Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der erste Brief an die Thessalonicher

Einleitung

Einleitung folgt

Kapitel 1

Vers 1

Paulus und Silvanus und Timotheus der Gemeinde der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade euch und Friede! 1.Thess 1,1

Paulus schreibt hier gemeinsam mit Silvanus und Timotheus der Gemeinde der Thessalonicher. Paulus nennt Silvanus und Timotheus gleich neben seinem eigenen Namen, obschon Paulus zweifellos der durch Christus am besten ausgebildetste Mann war. Paulus stellt die mitarbeitenden Brüder auf dieselbe Stufe, auf welcher er selbst stand, auf die der geliebten Arbeiter des HERRN, denn bei wahren Arbeitern gibt es keine Neider oder gar Klassenkämpfer; die Wertschätzung eines jeden einzelnen Bruders oder jeder einzelnen Schwester lässt das keinesfalls zu.

Heute ist das in vielen Gemeinden leider ganz anders. Wenn jemand im HERRN Erfolg hat, freuen sich jeweils viele Geschwister nicht mit, obschon sie es durch Christi Gebot tun sollten (Röm 12,15). Von vielen wird einem der geistliche Erfolg leider vergönnt, was ich leider schon sehr oft habe erleben müssen.

Wer der Frage nachgeht, wem wir denn überhaupt dienen, uns selber oder Christus, sollte zur Einsicht kommen, dass die geistlichen Erfolge, die wir feiern, dem HERRN gehören. Wir dienen Ihm! Nur schon diese Erkenntnis sollte dem Neid oder gar dem Klassenkampf keinen Platz lassen!

Vers 2

Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten und unablässig … 1.Thess 1,2

Die direkten Worte Gottes und die Lehre der Apostel, welche die Gesandten Gottes waren, wie auch ihr Vorbild, sind die Wegweiser unseres Lebens, wie wir wissen. An die Lehre der Apostel, die von Christus gesandt waren, hielten sich schon die ersten Christen, wie geschrieben steht:

Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Apg 2,42

Wir sollen so leben, wie es uns Christus vorlebte, aber auch so, wie es uns die Apostel vorgelebt haben. Und hier lesen wir, dass die Apostel dermassen dankbar waren, dass sie Gott allezeit dankten und Geschwister unablässig in Gebeten erwähnten, was voraussetzte, dass sie selbst unablässig im Gebet verharrten. Wir sind nun aufgefordert, es ihnen gleichzutun! Amen.

Vers 3

vor unserem Gott und Vater an euer Werk des Glaubens gedenken und die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus; 1.Thess 1,3

Im Kontext mit dem Vers 2 gedenkt der Apostel allezeit an die Thessalonicher und betet vor Gott ebenso viel für sie. Doch Paulus tut nicht nur das; er gedenkt auch ihrer Werke, die sie vor Gott getan haben. Er gedenkt 1. an das Werk des Glaubens 2. an die Bemühung der Liebe und 3. an das Ausharren in der Hoffnung auf den Herrn Jesus Christus! Paulus denkt an all diese Dinge der Thessalonicher.

An diesem Punkt müsste jeder Leser innehalten. Ich halte auch inne, ich will an dieser Stelle keine weiteren Dinge der Schrift erwähnen, seien sie noch so herrlich. Sie attestieren dem Christen zwar eine gewisse Frömmigkeit, wenn er wissbegierig von jedem Höhepunkt in der Schrift zum nächsten springt. Da am Ende aber die Umsetzung der Schriftworte verlangt ist, bringe ich hier keine weiteren Highlights der Schrift, sondern fordere den Leser und die Leserin ernsthaft auf, sich selbst zu fragen, wo sie angesichts dieser drei Verse im 1. Thessalonicherbrief stehen. Verharren Sie in dem, was uns Christus als Meister vorgezeigt hat? Und verhalten Sie sich wie die Apostel, seine Abgesandten? Denken Sie allzeit an die Geschwister im HERRN und an ihr Wohl oder wäre es Ihnen lieber, wenn wir jetzt zum nächsten biblischen Thema springen würden? Denken Sie an die Glaubenswerke Ihrer Geschwister oder sehen Sie sie eher kritisch? Denken Sie an die Bemühungen der Liebe Ihrer Geschwister oder werden diese Gedanken durch ein falsches Fokussieren auf deren Schwächen verdrängt? Denken Sie an das Ausharren Ihrer Geschwister, wenn diese in Not und Krankheit sind und sehen Sie darin die Beständigkeit ihres Glaubens, selbst wenn sich dieser vielleicht nur schwach bemerkbar macht? – Sollte das nicht der Fall sein, so hat es nur einen bedingten Wert, sich weiteren Themen zu widmen. Weitere Themen könnten vom Wesentlichen, das noch in Schieflage ist, ablenken. Der Gläubige könnte sich mit der Beschäftigung mit weiteren Themen selber täuschen und könnte sich wegen der Beschäftigung mit ihnen sehr fromm fühlen, obschon er nicht einmal grundlegende Themen so verstanden hat, dass er sie auch in die Praxis umsetzt. - Lassen Sie uns anfangen, auch einfach erscheinende Verse ernst zu nehmen und sofort in die Praxis umzusetzen! Amen!

Vers 4

und wir kennen, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung; 1.Thess 1,4

Ein herrlicher Vers! Gott wählt alle Menschen, doch nicht alle lassen sich retten. Doch die es tun, gehören definitiv zur Auswahl Gottes! Gelobt sei unser Herr, der uns geliebt und sich für uns hat schlachten lassen, dass dieser Vers so da stehen kann; dass hier steht, dass es die Auserwählung gibt!

Vers 5

denn unser Evangelium erging an euch nicht im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in grosser Gewissheit; ihr wisst ja, als was für Leute wir um euretwillen unter euch auftraten. 1.Thess 1,5

Gott tut unter Menschen, die nicht glauben wollen, wenig bis keine Wunder. Das wissen wir aus Christi Wirken, der Gott und gelobt in Ewigkeit ist (Mt 12,39; 16,4; Mk 6,5; Lk 11,29).

Bei den Thessalonichern unterstützte Gott die Predigt seiner Apostel mit Kraft und mit Heiligem Geist; sie wirkten in seiner Vollmacht. Diese Tatsache und das Ergebnis, das im nächsten Vers präsentiert wird, gab den Aposteln die Gewissheit der Erwählung der Thessalonicher. Anhand des Vorbildes des Apostels und seinen Gefährten, sahen sie das Werk Gottes in Christus. Das wurde ihnen vorgelebt, damit auch die Thessalonicher gerettet würden.

Vers 6

Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort in viel Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes aufgenommen habt, 1.Thess 1,6

Die vom Teufel regierte Welt bedrängt jemanden, der sich retten lässt, sofort. Der Heilige Geist gleicht diese Bedrängnis mit Freude aus, unter anderem auch, damit es dem Gläubigen nicht zu schwer wird. Der Weg Gottes für einen Gläubigen ist nicht zwingend die Segnung durch irdische Dinge, sondern geprägt durch Friede und Freude im Heiligen Geist, wie geschrieben steht:

Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Röm 14,17

Der Apostel ermutigt die Thessalonicher und attestiert ihnen ein sehr gutes Verhalten, indem er sagt, sie wären seine und des HERRN Nachahmer geworden. – Es ist sehr wichtig, dass wir uns gegenseitig ermutigen, denn viel Bedrängnis kann zu Unsicherheit oder Entmutigung führen.

Vers 7

so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid. 1.Thess 1,7

Die Thessalonicher waren eine sehr gute Gemeinde, sie stellten einen Standard in Mazedonien und in Achaja. Sie lebten nach dem höchsten Gebot (Mt 22,38-40) in der Liebe zueinander, wie geschrieben steht:

9 Was aber die Bruderliebe betrifft, so habt ihr nicht nötig, dass man euch schreibt, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben;
10 das tut ihr ja auch gegen alle Brüder in ganz Mazedonien. 1.Thess 4,9.10a

Paulus, der auch vom Charakter Christi widerspiegelte, liebte diese Gemeinde sehr und sehnte sich sehr nach ihr. Darin sehen wir, wie sich Christus nach einer Gemeinde sehnt, die Ihn liebt. Eine derartige Gemeinde wird Christus in jeden Fall vor der Grossen Trübsal bewahren, wie Er das der Gemeinde von Philadelphia verspricht (Offb 3,10). Zu beachten ist, dass das, was für Philadelphia gilt, nicht automatisch auf alle Gemeinden übertragen werden kann, am wenigsten auf die Gemeinde in Laodicea, welche kirchengeschichtlich die Gemeinde in der heutigen und letzten Zeit vor der Wiederkunft Christi wiederspiegelt.

Vers 8

Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jeden Ort ist euer Glaube an Gott hinausgedrungen, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. 1.Thess 1,8

Was für ein herrliches Zeugnis die Gemeinde in Thessalonich doch hatte! Sie war damit auch ein Beispiel dafür, dass das Licht Christi nicht unter einen Scheffel, einen Kübel gehört. Das Licht Christi gehört auf das Lampengestell, damit es alle sehen (Mt 5,15)! Die Thessalonicher waren nicht nur Vorbilder in Sachen Bruderliebe; sie setzten Christi Worte auch konsequent in anderen Bereichen um. Damit werden sie allen Bibellesern zum Vorbild; was sie taten, ist zweifelsfrei nachzuahmen!

Vers 9

Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen 1.Thess 1,9

Betreffend das Zeugnis der Thessalonicher bedurfte es keiner weiteren Verkündigung durch die Apostel. Das Zeugnis war schon zu allen durchgedrungen! – Die Thessalonicher standen im Gegensatz zu vielen heutigen Christen vor der ganzen Welt zum Glauben! In der ganzen Umgegend kannte man ihre Geschichte. Und man wusste nicht nur diffuses Zeug von einem angeblichen Wandel, vielmehr wussten alle genau, was geschehen war: Vorher dienten die Thessalonicher den Götzen, wie es alle taten und heute noch tun, doch nach der Predigt des Paulus bekehrten sie sich zu Gott, um Ihm fortan zu dienen! – Was waren die Thessalonicher doch für Vorbilder, die es nachzuahmen gilt!

Vers 10

und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn. 1.Thess 1,10

Die Thessalonicher bekehrten sich von den toten Götzen zu Gott, dem lebendigen und wahren Gott und erwarteten seinen Sohn aus den Himmeln, welcher uns alle vor dem kommenden Zorn errettet, was man mit anderen Worten so zusammenfassen kann: Sie bekehrten sich zur rettenden Wahrheit! Götzenanbetung ist falsch, denn diese haben im Blick auf die Schöpfung nichts getan und können nichts. Hat jemals ein Götze Israel geholfen, als es dem Götzendienst verfallen war? Israel fiel dadurch nur immer tiefer ins Elend hinein.

Eine Hinwendung zum lebendigen Gott hingegen ist richtig, denn Er hat uns erschaffen und Er liebt uns! Sollten wir Ihn dann nicht wiederlieben und uns nicht zu Ihm bekehren? Und eine Bekehrung zu seinem Sohn ist richtig, denn Er trug das Gericht Gottes für uns am Kreuz, damit es uns nicht trifft. Er rettet uns vor dem kommenden Zorn!

Kapitel 2

Vers 1

Denn ihr selbst wisst, Brüder, dass unser Eingang bei euch nicht vergeblich war; 1.Thess 2,1

Für einen Wortverkündiger ist es das Schönste, wenn seine Arbeit nicht fruchtlos bleibt. Wenn sie einem Verwandten oder Nachbarn oder einem Arbeitskollegen das Evangelium predigen und die Predigt vergeblich war, ist das nichts Aufbauendes. Es macht den Verkündiger vielmehr traurig, dass die befreiende Botschaft Gottes ihre Rettung bei den betreffenden Personen nicht entfalten konnte. Der Gedanke, dass die Zuhörerschaft im völlig verlorenen Zustand verharren will, ist bedrückend! Wenn die Botschaft aber ankommt und Frucht bringt, dann ist das eine sehr herrliche Sache, da sich die Zuhörer vom Tod zum Leben hinüber haben retten lassen!

Vers 2

sondern nachdem wir vorher gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, in Philippi, wurden wir freimütig in unserem Gott, das Evangelium Gottes zu euch zu reden unter viel Kampf. 1.Thess 2,2

Paulus liess sich nicht unterkriegen. Zuerst hatte er viel gelitten und war in Philippi misshandelt worden, obschon er für das Evangelium – die rettende Botschaft für die Menschen – unterwegs war. Die Leiden und Misshandlungen hinderten ihn nicht, trotzdem weiterzumachen und nach Thessalonich zu kommen. Und obschon er in Thessalonich auch wieder viel Wiederstand antraf, führte er seinen Auftrag dennoch aus, was ihm ein sehr herrliches Ergebnis bescherte. Er durfte in Thessalonich eine vorbildliche Gemeinde gründen und damit viele Menschen retten!

Wir alle sind Beauftragte Gottes, die wir den Herrn Jesus Christus in unserem Leben angenommen haben. Er sagte uns, dass wir Licht und Salz in dieser Welt sein sollen. Diesen Auftrag wollen viele unter uns, wenn nicht alle, ausführen, solange alles glatt läuft. Sollten dann aber Widerstände und Probleme auftreten, so lasst uns dem Beispiel des Paulus folgen: Es ist in jedem Fall weiterzumachen! Amen!

Vers 3

Denn unsere Ermahnung geschah nicht aus Irrtum, auch nicht aus Unlauterkeit, auch nicht mit List; 1.Thess 2,3

Andere Übersetzungen geben diesen Vers mit folgenden Worten wieder:

Ihr könnt daran sehen: Wenn wir zum Glauben rufen, folgen wir nicht irgendwelchen Hirngespinsten. Wir tun es auch nicht in eigennütziger und betrügerischer Absicht. 1.Thess 2,3 

Paulus wusste, dass Gottes Auftrag hinter seiner Arbeit stand, daher liess er sich trotz aller Widerstände nicht entmutigen und konnte seiner Zuhörerschaft plausibel erklären, dass er nicht im eigenen Auftrag in eigennütziger und betrügerischer Absicht handelte.

Vers 4

sondern wie wir von Gott tauglich befunden worden sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, so reden wir, nicht um Menschen zu gefallen, sondern Gott, der unsere Herzen prüft. 1.Thess 2,4

Ein wahrer Diener Gottes wird von Gott als tauglich befunden und in der Folge von Ihm eingesetzt. Das steht im krassen Gegensatz zu den „Dienern“, die von Menschen gewählt und eingesetzt werden. Schnell kann man von Menschen eingesetzte Diener entlarven: Sie reden das, was die Menschen hören wollen, sie versuchen ihnen zu gefallen. Ein weiterer Indikator, ob ein Diener von Gott eingesetzt ist, ist der Monitor (der Spiegel) seines Lebens, welcher anzeigt, ob er von Gott gestützt ist oder nicht. Diener Gottes werden in ihrer Arbeit von Gott unterstützt und damit durch Ihn empfohlen, so steht es geschrieben:

Denn nicht, wer sich selbst empfiehlt, der ist bewährt, sondern der, den der Herr empfiehlt. 2.Kor 10,18

Ein Mensch, der sich selbst zu etwas Grossem erklärt oder jemand, der durch die Gemeinde zum Hirten erklärt wird, ist noch lange nicht das, was er selbst zu glauben meint oder jenes, zu was ihn die Gemeinde gemacht hat. Die wahre Stellung des Menschen ist diejenige, in welche Gott ihn berufen hat. Diese Position haben der Mensch und die Gemeinde zu akzeptieren.

An dieser Stelle ist zu bemerken, dass eine Wahl von Ältesten, die durch die Gemeinde, also von unten her erfolgt, höchst fragwürdig ist. Ein Ältester sollte sich durch den Geist Gottes entwickeln und als das offenbar werden und von der Gemeinde als von Gott in diese Stellung gehoben akzeptiert werden. Eine Vereinswahl nach der Art der Welt, wie sie in vielen Gemeinden angewendet wird, öffnet jedem den Weg in die Gemeindeleitung und setzt die von Gott gesetzten Kriterien (z. B. 1. Tim 3,2) ausser Kraft. Diese Wahlmethode ist auch ein Grund, dass viele der heutigen Gemeinden geistlich so schwach unterwegs sind.

Vers 5

Denn weder sind wir jemals mit schmeichelnder Rede aufgetreten, wie ihr wisst, noch mit einem Vorwand für Habsucht – Gott ist Zeuge – 1.Thess 2,5

Paulus und seine Gefährten traten wie ein Diener Gottes auf, nicht wie Menschen, die ihren eigenen Vorteil bzw. den Ruhm vom Menschen suchen. Nie traten sie mit schmeichelnder Rede auf. Nie traten sie mit einem Vorwand für Habsucht auf, um von Menschen Geld zu bekommen, vielmehr beschreibt Paulus, dass er und seine Mitarbeiter selbst für ihren Unterhalt gesorgt hatten (2. Thess 3,8).

Damit gab Paulus ein Beispiel für echte Diener Gottes und einen Anhaltspunkt, um echte Diener Gottes von selbst ernannten oder durch falsche Wahl eingesetzte zu unterscheiden.

Vers 6

noch suchten wir Ehre von Menschen, weder von euch noch von anderen, 1.Thess 2,6

Neben Habsüchtigen gibt es auch Menschen, die auf die Ehre von Menschen abfahren. Solche Menschen wollen überall im Mittelpunkt stehen und setzen alle ihre Möglichkeiten daran, diesen zu erreichen. – Paulus hätte mehr Möglichkeiten gehabt, als andere Menschen, in den Mittelpunkt zu kommen; er hatte göttliche Gaben, wie die Krankenheilung, welche in sofort auf den ersten Platz unter den Menschen gebracht hätte.

Aber Paulus suchte nicht seine eigene Ehre; er suchte Gottes Ehre, was auch zur Rettung der Menschen dienlich war.

Was bedeutet dieser Vers für uns? – Es kann sein, dass wir durch zunehmendes Alter und durch zunehmende Weisheit Gunst (Beliebtheit) bei den Menschen erlangen. Diese könnte uns stolz werden und uns am vorgesteckten Ziel Gottes vorbeigleiten lassen. Wir sollten daher erkennen: Wenn uns Gott bei Menschen Gehört verschafft, sollten wir diese Situation für das Evangelium und alle anderen Angelegenheiten Christi ausschöpfen und uns keinesfalls selber gefallen! Amen!

Vers 7

obwohl wir als Christi Apostel gewichtig hätten auftreten können; sondern wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt. 1.Thess 2,7

Das ist der Unterschied zwischen hochgestellten Personen in der Welt und hochgestellten Personen im Reich Gottes. Hochgestellte Personen im Reich Gottes dienen ihren Brüdern und Schwestern im Gegensatz zu hochgestellten Personen in der Welt, die sich bedienen lassen. Hochgestellte Personen folgen dem Beispiel Christi, der sein Leben für die Gemeinde hingegeben hat und funktionieren nach dem Prinzip, das der HERR christlichen Leitern gegeben hat.

26 Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch gross werden will, wird er euer Diener sein,
27 und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein;
28 gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Mt 20,26-28

An dieses Prinzip hielten sich die Apostel und dienten der Gemeinde, anstatt über sie zu herrschen. – Diese Demut soll aber nicht zu falscher Demut führen! Wenn es erfordert war, schritten die Apostel ein und versteckten nicht Untätigkeit hinter falscher Demut! Als sich Sünde in die Gemeinde geschlichen hatte (z. B. 1. Kor 5), handelten sie scharf und konsequent, damit die anvertrauten Schafe nicht unter ein Gericht kommen würden. So war selbst die manchmal ausgeübte Härte auch ein Ausdruck der Liebe, damit, wie erwähnt, die Gemeinde nicht ins Unglück käme.

Vers 8

So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart. 1.Thess 2,8

Mit Geschwistern, die man lieb gewonnen hat und man spürt, dass man wiedergeliebt wird, teilt man auch sehr gerne die Lebensumstände. Das geht nicht in jedem Fall, wo Zweifel oder gar noch Missgunst vorherrschen, geht das nicht, da muss man Wort und das tiefere Offenbaren des Privatlebens in der Regel trennen.

In der guten Gemeinde in Thessalonich, der die Schrift selbst das Zeugnis gibt, vorbildlich zu sein, fiel das dem Paulus natürlich viel leichter als in Korinth, zur Zeit ihres Stolzes, in welchem die Korinther scharf ermahnt werden mussten (1. Kor 5). Da blieb kein Platz, Freuden und Lebensumstände zu teilen, sondern die Sorge des Paulus um die Korinther musste der Ermahnung den ganzen Platz lassen.

Es ist eine Gnade Gottes, wenn wir in eine Gemeinde gehen dürfen, in welcher wir gerne auch unsere Lebensumstände teilen können! Amen!

Vers 9

Denn ihr erinnert euch, Brüder, an unsere Mühe und Beschwerde: Nacht und Tag arbeitend, um niemand von euch beschwerlich zu fallen, haben wir euch das Evangelium Gottes gepredigt. 1.Thess 2,9

Mit diesem Vers führt der Apostel im Anschluss an Vers 7 weiter aus, dass er nicht seiner Position gemäss herrschte, sondern sich zu einem völlig ergebenen Diener der Gemeinde erniedrigt hatte. Um der Gemeinde nicht zur Last zu fallen, kam er zusätzlich zur Arbeit, die er für die Gemeinde ausführte, selber für seinen Lebensunterhalt auf.

Ein Arbeiter Gottes hat das Recht, von seiner Arbeit durch die Unterstützung der Gemeindeglieder zu leben ohne zusätzlich selbst für den Lebensunterhalt auch noch aufkommen zu müssen. Das erklärt Paulus an dieser Stelle:

6 Oder haben allein ich und Barnabas kein Recht, nicht zu arbeiten?
7 Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg und isst dessen Frucht nicht? Oder wer hütet eine Herde und isst nicht von der Milch der Herde?
8 Rede ich dies etwa nach Menschenweise, oder sagt das nicht auch das Gesetz?
9 Denn in dem Gesetz Moses steht geschrieben: »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«. Ist Gott etwa um die Ochsen besorgt?
10 Oder spricht er nicht durchaus um unsertwillen? Denn es ist um unsertwillen geschrieben, dass der Pflüger auf Hoffnung pflügen und der Dreschende dreschen soll auf Hoffnung, am Ertrag teilzuhaben.
11 Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, was ist es da Grosses, wenn wir von euch das Irdische ernten?
12 Wenn andere an dem Verfügungsrecht über euch Anteil haben, nicht erst recht wir? Wir haben aber von diesem Recht keinen Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles, damit wir dem Evangelium Christi kein Hindernis bereiten.
13 Wisst ihr nicht, dass die, welche die heiligen Dienste tun, aus dem Tempel essen, dass die, welche am Altar tätig sind, Anteil am Altar haben?
14 So hat auch der Herr denen, die das Evangelium verkündigen, verordnet, vom Evangelium zu leben. 1.Kor 9,6-14

Wer es nicht aus dem Kontext herauslesen kann, versteht es spätestens aus dem Vers 14, in welchem es unmissverständlich heisst, dass es eine Verordnung des HERRN ist, dass die Arbeit, das Verkündigen des Evangeliums, eine vollwertige Arbeit ist, die den Lebensbedarf decken soll. Ein Evangelist soll und darf also allein von der Verkündigung des Evangeliums leben. Wenn dieser eine Zusatzleistung erbringen und selber für den Lebensunterhalt aufkommen will, so kann er das selbstverständlich auch tun, doch das ist nicht Gottes Erwartung und auch nicht jedem gegeben bzw. möglich. Wenn ein Evangelist noch eine Familie mit kleinen Kindern hat, so ist es ihm nicht in jedem Fall möglich, neben einem gut und Gott wohlgefällig ausgeführten Evangeliumsdienst, abends noch bis in alle Nacht einer weiteren Arbeit nachzugehen, um ein eigenes Einkommen zu sichern. Paulus konnte das als unverheirateter Mann tun, es stand ihm frei, vom Evangelium zu leben oder den für ihn maximalen Weg zu beschreiten und mit weiterer Arbeit seinen Unterhalt zu decken, um damit die Gemeinde von finanzieller Unterstützung zu befreien.

Vers 10

Ihr seid Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und untadelig wir gegen euch, die Glaubenden, waren; 1.Thess 2,10

Ein Gesandter Gottes lebt gemäss der Natur seines himmlischen Vaters. Der Vater ist heilig, gerecht und untadelig. Ein von Gott bestätigter Abgesandter lebt genauso. Bewusst schreibe ich: Ein von Gott bestätigter Abgesandter. Viele sogenannte „geistliche Würdenträger“ sind gar nicht von Gott eingesetzt. Sie haben den weltlichen Weg via eine theologische Ausbildungsstätte gewählt und haben sich nach dem Studienabschluss in einem von Menschen aufgebauten System in leitende Positionen wählen lassen. Mit anderen Worten ausgedrückt: Längst nicht jeder Pfarrer, Priester, Diakon, Älteste ist von Gott in den heiligen Dienst berufen worden. Wir sehen das an ihren Leben. Diejenigen unter dem Zölibat sind unter einer Lehre von Dämonen (1. Tim 4,1-3). Diejenigen, die eine hierarchische Struktur unterstützen (Klerus vs. Laien), sind damit gegen Christus und sein Wort (Mt 23,8-10). Diejenigen, welche Maria anbeten oder „verehren“ wie es die Kirche heuchlerisch rechtfertigend sagt, verwerfen denjenigen, der gesagt hat, dass es nur einen Gott gibt und nur einen einzigen Mittler (Christus) zwischen Gott und den Menschen, wie geschrieben steht:

Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 1.Tim 2,5

Liebe Leserinnen und liebe Leser! Sie brauchen keinen „christlichen Würdenträger“ zu fürchten, sie sind nicht eingesetzt von Gott. Nur wenn einer heilig, gerecht und untadelig wandelt, ist er von Gott anerkannt. Amen.