Bibelkommentare

Erklärungen zur Bibel

Der zweite Brief des Johannes

Einleitung

Der zweite Johannesbrief wurde ebenfalls durch den Apostel Johannes verfasst. Er beinhaltet hauptsächlich die Erinnerung zum Wandel in Liebe und die Ablehnung von Irrlehren zum Schutze der Wahrheit. Es ist ein kurzer Brief mit nur einem Kapitel, dessen Inhalt aber sehr wichtig ist, so wichtig, dass es der ewige Gott für notwendig ersah, ihn ins Ewige Wort aufzunehmen.

Kapitel 1

Vers 1

Der Älteste der auserwählten Herrin und ihren Kindern, die ich liebe in der Wahrheit; und nicht ich allein, sondern auch alle, die die Wahrheit erkannt haben, 2.Joh 1,1

Johannes, der Älteste, welchem, gemäss dem Amt eines Ältesten, die Aufsicht von Seelen übertagen war (Heb 13,17), tat mit diesem Brief seine, seinem Amt entsprechende Arbeit: Er kümmerte sich um Seelen, welche er gemäss dem Gebot Christi liebte, im Wachstum in Christus stützte und durch ernsthafte Unterweisung vor feindlichen Einflüssen warnte.

Vers 2

um der Wahrheit willen, die in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit. 2.Joh 1,2

Das schreibt der gute Apostel Johannes, welcher ein Vorbild der Ältesten ist; er schreibt „um der Wahrheit willen“. Der Älteste Johannes tat seinen dem Amt entsprechenden Dienst vorbildlich, denn einem Ältesten sind Seelen, Schafe des HERRN tatsächlich anvertraut. Auf die Gemeindevorsteher hören die Mitglieder der Gemeinde, viele sagen sich: „Die müssen es schliesslich wissen!“

Wenn ein Gemeindevorsteher Brüder und Schwestern entlastet, die er nicht entlasten sollte, so bleiben diese in der Zielverfehlung, sie bleiben in der Sünde. Wenn er solchen, die den Weg des HERRN gehen wollen, den Weg zusätzlich erschwert, so entmutigt er diese. Viel liegt in der Hand eines Aufsehers, eines Ältesten. Die Aufseher in Israel hatten es in der Hand, das Volk ins Glück oder ins Verderben zu führen, das ist durch das Ewige Wort bestätigt. Weil die Hirten die Herde Gottes nicht gut weideten, wurde sie zum Frass für die Tiere des Feldes (Hes 34, erwähnt habe ich Vers 5).

Johannes war nicht ein schlechter Hirte, dem die Herde egal war. Nein, er machte sich die Mühe, „um der Wahrheit willen“ Briefe zu schreiben, damit die Herde Gottes in der Wahrheit blieb und sich nicht von den Wölfen Satans in die Irre und ins Verderben leiten liess.

Wie Johannes agierte auch Paulus, welcher sich auch nicht ins Sofa hinter den Fernseher lümmelte, wie es heute einige tun. Paulus schickte sich mit aller ihm noch verbleibender Kraft und trotz der Leiden, die er ohnehin schon hatte (2. Kor 12,7) in den Kampf um die Lämmer des HERRN, was in den folgenden Versen sehr deutlich zum Ausdruck kommt.

1 Denn ich will, dass ihr wisst, welch grossen Kampf ich habe um euch und die in Laodizea und alle, die mein leibliches Angesicht nicht gesehen haben,
2 damit ihre Herzen getröstet werden, vereinigt in Liebe und zu allem Reichtum an Gewissheit des Verständnisses zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, das ist Christus,
3 in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind.
4 Dies sage ich aber, damit niemand euch verführe durch überredende Worte. Kol 2,1-4

Er kämpfte mit aller Kraft für die Gemeinden, wegen den Abgesandten Satans, welche im Vers 4 erwähnt sind. Stehen Sie, lieber Leser, einer Gemeinde vor? – Ja? Dann steigen Sie mit der Fürsorge des Johannes in den Kampf des Paulus! Das wird Ihnen bleibenden Ruhm bringen!

Wer gleichgültig und in satanischer allumfassender Toleranz tatenlos den Zerfall der Gemeinde hinnimmt, ist vielleicht auf dem Papier ein von Menschen eingesetzter Ältester oder Gemeindeverantwortlicher, aber ganz sicher – da kann der Leser versichert sein – kein vor dem HERRN wohlgefälliger Ältester bzw. Hüter der Seelen. Amen. Geben Sie Ihr Amt ab, wenn Sie die Anforderungen eines Ältesten nicht erfüllen (1. Tim 3)! Oder wollen Sie sich zusätzlichen Zorn auferlegen?

Vers 3

Mit uns wird sein Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Sohn des Vaters, in Wahrheit und Liebe. 2.Joh 1,3

Schon im dritten Vers darf der Leser des 2. Johannesbriefes getröstet sein, denn hier steht, was den Gläubigen erwartet. Stimmen, die das Gegenteil behaupten, müssen verstummen; der HERR wird keine Angstmacher mehr dulden, die seine Kinder bedrängen, der HERR wird solche für immer verstummen lassen, wie geschrieben steht:

Wenn die Gottlosen sprossen wie Gras und alle Übeltäter blühen, dann nur, damit sie vertilgt werden für immer. Ps 92,8

Für immer werden sie verstummen! – Der Mensch lebt ewig, und doch wird der Gottlose für immer zum Schweigen gebracht, denn er kommt dem Gerechten nicht mehr in die Quere; er lauert ihm nicht mehr auf, wenn er für immer in der Hölle schmort. – Das sei eine krasse Aussage, glauben Sie? – Es wird aber so sein, denn es steht im unfehlbaren Wort Gottes, wie geschrieben steht:

Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier als auch der falsche Prophet sind; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offb 20,10

Ich fokussiere hier auf die Ewigkeit. Wer in die Hölle geworfen wird, schmort nicht eine gefühlte Ewigkeit im Feuer und ist dann froh, wenn es vorüber ist. Es wird nie vorüber sein, es gibt keinen Ausgang aus der Hölle und kein Sofa mit Bier, Chips und Fernseher, wie es sie hier auf Erden gibt, die Ablenkung bieten. Und die Qual wird Tag und Nacht ununterbrochen fortdauern. Ein Kranker und Leidender hat auf Erden zeitweise noch Stunden der Ruhe und des Vergessens, wenn er vom Schlaf übermannt wird. Wenn er aufwacht ist der Albtraum zwar wieder da, aber er kann immerhin auf die nächste Schlafphase hoffen. Wird der Schmerz unerträglich, gibt es auf Erden noch die Betäubungsmittel, welche diesen noch lindern können.

In der Hölle, der Strafe Gottes, gibt es kein Ausweichen, keine Zerstreuung, sondern nur das unermessliche Leid und das Wissen, dass die lebenslange Verwerfung der ausgestreckten Arme Christi und der darauffolgende böse eigene Weg in diese Sackgasse geführt haben. Daraus gibt es kein Entkommen und für die Leiden gibt es keine Medizin. Es gibt dort nur noch ein furchtbares Wissen, dass sich dieser Zustand von Ewigkeit zu Ewigkeit nie mehr ändern wird, denn die Hölle ist unvergänglich, wie die göttliche, ewige Leben und die Freude der Kinder Gottes unvergänglich sind! Amen. – Jeder Mensch hat die Wahl und kein Mensch ist von Anfang an für die Hölle vorbestimmt, denn es steht wiederum im ewigen Wort geschrieben (im Alten und im Neuen Testament):

Sollte ich wirklich Gefallen haben am Tod des Gottlosen, spricht der Herr, HERR, nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehrt und lebt? Hes 18,23

welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 1.Tim 2,4

Jeder Mensch, der in die Hölle geworfen werden wird, hat diesen seinen letzten Aufenthaltsort bewusst an dicken Seilen herangezogen und wird völlig selbstverschuldet dort schmoren! Er wird Gottes Angebot zur Errettung mehrfach (!) abgelehnt haben, so steht es in der Bibel! Aber mit uns Gläubigen wird sein Gnade, Barmherzigkeit und Friede! Amen!

Vers 4

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich von deinen Kindern einige gefunden habe, die in der Wahrheit wandeln, wie wir von dem Vater ein Gebot empfangen haben. 2.Joh 1,4

Ein Vater erfreut sich sehr, wenn seine Kinder in den Geboten wandeln, die er ihnen mitgegeben hat. Auch weltliche Väter geben ihren Kindern nur das aus ihrer Sicht Beste mit, damit es dem Nachwuchs später möglichst gut gehe. – Ob es ihnen dann gut geht, sei dahingestellt; ganz sicher ist es, wenn die Kinder auf dem Weg wandeln, den die Väter selbst vom Himmlischen Vater empfangen haben.

Ich selbst habe als Vater meinen Kindern mitgegeben, was ich aus der Bibel vom Himmlischen Vater empfangen habe, denn ich weiss, dass sein Wort das wahre Leben ist. Und ich will als Vater nichts anderes, als dass meine eigenen Kinder das Leben finden. Und dieses Leben ist allein in Christus Jesus zu finden, wie geschrieben steht:

Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 1.Joh 5,20

Und es freut mich beständig, wie es den Apostel freute, Nachkommen in der Wahrheit, in und gemäss Christus wandeln zu sehen! Amen!

Vers 5

Und nun bitte ich dich, Herrin, – nicht als schriebe ich dir ein neues Gebot, sondern das, welches wir von Anfang an gehabt haben: dass wir einander lieben. 2.Joh 1,5

Johannes‘ Anliegen war es immer, dass die Heiligen in der Vollendung wandeln. Mit halben Sachen konnte er sich nicht zufrieden geben. Die Liebe ist das Ziel des Formungsprozesses eines Christen. Ein frisch aus der Welt geretteter Christ in noch nicht an diesem Ziel angelangt. Wenn aber ein geretteter Mensch den Fussstapfen Christi folgt, schickt er sich gleichzeitig in den Prozess der Heiligung und der Umwandlung, dessen Ziel die Vollendung in der Liebe ist, wie geschrieben steht:

5 eben deshalb wendet aber auch allen Fleiss auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis,
6 in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, in dem Ausharren aber die Gottseligkeit,
7 in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe! 2.Petr 1,5-7

Petrus erwähnt in seinem Brief den Stufenplan Gottes, den Johannes ebenfalls kannte und welchen eigentlich jeder Christ kennen sollte. „Es ist kein Meister vom Himmel gefallen“, sagt der Volksmund. Und in Sachen Ausbildung hat er Recht. Niemand ist von Anfang an vollendet, sondern jeder durchläuft die Phasen des Lebens bis er zum Ziel kommt. Das Ziel des Gläubigen ist die Vollendung in der Liebe. Gott ist Liebe und in diese soll jeder Gläubige in der Vollendung kommen! Amen!

Vers 6

Und dies ist die Liebe, dass wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr es von Anfang an gehört habt, dass ihr darin wandeln sollt. 2.Joh 1,6

Die Liebe ist nicht das, was Menschen als Liebe definieren. Die Ungläubigen predigen „political correctness“ und sehen das als wichtigen Pfeiler der Nächstenliebe, um keinen andersdenkenden Menschen zu verletzen. Das mag alles gut und schön sein, Rücksichtnahme ist auch des Christen Tugend. Aber was wir Christen in Gottes Liebe haben, das kennt der Ungläubige nicht; diese Liebe steht ausserhalb seiner Reichweite. Viele haben zwar davon gehört, sie kennen die Geschichte auf Golgatha, doch da sie sie nicht erfasst haben, bleibt sie ihnen verborgen.

Ein Christ, der sagt, er habe diese Liebe und wandle ihr gemäss, der wandelt in den Geboten des HERRN; ein solcher Christ verletzt sie nicht, er ziert sie vielmehr.

Mit dem zweiten Teil des Verses bezieht sich Johannes auf seine im Vers 5 gemachte Aussage, dass er nichts Neues schreibe, sondern das erwähnt, was der HERR von Anfang an gelehrt hatte: Das wir einander lieben sollen. Das lehrte der HERR im Neuen Testament schon vor seiner Kreuzigung, wie geschrieben steht:

Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Joh 15,12

Dieses Gebot empfangen seine Jünger schon im 13. Kapitel des Johannesevangeliums.

Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Joh 13,34

Dass es der HERR später nochmals erwähnte, was Johannes im 15. Kapitel festhielt, zeigt die Wichtigkeit des Gebotes. Aufgrund der maximalen Bedeutung dieses Gebotes, ruft es der HERR durch die mehrmalige Erwähnung in den Johannesbriefen beim Gläubigen in Erinnerung!

Vers 7

Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist. 2.Joh 1,7

Ja, klar, und sie haben Namen! Wer hat sie noch nie gesehen, die an jeder Strassenecke stehen und sagen, sie seien Zeugen (Gottes). Ihren Gott nennen sie Jehova. Wer kennt sie nicht? Sie gehen hausieren und predigen einen Christus, der einst geschaffen worden sei. Er sei die erste Schöpfung des Vaters. Das begründen Sie mit dem folgenden Vers:

Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung. Kol 1,15

Indem sie bewusst keinen Unterschied zwischen seiner Eigenschaft als Gott und seiner Eigenschaft als Mensch machen, leugnen sie seine Gottheit und verführen die Menschen, an ihren Christus zu glauben, der nicht der Christus der Bibel ist. Der Christus der Bibel ist Gott, der Allmächtige, wie geschrieben steht:

Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 1.Joh 5,20

Auch Paulus unterstreicht seine Gottheit:

deren die Väter sind und aus denen dem Fleisch nach der Christus ist, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen. Röm 9,5

Diese Wahrheit über Jesus Christus wurde nicht erst im Neuen Testament etabliert, schon im Alten Testament war das klar, wie geschrieben steht:

Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Jes 9,5

Wer Jesus Christus nicht als ewiger Gott, im Fleisch gekommen, bekennt, ist ein Antichrist, bei welchen jeglicher Spass aufhört. Sie verhindern bewusst den Eingang ins Reich, weil sie einen Jesus predigen, der nicht Gott ist und der nicht retten kann. Sie führen die Menschen ins ewige Verderben; wer ihnen folgt, kann auf ewig verloren gehen. Wer solche Menschen anerkennt, hat Teil an ihren Sünden! Das ist eine sehr ernsthafte Sache, die uns die Bibel vorstellt! Deshalb sagt der Apostel Johannes:

Denn wer ihn grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken. 2.Joh 1,11

Wer einen Menschen, der andere Menschen ins Verderben führt (oder auch Sünden verherrlicht), grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken! Auch Paulus warnt uns davor, dass wir nicht durch Handreichungen jeglicher Art, bei Menschen, die Gott ins Angesicht sündigen, Teilhaber fremder Sünden werden, wie geschrieben steht:

Die Hände lege niemand schnell auf, und habe nicht teil an fremden Sünden! Bewahre dich selbst rein! 1.Tim 5,22

Ein ernstes Wort. Aber wieso sollen wir durch Unachtsamkeit und unnützem Gutmenschentum Sünden zugerechnet bekommen, die wir nicht einmal begangen haben? – Das wäre viel zu schade für unser Leben! Amen!

Vers 8

Seht auf euch selbst, damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt! 2.Joh 1,8

In den heutigen Tagen haben erstaunlich wenige Christen Kenntnis über die Erbschaft Gottes. Was ist voller Lohn, was ist halber Lohn, was ist kein Lohn mit gleichzeitig eingehender grosser Beschämung?

Gott stellt jedem Gläubigen eine Erbschaft bereit, Gott will den Gläubigen Lohn geben, wie geschrieben steht:

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner grossen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten
4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, 1.Petr 1,3.4

Diese Verse aus dem Petrusbrief sprechen vom Erbteil. Die folgenden vom Lohn des Arbeiters:

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, daß er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird. Hebr 11,6

Wie das mit der Erbschaft und dem Lohn konkret aussehen wird, ist sehr präzise festgehalten in der Schrift (Matth 24,45-51; 25,14-30; Lk 19,11-26; 1. Kor 3,11-15, um nur wenige Hinweise zu nennen). Ich wundere mich aufgrund der klaren Kommunikation seitens Gottes darüber, dass Christen so wenig Kenntnis über die Erbschaft und den Lohn haben.

Johannes warnt nun davor, dass der Christ den Lohn bzw. die Erbschaft nicht aus den Händen gibt und sie verliert. Die Errettung vor der Hölle kann der Christ nicht mehr verlieren, denn die Gotteskindschaft ist eine Geburt, keine Gabe. Und wir wissen, dass eine Familienzugehörigkeit nicht rückgängig gemacht werden kann. Das lehrt uns Gott durch die natürlichen Prozesse. Ebenfalls durch das normale Leben lehrt uns Gott, dass Erbschaften und Belohnungen von Erblassern und vermögenden Menschen zurückbehalten werden können, wenn sie die Erben als dazu unwürdig erachten. Machen wir uns da nichts vor, es steht geschrieben:

Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme! Offb 3,11

Die Worte könnten deutlicher nicht sein! Lassen Sie uns festhalten, was in unseren Schoss gelegt ist. Geben wir das Erbe nicht durch Faulheit und Weltlichkeit aus der Hand, wie es Esau aus der Hand gegeben hatte und nicht mehr zurückgewinnen konnte (Heb 12,17)!

Vers 9

Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. 2.Joh 1,9

Zweifelsfrei kann man heute sagen, dass in der christlichen Landschaft das Bibelwissen auf einem sehr tiefen Niveau einher dümpelt. Christen kennen das Wort sehr schlecht. Dass es nicht so auffällt oder aus was für Gründen auch immer – vielleicht, um einen frommen Anstrich zu bewahren – wiederholen viele von uns stets die gleichen Phrasen, wie ein Plattenspieler mit einer zerkratzen Schallplatte, der immer wieder dasselbe von sich gibt, da dessen Nadel aufgrund des Kratzers immer wieder einige Rillen zurückspringt.

Ein Auszug dieser Phrasen:

Das können wir nicht wissen.
Wir dürfen nicht richten (das wird auch gesagt, wenn zwingend eine Beurteilung gefordert ist).
Wir dürfen keine Person ausschliessen.
Wer so etwas Schlimmes getan hat, kann kein Christ, kein Kind Gottes mehr sein.

Hören Sie das nicht auch tagtäglich in Diskussionen mit Geschwistern? – Die Wahrheit ist: All diese Phrasen sind in der Regel falsch. Die Bibel offenbart uns sehr viel vom Willen des Vaters und dem erwarteten Gang des Menschen; viel zu früh sagt man, dass man dies oder jenes nicht wissen könne.

Die zweite Phrase wird viel zu oft ausgesprochen, weil viele nicht zwischen beurteilen (eine Situation einschätzen) und dem Richten unterscheiden können. Richten ist abschliessendes Beurteilen. Ich richte, wenn ich zum Bruder sage: Du bist das und das. Dann habe ich ihn endgültig eingeteilt, was nicht zulässig ist. Dieses Richten steht nur dem HERRN an. ABER: Die Bibel verlangt von uns, dass wir den aktuellen Zustand von Menschen in Bezug auf öffentlicher Sünde richtig einschätzen. Ein solches Verhalten von uns ordnet Christus sogar persönlich an:

Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Mt 18,15

Der HERR verlangt von uns, dass wir sündigende Geschwister erkennen und wegen ihres zielverfehlenden Handelns eigreifen. Das hat mit Richten rein gar nichts zu tun. – Doch wo sind wir heute mit dieser Wahrheit angelangt? Wenn ich solches predige, höre ich sofort die kaputte Schallplatte meines Gesprächspartners, welche immer wieder krächzt: Wir dürfen nicht richten!

Dasselbe Trauerspiel geht weiter, wenn Gemeindezucht geübt werden müsste, wenn also ein Bruder oder eine Schwester trotz zweimaliger Ermahnung (Mt 18,15-17) weiter und hartnäckig an der Sünde festhält. Dann ist gemäss der Schrift Gemeindezucht angesagt (1. Kor 5, besonders die Verse 9-11; 2. Thess 3,14). – Wenn man diese aber erwähnt, kommt die nächste – ich kann es nicht anders sagen, „eingebrannte“ Phrase zum Zug: Wir dürfen niemanden ausschliessen!, mit dem Zusatz: … denn Gott liebt alle Menschen! Dass eine solche Gutmenscheneinstellung diametral zum Willen Gottes bei sündigenden Geschwistern steht, scheint niemanden zu interessieren. Im 2. Thessalonicherbrief, Kapitel 3, Vers 14 wird der Christ aufgefordert, sich von unordentlichen Brüdern zu trennen, bereits von solchen soll sich der Christ trennen, die nicht so grob sündigen, wie jener im 5. Kapitel des ersten Korintherbriefes. Paulus spricht bereits von notwendiger Trennung, wenn sich jemand nicht von einem Lebenswandel in Faulheit (2 Thess 3,11) verabschieden will. Im Hause Gottes soll Zucht und Ordnung herrschen, das ist der Wille Gottes!

Und am Ende kursiert der Glaube, dass ein Christ die Errettung (Neugeburt durch den Heiligen Geist) wieder verlieren kann, was auch falsch ist. Das Kapitel 3 im ersten Korintherbrief klärt auf: Jemand, der auf dem Fundament Christi steht (der sich einmal bekehrt hat), kann diese Kindschaft nicht verlieren (1. Kor 3,11-15), doch er kann durchaus seine Erbschaft verlieren (z. B. Lukas 19,13-26).

Es ist nicht weit hergeholt, wenn ich sage, dass wir in der christlichen Landschaft auf einem sehr tiefen Niveau einher dümpeln, daher ist es umso schwieriger geworden, die Warnungen des Johannes anzuwenden. Wann weiss man, wenn jemand in der Lehre Christi zu weit geht (2. Joh 1,9), wenn man die Lehre Christi nicht kennt?

Vers 10

Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüsst ihn nicht! 2.Joh 1,10

Wer die Lehre Christi nicht bringt, soll man weder grüssen, noch ins Haus aufnehmen. Die Rede ist von Menschen, die in der Lehre Christi über die gesteckten Grenzen hinweg abdriften. Zum Beispiel lehren die Zeugen Jehovas, Christus sei nicht Gott, indem sie seine Eigenschaft als Mensch darstellen und seine Eigenschaft als Gott leugnen. Andere lehren, „der Jesus“ soll (lediglich) ein Prophet gewesen sein. Solche Menschen bleiben nicht in der Lehre, die uns Christus weitergegeben hat und leiten die Herde des HERRN in die Irre. Diese soll man unbedingt meiden; wer sie anerkennt, schwächt die Gefährlichkeit ihrer böse Lehre ab, indem er der Umgebung zu verstehen gibt, dass das, was sie von sich geben, getrost akzeptiert werden kann. – Damit wird man schuldig und zum Komplizen des Bösen.

Vers 11

Denn wer ihn grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken. 2.Joh 1,11

Ein Mensch, der ehrlich ist und einen anderen grüsst, anerkennt diesen. Und wer einen Verführer anerkennt, wird in Gottes Augen zu seinem Komplizen. Ein solcher nimmt teil an den bösen Werken des Verführers und wird am Ende auch nach der Art, mit welcher man Verführer der Herde des HERRN richtet, gerichtet werden.

Heute, nennen wir unsere Zeit die des Gutmenschentums, heucheln die Menschen in einer für mich noch nie dagewesenen Art Nächstenliebe und Freundlichkeit. Jeder grüsst jeden, „political corectness“ ist Trumpf. Wenn es einem Kollegen am Arbeitsplatz aber schlecht geht, interessiert das niemanden mehr. Den Menschen ist wichtig, liebevoll und korrekt nach aussen zu erscheinen und merken nicht, dass die Nächstenliebe in Wahrheit völlig abhandengekommen ist.

Wenn nun ein Christ, das Wort im 2. Joh 1,11 umsetzt, indem er einen Verführer nicht mehr grüsst, gilt er unter den Zeitgenossen schnell als intolerantes und respektloses Individuum. Was die Zeitgenossen nicht wissen, ist, dass ihnen genau dieser Christ in der Not helfen würde, da er in der Beachtung der Schrift die Freundlichkeit Gottes repräsentiert, und in der Konsequenz lediglich gegen das menschenfeindliche Böse steht.

Vers 12

Obwohl ich euch vieles zu schreiben habe, wollte ich es nicht mit Papier und Tinte tun, sondern ich hoffe, zu euch zu kommen und mündlich mit euch zu reden, damit unsere Freude vollkommen sei. 2.Joh 1,12

Im Reich gibt es meistens viel zu schreiben oder zu sagen, solange die Wiederkunft Christi noch aussteht. Durch den notwendigen Aufbau der Geschwister (Röm 14,19; 15,2; 1. Kor 14,12; 2. Kor 12,19; u. a.), die Verfolgung durch Satan (1. Petr 5,8) und die Vergesslichkeit der Menschen (1. Kor 4,17; Heb 10,3; 2. Petr. 1,12) gibt es immer wieder vieles, was vorzustellen bzw. zu erwähnen ist.

Vers 13

Es grüssen dich die Kinder deiner auserwählten Schwester. 2.Joh 1,13

Unter Christen grüsst man sich. Dies soll innerhalb von Familien, örtlichen Gemeinden und der weltweiten Gemeinde der Fall sein. Gegen wen man lieb hat, verhält man sich auch entsprechend. Wenn die Wärme in der Gemeinde der Kälte der Welt Platz macht, dann setzen wir das wichtigste Gebot Christi nicht um, dass wir einander lieben sollen.

Mit dieser praktizierten Nächstenliebe – Geschwister denken aneinander, wenn sie sich grüssen bzw. grüssen lassen, schliesst der Apostel Johannes seinen zweiten Brief.