit, dass die Ehe nur schlimm ist? – Nein, das ist überhaupt nicht meine Absicht! Ich will nur nicht, dass sich jemand im Glauben, alles werde dadurch besser, in eine Ehe „flieht“. Wer heiraten will, soll es im nüchternen und überlegten Zustand tun. Die Ehe ist von Gott geschaffen und somit auch gesegnet. Heiratswillige sollen aber wissen, dass Paulus um der Schonung des gottesfürchtigen Menschen willen folgendes geschrieben hat: „Solche werden Bedrängnis für das Fleisch haben; ich aber schone euch.“ Amen.

Vers 29

Dies aber sage ich, Brüder: Die Zeit ist begrenzt: dass künftig die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine,    1.Kor 7,29 

Auch mit diesem Vers bleibt der Textzusammenhang völlig harmonisch. Es geht um einen Auftrag, für den wir nicht die Ewigkeit zur Verfügung haben. Im Leben ist alles in Bewegung, für alles gibt es eine Zeit. Wie es die Zeit zum Aufstehen gibt, gibt es eine, sich niederzulegen (Pred 3,1-8). Versäumte Dinge können oft nicht mehr nachgeholt werden. Wenn der Bauer im Frühling nicht sät, kann er es zur Zeit der Ernte nicht mehr nachholen; er hat die Frühlingszeit verschlafen oder für nichtige Dinge verschwendet (Spr 12,11).

Die Zeit für die Ausbildung und den Auftrag Gottes ist begrenzt. Das sollen wir wissen. Dieses Wissen soll uns in die Haltung versetzen, dass wir ihn in den Vordergrund stellen. Die anderen Bestandteile in unserem Lebensmosaik sollen diesbezüglich in den Hintergrund treten. Ich verwende dabei bewusst das Wort „diesbezüglich“. Ein weniger glücklich verheirateter Mensch bekommt durch diesen Vers nicht den (vielleicht erwünschten) Freipass, den Partner zu vernachlässigen, sowie der glücklich Verheiratete nicht glauben sollte, die Liebe für das Gegenüber müsse etwas abkühlen. Das wäre ein fataler Missbrauch dieser Schriftstelle. Wir sollten uns einprägen, dass die Liebe füreinander verbindlich und gottgewollt ist (Eph 5,25; Kol 3,19; Tit 2,4).

Im Kontext sagt mit diesem Vers zusammen aus, dass wir uns von Allem, das den Auftrag hindern bzw. verzögern könnte, fern halten sollen. Sollten wir uns erlaubte „Zusatzlast“ aufladen, dann soll sie so ins Mosaik eingereiht werden, dass der Auftrag nicht zum Stillstand kommt. Sie soll durch Mehrarbeit getragen werden, der Auftrag bleibt.

Unabhängige Christen können nach getaner Arbeit ausruhen, gebundene müssen sich weiter um den Ehepartner, die Kinder und das (evtl. noch erzwungene) Hobby kümmern. Wenn sich eine stark belastete Person dann fragt, wieso ihr das Leben sehr hart erscheint, wo doch die Last des Christus nach der Schrift leicht ist (Mt 11,30), so soll sie sich in erster Linie fragen, was sie sich denn neben dem Auftrag noch für sonstige Verpflichtungen eigenmächtig aufgeladen hat. – Lassen Sie mich da nochmals die Ehe erwähnen. Verheiratete sollen sich dessen bewusst sein, dass sie sich mit der Ehe zusätzliche Verpflichtungen, die jetzt nicht zurückgestellt werden dürfen, aufgeladen haben. Sie haben sich dem Auftrag trotzdem zu stellen, wobei die Ehe nicht zu vernachlässigen ist. Die Konstellation mit den zusätzlichen Komponenten bedeutet Mehrarbeit. Es ist nicht gestattet, zugunsten des einen (Auftrag) das andere (Ehe) zu vernachlässigen. Verpflichtungen sind wie Verträge, bei denen es gilt, sie einzuhalten. Der Auftrag und das Leben mit Gott sind aber so wichtig, dass alles andere so erscheinen sollte, als wäre es inexistent. Damit schliesse ich mit den Worten Paulus‘. Amen.

Vers 30

und die Weinenden, als weinten sie nicht, und die sich Freuenden, als freuten sie sich nicht, und die Kaufenden, als behielten sie es nicht,  1.Kor 7,30 

Wie im vorausgehenden Kommentar erwähnt, sollten Gefühlsregungen unseren Auftrag, der hier auf Erden glücklicherweise begrenzt ist, nicht schmälern. Wir sind als Christen im Feindesland; wer das nicht realisiert hat, schläft. Zur Erinnerung möchte ich drei Verse zitieren:

Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.    2.Tim 2,4 

Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf,  Hebr 12,1 

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe; so seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben.     Mt 10,16  

Der HERR rettete uns aus einem total verkehrten Geschlecht, einem Geschlecht, das sich selbst durch die Verführung der Schlange für Gott untauglich gemacht hat. Er hat uns gerettet, physisch wandeln wir aber noch am gleichen Ort. Wir haben lediglich die Seiten gewechselt und wurden für die Welt von Freunden zu Feinden, weil wir gegen sie zeugen und sagen, dass ihre Werke böse sind (Joh 3,19). Unser begrenzter Auftrag vom HERRN, welcher aber immerhin unser irdisches Leben lang andauert, bleibt bestehen, auch wenn es manchmal den Eindruck macht, dass ihn einige aus dem Volk Gottes weder ausführen noch zu kennen scheinen. Für solche wird das Thema in den letzten Versen des hier behandelten Kapitels nichtssagend sein. So denkende Christen freuen sich über gekaufte Dinge, als ob sie für die Ewigkeit wären. Oder sie weinen über eine Sache, als ob sie endgültig und für alle Zeiten so bleiben wird. – Vergessen wir nicht: Der HERR wird am Ende dieses Zeitalters uns vom jetzigen Auftrag entbinden, abrechnen und jedem nach dem Prinzip des Säen und Erntens das ihm Zustehende geben. Wer den Auftrag um der weltlichen Dinge vergessen oder vernachlässigt hat, der gleicht nicht fruchtbarem Boden. Ich möchte Euch zeigen, liebe Leserin und lieber Leser, wem er gleicht:

20 Bei dem aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt;   
21 er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur <ein Mensch> des Augenblicks; und wenn Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoss.   
22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht.     Mt 13,20-22  

Menschen, die dem HERRN nur steinigen Boden bzw. Dornen anbieten, vernachlässigen den Auftrag, wenn Verfolgungen aufkommen. Dasselbe geschieht durch das Weinen (Sorge der Zeit) oder das Freuen, welches in Einzelfällen auch durch den Betrug des Reichtums aufkommen kann; beides lässt das Individuum vom Fruchtbringen und somit vom Auftrag abkommen, wenn zugelassen wird, dass Gefühlsregungen einen übermässig einnehmen. Unser Vers befiehlt uns nicht, gefühlslos zu werden. Er sagt lediglich aus, dass uns weder Gefühle noch Anschaffungen übermässig einnehmen sollen. Alles, was in der jetzigen Zeit über uns kommt, ist temporär, sogar ein Verlust eines geliebten Menschen, der Gesundheit oder des Vermögens. Der HERR ist fähig, allen Schaden auszugleichen und wett zu machen, den uns der Teufel, die Welt und der Tod zufügen kann. Wer an diesem Wissen festhält, wird Temporärem und Untergeordnetem, wie Gefühlen oder Anschaffungen, nicht übermässigen Raum geben. Amen.

Vers 31

und die die Welt Nutzenden, als benutzten sie sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.  1.Kor 7,31  

Weder Gefühle noch Gegenstände dieser Welt sollten uns vom Auftrag Gottes abhalten, wird im Vers 30 behandelt. Mit diesem Vers kommt eine Weisung an alle, welche die Welt intensiv nutzen. Die Welt nutzen kann im neutralen Sinn gesehen werden und hat nicht mit dem negativen Thema „die Welt lieben“ zu tun. Wer die Welt liebt, verurteilt sie nicht und freut sich an Ungerechtigkeit und Sünde, welche zum Charakter der Welt gehören. Die Welt nutzen wir Christen hingegen alle für unser Auskommen – und das ist völlig legal. Die Welt gehört Gott, ihr Wesen und Charakter ist aber durch den Fürst dieser Welt, den Teufel, bestimmt.

Wer die Welt für das Auskommen nutzt, tut nichts Falsches. Dieses Auskommen kann selbständiger oder unselbständiger Art sein. Christen können für ihr Einkommen selbständig sein oder sich anstellen lassen. Dabei ist einfach zu beachten, dass das Nutzen dieser Welt nicht plötzlich einen zu hohen Stellenwert bekommt. Wir sollen wissen, dass die Gestalt, die jetzigen Organisationsmuster der Welt verloren gehen werden.

Christen, die beginnen ihren Job oder ihre Firma übermässig zu lieben, laufen Gefahr, ihr Herz an etwas Vergängliches zu hängen. Sie könnten die Prioritäten falsch setzen. Die Vernunft sagt uns, dass Ewiges hierarchisch vor Vergänglichem kommt. Wer mehr in das Vergängliche investiert und dabei das Ewige vernachlässigt, ist dumm. Ein solcher gleicht jemandem, der seine Schulzeit mit Nichtigem statt mit Lernen zugebracht hat. Weil er sehr kurzfristige Vergnügungen bevorzugte, büsst er dafür sein restliches Leben lang mit geringem Status, unqualifizierten Arbeiten und einem winzigen Lohn. – Ich bringe diesen Vergleich als Beispiel und weiss sehr wohl, dass Menschen durch Krankheiten oder Umstände unverschuldet in solche Lagen kommen können. Beispiele haben daher auch ihre Begrenzung, doch sind sie oft sehr hilfreich, einen Sachverhalt besser darzustellen. – Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und liebe Leser, die Prioritäten richtig setzen! Amen.

Vers 32

Ich will aber, dass ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist für die <Sache> des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge;    1.Kor 7,32 

Wie der HERR es will, so will es sein Diener, Paulus: Wir sollen ohne Sorge sein. Der HERR drückt das zum Beispiel im Matthäusevangelium (6,25; 11,30) aus. In den Versen in Klammern sagt der HERR, dass wir uns erstens nicht um alltägliche Bedürfnisse sorgen sollen und zweitens, dass sein Joch sanft und seine Last leicht ist. Wer die Aufgabe des HERRN als schwer empfindet, befindet sich nicht in Übereinstimmung mit der Schrift. Ein solcher muss sich ernsthaft fragen, ob er mit eigenen Wünschen sein Aufgabengebiet zu gross gemacht hat, sodass er die aufgetragenen Arbeiten des HERRN als Last empfindet.

Aus diesem Kapitel ist zu ersehen, dass vieles erlaubt ist, jedoch nicht alles nützlich (siehe auch 1.Kor 10,23). Es ist erlaubt zu heiraten. Wer heiratet, soll aber wissen, dass er sein Aufgabengebiet erweitert und nicht einfach verlagert. Die Aufgabe des HERRN bleibt bestehen, dazu kommt die Verantwortung als Ehemann bzw. –frau und die über allfällige Kinder. Für die Person, die nicht heiratet, bleibt ein kleineres Aufgabengebiet und somit eine kleinere Last zu tragen.

Der HERR fordert eine korrekte Einhaltung unserer Verpflichtungen. Wer Verträge abschliesst, soll sie auch einhalten. Wer eine Ehe eingeht, soll das Gesetz der Ehe einhalten. Wer eine Ehe und ein Mietvertrag eines Hobbyraumes eingeht, soll das Gesetz der Ehe und die Abmachungen im Mietvertrag für den Hobbyraum einhalten. Wer eine Ehe eingeht, einen Hobbyraum mietet und einen Leasingvertrag mit dem Autohändler abschliesst, ist verpflichtet, alle drei Obligationen vollumfänglich zu erfüllen. Die eine löst die andere nicht ab. – Leider gibt es Christen, die eigenmächtig bestimmen, dass die Verpflichtung, dem HERRN zu dienen, durch andere Aufgaben und Verträge aufgehoben wird. Es gibt tatsächlich Christen, die sagen, dass die Aufgaben der Ehe sie von den Aufgaben des HERRN entbindet. Solche gleichen Menschen, die sagen, ihr Wohnungsmietvertrag würde sie von der Abgabe der Staatsteuern entbinden! – Eine solche Einstellung ist völlig daneben und realitätsfremd. Sollen wir uns den gleichen Vorwurf vom HERRN gefallen lassen, wie das Volk Gottes sich ihn zur Zeit Maleachis hatte gefallen lassen müssen?

7 Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Ordnungen abgewichen und habt <sie> nicht beachtet. Kehrt um zu mir! Und ich kehre um zu euch, spricht der HERR der Heerscharen. Ihr aber sagt: »Worin sollen wir umkehren?«   
8 Darf ein Mensch Gott berauben? Ja, ihr beraubt mich! – Ihr aber sagt: »Worin haben wir dich beraubt?« Im Zehnten und im Hebopfer.   
9 Mit dem Fluch seid ihr verflucht, mich aber beraubt ihr <weiterhin>, ihr, die ganze Nation!    10 Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, damit Nahrung in meinem Haus ist! Und prüft mich doch darin, spricht der HERR der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen ausgiessen werde bis zum Übermass!   
11 Und ich werde um euretwillen den Fresser bedrohen, damit er euch die Frucht des Erdbodens nicht verdirbt und damit euch der Weinstock auf dem Feld nicht fruchtleer bleibt, spricht der HERR der Heerscharen.     Mal 3,7-11 

Wie wir wissen, fingen die Israeliten an, den Zehnten nicht mehr ins Haus Gottes abzuliefern, so dass im Hause des HERRN nicht genügend Speise für die Diener des HERRN (Priester und Leviten) war (Neh 13,10). – Dafür konnte es viele Gründe geben. Zum Beispiel Grössenwahn. Wenn ein Israelit sich beispielsweise mehr Bedienstete anstellte, als er mit der Abgabe des Zehnten bezahlen konnte, so stellte er die Zahlung an den HERRN ein, um seinen privaten Verpflichtungen nachkommen zu können. – Auch wir können, in unserer Zeit, den HERRN berauben, indem wir das Ihm Zustehende für unsere (zu)vielen Verpflichtungen aufbrauchen. Wer alles eine „Schuhnummer“ zu gross dimensioniert, sei es Haus, Wohnung, Hobby und was auch immer, dem bleibt am Ende für den HERRN nichts mehr übrig. Oder er empfindet die Forderung des HERRN als ungerechtfertigt und hart, wo er doch so viele Ausgaben hat.

Lassen Sie uns unser Leben so ordnen, dass die Aufgaben und Ausgaben für den HERRN eine leichte Last bleiben, wie es der HERR wünscht. Derjenige, der zu viele Verpflichtungen eingeht, macht sich das Leben selber schwer und hat kein Anrecht, beim HERRN über seine Belastung zu jammern.

Vers 33

der Verheiratete aber ist um die <Dinge> der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge,    1.Kor 7,33  

Mit diesem Beispiel veranschaulicht uns Paulus durch den Geist sehr schön, wie es mit zusätzlichen Verpflichtungen läuft, vor allem bei solchen, die uns sehr nahe stehen. Ein Hobby oder ein zusätzliches Verkehrsmittel, wie ein Motorrad beispielsweise, können wir auch mal stehen lassen, wenn es der Auftrag Gottes erfordert. Im angeführten Beispiel mit dem Ehepartner geht das nicht bzw. nur in gegenseitiger Übereinkunft. Die Ehe ist eine Verpflichtung fürs Leben; das soll jeder heiratswillige Christ wissen.

Wiederum möchte ich an dieser Stelle unterstreichen, dass ich in keiner Weise die Absicht habe, gegen die Ehe zu schreiben! Was ich hier versuche darzustellen ist eine übersichtliche Auslegeordnung möglicher Lebensumstände von Christen. Der HERR stellt uns die begehbaren Lebenswege und auch sich selber sehr transparent dar. Es ist als ob er uns auf seine Knie nimmt und als Vater zu uns Kindern spricht: „Schau, wenn Du diesen Weg einschlägst, wird er diese Freuden und Mehraufwände bringen, beim anderen Pfad sieht es so und so aus.“ – Bei Gott werden keine Mogelpackungen verkauft; Er ist ein Gott, der deutlich ist.

Vers 34

und <so> ist er geteilt. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die <Sache> des Herrn besorgt, damit sie heilig sei an Leib und Geist; die Verheiratete aber ist für die <Sache> der Welt besorgt, wie sie dem Mann gefallen möge.  1.Kor 7,34

Wie erwähnt, sollten heiratswillige Christen wissen, dass sie Gott womöglich nie mehr in einer völlig ungeteilten Art dienen können. Es kommt nicht selten vor, dass auf die natürliche Einschränkung, die eine Ehe mit sich bringt, weitere durch Charakterschwächen der Partner folgen. Ich weiss von Männern, die sich ihrer herrischen Frau unterworfen haben und nicht mehr in der (positiven) Art leben, wie sie es früher taten. Umgekehrt sah ich gottesfürchtige Frauen, welche sich einen lauen Ehemann nahmen und in der Folge viel von ihrem Feuer für den HERRN verloren haben.

Erneut sage ich an dieser Stelle – und ich weiss, dass ich mich schon x-mal wiederhole -, dass ich nicht von einer Ehe abrate. Die Schrift rät gar solchen, die sich nicht enthalten können, zur Ehe. Paulus zeigt ganz neutral auf, was für Verpflichtungen damit verbunden sind. Die Aufklärung hierüber verhält sich beispielhaft wie im Tierladen, wo ein Unkundiger einen süssen Hund sieht und ihn sofort nach Hause nehmen will. Die Verkäuferin im Laden macht diesen Menschen vor dem Kauf darauf aufmerksam, dass dieser Hund ein Lebewesen ist, welches fortwährend Aufmerksamkeit, Platz, Futter, ausgedehnte Spaziergänge, viel Geld für Untersuchungen oder allfällige Ferienplatzierungen und so weiter braucht. Die Verkäuferin sagt dem Menschen nicht, er dürfe sich partout kein Haustier zulegen. Sie sagt nur, was für Konsequenzen und Einschränkungen der Kauf mit sich bringt. Genau so erklärt es uns der Geist Gottes. Er lässt uns nicht im Ungewissen. Wer heiraten will, soll es im vollen Bewusstsein tun. Es soll nicht zur Ablenkung bzw. reinen Stillung der sexuellen Bedürfnisse geheiratet werden. Geheiratet wird nicht für den Augenblick, sondern für das ganze Leben.

Ein wegen des Auftrags unverheiratet gebliebener Mensch ist bezüglich Leib und Geist wie ein Nasiräer Gottes (4. Mo 6,1-21); jemand, der freiwillig zugunsten des HERRN auf temporäre Freuden verzichtet. Wer es fassen kann, der fasse es. Amen.

Vers 35

Dies aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht, um euch eine Schlinge überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt.  1.Kor 7,35 

All die Verse, die nun von einer Ehe abraten im Blick auf die Situation, in der wir uns als Diener Gottes befinden, könnten Anlass geben zu glauben, Paulus wolle den Christen eine Möglichkeit, das Leben „spannender“ zu machen, verschliessen. Dass Paulus uns nichts vorenthalten will, erklärt uns dieser Vers: Er will uns keine Schlinge überwerfen. Seine Anordnungen sind allein dazu da, ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim HERRN zu bleiben. Die Ehe kann ablenken, sehr sogar; sie kann es durch lustvolle Möglichkeiten, sowie durch Leiden, die eine Familie zu haben mit sich bringen kann. Unser Kapitel sieben im 1. Korintherbrief ist auch dazu da, dass der Christ bzw. die Christin alle Fakten hat, um gut abwägen zu können. Jedermann soll alle Fakten für sein Leben haben und nicht im Nachhinein sagen können: „Wenn mir das doch nur einer gesagt hätte!“ Gott ist ein HERR der Transparenz für die Seinen. Jemandem, der Ihn verwirft, offenbart Er sich nicht; für was auch? Sollte er seine Perlen vor die Schweine werfen, damit sie sie zertreten? – Letztere machen sowieso, was sie wollen.

Für solche, die nach dem Abwägen aller Fakten glauben, heiraten zu können und im HERRN zu bleiben, möchte ich an dieser Stelle einen Vers der Ermutigung zitieren:

Wer eine Frau gefunden, hat Gutes gefunden und hat Wohlgefallen erlangt von dem HERRN.    Spr 18,22 

Haus und Habe sind ein Erbteil der Väter, von dem HERRN aber ist eine einsichtsvolle Frau.    Spr 19,14 

Diese beiden Verse sagen Heiratswilligen aus, dass, einen Partner zu haben, durchaus vom HERRN kommen kann, die Wahl jedoch unbedingt dem HERRN überlassen werden sollte. Eine einsichtsvolle Frau kommt vom HERRN. Im Eigendünkel kann schnell ein Fehlgriff passieren, der dann ein Leben lang anhält oder in einer für Christen sehr unrühmlichen und schriftwidrigen Scheidung endet.

Bereits verheirateten Menschen gebe ich folgenden Rat: Erfreuen Sie sich an Ihrem Partner und bedenken Sie folgendes in Zeiten der Ehekrise:

15 Trinke Wasser aus deiner <eigenen> Zisterne und was aus deinem Brunnen quillt.
16 Sollen nach draussen verströmen deine Quellen, auf die Plätze die Wasserbäche?
17 Dir allein sollen sie gehören, doch keinem Fremden neben dir.
18 Deine Quelle sei gesegnet, erfreue dich an der Frau deiner Jugend!
19 Die liebliche Hirschkuh und anmutige Gemse – ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar!
20 Warum solltest du, mein Sohn, an einer Fremden taumeln und den Busen einer anderen umarmen? –
21 Denn vor den Augen des HERRN <liegen> eines jeden Wege, und auf alle seine Bahnen gibt er acht.     Spr 5,15-21 

In schwierigen Zeiten der Ehe ist es nie, aber gar nie!, nützlich, wenn Sie die Augen nach anderen Partnern umherschweifen lassen. Die Krise wird dadurch nicht besser, vielmehr fördert solches Benehmen die Isolation und das berüchtigte „Auseinanderleben“. Wer die Hoffnung auf Besserung in der eigenen Ehe aufgegeben hat, kann solchem „Augen umherschweifen lassen“ anheimfallen. – Tun Sie das nie und nimmer; es wäre der Anfang Ihres Untergangs! Statt die Ehe wiederzubeleben, fängt man in der Ausschau nach „besseren“ Partnern an, die eigene Ehe ganz abzuschreiben und die Phantasie voll und ganz dem Ehebruch zu widmen, welcher, nur schon in Gedanken vollzogen, als voll durchgeführt gilt (Mt 5,28). Das Interesse am eigenen Partner und sogar der ganzen Familie kann so sehr sinken und die eigenen „Quellen“ verströmen nach draussen (Spr 5,16). Die Aufmerksamkeit gilt dann Fremden und die eigenen Angehörigen ernten Desinteresse. Damit tun Sie niemandem einen Gefallen und haben in sträflicher Art ihre Verantwortung, dem eigenen Fleisch gegenüber, fallen gelassen! – Die Verantwortung bleibt in guten, sowie in schlechten Zeiten dieselbe! Amen.

Vers 36

Wenn aber jemand denkt, er handle ungeziemend mit seiner Jungfrau, wenn er in der Vollkraft steht, und es muss so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht; sie sollen heiraten.    1.Kor 7,36 

Das Kapitel sieben im 1. Korintherbrief sagt klar aus, dass grundsätzlich Ledige besser entschieden haben als Verheiratete. Die Ledigen haben um der Umstände willen besser entschieden, nicht deshalb, weil heiraten an und für sich schlecht wäre. Um der gegebenen Umstände willen fährt man im Moment im Zivilstand „ledig“ besser, als Verheiratete es tun. Es geht um die momentane Situation; es geht nicht darum, den Ehebund abzuwerten.

Die Ehe ist von Gott geschaffen. Das Gute kommt vom HERRN. Die Ehe ist gut. Christus selbst trachtet danach. Und selbst Er wird heiraten (2. Kor 11,2; Offb 19,6ff).

Das Gute ist aber nicht in jeder Situation hilfreich. Ein vom Kampf sehr eingenommener Soldat, der von einer hübschen Frau gedrängt wird, sie zu heiraten, wird sich das gut überlegen. Wenn dadurch seine Truppe gefährdet wird und sein Dienst darunter leidet, ist eine Ehe für ihn nicht geeignet, obschon die Ehe selbst eine gute Sache ist. Sie ist aber in seiner Situation so unpassend, wie wenn jemand einem Bergbauern, welcher ein neues Transportmittel braucht, eine Harley Davidson, das Kultmotorrad, besorgt. Das Motorrad ist nichts Schlechtes, doch es ist für die Situation eines Menschen, der in den Bergen arbeitet, als Transportmittel völlig ungeeignet. Der Bergbauer braucht ein vierrädriges, allrad- oder raupengetriebenes Fahrzeug, um in jeder Jahreszeit an den Bestimmungsort zu kommen. – So ist die Ehe keine schlechte Sache, sie ist gut und gottgegeben, passt aber nicht in jedes Leben hinein. Heiratswillige sollen ihre Lage übersehen, bevor sie anfangen Ehepläne zu schmieden. Wenn Gott einen Heiratswilligen mit ausreichenden Kräften ausstattet, die einen erweiterten Verantwortungsbereich ermöglichen bzw. eine Mehrbelastung erlauben „und es muss so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht; sie sollen heiraten.“ Amen.

Vers 37

Wer aber im Herzen feststeht und keine Not, sondern Macht hat über seinen eigenen Willen und dies in seinem Herzen beschlossen hat, seine Jungfrau zu bewahren, der handelt gut.  1.Kor 7,37 

Die Verse 25-40 dieses Kapitels, mit dem Ratschlag an die Unverheirateten, zeigen in eine eindeutige Richtung, obschon die Ehe an und für sich eine gute Sache ist. Sie sagen aus, dass man um der gegenwärtigen Not willen es besser bleiben lässt, zu heiraten.

Nun gibt es eher schüchterne Menschen, die einfach Mühe haben, einen Partner zu finden. Solchen ist empfohlen, sich nicht aktiv auf die Suche zu machen (V 27). Für Menschen, die keine Mühe haben, Kontakte zu knüpfen, steht die Aussage dieses Verses: Wer ohne weiteres zu einem Partner kommt, aber so charakterstark ist, um schadlos entscheiden zu können, zu heiraten oder nicht; so ein Mensch soll ledig bleiben. Mit „schadlos entscheiden“ meine ich eine Entscheidung, zu welcher der Mensch voll und ganz stehen kann, ohne im Nachhinein vor Verlangen zu brennen. So, wie wenn jemand sagen kann: „Ein Partner wäre zwar ganz nett und eine Familie zu haben schön; doch als Christ verzichte ich gerne um des HERRN willen darauf, damit ich mich voll Ihm widmen kann. Ich möchte mich Ihm ganz widmen, als Freund, Knecht, Soldat oder Abgesandter.“ – Es ist klar, wie aus dem nächsten Vers wieder offensichtlich wird, dass eine solche Hingabe die beste Wahl ist. Sie wird bestimmt nicht ohne Lohn bleiben und grosse Anerkennung finden.

Vers 38

Also, wer seine Jungfrau heiratet, handelt gut, und wer <sie> nicht heiratet, wird besser handeln.   1.Kor 7,38  

Wer den HERRN nur als König oder Oberbefehlshaber kennt, kann solche Verse vielleicht nicht so einfach verstehen. Ein solcher trachtet vielleicht nach Liebe und Nähe eines menschlichen und irdischen Gegenübers, wie es jeder natürliche Mensch tut, weiss aber dabei nicht, dass der HERR selbst danach trachtet. – Solche Menschen, Personen also, die Gott nur als Herrscher, nicht aber als Vater kennen, haben Jesus in der Regel auch „nur“ als Herrn, nicht aber als Bräutigam erkannt. Sie wissen nicht, dass Gott in der Eigenschaft als Vater nach Liebe, Gemeinschaft und Vertrauen trachtet und Jesus in seiner Eigenschaft als Bräutigam zusätzlich nach steter Zweisamkeit.

Christen können all ihre Sehnsüchte in Gott stillen und so auch – so unglaublich es klingt – Gottes Wünsche erfüllen. Er sehnt sich nach echter Zuneigung des Menschen, nicht nach solchen, die sein Gesetz mit abgekehrtem Herzen erfüllen. Über Menschen, die sein Gesetz mit Opfergaben zelebrierten, aber ein weit von Ihm entferntes Herz hatten, liess der HERR schon vor Jahrtausenden schreiben:

3 Wer ein Rind schlachtet, ist <wie> einer, der einen Menschen erschlägt; wer ein Schaf opfert, ist <wie> einer, der einem Hund das Genick bricht; wer Speisopfer opfert: es ist Schweineblut; wer Weihrauch als Gedächtnisopfer darbringt, ist <wie> einer, der Unheil segnet. Wie diese ihre eigenen Wege gewählt haben und ihre Seele an ihren Scheusalen Gefallen hat,   
4 so werde <auch> ich Misshandlung für sie wählen und über sie bringen, wovor ihnen graut, weil ich gerufen habe und niemand geantwortet hat, <weil> ich geredet und sie nicht gehört haben, sondern getan haben, was böse ist in meinen Augen, und das gewählt haben, woran ich kein Gefallen habe.     Jes 66,3.4   

Wir sind aufgefordert Gott mit aller Kraft, der ganzen Seele und dem ganzen Herzen zu lieben (5. Mo 6,5). Wer das tut, handelt recht. Wer dabei ledig bleibt, wird es einfacher haben, wer heiratet, hat eine zusätzliche Aufgabe, die es zu erfüllen gibt. Weil Paulus uns schonen wollte, riet er von einer Heirat ab. Wer trotzdem heiratet sündigt nicht, hat aber ein erweitertes Aufgabengebiet. Eine Familie zu haben, schmälert Gottes Forderung nach der Liebe und Zuneigung Ihm gegenüber nicht. Amen.

Vers 39

Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will, nur im Herrn <muss es geschehen>.     1.Kor 7,39 

Dieser Vers räumt jeden Zweifel aus, dass, wenn geheiratet wird, es im HERRN geschehen muss. – Immer wieder werden Diskussionen geführt, ob ein Christ einen ungläubigen Partner heiraten „darf“. Das Wort „darf“ setze ich bewusst in Anführungszeichen, weil diese Frage gar nicht gestellt werden sollte. Wie kann eine Ehe einer gläubigen Partei mit einer ungläubigen gut im HERRN funktionieren? Entstehen da für die gläubige Partei nicht zwangsläufig Kompromisse? – Zweifelsfrei! Ausserdem ist es nicht statthaft, dass sich zwei unterschiedliche Personen unter das gleiche Joch begeben. Mit anderen Worten ausgedrückt, ist es nicht gut, wenn sich ein gläubiger und ein ungläubiger Partner für eine gemeinsame Zielerreichung (z.B. Ehe) zusammen tun. Die Werte und Moralvorstellungen können sich so gar nicht decken, wie geschrieben steht:

Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis?     2.Kor 6,14  

Die Schrift spricht da ganz klare Worte. Wenn ein Christ heiraten möchte, sollte selbstverständlich sein, dass die zukünftige Ehefrau (bei einer Christin: der Ehemann) auch gläubig ist. Wenn jemand eine ungläubige Partei in der Hoffnung heiratet, sie zum Glauben zu führen, ist es überspitzt gesagt so, wie wenn ich ein Auto kaufe und dabei hoffe, es mutiere irgendwann einmal zu einem Lastwagen. – Dieser Vergleich mag vielleicht durch die völlige Unmöglichkeit etwas hinken; ich will einfach damit sagen, dass es sehr töricht ist, mit einer solchen Hoffnung zu heiraten. Deshalb zitiere ich den Vers gerne wiederholt: „Nur im Herrn muss es geschehen!“ Amen.

Vers 40

Glückseliger ist sie aber, wenn sie so bleibt, nach meiner Meinung; ich denke aber, dass auch ich Gottes Geist habe.     1.Kor 7,40 

Dieses Kapitel schliesst mit der wiederholten Aussage, dass es besser ist, unverheiratet zu bleiben. Somit verstärkt sich die hier behandelte Thematik nochmals. Abschwächend dazu ist zwar die Feststellung Paulus‘, dass es sich nicht um einen direkten Befehl des HERRN handelt, sondern mehr um eine Empfehlung von jemandem, der es wissen muss.

Die Art und Weise, wie im Kapitel sieben Wissen vermittelt wird, deckt sich voll mit folgendem Vers:

denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt Verschnittene, die von den Menschen verschnitten worden sind; und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, der fasse es.    Mt 19,12  

Nicht alle werden verstehen bzw. fassen können, was es heisst, im Neuen Testament ein Abgesonderter des HERRN (Nasiräer) zu sein. Ich hoffe aber, dass durch die Betrachtung dieses Kapitels zumindest für alle deutlich wird, dass selbst auferlegte Zusatzaufgaben, wie beispielsweise Ehe, Freundschaften, Vereinstätigkeiten, Hobby, TV und Internet uns auf gar keinen Fall vom allgemein geforderten Gottesdienst abhalten dürfen (Mt 24,42.46; Lk 14,18; Heb 12,14; u.v.a.). – Gesegnet wird sein, wer sich das zu Herzen nimmt. Amen.

Kapitel 8

Vers 1

Was aber das Götzenopferfleisch betrifft, so wissen wir, dass wir alle Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut.     1.Kor 8,1   

Das neue Kapitel beginnt mit einem neuen Thema. Paulus erwähnt hier das Götzenopferfleisch. Damit ist Fleisch gemeint, das für einen Götzen, einem falschen Gott also, dargebracht und anschliessend zum Essen angeboten wird. – Wie denken Sie über Götzenopferfleisch? Würden Sie Fleisch essen vom Metzger, wenn er es Ihnen über die Theke reicht und dabei stolz verkündet, dass er es seinem Schnitzbild über dem Kamin geweiht habe? – In der ersten Reaktion würden wir wohl alle von solchem Fleisch Abstand nehmen. Wir würden sagen: „Wir essen nichts, was kultisch unrein ist. Es gibt nur einen Gott und den ehren wir, indem wir solches ganz bestimmt nicht essen!“ – Paulus setzt hinter solche „Geistesblitze“ ein Warnsignal. Wir glauben viel zu wissen und sehen uns als aufgeklärt an. Bei näherer Betrachtung können sich unser Wissen und die damit zusammenhängende Reaktion aber als lieblos erweisen. Lieblosigkeit hat keine Übereinstimmung mit Gottes Weg. Erkenntnis allein kann somit auch Böses bewirken: Sie kann den Hochmut wecken, welcher die Wurzel von vielem Übel ist.

Auf eine falsche Handlung einer Person oder Personengruppe können wir verschiedenartig reagieren. Bei unseren Kindern werden wir anders reagieren, als wenn sich unser Feind daneben benimmt. Die Kinder nehmen wir liebevoll zur Seite und erklären ihnen geduldig, wieso falsches Tun nicht gut ist. Beim Feind kann es so weit gehen, dass wir ihm wünschen, im falschen Tun entdeckt und verurteilt zu werden und dass die Handlung für ihn möglichst negative Konsequenzen hat. Schlussendlich, in einer dritten Art, können wir uns bei Personen, denen wir in der Erkenntnis etwas voraus sind, mit besserem Wissen hervor tun und etwas prahlen, wenn auch nur unterschwellig. – Solche Erkenntnis ist auch nicht mit Liebe vermengt, sie dient uns nur zum Angeben. Sie bläht auf, wie es Paulus schreibt.

In den folgenden Versen erklärt uns der HERR durch den Griffel Paulus‘, wie mit Erkenntnis korrekt umgegangen werden soll. Das Wissen über das Gute ist nicht dazu da, um damit zu prahlen. Das Wissen des HERRN wurde uns gegeben, um in Liebe aufeinander acht zu haben. Wenn uns der HERR Licht ins Dunkel irgendeiner Sache schenkt, dann sollen wir damit so verfahren, wie wir es bei von uns geliebten Menschen tun würden: Wir würden an solche in Liebe respektvolle Worte richten und sie in Demut am Wissen des HERRN teilhaben lassen.

Vers 2

Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll;   1.Kor 8,2  

Einen Sachverhalt zu verstehen, welcher völlig isoliert dasteht, ist eine ganz andere Sache, wie wenn derselbe Sachverhalt in komplexen Verknüpfungen vernetzt ist. Nehmen wir zur Veranschaulichung eine ältere Frau am Postschalter, welche ganz gewöhnlichen und alltäglichen Anweisungen der Postbeamtin am Schalter keine Folge leisten will. Isoliert betrachtet sehen wir eine rebellische Postkundin, welche – wie wir vielleicht denken – durch Verkalkungen nicht mehr richtig „tickt“. Vielleicht ist es ihr im Ruhestand auch etwas langweilig, so dass sie das Leben anderen schwer machen will, um etwas Aufmerksamkeit zu erlangen. So, in dieser Art, sind wir „intelligenten“ und „aufgeklärten“ Menschen schnell verleitet zu denken. Nicht selten ordnen wir die täglichen Geschehnisse, denen wir begegnen, auf diese oberflächliche und wenig professionelle Art ein. Dass diese besagte Postkundin, welche in Wahrheit ihr Leben lang um Geld betrogen wurde, einer sehr jungen Postbeamtin, welche noch den Schriftzug „in Ausbildung“ auf der Plakette trägt, nicht traut und bei den Einzahlungen grosse Angst hat, wieder einmal über den Tisch gezogen zu werden, ist im Gesamtzusammenhang sehr leicht zu verstehen. Die Kundin verweigert dieser, ihr suspekten Person die Zusammenarbeit und wird auf eine andere Poststelle gehen, wo sie glaubt, ihr vertrauenswürdigere Angestellte anzutreffen.

Ein anderes Beispiel: Ein Auto, das nicht mehr anspringen will, wird vom Mechaniker untersucht. Dabei stellt er fest, dass der Luftmengenmesser im Ansaugkanal des Motors falsche Werte abgibt. Er bestellt einen neuen Luftmengenmesser, welcher ziemlich viel kostet, baut ihn ein und – der Wagen springt immer noch nicht an! Bei erneuten elektronischen Messungen gibt dieser neue Luftmengenmesser auch dieselben falschen Werte an, wie es der alte tat. Jetzt merkt der Mechaniker, dass er durch diese Werte des Luftmengenmessers auf eine falsche Fährte gelockt wurde. – Was lief also falsch bei der Diagnose? – Der Mechaniker hätte den Luftmengenmesser nicht isoliert betrachten dürfen. Er hätte das Problem „Auto springt nicht an“ im Gesamtzusammenhang angehen sollen. Der Luftmengenmesser kann ja falsche Werte liefern, weil andere Systeme, welche mit dem Motormanagement zusammenspielen, defekt sind. – Schlussendlich lag der Fehler bei der Benzinpumpe, welche zwar lief, aber zu wenig Druck aufbaute. Durch diesen Mangel an Druck wurden falsche Mengen an Benzin eingespritzt, der Motor stotterte und produzierte einige Fehlzündungen, welche sich auch auf Drücke im Ansaugkanal auswirkten. Die Luftmengenmesserklappe wurde durch die Fehlzündungen brüsk hin und her bewegt. Diese Bewegungen, die nicht einem Normalbetrieb entsprachen, lösten beim Analysegerät Fehlercodes aus und zeigten dem Mechaniker an, die Luftmengenmesserklappe sei defekt.

Wie uns der äussere Schein einer Person täuschen kann, können uns Situationen täuschen, von denen wir den Gesamtzusammenhang nicht kennen. Deshalb gilt:

Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll;   1.Kor 8,2 

Korrekt erkannt hat jemand erst, wenn ihm die Sache durch Gott bestätigt wird. Ansonsten sollte sich der Mensch mit dem Urteilen zurückhalten, damit er sich nicht, wenn es sich dann doch anders verhält, beschämt für sein vorschnelles Urteil entschuldigen muss. Bedenken wir:

Was deine Augen gesehen haben – geh <damit> nicht vorschnell zum Gericht! Denn was willst du hinterher machen, wenn dich dein Nächster beschämt? –     Spr 25,7b.8 

Das sind sehr heilsame Verse gegen den Hochmut und Stolz der, ach, so aufgeklärten, heutigen Generation!

Vers 3

wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.     1.Kor 8,3 

Was hat dieser Vers mit dem vorangegangenen zu tun? Zuerst wird uns erklärt, wie man eine Sache richtig beurteilen bzw. erkennen soll und hier steht, nach was für Voraussetzungen wir von Gott „erkannt“ werden. – Von Gott erkannt zu sein, bedeutet, von Gott geliebt und zu den Seinen gezählt zu werden. Die Seinen wissen alles, weil sie einen ungehinderten Zugang zum Allwissenden haben, wie geschrieben steht:

Denn der HERR gibt Weisheit. Aus seinem Mund <kommen> Erkenntnis und Verständnis.     Spr 2,6 

Denn dem Menschen, der vor ihm wohlgefällig ist, gibt er Weisheit und Erkenntnis und Freude.     Pred 2,26a 

Wir wissen, dass Gott zwar jeden Menschen kennt. Wie sollte er sonst über Böse und Gute urteilen können? Der Unterschied zwischen guten und weniger guten Menschen ist der Umstand, dass die einen von Gott biblisch „erkannt“ sind, andere nicht. Von denen, auch von solchen die Wunderwerke in seinem Namen vollbringen, welche nicht von im „erkannt“ sind, spricht der HERR, dass er sie nie „gekannt“ hat:

Und er wird sagen: Ich sage euch, ich kenne euch nicht <und weiss nicht>, woher ihr seid. Weicht von mir, alle ihr Übeltäter!     Lk 13,27 

Es ist sonnenklar, dass Gott, wie erwähnt, jeden Menschen bis ins kleinste Detail kennt, sei er gut oder böse. Ansonsten wäre Er ja nicht in der Lage, gerecht zu richten. Es ist aber bezeichnend, dass er von Leuten spricht, die Er kennt, sowie von solchen, die Er nicht kennt.

Personen, die Er nicht kennt, haben nicht wie die anderen denselben Zugang zu Ihm. Die „erkannten“ Leute haben uneingeschränkten Zugang zur allumfassenden Weisheit, andere sind auf die eigene Weisheit und die eigenen Mutmassungen angewiesen. Deshalb habe ich im vorausgehenden Kommentar geschrieben, dass jemand erst korrekt erkannt hat, wenn ihm die Sache durch Gott bestätigt wird. Fehlt der Zugang zu Gott, steht eine solche Person auf sehr begrenzten Ressourcen, dem Eigendünkel und der Volks- bzw. der Expertenmeinung. Menschen, ja selbst Experten können sich sehr täuschen, wie wir aus dem Beispiel mit dem Automobilfachmann und dem Luftmengenmesser gesehen haben. Gott täuscht sich hingegen nie.

Der Schlüssel zur – ich sage es jetzt mal etwas gewagt – Unfehlbarkeit ist die Liebe zu Gott. Wer Gott liebt, gehört zur Gruppe von Menschen, die von Ihm erkannt sind. Diese haben Zugang zu Ihm und somit Zugang zur vollkommenen Weisheit. Gewagt ist es ausgedrückt, weil auch die besten Christen diesen Zugang nicht immer benützen und so etwas Fehlbarkeit bleibt. – Die Botschaft Gottes ist aber trotzdem klar: Wer Ihn liebt, bleibt im Licht (1. Joh 2,10). Im Licht zu wandeln, ist in Klarheit zu wandeln und nicht im Dunkeln herumzutappen. Glückselig, wer das erfasst und danach handelt, denn Gott gibt auch die Weisheit in der Berufswelt. Wer glaubt, Gott nur in geistlichen Dingen etwas fragen zu können, weil sich Gott im Rechnungswesen oder der Ingenieurskunst angeblich nicht auskennt, hat nicht viel von Ihm erfasst. Der HERR möchte und kann mit uns ganz praktische Dinge regeln. Er kann in jedem Beruf Weisheit schenken, um ihn noch besser ausüben zu dürfen. Wer sich nach dieser Weisheit ausstreckt, tut gut daran, Ihn zu lieben. Dann wird er in jeder Situation, sei sie noch so komplex und seien die Sachverhalte mit noch so vielen Systemen verbunden: Ein solcher Mensch wird erkennen, wie man erkennen soll! Amen.

Vers 4

Was nun das Essen von Götzenopferfleisch betrifft, so wissen wir, dass es keinen Götzen in der Welt gibt und dass kein Gott ist als nur einer.     1.Kor 8,4 

Nach dem kurzen Exkurs zum „Richtig Erkennen“ kommt Paulus zum im Kapitel anfänglich erwähnten Thema zurück, dem Essen von Götzenopferfleisch. Er zeigt an dieser Stelle nochmals sehr schön und ungeschminkt, dass Götzen für uns kein Thema sein sollten; es gibt schlicht keine. Es gibt nur einen Gott. Götzen sind Machwerke von Menschen. Sie haben kein Leben in sich. Es sind nichts weiter als Werke von Kunsthandwerkern (Jes 40,20). Zwar gibt es Dämonen, lebendige Wesen also, die Lehren verbreiten und möchten, dass die Menschen nach ihrem Willen tun und ins Verderben rennen (1. Tim 4,1). Sie geben vor, Götter zu sein und werden sogar teilweise von Menschen verehrt. – Für uns gilt aber einerlei; ob es sich um ein totes, hölzernes Götterbild handelt oder ob es sich um eine lebendige, im Blick auf den Allmächtigen, rebellische und böse Macht handelt: Es gibt für uns kein anderes existentes oder inexistentes Wesen, das irgendeinen Dienst fordern kann oder Befehlsgewalt über uns hat. Für Christen gilt diese einfache Aussage: „ … so wissen wir, dass es keinen Götzen in der Welt gibt und dass kein Gott ist als nur einer.“

Wenn diese Aussage gilt, - was gibt es für Götzenopferfleisch? Für uns ist Götzenopferfleisch gewöhnliches Fleisch, wie jedes andere auch. Die Tatsache, dass es vor ein Schnitzbild getragen oder einem Dämon geweiht wurde, ändert überhaupt nichts an der Eigenschaft dieses Nahrungsmittels. Kein fremdes Wesen ist vor dem Herrn Zebaoth, dem Herrn der Heerscharen, berechtigt, Ansprüche auf Speisen geltend zu machen, sowieso nicht gegenüber den Erlösten dieses Herrn Zebaoth, welcher der Allmächtige ist. – Wir müssen solches Fleisch weder „frei beten“ noch sonst wie vom Bösen „reinigen“.

Mit diesem Fleisch verhält es sich so, wie mit dem Gold im Fort Knox, den Staatsreserven der USA, dem wohl am besten von Menschen gesicherten Gut. Wenn ein fremder Staatsmann sagt, er habe Anspruch auf die Goldreserven der USA, seine Streitkräfte nimmt und einen Angriff auf diese Festung startet, wird er spätestens seinen „Nicht-Anspruch“ eingestehen müssen, wenn ihm eine geordnete, weltraum-, luft- und seeunterstützte Armee seine Gehilfen zu Pulver verarbeitet. – Die Goldreserven gehören ins Fort Knox, wie die Speise zum Eigentum und den Machbereich des Allmächtigen, welcher die ganze Welt pulverisieren kann, gehört. So einfach ist das zu verstehen.

Wer in dieser Sache weitergeht und zu erklären versucht, dass vom Feind oder irgendeiner anderen Macht Anrechte auf Speisen erhoben werden können, geht weiter als die Schrift und wird sein Urteil tragen müssen. Amen.

Vers 5

Denn wenn es auch sogenannte Götter gibt im Himmel oder auf Erden – wie es ja viele Götter und viele Herren gibt –,  1.Kor 8,5 

Wie schon erwähnt, gibt es viele „Götter“ und Herren. Wo wir hinschauen, sehen wir Hierarchien und verschiedene Machtbereiche, welche von unterschiedlichsten Wesen beherrscht werden. Es gibt Hierarchien im Reich des Teufels, in all den verschiedenen Verwaltungsgebieten der Menschen, wie es sie auch im Reiche Gottes gibt. Wir wissen zum Beispiel, dass der Engel Michael ein Gewaltiger und Anführer unter seinesgleichen ist (Dan 10,21; Offb 12,7).

Die Machthaber der Finsternis, sowie auch Menschen, überschreiten oft ihren Kompetenzbereich und mischen sich in Gottes Angelegenheiten (z.B. 1. Mo 3ff; 6,4). Diese bösen Machthaber suggerieren dem Menschen Dinge zu tun, die er nicht tun sollte, wie zum Beispiel wahrzusagen, zu pendeln, Tote zu befragen, Wände auf ihr Geheiss in bestimmten Farben zu bemalen, die Ehe aufzulösen, gewisse Speisen nicht zu essen, gänzliches Heiratsverbot anzunehmen (z.B. Zölibat, siehe 1. Tim 4,1) und dergleichen. Tut sich der Mensch schwer, solches anzunehmen, fahren sie schwerere Geschütze auf und lassen Marienstatuen „weinen“ und dergleichen. Es ist nichts Neues, dass Gottes Gegenspieler bis zu einer bestimmten Grenze auch Übernatürliches vollbringen können (z.B. 2. Mo 8,3). Wie gesagt, haben aber alle untergeordneten Mächte Grenzen (1. Mo 8,14) im Gegensatz zu unserem allmächtigen Vater, der alles kann.

Dieser Vater gebot uns, keinen anderen Gott neben Ihm zu haben. Das heisst für uns, dass wir auf keine fremde Stimme hören sollen, die von uns – ausserhalb Seiner Ordnung – Gehorsam fordert. Innerhalb Gottes Ordnung kann Gehorsam gefordert werden. Das heisst, dass wir unseren Statthaltern, der Obrigkeit allgemein, Gehorsam schuldig sind, denn auch die staatliche Ordnung kommt von Gott. In geistlichen Dingen sind wir aber niemandem ausser dem HERRN Gehorsam schuldig! Das ist sehr wichtig zu wissen und zu befolgen! Auch wenn Wunder geschehen (Offb 13,14), heisst das noch lange nicht, dass sie durch den Finger Gottes gewirkt wurden. Wunder, die durch das Böse gewirkt werden, sind dazu da, die Menschen zu verführen. Deshalb gilt:

Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!     Gal 1,8  

Gottes Wort redet diesbezüglich Klartext: Auch wenn höhere Wesen, wie Engel beispielsweise, uns verführen wollen und etwas anderes zu uns bringen als das reine Evangelium, dann seien sie verflucht! Hören Sie nicht auf sie, auch wenn Tränen von Statuen herunterlaufen. Amen.

Vers 6

so ist doch für uns ein Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin, und ein Herr, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.     1.Kor 8,6

Der Präsident der Vereinigten Staaten kann interessierten Menschen eine Arbeitsstelle auf einem Flugzeugträger anbieten. Ein schweizerischer Bundespräsident kann das nicht, weil er nicht über eine Seeflotte verfügt. Ein Machthaber kann nur über das verfügen, was in seinem Bereich zu finden ist. Der Teufel konnte dem Herrn Jesus die ganze Welt anbieten, weil er im Moment die Verwaltung der Erde innehat. Er besitzt die Macht darüber und kann sie geben, wem er will (Lk 4,6; Joh 12,31). Machthaber, seien sie fleischlicher oder geistlicher Natur, können innerhalb ihres Bereiches regieren und Dinge bewegen, wie sie auch Macht übertragen und delegieren können. Auch Jesus übertrug Macht an seine Jünger, indem Er ihnen Vollmacht über die Mächte der Finsternis gab (Mk 6,7; Lk 9,1).

Wir wissen nun, dass es nur einen wahren Gott gibt. Es gibt nur den Einen, der alles vermag, ohne jegliche Grenze zu kennen. Wie Er über grosse Dinge verfügen kann, kann er es auch über kleine. Er kann das ganze Universum regieren, das er selber erschaffen hat, kann aber auch eine Stelle auf einem Flugzeugträger vermitteln, sowie er einer alten Witwe in einem armen Land Nahrung zukommen lassen kann.

Alle „Götter“ haben eine Grenze, der Gott der Bibel hat keine. Daher ist er die höchste Instanz im Universum und hat den berechtigten und alleinigen Anspruch, der einzige und wahre Gott zu sein. Der Mensch wurde durch Ihn, daher gebührt auch Ihm allein die Ehre. – Oder wurden Sie, liebe Leserin und lieber Leser von einer anderen Stimme, einer, die nicht aus dem Mund des Allmächtigen kam, in die Welt gerufen? – Machen wir uns da nichts vor! Nicht einfach irgendetwas oder unser Geld wird uns Ruhe verschaffen, noch der vermeintlich sichere Arbeitsplatz! Gott allein, der Herr aller Herren, Er wird den Seinen Ruhe geben, ohne dass sein Volk von einem anderen aufgeschreckt wird.

Vers 7

Die Erkenntnis aber ist nicht in allen, sondern manche essen es, da sie bis jetzt an den Götzen gewöhnt waren, als Götzenopferfleisch, und ihr Gewissen, da es schwach ist, wird befleckt.   1.Kor 8,7 

Für Christen, die ihren HERRN kennen, ist Götzenopferfleisch gewöhnliches Fleisch, wie jedes andere auch. Denn ein Götze, sei er ein totes Schnitzbild oder ein Mächtiger in der Geisterwelt, kann von Gott gereinigte Dinge nicht wieder verunreinigen. Wir brauchen Speise zum Essen. Wenn wir nun bei jedem Bissen Angst haben müssten, wir würden uns einen Fluch aufladen, wie könnten wir denn entspannt leben? Wir müssten im Dauerstress dahinvegetieren und jede Mahlzeit wäre wie ein russisches Roulette, in welchem man nie weiss, wenn es einen tödlich trifft.

Psalm 86 deutet nochmals den Unterschied zwischen dem Allmächtigen und sonstigen „Göttern“ hin:

Keiner ist wie du, Herr, unter den Göttern, und nichts gleicht deinen Werken.     Ps 86,8 

Was andere Mächtige hervorbringen können, gleicht nicht einmal schattenhaft den Werken Gottes. Es kommt also nicht ansatzweise an sie heran. So gross ist das Machtgefälle zwischen dem wahren Gott und anderen geistlichen Wesen. Aus Vers sechs wissen wir, dass alle Dinge durch Christus sind. Wenn nun alles durch Christus kommt, ist alles perfekt, auch die Speise. Dass nun viele Dinge im Argen liegen kommt daher, dass die Mächte der Finsternis, welche nach Psalm 86 nichts Annäherndes hervorbringen können, einfach Gottes Werk verderben und verunreinigen. Sie können nicht viel mehr als von den Dingen Gottes nehmen und sie verderben, wie es Satan mit der Welt tut. Da nun aber der HERR persönlich alle Speisen für rein erklärt hat, kann im Nachhinein niemand kommen und sagen, dieses oder das andere Stück Fleisch sei unrein. Durch die Rein-Sprechung schloss der HERR jede Türe zur geistlichen Verunreinigung von Speisen (Mk 7,9).

Problematisch wird es, wenn wir jüngere oder schwächere Christen um uns haben. Jemand, der diese Tatsache über das Essen nicht voll erfasst hat, befleckt sein Gewissen, wenn er Götzenopferfleisch isst. Er glaubt zu sündigen, wenn er Götzen geweihte Speisen isst, weil er an gewisse Ansprüche der Götzen glaubt. Er denkt, dass dieses Fleisch durch eine allfällige Weihe tatsächlich aus der Hand Gottes in jene des Götzen übergegangen ist und ist überzeugt, einen Fehler zu begehen, wenn er davon isst.

Dieses Denken kann einen schwachen Christen vom rechten Weg abbringen, wenn wir ihn über seinen Glauben hinaus zu überzeugen versuchen, dass es im Grunde genommen gar kein Götzenopferfleisch gibt. Wenn nämlich jemand das noch nicht im Glauben erfassen kann und etwas im Zweifel tut, wird es ihm zur Sünde, denn er glaubt dabei zu sündigen, tut es aber trotzdem (Rö 14,23). Er begeht wissentlich eine Gesetzesübertretung, auch wenn es paragraphengemäss keine wäre. Weil er aber glaubt zu sündigen, wenn er Götzenopferfleisch isst und es trotzdem tut, sündigt er tatsächlich: Er ist mutwillig in eine mögliche Sünde gestiegen, mit vollem Bewusstsein. Er nahm in Kauf ein Wort des HERRN zu brechen. Solches bringt schwache Christen vom Weg ab und wir sollten uns hüten, solchen einen Anstoss zu legen, wie wir es in den folgenden Versen sehen werden.

Vers 8

Speise aber macht uns nicht angenehm vor Gott; weder sind wir, wenn wir nicht essen, geringer, noch sind wir, wenn wir essen, besser.     1.Kor 8,8   

Gott hat alle Speisen für rein erklärt. Speise ist uns gegeben, um stressfrei die nötige und von Gott rein bewahrte Energie „tanken“ zu können. Sie ist uns nicht gegeben, um damit, indem wir essen oder nicht essen, Gott zu beeindrucken. Wer Gott kennt, weiss, dass Er sich nicht durch antrainiertes Benehmen beeindrucken lässt. Nehmen wir zur Veranschaulichung zwei Menschen, einen ganz bösen und einen herzensguten, welche zur selben Stunde zur Welt gekommen sind. Beiden, der guten und der bösen Person, wird in der Jugend beigebracht, wie man korrekt isst. Als Erwachsene wissen sie in der Folge auch, wie man ohne aufzufallen in einem vornehmen Restaurant tafelt. Würden diese zwei Menschen im besagten Lokal am selben Tisch essen, könnten wir sie nicht unterscheiden. Wir könnten anhand der Art ihrer Nahrungsaufnahme nicht sagen, wer der Böse und wer der Gute ist, da sich beide genau gleich benehmen. – Genau so können wir Gott durch ein Halten eines selbsternannten Speisegebotes nicht beeindrucken. Antrainieren kann sich jeder irgendetwas. Auch der deutsche „Führer“, A. Hitler, hätte mal ein Nachtessen auslassen können, um die Gunst Gottes in den letzten Kriegsjahren zu erlangen. Doch hätte Gott darauf geachtet?

Wir sehen also, dass uns nicht ein Ritual, welches keinen Einfluss auf das Herz hat, Erhörung oder ein Angenehm-Sein vor Gott bringt. Gott können wir nur mit echter Zuneigung beeindrucken. Deshalb werden wir nicht besser vor Ihm, wenn wir anfangen, für Ihn etwas zu essen oder es eben zu lassen. Letzteres ist nur ein von Menschen gemachtes und völlig unnützes Gebot und ist nichts weiter als ein antrainiertes Benehmen, das noch lange nicht zeigt, ob man gut oder böse ist.

Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass dieser Vers nicht im Widerspruch mit dem Fasten steht. Wer richtig fastet, isst aus einem tiefen Bedürfnis nicht. Dieses Bedürfnis kommt aus einem Antrieb des Herzens, welches leidet oder durch Liebe angetrieben, Gewicht auf eine gut gemeinte Bitte an Gott geben will. Rechtes Fasten hat nichts mit antrainierter ritueller Handlung zu tun und wird erhört bei Gott.

Vers 9

Seht aber zu, dass nicht etwa diese eure Freiheit den Schwachen zum Anstoss werde!     1.Kor 8,9 

Durch Paulus‘ Ausführungen konnten wir inzwischen sehr viel lernen. Für die weitere Pflege des Wissens ist unter anderem der Heilige Geist zuständig (Joh 14,26). Dazu haben wir die Erziehung des Vaters, welche uns der Vollkommenheit auch näher bringt (Heb 12,5). Dieses Wissen, gepaart mit den Erfahrungen, die wir mit dem himmlischen Vater machen, bringt uns grosse Freiheiten im Leben; Jesus macht uns wirklich frei (Joh 8,36). Diese grosse Freimütigkeit (Eph 3,12), im Gegensatz zur Knechtschaft derer, welche noch unter die Elemente der Welt versklavt sind (Gal 4,3), ist frappant. Wir tun daher gut daran, wenn wir Jungen im Glauben oder stehengebliebenen Christen nicht zu viel zumuten. Schnell kann unsere Freiheit, welche auf unserer Unterweisung und göttlicher Kenntnis gründet, solche Geschwister überfordern. Wenn wir rücksichtslos mit unserer Freiheit umgehen, verhält es sich so, wie wenn wir mit Kleinkindern an ein Rockkonzert gehen würden. Wir könnten das Konzert geniessen, da wir wissen, wie der Ablauf ist; die Kleinkinder würden im Gegensatz dazu völlig verstört werden, da sie nicht einordnen können, was an einem Rockkonzert abgeht. Die lauten Geräusche, die johlende Menge und die blitzenden Lichter stellten grosse Bedrohungen für sie dar, welche sie weder einordnen noch verarbeiten könnten.

Lassen Sie uns daher immer angepasst mit unseren Geschwistern umgehen! Liebe trägt und überfordert nicht. Liebe stellt den anderen über einen selbst; sie trägt Sorge zum Nächsten! Amen.

Vers 10

Denn wenn jemand dich, der du Erkenntnis hast, im Götzentempel zu Tisch liegen sieht, wird nicht sein Gewissen, da er schwach ist, bestärkt werden, die Götzenopfer zu essen?     1.Kor 8,10   

Ein und dieselbe Sache kann zwei völlig unterschiedliche Auswirkungen haben. Zwei Christen können Fleisch essen, das einem Götzen geopfert wurde; der eine fällt deswegen in Sünde, der andere nicht. Das kommt daher, dass der eine die Situation durch Unkenntnis falsch einschätzt. Dem Schwachen wird durch das Essen im Götzentempel vorgegaukelt, der HERR störe sich nicht daran, wenn man auch ein wenig fremden Göttern dient. Der Schwache nimmt nämlich an, dass Speise tatsächlich kultisch verunreinigt werden kann und derjenige, welcher diese Speise isst, den Götzen ehrt, welchem diese Speise dargebracht wurde. Der Schwache folgert also, dass derjenige, der diese Speise isst, einem fremden Gott dient. Wenn nun ein Starker im Glauben Götzenopferfleisch isst – er selbst weiss dabei, dass die Speise nicht geistlich verunreinigt werden kann und er dadurch keinem Götzen dient -, glaubt der Schwache, wie erwähnt, der Starke diene einem fremden Gott. Fordert der Starke nun den Schwachen auf – meistens sind die Starken die Vorbilder der Schwachen -, dann glaubt der Schwache, es sei statthaft fremden Göttern zu dienen oder zumindest nicht total verboten. Er kann es zwar nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, folgt aber vielleicht dem Starken, indem er auch davon isst. Freilich wird er es mit schlechtem Gewissen tun.

Tut er es tatsächlich, so sündigt er, weil er im Glauben ist, etwas Verbotenes zu tun und es trotzdem tut (Rö 14,23). Der Schwache übertritt seiner Meinung nach klar ein Gebot des HERRN. Wer mutwillig Gebote des HERRN übertritt, zeigt damit, dass er imstande ist, dem HERRN ins Gesicht zu sündigen, auch wenn es sich in diesem Fall in Wirklichkeit nicht um ein tatsächliches Gebot des HERRN handelt. Der Glaube, es sei ein Gebot des HERRN, reicht völlig aus um die Haltung, dem HERRN ins Angesicht sündigen zu können, aufzuzeigen.

Wir Christen sollten die Fähigkeit und Sensibilität entwickeln, Freiheiten nicht immer auszuleben, vor allem dann nicht, wenn sie jemandem schaden können. Ein erfahrener Bergsteiger und Fassadenkletterer hat die Fähigkeit, die Gefahr oder Unbedenklichkeit einer Klettersituation einschätzen zu können. Er kann Dachrinnenabflussrohre hinaufklettern, ohne dass eine grössere Gefahr besteht, wie wenn ein Durchschnittsbürger eine gut befahrene Strasse überquert. Wenn dieser Fassadenkletterer seine Künste Jugendlichen vorzeigt und dabei prahlt, es sei überhaupt nichts dabei und könne nichts geschehen, dann setzt er Jungen völlig falsche Signale. Die Jungen, welche im Klettern völlig unerfahren sind und nicht wissen, wo genau die Gefahren liegen, um die Situation einschätzen zu können, versuchen sich dann auch mal an Abflussrohren in schwindelnde Höhen zu ziehen und bringen sich in grosse, wenn nicht tödliche Gefahr. – Der Fassadenkletterer kann also durch schamloses Ausnützen seiner Freiheit das Leben anderer in Gefahr bringen.

Wie dieser Fassadenkletterer können wir schwache Christen in sehr grosse Gefahr bringen. Wir können sie gar zu Fall bringen, vor allem dann, wenn wir den Glauben in ihnen wecken, die Bibel sei doch nicht so genau zu nehmen. – Wenn sie lesen, man solle mit Götzen nichts zu tun haben und ihnen vor allem nicht dienen, unser rücksichtsloses Verhalten ihnen jedoch suggeriert, dass Götzendienst nicht so schlimm sei, dann haben wir die Katastrophe perfekt inszeniert. Dann werden nämlich die Schwachen die Rufe ihres Gewissens nicht mehr richtig ernst nehmen. In der Folge stehen den Schwachen Türen und Tore für den Weg der Sünde weit offen.

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Ich glaube nicht, dass jemand von uns einem Schwachen zum Fallstrick werden will. Lassen Sie uns daher unser Gewissen feinfühlig und sensibel bleiben! Amen.

Vers 11

Und durch deine Erkenntnis kommt der Schwache um, der Bruder, um dessentwillen Christus gestorben ist.     1.Kor 8,11

Dieser Vers macht es ganz deutlich: Ein und dieselbe Handlung kann zwei völlig unterschiedliche Auswirkungen haben. Der welcher Erkenntnis hat, kann durch seine gute bzw. neutrale Tat einen anderen „umkommen“ lassen. Wenn ich durch das Wachstum im HERRN Wege habe erkennen dürfen, die unschädlich sind im Glauben – mein jüngerer Bruder hat sie aber noch nicht erkannt -, so bin ich verpflichtet, von meinen Freiheiten keinen Gebrauch zu machen, solange sie dem jüngeren Bruder schaden könnten.

Ich weiss, dass Speise keinem fremden Gott geweiht werden kann. Da mein Bruder es nicht weiss und zu sündigen glaubt, wenn er davon isst, dann esse ich auch nichts davon. Würde ich es trotzdem tun und ihn dazu noch animieren, auch davon zu essen, täte er es mit einem schlechten Gewissen und im Glauben, zu sündigen. – Im übertragenen Sinne hätte ich meinen Bruder zu Fall gebracht bzw. „umkommen“ lassen.

Die Schrift bewertet unachtsames Verhalten, welches zur Sünde führen kann, als sehr groben Fehler. Beim Vorsatz dazu, aber auch wohl im allgemeinen Sinn, warnt uns der HERR persönlich:

Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.     Mt 18,6 

Kleinkinder umsorgen wir doch auch mit Liebe und grosser Rücksichtnahme. Wieso sollen wir es mit unseren lieben Geschwistern im HERRN nicht auch tun? – Lassen Sie uns rücksichtsvoll miteinander umgehen!

Christus starb für den schwachen, sowie für den starken Bruder. Ob schwach oder stark, der Kaufpreis ist für beide Christus. Dabei ist zu beachten, dass der Starke gegenüber einem noch Stärkeren wiederum in weitergehenden Punkten wiederum schwach ist. Jemand wie Paulus könnte heutzutage, wo sich das Christentum im Niedergang befindet, als Starker auftreten, währenddem die Starken dieses Zeitalters wie Schwächlinge dastünden.

Christus, als der Stärkste überhaupt, nahm selbst grosse Rücksicht auf seine Apostel und seine Zeitgenossen. Denken wir zum Beispiel an die Begebenheit mit der Tempelsteuer (Mt 17,24ff). Obschon Jesus als Hausherr die Steuereintreiber und Petrus hätte scharf zurechtweisen bzw. einfach übergehen können, liess er sich soweit herab, dass er Petrus sanft darüber belehrte und den Hausdienern die Steuer bezahlte. Er wollte keinem Unwissenden ein Anstoss sein, welcher den Weg zu Ihm hätte erschweren können.

Genau diese Haltung sollen wir auch annehmen; dazu fordert uns dieser Vers auf.

Vers 12

Wenn ihr aber so gegen die Brüder sündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, so sündigt ihr gegen Christus. 1.Kor 8,12   

Unsere Brüder sind Miteinverleibte. Sie wurden, wie wir, in den Leib Christi gefügt. Wenn wir sie verletzen, sündigen wir gegen den Leib, von dem wir auch ein Teil sind. Dass das in mehrfacher Hinsicht eine schlimme Sache ist, leuchtet ein, denn wir schaden uns als Glieder des Leibes selbst, dazu sündigen wir gegen das Haupt dieses Leibes. Drittens legen wir eine völlige Aufgeblasenheit als Christen an den Tag, indem wir lieblos sind und Freiheiten zu Lasten anderer ausnützen. Damit zeigen wir nach aussen, dass wir glauben gewachsen und professionell zu sein, äussern aber im Licht der Bibel genau das Gegenteil, nämlich fleischliches und somit verwerfliches Verhalten.

Leider ist solch böses Gebaren in vielen Gemeinden die Tagesordnung. Zu beobachten ist der Trend, dass Menschen, die in der Welt etwas gelten, auch automatisch leitende Funktionen in der Gemeinde übernehmen. Der Bankmanager und sonstige „kleine Wirtschaftsführer“ dominieren – teilweise mit weniger als fünfzig Jahren – den Rat der Ältesten. Sie sind zwar keine wahren Ältesten, setzen sich aber dennoch auf deren Stühle. Durch den Erfolg im Geschäft glauben sie in der Einbildung tatsächlich, reif genug zu sein, um die Gemeinde des HERRN so führen zu können, dass die Schafe, die kleinen und die grossen, die elenden und die gesunden, die schwachen und die starken, die zweifelnden und die sicheren Mitglieder keinen seelischen Schaden in Bezug auf den schmalen Weg des HERRN nehmen. Diese Führer nehmen für sich in Anspruch, gut über die Seelen wachen zu können, sodass der HERR, wenn es zur Abrechnung kommt, über ihre Wege voll des Lobes sein wird (Heb 13,17), so wie es jetzt ihre Vorgesetzten im Qualifikationsgespräch im Geschäft mit ihnen sind, welche nicht selten heuchlerisch, eigennützig und willkürlich beurteilen.

Der jüngste Tag wird es zeigen, ob der HERR bewusst das Wort „Älteste“ für die Überseher und Wächter der Gemeinde gewählt hat oder ob es ein „Versehen“ des HERRN war. Auch wird an den Tag kommen, ob weltliche Qualifikationen automatisch auch für den geistlichen Dienst autorisieren und ob der HERR ausschliesslich für diese Dienste die Auswahl trifft (Apg 13,2). Vieles wird bald an den Tag kommen und wir werden verstehen, was es heisst, dass „Erste“ „Letzte“ sein werden und umgekehrt (Mt 19,30). Amen.

Vers 13

Darum, wenn eine Speise meinem Bruder Ärgernis gibt, so will ich nie und nimmermehr Fleisch essen, damit ich meinem Bruder kein Ärgernis gebe.     1.Kor 8,13  

An dieser Stelle sprechen wir von einer für unsere Zeit sehr ernsten Sache. Es lohnt sich hier etwas innezuhalten und sich Gedanken darüber zu machen. Vor einigen Jahrzehnten wäre dieser Vers von allen leichter verstanden worden. Heute ist das anders; heute steht das eigene Vergnügen zuoberst. Bis auf wenige Einzelpersonen ist die Gesellschaft so weit, dass die Freiheiten, welche man durch Geld, Position oder einer allgemein besserer Ausgangslage hat, voll ausgenützt werden. Wird beispielsweise jemand Zeuge einer für den Nächsten üblen Situation, schaut er in der Regel weg, um kein Geld oder Zeit für Hilfeleistungen investieren zu müssen. Die Zeitungen und Videoportale sind voll von solchen Berichten.

Die Gesellschaft entsetzt sich zwar künstlich darüber, wenn sie von ferne urteilen kann. Wird aber jemand Betroffener in einer Situation, wo es dem (fremden) Nächsten schlecht geht, wird weiterhin weggeschaut.

In der Gemeinde des HERRN sieht es vielerorts nicht besser aus. Der HERR legte uns mit dem Leviten und dem Priester ein treffendes Zeugnis seines Volkes ab (Lk 10,25ff). – Dabei besagt dieser Vers ausdrücklich, dass die Liebe weit, sehr weit über den persönlichen Freiheiten steht. – Ich weiss von Menschen, die gemeinsam unterwegs sind. Der eine hat auf der Rückreise noch zwei Geldmünzen übrig, der andere nicht. Dann begegnet ihnen ein Eisverkäufer, welcher Eis für genau diese zwei Münzen anbietet. Da gibt es doch viele „Gefährten“, die sich, obschon sie zu zweit unterwegs sind, ein Eis für sich alleine kaufen und den anderen beschämen, der kein Geld mehr hat, obschon im nahegelegenen Laden zwei kleinere Erfrischungen, wovon beide etwas haben, für dieselbe Summe angeboten werden. – So lässt der Egoismus tagtäglich grüssen und lässt deutlich werden, wie die Herzen erkaltet sind (2. Tim 3,2-4, besonders in der Versangabe zu beachten sind die Wörter „lieblos“, „unenthaltsam“, „grausam“, „mehr das Vergnügen liebend als Gott“).

Heute erkennen die Menschen die korrekte Wertfolge nicht mehr; ein Eis kommt vor der viel wichtigeren Liebe! An was für einem erbärmlichen Punkt sind wir angelangt! Wie blind sind wir geworden!

16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden.
17 Narren und Blinde! Was ist denn grösser, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?
18 Und: Wenn jemand bei dem Altar schwören wird, ist das nichts; wenn aber jemand bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, so ist er gebunden.
19 Blinde! Was ist denn grösser, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt?   
20 Wer nun bei dem Altar schwört, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist.  Mt 23,16-20 

So blind, wie damals die geistliche Elite war, welche die Hierarchie der Werte nicht mehr sah, so blind tappt man in den heutigen Gemeinden im Dunkeln. „Der Mensch kommt vor Gottes Wort“, wird im humanistischen Geist gelehrt, obschon das Wort Gottes Christus selbst ist (Joh 1,1.14), welcher den Menschen reinigt und heiligt (Eph 5,26) und überhaupt die Grundlage ist, dass es Menschen gibt (Kol 1,17). In einer törichten, humanistischen Weise wird bei Fehlbaren, die durch vorsätzliche Sünden in der Gemeinde bezeichnet werden sollten (2. Thess 3,14), einfach weggeschaut und auf die Lehre der „Achtung des menschlichen Lebens“ hingewiesen, welche in falscher Anwendung bösen Menschen Türen und Tore öffnet, die Gemeinde ganz in die Unreinheit und den Niedergang zu zerren (Offb 2,5). – So und in vielen anderen Beispielen wird der Mensch vor das Wort Gottes gesetzt. Damit wird die Hierarchie Gottes der Werte durch die Menschen als ungültig erklärt und von ihnen neu definiert. – Zu solch bösen Werken sind Brüder und Schwestern fähig! Selbst ich wäre wie David schnell an diesem Punkt (2. Sam 11,27), wenn ich nicht täglich um den Segen des HERRN und Seine Wache über mein Herz und meine Lippen bitten würde (Ps 141,3).

Lassen Sie sich daher durch die Weisheit Gottes belehren, liebe Leserinnen und Leser! Wenn irgendetwas, der Liebe untergeordnetes, wie zum Beispiel die Freiheit, eine bestimmte Speise zu essen, einen Bruder in Bedrängnis bringen könnte, sollen wir mit Leichtigkeit aussprechen können: „Ich will es nimmermehr tun!“ Amen.

 

Kapitel 9

Vers 1

Bin ich nicht frei? Bin ich nicht Apostel? Habe ich nicht Jesus, unseren Herrn, gesehen? Seid nicht ihr mein Werk im Herrn?     1.Kor 9,1

Mit dem neuen Kapitel beginnt ein neues Thema. – Es gab einige Menschen in Korinth – wo gibt es sie nicht? – welche die Autorität des von Gott gesandten Dieners, Paulus, in Frage stellten. Paulus sah sich den schwachen Geschwistern gegenüber gezwungen, sich rechtfertigen zu müssen. Er rechtfertigte sich nicht wegen seiner Gegner; Paulus musste sich um der noch ungefestigten Geschwister willen rechtfertigen, damit die bösen Stimmen aus der Gemeinde nicht durch das Säen von Zweifeln Brüder und Schwestern verführen konnten.

Paulus wusste so genau um seinen Auftrag des HERRN (Apg 13,2), dass er Kritik an seinem Auftrag in keinem Punkt ernstzunehmen brauchte. Er schreibt deshalb auch an einer anderen Stelle, wie er Kritik an seinem Dienst, den er von höchster Instanz befohlen erhielt, einstufen muss:

Mir aber ist es das Geringste, dass ich von euch oder von einem menschlichen <Gerichts->Tag beurteilt werde; ich beurteile mich aber auch selbst nicht. 1.Kor 4,3

Welcher Mensch oder Engel hätte ihm sagen können: „Was tust du da?“, wo er doch im Auftrag des HERRN unterwegs war? – Daher: Jegliche Kritik hätte ihm völlig egal sein können. Bei Kritik hätte er jedes Mal den Staub von seinen Füssen schütteln und den unheiligen Ort der Widersacher Gottes verlassen können. Der treue Diener des HERRN tat es aber nicht. Er blieb nicht aus falscher Demut oder wegen eines Helfersyndroms. Er wusste, dass echte Widersacher des HERRN nicht zu belehren sind. Er rechtfertigte sich deshalb nicht um ihretwillen; vielmehr tat er das, wie erwähnt, um der schwachen und wankelmütigen Geschwister willen, welche in der Gefahr standen, durch deren böses Geschwätz von seiner guten Lehre abzufallen.

Seine Verteidigung begann er, indem er aufzeigte, wer er ist. Er war ein freier Mann und nicht irgendeiner religiösen Gruppe verantwortlich. Damit zeigte er seine Unabhängigkeit auf und stopfte jenen das Maul, welche behaupten wollten, er wolle irgendeine Philosophie unterstützen. Zweitens machte er deutlich, ein Apostel zu sein. Apostel waren nicht „nur“ gewöhnliche Abgesandte des HERRN, wie es heutzutage beispielsweise berufene Evangelisten sind. Evangelisten stehen auch im Dienst des HERRN und sind gesegnete Menschen. Die Apostel hatten aber vom HERRN noch gewichtige Zusatzwerkzeuge in den Schoss bekommen, nämlich Zeichen und Wunder. Nur Apostel, die Zeichen und Wunder vollbringen können, sind echte Apostel, wie wir aus der Schrift entnehmen können (Apg 14,3; 2. Kor 12,12!). Drittens hatte Paulus Jesus gesehen, was die wenigsten der Korinther, wenn überhaupt jemand, von sich behaupten konnten. Dazu waren die Korinther selbst durch seinen Dienst zur Gemeinde des HERRN gekommen. Mit diesem gewichtigen Argument, würde man meinen, wäre jedem Widerspruch ein Ende gesetzt. Paulus verliess sich jedoch nicht darauf und fuhr mit seiner väterlichen und liebevollen Argumentation weiter, bis weit in das Kapitel hinein, damit der Anschlag des Widersachers möglichst schadenfrei blieb.

In den folgenden Versen stossen wir auf eine wirklich herrliche Seite des Apostels! Amen.

Vers 2

Wenn ich für andere kein Apostel bin, so bin ich es doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamtes seid ihr im Herrn.     1.Kor 9,2  

Mögen die Menschen alles Wirkliche leugnen – Spötter tun es sowieso -, so sollten die Getreuen in Korinth aber wissen, dass Paulus zumindest für sie Apostel war. Aus einer völlig reduzierten Sichtweise gesehen, denn nicht alle Korinther wussten wohl, was Paulus noch alles ausserhalb Korinth gewirkt hatte, sollten die Korinther erkennen, dass Paulus wenigstens im für sie erkennbaren Bereich Apostel war. Er war der Abgesandte Gottes für das Evangelium in Korinth. – Wir wissen heutzutage wohl, dass er es auch für andere Örter war.

Paulus zeigt hier in einer menschlich herrlichen Weise, dass er darauf verzichtet, auf all seine Errungenschaften hinzuweisen, damit die Korinther nicht vom Glauben kämen, den sie, wegen den Verleumdern und weil sie Paulus auf seinen weiteren Reisen nicht begleitet hatten, in Frage hätten stellen können. Paulus wollte deshalb, dass sie nur Korinth allein fokussierten. So gesehen hatten sie keine andere Wahl als anzuerkennen, dass Paulus mit seiner Rede und den darauffolgenden Zeichen ein Apostel Gottes war; auch dann, wenn seine Arbeit sich tatsächlich nur auf Korinth bezogen hätte. Durch seine Arbeit wurden sie gerettet, geheilt und Zeugen von Gottes Machttaten. Sie waren als Direktbetroffene Zeugen und das „Siegel“ seiner Arbeit. Sie konnten sein Wirken nicht leugnen, vielmehr mussten sie es als wahr bestätigen, wie ein Siegel die Echtheit eines Dokumentes bescheinigt (1. Kö 21,8). Amen.

Vers 3

Meine Verteidigung vor denen, die mich zur Untersuchung ziehen, ist diese:    1.Kor 9,3

Aus der Sicht der Position, welche Paulus vor dem HERRN innehatte, ist es erstaunlich, dass er überhaupt wegen Menschen, welche ihn kritisierten, eine Reaktion zeigte. Paulus hatte unter Gamaliel, einem angesehenen Schriftgelehrten (Apg 5,34), das Gesetz studiert (Apg 22,3). Danach durfte er speziellen privaten Unterricht vom HERRN persönlich geniessen und wurde bis in den dritten Himmel entrückt (2. Kor 12,2ff). Schlussendlich wurde er in das höchste Amt der Gnadenzeit eingesetzt (1. Kor 12,28); er wurde damit gar vor die neutestamentlichen Propheten gesetzt, welche direkte Aussprüche des HERRN erhalten. – Stellen wir uns einmal die Situation vor, wenn eine Reinigungskraft die Strategie eines Generaldirektors, Vorstandsvorsitzenden oder CEO’s eines Weltkonzerns kritisieren würde! Käme das dem besagten Direktor zu Ohren, würde ihm nicht einmal ein müdes Lächeln über das Gesicht huschen, da er solche Kritik als unqualifiziert und nichtig abtäte. Die Kritik an Paulus‘ Strategie aus den Reihen der Korinther war ebenso unqualifiziert. Oder kamen Apostel aus den Reihen der Korinther? Wer von ihnen konnte eine annähernd ebenbürtige Ausbildung vorweisen? Wussten sie überhaupt irgendetwas Gescheites von Gott, bevor Paulus in Korinth eintraf? – Wir sehen hiermit, dass Paulus es überhaupt nicht nötig hatte, sich vor ihnen rechtfertigen zu müssen. Vielmehr hätte er sie scharf zurechtweisen können! – Er tat es jedoch nicht, da er in den Fussstapfen Jesu wandelte, welcher „das geknickte Rohr nicht zerbrach und den glimmenden Docht nicht auslöschte (Mt 12,20).“ Paulus blickte über die Unwissenheit und Arroganz einzelner Korinther hinweg. Er wusste aber auch in seiner Weisheit, dass seine Kritiker an Gewicht gewinnen konnten, wenn er nicht auf ihre Aussagen eingehen würde, weil die Korinther allgemein schwach waren. Sie hätten eine Nicht-Verteidigung als Schwäche des Paulus angesehen und die Autorität seiner Worte wegen der grossen Worte seiner Kritiker aus dem Blickfeld verloren.

Um der unwissenden und schwachen Korinther willen liess sich somit Paulus zu einer Verteidigungsrede herab und erklärte ihnen geduldig in den folgenden Versen die Rechte der Arbeiter des HERRN. – Was war Paulus für ein reifer und edler Mann! Er spiegelte in diesem Brief den Charakter des HERRN schon in vielen Facetten!

Vers 4

Haben wir etwa kein Recht, zu essen und zu trinken?     1.Kor 9,4

Von diesem Vers an bis zum vierzehnten belehrt Paulus die zu unterweisenden Korinther (Apg 18,9ff) ausführlich, hieb- und stichfest, was Gott über den Lohn seiner Arbeiter geboten hat.

Der Widersacher hat es mit seinen Sekten weit gebracht, sodass die Leute grosse Vorurteile gegenüber „religiösen“ Menschen hegen. „Solche wollen nur euer Geld“, wird den Leuten suggeriert und durch die falschen Gemeinschaften augenscheinlich gelebt. Viele „Sektengurus“, welche überhaupt nichts Wahres von Gottes Charakter vermitteln, haben es durch ihre Verführungen und betrügerischen Botschaften geschafft, ihren „hirngewaschenen“ Anhängern hunderttausende von Franken bzw. Euro abzuknöpfen. Wen wundert es also im Blick auf die religiöse Landkarte, dass Atheisten diesbezüglich grosse Vorbehalte gegen solche hegen, die nur irgendwo mit der Bibel in Verbindung gebracht werden könnten. Auch liegt es auf der Hand, dass die Atheisten nicht zwischen den Guten und den Bösen unterscheiden können, daher werden Gottesfürchtige und Verführer zur selben suspekten Personengruppe gezählt.

Die Masche des Verführers, des Vaters der Lüge (Joh 8,44), ist immer die gleiche: Er lügt direkt oder streut in lügnerischer Absicht Zweifel. Wenn ein echter Christ zum Thema wird, jemand, der in Tat und Wahrheit für den HERRN steht gemäss Seinem Gebot (Mt 28,19), stellt der Teufel sofort den Anspruch dieses Gläubigen auf irdische Gegenleistung in Frage, sei es Versorgung durch Geld oder sonstigen Unterhalt. Da scheut sich der Satan nicht einmal biblische Argumente, welche er in böser Absicht missbraucht, zu benutzen. Sofort weist er auf Bibelstellen hin, wie diese als Beispiel:

Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt!     Mt 10,8  

Damit suggeriert der Feind dem Menschen, welcher mit einem echten Gläubigen in Kontakt gekommen ist, dass der Diener Christi nur von der „Luft“ leben soll, auch wenn er vollzeitlich dient; er soll also ohne Unterhalt für Nahrung und Kleidung auskommen. – Dies widerspricht jeglicher Vernunft und allen Anordnungen Gottes, wie wir noch eindrücklicher in den nächsten Versen dieses Kapitels sehen werden. Das „umsonst gebt“ aus dem Matthäusevangelium steht dafür, dass man die geistlichen Dinge nicht kommerzialisieren soll. Der HERR gestattet nicht, sie als Handelsware zu missbrauchen. Sehr wohl möchte der HERR aber, dass seine Diener, welche sich in das Reich investieren und darin arbeiten, zumindest nicht in irdischen Dingen darben sollen. Dem vollzeitigen Diener sollte die irdische Existenz gesichert sein.

Zu dieser Existenz, ob sie das Minimum bedeutet oder ob sie versilbert bzw. gar vergoldet werden sollte, wie sich die Katholiken (Vatikan) sie sich vergolden lassen, könnte man sehr viel schreiben, was hier den Rahmen wohl sprengen würde. Dazu möchte ich nur zu bedenken geben, ob es von der Gebersicht in der Liebe statthaft ist, den geistlichen Dienern eine irdische Gabe des Geizes abzugeben (2. Kor 9,5). Aus der Sicht des Empfängers gebe ich zu überlegen, ob es recht ist, wenn er es sich viel besser gehen lässt als es jenen geht, die ihn unterstützen, wie es die bösen Diktatoren armer Länder machen. – Da ist eine angepasste Lösung gut. In einem kalten Land, wo alle in geheizten und gemauerten Räumen wohnen, stehen dem Diener auch solche zu, wogegen in einem sehr armen Land, wo alle in Strohhütten leben, sich die Diener auch den Gegebenheiten anpassen und so leben sollen, wie es der Durchschnitt der Bevölkerung tut.

Um zum Vers zurückzukommen: Der echte Arbeiter des HERRN hat selbstverständlich Anspruch auf Essen und Trinken! Amen!

Vers 5

Haben wir etwa kein Recht, eine Schwester als Frau mitzunehmen wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?    1.Kor 9,5  

Es ist interessant zu beobachten, dass Menschen, welche Christen kritisieren, auch den Zivilstand „verheiratet“ bemängeln. Am liebsten würden sie einem Diener Gottes alles absprechen, den Unterhalt, die Ehe, wie auch andere freie Entscheidungen treuer Knechte Gottes. Dabei ist offenbar, woher die Kritiker ihre Leitsätze beziehen:

1 Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, 
2 durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, 
3 die verbieten, zu heiraten, und <gebieten>, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen.     1.Tim 4,1.2.3

Dass Kritiker von echten Dienern Gottes auf der Seite des Teufels stehen liegt auf der Hand; er ist der Gegenspieler des HERRN. Der Heilige Geist offenbart uns im Timotheusbrief zusätzlich, woher sie ihre Lehren haben. Ihre Philosophien kommen von betrügerischen Geistern und von Dämonen, von geistlichen Dienern des Teufels also. So wissen demnach aufmerksame Bibelleser, woher das Zölibat beispielsweise kommt. Der HERR hat seinen Dienern nicht verboten, zu heiraten. Die betrügerischen Geister und Dämonen lehren solches, wie sie auch in Bezug auf die reinen Speisen böse Lehren verbreiten.

Ein guter Diener des HERRN bietet keine Angriffsfläche für Kritik (1. Petr 2,12). Wen wundert es also, dass die Widersacher nur mit erlogenen Geschichten verleumderisch gegen die Getreuen des HERRN vorgehen können? – Wehe diesen Widersachern, die versuchen, die Arbeit des HERRN zu verderben! Wer wird für sie an dem Tag einstehen, wenn sie vor dem Allmächtigen zur Rechenschaft gezogen werden? Wird der Teufel, welcher in den Feuersee geworfen wird und welcher ein Menschenmörder ist (Joh 8,44), für sie sprechen? – Niemals! Vielmehr freut er sich, wenn möglichst viele Menschen zusammen mit ihm in der Hölle ewige Qualen leiden, auch wenn sie ihm das ganze Leben gedient haben. Täuscht euch da nur nicht, ihr alle, die ihr die Arbeit des HERRN sabotieren wollt! Amen.

Paulus und seine Mitstreiter hatten die grundlegenden Rechte zu heiraten, von welchen die anderen Apostel teilweise Gebrauch machten. Petrus (Kephas) war schliesslich auch verheiratet, wie wir wissen (Mt 8,14).

Vers 6

Oder haben allein ich und Barnabas kein Recht, nicht zu arbeiten?    1.Kor 9,6  

Paulus fragte hiermit die Gemeinde, ob er und Barnabas die einzigen wären, welche zur geistlichen Arbeit die irdische zusätzlich zu verrichten hätten; er fragte, ob es bei ihnen als normal angesehen wurde, dass sie beide eine Doppelbelastung zu tragen hätten.

Die bösen Stimmen in Korinth wiesen die Zuhörer darauf hin, dass sie Acht haben sollen, wie Paulus und Barnabas sich in der Arbeit für den täglichen Unterhalt bemühten und blendeten damit die hervorragenden geistlichen Dienste der beiden Diener aus. Die üblen Zungen hatten sowieso kein Interesse an Paulus‘ Arbeit im HERRN und hatten keine Ruhe, bis ihre Verleumdungen unter das Volk gekommen waren. – Wir müssen wissen, dass sich böse Menschen so verhalten, der HERR hat es längstens im Wort aufgezeichnet:

Die Seele des Gottlosen giert nach Bösem, keine Gnade findet bei ihm sein Nächster.   Spr 21,10  

Der Gottlose verrichtet die bösen Dinge nicht zufällig; sie passieren nicht einfach so, wie sie es in der Regel wie Unschuldslämmer vor weltlichen Gerichten beteuern. Der Gottlose giert danach. Es ist ihm ein Greuel, wenn die Gerechtigkeit die Oberhand hat:

Ein erfüllter Wunsch erquickt die Seele, aber ein Greuel ist es den Toren, vom Bösen zu weichen.   Spr 13,19 

Ich muss immer wieder über Berichte von Vorgängen in Gerichtsprozessen schmunzeln, in denen sich die weltlichen Richter von gerissener psychologischer Taktik der Verbrecher und ihrer Anwälte beeindrucken liessen. Bei den Übeltätern ist da die Rede von „Filmriss“ und „ich weiss nicht, was damals in mir vorging“ und im Verlauf werden da den Richtern ähnliche Märchen aufgetischt und von beigezogenen Psychologen als „glaubwürdig“ bestätigt. Die „schwierige Kindheit“, ein bereits obligater Spruch, darf da natürlich auch nicht fehlen, damit auch ein hartgesottener Richter weich wird. – Auch ich hatte eine sehr schwierige Kindheit und trotzdem habe ich jetzt nicht das Gefühl, das Recht zu haben, ein Übeltäter zu werden! – Und, da der Humanismus auch die Justiz, wie die ganze Gesellschaft, durchdrungen hat, glauben die Richter teilweise an „etwas Gutes“ im Menschen (Mt 7,11), auch bei auffällig bösen Individuen, von denen die Heilige Schrift sagt, dass es Toren (in Bezug auf korrekten Wandel in der Welt) ein Greuel ist, vom Bösen zu weichen. – Dass der Böse nach guter Vorbereitung durch psychologisch gewiefte Anwälte die Taktiken und Wörter vor Gericht anwendet bzw. wiedergibt, welche ihm eine Chance für das Mindeststrafmass öffnen, liegt für jedermann auf der Hand.

Dieser kurze Abstecher in die Welt derer, die nach dem Bösen gieren, öffnet uns das Verständnis für die Taktik der Kritiker von Paulus und seinen Gefährten. Paulus, der Diener des HERRN, wurde durch den Geist für diesen Dienst ausgesondert (Apg 13,4) und ausdrücklich für die Arbeit in Korinth eingesetzt (Apg 18,9.10). Die Korinther wurden in der Folge durch diese Arbeit vor der ewigen Hölle errettet. – Nun kommen Leute, welche diese seelenrettende, grosse und von höchster Instanz angeordnete Arbeit kritisieren und für nichts achten, indem sie den Fokus der Korinther davon weg auf den Broterwerb Paulus‘ richten und darin Ungereimtheiten sehen wollen. Können Sie, liebe Leserinnen und Leser, den abgrundtief bösen und teuflischen Anschlag dahinter sehen?

In unseren Leben begegnen wir immer wieder solchen Menschen; davon könnte ich Ihnen viel erzählen. – Hüten Sie sich vor solchen und glauben Sie nicht, solche durch „gutes Zureden“ ändern zu können. Weisen Sie solche nach ein- bis maximal zweimaliger Ermahnung ab (Tit 3,10) und vergeuden Sie mit ihnen nicht Ihre wertvolle Zeit und heilsamen Worte, welche vom HERRN für andere und rettungswürdige Menschen bestimmt sind.

Vers 7

Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst dessen Frucht nicht? Oder wer hütet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde?     1.Kor 9,7 

Paulus erklärt an dieser Stelle, was jeder vernünftige Mensch durch das Leben bereits wissen sollte: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert (Lk 10,7; 1. Tim 5,18).“ Schlussendlich geht sich ja auch niemand an einen möglichen Arbeitsplatz vorstellen und verzichtet in der Lohnfrage auf jegliche Gegenleistung bzw. Entlöhnung. Unser himmlischer Vater, welcher besser ist als jeder irdische Arbeitgeber, verbürgt für seine Arbeiter und hat uns eine sichere Entschädigung für unsere Arbeit versprochen: Gegenwärtig soll es seinen Arbeitern nicht an Nahrung und Kleidung fehlen (Mt 6,31-33) und zukünftig wird den treuen Dienern grosser Lohn bereitstehen (Lk 19,19). – Somit war es das Geringste, wenn die Korinther den göttlich beauftragten Dienern den Unterhalt bezahlten! – Dies schreibe ich mit Absicht so klar und deutlich, obschon ich weiss, dass die Unterhaltszahlung an Diener Gottes durch die grassierende Scharlatanerie in Verruf gekommen ist. Wer möchte schon sein Geld sinnbildlich aus dem Fenster werfen und selbsternannten Aposteln, welche in Wirklichkeit keine sind, den Lebensunterhalt unnötigerweise zahlen? Solche sind in der letzten Zeit viele aufgetreten und weitere werden sich dazugesellen (Mt 24,24). Der Scharlatanerie zum Trotz müssen wir Christen jedoch unsere Verantwortung wahrnehmen und die „Spreu vom Weizen trennen“. Wir sind unserer Aufgabe, geistliche Diener irdisch zu unterstützen, nicht entbunden. Daher kommt auch dieser Vers:

Nicht, dass ich die Gabe suche, sondern ich suche die Frucht, die sich zugunsten eurer Rechnung mehrt.   Phil 4,17 

Nicht selten nimmt der HERR das eigene Volk in die Pflicht, die vollzeitigen Diener zu unterstützen (siehe auch Tit 3,14), obschon er auch andere Möglichkeiten hat. Unser Vater möchte nicht, dass wir übermässig finanziell „bluten“; er möchte aber Frucht aus der Gottes- und der Nächstenliebe sehen. Amen.

Vers 8

Rede ich dies etwa nach Menschen<weise>, oder sagt das nicht auch das Gesetz?  1.Kor 9,8  

Damit die Korinther die Ausführungen Paulus‘ nicht als Menschenweisheiten abtun konnten – die Gefahr war gross bei Voreingenommenheit –, wies Paulus auf diesbezügliche Aussagen Gottes hin, welche im Gesetz zum Ausdruck kommen. Das Gesetz, welches durch Mose zu den Israeliten kam, ist nicht einfach eine „jüdische Tradition“, wie es einige Theologen in völlig unzutreffender Wortwahl abwerten. Das Gesetz kam nicht durch Menschen zum Volk Gottes, es entsprang nicht der Phantasie Moses (Heb 2,2). Das Gesetz ist göttlich, heilig und gut.

So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.   Röm 7,12  

Mit dem Argument, dass selbst das Gesetz Gottes im Alten Testament eine Entschädigung der Arbeiter verlangte, bewies Paulus den verunsicherten Korinthern, dass die Vorwürfe an ihn und seine Mitstreiter verleumderischen und somit bösen Charakter hatten.

Die Hand aufs Herz: Wenn wir das so durchlesen, sind Paulus‘ Ausführungen so logisch, dass wir uns fragen müssen, weshalb er sich denn die Mühe dafür nahm. „Wenn die Korinther auf so plumpe Verleumdungen hereinfielen, sind sie es doch nicht wert, ermahnt zu werden. Da war doch Hopfen und Malz verloren!“, mögen wir uns vielleicht denken. Und: „Hatte Paulus denn kein bisschen Stolz, dass er sich soweit hinabliess, um den Korinthern die „Füsschen“ zu waschen, welche sie sich in ihrer Naivität und Unerfahrenheit schon wieder „schmutzig“ gemacht hatten?“ – Paulus setzte die Ehre seiner Person hinter die Anliegen Christi. Sein Stolz stand hinter allem Begehren des Christus. Weil Christus sagte, er habe ein grosses Volk in Korinth (Apg 18,10), räumte Paulus alles zur Seite, was ihn daran hindern konnte, auch nur eine Seele zurückbleiben zu lassen.

Wir sehen in Paulus einen göttlich geformten Charakter. Er war sehr, sehr stark; doch so fest er auch war, so zärtlich konnte er mit Unmündigen und Unwissenden umgehen. Obwohl Paulus tausend Gründe hatte, unwillig mit den Korinthern zu werden, hielt er sich weise zurück und bewies damit, dass es in Bezug auf die Rettung der Menschen und allgemein besser ist, seinen Geist zu beherrschen, als eine Stadt zu erobern, wie geschrieben steht:

Besser ein Langmütiger als ein Held, und besser, wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert.   Spr 16,32 

Joab, der Feldhauptmann Davids, ein furchtloser und verwegener Kämpfer, welcher als Kriegsheld seinesgleichen suchte und Städte eroberte, als ob es ein Spaziergang wäre (2. Sam 12,27; 1. Chr 11,6). Seine Kraft und Verwegenheit allein verhalf ihm aber nicht zur Gunst vor dem HERRN, wie wir aus seiner Geschichte wissen. – Wir tun daher gut, wenn wir uns in der Langmut und der Beherrschung des Geistes üben, indem wir alle Anliegen Christi vor die unseren stellen. Dann werden wir auch in so üblen Situationen, wo der Stolz sehr herausgefordert ist, ruhig bleiben und launische und wankelmütige „(Klein-) Kinder des HERRN“ ins Reich retten können.

Vers 9

Denn in dem Gesetz Moses steht geschrieben: »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«. Ist Gott etwa um die Ochsen besorgt?     1.Kor 9,9 

Der Ochse, der arbeitet, soll essen können. Ihm soll das Maul nicht verbunden werden. So will es Gott haben; so hat Er es angeordnet. „Ist Gott etwa um die Ochsen besorgt?“, fragt Paulus an dieser Stelle. Der HERR ist um die Tiere besorgt, mit Sicherheit sogar (Spr 12,10; Mt 6,26). Doch ich bin überzeugt, dass dieser Vers mehr für den übertragenen Sinn gegeben wurde. Nämlich, dass es augenscheinlich ist, einem Arbeiter des HERRN zumindest seine Nahrung nicht vorzuenthalten, wie wir es selbst aus dem Mund unseres HERRN persönlich kennen:

Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.     Mt 10,10b 

Genau dieselbe Anordnung kommt an Timotheus im Blick auf die Diener des HERRN, besonders betreffs jener, die im Wort und der Lehre arbeiten. Sie sollen doppelter Ehre gewürdigt werden. – In diesem Zusammenhang macht Paulus Timotheus auch auf die irdische Unterstützung solcher aufmerksam. Wer vor einem Diener des HERRN nur ehrfurchtsvoll den Hut zieht, ihn aber hungern lässt; - hat ein solcher wirklich ehrvoll gehandelt? – Nein! Vielmehr hat er heuchlerische Ehre erwiesen, die keine echte ist.

Wie ehren Sie, liebe Leserinnen und Leser? Wir sind angehalten, treue Diener zu ehren, wie wir auch Vater und Mutter ehren sollen; selbst, wenn sie alt geworden sind. – Das sind sehr schöne Übungsfelder, in denen wir dem HERRN gefallen können! Trachten wir danach, hierin gut zu werden! Verschwenden wir nicht unsere Zeit, auf Wunder zu warten! Die wenigsten von uns sind heute in der Lage und dazu berufen, ein Showdown* mit Gottlosen zu haben, wie Elia auf dem Berg Karmel (1. Kö 18,21ff). Auch wenn wir eine Elia-Erfahrung (noch) nicht tragen können: Gott hat für uns viele Übungs- bzw. Tätigkeitsfelder offen gelassen. Wenn wir uns nur darin hinein begeben würden! Glückselig jene, die es tun! Amen. (* = Kräftemessen)

Vers 10

Oder spricht er <nicht> durchaus um unsertwillen? Denn es ist um unsertwillen geschrieben, dass der Pflüger auf Hoffnung pflügen und der Dreschende <dreschen> soll auf Hoffnung, <am Ertrag> teilzuhaben.  1.Kor 9,10  

Paulus machte es an dieser Stelle offenbar, dass die zitierte Gesetzespassage um unsertwillen geschrieben wurde. Pflüger sollen auf Hoffnung pflügen. Der Dreschende soll auf Hoffnung dreschen, am Ertrag teilzuhaben.

Auch wenn der Sachverhalt völlig auf der Hand liegt; sogar bei offensichtlichsten Dingen versucht der Teufel Zweifel zu streuen. Und es gelingt ihm nicht selten, die so empfänglichen und anfälligen Menschen hinters Licht zu führen. – Erleben wir das nicht ständig im Umfeld mit Menschen? Wir können offensichtlich Gutes tun, wie der HERR es tat; die Menschen sind fähig, es einem als böse anzurechnen. Vor allem in geistlichen Dingen lassen sie sich gerne verblenden, um selbst nicht Busse tun zu müssen.

Gerade in solchen Situationen – der HERR möge uns darin beistehen -, können Lang- und Sanftmut auf die Zerreissprobe gestellt werden. Wenn offensichtlich Gutes mit Bösem vergolten oder totalem Unverstand begegnet wird, da braucht es Menschen mit enormem Format, um Sanftmütig zu bleiben, wie Paulus es an dieser Stelle blieb. Bedenken wir jedoch in solchen Situationen immer: „<Besser>, wer seinen Geist beherrscht, als wer eine Stadt erobert (Spr 16,32).“

Vers 11

Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, was ist es da Grosses, wenn wir von euch das Irdische ernten?    1.Kor 9,11 

Durch Paulus‘ Saat geschah folgendes: Die Korinther, welche bis anhin – wie Paulus selbst einmal (1. Tim 1,12.13) – in den eigenen Einbildungen lebten, erkannten die Wahrheit des Menschseins. Zusätzlich mussten sie erkennen, dass sie auf dem Weg zur Hölle waren, total verloren und fern von Gottes Verheissungen. Durch die Predigt des Paulus durften sie aber Gott nahe kommen (Eph 2,13) und am Reich teilhaftig werden. – Was ist nun grösser, die ewige Teilhaftigkeit am Reich oder das vergängliche Irdische? – Es ist, wie Paulus es erwähnt: Ist es etwas Grosses, wenn man für geistliche Saat Irdisches* erntet? (* = gemeint ist weltlicher Unterhalt, wie Geld, Nahrung, Kleidung und Unterkunft)

Vielerorts bejaht man zwar die Aussage in 1. Kor 9,11; denkt aber in Wahrheit anders herum. Im Herzen hängen viele an irdischen Gütern. Solche Menschen merken ihre wahre Haltung vielleicht erst, wenn sie zu Unterstützungszwecken einen Griff in ihre Geldbörse machen sollten. Da kann das Geistliche plötzlich einen ganz kleinen Stellenwert einnehmen, der so winzig ist, das er es nicht wert ist, in irdischen Münzen aufgewogen zu werden.

Wie denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser über den Wert des Geistlichen? Vollbringen geistliche Geschwister mit ihrer Arbeit im Wort und im Werk des HERRN wertvolle Arbeiten? Oder sind es Tätigkeiten für solche, die sich in der Wirtschaft, in welcher ein doch so rauer Wind weht, nicht behaupten könnten? – An dieser Stelle möchte ich Ihnen etwas sagen, liebe Leserschaft: Jemand, der sich in der vergleichsweise niederen und primitiven Umgebung der Welt nicht behaupten kann, behauptet sich noch weniger im Reich, wo die Anforderungen um einiges höher sind. Wer im Reich minderwertige Arbeiten abliefert, wird den perfekten Auftraggeber noch weniger beeindrucken, wie wenn er dieselben qualitativ tiefstehenden Arbeiten einem irdischen und somit selbst fehlerhaften Besteller präsentieren würde. Gott fordert gute Arbeit, wie geschrieben steht:

Auch wenn ihr Blindes darbringt, um es als Opfer zu schlachten, ist es <für euch> nichts Böses; und wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, ist es <für euch> nichts Böses. Bring es doch deinem Statthalter! Wird er Gefallen an dir haben oder dein Angesicht erheben? spricht der HERR der Heerscharen.     Mal 1,8   

Gott forderte für sein Haus die besten Opfer, seien sie vom Feld oder vom Vieh. Treue Diener des HERRN wissen um diese Forderung und bringen die rechten Früchte. Ihre geistliche Arbeit hebt sich um ein Vielfaches von gewöhnlicher und weltlicher Dienstleistung ab. Solche Arbeiten -, sollten sie nicht einmal mit Irdischem vergolten werden?

Mir ist sehr wohl klar, dass sich sehr viele selbsternannte Diener im Reich tummeln, die den Stand eines wahren Geistlichen haben total verkommen lassen. Sie sind korrupt, faul und gierig, wie es die bösen Priester in Israel waren (Jer 23,30-32; Hos 4,4ff). Wen wundert es, wenn die Menschen solche nicht mehr finanziell unterstützen wollen? Viele böse Priester sind durchschaut und als Beuger des Rechts entlarvt. Heute ist es daher umso schwerer, echte Diener des HERRN zu erkennen und ihnen das Ihre zukommen zu lassen. – Trotz alldem: wir sind unserer Verantwortung ihnen gegenüber nicht entbunden. Wegen den falschen Dienern dürfen die echten nicht in Vergessenheit geraten! Amen.

Vers 12

Wenn andere an dem Verfügungsrecht über euch Anteil haben, nicht erst recht wir? Wir haben aber von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles, damit wir dem Evangelium Christi kein Hindernis bereiten.    1.Kor 9,12 

Es gab andere Menschen bzw. Diener, die den Freimut hatten, von den Korinthern Güter zu nehmen. Wir wissen aus der aktuellen Stelle nicht genau, was für Menschen das waren; ob sie ehrwürdige Arbeiter des HERRN waren oder schandbare. Aus dem zweiten Korintherbrief ist aber ersichtlich (2. Kor 11,4), dass es die Korinther gar soweit kommen liessen, Irrlehrer unter sich zu dulden.

Paulus macht an dieser Stelle klar, dass die Gemeinde in Korinth durch sein Wirken entstanden ist und somit er und seine Mitarbeiter die Ersten waren, die vom Verfügungsrecht über die Korinther hätten Gebrauch machen dürfen. – Durch seine Grösse und Weitsicht machte Paulus aber nicht davon Gebrauch, um den Mund all jener zu stopfen, die geradezu darauf bedacht waren, Anklagepunkte gegen Diener Gottes zu suchen. Er wollte dem Evangelium in keinem Punkt, nicht im kleinsten, ein Hindernis bereiten!

Trotz alledem ist aus dem dritten Vers dieses Kapitels ersichtlich, dass böse Stimmen aufgekommen waren und verleumderisch ein Recht des Paulus als Anlass nahmen, ihn und seine Mitarbeiter schlecht zu machen. Dabei machte Paulus nicht einmal Gebrauch davon! – Sehen Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, die Bosheit, welche dahinter steckte? Wir gehen oft mit humanistisch durchsäuertem Denken viel zu verständnisvoll mit bösen Saboteuren um. Es liegt auf der Hand, dass Saboteure in der Gemeinde nichts erreichen, wenn sie Gott direkt fluchen. Da würde das unempfindsamste Gemeindeglied aufmerken. Böse Menschen kommen daher hinterlistig mit dem Streuen von Zweifeln (1. Mo 3,1) und dem Infrage stellen von (offensichtlichen) Rechten, wie es ihnen ihr Vater, der Teufel (Joh 8,44), vorgemacht hat.

Liebe Leserinnen und Leser! Seien wir da auf der Hut! Solange nichts offensichtlich ist, sollten wir Verdächtige einfach nur im Auge behalten: Ihre Früchte werden sie entlarven, denn am Dornstrauch wachsen bekanntlich keine Feigen (Lk 6,44)! Bei Verdacht von geduldetem Bösen können wir erst handeln, wenn die Sachlage klar ist. Aufgrund von Vermutungen dürfen keine folgenschweren Entscheidungen getroffen werden; der Mensch ist anfällig für Irrtümer. Untersuchungen dürfen und sollen aber angestellt werden (5. Mo 13,15).

Vers 13

Wisst ihr nicht, dass die, welche die heiligen Dienste tun, aus dem Tempel essen, dass die, welche am Altar tätig sind, Anteil am Altar haben?     1.Kor 9,13  

Mit diesem Vers erklärt Paulus im Detail, was er mit dem achten Vers im Groben getan hatte. Das Gesetz forderte Unterhalt für die Arbeiter im Allgemeinen (5. Mo 25,4). Für die Diener am Heiligtum forderte es besonderen Unterhalt: Nur das Beste vom Besten war als Opfergabe gut genug. – So hat der HERR es angeordnet (4. Mo 18,29-32).

Wir können daraus deutlich erkennen, dass der HERR einen markanten Unterschied zwischen seinem Dienst und gewöhnlicher bzw. irdischer Arbeit macht. Geistliche Dienste fordern besseren Lohn; dies wiederum deckt sich mit der Aussage über die Diener des Wortes im Timotheusbrief (1. Tim 5,17).

Um die Korinther, welche schon am Lohn des Paulus zu zweifeln drohten, nicht gänzlich zu beschämen, blieb Paulus bei der allgemeinen Aussage, dass der Arbeiter einfach seines Lohnes wert sei (siehe nächster Vers). Er hielt ihnen ihre Schwachheit nicht in der vollen Aussage vor Augen, damit sie nicht arg beschämt dastünden. Die Tatsache, dass ihm eigentlich ein besonderer Lohn zuteil kam, lässt er aussen vor. – Wiederum glänzt eine ganz besondere Menschlichkeit und Lieblichkeit aus Paulus‘ Person. Er war Christus schon in vielen Dingen ähnlich. Christus, welchem höchste Ehre und Anerkennung zustand, forderte sie nicht von einem schwachen und wankenden Volk. Vielmehr beugte Er sich herab, um die „unmündigen Kinder“ in die Freiheit und das Schauen zu geleiten.

Bringt uns, liebe Leserinnen und Leser, die moralische Herrlichkeit unseres HERRN nicht in echtes Staunen und echte Anbetung? – Der HERR ist echter Anbetung würdig! Er sollte aus freiem Antrieb gelobt werden, nicht nur aufgrund nicht verstandener Forderungen. Amen.

Vers 14

So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkündigen, verordnet, vom Evangelium zu leben.     1.Kor 9,14  

Mit diesem Vers setzt Paulus einen Punkt hinter seine Ausführungen, welcher jegliche Zweifel unter Verständigen ausräumen sollte. In seiner Eigenschaft als von Gott Gesandter – ein Gesandter nimmt von dem, das ihm zu verkündigen gegeben wurde –, sagt er hier nach den zubereitenden Erklärungen mit dem Gesetz, dass es sich hierbei um eine Verordnung Gottes handelt. Evangelisten, also solche Menschen, denen Gott als Lebensaufgabe (als Hauptsache ihres Erwerbes) das Weitertragen des Evangeliums anvertraut hat, sollen von diesem Dienst leben können.

In eigener Sache darf ich hier anmerken, dass ich sehr beeindruckt über die zarte Heranführung zu dieser Thematik bin. Paulus war nicht nur ein exzellenter Lehrer durch sein Wissen, er war es auch durch seine angepasste Methodik, welche nicht auf psychologischer Manipulation ruhte. Sie basierte auf Achtung vor dem Nächsten, der Liebe und Fürsorglichkeit. Paulus hätte diesen vierzehnten Vers an den Anfang stellen können, um so den kritischen Stimmen mit seiner gewaltigen Autorität den Mund zu stopfen. – Ein solches Vorgehen hätten aber nicht alle, vor allem sehr junge und zartbesaitete Korinther ertragen können. Deshalb ging Paulus mit den Korinthern so vor, wie Gott bei den Menschen vorgeht: Mit äusserster Rücksicht. Wie Gott mit Johannes dem Täufer den Weg im Verständnis der Menschen für Christus bahnte, führte Paulus die Korinther langmütig an eine völlig logische, vom Gesetz bereits bestätigte und somit für ihn nicht mehr diskussionswürdige Thematik.

Paulus führte über das natürliche Empfinden (Verse 4.5.7) und das Gesetz (Verse 8.9.10.13) an die schlussendlich unverschlüsselt ausgesprochene Verordnung Gottes. Zart bereitete er die Korinther gedanklich vor und führte sie behutsam zum springenden Punkt, sodass sie die Verordnung Gottes von alleine nachvollziehen konnten und sie nicht als selbsterdachtes Privileg des Apostels erschien.

Damit erweiterte er ihren Horizont für Gottes Charakter und setzte seine Autorität nicht ein, um schnell, jedoch gewaltsam, die Wahrheit auf den Tisch zu „knallen“.

Wie gehen wir mit unseren Nächsten um? Was tun wir, wenn wir nach dreissigjährigem Wandel mit dem HERRN an unmündige und noch etwas aufmüpfige Christen geführt werden? Wie antworten wir ihnen, wenn sie elementarste Grundsätze nicht sehen und sie im Gespräch in unseren Augen blödsinnige Dinge anführen und von ihnen fest behaupten, sie seien Recht und Gesetz? Wie gehen wir vor, wenn wir dabei sogar noch beschuldigt oder in Frage gestellt werden, wie es Paulus von den Korinthern widerfuhr? Würden wir auch so zart, nachsichtig und doch bestimmt und klar antworten? Oder würden wir mit „geplatztem Kragen“ und als gestandene Christen sie wegen ihrer Torheit hart anfahren? – Paulus zeigt an dieser Stelle wiederum die feine Menschlichkeit seines und unseres HERRN! Wie lobenswert ist Christus! Trachten wir doch stets danach, so zu werden, wie Er ist! Amen.

Vers 15

Ich aber habe von keinem dieser Dinge Gebrauch gemacht. Ich habe dies jedoch nicht geschrieben, damit es so mit mir geschehe; denn es wäre mir besser, zu sterben als – meinen Ruhm soll mir niemand zunichte machen.     1.Kor 9,15   

Paulus sparte sich die Offenbarung bis zuletzt auf, dass er von den Korinthern gar keine Unterstützung angenommen hatte. Wenn er sie an den Anfang dieses Kapitels gesetzt hätte, wäre die darin behandelte Thematik in einem Vers erledigt worden. Mit einem Satz nach dem Motto: „Was regt ihr euch auf; ich habe ja gar nichts von euch genommen!“, wären die Unruhestifter beschämt und die Korinther beruhigt gewesen. – Ein treuer Knecht des HERRN handelt aber nicht so; ein solcher handelt wie Paulus: Der ganze Wille des HERRN musste zuerst sorgfältig dargelegt werden, erst danach kam Paulus auf seine Situation zu sprechen. – Es konnte sein, dass der HERR nach Paulus‘ Wirkungszeit einen Arbeiter zu den Korinthern sandte, welcher auf ihre Unterstützung hätte angewiesen sein können. Mit allen Erklärungen Paulus‘ waren die Korinther darauf vorbereitet. Hätte Paulus nur sich selbst verteidigt, hätte ein Nachfolger, welcher korinthische Hilfe benötigt hätte, sich mit Vorwürfen über die Unterstützung konfrontiert gesehen.

Doch befassen wir uns nun mit dem zweiten Teil des Verses. Paulus machte deutlich, dass er nicht über diese Thematik schrieb, damit er zukünftig in den Genuss der Güter dieser Gemeinde käme. Es wird aus seinem Schreiben deutlich, dass er ausschliessliches Interesse daran hatte, Gottes Verordnung über den Unterhalt der geistlichen Arbeiter klar darzulegen. Der Arbeiter war danach frei, individuell zu entscheiden, ob er die Unterstützung annehmen wollte oder nicht. Paulus war wichtig, dass gemäss der Verordnung von geistlich unterstützten Gemeinden Unterhalt angeboten wurde. – Paulus war aber jemand, der für sich selbst arbeiten wollte. Er beabsichtigte für das Evangelium das Maximum herauszuholen, indem er die Gemeinde in keinem Punkt beschweren und den Widersachern überhaupt keine Angriffsfläche bieten wollte, obschon er von Gott aus Unterhalt hätte verlangen können. Das war „sein Ruhm“, der Ruhm, den es für speziell fleissige Mitarbeiter gibt im Reiche Gottes (Mt 25,21; Lk 19,17). Ein solcher Ruhm steht nicht für jeden treuen Diener bereit, denn wer nur gerade das Aufgetragene erledigt; die Dinge, welche er sowieso hätte erledigen müssen, - was bleibt da zu rühmen übrig (Lk 17,10)? – Genau das erklärt Paulus sehr schön in den nächsten beiden Versen.

Vers 16

Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!     1.Kor 9,16    

Liebe Leserinnen und Leser! Rühmen Sie jemanden, der das Minimum tut, das er sowieso hätte tun sollen? – Wir rühmen ja solche nicht einmal dann, wenn es sich dabei um eine hochqualifizierte Arbeit handelt! Wenn ein Präsident eines Landes gute Verhandlungen mit Partnerländern führt, tut er da etwas Besonderes? Und wenn ein Kernkraftwerkspezialist im Krisenfall den komplexen Notfallplan anwendet, - ist er für eine ausserordentliche Leistung zu loben?- Ich meine nicht. Beide haben nur das getan, wofür sie ausgebildet worden sind; sie haben einfach ihre Pflichten getan, wofür sie bezahlt werden.

Wie wir nun wissen, fordert Gott auch Unterhalt für seine Arbeiter. Wenn diese nun ihre minimalen Pflichten erledigen, - weshalb sollte man sie rühmen? Wir haben am Arbeitsplatz auch keinen Ruhm, wenn wir einfach nur das tun, was von uns verlangt wird und wofür man uns bezahlt.

Paulus wurde von Gott in den Dienst für das Evangelium gestellt. Er genoss dafür die beste Ausbildung (2. Kor 12). War es nun etwas Besonderes, wenn dieser Paulus den Weg Gottes lehrte? Welcher Mensch hätte das besser gekonnt? Ausserdem hatte er ja die Unterhaltsgarantie des HERRN.

Paulus wusste, dass es im Blick auf die Verkündigung nur um Pflichterfüllung ging. – Wehe einem Kapitän eines Supertankers, wenn er den Kurs nicht ändert, wenn die Navigationsgeräte Kollisionskurs mit Unterwasserriffs anzeigen! Die Kurskorrektur gehört zum Auftrag einer ausgebildeten und höchsten Autoritätsperson auf dem Schiff. Wehe diesem dafür ausgebildeten und bezahlten Kapitän, wenn er nicht gemäss seinem Auftrag handelt. Wehe dem Paulus, wenn er nicht gemäss seinem Auftrag handelt. Wehe dem Christen bzw. der Christin, wenn er bzw. sie nicht das Mindeste tut, für das er bzw. sie vom HERRN eingesetzt ist!

Ich begegne immer wieder Christen, die denken, sie müssten für jede ihrer Fingerbewegungungen Gottes Applaus bekommen. Solche denken im Ernst, dass sie grundsätzlich keinen Auftrag haben und somit jede kleinste Dienstleistung im Reich von aussen beklatscht werden sollte. Christen mit derlei Ansichten sollten sich mal ernsthafte Gedanken über diesen sechzehnten Vers machen. Wehe ihnen, wenn sie nicht das tun, wofür sie ausgebildet und unterhalten werden! Sie sollten bedenken, dass Applaus nur für ausserordentliche Leistung erwartet werden kann, wie es uns schon das normale Leben lehrt.

46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?
47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüsst, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Mt 5,46-47 

Das Leben lehrt uns, wie erwähnt, dass es nichts Besonderes und somit Rühmenswertes ist, wenn wir Dinge tun, die von allen Menschen als selbstverständlich betrachtet werden. Nehmen wir daher den HERRN als unser Vorbild, welcher arbeitete, wo es nichts zu hoffen gab und liebte, obwohl er nicht wiedergeliebt wurde. Der Herr Jesus wurde, nachdem er bejubelt in Jerusalem einzog, von seiner Schöpfung gefangen genommen und getötet. Seine Jünger, welche Ihn über Jahre begleiteten und Zeugen seiner Liebe und Machttaten waren, schliefen zur Zeit seiner grössten Ängste und flohen bei seiner Gefangennahme. Es schien, als ob Er nichts erreicht hätte. Doch Er arbeitete trotzdem weiter und liebte bis ans Ende. – Für diese ausserordentliche Leistung steht ihm daher auch ausserordentlicher Ruhm zu! Amen.

Vers 17

Wenn ich dies nämlich freiwillig tue, so habe ich Lohn <zu erwarten>, wenn aber unfreiwillig, so bin ich <nur> mit einer Verwaltung betraut.    1.Kor 9,17 

Als Staatsbürger haben wir unsere Pflichten und Rechte. Wir haben ein Recht auf Schutz unserer Person. Damit unsere Rechte durchgesetzt werden können, haben wir die Pflicht, Steuern zu bezahlen. Zwischen der Obrigkeit und den Bürgern besteht also ein Geben und Nehmen. Der Staat kann uns im Normalfall verpflichten, uns für höhere Interessen in seinen Dienst zu stellen, zum Beispiel bei Ausbruch eines Krieges oder grossen Katastrophen. Solche Verfügungsrechte hat der Staat, wenn sie auch nur eingeschränkt sind. Der HERR hat im Gegensatz zum Staat uneingeschränkte Verfügungsrechte über die Seinen. Das ist wichtig zu wissen, auch wenn es einigen nicht passt. Ein Bild hierfür sehen wir im Beispiel mit Josef, der die Ägypter am Leben erhält; sie im Gegenzug aber Leibeigene des Pharao werden.

23 Und Josef sagte zum Volk: Siehe, ich habe euch und euer Land heute für den Pharao gekauft. Da habt ihr Samen! Besät nun das Land!
24 Und es soll beim Ernten geschehen, dass ihr den Fünften dem Pharao gebt; die vier Teile aber sollen für euch sein zum Besäen des Feldes und zur Nahrung für euch und für die, die in euren Häusern sind, und zur Nahrung für eure Kinder.   
25 Da sagten sie: Du hast uns am Leben erhalten; finden wir Gunst in den Augen meines Herrn, dann wollen wir Knechte des Pharao sein.   
26 Und Josef legte es dem Land Ägypten bis zu diesem Tag als Ordnung auf, dass dem Pharao der Fünfte gehöre. Nur das Land der Priester allein kam nicht an den Pharao.     1.Mose 47,23-26   

Die Ägypter waren bankrott, sie hatten überhaupt nichts, mit was sie sich am Leben hätten halten können. Sie baten Josef, sich ihrer anzunehmen, koste es, was es wolle und wurden so Leibeigene des Königshauses. – Genauso verhält es sich mit den Christen. Als Unbekehrte merkten wir, dass wir vor Gott sterben werden, dass wir vor Ihm völlig mittellos und hilflos standen, zum Sterben bestimmt. Auch wenn Gott nicht ein Wort gesagt hätte, wäre es uns bekannt gewesen, dass wir ohne Rettung nicht überleben könnten, genau so, wie es sich bei den Ägyptern verhielt:

Und als das Geld im Land Ägypten und im Land Kanaan ausging, da kamen alle Ägypter zu Josef und sagten: Bring uns Brot her! Warum sollen wir denn vor dir sterben? Denn das Geld ist zu Ende.  1.Mose 47,15 

Da nahm sich Josef ihrer an und sie kamen als Eigentum zum Königshaus, dem Haus des Pharao. – Wir standen auch mittellos vor dem HERRN, den ewigen Tod vor Augen und baten Jesus, Er möge sich doch unser annehmen. Dies tat er auch voller Mitleid und wir wurden sein. Der Unterschied zum Schattenbild, das wir mit Josef sehen, ist, dass der HERR uns nicht als Leibeigene hält – Er nimmt uns als Kinder an. Das zeigt seine Herrlichkeit im Unterschied zu irdischen Machthabern, so gnädig sie auch sein mögen. Nichtsdestotrotz gehören wir dem HERRN und Er darf durch unsere anfängliche Bitte, doch in unser Leben zu kommen, Weisungen betreffs der Ordnung im Reich bzw. seinem Haushalt geben. Das ist das Mindeste zu was er befugt ist. Hat er nicht sein Leben für uns gegeben? Hat er nicht gerade wegen uns seine herrliche Stellung im Himmel verlassen, um als Mittelloser und Geschmähter ein widerwärtiges Leben auf dieser Erde zu fristen, das in der totalen Verwerfung unter höchsten Schmerzen am Kreuz gipfelte?

Wir sehen also: Der HERR kann uns, ohne „rechtlich“ etwas Falsches zu tun, mit einer Aufgabe betrauen. – Wenn Er uns mit einem Verwalterdienst beauftragt, ist es immer so, dass er die Voraussetzungen für diesen Dienst schafft; Er halst uns keine Aufgaben auf, die für uns nicht zu bewältigen sind.

Wer nun einen solchen Dienst, so klein oder gross er auch sein mag, vom HERRN zu tun empfangen hat, ist einfach nur schuldig, ihn korrekt zu erledigen. Ein derlei Beauftragter soll am Ende nicht glauben, der HERR müsse ihn für die vollendete Aufgabe loben; schliesslich war es schlicht seine Pflicht, sie zu tun. – Auf diese Art war Paulus mit dem Verwalterdienst für das Evangelium beauftragt worden. Wenn nun Paulus diesen Dienst ausführte, tat er nur seine Pflicht. Daher hatte er keine Wahl, zu entscheiden ob er es tun wollte, oder nicht. Hätte er es nicht getan, wehe ihm!, der HERR ist überhaupt nicht beeindruckt bei abgelehnten Aufträgen! Aufträge sind nicht zum Spass da, sie sind dazu da, den Willen Gottes auf Erden zur Ausführung zu bringen. Wer sie ablehnt, verhilft dem Haus Gottes zur Unordnung.

Anders sieht es bei der Freiwilligenarbeit aus. Der HERR überlässt seinem Volk auch freie Zeiten, worüber es selbst verfügen kann. Wer von dieser freien Zeit, ohne andere Pflichten zu verletzen, Teile davon freiwillig dem HERRN abgibt, kann sicher sein, dafür entschädigt zu werden.

Paulus‘ Missionsreise war unfreiwillig, sie wurde ihm vom Geist aufgetragen (Apg 13,2). Es lag also ein Zwang auf ihm, den Auftrag korrekt zu erfüllen. Dazu bestimmte ihm Gott irdischen Unterhalt von denen, die das durch ihn dargereichte Geistliche erhielten. Paulus verzichtete aber um ihrer Schwachheit willen darauf. Dieser Verzicht gehörte in den Bereich, den Gott dem Willen der Menschen überlässt. Der Verzicht Paulus‘ auf Unterhalt stellt eine extra Leistung dar. Paulus kann aber nur diesbezüglich von „seinem Ruhm“ sprechen (V 15).

Vers 18

Was ist nun mein Lohn? Dass ich bei meiner Verkündigung das Evangelium kostenfrei mache, so dass ich von meinem Recht am Evangelium keinen Gebrauch mache.     1.Kor 9,18 

Hiermit bestätigt Paulus, was ich im vorangehenden Kommentar vorweggenommen habe. Paulus‘ Lohn kam durch die kostenfreie Verkündigung zustande. Mit dem Wort „Lohn“ ist der zusätzliche Lohn bzw. der Ruhm, der von Gott kommt, gemeint. Für seine Verwaltungsaufgabe, die aufgetragenen Missionsreisen, hatte Gott ja seine Versorgung bereits angeordnet.

Junge Christen sollten durch diese Darstellung nicht mutlos werden und denken, es sei bei Gott praktisch nur durch übermenschliche Anstrengung möglich, zu etwas Lob zu kommen. – Ein Fehler, der bei dieser Betrachtung gemacht wird, ist, dass sich junge Christen schon in ihren Anfängen mit Paulus vergleichen. Das ist sehr ungeschickt. Paulus wurde über Jahrzehnte geformt; auch seine Zeit im unbekehrten Zustand ist dabei zu berücksichtigen. Seine Ausbildung unter Gamaliel, welche bestimmt kein zweitägiger Crash-Kurs war, dauerte seine Zeit. Danach wurde er von Christus persönlich geschult und in Welten entrückt, die wir nie gesehen haben. Er wurde von Christus zu einem Kadermitarbeiter geformt und als solcher eingesetzt.

Solche Mitarbeiter, welche mit Betonung von Christus und nicht von Menschen in diese Position gestellt wurden, sind an dieser Stelle erwähnt:

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit?     Mt 24,45 

Christus setzt nur Menschen in solche Positionen, die eine solche Verantwortung tragen können. Er überfordert bekanntlich niemanden. Was für Paulus eine tragbare Aufgabe war, ist für einen jungen Christen eine Angelegenheit, welche ihn hoffnungslos überfordern würde. Junge Christen sollten sich daher bewusst sein, dass sie am Anfang zum Gesinde gehören, welches die Speise von den älteren Geschwistern dargereicht bekommt. Sie sollten sich keinesfalls Gedanken darüber machen, weil sie von Christus nicht in verantwortungsvolle Dienste gestellt worden sind. Schliesslich streichen die Eltern das Butterbrot für die Pause im Kindergarten ihrer Kinder. Nicht die kleinen Kinder streichen Butter auf den Imbiss der berufstätigen Eltern.

Wenn nun die jungen Christen einfach in der gesetzten Hausordnung leben, gereicht es ihnen bereits zu Lob des Vaters. Nicht einmal ein weltlicher Vater erwartet mehr von seinen kleinen Sprösslingen. Wie schnell ist der Mund des weltlichen Vaters voller Lob, wenn seine Nachkommenschaft nur schon unbeholfen versucht, ein Wörtchen auszusprechen. Daher sollten junge Christen sich nicht entmutigen lassen, wenn sie Dinge sehen, welche von Paulus‘ Niveau zeugen. Da sprechen wir von völlig anderen Dimensionen.

Es ist aber trotzdem nicht statthaft zurückzulehnen, um sich zeitlebens als Kleinkind wohl zu fühlen. Das ist wiederum gegen die Natur. Jedes Kind wächst auf natürlichem Wege, ohne sich darum kümmern zu müssen. Von einem vierzehnjährigen Kind kann man schon ganz andere Dinge verlangen oder zumindest erwarten, wie von einem fünfjährigen. – Leider gibt es Christen, welche, wider die Natur, einfach nicht wachsen wollen, indem sie sich nur mit unnützen Dingen beschäftigen. Wenn sich solche, zwanzig Jahre nach der Bekehrung zum HERRN, immer noch im Wachstumsstand eines Kleinkindes befinden, stimmt definitiv etwas nicht. Diese sollten sich ernsthaft fragen, ob ihr geistliches Wachstum zum Stillstand gekommen ist. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass der HERR keine solchen Nachkommen zeugt.

Jüngere Christen sollten begierig nach der unverfälschten Milch sein, damit sie natürlich und gesund wachsen können (1. Petr. 2,2). So wachsen sie normal auf und erfreuen das Vaterherz schon in den Anfängen. Sie werden dann auch frühzeitig bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und können, wie der junge Timotheus, schon von Christus als solche eingesetzt werden, die anfangen zu helfen, Speise auszuteilen oder zumindest den Tisch zu decken.

Alles braucht seine Zeit, liebe Geschwister, und perfekte Edelsteine benötigen noch etwas länger. Amen.

Vers 19

Denn obwohl ich allen gegenüber frei bin, habe ich mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich so viele wie möglich gewinne.    1.Kor 9,19 

Paulus war kein Sklave bzw. Knecht eines korinthischen Herrn. Auch war er nicht Mitglied einer menschlichen Bewegung oder Partei, der er hätte loyal sein müssen. Er war diesbezüglich völlig ungebunden und hätte, ohne dass jemand seiner Zuhörer bei ihm hätte Ansprüche geltend machen können, das Evangelium in vollem Umfang entfalten können (siehe 1. Kor 9,1).

Mit diesem Vers zeigt er auf, dass er den Auftrag des HERRN nicht einfach nur so, wie es gerade kam, ausführen wollte. Er dachte sich viel zu seinem Auftrag und richtete die Ausführung so ein, dass sie so effizient und effektiv wie möglich ausfiel. Er versuchte, obwohl er eine grosse Persönlichkeit und geehrt vom HERRN war, jede und jeden an dieser Stelle abzuholen, wo sich der betreffende Mensch gerade aufhielt. Er trat nicht als das vor die Menschen, was er in Wirklichkeit war, als der Paulus, welcher bereits den dritten Himmel hatte sehen dürfen (2. Kor 12,2). Er handelte anders, als es die hochgestellten Persönlichkeiten der Welt tun. Letztere lieben es, ihren Status mit Glanz und Gloria zu zeigen und dementsprechend gegrüsst und anerkannt zu werden. Im Vergleich sonnte sich Paulus nicht in dem, was er war.

Um, wie gesagt, möglichst effizient und effektiv zu arbeiten, setzte er seine Person zurück und konzentrierte sich voll auf den Auftrag Christi. Er überlegte sich dabei, wie er die Menschen aus allen Schichten ansprechen konnte. Wenn er einer hochgestellten Persönlichkeit als Sklave mit einfachsten Worten und Kleidung begegnet wäre, - hätte diese Respektsperson sich durch ihn beeindrucken lassen? Sicher nicht im selben Umfang, wie wenn Paulus ihr auf demselben Niveau, als weltgewandt und gelehrt, begegnete. Und, hätte ein Sklave Mut gewonnen, wenn Paulus ihm im Bilde eines Freien und Hochgestellten das Evangelium gebracht hätte? Hätte dieser Sklave nicht vielmehr den Eindruck bekommen, Paulus habe sich in der Tür geirrt? – Sicherlich! Denn in den Augen des Sklaven können Hochgestellte gut reden; die müssen ja keine Drecksarbeit erledigen und haben genügend Ruhe und Musse, vielen Gedanken nachzuhängen.

Es ist sehr leicht zu erkennen, wenn man das Leben nur einwenig erfahren hat, dass Paulus das Richtige tat, ein exzellenter Arbeiter des HERRN zu sein. – Streben wir auch danach, liebe Leserinnen und Leser?

Vers 20

Und ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie einer unter Gesetz – obwohl ich selbst nicht unter Gesetz bin –, damit ich die, welche unter Gesetz sind, gewinne;    1.Kor 9,20

Die Kunst in der Ausführung von dem, was Paulus hier beschreibt, ist authentisch, also ungeheuchelt, als Christ in die Rolle des Juden, des Schwachen und desjenigen unter Gesetz, um nur einige Beispiele von vielen zu nennen, zu schlüpfen, ohne zum Zweck die Mittel zu heiligen. – Was ist damit gemeint? – „Ohne zum Zweck die Mittel zu heiligen“, heisst für mich, dass Paulus nicht das Gesetz wieder anfing zu befolgen, um Juden zu retten. Eine Ausführung des alttestamentlichen Gesetzes hätten die Juden eher bestärkt, Juden zu bleiben; Paulus hätte sie damit nicht für Christus gewonnen. Es war ihm also nicht erlaubt, als Christ wieder ins Judentum zu fallen. Der Zweck, die Juden zu retten und darum mit den Juden das Gesetz wieder zu halten, hätte die Mittel nicht „geheiligt“; sie wären vor dem HERRN nicht anerkannt worden.

Wir sehen also, dass Paulus da von einer Kunst spricht, als Jude zu erscheinen und Christ zu bleiben bzw. den eigenen Glauben nicht zu verleugnen. So schwer diese Kunst erscheint; sie ist einfacher in der Ausführung, als Sie, liebe Leserin und lieber Leser, vielleicht denken. Als Eltern von Kindern, grössere Geschwister oder Onkel und Tanten üben wir uns täglich darin: Wir versetzen uns in die Welt des anderen – ohne dabei unsere Welt auszuschalten bzw. zu verleugnen – und begegnen dem Gegenüber dort, wo es sich gerade befindet. Mit einem kleinen Kind sprechen wir über seine Spielsachen. Dabei wirken wir und sind echt, wenn wir über Spielsachen reden und schwärmen, die uns auch wirklich gefallen. Hierin finden wir echte Anknüpfungspunkte und werden als ebenbürtige und interessierte Gesprächspartner wahrgenommen. In der Folge haben wir die Chance als akzeptierte Personen behutsam unsere Themen vorzustellen. Das ist ein natürlicher Vorgang in sozialer Kompetenz, es hat nichts damit zu tun, das Gegenüber manipulieren zu wollen. Wenn wir nämlich auftreten, ohne Halbwahrheiten aufzutischen und ohne psychologische Tricks anzuwenden, welche menschliche Bedürfnisse wie Liebe, Geborgenheit und Sicherheit ansprechen, können wir Menschen für das Evangelium gewinnen, die es in der Folge echt wollen. So angesprochene Menschen sprechen bei einer allfälligen Entscheidung für den Weg Gottes durch echten Willen für das Evangelium darauf an und nicht aufgrund von versprochener Stillung der Bedürfnisse ihres Egos. Letztere würden nämlich bald wieder davon abfallen, wenn ihre Wünsche und Sehnsüchte nicht kurzfristig nach ihren Vorstellungen befriedigt werden würden.

Vers 21

denen, die ohne Gesetz sind, wie einer ohne Gesetz – obwohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern unter dem Gesetz Christi –, damit ich die, welche ohne Gesetz sind, gewinne.    1.Kor 9,21 

Denen, die ohne Gesetz waren, konnte Paulus als solcher erscheinen, der eben das jüdische Gesetz abgestreift hatte, welches dem Menschen wegen seiner Schwachheit nicht hilft, vollkommen zu werden. In seinem neuen Lebenswandel konnte er vielmehr auf den hinweisen, der für die Menschheit alles zur Vollendung gebracht hatte.

Menschen ohne äusserliches Gesetz, also solche, die sich keiner Religion unterworfen haben, kennen die Gebote trotzdem, da sie in Form des Gewissens in den Menschen gelegt wurden. Paulus konnte solchen authentisch aufzeigen, dass seine eigene Religiosität zur Errettung sinnlos war. Wenn nicht einmal das gottgegebene jüdische Gesetz dazu tauglich war (Rö 8,3), wie sollte denn eine vom Menschen erdachte Religion bei Gott Rettung erwirken? – Niemand anders konnte das so gut darlegen wie der nunmehr „freie“ Paulus, welcher seine Aufgabe darin gefunden hatte, den neuen Weg zu gehen, welcher wirklich errettete, und als Apostel möglichst viele Menschen dafür gewinnen sollte.

Wie der Herr Jesus es tat, sehen wir Paulus auch an dieser Stelle wirken; Paulus war, wie sein Meister, sehr interessiert am Vorankommen der Zuhörer. Die Weiter- bzw. Persönlichkeitsentwicklung hatte damals schon eine zentrale Bedeutung im Leben eines Christen. Gott will, dass die Seinen persönlich auch so wachsen, wie sie es körperlich tun. Er möchte, dass wir zur vollen menschlichen Reife kommen. Er will uns am Ende vollendet sehen, wie es unser Meister ist (Eph 4,13).

Ein sehr grosser Wachstumshemmer kann dabei das untereinander Vergleichen sein. Wer sich mit anderen Christen misst und einen Vorsprung zu seinen Gunsten zu erkennen meint, kann schnell in Selbstgefälligkeit und Wachstums-Trägheit verfallen.

Daher appelliere ich an Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser: Verlieren Sie die gesetzte Marke des HERRN nicht aus den Augen! Wenn Sie diese im Fokus behalten, bleibt für Vergleiche untereinander gar kein Platz. Es bleibt nur noch das Folgende:

13 Brüder, ich denke von mir selbst nicht, <es> ergriffen zu haben; eines aber <tue ich>: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist,   
14 und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.    Phil 3,13.14 

Wir tun gut, wenn wir uns so einstellen und uns auch als ältere Christen dem Lernen nicht entziehen. Es braucht viel, in die Nähe des Standes Christi zu kommen; niemand soll glauben, nach zwanzig Jahren Christ-Sein habe er es ergriffen und könne sich bezüglich der Lehre zurücklehnen.

Vers 22

Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige errette.    1.Kor 9,22 

Wie Paulus sich denen ohne Gesetz als jemand präsentieren konnte, welcher das Gesetz abgestreift hatte, konnte Paulus sich Schwachen als Schwacher zeigen. Seine gewaltige Kraft und Unterstützung der Welt, die er zuvor als natürlicher Mensch hatte, war durch Christus beschnitten und eingegrenzt worden. Früher agierte Paulus unabhängig und fleischlich. Er vertraute seiner eigenen Kraft und jener, die ihn unterstützten. Der neue Weg in Christus lässt dies jedoch nicht mehr zu; was nicht durch den Geist gewirkt ist, ist wertlos (Rö 8,13; Gal 5,25; Pil 3,3; siehe auch Jer 17,5). Werke, die getrennt von Christus gewirkt werden, sind unnütz (Joh 15,5; 2. Kor 3,5).

Es mag auf den ersten Blick zwar hart erscheinen, dass Paulus in der Kraft beschnitten wurde (u.a. durch den Umstand in 2. Kor 12,7). Christi Eingreifen stellt aber niemals eine Schikane dar; Gott versucht niemanden (Jak 1,13). Seine Zucht und sein Eingreifen ist ausschliesslich dazu da, sein Volk voranzubringen. Gesunder und guter Ehrgeiz wird vom HERRN unterstützt. Der HERR hat fleissige Menschen gerne (Luk 19,16.17). Wenn es sich aber beim Ehrgeiz des Menschen nur um rücksichtsloses und eitles Karrieredenken geht, können wir sicher sein, dass es vom HERRN nicht unterstützt wird. Solches Vorangehen fördert nur die Aufgeblasenheit der Individuen und ist überhaupt nicht für die gesunde Charakterbildung förderlich.

Um auf Paulus‘ Wirken zurückzukommen: Paulus, welcher praktisch jede Lebenssituation kannte (Phil 4,12), war in der Lage, den Leuten dort zu begegnen, wo sie gerade in ihrer Situation standen. Durch seine Erfahrung wirkte er glaubwürdig. Einem solchen schenkt man eher Glauben, wie einem Phantasten, der nur vom „Blauen des Himmels“ erzählt. Auf Letztere mögen noch einige junge und unerfahrene Menschen hereinfallen; Menschen im fortgeschrittenen Alter tun das in der Regel nicht mehr so leicht.

Vers 23

Ich tue aber alles um des Evangeliums willen, um an ihm Anteil zu bekommen.

1.Kor 9,23

Mit „Anteil am Evangelium bekommen“ spricht Paulus den Anteil an, welcher einem Mitarbeiter zusteht. Damit ist nicht das Hören oder das Verstehen der Frohen Botschaft (Evangelium) gemeint. Wer wusste nicht am Meisten davon, wenn nicht Paulus zu seiner Zeit? – Gemeint ist ein Anteil am Lohn der Arbeiter des Evangeliums, welches dem Menschen ganzheitliche Rettung bringt.

Das Einbinden des Lohnes in die Anweisungen für die Mitarbeiter ist leider in einigen Gemeinden verschrien, da befürchtet wird, dass Mitarbeiter im Wissen um Lohn nur noch arbeiten, weil sie sich daraus ausnahmslos persönliche Vorteile (Privilegien durch Lohn) erhoffen. – Solche Befürchtungen entsprechen nicht dem normalen Leben. Oder arbeiten sie nur in Ihrer Firma, weil sie in ihrer Branche die höchsten Löhne auszahlt? Arbeiten Sie nicht vielmehr dort, weil Sie die Produkte, Dienstleistungen und die intern geltenden Normen (Philosophie) vertreten können? – Bei der Mehrheit der Angestellten muss ziemlich alles stimmen, da macht der Lohn nicht den Hauptteil der Erwartungen an eine Firma aus. Die meisten wären bereit für weniger Geld zu arbeiten, wenn dafür alles andere stimmt, anstelle für einige Euro bzw. Franken mehr in der Lohntüte jeden Tag zu leiden.

Gott will den Lohn erwähnen und spricht offen von ihm, der im Zusammenhang mit dem Evangeliumsdienst von Ihm ausbezahlt wird.

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, <ihm> wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.

Hebr 11,6

Ihr aber, seid stark und lasst eure Hände nicht schlaff werden! Denn es gibt einen Lohn für euer Tun!

2.Chr 15,7

Mit diesen Versen wird der Haltung der Gemeinden krass widersprochen, welche durch ihre Warnungen betreffs des „Lohndenkens“, wie sie es despektierlich darstellen, das Gegenteil der Aussage der Heiligen Schrift bewirken. Ihr Widerstand gegen jeglichen Ehrgeiz der Mitarbeiter des HERRN ist kontraproduktiv und fördert Lethargie und Faulheit; der Mensch braucht Motivatoren.

Wenn Gott den Lohn explizit erwähnt und Paulus das Thema auch anschneidet und sich danach ausstreckt, so will ich das an dieser Stelle auch tun. Glückselig ist, wer es sich zu Herzen nimmt. Amen.

Vers 24

Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt!     1.Kor 9,24 

Wie gegensätzlich ist dieser Vers doch zu den Lehrmeinungen vieler freien Gemeinden! Er führt die Thematik weiter aus, die Paulus mit dem Vers 23 streifte. Im vorausgehenden Vers sehen wir, dass Paulus viel tat, um „Anteil“ am Evangelium zu bekommen. Mit diesem Vers ermuntert er nun unkundige oder durch „Kuschelevangeliumslehren“ irregeleitete Geschwister sich so im Reich zu engagieren, wie wenn sie am Anfang ihres Christseins an den Start einer Rennbahn gestellt worden wären. – Dass dieser Vers nicht der einzige seiner Art ist, wissen wir durch das Lesen anderer Briefe:

und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.    Phil 3,14 

Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf,    Hebr 12,1 

Diese Wahrheit wird auch im 2. Timotheusbrief im Blick auf die geltenden Regeln im Wettkampf beleuchtet (2. Tim 2,5). Sie ist Teil der Hausordnung Gottes und ist so oft erwähnt und völlig entschlüsselt dargestellt, dass wir, liebe Leserinnen und Leser, gut daran tun, sie zu befolgen.

Vers 25

Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.     1.Kor 9,25 

Im Unterschied zu irdischen Wettkämpfern, welche vergängliche Auszeichnungen (Siegeskränze, Pokale, Medaillen) erhalten, bekommen wir vom HERRN – sollten wir uns in den Wettkampf begeben und gesetzmässig kämpfen – einen Orden, der unvergänglich ist. – Haben Sie Sich schon einmal überlegt, was das überhaupt sein könnte bzw. wie das gehen soll? Ist es nicht schwierig, sich etwas vorzustellen, das auf Erden nicht gefunden wird? Auf Erden ist jede Ehrung zeitlich, schnell wird sie wieder vergessen. Wenn für besonders mutige, grosszügige, leistungsfähige oder sonst ehrwürdige Mitmenschen eine Ehrung vorgenommen wurde, - wer erinnert sich in zehn Jahren noch an diese Person? Die nächste Generation kennt sie höchstens noch von Hörensagen und bei der übernächsten ist sie vergessen.

Anders verhält es sich bei Gottes Auszeichnungen, was leider eine schlecht beleuchtete Thematik ist. Es ist daher angemessen, hier kurz innezuhalten und unser Augenmerk zur Vertiefung darauf zu richten. Gott vergibt zwar auch temporäre Auszeichnungen, also solche, die nach einiger Zeit verblassen, wie zum Beispiel an dieser Stelle:

und er sagte zu Jerobeam: Nimm dir zehn Stücke! Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Siehe, ich will das Königreich aus der Hand Salomos reißen und will dir die zehn Stämme geben. –    1.Kön 11,31 

Gott ehrte damit Jerobeam sehr, doch es blieb bei zeitlich begrenztem Segen, wie wir wissen. Jerobeam fiel in sehr krasser Weise von Gott ab und zog Gottes Zorn auf sein Haus. Sein Segen verwandelte sich in einen Fluch.

Wenn Gott aber von ewigem Segen spricht, meint er das auch so. Ein ewiger, unvergänglicher Siegeskranz ist nicht einfach eine Auszeichnung, die zehn Jahre überdauert. Das Wort „ewig“ steht nicht an dieser Stelle, um eine Sache überspitzt darzustellen. Gott will uns damit vielmehr sagen, dass Er uns mit dem Siegeskranz, welcher für Christen in Reichweite liegt, die Möglichkeit für eine Auszeichnung bereit hält, die niemals in Vergessenheit geraten wird. Dabei handelt es sich um eine Würdigung von der Art, wie sie unser HERR, Christus persönlich, empfangen wird. So, wie Christus in Ewigkeit gepriesen sein und so ewige Anerkennung für seine Tat ernten wird, will unser Vater seine getreuen Kinder ehren, die ihre ganze Hoffnung auf den Allmächtigen setzen.

Es lohnt sich wirklich, an dieser Stelle etwas innezuhalten und sich im Einklang mit dem Heiligen Geist Gedanken darüber zu machen!

Vers 26

Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt; 1.Kor 9,26 

Ein Läufer, der an einem Wettkampf teilnimmt, muss sich erst einmal dafür qualifizieren, anschliessend das Reglement kennen lernen und schlussendlich gesetzeskonform und zielgerichtet laufen, wenn er eine Chance auf Preisgeld haben will.

Qualifiziert für die Teilnahme hat uns Christus; niemand hat im Reich etwas zu suchen, der nicht durch Busse und Vergebung dafür autorisiert ist (Neh 13,5; 2. Kor 6,15), wie geschrieben steht:

Da gab ich ihnen zur Antwort und sagte zu ihnen: Der Gott des Himmels, er lässt es uns gelingen. Und wir, seine Knechte, wollen uns aufmachen und bauen. Ihr aber habt weder Anteil noch Anrecht, noch Gedenken in Jerusalem.    Neh 2,20 

Wer also zur Kirche geht und sich selbst rechtfertigt, jedoch nur dem Namen nach Christ ist; nicht aber durch die Erneuerung Christi, der würde viel besser seine Energie für sinnvollere Projekte einsetzen, als heuchlerischen Gottesdienst darzubringen, der ihm gar nichts nützt. Ein solcher ist wie jemand, der aufgrund des Wettkampfreglements gar nicht zugelassen ist. Er ist schon disqualifiziert, bevor er einen einzigen Meter gelaufen ist.

Zugelassene Läufer sind klug, wenn sie als zweiten Schritt das Wettkampfreglement lesen, damit sie wissen, innerhalb welcher Bahnen gelaufen werden darf. Auf diese Weise lernen sie den Wettkampf kennen und laufen nicht Gefahr, innerhalb des Rennens ausscheiden zu müssen. Dabei muss noch bemerkt werden, dass ein Ausscheiden innerhalb des Rennens die anfänglich zugelassenen Läufer nicht in den Stand jener versetzt, die gar nie haben daran teilnehmen dürfen. Ein ausgeschiedener Läufer kann niemals zu einem Heiden bzw. Ungläubigen werden, da Christus ihn aufgenommen hat. Er verbaut sich aber durch ein ungesetzmässiges Handeln die Aussicht auf den Kampfpreis, was ein riesengrosser und schmerzhafter Verlust sein wird.

Paulus, der durch Christus qualifiziert (Apg 9,17-18) und ausserordentlich mit dem Reglement konfrontiert wurde (2. Kor 12,2), hielt sich an die Regeln. Er lief nicht ohne Startschuss in irgendeine selbst gewählte Richtung los um nach Jahren zu merken, dass er sich überhaupt nicht im Rahmen der Vorschriften bewegte und dem Ziel keinen Millimeter näher gekommen ist. – Was für eine verschwendete Zeit und ein vergeudetes Leben wäre das denn gewesen? – Wer von uns möchte blind in die Luft schlagen und am Ende des Laufes erfahren, dass sein Leben sinnlos, ja vielmehr hinderlich für den Plan Gottes war? – Ich glaube, dass das niemand von uns möchte, liebe Leserinnen und liebe Leser! – Fassen wir die Punkte deshalb nochmals zusammen: Achten wir erstens für die Qualifikation. Wer Christus noch nicht angenommen hat, soll das nach Römer 10 (Verse 4-13) tun, und sich im Anschluss, nicht vorher!, taufen lassen. Selber kann sich niemand qualifizieren, wie das Gesetz erfolgreich dargelegt hat. Danach sollten wir, bevor wir einfach blindlings in eine Richtung losrennen, die Regeln studieren, damit wir wissen, wie die Wettkampfregeln lauten. – Erst danach, nach diesen beiden Punkten, sollten wir uns anfangen zu bewegen!

Lehrt uns das Leben nicht genauso? Erzähle ich hier etwas völlig Neues? Müssen wir uns nicht vor der Erledigung jeder neuen Aufgabe zuerst erkundigen, wie sie ausgeführt werden muss? Das Ergebnis kann perfekt aussehen, wenn es nicht nach Plan gefertigt wurde ist es für den Abfall bestimmt. Ein Mechaniker am Drehbank kann die schönste Welle drehen und die Oberfläche über Stunden noch so fein polieren; wenn die Masse nicht stimmen und zu viel abgedreht wurde, wird sie sein Vorgesetzter ins Altmetall werfen und zwar auch dann, wenn er noch nie eine so feine Oberfläche vor Augen hatte. Die Welle ist schlicht unbrauchbar; sie kann nicht für den Bestimmungsort verwendet werden, da sie schlicht nicht passt.

Manchmal haben wir Christen, ach, so gute Ideen, auf die wir drängen, sie zu verwirklichen. Dann ist es gut, wenn sie im Einklang mit dem Reglement stehen. Tun sie es nicht, schlagen wir wie blinde Kämpfer Löcher in die Luft, welche überhaupt keine Wirkung für das Reich haben. Amen.

Vers 27

sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.    1.Kor 9,27

Dieses Zerschlagen des Leibes hat überhaupt nichts mit katholisch verstandener Selbstkasteiung zu tun. Paulus fügte sich nicht absichtlich Peitschenhiebe oder sonstige Verletzungen zu. Er schlug sich nicht, um das böse Fleisch im Zaum zu halten. Er spricht hierbei von seiner eisernen Disziplin, die Richtschnur Gottes einzuhalten, wie es ein Spitzensportler in Sachen Training und konsequent angepasster Nahrung im Blick auf seine Sportlerlaufbahn tut. Paulus wollte nicht vom schmalen Weg zur Gottseligkeit abweichen; gerade auch im Wissen um die Verlockungen der Welt. Sind nicht grosse Nachfolger Gottes gerade deswegen gestürzt? Liess sich nicht Salomo durch seine Frauen zum Götzendienst verleiten (1. Kö 11,5;Pred 2,8). Fiel nicht der stärkste Mann, den es überhaupt je auf der Welt gab, wegen der Verführung einer schwachen Frau (Ri 16,19)? – Irren wir uns nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Wenn wir uns für Ihn entscheiden, sollten wir auch nach seinem Vorsatz wandeln!

Wir werden schnell merken, dass die Wörter „den Leib zerschlagen“ nicht überspitzt sind. Die Verführungen der Welt sind für unser schwaches Fleisch manchmal so heftig, dass uns nur ein äusserst entschiedenes Dagegenhalten davor und der dahinterliegenden Sünde bewahrt. Nur ein regelrechtes Zerschlagen der aufgegangenen Begierde der von der Welt erweckten Lust kann uns manchmal noch vor Torheiten schützen.

Der Heilige Geist wählt hier durch Paulus‘ Griffel einen völlig angepassten Wortlaut. Oder sind Sie, liebe Leserin und lieber Leser, noch nie in die Falle der Verführung getappt? Waren Adam und Eva wirklich die einzigen Menschen, die sündigten? – Ich meine nicht, denn es ist geschrieben:

Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.    Ps 14,3 

Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.«     Röm 3,12 

Diese und weitere Verse sprechen von der „Reinheit“ des Menschen. Wir wissen durch das gottgehauchte Wort, wie es um das Geschlecht steht und dass es für den Menschen ohne die Erlösungstat Christi unmöglich ist, gerecht zu werden. – Lassen Sie uns nach unserer Reinigung durch Jesus Christus auf dem schmalen Pfad der Gerechtigkeit bleiben (Mt 7,14) und unsere Augen weder zur Rechten noch zur Linken abschweifen! Amen!

Kapitel 10

Vers 1

Denn ich will nicht, dass ihr in Unkenntnis darüber seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgegangen sind    1.Kor 10,1

Die folgenden Verse sind sehr eindrücklich um Paulus‘ Worte, „ich zerschlage meinen Leib“ weiter auszuführen. Wir müssen damit leben und es annehmen, dass wir vom HERRN total erneuert werden müssen. Unsere natürlichen Neigungen sind alle gegen Gott. Unsere ganze Natur war es vor unserer Bekehrung. Danach gab uns der HERR den Heiligen Geist, ein „Element“ also, das für den Weg Christi ist, auch wenn diese Bezeichnung für den Heiligen Geist unpassend ist. Er nährt und pflegt unsere neue Natur, welche nach der Bekehrung noch sehr zart ist. Die neue Natur, welche nach der Gestalt Christi ist, muss aber erst noch wachsen und Gestalt annehmen:

Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat –    Gal 4,19

Wer diesen Wachstumsprozess nicht fördert und zulässt, läuft Gefahr, innerlich nicht zu wachsen; also den Jahren nach, in denen er Christ ist, als zurückgeblieben zu erscheinen. Ein solcher ist geistlich zurückgeblieben: Er glaubt vielleicht erwachsen zu sein, hat aber den Wachstumsstand eines Kleinkindes. – Ein solcher Stand wird ihm nicht helfen, die Anforderungen des Lebens zu bestehen, gerade wenn wir den Blick auf die folgenden Verse richten.

Paulus beginnt nämlich da in seinen Ausführungen schön darzulegen, dass die Israeliten an allen göttlichen Dingen Anteil hatten, diese ihnen aber nicht viel nützten, weil sie nach Bösem gierten. Sie meisterten die Herausforderungen des Lebens nicht mit dem Trachten nach Wohlgefallen vor dem HERRN. Vielmehr liessen sie ihren Lüsten einfach freien Lauf. Dass das nicht gutgehen konnte, können wir uns jetzt sehr gut vorstellen: Es ist eine Freilassung der alten und bösen Natur, welche Gott überhaupt nicht ehrt. Die Belehrung daraus ist einfach: Wir sollen es ihnen nicht gleich tun! Wenn wir von Christen und schönen Kirchengebäuden umgeben sind, im übertragenen Sinne also mit Mose unterwegs sind und uns auch, wie Mose, „unter der Wolke befinden“, so wird uns das nicht retten, wenn wir nicht selbst aktiv nach dem Guten trachten und unseren Lüsten freien Lauf lassen.

Vers 2

und alle in der Wolke und im Meer auf Mose getauft wurden 1.Kor 10,2   

Paulus beginnt hier mit einer Reihe von bedeutsamen Aufzählungen. Die Israeliten waren in einer Wolke, als sie beim Auszug aus Ägypten durch das Rote Meer gingen, welches sich vor Israel teilte. Sie hatten also links und rechts von sich Wasser und wandelten selbst in einer Wolke. Sie waren somit völlig im Wasser, aber so, dass sie im Gegensatz zu den Ägyptern am Leben blieben. Damit schatteten sie die neutestamentliche Taufe vor. Sie waren wie im Tod, doch sie blieben am Leben. Die Ägypter hingegen überlebten die Taufe nicht; sie wurden vernichtet. So dürfen wir uns sehr freuen, wenn wir getauft werden: Wir dürfen Gottes Prüfung überleben, weil Christus durch seinen Tod die Voraussetzungen dazu geschaffen hat. Christus überlebte seine Taufe nicht, obwohl er der einzige war, der sie durch seine eigenen Taten hätte überleben dürfen! Er überlebte sie nicht, weil er unsere Sünden auf sich geladen hatte. Doch – er sei gepriesen dafür – stand er wieder auf, zum Beweis, dass alles gesühnt ist (Rö 4,25).

Israel starb also nicht, weil sie zuvor vom Symbol dieses Todes Christi, seiner Erlösungstat, gegessen hatten (Passahlamm = Sinnbild für Christus, 2. Mo 12,28; 1. Kor 5,7). – Paulus führt uns mit diesen Stellen sehr bedeutsame Meilensteine des Volkes Gottes vor Augen. Und doch muss er am Ende sagen, dass diese entscheidenden Ereignisse allein dem Menschen unter Umständen nichts nützen, auch wenn er an allen teilhaftig geworden ist! – Sehr, sehr eindrücklich ist an dieser Stelle wieder einmal zu beobachten, wie der Heilige Geist eine Thematik aufbaut und die Leserschaft darin einführt. Fleisch und Blut kann nicht in einer solchen Art belehren; da soll jemand sagen, die Schrift sei nicht inspiriert! – Nur schon der Gedanke daran wäre völlig lächerlich!

Vers 3

und alle dieselbe geistliche Speise assen    1.Kor 10,3 

Bitte beachten Sie die Aufzählung und den Aufbau dieses Kapitels. Sie werden sehen, wie darin eindrücklich gewarnt wird. Es ist nicht so, wie wenn ein Referent ermahnend den Zeigefinger hochhält und die Zuschauer damit wissen, dass sie achtsam sein sollen, jedoch nicht so genau worin. In diesen Stellen wird vielmehr ausserordentlich genau die zu behandelnde Thematik beleuchtet und erst anschliessend ermahnt, wenn allen klar ist, worum es geht und wo genau die Stolpersteine liegen.

Referate kommen nicht immer genau so beim Empfänger an, wie sie der Sprecher absendet. Wenn ein Erdbebenexperte in einer Stadt davon spricht, dass die Wahrscheinlichkeit in dieser Stadt von einem Beben heimgesucht zu werden zehnmal höher ist als in der nächsten grossen Stadt, dann erwägen ängstliche Menschen bereits einen Umzug, wogegen Zeitgenossen mit starker Persönlichkeit das einfach zur Kenntnis nehmen und bleiben, indem sie sagen, dass ihr Risiko, von einem Auto angefahren zu werden, noch höher ist und ein Umzug daher unverhältnismässig sei.

So unterschiedlich können Reaktionen auf Aussagen und Vorträge sein, auch wenn die Reden fachlich einwandfrei und die Referenten Experten ihres Gebietes sind. Die einen Zuhörer glauben handeln zu müssen, die anderen nicht; die einen glauben, dem Problem so entgegenzutreten, andere lösen es auf andere Arten. – Wenn der Heilige Geist eine Problemstellung beschreibt, liegt kein Interpretationsspielraum mehr vor. Die Leser des Briefes stehen dann nur vor der Wahl, Seine Aussagen, Wegweisungen und Ermahnungen anzunehmen oder zu verwerfen. Es ist unmöglich, sie so zurechtzubiegen und zu verstehen, wie man sie vielleicht gerne verstehen möchte. Wer diese Reden verwirft, weiss, dass er gegen Gottes Willen steht. Wer Gottes Weisungen annehmen möchte, weiss auf diese Weise auch genau, wie das zu bewerkstelligen ist.

In diesem Vers schreibt Paulus, dass alle dieselbe geistliche Speise assen. Die Speise war das Manna, welches Gott vom Himmel regnen liess (2. Mo 16,15). Es war geistliche Speise; sie war nicht von der Erde. Genau genommen durften die Israeliten geistlich gesprochen Christus essen. Die Speise war kein geringerer als Er selbst. In den Versen 31-41 von Johannes 6 offenbart der HERR, dass das Manna ein Schattenbild seiner selbst war. Israel ass also geistliche Speise, genauso, wie es hier steht und wir es mit dem Lesen der Heiligen Schrift auch tun. Ob das den Israeliten geholfen hat, werden wir im Folgenden sehen.

Vers 4

und alle denselben geistlichen Trank tranken; denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der <sie> begleitete. Der Fels aber war der Christus.     1.Kor 10,4   

Alle aus Israel waren offensichtlich daran beteiligt, sich ausschliesslich von Christus zu ernähren. Das geht mit der Wüstenwanderung, der himmlischen Speise und dem Felsen, der durch einen übernatürlichen Vorfall zum Wasserspenden aktiviert wurde, hervor. Betrachten wir kurz diese Stelle, wo er sich öffnete:

Siehe, ich will dort vor dich auf den Felsen am Horeb treten. Dann sollst du auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus ihm hervorströmen, so dass das Volk <zu> trinken <hat>. Und Mose machte es so vor den Augen der Ältesten Israels.     2.Mose 17,6  

Gleiches sehen wir auch im 4. Buch Mose (Kapitel 20,11). Geistlich gesprochen ist Christus dieser Fels. Er wurde am Kreuz geschlagen; nachher öffneten sich seine Schleusen neuen Lebens, dem Leben Gottes, für die Gläubigen. So legt es die Schrift selbst in unserem Vers dar. Christus ist nicht „nur“ das Passahlamm, wie es im 1. Korintherbrief (Kapitel 5,7) erläutert wird, Er ist auch der Fels in der Wanderung seines Volkes Israel.

Wie oben bereits angedeutet, gab es in der Wüste nichts anderes zu essen und zu trinken als die Speise Gottes, welche Israel vierzig Jahre lang ernährte. Israel wurde sozusagen von Christus völlig durchdrungen, die Kinder wuchsen durch Ihn auf und die Älteren hielten sich durch Ihn am Leben.

Das ist ein ausserordentlich herrliches Bild. Es vereint die Gemeinde durch die Speise und den Trank, Christus schuf damit keine zwei Lager. Er bildete nicht eine Elitepartei und eine die das Ziel nicht erreichen sollte. Alle waren bestimmt, der Grösste wie der Kleinste, ins gute Land Gottes zu gelangen. – Doch erreichte die so sehr gesegnete Gemeinde ihr von Gott gesetztes Ziel?

5 Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!      
6 Wie Täler breiten sie sich aus, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die der HERR gepflanzt hat, wie Zedern an den Wassern.      
7 Wasser rinnt aus seinen Eimern, und seine Saat steht in reichlichen Wassern; und sein König wird höher werden als Agag, und sein Königreich wird erhaben sein.      
8 Gott hat ihn aus Ägypten herausgeführt. Er hat <Kraft> wie die Hörner des Büffels. Er wird die Nationen, seine Gegner, fressen und ihre Gebeine zermalmen, mit seinen Pfeilen sie durchbohren.      
9 Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin. Wer will ihn aufstören? Die dich segnen, sind gesegnet, und die dich verfluchen, sind verflucht!     4.Mose 24,5-9 

An dieser Stelle möchte ich nochmals fragen: Erreichte die so sehr gesegnete Gemeinde, welche Christus durch Speise und durch Trank völlig in sich aufnahm, ja regelrecht absorbierte und von Gott wie in den vorangehenden Versen als sehr herrlich betrachtet wird, ihr Ziel?

Vers 5

An den meisten von ihnen aber hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie sind in der Wüste hingestreckt worden.    1.Kor 10,5 

Entweder gehört dieser Vers nicht zur Heiligen Schrift oder das Gros der heutigen Christen ist verblendet. Was denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser? Liegt Gottes Wort daneben oder die Menschen? Abgesehen davon bestätigt Israels Geschichte ja diesen Vers (4. Mo 14,35). Somit muss dieser Vers wahr und das Gedankengut der Christenheit verkehrt sein.

Die Christen, vor allem jene in Freikirchen, denken heutzutage von sich aufgeklärt zu sein. Am besten werden sie an dieser Stelle beschrieben:

17 Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weisst, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloss bist,   
18 rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst.    Offb 3,17.18 

Der vielzitierte Satz der heutigen Gläubigen, der den Unverstand offenbart, ist folgender: „Ich bin jetzt unter Gnade, nicht mehr unter Gesetz!“ So wahr diese Aussage auch ist, so klar offenbart sie die Unwissenheit des Menschen, der ihn von sich gibt, wenn er im Kontext mit einer Konfrontation der Hausordnung ausgesprochen wird. Konkret heisst das: Wenn ein Christ damit seinen Ungehorsam gegenüber der Hausordnung, der neutestamentlichen Ordnung, rechtfertig und mit dieser Aussage andeuten will, er sei durch das „unter der Gnade sein“ immun gegen Strafen bzw. Zurechtbringungen Gottes, macht er öffentlich publik, dass er Gott nicht wirklich kennt. – Hatte Israel Christus mit dem Essen des Passahlammes nicht verinnerlicht? Sprach das Blut des Lammes nicht für sie, indem der Todesengel an ihren Haustüren vorbeizog und nur jene aus den Nationen schlug und Israel verschonte (2. Mo 12,29)? Erfuhren sie in der Wolke im Durchzug durch das Meer nicht die Taufe? Assen sie in der Folge mit dem Manna, welches von Gott aus dem Himmel kam, nicht wieder von Christus? Tranken sie nicht auf übernatürliche Art aus der Quelle des Gekreuzigten, dem geschlagenen Felsen (2. Mo 17,6)? Hatten sie nicht alles für den perfekten Gottesdienst bei sich, wie die Stiftshütte, den Altar und die Opfer? – Ja, das hatten sie! Diese Dinge wurden im schönen Aufbau dieses Kapitels durch den Heiligen Geist so perfekt dargestellt, dass daran nicht zu rütteln ist. – Und doch, liebe Geschwister aus den Freikirchen, Landeskirchen und sonstigen Gruppierungen; - und doch hatte Gott an ihnen keinen Wohlgefallen!

Vielleicht mögen jetzt einige sagen: „Ja, das mag ja alles stimmen, ich kann es (leider) nicht widerlegen, aber Israel war unter Gesetz. Heute sind wir unter Gnade und das macht einen Unterschied aus!“ – Natürlich macht das einen Unterschied aus! Das versuche ich gar nicht zu widerlegen! Der Unterschied zwischen Gesetz und Gnade liegt aber nicht darin, dass der alten Haushaltung Gottes Folge geleistet werden musste und in der neuen, der Haushaltung der Gnade, keine Zucht und Ordnung mehr gefordert wird. Es steht nirgendwo, dass die Gnade mit einem Freipass vergleichbar ist, tun und lassen zu können, was einem gerade so passt. Der Unterschied zwischen Gesetz und Gnade liegt ausschliesslich in der Art der Rechtfertigung. Im Alten Testament forderte Gott den Gehorsam des Menschen und seine Rechtfertigung durch Taten. Im Neuen Testament fordert Gott nur den Gehorsam des Menschen. Die Rechtfertigung bietet er in Christus völlig umsonst an. Das ist, komprimiert dargestellt, der wesentliche Unterschied. Der Gehorsam bleibt geschuldet. Bleibt dieser Gehorsam aus, hat Gott keinen Wohlgefallen an uns. Mit dem folgenden Vers und vielen anderen zeigt Gott auf, dass Er im Zeitalter der Gnade nicht an allen Christen automatisch Wohlgefallen hat:

Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.    Lk 9,62  

Wer Christ wird (die Hand an den Pflug Gottes legt) und zurück in das Reich des Teufels, die Welt, blickt, ist ein untauglicher Sohn. Mit anderen Worten ein Sohn, der dem Vater keine Freude bereitet. Für einen solchen wird Christus keine lobenden Worte finden, selbst dann nicht, wenn er sich bereits auf dem Acker Gottes befand, wie geschrieben steht:

Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht!  Mt 25,26a  

Die Konsequenzen für ungehorsame Christen werden genau die gleichen sein wie für Israel, welches auch Volk Gottes ist. Denn beim Gehorsam spielt die Art der Rechtfertigung (Gesetz oder Gnade), wie erwähnt, überhaupt keine Rolle; ob die Rechtfertigung durch Gesetz oder Gnade kommt ist in dieser Frage völlig bedeutungslos. – Genau das unterstreicht der nächste Vers, wie wir sehen werden.

Vers 6

Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach Bösem gierig sind, wie jene gierig waren.    1.Kor 10,6 

Die Geschichte Israels ist uns als Vorbild gegeben, das wird hier explizit vom Heiligen Geist gesagt. Somit können wir punkto Gehorsam die Belehrungen 1:1 übernehmen. Die Zeitalter (Gesetz bzw. Gnade) spielen dabei keine Rolle, da derselbe Gehorsam in beiden Zeitaltern gefordert war bzw. ist. Wer nun von diesem Gehorsam abfällt, bekommt dieselben Konsequenzen zu spüren wie Israel. Argumentationen, dass Gott seinen geliebten, neutestamentlichen Kindern nichts antun wird, offenbaren abermals öffentliche Unkenntnis betreffs Seiner Person und Seinen Regierungswegen. Gott lässt sich nicht verspotten! – Waren gegenüber Israel nicht dieselben wohlgemeinten Worte ausgesprochen? Betrachten wir einen Ausspruch über beispielsweise Joseph:

Er ist herrlich wie sein erstgeborener Stier; und Hörner des Büffels sind seine Hörner. Mit ihnen stösst er die Völker nieder, <alle> miteinander <bis an> die Enden der Erde. Das sind die Zehntausende Ephraims, das die Tausende Manasses.    5.Mose 33,17  

Israel brachte es im Wahn ihrer Selbstgefälligkeit so weit, dass sich dieser Segen zum Fluch wandelte, wie geschrieben steht:

Samaria wird büssen, denn es ist widerspenstig gewesen gegen seinen Gott. Sie werden durchs Schwert fallen, ihre Kinder werden zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt.    Hos 14,1  

Widerspenstigkeit ist Ungehorsam. Ungehorsam wird gerichtet wie die Sünde „Zauberei“ und „Götzendienst“:

Denn Widerspenstigkeit ist eine Sünde <wie> Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Weil du das Wort des HERRN verworfen hast, so hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.     1.Sam 15,23  

Liebe Leserin und lieber Leser! Sie müssen sich nicht so „ungehörig“ verhalten, indem Sie als Christ zu zaubern anfangen oder sich vor Götzen - wie dem Geld oder Sonstigem (Kol 3,5) - niederfallen, um bei Gott in Ungnade zu kommen. Widerspenstigkeit gegenüber seinem Wort reicht völlig aus. Und die ist im Christentum reichlich vorhanden! Gottes Gebote werden mit Füssen getreten, indem Hierarchien (priesterliche Klassen) eingeführt, die Taufe und das Abendmahl sträflich vernachlässigt werden und die Gemeindezucht dem Humanismus Platz machen musste. Um das Mass der Widerspenstigkeit voll zu machen, wird die Einheit der Gemeinde auseinandergerissen, indem sich das Volk Gottes unter Eigennamen als zerteiltes Volk versammelt; man trifft sich in „Freien Evangelischen Gemeinden“, in der „Heilsarmee“, den „Chrischona Gemeinden“ und so weiter.

Dabei müssen wir uns, wie erwähnt, nichts vormachen: Widerspenstigkeit reicht aus, um sich in der gleichen Schwere zu versündigen, wie es die Zauberer und die Götzendiener tun. – Wenn nun das Vorbild Israels, welche durch das Gieren nach dem Bösen sehr weit nach unten gesunken waren, 1:1 in Bezug auf den Gehorsam auf uns, die Gemeinde, übertragen werden kann, dann sollten wir wissen, was jetzt zu tun ist, um nicht unter ein schlimmes Gericht zu fallen. Am besten tun wir es dem Josia gleich, dem guten König von Juda, nachdem er das damals verschollene Wort Gottes wieder gefunden hatte:

11 Und es geschah, als der König die Worte des Buches des Gesetzes hörte, da zerriss er seine Kleider.   
12 Und der König befahl dem Priester Hilkija und Ahikam, dem Sohn Schafans, und Achbor, dem Sohn Michajas, und Schafan, dem Schreiber, und Asaja, dem Knecht des Königs, und sagte:   
13 Geht hin, befragt den HERRN für mich und für das Volk und für ganz Juda wegen der Worte dieses aufgefundenen Buches! Denn gross ist der Zorn des HERRN, der sich gegen uns entzündet hat, dafür, dass unsere Väter auf die Worte dieses Buches nicht gehört haben, nach allem zu tun, was unsertwegen aufgeschrieben ist.    2.Kön 22,11-13  

Josia hatte die Zeichen der Zeit erkannt und reagierte dementsprechend. Viele aus dem heutigen Volk Gottes erkennen sie nicht oder wollen sie nicht erkennen, obschon das Wort Gottes nicht verschollen ist und in jeder Buchhandlung zu einem günstigen Preis erstanden werden kann.

Vers 7

Werdet auch nicht Götzendiener wie einige von ihnen! wie geschrieben steht: »Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und sie standen auf, zu spielen.«    1.Kor 10,7

Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und sie standen auf, zu spielen, steht im Kontext mit dem goldenen Kalb. Das goldene Kalb war klarer Götzendienst, doch sehr erwähnenswert ist, dass es an dieser Stelle nicht erwähnt wird. Im Zusammenhang mit dem Wort Götzendienst wird mit diesem Vers nur das folgende Verhalten des Volkes erwähnt, dasjenige nach der Erstellung des goldenen Kalbes.

Wir können uns nun fragen, ob essen, trinken und Spiele grundsätzlich Götzendienst sind. Dass das nicht sein kann, liegt auf der Hand, denn der HERR segnet selbst die Speise des Menschen. Selbst fröhliches Beisammensein unter Geschwistern ist gottgewollt, wenn wir nur mal die vom HERRN angeordneten Feste betrachten. Gott wollte ein fröhliches Volk, sie sollten für die Feste viel von ihrem Ertrag einsetzen, um richtig zu feiern; sogar mit Rauschtrank (=alkoholhaltiges Getränk), wie wir nachlesen können (5. Mo 14, 26).

Weshalb wird denn an dieser Stelle das Essen, Trinken und Spielen angeprangert? – Es wird angeprangert, weil der Grundgedanke dieses Festens böse war. Er zeigt eine leider oft eingenommene Haltung des Menschen; der Heilige Geist erachtet es als wichtig, ihn zu erwähnen, daher möchte auch ich ihn an dieser Stelle kurz beleuchten:

Wir sind uns wohl alle einig, dass die Fertigung des goldenen Kalbes, welches an die Stelle des lebendigen Gottes gestellt wurde, sehr böse und götzendienerisch war (2. Mo 32). Das Volk sagte sich damals, Mose würde säumen und somit sei das Sprachrohr Gottes verschwunden. Darauf bastelten sie sich aus dem eigenen Gold ein Kalb, das sie an die Stelle Gottes setzten. Und im Anschluss – sie glaubten ja jetzt Gott wieder in der Mitte zu haben – fingen sie mit essen und trinken an zu zeigen, dass die Dinge wieder in Ordnung waren und mit dem Festen brachten sie zum Ausdruck, dass es für sie völlig stimmte.

Leider handeln viele Menschen so, es entspricht der alten Natur. Der Mensch merkt, dass es eine höhere Macht geben muss. Für ihn am einfachsten ist es, wenn er sich darauf Gott schnell selber erschafft; da kann er ihn so gestalten, wie er will. Anschliessend kann er sein Herz, welches über die höhere Macht erregt war, beruhigen, sich setzen um zu essen, zu trinken und im Anschluss fröhlich zu sein.

An dieser Stelle ist es wohl müssig zu erwähnen, wie böse die ganze Sache war. So übel sie aber auch ist, vielerorts ist die Haltung selbst unter Gottes Volk noch dieselbe. Obschon sich Gott – wie damals Israel – bereits durch sein Wort offenbart hat, basteln sich Christen ein eigenes Gottesbild. Sobald es vollendet ist, beruhigen sie ihr unruhig gewordenes Herz, setzen sich um zu essen und zu trinken und beginnen, fröhlich zu sein.

Die Geschichte wird nicht neu geschrieben, sie wiederholt sich nur. Was früher ein goldenes Kalb war, ist heute ein humanistisch geprägtes Gottesbild eines senilen alten Opas mit etwas übernatürlichen Kräften. Humanistisch soll Gott sein, weil die Christen den Humanismus mit der biblischen Lehre, der Lehre Christi, vermischen. Senil soll Gott sein, weil sein Volk, trotz Überschreitens sämtlicher Grenzen tatsächlich glaubt, Er würde sie trotz ihres unangemessenen Verhaltens mit zugedrückten Augen lächelnd ins Reich durchwinken.

Vers 8

Auch lasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag dreiundzwanzigtausend.     1.Kor 10,8 

Dieser Vers spricht von der Begebenheit in Schittim:

1 Und Israel blieb in Schittim. Und das Volk fing an Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moabs;   
2 und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter ein, und das Volk ass und warf sich nieder vor ihren Göttern.     4.Mose 25,1-2 

Der Vers beinhaltet eine zweifache Warnung. Im zusätzlichen Blick auf die geistliche Komponente ist gar eine vierfache enthalten. Israel sollte sich nicht mit den Heiden vermischen und sich gleichwohl nicht vor fremden Göttern niederwerfen. Das taten sie jedoch in Schittim. Sie nahmen sich Moabiterinnen und liessen sich zum Abfall vom lebendigen Gott verführen. – Dieselbe Weisung in Bezug auf die Hausordnung gilt auch für uns: Wir sollen uns nicht mit Ungläubigen zusammentun bzw. gar solche heiraten (2. Kor 6,14). Die Regel ist, dass der faule Apfel den gesunden ansteckt, nicht umgekehrt. Auch wenn wir es manchmal nicht wahrhaben wollen: Die Philosophien der Ungläubigen verlagerten den Glauben schon von manchen Christen von Gott weg zu anderen Dingen hin. Daher können wir die Ermahnung so übernehmen, ohne sie geistlich zu betrachten. – Doch auch geistlich gesehen ist sie aussagekräftig. Geistlich ist es möglich, Unzucht zu treiben, wenn wir uns von unserem Verlobten, Christus (2. Kor 11,2), weg wenden zu anderen Elementen. Sobald wir uns zu anderen geistlichen Mächten hinwenden, treiben wir im schlimmen Masse Unzucht. Diese Unzucht gebiert dann weitere böse Dinge, denn Schlechtes bringt Schlechtes hervor, wie wir es im Gesetz der Fortpflanzung von unserem HERRN dargelegt bekommen haben (Mt 7,16).

Der Schwerpunkt dieses Verses liegt aber wohl im Blick auf die Züchtigung des HERRN, er weist darauf hin, dass Gott nicht so ist, wie er von vielen Leuten dargestellt wird oder wie ihn sein Volk sehen will. Gott ist jemand, der seine Verantwortung wahr nimmt und keine Verwilderung des Volkes ohne einzuschreiten zulässt. Die Hurerei mit den Töchtern Moabs kostete Israel 24 000 Seelen, 23 000 davon fielen an einem einzigen Tag. Erst als Phinhas mutig und reinigend eintrat, wurde die Plage gestoppt. – Das ist sehr eindrücklich: Erst wenn wirkliche Umkehr oder diesbezüglich Taten da sind, hat die züchtigende Hand des Vaters das erreicht, was sie erreichen wollte: Eine Reinigung des Volkes, welche zur Heilung führt und völlige Vernichtung abwendet.

Auch wenn die Züchtigung Gottes hart erscheinen mag, im Blick auf das Gericht ist sie weit erträglicher. Oder würde uns Gott lieben, wenn er uns ungehindert alles machen liesse, um uns, nach einem von uns schlecht geführten Lebenswandels, dem Gericht verfallen liesse? – Niemals wäre das die Liebe eines Vaters, welcher will, dass die Kinder auf die gute Bahn kommen.

Bedenken wir also, liebe Leserinnen und Leser, dass wir uns sehr viele Schmerzen ersparen, wenn wir von Anfang an den Weg konstant mit Gott gehen, ohne die Grenzen auszuloten. Der betrachtete Vers zeigt deutlich auf, dass unser Vater auch sehr hart einschreiten kann, wenn es die Situation erfordert!

Vers 9

Lasst uns auch den Christus nicht versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden.     1.Kor 10,9

Dieser Vers spricht von folgender Begebenheit während der Wüstenwanderung Israels:

5 und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Wozu habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot und kein Wasser da, und unserer Seele ekelt es vor dieser elenden Nahrung.   
6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk, und sie bissen das Volk; und es starb viel Volk aus Israel.   
7 Da kam das Volk zu Mose, und sie sagten: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den HERRN und gegen dich geredet haben. Bete zu dem HERRN, dass er die Schlangen von uns wegnimmt! Und Mose betete für das Volk.   
8 Und der HERR sprach zu Mose: Mache dir eine Schlange und tu sie auf eine Stange! Und es wird geschehen, jeder, der gebissen ist und sie ansieht, der wird am Leben bleiben.   
9 Und Mose machte eine Schlange von Bronze und tat sie auf die Stange; und es geschah, wenn eine Schlange jemanden gebissen hatte und er schaute auf zu der ehernen Schlange, so blieb er am Leben.     4.Mose 21,5-9

Der Willen Gottes war sein Volk aus Ägypten zu retten, wo sie geknechtet und wo ihre männlichen Kinder von den Ägyptern umgebracht wurden. Dies tat er dann mit Seinem Beauftragten: Dem treuen Diener Moses. Er sollte die Kinder Israel nach einer zweijährigen (nicht vierzigjährigen) Wüstenwanderung in das gute Land bringen. In den zwei Jahren sollte Israel die Hausordnung Gottes kennen lernen. Da sich Israel aber als halsstarrig erwies, entschied Gott, dass Er erst die nächste Generation ins gute Land führen will. Die erste Generation des Auszugs sollte in der Wüste sterben, ausser jenen, die sich besonders ausgezeichnet hatten, wie beispielsweise Kaleb und Josua.

Eine Facette der Halsstarrigkeit des Volkes sehen wir an dieser Stelle. Sie versuchten Christus. Gott ernährte sie schon damals mit Christus, der geistlichen Speise, die er von Himmel regnen liess. Israel nannte sie „elende Speise“. – Israel war geistlich so blind und innerlich so distanziert von Gott, dass sie nicht in der Lage waren, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können. Lieber wollten sie zurück zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“, wo ihre Kinder umgebracht wurden und sie übermenschlich für den Pharao schuften mussten.

Isoliert betrachtet könnte man über Israel ausrufen: „Die waren ja völlig von Sinnen!“ – Gewiss waren sie das; doch ich würde mir über sie kein Urteil anmassen, denn die Christenheit zeigt dieselben Tendenzen. Dabei schliesse ich mich völlig ein, ich bin auch ein Christ und gehöre zu Gottes neutestamentlichem Volk.

In der Erziehung Gottes vergessen wir sehr schnell, aus welchem Elend wir herausgerettet wurden. Die Welt gaukelt uns dann vor, dass wir viele ihrer Annehmlichkeiten (die „Fleischtöpfe Ägyptens") nicht mehr geniessen dürfen. Stattdessen üben wir uns – oder sollten es zumindest – die Hausordnung Gottes zu verinnerlichen, um nachher ins Reich geführt zu werden. Schnell vergessen wir, dass die Annehmlichkeiten dieser Welt einen sehr hohen Preis haben, wie damals der Aufenthalt der Israeliten in Ägypten, welche mit ihren Söhnen bezahlten und den ganzen Tag hart schuften mussten. - Leicht kann in solchen Situationen jemandem ein unbedachtes Wort aus dem Mund entfahren, mit dem er Christus versucht.

Es ist wichtig, dass wir uns immer den gesamten Heilsplan Gottes vor Augen halten und nicht offensichtlich negative Augenblicke zum Plan Gottes werden lassen und wir in der Folge negativ über sein rettendes und herrliches Vorhaben denken.

Vers 10

Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten und von dem Verderber umgebracht wurden!   1.Kor 10,10 

Die Gemeinde Israel murrte und haderte nicht nur einmal mit ihrem Schicksal. Durch die Schrift sind mehrere Stellen überliefert, zum Beispiel jene nach der Auskundschaftung des guten Landes, ihres Zielgebietes (4. Mo 14,2). Einige aus der Gemeinde murrten später abermals; diesmal gegen die von Gott ausgewählten Männer, Mose und Aaron (4. Mo 16,11). Voller Unverständnis über Gottes Wege murrten sie, um das Mass der Sünde zu füllen, zum dritten Mal gegen Gottes Plan und schoben Mose und Aaron die Tötung der von Gott gerichteten Menge des Volkes in die Schuhe. Das hatte zur Folge, dass dafür wiederum 14 700 Menschen fielen (4. Mo 17,14). – Was denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser; hätte sich Gott vielmehr verspotten und das Böse grassieren lassen sollen? Sollte lieber die ganze Gemeinde im Sinne des Humanismus verschont bleiben um dadurch, in ihrer Gottlosigkeit gerechtfertigt, am Ende der Tage im Schlussgericht vernichtet zu werden?

Nein, Gott handelt nicht so. Er handelt auch im Zorn nicht so, wie es die Menschen eigentlich verdient hätten. Er hatte im Zorn mehrmals vor, die ganze Gemeinde zu vernichten (2. Mo 32,10; 4. Mo 16,21; 17,10). – Mit Mose, welcher damals für die Gemeinde flehte, deutete Gott auf Christus, unseren herrlichen Retter, der sich für die Seinen einsetzt, damit sie nicht die gerechte Strafe bekommen. – Gott war aber gezwungen zu handeln, die Gemeinde war in Bezug auf die Gottesfurcht sehr tief gesunken und murrte im Unglauben (Gott wird es nicht schaffen, uns in das Land zu bringen), in grosser Vermessenheit (wir können auch an die Stelle der von Gott ausgebildeten Männer stehen) und in Rechthaberei (Mose und Aaron seien im Unrecht, dass Israeliten getötet wurden).

Wenn also Unglaube, Vermessenheit und Rechthaberei an die Stelle der demütigen Anerkennung der Wege Gottes kommt, wird gegen Gott gemurrt: „Ach, wieso HERR, muss das und jenes in meinem Leben geschehen…?“ Wer an diesem Punkt angelangt ist, steht in grosser Gefahr zu murren. Schnell ist die zweite Hälfte des Satzes da, auch wenn sie nur gedacht wird: „…besser wäre ich gestorben!“, oder „…besser wäre ich in einer anderen Stellung!“, oder „…die Wege Gottes sind nicht recht (Hes 18,25)!“

Murren Sie nicht, liebe Leserinnen und Leser! Besinnen Sie sich in der Anfechtung auf den Gesamtplan Gottes, nicht auf die Bruchstücke Ihres Lebens. Der Gesamtplan zeigt, dass Gott Sie voller Liebe aus dem Bösen ins Gute bringen will. Er zeigt auch, dass Gott es mit jeder Person schaffen kann, wenn sie will, sei sie noch so schwach und unpassend. Wer aber mit erhobener Hand (= vorsätzlich; 4. Mo 15,30) dagegen steht, bringt sich unter ein schlimmes Gericht!

Vers 11

Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist.     1.Kor 10,11 

Es nützt nichts, wenn eifrige Christen ob dieser Verse (Verse 6 und 11) anderen gegenüber den warnenden Zeigfinger erheben, sich fromm stellen und zu ermahnen versuchen. Die Erziehung Gottes und die Wege Israels müssen zumindest in den Grundzügen verstanden sein, um daraus Folgerungen ziehen zu können.

Gott erzieht jedes Kind, das er aufnimmt. Im Ganzen gesehen, an mehreren Menschen kollektiv betrachtet, eignet sich das Volk Israel sehr gut zur Betrachtung. Israel kannte beim Auszug aus Ägypten ihren Gott nicht wirklich, sonst hätten sie sich nicht so widerspenstig verhalten und hätten auch nicht so viele Tote zu beklagen gehabt, die in der Wüste fielen mussten. Wie gesagt, Gott erzieht jedes Kind, das er aufnimmt; Sie, liebe Leserin und lieber Leser, wie auch mich:

Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt.     Hebr 12,6 

„Jeden Sohn“ bedeutet, dass Er sich nicht nur um ein Kollektiv, also viele Menschen zusammen, kümmert, sondern explizit um Einzelpersonen. Sie sind ihm als Individuum genauso wichtig wie eine Hundertschaft. Er kann letztere sogar stehenlassen, um Ihnen allein nachzugehen (Lk 15,4). Er erkennt die Taten eines jeden Einzelnen, auch wenn das ganze Kollektiv um diesen Betreffenden herum anders handelt. So genau erkennen die Augen des HERRN die Bewegungen auf der Erde.

Wer das nicht glaubt, steht in der Gefahr abzufallen, wenn das Kollektiv, die Masse, abfällt. Dann sagt sich ein Einzelner: „Es bringt nichts mehr, wenn ich als Einzelperson noch an der Gerechtigkeit festhalte, der HERR hat das Land sowieso verlassen und achtet auf gar nichts mehr, was hier geschieht. Es ist zu viel Sünde da, dass der HERR noch auf einen Einzelnen schauen würde!“ – So mochten die Leviten gedacht haben, wo sie die Dienste am Tempel des HERRN aufgaben und das Wirken für die eigene Nahrung davor setzten (Neh 13,10). Zu jener Zeit waren die Könige vorwiegend böse und das Volk zuchtlos. Ein einzelner Levit konnte nichts dagegen ausrichten. Der Dienst am Tempel wurde mühsam, fast lächerlich und zudem durch den Hunger, welcher durch die ausstehenden Opfer für den HERRN aufkam, noch beschwerlicher und aussichtsloser. Es lag nahe, diese inzwischen – menschlich betrachtet – sinnlos gewordene Arbeit niederzulegen. Viele Leviten handelten leider danach und verliessen den Weg des HERRN. Die Söhne Zadoks blieben aber in den Weisungen des HERRN und fielen nicht davon ab:

Den geweihten Priestern <soll es gehören>, den Söhnen Zadoks, die meinen Dienst versehen haben, die, als die Söhne Israel abirrten, nicht abgeirrt sind wie die Leviten abgeirrt sind.    Hes 48,11 

Selbst ich kann leider von einer traurigen Erfahrung in meinem Leben berichten, wo ich von einem Dienst (treuer Dienst beim Arbeitgeber) abgefallen bin. Ich arbeitete einige Jahre in einer Firma, die, zumindest in meinem Bereich, von ausschliesslich selbstgefälligen Vorgesetzten geführt wurde. In einer Zeit, wo es der Firma finanziell nicht mehr so gut ging, strichen sie in heuchlerischer Art nach unten alle Gelder, um ihren Vorgesetzten zu gefallen. Dabei nahmen sie rücksichtslos in Kauf, dass durch diese übertriebene Massnahme die unteren Abteilungen funktionsuntüchtig wurden und am Ende mehr finanzielle Mittel benötigten, um wieder wirken zu können, als wenn man sie weiter zumindest mit dem Allernotwendigsten versorgt hätte. Ich arbeitete damals in einem solchen, von der Versorgung abgeschnittenen Bereich. Menschlich konnte ich mir ausrechnen, wohin das führte und sah die Bosheit und den Egoismus der Entscheider und auch, dass es nichts brachte, sinngemäss den Ölstand eines Aggregates zu prüfen, dessen Treibstoffzufuhr gekappt wurde: Es wird sowieso zum Stehen kommen. – Das alles liess meine Arbeitsmoral einbrechen und ich wirkte bestimmt nicht mehr nach dem Willen des HERRN (1. Petr. 2,18-20). Während dieser Zeit suchte ich krampfhaft nach einem Ausweg und wäre wohl, wie die Leviten damals, davongelaufen, wenn sich nur die kleinste Türe geöffnet hätte. Ich hatte meine Bedürfnisse vor Augen und nicht ausschliesslich jene des HERRN. Die Situation war so aussichtslos und die Entscheider sassen so fest in ihren „Sätteln“, das man wusste, dass ohne Wunder alles zugrunde geht.

Wohl hatte ich dieselben Gedanken wie die Leviten damals: Der HERR muss die Situation verlassen haben; es kann nicht sein, dass Er solches zulässt, wenn er wirklich da wäre. Ich dachte, dass der HERR weggeht, wenn das Kollektiv abfällt, ich glaubte nicht mehr an ein Interesse seinerseits an Einzelpersonen. – Ich lag mit meinen Gedanken aber völlig daneben, wie der vorhin zitierte Vers aus Hesekiel 48 zeigt. Der HERR war sehr wohl bei den Einzelnen, die sich trotz der aussichtslosen Situation an sein Wort hielten! Er registrierte jede Bewegung seiner Getreuen, wie auch jene der Abgefallenen. – Nehmen wir also bitte dieses Beispiel der Erziehung Gottes für unsere Leben an! Wir haben die höhere Verantwortung als Israel damals, weil wir heute durch ihre Geschichte ein Vorbild haben durch das wir gewarnt werden.

Zweifellos verlangt Gott einen vollkommenen Glauben, der durch grosse Hitze geprüft werden muss. Israels Murren kam manchmal durchaus erst auf, wenn wirklich keine Hoffnung mehr da war; wenn nur ein Wunder die Situation noch verändern konnte. Auf solche Wunder vertrauten sie aber nicht, obschon für den HERRN keine Aufgabe zu schwer war und ist (Jes 59,1).

Mein heutiger Rat als selbst schwer geprüfter Mensch ist an die geschätzte Leserschaft: Mischen Sie keine äusserlichen Wahrnehmungen in den Lehrplan der Schule Gottes. Die Schule Gottes sagt, dass Er immer bei uns ist (Mt 28,20). Hiobs Situation und seine Frau liessen aber das Gegenteil vermuten:

Da sagte seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Fluche Gott und stirb!   Hiob 2,9

So krass der Ratschlag seiner Frau tönt, so böse war er vielleicht nicht gemeint. Er kam aus einer äusserlich wahrgenommenen Situation. Hiob war seinerzeit der gottesfürchtigste Mann (Hiob 1,8). Keiner war dennoch wohl so leidgeprüft wie er. Er verlor nicht nur seine Familie auf übelste Art, sondern auch seine Gesundheit. – Für eine aussenstehende, wie seine Frau, lag es deshalb nahe zu sagen, er solle doch dem fluchen, dem er diente, wenn dieser Gott den treuen Dienst mit solchem Leid erwiderte. – Hiob kannte Gott hingegen besser als seine Frau und wusste, dass Gott irgendwann sich doch über den erbarmt, der auf ihn hofft, auch wenn es der Hoffende nicht verdient:

Doch ich weiss: Mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staub stehen.     Hiob 19,25 

Hiob war wie einer aus den Söhnen Zadoks; er hielt sich auch an Gott und seine Gebote, wenn nichts mehr auf eine Gegenwart Gottes hindeutete. Gott war aber gegenwärtig und ist es heute, wie Er es uns versprochen hat, für jeden Einzelnen, egal, wie sich das Kollektiv verhält. So steht es geschrieben und so wird es in einem Lied von Gerhard Tersteegen bezeugt („Gott ist gegenwärtig“). – Wer hatte am Ende Recht? Hiob oder seine Frau? Die Leviten als Kollektiv oder die Söhne Zadoks? – Mischen Sie keine äusserlichen Wahrnehmungen in den Lehrplan der Schule Gottes! Amen!

Vers 12

Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle.    1.Kor 10,12   

Wir durften aus diesen wenigen Versen des zehnten Kapitels mindestens sieben Warnungen zum natürlichen menschlichen Verhalten sehen:

- Der Wunsch nach einem sichtbaren Gott (Bau des Kalbes)
- Eine Gelassenheit trotz schwerster Missstände (das Volk tanzte und spielte trotz des Götzenkalbes)
- Die Begierde nach dem Unbekannten (Unzucht treiben mit der Welt oder der Frau des Nächsten)
- Üppigkeit gegen Christus (ich brauche keine Morgenwache bzw. solch „elende Speise“)
- Murren durch Unglaube an das Ziel Gottes (Gottes Plan führt nur zum Tod, nicht zum Leben)
- Murren gegen aufrichtige Diener Gottes (Gott verteilt die Ämter ungerecht; Rotte Korachs)
- Murren gegen Gottes Plan allgemein (Was Gott und seine ergebenen Diener tun, ist Unrecht; 4. Mo 17,6)

Aufgrund dieser geschichtlichen Ereignisse, die uns als Warnung dienen sollen, weil wir dieselben Menschen sind, wie jene es waren, soll jeder, der die alte Natur noch in sich trägt (das sind wir alle), aufpassen, dass er nicht fällt. Sehr schnell kann ein Gegenstand dieser Aufzählung zum Stolperstein für uns werden, denn jeder Punkt steht unserer alten Natur entgegen. Sobald wir der alten Natur Raum geben, kommt es zum Konflikt. Wer von sich denkt, er sei immun gegen einen dieser Punkte, denkt zu hoch von sich; er verhält sich geradezu anmassend.

Vers 13

Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt.     1.Kor 10,13 

Zur Versuchung muss einmal grundsätzlich gesagt werden, dass Gott uns nicht versucht:

Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.  Jak 1,13 

Gott kann nicht vom Bösen versucht werden, sodass Er plötzlich reagieren muss. Gott agiert, er hat es nicht nötig, wegen dem Bösen zu reagieren. Das Wort Versuchung sehen wir aber manchmal auch im Zusammenhang mit einer Prüfung. Und dass Gott uns manchmal prüft, ist offenbar. – Damit es nun kein Durcheinander wegen dieses Wortes gibt, hilft uns vielleicht der Gedanke, dass Gott uns lediglich in einer positiven Art prüft. Er prüft uns wie der Töpfer sein vollendetes Werk prüft. Ein Töpfer prüft seine Kreationen nicht so, dass er sie am Ende zerschlagen muss, sondern in der Art, dass er sie im Anschluss makellos auf die Verkaufstheke stellen kann. Der Böse versucht uns in einer anderen Art. Er will, dass die Vase des Töpfers, um bei diesem Beispiel zu bleiben, zu Boden fällt, zerspringt und unbrauchbar wird.

Gott lässt bei seinen Getreuen nicht zu, dass sie über ihr Standvermögen vom Bösen gerüttelt werden, so, dass sie fallen müssen. Er lässt lediglich einen bestimmten, erträglichen Grad des Rüttelns zu, damit die gute Beschaffenheit Seines Werkes ans Tageslicht kommt. Doch Gott diktiert dem Bösen die klaren Grenzen, wie bei Hiob, die nicht überschritten werden dürfen und auch nicht überschritten werden können.

Mit der der menschlichen Versuchung ist jene gemeint, die aus unserem inneren kommt, also nicht jene des Teufels. Unser Fleisch, indem nichts Gutes wohnt und immer gegen Gott gerichtet ist, hat seine Begierden und würde uns in grosse Verlegenheit bringen, wenn wir ihm nicht widerstehen würden, wie geschrieben steht:

Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird.     Jak 1,14  

Im Matthäusevangelium ist genau beschrieben, was in uns wohnt (15,19). Wenn wir diesen Dingen freien Lauf lassen, kommt es extrem schlecht, da braucht es den Teufel gar nicht, um es schlimm kommen zu lassen.

Doch Gott verspricht uns an dieser Stelle durch den Heiligen Geist, dass er die Prüfung der Seinen nicht über ihre Kapazitätsgrenze gehen lässt. Die Prüfung soll eine Prüfung bleiben und nicht in der Zerstörung enden. – Darauf können wir hoffen!

Vers 14

Darum, meine Geliebten, flieht den Götzendienst!     1.Kor 10,14 

Das Kapitel begann mit den Herrlichkeiten, welche das Volk Gottes besitzt und der Warnung von Götzendienst aus der Geschichte mit dem goldenen Kalb, das Israel an die Stelle Gottes gesetzt hatte. – „Darum, meine Geliebten, flieht den Götzendienst!“, schreibt Paulus an dieser Stelle. Darum, weil Gott uns aufgenommen und mit Christus gesegnet hat, liebe Geschwister im HERRN, fliehen wir vor jeglichem Dienst an Götzen! Lasst uns nicht der Geldliebe oder der Habsucht bzw. irgendetwas verfallen, auf das wir glauben, vertrauen zu können und das den Platz des HERRN einnimmt.

Vielleicht fragen wir uns in der „aufgeklärten“ Welt, was denn heute Götzendienst ist. Im deutschsprachigen Raum bauen die wenigsten Menschen Figuren von Göttern, um sich vor ihnen zu verneigen oder niederzuwerfen. – Es gibt aber einen Götzendienst, der in unseren Gegenden weit verbreitet ist: die Habsucht. Das Neue Testament warnt uns nicht nur einmal davor:

Denn dies sollt ihr wissen und erkennen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – er ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes.    Eph 5,5 

Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist!    Kol 3,5 

Daraus sehen wir, dass es im Grunde genommen einfach ist, dem Götzendienst zu verfallen. Unser Geld bzw. Gut kann schnell die Rolle Gottes einnehmen, wenn wir darauf vertrauen, wie es der reiche Mann tat:

16 Er sagte aber ein Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein.
17 Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll.
18 Und er sprach: Dies will ich tun: ich will meine Scheunen niederreissen und grössere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln;
19 und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich!   
20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?   
21 So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.     Lk 12,16-21  

Ohne einen sichtbaren Götzen gebaut zu haben, wie Israel damals, hatte dieser Mann trotzdem einen falschen Gott: Er vertraute auf seinen Besitz. Wir sehen auch dieselbe darauffolgende Reaktion bei ihm, genau wie bei den Israeliten. Sobald er darauf zu vertrauen begann, beruhigte er sich und wähnte sich in Sicherheit. Bei Israel war es so, dass sie nach dem Bau des Götzen zu spielen begannen.

Bei Götzendienern spielen sich dieselben Muster ab: Sobald jemand etwas für sich Vertrauenswürdiges hat, worin er eine „Lebensversicherung“ sieht, lehnt er sich zurück und denkt, es sei auf Jahre hinaus ausgesorgt. Dies kann auch ein Vertrag mit einem guten Arbeitgeber sein, der ein hohes Einkommen verspricht. So gesehen, hat der Götzendienst viele Gesichter. Wenn wir uns durch etwas Irdisches „beruhigen“ lassen, anstelle in allen Dingen auf Gott allein zu vertrauen, seinen wir reich oder arm, krank oder gesund, dienen wir Götzen. Wir vertrauen dann auf tote Dinge, die kein Leben in sich haben und tun es den Israeliten gleich, welche sich vor einem toten, gegossenen Kalb niederwarfen. Was nützt uns Reichtum, wenn wir unheilbaren Krebs haben? Wozu dient er uns, wenn uns unsere Ehepartner und Freunde verlassen? – Das Gleichnis aus Lukas 12 bringt es auf den Punkt: Lassen Sie uns in jeder Lebenssituation auf Gott vertrauen, seien wir reich oder arm, gesund oder krank, in guter beruflicher Stellung oder als Hilfskraft angestellt. Amen!

Vers 15

Ich rede als zu Verständigen. Beurteilt ihr, was ich sage!     1.Kor 10,15  

Paulus hatte es nicht nötig, auf die unbeständigen Gefühle der Menschen zu bauen. Wir können heute für eine Sache grosse Gefühle haben, welche später bei nüchterner Betrachtung einer verstandesmässiger Beurteilung und sogar Verurteilung weichen müssen. Ein Durchschnittsverdiener kann voller Freude über ein Inserat einer Sportwagenschmiede einschlafen, in dem von grosszügigem Rabatt die Rede ist. Wenn er das Angebot am nächsten Tag aber verstandesmässig betrachtet, muss er doch zugeben, dass er den 200 000 Euro Wagen selbst mit 20% Ermässigung nicht kaufen kann.

Paulus wirbt nicht für die Lehre Christi, indem er Gefühle stimuliert. Gefühle sind für eine so ernsthafte Sache die falsche Grundlage, ausser der echten Liebe für Christus. Die Lehre sollte aber auf der Akzeptanz des Verstandes stehen. Deshalb wendet sich Paulus bewusst vor der nächsten lehrmässigen Lektion an den Verstand der Leserschaft. Mit anderen Worten sagt er: „Liebe Korinther, ihr habt es nicht nötig jetzt gefühlsmässig abzuheben für eine Sache. Ihr seid keine Kinder mehr. Zu Euch kann ich wie zu solchen reden, die zwischen Links und Rechts unterscheiden können. Lasst uns den nächsten Lehrpunkt nun als erwachsene Menschen betrachten.“

Diese vernünftige und einzig nachhaltige Art der Lehre wird in der heutigen Zeit in einigen Gemeinden vernachlässigt. Sie musste gefühlsmässiger Stimulation weichen. Da treten Menschen in Gemeinden auf und setzen vor jede Aussage sinngemäss eine Phrase, die man als Christ bejahen muss, wie zum Beispiel: „Wir haben einen guten Gott!“, oder: „Ist Christus nicht herrlich?“, wie auch: „Es ist ausserordentliche Gnade, Christ zu sein, nicht wahr?“ Mit solchen Phrasen holen sie sich das „Ja, du hast Recht!“, von der Zuhörerschaft ab und haben im Anschluss freie Bahn, ihre Märchen zu erzählen. Je unglaubwürdiger sie sind, desto mehr müssen sie solche echten Punkte, ihre Phrasen, wiederholen, um die Zuhörerschaft gefühlsmässig für sich zu behalten. Verstandesmässig sind die Lehren vieler Gruppierungen, allen voran die „Wort und Geist“ Sekte und vieler ähnlich funktionierender „Gemeinden“, längst nicht mehr mit dem Wort Gottes zu verstehen. Erstaunlicherweise finden Märchenprediger solcher Gemeinden immer wieder Anhänger, weil sie durch ausgeklügelte psychologische Motivation den Verstand ihrer Anhänger ausschalten. Der Verstand wird mit den Phrasen, die echte Punkte beinhalten, zufriedengestellt, um anschliessend durch Gefühlsmanipulation Fabeln an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Das Wort Gottes ist klar und verstandesmässig fassbar. Gott baut das Leben und die Errettung der Seinen nicht auf die wackelige Basis der Gefühle! Seien Sie auf der Hut, liebe Leserinnen und liebe Leser, wenn die Richtung und die Lehre ihrer Gemeinde mit dem Wort Gottes nicht mehr fassbar bzw. erklärbar ist. Der Heilige Geist lehrt nicht auf diese Art, wie wir aus diesem Vers klar sehen.

Vers 16

Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht <die> Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht <die> Gemeinschaft des Leibes des Christus?    1.Kor 10,16

Paulus spricht mit diesem Vers das Abendmahl an. - Dazu ist es wichtig, dass wir die Grundlagen des Mahls verstehen. Das Mahl wurde uns nicht als Empfehlung abgegeben. Das Mahl ist (zwingend) zu feiern; der HERR sprach bei der Einsetzung: „Dies tut!“

Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis!     Lk 22,19

Paulus spricht so selbstverständlich vom Mahl; er geht davon aus, dass Christen es nach dem Gebot regelmässig feiern. Aus diesem Grund schreibt er auf diese Weise vom Kelch, den wir segnen und vom Brot, das wir brechen. Vom Kelch und vom Brot wird als selbstverständlich erachtet, dass er in der Mitte der Gläubigen ist. – Leider ist der Tisch des HERRN, das Abendmahl, heute nicht mehr ein fester Bestandteil der Gottesdienste. Dazu kommt, dass - wenn er überhaupt gefeiert wird - er nicht so gehalten wird, wie er sollte. 

Das Passah war für Israel das, was das Mahl des HERRN für die Christen ist. Ein Ignorieren des Passahmahles war eine grosse Sünde. – Die Sache, die wir an dieser Stelle betrachten, ist sehr ernst. Paulus wählte nicht umsonst eine solch deutliche Einleitung. Der HERR schenkte Israel der Ernsthaftigkeit wegen eine Möglichkeit, das Passah einen Monat später einzunehmen, wenn der erste Termin verpasst werden sollte (4. Mo 9).

Der HERR spricht heute zu den Christen: „Dies tut, haltet das Abendmahl!“ – Viele Christen entgegnen Ihm: „Wir setzen das Mahl ab!“, oder: „Das Mahl ist nicht zu halten, wenn jemand in Sünde ist!“ – So krasse Aussagen werden von einigen gemacht! Ist nicht vielmehr der Unpassende in der Pflicht, sich passend zu machen? Sollte eine Person, die in Sünde ist, nicht vielmehr davon lassen und Ordnung schaffen, damit sie das Mahl einnehmen kann, ohne Strafe auf sich zu ziehen? – Oder sind wir wieder am selben Punkt angelangt wie Israel, das der Menschengebote willen die Gebote Gottes aufhob (Mk 7,13)? – Fürwahr, es ist mindestens so schlimm im Christentum, wie es damals im Judentum war bezüglich Gehorsam. Es ist so schlimm, dass die Grundlage wieder geschaffen werden muss, um diesen Vers bzw. die Aussage von 1. Kor 10,16 verständlich zu machen. Der Vers spricht von einer Selbstverständlichkeit in der Befolgung des Mahles des HERRN. Davon wird ausgegangen und darauf wird aufgebaut mit der Aussage der nächsten Verse.

Wenn wir das Mahl halten, haben wir Gemeinschaft mit Christus; wir zelebrieren die innige Verbundenheit mit Ihm, welche ausschliesslich durch seinen Tod möglich wurde. Diese Verbundenheit mit der Gemeinde war sein Wunsch und er gebietet uns, dieser Tat, welche wie erwähnt die Grundlage dazu schaffte, zu gedenken. Amen.

Vers 17

Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot.    1.Kor 10,17 

Das Abendmahl symbolisiert zum einen auch den Tod Christi durch die Trennung des Leibes und des Blutes. Ein Mensch ist tot, wenn sein Blut nicht mehr im Körper ist. So zeigt der Kelch mit dem Wein neben dem Brot, dass Christus der Sünde wegen (unserer Übertretung wegen) sterben musste. Er war tot, damit wir leben. An diesen speziellen Tod sollen wir denken, wenn wir zusammenkommen, nicht an irgendeinen Tod bzw. dass wir alle einmal sterben werden. Die Erinnerung ist zu Seinem Gedächtnis (Lk 22,19), nicht wegen unserer Endlichkeit im irdischen Leib.

Erst Sein Tod eröffnete uns eine Teilnahme am Himmlischen. Zuerst musste er als Weizenkorn (= im reinen Zustand, nicht als Unkraut) sterben, damit wir auch Weizenkörner werden dürfen. Bevor er starb, waren wir keine Weizenkörner, wie geschrieben steht:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.    Joh 12,24 

Durch Seinen Tod, welcher die Schuld der Menschen die an Ihn glauben, sühnt, öffnete Er den Weg, der himmlischen Familie teilhaftig zu werden. Wir dürfen uns als reine Weizenkörner neben Ihm aufstellen, bis wir so viele sind, dass aus einzelnen Körnern ein ganzes Brot wird.

Im Brechen dieses Brotes, beim Halten des biblischen Abendmahles, zeigen wir auf eine sehr eindrückliche Art, dass Christus für uns starb, und was Sein Tod bewirkt hat: Alle Christen durften, wie erwähnt, zu Teilen dieses himmlischen Brotes werden.

Vers 18

Seht auf das Israel nach dem Fleisch! Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar?    1.Kor 10,18  

Israel hatte durch das Essen der Opfer, welche auf dem Altar dargebracht wurden, Gemeinschaft mit dem Altar. Durch das dem HERRN Geopferte brachten sie sich in Gemeinschaft mit Gott. Wie wir im Vers 16 sehen, wird die Gemeinschaft mit dem HERRN heute durch das Abendmahl nach aussen verkündigt (proklamiert). Das tat Israel mit den auf dem Altar dargebrachten Schlachtopfern. Es war offensichtlich, dass die Opfer Gott dargebracht wurden und keinem anderen, da die Opfergabe nach seiner Ordnung verrichtet wurde. Alle wussten auch dadurch, dass Israel mit Gott Gemeinschaft hatte.

Was wir daraus lernen können ist, dass wir uns in die Gemeinschaft dessen begeben, der die Ordnungen bzw. die Anweisungen gab, wenn wir sie ausführen. – Wenn also zu uns jemand sagt, wir können so oder so mit ihm in Gemeinschaft treten und wir es nach dieser Anweisung tun, ist der Kontakt hergestellt.

Vers 19

Was sage ich nun? Dass das einem Götzen Geopferte etwas sei? Oder dass ein Götzenbild etwas sei?     1.Kor 10,19 

Die Tatsache, dass das von Gott eingesetzte Opfer sehr viel bedeutet und einen sehr hohen Stellenwert hat, macht ein Götzenopfer noch lange nicht wertvoll oder in irgendeiner Art gross. Opfer ist nicht gleich Opfer. Wenn nun bei Gott nur schon das Symbol des Todes Christi, das Passah bzw. das Abendmahl sehr wichtig war bzw. ist, heisst das lange nicht, dass ein Opfer für einen Götzen etwas Besonderes darstellt. Götzenopfer einzusetzen ist ein falscher und böser Dienst, der die Speise, die Gott gereinigt hat, glücklicherweise nicht wieder verderben kann. Er verunreinigt höchstens den Menschen, der ihn ausführt.

Wir können mit Sicherheit durch die Schrift sagen, dass ein Götze nichts ist: Er kann weder hören noch sprechen, noch irgendetwas bewegen. Er hat keine lebendige und kraftvolle Rechte, die ihm hilft. Die Bibel spricht so über Standbilder und Götzen:

5 Einen Mund haben sie, reden aber nicht. Augen haben sie, sehen aber nicht.
6 Ohren haben sie, hören aber nicht. Eine Nase haben sie, riechen aber nicht.   
7 Sie haben Hände, tasten aber nicht; Füsse, gehen aber nicht. Keinen Laut geben sie mit ihrer Kehle.    8 Ihnen gleich sollen die werden, die sie machten, ein jeder, der auf sie vertraut.     Ps 115,5-8

Ihnen soll gleich werden, ein jeder, der auf sie vertraut: Stumm und nutzlos, weil er mit seinem Dienst Gott verachtet und Menschen verführt.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, wieso denn diese Götzen trotzdem manchmal etwas bewirken können. Wieso können Marienstatuen Blut „weinen“ und wieso funktionieren homöopathische „Medikamente“, in denen kein Wirkstoff mehr nachgewiesen werden kann, manchmal trotzdem? – Dabei rede ich von der Homöopathie mit den Kügelchen und Tröpfchen, in denen kein Wirkstoff mehr nachgewiesen werden kann, nicht von Mitteln, die Wirkstoffe beinhalten. – Ja, wieso wirken solche Dinge trotzdem? Und wieso konnten Zauberer in Ägypten Wunderzeichen wirken, obschon sie nicht durch Gottes Finger kamen (vergleichen Sie 2. Mo 8,3 mit 2. Mo 8,14)? Wieso kann ein Standbild dennoch plötzlich sprechen und grosse Dinge tun (Offb 8,14), wenn es doch nur ein totes Werk ist? – Die Antwort darauf folgt im nächsten Vers.

Vers 20

<Nein>, sondern dass das, was sie opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen.     1.Kor 10,20 

Um diesen Vers verstehen zu können, müssen wir das Wort Götzendienst definieren. Ein Götze nimmt bekanntlich dem die Ehre, dem sie tatsächlich zusteht: Gott. Der Götze nimmt dem Schöpfer illegal Anerkennung und Anbetung, da nur Gott allein rechtmässig Anbetung zusteht. Gott ist der Urheber der Schöpfung. Er allein schuf sie. Götzen sind Teile der Schöpfung, also Bestandteile davon, die nicht am Schöpfungsprozess beteiligt waren. Sie sind nur Produkte dieses Prozesses, wie wir Menschen es sind. Deshalb steht ihnen nicht etwas zu, was Gott allein zusteht.

Die niedrigste Art des Götzendienstes ist einen Stein zu nehmen, diesem durch Abschlagen von Teilen so etwas wie ein Gesicht zu formen und sich am Ende vor ihm niederzuwerfen und tatsächlich zu glauben, dass dieser Stein, der vorher regungslos im Flussbett lag – jetzt liegt er genauso regungslos, um ein paar Splitter leichter geworden, auf dem Büchergestell oder einem selbstgefertigten Podest – einen erretten oder zumindest in gewissen Lebenssituationen Hilfe bieten könnte.

Andere Arten von Götzendienst sind beispielsweise alle Formen von Habsucht oder das Vertrauen in niedrigere Dinge als auf Gott allein. Ein Habsüchtiger glaubt das Leben ruhiger angehen zu können, wenn er viel Besitz hat. Er glaubt, in mageren Zeiten sorgenlos weiterleben zu können und setzt (zu) viel Energie in den Aufbau seines Götzen. Höhere Arten von Götzendienst sind solche, die falsches Vertrauen in lebendige Wesen setzen. Wer Lebewesen höhere Ehre gibt als es ihnen gebührt, zweigt etwas von der Ehre ab, die Gott allein gehört und gibt sie niedereren Wesen. So ist das Verehren von Tieren und oder Personen auch Götzendienst; auch wenn er auf einer höheren Ebene praktiziert wird. Dass Steine nicht helfen können ist eher offenbar als es bei Lebewesen ist; denn Lebewesen können in eingeschränkter Art und Weise doch noch Dinge bewegen.

Wie kann es denn kommen, dass Menschen, die eigentlich völlig ausreichend intelligent sind um zu erkennen, dass sie ein toter Stein nicht erretten kann, sich trotzdem vor toten Statuen und Bildern niederwerfen? – Die Antwort darauf liegt in der geistlichen Welt. Geistwesen, der Teufel selbst sowie Dämonen, können normal verständige Menschen soweit reizen und blenden, dass sie zu solchen Torheiten fähig sind und anfangen, tote Gegenstände anzubeten. Selbst David war nicht resistent dagegen und liess sich durch einen geistlichen Angriff dazu verleiten, gegen Gottes Willen zu handeln. Ein Beispiel davon sehen wir hier:

1 Und Satan stellte sich gegen Israel und reizte David, Israel zu zählen.   
2 Und David sagte zu Joab und zu den Obersten des Volkes: Geht hin, zählt Israel von Beerscheba bis Dan und bringt mir <Bericht>, damit ich ihre Zahl kenne!   
3 Und Joab sagte: Der HERR möge zu seinem Volk, soviele sie sein mögen, hundertmal <mehr> hinzufügen! Sind sie nicht alle, mein Herr und König, die Knechte meines Herrn? Warum verlangt mein Herr das? Warum soll es Israel zur Schuld werden?   
4 Aber das Wort des Königs blieb fest gegen Joab. So zog Joab aus und zog durch ganz Israel und kam nach Jerusalem <zurück>.  1.Chr 21,1-4

Selbst Joab, welcher mit seinem Leben Gott nicht annähernd so ehrte wie David, erkannte die Attacke des Bösen. David liess sich aber in seinem Moment der Schwäche vom Feind blenden, die Anzahl des Volkes in Erfahrung bringen zu können. Anhand dieser Zahl konnte er sich die Schlagkraft seiner Armee oder die Wirtschaftsstärke vorstellen, was ihm eine gewisse Unabhängigkeit von Gott bringen konnte, auch wenn es eine sehr trügerische war.

Angriffe solcher Geistwesen können Menschen soweit bringen, auf niederere Dinge als Gott zu vertrauen und ihnen Dinge zukommen zu lassen, die Gott allein gehören. Manchmal glaubt der Mensch, korrekt zu wandeln und merkt nicht, dass er angefangen hat, Dämonen zu dienen. Sobald er nämlich sein Vertrauen auf tote sowie lebendige Dinge beginnt zu setzen, nimmt er Gott Teile der Anbetung weg und spendet sie anderen, nämlich den Dämonen, die den Menschen zur Unabhängigkeit von Gott reizen. Ein Haus, ein fettes Bankkonto, ein guter und fester Arbeitsplatz oder ein grosses Auto sollte nicht unser Begehr sein, um danach die Seele ruhig werden zu lassen (Lk 12,19). Unsere Seele soll in Gott allein ruhig werden und in Ihm ruhig bleiben.

Hüten wir uns also davor, um zum Vers zurückzukommen, Gott nur den kleinsten Anteil seiner Ehre wegzunehmen, indem wir anfangen in unserem Job, dem Konto auf der Bank, dem starken und einflussreichen Freund oder der ergebenen Ehefrau zu ruhen. Tote wie auch lebende Dinge können uns nicht in der Art retten, wie Gott es kann. Es ist daher sehr wichtig, dass wir uns nur in Ihm niedersetzen, um fröhlich und beruhigt zu sein. Nur die Ruhe in Ihm berechtigt uns, sorgenlos anzufangen Feste zu feiern (1. Kor 10,7). – Opfern Sie nicht den Dämonen, weder Zeit, Energie noch Geld. Der Heilige Geist will nicht, dass Menschen, die am Tisch des HERRN sitzen, gleichzeitig solche Dinge tun! Amen.

Vers 21

Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilnehmen und am Tisch der Dämonen.     1.Kor 10,21 

Es ist einleuchtend und für jeden aufrichtigen Menschen offenbar, dass sich erstens das Licht und die Finsternis nicht vertragen, wie zweitens es auch nicht geht, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, wie der Volksmund schon sagt. Die Bibel sagt es auch:

Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.     Mt 6,24 

Ob es Dienst für den Mammon (Geld) oder die Dämonen ist, man kann nicht zwei Herren dienen, das ist im ewigen Wort festgehalten. Abgesehen davon ist es sehr böse, dem Widersacher zu Diensten zu stehen. – Manchmal sieht es für mich so aus, als ob sich der Teufel einen Spass daraus macht, Diener Gottes als völlig dämlich hinzustellen, indem er sie in seine Fallen tapsen lässt und damit Anlässe findet, Gott zu spotten, wie geschrieben steht:

Nur weil du den Feinden des HERRN durch diese Sache Anlass zur Lästerung gegeben hast, muss auch der Sohn, der dir geboren ist, sterben.     2.Sam 12,14 

Damit möchte ich auf die Wachen hinweisen, die an den Toren des Tempels stehen sollten. Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, Wachen aufgestellt, welche den Eingang von Unbefugten in das Haus Gottes – das sind Sie selbst (1. Kor 3,16) – verhindern? Oder kann bei Ihnen jede Versuchung bzw. Eingebung des Widersachers ungehindert ein- und ausgehen, wie bei David es damals kurzzeitig möglich war (2. Sam 11; 1. Chr 21,1)? – Mit diesen Versangaben möchte ich David nicht verunglimpfen, er lebte mehrheitlich ein heiliges Leben. Doch es ist so, dass wir den Umstand, Wachen zu haben oder nicht, nicht einfach nur kurz gedanklich streifen sollten. Wir sollten uns ernsthaft Gedanken über die „Sicherung unseres Tempels“ machen. Der Widersacher hatte viel mehr Zeit als Sie, um die Menschheit zu studieren und herauszufinden, wie er die Menschen, seien sie noch so verschieden, an der schwächsten Stelle angreifen kann. Die Erfolge im HERRN bei David sowie die Weisheit Salomos konnten nicht verhindern, dass selbst diese grossen Könige in gewissen Bereichen vor dem Feind fielen.

Lasst uns Gott in Einfalt dienen und Ihn, den HERRN, um eine gute Sicherung Seines Hauses bitten, die Er uns stellen wird, wenn wir aufrichtig sind. Sobald wir aber anfangen, auf niederere Dinge zu vertrauen, unsere alten Erfahrungen mit dem HERRN beispielsweise und nicht auf Ihn allein, ist die Gefahr gross, den „Wachen am Tempel“ keine grosse Aufmerksamkeit mehr beizumessen, da ja aufgrund unserer guten Erfahrungen mit dem HERRN „nichts mehr passieren kann“. So hat sich David womöglich rechtfertigen wollen (oder wurde es ihm eingeredet), als es ihn nach der schönen Batseba gelüstete.

Vertrauen Sie bei der Eingangsprüfung von Gedanken und Wünschen nicht auf Ihre Erfahrung. Der Widersacher hat genügend Tricks und Winkelzüge, um Sie in die Irre zu führen. Sogar Josua half seine Erfahrung nicht bei den Gibeonitern (Jos 9). Geben sie im weiteren niedereren Dingen nicht von der Ehre, die Gott allein gehört. So werden Sie den Dämonen nicht dienstbar. Amen.

Vers 22

Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er?     1.Kor 10,22 

Der HERR hat uns nach seinem Ebenbild erschaffen. Wir haben trotz der Sünde, die in unser Leben kam, im Blick auf den völlig reinen Gott noch Parallelen zu Ihm: Wir können immer noch selbständig denken, Entscheidungen treffen und haben Gefühle.

Wie wir nun Gefühle haben, hat sie Gott auch. Auch wenn seine Gefühle immer aus einer völlig reinen und unbeeinflussten Umgebung entspringen, sollten wir sie mit unseren Erfahrungen und Gefühlen in den Grundzügen doch noch nachvollziehen können: Wenn eines seiner Kinder, das Er mit grosser Liebe aus der Welt, den Klauen des Teufels, des ewigen Todes entrissen und sogar adoptiert hat, sich zu Elementen zurückwendet, die offensichtlich böse sind, - sollte Gott da einfach regungslos zusehen und – indem er „über der Sache steht“ – sagen: „Wenn dieser Mensch halt nicht will, was soll ich machen? Die Menschen sind nun mal so!“ – Wo wäre da die hingebungsvolle Retter-Liebe Gottes, die sogar den Tod Christi als Erlösungspreis zugelassen hatte?

Wenn eine solche einzigartige Liebe enttäuscht wird, die einen Wunsch zur Rettung der Menschen in einem nicht zu übertreffenden Grad zeigt, - was erwarten wir dann? Ist nicht automatisch eine ebensolch leidenschaftliche Eifersucht die Folge? – Selbstverständlich ist sie das! Das können wir sehr gut nachvollziehen, auch wenn unsere Gefühle bezüglich Reinheit niemals an jene Gottes herankommen. Bei solch klaren Umständen, die Eifersucht in einer unbedingten Art provozieren,  merkt auch der gefühlskälteste Bibelleser, dass da etwas ausgelöst wird, das einen schlimmen Ausgang erahnen lässt.

Ich stelle Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, abschliessend etwas rhetorisch die Frage des Paulus: „Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er?“

Vers 23

Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut.     1.Kor 10,23 

Dieser Vers, den Paulus bereits im Kapitel 6,12 erwähnte, führt uns an dieser Stelle auf eine noch höhere Ebene. Im Zusammenhang des Kapitel 6 können wir sehen, dass dem Reinen alles rein ist, dem Verkehrten ist hingegen alles Sünde, selbst wenn er Gott eine Gabe darbringt (Spr 15,8). Im Kapitel 6 sagt uns der Geist, dass wir nach dieser Reinheit trachten sollen, sodass uns im Anschluss alles rein ist.

An dieser Stelle spricht der Geist zu solchen, die schon rein sind; also zu solchen, welche die erste Stufe schon erklommen haben. Diese werden hier angeleitet, ihre Freiheit, die sie in ihrem edlen Stande haben, nur soweit ausnutzen, wie es für die Umgebung passend ist. Sie sollen trotz der breiten Palette der Möglichkeiten von „alles ist erlaubt“, da dem Reinen – er wandelt in Reinheit vor Gott – alles im Rahmen der Hausordnung erlaubt ist, nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen. Die Reinen sollen ihren Mitgeschwistern sowie gar den Ungläubigen gegenüber achtsam wandeln, wie wir im nächsten Vers ganz deutlich sehen. Was nicht erbaut, sollte gelassen werden, auch wenn es nicht direkt Sünde ist. Werden Sie, wenn Sie ein sehr kleines Einkommen haben, erbaut, wenn Ihre reichen, ebenfalls gläubigen Nachbarn, sich ausgerechnet eine Woche, nachdem Sie Ihr Auto aus finanziellen Gründen abstossen mussten, ihren noch jungen Zweitwagen gegen das neueste Modell eintauschen? Würden die Nachbarn Sie in dieser Art nicht beschämen, da es einem so vorkommt, als ob die Nachbarn ihre finanzielle Stärke auf eine unangemessene Art vor Ihnen zelebrieren würden?

Die reichen Nachbarn im Beispiel sündigen nicht, wenn sie ein neues Auto kaufen. Sie nutzen aber ihre Freiheit in einer Art aus, welche andere beschämt oder in Verlegenheit bringen kann. Diese Vorgehensweise sollten die Reinen in ihrer Freiheit unterlassen und sollten vielmehr auch die Anliegen und Umstände ihrer Umgebung in die Entscheidungen miteinbeziehen.

Lasst uns bitte zum Wohle der Gemeinschaft handeln und nicht unsere Wünsche an erster Stelle sehen, auch wenn wir schon eine schöne Stufe im Wandel mit Gott erreicht haben. – Es ist mir sehr bewusst, dass ein Wandel in Reinheit vor Gott nur mit viel Gebet und regelmässiger Hingabe erreicht wird. Dies erfordert schon ein grosses Mass an Disziplin. Trotzdem möchte der HERR uns, wenn wir auf der ersten Stufe stehen, auf die nächste weiterentwickeln, damit wir vollkommen werden, wie er vollkommen ist (1. Joh 2,6).

Vers 24

Niemand suche das Seine, sondern das des anderen.     1.Kor 10,24 

Hätte der HERR das Seine gesucht, wäre er nicht auf die Erde gekommen. Beim Vater war es weit besser, als dem Spott und Hohn seiner eigenen Kreatur ausgesetzt zu sein. Da Er sich aber für die Elenden einsetzen und ihnen eine Chance zur Errettung geben wollte, kam er im Wissen der Schwere seiner Aufgabe. Jesus Christus wusste alles, bevor es geschah, selbst von der schlimmen Art seines Todes:

Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.    Joh 12,32 

Diese edle Gesinnung sollten wir auch haben, anderen, welche Hilfe nötig haben, nach Vermögen zu helfen. Gott will nicht, dass wir über unser Vermögen helfen; wir können nicht jemanden 100 Euro geben, wenn wir selbst nur 10 haben (2. Kor 8,3). Er möchte, dass wir dieselbe Gesinnung haben, wie sie Jesus Christus hatte, welcher sein Reich kurzzeitig verliess, um den Verlorenen zu helfen. Nach vollendeter Tat kehrte er als Held zum Vater zurück. – So werden wir auch tun dürfen, wenn unser Lauf vollendet ist. Gott schuf uns nicht, damit wir ein elendes Leben fristen müssen und anschliessend – zu allen Nachteil – nur noch sterben dürfen! Wer Christus nachfolgt, darf an seinem Triumph teilhaben. Der HERR will ihn mit uns teilen, wenn wir Ihm treu nachfolgen, wie geschrieben steht:

Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.     Offb 3,21 

Wer durch den Glauben und Seine Kraft die Welt überwindet, indem er in der Gesinnung Christi im Gehorsam gegenüber dem Wort des Vaters wandelt, wird danach hoch belohnt werden, weil ein solcher Mensch in erster Linie dem Vater gedient hat und nicht seinem Bauch. Wie der Vater die Rettung aller Menschen will (Hes 18,23), will sie ein solcher Nachfolger auch und achtet in der Folge auf die Bedürfnisse der Anderen. Diese Achtsamkeit für den Nächsten ist nicht eine solche, die ihm zum irdischen Reichtum verhilft; die Achtsamkeit Christi schaut, dass dem Nächten zur guten Seite in der Ewigkeit verholfen wird sowie die irdischen Bedürfnisse gedeckt sind.

Vers 25

Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen!   1.Kor 10,25  

An dieser Stelle steigt Paulus mit einem praktischen Beispiel ein zu erklären, wie man das Vorangegangene praktisch anwendet: Auf dem Fleischmarkt gibt es allerlei zu kaufen. Fleisch von Atheisten, von Menschen, die darüber pendeln sowie solches von unbekannter Herkunft. Es ist für Christen unmöglich herauszufinden, welches Fleisch nun rituell unbehandelt ist und welches schon. Da Gott, die höchste Instanz also, jede Speise für rein erklärt hat, kann sie nicht durch eine tiefere Instanz verunreinigt werden. Wir können also alles essen, sei darüber gependelt bzw. einem Götzen dargebracht worden oder nicht. Das Gewissen soll uns deswegen nicht anklagen: Die Speise ist kultisch rein (Mk 7,19). Wir sollen nur um der Schwachen willen davon absehen, weil jene die Wahrheit über die Speise noch nicht haben voll erfassen können und mit dem Gewissen in Konflikt geraten, wenn sie überzeugt sind, dass die vorgesetzte Speise einem Götzen dargebracht oder darüber gependelt wurde. – Wenn es so ist, kommt der Vers 24 zum Zuge, welcher besagt, dass wir das Gute des Nächsten suchen sollen. Wenn der Nächste mit einer Situation nicht umgehen kann, weil er noch nicht soweit gereift ist, um seinen Stand in Gott voll erfassen zu können, dann sollen wir uns zu ihm herabneigen und ihm auf seinem Niveau begegnen, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen: Wenn der Nächste die Speise nicht essen kann, weil das Gewissen ihn anklagt und er die Wahrheit über die Rein-Sprechung der Speise Gottes noch nicht so genau erkennen kann, essen wir auch nicht davon, obschon es erlaubt wäre. Das wird im Vers 28 von der Heiligen Schrift selbst in diesem Wortlaut erklärt.

Vers 26

Denn »die Erde ist des Herrn und ihre Fülle.«     1.Kor 10,26  

Damit ist erklärt, weshalb hinsichtlich vermuteter ritueller Verunreinigung trotzdem alles gegessen werden darf. Was vom Besitzer für rein erklärt wird, kann nicht verunreinigt werden. Oder denken Sie, liebe Leserin und lieber Leser, der HERR könne nicht in genügender Art das Seine schützen? – Der HERR gibt überhaupt nichts unfreiwillig aus seiner Hand, nicht einmal ein Strichlein aus seinem Wort (Mt 5,18). Auch kein einziger von Ihm angenommener Mensch gibt Er aus der Hand, auch wenn sich die Macht der Gegenspieler vervielfacht, bündelt und in einer nie dagewesenen Art Furcht einzuflössen versucht (Joh 10,28). – Beim Schreiben über die Kraft Gottes kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, denn die Kräfteverhältnisse zwischen Gott und seinen Widersachern sind immer so ungleich, dass es nicht zu verstehen ist, dass überhaupt nur schon ein Gedanke an einen Versuch, gegen Gott zu kämpfen, aufkommen kann.

2 Es treten auf Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen den HERRN und seinen Gesalbten:   
3 »Lasst uns zerreissen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!«   
4 Der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie.     Ps 2,2-4 

Es ist mir klar, dass die Welt eine grosse Schlagkraft aufbringen kann mit militärischen Einrichtungen. Wenn sich alle Armeen der Welt am Ende zusammentun, um gegen Israel zu kämpfen, sieht es – menschlich gesehen – total hoffnungslos aus. Denken sie nur schon an eine Flotte mit einem Flugzeugträger, welcher mit allen Begleitschiffen und Kampfjets zusammen allein eine Feuerkraft einer mittleren Nation besitzt. Die geballte Kraft aller Armeen wird eine nie dagewesene Kriegswalze für das kleine Israel bedeuten.

Wenn diese Walze anrollen wird, ja, was denken Sie, wird der Schöpfer des Universums etwa Angst verspüren müssen? – Lachen wird Er! Er wird nicht nur das tun; Er wird diese Walze aus Eisen und Feuer in einem Augenblick vernichten, im Vergleich etwa so, wie wenn ein Mensch auf eine Ameise tritt. Denn Gott wird seine Kraft selbst dabei sehr dosieren müssen, dass er dabei nicht gleich den ganzen Planeten Erde pulverisiert.

Gut, damit hätten wir das Kräftemessen Gott gegen Mensch behandelt. Wie sieht es denn aus, wenn der Teufel auch gegen Gott steht? Kann Gott gegen Kraft des Teufels wiederstehen? – Diese Frage ist noch einfacher zu beantworten:

1 Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabkommen, der den Schlüssel des Abgrundes und eine grosse Kette in seiner Hand hatte.   
2 Und er griff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre    Offb 20,1.2 

Ein einziger von Gott autorisierter Engel kann den Teufel, der so viel Unruhe auf die Erde brachte, binden. Ein einziger Engel! Jesus hätte – wenn Er wollte – im Garten Gethsemane mehr als 12 Legionen aufbieten können (Mt 26,53)!

Nun wissen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, weshalb ich beim Thema Kräftemessen mit Gott immer etwas schmunzeln muss. Gott hat gar keine Gegner, die für ihn ernst zu nehmen sind. Gott tut und lässt, was Er will! Niemand kann zu ihm sagen: „Was tust du da?“

Wenn Gott nun etwas rein spricht, ist es rein, auch wenn die Welt und die finsteren Mächte es wieder für unrein erklären wollen! – Machen Sie sich, liebe Leserin und lieber Leser keinen Stress mit Dingen, die von Anfang an klar geregelt sind. Es wird viel zu viel für bereits Geregeltes und Klares gebetet, wie beispielsweise: „Ach, HERR, reinige doch diese Speise!“, oder: „Herr, lass mich nicht in die Hand des Feindes fallen!“ Wer Gott dient, braucht solches nicht zu beten. Damit wird viel zu viel Zeit verschwendet, die dem Lob Gottes abgeht.

Vers 27

Wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt, und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen.  1.Kor 10,27 

Das ist die praktische Anweisung Gottes über das Essen ausserhalb des „geschützten Rahmens“ der Gemeinde. Hier wird nochmals bestätigt, dass wir alles essen dürfen: Nichts kann kultisch verunreinigt werden, da der HERR über das Seine wacht.

Es gibt nur eine einzige Einschränkung beim Essen; das ist das Gewissen eines schwächeren Glaubensbruders oder einer schwächeren Glaubensschwester. – Wir Menschen kommen trotz sehr plausiblen Erklärungen von Experten in Gewissenskonflikte, wenn wir etwas tun sollten, das von Fachleuten zwar als unbedenklich erklärt wird, wir es aber nicht ganz erfassen können. Das wissen wir alles aus eigener Erfahrung. Wir sollen uns daher hüten, zu Erklärungszwecken Dinge zu tun, die andere noch nicht in der Tiefe haben erfassen können. Der Glaube ist eine Wachstumssache und kann nicht erzwungen werden. Mit diesen Worten richte ich mich an „Glaubensexperten“, die als gute Vorbilder vorangehen möchten aber das Prinzip des Glaubenswachstums (noch) nicht erfasst haben. – Der Glauben wächst wie eine Pflanze. Zuerst ist er zart und klein, bis er schlussendlich gross und resistent wird. Den Prozess zum Endzustand können wir nicht übernatürlich beschleunigen. Wir können auch nicht an Grashalmen ziehen, damit sie schneller wachsen. Wenn wir es trotzdem tun, schaden wir dem Prozess mehr als dass wir ihn unterstützen.

Es ist aus diesem Vers auch noch ersichtlich, dass wir nicht gezwungenermassen Einladungen von Ungläubigen annehmen müssen. Hüten wir uns vor falscher „Religiosität“. Der HERR verlangt nicht, dass wir überall hin gehen müssen, um Ihn zu bezeugen. Manchmal ist es für uns sogar besser, wenn wir gewisse Einladungen ausschlagen, um nicht selber in Verlegenheit bzw. ungehöriges Geschwätz zu kommen. Aus diesem Grund steht, „ … und ihr wollt hingehen …“, was eine klare Aussage des Geistes ist, dass wir als Kinder Gottes viele Entscheidungen auf freiwilliger Basis treffen dürfen. Amen.

Vers 28

Wenn aber jemand zu euch sagt: Dies ist Opferfleisch, so esst nicht, um jenes willen, der es anzeigt, und um des Gewissens willen!     1.Kor 10,28  

Nicht-Essen sollen wir nicht wegen uns; wir haben ja die Freiheit zu essen, da wir wissen, dass ein Götze nichts ist und das Fleisch nicht kultisch verunreinigt werden kann. Der vorausgehende Vers gibt uns nochmals die Freiheit, alles zu essen. Nicht-Essen sollen wir wegen der Person, die es anzeigt. Wenn die Person wüsste, dass Götzenopferfleisch für Christen zu essen ist wie normales Fleisch, würde sie es nicht anzeigen: Es wäre Speise, wie jede andere. Da sie es aber anzeigt, bringt die Person ihren Glauben zum Ausdruck, es sei ungehörig, solche Speise zu essen.

Wenn wir nun die Meldung, es sei Götzenopferfleisch, ignorieren und trotzdem essen, als ob dabei nichts wäre – da ja in Wirklichkeit tatsächlich nichts dabei ist – bringen wir die anzeigende Person in einen Gewissenskonflikt, da sie noch nicht soweit ist im Glauben.

Wir täten zwar nichts Falsches im Verzehr des Fleisches, das Verkehrte läge darin, dass wir uns nicht um das Gewissen derjenigen Person scherten, die es anzeigt. Wir würden uns in Bezug auf den Glauben als solche outen, die weder Feingefühl noch Achtsamkeit für den Nächsten aufbringen, den Christus ebenfalls errettet hat. Unser Gebaren wäre nicht weiter fortgeschritten, wie jenes von vielen Zeitgenossen, die nur sich selber als „Nächsten“ haben.

Vers 29

Ich meine aber nicht das eigene Gewissen, sondern das des anderen. Denn warum wird meine Freiheit von einem anderen Gewissen beurteilt?     1.Kor 10,29 

Mit dieser Aussage spricht Paulus den Christen an, der seinen Fokus falsch eingestellt hat. Zuerst erklärt er, was ich im vorausgehenden Kommentar bereits vorweggenommen habe: Es geht nicht um das eigene Gewissen, sondern um dasjenige des anderen. Das eigene Gewissen von Christen, die wissen, dass Götzen dargebrachte Speise nicht kultisch verunreinigt werden kann, ist ja beim Verzehr derselben nicht belastet: Das Wissen ist da, dass die Speise rein ist. Es geht um das Gewissen desjenigen, der beunruhigt anzeigt, dass die Speise Götzen dargebracht bzw. darüber gependelt oder sie „besprochen“ wurde.

Christen, die den Fokus falsch eingestellt haben – die ihn auf sich selbst richten – fragen sich jetzt vielleicht, weshalb ein Problem eines Anderen sie selber in ihrer (kostbaren) Freiheit einschränken soll. – Auf diese Frage geht der Heilige Geist durch den Griffel Paulus‘ in den nächsten Versen so wunderbar ein, wie es nur Gott tun kann. Es folgt in den nächsten Versen eine unvergleichbare Erklärung unseres langmütigen, geduldigen und unendlich gütigen Gottes, welcher Themen für die Seinen immer wieder aufgreift bzw. wieder und wieder erklärt, bis es auch die begriffsstutzigsten seiner Kinder, die lernen wollen, erfassen können. – Gelobt sei der HERR!

Vers 30

Wenn ich mit Danksagung teilnehme, warum werde ich geschmäht für das, wofür ich danksage?    1.Kor 10,30 

Ja, wieso werde ich in einer Sache durch ein fremdes Gewissen eingeschränkt, wenn ich die von Gott für rein erklärte Speise mit Danksagung einnehme? Ich tue doch genau das Richtige! Die Person, die nicht isst, hat schliesslich Gottes Souveränität nicht erfasst und sollte belehrt werden! Ich gefalle Gott doch mehr, wenn ich nach aussen zeige, dass die Speise trotzdem rein ist; verherrliche ich Gott nicht mehr, indem ich esse? – So und ähnlich könnte der Christ argumentieren. Obschon all diese Argumentationen einen wahren Kern haben, sind sie in der Situation nicht angepasst, weil sie in der Hierarchie unter der Nächstenliebe kommen (Mk 12,31). Sogar Gott setzt seine Ehre zurück und lässt der Nächstenliebe den Vorrang. Er lässt es zu, dass – wenn es um der Schwachheit der Menschen sein muss – seine Ehre gar darunter leidet. Wie hat die Ehre Christi gelitten, wo er, um der Schwachheit der Tempelsteuereintreiber willen, die Steuer durch Petrus bezahlen liess, um ihnen, da sie Ihn nicht als Sohn Gottes erkannten, keinen Anstoss zu geben (Mt 17,27). Wäre Gott nicht viel mehr verherrlicht worden, wenn Christus sich vor Ihnen aufgestellt und lautstark verkündigt hätte, dass Ihm alles gehört auf dieser Welt und Ihn der Vater gesandt hatte?

Christus legte seine Rechte, die Er zweifellos hatte, um der Schwachheit der Menschen willen zur Seite. Er pochte nicht auf etwas, das andere um ihres Unvermögens willen, (noch) nicht erkennen konnten. Diese Wahrheiten des vollendeten Charakters des HERRN und dass wir es Ihm gleichtun sollen, werden in diesen Versen in einer unvergleichlich herrlichen, langmütigen und geduldigen Art vom HERRN dargelegt, dass wir uns darüber erfreuen und Ihn ehrfurchtsvoll über diese Weisheit und herrliche Rücksichtnahme anbeten können!

Vers 31

Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes!     1.Kor 10,31 

Wir tun Gott überhaupt keinen Gefallen, wenn wir Seine oder gar unsere Rechte auf Kosten anderer durchsetzen. Sogar dann nicht, wenn es sich bei den anderen um Ungläubige bzw. Gesetzlose handelt! Die Liebe zu Gott und zum Nächsten sind zusammengefasst das höchste Gebot. Es steht hierarchisch zuoberst. Alles andere kommt darunter. Wenn wir Ungläubige mit einer für uns völlig legitimen Sache vor den Kopf stossen, weil sie sie nicht fassen können, sollen wir das betreffende Thema lassen. Lieber lassen wir uns vorläufig unrecht tun, als dass wir auf unsere Rechte pochen!

Es ist nun schon überhaupt ein Fehler an euch, dass ihr Rechtshändel miteinander habt. Warum lasst ihr euch nicht lieber unrecht tun? Warum lasst ihr euch nicht lieber übervorteilen?   1.Kor 6,7 

Vielleicht kommen wir heute soweit, diesen Vers ganz zu erfassen. – Wer lässt sich schon gern unrecht tun, wenn das Recht voll auf seiner Seite steht? Wenn ein Mensch sich überhaupt nichts zuschulden hat kommen lassen und trotzdem des Unrechts bezichtigt wird, - welcher Mensch wehrt sich dann nicht lautstark?

Um zu erfassen, wieso wir vorläufig nicht auf unser Recht bestehen sollen, müssen wir Gottes Plan kennen, der am Ende doch das Recht zum Sieg führt (Mt 12,20). Um es gleich vorwegzunehmen: Wir werden alle Gottes Gerechtigkeit erfahren und für alles um Seinetwillen erfahrene Unrecht entschädigt werden, wie die Ungerechten ihrer gerechten Strafe werden zugeführt werden. – Solange die Gnadenzeit aber noch anhält – das ist die Zeit, in der Gott seine Schöpfung, die Menschen, vor der ewigen Verdammnis zu retten sucht – gilt das Prinzip der höchsten Rücksichtnahme. Das Böse im Menschen – es steckt in jedem Mensch (Mt 7,11) – soll überhaupt keinen Anlass finden, sich zu regen und den betreffenden Menschen noch weiter von Gott abdriften zu lassen. Keine einzige Chance soll ausgelassen werden, die Menschen näher zu Gott zu bringen, dass der Schritt, Christus anzunehmen, möglich wird, welcher der einzige Rettungsanker für alle Menschen ist.

Gott setzt alles daran, jeden Menschen zu erretten; er will nicht, dass Gottlose sterben und für immer verloren gehen (Hes 18,23). Deshalb setzte er einen festen Zeitraum für diese Rettungsphase ein. Während dieser Zeit, in der gottesfürchtige und gerechte Menschen manchmal in Zweifel über Gottes Gerechtigkeit fallen können (Ps 73,3-13), sollen die Gottlosen mit Banden der Liebe zum HERRN gezogen werden. In dieser Zeit scheint es keine Gerechtigkeit zu geben, da den Gottlosen ihr Tun zu gelingen scheint, während Gottesfürchtige auf einem schmalen und steinigen Weg wandeln müssen. – Wie oft schon musste ich in meinem Leben einem Gottlosen Platz machen und zog in allem den Kürzeren, obschon ich den oder die, die mich vom Platz drängten, bezüglich Gerechtigkeit überflügelte! Oft sprach ich wortwörtlich zum HERRN:

12 Siehe, dies sind Gottlose, und immer sorglos, erwerben sie sich Vermögen.   
13 Fürwahr, umsonst habe ich mein Herz rein gehalten und in Unschuld gewaschen meine Hände;   
14 doch ich wurde geplagt den ganzen Tag, meine Züchtigung ist jeden Morgen da.   
15 Wenn ich gesagt hätte: Ich will ebenso reden, siehe, so hätte ich treulos gehandelt an dem Geschlecht deiner Söhne.  Ps 73,12-15  

Ich begriff nicht, dass meine Gerechtigkeit dem HERRN bereits gefiel, ich aber den Gottlosen Platz machen musste, weil Gott noch um sie warb und noch nicht mit harter und gerechter Hand dreinfahren wollte. Hätte Er es getan, hätten sie Ihm in ihrer Unwissenheit geflucht und sich noch weiter von Ihm entfernt.

Heute kann ich die Frage, ob Gott denn kurzfristig Ungerechtigkeit zulässt, entschieden mit einem Nein beantworten. Gott ist nicht ungerecht, wenn er den Vollzug des Rechts zeitlich nach hinten versetzt. Das Recht wird ausgeführt, zu 100%, auch wenn es zeitlich versetzt geschieht. Die Strafe wird furchtbar ausfallen, wenn sich ein Gottloser, um den zeitlebens geworben wurde und dem alle Steine, die seine Bosheit hätten aufstacheln können, aus dem Weg geräumt wurden, nicht zum HERRN wendet und die Rettung in Christus nicht annimmt. Wenn ein solcher schlussendlich in seiner Bosheit stirbt, steht es sehr übel um ihn. Dann ist das „Fass“ voll und der Weg zur Umkehr fest verschlossen. Ein solcher Mensch wird für die lebenslange Werbung Gottes um ihn in die ewige Trennung und Strafe verbannt werden.

Mit uns geht der HERR während der Werbung um die Nationen und Gottlosen einen anderen Weg. Uns lehrt der HERR so zu sein, wie Er ist. Wir sollen so denken, wie Er denkt und den Verlorenen gegenüber gütig und gnädig sein, damit wir die gleichen Werke wirken, wie Gott sie in dieser Zeit wirkt. Als Seine Söhne sollen wir so handeln, wie Er handelt; wir sollen innerhalb der Familie am gleichen Strick ziehen. Das ist ein Teil unserer Umwandlung, der wir uns nicht entziehen sollen (Heb 12,5). – Glückselig die Brüder bzw. die Schwestern, die das erfassen! Amen.

Vers 32

Seid unanstössig, sowohl für Juden als auch für Griechen als auch für die Gemeinde Gottes!    1.Kor 10,32 

Weshalb wir unanstössig bzw. niemandem ein Ärgernis sein sollen, ist uns jetzt klar. Es geht um das Ausschöpfen aller Gelegenheiten, die Menschen zu retten, seien sie Juden oder Griechen (Griechen = gemeint sind Leute aus allen Nationen). Das zeigt wiederum, dass Gott die Liebe zum Nächsten über seine Bedürfnisse gesetzt hat. Wie hätte er sonst den Himmel verlassen und diesen furchtbaren Auftrag, wo es um die Rettung des Menschen ging, auf sich nehmen können?

Jetzt geht es darum, so zu sein wie unser Meister war bzw. ist, Jesus Christus. Dabei ist zu beachten, dass Nächstenliebe auch Übernahme von Verantwortung für den Mitmenschen beinhaltet. Wenn wir sehen, dass sich jemand selbst zerstört, - sind wir da nicht angehalten, zumindest etwas zu sagen? Es ist keine Nächstenliebe, wenn wir dabei nur zuschauen und denken: „Jeder ist für sich selbst verantwortlich!“, z.B. wenn sich unser Nächster aus lauter Verzweiflung auf die Bahngeleise legt. Dieses Beispiel ist nun vielleicht etwas überspitzt, um besser darzustellen, was ich sagen möchte. Nächstenliebe hat nicht mit Wegschauen zu tun. Die Nächstenliebe kümmert sich um das Wohl der Mitmenschen. Das kann sich auch mit härterem Eingreifen und klarer Stellungnahme zum Ausdruck kommen. Selbst Jesus vermied nicht jede Konfrontation. Wenn er sah, dass der Eigendünkel der Menschen sie von Gott weg in das Verderben zu treiben drohte, widerstand er ihnen ins Angesicht, so dass sie selbstverständlich Anstoss nahmen, wie hier festgehalten ist:

2 Und als es Sabbat geworden war, fing er an, in der Synagoge zu lehren; und viele, die zuhörten, erstaunten und sagten: Woher <hat> der das? Und was ist das für eine Weisheit, die dem gegeben ist, und solche Wunderwerke geschehen durch seine Hände?   
3 Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie ärgerten sich an ihm.    
Mk 6,2.3 

Jesus entschuldigte sich nicht, obschon sie sich an ihm ärgerten, weil er genau wusste, dass dieser Anstoss aus ihrer Bosheit und Gottesferne kam. Als Beispiel kann ich es so veranschaulichen: Ein kleines Mädchen sieht eine Katze an der Eisenbahnlinie. Sie geht auf sie zu in der festen Absicht, sie zu streicheln. Da ein Zug herannaht und es für das Mädchen Lebensgefahr bedeutet, halte ich sie in letzter Sekunde zurück, indem ich sie an den langen Zöpfen packe und ihr so das Leben rette. Mein Notgriff, den ich machen musste, da ich sie in der letzten Sekunde nur noch da greifen konnte, wo es am Einfachsten war, tat ihr weh. Und da sie ausser Schmerz zu empfinden und zu sehen, dass ich ihren Wunsch zunichte gemacht habe – die Katze hat durch ihren Schrei das Weite gesucht –, bin ich ihr ein Ärgernis. Sie hat nicht erfasst, dass damit ihr Leben gerettet wurde.

Nehmen wir die Verantwortung auf uns, welche mit der Nächstenliebe einhergeht. Nächstenliebe hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Wer gespielte Rücksichtnahme vorschützt, um anderen nicht zu nahe zu treten, liebt den Nächsten nicht wirklich.

Vers 33

wie auch ich in allen Dingen allen zu gefallen strebe, dadurch dass ich nicht meinen Vorteil suche, sondern den der vielen, dass sie errettet werden.     1.Kor 10,33 

Selbstverständlich hielt sich Paulus selbst an die Belehrungen, die durch seinen Griffel kamen. Die Unterweisung kam durch den Geist und galt selbst für Paulus. Daher war es ihm sehr wichtig, sie selber zu befolgen. In dieser Absicht schrieb er auch Timotheus:

Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Dingen! Denn wenn du dies tust, so wirst du sowohl dich selbst erretten als auch die, die dich hören.    1.Tim 4,16 

Selbst ein Bibellehrer muss das Wissen umsetzen, das er vom HERRN bekommt. Bibellehrer bekommen ihre Einsicht nicht erst dann, wenn sie vollendet sind. Wie kämen sie zur Vollendung, wenn der HERR sie nicht schon früher unterweisen würde? Der Glaube kommt bekanntlich ja durch das Hören der Worte Gottes. Wie kann man also glauben und zur Vollendung kommen, wenn man sie nicht hört?

Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber sollen sie hören ohne einen Prediger? Röm 10,14 

Dieselbe Wahrheit sehen wir auch im Lukasevangelium (Lk 8,12ff). Wer kann an etwas glauben, wenn er nichts davon weiss? – Paulus war ständig in der Umsetzung des Gehörten:

sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.     1.Kor 9,27

Ein älterer Christ, der andere unterweist und dabei selber nichts von dem annimmt, was er predigt, ist eine Schande. Er gleicht den Pharisäern, die anderen Lasten auferlegten, sie selber aber nicht einmal berührten (Mt 23,4).

Der Vers 33 wiederspiegelt auch die Haltung Christi, die – wie erwähnt – auch in Paulus Gestalt angenommen hatte. Wie Christus sorgte er sich primär um die Nächsten. Er wollte niemandem einen Anstoss legen, indem er sich selber gefallen wollte. Alles, was das Gewissen eines Schwächeren hätte belasten können, liess er aus. Dies malte er uns sehr schön mit dem Beispiel des Götzenopferfleisches vor die Augen. Lieber hätte er auf ein saftiges Steak verzichtet und nur Gemüse gegessen, als dass er ein schwaches Gewissen belastet und vor Gott in Schwierigkeiten gebracht hätte. – Trachten wir auch, liebe Leserinnen und Leser, in allen Dingen nach dieser edlen Haltung!

Kapitel 11

Vers 1

Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi <Nachahmer bin>!     1.Kor 11,1 

Nur dadurch, dass Paulus Christus wirklich nachahmte, konnte er als echtes Vorbild vorangehen. Menschen merken es, wenn jemand nur vorgibt, etwas zu tun, es aber nicht wirklich tut. Beobachten Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Politiker. Viele sagen von sich, sie täten das, was gerade bei den Menschen angesagt ist, wie zum Beispiel sich ökologisch verhalten. Zur Demonstration kaufen sie sich ein Elektro- bzw. Hybridauto, - schlussendlich können gerade jene es sich leisten. Damit fahren sie an alle strategisch wichtigen Orte, um gesehen zu werden. Daheim haben sie aber noch ihren Achtzylinder-Schlitten – schlussendlich verkehrt man standesgerecht in der Oberschicht – und ihre Kinder fahren mit den ökologisch am schlechtesten verträglichen Zweitaktroller herum.

Wieso sage ich das? Bin ich etwa ein Grüner? – Nein, ich bin weder ein Grüner noch in irgendeiner politischen Bewegung. Wie könnte ich mich als Diener Gottes mit einer Partei verbinden, die von Kompromiss zu Kompromiss wankt und, um der Gunst der Wähler willen, sich nach deren Erwartungshaltung richtet? Früher hatten weltliche Parteien noch etwas Profil; was heutzutage bei den Wahlen abgeht, lässt vielerorts an kindergartenähnliche Zustände erinnern. Da verbünden sich die Rechten sogar mit ihren Erzfeinden, den Linken, und umgekehrt, wenn es dem Wahlergebnis helfen kann. Von Werteerhalt und Rückgrat ist da nicht mehr viel zu sehen! – Doch kommen wir nach diesem Exkurs zurück zum Thema; es ist mir fern an dieser Stelle Politik zu beleuchten. Ich ziehe dieses Beispiel nur zur Veranschaulichung hinzu.

Es gibt nun Menschen wie Paulus, die auch selbst tun, was sie sagen. Daneben gibt es eben die Blender, die anderen suggerieren, was zu tun ist und vorschwindeln, es selbst zu tun. Dabei rühren sie die Auflagen, welche sie den anderen aufgeben bzw. –zwingen, selber nicht einmal mit dem kleinen Finger an. – Wir Christen sollen nun Paulus nachahmen. Wir sollen das, was wir zu sein vorgeben, auch leben. Leben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, selbst das vor, was Sie predigen?

Vers 2

Ich lobe euch aber, dass ihr in allem meiner gedenkt und die Überlieferungen, wie ich sie euch überliefert habe, festhaltet.    1.Kor 11,2 

Die Korinther hatten nicht nur schlechte Züge, sie hatten auch gute. Persönlich glaube ich sogar, dass sie einfach durch Ihre Unerfahrenheit kleinen Kindern ähnelten, die sich einfach nicht besser zu Verhalten wussten und sehr viel väterliche Geduld und Ermahnungen benötigten. Anders war es bei den Galatern, welche durch ihre Wendung zum Gesetz hin, dass bekanntlich ja seit Johannes dem Täufer durch den neuen Weg in Christus abgelöst war (Lk 16,16), sehr hart von Paulus ermahnt, wenn nicht gar etwas abgestraft wurden (Gal 3,1).

Paulus zeigt den Korinthern hier auf, dass sie auch bereits verschiedene Dinge begriffen hatten und lobt sie dafür. Sie gedachten seiner und übten (vielleicht unbewusst) bereits priesterliche Dienste für Geschwister aus; in diesem Fall für Paulus, dem sie gedachten. Auch hielten sie an den biblischen Überlieferungen fest, welche Worte Gottes sind. Darin taten sie auch sehr gut, denn dieser Erwerb von Weisheit ist viel mehr wert als Gold und Gut, wie geschrieben steht:

13 Glücklich der Mensch, der Weisheit gefunden hat, der Mensch, der Verständnis erlangt!   
14 Denn ihr Erwerb ist besser als Silber und <wertvoller> als Gold ihr Gewinn.   
15 Kostbarer ist sie als Korallen, und alle deine Kleinode kommen an Wert ihr nicht gleich.   
16 Länge des Lebens <ist> in ihrer Rechten, in ihrer Linken Reichtum und Ehre.   
17 Ihre Wege sind freundliche Wege, und alle ihre Pfade sind Frieden.
18 Ein Baum des Lebens ist sie für <alle>, die sie ergreifen, und wer an ihr festhält, ist glücklich zu preisen.      
19 Der HERR hat durch Weisheit die Erde gegründet, die Himmel befestigt durch Einsicht.   Spr 3,13-19

Wenn die Königin von Saba schon so glücklich zu preisen ist, wo sie doch „nur“ die Weisheit Salomos hören ging, wie glücklich dürfen die Menschen sein, die Gottes Worte hören und bewahren (Mt 12,42)? Menschen die Gottes Worte bewahren, tun sehr gut!

Glücklich sind, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen.    Ps 119,2   

Viel zu gut kannte Paulus diesen Psalm. Daher lobte er die Korinther dafür, dass sie sich daran hielten. – Lassen Sie uns Gottes Worte bewahren und uns immer danach ausstrecken! Amen!

Vers 3

Ich will aber, dass ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott.     1.Kor 11,3

Paulus will, dass wir etwas wissen. Wir sollen einen Sachverhalt zur Kenntnis nehmen und akzeptieren. Was er an dieser Stelle sagt, soll nicht temporär für Korinth oder irgendeinen Ort auf der Welt gelten. Was hier gelehrt wird, gilt im Universum, da es von Gott festgelegt ist. Wie erwähnt, sagt Paulus nicht: „Ich will nun, dass ihr Korinther diese Hierarchie anwendet!“ – Paulus sagt: „Ich will aber, dass ihr wisst …“

Gott ist Haupt über den Mann Christus (dabei wissen wir, dass Christus vollwertiger Mensch und vollwertiger Gott ist und die Lehre der Zeugen Jehovas mit diesem Vers nicht gestützt wird). Christus ist das Haupt des Mannes. Der Mann ist das Haupt der Frau (auch hierbei wissen wir jetzt genau, dass das weder der Wunsch des männlichen Schreibers noch einer männerlastigen Religionselite entsprach). Das ist eine Hierarchie, welche Gott festgelegt hat. Wenn diese Hierarchie durch lasche Männer oder Frauenrechtlerinnen in der christlichen Landschaft gekippt wird bzw. schon vielerorts umgestossen wurde, heisst es nicht, dass diese Ordnung nicht mehr gilt. Eine von Gott gesetzte Ordnung fällt erst, wenn er sie persönlich ändert, wie beispielsweise die Änderungen beim Übergang vom Alten ins Neue Testament. Solange Gott es nicht tut, bleibt sie bestehen und deren Übertretung wird als Rebellion geahndet.

In der heutigen Weltordnung ist die Hierarchie Gottes längst durch den Menschen verworfen. Sie wurde nicht nur in der Welt ungültig gemacht, auch im Gros der Christenheit wird sie öffentlich! nicht mehr anerkannt. Ich stelle es nur fest, ich ereifere mich nicht darüber, Gott tut es. Er hat das Wort gegeben und wacht darüber. Selbst wenn ich mich darüber ereifern wollte, - ich könnte es nur sehr eingeschränkt tun, da ich nicht sündlos bin. Wie könnte ich so andere in einigen Punkten anklagen, wo ich selbst nicht über alles erhaben bin. Doch als Diener Gottes bin ich angehalten, Missstände als solche zu kennzeichnen und auch über die daraus resultierenden Konsequenzen – das ist mir aufgetragen worden – zu informieren.

Wer die Ordnung Gottes nicht anerkennen möchte, kann an dieser Stelle das elfte Kapitel und viele andere Stellen in der Bibel überspringen; ein solcher Mensch wird sie nicht fassen können. Vielmehr wird er die Meinung der Welt annehmen, Gott mache Fehler, sei frauenfeindlich und stütze in einer falschen! Art und Weise eine „Männerbastion“. Diese weltliche Meinung ist Lichtjahre von Gottes tatsächlichem Willen entfernt.

Gott ist das Haupt des Menschen Christus. Gott ist aber nicht das Haupt von Gott, da Gott das ist, was er ist (2. Mo 3,14). In der Eigenschaft als Gott ist Christus souverän. In der Eigenschaft als Mensch ist Er der erstgeborene der Söhne Gottes und untersteht Gott. Der Mann wurde als Haupt der Frau gesetzt, da die Ehegemeinschaft ein Bild für Christus und die Gemeinde ist (Eph 5,23). Das hat nichts mit einem etwaigen Machtgehabe der Männer zu tun. Es gibt Menschen, die das als Grundlage für böse Herrschaft über die Frau betrachten. - Das ist alles völliger Unsinn! – Herrscht Christus böse über seine „Frau“, die Gemeinde? Hat Er sich nicht vielmehr für sie hingegeben und sein Leben gelassen? – Weshalb wird denn diese Hierarchie ständig angegriffen? Ist es nicht deshalb so, weil der Mensch sehr rebellisch ist?

Der Mann sollte dem Haus vorstehen, wie Christus der Gemeinde vorsteht. Daher hat ihn Gott hierarchisch – nicht wertmässig – über die Frau gestellt. Christus steht der Gemeinde vor. Daher hat Ihn Gott hierarchisch über die Gemeinde gestellt. Gott steht als Vater seinen Söhnen vor. Daher setzte er sich hierarchisch über seine Kinder. – Wer es fassen will, der fasse es. Amen.

Vers 4

Jeder Mann, der betet oder weissagt und <dabei etwas> auf dem Haupt hat, entehrt sein Haupt. 1.Kor 11,4

Mit diesem Vers beginnen die Belehrungen, welche auf dem dritten Vers gründen. Wer die Wahrheit des dritten Verses nicht anerkennen will, kann – wie bereits erwähnt – dieses Kapitel aus seiner Bibel herauslösen; ein solcher Mensch wird damit nie etwas anfangen können.

Jeder Mann, der mit einer Kopfbedeckung, einem Hut, Turban, einer Kappe oder sonst etwas auf dem Haupt, betet, entehrt sein Haupt, Christus. Christus ist das Haupt des Mannes. Die Männer zeigen das nach aussen symbolisch, indem sie sich mit unbedecktem Haupt mit Gott eins machen. Christus braucht sich vor dem Vater nicht zu bedecken, da er völlig rein ist. Nicht der Mann, der betet, ist völlig rein. Der Mann ist ein Sünder aus der Spezies Mensch, wie auch die Frau. Der Mann, wie auch die Frau, sind angehalten, Gottes Hierarchie korrekt nach aussen zu vertreten. Um ein Beispiel zu nehmen: Mitarbeiter eines Unternehmens, welches im Fokus der Öffentlichkeit ist, haben oft eine Bekleidungsvorschrift. Sie müssen sich vorschriftsgemäss anziehen, dass man sie als Mitarbeiter dieses Unternehmens erkennen kann. Ihre Bekleidung soll dabei sauber und ordentlich sein, da ansonsten das Image des Unternehmens leidet. – Gott gab uns gewissermassen auch eine Bekleidungsvorschrift, damit seine Hierarchie der unsichtbaren Welt korrekt dargelegt wird. Wenn wir diese Vorschrift nicht befolgen, stehen wir da, um ein Beispiel zur Veranschaulichung zu gebrauchen, wie im Jogginganzug hinter dem Schalter einer renommierten Privatbank. Der Bankdirektor wird an uns keine Freude haben, wenn wir in einer so legeren und für diesen Ort so unpassenden Bekleidung arbeiten. Kein Kunde wird uns trauen und glauben, dass sein Geld in einem Institut, welches solche Bekleidung am Schalter duldet, gut verwaltet wird. Die saloppe Bekleidung suggeriert dem Kunden einen zu lockeren und somit unseriösen Umgang mit seinem Geld.

Wenn wir das Beispiel mit der Bank nachvollziehen können, sollten wir die Notwendigkeit einer Bekleidungsordnung erkannt haben und sie respektieren, auch wenn wir die genaue Ursache davon nicht kennen. Wenn Gott verordnet, dass der Mann auf diese Art beten soll und die Frau auf jene -, wieso gibt es im Christentum eine solche Verwirrung darüber? Weshalb muss darüber diskutiert werden? Dieses Kapitel bedarf überhaupt keiner Interpretationen. Es ist völlig klar niedergeschrieben.

Wenn der Mann mit Kopfbedeckung betet, entehrt er Christus nach aussen. Er zeigt nach aussen, dass Christus nicht rein gewesen sein sollte; dass Christus sich vor dem Vater aufgrund Unreinheit verhüllen müsste. Wer möchte den HERRN so entehren? – Halten wir uns bitte an die so einfachen Gebetsvorschriften, liebe Leserinnen und Leser! Amen.

Vers 5

Jede Frau aber, die mit unverhülltem Haupt betet oder weissagt, entehrt ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie die Geschorene.     1.Kor 11,5 

Da der Mann in der Hierarchie des HERRN formal über die Frau gesetzt wurde, ist die Frau angehalten das Haupt zu bedecken. Die Männer sind nicht sündlos wie Christus und können ohne Bedeckung nicht vor dem heiligen Gott erscheinen. Dies symbolisiert die Frau, indem sie ihr Haupt bedeckt, wenn sie zu Gott betet. Sie repräsentiert damit die Ordnung korrekt.

Sie sehen, liebe Leserin und lieber Leser, dass das überhaupt nichts mit einer Wertigkeit (Mann soll mehr Wert haben wie die Frau) oder sonstigen Dingen zu tun haben, welche die Verfechter der Kopfbedeckung anführen. Sie zeigt mit der Kopfbedeckung lediglich die für den Mann demütigende Tatsache, dass der Mann, welcher als Haupt der Schöpfung gegeben wurde, in Sünde gefallen ist und nur verhüllt vor Gott erscheinen darf. Eine für den Mann, welcher durch Adam in Sünde fiel, erniedrigende Realität.

Die Kopfbedeckung hat absolut nichts mit der korinthischen Tradition zu tun, da der Korintherbrief an alle Christen gerichtet ist, nicht an eine bestimmte Volksgruppe, wie leider häufig gepredigt wird. Würde es nur die Korinther von damals betreffen, stünde nicht diese Anrede:

an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres <Herrn>.     1.Kor 1,2 

Wenn Sie – wie ich – glauben, dass der Heilige Geist keine Fehler macht, sind wir durch diesen Vers miteingeschlossen. Auch der Umstand, eine unverhüllte Frau sei damals in Korinth zu den Huren gezählt worden, wird zwar gerne angeführt, ist aber überhaupt nicht relevant, selbst wenn er wahr wäre, da der Brief für alle Christen, weit über die korinthischen Grenzen hinaus, Gültigkeit hat. Ein weiter und unwiderlegbarer Beweis für die Kopfbedeckung finden wir im Vers 10.

Doch ich möchte an dieser Stelle nicht vorgreifen und mich mit Argumenten und Gegenargumenten beschäftigen, da die Thematik absolut klar ist. Wer die korrekte Repräsentation der Ordnung Gottes nicht annehmen möchte, nimmt sie auch nicht an, wenn ihm diese Schriftstelle von einem Propheten vorgelesen wird; die Sachlage ist ähnlich wie im Lukasevangelium beim reichen Mann (Lk 16,31). Es ist somit müssig sich in Argumentationen zu verlieren. Wer dem Wort nicht glaubt, glaubt auch unter besonderen Umständen nicht:

Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.     Lk 16,31 

Dass eine Frau, welche unverhüllt betet, eine Schande ist (sie ist wie eine Geschorene; wie schön ist der Anblick einer glatzköpfigen Frau?), ist ebenso wahr, wie es real ist, dass ein Mann, der verhüllt betet, abscheulich handelt. Beide machen das Wort Gottes ungültig und kümmern sich weder um den Willen des HERRN noch darum, wie sie als seine Knechte sein Haus repräsentieren.

Vers 6

Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so werde <ihr> auch <das Haar> abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass <ihr das Haar> abgeschnitten oder geschoren wird, so soll sie sich verhüllen.     1.Kor 11,6  

Paulus bringt damit zum Ausdruck, dass es so schändlich in der geistlichen Welt aussieht, wenn eine Frau unverhüllt betet, wie der Anblick einer glatzköpfigen Frau: Es ist schlicht kein schöner Anblick! Wenn es für Frauen schön wäre, Glatzen zu tragen, hätte die Mode längst diesen Trend aufgenommen. – Der Mann der mit bedecktem Haupt betet, stellt das Licht Christi unter den Scheffel, die Frau die unbedeckt betet, stellt die Schande der Menschen öffentlich zur Schau.

Wie ich bereits erwähnt habe, führen Verfechter der Kopfbedeckung oft einen Zusammenhang mit korinthischen Traditionen und Bräuchen an. Sie sagen, dass die Kopfbedeckung im Zusammenhang mit einem damaligen Brauch, den Huren die Haare abzuschneiden, erwähnt wird und die Anwendung heute – in der „aufgeklärten Welt“ – überholt ist. Die christlichen Frauen von damals sollten sich damit schützen, um nicht in Verruf zu kommen. – Diese Begründung entbehrt jeder Grundlage! Es spielt überhaupt keine Rolle, ob es früher in Korinth Tradition war, den Huren die Haare abzuschneiden oder nicht. Paulus weist nur darauf hin, dass eine Frau mit Glatze kein schöner Anblick ist. Es ist im Allgemeinen schändlich, wenn die Ordnung Gottes falsch repräsentiert wird; sei es ein Mann oder eine Frau, der bzw. die sie vertritt. Gerade deshalb sagt Paulus: „…wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder geschoren wird, so soll sie sich verhüllen.“ Ist es schändlich für eine Frau, wenn sie geschoren wird? – Ja? – Dann soll sie sich verhüllen beim Gebet. Verhüllt sie sich nicht, soll sie sich das Haar doch abschneiden lassen, - es spielt keine Rolle mehr, da sie sich schon in der unsichtbaren Welt sowie vor geistlichen Christen wie eine Geschorene (= Frau mit Glatze) präsentiert hat.

Vers 7

Denn der Mann freilich soll sich das Haupt nicht verhüllen, da er Gottes Bild und Abglanz ist; die Frau aber ist des Mannes Abglanz.     1.Kor 11,7  

Ich spreche jetzt zu solchen, die dieses Kapitel verstehen möchten. Daher verwende ich folgende Ausführungen nicht, um die Argumente von Menschen zu widerlegen, die dieses Kapitel in Bezug auf die Gültigkeit nur auf die damaligen Korinther reduzieren. Solche und andere wollen sowieso nur etwas Frauenfeindliches in diesem Vers sehen, obwohl die Aussage eine völlig andere ist.

Es geht an dieser Stelle um Christus und seine herrliche Gemeinde. Zu malen begonnen hat Gott dieses Bild bereits im Garten Eden. Dort schuf er Adam nach Seinem Bilde aus Materialien der Erde und blies Seinen Odem in ihn hinein. Danach schuf er Eva aus Stücken von Adam, nicht unabhängig von ihm. Er nahm Fleisch von seinem Fleisch; Gott nahm nichts vom Erdboden.

Adam war somit Gottes Abglanz (nach dem Bilde Gottes); Eva war vom Manne genommen. So innig wie Gott die Verbindung Mann – Frau darstellt, so innig ist die Verbindung von Christus und der Gemeinde. Christus wurde ganz durch Gott, die Gemeinde ganz durch Christus. Deshalb spricht Paulus:

31 »Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.«   
32 Dieses Geheimnis ist gross, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde.   Eph 5,31.32 

Um dies zu repräsentieren soll der Mann sein Haupt nicht verhüllen, ansonsten verhüllt er sinnbildlich den, dessen Abglanz er ist: Er repräsentiert Gott. Die Frau soll sich verhüllen, denn sie ist von dem genommen, der die Menschheit in Sünde gebracht hat und unvollkommen ist: Sie repräsentiert den Mann.

Vers 8

Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann;     1.Kor 11,8 

Hierbei handelt es sich wieder um einen Vers, den die Gegner der Kopfbedeckung als frauenfeindlich taxieren. Damit offenbaren sie wiederum geistliches Unverständnis.

Von der richtigen Seite betrachtet ist die Aussage: Die Gemeinde ist von Christus, nicht Christus aus der Gemeinde. – Damit kommt Klarheit in den geistlichen Nebel: Christus ist von Gott. Er ist perfekt und heilig. Die Gemeinde wurde ausschliesslich durch Ihn! Es geschah nicht umgekehrt!

Diese Wahrheit ist tröstend und sehr aufbauend. Wir werden ausschliesslich durch beste, ja, perfekte Substanzen geformt! Für die Gemeinde ist nur das gut genug, was aus dem Mann, Jesus Christus, kommt! – Wer das in der Tiefe erfassen kann, kommt nie mehr in Zweifel, ob es denn möglich ist, eine perfekte Gemeinde zu bauen. Die Gemeinde ist perfekt. Das traurige Bild, das die Gemeinde heute abgibt, widerlegt die Wahrheit nicht, dass das durch Gott geformte, makellos wird (1. Mo 1,31). Die Gemeinde gibt heute ein so trauriges Bild ab, weil sie sich nicht schnell genug – wenn überhaupt – von der alten, fleischlichen Natur trennen will. Die alte Natur bringt all das Übel mit sich, wie geschrieben steht:

denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?     1.Kor 3,3  

Unter der wüsten Kruste der Rebellion und des Versagens wird von Gott eine perfekte Frau, ausschliesslich durch Elemente Christi, geformt, dass wir heute verstehen können, weshalb Bileam vom nach aussen so widerspenstigen und halsstarrigen Volk Israel so Herrliches aussprechen musste:

5 Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!
6 Wie Täler breiten sie sich aus, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die der HERR gepflanzt hat, wie Zedern an den Wassern.
7 Wasser rinnt aus seinen Eimern, und seine Saat steht in reichlichen Wassern; und sein König wird höher werden als Agag, und sein Königreich wird erhaben sein.
8 Gott hat ihn aus Ägypten herausgeführt. Er hat <Kraft> wie die Hörner des Büffels. Er wird die Nationen, seine Gegner, fressen und ihre Gebeine zermalmen, mit seinen Pfeilen sie durchbohren.
9 Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin. Wer will ihn aufstören? Die dich segnen, sind gesegnet, und die dich verfluchen, sind verflucht!     4.Mose 24,5-9 

Dieser Ausspruch kam in etwa zur selben Zeit, wo Gott 24000 Israeliten durch harte Züchtigung sterben liess, weil sie durch schändliche Unzucht mit den Midianitern hurten. Der Allmächtige zeigte schon damals die Beziehung Gott – Mensch als so innig an, wie es die Beziehung in einer Ehe bei Mann und Frau ist (Jes 54,5) und duldete keine ausserehelichen Eskapaden. Nur der Tod kam bei Ehebruch in Frage, für die Eifersucht gibt es da keine Alternativen (Spr 6,34.35).

In der Schöpfung sind sehr viele Gleichnisse zu sehen. Die Schafe standen für reine Tiere. Der HERR selbst bezeichnet sich als Hirten über die Schafe, welche im Gleichnis die Seinen darstellen. Ein Schaf ist aber nicht nur ein nützlicher Wollspender, es ist führungslos sehr unbeholfen. Ein Schaf braucht einen guten Hirten; es hat nicht einen Hauch von einer Chance gegen wilde Tiere. Mann und Frau deuten auf Christus und die Gemeinde hin: Christus leitet die Gemeinde, nicht die Gemeinde Christus! – Daher sollten wir das auch so darstellen: Der Mann wurde als das Haupt der Frau gegeben, das ist so gesehen sehr verständlich. Der Mann tut gut, wenn er die Verantwortung wahrnimmt, seine Frau gut zu umsorgen, wie es Christus bei der Gemeinde anwendet. Die Frau tut gut, wenn sie sich dem Mann unterordnet.

Längst hat die Welt dieses Bild als ungültig und überholt von seiner Stelle gerückt. Böse Männer und herrschsüchtige Frauen brachte es soweit, dass Gottes Ordnung nicht mehr gelten soll. Die Gesellschaft akzeptiert sie nicht mehr mit den Argumenten, dass der Mann in der Ordnung Gottes nur seine tyrannische Ader ausleben kann und die Frau damit ihr Dasein nicht menschenwürdig fristen kann. – Eine sehr gotteslästerliche Darstellung des Charakters Christi! – Unterdrückt Christus seine Verlobte, die Gemeinde (2. Kor 11,2)? Hat er sich nicht vielmehr für sie hingegeben?

Fleischliche Männer sowie Frauen haben es, wie erwähnt, so weit gebracht, dass die Menschen durch das böse Ausleben des Egoismus‘ den Nächsten in seiner Entfaltung beschnitten und bedrängt haben. So kam die Lehre der Gleichberechtigung auf, welche in der heutigen Form Gottes Willen nicht entspricht. Dazu sei noch gesagt: Die Hierarchie bei Mann und Frau ist eine gesellschaftliche Ordnung, welche Gott geschaffen hat; sie hat absolut nichts mit Wertigkeit zu tun. Der Mann ist nicht mehr wert als die Frau, wie wir es im Folgenden sehen werden.

Vers 9

denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen.     1.Kor 11,9 

Natürlich wurde die Frau um des Mannes willen geschaffen und nicht umgekehrt. Wie die Gemeinde für Christus gebaut wird, wurde die Frau im Vorbild für den Mann geschaffen. Daher sollte alles in der Ordnung bleiben, wie Gott sie gegeben hat. – Wie bereits schon angekündigt, wird im Folgenden deutlich klar gemacht (V 11.12), dass diese Ordnung nicht eine Wertigkeit anzeigt. Der Mann ist nicht mehr wert als die Frau. Die Rede ist hier schlicht von einer hierarchischen Reihenfolge, wie wir sie in der Wirtschaft überall antreffen. Ein Chef hat vor dem Gesetz nicht mehr Rechte, wenn er am Stammtisch in einem Lokal seinen Mitarbeiter töten würde (zur Veranschaulichung eignen sich extreme Beispiele besser als interpretationsbedürftige). Tötet der Mitarbeiter hingegen am selben Stammtisch im Restaurant seinen Chef, bekommt er dieselbe Strafe; beide müssen sich als Menschen vor Gericht verantworten; nicht einer ist vor Gericht der (bessergestellte) Chef und der andere nur der Mitarbeiter.

Und doch – obschon Chef und Mitarbeiter, wie Mann und Frau, gleiche Menschen sind – müssen wir eine Hierarchie respektieren. Ich muss mich meiner Chefin unterordnen, wie sie sich wiederum ihrer Chefin unterordnen muss. Und schlussendlich ordnet sich das ganze Kader sowie die Direktion der Geschäftsleitung unter. Als Menschen sind alle gleichwertig; dass das Geschäft aber geführt werden kann, braucht es hierarchische Strukturen.

Sehr einfache Strukturen hat Gott geschaffen. Er hat den Mann als Familienoberhaupt gesetzt. Ihm wurde die Verantwortung über die Schöpfung übertragen. Die Frau soll dem Hause (Kindern und oft auch Bediensteten) vorstehen. Kommt nun die Frau und sagt: „Ich tue was ich will, ich will Dir, Mann, nicht untergeordnet sein“, so kippt sie Gottes Ordnung. Sie verunmöglicht dem Mann und sich selber eine gottgewollte Familienstruktur, indem sie Seine Weisungen untergräbt. Denselben Fehler begeht der Mann, wenn er sagt: „Von mir aus herrsche Du, Frau, ich bin zu faul, um Verantwortung zu übernehmen!“ Mit einer solchen Aussage übergibt er die Verantwortung jemandem ab, der bereits einen anderen Wirkungskreis hat. Muss die Frau neben ihren Aufgaben noch die Gesamtverantwortung tragen, wird sie überfordert, was leider in der heutigen Gesellschaft von verweichlichten Männern und harten Frauen sehr häufig der Fall ist.

Vers 10

Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen.     1.Kor 11,10  

Dieser Vers räumt – wie angekündigt – nicht nur die letzten Zweifel aus, dass die Lehre über die Kopfbedeckung nicht wegen korinthischen Traditionen eingeführt wurde. Er zeigt auch ihre Wichtigkeit in der unsichtbaren Welt.

Die Kopfbedeckung, das Zeichen der Macht (oder: hierarchischen Ordnung), unter der man steht, ist um der Engel willen gegeben. Wer heute glaubt, dass es keine Engel mehr gibt, kann die Bedeckung getrost in die damalige Zeit verbannen. Gibt es heute aber noch Engel, dann lehren heute unzählige Lehrer und Prediger in den Gemeinden diesbezüglich Menschengebote und predigen vor dem Angesicht des HERRN, sein Wort nicht mehr einzuhalten.

Soll der HERR mit falscher Lehre verunehrt werden? - Nein, der HERR ist hoch gelobt! Die ganze Schöpfung soll ihn loben:

1 Halleluja! Lobt den HERRN von den Himmeln her! Lobt ihn in den Höhen!   
2 Lobt ihn, alle seine Engel! Lobt ihn, alle seine Heerscharen!
3 Lobt ihn, Sonne und Mond! Lobt ihn, alle leuchtenden Sterne!
4 Lobt ihn, ihr Himmel der Himmel und ihr Wasser, die ihr oberhalb der Himmel seid!   
5 Loben sollen sie den Namen des HERRN! Denn er gebot, und sie waren geschaffen.     Ps 148,1-5 

Ist Ihnen, liebe Leserinnen und lieber Leser auch der Vers 2 vom Psalm 148 aufgefallen? Das Lob soll ebenso aus der für uns unsichtbaren Welt kommen! Den Engeln geziemt es, Gott zu loben - nicht um Anlässe zu erfinden, Ihn zu verunehren (Hiob 1,11). Gibt es nicht genug gefallene Engel, die das tun? Sollen wir für sie Öl ins Feuer giessen, dass die Verunehrung des HERRN Aufwind bekommt? Sollen wir dem bösen Treiben der Widersacher Gottes sogar eine Plattform bieten? Sind wir nicht vielmehr angehalten, den Namen Gottes zu ehren? – Natürlich sind wir das! Daher tun wir sehr gut daran, wenn die Männer und die Frauen auch der unsichtbaren Welt keinen Anlass zur Lästerung geben (2. Sam 12,14). Unser Zeugnis soll nicht nur vor den Menschen einwandfrei sein; das ganze Leben sollte in Ordnung sein, sodass es einer Prüfung standhält. Ein Rechnungsführer muss das ganze Jahr über treu sein, damit, wenn am Jahresende die Rechnungsprüfer kommen, nicht in den ersten Monaten Unregelmässigkeiten festgestellt werden müssen. Wir haben eine Wolke von Zeugen um uns, auch wenn wir uns an menschenleeren Orten aufhalten (Heb 12,1). Das sollte uns bewusst sein!

Daher bitte ich Euch, liebe Schwestern im HERRN, ehrt den HERRN, indem ihr mit Kopfbedeckung betet. Die Männer können nicht unverhüllt repräsentiert werden; es haftet Unreinheit an ihnen. Und ich bitte Euch, geliebte Brüder im HERRN, betet mit unverhülltem Haupt zum HERRN; Christi Herrlichkeit darf nicht zugedeckt werden. Die ganze Schöpfung soll seine Herrlichkeit sehen! Amen.

Vers 11

Dennoch ist im Herrn weder die Frau ohne den Mann, noch der Mann ohne die Frau.  1.Kor 11,11 

Der Heilige Geist weist mit dieser Aussage eindrücklich auf die Tatsache hin, dass die Frau, vom Wert her gesehen, dem Mann gleichgestellt ist. Für die Frau wurde genau derselbe Preis bezahlt. Es ist nicht so, dass Christus nur für die Männer gestorben ist und für die Frauen ein minderwertiges Opfer eingesetzt wurde. Der Preis war derselbe.

Menschen, die als Frauen zur Welt kommen, haben einfach andere Wirkungskreise als die Männer. Sie sollen in ihren Bereichen treu sein, wie die Männer für ihre angewiesenen Plätze angehalten sind, Gott treu zu dienen und Ihn richtig zu repräsentieren. Im Übrigen gibt es Frauen, die weit mehr Verfügungsrechte haben als Männer; Gott entscheidet, wer wohin geboren wird. Eine Frau in Westeuropa kann über viel mehr gesetzt sein wie ein Mann in einem armen Land, der nur über eine Wellblechhütte verfügt.

In der Auferstehung heiraten wir nicht mehr, wir sind wie die Engel im Himmel:

denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel.  Mt 22,30  

Nach dieser kurzen Zeit der Prüfungen, nach der Zeit im vergänglichen Fleisch, spielt es keine Rolle mehr, als was wir geboren wurden. Weder der Mann noch die Frau wird einen Vorrang bzw. Nachteil aufgrund ihres Geburts-Geschlechtes haben.

Es ist heute nur so, dass es Männer und Frauen braucht, damit die Menschheit sich überhaupt vermehren kann und dass das schöne Bild des Vorsatzes Gottes, die Menschen mit Christus zu verbinden, dargestellt werden kann.

Vers 12

Denn wie die Frau vom Mann ist, so ist auch der Mann durch die Frau; alles aber von Gott.    1.Kor 11,12 

Der Heilige Geist hält mit diesen Versen klar dem Gedanken entgegen, ein Mann könnte in der Wichtigkeit bzw. Wertigkeit höher stehen als eine Frau. Das ist ein Punkt den ich auch – besonders in der heutigen Zeit – als sehr wichtig erachte und zu merken empfehle. Er hilft uns Männern, uns nicht zu überheben und Euch Frauen, Euren Platz korrekt einzunehmen und dazu, Euer Licht nicht unter einen Scheffel zu stellen.

Kritiker der Bibel wollen einen frauenfeindlichen Geist in den Schriften sehen. Neben diesem Kapitel wird dafür oft auch das Alte Testament zitiert; in solchen und anderen Versen will man eine frauenfeindliche Haltung sehen:

2 Rede zu den Söhnen Israel: Wenn eine Frau empfängt und ein männliches Kind gebiert, so wird sie sieben Tage <lang> unrein sein; wie in den Tagen der Unreinheit ihres Unwohlseins wird sie unrein sein.   
3 Und am achten Tag soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden.   
4 Und sie soll 33 Tage im Blut der Reinigung <daheim> bleiben. Nichts Heiliges soll sie anrühren, und zum Heiligtum soll sie nicht kommen, bis die Tage ihrer Reinigung erfüllt sind.
5 Und wenn sie ein weibliches Kind gebiert, so wird sie zwei Wochen unrein sein wie bei ihrer Unreinheit. Und 66 Tage soll sie wegen des Blutes der Reinigung daheimbleiben.     3.Mose 12,2-5   

„Beim männlichen Kind soll sie „nur“ 33 Tage unrein sein, beim weiblichen dann deren 66! Sieht man hier nicht einen frauenfeindlichen, abwertenden Geist im Text?“ – Solche Aussagen von Bibelkritikern zeugen nur von ihrem geistlichen Unverständnis. Sie bringen ihre Anhänger noch weiter in die Ferne Gottes und stellen Ihn, der sein Geschöpf liebt, verunehrend dar und schüren die Gottlosigkeit.

Ein geistlicher Mensch weiss, dass jeder Mensch gleichbedeutend ist vor Gott, sei er reich oder arm, sei er krank oder gesund, sei er gross oder klein, sei er selbstbewusst oder schüchtern, sei er schwarz oder weiss, sei er Mann oder Frau: Der Mensch ist gleich viel wert vor dem HERRN, seinem Schöpfer.

Lassen Sie mich, um ferner zu verstehen, dass das Geschick eines jeden Menschen allein von Gott abhängt, zum Einstieg einen Vers zitieren:  

Der Arme und der Unterdrücker begegnen sich; der ihrer beider Augen hell macht, ist der HERR.   Spr 29,13  

Sogar der Unterdrücker kann nur unterdrücken, weil seine Augen durch den HERRN gebildet wurden. Ein Unterdrücker, ein Reicher, ein Mann, ein Direktor, ein Tellerwäscher – alle existieren nur, weil der HERR sie gebildet hat und ihnen Seinen Odem gibt. Der HERR gibt ihn proaktiv, das heisst, dass der HERR aktiv sein muss, um all die Menschen am Leben zu erhalten. Würde Ihm durch ihr Gebaren vor der Zeit die Geduld reissen, würde jeder Mensch zu Staub zerfallen:

14 Wenn er sein Herz <nur> auf sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Atem zu sich zurückzöge,
15 so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden, und der Mensch zum Staub zurückkehren.    Hiob 34,14.15  

Wenn der HERR nur einen Augenblick so wäre, wie der Mensch – auf sich selbst gerichtet – so wäre es aus mit seiner Schöpfung! Was lernen wir daraus? – Wir sehen darin, dass sich niemand etwas selber erarbeiten kann ohne dass sein Weg vorher bereits durch Gott geebnet wurde. Das ist der Ausspruch des HERRN über den König von Assur:

Hast du nicht gehört, dass ich lange vorher es gewirkt und von den Tagen der Vorzeit her es gebildet habe? Nun habe ich es kommen lassen, dass du befestigte Städte verwüstest zu öden Steinhaufen.     2.Kön 19,25  

Das Geschick des Menschen kommt vom HERRN. Hat der Mensch ein gutes Herz und sucht Gott, so lässt sich Gott finden; wenn der Mensch aber böse bleibt, so lässt ihn Gott in seinen Einbildungen des Herzens bleiben, so sehr, dass die Menschen sogar anfangen zu glauben, sie seien kleine Götter und würden die Geschicke der Welt tatsächlich beeinflussen! – So einfältig und absurd denken heute viele und nicht wenige aus der wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Elite!

Die Wahrheit ist eine völlig andere: Der Mensch wird als Armer, Reicher, Blinder, Sehender, Armenier, Spanier, Seefahrer, Ackerbauer, Mann oder Frau in die Welt geboren. Danach hat dieser beschriebene Mensch eine Vielzahl von Wegen vor sich: Er hat einerseits gute Wege, welche vom HERRN bereitet sind vor sich, wie auch böse, die einem ebensolchen Herz entsprechen, zu beschreiten. Auch diese Wege sind vom HERRN, damit der Mensch das erntet, was er sät (Spr 22,14). All diese Wege sind vom HERRN, entsprechend der Taten und des Herzenszustandes. Kein Mensch agiert unabhängig von Gott.

Die Frauen nun, die Bibelkritiker in einer schlechteren Position sehen wollen, stehen in der Symbolik – wie ich jetzt schon oftmals wiederholt habe – für die Gemeinde, die Männer für Christus. Es liegt daher völlig auf der Hand, dass der Mann den stärkeren Teil symbolisieren muss und die Frau den schwächeren (1. Petr 3,7). Christus ist der Stärkere neben der Gemeinde – oder hat es jemand aus der Gemeinde geschafft, die Erlösung herbeizuführen?

Da nun jeder Mensch angehalten ist, seinen Platz einzunehmen und darin treu zu sein, spielt es überhaupt keine Rolle, wohin wir von Gott gestellt werden. Ob wir als Frau eine Familie haben dürfen oder als Mann in Grönland ein Iglu bewohnen: Unser Wandel im Fleisch ist zeitlich sehr beschränkt. Wir werden für die Ewigkeit völlig gerecht entschädigt werden, ganz egal, was für eine „Startposition“ wir hatten. Der blinde Bettler in Indien kann es viel weiter bringen wie der erfolgreiche Wirtschaftskapitän an der Wall Street in New York. Es kommt bei beiden nicht auf den weltlichen Erfolg an, es kommt darauf an, was sie säen. Säen sie fleischlich, ernten sie Verderben, säen sie geistlich ernten sie Herrlichkeit. Daher: Freuen Sie sich darüber, ihr Frauen, Frauen zu sein! Und ihr Männer! – freut Euch in Eurer Haut und dient dem HERRN mit Freude, damit Ihr, wie die Frauen auch, ein beständiges und schönes Erbe empfangen dürft! Amen.

Vers 13

Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet?     1.Kor 11,13 

In der heutigen verkehrten und immer gottloser werdenden Welt (2. Thess 2,7) ist es bereits sehr schwierig, bezüglich dieses Verses ein klares Urteil fällen zu können. Was früher ganz eindeutig war, sieht heute die Gesellschaft nicht mehr so. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, wo es noch der Norm entsprach, dass die Frauen gar in den Landeskirchen Hüte, also eine Bedeckung, trugen.

Durch die aufkommende Gottlosigkeit, welche unter anderem durch ein ständiges In-Frage-stellen der Werte durch Satan (1. Mo 3,1) und des Desinteresses des Menschen an Gott ihre fragwürdigen Blüten treibt, kann diese Frage des Heiligen Geistes durch Paulus heute nicht mehr als rein rhetorisch gestellt aufgenommen werden. Heute betrachtet man sie als echte Frage und überlegt sich dabei, wieso es selbstverständlich sein soll, dass es unanständig ist, wenn eine Frau unverhüllt betet. Vielmehr stellt sich die Gesellschaft die Frage, wieso eine Frau verhüllt beten sollte.

Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie weit es gekommen ist mit der Moral der Menschen und wie weit sie sich vom göttlichen Ideal entfernt haben? Solche Verse sind die schönen Gradmesser der Schrift, welche die Uhrzeit des aktuellen Zeitalters anzeigen. Wenn man bei, für die damalige Zeit, sonnenklaren Antworten auf solche Fragestellungen, heute tatsächlich nicht mehr weiss, wie man darauf antworten soll, obwohl man sagt, dass man aufgeklärter ist (auch in den Gemeinden!; Offb 3,17), dann steht es sehr schlimm mit der Gotteserkenntnis!

Es ist nicht anständig, wenn die Frau den dem Mann angewiesenen Platz einnehmen will, wie es nicht anständig ist, wenn der Mann die Bereiche der Frau repräsentiert! Amen.

Vers 14

Und lehrt euch nicht selbst die Natur, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist,  1.Kor 11,14 

Selbst diese Aussage ist in der heutigen Zeit nicht mehr so klar, obwohl sie, selbst im gegenwärtigen Zeitgeist, noch eher nachzuvollziehen ist, als jene im vorangegangenen Vers. Die meisten Männer, die ich kenne, sogar die Ungläubigen, würden sie bejahen und bestätigen, dass ein Mann mit langen Haaren eine Schande ist.

In Künstlerkreisen haben sich zwar lange Haare bei Männern etabliert. Und wenn auch: Selbst wenn etwas Neues auf Biegen und Brechen als schick angesehen werden sollte und die Mode es vorantreibt: Es entspricht nicht dem menschlichen Naturell. – In solchen Sachen haben die Tiere uns etwas voraus: Was ihrer Natur nicht entspricht, lassen sie einfach. Wenn ich unserer Katze einen Apfel hinstrecke, ernte ich nur einen müden Blick, selbst wenn sie Hunger hat. Sie wird ihn auch nicht verspeisen, wenn ich ihr hundertmal versuche hinüberzubringen, sie solle doch davon kosten.

Bei Menschen hingegen sind Handlungen gegen die eigene Natur möglich. Wenn man ihnen vorgaukelt, dass ein Gebaren gegen die Natur schicklich ist und Ehre bringt, fangen einige von ihnen – um des eigenen Vorteils willen – danach zu handeln. In deutschen Konzentrationslagern trichterte man jungen Nazis ein, dass das Leben eines Juden weniger wert war als „normales“ menschliches Leben. Mit dieser Suggestion konfrontiert und dem Wissen, dass, sollten sie nach dem Willen ihrer bösen Vorbilder handeln, sie sich eine bessere Laufbahn und Ansehen erhoffen konnten, taten die Nachwuchssoldaten sehr böse Dinge gegen die inhaftierten Menschen. Obwohl sich das natürliche Gewissen dagegen sträubte, taten sie zutiefst verwerfliche Sachen, da die Gier nach Anerkennung und Ehre grösser war. – Der Mensch ist manipulierbar, da er nach der Lust der Augen, dem Hochmut des Lebens und der Lust des Fleisches giert (1. Joh 2,16). „Biete das dem Menschen an, so tut er alles für dich“, sagt sich der Teufel und verführt mit der Welt, die ihm für eine kurze Zeit zur Verfügung steht (Joh 12,31), die Menschen.

Menschen, die nun gerne als Künstler gelten wollen oder sich in Kreisen aufhalten, wo es Frauen gibt, die vorgeben, Gefallen an langen Haaren bei Männern zu haben, lassen ihre Haare wachsen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ihnen selbst gefällt. Es spielt nur eine Rolle, im Ansehen des Kreises zu wachsen, wo man etwas gelten will. „Biete dem Menschen was Lust für seine Augen und sein Fleisch bedeutet und das Ansehen der Welt (Hochmut des Lebens); er wird dir aus der Hand fressen.“ Solches könnte als einer der Leitsätze in den Lehrbüchern des Feindes stehen.

Liebe Leserin und lieber Leser! Selbst wir sind anfällig auf die Welt, auch wenn wir schon einige Zeit mit dem HERRN unterwegs sind. Lassen wir uns nicht verführen, indem wir täglich im Wort Gottes lesen (Wasserbad im Wort; Eph 5,26). Im Johannesevangelium (Joh 13,10) wird uns die Notwendigkeit der täglichen Waschung unserer Füsse, die mit der Welt im Kontakt sind, erläutert. Christen wurden zwar vollständig durch den Tod Christi gereinigt und sind somit rein. Da sie aber täglich mit dem Staub der Welt in Kontakt kommen, bedarf es der Fusswaschung. Diese Waschung ist im übertragenen Sinn zu verstehen: Das regelmässige Lesen des Wortes Gottes reinigt uns und unsere Gedanken von den Einflüssen der Welt, welche täglich versuchen, uns vom HERRN weg zu locken, indem sie uns die Herrlichkeiten der Welt schmackhaft machen wollen. Gemeint ist die Befriedigung des Fleisches, der Augen und der Wandel im Hochmut des Lebens. Davor können wir uns nicht selbst schützen; dieser „Staub“ muss durch das Wort „abgewaschen“ werden.

Lesen Sie das Wort Gottes regelmässig, mindestens täglich am Morgen. Es spielt eine untergeordnete Rolle, wie viel sie daraus lesen (2. Mo 16,18), die Hauptsache ist, sie tun es.

Vers 15

wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben.  1.Kor 11,15  

Wie schön stehen lange Haare den Frauen, wie wenig den Männern! So, wie Gott es natürlich eingerichtet hat, ist es gut und schön. Wenn es der Mensch nur mal dabei belassen würde!

Im Übrigen ist dieser Vers nicht falsch aufzufassen, indem gesagt wird, dass eine langhaarige Frau keine zusätzliche Bedeckung mehr tragen sollte beim Gebet. Das wäre ein falscher Schluss aus dem zweiten Satz, wo es heisst: „Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben.“ Wie Paulus von kurzen Haaren beim Mann ausgeht, geht er von langen bei der Frau aus. Und trotz des natürlichen langen Haares ordnet der Heilige Geist durch Paulus eine zusätzliche Bedeckung des Hauptes an, denn es soll sichtbar und offenbar sein, dass sich die Trägerin der Bedeckung willentlich und nicht rein zufällig, durch ihr bereits vorhandenes langes Haar, dem Willen und der Ordnung Gottes unterordnet. Etliche Engel missachteten die Ordnung des HERRN, indem sie sich dem Satan anschlossen. Die Frauen, die ihr Haupt beim Gebet bedecken, zeigen nun der sichtbaren aber auch besonders der unsichtbaren Welt, dass sie Gottes Ordnung als zuverlässig und richtig beurteilen und sich daran halten (im Gegensatz zu denen, die es eben nicht taten bzw. tun wollen). Solche Frauen ergreifen ihre besondere und gottgegebene Gelegenheit, Ihn besonders zu ehren! – Wisst Ihr, liebe Leserinnen, dass Ihr damit eine einfache, jedoch sehr, sehr wirksame Möglichkeit habt, Eurem und unserem HERRN eine besondere Ehre zu erweisen? – Nutzen Sie sie im Namen des HERRN! Amen.

Vers 16

Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, <so soll er wissen:> wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die Gemeinden Gottes.     1.Kor 11,16    

Es ist interessant, dass dieser Vers gerade nach den Ausführungen über die Kopfbedeckung kommt. Gegner der Bedeckung führen ihn zwar an, um die Befürworter zum Schweigen zu bringen und sehen dabei nicht, dass dieser Vers ihre Ideologie nicht teilt. Es gibt aber Befürworter, die – wenn sie abgewiesen werden – nicht mehr aufhören wollen, darauf hinzuweisen. Denen soll damit gesagt sein, dass es nach ein- bis zweimaliger Ermahnung gut ist (Tit 3,10). Sie haben ihre Schuldigkeit getan. Wenn das Wort gepredigt ist, es aber verworfen wird, sind wir unserer Verantwortung, zu warnen, entbunden (Hes 33,6).

Das Wort wird nicht abgeschwächt oder ungültig, wenn die Allgemeinheit es nicht mehr befolgt. Auch wo ganz Israel den goldenen Kälbern in Bethel und in Dan nachhurte, galt weiter, dass echter Gottesdienst nur in Jerusalem stattfinden konnte. Selbst in der dritten Generation der Menschen, welche den Kälbern nachliefen, galt wie in Stein gemeisselt: Echter Gottesdienst findet nur im Tempel von Jerusalem statt. Nur jener war anerkannt bei Gott. Der ganze Rest war ihm ein Gräuel. Daher wurden auch die 10 nördlichen Stämme als Erstes von Gottes Angesicht entfernt und nach Assyrien zerstreut.

Trotzdem müssen wir, die wir ein wenig Klarheit in den Rahmenbedingungen eines Gottesdienstes haben, sehr vorsichtig sein und weise mit geistlicher Erkenntnis umgehen. Es ist uns nicht erlaubt, ältere Geschwister hart anzufahren (1. Tim 5,1). Paulus‘ Anweisungen an Timotheus sind da sehr hilfreich in Themen der Ermahnung. Es soll uns bewusst sein, dass es schwer ist für Christen, die jahrzehntelang irregeführt wurden, mit 60, 70 oder gar 80 Jahren nochmals umdenken zu müssen. Manchmal, so scheint es mir, trägt der HERR dem Umstand Rechnung und wirft keine weitere Last auf sie (Offb 2,24). Auch wenn noch viel gelernt werden sollte, kann es sein, dass der HERR in seiner Gnade quasi die 5 mal gerade sein lässt. Dies schreibe ich zwar ungern in dieser Art, da es Feinde des Wortes als Freipass aufnehmen, in Seiner Gnade tun und lassen zu können, was sie wollen. Solchen Menschen rate ich, wenn sie harter Züchtigung entgehen wollen, das Wort zu studieren und danach zu tun! Der HERR lässt die 5 nur gerade sein, wenn jemand nicht anders kann, nicht wenn er nicht will! Das ist ein eminenter Unterschied! Die Jünger konnten in den Anfängen nicht die ganze Lehre Christi tragen, daher hielt der HERR etwas davon zurück (Joh 16,12). Trotzdem war es notwendig, dass sie in die ganze Wahrheit gekommen sind:

Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.     Joh 16,13  

Sie wurden einfach etwas später, als sie dazu reif waren, in die ganze Wahrheit geleitet. Wir müssen auch vollkommen werden; ein Ausbildungsabbruch liegt nicht drin. Phrasen, dass wir heute nur bruchstückhaft erkennen können, welche vorgeschoben werden, um die eigene Ablehnung gegenüber dem Worte Gottes zu überdecken, sind fehl am Platz. Sie stimmen zwar in einer ehrlichen und reinen Annahme. Von Menschen ausgesprochen, die den Weg nicht gehen wollen, sind sie aber böse Worte, weil sie, wie erwähnt, die eigene Ablehnung gegenüber dem Worte Gottes übertünchen sollen.

Nehmen wir also mit, dass wir nicht streiten sollen. Streit ist zum Verderben der Zuhörer, weil viele geistlich auf einem so tiefen Niveau sind, dass sie Streitgespräche nicht einordnen können (2. Tim 2,14). Solche Menschen laufen den besten Gemeinden davon, wenn darin ab und zu gestritten wird. Sie schütteln darüber nur den Kopf und sagen sich, die Gemeinde sei böse, weil darin nicht nur „Friede, Freude und Eierkuchen“ zelebriert werden. – Sage ich damit, dass in geistlichen Gemeinden gestritten werden darf? – Nein, ich distanziere mich von jeglichem Streit. Es darf aber auch mal Meinungsverschiedenheiten geben. Und wo Menschen zusammenkommen, gibt es leider halt manchmal Reibereien. Sogar in der Gemeinde in Jerusalem gab es Missstände (bei der Versorgung beispielsweise; Apg 6,1). Solche Unstimmigkeiten sollten aber nie zum Zerbruch führen, ausser, es ist ein Test des HERRN, welcher die Gemeinde säubert (1. Kor 11,19).

Vers 17

Wenn ich aber folgendes vorschreibe, so lobe ich nicht, dass ihr nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren zusammenkommt.     1.Kor 11,17 

Nach diesen sehr aufschlussreichen Belehrungen über das korrekte Verhalten beim Gebet wendet der Apostel, der Gesandte Gottes, das Thema mit diesem Vers zur Gemeinschaft untereinander sowie zum Abendmahl des HERRN. Bitte achten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass es hier nicht um weiss-ich-nicht-was Komplexes geht; in diesen Versen werden weiter Grundlagen für das christliche Leben behandelt. Auch wenn sie gar diese Grundlagen in Ihrer Gemeinde vermissen, heisst das nicht, dass die Ausführungen von 1. Kor 11 zu geistlich wären. Vielmehr heisst das, das nicht einmal mehr die Grundlagen des Glaubens und der Hausordnung Gottes in der christlichen Landschaft hochgehalten bzw. gelebt werden. Ein Vergleich dazu, er mag vielleicht hart erscheinen, ist das damalige Nordreich sowie später auch das Südreich Israel. Israel behauptete Volk Gottes zu sein. Obschon es das in den Anfängen war, war es das in gewissen Zeiten nur noch dem Namen nach. Es kam sogar soweit, dass Gott, der sich als Gemahl Israels bezeichnete (Jes 54,5), sagen musste, dass er nicht mehr ihr Ursprung war. Er bezeichnete sogar den Teufel als ihren Vater (Joh 8,44).

Die Korinther waren hier im Begriff, zum Schlechten zusammenzukommen. Das heisst, dass sie mit ihren Zusammenkünften den HERRN verunehrten, sodass es besser gewesen wäre, sie wären nicht zusammengekommen, zumindest nicht in Seinem heiligen Namen. Diesem Umstand trug der Heilige Geist Rechnung, indem er durch Paulus‘ Griffel geduldig erklärte, wie sich solche, die sich Volk Gottes nennen, im Kollektiv, der Gemeinschaft, verhalten zu haben.

Wie erwähnt, sollten sie die im 1. Korintherbrief erläuterten Sachverhalte in der christlichen Landschaft vermissen, liegt es nicht daran, dass sie zu schwer oder zu geistlich wären. Es liegt vielmehr daran, dass viele aus dem Volke Gottes den Weg verlassen haben und sich bei ihnen bezüglich der Gottesfurcht kein Unterschied mehr zwischen dem Nordreich sowie auch später dem Südreich Israel abzeichnet. – Was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser? Wird der HERR, der von sich sagt, dass er der Gleiche in Ewigkeit bleibt, diesmal, wo wir sogar durch Vorbilder vor dem Abfall seines Weges gewarnt wurden (1. Kor 10,6.11), einfach beide Augen zudrücken wird und in der Manier eines alten und senilen Tattergreises alle, die sich ein wenig zum Christentum „bekennen“, mit offenen Armen aufnehmen wird? – Wenn das so geschehen wird, hat mich der HERR nicht gesandt, sein Wort zu kommentieren! Dann können sie bibelkommentare.ch zur gleichen Gattung zählen wie die selbsterdachten Märchen: In das Gebiet der blühenden Phantasien und Fabeln.

Vers 18

Denn erstens höre ich, dass, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, Spaltungen unter euch sind, und zum Teil glaube ich es.     1.Kor 11,18

Am Anfang des Korintherbriefes war auch von Spaltungen die Rede. Es gibt verschiedene Arten von Spaltungen. Die einen bilden sich durch lehrmässige Unterschiede (1. Kor 1,10); andere durch Klassenunterschiede, - Unterschiede also, die durch verschiedene soziale Stände gemacht werden. Da können beispielsweise die Vornehmen allein unter sich sein wollen, indem sie die einfachen Leute ausgrenzen. Auch umgekehrt kann es der Fall sein, dass einfache Menschen durch Vorurteile solche aus sozial höheren Ständen meiden.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ein solches Gehabe für Gemeindeglieder nicht statthaft ist. Spaltungen stehen Christi Plan entgegen, welcher die Gemeinde zu einem Ganzen zusammenfügt.

Die Korinther hatten mehrere „Baustellen“ in der Gemeinde, wie wir sehen. Paulus musste ihnen so ziemlich alle Grundlagen der Hausordnung Gottes erläutern, besonders jene, die für das Kollektiv und das gemeinschaftliche Zusammenkommen gelten. Dieser Brief gewinnt in der heutigen Zeit des Niedergangs der Gemeinde, welche sich im selben Stadium befindet wie damals jene in Laodizea (Offb 3,14ff), sehr an Bedeutung. Tragisch an der ganzen Sache der Orientierungslosigkeit ist, dass die Gemeinden von sich sagen: „Wir sehen!“, obschon sich Sein Volk vielerorts in geistlicher Blindheit über essentielle Grundlagen der Hausordnung mit Eigennamen und unter von der Welt übernommenen Vereinsstatuten trifft. Wir, Gottes Volk, sind im Westen mehrheitlich so weit gekommen, dass wir immun gegen Ermahnungen sind. Besonders in der heutigen Zeit des Endes ist es wichtig, achtsam zu sein. Hören wir die Worte des HERRN in unserer Selbstzufriedenheit?

17 Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und brauche nichts, und nicht weisst, dass du der Elende und bemitleidenswert und arm und blind und bloss bist,   
18 rate ich dir, von mir im Feuer geläutertes Gold zu kaufen, damit du reich wirst; und weisse Kleider, damit du bekleidet wirst und die Schande deiner Blösse nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du siehst.    Offb 3,17-18

Liebe Leserinnen und Leser! Seien Sie sich gewiss, dass jede und jeder, die bzw. der sich vor dem HERRN demütigt, Gnade erfahren wird. Unser HERR ist sehr barmherzig. Er sei hochgelobt dafür! Wer sich hingegen verhärtet, wird sein Urteil tragen.

Vers 19

Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.  1.Kor 11,19

Das ist ein bemerkenswerter Vers. Dem Frieden nachzujagen sind wir zwar angehalten; der HERR will aber nicht Frieden auf Kosten des Rechts. Selbst Er brachte Zerwüfnis:

35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;
36 und des Menschen Feinde <werden> seine eigenen Hausgenossen <sein>.   
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig;   
38 und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.     Mt 10,35-38

Die Aussage ist dieselbe: Sollten wir auf Seine Kosten Frieden bewahren wollen und einen „Frieden“ mit Menschen, die Zurechtweisung bräuchten, halten, obschon wir uns um Seinetwillen einem Konflikt stellen sollten, so tun wir Unrecht.

Leider werden Christen, die den geraden Weg gehen und allfällige Missstände in der Gemeinde anprangern als Unruhestifter, als die Bösen, bezeichnet, obschon gerade jene dem Willen des HERRN – ohne Ansehen der Person – folgen (Mt 10,37).

Urteilen Sie in Ihrem Umfeld wie ein mündiger Mensch! Wenn ein Konflikt in der Gemeinde aufkommt, sollten Sie nicht denken: „Um Himmels willen, wenn da nur der Friede bewahrt wird!“ Ein solches Denken gibt bösen Menschen überall offene Türen! Jene müssen nur ein wenig Unruhe stiften und sofort sind alle bereit, mit den Ansprüchen des HERRN zurückzufahren, nur damit die Aufwiegler wieder Ruhe geben. – Wir sind angehalten, als Christen die uns übertragene Verantwortung für das Haus Gottes zu übernehmen. Will unser Nächster, sei es der Sohn oder die Tochter, ein Freund oder Verwandter die Gemeinde vom geraden Weg abhalten, dann sollten Sie die erste Person sein, die einem solchen Menschen klar macht, dass Sie auf keinen Fall um seinetwegen vom geraden Weg des HERRN zurückweichen werden!

Wenn es dann zur Entzweiung kommt, müssen Sie sich nicht eine Sekunde lang darüber grämen; hat es der HERR nicht früh und im ersten Evangelium vorausgesagt (Mt 10,35ff)? Solche Parteiungen sind vorprogrammiert, sie unterscheiden geistliche und verantwortungsvolle Menschen von solchen, die in christlichen Gemeinden politisieren, also Menschen, die ein Volksrecht (=Mehrheitsrecht) anstelle von Gottesherrschaft einführen wollen.

Wenn Sie sich nun in den Gemeinden umsehen, liebe Leserinnen und Leser, was sehen Sie bzw. was treffen sie dort an? Erinnert Sie der Zustand der Gemeinde nicht an die Gemeinde Laodizea, von der ich sage, dass ihr Geist in den heutigen Gemeinden regiert? Und, ist es nicht eine bemerkenswerte Ironie, dass Laodizea übersetzt „Volksrecht“ heisst? – Menschenherrschaft, Politik bzw. Mehrheitsrecht in den Gemeinden Gottes! Um der Gebote der Menschen willen werden jene des HERRN aufgehoben! Vergeblicher Gottesdienst (Mt 15,9) und vergebliche Liebesmüh‘! Und vergebliches Gebet: „HERR, danke dass Du, wie versprochen (Mt 18,20), in unserer Mitte bist!“ Der HERR hat nur versprochen, in der Mitte einer Versammlung zu sein, die sich zu Ihm hin versammelt. Versammelt sie sich nach den Grundsätzen ihrer Statuten, ist er nicht unter solchen Menschen. Wiederum ist es sehr bezeichnend, dass er gerade bei der Gemeinde „Volksrecht“ (d.i. Laodizea) vor der Türe steht und nicht unter ihnen weilt (Offb 3,20), so, wie die Stiftshütte ausserhalb des Lagers aufgestellt werden musste, weil es der HERR nicht ertrug, inmitten von Halsstarrigen zu wohnen (2. Mo 33,3.7).

Machen Sie sich keinen „Kopf“, wenn Sie aufgrund ihrer Geradlinigkeit anecken! Amen.

Vers 20

Wenn ihr nun zusammenkommt, so ist es nicht <möglich>, das Herrenmahl zu essen.    1.Kor 11,20 

Paulus deutete den Korinthern damit an, dass sie im damaligen Zustand ihrer fehlenden Manieren unmöglich das Abendmahl des HERRN hätten zelebrieren dürfen. Statt den HERRN zu ehren, wäre er schändlich dargestellt worden.

Es hat nichts mit Gehorsam zu tun, wenn man einfache Anordnungen des HERRN einhält, aber im Groben sündigt. Das eine hebt das andere nicht auf. Das Mahl des HERRN zu halten, inmitten von Zügellosigkeit, wäre im Endeffekt schlimmer, als es überhaupt nicht zu halten. Daher spricht der HERR:

Wäre doch nur einer unter euch, der die beiden Torflügel zuschlösse, damit ihr nicht umsonst auf meinem Altar Feuer anzündet! Ich habe kein Gefallen an euch, spricht der HERR der Heerscharen, und an einer Opfergabe aus eurer Hand habe ich kein Wohlgefallen.     Mal 1,10  

Der Gottesdienst eines törichten und zügellosen Volkes ehrt Gott überhaupt nicht. Vielmehr ist er zum Spott seiner Feinde. – Oder wäre Ihr Vorgesetzter beeindruckt, liebe Leserin und Leser, wenn sie im Mitarbeiter-Beurteilungsgespräch erwähnen würden, dass Sie doch das Geschäft nach der Vorschrift immer ordnungsgemäss um 20:00 Uhr abgeschlossen haben, aber im Gegenzug das ganze Jahr durch ihre Arbeitszeit völlig vertrödelt hätten? Würde der eine kleine Punkt den ganzen bösen Katalog aufheben? – Ganz sicher nicht! Daher spricht der HERR:

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.     Mt 23,23 

Die Pharisäer, welche viele Punkte aus dem Gesetz gehalten hatten, kamen im Beurteilungsgespräch sehr, sehr schlecht weg (siehe Mt 23,13ff!). Es wäre ihnen besser gekommen, wenn sie das Gesetz des HERRN völlig beiseite gelassen hätten. Dann hätten sie einfach „nur“ durchschnittlich böse agiert, wie es alle Menschen tun, jedoch ohne den Namen des HERRN zusätzlich in den Dreck zu ziehen.

Wenn wir Christen uns nun für die heiligen Dinge des HERRN entscheiden und seinen Willen tun wollen, so ist es unmöglich ihn halbherzig und in böser Manier auszuführen. Im Letzteren wäre es besser, damit gar nicht anzufangen, wie wir gelesen haben (Mal 1,10). – Wie machen Sie sich zum Gottesdienst auf, liebe Leserin und lieber Leser?

Vers 21

Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.   1.Kor 11,21  

Das ungeziemende Verhalten der Korinther bestand darin, dass sie sich in der Gemeinschaft dem Nächsten gegenüber völlig rücksichtslos verhielten. Sie kamen zwar für gemeinschaftliche Essen zusammen, wobei sie dazu auch das Abendmahl feierten. Es spielte bzw. spielt keine Rolle, ob das Herrenmahl (Abendmahl des HERRN) bei einem gemeinschaftlichen Essen vor, während oder nach dem Essen zelebriert wird; vielmehr spielt es eine Rolle, in welchem Zustand man es tut. Wenn man es einfach hält, um bei Gott Punkte zu sammeln, um den übrigen bösen Wandel zuzudecken, ist der Dienst nicht nur vergeblich; er ist gar zu Schande des HERRN, wie wir im vorausgegangenen Vers eindrücklich gesehen haben.

Statt die mitgebrachten Essen aufzuteilen und aufeinander zu warten, stopften sich jene, die Essen hatten, voll, wie sich jene, die Wein mitnahmen, volllaufen liessen. Vielleicht ist diese Beschreibung etwas überzeichnet, doch Sie pflichten mir zu, liebe Leserin und lieber Leser, dass es in einer Unordnung und einer Rücksichtslosigkeit untereinander nicht geht, den herrlichen Charakter des HERRN zu zeigen und seine heiligen Gebote, gerade im Blick auf die Nächsten, hinauszutragen. Wenn in einer moralischen Unordnung das Mahl des HERRN gehalten wurde, muss es dem Zuschauer wie zum Spott und Hohn vorkommen. Im (teilweisen) Unwissen spotteten die Korinther dem HERRN, wenn sie dem HERRN das Abendmahl hielten, währendem der Nächste, und somit das Gebot des HERRN, verachtet wurde. Aus diesem Grund musste der Apostel schreiben, dass es unmöglich(!) sei, auf diese Weise das Mahl des HERRN zu halten.

Wenn wir Christen uns nun für die heiligen Dinge des HERRN entscheiden und seinen Willen tun wollen, so ist es unmöglich, ihn halbherzig und in böser Manier auszuführen. Es verhält sich schlicht so: Es geht nicht, dass wir sagen, wir würden dem HERRN dienen, uns aber nicht gemäss seinen Worten verhalten. Leerer Gottesdienst ist zu nichts nütze, da kann der so Dienende seine Opfergaben besser behalten als sie zu verschwenden.

Ich möchte Ihnen aufzeigen, liebe Leserinnen und Leser, wo bereits ein solch unnützer Gottesdienst ausgeführt wurde:


1 Und es geschah im vierten Jahr des Königs Darius: <Da> geschah das Wort des HERRN zu Sacharja am vierten <Tag> des neunten Monats, im <Monat> Kislew,   
2 als <nämlich> Bethel <den> Sarezer und Regem-Melech und seine Männer sandte, um den HERRN anzuflehen   
3 und um die Priester, die zum Hause des HERRN der Heerscharen <gehörten>, und die Propheten zu fragen: Soll ich weinen im fünften Monat beim Fasten, wie ich es schon so viele Jahre getan habe?      
4 Und das Wort des HERRN der Heerscharen geschah zu mir:
5 Sprich zum ganzen Volk des Landes und zu den Priestern: Wenn ihr im fünften und im siebten <Monat> beim Wehklagen gefastet habt, und dies siebzig Jahre, habt ihr etwa mir gefastet?   
6 Und wenn ihr esst und wenn ihr trinkt, seid ihr es nicht, die da essen, <nicht> ihr, die da trinken?   
7 Sind es nicht die Worte, die der HERR durch die früheren Propheten <in den Tagen> ausrief, als Jerusalem bewohnt und ruhig war und seine Städte rings um es her und der Süden und die Niederung bewohnt waren?      
8 Und das Wort des HERRN geschah zu Sacharja:
9 So spricht der HERR der Heerscharen: Fällt zuverlässigen Rechtsspruch und erweist Güte und Barmherzigkeit einer dem anderen!   
10 Und bedrückt nicht die Witwe und die Waise, den Fremden und den Elenden! Und ersinnt nicht gegeneinander Unglück in euren Herzen!   
11 Aber sie weigerten sich aufzumerken und zuckten widerspenstig die Schulter und machten ihre Ohren schwerhörig, um nicht zu hören.   
12 Und sie machten ihr Herz zu Diamant, um die Weisung nicht zu hören, noch die Worte, die der HERR der Heerscharen durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten; so kam ein grosser Zorn auf beim HERRN der Heerscharen.     Sach 7,1-12  

Nachdem die Israeliten aufgrund ihrer Bosheiten in die Länder zerstreut wurden (2. Chr 36,16ff), befragten sie einst die Priester, ob sie weiter fasten sollten. Der HERR sagte ihnen in den Versen aus Sacharia 7, dass ein hohler bzw. inhaltsloser und herzlos ausgeübter Gottesdienst völlig vergeblich ist. Mit anderen Worten konnten sie fasten, soviel sie wollten; solange sie ihr Herz dem HERRN und ihren Nächsten gegenüber vorschlossen, war jeglicher Gottesdienst absolut nutzlos, wie es unsere Geldspenden, Gebete und sonstige Dinge sind, die wir dem HERRN tun, wenn wir nicht Recht und Gerechtigkeit üben. Wer die Verse 9 und 10 (Sach 7) aus seinem Gottesdienstkatalog streicht, kann für Gott tun und lassen, was er will: Es wird ihm als Sünde angerechnet.

 

 

Vers 22

Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich nicht.     1.Kor 11,22  

Durch das bewusste sowie gedankenlose nur-für-sich-selbst-Schauen wurde die Gemeinde, das Volk des HERRN, verachtet, indem die Armen daraus beschämt wurden. Die Vermögenden teilten Ihre Essen nicht mit jenen, die wenig bis nichts hatten. Es war wie in einer Familie, wo sich ein erfolgreiches Familienmitglied neben der Hütte der Eltern und Geschwister einen Palast hinstellen lässt, ohne dass die restlichen Familienmitglieder etwas davon haben.

Der König David, welcher in vielen Dingen Christus vorschattete, handelte diesbezüglich ganz anders.  

21 Und David kam zu den zweihundert Männern, die zu erschöpft gewesen waren, um David zu folgen, und die man am Bach Besor zurückgelassen hatte. Sie gingen David und dem Kriegsvolk entgegen, das bei ihm war. Und David trat zu dem Volk und fragte sie nach ihrem Wohlergehen.   
22 Und allerlei Böse und Nichtswürdige von den Männern, die mit David gezogen waren, sagten: Weil sie nicht mit uns gezogen sind, wollen wir ihnen von der Beute, die wir <den Feinden> entrissen haben, nichts geben, sondern jeder <nehme> seine Frau und seine Kinder; die können sie mitnehmen und gehen.   
23 Aber David sagte: Macht es nicht so, meine Brüder, mit dem, was der HERR uns gegeben hat! Er hat uns bewahrt und diese Schar, die über uns gekommen war, in unsere Hand gegeben.   
24 Und wer sollte in dieser Sache auf euch hören? Denn wie der Anteil dessen, der in den Kampf hinabzieht, so soll auch der Anteil dessen sein, der bei dem Tross bleibt. Miteinander sollen sie teilen.     1.Sam 30,21-24  

Wer zur gleichen Gemeinschaft gehört, soll ebenfalls vom Brot der Gemeinschaft essen können. So regelte es David und so gefällt es dem HERRN, wenn wir den Nächsten gegenüber die Hände öffnen.

Dass diese Ordnung unter Christen herrschen soll, wollen einige Schlauberger ausnutzen und rein auf Kosten der Gemeinschaft leben. Auch solche Fälle sind durch die Heilige Schrift geregelt: Wer vorsätzlich nicht arbeiten will, obschon er könnte, soll von diesem Segen ausgeschlossen werden. Das sind nicht meine Worte, sondern die des HERRN, gegeben durch den Heiligen Geist!

10 Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.   
11 Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben.
12 Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie im Herrn Jesus Christus, dass sie in Stille arbeiten und ihr eigenes Brot essen.     2.Thess 3,10-12 

David teilte die Beute mit den Ermatteten; sie wollten mitziehen, konnten aber von der körperlichen Kraft her nicht mehr weiter gehen. Hätten sie sich von David und seinem Vorhaben distanziert, wäre ihnen von der Beute auch nichts zugefallen. Nach diesem Verfahren teilt Christus seine Beute, die ganze Erde, wenn er Seine Herrschaft antritt. Da kriegen auch nur jene davon einen Anteil, die wenigstens mit Christus ziehen wollten, auch wenn sie Ihm längst nicht überall hin zu folgen vermochten (Offb 3,21). – Verschliessen wir unser Herz nicht gegen schwächere Mitglieder der Gemeinschaft! Amen.

Vers 23

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm    1.Kor 11,23   

Paulus war nicht wie Johannes, Jakobus und Petrus bei der Einsetzung des Abendmahls dabei. Dieses Symbol zu halten ist aber für Christen sehr wichtig, wie das Passah damals für Israel (4. Mo 9,13): Wer das Passah nicht halten wollte, sollte ausgerottet werden.

Damit nun die Lehre des Abendmahls korrekt durch den Apostel der Nationen in die Welt getragen wurde, welcher bei der Einsetzung nicht dabei war, offenbarte der HERR persönlich dem Paulus die diesbezügliche Anordnung. Paulus bekam sie also aus erster Hand, nicht durch Überlieferungen. – Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie wichtig das von den Gemeinden so vernachlässigte Mahl des HERRN ist, welches die ersten Christen täglich feierten (Apg 2,46)?

Zusammenfassend können wir bezüglich des Mahls bis hierher sagen, dass es nur möglich ist, dieses durch den HERRN unbedingt gewollte Mahl zu halten, wenn wir uns bewusst vom Bösen fern halten. Wir sollen nüchtern sein und die Geschwister achten, ohne in fleischlicher und rücksichtsloser Manier zusammenzukommen, wie wir es in den vorausgehenden Versen gelesen haben. Das Mahl wurde zum Gedächtnis an Sein Werk und Seiner Verherrlichung gegeben. Er setzte es nicht ein, dass es Ihn verunehrt, indem es ein zügelloser Haufen im trunkenen* Zustand zelebriert (*wörtlich und im übertragenen Sinn gemeint).

Wiederum gibt es hier Schlauberger, die herausgefunden haben wollen, dass es besser ist, das Herrenmahl nicht zu halten, damit man sich ja nicht damit versündigt, da der Mensch ja doch nicht völlig sündlos wandelt. – Diesen Menschen sei an dieser Stelle gesagt: Wer dem Abendmahl fernbleibt, sündigt und verunehrt den HERRN sowieso; er glänzt durch Ungehorsam dem Befehl gegenüber und dadurch, dass er sich von heiligen Dingen fernhält, indem er glaubt, dass seine von ihm geduldete Unreinheit vom HERRN nicht geahndet würde.

Vers 24

und, als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis!     1.Kor 11,24  

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, liebe Leserinnen und Leser, wie es möglich ist, bei generell klaren Aussagen, einfach eine entgegengesetzte Richtung einzuschlagen? – Die Antwort darauf heisst: Politik! – Wenn jemand politisch korrekt sein will, möchte er die unter Menschen geltenden Regeln der Gesellschaft nicht verletzen, über alle anderen hinweg, wie zum Beispiel den göttlichen oder jenen von Vorfahren. So kam es in Ländern bereits vor, dass alte Regeln der gesetzlichen Unterstützungsleistungen von höchsten Richtern nicht befolgt und einfach uminterpretiert wurden, aus dem einfachen Grund, da etwas wenig Geld in der entsprechenden Kasse war. – Sehen Sie, auf was ich aufmerksam machen möchte? Irgendein Grund, auch wenn er erheblich ist, darf nicht soweit führen, dass übergeordnete Regeln verletzt werden.

Göttliche Regeln sind nun mal den menschlichen übergeordnet. Wenn nun der HERR spricht: „Dies tut!“, soll der Mensch nicht sagen: „Nein, das können wir aus diesem und jenen menschlichen Grund nicht machen.“ Diese Praxis ist aber sehr, sehr weit verbreitet in der christlichen Landschaft. Der Versuch zur Legalisierung der Abweichung bzw. der Nichtbefolgung des Wortes Gottes geschieht durch das Prinzip der Verdrehung oder der Initialisierung von Lügen.

Lassen Sie mich das Prinzip der Verdrehung mit einem einfachen Beispiel veranschaulichen. Einfache Menschen, die noch nie Kerzenlicht gesehen haben, halten beim ersten Mal den Finger in die Flamme. Anschliessend ziehen sie ihn reflexartig zurück und sagen: „Die Flamme ist heiss!“ Redegewandte und in der Politik sehr bewegliche Menschen schaffen es aber immer wieder, ganz einfache Dinge in Frage zu stellen und Menschen glauben zu lassen, dass es Flammen gibt, die nicht heiss sind; es müssen nur einige Fragezeichen hinter klare Feststellungen gesetzt werden. Wenn der Mensch, der die Fragezeichen setzt, dazu noch angesehen ist, nimmt die Lüge ihren Lauf.

Kommen wir zu einem Beispiel der Initialisierung von Lügen: Es gibt ein Fabrikgelände, dass sehr gut von einem Allrounderteam in Schuss gehalten wird. Ihre Arbeit ist tadellos. Im Entscheidungsgremium, welches über das besagte Arealteam Weisungsbefugnis hat, gibt es einen Menschen, der die Arbeit an andere vergeben möchte. Er ist einflussreich und redegewandt. – Wie geht ein solcher Mensch nun vor, wenn er ungerecht ist? – Er redet die Arbeit des Allrounderteams schlecht – ich rede jetzt von einer wahren Begebenheit! – und verkauft seinen Kollegen mit vielen Worten, dass er bzw. seine Auswahl von Leuten es viel besser machen würde bzw. würden. Auch wenn das vom Entscheidungsgremium nicht so ganz geglaubt und nachvollzogen werden kann, heissen sie den Antrag dieses Menschen gut, das perfekt arbeitende Allrounderteam abzusetzen und neue Leute – solche, die dieser ungerechte Mensch vorschlägt – mit den Arbeiten zu beauftragen. Das Entscheidungsgremium möchte keinen Ärger mit dieser Person eingehen und beschliesst einen Entscheid, welcher auf Lügen fusst.

So ist es möglich, liebe Leserinnen und Leser, dass klare Befehle des HERRN (Bsp: die Kerzenflamme ist heiss) in Frage gestellt und dann aufgrund von Orientierungslosigkeit und politischer „Korrektheit“ die Gebote der Menschen höher gewichtet werden. – Entscheiden Sie nicht nach solchen bösen und gottlosen Prinzipien. Halten Sie einfach, was der HERR gegeben hat. Hat Er das Abendmahl befohlen, so befolgen Sie es einfach, ob das Gros der Christenheit sich darum kümmert oder nicht. Amen.

Vers 25

Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis! 1.Kor 11,25

„Dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis“, ordnet der HERR an. Haltet nicht einfach Abendmahl in einer gesetzlichen Art, liebe Geschwister. Dass der HERR keine Freude an Schlachtopfern hat, sondern vielmehr an Gerechtigkeit und Recht; das wissen wir (Ps 51,18; Heb 10,5). An einem Abendmahl, das gehalten wird, um Gott zu zeigen, dass man sich im Leben auch etwas zurücknehmen kann, sonst aber lebt wie jemand aus den Nationen, hat der HERRR überhaupt keinen Gefallen. Es wäre eine Opfergabe Kains, nicht jene Abels (1. Mo 4,5). – Sehen Sie, worauf ich hinaus will? – Kain lebte sein Leben und berücksichtigte Gott mit einem Teil, indem er von seinen Früchten dem HERRN darbrachte. Abel hingegen hatte erkannt, dass er mit seinem Leben Gott nie zufrieden stellen kann, da das menschliche Fleisch nur heuchlerische Früchte darbringt. Es ist gegen Gott gerichtet; wie sollte Gott von Heuchlern etwas annehmen? Soll er das Recht unterdrücken und sagen: Die meinen es doch nur gut, ich will sie annehmen, sie können ja nicht anders! – Sollen wir so von Gott denken? Sollen wir glauben, Gott sei ein ungerechter Richter? – Niemals! Gott steht zum Recht! Durch seine Liebe aber zum Menschen hingezogen, musste er dem verlorenen Menschen eine Möglichkeit schaffen, dass er Ihm angenehme Früchte darbringen kann. Dies geschah mit der Opfergabe Christi. Christus hat sich selbst hingegeben, um sein Leben freizusetzen und es allen echten Gläubigen verfügbar zu machen (Joh 12,24). Wer in diesem Leben anbetet, wird von Gott als wohlgefällig angenommen:

Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Joh 4,23

Wer in der Freude an und für Christus das Mahl des HERRN hält, dessen Gebet wird von Gott als wohlgefällig angenommen. Wer das Mahl als Opfergabe Kains dem HERRN darbringt, dem wird es nicht als wohlgefällig angesehen; ein solcher bringt es als eigenes Opfer (sieh HERR, dass ich Zeit aufwende, um das zu tun, was Du geboten hast), wenn sein Leben nicht in Ordnung ist und nicht durch Christus (seinem neuen Leben) geprägt ist.

Der echte Anbeter hält das Mahl zum Gedächtnis an Christus, nicht im alten Sinn, nach dem Gesetz. Das Gesetz war dazu da, dem Menschen aufzuzeigen, dass es ihm in der alten Natur nicht möglich ist, Gottes Willen zu tun (Rö 7,5). Es musste etwas Neues kommen, etwas, das dem Menschen hilft, sich Gott nahen zu können. Das Neue durfte das Recht ebenfalls nicht beugen; der Mensch muss in Reinheit vor Gott erscheinen können. Gott verschliesst die Augen heute auch nicht vor der Sünde; wer in Unreinheit vor Gott erscheint, kann vor Ihm nicht bestehen!

Da nur Christus allein diesen Weg durch völlige Gerechtigkeit geschaffen hat, ist es nur möglich, in Ihm vor den Allmächtigen zu kommen. Somit ist auch ein vor Gott gewirktes Werk nur wohlgefällig im Zusammenhang mit Christi Leben. – Wenn wir nun zu Christi Gedächtnis das Mahl halten, werden wir wohlgefällig angenommen werden. Tun wir es in der Art des alten Bundes, nach dem Gesetz, werden wir nicht erhört.

Vers 26

Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.    1.Kor 11,26 

Mit dem Abendmahl verkündigen wir in der sicht- und unsichtbaren Welt den Tod Christi. Wir geben uns also bewusst als Seine Botschafter aus.

Botschafter und Repräsentanten einer Firma, Organisation oder Partei stehen unter besonderer Beobachtung. Fehltritte solcher Personen werden von Mitbewerbern oder andersdenkenden Parteien sehr gerne in den Medien breitgeschlagen und bringen der Sache oder Firma, die sie vertreten, einen meist nicht mehr berechenbaren Imageschaden, wie sie ihn auch sich selbst und ihrem eigenen Ansehen zufügen.

Es ist daher völlig klar und wird auch im folgenden Vers direkt angesprochen, dass es nicht geht, diese Botschaft in unwürdigem Zustand zu verkündigen.

Es wird uns mit diesen Stellen eindringlich klar gemacht: Ein Christ, der halbherzig bei der Sache ist, läuft nicht auf der guten Bahn (Offb 2,4). Der Standard des HERRN ist hoch, wenn wir jenen der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht – wenig oder weit? – übertreffen, sind wir für das Reich nicht geeignet:

Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen.     Mt 5,20   

Wenn Sie liebe Leserinnen und Leser von mir denken, ich sei halt ein Fanatiker, habe gut reden und ein dazu geeignetes Umfeld, dass es mir leicht fällt, grosse Worte zu verkündigen, dann sollten Sie unbedingt wissen, dass dem nicht so ist. Ich komme weder aus vorbildlichen Gemeinden noch aus einem dem entsprechenden familiären Hintergrund. Mein Lebensweg verlief bis hierher sehr steinig und ich musste unter schweren Bedingungen lernen, auf den HERRN zu vertrauen. Was ich sage fusst auf eigenen Erfahrungen, meine Worte kommen nicht aus dem Mund eines Menschen, dem im Leben alles gelingt und „leicht reden hat“.

Verkündigen Sie den Tod des HERRN in korrekter Art mit dem Wissen, dass der HERR diese Verkündigung will. Es geht nicht, das Mahl „sicherheitshalber“ weg zu lassen mit der Angabe des Grundes, Sie würden das Christenleben als Hobby betrachten und so aus „Sicherheitsgründen“ das Mahl nicht halten.

Vers 27

Wer also unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein.     1.Kor 11,27 

Wie es der Vers aussagt, ist es völlig logisch, dass, wer unwürdig das Brot isst oder den Kelch des HERRN trinkt, des Leibes und Blutes des HERRN schuldig sein wird. Wer sich auf die Seite der Gerechtigkeit, des HERRN und seiner Verwaltung stellt, sie repräsentiert und sich als Mitglied dieser Verwaltung ausgibt, mit seinen Sünden jedoch genau im Gegensatz dazu lebt, versündigt sich in schwerer Weise am HERRN. Er trampelt auf dem Blut des HERRN herum, das er hochzuhalten gelobte.

Ein solcher Mensch gleicht einem Angestellten des Königshauses, der nach aussen als solcher in seiner schönen Kleidung erkannt wird und dementsprechende Titel trägt, mit seinem Mund flucht er aber dem König, seinem Herrn. – Auch wenn ein solcher Mensch es ableugnet oder es zu verniedlichen versucht; der himmlische Vater versteht da keinen Spass; wie sollte er auch? Das Blut des HERRN war die einzige Chance für den Menschen, der Hölle zu entrinnen. Es zu vergiessen, kostete den HERRN sein Leben! Wer es mit Sünde in Verbindung bringt – jeder der vorsätzlich sündigt bzw. Sünde unbereinigt lässt und das Mahl bedenkenlos hält, wertschätzt Sein Blut nur in sehr geringer weise – wird mit sehr strengen Konsequenzen rechnen müssen; da hört jeglicher Spass auf.

Vers 28

Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.    1.Kor 11,28 

Es gibt Gemeinden, nennen wir sie im Kontext zu diesem Vers „Thomasgemeinden“, welche einfach ignorieren, was der HERR gesagt hat und etwas zum Thema dichten. – Ausserdem will heute ja jede Gemeinde zum Leib Christi und leider zusätzlich einer speziellen Benennung (Denomination) angehören; so geben wir ihnen auch hier einen Namen. Dies schreibe ich nicht, um verächtlich auf Geschwister in Benennungen hinabzublicken. Ich halte diesen üblen Umstand gerade hier bewusst fest, weil er die heutige Ferne zum Ideal schön aufzeigt und Geschwistern, die es besser machen wollen, einen scharf umrissenen Weg weist. – Als der HERR unverschlüsselt und gerade heraus gesagt hatte, dass er Lazarus aufwecken wolle (Joh 11,11), sagte Thomas, sie würden hingehen und mit Lazarus sterben bzw. ermunterte er die anderen zu einem gleichen Schicksal, wie es Lazarus widerfuhr.

Da sprach Thomas, der <auch> Zwilling genannt ist, zu den Mitjüngern: Lasst auch uns gehen, dass wir mit ihm sterben.     Joh 11,16 

In „Thomasgemeinden“ entscheiden heute die Ältesten, wer beim Mahl zugelassen wird und wer nicht. Der Geist spricht an dieser Stelle aber unverschlüsselt und gerade heraus, dass sich jeder Mensch selber prüfen muss (nicht ich bzw. ein anderer prüfe den Nächsten). – Kann ich oder sonst ein Aussenstehender das Herz eines Menschen prüfen, der das Mahl nehmen will? Kann sich das ein Mensch anmassen?

Vorsätzlich sündigende Menschen sollten sowieso schon lange aus der Gemeinschaft geschlossen sein; sie sind somit selbstredend vom Mahl des HERRN ausgeschlossen. Innerhalb der Zusammenkunft darf niemand über den Nächsten beim Mahl verfügen. Jeder prüfe sich selbst!

An dieser Stelle ist es nochmals sehr wichtig zu erwähnen, dass das Mahl zu halten ein Befehl des HERRN ist. Es ist nicht gestattet, den Kelch – egal aus welchen Gründen auch immer – bei sich vorübergehen zu lassen. Wer glaubt, dies tun zu müssen, weiss im Grunde genommen, dass er nicht in Ordnung ist vor dem HERRN. Eine solche Person frage ich ernsthaft, was sie denn in der Gemeinde zu suchen hat. Will sie die anderen Geschwister verschmutzen bzw. einen allgemeinen Zorn über die Versammlung bringen? – Im Neuen Testament, wo es noch viel einfacher ist, vor dem HERRN ins Reine zu kommen (es ist nicht verlangt, wie es das im Alten Testament war, ein Tier zu beschaffen und zu schlachten), ist es noch weniger angebracht, eine persönliche Reinigung von Sünden hinauszuzögern. – Alle Anwesenden sollen innerhalb der Gemeinde das Abendmahl zu sich nehmen, ausser es seien ungläubige Zuschauer dabei. Letztere haben natürlich keinen Teil an den Dingen des HERRN.

Liebe Leserinnen und Leser! Bieten Sie in jeder Versammlung das Mahl an und hindern Sie niemanden aus den Geschwistern, am Mahl teilzunehmen. Bei Geschwistern, die am Mahl nicht teilnehmen, sollten Sie der Ursache in Liebe und Ernsthaftigkeit nachgehen. Es liegt nicht drin, dass sich ein Christ nicht für das Mahl qualifiziert. Der HERR persönlich qualifiziert ihn dazu, ausser der Betreffende hält – wie erwähnt – vorsätzlich an Sünden fest. Über die Konsequenzen bei einer unwürdigen Einnahme des Mahls dürfen und sollen Sie informieren, wie es der Geist im Folgenden auch tut.

Vers 29

Denn wer isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib <des Herrn> nicht <richtig> beurteilt.     1.Kor 11,29    

Wer den Leib des HERRN richtig beurteilt, weiss, dass dieser Leib in Bezug auf die Sünde nichts mit ihr gemeinsam hat. Wer mit Sünde also lockeren Umgang hegt, zeugt mit seinem Leben vom Gegenteil von dem, was der Teilnehmende mit dem Abendmahl eigentlich zum Ausdruck bringt. Das Abendmahl bringt zum Ausdruck, dass Christus mit seinem Tod Menschen erlöst hat von Sünde und Schuld und sie unter anderem zum Zeichen dafür in Einheit um seinen Tisch zum Mahl einlädt. Jegliche Spaltung, Benennung (Denomination) und Sündhaftigkeit verzerrt dieses herrliche Bild, das der HERR von der Einheit mit seinen Geliebten malen will.

Es liegt also völlig auf der Hand, dass jemand, der genau das Gegenteil dessen lebt und bezeugt, das er leben und bezeugen sollte, und somit mit dem Abendmahl scheinheilig beteuert, dass er die Verordnungen des HERRN hochhält, als Heuchler ersten Grades zur Rechenschaft gezogen werden wird. Davon dürfen Sie, liebe Leserinnen und Leser absolut überzeugt sein. Es ist eine klare Aussage des Geistes, welche mit einer solchen Gewissheit eintrifft, wie die Grosse Trübsal der Sünden wegen kommen wird am Ende dieses Zeitalters.

Vers 30

Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen.  1.Kor 11,30   

Weil der Leib des HERRN nicht richtig beurteilt wird – deshalb – wie es im Vers steht, geschah Schlimmes bei den Korinthern: Viele unter ihnen waren schwach und krank und ein gut Teil, also nicht nur vereinzelte, waren gestorben. – Bitte achten Sie darauf, liebe Leserinnen und Leser, dass an dieser Stelle nicht von natürlichen Krankheiten die Rede ist, die halt so kommen, wenn man nicht aufpasst, wie beispielsweise Schnupfen an kalten Tagen. Diese Krankheiten und vorzeitiger Tod kamen als Züchtigungen vom HERRN, weil die Korinther schlampig mit seinem Mahl umgingen. – „Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen.“

Vielleicht wundern Sie sich heute über diese Härte eines für Sie vielleicht unbekannten Verses, welcher in Ihrer Gemeinde nie zur Sprache kommt. Wundern Sie sich nicht darüber! Es liegt völlig auf der Hand, dass im Kontext eines heute gepredigten Kuschel-Evangeliums und eines völlig falsch dargestellten Gottes solche Lehren unterschlagen oder verniedlicht werden. Mir liegt es fern, die Worte des HERRN zu unterschlagen (Offb 22,19): Wie es im Alten Testament frühzeitigen und von Gott herbeigeführten Tod gab (4. Mo 17,9ff), gibt es ihn auch im Neuen Testament (Apg 5,5ff) sowie auch Krankheiten zur Zucht.

Oder wollen wir den Herrn zur Eifersucht reizen? Sind wir etwa stärker als er?     1.Kor 10,22 

Wer glaubt, stärker zu sein, kann den HERRN ja zum Zweikampf herausfordern. Wer anders denkt, tut gut daran, sich seinem Wort zu fügen. Später wird der Betreffende merken, dass die Worte des HERRN ausschliesslich zum Nutzen und zum Wohl der Menschen gegeben wurden.

Wer den Leib des HERRN, das ist die Gemeinde, aber nicht als heilig, sündlos und von der Welt abgesondert beurteilt und der Ansicht ist, behaltene Sünden würden vom HERRN toleriert werden, soll sich gewiss sein, dass dem so nicht ist und der HERR strengste Massnahmen anwenden kann, um ihn zu schützen.

Vers 31

Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet.     1.Kor 11,31 

Christen, die sich dem Leib Christi gemäss in korrekter Art beurteilen, werden nicht gerichtet. Solche wissen, dass ein tägliches Wasserbad im Wort, eine Vergebung zuführende Kommunikation mit dem HERRN und Fürbitten für die Nächsten der gegebenen Situation entsprechen. So eingestellte Christen stehen nicht mit Zündkerzen vor Dieselmotoren, welche aufgrund ihrer Bauart keine benötigen, um es mal technisch umschrieben auszudrücken. Unsere eigene Unerfahrenheit und die stets lockende Welt sowie die Tatsache, dass wir unser altes Fleisch noch mittragen, welches immer noch, auch wenn es gut im Tode gehalten wird, mindestens Unterlassungssünden produziert, erfordert korrektes Handeln. Es genügt nicht, einfach nach Gutdünken irgendwie zu leben, wie es leider viele Einzelpersonen und Gemeinschaften tun. Es gibt keine Öffnungen für Zündkerzen beim Dieselmotor, wo der eigenwillige Mensch sie – trotz anderslautender Reparaturanleitung – hineinschrauben will. Nach diesem Bild haben wir uns an die Weisungen des HERRN in Bezug auf seinen Leib und den christlichen Wandel zu halten, welche wir in der Bibel finden.

Wer sich daran hält, braucht keine Angst vor harter Züchtigung zu haben, wie geschrieben steht: „Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet.“

 

Vers 32

Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.    1.Kor 11,32 

Für diesen Vers gibt es in der christlichen Landschaft die abstrusesten Auslegungen. Die bösesten gehen soweit, dass sie die Belehrungen in diesem Brief nur für die Namenschristen, also ungläubige Mitläufer in Gemeinden, verfügt sehen wollen. Damit wird echten Christen suggeriert: „Euch ist alles erlaubt, da Ihr Geliebte des Vaters seid und Gott sehr barmherzig ist!“ – Menschen bzw. Christen, die so lehren, werden ein schweres Urteil tragen!

Es ist uns wohlbekannt, dass die Welt aufgrund ihrer Sünden unter ein sehr schlimmes Gericht kommt.

Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.     Joh 3,19 

Christus kam als Retter in diese Welt, doch die Menschen liebten das Böse mehr als die Gerechtigkeit, sie liebten bzw. lieben die Finsternis mehr als das Licht. Nur schon um der Gerechtigkeit wegen, muss der Allmächtige die Sünden ahnden. Er wird es tun, wenn die Nationen am Ende des Zeitalters gerichtet werden.  

Und in jener Zeit wird Michael auftreten, der grosse Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie <noch> nie gewesen ist, seitdem <irgend>eine Nation entstand bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet.     Dan 12,1 

Bitte achten Sie auf die Aussage dieser Worte: Die Bedrängnis wird grösser sein als jene des Zweiten Weltkrieges. Sie wird grösser sein, als die Verfolgung durch Stalin in Russland während der „Stalinistischen Säuberungen“. Sie wird grösser sein als die Zeit in Solferino, Italien am 24. Juni 1859.

Die Aussage des Verses (1. Kor 11,32) ist, dass es für Christen möglich ist in die Bedrängnis der Welt zu kommen. Christen können also ebenfalls dem Urteil, das über die Welt kommt, begegnen. – Ist dieser Gedanke abwegig? Trug Israel, das herrliche Volk Gottes, nicht dieselben Leiden? Waren Israeliten verschont vom Leid in den Konzentrationslagern der Nazis? Irren wir uns nicht, und wähnen wir uns nicht in falscher Sicherheit! Christen, die diese Belehrungen verwerfen, werden vom Gericht dieser Welt, mehr noch, schmecken.

Es wird Christen, welche die Annehmlichkeiten der Welt und deren Charakter lieben, so kommen, wie es für Jonatan, dem Freund Davids, kam. Jonatan kämpfte die Kämpfe Gottes (1. Sam 13,3), er war auch für David, was dem Bild eines Christen entspricht. Er mied aber die Verwerfung Davids und zog es vor, am Königshof zu bleiben, bis Davids Reich anbrach. Als das Gericht über die Königsherrschaft Sauls, seines Vaters kam, befand sich Jonatan am falschen Ort und wurde so mit den Übrigen weggerafft. Hätte er sich ganz auf die Seite Davids geschlagen und auch die Leiden auf sich genommen, wäre ihm Herrlichkeit und Ehre zuteil worden: Er wäre im Reich die Nummer Zwei gewesen (1. Sam 23,17).

Wer die Belehrungen des HERRN nicht auf sich nehmen will, und in den „Freuden“ und Annehmlichkeiten dieser Welt auf Christi Reich wartet, wird im Gericht dieser Welt umkommen, da er sich nicht mit Christus in seiner Verwerfung eins gemacht hat (Rö 8,17; 2. Tim 2,12); ein solcher wechselt die Lager gerade so, wie es ihm am besten passt. Nun ist diesen aber gesagt, dass Leid und Freude zu einem Reich gehören. Wer für die Welt entscheidet, wird ihre kurze Freude und ihr grosses Leid teilen, wer sich für Gottes Reich entscheidet, wird das kurze Leid und die anschliessend ewige Freude teilen.

Wenn ein Christ sich für die Welt entscheidet, kommt am Ende eine zusätzliche Schmach auf ihn, da er als unethischer, fahnenflüchtiger und seinem HERRN untreu gewordener Geselle vor aller Augen offenbar werden wird.

Vers 33

Daher, meine Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander!  1.Kor 11,33 

Die Rang- bzw. Hackordnung der Welt gilt nichts in der Gemeinde Gottes. Wer in der Welt zu den Reichen und Angesehenen gehört, bekommt vielleicht in der Gemeinde den letzten Platz vom HERRN angewiesen, da der Betreffende Gefallen an dem hatte, was die Weltmenschen als hoch ansehen, vor Gott jedoch nichts gilt (Lk 16,15).

In der Gemeinde Gottes gilt der Grundsatz, dass keiner von sich zu hoch denken soll (Rö 12,3). Wenn Demut und Ehrerbietung den Vorrang haben, so würden alle aufeinander warten zum Essen. Auch würde keiner, der wenig oder nichts hat, dabei beschämt werden, da eine hohe Bereitschaft zu teilen da wäre.

Lassen Sie uns, liebe Geschwister, mit unseren Brüdern und Schwestern im HERRN so umgehen, wie es sich mit echten Brüdern und Schwestern geziemt. Die geistliche Verwandtschaft im neuen Leben ist gewichtiger als jene im Fleisch, wie es Jesus selbst darlegt (Mt 12,49.50; Lk 8,21).

Vers 34

Wenn jemand hungert, der esse daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das übrige aber will ich anordnen, sobald ich komme. 1.Kor 11,34

Mit diesem Vers deutet Paulus auf die Schwachheit der Menschen hin. Manchmal nützen Ermahnungen wenig oder sie fruchten nicht schnell genug: Wenn der Bauch leer ist und man ihn während Jahrzehnten ohne Rücksicht auf andere einfach nach Verlangen füllte, tut man sich auch in Zukunft schwer, schnell korrektes Verhalten anzunehmen. Daher will Paulus, dass Hungrige zuhause essen, um nicht durch schlechtes Benehmen und andere Geschwister beschämendes Verhalten ein Gericht des HERRN auf sich ziehen. Der HERR duldet kein übles Betragen an seinem Tisch. An der Königstafel soll nicht wie in einer Räuberhöhle Völlerei betrieben werden. Der HERR will, dass anständig und in Ehrerbietung getafelt wird.

Weitere die Gemeinde betreffende Einzelheiten wollte Paulus bei seiner Anwesenheit anordnen. Wir sehen da seine Besorgnis für die Gemeinde. Er nahm den ihm vom HERRN übertragenen Dienst ernst und deutete damit an, dass er – wie der HERR auch – sich auch um Kleinigkeiten sorgt. Aus dem Geschäftsleben wissen wir, dass nicht nur Grosses geregelt werden muss, sondern auch die kleineren Dinge. Wenn das Firmengebäude gebaut ist, muss auch der kleine Schalter mit dem Türöffner angebracht werden. Wenn schon die Welt um Kleinigkeiten besorgt ist, wie viel mehr der HERR, dessen Schöpfung bis ins kleinste Detail perfekt ist (1. Mo 1,31). Damit appelliere ich an die Aufseher in den Gemeinden: Wenn das Grobe geregelt ist, will das Feine auch noch organisiert sein. Ein vorschnelles Zurücklehnen ziemt sich nicht beim Dienst für den HERRN. Dienen wir dem HERRN in guter und vorbildlicher Art! Amen.

Kapitel 12

Vers 1

Was aber die geistlichen <Gaben> betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr ohne Kenntnis seid.    1.Kor 12,1 

Jeder Mensch hat natürliche Begabungen und Fähigkeiten. Diese wurden von Gott mit auf den Weg gegeben, wie wir es klar aus dem Wort lesen können (Mt 25,15). Der eine Mensch hat gute Vorstellungskraft, ein anderer sehr flinke Finger, wiederum ein anderer ein gutes Musikgehör. Wer im Beruf ein Aufgabengebiet hat, wo er sich drin wohl fühlt, arbeitet in der Regel innerhalb seines Fähigkeitsbereiches. Wer eine Sache gut kann, dem fällt sie auch leicht.

Neben diesen natürlichen Gaben gibt es geistliche. Was diese Gaben betrifft, möchte der Apostel, dass wir Kenntnis darüber haben. Es ist wichtig sich im Bereich des Vaters auszukennen, damit man nicht völlig blöde und unzutreffende Annahmen trifft. Die Korinther waren diesbezüglich Unkundige, wie es viele Geschwister heutzutage auch sind. Sie nahmen sie einfach, wie ein Büroangestellter in einer Automobilreparaturwerkstatt ein Unterbrecher-Schliesswinkelmessgerät für Oldtimer nimmt und damit nichts anzufangen weiss.

Wäre das Haus Gottes eine Autowerkstatt, so würde uns Sein Geist die Apparaturen darin und das Mechaniker-Handwerk erklären. Wäre es ein Bürokomplex, würde Er uns wiederum für diese spezifischen Anforderungen fit machen. – Das Haus Gottes ist weder eine Autowerkstatt noch ein Bürokomplex; es handelt sich dabei um etwas geistliches, mit geistlichen Gesetzen und ebensolchen Werkzeugen. In Bezug auf diese Werkzeuge sagt Paulus: „Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr ohne Kenntnis seid.“

Wir brauchen diesbezüglich eine Ausbildung, das ist völlig normal. Jeder Lehrmeister plant für seine Lehrlinge die Ausbildung und lässt ihn nicht gleich auf komplexe Aufgabenstellungen los. Leider verhalten sich in dieser Angelegenheit viele Christen völlig unlogisch und preschen mit irgendwelchen Annahmen los und verursachen Chaos statt Ordnung. Sie schliessen sinnbildlich das Schliesswinkelmessgerät an die Dachantenne des Fahrzeuges und wundern sich über die Anzeige, welche sie – auch bei korrektem Anschluss am Zündverteiler – ohnehin nicht interpretieren können.

Lassen Sie uns, liebe Leserinnen und Leser, von Paulus die Grundlagen der Geistesgaben im Kapitel 12 und 14 erläutern, damit wir sie verstehen und korrekt anwenden!

Vers 2

Ihr wisst, dass ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja, fortgerissen wurdet.     1.Kor 12,2 

Als Heiden machten wir in der geistlichen Welt vieles, wenn nicht alles mit, das uns Hilfe versprach. Sogar in E-Mails, die uns Glück versprechen, wenn wir sie an 10 weitere Personen versenden, sahen wir Kräfte. So verunehrten wir Gott, indem wir toten Dingen Leben und Fähigkeiten zugestanden, während wir Ihn, den Geber alles Lebens und der Quelle sämtlicher Kraft, als tot behandelten.

Wir wissen alle, dass es vor unserer Bekehrung (und sogar teilweise noch danach) so war, wie es der Geist den Gläubigen in diesem Vers in Erinnerung ruft. Es ist daher höchste Zeit, die Grundlagen der geistlichen Gesetze zu lernen, welche uns in diesem und im vierzehnten Kapitel vorgestellt werden. – Freuen wir uns auf diese Schulung des HERRN! Amen.

Vers 3

Deshalb tue ich euch kund, dass niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! ausser im Heiligen Geist.     1.Kor 12,3 

Der Geist beginnt mit seinen Ausführungen bei den Grundlagen, in einer sehr herrlichen Art. – Wie könnte es anders sein? – Er fängt mit Ausführungen an, die uns im geistlichen Gebiet Sicherheit geben. Wir sollen wissen, wie der Boden beschaffen ist, bevor wir ein Haus darauf bauen. Weise Bauleute stellen nicht einfach irgendwo ein Haus hin und untersuchen die Bodenbeschaffenheit erst danach. Auch beginnt ein Baufachmann bei einem Haus mit dem Fundament, nicht mit der Dachkonstruktion.

Wenn wir nun unter Leuten sind, erkennen wir durch diesen Grundsatz schnell, in wessen Rede Geist Gottes ist und in welcher nicht. Wenn jemand von sich behauptet, besonders fromm zu sein und von sich sagt, im Geist Jesu zu reden – gleichzeitig aber über Gott fluchen kann – wissen wir, dass wir einem Lügner gegenüber stehen. Wir stehen, um das Bild des Hausbaues zu verwenden, vor sandigem und somit für geistliche Anwendungen unbrauchbarem Boden. Bekennt aber jemand den HERRN, indem er sagt, Er sei sein Herr, so sollen wir wissen, dass dies nur durch den Geist geschehen kann.

Das sind zwei absolute Grundsätze, welche elementar sind. Damit wird echt von unecht getrennt. Der Teufel weiss das und versucht Christen mit infiltrierten Widersachern zu täuschen, indem er sie auch fromme Dinge reden lässt. Wenn Sie solchen begegnen, halten sie sich einfach stur an die Grundsätze; lassen Sie sich nicht verführen durch viele Worte. Sandiger Boden wird nicht durch viele Reden plötzlich zum Felsen. Wenn sie nicht sicher sind, ob ihr Gegenüber ein klarer Bekenner ist, fragen sie einfach nach: „Lieber Mensch, ist Jesus Christus dein Herr? Bitte bekenne es mir doch kurz mit den einfachen Worten: Ja, Jesus Christus ist mein Herr!" So verfährt im Bild jeder Baumeister beim Landverkäufer. Der Verkäufer kann lange behaupten, der Untergrund sei ideal für den Hausbau. Ein Kontroll-Spatenstich wird es bestätigen oder die Aussagen als Lügen entlarven.

Wer „Halleluja“ oder „Grosser Gott wir loben dich“ sagen bzw. singen kann, vermag noch lange nicht auszusprechen: Jesus Christus ist mein Herr! bzw. zu sagen: Herr Jesus!

Denken Sie bitte bei solchen Prüfungen von Menschen an die Gibeoniter, die gar den grossen Josua mit ihrer List hinters Licht zu führen vermochten (Jos 9ff). Entscheiden Sie nie nach dem äusseren Bild in geistlichen Angelegenheiten. Wenden sie die Instrumente an, die der Geist der Geister, der Heilige Geist, zur Verfügung stellt. Sie sind einfach, verfehlen aber ihre Wirkung nicht! Amen.

Vers 4

Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber <es ist> derselbe Geist;    1.Kor 12,4 

Mit diesem Vers sollen wir und vor allem katholisch geprägte Geschwister wissen, dass jede Geistesgabe von dem einen Geist, dem Heiligen Geist, ausgeteilt wird. Vielerorts wird die Handlungsweise Gottes falsch dargestellt, indem gesagt wird, dass Gott die Verwaltung der Gaben des Geistes verschiedenen Leuten zur autonomen Verwaltung übertragen hat. So hält sich die Lüge, dass der Suchende für die einen Anliegen zu Person X gehen muss und für die anderen zu Person Y. Teilweise wird gesagt, dass Gabenträger verstorbene und von der Kirche heilig gesprochene Personen sein sollen. Für Augenleiden soll dann die „Heilige Z“ angerufen werden und für Beinleiden der „Heilige S“. Dabei wird zwar nicht verleugnet, dass Gott alles in allem ist; seine Verwaltung und Wegleitung zum Heil wird jedoch völlig falsch dargestellt.

Der Heilige Geist kann zwar einzelnen Menschen beispielsweise die Gabe der Heilung (zur Weitergabe) zur Verfügung stellen; es ist aber der Geist, also Gott selbst, der damit wirkt. Es gibt keinen Mittler dazwischen, der voll (völlig autonom) für das eine oder andere Gebiet zuständig ist. Wir wissen aus der Schrift, dass Paulus durch den Geist heilen konnte (Apg 28,8). Die Kraft dazu kam aber durch den Geist. Paulus war wie ein Kanal, durch den der Geist floss. Paulus hatte die Fähigkeit nicht in einer Art, dass sie aus ihm selbst kommen konnte. Er war nicht der Heiler; er war nur Kanal. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Menschen haben beschränkte Fähigkeiten in sich, über die sie völlig autonom entscheiden und verfügen können. Ich habe als Mensch einen gewissen wirtschaftlichen Wert, da ich Dinge kann, die nicht jeder lernt und zu tun vermag. Dafür hat mein Nächster Fähigkeiten, die ich nicht habe. Ich stelle ihm meine Fähigkeiten gegen Bezahlung zur Verfügung und er stellt mir die seinen gegen eine Entschädigung zur Verfügung. So funktioniert die Wirtschaft. – Geistliche Fähigkeiten werden nicht in einer Art übertragen, dass man absolut autonom darüber verfügen kann. Sie funktionieren nur in der Abhängigkeit des Geistes. Wer Gott dient, muss korrekt wandeln und abhängig bleiben (Ps 101,6). Wie es schon der Psalm erwähnt, spricht es der HERR persönlich aus:

Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht, denn es ist niemand, der ein Wunder in meinem Namen tun und bald darauf schlecht von mir reden kann.    Mk 9,39 

Wenn Sie also von diesem herrlichen Geist Gottes etwas wollen, so ist es eine unbedingte Voraussetzung, sich vor Gott zu demütigen und Ihn als den HERRN zu anerkennen. Wer das nicht tun will und doch auf übernatürliche Art geheilt werden möchte bzw. sogar geheilt wird, kann davon ausgehen, dass die Kraft für seine Heilung aus der falschen Quelle kam. Ein solcher hat sich den falschen Leuten zugewandt, nämlich Menschen, die andere Menschen „heilen“, ohne dass sich der Suchende vor Gott in Ordnung bringen muss. Solche Heilungen sind nur temporär und keineswegs nachhaltig, da auf diese Art dem furchtbaren und Verderben bringendem Gericht doch nicht ausgewichen werden kann.

Wer also nach einer Gabe trachtet, die der Geist austeilt; wer ein Kanal des Geistes Gottes werden möchte, darf das nie in der Haltung des Simon* (*nicht Simon Petrus) tun, wie geschrieben steht:

17 Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist!   
18 Als aber Simon sah, dass durch das Auflegen der Hände der Apostel der Geist gegeben wurde, brachte er ihnen Geld
19 und sagte: Gebt auch mir diese Macht, dass der, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt!   
20 Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei!
21 Du hast weder Teil noch Recht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott.
22 Tu nun Busse über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde!   
23 Denn ich sehe, dass du voll bitterer Galle und in Banden der Ungerechtigkeit bist.     Apg 8,17-23 

Wir lernen daraus, dass der Geist seine Gaben nicht einfach ohne Weiteres an Personen austeilt. Wer vor Gott nicht korrekt wandelt, soll logischerweise auch kein speziell ausgerüsteter Botschafter sein, der mit seiner Befähigung die Leute nur weiter in die Irre treibt. Auch sehen wir aus dem Ganzen, dass die Wirkung ausschliesslich vom Geist kommt. Geistbegabte Menschen sind nicht wie Schreiner, die jedem, der da kommt, ein Möbelstück herstellen können. Wenn ein böser Mensch von einem Geistbegabten etwas will, und dem Mann Gottes ist es verborgen, dass ein Sohn der Bosheit vor ihm steht, so kann der Geist sich zurückhalten: Er fliesst nicht durch den geistbegabten Christ. – Jesus war in seiner Eigenschaft als Mensch geistbegabt. Auch bei Ihm sehen wir, dass der Geist nur floss, wenn er in der richtigen Haltung angefordert wurde. Viele Menschen berührten Ihn, doch nur bei einer geplagten Frau floss der Geist zur Heilung.

43 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluss behaftet war und, obgleich sie ihren ganzen Lebensunterhalt an <die> Ärzte verwandt hatte, von niemand geheilt werden konnte,
44 kam von hinten heran und rührte die Quaste seines Gewandes an; und sogleich hörte ihr Blutfluss auf.   
45 Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Als aber alle es abstritten, sprach Petrus: Meister, die Volksmengen drängen und drücken dich!   
46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe gespürt, dass Kraft von mir ausgegangen ist.   
47 Als die Frau aber sah, dass sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd und fiel vor ihm nieder und berichtete vor dem ganzen Volk, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt habe und wie sie sogleich geheilt worden sei.     Lk 8,43-47 

Ganze Volksmengen drückten Jesus, doch nur einer einzelnen Frau brachte die Berührung Kraft und Heilung. Das ist sehr bezeichnend! Die Kraft des Geistes kann demnach nur angefordert werden, wenn die Haltung des Suchenden stimmt. Das ist ein Grundsatz. Eine weiterer Grundsatz, den wir erörtert haben, ist, dass der Geist autonom entscheidet, wen er als Kanal der Segnung einsetzt; das heisst, dass der Geist entscheidet, wem er die Gabe übertragen will, durch welche Person spezieller geistlicher Segen fliessen darf, wie unter vielem anderem die Heilung von Krankheiten oder prophetische Voraussagen. Seine Segnungen können also nicht in jeder Haltung bei willkürlich ausgewählten Personen abgeholt werden. – Wer sich diese Belehrungen zu Herzen nimmt, lässt sich nicht von bösen Heilern hinters Licht führen. Amen.

Vers 5

und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und <es ist> derselbe Herr;     1.Kor 12,5 

Wie es sich der Geist nicht nehmen lässt, die Gaben zu wirken, setzt der HERR persönlich die Dienste ein bzw. beruft Menschen für die vorhandenen Dienste im Reich.

Wir sehen, wie Er als einer, der in ein fernes Land geht – wo Er sich also aufmachte, für eine gewisse Zeit abwesend zu sein – vor seiner Abreise Menschen mit verschiedenem Vermögen dazu ausrüstete, so, wie es ein jeder zu tragen vermochte.

14 Denn <es ist> wie <bei> einem Menschen, der ausser Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und ihnen seine Habe übergab:   
15 und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit, und reiste ausser Landes.     Mt 25,14.15  

Der HERR persönlich ist der Ausrüster, wie er auch persönlich den Seinen die Plätze anweist:

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit?     Mt 24,45 

Der HERR weist den Knechten den Platz an und überträgt ihnen die zu verrichtenden Arbeiten (Apg 9,10). Es ist zwar möglich, dass junge und noch ungeübte Geschwister von älteren einen Platz angewiesen bekommen; es ist aber wichtig, dass sich jedes der Geschwister fragt, ob der angezeigte Platz auch im Sinn des HERRN ist, welcher die oberste Weisungsbefugnis inne hat (Rö 14,4). Dass die älteren Gemeindeglieder ihre Anweisungen vorher mit dem HERRN besprechen, setze ich voraus.

Vers 6

und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber <es ist> derselbe Gott, der alles in allen wirkt.     1.Kor 12,6 

Es ist völlig offenbar, dass Gott nicht nur als Urheber hinter erbetenen Dingen wirkt. Er wirkt auch, wenn wir glauben, er würde ausruhen.

14 Wenn er sein Herz <nur> auf sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Atem zu sich zurückzöge,
15 so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden, und der Mensch zum Staub zurückkehren.   Hiob 34,14.15 

Wir sehen im Lukasevangelium, dass der Geist des Menschen gottgewollt im Menschen sein muss, damit der Mensch am Leben bleibt. Gott muss nicht einmal mit den Finger schnippen; er muss den Geist des Menschen nur begehren und schon legt sich der Mensch in den Staub. Gott ist es, der alles in allem wirkt, wie wir direkt aus seinem Munde es in Erfahrung bringen können. Lesen wir dazu einen kleinen Abschnitt aus einer Rede Gottes:

34 Erhebst du deine Stimme zum Gewölk, so dass der Schwall des Wassers dich bedeckt?
35 Entsendest du Blitze, so dass sie hinfahren und zu dir sagen: Hier sind wir?   
36 Wer hat Weisheit in den Ibis gelegt, oder wer hat dem Hahn Verstand gegeben?   
37 Wer kann in Weisheit die Wolken zählen, und die Krüge des Himmels – wer kippt sie um,   
38 wenn das Erdreich hart wird wie gegossenes Metall und die Schollen aneinanderkleben?      
39 Erjagst du für die Löwin die Beute, und stillst du die Gier der jungen Löwen,   
40 wenn sie sich auf <ihren> Lagern ducken, im Dickicht auf der Lauer sitzen?   
41 Wer stellt dem Raben sein Futter bereit, wenn seine Jungen zu Gott schreien, umherirren ohne Nahrung? 
1 Kennst du die Wurfzeit der Steinböcke? Beobachtest du das Kreissen der Hirschkühe?   
2 Zählst du die Monate, die sie erfüllen müssen, und kennst du die Zeit ihres Werfens?  Hiob 38,34-41; 39,1.2  

Aus dieser Rede geht klar hervor, dass Gott sich nicht nach der Erschaffung der Erde zurückzog. Er kümmert sich um grosse, wie auch um ganz kleine Dinge, wie die tägliche Fütterung der Raben. Gott wirkt jeden Tag und – das ist ganz gewiss und wir sollten es nie vergessen – Er ist allein zuständig für den Fortbestand alles Lebens. Er ist es in einer totalen Art. Es ist nicht so, dass wir bei einem Rückzug Gottes langsam verscheiden und mangels Speise verhungern würden. Wir würden alle sofort verscheiden, würde Er sich einen Augenblick zurückziehen.

Erkennen Sie das liebe Leserinnen und Leser? Wenn Sie es wirklich fassen können, wird es ihr Leben erleichtern. Sie werden in schweren Zeiten nicht anfangen zu sagen: „Gott, wo bist du?“ – Was glauben Sie, um wie viele Raben kümmert Er sich gerade jetzt? Und um wie viele Möwen? Dazu sagt Er, dass der Mensch einen viel grösseren Wert hat als Tiere (Mt 10,31). Wie er sich um die Raben kümmert, achtet Er noch viel mehr auf die Menschen. Dabei ist er natürlich nicht naiv – fern soll ein solcher Gedanken von Verständigen sein – Er sieht dabei klar, wer gut und wer böse ist (Spr 5,21; 15,11; Ps 34,16; Spr 11,21; Jer 16,17).

Gott hat alles in der Hand; Er sei gepriesen in Ewigkeit! – Diese drei Verse (1. Kor 12, 4-6) zeigen uns deutlich auf, dass Gott alles in der Hand hat und „das Heft“ nicht aus der Hand gibt, weder in weltlichen Angelegenheiten und noch viel weniger in Fällen, die sein Haus betreffen! Amen!

 

Vers 7

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben.     1.Kor 12,7

Die Gabe des Geistes, etwas also, das offensichtlich als vom Geist gegeben ist - Er offenbart sich durch sie - ist zum Nutzen da. Sie wird nicht gegeben, damit wir sie in unseren Lüsten vergeuden oder sie für das eigene Ansehen missbrauchen, wie geschrieben steht:

ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.     Jak 4,3

Wer im Wachstum fortschreitet und eine echte demütige Haltung gegenüber Geschwister hat und danach trachtet, ihnen zu dienen; ein solcher bzw. eine solche hat Potential, eine Gabe des Geistes zu erhalten. Wer aber, wie erwähnt, des Ansehens willen darum bittet, wie es der Zauberer Simon anfänglich tat (Apg 8,18ff), zieht anstelle einer Gabe des Geistes Gericht auf sich.

Geistesgaben werden praktisch ausschliesslich zum Wohl der Versammlung gegeben. Sie dienen dem Aufbau der Geschwister, wie wir sehen werden. Sie sind zum Nutzen gedacht, nicht zum Schmuck einer Versammlung oder gar Einzelpersonen. Wer geistbegabt sein will, soll zuerst in sich gehen und sich ernsthaft fragen, ob er überhaupt den Willen hat, zu dienen. Eine erbetene Gabe ist wie ein Werkzeug für die Allgemeinheit, zum Beispiel wie ein Kommunalfahrzeug, das die öffentlichen Gehsteige säubert. Die Gabe ist nicht wie ein Sportwagen, der den Gabenträger in eine höhere soziale Schicht hebt. Der Sportwagen ist für den Einzelnen, das Kommunalfahrzeug ist für die Gemeinschaft. Die Gaben des Geistes sind in der Hauptsache für die Gemeinschaft.

Vers 8

Denn dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist;     1.Kor 12,8

Hier und in den folgenden Versen werden einige Gaben genau umschrieben und mit Namen genannt, wie zum Beispiel das Wort der Weisheit oder jenes der Erkenntnis. Alle Gaben des Geistes kommen vom selben Geist. Es verhält sich nicht so, dass etwas von Heiligen X gegeben wird und anderes von der „Schutzpatronin“ Y. Auch wissen wir heute, dass die Empfänger solche Geschwister sein sollten, welche die dienende Haltung zu ihrer eigenen gemacht haben. Ein grosses Haus braucht viele Diener, die es in Schuss halten. Wenn nur Sportwagenbesitzer* (*siehe Kommentar zu 1. Kor 12,7) bzw. stolze Herren und Damen das Haus bewohnen, wird es weder bewacht noch gereinigt.

Im Instandhaltungsprozess, im Dienst am Haus, das ist die Gemeinde, begegnen wir vielen Situationen, wo Weisheit oder Erkenntnis gefordert werden.

4 Wenn ihr nun über alltägliche Dinge Rechtshändel habt, so setzt ihr die <zu Richtern> ein, die in der Gemeinde nichts gelten?   
5 Zur Beschämung sage ich es euch. Also gar kein Weiser ist unter euch, der zwischen Bruder und Bruder entscheiden kann?     1.Kor 6,4.5

Wie wir aus diesen Versen sehen, kann es zu Rechtsstreitigkeiten kommen, wo Weisheit gefragt ist. Zum Beispiel wäre im Fall bei den Korinthern, welcher im vorausgehenden Vers erwähnt wird, wenigstens Folgendes vonnöten gewesen:

Ein jeder hat zuerst in seiner Sache recht; kommt aber der andere zu Wort, so findet sich's. Spr 18,17

Jenem, der in einer Rechtssache als erster auftritt, dem schenkt man in der Regel zuerst Glauben. Weise Menschen wissen aber, dass sie überhaupt kein Urteil bilden dürfen, bevor nicht mindestens beide Parteien zu Wort gekommen sind. – Ein vom Geist ausgebildeter Weiser kann zwischen Bruder und Bruder unterscheiden; es ist beschämend und verwerflich, wenn zwei Christen vor Ungläubigen Rechtshändel austragen. Auch ist es beschämend für eine Gemeinde, wenn solche Gaben ausbleiben; da kommt unweigerlich die Frage auf, ob denn anstelle von dienenden Christen nur stolze Diven darin verkehren.

Das Wort der Erkenntnis unterscheidet sich nicht sehr wesentlich vom Wort der Weisheit. Ein Wort, das Erkenntnis beinhaltet ist in der Regel auch mit Weisheit versehen und umgekehrt. Erkenntnis geht wohl eher in den Bereich der Prophetie, wo eine verborgene Sache aufgedeckt wird im Gegensatz zum Wort der Weisheit, das im Wesentlichen auf tiefgründigen Erfahrungswerten fusst. Meines Erachtens ist der Übergang vom einen zum anderen fliessend.

Vers 9

einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist,     1.Kor 12,9 

An Gott muss jeder Einzelne selbst glauben (Mk 11,22). – Wieso gibt der Heilige Geist eine Gabe des Glaubens, welche, wie wir inzwischen erörtert haben, für die Gemeinschaft sein soll? – Weil die Gemeinschaft manchmal im Kollektiv den Mut verlieren kann. Denken wir einmal an irgendeine verfolgte Gemeinde, welche insgesamt den Mut verloren hat. Darin kann jemand, der über diese Begabung verfügt, aufstehen und direkt allen neuen Mut zusprechen, wie es der Prophet im Alten Testament tat, wo das Heer im Kollektiv den Mut verloren hatte (2. Kö 3,9.10).

Weiter gibt es die Gabe der Heilung. Es gibt tatsächlich Gläubige, welche die Gnade vom Geist empfangen haben, die Heilung bewirkt. Diese Gnadengabe ist echt und wirkungsvoll. Sie wirkt nicht so, wie wir es von sogenannten „Heilungsgottesdiensten“ kennen, welche nicht selten überhaupt keine Heilung bringen. Einen Heilungsgottesdienst zu initialisieren, ohne die Gewissheit vom HERRN zu haben, dass überhaupt von Ihm Heilungen angeordnet sind, ist meines Erachtens nicht der Weg. Ein anschliessender Flop verunsichert die Gemeinschaft viel mehr und trägt überhaupt nicht zur Stärkung des Glaubens bei.

Die Gabe der Heilung wird vom Geist nicht ohne weiteres verliehen. Ein Mensch, der heilen kann, hat ein mächtiges Instrument in der Hand, mit dem er viele in seinen Bann bringen könnte. Der Geist wird vor der Verleihung dieser Gabe sehr genau hinschauen, wie es mit der Demut eines möglichen Kandidaten oder Kandidatin bestellt ist. – In der heutigen Zeit der Aufgeblasenheit in den (westlichen) Gemeinden ist es nicht verwunderlich, dass diese Gabe praktisch „ausgestorben“ ist.

Lassen Sie sich von Möchtegern-Heilern nicht verführen! Die Scharlatanerie grassiert diesbezüglich und nützt die Sehnsucht nach Gesundheit bei kranken Menschen schamlos aus. Ein mit Heilung begabter Mensch des HERRN heilt richtig und bekämpft nicht nur irgendwelche Symptome, dazu völlig kostenlos. Krebs, Blind-, Lahmheit oder sonstige Gebrechen müssen auf Geheiss des Begabten gänzlich weichen. Oder denken Sie, Gott heile wie ein Quacksalber? Erinnern Sie sich an die Heilungen Gottes, welche durch seine Knechte geschahen (2. Kö 5,9ff; Apg 3,1ff)? Waren diese effektiv?

 

Vers 10

einem anderen aber Wunderwirkungen, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen <verschiedene> Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen.     1.Kor 12,10 

Jedes Glied am Leib Christi kann mit einer oder mehreren Geistesgaben ausgerüstet werden. – An dieser Stelle werden weitere Gaben vorgestellt: Die der Wunderwirkung, Weissagung, Unterscheidung der Geister, der Sprachenrede sowie jene der Auslegung dieser Sprachen. Betrachten wir die hier aufgeführten Gaben der Reihe nach.

Eine Heilung ist natürlich auch eine Wunderwirkung, doch da die Gabe der Heilung speziell erwähnt wird, möchte ich an dieser Stelle auch einen Unterschied zwischen Krankenheilungen und allgemeinen Wunderwirkungen machen. Wo finden wir Wunderwirkungen in der Schrift, die durch Knechte des HERRN geschehen sind, ausser jenen, die der HERR persönlich vollbracht hat? – Wir finden zwei aus vielen im Alten Testament in folgenden Stellen: 2 Kö 1,10; 1. Chr 21,26. Im Neuen Testament sehen wir in der Apostelgeschichte (12,7ff), wie eine Wunderwirkung Wirklichkeit wurde, nämlich die herrliche Freisetzung des Petrus durch das Gebet der Gemeinde. Und Philippus wurde durch Wunderwirkungen von dem einen zum anderen Ort transferiert (Apg 8,39.40). Dazu trieb Philippus Dämonen aus, was in den Bereich „Wunderwirkungen“ gehört wie, menschlich gesehen, auch in jenen der „Heilungen“, je nachdem, aus welchem Blickwinkel das Wunder betrachtet wird (Apg 6,7).

Mit Weissagungen sagt ein Mensch durch den Geist Dinge mit einer übernatürlichen Sicht voraus. Er spricht von Ereignissen, die nicht zweifelsfrei voraussehbar sind, doch mit einhundert prozentiger Trefferquote Wirklichkeit werden.

Die Trefferquote bei Menschen, die sagen, sie seien Propheten des HERRN, ist für den Beobachter sehr wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine prophetische Rede, eine Weissagung also, muss in allen Punkten zu einhundert Prozent erfüllt werden. Wenn von fünf vorhergesagten Punkten nur deren drei oder vier eintreffen, der fünfte Punkt aber nicht, ist die Rede nicht vom HERRN, sondern es war aus psychologisch-taktisch manipulierte „Weissagung“, wie wir sie aus Horoskopen und der Fernsehscharlatanerie kennen. Dabei werden Suchende anfänglich taktisch geschickt über das Umfeld ausgefragt und anschliessend wird eine Voraussage aus den gesammelten Informationen zusammengeschustert, welche sehr glaubwürdig erscheint und einen logischen Verlauf des Lebens darstellt. Die Prognosen sind selten präzise formuliert, sodass sie immer auf irgend eine Art als erfüllt angesehen werden. – Die Weissagung des HERRN unterscheidet sich völlig davon, liebe Leserinnen und Leser. Jene des HERRN ist genau, völlig präzise und trifft in jedem kleinen Punkt ein, ohne dass irgendetwas Dazugehöriges ausgelassen wird. So weissagte beispielsweise Agabus, ein echter Prophet des HERRN. Seine zwei Voraussagen trafen beide zu einhundert Prozent ein (Apg 11,28; 21,11).

Hören Sie nur auf echte Propheten! Es gibt viele falsche, auch unter echten Geschwistern, da der Profilierungsdrang bei einigen noch hoch ist. Es ist solchen manchmal gar nicht bewusst, was sie durch falsche Aussagen alles anrichten. Da könnte ich noch viel darüber schreiben.

Lassen Sie sich in Ihrem Wandel ja nicht durch falsche Propheten verführen oder in trügerische Sicherheit leiten. Die Folgen daraus können irreparable Schäden und Verluste sein! Amen!

Bei der Gabe der Unterscheidung der Geister geht es vor allem darum, zu erkennen, was von irgendwelchen Geistern kommt und was vom Heiligen Geist. Irgendwelche Geister können Christus auch als Sohn Gottes bezeichnen, doch sie tun es erstens nie passend und zweitens akzeptiert der HERR keine „Hilfe“ von der bösen Seite (Mk 1,25). Alle Interaktionen von der bösen Seite sind böse, niemand kann seinen Charakter vor dem HERRN verleugnen, auch wenn er oberflächlich gesehen fromm wirkt. Der Geist, der im bereits vermerkten Vers erwähnt wird (Mk 1,25), bekennt zwar den HERRN, hat aber einen Menschen in Beschlag genommen. Sollte ihm der HERR jetzt für das Bekenntnis danken, obschon der Geist mit seiner Tat einen Menschen knechtet, wo der HERR doch die Freiheit für die Menschen will? – Ganz sicher nicht!

Paulus konnte auch unterscheiden, ob die Quelle der Botschaft gut oder böse war:

17 Diese folgte dem Paulus und uns nach und schrie und sprach: Diese Menschen sind Knechte Gottes, des Höchsten, die euch <den> Weg des Heils verkündigen.   
18 Dies aber tat sie viele Tage. Paulus aber wurde unwillig, wandte sich um und sprach zu dem Geist: Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, von ihr auszufahren! Und er fuhr aus zu derselben Stunde.    Apg 16,17-18 

Sollte nun Paulus diesem Geist danken, da er seinen Weg zu bahnen schien? – Ganz sicher nicht! Ein solcher Geist wirkt nicht nach dem Sinn Christi, wenn er zwar die Wahrheit über den Verkündiger sagt, aber gleichzeitig einen Menschen unterwirft und gefangen hält, wo der HERR – wie erwähnt – die Freiheit der Menschen will.

Diese Beispiele sind ziemlich offensichtlich, und ich bin mir sicher, dass es viel subtilere Interaktionen solcher Geister gibt. Diesen sind wir aber nicht hoffnungslos ausgeliefert, denn der HERR achtet auch heute im Guten für die Gemeinde, wie er es damals tat:

Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Gemeinde.  Eph 5,29  

Wir sollen uns also nicht fürchten vor der Geisterwelt; der Heilige Geist ist in keiner Disziplin zu schlagen. Er ist ein Teil der allmächtigen Gottheit; wer sollte Ihr widerstehen? Lasst uns aber aufhorchen, wenn ein geisterfülltes und gottesfürchtiges Glied der Versammlung eine scheinbar gut und fromm daherkommende Sache in Frage stellt. Es fielen schon einige Gemeinden, weil ihre Projekte zu gross waren und nicht durch geistbegabte Menschen geprüft wurden. Eine Masche von bösen Geistern kann sein, zu suggerieren ein frommes Projekt anzureissen, das für die Gemeinde einige Schuhnummern zu gross ist. Die Gemeinde lässt sich darauf begeistert einspannen, da sie denkt, es sei vom HERRN und erlebt in der Folge ein finanzielles Fiasko sowie eine Demütigung vor den Ungläubigen. Ich habe von solchen Projekten gehört und könnte Ihnen ein sehr tragisches nennen, wo die Gemeinde offensichtlich nicht nach dem tatsächlichen Willen des HERRN fragte und sich dadurch finanziell und auch sonst total ruinierte.

Am Ende von Vers 10 wird die Sprachenrede erwähnt. Das ist auch eine Gabe des Geistes Gottes, die, wie alle anderen Gaben, übernatürlich ist. Sie wird auch „Zungenrede“ genannt. Bei dieser Gabe handelt es sich schlicht um eine fremde Sprache. Da geht es nicht um etwas völlig Mystisches und Undefinierbares, auch wenn „Zungenrede“ im deutschen Sprachgebrauch weniger als Definition für eine fremde Sprache verwendet wird. Aber beispielsweise im Italienischen wird „Sprache“ mit „Zunge“ übersetzt. Dort fragt man einen Ausländer wörtlich, in welcher „Zunge“ er denn spreche.

Den einen gibt der Geist, dass sie in einer oder mehreren fremden Sprachen sprechen können. Wiederum anderen gibt Er das Verständnis dieser Sprachen. Diese können das in fremder Sprache Gesprochene übersetzen. – Auf die Sprachenrede und deren korrekten Gebrauch möchte ich später noch ausführlicher kommen, sobald wir zu weiteren entsprechenden Versen stossen. Die Rede in fremden Sprachen ist eine wenig verstandene Gabe, über die viel geredet wird, aber deren Anwendung und Nutzen im Verständnis vieler Christen noch völlig im Dunkeln liegen.

Vers 11

Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will. 1.Kor 12,11

Obwohl dieser Vers sehr schlicht und einfach zu verstehen ist, tun sich viele schwer damit und verhalten sich so, als ob er nicht da stünde. Der Geist wirkt und Er teilt so aus, wie er will; das ist die Aussage. – Zu „der Geist wirkt“ ist daher zu beachten, dass Gott wirkt und nicht der geistbegabte Mensch. Der geistbegabte Mensch ist „nur“ ein Kanal, durch den er wirkt. Die Kraft kommt aber aus Gott und nicht aus dem Menschen. Somit sind Stolz oder falsche Erhöhung durch Menschen fehl am Platz.

Weiter ist zu beachten, dass der Geist austeilt, wie er will. Er teilt nicht aus, wie ich will, wie die Ältestenschaft will, wie ein Vereinsgründer will, wie die Reichen in der Gemeinde wollen oder wie jemand will, der – illegal – ein Klassensystem in die Gemeinde Gottes eingeführt hat. Durchaus kann es sein, dass der Geist einem sogenannten „Nobody“, einer Person, die keinen Status in der Gemeinde hat, eine begehrte Gabe gibt, wie zum Beispiel die Gabe der Lehre und Wortauslegung. Die Herzenshaltung und die natürlichen Fähigkeiten sind massgebend bei der Vergabe der Geisteswerkzeuge.

Ich rede da aus eigener Erfahrung: Schon als Jugendlicher fragte ich mich in Bibelstunden, wieso da über einem Text gerätselt wird, wo die Aussage doch völlig klar auf der Hand liegt. – Ich wusste damals noch nichts von meiner Befähigung. – Als Erwachsener musste ich merken, dass Geistesgaben, welche nicht dem Kreis von „Auserwählten“ gegeben waren, Gaben also, die Personen ausserhalb der Führerschaft geschenkt wurden, überhaupt nicht willkommen waren. Es passte dem Klerus* überhaupt nicht, dass einem „Niemand“ Ehre von Gott zukam (*das ist eine von Menschen gemäss der Bibel illegal eingeführte Klasse, die über dem normalen Volk, den sogenannten Laien, schwebt). Deshalb wurde mir wiederholt das Reden verboten, obschon mir die „Leiter“ keine falschen biblischen Aussagen nachweisen konnten. Sie führten daher fadenscheinige Gründe für das Redeverbot an, wie zum Beispiel, ich würde die Zuhörerschaft beunruhigen, wenn ich beispielsweise vom Gericht über Gottes Haus (1. Petr 4,17) sprach. Damit offenbarten sie gleichzeitig, dass sie die Auswahl des Geistes nicht akzeptierten und selbst entschieden, was aus der Bibel weitergegeben werden darf und was nicht.

Lassen Sie uns nicht so miteinander umgehen, Geschwister! Akzeptieren wir die Auswahl des Geistes und lassen Sie uns demütig bleiben, wenn wir mit einer Gabe ausgerüstet werden. Der Geist teilt aus, wirkt und entscheidet, wem er was austeilt.

Vers 12

Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind: so auch der Christus.     1.Kor 12,12    

Dieser Vers erklärt in ganz einfachen Worten das Vorangegangene: Da der Leib einer ist, so sind die vielen Glieder, alle Christen also, Glieder des einen Leibes. Ein Leib hat einen Vater (Gott), ein Haupt (Christus) und einen Geist (den Heiligen Geist). – Wer sich das zu Herzen nimmt, wird sich der Auswahl des Geistes, der die Gaben austeilt, unterwerfen sowie auch den Weisungen des Hauptes. Weiter wird ein Solcher die alleinige Souveränität des Vaters akzeptieren und keine weiteren „Kraftquellen“ in seinem Leben dulden. Sogar das Vertrauen auf die eigene Stärke verpönt ein geistlicher Mensch (Ps 33,17; 84,6; besonders Jer 17,5).

Vers 13

Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.     1.Kor 12,13  

Alle Christen sind im Bild der Taufe zu einer Körperschaft gemacht worden, egal, was für eine Abstammung sie vorher hatten. Ob die Herkunft in Gottes alttestamentlichen Volk war oder aus den Nationen; der Mensch, der Christ wird, wird durch die Taufe zu etwas Neuem und in den Leib Christi hineingewoben.

Die Taufe eignet sich hervorragend, um diesen Vorgang bildlich darzustellen. Der Mensch, der gläubig wird, muss vollständig – das ist sinnbildlich gemeint – sterben. Sein alter Mensch muss total vom Wasser bedeckt werden. Durch die Taufe geht er in den Tod. Anschliessend kommt er – ich benutze immer noch die Bildsprache – als neue Kreatur (Eph 2,15) aus dem Wasser. Die Zeugung zu dieser neuen Kreatur geschieht durch den einen Geist (Lk 1,35); wie es damals war, ist es auch heute.

Wir Christen haben weder verschiedene Väter und Herren, noch wurden wir durch verschiedene Geister gezeugt. Hier liegt die Betonung auf dem gleichen Samen, aus dem wir hervor kommen. Wir sind nicht beispielsweise die 79. Generation nach den ersten Christen, den ersten geistgezeugten Menschen. Die biblische Aussage ist, dass wir zur ersten Generation gehören. Kommen neue Menschen zum Glauben, werden sie zum selben Leib gefügt und gezählt, dem Leib Christi. Es gibt nur einen Leib Christi. Daher sage ich es nochmals: Es verhält sich nicht so, wie damals bei Adam und Eva, welche von Gott geschaffen wurden. Ihre Kinder stammten bereits nur von ihnen ab, also von Adam und Eva und nicht direkt von Gott. Je weiter dieses Geschlecht ging, desto mehr Väter und Mütter gab es. – Bei Christen gilt dieses Prinzip nicht, jeder Christ wird durch Gott, dem einen Geist gezeugt und kommt in den einen Leib, den Leib Christi.

Vers 14

Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.    1.Kor 12,14  

Der Heilige Geist bringt immer sehr schön veranschaulichte Beispiele. Die Gemeinde Christi stellt er als „Leib Christi“ dar und zeigt damit unmissverständlich, dass es darin nicht nur für Menschen aller Farben und Formen Platz hat, sondern schlicht für JEDES Individuum, das von Christus angenommen wird. Kein einziger Mensch kann sagen, ich passe nicht in den Leib, ich habe keine bzw. die falschen Fähigkeiten. In einem Leib, der so komplex ist wie der menschliche, werden alle benötigt, ob sie viel oder wenig mitbringen. Für die Nahrungsaufnahme und Energiegewinnung braucht es in einem Leib so viele verschiedene Elemente, dass es, auf Menschen bezogen, bereits ein Heer an Evangelisten, Lehrer, Menschen mit redaktionellen Fähigkeiten, Schriftendrucker, -verteiler, Mut-Macher, Mütter und Väter braucht, um alle Christen und ihre Kinder mit geistlicher Nahrung zu versorgen. Diese Aufzählung ist noch lange nicht vollständig und wir sprechen hier wohlgemerkt nur von der Nahrungsaufnahme im bildlichen Sinn. Damit meine ich alle Elemente und Glieder, die es braucht, damit die Gemeinde Gottes zu ihrem geistlichen Essen kommt, dem Worte Gottes.

Denken Sie nie zu gering von sich! Es braucht jeden Einzelnen dringend im Leib Christi. Jeder soll seine Verantwortung und Aufgabe wahrnehmen! So klein sie auch ist: Sie muss erledigt werden. Wenn in einem Leib nur das kleinste Gen defekt ist, kann der ganze Leib nur eingeschränkt funktionieren. Auch bei vorübergehenden Infekten braucht es viel Pflege: Entzündet sich beispielsweise das Nagelbett der grossen Zehe – es gibt dabei einen sogenannten Umlauf – so ist der ganze Leib eingeschränkt, da es im Gehen schmerzt. Ein solcher Umlauf kann im weiteren bei schlechter Blutzirkulation zu einem grossen Problem werden. Denken Sie an Patienten mit Zuckerkrankheit, dessen Füsse mangels Durchblutung besondere Pflege brauchen.

So, wie jedes Gefäss im Leib des Menschen wichtig ist, ist jedes Glied im Leib Christi von höchster Bedeutung: Es wurde durch die Zeugung des Geistes passend gemacht. Niemand darf daher sagen: Ich bin unbedeutend und nutzlos. Ich empfehle jeder Gemeindeleitung, nicht höher von sich zu denken, als es sich geziemt und ja keine Geschwister zu unterdrücken oder ihnen im (falschen) Stolz zu signalisieren, dass sie wertmässig tiefer als andere liegen. Ein solches Gebaren wird vom HERRN niemals toleriert! Es wäre im Bild gesehen, welches uns der Geist mit dem „Leib Christi“ gegeben hat, so, wie wenn das Auge dem Immunsystem sagen würde: Ich brauche dich nicht! Wenn sich das Immunsystem dadurch abschaltet, wird das Auge beim nächsten harmlosen Grippevirus erlöschen und anfangen zu verwesen, weil es ein dringend benötigtes System verhöhnt hatte.

Wir sind viele und jeder bzw. jede wird benötigt und soll den vom HERRN angewiesenen Platz ausfüllen! Wer ihn nicht ausfüllt, bringt den Leib in Gefahr und Bedrängnis. Bitte tun wir das in der Eigenverantwortung einander zuliebe, was wir einander als Glieder des Leibes schulden. Der HERR wird uns dazu seinen Segen geben! Amen.

Vers 15

Wenn der Fuss spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört er deswegen nicht zum Leib?  1.Kor 12,15  

In erster Linie ist die Zugehörigkeit zum Leib viel wichtiger als die Aufgabe. Das ist eine direkte Aussage von höchster Instanz (Lk 10,20). Der Dienst ist nicht höher zu gewichten als die Abstammung, welche über die Zugehörigkeit zur Familie Gottes entscheidet. Irgendeinen Dienst kann jeder Mensch ausüben, doch längst nicht jeder kann von sich sagen, dass er ein echter Sohn Gottes ist und dass er vom Heiligen Geist gezeugt wurde.

Unsere Sicht sollte bei der Ableitung unseres Wertes nicht auf den Aufgaben liegen, weil die Aufgabe bzw. ein Amt nicht die Informationen zur Wertberechnung liefern. Oder was ist wichtiger, das Herz oder die Lungen? – Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, was ich meine? Es braucht beide Organe für das Funktionieren des Leibes! Daher soll ein Glied nicht aufgrund des angewiesenen Platzes sagen, es gehöre nicht zum Leib. Alle wiedergeborenen Menschen, die echten Nachfolger Christi also, gehören zum Leib. Sie gehören dazu, weil Gott Sie dazu fügt, nicht aufgrund eines Ihrer Werke. – Glauben Sie, dass Jesus Christus Gottes Sohn und der Retter aller ist, die Seinen Namen anrufen (Rö 10,9)? Wenn Sie das so glauben können, gehören Sie zum Leib Christi und sind ein wertvolles Glied. Der HERR hat an Ihnen ein grosses Interesse und lässt nicht zu, dass Sie aus der normalen Funktion fallen, wie kein Mensch Interesse daran hat, wenn sich eine Stelle seines Körpers entzündet. Erkrankt ein Körperteil beim Mensch, so ist der ganze Leib im Funktionieren eingeschränkt und setzt alles daran, wieder zu gesunden. Genauso handelt der HERR auch mit seinem Leib:

10 Seht zu, dass ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, dass ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist.
(11)     12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das irrende?   
13 Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind.
14 So ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den Himmeln ist, dass eines dieser Kleinen verloren gehe.  Mt 18,10-14 

Gott sagt damit nochmals unmissverständlich, dass Ihm alle seine Kinder gleich wichtig sind. Es geht sehr klar daraus hervor, dass nicht die Aufgabe den Wert eines Christen definiert, sondern die Abstammung von Christus.

Lassen wir deshalb Eifersüchteleien oder falsche Minderwertigkeitsgefühle, liebe Leserinnen und Leser! Freuen Sie sich über Ihre Abstammung in Christus! Machen Sie sich ja nicht selber fertig! Sie sollen hiermit wissen, dass der HERR hundert seiner Glieder alleine lassen würde, um Ihnen nachzugehen, sollten Sie sich verirren! Fordern Sie es aber bitte nicht heraus! Amen.

Vers 16

Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört es deswegen nicht zum Leib? 1.Kor 12,16

Jeder vom HERRN aufgenommene Mensch wird in den Leib gewoben. Kein Christ soll sagen, er gehöre nicht dazu, da es schlicht nicht stimmt. Das zeigt der oft unverstandene Vers 3 im Epheserbrief:

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus,
4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, Eph 1,3.4

Wie ist das heute zu verstehen bei einzelnen Christen, die ihr Leben alleine in Armut, Kargheit und möglicher Verfolgung fristen? – Die Armut, Kargheit und Verfolgung können die Tatsachen des Leibes Christi nicht verdrängen. Egal, was passiert: Ein wiedergeborener Mensch, ein echter Christ also, wird so mit Christus, mit seinem Leib, verwoben, dass Christus und der Betreffende eine völlige Einheit bilden. Sie sind nicht zwei, sondern eins. In der Bildsprache der Schrift wird mit folgenden Bibelstellen zusammen darauf hingewiesen: 1. Mo 2,24; Eph 5,32.

Eine Ehefrau, deren Mann im fernen Ausland das Auskommen verdienen muss, kann nicht verleugnen, dass sie nicht mit dem Mann zu einem Fleisch wurde. Es bleibt auch Tatsache, wenn er für mehrere Monate abwesend ist. Auch wenn sie es verleugnen wollte: die gemeinsamen Kinder zeugen von der Einheit.

Die ewige Einheit mit Christus kommt zustande, da uns Gott in den Leib Christi integriert. Selbst Gefühle der Verlassenheit können diese Tatsache nicht ungültig machen: Sie besteht einfach weiter.

Gott verbürgt sich also mit seinem ewigen Wort für die Wahrheit, dass er Sein Volk mit Christus verbindet und zu einem Ganzen macht. – Etwas Schöneres könnte ich zu diesem Thema nicht schreiben, Gott lässt uns höchste Ehre zukommen. Er sei gepriesen dafür (Eph 1.3)! Amen!

Vers 17

Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? 1.Kor 12,17 

Viele Christen überbewerten diverse Aufgaben des Leibes. Da möchten viele, wie es der Geist in diesen Versen andeutet, Auge sein. Nun, soll ein Leib nur aus Augen bestehen? Besteht der Leib eines erfolgreichen Fotomodells aus einhundert Augen? Oder kann es nur erfolgreich sein, wenn alle Glieder des Leibes formvollendet sind? – Der perfekte Leib braucht ebenso den kleinen Finger. Ein Fotomodell mit einer vier-Finger-Hand taugt höchstens noch für den Mister oder die Miss Handicap.

Ist der Leib Christi ein Krüppel? Oder baut Gott einen Krüppel-Christus? Es genügt mir heute – und das sage ich ohne Pseudofrömmigkeit – der kleine Finger einer Hand des Leibes Christi zu sein, der mithilft seinen Griffel zu führen. Es ist mehr als genug der Ehre, dass ich überhaupt Teil seines Leibes bin. Dass ich dazu noch etwas im Schriftendienst tätig sein darf, ist wie eine besondere Pflege oder ein besonderer Schmuck, vielleicht wie ein schöner Fingerring.

Doch nicht der Finger ist für den Fingerring, sondern umgekehrt ist der Fingerring für den Finger. Der Dienst ist nicht höher zu werten, als die Stellung. Ein Teil des Leibes zu sein ist überhaupt die Voraussetzung, um an seinen Tätigkeiten dabei zu sein.

Achten wir also bei der Beurteilung des Leibes und der Aufgaben auf eine korrekte Wertung, ansonsten ist die Gefahr gross, die eigene Stellung nicht wertzuschätzen und Personen, die Augen am Leib zu sein scheinen, auf einen Sockel zu stellen, der nur Christus zusteht (Mt 23,8). Jeder Teil des Leibes Christi muss fehler- und fleckenfrei sein, damit der Leib als Ganzes perfekt ist. Da geht es nicht, dass eine Hautpartie Leberflecken (Muttermale) aufweist. Auch soll der kleine Finger nicht danach trachten, Auge sein zu wollen: Ein Leib mit drei Augen ist ein missgebildeter Körper und hat nichts mit Schönheit gemeinsam. Das gilt auch für eine Hand mit vier bzw. sechs Fingern.

Unsere Herrlichkeit ist primär die Teilhaftigkeit am Leib Christi. Die Funktion, die wir darin innehaben ist völlig zweitrangig. Es ist dabei zwar essentiell, dass wir sie korrekt wahrnehmen. Sonst hat die Hand zwar fünf Finger, einer davon ist aber lahm, um es in der Bildsprache auszudrücken. Und Lahmheit ist wiederum ein Makel.

Wenn Sie also nicht ein Glied mit Makel darstellen wollen, trachten sie nicht nach fremden Aufgaben, was nur ihre kostbare Zeit vergeudet. Füllen Sie Ihren Platz im Leib korrekt aus und freuen Sie sich in erster Linie darüber, Teil des Leibes Christi sein zu dürfen! Amen.

 

Vers 18

Nun aber hat Gott die Glieder bestimmt, jedes einzelne von ihnen am Leib, wie er wollte.    1.Kor 12,18 

Der Heilige Geist erwähnt an dieser Stelle nochmals die Auswahl Gottes für den Platz seiner Kinder. Gott dachte vor Grundlegung der Welt an sie (Ps 139,16) und wusste von jedem Menschen, was Er ihm für Fähigkeiten und Begabungen auf den Weg mitgeben würde.

Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser das Absurde am Denken der Menschen, die selbst „nur“ erschaffen und nicht seit jeher leben, wenn sie sich anmassen zu wissen und anfangen zu bestimmen, wer welche Stelle im Leib ausfüllen soll? Wenn ein Gremium ohne Gott zu fragen Menschen ein- oder absetzt, also völlig autonom und willkürlich handelt in der Gemeinde, führt es seine Aufgaben in törichter Art aus.

Freuen wir uns darüber, dass wir uns den Kopf über unseren Platz nicht selbst zerbrechen müssen! Wir dürfen uns in Demut an die für uns von Gott bestimmte Aufgabe und Stelle im Leib führen lassen. Ich spürte beispielsweise schon lange, dass ich mich sehr gerne mit dem Worte Gottes befassen möchte und auch mein Dienst dort anfangen sollte. In den Anfängen wusste ich einfach nicht genau, wie ich das Ganze gestalten und meine Arbeit konkret aussehen soll. Fatalerweise liess ich meine Begabung deshalb eine Zeit lang brach liegen, da ich Gott nicht um Hilfe für die kleinen Anfangsschritte bat. Erst später lernte ich, dass Gott nicht nur den Platz im Leib bestimmt, sondern auch den Weg dorthin sowie die Gestaltung der Aufgaben.

Vers 19

Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib?  1.Kor 12,19  

An dieser Stelle wird nochmals betont, dass es genau die Verschiedenartigkeit der Menschen braucht, um einen Leib zu bilden. Das zeigt Gott grundsätzlich schon mit der ganzen Schöpfung. Die verschiedenen Berufe, die das Leben erfordert, zeugen ebenfalls davon. Gott hatte durchaus die Macht, alle Menschen genau gleich zu schalten. Er hätte den Menschen so erschaffen können: Jeder Person gefällt zur Kleidung die Farbe grün; sie fährt einen zweitürigen blauen Wagen und ernährt sich jeden Tag mit Spaghetti. Alle hätten dieselben Fähigkeiten: Sie könnten gut schreinern, um Holzhäuser zu bauen und Getreide für Spaghetti anbauen. Ausserdem hätten sie die Fähigkeit Stoffe herzustellen und mit grüner Farbe einzufärben.

So langweilig das Leben in dieser Darstellung erscheint, so wäre die Eingliederung in das Reich Christi weniger herrlich. Gott würde auf diese Art nicht jedem Individuum einen besonderen Platz anweisen und ihm somit einen besonderen Wert zumessen. Alle wären „Hände“ oder alle wären „Nasen“. Es gäbe so viele davon, dass der Wert des Einzelnen nicht erkannt würde. Wir Christen wären ein Heer von „Nasen“, die alle gleich aussähen. Niemand würde merken, ob jemand fehlt oder nicht.

Mit der tatsächlichen Gliederung, so wie es der HERR heute handhabt, ist jedes einzelne Glied für eine ganz bestimmte Funktion am perfekten Leib Christi vorherbestimmt. Bedenken wir: Auch wenn ein Leib eine grosse Hautfläche hat und dazu viele Glieder benötigt werden, so muss jede noch so kleine Hautpartie makellos sein, um einen fehler- und fleckenlosen Leib zu gewährleisten. Jeder Einzelne hat in dieser herrlichen und von Gott vorgegebenen Ordnung einen grossen und speziellen Wert; der HERR richtete es perfekt ein und misst den Christen – und zwar jedem einzelnen und noch so kleinen – den höchsten Wert zu.

Denken sie nicht niedrig von sich, liebe Schwester und lieber Bruder im HERRN. Auch wenn Sie bis hierher geglaubt haben, unnütze zu sein, seien Sie sich der Tatsache gewiss, dass Sie für eine wichtige Funktion im Leibe Christi bestimmt und eingesetzt wurden.

Vers 20

Nun aber sind zwar viele Glieder, aber ein Leib.  1.Kor 12,20  

In diesem Vers liegt die Betonung auf dem einen Leib, der einzig ist. Im vorausgehenden Vers liegt sie auf den Gliedern, welche alle gewollt sind und ausnahmslos den Leib bilden. Jedes einzelne Glied ist wichtig und ein Teil dieses kostbaren Leibes. – Doch was ist mit dem Leib? – Der Leib ist nicht nur einzigartig; es gibt auch nur diesen einen. Es bilden nicht Christen aus Pfingstbewegungen einen Leib neben einem landeskirchlichen oder methodistischen. Auch gibt es keinen elitären neben einem schwachen.

Wer Unterschiede bezüglich Zugehörigkeiten macht, liegt in diesem Punkt weit neben der Wahrheit. Leider werden solche Unterschiede aber aus verschiedenen Gründen gemacht. Einerseits will der Christ entscheiden, welche christliche Gruppe (Benennung, Denomination) ihm zusagt und andererseits schubladisieren sich Geschwister gegenseitig und merken dabei nicht, dass sie sich und die anderen damit ausgrenzen und so tun, als ob es mehrere Leiber gäbe. In den Augen vieler gibt es den pfingstlichen, methodistischen, landeskirchlichen, freievangelischen und brüdergemeindlichen Leib, ohne jetzt alle Benennungen ausnahmslos aufzuzählen.

Die Bibel sagt jedoch, dass es nur einen Leib gibt. Verhalten sich die meisten Christen nun, sei es bewusst oder unbewusst, falsch oder irrt das Wort Gottes? – Gott hat bewiesen, dass die Bibel sich nie irrt, dass kein einziges Wort daraus je auf den Boden gefallen ist, was sein Volk nicht von sich behaupten kann.

Nehmen wir daraus, liebe Leserinnen und Leser, dass wir in Tat und Wahrheit jeden wiedergeborenen Christen als zu einem einzigen Leib zugehörig wahrnehmen und uns danach richten und verhalten. Dann hört die Schubladisierung auf und das Bestreben nimmt zu, mit jedem Christen auskommen zu wollen. Die Selbstzufriedenheit der verschiedenen Benennungen würde endlich ein Ende finden und das Suchen des Wohles aller Geschwister einen Anfang. Es wird eines jeden Wunsch und ständiges Anliegen sein, sich menschlich und sozial in Liebe zu üben, dass eine Zugehörigkeit und Zusammenleben aller so verschiedenartigen Menschen möglich wird. – Der Leib Christi ist einer, nicht viele! Amen.

Vers 21

Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füssen: Ich brauche euch nicht;  1.Kor 12,21  

Der Heilige Geist hat uns das Prinzip des Leibes so schön dargestellt! Nun verstehen wir es und das Nachvollziehen Seiner Argumentation fällt uns leicht: Es gibt nur einen Leib. Und dieser eine Leib hat viele Glieder, von denen jedes einzelne gebraucht wird. Wie soll ein Leib, der zwar sieht, ohne Hand nach Dingen greifen? Oder wie soll ein Leib mit Händen etwas finden, wenn er keine Augen hat?

Die Veranschaulichung der Gemeinde Christi mit dem Bild eines menschlichen Körpers ist einfach unübertrefflich! Sie trotzt jeder Rechtfertigung der verschiedenen Benennungen und liefert den Beweis für den falschen Grund, auf dem sich Denominationschristen treffen. Weiter stützt sie jeden noch so schwachen und sozial tief gestellten Christen, indem sie dessen Notwendigkeit im Leib fest unterstreicht.

Für diese lehrreiche Unterweisung preise ich meinen Herrn, Jesus Christus, welcher mich geduldig anleitet! Amen.

Vers 22

sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; 1.Kor 12,22 

Ja, was würde der wohlgeformte Mund mit den schönen Zähnen eines scharfsinnigen und brillanten Redners machen, wenn die Stimmbänder den Dienst verweigern? Oder was ist mit den Augen, wenn sie nicht sehr regelmässig von den Lidern befeuchtet werden? – Wollen Sie Auge sein, verachten aber die Lider? Oder Mund, achten die Stimmbänder aber gering?

Wir werden an dieser Stelle, wie auch sonst, vom Heiligen Geist mit bestem Anschauungsmaterial versorgt. Der Grundsatz ist: Wer vom HERRN zum Leib gefügt wird, übernimmt in jedem Fall eine wichtige Funktion, auch als einfache Hautpartie. Selbst die Haut eines perfekten Leibes muss makellos sein. Wer diesen Grundsatz nicht beachtet und Überhebung und Wertung unter Geschwistern zulässt, wird früher oder später in Konflikt mit dem Schöpfer und Urheber dieses Leibes kommen. Ein solcher Christ ist prädestiniert für den Fall, wie geschrieben steht:

Vor dem Verderben <kommt> Stolz, und Hochmut vor dem Fall.     Spr 16,18  

Alle Christen sollen unbedingt darauf achten, Glieder, die schwächer zu sein scheinen, zu unterstützen und ihnen mit derselben Ehre zu begegnen, wie sie es bei „starken“ Geschwistern tun. Ansonsten fehlt dem gewandten Mund plötzlich die Stimme oder dem Auge die Befeuchtung. Und ohne diese Unterstützung taugen weder Auge noch Mund zum Dienst. Amen.

Vers 23

und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit grösserer Ehre; und unsere nichtanständigen haben grössere Wohlanständigkeit;  1.Kor 12,23  

Wenn unsere Eltern alt geworden sind und wir sie zum Einkaufen fahren, müssen wir vielleicht die Türen des Wagens aufhalten und ihnen beim Aussteigen helfen. Wir gehen mit ihnen langsam durch den Laden und können keine Blitz-Einkäufe tätigen. Für die Besorgungen muss mehr Zeit eingeräumt und der Tag sorgfältig geplant werden.

In der Gesellschaft gelten ältere Menschen oft weniger wie jene, die „das Geld verdienen“ und noch sehr viel in einen Tag packen können. Die Älteren scheinen in den Augen der Gesellschaft „weniger ehrbar“ zu sein, obschon bei ihnen die Lebenserfahrung und nicht selten grosse Weisheit zu finden ist. – Solchen gibt Gott grosse Ehre und weist die Jüngeren an, sie angemessen zu fürchten.

Vor grauem Haar sollst du aufstehen und die Person eines Greises ehren, und du sollst dich fürchten vor deinem Gott. Ich bin der HERR.   3.Mose 19,32   

Bitte beachten Sie dazu auch die Parallelstelle im Neuen Testament (1. Petr 5,5). Die Welt schreibt die Alten schnell ab, Gott ehrt sie besonders.

Das Beispiel der alten Menschen nehme ich zur Veranschaulichung; es dient zur Erklärung dieses Verses. Es ist kein abschliessendes Bild. Es gibt andere, weniger ehrbar scheinende Geschwister, die wir ebenso mit besonderer Ehre kleiden sollen, da sie Gott an einen besonderen Platz stellt. Empfindliche oder gar verletzte Körperstellen erhalten ja auch eine besondere Beachtung innerhalb des Leibes.

Diese Veranschaulichung sollte uns lehren, jedes Glied am Leib zu sehen, wie es Gott sieht. Es ist zum gleichen Preis erkauft worden wie ein Paulus oder Johannes. Es ist daher nicht angebracht, wenn wir unauffällige Geschwister vernachlässigen und nur den „lauten“ hinterher rennen. Die „lauten“ brauchen keine besondere Beachtung, man hört sie sowieso, hingegen sollen wir einmal mehr nach dem Wohlergehen oder dem Rat der „leisen“ Brüder und Schwestern fragen und ihnen die sozialen Kontakte ja nicht kürzen! Amen.

Vers 24

unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren grössere Ehre gegeben,  1.Kor 12,24  

Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, trifft es die Veranschaulichung Gottes der Gemeinde mit dem Bild vom Leib am besten. Die lauten Geschwister oder jene, bei denen es offenbar ist, dass sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen, wie zum Beispiel beim „Mund“ oder beim „Auge“ des Leibes, ist es nicht nötig, dass wir speziell auf sie hinweisen. Sie sind ja ohnehin durch ihren Dienst offenbar und werden sehr wohl wahrgenommen.

Leise und sogar mangelhafte schützt der HERR besonders, da gerade bei den Mangelhaften der Glauben noch auf wackeligen Füssen steht. Sie brauchen den HERRN und ihr Umfeld mehr als die anderen. Der HERR lässt für solche die 99 gesunden Schafe stehen und geht dem einen verlorenen nach (Mt 18,12ff). Der HERR verliert nicht ein einziges vom Vater gewolltes „Schaf“ (Joh 10,28).

Der Heilige Geist weist uns im Matthäusevangelium (Mt 18,5ff) eindringlich darauf hin, wie wichtig das kleinste und unbedeutendste „Schaf“ für Ihn ist. Die abkommandierten Engel der kleinsten Geschwister schauen Gott allezeit. Wenn also den am unwichtigsten erscheinenden Christen eine solche Ehre zukommt, dass sie durch Engel beschützt werden, die allezeit Zugang zum Höchsten haben, wie könnten wir ein Gemeindeglied gering achten? – Das sei ferne von uns!

Preisen wir den HERRN für diesen hohen Stand, in den er den Leib, seine Gemeinde, gehoben hat. Er vereint sich völlig mit ihr, sodass sie am selben Platz steht wie er. Das ist wahre Liebe! Liebe, die sich für den anderen, sei er noch so klein, völlig hingibt und zwar bis in den Tod! Dabei denke ich an den Moment, wo sich mein Sohn freiwillig und mit Freude taufen liess. Er war weniger als vierzehn Jahre alt und ist zur Zeit noch lange kein „Auge“ oder „Mund“ des Leibes. Und doch weiss ich, dass der HERR um seinetwillen Engel, die um einiges stärker sind als Elitesoldaten, abkommandiert hat und ihm eine Ehre zukommt, die er noch gar nicht fassen kann. – Ist in Ihren Augen auch jedes Glied, sei es noch so klein oder gar mangelhaft, so wertgeschätzt?

Vers 25

damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten.    1.Kor 12,25 

Dieser Vers sagt aus, dass Gott die Vorkehrungen zum Zusammenhalt im Leib getroffen hat. Gott hat alles wunderbar gemacht; was er macht ist sehr gut (1. Mo 1.31). Wenn etwas von „sehr gut“ zu „schlecht“ mutiert, geschieht es niemals durch Versäumnisse Gottes. Was Er tut ist immer perfekt. Es zeugt von einer grossen Unkenntnis über den Schöpfer, wenn Ihm Vorwürfe gemacht werden, wie es auch in der Gemeinde geschieht. Die Menschen, dabei denke ich auch an Christen, murren oft bei Gott, gleichwie Israel es tat:

5 und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Wozu habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot und kein Wasser da, und unserer Seele ekelt es vor dieser elenden Nahrung.   
6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk, und sie bissen das Volk; und es starb viel Volk aus Israel.     4.Mose 21,5-6  

Vielleicht sind Sie, liebe Leserinnen und liebe Leser, erstaunt über die Härte des Gerichts, welches dieses Murrens wegen Israel traf. Wenn wir aber kurz über den Grad der Bosheit Nachdenken, bei welchem das Murren angesiedelt ist, werden wir die Notwendigkeit des konsequenten Eingreifens Gottes schnell erfassen: Wie Gott bei Israel alle Vorkehrungen für eine kurze Reise mit eingeschlossener Ausbildung in den Dingen des Reiches getroffen hatte – vorgesehen waren nur zwei Jahre anstelle der schlussendlichen vierzig – traf Gott die besten Massnahmen bei der Planung des Leibes. Er sorgte vor und plante den Leib so, dass es keine Spaltung geben sollte. Dass der Mensch auch diesbezüglich alles verdorben hat, ist heute offenbar. Die Gemeinde verhält sich nicht ein bisschen besser als die Israeliten damals. So, wie es die Israeliten damals schafften, durch verderbliches Handeln Gericht um Gericht auf sich zu ziehen, hat es die Gemeinde fertig gebracht, nicht nur gespalten, sondern sogar zersplittert zu sein. Und anstelle der Herrlichkeit, welche für sie vorgesehen war, wird das Gros durch die Trübsal gehen müssen, welche nur für die Nationen und das ungläubige Israel gewollt ist.

Vers 26

Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit.    1.Kor 12,26 

Auch um diesen Zusammenhang zu erklären, eignet sich die Veranschaulichung der Versammlung als Leib hervorragend: Ein gebrochener Finger am Leib beeinträchtigt dessen ganze Funktion. Die andere Hand muss viele Aufgaben ausgleichend übernehmen. So übernehmen wir selbst ausgleichend Aufgaben für Christen, die nicht mehr unabhängig funktionieren können. Dadurch sind wir selbst in unserem Bereich eingeschränkt und tragen automatisch eine Mehrbelastung. Wir leiden „automatisch“ mit, wenn wir nach dem Prinzip des Leibes funktionieren. Wie der Leib von sich aus und ohne besondere Aufforderung für kranke und leidende Glieder Aufgaben übernimmt, sollen wir es tun. Wer nicht nach dieser Regel handelt, hat von Geschwisterliebe und dem Willen Christi noch nicht viel verstanden und besitzt ein verhärtetes Herz.

Kommt es anders, dass ein Glied zu Ehren kommt, freuen sich natürlich alle Glieder mit, da in einem Verbund, wie wir es als Gemeinde sind, alle davon profitieren. Es ist wie in einer Fussballmannschaft: Auch der verletzte Spieler am Rande des Feldes und jener auf der Ersatzbank freuen sich bei einem Tor mit, da ihnen von diesem Erfolg auch Ruhm zuteil wird.

Der HERR hat alles – wie könnte es anders sein? – perfekt eingerichtet! Er sei gelobt dafür! Achten wir darauf, dass wir leidende Geschwister nicht durch Egoismus beschämen. Wir würden uns damit selber schaden, da wir in solchen Fällen ja, nach den Grundsätzen des Leibes, selbst in Mitleidenschaft gezogen werden.

Vers 27

Ihr aber seid Christi Leib und, einzeln genommen, Glieder.    1.Kor 12,27 

Die Veranschaulichung der Gemeinde mit dem Leib Christi stammt nicht aus meinen Gedanken, sie kommt vom Geist des HERRN (Rö 12,5; 1. Kor 6,15; Eph 1,23; 5,30). Obwohl es eine Veranschaulichung ist, ist die Sache mit dem Leib Christi auch eine echte Tatsache. – Wie ist das zu verstehen? – Es ist zu verstehen wie Aussage Christi zu dem Volk, wo er sagte, dass sie sein Blut trinken und sein Fleisch essen sollten (Joh 6,53). Sie konnten nicht wörtlich in seinen Arm beissen und anfangen Christus wie Kannibalen zu verzehren, um sein Fleisch zu essen. Und trotzdem war und ist es eine Tatsache, dass Israel damals und die Gemeinde heute von Christus isst bzw. sie von ihm assen. Israel ass das Manna, das Brot des Himmels, von dem Christus klar sagte, dass er dieses Brot war (Joh 6,32ff, auch V 41). Heute essen wir von Christus, wenn wir in der Bibel lesen. Das Beispiel mit der himmlischen Speise war ein Symbol für die Person Christi und doch war sie auch Realität, also Christus selbst. Christus war die Speise Israels und ist heute unsere Speise, von der Israel sprach, sie sei schlecht (4. Mo 21,5!).

In dieser Art sind wir sein Leib und, einzeln genommen, Glieder. Wir sind tatsächlich von Gott so eingebunden in Christus, dass wir organisch mit Ihm verbunden sind. Der Leib ist somit nicht nur eine Veranschaulichung der Versammlung; er ist auch Wirklichkeit. Da die Veranschaulichung schon sehr herrlich ist, ist es die Wirklichkeit umso mehr! Loben wir den HERRN für die uns so reichlich zukommende Ehre! Amen.

Vers 28

Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens <andere> als Propheten, drittens als Lehrer, sodann <Wunder->Kräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen.    1.Kor 12,28  

Durch die Vorbereitung des Geistes können wir jetzt sehr gut mit diesem Vers umgehen: Ein Leib besteht nicht aus einem Glied oder vielen identischen Gliedern. Nicht einmal die Hände sind gleich: Der Daumen ist bei der rechten Hand an linker Stelle, bei der linken auf der rechten Seite. Nun gibt es im Leib in der gleichen Art Gesandte (Apostel), Propheten und Lehrer wie solche, die über Wunderkräfte verfügen sowie Glieder, die heilen, besonders helfen können und so weiter. So, wie eine Gemeinschaft vielschichtige Bedürfnisse hat, so unterschiedlich sind auch die Gaben und Menschen, die vom HERRN eingesetzt sind und werden, diesen Bedürfnissen zu begegnen.

Dabei geht es, wie erwähnt, darum, den Leib Christi zu pflegen; es geht nicht um Prestige, wie in der Welt. Nicht der, der es zum Propheten geschafft hat, steht auf der obersten Stufe. Wenn es so wäre, wäre das Prinzip des Leibes ungültig. Dann ginge es nur darum, möglichst viele Propheten zu produzieren. Wir hätten dann nicht einen vielgliedrigen Leib, sondern einfach nur eine Schar von gleichen Gliedern, den Propheten.

Lassen Sie uns daher nicht neidisch auf Glieder schauen, die etwas exponiert im Leib stehen. Denken Sie auch nicht zu gering von sich, wenn Sie glauben, nur für „niedere“ Dienste eingesetzt zu sein. – Was ist „nieder“ an einem Leib? – Nehmen Sie das Glied an Ihrem Leib, von dem Sie denken, es nicht zu gebrauchen und schneiden Sie es heraus! Wo fangen Sie mit schneiden an, liebe Leserin und lieber Leser?

Vers 29

Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer? Haben alle <Wunder->Kräfte?  1.Kor 12,29 

Natürlich haben nicht alle sämtliche aufgeführte Eigenschaften, da dies im Leib nicht erfordert wird. Die Lunge ist für die Sauerstoffaufnahme da, das Herz für den Kreislauf des Blutes. Die Lunge pumpt nicht zusätzlich auch noch Blut zu ihrer Aufgabe, wie das Herz nicht Sauerstoff aus der Atemluft absorbiert. Dies haben wir schon im vorausgehenden Kommentar erörtert.

Es kursiert ein grosser Irrtum im Christentum, da vielerorts nur offensichtlich geistbegabte Christen als „funktionierend“ betrachtet werden. Da werden nur Propheten, Lehrer und offensichtliche Hirten als bewährt angesehen. – Mit dieser Betrachtungsweise disqualifiziert man über 90% der Geschwister und brandmarkt sie als untergeordnete Mitläufer, ohne zu erwägen, dass ihr stilles Schaffen und ihre finanzielle Unterstützung genau den exponierten Brüdern und Schwestern die Arbeit überhaupt ermöglicht! Wie könnte ich Schriften verfassen, wenn ich mich um alle alltäglichen Dinge kümmern müsste, die meine sehr fleissige Frau im Hintergrund erledigt? Ich würde in derselben Zeit nur die Hälfte von dem schaffen, was sie täglich erreicht, weil mir die Routine und Begabung fehlt. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Wert gottesfürchtiger Frauen weit über denjenigen von Korallen geht (Spr 31,10ff)!

Achten wir auf unsere Gedanken in Bezug auf die Gemeinde! Es liegt nicht an uns, den Wert der Geschwister zu ermitteln! Hüten wir uns auch sehr davor, Geschwister, die nicht in der Aufzählung des Verses rangieren, als unreif zu werten. – Es kann nicht abgeschätzt werden, was mit diesbezüglich ungeziemenden Verhalten alles ausgelöst wird und wie viele Geschwister so unangebracht und auf ungerechte Art entmutigt werden. Halten wir vielmehr unsere Brüder und Schwestern in Ehren! Amen.

Vers 30

Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus?     1.Kor 12,30 

Der Heilige Geist legt Wert darauf, dass an dieser Stelle kurz innegehalten wird. Daher belässt Er es nicht bei einem Vers, sondern doppelt mit einem zweiten nach: Die Individualität und verschiedenartige Funktionalität der Geschwister wird explizit betont: Soll der Leib am Schluss nur aus Augen bestehen? Gibt es der Geist so, dass alle Gnadengaben der Heilungen haben bzw. alle in (verschiedenen) Sprachen reden oder sie auslegen können? – Nein! Es werden nicht alle Glieder für ein und dieselbe Funktion eingesetzt. Wo wäre dann der Leib?

Ein Problem in „charismatischen Gemeinden“, wie sie genannt werden, besteht darin, dass in ihnen angenommen wird, alle Mitglieder müssten in Sprachen reden können, ansonsten hätten die Betreffenden, die nicht in Zungen reden, die „Taufe im Heiligen Geist“ oder die „Geistestaufe“ – so nennen sie ein von ihnen erwartetes Ereignis – nicht erfahren. Diese Lehre stimmt so nicht mit der biblischen Aussage überein. Geschwister, die nicht in (fremden) Sprachen reden können, werden durch diese Irrlehre diskriminiert und unter einen massiven psychischen Druck gesetzt.

Vers 31

Eifert aber um die grösseren Gnadengaben! Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch:    1.Kor 12,31 

Was ist die Skala der Grösse der Gnadengaben? Paulus sagt hier deutlich, dass wir um die grösseren Gnadengaben eifern sollen. Somit gibt es kleinere und grössere, wie es offensichtlich kleinere und grössere Dienste gibt. Es ist ein kleiner Dienst am Evangelium, wenn ich im Verborgenen Evangeliums-Traktate in Briefkästen verteile. Grösser wird der Dienst, wenn jemand auf öffentlichen Plätzen mit einem Bücherstand vor den Menschen zu Jesus steht. Ein kleiner Dienst am HERRN ist ebenfalls, wenn ich etwas von meinem Überfluss ins Reich spende. Viel mehr Gewicht hat, wer alles gibt, was er hat (Mk 12,42-44).

Wie es bei den Diensten ist, verhält es sich bei den Gnadengaben des Geistes. Für kleine Dienste reichen „kleine“ Gnadengaben völlig aus. Bei grossen Aufgaben müssen die Gnadengaben mehr unterstützen; sie müssen die entsprechende Grösse aufweisen. Später werden wir sehen, dass die Sprachenrede eine der Gaben ist, die zu den kleinsten gehört. Die Gaben der Apostel und Propheten zählen hingegen zu den grössten. Apostel gibt es meiner Meinung nach heute nicht mehr – ich kann mich diesbezüglich täuschen – doch einen guten Hinweis dazu finden wir in der Schriftstelle, welche sagt, dass die Apostel ein Fundament bilden, worauf im Anschluss gebaut wurde bzw. es heute noch wird (Offb 21,14). Damit sage ich nicht, dass es heute keine Gesandte des HERRN mehr gibt (Apostel = Gesandter). Jeder Christ ist gesandt, Gottes Zeugnis auf Erden zu bringen. Ich bin heute nur der Ansicht, dass es keine Apostel nach dem Vorbild der Zwölf gibt. Ein solcher Apostel konnte Zeichen und Wunder tun, er hatte einen besonderen Status als Gesandter (Apg 2,43). Dies bestätigt der HERR mit dem Vers in Offb 2,2, wo er deutlich macht, dass echte Apostel geprüft und bestätigt oder entlarvt werden können. Im zweiten Korintherbrief (12,12) sagt Paulus ohne Umschweife, dass ein echter Apostel das bringen muss, von dem Apostelgeschichte (2,43) spricht: Zeichen, Wunder und Machttaten. Ein Apostel, der keine Zeichen und Wunder bringt, kann somit als Lügner aufgedeckt werden.

Nach diesem Exkurs über Apostel möchte ich wieder zur Skala der Gaben zurückkommen. Was bleibt uns noch als Höchstes übrig, wenn wir die Gaben der Apostel mal ausklammern? – Eine schöne Reihenfolge sehe ich im folgenden Vers:

Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens <andere> als Propheten, drittens als Lehrer, sodann <Wunder->Kräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen.     1.Kor 12,28 

Der Geist setzt die Reihenfolge gar mit Zahlen fest. Zuerst kommen die Apostel. Wenn diese wegfallen, rangieren die Propheten an erster Stelle, dann die Lehrer und so weiter. Diese Reihenfolge kann auch gut nachvollzogen werden, da ein Prophet direktes Sprechen des HERRN weitergibt, wogegen ein Lehrer „nur“ vom Wissen, das er über die Jahre angeeignet hat, etwas nimmt und damit unterweist. Niemand wird etwas dagegen sagen, dass das Sprechen des Propheten gegenüber demjenigen eines Lehrers Vorrang hat. Das Sprechen des Propheten ist neueren Datums und kommt von direkterem Weg aus Gottes Mund.

An dieser Stelle ist aber wiederum sehr wichtig zu erwähnen – ansonsten bekommt der ganze Aufbau eine Schlagseite -, dass nicht nur die exponierten Christen, die, welche man gut hört, eine Gnadengabe haben. Ansonsten wären ja 90% Prozent der Christen, welche mit Zuliefer- und Unterstützungsdiensten beschäftigt sind, ohne Gaben, was nicht stimmt. Der HERR rüstet jeden seiner Diener mit einer Gabe aus, je nach Fähigkeit (Mt 25,14ff).

Unser Vers sagt aus, dass wir uns nicht nur mit kleinen Diensten begnügen sollen, wir sollen nach den grösseren Gaben trachten. Dies setzt aber zwingend ein Wachstum voraus, nur wer im Kleinen treu sein kann, wird es im Grossen sein (Lk 16,10ff). Lassen Sie uns deshalb im Wachstum bleiben und uns so beständig weiter entwickeln, damit wir Ihm immer ähnlicher werden! Amen!

Kapitel 13

Vers 1

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel.    1.Kor 13,1 

Der letzte Vers im 12. Kapitel weist auf eine grosse Sache hin, die hier, im 13. Kapitel, erläutert wird. Paulus spricht von einem „Weg noch weit darüber hinaus“. Dieses Zitat hebt jedoch im Blick auf das 13. Kapitel den Inhalt des 12. Kapitels nicht auf. Als Beispiel ist es zwar besser, wenn man die Hausgenossen des Glaubens bei Bedarf unterstützt (Gal 6,10). Der Vers im Galaterbrief 6,10 hebt aber die Unterstützungspflicht gegen allgemein Bedürftige nicht auf; er zeigt lediglich auf, wo mit der Unterstützung begonnen werden sollte. – So verhält es sich mit dem 13. Kapitel im Korintherbrief. Alles soll mit den Anweisungen, die Liebe hochzuhalten, geschehen. Das wird in diesem Kapitel sehr schön dargestellt. Diese Belehrungen heben jedoch keinesfalls die Unterweisungen des 12. Kapitels auf!

Der erste Vers im 13. Kapitel beginnt mit den Ausführungen über die Notwendigkeit der Liebe. Wenn wir etwas ohne Liebe tun, sind wir – auch wenn wir Träger verschiedenster Geistesgaben sind – nur „tönendes Erz“ oder eine „schallende Zimbel“. Unser ganzer Dienst ist vor dem HERRN wie ein lärmender und rauchender Motor, der zwar rumort und knattert, jedoch keine Leistung abgibt und daher nicht für den Einbau in irgendein Fortbewegungsmittel taugt.

Beachten wir diesen und die folgenden beiden Verse genau! Der Heilige Geist wendet ganze drei Verse mit identischer Aussage auf, um diesen Sachverhalt darzustellen!

Vers 2

Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiss und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts.   1.Kor 13,2  

Wer Erkenntnis besitzt wie ein Paulus – oder noch mehr: Wenn jemand allen Glauben hat, wo doch der Gerechte aus Glauben lebt, so ist er nichts.

Lassen Sie uns diese Schriftstelle nicht falsch verstehen, liebe Geschwister. Damit wird Erkenntnis und Glaube nicht abgewertet, wie es auch die Belehrungen aus dem 12. Kapitel nicht werden! Es braucht Erkenntnis des Wortes, sonst kommt man um:

Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis. Hos 4,6a 

Es braucht den Glauben, um gerecht leben zu können:

Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.     Hab 2,4b 

Das Zusammenleben im Leib Christi wie im Hause Gottes erfordert auch Regeln, wie wir sie im Kapitel 12 kennen gelernt haben und sie im nachfolgenden Kapitel 14 weiter erläutert und dargelegt werden. Erkenntnis, Glaube und eine Hausordnung brauchen wir alle; ausserdem sind all diese Dinge von Gott persönlich gegeben. – Was in dieser Aufzählung jedoch nicht fehlen darf ist die Liebe. Die Liebe ersetzt weder den Glauben noch die Erkenntnis noch die Hausordnung. Die Aussage des Wortes Gottes ist lediglich, dass die Liebe dazugehört, wie die Luft zum Atmen. Der Mensch kann vollkommen sein mit Herz, Lunge und Blutgefässen; wenn er aber keine Luft hat, kann er nicht leben, wie er es mit der Luft allein auch nicht tun kann. – Mit diesen Worten möchte ich alle Christen ermahnen, die sich mit einem „Gutmensch-Sein“ rechtfertigen wollen, ohne die restlichen Elemente wie die Lehre und Hausordnung zu beachten. Umgekehrt geht es natürlich ebenso wenig, wenn alles peinlich genau befolgt, die Liebe aber ausser Acht gelassen wird. Letzteres erinnert uns an die