Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der erste Brief des Petrus

Einleitung

In den Petrusbriefen begegnet uns nicht mehr der Petrus von einst, der sich um jeden Preis vor den Leiden schützen wollte. Die Angst vor Leiden brachte ihn anfänglich sogar so weit, dass er seinen HERRN dreimal verleugnete. Wir kennen alle die traurige Geschichte aus dem 26. Kapitel des Matthäusevangeliums, in welcher Petrus sich sogar verfluchte, damit die Umstehenden doch mit der Fragerei aufhören mochten.

In seinem Brief spricht Petrus viel von Leiden, wir begegnen ihnen in jedem Kapitel. Petrus hatte zwischenzeitlich gelernt, dass die Leiden notwendig sind für das Reich und dass es ein Vorrecht ist, für Christus leiden zu dürfen.

Kapitel 1

Vers 1

Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, die auserwählt sind 1.Petr 1,1

Der Brief ist an christusgläubige* Juden (*siehe Vers 2) in der Zerstreuung geschrieben, an Juden also, die nicht mehr in ihrem von Gott verheissenen Land lebten und es durch aufkommende Verfolgungen hatten verlassen müssen.

Vers 2

nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil! 1.Petr 1,2

Der Brief ist an Juden gerichtet, die aber nach Vorkenntnis Gottes in die Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi berufen worden waren. Ihre Vorgeschichte und Abstammung war zwar jüdisch, doch nun waren sie es nicht mehr, da sie in den Leib Christi eingefügt worden waren. Wir alle kennen den Vers 11 aus dem dritten Kapitel des Kolosserbriefes, der das bestätigt. Lesen wir ihn im Kontext:

9 Belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen
10 und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat!
11 Da ist weder Grieche noch Jude, Beschneidung noch Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen. Kol 3,9-11

Wenn ein Mensch Christus anzieht, also christusgläubig wird, so legt er den alten Menschen mit seinen Handlungen ab. Die Weltlichkeit legt der Mensch ab, und er legt alle schlechten Gewohnheiten ab, die er durch seine Kultur angenommen hat. Ein christusgläubiger Italiener, der mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit in grossem römisch-katholischen Einfluss aufgewachsen ist, hört mit den Handlungen nach und nach auf, die er im alten Menschen einst ausgeführt hat. Der HERR, der gute Hirte, wird diesen Menschen vom Götzen- und Bilderdienst weg- und in den rechten Gottesdienst einführen. Auf diese Weise verhielt es sich auch mit den christusgläubigen Juden. In Christus war die jüdische Tradition überholt, sie war veraltet. Obschon sie als Bild auf die Vollkommenheit herrlich war, stellt sie nicht die Vollkommenheit dar, denn die Vollkommenheit ist nur in Christus zu finden. – Wer Christus gefunden hat, hat alles gefunden und braucht nichts mehr von dem, in was der alte Mensch zu leben suchte.

Paulus schrieb also an Christen und damit sind die Belehrungen in den Petrusbriefen auch für uns christusgläubigen Menschen, auch wenn wir eine andere, nichtjüdische Abstammung haben.

Vers 3

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner grossen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten 1.Petr 1,3

Ja, was kann man anhand der Tatsachen anderes sagen, als: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!“ – Stellen wir uns seine Barmherzigkeit vor! – Obschon Ihm der Mensch seit Adam und Eva über Jahrtausende ins Angesicht gesündigt hatte, schickte Er seinen Sohn, damit der Mensch durch Ihn Sühnung erlangen könne. Das Heilswerk der Sühnung richtete der Sohn auf, trotz des aufkommenden Widerstandes und der sich voll manifestierenden Bosheit.

Durch seine speziellen Heilstaten (z. B. Blindenheilung) war Christus als Sohn Gottes offenbar, Er war durch die Voraussagen der Schrift eindeutig als der Christus identifizierbar! Nichtsdestotrotz wurde Er von den Menschen geschmäht und gehasst! Doch Gott zog seinen Heilsplan durch; Er liess seine Barmherzigkeit nicht durch die vollendete Bosheit Satans, manifestiert in seinen menschlichen Nachfolgern, stoppen. Gott wusste, dass es Menschen gab, die sich retten lassen wollten, wenn Ihnen doch nur ein starker Helfer die Hand entgegenstrecken würde.

Daher bringt es der Vers 3 auf den Punkt: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Amen!

Vers 4

zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, 1.Petr 1,4

Durch seine Gnade und Auferstehung haben wir nicht nur in völlig unverdienter Art die Wiedergeburt erlangt. Der HERR schenkt uns noch viel mehr: Er will uns ein Erbteil geben, das weder befleckt ist, noch verwelken kann, was zur ersten sehr herrlichen Sache eine zweite gar nicht unerhebliche hinzufügt. Sein Sühnungswerk rettet uns vor der ewigen Hölle, durch seine Auferstehung macht Er uns zu Söhnen Gottes, und durch sein Erbteil hat Er uns als Könige vorherbestimmt. Denn Christus erbt die ganze Welt, sein Regierungssitz wird in Jerusalem sein. Seinen Nächsten, die in der Nachfolge treu (Mt 25,1-30) und fleissig (Lk 19,11-26) bleiben, wird Christus Teile dieser Erbschaft zur Verwaltung anvertrauen, wie es in beispielsweise der Offenbarung, Kapitel 3, Vers 21 unverschlüsselt dargestellt wird.

Vers 5

die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Rettung, die bereit steht, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden. 1.Petr 1,5

Der Herr Jesus bewahrt jeden Menschen, der zu Ihm gehört. Keiner von Ihnen wird verloren gehen; wir werden durch Glauben bewahrt werden. Das ist ein Fakt. Und Meinungen ändern an Fakten nichts. Es steht geschrieben:

und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Joh 10,28

Der Gott dieser Welt, die Bibel nennt den Teufel so (2. Kor 4,4) – er verseucht die Welt mit einem menschenverachtenden Zeitgeist – suggeriert Übermacht. Er zeigt, dass die Welt zugrunde geht. Die Gesellschaft wird im Blick auf die Liebe immer kälter und das Umfeld immer böser. Sünde, die früher verdeckt gehalten wurde, wird offen ausgesprochen, man denke da an alle sexuellen Entgleisungen, über die offen gesprochen wird, als sei das brechen der Gebote des Allerhöchsten ein Sport geworden, mit dem Motto: Wer am meisten der biblischen Gebote bricht, hat gewonnen!

Nun müssen wir aber wissen, dass es zum Showdown, zum Kräftemessen zwischen Gut und Böse kommen wird! Wehe denen, die auf der falschen Seite stehen werden! Die Rettung der gottesfürchtigen Menschen wird in der letzten Zeit, am Ende dieses Zeitalters durch das Kommen des grossen Königs, das ist unser Herr Jesus Christus offenbar werden. Und diese Rettung wird sich kompromisslos durchsetzen und dabei keine Schwierigkeiten haben. Für das Binden des Teufels genügt ein einziger Engel, der dazu die Vollmacht von Gott erhalten wird (Offb 20). Das wird einfach so geschehen, ohne Weiteres, da es Gott so angeordnet hat, wird es durch gesetzt werden. In Gottes Augen ist es so gut wie geschehen, daher konnte Er in seiner Souveränität die Offenbarung in der Vergangenheit niederschreiben lassen. Alles ist so fest beschlossen, alles wird mit dieser Sicherheit eintreten, dass man die Geschichte in der Bibel auf diese Weise festhalten kann, als ob sie schon geschehen wäre. Es wird keinen Nachbesserungsbedarf geben, man wird die Offenbarung nicht durch allfällige Störaktionen des Teufels überarbeiten müssen.

Ein Kräftemessen mit Gott stellt immer die eigene Selbstvernichtung dar, die Armeen des Feindes werden in einem Verzweiflungskrieg – ohne die geringste Chance – vernichtet werden. Da wird keine Kamikaze-Aktion helfen, sie werden einfach untergehen. Wie übermächtig Christus in diesem Showdown ist, zeigt dieser Vers:

und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; 2.Thess 2,8

Durch „den Hauch seines Mundes“; durch den Hauch des Mundes Christi wird die Gegenpartei vernichtet. Man kann gar nicht von einem Showdown sprechen; man kann nicht von einem Kräftemessen sprechen, wenn ein Mensch eine Ameise zertritt. Christus wird zurückkommen und seine Herrschaft antreten. Punkt. Was dabei im Weg steht, wird beseitigt. Punkt.

Die versprochene Rettung wird eine Rettung sein. Die Rettung Gottes wird niemals zu einer zerschlagenen Hoffnung verkommen! Amen!

Vers 6

Darin jubelt ihr, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen betrübt worden seid, 1.Petr 1,6

Der himmlische Vater hat uns zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren. Dazu wird uns ein unverwelkliches Erbteil im Himmel aufbewahrt. Das ist Grund zur Freude! Diese Freude sollte durch die Attacken des Feindes, durch Lebensprüfungen und sonstige Betrübnisse nicht weggehen. Wir sollten die Verhältnisse von Lohn Gottes und Lebensprüfung kennen. Wenn wir 5‘000 EUR durch Prüfungen oder Betrübnisse zu verlieren haben, aber 100 Millionen EUR als Erbe auf uns warten, dann müssen wir uns fragen, wie fest die 5‘000 EUR denn ins Gewicht fallen! Lassen uns dann die 99‘995‘000 EUR die 5‘000 EUR nicht gleich vergessen? Ich denke, es wird so sein, dass nach der Erlösung schnell alles Leid vergessen sein wird, auch wenn wir in unserem armseligen Dasein auf der Erde alles verloren haben werden, sollten wir sogar die Familie verloren haben, denn die Bibel sagt:

16 Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äusserer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert.
17 Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Massen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit,
18 da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig. 2.Kor 4,16-18

Diese Verse stammen von einem Apostel, der sein Leben in Gefängnissen verbracht hatte, und in der Freiheit wurde er verfolgt und geschlagen (2. Kor 11,24 ff.). Er wusste, was es heisst, leiden zu müssen. Und wenn ausgerechnet dieser Apostel von all dem uns unerträglich zu Scheinenden sagt, es sei leicht, dann wird es bei der Offenbarung Christi unglaublich werden! Unglaublich schön wird es dort für die treuen und fleissigen Christen werden! Amen!

Vers 7

damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi; 1.Petr 1,7

Wie kann der Glaube eines Menschen als bewährt erfunden werden? Ist der Mensch bewährt, wenn er mehrmals beteuert hat, er würde glauben? Kann der Glaube an den Worten eines Menschen gemessen werden? – Niemals, denn der Mensch ist erstens schwach, und zweitens ist er ein Lügner! Selbst der Glaube der Apostel war in den Anfängen völlig unbewährt. Mit dem Allmächtigen an Bord fürchteten sie im Sturm auf dem See um ihr Leben, wie geschrieben steht:

Und er war hinten im Boot und schlief auf dem Kopfkissen; und sie wecken ihn auf und sprechen zu ihm: Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen? Mk 4,38

Vor den Menschen beteuerten sie sicherlich ihren Glauben an Gott, in der Probe versagten sie kläglich, ich erinnere an die Begebenheiten unten am Berg der Verklärung (Mt 17,16), an die Verleugnung durch Petrus (Mt 26,69 ff) und an den Unglauben des Thomas (Joh 20,27). Erst später, nachdem sie mit dem Geist Gottes ausgestattet und geübt im Dienst waren, hielten sie auch in Gefahren stand. In den ersten Prüfungen versagten sie kläglich, wie erwähnt, die später folgenden förderten dann endlich bewährten Glauben ans Licht, Petrus bezichtigte später beispielsweise die Juden unter Todesgefahr des Mordes an Christus (Apg 2,23), ohne zurückzuschrecken!

Damit wir diesen Wandel auch durchmachen, begegnen uns im Leben manchmal Dinge, die wir nicht gerne haben. Doch diese Prüfungen bringen uns soweit, dass Gott anhand unserer Geschichte einen kostbaren Glauben in uns beweisen kann. Würde dieser Beweis nur aus einem Lippenbekenntnis bestehen, wäre er nichts wert, denn der Mensch kann viel sagen und es nicht halten, wenn es darauf ankommt. Ein von Gott ausgebildeter Mensch hält, bewährt sich mehr und mehr im Glaubensleben.

Vers 8

den ihr liebt, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an den ihr glaubt, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht, über den ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude jubelt; 1.Petr 1,8

Die Rede ist vom Heiland und Erlöser Jesus Christus, welcher getan hat, was kein Mensch je tun könnte. Er verliess als Schöpfer der Erde, als die ausführende Person der Gottheit (Kol 1,16.17) seinen Platz im Himmel, kam in das Fleisch, um die Erlösung für Menschen zu bewirken; für Menschen, die nicht nach Gott fragten, wie geschrieben steht:

Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ps 14,3

Alle sind abgewichen, sie sind alle verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ps 53,4

Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.« Röm 3,12

Und dieser herrliche HERR, Jesus Christus ist sein Name, liess sich von seiner eigenen Schöpfung ans Kreuz nageln und von solchen, welche die ewige Hölle verdient hatten, auspeitschen. Und wozu tat er all dies? – Um die verlorenen Seelen, die an Ihn glauben würden, zu retten!

Und nun dürfen wir die Sicherheit der Errettung in uns haben, wir, die wir an seinen Namen glauben! Dafür ist der HERR hoch zu loben und natürlich sehr zu lieben (1. Kor 16,22)! Unser Herr ist wirklich so, wie im Hohelied beschrieben:

Mein Geliebter ist weiss und rot, hervorragend unter Zehntausenden. Hld 5,10

In der Schrift finden wir viele Beschreibungen, die eine Doppelbedeutung haben. Im Hohelied spricht Sulamith über Salomo, ihren Geliebten. Doch der Text zeigt nicht nur das; er zeigt auch die Beziehung von der Gemeinde zu Christus und umgekehrt. Und die Gemeinde kann auch sagen: Unser Geliebter ist hervorragend unter Zehntausenden, denn keiner ist Ihm nur annähernd gleich! Amen.

Vers 9

und so erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen. 1.Petr 1,9

Das ist ein selbst unter Christen wenig verstandener Vers. Viele Christen glauben, es sei alles in Ordnung, wenn sie an Christus glauben. Sie denken, sie wären dann am Ziel ihres Laufes, was aber nicht der Fall ist. Die Errettung, die Erlösung der Schuld, liegt schon klar im Glauben an Ihn, dafür gibt es nicht den geringsten Zweifel. Wer etwas anderes lehrt, leitet in die Irre.

Was aber von vielen Christen nicht berücksichtigt wird, ist der Lauf des Gläubigen nach der Bekehrung, in welchem der Christ durch einen Stufenplan hindurch (2. Petr 1,5-7) sich in dem, was er vorgibt zu glauben, bewähren muss (Jak 1,3), damit sein Glaube am Ende viel kostbarer erfunden wird als das vergängliche Gold (siehe Vers 7).

Nach der Bekehrung beginnt der Lauf des Christen, in welchem viele schon in der Frage der Erwachsenentaufe scheitern, da sie dem Worte Gottes nicht in Allem glauben und in Allem gehorsam sein wollen. Andere schaffen vielleicht diesen Schritt des Gehorsams noch, ermatten dann aber bereits vor der Zeit, vor dem Ende ihres Laufes auf Erden, wegen der aufkommenden Verfolgungen des Teufels.

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir alle auf der Grundlage des Opfertodes Christi aufbauen. Wir bauen seine Errettung nicht aus, sie ist bereits vollständig, aber wir bauen darauf ein Werk, das unseren Glauben zeigt oder eins, das unseren Nichtglauben zeigt. Oder es zeigt einfach, wie weit wir für Christus gehen wollten und ab welchem Verfolgungsgrad wir zurückschreckten (siehe Lukas 19,11 ff., wo 100%ige, 50%ige und 0%ige Hingabe beschrieben ist). Das wird in den folgenden Versen erklärt:

10 Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf; jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
12 Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klarmachen, weil er in Feuer geoffenbart wird. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen.
14 Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen;
15 wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer. 1.Kor 3,10-15

Die Verse sagen klar aus:

  1. Die Christen stehen auf der Grundlage der Tat Christi (Vers 11).
  2. Auf diese Grundlage baut jeder Christ während seiner Lebenszeit etwas darauf (Vers 10).
  3. Die Errettung kann nicht verloren gehen, selbst dann, wenn man sich auch einen grossen Verlust einfährt (Vers 15)
  4. Den Lohn (gemeint ist die Erbschaft Gottes) kann man vollständig verlieren, bis zum letzten Cent. Es ist möglich, einen immensen Schaden zu erleiden, als einen 100 Prozent Verlust, wie wenn ein vermögender Mann bankrott geht (Vers 15).

Das ist keine neue, es ist nur eine sehr wenig beachtete Lehre, welche die Christen aufklären und vor dem Einschlafen bewahren soll. Wir sollten uns nicht irren, auch wir Christen werden einst vor einem Gericht, dem Richterstuhl (Röm 14,10; 2. Kor 5,10) erscheinen und Rechenschaft über unser Leben abgeben müssen. Amen.

Vers 10

Im Hinblick auf diese Rettung suchten und forschten Propheten, die über die an euch erwiesene Gnade weissagten. 1.Petr 1,10

Den Propheten war klar, dass ein Nachkomme der Frau kommen (1. Mo 3,15) und die Menschen von der Macht des Teufels retten würde (Jes 9,5; Mich 5,1). Die Propheten wussten, dass es eine Hoffnung gab, selbst dann, wenn alles aussichtslos erschien (z. B. bei der Einnahme Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar). Denn die Rettung in der Person von Jesus Christus ist eine Tatsache, auch wenn wir sie jetzt noch nicht sehen. Deshalb konnte Petrus schreiben, dass die Empfänger des Briefes bereits die Gnade Gottes empfangen hatten, gleichwohl das äusserlich nicht zu erkennen war. Sie hatten keinen sichtbaren König über sich, welcher ihnen ein Land und wahrnehmbare Sicherheit gab. Doch die Propheten forschten nicht nur über die Vergebung der Sünden (über „erwiesene Gnade“), sie forschten auch über das Erbe des Volkes Gottes. Denn es geht in ihren Schriften immer wieder um das Land Israel, das die Erlösten bekommen sollten und welches das Volk in den Anfängen weder vollständig einnehmen, noch behalten konnte. Israel blieb zwar das erlöste Volk, das Volk Gottes, wenn wir zum Beispiel an die Rückkehrer aus Babylon denken, zu welchen mindestens zwei Propheten gesprochen hatten und welche den Gottesdienst ausüben durften. Hinweis: Nur Gott wohlgefällige Menschen dürfen wahren Gottesdienst ausüben, wie geschrieben steht:

Meine Augen sind auf die Treuen im Lande gerichtet, damit sie bei mir wohnen. Wer auf vollkommenem Weg wandelt, der darf mir dienen. Ps 101,6

Die Rückkehrer empfingen also Gnade und Sündenvergebung und durften sich Gott nahen, aber das Land blieb unter fremder Herrschaft, was natürlich nicht einer vollständigen Errettung gleichkam, das war auch den Propheten klar. Daher forschten sie weiter, und das taten sie nicht, ohne Antworten von Gott zu bekommen. Gott versprach ihnen, dass dem Volk eine vollständige Errettung widerfahren würde, eine Erlösung vom Teufel und eine Wiedererlangung eines Herrschaftsbereiches (als Erbschaft). Auf die göttliche Antwort aufgrund ihrer Forschung durften die Propheten schreiben, dass Israel ihr Land wieder bekommen würde. Für uns Christen gilt dasselbe. Wir werden erlöst von unserer Sünde und dürfen uns Gott nahen, doch das ist nicht alles. Wir werden auch einmal die Fremdherrschaft der Nationen abstreifen dürfen und werden einen Herrschaftsbereich im Reiche Christi angewiesen bekommen, wenn wir unsere Erbschaft nicht in grobfahrlässiger Art aus den Händen geben. Amen.

Vers 11

Sie forschten, auf welche oder auf was für eine Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte. 1.Petr 1,11

Der Geist Christi, der in den Propheten war, bezeugte die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und Er bezeugte die Herrlichkeiten, die danach folgen sollten. Und deshalb ist das Alte Testament voll von Hinweisen, die auf Christus hindeuten. Der Geist Christi hat ganze Arbeit geleistet. Wer das Alte Testament als vernachlässigbar taxiert, sagt nichts anderes, dass das Sprechen des Geistes Christi zu vernachlässigen sei, was einer krassen Beleidigung Gottes gleichkommt! Nur weil Christen nicht unter dem Bund vom Sinai stehen, heisst das noch lange nicht, dass uns das Alte Testament nichts zu sagen hat, im Gegenteil. Das Alte Testament ist um unseretwillen geschrieben (Röm 15,4)! Der Christ soll hingehen und die Stellen, die auf Christus hinweisen, im Alten Testament suchen, um die Heilsgeschichte zu verstehen, damit er nicht wie die Emmausjünger diesbezüglich Nachhilfeunterricht benötigt (Luk 24,27).

Gott sprach schon sehr früh von Jesus Christus, von einem Nachkommen der Frau (Samen der Frau), welcher die Schlange, die die Menschheit in Sünde und damit ins Verderben stürzte, endgültig besiegen würde (ihr den Kopf zermalmen). Doch dieser Retter der Menschheit würde auch leiden müssen, die Schlange würde ihn in die Ferse beissen, was bei Giftschlangen den Tod bedeutet und was am Kreuz von Golgatha auch bittere Wirklichkeit wurde (1. Mo 3). Aber nicht nur Moses forschte und schrieb vom leidenden Messias, der aufmerksame Bibelleser kann Ihn, den Herrn Jesus, in den Büchern Moses, den Propheten (z. B. Jesaja 9,5) und den Schriften (z. B. Ps 72), also in jedem der drei Teile des Alten Testaments finden (= im Tanach).

Die einen Stellen beschreiben Ihn als den leidenden Messias (Dan 9,26), andere als den König in der Herrlichkeit (z. B. Ps 72,11). Einigen Propheten wurden ganz genaue Zeiten kommuniziert, Jeremia wusste die Dauer der Gefangenschaft in Babylon (2. Chr 36,21). Daniel wusste, an welchem Tag sich der Christus als König (als der Gesalbte [König]) dieser Welt offenbaren würde (Dan 9,26), was beim Einzug in Jerusalem, reitend auf dem Eselsfüllen, auf den Tag genau in Erfüllung ging.

Vers 12

Ihnen wurde es geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten im Blick auf das, was euch jetzt verkündet worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, in welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren. 1.Petr 1,12

Liebe Leserinnen und Leser, bitte lesen Sie diesen Vers nochmals im Kontext, ab Vers 9

9 und so erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen.
10 Im Hinblick auf diese Rettung suchten und forschten Propheten, die über die an euch erwiesene Gnade weissagten.
11 Sie forschten, auf welche oder auf was für eine Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die Leiden, die auf Christus kommen sollten, und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte. 12 Ihnen wurde es geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten im Blick auf das, was euch jetzt verkündet worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, in welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren. 1.Petr 1,9-12

Der Prophet Daniel wusste beispielsweise, dass er selbst den leidenden Christus nicht mehr erleben würde, denn seine prophetisch vorausgesagte Zeit ist länger als die Lebensspanne eines Menschen. Somit wusste er, dass er für zukünftige Generationen schrieb; er schrieb für uns. Das bestätigt Paulus, indem er schrieb, dass das Alte Testament für uns geschrieben ist:

Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben. Röm 15,4

Ich zitiere diese Stelle gerne immer wieder und wieder; das Alte Testament ist sehr wichtig für uns. Dass wir nicht unter dem Bund vom Sinai stehen tut dieser Tatsache, dass wir das Alte Testament brauchen, keinen Abbruch! – Warum kursiert nur in der Christenheit die Ansicht, das Alte Testament sei „Schnee von gestern“? – Weil das die einfachste Art des Teufels ist, uns rund zwei Drittel der Bibel zu stehlen! Christen, die solchen Lügen glauben, wird der grössere Teil der Schrift genommen und dazu werden sie das Neue Testament gar nicht richtig verstehen können, da darin selbst immer wieder Zitate aus dem Alten Testament vorkommen. Und wenn man das Alte Testament nicht kennt, so versteht man nicht, was man im Neuen liest.

Lasst Euch bitte nicht beirren! Die ganze Bibel ist das Wort Gottes!

Vers 13

Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi! 1.Petr 1,13

Die Lenden umgürtet man beim Aufbruch oder in der Zeit der Bereitschaft. Wir sollen wach, bereit und nüchtern sein. Und darin sollen wir völlig auf die Gnade (auf alles, was wir in Christus haben) hoffen, die uns gebracht wird, wenn Christus wiederkommt. In der Zwischenzeit, bis Christus sichtbar wiederkommt, sollen wir übrigens auch auf seinen Hirtendienst hoffen, welcher uns schützt und behütet! Amen!

Vers 14

Als Kinder des Gehorsams passt euch nicht den Begierden an, die früher in eurer Unwissenheit herrschten, 1.Petr 1,14

In diesem Vers stechen die Wörter „Kinder des Gehorsams“ hervor. Manchmal werden Begriffe in Texten einfach überlesen und mit eigenen Wunschvorstellungen gemischt, und man liest: „Als Christen seid ihr ja nicht mehr den Begierden unterworfen, die früher in euch herrschten!“, was ein fataler Irrtum ist.

Als Christen sollten wir „Kinder des Gehorsams“ sein, das wird man nicht automatisch, man entscheidet sich in jeder Lebenssituation neu dafür oder leider manchmal auch dagegen. Würde man sich immer dafür entscheiden, so wäre die Bibel viel dünner, dann bräuchte es die Ermahnung nicht mehr. Nach der Bekehrung wäre ja alles automatisch in Ordnung. Da es sich aber nicht so verhält, braucht es die vielen Ermahnungen, die von den geisterfüllten Bibelschreibern uns als göttliche Hinterlassenschaft vorliegen.

Der Vers sagt, dass die früheren Begierden (gemeint sind die Begierden des Fleisches) noch da sind, sonst könnte man sich als Christ ihnen gar nicht mehr anpassen. Wir sollen sie aber verleugnen, da wir Kinder des Gehorsams sind und uns gehorsam am Worte Gottes ausrichten.

Vers 15

sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig! 1.Petr 1,15

Heilig sein bedeutet für Gott abgesondert zu sein. Christus hatte mit der Welt nichts am Hut, Er stand absolut heilig da, kein Dreck der Welt, keine Unmoral, keine Habsucht, keine Lästerung hing Ihm an. Er behielt sich auch als Mensch völlig heilig und rein, wie Er es als Gott schon seit jeher war, obschon Er als Mensch in der Welt in der gleichen Weise versucht wurde, wie wir versucht werden, wie geschrieben steht:

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Hebr 4,15

Um heilig zu sein ist es wichtig, dass wir unsere Gedanken auch unter den Gehorsam Christi gefangen nehmen. Wenn wir unseren Gedanken freien Lauf lassen, dann können wir nicht für Gott abgesondert bleiben. Wenn wir einem unmoralischen Gedanken weiterverfolgen, gebiert dieser die Sünde und die Sünde gebiert den Tod (Jak 1,15). Auf diese Weise werden wir als Christen keinen Erfolg haben und unsere Gebete werden nicht erhört werden. Lasst uns einen Gott wohlgefälligen, heiligen Wandel führen! Amen!

Vers 16

Denn es steht geschrieben: »Seid heilig, denn ich bin heilig.« 1.Petr 1,16

Mit diesem Vers verweist Petrus auf das Alte Testament (3. Mo 11,44.45; 19,2). Das sagt mehrfaches aus: 1. Die Aussage im Neuen Testament steht unverschlüsselt da, wir sollen uns einfach daran halten und heilig sein, was Absonderung für Gott (aus dieser sündigen Welt und unseren sündigen, fleischlichen Begierden) bedeutet. 2. An den moralischen Belehrungen des Alten Testaments hat sich rein gar nichts geändert; sie wurden im Neuen Testament vielmehr auf eine noch höhere Stufe gestellt. Was damals verwerflich war, ist es heute noch! Wenn damals stehlen und ehebrechen verboten war, verbietet es Gott heute unter Androhung von Höchststrafen (Heb 10,26 ff.) immer noch. Hinweis: Früher wurden die Strafen von Menschen durchgeführt, wie es das Gesetz verlangte. Das ist heute nicht mehr der Fall. Für die Ausführung der Strafen sind im Neuen Testament nicht mehr Menschen zuständig; Gott hat sich persönlich für die Ausführung dieser verpflichtet.