Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der erste Brief des Johannes

Einleitung

Der erste Johannesbrief wurde ebenfalls durch den Apostel Johannes verfasst und ist dem Evangelium sehr ähnlich. Das Evangelium gibt uns die Sicherheit der Grundlage unserer Errettung, es spricht von der Heilstatsache, wie geschrieben steht:

Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. Joh 20,31

Der erste Johannesbrief führt in die Heilserfahrung hinein. Ein besonderer Vers dazu ist der folgende:

Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt. 1.Joh 5,13

Beides zusammen gibt uns die völlige Gewissheit unseres Heils. Wie erwähnt, gibt uns das Johannesevangelium die Tatsache des Heils: In seinem Namen steht das Heil jedem Glaubenden bereit. Aufgrund der Tat Jesu Christi ist das Heil für jeden Menschen greifbar, er muss nur an den Namen des Sohnes glauben. – Die Worte im ersten Johannesbrief schrieb Johannes, damit die Jünger des Heils gewiss sein sollten; sie sollten die sichere Gewissheit haben, dass sie ewiges Leben haben. Wörtlich schreibt der Apostel: „Damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt.“ Im ersten Johannesbrief sind sichere Indikatoren zu finden, die dem Christen sagen: Wisse, dass Du jetzt ewiges Leben hast!

Kapitel 1

Vers 1

Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens 1.Joh 1,1

Johannes weist in seinem ersten Brief auch auf einen Anfang hin, wie es in seinem Evangelium der Fall ist. Er weist aber im 1. Johannesbrief nicht auf den allerersten Anfang der Geschichte überhaupt hin, wie er es im Evangelium tut. Er weist in diesem Brief auf den Anfang mit Jesus Christus hin, den er selbst hat miterleben dürfen. Das ist der Anfang, in welchem die Apostel mit dem „Wort des Lebens“, das ist Jesus Christus, dabei waren.

Vers 2

- und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist –, 1.Joh 1,2

Im Evangelium strich Johannes sofort die ewige Gottheit Christi hervor. Im ersten Vers des ersten Kapitels schrieb er, dass das Wort Gott war und im vierzehnten Vers zeigt Johannes schön auf, dass dieses Wort Fleisch wurde. Damit macht Johannes durch die Inspiration des Heiligen Geistes von Anfang an klar, dass Jesus Christus der fleischgewordene ewige Gott ist, wie es auch die ersten Kapitel des Kolosser- und Hebräerbriefes klar machen. Weitere eindeutige Stellen finden wir gegen das Ende des Johannesevangeliums (Joh 20,28) und im Römerbrief (Röm 9,5); die Liste der Erwähnungen, welche die Gottheit Christi bezeugen, ist mit diesen Stellenangaben längst nicht abgeschlossen.

In der gleichen Art, in welcher Johannes das Evangelium geschrieben hatte, prägte er den ersten Brief. In den ersten Versen stellt Johannes wieder klar: Jesus Christus ist Gott, der Allmächtige! Anders ausgedrückt sagt Johannes mit diesem zweiten Vers: „Wir verkündigen euch das ewige Leben (ein Leben ohne Anfang und Ende, ein Leben, das schon immer Bestand hatte), das bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist.“ Die Rede ist zweifelsfrei von Jesus Christus, was der Text im Zusammenhang mit dem Johannesevangelium und dem nachfolgenden 3. Vers dieses Briefes in der Gesamtheit aussagt.

Vers 3

was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 1.Joh 1,3

Der Zweck dieses Briefes ist, wie in der Einleitung erwähnt, dass die Briefempfänger Heilsicherheit haben sollten, wie geschrieben steht:

Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt. 1.Joh 5,13

Die Gewissheit, zur Familie Gottes zu gehören, schliesst aber noch weitere Elemente ein: Sie beinhaltet die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Es liegt dem Apostel Johannes am Herzen, dass die Empfänger des Briefes ebenfalls in diese Gemeinschaft hineinkommen. Gemeint mit der im aktuellen Vers (1. Joh 1,3) erwähnten Gemeinschaft, ist nicht eine Gemeinschaft zwischen den Empfängern des Briefes und Johannes mit seinen Getreuen. Johannes trachtete danach, dass die Empfänger des Briefes auch in die Gemeinschaft mit Gott und seinem Sohn Jesus Christus hineinkommen, wie Johannes und seine Geschwister im HERRN sie bereits geniessen durften.

Vers 4

Und dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei. 1.Joh 1,4

Die Freude des Apostels (und seiner Gefährten) konnte nicht vollkommen sein, solange er noch nicht jedes in seiner Macht stehende gute Werk für die Geschwister getan hatte. Als Ältester war er verantwortlich für die ihm anbefohlenen Seelen (Heb 13,17), wie ein Vater seinen Kindern gegenüber verantwortlich ist. Ein verantwortlicher Vater ruht nicht, bis er seinen Kindern alles vermittelt hat, was sie für ein gutes Leben wissen müssen. Erst danach, wenn er alles ausgeführt hat, kann seine Freude vollkommen sein. Solange seine Kinder noch durch Unwissenheit in der Gefahr stehen, auf ihrem Weg auszugleiten, kann sich kein verantwortlicher Vater vollkommener Freude erfreuen; die Sorge um die Kinder hemmt solange die vollkommene Freude.

Vers 5

Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist. 1.Joh 1,5

Was für eine einfache aber wichtige Botschaft: Gott ist Licht und gar keine Finsternis ist in Ihm! Da gar keine Finsternis in Gott ist, ist jedes seiner Motive rein, in keinem einzigen Gedanken Gottes ist nicht einmal der kleinsten Makel zu finden!

Obschon die Botschaft einfach und klar ist, ist sie einigen Christen nicht klar. Und obschon der Mensch in vielerlei Hinsicht fehlt, zweifelt er regelmässig nicht die eigenen, sondern Gottes Wege an. „Warum muss mir das passieren?“ „Warum kann mein Leben nicht in anderer Art verlaufen?“ „Warum wird mir dieser Wunsch jetzt nicht gewährt?“ In dieser und ähnlicher Art stellen sich die Menschen viele Fragen, so individuell ihre Leben verlaufen. Wer die Botschaft Johannes‘ im vollen Umfang verstanden hat, sie ist nicht schwer zu verstehen, der hört auf, Gottes Wege in dieser, man kann es nicht anders sagen, törichten Art anzuzweifeln. – Wieso er Gottes Wege nicht mehr in törichter Art anzweifelt? – Weil Gott Licht ist und gar keine Finsternis in Ihm ist!

Vers 6

Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 1.Joh 1,6

Niemand, der in täglicher Gemeinschaft mit Gott ist, kann gleichzeitig in der Finsternis wandeln. Vielleicht muss man an dieser Stelle noch kurz erklären, was „in der Finsternis wandeln“ bedeutet. Wer in der Finsternis wandelt, wandelt so, wie die Nationen wandeln. Die Weltmenschen, die Menschen, welche Christus nicht haben, wandeln in der Finsternis. Damit sind nicht nur die düsteren Gestalten gemeint, die sich nachts auf Diebestour begeben, sondern auch die „feinen“ Weltmenschen in Anzug und Abendkleid, die gerade eine Wohltätigkeitsveranstaltung besuchen. Ein Weltmensch kann durch seine sündige Natur nur schon naturbedingt (Röm 7) nicht rein und edel unterwegs sein und lebt daher in Dunkel- und Unreinheit vor Gott (Mt 4,15.16).

Derjenige Mensch, dem Gott durch den Herrn Jesus Christus begegnet ist, kann in die Gemeinschaft mit Gott kommen. Diese Gemeinschaft findet stets im hellen Licht statt. Unreine Gedanken oder gar Taten haben in dieser Gemeinschaft keinen Platz. Wer nun sagt, er habe Gemeinschaft mit Gott, aber wie ein Weltmensch lebt, lügt die Umgebung an und betrügt sich gleichzeitig selbst.

Vers 7

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. 1.Joh 1,7

Gemäss dem vorausgehenden Vers 6 haben wir, hat der Christ keine Gemeinschaft mit Gott, wenn er wandelt, wie die Nationen wandeln. – Wie können wir, wie kann der Christ den wissen, ob die Gemeinschaft mit Gott besteht? – Die Gemeinschaft mit Gott besteht, wenn wir, wenn der Christ im Licht wandelt. Wir wandeln im Licht, wenn wir ein von der Welt abgesondertes Leben führen. Das Wort „heilig“ bezeichnet einen für Gott abgesonderten Zustand. Ein Weltmensch lebt nicht heilig, weil er der Sünde zugewandt und somit in der Dunkelheit lebt. Ein in Gemeinschaft mit Gott lebender Christ lebt ein Leben im Licht, weil er ein der Sünde abgewandtes und damit ein Gott zugewandtes Leben lebt.

Mit diesem Vers gibt uns Johannes einen sehr guten Indikator, mit welchem wir uns prüfen können, wo wir stehen. Wenn wir ein Leben leben, das denjenigen unserer ungläubigen Kollegen gleicht, dann können wir nicht sagen, dass wir in Gemeinschaft mit Gott leben. Leben wir hingegen ein abgesondertes und somit heiliges Leben für Gott, stehen wir in der Gemeinschaft mit Ihm! Und dazu kommt noch ein herrlicher Aspekt: Wenn wir Sünden getan haben, werden uns diese vergeben, was der letzte Teil des Verses klarmacht!